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	<title>Hip-Hop Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>So (über-)lebt der Underground in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Nov 2023 18:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff &#x201E;Underground&#x201C; wird &#xFC;blicherweise f&#xFC;r wenig bekannte, unabh&#xE4;ngige Musik und die dazugeh&#xF6;rige Kultur verwendet. In Kasachstan konzentriert sich die Szene vor allem auf die ehemalige Hauptstadt Almaty. Der folgende Artikel, erschienen bei The Village Kasachstan, beleuchtet die Urspr&#xFC;nge des kasachischen Undergrounds. Die Autorin sprach mit den Musikerinnen und Mitbegr&#xFC;nderinnen des Underground-Kollektivs Pink Noise, Lena, [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff &#8222;Underground&#8220; wird üblicherweise für wenig bekannte, unabhängige Musik und die dazugehörige Kultur verwendet. In Kasachstan konzentriert sich die Szene vor allem auf die ehemalige Hauptstadt Almaty. Der folgende Artikel, erschienen bei <a href="https://www.the-village-kz.com/">The Village Kasachstan</a>, beleuchtet die Ursprünge des kasachischen Undergrounds. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autorin sprach mit den Musikerinnen und Mitbegründerinnen des Underground-Kollektivs <a href="https://www.instagram.com/pink.noise.ca/">Pink Noise</a>, Lena, Lika und Laura, mit Artjom Wwedenskij, Besitzer der Konzertbar &#8222;<a href="https://www.instagram.com/enclave_bar/">Anclav</a>&#8222;, Veranstalter des Festivals <a href="https://www.instagram.com/shabashfest/">&#8222;Shabash&#8220;</a> und Mitglied der Band <a href="https://www.instagram.com/p.i.g.z/?img_index=1">P.I.G.Z</a>, und mit Pessa Katzenelenbogen, Mitglied der Bands <a href="https://www.instagram.com/redstockings_band/?next=%2F">&#8222;Krasnychulki&#8220;</a> und <a href="https://www.instagram.com/antivsemusic/?next=%2F">&#8222;ANTIVSYO&#8220;</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Anfänge</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena, Mitbegründerin von Pink Noise, Mitglied der Band Secret Radio</em>: Das Projekt Pink Noise wurde Ende 2022, vor etwa einem Jahr, gegründet. Zusammen mit Lika und Laura haben wir beschlossen, eine Community zu gründen, die die lokale Szene hervorhebt und über lokale Musiker:innen spricht, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lika, Mitbegründerin von Pink Noise, Gründungsmitglied von The Ravenmockers: </em>Ich habe immer daran geglaubt, dass man mit Musik Geld verdienen kann. Die Band hilft dabei, in den Bereich der Kunst einzudringen, sie von allen Seiten zu erforschen und sie mit der Wissenschaft zu verbinden. Als die Idee geboren wurde, ergaben sich auch die entsprechenden Möglichkeiten: Vor acht Jahren habe ich Ivan (Gitarrist von The Ravenmockers &#8211; Anm. d. Red.) und Sasha (Bassist von The Ravenmockers &#8211; Anm. d. Red.) kennengelernt, die mich unglaublich inspiriert haben und dies immer noch tun. Neben der Musik forsche ich in der Neurobiologie, schreibe und halte Vorträge über die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie geht es der lokalen Szene?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena:</em> Nach Covid sind in Kasachstan viele neue Bands entstanden, die vom Genre her weder in den Mainstream noch in die damals existierenden Labels passten. Mittlerweile hat sich die Situation stabilisiert, aber wenn man die lokale Szene nicht unterstützt, kann es mit ihr bergab gehen. Das ist in Almaty schon passiert: Neue Bands sind aufgetaucht, Clubs mit Live-Musik wurden eröffnet, aber mit der Zeit haben sie aufgehört, auf die Bedürfnisse des Publikums einzugehen, und wurden geschlossen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/einen-sound-fuer-bischkek-erschaffen-den-zawisimosti-vom-bischkeker-musikerduo-wtoroj-ka/">„Einen Sound für Bischkek erschaffen“ – „Den‘ Zawisimosti“ vom Bischkeker Musikerduo Wtoroj Ka</a> </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der gesamte Underground in Kasachstan konzentriert sich hier in Almaty. Hier gibt es eine große Genrevielfalt, die Leute sind offen für Neues und Experimentelles. Darin unterscheidet sich unsere Szene beispielsweise sehr von der russischen Szene. Dort geht alles in Richtung Vereinfachung der Musik, Post-Punk ist dominant. Unsere Leute spielen Noise, Grunge, Psychedelic. Sie wollen musikalisch mit dem Rest der Welt gleichziehen, während die russischen Musiker:innen innerhalb ihrer eigenen Szene arbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefangen im Untergrund</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Artjom Wwedenskij, Besitzer des Konzertlokals &#8222;Anclav&#8220;, Veranstaltungsorganisator &#8222;Shabash&#8220;, Mitglied der Band P.I.G.Z.</em>: Die meisten Bands bleiben im Untergrund, weil es ihnen an Unterstützung durch die Zuhörer:innen mangelt. Zum Konzert einer neuen Band kommt eine kleine Anzahl von Freund:innen, aber die breite Masse ist nicht interessiert. Sie würden lieber ein Konzert bekannter Künstler:innen besuchen, als dem lokalen Underground zuzuhören. In Europa gehen die Leute gerne zu einem Konzert einer &#8222;No-Name&#8220;-Band, um etwas Neues zu erfahren. In unserem Land ist es leider genau umgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lika:</em> Das größte Problem ist das völlige Fehlen von Kultur und Berufsethik. Wir haben nicht einmal Verträge. Niemand will Verantwortung übernehmen. Aber selbst im Untergrund braucht man Vorschriften und Regeln. Wenn es keine Ethik gibt, gibt es eine Menge interner und externer Konflikte. Ich habe festgestellt, dass viele Leute von Generation zu Generation einfach desillusioniert sind: Entweder haben sie keine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, oder das Projekt basiert rein auf ihrem Enthusiasmus. Viele Leute vergessen, dass die Musikindustrie ein Geschäft ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena:</em> Es ist einfach eine Frage der Ressourcen. Wir haben nicht so viele Profis, die Songs aufnehmen und abmischen können. Und die, die es können, verstehen die Feinheiten der Genres nicht und können nur mit bestimmter Musik arbeiten. Viele Musiker:innen sind noch dabei zu lernen, und nicht alle schaffen es, konkurrenzfähiges Material zu schreiben. Die Unterstützung für Anfänger:innen in der Gemeinschaft ist schwach, ebenso wie die Infrastruktur: Es gibt nur wenige Auftrittsorte und Proberäume. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Außerdem denken viele Musiker:innen, wenn sie einen Song aufnehmen und ihn veröffentlichen, wird er sofort gehört werden. Aber so einfach ist es nicht, man muss die Hörer:innen auf die Veröffentlichung vorbereiten, Ankündigungen machen, weitere Analysen durchführen. Wenn die Veröffentlichung nicht geklappt hat, sollte man nach den Gründen suchen und überlegen, was man verbessern kann. Es ist wichtig, über die eigene Kreativität nachzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Laura, Mitbegründerin von Pink Noise, Solokünstlerin Laura Casper</em>: Auch die Persönlichkeit von Musiker:innen kann der Entwicklung im Wege stehen. Oft teilen Anfänger:innen ihre Arbeit nicht, aus Angst, kritisiert zu werden. Aber konstruktive Kritik ist notwendig, um sich weiterzuentwickeln. Es ist wichtig, Kommentare angemessen aufnehmen zu können und Kritik und Hass zu trennen. Leider laden die Organisator:innen bereits lokal bekannte Künstler:innen mit einer großen Zahl von Abonnent:innen ein und ignorieren dabei fast die Anfänger:innen. Das führt dazu, dass die Beliebten noch beliebter werden und die Neuen unbekannt bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Pessa Katzenelenbogen, Mitglied der Bands &#8220; krasnyjetschulki&#8220; und &#8222;ANTIVSYO&#8220;</em>:<em> </em>Unsere Szene fängt gerade erst an, sich zu entwickeln, vor allem in den Punk-Genres. Die Szene wird von einigen etablierten Bands getragen, die im Vergleich zum Underground populär sind. Sie treten bei allen großen Veranstaltungen auf, während andere an eine unsichtbare Wand stoßen. Um in der Musikbranche zu wachsen, braucht man entweder Beziehungen oder die Mittel, um seine eigenen Festivals und Veranstaltungsorte zu organisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Musikunterricht in Kasachstan</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lika</em>: Wir können die Kenner:innen der Szene an unseren Fingern abzählen. Die Menschen in Kasachstan werden sich nicht von sich aus für die Entwicklung unabhängiger Musik interessieren, wenn nicht jemand mit brennenden Augen sie inspiriert, ihr Interesse weckt. Wir brauchen Leute, die regelmäßig das Feuer entfachen in den kreativen Einheiten und bei denen, die sie unterstützen. Wie man das macht? Kontinuierliche Manifestation! Für einen Menschen, der etwas unbedingt will, ist nichts unmöglich. Wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist, wird man auch andere Menschen dafür begeistern können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena</em>: Die Musikausbildung wird von vielen Faktoren beeinflusst, vor allem von der Wirtschaft. Unsere Szene ist dort konzentriert, wo es Ressourcen und Geld gibt &#8211; in Almaty. Der Rest der Bevölkerung hat keine Möglichkeit, etwas über die Underground-Szene zu erfahren. Aber wir können einen positiven Trend feststellen: Es gibt in Kasachstan ein wachsendes Bedürfnis nach Selbstidentifikation und Selbstreflexion, und es erscheint viel populäre Musik in kasachischer Sprache. Das ist gut, denn wenn es einen Mainstream gibt, wird es früher oder später auch einen Underground geben, in dem kasachischsprachige Künstler:innen mit weniger populären Tendenzen repräsentiert werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es mangelt an Förderung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Artjom</em>: Alles hängt mit dem Geld zusammen. Musiker:innen brauchen Geld, um Konzerte zu veranstalten, aber die Leute wollen nicht viel Geld für Musik bezahlen. Es gibt kein Verständnis dafür, dass man für Kreativität bezahlen muss, wie für jede andere Dienstleistung auch. Wir haben versucht, Konzerte so einfach und preiswert wie möglich zu organisieren, aber es war nie möglich, damit als Musiker:in oder Veranstalter:in viel Geld zu verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Pessa</em>: Es gibt finanzielle Schwierigkeiten. Wir Musiker:innen haben kein festes Einkommen, brauchen aber immer Geld für die Proben. Für diesen Fall habe ich nur für die Musik bestimmte Sparkonten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena</em>: Die Algorithmen, die Musik auf Streaming-Diensten bewerben, sind nicht ausgereift genug, um Tracks richtig in Playlists zu sortieren. Wenn du Musik schreibst, die sich sehr von dem unterscheidet, was in deiner Gegend beliebt ist, dauert es eine Weile, bis die Algorithmen erkennen, wer du bist und welche Art von Musik du spielst. Es kann sein, dass sie eine Playlist mit Titeln zusammenstellen, die sich vom Genre her unterscheiden, aber geografisch zueinander passen. Daher besteht die Gefahr, dass dein Titel überhaupt nicht zu den Songs passt, mit denen er zusammengebracht wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ist es möglich, mit unabhängiger Musik Geld zu verdienen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Laura</em>: Nein. In der lokalen Szene investiert man nur, ohne etwas zu verdienen. Ich persönlich habe keinen einzigen Cent verdient, obwohl ich seit 2018 mindestens eine Million Tenge in das Projekt investiert habe (etwa 2000 €, Stand 21.11.23, Anm. der Redaktion). Die Arbeit unabhängiger Künstler:innen wird nicht gewürdigt. Die einzige Bezahlung, die du für deine Musik bekommst, ist, wenn du deine Stammhörer:innen, diese fünf bis zehn Leute, bei Konzerten siehst, und sie dich ermutigen, weiter in deine Kreativität zu investieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lika</em>: Ich denke, es ist möglich. Es ist bewiesen, und je mehr harte Arbeit und Intelligenz du hinein steckst, desto mehr wirst du verdienen. Es gibt eine Reihe von Tipps, wie man Kreativität zu Geld machen kann. Das ist natürlich experimentell, besonders in Kasachstan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Underground-Erfolge: Strategien für Aufmerksamkeit und Bekanntheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena</em>: Wie wird man populärer? Am Material arbeiten, Werbung machen und das eigene Publikum finden. Ich denke, wenn eine:r der Underground-Musiker:innen in der Lage ist, 500 Leute zu einem Solo-Auftritt zu versammeln, kann man mit Sicherheit sagen, dass er/sie erfolgreich war. In Zukunft können solche Musiker:innen selbst große Konzerte organisieren und Anfänger:innen in ihr Line-Up aufnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Artjom</em>: Um in aller Munde zu sein, solltest du dein Zielpublikum wählen und dafür arbeiten. Nimm Tracks auf, damit mehr Menschen nicht nur live, sondern auch auf digitalen Plattformen von dir hören können. Setze ein starkes Zeichen für dich selbst, spiele auf großen Festivals. Bereite dich gut auf Konzerte vor, vermeide Alkohol und Faulheit. Viele angehende Musiker:innen haben den Eindruck, dass man für eine Aufnahme ins Studio rennen und viel Geld bezahlen muss. Dem ist aber nicht so, wir haben unsere Tracks immer zu Hause &#8222;auf dem Fußboden&#8220; aufgenommen und das gewünschte Ergebnis erzielt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterstützung für die lokale Szene</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lena</em>: Das Pink Noise Team und ich haben eine riesige genreübergreifende Playlist mit lokalen Musiker:innen zusammengestellt, die <a href="https://music.yandex.ru/users/nphne-3ayc2lel/playlists/1000?from=iframe&amp;play=1">hier</a> gefunden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Artjom: Ich möchte ich ein paar Bands empfehlen, die versuchen, die lokale Szene zu verbessern: <a href="https://www.instagram.com/secretradioband/?hl=de">Secret Radio</a>,  <a href="https://www.instagram.com/keplersthreelaws/?hl=de">&#8222;krasnyjetschulki&#8220;</a>, <a href="https://www.instagram.com/keplersthreelaws/?hl=de">Kepler&#8217;s Three Laws</a> und <a href="https://www.instagram.com/jurskiipark/?next=https%3A%2F%2Fwww.instagram.com%2Fp%2Flc9jbih2x1%2Fc%2F17845656220023475%2F%3F__coig_login%3D1">&#8222;Jurskij Park&#8220;</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Julija Petrova für The Village Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Ramona Bleimhofer</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Was weißt Du schon von mir…“ – Rapper The OM mit Debütalbum IT</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2021 07:53:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Belyi]]></category>
		<category><![CDATA[Hip-Hop]]></category>
