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	<title>HIV Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>HIV Archives</title>
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	<item>
		<title>Im Schutz der Nacht: die dunkle Seite der Sexarbeit in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Dec 2024 12:59:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Legalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zuhälter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Hook-Journalist Andrej Skwortsow sprach mit einem Zuh&#xE4;lter, mit Menschenrechtsaktivisten und einer Psychologin, um herauszufinden, wie Menschen in dieses Gesch&#xE4;ft kommen, warum Freier dorthin gehen und welche Risiken bestehen. Wer sch&#xFC;tzt die Rechte von Sexarbeitenden in Usbekistan? &#x201E;Prostitution ist in Usbekistan ein Verbrechen und ein Tabuthema. Daher gibt es keine Organisationen, die sich dem Schutz [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Hook-Journalist Andrej Skwortsow sprach mit einem Zuhälter, mit Menschenrechtsaktivisten und einer Psychologin, um herauszufinden, wie Menschen in dieses Geschäft kommen, warum Freier dorthin gehen und welche Risiken bestehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wer schützt die Rechte von Sexarbeitenden in Usbekistan?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Prostitution ist in Usbekistan ein Verbrechen und ein Tabuthema. Daher gibt es keine Organisationen, die sich dem Schutz der Rechte von Sexarbeitenden widmen oder ihnen umfassend und systematisch Unterstützung bieten. Es gibt jedoch einige Organisationen und Einzelpersonen, die mit Sexarbeitenden arbeiten, wie zum Beispiel das Zentrum </em><a href="https://istiqbolliavlod.uz/en"><em>Istiqbolli Awlod</em></a><em>. Die Organisation bekämpft den Menschenhandel, bietet HIV/AIDS-Präventionsdienste für gefährdete Gruppen (Sexarbeitende und LGBT-Personen) und leistet aufsuchende Arbeit: Sie sucht proaktiv potentiell betroffene Gruppen, wie zum Beispiel Drogenkonsumenten, und bleibt mit ihnen in Kontakt. Folgende Fragen beantwortete eine Mitarbeiterin der Organisation.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Hilfe wird Sexarbeitenden angeboten?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Aufsuchende Sozialarbeitende verweisen hilfesuchende Sexarbeitende an die Hotline der Organisation, wo sie kostenlose Beratung und Rechtshilfe erhalten. Für die Behandlung von Geschlechtskrankheiten empfehlen sie ihnen vertrauenswürdige medizinische Einrichtungen. Leider gibt es aber kein vollständiges Screening und keine kostenlose gynäkologische Beratung für die Zielgruppe.</em>“</p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Porträt einer in der Sexarbeit tätigen Person &#8211; wie sieht sie aus?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sexarbeitende in Usbekistan sind Frauen im Alter von 25 bis 45 Jahren, meist Binnenmigrantinnen. Das Einkommen ihrer Familien liegt unter dem Durchschnitt. Der Hauptgrund für den Einstieg in die Sexindustrie ist der Mangel an Möglichkeiten oder Alternativen. Zum Beispiel fehlende Arbeitsplätze oder die Unfähigkeit, eine Anstellung zu finden, weil es an Bildung mangelt, die auch nicht zu erlangen ist. Am häufigsten werden sie in jungen Jahren missbraucht, sind geschieden, verwitwet oder haben keinen Studienplatz bekommen. Es gibt Fälle, in denen Zuhälter Sexarbeitende zwangsweise festhalten durch Drohungen, Erpressung, Einschüchterung und in einigen Fällen Schlägen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Art von Hilfe erhalten sie am häufigsten?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die in der Prostitution tätigen Personen wenden sich am häufigsten an uns, wenn es um gesundheitliche Fragen geht. Sie benötigen kostenlose gynäkologische Konsultationen und Untersuchungen, da sie sich an ihrem Wohnort nicht an einen Gynäkologen wenden können und Privatkliniken teuer sind. Sie bitten auch um Dienstleistungen zur HIV-Prävention: HIV-Tests, Kondome und urologische Beratung für Kunden. Sexarbeitende sind physischer und psychischer Gewalt von Zuhältern und Kunden ausgesetzt. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, sie können sich nicht direkt an die Strafverfolgungsbehörden wenden, da dies ein direkter Beweis dafür wäre, dass sie illegalen Tätigkeiten nachgehen. Viele Menschen, die in der Prostitution tätig sind, nehmen neue psychoaktive Substanzen und betrachten sich nicht als süchtig. Sie bitten auch um Hilfe bei der Wiederbeschaffung ihrer Pässe, des Unterhalts für ihre Kinder und ihres Wohnsitzes, da sie keinen festen Wohnsitz haben.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie die Branche „von innen“ funktioniert &#8211; die Geschichte eines ehemaligen Zuhälters</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Vorher habe ich in Russland auf einer Baustelle und im Verkauf von Freizeitkleidung gearbeitet. Dann arbeitete ich in einem Gastronomiebetrieb in Taschkent. Im November 2023 begann ich mit der Zuhälterei. Ich befand mich in einer Gesellschaft von Bekannten und wir wurden gefragt, wo wir ein Mädel finden könnten. Jemand sagte scherzhaft, dass man auf Webseiten suchen könne. Ich begann zu überlegen, warum nicht? Das Catering-Format ermöglicht es uns, dies parallel zu tun: Es sind immer viele Gäste da, jeder braucht Sex, und es gibt auch viele alleinstehende Männer. Ich beschloss, auf die Webseite zu gehen und stellte fest, dass die Preise in Usbekistan etwas hoch sind, aber die Nachfrage nicht sinkt, so dass man sie erhöhen kann. Ich ging zu dem Mann, der mich danach fragte, und zeigte ihm ein paar Mädchen. Natürlich mit einem kleinen Aufschlag für das erste Mal. Er hat sie genommen. Und mir wurde klar, dass man damit sehr gut leben kann. Denn es ist wie mit Lebensmitteln, wie mit Kleidung: Jeder braucht Sex. Ich habe nur mit </em>Mädels<em> gearbeitet- das ist eher eine Besonderheit des lokalen Marktes. Ein Freund von mir, der in Russland arbeitet, sagt, dass auch die männliche Prostitution dort weit verbreitet ist. Ich habe die Arbeiterinnen selbst kennengelernt, aber wir haben nur während der Arbeit miteinander gesprochen. Sie konnten ein paar Mal vor oder nach „allem“ herumstehen und über das Leben reden &#8211; alles war so einfach und offen. Und das war&#8217;s dann: Wir haben das Geld geteilt und sind getrennte Wege gegangen. Ich habe mindestens 50 Dollar für jede verdient. Eine Stunde mit einer Frau kostet 150 Dollar, so sagte ich den Kunden und rechnete meinen Aufschlag bereits ein. Natürlich, wenn ich sah, dass der Kunde wohlhabend ist, konnte ich natürlich auch 200 Dollar nehmen. Oder, zum Beispiel, ein Mann will für die ganze Nacht bestellen &#8211; dann gibt es ein Minimum von 500. Die Kunden können per Überweisung oder bar bezahlen: Der Frau gebe ich ihren Anteil, oder einem eventuellen Mittelsmann, und der Rest bleibt bei mir.