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	<title>Hunger Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Tue, 28 Nov 2023 16:52:20 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Hunger Archives</title>
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		<title>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Nov 2023 16:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aisultan Seit]]></category>
		<category><![CDATA[Asharshylyq]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;Qash&#x201C; lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A&#x131;sultan Se&#x131;t sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdeb&#xFC;t. Der Film, der vor dem Hintergrund der Gro&#xDF;en Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts hei&#xDF; gef&#xFC;hrter Debatten &#xFC;ber Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor. Am 12. November ist das 33. FilmFestival Cottbus zu Ende gegangen. Mit &#x201E;Close Up: Kazakhstan&#x201C; wurde dem [&#x2026;]</p>
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]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „Qash“ lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A</strong><strong>ısultan Se</strong><strong>ıt sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdebüt. Der Film, der vor dem Hintergrund der Großen Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts heiß geführter Debatten über Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. November ist das <a href="https://www.filmfestivalcottbus.de/de/">33. FilmFestival Cottbus</a> zu Ende gegangen. Mit „Close Up: Kazakhstan“ wurde dem zentralasiatischen Land in diesem Jahr eine eigene Sektion gewidmet, die einen Überblick über das kasachstanische Kino der letzten 40 Jahre bot. Neben echten Klassikern befand sich auch der heißdisuktierteste Debutfilm des letzten Jahres im Programm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aısultan Seıt ist derzeit einer der gefragtesten Musikvideo-Regisseure, der unter anderem mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travis_Scott_%28Rapper%29">Travis Scott</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Noize_MC">Noize MC</a> zusammengearbeitet hat. In Kasachstan ist der 26-Jährige ein Star und entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Seıt 2022 sein Spielfilm-Debut „Qash“ ankündigte. Als ob dies nicht genug wäre, behandelt der Film auch noch Kasachstans nationales Trauma. Kann das gut gehen?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Asharshylyq als Background</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Qash“ (kasachisch für „Lauf!“) – laut Programmheft des FilmFestival Cottbus ein <em>„historischer Horrortrip in der kasachischen Steppe“</em> – spielt im Jahr 1931 vor dem Hintergrund der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren">großen Hungersnot</a> in der Sowjetunion. Im Westen ist diese hauptsächlich unter ihrem ukrainischen Namen „Holodomor“ geläufig. Weit weniger bekannt ist, dass Kasachstan von der auf Kasachisch „Asharshylyq“ genannten Katastrophe als erstes betroffen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Historikerin Sarah Cameron <a href="https://eurasianet.org/book-review-a-long-awaited-account-of-kazakhstans-famine">führte</a> die erzwungene Sesshaftmachung und die Beschlagnahmung von Vieh zum Tod von mehr als einem Viertel der kasachischen Bevölkerung. Schätzungen gehen von 1,5 bis 2,1 Millionen Toten aus. Zu dieser Zahl kommen noch die 1 bis 2 Millionen Kasach:innen, die vor Hunger flohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-nicht-erzaehlte-geschichte-des-hungers-eine-rezension-von-sarah-camerons-buch-hungrige-steppe/"><strong>Die nicht erzählte Geschichte des Hungers – eine Rezension von Sarah Camerons Buch „Hungrige Steppe“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser Hungersnot ist Isataı zum Totengräber seines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Auyls</a> geworden. In einer Truhe in seiner Jurte versteckt er seinen 8-jährigen Bruder Álim, um diesen zu schützen – allzu gut weiß er, dass gerade die Schwächsten leicht Opfer von Kannibalismus werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als einer der wenigen, die den Weg in die nächstgelegene Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarqan">Sarqant</a> kennen, wird Isataı von der Sowjetmacht seines Auyls auserkoren, um ein Bittgesuch für bessere Lebensmittelversorgung zu überbringen. Zwar sträubt er sich dagegen, allerdings lässt der ältere Magaı ihn wissen, dass er Álim in Sarqant in ein Waisenhaus geben kann, wo der Junge vor dem wahrscheinlichen Tod durch Hunger oder Mord sicher sei.