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		<category><![CDATA[ozen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[The OM]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der zwischen Kirgistan und Kasachstan aktive Hip-Hop-Musiker The OM hat Anfang August mit &#x201E;IT&#x201C; sein Deb&#xFC;talbum herausgebracht. Eine Rezension. &#xA0; In manche Musikalben tritt man wie in ein Theaterst&#xFC;ck &#x2013; oder wie in einen Tempel. Schon die ersten T&#xF6;ne von The OMs Deb&#xFC;twerks &#x201E;IT&#x201C; (in kyrillischen Buchstaben geschrieben) vermitteln solch einen mystischen Hall. Und dann [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der zwischen Kirgistan und Kasachstan aktive Hip-Hop-Musiker The OM hat Anfang August mit „IT“ sein Debütalbum herausgebracht. Eine Rezension.  </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In manche Musikalben tritt man wie in ein Theaterstück – oder wie in einen Tempel. Schon die ersten Töne von The OMs Debütwerks „IT“ (in kyrillischen Buchstaben geschrieben) vermitteln solch einen mystischen Hall. Und dann die brüllend-raue Stimme: „Es ist wie eins, zwei; ein Schritt in den Abgrund!“ Wie sich später herausstellt, gehört sie zu einem von mehreren Charakteren, die der Musiker im Laufe der nächsten Stücke verkörpern wird. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Schon ist man drin, in der introspektiven Klangwelt des Autors. Der 24-jährige The OM, bürgerlich Aleksandr Dulepinskikh, wuchs in den 2000ern in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Taraz</a>, im Süden Kasachstans auf. Seine Mutter arbeitete als Journalistin und sein Vater als Jazzmusiker, so war seine Jugend bereits von unterschiedlichen musikalischen Einflüssen geprägt. Daher auch das englischsprachige Zitat der belgischen Jazz-Sängerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gpelbpZXFY4">Mélanie de Biasio</a> in dem Intro: „<em>Mama schau auf mein Leben / Dies ist eine einsame Reise</em>“.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Solch ein schöner Sonnenuntergang…“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Stück <em>Zakat</em> (Sonnenuntergang) widmet er dieser Zeit ein paar Zeilen: „<em>Wozu uns in diesem Taraz verdammt noch Gottes Hilfe / Mama arbeitet hart bei drei und mehr Jobs / Herr Präsident ändert nicht sein Gesicht</em>“. Wer es unter solchen Bedingungen schaffen will, muss umtriebig sein, denn „<em>vom Glauben allein wird das Geld kaum mehr</em>“. Oder man zieht sich in sich zurück und sucht dort nach Befreiung, wie der von einem Kinderchor gesungene Refrain suggeriert: „<em>Solch ein schöner Sonnenuntergang, und er erscheint hier in mir!</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zakat</em> ist neben ein paar anderen Stücken des Albums Teil des Soundtracks der zweiten Staffel der kasachstanischen Serie „<a href="https://aitube.kz/video?id=2f18c9e7-ca08-4f2a-9f65-01b6e8021722&amp;playlistId=0e98c1ce-7cdc-4cb3-8675-6c0037f6ceab">Sheker</a>“, in der es um einen jungen Mann geht, der in die Welt des Drogenhandels gerät. In dem Kontext ist auch das Musikvideo gedreht, dass The OM mit Hut und langem Mantel wie einen eleganten Westernhelden in der kasachischen Steppe zeigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><iframe title="OST &quot;SHEKER 2&quot; / The OM - Закат (Премьера клипа)" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/EvMYOwxo6kQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Musik begann The OM in Taraz. Zunächst experimentierte er zuhause mit den verfügbaren Mikrophonen und einer heruntergeladenen Aufnahmesoftware, später auch im Studio. Im Jahr 2013 zog er in das vier Stunden weiter östlich gelegene Bischkek, um Journalismus zu studieren. Dort machte er – noch unter dem Künstlernamen OneSickBastard &#8211; vier Jahre später bei einem Hip-Hop-Musikwettbewerb <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4RNs0VP9mZA">sein Debüt</a> in der lokalen Rap Szene. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine engere Zusammenarbeit mit dem Bischkeker Hip-Hop Veteranen <a href="https://www.calvertjournal.com/features/show/11655/rap-music-kyrgyzstan-self-sustaining-streaming">Belyi</a>, mit dem er seit Ende 2017 das Aufnahmestudio <a href="https://www.instagram.com/biblioteka.rec/?hl=ru">Biblioteka Records</a> betreibt. Seit Ende 2020 ist der nun quasi kirgisisch-kasachische Musiker beim in Almaty ansässigen Musiklabel <a href="https://www.youtube.com/channel/UC9F2BUlGAqzbKUvUWMX7BVw">õzen</a>, über das auch „IT“ herauskam. Aus Bischkek kommt hingegen der Rapper <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5eG1JzYgUfY">Okean Tihii</a>, der den einzigen Gastauftritt des Albums hat &#8211; Im Track „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=u0bWTfdqPEo">Musorka</a>“ (dt.: Mülleimer), einer Abhandlung über Darbietung und Authentizität. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Versprich mir, dass Du mich findest…“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einen theatralischen Höhepunkt erreicht das Album ein Stück später: In &#8218;Vverkh-Vniz&#8216; (dt.: Hoch und runter) stehen sich zwei Charaktere gegenüber. Eine energisch schreiende Stimme – „Ich fühle mich wie zuhause!“ – gegenüber der rauchig kühlen Stimme aus dem Intro: „Vergiss nicht, dass Du zu Gast bist.“ Die Auseinandersetzung wirkt wie ein innerer Dialog. In einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fYGEICFWhmU">Live-Version</a> des Stücks unterscheiden sich die Alter Egos durch ihre Frisur und Gestik, wobei The OMs dandyhafte lange Locken mal offenliegen und mal zum Zopf gebunden sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><iframe title="The OM - Вверх-вниз | Curltai Live" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/fYGEICFWhmU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Texte drücken Gefahr und Exzesse aus. So in &#8218;Vverkh-Vniz&#8216;:<em> </em>„<em>Dein Bruder ist erneut in den Nachrichten/ Irgendwas ist wieder falsch gelaufen und der Business-Plan ist nicht aufgegangen</em>“. Oder auch das von einer Frauenstimme eingesprochene „<em>Versprich mir, dass Du mich findest, wenn ich nicht wiederkehre!</em>“ im hektischen Stück „Obeschtschaj“ (dt.: Versprich es). Im Gegensatz zum basslastigen, düsteren Sound der ersten Hälfte des Albums, wirkt die zweite Hälfte entspannter. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So drückt &#8218;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=V1uBqwmVfss">Namarafonilis‘&#8216;</a><em>– </em>ein Neologismus, auf Deutsch in etwa „<em>wir haben zu viel Marathon betrieben</em>“ – mit seinen E-Gitarren-Tönen schon mehr Ruhe aus. Ebenso das lyrische &#8218;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=xhi1AIXD94Q">Nezachem&#8216;</a> (dt.: Für nichts), das mit seiner Instrumentierung sehr in Richtung <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwj-8p6JzNPyAhWS_7sIHQS1DRkQFnoECAcQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fen.wikipedia.org%2Fwiki%2FNu_metal&amp;usg=AOvVaw1fKmlGfo6tfCHk1XJ5DzXy">Nu Metal</a> neigt: „<em>Ich hab keinen Grund den Schmerz zu suchen / Keinen Grund mehr, meine Leidenschaft zu verstecken / Ich hab keinen Grund eine Rüstung zu tragen / Erneut zu lügen…</em>“ </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Was weißt Du von mir?“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Was mit „IT“ gemeint ist, bleibt offen. Der Titel kann sowohl als Kürzel gedacht sein kann, oder auch als das kirgisische und kasachische Wort für Hund. Ebenso wenig lässt sich das Album einem klaren Genre zuschreiben: die Hip-Hop Einflüsse sind im Sprechgesang wie auch in der Produktion offensichtlich, aber The OM bedient sich auch stark bei Jazz und Rockelementen. Auch das <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pVUEGJOvc5c">Outro</a> endet in einem einladenden Gesang im Crescendo: „<em>Was weißt Du von mir / Ich bin nicht dieser / Erzähl mir dein Geheimnis / Und ich meins / Nein, nie, niemandem</em>…“

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">The OMs <a href="https://vk.com/theomshow?w=wall-182362220_310">erster Dank</a> nach Veröffentlichung des Albums Anfang August ging an den kasachstanischen Musiker Mark Otpyatogo: „<em>Eben dieses verrückte Genie hat mein neues Album produziert, gemischt und gemastert, UNSER neues Album… Er ist übrigens sehr geschmeichelt, dass euch der ‚Sound‘ gefällt!</em>“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich lebt das nur gut 20 Minuten Lange Album von seiner Vielschichtigkeit. Eben die zahlreichen Stimmen und Toneinlagen im Hintergrund, wie auch die präzise eingesetzten Bässe verleihen The OMs gelungenem Debütalbum Charakter. Und es lohnt sich, mehrmals hineinzuhören, um auch wirklich alle Feinheiten und Nuancen zu erhaschen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Album ist bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gCp7uynwXUs&amp;list=PLj7_QgSInDHCWVPvMTolkiEv6zdlGyoyR">YouTube</a> und auf allen gängigen <a href="https://band.link/LOuE1">Streaming-Plattformen</a> zu hören. </em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Florian Coppenrath </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Novastan.org</strong> </p>



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		<title>„Also sprach Z“ – Lyrischer Old School Rap aus Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Sep 2019 03:36:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Hip-Hop]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[L'Zeep]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erfahrene Bischkeker Rapper L&#x2019;Zeep hat vor kurzem sein f&#xFC;nftes Album ver&#xF6;ffentlicht. Und er hat noch viel zu erz&#xE4;hlen. In Zeiten von schweren Trap-Beats und minimalistischen Texten besticht &#x201E;Tak goworil Z&#x201C; mit seiner reichen Bildsprache und Samples aus Rock und Klassik. Das Ergebnis: 40 Minuten h&#xF6;renswerter Musik. Unsere Rezension. &#xA0; Die Bischkeker Rap-Welt hatte das [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der erfahrene Bischkeker Rapper L’Zeep hat vor kurzem sein fünftes Album veröffentlicht. Und er hat noch viel zu erzählen. In Zeiten von schweren Trap-Beats und minimalistischen Texten besticht „Tak goworil Z“ mit seiner reichen Bildsprache und Samples aus Rock und Klassik. Das Ergebnis: 40 Minuten hörenswerter Musik. Unsere Rezension.  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Bischkeker Rap-Welt hatte das Warten schon fast aufgegeben. Ende August veröffentlichte L’Zeep mit „<a href="https://www.deezer.com/en/album/108448212">Tak goworil Z</a>“ („Also sprach Z“) sein fünftes Album. Ein Comeback nach mehreren Jahren Stille für den Rapper Meder Kadyrow, so sein bürgerlicher Name.</p>
<p style="text-align: justify">Das Vorgängeralbum „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=oAmWlRnvHDs">Ponedel’niki</a>“ (Montage, 2015), unter dem Pseudonym seines Alter Ego Sham’Bala veröffentlicht, war noch ein düsteres „underground&#8220; Album: „<em>Ich habe es einfach online gestellt ohne es jemandem zu erzählen</em>“, so der Rapper im Gespräch mit Novastan.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in zehn Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">„Tak goworil Z“ ist textuell deutlich positiver gestimmt, und L’Zeeps erstes offiziell vertriebenes Album. Den digitalen Vertrieb übernimmt das kleine Moskauer Label Delodilla Music. Es gab keine große Werbekampagne, aber vor lauter Erwartung verbreitete sich das Album in Windeseile über Soziale Netzwerke.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kirgisischer <em>Reality Rap</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Denn L’Zeep gehört mit seinen 31 Jahren zu den älteren, respektierten Figuren in der kirgisischen Rap-Szene. Zum Rap kam er über die Poesie. Als Kind begann er, Eindrücke aus seiner Umgebung – die Innenhöfe des kaum wohlhabenden Bischkeker Viertels Pischpek – in Gedichten zu verarbeiten. „<em>[Die meisten meiner Nachbarn] lebten sehr bescheiden, viele sogar unter der Armutsgrenze. Die Hälfte von ihnen litten an Alkoholismus. Dementsprechend wurden ihre Kinder auch nicht erzogen, sie führten einen eigenständigen Lebensstil</em>“, erzählt er.</p>
<p style="text-align: justify">Als Teenager begann L’Zeep seine Texte mit Musik zu versehen, erst nur für seine Freunde, dann auch im Radio. Wie im Track „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZJOLAfIZzr4&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=5">Okno</a>“ (Fenster): „<em>Mein Heft, das ist alles, was es gibt/ Ein ganz abgeschabter Almanach/ […] Es wiegt zu viel, um es einfach wiederzugeben/ Es liegt auf dem Heft, dann vielleicht auf dem Sample.</em>“ Rap als Spiegel der Realität und Eindrücke des Autors.</p>
<p><figure id="attachment_17931" aria-describedby="caption-attachment-17931" style="width: 853px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-17931" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/09/70076158_2253399528115304_1161854504006582272_n.jpg" alt="L'Zeep" width="853" height="1280" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/09/70076158_2253399528115304_1161854504006582272_n.jpg 853w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/09/70076158_2253399528115304_1161854504006582272_n-200x300.jpg 200w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/09/70076158_2253399528115304_1161854504006582272_n-768x1152.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/09/70076158_2253399528115304_1161854504006582272_n-682x1024.jpg 682w" sizes="(max-width: 853px) 100vw, 853px" /><figcaption id="caption-attachment-17931" class="wp-caption-text">Der Rapper Meder Kadyrow, besser bekannt als L&#8217;Zeep</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Ein großer Teil von L’Zeeps Werk kann daher dem Reality-Rap zugeschrieben werden, jedoch ohne Prahlerei und Gangsta-Allüren. „<em>Wir schreiben Songs über das Leben. Wir können nicht erfinden, dass wir wie Gangster sind oder so etwas</em>“, erklärt er die Namenswahl seines ersten Kollektivs: Tschistaya Prawda (Reine Wahrheit), kurz TschP Family. Später wurde daraus Tschetyre-Pyat‘, also Vier-Fünf, oder auch 45.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>In erster Linie Lyrik</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch „Tak goworil Z“ ist in erster Linie Lyrik „über das Leben“. Der Titel ist eine kaum verdeckte Anspielung an „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Also_sprach_Zarathustra">Also sprach Zarathustra</a>“: „<em>Ich bin Pilger, wie Nietzsches Charakter/ mein Herz befiehlt mir, voranzuschreiten“, so in „</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=g5RIxUE89y8&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=10">Piligrim</a>“, dem bislang erfolgreichsten Stück des Albums, zu dem gerade ein Videoclip gedreht wird. Der volle, geschickt über den Beat springende Text, wie auch die zwischengestellten Tonschnitte aus Filmen, lassen das Album ein wenig Old School klingen. Auch da bleibt L’Zeep, mit seinem erkennbar tiefen Stimmklang, in erster Linie sich selbst treu.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="ZEEP - Пилигрим (Так говорил Z) 2019" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/0ThJrU6myWw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche">Nietzsches</a> Zarathustra legt L’Zeep wenig Wert auf materielle Güter. Angaben zu vermeintlichem Reichtum oder seinem Erfolg sucht man in seinen Texten vergeblich. „<em>Ich habe einfach andere Werte im Leben. Das war’s. Ich leide nicht daran, wenn mein iPhone kaputt ist oder ich alte Schuhe oder Kleider habe. Es ist mir einfach egal</em>“, erklärt der Rapper, der ein Zitat aus Victor Hugo’s „<a href="https://www.deutschlandfunk.de/victor-hugos-der-mann-mit-dem-lachen-aussenseiter-wie.700.de.html?dram:article_id=295035">Der Mann mit dem Lachen</a>“ über den Schaden, den Gold anrichtet, auf dem rechten Unterarm tätowiert hat.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/skriptonit-zeitlose-beats/">Skriptonit &#8211; Zeitlose Beats</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Er rappe aus innerem Drang, und nicht wegen des Erfolgs, fügt er hinzu. Und unterstreicht das auch in Versen: „<em>Ich brauche das Mic so sehr, wenn ein Feuer in meiner Brust brennt/ Den Hatern der Mittelfinger, meinen Brüdern die Handfläche</em>“, in „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=8c1SORkkdO0&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=8">Burevestnik</a>“ (Sturmvogel), L’Zeeps Lieblingsstück aus dem Album.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>13 nachdenkliche Tracks</strong></p>
<p style="text-align: justify">„Tak goworil Z“ <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mi5z5iqYEkA&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=1">öffnet</a> mit einer Tonsequenz aus dem Film „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_Reloaded">Matrix Reloaded</a>“, gerichtet an die, die auf L’Zeeps Comeback warteten: „<em>Wir haben sehr lange nichts von ihm gehört, aber ich bin sicher, dass gerade er weiß, was zu sagen ist</em>“. Eine kurze Stille, dann erklingt eine Hommage an eine der Hymnen der 1990er, ein klar erkennbares Sample aus Nirvana’s „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Smells_Like_Teen_Spirit">Smells like teen Spirit</a>“.</p>