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ab-200-som-aufwaerts-von-maennern-die-sex-fuer-geld-anbieten/">„Ab 200 Som aufwärts“ –&nbsp; Von Männern, die Sex für Geld anbieten</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich nahm <em>nahm weder größere Aufträge noch triebhafte</em> Kunden an, selbst mit einem Aufschlag &#8211; ich wollte nicht, dass eine Frau eventuell vergewaltigt wird. Ich habe auch nicht mit Betrunkenen gearbeitet; das Durchschnittsalter der Kunden lag irgendwo zwischen 25 und 40. Viele Frauen wollen Geld verdienen, um zum Beispiel eine Therapie für einen Familienangehörigen zu finanzieren. Ich weiß nicht, wie es bei jedem meiner Mädels war, aber viele von ihnen verdienten Geld für ihr Studium. Tagsüber studieren sie, abends gehen sie arbeiten. Manche kommen sogar aus anderen Ländern: Ich hatte zwei Mädels aus Kasachstan, hier gelten sie als exotisch, während sie dort niemand wollte. Ich verstehe nicht, warum dieses Thema so ein Tabu ist. Sex ist wie Essen, Kleidung. Es ist eine notwendige Sache. Aber aus irgendeinem Grund ist es ein absolutes Tabu, besonders in unserem Land. Ich denke, es ist ganz normal und natürlich. Solche Arbeit ist keine Sklaverei, die Mädels verdienen nur ihren Lebensunterhalt. Wie ein Kellner oder ein Bauarbeiter. Sie verdienen einfach ihren Lebensunterhalt mit ihrem Körper. Und warum nicht? Ich habe jetzt mehr oder weniger aufgehört. Also, ich habe nicht komplett aufgehört, ich suche nur nicht mehr so aktiv nach Kunden wie früher. Zuerst dachte ich, es sei leicht, einfach und macht Spaß &#8211; ich brauchte das Geld. Aber dann habe ich gemerkt, dass das illegal ist, und dafür kann man dich ganz schön f***en und ins Gefängnis schicken. Und so ist es auch in Russland. Als ich dort lebte, hatte ich denselben Telegram-Kanal, aber ich habe niemanden verkauft, ich habe nur zugeschaut. Und wenn man oft dasselbe Mädchen sieht und sie dann verschwindet, kommt man auf seltsame Gedanken.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistans-kampf-gegen-prostitution-trifft-gewoehnliche-buergerinnen/">Tadschikistans Kampf gegen Prostitution trifft gewöhnliche BürgerInnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In Usbekistan wurde mir klar, dass, wenn jemand ins Gefängnis gelangt, diese Person gegen mich aussagen wird. Warum sollte ich das tun wollen? Keiner meiner Freunde und Familienangehörigen wusste, was ich tat. Ich möchte mich nicht in die Politik einmischen, aber da „sie“ das Verbot verhängen, bedeutet das, dass sie mehr Ahnung von Verboten haben als ich. Wie ich schon sagte, es ist nur ein Job. Wollen sie das kontrollieren, sollen sie es versteuern. Na, nehmen wir die Brücke in Kuylyuk: Dort gibt es eine Menge Sexarbeitende, und ganz Usbekistan weiß davon, alle Politiker, die Polizei – wenn sie so sehr dagegen sind, sollen sie dort alles schließen. Aber die Mädels stehen weiterhin dort und verdienen Geld. Eine Art von Legalisierung.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Statistiken des Innenministeriums</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Innenministerium ignorierte die Anfrage von <em>Hook</em> nach Statistiken über die Zahl der in Usbekistan verhafteten Sexarbeitenden und die Häufigkeit von Straftaten in diesem Bereich in den letzten Jahren. In den ersten drei Monaten des Jahres 2024 wurden in Taschkent 1.068 Sexarbeitende verhaftet. Nach Angaben der Polizeibehörde kamen 92,8 Prozent von ihnen aus den Provinzen in die Hauptstadt. Die Polizei stellte außerdem 209 Fälle von Zuhälterei und Bordellbetrieben fest. Sexarbeitende können auch unter Artikel 113 des Strafgesetzbuchs fallen, der die Verbreitung von HIV/AIDS regelt: „<em>Die Ansteckung einer anderen Person mit einer Geschlechtskrankheit durch eine Person, die weiß, dass sie erkrankt ist, wird mit einer Geldstrafe von 50 bis 100 <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D0%B0%D0%B7%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%87%D1%91%D1%82%D0%BD%D0%B0%D1%8F_%D0%B2%D0%B5%D0%BB%D0%B8%D1%87%D0%B8%D0%BD%D0%B0_(%D0%A3%D0%B7%D0%B1%D0%B5%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD)">BRV </a>oder einer gemeinnützigen Pflichtarbeit von 240 bis 360 Stunden oder</em> <em>einer Strafarbeit von bis zu zwei Jahren oder einer Freiheitsbeschränkung von einem bis drei Jahren oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-hiv-positive-frauen-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/">Wie HIV-positive Frauen in Tadschikistan diskriminiert werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gebiet Buchara wurde im Jahr 2021 eine Frau, die etwa 40 Menschen mit HIV infiziert hatte, zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die Frau wusste von der Infektion und war nach Angaben der Polizei in der Prostitution tätig. Die Frau bot weiterhin intime Dienstleistungen gegen Geld an und steckte im Laufe von vier Jahren etwa 40 Menschen an, darunter auch verheiratete Männer, die ihre Ehefrauen ansteckten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ob eine Entkriminalisierung und Legalisierung der Prostitution in Usbekistan notwendig ist &#8211; eine Fallstudie aus Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist die Prostitution nicht strafbar, aber die Anwerbung und Vermittlung (Betrieb von Bordellen, Bereitstellung von Räumlichkeiten für die Prostitution) sind verboten. Nach UN-HIV/AIDS-Daten von 1997 hat jede vierte Frau in Kasachstan mindestens einmal in ihrem Leben Sex gegen Geld gehabt. Laut einer Umfrage der Staatlichen Universität Abay Almaty haben mindestens 40 Prozent der Befragten schon einmal eine finanzielle Vergütung für sexuelle Dienstleistungen erhalten. Für das Jahr 2021 wurde die Gesamtzahl der HIV-positiven Menschen in Kasachstan auf 25.000 geschätzt, von denen 87 Prozent ihren Status kannten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Sicht einer Psychologin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sprachen mit der Psychologin Liana Natroshvili über die psychologischen Probleme von Sexarbeitenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenden sich Sexarbeitende an Sie, wenn sie Hilfe brauchen? Mit welchen Anliegen kommen sie am häufigsten zu Ihnen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das tun sie. Die Anfragen beziehen sich in der Regel auf posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) und die Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was wissen Sie über die Situation von Sexarbeitenden in Usbekistan? Ist die erzwungene Arbeit von Sexarbeitenden durch andere (Zuhälter, Beobachter, Kunden) weit verbreitet?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Prostituierte Frauen sind der Gewalt von Zuhältern und „Kunden“, aber auch von Vollzugsbeamten ausgesetzt – ich behaupte nicht, dass dies ständig geschieht, aber es kommt vor. Das liegt daran, dass Frauen in dieser sozialen Gruppe sehr verletzlich und stigmatisiert sind, was sie entmenschlicht und sie zu leichten Zielscheiben für Belästigung und Gewalt macht.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sexarbeit-in-kasachstan-zwischen-rechtlicher-unklarheit-und-gesellschaftlicher-stigmatisierung/">Sexarbeit in Kasachstan: Zwischen rechtlicher Unklarheit und gesellschaftlicher Stigmatisierung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was können Sie über die Reaktion des Staates auf das Problem der Prostitution im Lande sagen? Was sollte geändert werden, um die Situation der Sexarbeitenden zu verbessern oder ihnen einen sicheren Wechsel der Tätigkeit ohne das Risiko der Verfolgung zu ermöglichen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meines Erachtens sollte die Sexarbeit entkriminalisiert werden, und wir sollten Praktiken zur Schadensbegrenzung einführen – Verhütungsmittel, Schutz der Rechte, die Möglichkeit, sich im Falle eines Verbrechens an die Behörden zu wenden usw. Es lohnt sich, ausländische Modelle für den Umgang mit diesem Problem in Betracht zu ziehen, da dort bereits gewisse Erfahrungen gesammelt wurden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wirkt sich die Stigmatisierung auf Sexarbeitende aus? Macht sie Sexarbeitende ängstlicher?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Stigmatisierung wirkt negativ auf alle, die davon betroffen sind, wie HIV-Infizierte, Drogenkonsumenten usw. Diese schutzbedürftigen Menschen leiden unter chronischem Stress, sie haben eine höhere Rate an psychischen Störungen, eine höhere Selbstmordrate und so weiter. Sie haben keinen Zugang zu staatlichem Schutz, zu qualifizierter medizinischer Versorgung, d. h. zu den Dingen, die für Andere durchaus zugänglich sind. Wird zudem die Verurteilung durch die Gesellschaft (Familie, Freunde) hinzugenommen, wird das Leben der Betroffenen sehr gefährlich, und sie sind hilflos.