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In Begleitung eines russischen Soldaten und mit Álim im Wagen versteckt, macht sich Isataı auf den Weg. Doch bereits in der ersten Nacht wird die Gruppe von Räubern überfallen. Der Soldat flieht, Isataı und Álim bringen sich mit Hilfe des aus dem nichts aufgetauchten, einäugigen Alten Tepe in Sicherheit, verlieren aber die Orientierung in der endlosen Steppe. Tepe, der vorgibt auch nach Sarqant zu reisen und den Weg zu kennen, führt die beiden an. Doch schon bald verliert Isataı das Vertrauen in Tepe und der Horrortrip beginnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Raum für Interpretationen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit großartigen Landschaftsaufnahmen, stylischen Bildkompositionen und einem perfekten Auge fürs Detail zeigt Aısultan Seıt, was er beim Clip-making gelernt hat und schafft für „Qash“ eine ganz eigene, bedrückende Ästhetik. Insbesondere der Grauschleier, der über dem gesamten Film liegt, trägt dazu bei, distanziert aber auf der anderen Seite auch vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist außerdem, dass der Film vorrangig über das Visuelle funktioniert. Dialoge sind – wie Seıt selbst im Interview mit <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Esquire.kz</a> hervorhebt – auf ein Minimum reduziert. Doch auch das virtuelle Spiel mit den Geräuschen und der Stille der Steppe tragen zur Atmosphäre von „Qash“ bei.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="ҚАШ | Official Trailer" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/Z00URErDabc?start=2&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Der Trailer zum Film</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hinterlässt der Film Raum für Interpretationen, die ihm eine zusätzliche Tiefe verleihen. Dies betrifft vor allem die Figur des mystischen Tepe, der zwar vorgibt, den Weg zu kennen, letztendlich aber alle in die Irre führt. So stellte die Journalistin Galina Baıjanova im <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Gespräch mit Aısultan Seıt</a> fest, dass Tepe sie an Kasachstans ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> erinnere – eine Parallele, die aber laut dem Regisseur nicht intendiert sei. Vielmehr weist er darauf hin, dass <em>„Tepe eine Ableitung von Tepekoz ist, dem Namen des Zyklopen in der türkischen Mythologie. In dieser Geschichte haben wir also den alten Mythos des Zyklopen verschleiert, der zwei Brüdern eine Herde Widder wegnahm und sie zurückbrachte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Tepe nicht die einzige Figur, die bei einigen Kinobesucher:innen Erinnerungen an kasachische Mythen hervorrief. Während der Diskussionsveranstaltung „Kasachstan auf der Suche nach einer neuen Identität?“, die ebenfalls im Rahmen des FilmFestivals Cottbus in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien stattfand, stellte Aısultan Seıt klar, dass bei der Rolle der Alman keine Nähe zu Jeztyrnaq („Kupfernagel“), einer bekannten Figur der kasachischen Mythologie, intendiert sei. Auch die Darstellerin Tolģanaı Talgat erklärteim Rahmen der Podiumsdiskussion, dass es ihr allein darum gegangen sei, den Schmerz der trauernden Mutter zu verkörpern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein (de)kolonialer Film?