<p style="text-align: justify">Es folgen 12 stets nachdenkliche, aber optimistische Stücke, teils durch weitere Sequenzen aus Filmen wie „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fight_Club_(Film)">Fight Club</a>“ oder der Japanischen Serie „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghost_in_the_Shell">Ghost in the Shell</a>“ eingeleitet. Es geht dabei um Freundschaft (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=YuCAlqXgAcw&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=2">Reministsensii</a>), Jugend (Burevestnik), Lebensinhalte (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=yJBSzyg7GQc&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=4">Smerkalos‘</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WqOly3CclPI&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=12">Moi Zwesdy</a>) Liebe und Sehnsucht (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=M7hf8iBbSMQ&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=6">Prisutstwye</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gG-L23wXr_0&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=11">Ty Ulybaesh‘sja</a>). Die Texte sind durchsetzt von Naturbildern, wie das Feuer („<em>Herzlich willkommen in unserem Zelt/ Wenn du aus der Dunkelheit schaust, brennt hier ein Lagerfeuer</em>“), die Jahreszeiten („<em>Mein Herbst wurde zum Alcatraz</em>“), Naturelemente („<em>Karten auf den Tisch, Bruder/ Zeit ist wie Sand</em>“), bis hin zu den Wolken, die zum Abschluss des Albums „<em>meine Gedanken aus dem Wohnungsfenster [tragen]</em>“.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Время есть" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/g1ySSatfOzE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Für angehende Besucher Kirgistans lässt sich vor allem „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=g1ySSatfOzE&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0&amp;index=3">Wremya est‘</a>“ hervorheben. Zu dem entspannten Beat braucht man nur noch die Augen zu schließen und sich zu einen Sommerausflug an den <a href="https://novastan.org/de/tag/issikkoelsee/">Issikkölsee</a> mitnehmen lassen. Dort erwarten einen „<em>die Perle der Berge</em>“ und die „<em>hellblaue Wasseroberfläche“</em>, aber auch „<em>harte Saufereien und blutige Schlägereien</em>“. Egal, „<em>wer hier einmal war, kehrt oft zurück</em>“, denn man gewinnt ein ganz anderes Zeitempfinden: „<em>Single Ladies marschieren vorbei aber Du schaust auf die Tissot/ Ob Du Zeit hast oder keine, glückliche Leute kennen keine Stunden</em>“.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Beats samplen oft Klassik, fast alle sind das Ergebnis der Zusammenarbeit von L’Zeep mit befreundeten Beatmakern. Die saubere Produktion und musikalische Einheit des Albums sind hingegen das Werk des Bischkeker Tonstudios <a href="https://vk.com/bibliotekarec">Biblioteka Rec</a>. Alles in allem ist „Tak goworil Z“ also ein hörenswertes Stück Bischkeker Rap, das nicht nur Old School Nostalgiker und Poesieaffine ansprechen dürfte.</p>
<p style="text-align: justify"><em> „Tak goworil Z“ kann man auf den meisten Streaming-Plattformen hören, zum Beispiel </em><a href="https://www.deezer.com/en/album/108448212"><em>Deezer</em></a><em>, </em><a href="https://music.yandex.ru/album/8475690"><em>Yandex Music</em></a><em> und </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=mi5z5iqYEkA&amp;list=OLAK5uy_m3B3cNvuS-MZNtgw0J1K-WXBPL53sNxX0"><em>Youtube</em></a><em>.</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Rapper Dorob-YAN&#8217;s: &#8222;Auf der Bühne würde ich nach dem dritten Track zum Schweigen gebracht&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Jan 2019 17:54:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Hip-Hop]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dorob-YAN&#x2019;s ist wom&#xF6;glich der einzige politische Rapper aus der tadschikischen autonomen Region Berg-Badachshan. Aufgrund seiner Musik darf er schon f&#xFC;nf Jahre lang nicht in seine Heimat einreisen. Mit dem Nachrichtenportal Ferghana-News spricht er &#xFC;ber seine Heimat, seine Musik und die Rap-Szene im Pamir. Wir &#xFC;bersetzen das Interview aus dem russischen Original.&#xA0; Der Rapper Dorob-YAN&#x2019;s (Dorob [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Dorob-YAN&#8217;s ist womöglich der einzige politische Rapper aus der tadschikischen autonomen Region Berg-Badachshan. Aufgrund seiner Musik darf er schon fünf Jahre lang nicht in seine Heimat einreisen. Mit dem Nachrichtenportal Ferghana-News spricht er über seine Heimat, seine Musik und die Rap-Szene im Pamir. Wir übersetzen das Interview <a href="https://fergana.agency/articles/103838/">aus dem russischen Original</a>. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der Rapper Dorob-YAN&#8217;s (Dorob Dorobow) erzählt die konfliktuelle Geschichte der Pamirs in der Sprache der sozialen Medien und der Populärkultur. Er nimmt Musik auf, macht Videos, produziert modische Kleidung und besingt den Traum von einem freien und unabhängigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> (eine autonome Region in Ost-Tadschikistan, kurz GBAO). Er kritisiert dabei die tadschikischen Behörden wegen ihrer Unfähigkeit, den Einwohnern des Pamir zu helfen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sie wurden im Pamir geboren, haben aber den Großteil Ihres Lebens an anderen Orten verbracht: in Kirgistan, Kasachstan und Russland. Dabei schreiben Sie in einer pamirischen Sprache, warum? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mein Hauptpublikum sind die Pamiris. Ich habe Lieder auf Russisch aufgenommen, aber seit 2012 lege ich einen Schwerpunkt auf die Pamir-Sprache (eine der von den Einwohnern des Pamirs gesprochenen Sprachen der ostiranischen Sprachgruppe). Nach den Ereignissen in Chorugh beschloss ich aus politischen Gründen, in meiner Muttersprache zu rappen. So will ich der pamirischen Jugend ein wahres Bild dessen vermitteln, was in der Region passiert. Aber ich plane auch ein russischsprachiges Album über die Probleme in Berg-Badachschan.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Meinen Sie mit den &#8222;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2012_Gorno-Badakhshan_clashes">Chorugh-Ereignissen</a>&#8220; den Mord an General Abdullo Nasarow im Jahr 2012?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, Nasarow war der Leiter des GKNB (des lokalen Geheimdienstes, Anm. d. Ü.) in Chorugh. Nach seiner Ermordung brach Chaos aus und es wurde eine Sonderoperation eingeleitet, bei der mir sehr nahe stehende Menschen ums Leben kamen. Das hat mich sehr getroffen, so dass ich beschloss in meiner Musik über die Probleme des Pamirs und der Pamiris zu berichten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Waren diese Leute Zivilisten?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, sie waren friedliche Einwohner, sie haben sich nur verteidigt, nicht gekämpft. Unschuldige Menschen wurden erschossen. Seitdem schreibe ich über diese Situation, obwohl ich zuvor polische Themen eher vermied und über das schrieb, was angesagt war: Liebe, Freunde, das Leben in den Innenhöfen&#8230;. Aber nach den Ereignissen von 2012 hat sich alles verändert.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Eines Ihrer jüngsten Werke ist der Song &#8222;Renegade&#8220;. Man kann den Text wohl unterschiedlich interpretieren, aber er scheint sich um die Konfrontation zwischen dem Badachschan und den Zentralbehörden Tadschikistans zu drehen. Darin steht: „Ich glaube, die Zeit wird kommen, wenn der Badachschan unabhängig wird“. Wofür steht der Text? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bevor ich anfange zu schreiben, spreche ich immer mit Hörern. Viele schrieben mir: „Mach was über die Unabhängigkeit, weil unsere Rechte eingeschränkt werden. Schreibe, wie du uns siehst. Schreibe, dass es auch andere hören, denn nicht alle Pamiris sind bei sich, einige schlafen noch und müssen auch geweckt werden.“ Das Stück „Renegade“ spiegelt also vor allem diese Aufforderungen wider.</p>
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<p style="text-align: justify;"><strong>Wollen Ihre Zuhörer mehr Autonomie für Badachschan oder sind sie Befürworter einer vollständigen Unabhängigkeit?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die meisten träumen von der Unabhängigkeit, mit eigenem Pass, eigener Flagge und eigener Hymne. Der andere Teil, wozu auch ich gehöre, will einfach nur in Ruhe gelassen werden, denn wir berühren auch niemanden. Das ist mein einziger Wunsch. Am Ende von &#8222;Renegade&#8220; steht: <em>„Sie können nicht wegnehmen, was</em> <em>sie nicht gegeben haben“.</em> Sie tun nichts für die Pamiris, das ist eine Tatsache.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer im Pamir lebt, der weiß, dass alle Schulen und Sportanlagen von unserem spirituellen Führer, dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karim_Aga_Khan_IV.">Aga Khan</a> (der geistliche Führer der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailiten</a>, also auch der Mehrzahl der Pamiris) finanziert werden. Die Pamiris, die nicht in ihrer Heimat leben, wissen das nicht. Eben sie möchten wir darüber informieren, dass unsere Rechte dort verletzt werden, dass wir wie Banditen dargestellt werden. Fragen Sie jeden Touristen, der den Pamir besucht hat, alle werden zufrieden sein, niemand wird dort berührt, <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-gastfreundlichkeit-als-reichtum/">Gäste werden sehr herzlich begrüßt</a>. Im Pamir steht der Gast immer an erster Stelle. Pamiris würden Gästen ihren letzten Tuschak (mit Baumwolle gefüllte Matratzen) abgeben und selbst auf dem Boden schlafen, Hauptsache der Gast friert nicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Im September war die Lage im GBAO erneut angespannt, nachdem der tadschikische Präsident die lokalen Behörden wegen ihrer ineffektiven Bekämpfung der Kriminalität kritisierte. Die Region wurde von staatlichen Sicherheitskräften besetzt, was zu Unzufriedenheit bei den Einwohnern führte. Wie ist dort momentan die Atmosphäre?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich stehe drei- bis viermal pro Woche in Kontakt mit meiner dortigen Familie. Wir alle machen uns Sorgen um unsere Verwandten im Pamir, denn in den Nachrichten wird nichts berichtet, lokale Fernsehsender sind still. Wir müssen selbst anrufen und fragen. Momentan ist es ruhig, es gibt kleine Provokationen bei Nacht, irgendwo Schüsse und Lärm, aber im Ganzen ist es ganz ruhig. Laut meinen Verwandten gab es vor zwei Monaten noch Zusammenstöße mit den Behörden.</p>
<p><figure id="attachment_15988" aria-describedby="caption-attachment-15988" style="width: 1600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15988" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60.jpg" alt="Berg-Badachschan politisches Plakat" width="1600" height="1126" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60.jpg 1600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-300x211.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-768x540.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-1024x721.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-1300x915.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><figcaption id="caption-attachment-15988" class="wp-caption-text">&#8222;Unsere Rechte werden eingeschränkt&#8220; &#8211; Bild für den Erhalt des Autonomen Status von Berg-Badachschan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Ich weiß nicht, was die Behörden von den Pamiris wollen. Nach 2012 hatte ich das Gefühl, dass ähnliche Gewaltausbrüche sich alle 5-6 Jahre wiederholen würden. Vor einem Jahr habe ich einen Track auf Russisch namens &#8222;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=JyWNMkiYc4U">Feld der Wunder</a>“, in dem ich über das Berichte, was im Pamir passiert. Es ist ein hartes Bild und ich sage ohne Umschweife, dass es sich nicht lohnt, sich für diese Macht einzusetzen, für sie zu stimmen und sie zu unterstützen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/25-jahre-unabhngigkeit-tadschikistans-komplizierte-geschichte/">25 Jahre Unabhängigkeit &#8211; Tadschikistans komplizierte Geschichte</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Seit dem Ende der Sowjetunion sind fast 30 Jahre vergangen und nichts hat sich geändert. Duschanbe gedeiht, und der Pamir ist immer noch das, was er war. Dank dem Aga-Khan gibt es zumindest einige Veränderungen, es wurde eine Schule und ein Jugendzentrum gebaut, aber es gibt keine nennenswerten Fortschritte. Die Leute haben kein Geld, die Jugend hat nichts zu tun und aus der Langeweile entsteht Kriminalität.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sind Sie auf Druck oder Kritik für Ihre Aussagen gestoßen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich hatte 2013 viele Probleme, nachdem meine erste politische Komposition, „Karor Mak“ (Schweige nicht“) herauskam. Das Stück war eine Antwort auf die Ereignisse von 2012. Danach wurde ich verfolgt. Zuerst erhielt ich telefonisch Drohungen, dann wurde ich in Moskau festgenommen und in U-Haft gesteckt. Der vermeintliche Grund dafür war die Beleidigung des Präsidenten von Tadschikistan, obwohl es gar keine Beleidigung gab. Ich habe weder ihn, noch sein Gefolge beleidigt. Wie im Stück „Renegade“, habe ich einfach die Situation im Jahr 2012 beschrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Zeit war die tadschikische Oppositionsgruppe G-24 sehr aktiv. Die Behörden waren der Ansicht, ich sei einer von ihnen, weil ich in meiner Musik sehr kritisch war. Mein Track kam im März 2013 raus, und im September sollte es Präsidentschaftswahlen in Tadschikistan geben. Daher wollten die Behörden die Opposition vor den Wahlen beseitigen. Insgesamt gab es damals in Moskau drei oder vier Gruppen tadschikischer Oppositioneller, die alle verfolgt wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Als sie mich einsperrten war die erste Frage, die sie mir stellten: <em>&#8222;Aus welcher Oppositionsgruppe kommst du, wer sponsert dich?&#8220;</em> Als ich sagte, dass ich allein bin, glaubten sie mir nicht, sie sagten, ich sei jung, würde nichts von Politik verstehen und mich da nur einmischen. Ich versuchte zu erklären, dass von den Ereignissen in Chorugh getroffen war und meinen Track als Reaktion darauf aufnahm.  Sie befragten mich mehr als zwei Wochen lang, am Ende waren aber alle überzeugt, dass ich keine oppositionellen Gruppe angehöre. Als sie mich gehen ließen, sagten sie noch: <em>„Wir reden noch mit dir“.</em> Ich sagte, ich bin jederzeit dazu bereit, nahm mir ein Flugticket und flog weg.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wer hat Sie dort befragt? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie stellten sich als Leute aus der tadschikischen Diaspora vor. Es war auch ein Mann dabei, der sich als Moskauer Kriminalbeamter auswies. Ich weiß nicht mehr genau, aus welchem Stadtviertel er war, aber festgenommen wurde ich bei an der Twerskaja (eine Straße im Zentrum Moskaus, Anm. d. Red.).</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Also arbeiteten Vertreter der Diaspora und ein Moskauer Strafermittler zusammen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, sie haben alles zusammen gemacht, es war ihre gemeinsame Operation. Wissen sie, wie sie an mich rankamen? Ich bekam einen Anruf von einem Mann, der sagte, er wolle mich als Musiker zu einer geschlossenen Firmenveranstaltung einladen. Er bot mir ein Treffen an, um zu besprechen, welche Lieder ich singen sollte. Ich hegte keinen Verdacht und wir trafen uns, aber sobald das Auto mit Vertretern der Diaspora ankam, verschwand dieser Mann und ich wurde weggebracht. Seitdem gehe ich nicht mehr ans Telefon, wenn jemand von einer unbekannten Nummer aus anruft und nehme erst nach einer SMS ab.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sie wurden also in der Moskauer Untersuchungshaftanstalt von Vertretern der tadschikischen Diaspora verhört?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, und es kamen auch Leute, die sich als tadschikische Strafverfolgungsbeamte vorstellten. Sie sagten, sie arbeiten mit Russland zusammen und jagen hier ihre Kriminellen. Ich wurde 15 Tage lang verhört und dann freigelassen, weil ich ein Bürger Kirgistans bin, also außerhalb des Handlungsbereichs tadschikischer Beamten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gab es einen Prozess?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ja, aber ich war nicht da. Mein Anwalt und mein Vater waren dort. Alles geschah in Moskau.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Und was hat das Gericht angeordnet?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben die Anklage gegen mich fallen gelassen, aber Tadschikistan hat mir ein fünfjähriges Einreiseverbot verhängt. Dies wurde mir von meinem Anwalt mitgeteilt, der wiederum von einem Vertreter der tadschikischen Diaspora darüber informiert wurde.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Also hast du keinen Beleg dafür? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nein, es ist nicht offiziell bestätigt, zudem ich nicht da war und alles nur per Telefon erfuhr. Nachdem ich aus der Haft entlassen wurde, sagten mir meine Verwandten: <em>„Verlass mal Russland für eine Weile, wir kümmern uns hier um alles“.</em> Das war im Mai 2013. Fünf Jahre sind im Frühjahr dieses Jahres vergangen, aber als ich im Juli mit dem Auto aus Osch in dem Pamir fuhr, ließen sie mich nicht rein. Sie nahmen meinen Pass, sahen, dass da Dorob Dorobow steht und sagten: <em>&#8222;Entschuldigen Sie, wir können Sie nicht durchlassen, Sie s</em><em>tehen auf der schwarzen</em> Liste.&#8220; Dann rief ich einen Bekannten an, der für im Pamir für die Regierung arbeitet. Er bestätigte mir, dass ich auf der schwarzen Liste stehe, und das für weitere fünf Jahre.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie gesagt, ich habe meine Nächsten verloren. Sie wurden einfach so getötet, sie waren vollkommen unbeteiligte, gesetzestreue Bürger, keine Banditen und keine Drogendealer. Gewöhnliche Menschen, die ihr Leben verloren, nur weil man zu ihnen kam, begann auf ihre Kinder zu schießen, und sie mussten die Waffen ergreifen, um ihre Häuser und Familien zu schützen, und wurden erschossen. Danach bekam ich eben diesen Groll, und ich fing an, auf Pamiri zu rappen. Ich will die tadschikische Regierung nicht ärgern. Ich rappe eben auf Pamiri, weil ich den Menschen dort klar machen will, dass sich alles in fünf oder zehn Jahren wiederholen wird, wenn sich nichts ändert, dass sie uns mehr und mehr unter Druck setzen werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Was müsste passieren, damit sich etwas ändert? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn der Präsident wechselt, wird sich vielleicht alles ändern, genau wie in Usbekistan. Wie redete man früher? Wer soll nur Karimow ersetzen? Glaubt ihr, der neue Präsident wird besser? Aber schließlich wurde Mirsijojew Präsident in Usbekistan, und alles änderte sich. Wie schön es jetzt dort ist, die Jugend kann das Land verlassen, es gibt freien Zugang nach Amerika und nach Europa, die Wirtschaft entwickelt sich.</p>