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistanischer-sicherheitsdienst-veroeffentlicht-persoenliche-daten-von-sexarbeiterinnen/">Kirgistanischer Sicherheitsdienst veröffentlicht persönliche Daten von Sexarbeiterinnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Selbst wer diese „Tätigkeit“ als Job ansieht, worüber sich trefflich streiten lässt, sieht darin kaum einen Traumjob. Wahrscheinlich träumt kaum jemand von einer solchen „Karriere“ für sich oder seine Kinder. Und hier, wie in jeder Situation, in die ein Mensch durch Fehler oder Unwissenheit geraten ist oder sich am Rande von Armut und</em> <em>Verzweiflung befindet, ist es wichtig, Ressourcen anzusparen und sein Leben zu ändern. Mit Ressourcen meine ich Geld, Bildung, geistige Gesundheit, ein unterstützendes Umfeld und den spirituellen Aspekt (Werte, Bedeutung, Glaube usw.).“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was denken die Usbeken über Prostitution?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Umfrage von <em>hook</em> unter seinen Lesern über ihre Meinungen zu Prostitution und dazu, ob sie entkriminalisiert oder sogar legalisiert werden sollte, ergab verschiedene Antworten. Hier sind einige davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-brucke-prostitution-in-bischkek/">Die Brücke – Prostitution in Bischkek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über die Legalisierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Eine Legalisierung könnte die Rechte und die Sicherheit von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern schützen, aber wenn wir die Besonderheiten des lokalen Strafverfolgungssystems berücksichtigen, würde es wohl nur noch schlimmer werden</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über die Verantwortlichkeit für Engagement und Sexarbeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Zunächst müssen wir verstehen, wer von diesen Dienstleistungen profitiert, wer sie in Anspruch nimmt und wie die Frauen dorthin gelangen. Aber Zuhälter und Kunden sollten für die Sexarbeit zur Rechenschaft gezogen werden</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über psychische Gesundheit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Was die psychische Gesundheit betrifft, so ist es die Ausbeutung, die zu posttraumatischen Stressstörungen führt. Dabei spielt selbst eine bewusste Wahl dieses Arbeitsbereichs keine Rolle mehr. Dort, wo es auch noch eine erzwungene Wahl ist, ist der Schaden für die Psyche eines Menschen erst recht schwerwiegend. [&#8230;] Menschlich gesehen sollte es kein Feld zum Geldverdienen sein. Perverse Abende, wenn es einer Person gefällt, ja. Aber als Mittel zum Geldverdienen… Ich verurteile diese Menschen kein bisschen, sondern habe eher Mitleid und möchte sie schützen</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über soziale Garantien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich bin überhaupt nicht dafür, da es sich um eine Sexualisierung und Objektivierung von Frauen handelt, aber in Anbetracht unserer Realitäten und der Tatsache, dass ein Verbot sowieso nichts bringt, bin ich für eine Legalisierung, um Sicherheit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende zu gewährleisten</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum Thema Bildung und Sexualerziehung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Usbekistan hat eine problematische Haltung gegenüber jungen Frauen und jeglicher Art von Intimität in der Bevölkerung. Und das gilt erst recht für die Sexindustrie. Deshalb ist es besonders wichtig, aufzuklären, vielleicht mit einfachen Themen zu beginnen und grundlegende Dinge zu erklären</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Andere Antworten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wenn man etwas nicht kontrollieren kann, ist der einzig richtige Weg die Entkriminalisierung“. „Was nicht zu bekämpfen ist, sollte legalisiert, kontrolliert und besteuert werden“. „Neutral, ich benutze es nicht, aber warum sollte es nicht legalisiert werden? Genau wie beim Glücksspiel: Wer will, findet einen Weg, nur dass es jetzt illegal geschieht, und so hat der Staat einen Anteil. Und es wird weniger Möglichkeiten für Kriminelle geben, Geld zu verdienen.“</em> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://trello.com/c/XyhzSdQr/2228-sexarbeit-in-usbekistan-hook-2500-wörter">Russischen</a> von <a href="https://novastan.org/de/author/giuliamanca/">Giulia Manca</a></strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sozialarbeiter:innen in Tadschikistan: Dem Job treu bleiben trotz schlechter Bezahlung</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/sozialarbeiterinnen-in-tadschikistan-dem-job-treu-bleiben-trotz-schlechter-bezahlung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2024 10:20:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenabhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gehalt]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Soziale Arbeit ist in Tadschikistan vor allem Sache von gemeinn&#xFC;tzigen Organisationen. Insbesondere Frauen sind in diesem Beruf t&#xE4;tig, der zu den am schlechtesten bezahlten geh&#xF6;rt. Drei Frauen berichten, wie sie zur sozialen Arbeit kamen und warum sie trotz niedriger Geh&#xE4;lter und geringer Anerkennung weiterhin als Sozialarbeiterinnen t&#xE4;tig sind. In Tadschikistan existiert kein eigenst&#xE4;ndiger staatlicher Sozialdienst. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Soziale Arbeit ist in Tadschikistan vor allem Sache von gemeinnützigen Organisationen. Insbesondere Frauen sind in diesem Beruf tätig, der zu den am schlechtesten bezahlten gehört. Drei Frauen berichten, wie sie zur sozialen Arbeit kamen und warum sie trotz niedriger Gehälter und geringer Anerkennung weiterhin als Sozialarbeiterinnen tätig sind.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan existiert kein eigenständiger staatlicher Sozialdienst. Lediglich in den Stadtverwaltungen gibt es Mitarbeitende, die Sozialhilfe für ältere Menschen anbieten. Meist handelt es sich dabei um Hilfe beim Putzen, Gänge zum Supermarkt oder zur Apotheke. Außerdem gibt es einige soziale Organisationen, die Bedürftige unterstützen. Allerdings sind die Löhne sehr niedrig, weshalb nur wenige Menschen bereit sind, eine solche Arbeit zu übernehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ich lerne für den Fall, dass wir ausreisen müssen“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sozialarbeiter:in ist der am schlechtesten bezahlte Beruf in Tadschikistan. Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, um für den Fall, dass wir auswandern, auch im Ausland Arbeit finden zu können. Sozialarbeiter:innen werden schließlich überall gebraucht. An der Universität wird uns alles Nötige beigebracht – wie man mit Älteren oder Menschen mit Behinderungen umgeht, und vor allem, dass man nicht auf Anerkennung hoffen sollte. Es ist der Beruf, in dem man am wenigsten Anerkennung erfährt. Es gibt einen Erstbesuch, einen Zweitbesuch und ein ganzes System, das in Tadschikistan noch nicht eingeführt wurde. Die Mitarbeiter:innen von Sozialdiensten erhalten hier keinerlei Sozialleistungen und ihre Bezahlung unterscheidet sich in Duschanbe von Bezirk zu Bezirk, je nachdem, welche Sponsor:innen es gibt</em>“, sagt Sarina, die im letzten Jahr an der Fakultät für Sozialarbeit studiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ist-es-einfach-sozialarbeiterin-zu-sein/"><strong>Ist es einfach, Sozialarbeiterin zu sein?