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Aısultan Seıts Spielfilmdebut in Kasachstan sehnlich erwartet worden war, rief der Film auch einige Kritik hervor. Wie der Regisseur selbst bei der Podiumsveranstaltung in Cottbus darstellte, waren die Erwartungen an ihn besonders hoch. Einer der Kritikpunkte, die ihn besonders getroffen haben, sei gewesen, dass man „Qash“ als unpolitisch gesehen habe, weil der Film die Auslöser der Hungerkatastrophe nicht eindeutig benenne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Kritiker hingegen sehen den Film zwar als eindeutig politisch, aber mit – wie es Aıdos Taıbekuly auf <a href="https://newreporter.org/2023/01/18/film-qash-ob-asharshylyke-debyut-kazaxstanskogo-rezhissyora-ili-politicheskoe-vyskazyvanie/">New Reporter</a> formuliert – <em>„zweideutiger politischer Botschaft“</em>. <em>„Dem Drehbuch zufolge litten nicht nur lokale Kasachen unter Hunger in der Steppe, sondern auch Vertreter der Sowjetregierung, die eine Kollektivierung durchführte, in deren Folge eine schreckliche Hungersnot ausbrach. Selbst wenn es in der Sowjetregierung vereinzelt zu Hungersnöten kam, wie angemessen ist es dann, auf das Leid der Täter während des Massentodes ihrer Opfer hinzuweisen?“</em>, so Taıbekuly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit befindet sich „Qash“ inmitten der aktuellen Diskurse <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">um Dekolonialisierung</a> in Kasachstan, in denen das nationale Trauma des Asharshylyq eine zentrale Rolle einnimmt, da er wesentlich zur Sowjetisierung der kasachischen Gesellschaft beitrug. Auch die von russischen Schaupieler:innen dargestellten Rollen, wie der der russische Soldat, der Streichhölzer schenkt und so die Moderne ins Leben von Isataı und Álim einziehen lässt, oder die Erzieherin im Kinderheim von Saqant riefen Kritik hervor. Tatsächlich sind aber – wie der Regisseur hervorhebt – beide Figuren vielschichtiger und passen nur bedingt ins Topos „weißer Retter:innen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dos-muqasan-die-geschichte-der-kasachischen-beatles-als-film/"><strong>„Dos-Muqasan“ – die Geschichte der „kasachischen Beatles“ als Film</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei aller Kritik sollte man aber bedenken, dass „Qash“ an keiner Stelle intendiert, die Geschichte des Asharshylyq zu erzählen oder gar dokumentarisch zu sein. <em>„Ursprünglich wollten wir einen Film über sich in der Steppe verirrende Meschen machen. Aber als ich darüber nachdachte, in welchem ​​Kontext ich dies tun sollte und in welchem ​​Zeitraum dies geschehen könnte, wurde mir klar, dass es wahrscheinlich die 30er Jahre sein würden. Inspiriert wurde ich von der Geschichte des Urgroßvaters meines Freundes, der während der Hungersnot dank seines älteren Bruders gerettet wurde, da dieser ihn durch die Wintersteppe trug und ihn dann in ein Waisenhaus brachte“</em> erklärte Seıt gegenüber Esquire.kz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demnach sollte man „Qash“ auch als das sehen, was er ist: kein Film über die Hungersnot, sondern eine Geschichte, die vor deren Hintergrund spielt. Denn ohne diese falschen Erwartungen bleibt ein durchweg spannendes und großartig inszeniertes Debut, das Lust auf mehr macht.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>In Turkmenistan nimmt die Brotkrise kein Ende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2023 08:18:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Brotkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
		<category><![CDATA[Nahrungsmittelkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dem isolierten zentralasiatischen Land ist ein Gro&#xDF;teil der Bev&#xF6;lkerung auf subventionierte Lebensmittel angewiesen, die in staatlichen L&#xE4;den ausgegeben werden. Doch aus konjunkturellen und strukturellen Gr&#xFC;nden werden die versprochenen Rationen nicht immer geliefert, und seit einiger Zeit w&#xE4;chst die Unzufriedenheit der Menschen. In mehreren Provinzen des Landes wurden in diesem Sommer die versprochenen Mehl- und [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In dem isolierten zentralasiatischen Land ist ein Großteil der Bevölkerung auf subventionierte Lebensmittel angewiesen, die in staatlichen Läden ausgegeben werden. Doch aus konjunkturellen und strukturellen Gründen werden die versprochenen Rationen nicht immer geliefert, und seit einiger Zeit wächst die Unzufriedenheit der Menschen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In mehreren Provinzen des Landes wurden in diesem Sommer die versprochenen Mehl- und Butterrationen verspätet geliefert. <a href="https://rus.azathabar.com/a/golodnye-bunty-v-turkmenistane-snova-uchastilsya-defitsit-produktov-i-stihiynye-protesty/32538909.html">Radio Azatlyk</a> berichtet sogar von Zusammenstößen und Schlägereien vor Regierungsläden. Im Juli starb im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rogly_District">Görogly</a> eine Mutter von sechs Kindern, nachdem sie in einer Menschenmenge <a href="https://rus.azathabar.com/a/v-gyorogly-v-rezul%D1%8Ctate-draki-iz-za-muki-pogibla-zhenschina/32508811.html">gestürzt war</a>. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenba%C5%9Fy_(Stadt)">Türkmenbaşy</a> schließlich griff die Bevölkerung im Juni <a href="https://rus.azathabar.com/a/32447380.html">ein Regierungsgeschäft an</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die ehemalige Sowjetrepublik, die über die viertgrößten Gasreserven der Welt verfügt, war seit 1993 nicht mehr an Engpässe bei den Lebensmittelrationen gewöhnt. Doch der Zusammenbruch der Weltmarktpreise für Kohlenwasserstoffe im Jahr 2014 und der anschließende Rückzug des Landes von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gazprom">russischen Gazprom</a> führten zu einer Zahlungsbilanzkrise, wie die <a href="https://www.enpg.ro/turkmenistans-gas-hurdles-no-end-in-sight/">Energy Policy Group berichtet</a>. Die Schließung der Grenze zum Iran im Jahr 2019, über die normalerweise 80 Prozent der Lebensmittelimporte abgewickelt werden, hat zu weiteren Engpässen und Preissteigerungen geführt, <a href="https://turkmen.news/hunger-turkmenistan/">erklärt Turkmen News</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Situation wird seit 2017 von den Machthabenden ignoriert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/A%C5%9Fgabat">Aşgabat</a> bilden sich vor Sonnenaufgang lange Schlangen von Menschen, die Brot kaufen wollen. Dies geschah zum ersten Mal Ende 2017, wurde aber von den Behörden nie öffentlich anerkannt. Zeitweise wurde die Polizei mobilisiert, um die Schlangen <a href="https://rus.azathabar.com/a/ashhabadskaya-politsiya-pytaetsya-vyyavlyat%D1%8C-neblagonadezhnyh-grazhdan-v-ocheredyah-za-hlebom/32488461.html">aufzulösen</a>, die dem Ansehen des Präsidenten <a href="https://www.rferl.org/a/turkmenistan-lines-at-food-stores-banned/31227989.html">„schadeten“</a>: Schließlich widersprach die Situation der offiziellen Darstellung eines wohlhabenden Landes und der turkmenischen Bevölkerung, die <a href="https://tdh.gov.tm/ru/post/30761/torzhestvennaya-ceremoniya-inauguracii-prezidenta-turkmenistana-2">„in einer Ära der Macht und des Glücks“</a> lebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem der am stärksten abgeschotteten Länder der Welt (Platz 176 von 180 bei der <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2023">Pressefreiheit</a>) gehören Zensur und Überwachung zum Alltag. Das staatliche Fernsehen berichtet nur von üppigen Regalen mit Getreide- und Fleischprodukten sowie buntem und süßem Obst und Gemüse in den Geschäften.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Versorgungswege</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Turkmenistan gibt es zwei Systeme für den Kauf von Lebensmitteln. Auf der einen Seite verkaufen private Geschäfte und Basare die Lebensmittel zu Marktpreisen, die für einen Großteil der turkmenischen Bevölkerung unerschwinglich sind. Zum anderen können Grundnahrungsmittel zu Vorzugspreisen erworben werden. Dazu muss ein Familienstammbuch vorgelegt werden, das den Wohnsitz und die Familienzusammensetzung nachweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/aschgabat-verschwindet-von-liste-der-teuersten-staedte-fuer-expats/#:~:text=W%C3%A4hrend%20Turkmenistans%20Hauptstadt%20Aschgabat%20seit,einzige%20deutschsprachige%20Nachrichtenmagazin%20%C3%BCber%20Zentralasien.">Aschgabat verschwindet von Liste der teuersten Städte für Expats</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kilogramm Mehl, das in einem privaten Geschäft 6 Manat (1,60 Euro) kostet, ist in einem staatlichen Geschäft für 1,5 Manat (0,40 Euro) zu haben. Die Regel lautet: 5 Kilogramm Mehl pro Person und Monat. In der Praxis werden die vereinbarten 5 Kilogramm jedoch selten vollständig und oft erst mit monatelanger Verspätung verteilt und sind oft <a href="https://rus.azathabar.com/a/v-gosudarstvennyh-magazinah-ashhabada-prodayut-muku-s-zhuchkami-i-chervyami/32589469.html">nicht