<p style="text-align: justify;">Oder wie in Kirgisistan: da ändert sich der Präsident überhaupt alle fünf Jahre und es gibt Veränderungen. Ich beobachte das selbst. Ich war vor kurzem in Taschkent, ich war zum ersten Mal seit drei Jahren in Kirgistan. Und überall gibt es Veränderungen, die jungen Leute haben etwas zu tun, es ist etwas los. Tadschikistan braucht das Gleiche.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ist pamirischer Rap nur ein Rap auf Pamiri, oder ist es eine Subkultur mit ihren Eigenheiten?  </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Genau wie in Russland gibt es Battle, es werden „Versus“ Events organisiert (Versus ist eine bedeutenden Rap-Battle Liga in Russland, Anm. d. Ü.). Wobei es im Pamir immer noch nicht so beliebt ist, weil unsere Leute den Rap noch nicht gewohnt sind, sie nehmen das Genre nicht ernst. Als ich vor zehn Jahren gerade erst anfing zu schreiben, wurde dieses Genre überhaupt nicht begrüßt, die Regierung nahm eine strenge Position ein: keine Rap-Konzerte, wir brauchen diesen Schamanismus und diese Clownerie nicht. Heute hören nicht nur junge Menschen, sondern auch Menschen über dreißig und vierzig Rap. Die Interpreten haben die Leute überzeugt, dass es keine schlechte Musik ist. In diesem Sinne gibt es im Pamir einen großen Fortschritt.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin natürlich nicht der einzige pamirische Rapper, es gibt dort viele talentierte Jungs. Aber ich schätze, ich bin die Einzige, die über Politik rappt. Die anderen schreiben über Liebe, über Geld, über Mode, über Freunde, über eure Nachbarschaft und Stadt. Sie scheinen genauso unzufrieden zu sein wie ich, auch sie wollen über die aktuellen Probleme rappen, darüber, dass im Pamir nichts für die Jugend getan wird, überhaupt nichts. Sie wollen darüber reden, aber vielleicht werden sie von der Angst aufgehalten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ist es schwierig, in Pamir-Sprachen Rap-Musik zu schreiben?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich rappe auf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shughni_language">Shughni</a>, das ist die wichtigste Pamir-Sprache und kann auch von anderen Volksgruppen verstanden werden. Es ist einfach, in der Sprache zu schreiben. Manchmal klingt es schon nach Rap, wenn ich mit meinen Freunden einfach so reden, es fehlt nur noch der Beat und ein paar Reime. Der Wortschatz in der Sprache ist gut. Persönlich ist es für mich noch einfacher, auf Shughni zu schreiben, als auf Russisch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Was gefällt dir an deiner Muttersprache am besten?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Pamir-Sprachen haben ihre eigenen Kniffe. Es gibt so etwas wie das Wort „Mazga“. So ein lustiges Straßenwort, das alles bedeuten könnte. Zum Beispiel sagt dein Freund etwas Falsches, und Du antwortest: „Mazga“. Hier heißt das: <em>„Was hast du gesagt? Pass auf, was du sagst!“</em> Tatsächlich kann dieses Wort von jedem auf eigene Weise verwendet werden. Im Pamir gibt es auch den schönen Begriff „Rad“, so etwas wie Seelenverwandter, als Bezeichnung für enge Freunde.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/pamirsprachen-vom-aussterben-bedroht/">Pamirsprachen vom Aussterben bedroht</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie oft trittst du auf?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich kann noch keine Konzerte geben, weil meiner Kunst das Format fehlt. Ich werde oft um Konzerte gebeten, aber ich verstehe auch, dass man mich nach dem dritten Stück zum Schweigen bringen würde. Bei solchen Konzerten muss man Sicherheit gewährleisten können. Ich werde doch nicht nur da stehen und Liebeslieder singen. Es geht um ernsthafte Themen. Außerdem will ich nicht einfach auftreten, sondern eine theatralische Show organisieren, damit auch die, die meine Sprache nicht beherrschen, verstehen können, worum es geht. Ich interessiere mich für so ein Format, aber bisher sind es nur Pläne. Vielleicht werde ich ein Konzert und eine Theateraufführung im Pamir geben, aber ich weiß nicht, ob es funktionieren wird oder nicht, also werden wir sehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Machst du nur Musik oder noch etwas anderes?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Neben der Musik habe ich 2015 eine eigene Kleidermarke gegründet: Sweatshirts, Hüte, Mützen, Kappen. Wir haben es in den letzten drei Jahren weiterentwickelt, es gibt einige Fortschritte. Das ist jetzt mein Haupteinkommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Verdienst du damit mehr Geld als mit der Musik?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das versteht sich von selbst. Mit der Musik kann ich nicht so viel Geld verdienen. Aber dank der Musik wird meine Kleidung gekauft. Die Zuhörer sehen eine Mütze im Clip und kaufen sich auch eine. Ohne meine Kunst würde kaum einer meine Kleidung kaufen, es wäre viel schwieriger, die Firma zu entwickeln.</p>
<p><figure id="attachment_15987" aria-describedby="caption-attachment-15987" style="width: 2560px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15987" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg.jpg" alt="D-YAN's Wear Plakat" width="2560" height="1490" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg.jpg 2560w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg-300x175.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg-768x447.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg-1024x596.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/tpYwYu8BEVg-1300x757.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption id="caption-attachment-15987" class="wp-caption-text">Werbeplakat für Dorob-YAN&#8217;s Kleidermarke</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Aber gleichzeitig scheint es, dass Kleidung mit Inschriften über die Pamir auch für Leute aus der Region interessant sein kann, nicht nur für Ihre Fans oder Landsleute.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das stimmt. Das Interessanteste ist, dass der Großteil meiner Käufer aus Moskau kommt: Russen, Tadschiken, Kaukasier, weniger Pamiris. Früher hatte ich eine Verkauftsstelle Punkt bei Dmitrovka (im moskauer Stadtteil Sawelowsky), auf der Chutorskaja-Straße, die jedoch wegen Problemen mit dem Vermieter geschlossen werden musste. Dorthin kam vor allem die Moskauer Jugend. Wir verkaufen im Grunde genommen das Gleiche wie Zara oder Pull&amp;Bear. Unsere Kleidung keine geringere Qualität, ist aber halb so teuer.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie läuft der Arbeitsprozess? Wer erfindet das Design, wo näht ihr?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wir sind fünf im Team. Einer macht die Internet-Promotion, mit einer weiteren Mitarbeiteren zusammen zeichne ich die Skizzen. Sie macht den Schnitt und ich das Design. Dann schicken wir die Skizzen in die Türkei, wo sie zwei Wochen lang genäht werden und weitere zwei Woche per Post zu uns gesandt werden. Wir schicken sie dann schon weiter an Kunden in Russland, Tadschikistan, Kirgistan und Europa. Viel geht nach Deutschland. Pamiris gibt es jetzt überall.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Und wieviel Umsatz machen sie ungefähr? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im vergangenen Jahr haben wir etwa für mehr als 200.000 Rubel verkauft. Manchmal auch weniger, so 80.000. Es reicht bislang zum Leben, aber am Anfang war es schwer. Wir machen erst seit einem Jahr gewinn, erst gab es überhaupt kein Einkommen. Wir alle haben in dieses Projekt aus eigener Tasche investiert, jemand hat gearbeitet und die Hälfte seines Gehalt gezahlt, noch wer hat einen Kredit aufgenommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dank der Verkauftsstelle konnten wir uns entwickeln, man begann uns zu kennen. Gegenüber Internet-Geschäften gibt es weniger Vertrauen, besonders wenn die Marke nicht bekannt ist fürchtet man Betrug. Aber da wir einen Ort hatten, an dem wir die Ware zeigen konnten, hatten die Käufer Vertrauen. Jetzt möchte ich natürlich einen normalen Laden in Moskau in einem Einkaufszentrum eröffnen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Wir suchen über Facebook nach Investoren. Es macht mir viel Spaß, das alles zu entwickeln. Ich male gerne, seit ich ein Kind war und ich möchte etwas Eigenes machen. Gott sei Dank läuft es bis jetzt gut.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Mit Dorob-YAN&#8217;s sprach Egor Petrow</strong><br />
<a href="https://fergana.agency/articles/103838/"><strong>Fergana News </strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Feminismus, Trap und K-Pop: Neues aus der kirgisischen Musikszene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Nov 2018 07:37:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Herbst bringt viele musikalischen Innovationen in Kirgistan mit sich und zeigt eine offene und vielf&#xE4;ltige Musikszene. Ein Einblick in f&#xFC;nf St&#xFC;cken. Kirgisische Musik beschr&#xE4;nkt sich l&#xE4;ngst nicht mehr auf traditionellen Gesang und sowjetisch-gepr&#xE4;gte &#x201E;Estrada&#x201C; Popmusik. Die Musikindustrie professionalisiert sich und umfasst immer mehr Genres und Stilrichtungen, um sie herum entstehen auch neue Label, Produktionszentren [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der Herbst bringt viele musikalischen Innovationen in Kirgistan mit sich und zeigt eine offene und vielfältige Musikszene. Ein Einblick in fünf Stücken. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Kirgisische Musik beschränkt sich längst nicht mehr auf traditionellen Gesang und sowjetisch-geprägte „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Estrada_(Musik)">Estrada</a>“ Popmusik. Die Musikindustrie professionalisiert sich und umfasst immer mehr Genres und Stilrichtungen, um sie herum entstehen auch neue Label, Produktionszentren und Modeprojekte, die sich überwiegend über Instagram vermarkten.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders die kirgisischsprachige Musik ergründet neues Terrain. Allein im Laufe der vergangenen Monate konnten sich die kirgisischen Musikliebhaber an mehreren musikalischen Experimenten erfreuen – oder sich über vermeintliche Plagiate oder Tabubrüche aufregen. So ist Musik einerseits ein Medium für lokale gesellschaftliche Debatten, andererseits ein Ausdruck verschiedener internationaler Einflüsse, besonders aus dem benachbarten Kasachstan.</p>
<p style="text-align: justify">Eine Auswahl von fünf Stücken aus den vergangenen drei Monaten illustriert diese Entwicklung, an der brandneue Projekte genauso teilhaben wie etablierte Popstars.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Zere – Kyz<br />
</strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="Zere - Кыз (Music Video)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/ivlRPb75-VU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify">Mit ihrem ersten Stück <em>Kyz</em> (dt. Mädchen) erreichte die 19-jahre alte Zere gleich weltweite Aufmerksamkeit. In einem selbst entworfenen Videoclip ruft die Sängerin zu mehr persönlichen Freiheiten für Mädchen auf und träumt von einer Zeit, „<em>in der mir niemand sagt, was ich anziehen und tun soll</em>“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zere-asylbek-meine-geschichte-wurde-politisch/">Zere Asylbek – „Meine Geschichte wurde politisch“</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Zere schrieb den Text absichtlich auf Kirgisisch, um ihre Message auch der oft ländlicheren kirgisischsprachigen Bevölkerung nahezubringen. Der Clip, gefilmt am ikonischen Issikkölsee, ist bewusst provokativ: eine Gruppe junger Frauen rund um Zere, selbst in Anzug und BH, steht für Vielfalt und Selbstbestimmung, ob mit bunten Haaren und Piercing oder langer Kleidung und Kopftuch.</p>
<p style="text-align: justify">Es folgte Kritik, teils gar Morddrohungen, und viel Unterstützung. Nicht zuletzt mischte sich auch Zeres Vater, eigentlich gegen ihren Willen, in die Debatte ein und lobte sie als eine <em>„frei denkende Tochter des freien Kirgistan</em>“.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Tamga – Maida  </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="Tamga - Майда (Official video)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/G6AKv9jYTfU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Die Sängerin Tamga ist womöglich kurz davor zu einer führenden Stimme im kirgisischen Hip-Hop zu werden. Mit ihrem Debüttitel <em>Maida</em> (dt. klein/ unbedeutend) bieten sie und die Produzenten des <a href="https://www.instagram.com/chingizalbert/?hl=en">Chingiz Albert Team</a> eine frische musikalische und visuelle Ästhetik im bislang eher männerdominierten Rap.</p>
<p style="text-align: justify">Der Text ist ein Appel an eben diese Männerwelt: „<em>Wo ist deine Würde?</em>“ wiederholt der Refrain. Thema sind „<em>aktuelle Probleme im Verhalten, der Moral und der Würde unserer jungen Männer, zukünftigen Vätern und Beispiele für ihre Familien und das Land als Ganzes</em>“, so die Beschreibung <a href="https://www.instagram.com/p/Bo1oaRVlHeq/?utm_source=ig_web_copy_link">auf Instagram</a>. „<em>Wir sind der Ansicht, dass alle Probleme durch einen normalen konstruktiven Dialog gelöst werden können, den wir über unsere Kunst aufbauen wollen</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Der Clip zeigt zudem Eindrücke aus der lokalen Tanz- und Modeszene und bewirbt die Kleidung des jungen Bischkeker Modeunternehmens <a href="https://www.instagram.com/brand_eldejok/?hl=en">Eldejok</a>.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Mirbek Atabekow und Kamschat Dscholdybajewa – Tingda meni<br />
</strong></h3>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=MqsCu89WFIE</p>
<p style="text-align: justify">Mirbek Atabekow gilt als der Superstar der kirgisischen Popmusik. Der herausragende Videoclip zu seinem Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7ALPIons9NU"><em>Muras</em></a> (Erbe) erreichte gar drei Millionen Klicks auf Youtube, was etwa der Hälfte der kirgisischen Bevölkerung entspricht. Üblicherweise steht Atabekow für leichte Liebeslieder oder patriotische Stücke.</p>
<p style="text-align: justify">In seiner Zusammenarbeit mit der kasachstanischen Sängerin Kamschat Dscholdybajewa geht er mehr künstlerisches Risiko ein. Das Stück <em>Tingda meni</em> (dt. Hör mir zu) ist ganz auf Kasachisch und mit einem fast Tarantino-artigen Kurzfilm als Videoclip versehen, wo Atabekow als Mitglied einer kriminellen Gruppierung eine Romanze mit der Frau seines Chefs eingeht.</p>