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Studium ist bereits ihre dritte Ausbildung, zuvor war sie Grundschullehrerin und Buchhalterin. In diesem Jahr wird Sarina ihre Diplomarbeit zum Thema „Hilfe für Eltern von Kindern mit Behinderungen“ verteidigen. Mit 23 Jahren war sie als Sozialarbeiterin bei der NGO „Dasti Madad“ (Anm. d. Red.: Tadschikisch für „helfende Hand“) beschäftigt, die hilfsbedürftige Menschen unterstützt. Anschließend war sie Assistentin des Programmkoordinators und danach Leiterin eines Waisenhauses für Mädchen in Duschanbe. Ihre Kenntnisse in Psychologie und ihr Glaube an Gott kamen ihr bei der Arbeit zugute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sarina ist der Meinung, dass es leichter ist, einer anderen Person zu helfen als sich selbst, dass man dafür aber seine Freizeit opfern muss. Zudem findet sie, dass alle Sozialarbeiter:innen eine Person an der Seite haben sollten, die zuhört und unterstützt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Durch den Sohn zum Beruf der Sozialarbeiterin gekommen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schachlo unterrichtet an einer Schule und arbeitete zwischen 2014 und 2023 parallel in einem Reha-Zentrum für Kinder mit Behinderungen. Im Privatleben gab es Schwierigkeiten – als die Kinder noch klein waren, zerbrach die Familie und Schachlo musste mit ihnen zurück zu ihrer Mutter ziehen, die ihr seitdem bei der Erziehung hilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Reha-Zentrum lernte sie kennen, als sie es mit ihrem damals vierjährigen Sohn besuchte, der <a href="https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/klinik-fuer-orthopaedie-und-unfallchirurgie/funktionsbereiche/kinder-und-neuroorthopaedie/spezielle-krankheitsbilder/infantile-cerebralparese#:~:text=Bei%20der%20ICP%20handelt%20es,einen%20erh%C3%B6hten%20Muskeltonus%20(Spastik).">infantile Zerebralparese</a> hat. Kurz darauf begann sie, dort zu arbeiten. Zuvor absolvierte Schachlo eine Ausbildung bei ähnlichen Organisationen, bei denen lokale und ausländische Spezialist:innen unterrichten. Danach folgten zwei- bis dreimal jährlich Auffrischungskurse bei Organisationen wie „<a href="https://www.instagram.com/iroda.tj/?hl=de">Iroda</a>“, „Tschorbog“, „<a href="https://www.facebook.com/Rushdiinclusia/?locale=ru_RU">Ruschdi Inkljusija</a>“ und anderen statt (Anm. d. Red.: Dabei handelt es sich jeweils um eine Initiative von Eltern von Kindern mit Autismus, ein Rehabilitations-Zentrum für Kinder und Jugendliche sowie eine Organisation für Eltern von Kindern mit Behinderungen).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/diskriminierung-von-frauen-mit-behinderungen-in-tadschikistan/"><strong>Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen in Tadschikistan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Das Mitgefühl mit ‚besonderen Kindern‘ und der Wunsch, ihnen zu helfen, haben mich angetrieben, und dass ich dabei bei meinem Sohn sein kann. Auch als er dann in die Schule ging, blieb ich dort und habe viele gute Angebote abgelehnt. Die Bezahlung war ein Witz, aber im Zentrum habe ich nur zwei Tage in der Woche gearbeitet und die restliche Zeit an der Schule</em>“, erzählt Schachlo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gehalt betrug im ersten Jahr monatlich 150 und kurz vor Verlassen des Zentrums 560 tadschikische Somoni (Anm. d. Red.: entspricht aktuell 14 bzw. 51 US-Dollar). Familie und Freund:innen waren über diese Bezahlung beschämt, aber schätzten Schachlos Arbeit. Das Rehabilitationszentrum kümmert sich um die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern mit Beeinträchtigungen im Alter von 3 bis 7 Jahren. Dort können sie an Übungen teilnehmen, erhalten therapeutische Massagen und lernen, wie man richtig mit Schulmaterialien umgeht. Die Diagnose und die Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung unterscheiden sich individuell, und manchmal gab es sehr schwierige Situationen, erinnert sich Schachlo.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Der unangenehmste Moment bei meiner Arbeit war die Erkenntnis, dass manche Eltern sich weniger um die Möglichkeit sorgen, den körperlichen und geistigen Zustand ihrer Kinder zu verbessern, als vielmehr materielle Hilfe zu bekommen. Sie erwarten Medikamente und andere Produkte und glauben nicht an die Wirksamkeit von Therapien, obwohl ich als Beispiel meinen Sohn anführen konnte. Ich habe mit ihm vom Kindesalter an sowohl im Zentrum als auch daheim geübt, und trotz seiner infantilen Zerebralparese kann er selbstständig laufen und geht aktuell in die Schule</em>“, erzählt Schachlo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Transport zum Zentrum gibt es nicht und für viele war es schwer, zu den Übungen und Therapien dorthin zu fahren. In diesem Fall besuchten die Sozialarbeiter:innen die Familien daheim, wobei sie teilweise auch vor verschlossenen Türen standen. Mit der Arbeit im Rehabilitationszentrum hat Schachlo nicht etwa aufgehört, weil sie keine Lust mehr dazu gehabt hätte. Nach den neuen Regelungen des Zentrums ist eine gleichzeitige Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber nicht mehr erlaubt und Schachlo hat sich für die Schule entschieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wer, wenn nicht wir?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Marija arbeitet bei der Organisation „<a href="http://www.spinplus.org/eng/index.php">Spin-Plus</a>“, zu der sie durch die Bekanntschaft mit einem der Leiter kam. Er erzählte ihr, wie die Organisation Drogenabhängigen und HIV-positiven Menschen dabei hilft, Gesundheitsrisiken zu verringern, und manche auch unterstützt, in ein normales Leben zurückzukehren. Ihr gefiel die Idee, sich um diejenigen zu kümmern, denen die Gesellschaft den Rücken zugewandt hat. Kurz darauf begann sie, bei „Spin-Plus“ zu arbeiten, inzwischen sind es schon drei Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-hiv-positive-frauen-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/"><strong>Wie HIV-positive Frauen in Tadschikistan diskriminiert werden</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ihres Studiums der sozialen Arbeit war nur ein einziger Mann unter den Studierenden. Marija findet das bedauernswert, insbesondere da in der sozialen Arbeit manchmal die körperliche Stärke eines Mannes gebraucht würde. „<em>Bei meiner Arbeit läuft nicht immer alles rund. Nicht jeder drogenabhängige oder HIV-positive Mensch ist bereit, sich zu öffnen. In den meisten Fällen kommen sie jedoch von selbst zu uns, um Hilfe zu erhalten. Mich motiviert der Wunsch, diesen Menschen zu helfen, ein Teil der Gesellschaft zu werden, und sie auf ihre Bedürfnisse und Probleme aufmerksam zu machen. Von einer Mehrheit der Bevölkerung erfahren sie Ablehnung und Diskriminierung und bekommen keine Möglichkeit, in ein normales Leben zurückzukehren. Jeder Mensch ist von großem Wert, er ist vor allem eine Persönlichkeit. Und jede:r von uns kann sich in einer Situation wiederfinden, mit der man nicht mehr alleine zurecht kommt</em>“, sagt Marija.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Organisation „Spin-Plus“ arbeiten viele Spezialist:innen und Marijas Aufgabe ist es, sterile Spritzen, Staubinden, Verhütungsmittel, Medikamente und andere Produkte zu verteilen. Eines der Ziele von „Spin-Plus“ ist es, das HIV-Risiko in gefährdeten Bevölkerungsteilen zu verringern. Bei ihrer Arbeit hat Marija oft mit emotionalem Burnout zu kämpfen, da viel Energie in die Unterstützung Hilfsbedürftiger fließt. In diesem Fall ist es nötig, eine Pause einzulegen, um mit neuen Kräften zurückkommen zu können. Für Marija kommt es nicht in Frage, diese Menschen im Stich und mit ihrer Sucht allein zu lassen. Irgendjemand müsse ihnen helfen, sonst würden sie untergehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anna Miftachowa für <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20240319/tri-prichini-pochemu-sotsrabotniki-tadzhikistana-poluchaya-mizernie-dengi-ne-uhodyat-s-raboti">Asia-Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kirgistanischer Sicherheitsdienst veröffentlicht persönliche Daten von Sexarbeiterinnen</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistanischer-sicherheitsdienst-veroeffentlicht-persoenliche-daten-von-sexarbeiterinnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Mar 2024 05:08:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzeswidrig]]></category>