zum Verzehr geeignet</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unzureichende Produktion</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die Turbulenzen auf dem Gasmarkt noch verschärft wurden, reichen die Lebensmittelgutscheine nicht mehr aus. Ihre Einlösung wird streng kontrolliert. Im April 2022 <a href="https://www.rferl.org/a/turkmenistan-bread-rations-jail/31816546.html">bestraften</a> die Behörden in Aşgabat alle, die mehr Brot kauften, als ihnen zustand, mit bis zu 15 Tagen Gefängnis. Viele Menschen beschweren sich auch über eine informelle Regel, die den Kauf subventionierter Produkte vom Kauf unerwünschter, aber lokal hergestellter Produkte <a href="https://www.rferl.org/a/turkmenistan-subsidized-food-strings-attached-shortages-economy/30901417.html">abhängig mache</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt, wo immer mehr Menschen auf subventionierte Lebensmittel angewiesen sind, wird die Abschaffung der Preisobergrenzen in den staatlichen Geschäften von den Machthabenden immer wieder <a href="https://www.rferl.org/a/turkmenistan-rations-low-cost-food-ashgabat/32378669.html">ins Gespräch gebracht</a>, da sie der Meinung sind, die Bevölkerung brauche diese nicht mehr. Die seit 1993 kostenlose Versorgung mit Wasser, Gas und Strom, die durch Gaseinnahmen ermöglicht wurde, wurde ab 2017 schrittweise reduziert und 2019 ganz abgeschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachrichtenagentur <a href="https://en.trend.az/casia/turkmenistan/3792571.html">Trend berichtete</a> Anfang September über den Kauf von 54.000 Tonnen Mehl aus Russland. Turkmenistan produziert zwar durchschnittlich über eine Million Tonnen Weizen pro Jahr. Das ist aber nicht genug, um den Bedarf der offiziell sechs Millionen Einwohnenden zu decken. Das planwirtschaftliche Landwirtschaftsmodell ist ein Erbe der sowjetischen Vergangenheit, erklärt <a href="https://thediplomat.com/2022/08/has-turkmenistans-transition-to-a-market-economy-been-a-success/">The Diplomat</a>. Der Staat kontrolliert 90 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Land wird an Bauern nur unter der Bedingung verpachtet, dass sie Weizen oder Baumwolle anbauen. Letztere wird dabei hauptsächlich für den Export <a href="https://thediplomat.com/2018/12/understanding-turkmenistans-food-shortages/">produziert</a>. Zu allem Überfluss wurde die Ernte 2020 von Heuschrecken vernichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-droht-eine-der-schlimmsten-heuschreckenplagen-der-letzten-jahrzehnte/">Zentralasien droht eine der schlimmsten Heuschreckenplagen der letzten Jahrzehnte</a></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwarzmarkt, leere Taschen, volle Kassen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Abwertung des Manat Anfang 2015 um fast 20 Prozent (auf rund 0,94 Euro) hat neben der <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/korruption-in-turkmenistan-die-familie-des-praesidenten-profitiert-vom-hunger-der-bevoelkerung/">Korruption</a> den Schwarzmarkt deutlich gestärkt. Da der turkmenische Manat außerhalb des Landes nicht konvertierbar ist, schreckt der <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistan-verbietet-abhebungen-in-fremdwaehrung/">erschwerte Zugang zu Devisen</a> Importeure ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistan-verbietet-abhebungen-in-fremdwaehrung/">Turkmenistan verbietet Abhebungen in Fremdwährung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei mangelt es Turkmenistan nicht an Geld. In Aşgabat, der scheinbar makellosen Hauptstadt mit ihren Türmen aus Stein und weißem Marmor, häufen sich weitere Architekturprojekte. Zu den jüngsten Fantasien des turkmenischen Präsidenten gehört eine sechs Meter hohe Statue aus massivem Gold, die einen Hund der Rasse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralasiatischer_Owtscharka">Alabai</a> darstellt. Dieser stelle das Regime als Symbol der nationalen Identität dar, wie <a href="https://eurasianet.org/turkmenistans-president-gets-his-golden-dog">Eurasianet berichtet</a>. Dass die Kassen des Landes nicht leer sind, zeigt auch der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/in-turkmenistan-ist-die-arkadag-manie-in-vollem-gange/">Bau einer neuen Stadt</a> für über 4,5 Milliarden Euro.