<p style="text-align: justify">Die Reaktionen auf sozialen Medien sind <a href="https://kaktus.media/doc/380856_atabekova_raskritikovali_za_novyy_klip._dostalos_i_ego_jene_hotia_ee_tam_net_voobshe.html">geteilt</a>. Während einige Nutzer die hochwertige Qualität des Clips, Atabekows Schauspieltalent oder die gelungene nachbarliche Zusammenarbeit lobten, kritisierten andere die allzu sexuellen und gewalttätigen Szenen und dass das Stück auf Kasachisch gesungen wurde.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Belyi und The OM – La Vida Loca </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="The OM &amp; БЕЛЫЙ - La Vida Loca" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/zjp7SVZnOVw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify"><em>La Vida Loca</em> der zwei russischsprachigen MCs <em>Belyi </em>und <em>The OM </em>wendet sich gewiss an ein anderes Zielpublikum, das auf Kraftausdrücke und Tabubrüche weniger sensibel reagiert. <em>„Scheiß auf ihre Regeln!</em>“ heißt es gleich in einer der ersten Zeilen des Stücks, aufgenommen durch das vor einem Jahr gegründete Musiklabel <a href="https://www.instagram.com/biblioteka.rec/?hl=en">Biblioteka Rec.</a></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in zehn Tracks</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Weiter geht es um harte Selbstverwirklichung und Hedonismus, auf Höhen, wo <em>„das Leben wie ein karamellsüßer Urlaub schien“.</em> Die kritischen Kommentare richten sich aber weniger gegen den Inhalt, als gegen den allzu deutlichen kasachstanischen Einfluss auf den ersten Teil des Stücks, <em>„eine eindeutige Kopie von <a href="https://www.instagram.com/truwer/?hl=en">Truwer</a>“</em> oder von <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/skriptonit-zeitlose-beats/">Skriptonits Jeltsin-Flow</a>.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong>Jonele – Kyich </strong></h3>
<p><iframe loading="lazy" title="JONELE - KYICH M|V" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/b6xCGyvqdEQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Das ist nicht Korea, das ist Kirgistan“,</em> beginnt der Videoclip wie eine Ankündigung für die K-Pop Gruppe Jonele (Dschön-Ele, kirg. für „einfach so“), fünf Jungs mit bunten Haaren, die dem Genre vermeintlich erstmals eine kirgisische Stimme geben. Auch der Stil ist aus Bischkek: die Marke EldeJok ist offizieller Designer der Band, produziert von der Bischkeker Firma „Serebrov Production“.</p>
<p style="text-align: justify">Der kulturelle Einfluss von Südkorea in Zentralasien macht sich schon mehrere Jahre bemerkbar. In Bischkek findet mit der Unterstützung der koreanischen Botschaft jährlich ein <a href="https://kloop.kg/blog/2017/05/17/foto-kak-proshel-festival-k-pop-v-bishkeke/">K-Pop Festival</a> statt, immer mehr koreanische Geschäfte verkaufen importierte Artikel für Liebhaber und auch die Zahl der Südkoreaner in Kirgistan ist in den letzten drei Jahren um 30 Prozent gestiegen, berichtet die BBC in einem Beitrag zur „<a href="https://www.bbc.com/russian/features-44712665">koreanischen Welle</a>“.</p>
<p style="text-align: justify">Dass das Publikum mit dem Genre K-Pop gut vertraut ist, zeigt sich auch in den verhaltenen Kommentaren zum Debütclip von Jonele. Zahlreiche Nutzer sehen in der Gruppe vor allem eine Kopie ihrer koreanischen oder kasachstanischen Pendants: „W<em>o ist eure Individualität? […] Ihr müsst ausgezeichnete Musikanten, Sänger und Tänzer sein. In Kasachstan hat noch keiner das Niveau von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ninety_One">91</a> (die bekannteste kasachstanische K-Pop Gruppe, Anm. d. Red.) erreicht, und ihr kommt dem nicht einmal nahe. Aber dennoch wünsche ich euch Glück und hoffe, dass ihr meine konstruktive Kritik berücksichtigt</em>“, so Emmma.</p>
<p style="text-align: right"> <strong>Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Arslanmuhammed Nasarow: Rap ist in Turkmenistan noch nicht angekommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alternativeturkmenistannews]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jul 2018 06:37:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Hip-Hop]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[XB Mawzer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rap und Hip-Hop gibt es in Turkmenistan schon lange. Was die Szene ausmacht und welche Perspektiven es gibt, erz&#xE4;hlt Arslanmuchammed Nasarow in einem Interview f&#xFC;r die &#x201E;Alternativen Nachrichten Turkmenistans&#x201C; (&#x201E;Alternativnye Novosti Turkmenistana&#x201C;). Novastan gibt das Gespr&#xE4;ch in einer gek&#xFC;rzten &#xDC;bersetzung wieder. Die westliche Hip-Hop- und Rap-Kultur erreichte Turkmenistan zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Illegal kopierte [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/arslanmuhammed-nasarow-rap-ist-in-turkmenistan-noch-nicht-angekommen/">Arslanmuhammed Nasarow: Rap ist in Turkmenistan noch nicht angekommen</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Rap und Hip-Hop gibt es in Turkmenistan schon lange. Was die Szene ausmacht und welche Perspektiven es gibt, erzählt Arslanmuchammed Nasarow in einem Interview für die </strong><strong>„<a href="https://habartm.org/archives/9214">Alternativen Nachrichten Turkmenistans</a>“ („Alternativnye Novosti Turkmenistana“). Novastan gibt das Gespräch in einer gekürzten Übersetzung wieder.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die westliche Hip-Hop- und Rap-Kultur erreichte Turkmenistan zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Illegal kopierte Kasetten und CD&#8217;s von Eminem und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Detsl">Detsl</a> (russischer Rapper der frühen 2000er, Anm. d. Red.) gingen in Aschgabat von Hand zu Hand. Jugendliche holten sich blaue Knie und Ellenbogen in Break-Dance-Battles zum Hit „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ymNFyxvIdaM">Freestyler</a>“ der finnischen Gruppe „Bomfunk MC“. Die Hip-Hop- und Rap-Szene Turkmenistans begann sich zu entwickeln. Eine erste Generation von Interpreten kam auf, die ihre eigenen Worte auf berühmte westliche Beats schrieben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in zehn Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Einschätzung von Arslanmuchammed Nasarow &#8211; einem jungen Hip-Hop-Interpreten, seinen Fans besser bekannt unter dem Pseudonym XB Mawzer – hat sich dieser lockere Umgang mit dem Plagiat bis heute erhalten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Arslan, wie alt sind Sie, wo kommen Sie her und wo leben Sie jetzt?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Salam! Ich bin 22 Jahre alt, komme aus Aschgabat, lebe mittlerweile aber schon sechs Jahre in Ankara. Ich habe hier mein Studium beendet und mich entschieden, zu bleiben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was bedeutet Ihr Pseudonym?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am Anfang habe ich mich nur XB genannt, aber 2013 habe ich dann noch das Wort Mawzer hinzugefügt. X bedeutet „nein“, B kommt von „Beat“, also zusammen: Kein Beat. Mawzer ist einfach ein schönes Wort aus dem Arabischen. Es hat mehrere Bedeutungen: Vulkankrater oder ein Ort, wo der Schuss aus einer Waffe eingeschlagen ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Seit welchem Alter rappen Sie? Wie kamen Sie in die Szene, und warum haben sie sich gerade für diese Musikform entschieden?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Musik mache ich, seit ich 6 Jahre alt bin. Ich bin zum ersten Mal als Schüler aufgetreten. Natürlich habe ich nicht gleich mit Hip-Hop angefangen. Zuerst habe ich Schlager und Volkslieder gesungen. Musik und Gesang habe ich in der Schule gelernt, mit der Zeit habe ich mein musikalisches Repertoire erweitert. Schließlich habe ich mich dann für den Hip-Hop entschieden.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="XB MAWZER - Keyp etjek 2018 HD" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/rSWii_udZGY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">In dem Genre kann man den Hörern in 32 Zeilen wiedergeben, was einen beschäftigt, seine Gefühle und Zweifel. Von Anfang an habe ich das auf die Bühne gebracht, was in meinem Leben passierte, habe mir nichts ausgedacht. Ich diktiere dem Publikum aber auch nicht irgendeine Wahrheit, sondern überlasse die Entscheidung ihnen. Oft mixe ich Pop mit Hip-Hop, das Angenehme mit dem Harten. Der beste Platz auf der Welt ist für mich in meinem Studio, wo ich arbeite, mit einer Schale grünem Tee.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Westen thematisiert man im Hip-Hop oft Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Gesellschaft – was thematisiert der turkmenische Rap? Wann entstand er? Und wie unterscheidet er sich von den westlichen Varianten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der turkmenische Hip-Hop hat momentan keine gute Phase. Es geht nur ums Geld, jeder Interpret bringt das raus, was der Werbeagent sich wünscht. Den echten Hip-Hop der alten Schule gibt es nicht mehr. Wenn überhaupt, dann kann man diesen alten Stil noch bei Asat Orasow hören, aber seine Perfomance ist kaum professioneller, als die der anderen. Im Show-Business hierzulande und besonders bei diesem Interpreten findet man viele Plagiate. Andererseits hat das turkmenische Publikum erst durch Asat Orasow erfahren, was Rap ist.</p>
<p style="text-align: justify">Der turkmenische Rap teilt sich für mich in zwei Gruppen: Eine von ihnen schreibt ausschließlich Liebeslieder. Die Zweite nenne ich oldschool, den echten Rap. Es sind talentierte junge Rapper dazugekommen, aber bis heute schaut man in Turkmenistan skeptisch auf sie und auf die gesamte Rapszene. Wenn jemand etwas Schlechtes tut, wird das als alltäglich hingenommen, aber kaum schreibt man ein paar Zeilen über dieses Ereignis und performt sie, ist der Skandal perfekt. Dabei ist Hip-Hop Kunst, es ist die Wiedergabe der Welt, der Realität, in der wir alle leben. Es ist interessant, zuzuhören, und noch interessanter, sich selbst darin wiederzufinden. Ich weiß, dass die Welt groß ist. So Gott es will, werden sich in Turkmenistan die Türen für den Rap öffnen und die Rapper mehr Konzerte geben.</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Tapawudy yok" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/QTOda8L3UUE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Plagiatsproblematik zieht sich durch die gesamte turkmenische Popszene. Nur wenige schreiben nicht nur ihren Text, sondern auch ihre Musik selbst. Woran liegt das?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist ganz einfach: Die turkmenischen Popkünstler wollen schnell und auf einfache Weise reich werden. Traurig ist, dass die, die wirklich etwas zu sagen hätten, sich vor ihren eigenen Gedanken fürchten, und alle anderen haben weder Einsicht noch Gewissen. Wenn jemand einen neuen Rap-Track schreibt und aufführt, dann denken alle anderen nur darüber nach, wie sie das Thema klauen, modifizieren und als ihr Produkt ausgeben können.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/rap-view-politischer-rap-aus-kirgistan/">„Rap-View“ &#8211;  Politischer Rap aus Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Heutzutage gibt es wirklich wenige in der Pop-Kultur Turmenistans, die sowohl Text als auch Musik selbst schreiben.Das sind vielleicht 30 Prozent, der Rest kopiert von anderen Künstlern, was eine Verletzung des Urheberrechts darstellt. Aber diese Form des Diebstahls wird weder von den Tätern noch von den Gesetzeshütern als Straftat angesehen. Das Gesetz kommt überhaupt nicht zur Geltung. [Laut dem Strafgesetzbuch Turkmenistans zieht eine Verletzung des Urheber- oder Patentrechts eine Geldstrafe oder Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren nach sich, Anm. d. Red.]</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Warum interessiert sich die Mehrheit der Turkmenen nicht für Rap? Liegt das an der Kultur, an der Mentalität? In den sozialen Medien findet man viele Videos, in denen Turkmenen Rap, unter anderem aus Turkmenistan, im Auto hören.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, in erster Linie hat Rap einfach überhaupt nichts mit der Kultur und Mentalität der Turkmenen zu tun, deshalb hat das Genre vielen nicht gefallen, man hat es nicht akzeptiert. Aber ich bin mir sicher, dass der Rap für die Kultur Turkmenistans eine Art Revolution geworden ist. Die Turkmenen haben nicht viel mit dem Westen zu tun, wo der Rap entstand. Andererseits gab es in der Kultur unseres Volkes bereits im Altertum eine Art „Rap“.</p>
<p><figure id="attachment_14395" aria-describedby="caption-attachment-14395" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-14395" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/07/C398J-KNAxo.jpg" alt="Clip Rap Turkmenistan" width="1280" height="720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/07/C398J-KNAxo.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/07/C398J-KNAxo-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/07/C398J-KNAxo-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/07/C398J-KNAxo-1024x576.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-14395" class="wp-caption-text">Ausschnitt aus dem Videoclip zu &#8222;Demir Tiken&#8220; (Stacheldraht) von Rappern aus Türkmenbaschi</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Im Ernst, natürlich hieß das Ganze nicht „Rap“, das ist ein Fremdwort für uns. Aber schon viel früher haben die Turkmenen Lieder aufgeführt, sogenannte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dastan">Dastans</a>, in denen sie den Zuhörern ihre Gedanken, Gefühle und Probleme mitteilten. Die turkmenischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bakshy">Bachschi</a>  trafen sich zu Versammlungen, oder wie man heute sagen würde: zu Battles, bei denen die Zuschauer die Jury bildeten. Die Dastan-Redner traten in verbalen Duellen unter Begleitung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dotar">Dotar</a> gegeneinander an und versuchten, mit ihren Gedächtnisleistungen und ihrem Wortschatz das Publikum zu beeindrucken und natürlich ihr Gegenüber zu besiegen. Der Sieger erhielt nicht nur den Applaus der dankbaren Zuhörer, sondern darüber hinaus wertvolle Preise. Natürlich nannte damals unsere Bachschi-Redner noch niemand „Rapper“, aber im Prinzip waren sie genau das.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es im heutigen Turkmenistan Rap-Battle?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht offiziell. Aber von 2015 bis 2017 habe ich zwei Battles im Internet organisiert, um dem Publikum junge Rap-Interpreten vorzustellen. Ich bin Administrator der Seite 100de100hiphop.com [seit 2017 ist diese Seite durch die Regierung Turkmenistans blockiert, Anm. d. Red.]. Wir haben es geschafft, gute Rapper der neuen Schule hochzubringen, die seitdem selbstständig ihren Weg weiter gehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie bringen die turkmenischen Rapper ihre Werke an die Öffentlichkeit? Gibt es offizielle Konzerte, private Auftritte?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Offizielle Konzerte gibt es auch nicht. Es gibt sogenannte „interne Treffen“. Im August habe ich ein paar Konzerte in mehreren Regionen Russlands geplant, in den nächsten Tagen kann ich das öffentlich machen. Es gibt Künstler bei uns, die mit ihren Rap-Auftritten berühmt werden, aber die wenden sich dann von ihren Fans ab, werden hochmütig. Man sollte die Nase nicht zu hoch tragen, nur weil man gerade Geld hat und berühmt ist – besser ist, man bleibt, wie man ist. Stolz und Hochmut und fehlende Bereitschaft, seine Kunst kritisch zu hinterfragen, können auch die Entwicklung der Kunst insgesamt negativ beeinflussen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/skriptonit-zeitlose-beats/">Skriptonit – Zeitlose Beats</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt im Land auch keine Möglichkeit, für die Verbreitung des Genres zu werben. Damit die Welt vom turkmenischen Rap hört, überhaupt von den Turkmenen, braucht man eine eigene offizielle Plattform für die Erstellung von Werbevideos, man braucht thematische Seiten, Gruppen, Forums, Manager&#8230; Ich weiß nicht, vielleicht kommen ja tatsächlich irgendwann gute Zeiten für Hip-Hop und Rap.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie würden Sie den typischen Rap-Hörer in Turkmenistan beschreiben? Wie alt ist er etwa?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt kein bestimmtes Durchschnittsalter für Rap-Fans. Ich weiß, dass es Leute gibt, die über 45 sind und meine Lieder in ihrem Auto hören. Als ich das erfuhr, hab ich mich echt gefreut. Mir hat das gezeigt, dass alle Generationen Zugang zum Hip-Hop haben können. Es gibt keinen Unterschied zwischen Alt und Jung. Wem es gefällt, der hört Rap. Aber ich merke schon, dass die Mehrheit im Alter von 18-30 ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Hip-Hop-Kultur in Turkmenistan?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich kann nur von mir reden: Ich persönlich werde, wenn alles klappt, noch lange nicht damit aufhören. Ich glaube, das ist alles in der Entwicklung, und hoffe, dass die Rap- und Hip-Hop-Kultur den Platz findet, der ihr gebührt, dass sie in der musikalischen Landschaft Turkmenistans auf eine Ebene mit der Popmusik kommt. Es ist auch jetzt schon nicht schlecht. Aber die weitere Entwicklung dieser Musikrichtung hängt nicht von großen Fantasien irgendeiner Person ab, sondern von der Anzahl der echten Songs. Erst dadurch kann sich der Hip-Hop in Turkmenistan richtig entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was braucht es für die vollwertige Entwicklung dieser Szene in unserem Land?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es muss viel getan werden. Wir brauchen zum Beispiel Produktionszentren, die die Organisation von Battles und Konzerten übernehmen. Wir brauchen eine Art Vereinigung der turkmenischen Rap-Szene, oder eine Gesellschaft, die den Künstlern bei Werbeaktionen hilft und Konzerte und andere Veranstaltungen im Rap-Bereich ankündigt. Außerdem sollten Rapper Zugang zu den Konzertsälen haben und im nationalen Fernsehen auftreten. Wenn das alles passiert, dann wird die Rap-Kultur in Turkmenistan endgültig ankommen. Vielleicht erleben wir das nicht mehr, aber wir können auf jeden Fall sicher sein, dass es die Generation nach uns erlebt.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://habartm.org/archives/9214">Die Redaktion von Alternatiwnye Novosti Turkmenistana</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem russischen von Katharina Kluge</strong></p>