		<category><![CDATA[GKNB]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Kamtschybek Taschiew]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
		<category><![CDATA[Sexarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 28. November k&#xFC;ndigte das Staatliche Komitee f&#xFC;r Nationale Sicherheit (GKNB) &#x201E;die Schlie&#xDF;ung von Bordellen an, die intime Dienstleistungen anbieten&#x201C;. Zusammen mit der Nachricht ver&#xF6;ffentlichte der Geheimdienst pers&#xF6;nliche Daten von mehr als 70 Frauen, die scheinbar in Prostitution verwickelt waren. Unter dem Deckmantel der Pr&#xE4;vention Nach Angaben des Staatskomitees wurde am 25. und 26. November [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 28. November kündigte das Staatliche Komitee für Nationale Sicherheit (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/GKNB_(Kirgisistan)">GKNB</a>) <em>&#8222;die Schließung von Bordellen an, die intime Dienstleistungen anbieten&#8220;</em>. Zusammen mit der Nachricht veröffentlichte der Geheimdienst persönliche Daten von mehr als 70 Frauen, die scheinbar in Prostitution verwickelt waren.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Unter dem Deckmantel der Prävention</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Staatskomitees wurde am 25. und 26. November ein Netz von Einrichtungen, die „<em>intime Dienstleistungen anbieten</em>”, ermittelt und geschlossen. Gleichzeitig veröffentlichte der Geheimdienst Fotos von Dutzenden von Frauen, die nach Ansicht des Ausschusses der Prostitution nachgingen, zusammen mit Passdaten, Adressen und Namen der Eltern einiger dieser Personen. Die Institution beschrieb ihr Handeln als „<em>Präventionsmaßnahme für diejenigen, die beabsichtigen, solche illegalen Aktivitäten zu organisieren oder sich daran zu beteiligen</em>”.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Zuvor hatte der Leiter des GKNB, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschibek_Taschijew">Kamtschybek Taschijew</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?si=BLkgV8X2hJS93vTF&amp;v=C-mGEvagz4E&amp;feature=youtu.be">erklärt</a>, dass die meisten Sexarbeiterinnen Studentinnen seien und diese Entwicklung bekämpft werden müsse. Taschijew forderte die GKNB-Beamt:innen auf, auf Prostitution zu achten und behauptete, dass in letzter Zeit die „<em>Mädchen verdorben</em>&#8220; seien. Das Video der Razzia sowie die vom GKNB veröffentlichten Fotos der Frauen kursierten in den sozialen Netzwerken und wurden auch in staatlichen Fernsehsendern ausgestrahlt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorgehen der Behörden gesetzeswidrig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ombudsmann-Institut für Menschenrechte in Kirgistan <a href="https://t.me/kloopnews/28333">kommentierte</a> das Vorgehen des Sonderdienstes und forderte die Regierungsbehörden auf, die Einhaltung der Rechte von Sexarbeiterinnen zu gewährleisten: „<em>Nach dem Gesetz ist es nicht erlaubt, die personenbezogenen Daten von Bürger:innen ohne deren Zustimmung offenzulegen, außer in gesetzlich festgelegten Fällen. Außerdem besagt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, dass es unzulässig ist, persönliche Informationen zu verbreiten.</em>&#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sexarbeit-in-kasachstan-zwischen-rechtlicher-unklarheit-und-gesellschaftlicher-stigmatisierung/">Sexarbeit in Kasachstan: Zwischen rechtlicher Unklarheit und gesellschaftlicher Stigmatisierung</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Anwältin Fatima Jakupbajewa weist in einem Interview mit Kloop darauf hin, dass die Veröffentlichung oder Verbreitung von Foto- oder Videomaterial ohne Zustimmung einer Person die Privatsphäre verletzt und als Straftat gilt: „<em>Wenn eine Person für Geld Sex bekommt, beraubt sie das nicht ihres Rechts, ihre Privatsphäre und ihr eigenes Bild zu schützen. Die Veröffentlichung der vergangenen Razzia macht das Vorgehen der Behörden in Bezug auf die Veröffentlichung von Fotos von Sexarbeiterinnen nicht legal. Sexarbeit ist in Kirgistan seit 1998 entkriminalisiert, so dass es keine rechtliche Grundlage für die Veröffentlichung der Fotos gab</em>&#8222;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anwältin Tattuubu Ergeschbajewa <a href="https://www.facebook.com/nurbekovna/posts/6769862119788478?ref=embed_post">unterstützt diese Punkte</a> und nennt das Vorgehen des GKNB gesetzeswidrig, da es dem Grundsatz der Unschuldsvermutung widerspreche: „<em>Die Veröffentlichung der persönlichen Daten von Inhaftierten, wie Fotos und Kopien von Dokumenten, kann sich negativ auf ihre Sicherheit auswirken und eine voreingenommene öffentliche Haltung gegenüber diesen Menschen hervorrufen, die sie als schuldig einstuft, bevor ihre Schuld überhaupt bewiesen ist</em>&#8222;. Ergeschbajewa erklärt, dass personenbezogene Daten nur in bestimmten Fällen veröffentlicht werden dürfen – wenn dadurch eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit abgewendet oder die Persönlichkeitsrechte anderer geschützt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistans-kampf-gegen-prostitution-trifft-gewoehnliche-buergerinnen/">Tadschikistans Kampf gegen Prostitution trifft gewöhnliche BürgerInnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>In den meisten Fällen ist die Veröffentlichung personenbezogener Daten von Häftlingen ohne deren Zustimmung jedoch eine inakzeptable Praxis und kann als Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte angesehen werden</em>&#8222;, so die Anwältin abschließend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jakupbajewa fügt hinzu, dass die illegale Verbreitung persönlicher Geheimnisse unter Ausnutzung einer offiziellen Position strafbar ist und die Opfer ihre Rechte gerichtlich geltend machen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen der Veröffentlichung für die Sexarbeiterinnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Frauenrechtsaktivistin, die anonym bleiben möchte, berichtet gegenüber Kloop von schwerwiegenden Konsequenzen für Sexarbeiterinnen, deren persönliche Daten veröffentlicht wurden. Einige der Betroffenen gaben an, dass sie sich ihren Familien nicht mehr zeigen können, da sie landesweit in Ungnade gefallen seien und in ständiger Angst vor deren Reaktionen leben. Häufig sind es ältere Männer, die den Frauen physische Gewalt zufügen, von Schlägen bis zur Verweigerung jeglicher Kommunikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="/Users/Lenovo/Desktop/">„Ab 200 Som aufwärts“ – Von Männern, die Sex für Geld anbieten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder der Sexarbeiterinnen leiden ebenfalls unter der Offenlegung der Daten ihrer Mütter, da sie schikaniert, belästigt und gedemütigt werden, falls ihre Mütter in den veröffentlichten Materialien des GKNB erkannt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frauenrechtsaktivistin betont, dass