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléonore Darasse, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/turkmenistan-crise-du-pain-nen-finit-plus/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Korruption in Turkmenistan: Die Familie des Präsidenten profitiert vom Hunger der Bevölkerung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emilie Guillard]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jun 2021 09:59:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gurbanguly Berdimuhamedow]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Gruppe investigativer JournalistInnen hat Korruption in der turkmenischen Regierung enth&#xFC;llt. W&#xE4;hrend die Bev&#xF6;lkerung unter Nahrungsknappheit leidet, nutzt die Familie von Pr&#xE4;sident Gurbanguly Berdimuhamedow die Situation, um sich zu bereichern. Am 13. Mai hat das Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) einen Bericht ver&#xF6;ffentlicht, der die Politik der Lebensmittelversorgung in Turkmenistan beleuchtet. Das OCCRP [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Gruppe investigativer JournalistInnen hat Korruption in der turkmenischen Regierung enthüllt. Während die Bevölkerung unter Nahrungsknappheit leidet, nutzt die Familie von Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow die Situation, um sich zu bereichern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Mai hat das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organized_Crime_and_Corruption_Reporting_Project">Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP)</a> einen <a href="https://www.occrp.org/en/investigations/as-turkmenistans-people-go-hungry-presidents-nephew-profits-off-food-imports">Bericht</a> veröffentlicht, der die Politik der Lebensmittelversorgung in Turkmenistan beleuchtet. Das OCCRP ist eine Gruppe investigativer JournalistInnen, die nach Beweisen für Korruption und organisierte Kriminalität recherchieren.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die JournalistInnen haben Dokumente entdeckt, die den Präsidenten und seine Familie belasten. Dabei geht es um den Import von Lebensmitteln – in Zeiten, in denen die Bevölkerung Turkmenistans von Hunger und Rationierung geplagt wird.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ein Fall, der bis ins Jahr 2016 zurückreicht</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Alles begann im Jahr 2016. Am 11. Dezember unterzeichnete Turkmenistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> das Dekret Nr. 14995, das <em>„das Ministerium für Handel und Außenwirtschaft anwies, mit sieben ausländischen Unternehmen Importverträge über insgesamt fast 60 Millionen US-Dollar zu schließen“</em>. Diese Entscheidung ist äußerst ungewöhnlich. Es ist laut OCCRP <em>„der einzige Befehl des Präsidenten, der direkt mit der Nahrungsmittelversorgung verbunden ist, unter Tausenden von Dekreten, die von Journalisten analysiert wurden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das OCCRP stellte fest, dass von den sieben beteiligten Unternehmen drei verdächtig erscheinen. Der größte Auftrag ging an die britische <a href="https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/OC390287">Greatcom Trade LLP</a> – insgesamt <em>„15.100 Tonnen Zucker, 7.000 Tonnen Huhn, 2.083 Tonnen Sonnenblumenöl, 170 Tonnen Butter und 107 Tonnen Margarine.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/matraimows-millionen-die-geschichte-eines-kirgisischen-korruptionsskandals/"><strong>Matraimows Millionen – Die Geschichte eines kirgisischen Korruptionsskandals</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Unternehmen, <a href="https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/SL026454">Staunchest Holdings LP</a>, gehört einem Freund der Präsidentenfamilie. Nach Angaben der unabhängigen turkmenischen Nachrichtenagentur <a href="https://ok.ru/newstm/topic/67899765653618">Turkmen.news</a> hatte das britische Unternehmen bis letzten März ein Monopol auf den Import von gefrorenem Büffelfleisch. Das letzte Unternehmen, die ebenfalls britische <a href="https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/SL024852">Intergold LP</a>, wurde in SL024852 LP umbenannt, was die Auffindbarkeit der Eigentümer erschwerte. Das <a href="https://www.icij.org/investigations/fincen-files/unchecked-by-global-banks-dirty-cash-destroys-dreams-and-lives/">International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)</a> meldete jedoch 2017 eine verdächtige Überweisung des turkmenischen Handelsministeriums im Wert von 1,6 Millionen US-Dollar (1,42 Millionen Euro).