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		<title>Skriptonit – Zeitlose Beats</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Jun 2018 10:06:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Skriptonit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Skriptonit, einer der erfolgreichsten russischsprachigen Rapper, kommt urspr&#xFC;nglich aus einer Kleinstadt im Nordosten Kasachstans. Im Fr&#xFC;hling war er auf Tournee in seinem Heimatland. In ihrer Rezension seines Konzerts in Almaty zeigt die Journalistin Sarina Achmetowa, wie Skriptonits Kunst tief in der kasachstanischen Realit&#xE4;t seiner Jungend verankert ist. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel von &#x201E;The Steppe&#x201C; mit [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Skriptonit, einer der erfolgreichsten russischsprachigen Rapper, kommt ursprünglich aus einer Kleinstadt im Nordosten Kasachstans. Im Frühling war er auf Tournee in seinem Heimatland. In ihrer Rezension seines Konzerts in Almaty zeigt die Journalistin Sarina Achmetowa, wie Skriptonits Kunst tief in der kasachstanischen Realität seiner Jungend verankert ist. Wir übersetzen den <a href="https://the-steppe.com/news/lyudi/2018-05-29/skriptonit-bity-bezvremenya">Artikel von „The Steppe</a>“ mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.   </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ende Mai trat der Rapper Skriptonit in Almaty auf. Adilj Dschalelow, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, steht bei der russischen Label <a href="http://gazgolder.com/">Gazgolder</a> unter Vertrag, seine Karriere begann jedoch in seinem Heimatort Leninskij, in der Nähe von <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/salz-panzer-und-aluminium/">Pawlodar</a>, Nordkasachstan.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in zehn Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Eisarena der größten kasachstanischen Stadt war zu drei Vierteln voll. Und trotz seiner oft unartikulierten Aussprache fiel es mehreren Tausenden Zuschauern nicht schwer, seine endlosen komplexen Kompositionen aus dem Gedächnis mitzusingen. Skriptonits letztes Album „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ouroboros">Uroboros</a>“, benannt nach einer mythischen Schlange, die für das Leben, den Tod, die Selbstzerstörung und die ewige Wiederkehrt steht, erschien Ende vergangenen Jahres in zwei Teilen („<a href="https://genius.com/albums/Scriptonite/36-ouroboros-pt-i-street-36">Ulitsa 36</a>‘ &#8211; „Straße 36“ und „<a href="https://genius.com/albums/Scriptonite/Ouroboros-pt-ii-mirrors">Zerkala</a>“ &#8211; „Spiegel“). Im Anschluss kündigte Skriptonit an, dass der eine Zeit lang keinen Rap mehr machen würde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Volles Haus</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für die, die Skriptonit noch nicht kennen, hier ein kleiner Spoiler: Seine Kunst ist zeitlos. Skriptonit ist ein Sänger ohne Zeit. Er ist aus der Zeit, in der wir alle auf uns alleine gestellt waren, und manchmal auch für einander einstanden.</p>
<p><figure id="attachment_14161" aria-describedby="caption-attachment-14161" style="width: 1181px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-14161" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Leninskiy.png" alt="Schild Leninskij Pawlodar" width="1181" height="581" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Leninskiy.png 1181w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Leninskiy-300x148.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Leninskiy-768x378.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Leninskiy-1024x504.png 1024w" sizes="auto, (max-width: 1181px) 100vw, 1181px" /><figcaption id="caption-attachment-14161" class="wp-caption-text">Skriptonits Heimatort Leninskij liegt in der Nähe von Pawlodar, im Nordosten Kasachstans</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auf der Bühne erschien er mit fast einer Stunde Verspätung.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Lass uns noch 15 Minuten warten und dann gehen</em>“, sag ich meiner Freundin. Ich ertrage es schlecht, wenn Du pünktlich kommst, dein Gegenüber aber nicht. Oder noch schlimmer: wenn sie einen im Wartezimmer mit den Füßen scharren lassen. So habe ich angefangen, selbst zu spät zu kommen, um mich weniger aufzuregen. Vielleicht will Skriptonit sich auch einfach nicht mehr aufregen.</p>
<p style="text-align: justify">Neben uns stehen 18-jährige Jungen, sie schauen mich verwirrt an. Die Jungs sind in guter Stimmung. Sie hätten auch drei Stunden gewartet. Die Fan-Zone ist brechend voll. Wir stehen ebendort, irgendwo beim fünftletzten Rang. Die Konzertbeleuchtung ergreift die Menschen, die gekommen sind, um Skriptonit zu hören.</p>
<p style="text-align: justify">Die Polizeiwagen versinken im dunkelroten Rauch. Es sind viele Polizisten da, sehr viele. Wahrscheinlich entsprechend der Besuchermasse: Die Arena mit 12.000 Plätzen ist zu 60 bis 70 Prozent voll. Ich kann mir keinen weiteren kasachstanischen Künstler vorstellen, der solch ein Publikum versammeln würde. Wobei – ich besuche selten Konzerte, besonders die von kasachstanischen Künstlern.</p>
<p style="text-align: justify">Wahrscheinlich sollte ich im Vorfeld eine Warnung aussprechen: Skriptonits Kunst strotzt vor obszönen, unzensierten Begriffen. Anders gesagt, sie weist auf eine unzensierte Realität.</p>
<p style="text-align: justify">In der Nähe klingelt bei einem Mädchen das Handy, während sie ein Selfie vor dem Hintergrund der leeren Bühne macht. Der Bildschirm scheint auf: „Pa“ mit Herzchen. „<em>Ich bin auf dem Konzert, Pa</em>“, das freie Ohr hält sie sich mit einem Finger zu. „<em>Was? ‚Almaty. Arena’. Mach dir keine Sorgen. Ich weiß nicht, wann.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Ich führe den Dialog in Gedanken fort (manchmal ist das eine lustige Übung): „<em>Was für ein Konzert?</em>“ – „<em>Skriptonit, Pa</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Skriptonit, Pa</em>“, sagt sie auch schon selbst.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Denn Papa weiß besser. Papa kennt den Sinn</em>“, ergänze ich unseren gemeinsamen Gedankendialog mit <a href="https://genius.com/Scriptonite-butter-lyrics">einem Vers von Skriptonit</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Alma-Ta!</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Guten Abend, Almata</em>“, sagt Skriptonit, setzt sich auf einen hohen Stuhl, schmeißt sich ein weißes Handtuch über die Schulter (später wird gut ein halbes Dutzend dieser Handtücher durch den Saal fliegen), und sein darauf folgendes Schweigen trifft auf volle Dezibell Anhimmelung.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Almata, mach Krach für Skrip</em>“, schreit der Catch-Boy ins Mikrofon. Aber „Almata“ braucht keinen weiteren Ansporn. Die Smartphones, diese Banner unserer Generation, sind auf die Bühne gerichtet: „Sum-sum!“. Auch das ist aus <a href="https://genius.com/Scriptonite-dont-need-to-recognize-me-lyrics">einem seiner Lieder</a>.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Skriptonit, Skriptonit, Skriptonit!!!</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Macht mal Licht im Sal. Ich sehe die Leute nicht.</em>“ Das Publikum brüllt noch lauter. „<em>Danke</em>“, sagt Skriptonit leise. „<em>Lauter, Bruder</em>“, brüllen die Jungs in unserer Nähe. „<em>Spar dir nichts!</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Alma-Ta</em>“, antwortet Skriptonit in zwei Wörtern.</p>
<p style="text-align: justify">Solch eine sprachliche Feinheit– „Almata“, wie ein Kennzeichen für alle, die sich wie Skriptonit nicht am harten Kampf zwischen „Alma-Ata“ und „Almaty“ beteiligen, also dem sowjetischen Name der Stadt gegen den kasachstanischen.</p>
<p style="text-align: justify">„<a href="https://genius.com/Scriptonite-for-real-lyrics">Nordostkasachstan in meiner Haut</a>“.</p>
<p style="text-align: justify">„Almata“, das ist kasachstanisches Russisch. Eben daran teilt sich die russländische Kritik, wenn sie versucht, durch seine Texte ihre eigenen Wunden zu diagnostizieren. Mir persönlich macht das nichts aus, bei uns gäbe es eine ähnliche Diagnose. Man möchte einfach lächeln, wenn man diese schlauen, herablassenden Verse liest. Skriptonits Texte kann man nicht in ihre Einzelteile auseinandernehmen, er übertreibt nichts, sondern beschreibt einfach unsere turbulente kasachstanische Kindheit. Ja, das ist Metasprache. Aber sie ist umso mehr durch Erinnerungen inspiriert.</p>
<p style="text-align: justify">„<a href="https://genius.com/Scriptonite-situation-lyrics"><em>Ich lüge einfach, wenn ich sage, dass es hier eine Wahl gab</em></a>“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was verbindet uns hier im Publikum?</strong></p>
<p style="text-align: justify">In mir eröffnet sich die reine Neugier des Entdeckers. Wer sind wir alle hier? Wer sind diese Leute, die um den besten Blick auf die Bühne kämpfen, um den geglücktesten Selfie-Point auf diesem Konzert? Wer sind wir, die beim Joggen, oder im Bus, oder im Auto (wobei Skriptonit doch am ehesten Kopfhörermusik ist) diese Beats und Melodien hören und uns dabei fragen, was sich da genau in uns geregt hat.</p>
<p style="text-align: justify">Was verbindet uns? Die, die sich bemühen, den sogenannten „Jeltsin-Flow“ – ein Begriff aus den Bestrebungen der russländischen Kritik, das Phänomen des „russischsprachigen Rappers“ zu erklären – mitzusingen. „Jeltsin-Flow“, das ist dieser zerhakte, undeutliche, dabei aber sehr musikalische Bariton-Flow, durch den das Blut seinen Verlauf ändert, die Venen anschwellen, wie ein Flussbett, das vom Schmelzwasser im Frühling überwältigt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Sie sind für etwas gekommen, das mit Wörtern oder Beats sauerstoffundurchlässiges Polyethylen aufreißt. Wobei, ich kann mich auch irren, und sie bemerken diesen Polyethylen nicht mehr, diesen starken, drosselnden Film, der Linien und Farben verzerrt. Sie dachten, eben so soll es sein. Aber das wilde innere Streben nach Freiheit, nach dem organischen menschlichen Wesen, aktiviert auch ohne Erlaubnis diese automatische  Suche, und sie sind dennoch für eine Dose Freiheit gekommen. Aber auch das ist nicht ganz sicher. Denn all diese Jungen und Mädchen mit scharfsinnigen Sprüchen auf den T-Shirts stehen wahrscheinlich auch Schlange für Döner von ihren Youtube-Stars.</p>
<p style="text-align: justify">Im aktuellen postsowjetischen Raum gab es Probleme mit der politischen Beteiligung und dem bürgerlichen Engagement -entstanden in den 90ern (schon gut reflektiert, wie es scheint) und den „Nuller Jahren“ (noch nicht wahrgenommen) -, welche die soziale Stimmung beeinflussten. Die Umgebung unterlag keinem Widerstand mehr. Sie nahm einen neuen aggregierten Zustand an, so wie Wasser sich in Dampf verwandelt. Wir, die Folgegeneration und schließlich die aktuellen Schulkinder sind in einer neuen Welt aufgewachsen, die zwar eine Kopie der alten ist, aber die Widerstandsphase einfach überspringt. Alle fingen an, die „Jugend“ zu erforschen, also Schüler und die, die etwas älter sind. Wann können wir von ihnen erwarten? Wer ist ihre Stimme? Wovon leben sie eigentlich? Eines wurde in allen Fällen diagnostiziert: Youtube.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: Kasachstan – Was ist die Generation Zyng-Zyng? (<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/">Teil 1</a> und </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/"><strong>Teil 2</strong></a><strong>)</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mit der Musik war es etwas komplizierter, das Hin und Her zwischen 2Pac, „Kaspijskij Grus“ (ein russischsprachiges Hip-Hop Duo aus Baku, Anm. d. Ü.) und irgendwem, der neu bei iTunes (oder den russischen sozialen Netzwerken Odnoklassniki, VKontakte) aufgetaucht ist, wie Oleg Miami, hat die Epoche nicht verständlicher gemacht.</p>
<p style="text-align: justify">Die Anzahl an „Labeln“, die junge Künstler mit Hundenamen abstempeln, hilft auch nicht, den Zeitgeist zu erklären.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Skriptonit – ein Produkt des Postsowjetischen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Adilj Dschalelow (das Internet sagt, der Nachname ist von seinem Großvater), aufgewachsen irgendwo in den Hinterhöfen des ehemaligen Reichs, und noch merkbarer, in der Provinz  eines dieser Fragmente – sticht angenehm aus der üblichen Erfolgsleiter hervor. „<em><a href="https://genius.com/Scriptonite-situation-lyrics">Ich hatte einen Traum [&#8230;] ich wollte ihn einfach verkörpern</a></em>“.  Um zu verstehen, worüber er redet, muss man nicht unbedingt trinken, rauchen und sich bis dahin zerspalten, bis man sich komplett „abgeschossen“ („vkhlaminu“) hat oder „am Abgrund des Puffs“ ist (wie in seinen Texten). Es reicht, wenn man sich an die Zeit erinnert, wenn Rama-Margarine als Butter galt und der teuerste Teil dieser Preisfindung die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fKGOUi3bLwo">Werbefilme</a> waren, die das Produkt an die Massen brachten.</p>
<p style="text-align: justify">Dann wird auf einmal klar, dass der Satz „<em><a href="https://genius.com/Scriptonite-butter-lyrics">Papa sagt, Butter ist toll</a></em>“ verdammt noch mal keine Metapher ist. Das ist jede beliebige kasachstanische Kleinstadt in der gebrochenen, aber durch Hoffnung und alles Neue inspirierten Zeit zwischen der Mitte der 90er und dem Anfang der Zweitausender. Dann ist man „<em>jung und dumm, in fröhlicher Stimmung</em>“, „<em>ganz ohne Sorgen</em>“, aber auch „<em>ganz ohne Moneten&#8230;</em>“, also es gibt einfach kein Geld.</p>