Sexarbeiterinnen in Kirgistan schon immer Belästigung und Verfolgung ausgesetzt sind, wenn auch in varierendem Maße. Der aktuelle Vorfall verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen und Gefahren, mit denen Sexarbeiterinnen in der Region konfrontiert sind, und wirft ein Schlaglicht auf die mangelnde Schutzmechanismen sowie die prekäre gesellschaftliche Lage, in der sie sich befinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>&#8222;Die Daten der wirklichen Kriminellen werden geschützt&#8220;</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch eine Reihe Abgeordneter verurteilte das Vorgehen der GKNB. Der Parlamentarier Dastan Bekeschew merkt an, dass selbst bei der Festnahme von Kriminellen diese lediglich Verdächtige seien und ihre Daten nicht veröffentlicht werden dürften: „<em>Diese Sexarbeiterinnen wurden für das ganze Land entehrt, indem man sie vorführte. Ich halte das für eine Verletzung ihrer Rechte. Außerdem: Wer ist aus moralischer Sicht verantwortlich, wenn eine von ihnen Selbstmord begeht? Ja, Prävention ist notwendig, aber auf eine andere Art und Weise. Im Gegenteil, wir sollten stattdessen die Gesichter der Freier zeigen</em>&#8222;.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-brucke-prostitution-in-bischkek/">Die Brücke – Prostitution in Bischkek</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schriftstellerin und feministische Aktivistin Altyn Kapalowa beklagt in einem Kommentar an Kloop, dass der Staat, vertreten durch das GKNB, seinen Teil zu geschlechtsspezifischer Gewalt und Femizid beiträgt: „<em>Wenn man ihr völlig unprofessionelles Handeln umfassend betrachtet, unterscheiden sie sich nicht von häuslichen Tyrannen und Vergewaltigern. Glauben sie wirklich, dass sie das Verbrechen bekämpfen? Glauben sie wirklich, dass sie durch ihr Handeln die Situation verbessern?</em>&#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sie schlägt stattdessen vor, dass das GKNB Listen ihrer &#8222;Kunden&#8220; zusammenstellt und diese veröffentlicht: „<em>Es ist immer einfacher, Frauen aus gefährdeten Gruppen für ihren &#8218;Kampf&#8216; zu benutzen. Die Aktionen des GKNB verletzen die Rechte dieser Frauen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass niemand für dieses Video bestraft werden wird, denn unsere Strafverfolgungsbehörden sind voller Vergewaltiger und Moralisten</em>&#8222;, schließt Kapalowa.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Prostitution in Kirgistan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer 2023 durchgeführten Studie des <a href="/sotsium.kg/wp-content/uploads/of-stranovaya-set-zhenshhin-zhivushhih-s-vich-1-4.pdf">Landesweiten Netzwerks HIV-positiver Frauen</a> sind in Kirgistan über 9‘000 Frauen in der Sexarbeit tätig, was etwa 0,26 Prozent der weiblichen Bevölkerung entspricht. Einige begannen damit bereits vor dem Erwachsenenalter, darunter 10 Prozent in Bischkek und 4,5 Prozent in Osch. Prostitution wird hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen betrieben, um Familien zu unterstützen, Schulden zu begleichen und teure Operationen zu finanzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sexismus-in-kirgistan/">Sexismus in Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer 2018 durchgeführten Studie haben 73 Prozent der Sexarbeiterinnen Angehörige, durchschnittlich vier Personen pro Sexarbeiterin. Zusätzlich sind 33 Prozent der Frauen in der Prostitution auch berufstätig oder studieren. Die Studentinnen, die ohne elterliche Unterstützung in Mietwohnungen leben, benötigen eine zusätzliche Einnahmequelle für Studiengebühren und Lebenshaltungskosten in den Großstädten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Landesweite Netzwerk HIV-positiver Frauen hebt hervor, dass Sexarbeiterinnen im Jahr 2021 in 147 Fällen Opfer von Straftaten wurden, wobei in 60 Prozent der Fälle Vollzugsbeamte die Täter waren. Körperliche und sexuelle Gewalt, sowohl durch Strafverfolgungsbehörden als auch durch Kunden, stellen die häufigsten Straftaten dar.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion von Kloop</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://kloop.kg/blog/2023/11/29/gknb-pristydil-seks-rabotnits-opublikovav-ih-lichnye-dannye-chto-s-etim-ne-tak-vsyo/">Russischen </a>übersetzt von Ramona Bleimhofer</strong></p>



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		<title>Wie HIV-positive Frauen in Tadschikistan diskriminiert werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Dec 2023 09:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetze]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frauen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, geh&#xF6;ren zu den am st&#xE4;rksten diskriminierten Gruppen in Tadschikistan. Sie werden von der gesamten Gesellschaft gemieden, auch von ihren engsten Verwandten. Obwohl diese Frauen in den meisten F&#xE4;llen kein Gesundheitsrisiko f&#xFC;r andere darstellen, haben sie Schwierigkeiten, einen festen Arbeitsplatz zu finden und erhalten keine medizinische Versorgung. Anl&#xE4;sslich der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Frauen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, gehören zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in Tadschikistan. Sie werden von der gesamten Gesellschaft gemieden, auch von ihren engsten Verwandten. Obwohl diese Frauen in den meisten Fällen kein Gesundheitsrisiko für andere darstellen, haben sie Schwierigkeiten, einen festen Arbeitsplatz zu finden und erhalten keine medizinische Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Anlässlich der internationalen Kampagne „16 Tage Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt“ hat Asia-Plus ein besonderes Projekt gestartet, bei dem Frauen aus Tadschikistan über die Diskriminierung sprechen, der sie ausgesetzt sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan gibt es <a href="https://fpc.org.uk/%D0%BF%D1%80%D0%B0%D0%B2%D0%B0-%D1%87%D0%B5%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%B5%D0%BA%D0%B0-%D0%B2-%D0%BE%D1%82%D0%BD%D0%BE%D1%88%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B8-%D0%BB%D1%8E%D0%B4%D0%B5%D0%B9-%D0%B6%D0%B8%D0%B2%D1%83/">eine Reihe</a> von Gesetzen und Dokumenten, die direkt oder indirekt die Diskriminierung von Menschen mit HIV verhindern sollen. Im vergangenen Jahr wurde <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20220628/v-tadzhikistane-prinyali-zakon-protiv-vseh-form-diskriminatsii">ein weiteres Gesetz</a> &#8222;zur Förderung der Gleichberechtigung und Bekämpfung jeglicher Diskriminierung&#8220; verabschiedet. Zur Freude der Menschenrechtsaktivist:innen wurde darin das Konzept der &#8222;indirekten Diskriminierung&#8220; eingeführt, mit dem die gefährdeten Gruppen in Tadschikistan am häufigsten konfrontiert sind. Frauen mit HIV hilft diese wichtige Beschreibung im Gesetz jedoch nicht, denn sie sind die Gruppe, die im Alltag direkt diskriminiert wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Diskriminierung trotz Therapie</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Obwohl HIV im alltäglichen Zusammenleben nicht übertragen wird und die moderne antiretrovirale Therapie (ART) die Viruslast minimiert, wird eine HIV-infizierte Frau auf Schritt und Tritt diskriminiert, vor allem in der Familie. Sobald bekannt wird, dass sie HIV-positiv ist, schränken die Verwandten den Kontakt zu ihr ein und meiden sie. Mit der Zeit wird sie überall dort gemieden werden, wo ihre Erkrankung bekannt wird“</em>, sagt Tachmina Chajdarowa, Leiterin des Netzwerks HIV-positiver Frauen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Seltsamerweise, so Chajdarowa, klagen HIV-positive Frauen oft über Diskriminierung durch