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Informationen der Antikorruptionsorganisation scheinen alle drei Firmen Briefkastenfirmen zu sein. Diese Praxis dient häufig Zwecken wie Steuerhinterziehung oder Geldwäsche.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der Neffe des Präsidenten ist beteiligt</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">ReporterInnen von Turkmen.news, dem turkmenischen Medium Gungodar und OCCRP stellten fest, dass die Greatcom Trade LLP dem 39-jährigen Hajymyrat Rejepow, einem Neffen des Präsidenten, gehört. Bei dem strittigen Vertrag handelt es sich um einen Großauftrag im Wert von 25,7 Millionen US-Dollar (22,8 Millionen Euro). Das britische Unternehmen und sein Eigentümer haben jedoch keine Erfahrung auf diesem Gebiet. Rejepow ist nicht der Einzige, der einen derartigen Vertrag erhalten hat. So gehört die Staunchest Holdings LP Merdan Gurbanow, einem langjährigen Partner Rejepows.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="550" height="550" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Shamyrat-550x550-1.jpg" alt="" class="wp-image-26865" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Shamyrat-550x550-1.jpg 550w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Shamyrat-550x550-1-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Shamyrat-550x550-1-150x150.jpg 150w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hajymyrat Rejedow (links)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht des OCCRP ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Insiderhandel">Insiderhandel</a> wahrscheinlich. Dies bedeutet, dass eine Person an der Börse mit vertraulichen Informationen Transaktionen durchführt. Nach turkmenischem Recht ist eine Ausschreibung in &#8222;Ausnahmefällen&#8220; jedoch nicht nötig – eine Gesetzeslücke, von der die Regierung unbekümmert profitiert.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Familienvermögen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">In den sozialen Netzwerken wird stolz das Vermögen der Präsidentenfamilie gezeigt: Bilder von Luxusuhren, Urlaub im Ausland, teuren Villen. Die Herkunft dieses Geldes ist jedoch unbekannt. Die vom OCCRP entdeckten Verträge sind die ersten Dokumente, die Licht ins Dunkel bringen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="768" height="583" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Rejepov-Luxury-Watches-768x583-1.jpg" alt="" class="wp-image-26864" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Rejepov-Luxury-Watches-768x583-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Rejepov-Luxury-Watches-768x583-1-300x228.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bilder von Rejepows Account in dem sozialen Netzwerk &#8222;VKontakte&#8220;</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem Artikel geht die Antikorruptionsorganisation sogar noch weiter. Das OCCRP vermutet, dass Hajymyrat Rejepow den Vertrag benutzt hat, um sich trotz des in Turkmenistan grassierenden Hungers zu bereichern. Kurz nach Erhalt des Importvertrags soll er eine Luxusresidenz in der Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aşgabat">Aşgabat</a> gekauft haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="474" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Home-Video-Still-768x474-1.jpg" alt="" class="wp-image-26863" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Home-Video-Still-768x474-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/06/Hajymyrat-Home-Video-Still-768x474-1-300x185.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Foyer von Rejepows Haus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das OCCRP beschuldigt in erster Linie Rejepow der Korruption, macht aber auch den Rest von Berdimuhamedows Familie verantwortlich. Letztere könnte den Ergebnissen zufolge auch von ähnlichen Verträgen profitiert haben.