<p><figure id="attachment_14162" aria-describedby="caption-attachment-14162" style="width: 1353px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-14162" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt.png" alt="Clip Skriptonit VBVVCTND" width="1353" height="577" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt.png 1353w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt-300x128.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt-768x328.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt-1024x437.png 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/Unbenannt-1300x554.png 1300w" sizes="auto, (max-width: 1353px) 100vw, 1353px" /><figcaption id="caption-attachment-14162" class="wp-caption-text">&#8222;Noch so ein verrückter Tag/ Zähl all die hungrigen Kinder&#8220; &#8211; mit VBVVCTND, dessen Clip in seinem Heimatort aufgenommen ist, begann 2014 Skriptonits steile Karriere.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Solch eine Zeit in der gilt: „<em>lass hier nichts unbeaufsichtigt liegen</em>“. Eine wunderbare Dokumentation, fast wie bei dem Regisseur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Loznitsa">Sergej Losnitsa</a>, der Realität und Skript vermischt, aber nicht vermengt. Skriptonits Sprache ist wie ein Echo von Stimmauszügen aus dem Leben, der Straße, der Jugend. Das sind alltägliche Weisheiten, noch einmal mit einem Zitat vom Papa, der „<em>es nicht wollte, aber dir beibrachte, erwachsen zu sein</em>“. Mit ihm vergehen wohl die Vostellungen davon, wie man das Leben zu leben hat, wie bei allen uns, die die Sowjetunion nicht im bewussten Alter erlebt haben.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Papa hat sich durchgeschlagen, doch die Türen blieben verschlossen</em>“. Ein sehr dramatischer Wandel im Leben unserer Eltern. Mir scheint, wir Zeitgenossen würden solch ein Beben nicht aushalten. Nicht mit 30 und auch nicht mit 40 Jahren. Aber sie haben es geschafft. Es wurde für sie nur schwerer, den neuen Menschen, ihren Kindern, eine Antwort zu formulieren, wenn sie sich fragen „<em>wo das Geld auf der Balans </em>(dem Guthaben, Anm. d. Ü.)<em>“ </em>ist, statt sich zu fragen, wer schuld ist. „Balans“, fällt mir ein, ist auch „kasachstanisches Russisch“. Nur gab es kein „Geld“ sondern „Guthaben“. Vielleicht hat er es vergessen.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist die Zeit, wenn „<em>man mit zwei Brüdern sitzen muss und Flip-Flops die einzigen Schuhe in gutem Zustand und der  richtigen Größe sind</em>“. Letzteres ist, wie mir scheint, überhaupt ein an Genialität grenzendes Gefühl für den Moment. Eine Intuition à la Mark Twain oder Ernst Hemingway, die das ganze Drama und das Schicksal in vier Worten ausdrücken. Die Hausaufgaben müssen gemacht werden und keiner ist da, um auf die jüngeren aufzupassen, weil alle arbeiten, man muss ja irgendwie überleben in dieser neuen Welt, in der die Fabriken außer Betrieb sind. So sind diese „Flip-Flops“ eine Kurzbeschreibung der verzweifelten Armut und Freiheit einer einst intellektuellen nationalen Provinz, die in den Abgrund rollt, und von all dieser neuen Welt nichts versteht. Es gibt keine Wahl. Die einzige Chance, das irgendwie zu überstehen, ist der Wahrheit ins Auge zu sehen: „<em>Hier ist alles verkauft, und wir allen wussten das schon in unserer Kindheit</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Später vergeht dann die „<em>Zeit der Schulden</em>“ und es kommt die „<em>Zeit der Kredite</em>“ – „<em>jetzt ist jeder Tag wie ein Geburtstag</em>“: „<em>ein großer Flachbildfernseher</em>“, „<em>den Kindern eine Hochzeit in einem teuren Lokal</em>“ und „<em>noch ein Kredit für die Schwester</em>“. Alle erinnern sich, das ist „<em>unsere Rettung</em>“. Um das Jahr 2007 herum zergeht all dieses gepflegte System in Asche. Mit ihm gehen die astronomischen Grundstückpreise in Almaty, die Verschuldung, die Zinsinhaber und die grassierenden Hypotheken, und der Papa aus Skriptonits Texten versteht, dass die Armut nun stärker ist, als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Themis_(Mythologie)">Themis</a> (die griechische Göttin der Gerechtigkeit, Anm. d. Ü.). Adilj sagt nicht „stärker“, sondern bevorzugt einen Kraftausdruck. Und er stellt sich seinem Vater gegenüber: „<em>ich habe nie gekloppft, und alle Türen haben sich mir geöffnet. Du weißt nie, was passieren wird</em>“. Dass er nie gekloppft hat, ist natürlich eine Lüge. Er arbeitet schon viele Jahre angespannt. Aber es ist eine berührende Lüge und auch nicht als Lüge gemeint, sondern als Verteidigung. Wie haben alle gesehen, dass es für Jungs schwer war, in dieser neuen Welt aufzuwachsen. Sie glaubten an eine Art „Härtevermutung“ – erst schlagen, dann diskutieren.</p>
<p><figure id="attachment_14158" aria-describedby="caption-attachment-14158" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-14158" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE.jpg" alt="Skriptonit beim Konzert in Almaty" width="1280" height="853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/06/XBF7v4m2wtE-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-14158" class="wp-caption-text">Die Aufschrift &#8222;All Money No Bank&#8220; kann Nicht-Muttersprachlern den Kopf verdrehen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Konzert in Almaty tritt Adilj Skriptonit Dschalelow in einem Shirt mit der Aufschrift „<a href="https://www.quora.com/What%E2%80%99s-the-meaning-of-%E2%80%9Call-money-no-bank%E2%80%9D">All money no bank</a>“ auf. Die Firma Nike, die diese Hemden herstellt, stellt Nicht-Muttersprachler hier absichtlich vor ein Rätsel. Es ist ein Wortspiel aus dem Basketballjargon, wobei „Money“ einen direkten Treffer bezeichnet und „Bank“ einen Treffer über den Korbrand. Anders gesagt ist es so etwas wie ein Seufzer der Erleichterung darüber, nicht von der „Bank“ abzuhängen – viel Cash und keine Kredite.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Keine Politik</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bei seinem Konzert im April in Astana hat Skriptonit die Lokalbehörden der Region Pawlodar „<a href="https://the-steppe.com/news/lyudi/2018-05-24/skriptonit-vs-akimat-3-vazhnyh-uroka-dlya-antikrizisnyh-kommunikatorov">kritisiert</a>“, wie die Medien schrieben. Das Akimat (die Lokalregierung, Anm. d. Ü.) antwortete, wie es konnte. Der Fall bewegte mehrere Wochen lang die kasachstanischen Medien, die bei ihrem engen Rahmen stehts nach Nachrichten dürsten. Nach etwas Aufruhr war die Diskussion auch schon beendet. In Almaty redete Skriptonit nicht nur nicht über Politik, er war überhaupt sehr wortkarg. Sein T-Shirt passte jedoch zur allgemeinen Stimmung: Wir streiten uns nicht mehr mit dem System, sondern leben unabhängig von ihm, mit unseren Bedürfnissen, unseren Angelegenheiten und unserer Anpassungsfähigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">Ich bin Teil eines Telegram-Chats in dem neben mir noch ein paar Hundert weitere unglückliche Kunden der Astana-Bank sind, die im Moment versuchen, ihr Geld zu retten, das per Knopfdruck auf den Karten und Konten blockiert wurde. Es ist nicht der erste Chat dieser Art in diesem Jahr. Diese Chats bringen wenig Nutzen, dafür aber eine gar anthropologische Erkenntnis: niemand glaubt an Institutionen. Institutionen sind ja eigentlich eine nützliche Praxis, sie schützen das System vor dem menschlichen Faktor und allen möglichen Kataklysmen. Aber wir haben davon nur gelesen. Nach 21 Uhr zeigt der Chat nur noch an, dass neue Nachrichten angekommen sind. Ich kann sie aber nicht lesen: abends gibt es in Kasachstan auf Telegram, YouTube, Insta-Stories und teils auch Facebook keinen Zugriff mehr. Kurz gesagt: aus politischen Überlegungen.</p>
<p style="text-align: justify">Das hatte ich vergessen. Ich versuche, ein Video bei Insta-Stories hochzuladen, ohne Erfolg. Ich schließe Instagram, und zurück in die Realität. Skriptonit singt über Liebe. Er selbst sagt, er kann dieses Lied nicht ausstehen. „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=p4_JJQQhi-E">Kosmos</a>“ singt er schon seit über einem Jahr nicht mehr. „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=wnj3zNd4FPQ">Eto – lyubov</a>‘“ (Das ist Liebe) hasst er, ebenso wie „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=fvYU6HyXvAk">Tantsuj sama</a>“ (Tanze selbst). Letztere zwei gehören aber immer noch zu seinem Konzertprogramm. Ich habe versucht zu verstehen, warum sie so erfolgreich sind, warum das Publikum sie so liebt, mehr als all die durchdachten Aussagen zu unserer Beton-Farbe und dem Design der Realität. Sie sind sehr musikalisch, ja. Aber vor allem hört man in ihnen Adiljs Stimme besonders stark. Seine gute Gesangstechnick klingt lauter, man kann die Wörter auseinanderhalten, die schwere, trübe Stimme ist nicht in Beats eingepackt. Und natürlich auch, weil es Liebeslieder sind. Er versucht zu singen, doch der Sal übertönt ihn. Die Fan-Zone schlägt in Ekstase. Auch die hinteren Ränge stehen, schon etwa das halbe Konzert lang.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Schau, ich bin im Müll,<br />
Schau, ich bin eine Null,<br />
Schau mir in die Augen &#8211;<br />
</em><a href="https://genius.com/Scriptonite-dance-itself-lyrics"><em>Tanze selbst</em></a>“</p>
<p style="text-align: justify">Das Publikum atmet in seinem Rhythmus. Er drängt mit seinem niedrigen Timbre dorthin, wo es dem Raum nicht an Luft reicht. Er schaut vor sich hin, voller Verwunderung, und ich weiß nicht, ob er die Menge überhaupt sieht. Es gibt keinen Bildschirm mit Nahaufnahmen. Ich versuche, ihn zu verstehen, oder vielleicht versteht dieser Typ aus einer Kleinstadt bei Pawlodar, „von Kasachstan (<em>s Kasachstana</em>)“ (diese Formlierung lässt sich auch nicht beseitigen, wohl auch kasachstanisches Russisch) bei jedem Mal selbst nicht, warum irgendwelche Leute in großen Mengen seine agonistischen Strophen aufnehmen und weitertragen. „<a href="https://genius.com/Scriptonite-dont-need-to-recognize-me-lyrics">Alle wollen wissen (znat‘), was mit mir los ist. Nein, man soll mich nicht (er)kennen</a> (uznavat‘)“. Ich lächle erstaunt, zuletzt habe ich solch auch „mich“ zutreffenden Satz bei einem klassischen Autor gelesen.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das war ein guter Abend, ‚Alma-Ta‘!</em>“, sagt Skriptonit. Er lügt nicht. Eine wahnsinnige Lichtshow erhellt die letzte Synergie, und umhüllt diesen Abend im Mikrorajon Algabas-1 (ein Stadtviertel im Nordwesten von Almaty, Anm. d. Ü.). In der Minute ist klar, dass es an dem Abend keine Politik gibt. Die Leute sind ihr egal, schon lange. Und wir antworten mit Gegenseitigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">Selbst, irgendwie.</p>
<p style="text-align: justify">Nur „<em>erwarte vom Schicksal keine Tipps, wenn du dich auf das Gewissen besinnen musst</em>“.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Sarina Akhmatova<br />
</strong><a href="https://the-steppe.com/news/lyudi/2018-05-29/skriptonit-bity-bezvremenya"><strong>The Steppe</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2018 08:12:41 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hip-Hop, entstanden in den 1970ern in Amerika, ist schon l&#xE4;ngst zu einer Weltkultur geworden, die sich in jedem neuen neuen kulturellen Umfeld weiter verwandelt. Zentralasien macht da keine Ausnahme, wie ein schneller &#xDC;berblick die Rapmusik aus der Region zeigt. Hip-Hop ist laut Spotify weltweit die beliebteste Musikrichtung. Zentralasien geh&#xF6;rt zwar nicht zu den Gebieten, die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Hip-Hop, entstanden in den 1970ern in Amerika, ist schon längst zu einer Weltkultur geworden, die sich in jedem neuen neuen kulturellen Umfeld weiter verwandelt. Zentralasien macht da keine Ausnahme, wie ein schneller Überblick die Rapmusik aus der Region zeigt. </strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hip-Hop">Hip-Hop</a> ist <a href="http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/music/news/hip-hop-is-the-most-listened-to-genre-in-the-world-according-to-spotify-analysis-of-20-billion-10388091.html">laut Spotify</a> weltweit die beliebteste Musikrichtung. Zentralasien gehört zwar nicht zu den Gebieten, die vom schwedischen Streamingdienst abgedeckt werden, bietet aber sehr aktive und zunehmend professionelle Rap-Szenen, mit teils großem kommerziellen Erfolg.</p>
<p style="text-align: justify">Das gilt in erster Linie für Kasachstan, das  über die größte <a href="https://astanatimes.com/2016/03/15-2/">Musikindustrie</a> der Region verfügt. Aber auch der kirgisische Rap hat längst seinen Weg in die erste Reihe der lokalen Popkultur gefunden. In Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan  ist die staatliche Kontrolle über den kulturellen Sektor stärker, was die dortigen Rap-Szenen entweder in die Komformität oder außerhalb der offiziellen Kanäle drängt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/als-zentralasien-den-rock-entdeckte/"><strong>Als Zentralasien den Rock entdeckte</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Auch die in weiten Teilen der Region verbreitete Mehrsprachigkeit spiegelt sich im Rap wieder. Den russischsprachigen Künstlern steht ein größeres Zielpublikum offen, der Großteil der zentralasiatischen Rapper zieht jedoch ihre jeweilige Nationalsprache vor. Auch in Sachen Themensetzung und gesellschaftlicher Einstellung unterscheiden sich die jeweiligen Szenen.</p>
<p style="text-align: justify">Durch grenzüberschreitende Kollaborationen, wie turkmenische Rapper <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HaoNiqITEJo">als Featuring auf türkischen Alben</a> oder <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HczmRWw-WJA">Zeilen wie</a> „<em>Du hast keinen Platz auf meiner Street, ganz egal ob Bischkek oder Piter</em> (ugs. für Sankt Petersburg)“ zeigt sich der zentralasiatische Rap schließlich als lebendiger Teil der Weltkultur Hip-Hop. Als Teaser hier eine -natürlich unvollständige und subjektive &#8211; Liste von zehn bemerkenswerten Rapstücken aus allen fünf zentralasiatischen Ländern.</p>
<ol style="text-align: justify">
<li><strong> Skriptonit &#8211; Stil (Kasachstan/ Russland &#8211; 2015) </strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Links ein Bruder, rechts ein Bruder, das nenne ich nicht „Koresch“ </em>[Russländischer Slang für „Kumpel“]<br />
<em>Denn ich bin aus Pawlodar, wie Du weißt</em>“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Скриптонит - Стиль" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/ROCmxSoqlHY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Mit seinem unartikulierten, atmosphärischen Flow und seinen Texten aus der Lebenswelt eines nordkasachstanischen Kleinstädters gehört Skriptonit längst zu den beliebtesten Rappern in Russland. Er selbst bezeichnet seine Musik aber gerne als „<em>kasachstanischen Rap</em>“: „<em>Ich habe Glück, dass ich aus Kasachstan komme. Ich hatte wenig mit russischen Rappern zu tun und kaue sie nicht wieder</em>“, sagte der 27-jährige Adil Dschalelow vor kurzem <a href="https://www.lofficielrussia.ru/art/skriptonit-sobchak-interview">im Interview</a> mit der russischen Journalistin <a href="http://www.dekoder.org/de/gnose/xenia-sobtschak-it-girl-praesidentschaftskandidatin">Ksenija Sobtschak</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Skriptonits Texte drehen sich um seine Erfahrungen als Kind und Jugendlicher im Gebiet Pawlodar, im Nordosten Kasachstans. In <a href="https://genius.com/8548186">Stil</a>, von seinem ersten Album „<em>Dom s normalnimi jawlenijami</em>“ (2015 &#8211; Haus mit normalen Erscheinungen, eine Anspielung an den russischen Titel des US-Films <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghost_Movie">Ghost Movie</a>), bietet er ein Porträt seines Viertels, das „<em>nach Gras gemischt mit Hugo</em> (Hugo Boss Parfum) <em>stinkt</em>“. Seinen Durchbruch erreichte Skriptonit bereits 2013 mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=86xrsLhL6o8">VBVVCTND</a> (Kürzel für eine &#8222;<em>Wahl ohne Auswahl, alles, was Du uns gegeben hast&#8220;</em>). Dort heißt es: „<em>Schau in den Fernseher, dort bist Du wie Alice im Wunderland</em>“. Durch den Vertrag mit dem russischen Label <a href="http://gazgolder.com/">Gazgolder</a> und einen Umzug nach Moskau ist ihm der Sprung durch’s Kaninchenloch jedenfalls geglückt.</p>
<ol style="text-align: justify" start="2">
<li><strong> Baller – Armandar oryndalady (Kasachstan &#8211; 2017)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center"><em>„Träume werden wahr<br />
Wenn das Ziel klar ist<br />
Mit Geduld und Vertrauen“</em></p>
<p><iframe loading="lazy" title="BALLER - АРМАНДАР ОРЫНДАЛАДЫ [OFFICIAL MUSIC VIDEO 2017]" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/qrJO8LPpEeo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Nimmt man Skriptonit als Vertreter der North-Side des kasachstanischen Raps, so steht Baller für die <em>South-Side</em>, oder auch <em>Schymside, </em>wie er selber sagen würde. Der 24-jährige Künstler stammt aus Schymkent, das „Texas Kasachstans“ laut der „<a href="https://www.texasmonthly.com/travel/greetings-from-the-texas-of-kazakhstan/">Texas Monthly</a>“. Seine musikalische Laufbahn begann 2008, als er Mitglied des Schymkenter Labels 11-Block wurde. Natürlich ist eines seiner früheren Stücke auch seiner Heimatstadt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bTCVzCi-Ok4">gewidmet</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Baller rappt überwiegend auf kasachisch, spielt aber in seinen Texten mit dem im Rap schon üblichen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Code-Switching">Code-Switching</a> mit russischen und englischen Vokabeln. Heute gehört er zu den beliebtesten Rappern in Kasachstan und erhielt im September 2017 sogar den Preis für das <a href="https://forbes.kz/photostory/stali_izvestnyi_pobediteli_vi_evraziyskoy_muzyikalnoy_premii">Beste Hip-Hip Projekt</a> bei den Eurasian Musik Awards 2017. Träume erfüllen sich, wie er eines seiner jüngsten Stücke betitelte.</p>