medizinisches Personal: in Zahnarztpraxen, der Chirurgie, der Gynäkologie etc. Die Ärzte weigern sich, Frauen mit HIV zu helfen, weshalb diese über Bekannte professionelle und geschulte Fachärzt:innen finden müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die moderne Medizin hat alle Risiken eliminiert: HIV ist heute eine chronische Krankheit wie Diabetes mellitus. Frauen mit HIV können dank einer adäquaten ART-Therapie und medizinischer Betreuung gesunde Kinder zur Welt bringen. Doch selbst Mediziner:innen verfügen oft nicht über aktuelle Informationen“</em>, erklärt Tachmina Chajdarowa. <em>„Auch lokale Journalist:innen diskriminieren Frauen mit HIV. Die Berichterstattung über Frauen mit HIV enthält oft eine abwertende Sprache. Die Medien verbreiten <a href="https://newreporter.org/2023/03/30/ya-ne-monstr-kak-kazaxstanskie-smi-osveshhayut-temu-vich-spid/">Stereotypen</a>, tragen zur Stigmatisierung bei und erklären der Öffentlichkeit nicht, was HIV eigentlich ist. In der Berichterstattung lokaler Journalist:innen finden sich bis heute Ausdrücke wie &#8218;HIV/AIDS ist die Epidemie des 21. Jahrhunderts&#8216;, <a href="https://rus.ozodi.org/a/29261366.html">&#8218;HIV-Terror&#8216;</a> und andere ähnliche Äußerungen, die nicht der Realität entsprechen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Art einschüchternder Sprache findet sich auch häufig in Berichten über <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20190314/pochemu-v-tadzhikistane-uvelichilos-chislo-ugolovnih-del-za-osoznannoe-zarazhenie-vich-infektsiei">strafrechtliche Verfolgungen</a> (Art.125 des tadschikischen StGB) von HIV-positiven Frauen wieder, die angeblich absichtlich Männer infiziert hätten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriminalisierung und Strafverfolgung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der erste Teil des Artikels 125 des tadschikischen StGB kann auf alle diskordanten (wenn ein:e Partner:in HIV-positiv und der/die andere HIV-negativ ist) Partnerschaften angewendet werden. In diesem Teil heißt es: ‚eine andere Person wissentlich dem Risiko einer HIV-Infektion aussetzen‘, d.h. es geht nicht um die tatsächliche Infektion, sondern um das Risiko einer Infektion. Und jeder HIV-positive Mensch, der eine:n Sexualpartner:in hat, setzt diese:n angeblich dem Risiko einer Infektion aus. Doch das stimmt nicht“</em> ,sagt Chajdarowa: <em>„Wenn jemand eine ART-Therapie macht, sinkt seine/ihre Viruslast, und auch bei ungeschütztem Sex steckt sich der/die Partner:in nicht mit HIV an.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Internationalen Konferenz zur HIV-Forschung, die vom 23. bis 26. Juli in Brisbane, Australien, stattfand, hat die Weltgesundheitsorganisation neue wissenschaftliche und politische Empfehlungen zu HIV vorgelegt. Sie fassen die wichtigsten Grenzwerte für die HIV-Viruslast zusammen. So übertragen HIV-positive Menschen, die unter ART-Therapie eine nicht nachweisbare Viruslast erreicht haben, HIV nicht auf ihre Sexualpartner:innen und haben ein geringes Risiko der vertikalen Übertragung auf ihre Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: Tadschikistan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vertreter-der-taliban-regierung-im-konsulat-in-chorugh-ernannt/">Vertreter der Taliban-Regierung im Konsulat in Chorugh ernannt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele spektakuläre Strafverfahren wurden in Tadschikistan auf der Grundlage des ersten Teils von Art. 125 StGB eingeleitet. Jedoch hat sich in Wirklichkeit keines der vermeintlichen Opfer mit HIV infiziert“</em>, sagt Tachmina Chajdarowa; HIV-positive Frauen seien weitaus häufiger von Diskriminierung betroffen als Männer. Die Gesellschaft geht immer noch davon aus, dass eine HIV-positive Frau eine Frau mit vielen Sexualpartner:innen ist. Statistiken zeigen jedoch, dass nur 1,7 Prozent der HIV-positiven Frauen in Tadschikistan Sexarbeiterinnen sind. Der Rest sind meist Hausfrauen, die sich bei ihren Ehemännern angesteckt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kürzlich kam eine HIV-infizierte Frau zu uns. Sie war verheiratet, hatte ein Kind und wurde von ihrem Mann brutal geschlagen. Selbst während der Schwangerschaft schlug er sie so heftig, dass sie ihr zweites Kind verlor“</em>, erzählt Chajdarowa. <em>„Obwohl ihr Mann sie mit HIV infiziert hatte, gab seine Familie der Frau die Schuld. Die Frau nahm ihr Kind und verließ ihren Ehemann, mietete ein Zimmer und nahm eine Berufstätigkeit auf. Ihr Ex-Mann nahm ihr daraufhin das Kind weg und drohte ihr, die elterlichen Rechte zu entziehen. Sie sei HIV-positiv, habe keine Ausbildung und nur ein geringes Gehalt, von dem sie das Kind nicht ernähren könne.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der Tatsache, dass tadschikische Frauen auch ohne HIV <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-in-tadschikistan-von-der-justiz-diskriminiert-werden/">häufig von der Justiz benachteiligt werden</a>, ist ungewiss, ob das Gericht diese Ungerechtigkeit in dem obigen Fall erkennt, bei dem der Ehemann Mann versucht, die Erkrankung seiner Ex-Frau zu nutzen, um ihr die elterlichen Rechte zu entziehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20231201/sam-zarazil-no-zhenu-obvinil-zhentshini-s-vich-podvergayutsya-v-tadzhikistane-diskriminatsii"><strong>Asia Plus</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Wenn ich damals richtig aufgeklärt worden wäre, hätte ich nicht so viel Zeit verloren“ – Über HIV-Selbsthilfe in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aislu Asan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2023 11:31:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien Sozial]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulf&#x131;a Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts &#xFC;ber das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren ber&#xE4;t sie Frauen, die erst k&#xFC;rzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulf&#x131;a spricht &#xFC;ber die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulfıa Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts über das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren berät sie Frauen, die erst kürzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulfıa spricht über die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von Peer-Beratung und die Bedeutung von Informationen, damit die Betroffenen nicht verzweifeln oder wertvolle Zeit verlieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zulfıa, 53, ist weder drogenabhängig noch eine promiskuitive Frau, wie man in der kasachstanischen Gesellschaft beim Wort <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/HIV">HIV</a> gemeinhin annimmt. Viele Jahre lang hatte sie Schuldgefühle gegenüber ihrem jüngsten Sohn: Das Virus wurde durch das Stillen auf ihn übertragen, als sie sich ihrer Diagnose noch nicht bewusst war. Zulfıa verstand nicht, wo sie sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, leugnete die Diagnose und glaubte an eine Verschwörung in der Pharmaindustrie, die sich an Menschen wie ihr bereichern wollte. Und das alles, weil sie nichts über HIV und Therapiemöglichkeiten wusste, durch welche ein langes und erfülltes Leben möglich ist. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Erst später wurde ihr klar, dass sie sich in einer medizinischen Einrichtung infiziert hatte. Und sie realisierte, dass sie ihrem HIV-positiven Kind zuliebe etwas dagegen unternehmen musste. <em>„Ich habe mich zusammengerissen, weil ich sehen wollte, wie mein Sohn groß wird und zur Schule geht. Ihm zuliebe habe ich eine Therapie begonnen. Aber die Schuldgefühle haben mich nicht verlassen“</em>, erklärt Zulfıa.