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Katastrophale Folgen für die Bevölkerung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die Korruptionsvorwürfe wiegen schwer. Insbesondere, da die Nahrungsmittelimporte nicht ausreichen, um die gesamte Bevölkerung Turkmenistans zu ernähren. <em>„Sie bringen sehr wenig Essen, es reicht nicht für die Leute&#8220;</em>, sagte ein Angestellter des öffentlichen Dienstes, der anonym bleiben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/duerre-in-turkmenistan/">Dürre in Turkmenistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 2020 hatten die lokalen Behörden in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_(Turkmenistan)">Mary</a>, einer Stadt in der Wüste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakum">Karakum</a>, laut Angaben von <a href="https://turkmen.news/news/lack-of-food-in-turkmenistan/">Turkmen.news</a> die Rationen für die BewohnerInnen reduziert. Pro Monat stehen nur ein halbes Huhn pro Familie und sechs Eier pro Person zur Verfügung. <a href="https://turkmen.news/news/one-chicken-leg/">Turkmen.news</a> berichtet auch, dass in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balkanabat">Balkanabat</a>, im Westen des Landes, seit April den EinwohnerInnen ein Viertel Huhn, ein Liter Pflanzenöl und 250 Gramm Zucker pro Familie erlaubt sind.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Der Präsident schweigt</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher haben sich weder Präsident Berdimuhamedow noch sein Neffe zu diesem Thema geäußert. Auch lokale Medien schweigen bisher. Kein Wunder in einem Land, in dem <em>„die Regierung die Medien kontrolliert, das Internet zensiert wird und Journalisten verhaftet und gefoltert wurden&#8220;</em>, erläutert das OCCRP.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die deutlichste Reaktion stammt vom Meinungsjournalisten David Leask im <a href="https://www.heraldscotland.com/news/19317961.david-leask-tiktok-dictator-scottish-connection/">Scottish Herald</a>. Empört prangert er die Milliarden an, <em>„die in den letzten drei Jahrzehnten über britische Briefkastenfirmen, insbesondere schottische Unternehmen, aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgeholt wurden&#8220;</em>. Intergold LP sowie eine zweite Gesellschaft, die von Berdimuhamedows Dekret profitierten, sind schottische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Limited_Partnership">Limited Partnerships</a>, eine anerkannte Form der Mantelgesellschaft. Leask fordert gemeinsame Anstrengungen, um <em>„das Leben von Herrn Berdimuhamedow und seinesgleichen sehr schwer zu machen&#8220;</em>.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Verbreitete Korruption</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Im Allgemeinen ist Korruption in Turkmenistan nichts neues. Laut dem <a href="https://www.transparency.org/en/news/cpi-2020-global-highlights">Corruption Perception Index (CPI)</a>, der von der NGO <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transparency_International">Transparency International</a> jährlich veröffentlicht wird, ist Zentralasien eine der korruptesten Regionen der Welt. Im Bericht für das Jahr 2020 liegt Turkmenistan auf Platz 165 von 180 Nationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/korruption-in-turkmenistan-deutscher-ex-manager-vor-gericht/"><strong>Korruption in Turkmenistan: Deutscher Ex-Manager vor Gericht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land verfügt über eine lange Geschichte von Diktatur und Korruption. So galt Berdimuhamedows Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saparmyrat_Nyýazow">Saparmyrat Nyýazow</a>, Präsident von 1985 bis zu seinem Tod im Jahr 2006, als einer der ärgsten Diktatoren seiner Generation. Die vom OCCRP hervorgehobenen Ergebnisse sind somit nur ein neues Puzzleteil.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emilie Guillard, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/turkmenistan-la-famille-du-president-profite-de-la-faim-de-la-population/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>


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