<ol style="text-align: justify" start="3">
<li><strong> Zamanbap – Ene Til (Kirgistan, 2015)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Dieses Werk gehört mir, meiner Mutter, allen, die es verstehen, dir&#8230;</em>“</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=5aSSA6sLfTg</p>
<p style="text-align: justify">Vor zwei Jahre landete die bischkeker Gruppe <em>Zamanbap</em> (Modern) mit „<em>Ene til</em>“ (Muttersprache), eine Ode an die kirgisische Sprache, einen kleinen Hit. Die drei Rapper Begisch, Bajastan und Casper, pflegen dabei eine Ästhetik zwischen traditionellen kirgisischen Motiven und Hip-Hop vor einem eingängigen Text, der zur Würdigung der kirgisischen Sprache aufruft.</p>
<p style="text-align: justify">Die Musiker von Zamanbap sind jeweils schon gut zehn Jahre im Geschäft und heute an vorderster Front der <a href="https://eurasianet.org/node/64834">aufstrebenden</a> kirgisischsprachigen Rap-Szene. Gemeinsam mit ihren russischsprachigen Kollegen von <a href="https://www.youtube.com/user/Johny2911"><em>Troeraznikh</em></a> (drei verschiedene), nahmen sie das <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8viTlwjhSMg">Titellied</a> der beliebten Comedyserie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0ivRp2HrJo4&amp;list=PLRpWvW1HmRvembboVEKnUtTVWrmwh9UpC">Dscharajt City</a> auf, dessen vierte und letzte Staffel gerade bei Youtube und im kirgisischen Fernsehen erscheint.</p>
<p style="text-align: justify">Zamanbaps Musik ist nicht nur durch die kirgisische Sprache geprägt, wie sie in Interviews betonen: „<em>Unsere Mentalität basiert nicht auf </em>smoking weed<em> und </em>drink Alcohol<em> usw., wir schreiben unsere Tracks ganz anders als in Amerika und in anderen Ländern. Das ist unser kirgisischer Rap</em>“, so Bajastan <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AEghyrEgs54">im Interview</a> mit dem Kanal <em>Mosgi na Wynos</em>. Familientauglicher Rap also, ganz im Sinne der kirgisischen Identitätsfindung.</p>
<ol style="text-align: justify" start="4">
<li><strong> 7gen &#8211; 1916 (Kirgistan &#8211; 2015) </strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center"><em>„Unter einem Himmel, einer Einheit ein Weg<br />
Vor einem </em><a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/bichkek-photo-du-jour-07052013/"><em>Tündük</em></a><em>, Nord und Süd seid eins!“</em></p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=uC5aQSn4CKo</p>
<p style="text-align: justify">Auch der kirgisischsprachige Rapper 7gen (Dschetigen) rappt überwiegend über Kirgistan, gerne auch mit politischem Einschlag. Das Stück <em>1916</em> dreht sich um <a href="https://novastan.org/de/fact/der-steppenaufstand/">die Aufstände</a> von Einwohnern des russischen Zentralasiens gegen ihren Einzug an die Front des ersten Weltkriegs. Der sogenannte „Ürkün“ (Exodus) wurde blutig unterdrückt und führte unter anderem Tausende Kirgisen ins Exil nach China oder Afghanistan. 2016 jährte sich das Ereignis zum 100. Mal – eine Gelegenheit, die Kirgisen jenseits ihrer Regionalismen zur Einheit aufzurufen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/rap-view-politischer-rap-aus-kirgistan/"><strong>RAP-View, politischer Rap aus Kirgistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Der junge Rapper und Absolvent der kirgisisch-türkischen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-die-turkei-im-feldzug-gegen-gulen-schulen/">Manas Universität</a> ist das siebte Kind in seiner Familie und wurde zudem im siebten Monat des Jahres geboren, woher er auch seinen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=20LjOgR9dk0">Künstlernamen zieht</a>. Er arbeitet mit dem Produktionsfirma <a href="https://www.youtube.com/channel/UC_lB8WLMVrkWC7lPw0RnEPA/about">45 TV</a> zusammen, neben <a href="https://www.youtube.com/channel/UC_cqbYVz0-VU6bFmekvMn0Q">TopTash</a> eine der zwei Hochburgen des Hip-Hops in Kirgistan. 7gens Texte bieten eine Fülle von Referenzen an das kirgisische Selbstverständnis: „<em>Mein Vaterland, mein Land ist Kirgistan/Schaue ich in den Himmel, geben mir die Sterne Hoffnung</em>“, heißt es im Stück <em>Dajar Bol</em> (Sei bereit), dass das Album <em>Kyrgyz bol</em> (Sei Kirgise) eröffnet und auf soziale Ungerechtigkeiten und die Spaltung der Gesellschaft eingeht.</p>
<ol style="text-align: justify" start="5">
<li><strong> Shochruch &#8211; Hayolimdasan (Usbekistan, 2005)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Jeden Tag, meine Liebe,<br />
Jede Nacht, meine Liebe<br />
Du bist ständig in meinen Träumen, meine Liebe</em>“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="SHOXRUX - XAYOLIMDASAN 2005" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/--UwhI98uWk?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Shochruch gehört, zusammen mit zahlreichen Underground Künstlern in der Region, bereits zu der älteren Generation des zentralasiatischen Raps. Erstmals wurde er 2004 mit einem im Fernsehen verbreiteten Videoclip in Usbekistan bekannt. Es folgten die zwei Alben <em>Balandda</em> (in der Höhe) und <em>Bolaligim </em>(meine Jugend), ehe er 2007 eine künstleriche Pause einlegte. Auf ersterem ist auch das Stück <em>Hayolimdasan</em> (Du bist in meinen Träumen) zu finden, ein Liebeslied auf orientalisch angehauchtem Beat.</p>
<p style="text-align: justify">Seit ein paar Jahren ist der heute 31-jährige Künstler wieder aktiv. Mit Rap-Musik oft assoziierte Tabubrüche findet man in seinen Stücken kaum. Auf seinem <a href="https://www.instagram.com/shoxrux/">Instagram-Konto</a> stellt Schochruch sich zuerst als Mitglied der regierenden „Liberaldemokratischen“ Partei Usbekistans vor.</p>
<ol style="text-align: justify" start="6">
<li><strong> Konsta &#8211; Blabla (Usbekistan, 2017)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Ich bin früh in einer Bar aufgewacht<br />
hab verstanden, dass es hier kein ‚Paradize‘ gibt</em>“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Konsta - Bla Bla (Official Music Video)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/rfq721pq6NU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Konsta, eine neuere Erscheinung in der überschaulichen usbekischen Rap-szene, schließt stilistisch mehr an zeitgenössigen US-rap als an traditionelle usbekische Musik an. Der junge Künstler aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guliston">Guliston</a>, begann seine musikalische Laufbahn 2009 als Student. Sein erstes Stück T.B.U.K.K. schrieb er in russischer Sprache.</p>
<p style="text-align: justify">Seitdem hat er seine Kunst zwischen seinen Aufenthalten in Moskau und in Usbekistan verfeinert und schreibt den Großteil seiner Stücke auf Usbekisch. Bemerkenswerterweise ist er einer der wenigen zentralasiatischen Rapper mit einer <a href="http://konsta.uz/uz">eigenen Webseite</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><em>BlaBla</em>, kurz vor dem Jahreswechsel erschienen, ist Konstas neuestes Musikvideo. Vor dem Hintergrund des Stadtbildes der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku geht es dabei um seinen künstlerischen Werdegang und um die Schwierigkeiten, sich im Ausland durchzuschlagen. „<em>Willst Du es hier schaffen, mach es mit ‚Vitamin B‘. Wer hier Arbeit sucht, tut es immer wieder</em>“, heißt es etwas weiter in dem Stück. Womöglich eine Anspielung auf die knapp <a href="https://www.theguardian.com/world/2016/may/19/eastern-promises-migrant-workers-turning-backs-russia">zwei Millionen Usbeken</a>, die in Russland ihr Geld verdienen.   <em> </em></p>
<ol style="text-align: justify" start="7">
<li><strong> Master Ismail/ M.One – Assalom Alaykum (Tadschikistan, 2017) </strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Ich mache tadschikischen Rap wie Tupac</em>“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="M.One (Мастер Исмайл) - Ассалам алейкум / M.One (Master Ismail) - Assalam Aleykum (2017)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/gX7rxc4psf0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Master Ismail ist seit 1999 im Rapgeschäft und gehört schon längst zu den bekanntesten Rappern Tadschikistans. Seine Karriere baute er zwischen Tadschikistan und Russland, wo er jährlich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ign_7Hy28mk">zwei bis sechs Monate verbrachte</a>. Auch seine Stücke sind teils in russischer, teils in tadschikischer Sprache geschrieben.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Beginn der 2010er zählte <a href="http://news.tj/ru/news/o-chem-ne-molchit-tadzhikskii-rep">Asia Plus</a> Master Ismail zu den regimekritischen Rappern des Landes. Im russischsprachigen Stück „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=wNIRLc6SrCM">Rachmon, auf Wiedersehen</a>“, widmete er sich zum Beispiel der Korruption und der schlechten Wirtschaftslage, die viele junge Tadschiken ins Ausland treibt. Doch wie <a href="https://globalvoices.org/2016/07/17/rappers-put-patriotism-on-display-in-tajikistan/">viele seiner Kollegen</a> brachte der Druck der Behörden auch ihn zu einer inhaltlichen Kehrtwende. In seinen neueren Stücken ist nicht nur die Tonqualität geschliffen, auch die Texte haben an politischer Schärfe verloren.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Assalom Alaykum </em>ist ein Beleg dafür, dass auch Autotune Zentralasien erreicht hat. Mit einem Gruß  &#8222;<em>an alle im In- und Ausland</em>&#8220; leitet Master Ismail ein weiteres patriotisches Lied über seine Heimat ein („<em>Watan</em>“ auf tadschikisch, das wie ein Leitmotiv zu hören ist). Egal, wieviel er herumgekommen ist, es zieht den Rapper immer wieder nach Tadschikistan, genauer gesagt nach Duschanbe, der „<em>besten Stadt der Welt</em>“, wie er in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iilKYI1oVMg">Ponedel’nik</a> (Montag auf Russisch, eine Anspielung auf die <a href="https://novastan.org/de/fact/duschanbe-eine-stadt-namens-montag/">Bedeutung von Duschanbe</a>) hervorhebt.    <em> </em></p>
<ol style="text-align: justify" start="8">
<li><strong> Bacha84 – Tok’i Todschiki (Tadschikistan, 2012) </strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>In der Tok’i ist liegt das ganze Geheimnis</em>“</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=ONWb7vx0DxU</p>
<p style="text-align: justify">Bachtior Kosimows Bühnenname Bacha84 leitet sich von seinem Wohnort  ab, dem <em>Mikrorajon N°84</em> in Duschanbe. Der 29-jährige Künstler begann seine musikalische Karriere im Jahr 2002 mit einem Stück, das er auf einer KWN-Veranstaltung (ein aus Sowjetzeiten stammender Comedy-Wettbewerb) sang. Wie er im Interview mit <a href="http://vipzoneonline.ru/people/interview/13-baha-84-ne-mogu-zhit-bez-repa.html">VIPZoneOnline</a> erzählte, weckte seine Mutter, die für eine internationale Organisation arbeitete, sein Interesse für Rap.</p>
<p style="text-align: justify">Bacha ist vor allem für seine Liebeslieder bekannt. Stücke wie <em>In oschiki</em> (Das ist Verliebtsein) oder <em>Dili Dewona</em> (Verrücktes Herz) liefen zu ihrer Zeit in allen Taxis des Landes. Im <em>Tok’i Todschiki</em> (Tadschikische Tok’i, also eine typische „nationale“ Kopfbedeckung in Tadschikistan) erzählt er dem Zuhörer, wie sehr er an seiner Tok’i hängt, die er selbst auf Aufforderung von Jennifer Lopez nicht ausziehen würde. Neben den obligatorischen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JyXQizpgEuE">patriotischen</a> Stücken berührt Bacha84 teils auch soziale Themen und ein kürzlich in Duschanbe <a href="https://www.asiaplus.tj/ru/news/tajikistan/20171021/v-dushanbe-otkrilos-pervoe-sotsialnoe-kafe">eröffnetes</a> Soziales Café trägt den Namen seines Stücks <em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=RUvj5bHk7BI">Dar jak samin</a> </em>(auf einer Welt).</p>
<ol style="text-align: justify" start="9">
<li><strong> Godek, Vagrant, Zumer &amp; BlackShadow &#8211; Demir Tiken (Turkmenistan, 2012)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center"><em>„Ich bin sehr schnell erwachsen geworden<br />
Die Zeit hat mich gelehrt<br />
Von meinen Straßen habe ich Mut und Eifer gelernt“ </em></p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=SKZ-BOKOs_w</p>
<p style="text-align: justify">Die turkmenische Rap-Szene ist ohne Zweifel die unbekannteste Zentralasiens. Hip-Hop Kultur passt schlecht in das stereotypische Bild eines allmächtigen totalitären Staats mit irrwitziger Propaganda. Dazu schrieb ein gewisser <em>Khan</em> vor ein paar Jahren <a href="https://www.neweurasia.net/media-and-internet/turkmen-on-the-turntables-let-the-masses-be-heard/">auf NewEurasia</a>: „<em>Die Außenwelt denkt, wir Turkmenen leben in ständiger Angst vor unserer Regierung. Nicht ganz, viele von uns merken nicht einmal, dass etwas nicht stimmt. Nein, meistens sind wir nur gelangweilt&#8230; [&#8230;] Die junge Generation hat wirklich nichts zu tun. Deswegen lieben sie Hip-Hop.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Laut Khan kann man turkmenischen Hip-Hop <a href="https://www.neweurasia.net/culture-and-history/turkmen-on-the-turntables-a-brief-history-of-turkmen-hip-hop/">bis 2000 zurückverfolgen</a>. Aber erst mit <a href="https://www.neweurasia.net/media-and-internet/turkmen-on-the-turntables-spitting-rhymes-with-zumerchas/">Zumer</a>, der letzte MC in diesem Stück, kam die Szene richtig in Schwung. Der Rapper, der an einer türkischen Universität studiert hat und auch viel Zeit in der Türkei verbringt, gilt als Vater des turkmenischen Raps. Mit seiner Gruppe <em>Darkroom Posse</em> vertritt er die turkmenische <em>West-Side, </em>oder <em>Balkan-Side. </em></p>
<p style="text-align: justify">Um Zumers Heimatstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenba%C5%9Fy_(Stadt)">Türkmenbaschi</a> (ehemalig Krasnowodsk) geht es auch im Stück <em>Demir Tiken</em> (<em>Stacheldraht</em>), ein nachdenkliches Stück über die Jugend auf den Straßen vom „<em>dunklen Paradies“</em>, wie die Stadt genannt wird. „<em>Meine Beine verfangen sich in diesem Stacheldraht</em>“ – eine Metapher für die Lektionen, die die Straße den jungen Leuten erteilt hat.</p>
<ol style="text-align: justify" start="10">
<li><strong> Ulykazy – Ekskurs (Turkmenistan, 2015)</strong></li>
</ol>
<p style="text-align: center">„<em>Ich weiß nicht mehr, wieviele Frauen ich hatte<br />
Manchmal treffe ich eine von ihnen auf der Straße<br />
Und das Leben erinnert mich an die Vergangenheit</em>“</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Ulykazy  - Ekskurs 2015 (turkmen rap) (tmrap)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/KQMDQ7RKZNE?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Neben den städtischen Räumen wie Türkmenbaschi und Aschgabat, vor allem vertreten durch Zumers ehemaligen Diss-Gegner <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ng8tr0LGO0k">Syke</a>, entwickelt sich der turkmenische Rap auch viel im Ausland. In erster Linie in der Türkei, die sprachlich naheliegt und in die turkmenische Staatsbürger visafrei einreisen können, aber auch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MPDwISx3CD4">in Russland</a> gibt es lokale Rap-Gemeinschaften und Konzerte in turkmenischer Sprache.</p>
<p style="text-align: justify">Der junge Rapper Ulykazy, wie Zumer aus Turkmenbaschi und vom Jahrgang 1988, wie er in seinem Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WKMXAA6cdJw"><em>Biographie</em></a> erwähnt, bietet uns hier einen Exkurs durch sein Liebesleben. Auch er nimmt seinen Clip im Ausland auf, in der belarussischen Hauptstadt Minsk.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bonus Track: Syng Syng (Kasachstan, 2017)  </strong></p>
<p><iframe loading="lazy" title="Zhonti feat. NN-Beka - ЗЫН ЗЫН (Полная версия by JKS) ZYN ZYN" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/ECWwpmP3spY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">“<em>Weißes T-shirt, verrückte Brille&#8230;</em>“ mit ihrem bisher einzigen Musikvideo <em>Syng-Syng</em> bricht das Youtuber-Kollektiv <a href="https://www.youtube.com/channel/UCiVKEVqsDn1fmzFaD4s_gpw">Jokeasses</a> aus Almaty (Kasachstan) Rekorde. Bereits über 14 Millionen Views bei Youtube verbuchte das Stück in drei Monaten. Geschrieben in einem Gemisch aus Kasachisch und Russisch, durchsetzt mit Anglizismen und name-dropping aus der Pop-Kultur („<em>Hier und da, Tom &amp; Jerry, Katy Perry, Jim Carrey</em>“) ist es eine bunte Rap-Parodie, und ein wahrer Ohrwurm&#8230;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Florian Coppenrath<br />
Mitgründer von Novastan.org</strong></p>
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