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hilfe zur Selbsthilfe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Sie erkannte, dass sie nicht nur eine Behandlung brauchte, sondern auch Unterstützung und Kommunikation mit Menschen, die wie sie selbst HIV-positiv waren. Sie wollte verstehen, wie sie mit der Immundefizienz lebten. Deshalb zogen sie und ihr Sohn vom regionalen AIDS-Zentrum in das städtische um, wo es entsprechende Fachleute wie Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen gab. Im Jahr 2015 gründeten Eltern infizierter Kinder eine allgemeine Schulung zum Verständnis von HIV und dem Leben mit der Krankheit; so entstand der Eltern-Chatraum. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir wollten, dass auch unsere Kinder eine Invaliditätsleistung erhalten, unabhängig von zusätzlichen Krankheiten. So wie für die Kinder im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdkasachstan">Südkasachstan</a>, wo sich im Jahr 2006 Kinder mit HIV infiziert haben“</em>, erinnert sich Zulfıa. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rueckkehr-ins-normale-leben-ueber-obdachlosenhilfe-in-astana/">Rückkehr ins normale Leben – Über Obdachlosenhilfe in Astana </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel wurde erreicht, und die Mutter erfuhr danach immer mehr über die Lebensperspektiven ihres Sohnes. Aus dem Sommerlager in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sotschi">Sotschi</a> brachte er eine neue Erkenntnis mit: HIV-positive Menschen können gesunde Kinder bekommen. <em>„Ein Stein fiel mir vom Herzen. Ich dachte, dass er nicht in der Lage sein würde, eine Familie zu gründen. Er wollte keine Kinder haben. Als er zurückkam, hat er alle meine Fragen beantwortet. Ich wollte immer mehr über die Krankheit erfahren, alles Neue kennen lernen“</em>, erzählt die Mutter. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Von der Betroffenen zur Beraterin</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Zulfıa nahm aktiv an verschiedenen Schulungen teil. Heute ist sie Beraterin bei der Gemeinschaftsstiftung Peer Plus. Die Mitarbeiter:innen des Zentrums für AIDS-Prävention und -Kontrolle in Almaty vermitteln den Frauen ihre Kontakte, und Zulfıa hilft ihnen, sich selbst zu akzeptieren. Sie erklärt ihnen, wie sie mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Antiretrovirale_Therapie">ARV-Therapie</a> ein erfülltes Leben führen können. Eine von ihnen ist Svetlana (Name geändert). Als Zulfıa sie das erste Mal traf, weigerte sie sich, die Tabletten zu nehmen und bat darum, in Ruhe gelassen zu werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ehemann der Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Als Zulfıa ihr sagte, dass auch sie HIV-positiv und zu einem Gespräch bereit sei, meldete sich die Frau nicht. Drei Monate später besuchten sie und eine Krankenschwester Svetlana erneut. <em>„Wir sagten, wir seien weiterhin bereit für ein Gespräch mit ihr und werden wiederkommen. Schließlich habe ich sie zum Reden gebracht und überredet, sich behandeln zu lassen. Ihr Immunsystem war bereits geschwächt“</em>, erinnert sich die Peer-Beraterin. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/code-103-wie-straftaten-nach-artikel-120-in-usbekistan-tatsaechlich-geahndet-werden/">Code 103 – Wie Straftaten nach Artikel 120 in Usbekistan tatsächlich geahndet werden </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend half sie Svetlana bei der Erstellung der Behandlungsunterlagen. So kam die Frau zur Selbsthilfegruppe der Stiftung, in der Frauen ihre Geschichten erzählten. Jetzt erhält sie nicht nur eine Therapie, sondern spricht auch bei Treffen darüber, wie sie gelernt hat, mit HIV zu leben. Zulfıa bezeichnet sich selbst nicht als Sozialarbeiterin, da sie keine spezielle Ausbildung hat. Sie ist jedoch davon überzeugt, dass Peer-Beratung mit ansprechenden Schulungen und verständlichen Präsentationen der effektivste Weg ist, um die Bevölkerung mit den nötigen Informationen zu versorgen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>HIV – immer noch ein heikles Thema in Kasachstan
</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Jahr 2020 stellten wir Fragen zu den Übertragungswegen von HIV in den Straßen von Almaty. Junge Menschen haben eher korrekt geantwortet, sie sind besser informiert. Doch die ältere Generation bat uns wegzubleiben. Sie sind überzeugt, dass HIV so ansteckend wie eine Grippe ist“</em>, so Zulfıa.

Sie ist der Meinung, dass der Ansatz der HIV-Behandlung selbst die Betroffenen diskriminiert. Warum sollten solche Patient:innen gesondert behandelt werden? Warum wird diese Krankheit nicht so wahrgenommen wie zum Beispiel Diabetes oder Krebs? Nur in den postsowjetischen Ländern bestehen separate AIDS-Zentren, in europäischen sind sie in allgemeinen Krankenhäusern untergebracht.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Im Jahr 2022 werden in Kasachstan über 30.000 Menschen mit HIV leben. Der Anteil von Frauen an neu entdeckten Fällen liegt bei 33 Prozent. Mehr als 3.000 bleiben unbehandelt.

Expert:innen zufolge weiß die Bevölkerung Kasachstans so gut wie nichts über HIV, bis sie direkt mit der Krankheit konfrontiert werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur über Übertragungswege und Vorbeugung zu informieren, sondern auch darüber, dass HIV keine Plage des 21. Jahrhunderts mehr ist, sondern dass es vor allem darum geht, sich selbst zu helfen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aislu Asan, Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Michèle Häfliger</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
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		<title>Kirgistan: Zunahme von HIV-Infektionen – bald eine Epidemie?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Jul 2017 18:19:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Epidemie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsministerium]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kirgistan nehmen die HIV-Neuinfektionen um circa 10% pro Jahr zu. Das berichtet das kirgisische Gesundheitsministerium. Bis zum 1. Juni 2017 waren 7427 HIV-positive Personen erfasst, darunter 7038 kirgisische Staatsb&#xFC;rger, 595 Kinder und 902 Personen, die an Aids erkrankt sind. &#x201E;Der Anteil an HIV-Infektionen in gewissen Gefahrengruppen (unter anderem M&#xE4;nner, die sexuellen Kontakt mit M&#xE4;nnern [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Kirgistan nehmen die HIV-Neuinfektionen um circa 10% pro Jahr zu. Das berichtet das kirgisische Gesundheitsministerium.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum 1. Juni 2017 waren 7427 HIV-positive Personen erfasst, darunter 7038 kirgisische Staatsbürger, 595 Kinder und 902 Personen, die an Aids erkrankt sind.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;</strong>Der Anteil an HIV-Infektionen in gewissen Gefahrengruppen (unter anderem Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben, Gefängnisinsassen oder Drogenabhängige) liegt bei über 5%, was schon die zweite Stufe einer Epidemie darstellt und einen Einfluss auf die Gesamtsituation hat&#8220;, vermeldete der Pressedienst des Ministeriums.</p>
<p style="text-align: justify">Die sexuelle Übertragung des HIV-Virus steigerte sich von 31% Neuinfektionen im Jahr 2011 zu 51% neuer Fälle 2016, immer öfter sind auch Frauen betroffen. Besonders die Altersgruppe der 20- bis 49-Jährigen ist gefährdet.</p>
<p style="text-align: right"><a href="http://zanoza.kg/360516">Zanoza.kg</a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Von der Redaktion aus dem Russischen übersetzt<br />
</strong></p>
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