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	<title>Gewalt Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Gewalt Archives</title>
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		<title>Schüsse an mehreren Grenzen – ein Test für die Stabilität der Region</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2025 22:01:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trotz zuletzt diplomatischer Fortschritte bleiben die Grenzen zwischen den L&#xE4;ndern Zentralasiens fragile Zonen. Das verdeutlichen zwei Vorf&#xE4;lle zwischen Tadschikistan und den Taliban sowie zwischen Usbekistan und Kirgistan, die sich im August ereigneten. Am 24. August kam es laut Berichten des tadschikischen Mediums Asia Plus zu einem Schusswechsel zwischen tadschikischen Streitkr&#xE4;ften und K&#xE4;mpfern der Taliban entlang [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trotz zuletzt diplomatischer Fortschritte bleiben die Grenzen zwischen den Ländern Zentralasiens fragile Zonen. Das verdeutlichen zwei Vorfälle zwischen Tadschikistan und den Taliban sowie zwischen Usbekistan und Kirgistan, die sich im August ereigneten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. August kam es laut Berichten des tadschikischen Mediums <a href="https://asiaplustj.info/en/rubrics/tajikistan">Asia Plus</a> zu einem Schusswechsel zwischen tadschikischen Streitkräften und Kämpfern der Taliban entlang des Grenzflusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pandsch</a>. Dabei wurde in den Bezirken <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shahr-e_Bozorg">Schahr-e-Bosorg</a> (Afghanistan) und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shamsiddin_Shohin_District">Schamsiddin-Schohin</a> (Tadschikistan) mindestens ein Taliban-Kämpfer getötet und mehrere verletzt. Der Konflikt hängt zum Teil mit dem verstäkten Goldabbau auf der afghanischen Seite des Flusses zusammen. Für die Förderung des Edelmetalls wird der Wasserlauf des Pandsch verändert, wodurch tadschikische Dörfer in der Region durch Bodenerosion bedroht werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Bereits am 15. August hatte sich zudem ein Vorfall an der usbekisch-kirgisischen Grenze ereignet. Laut <a href="https://en.fergana.news/news/139923/">Fergana News</a> erschossen usbekische Grenzsoldaten zwei kirgisische Hirten in der Nähe des Naturschutzgebiets <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ugam-Chatkal_National_Park">Ugam-Tschatkal</a>. Nach einer gemeinsamen Untersuchung erklärten die usbekischen Behörden, die beiden Männer seien der Aufforderung <a href="https://www.kun.uz/en/news/2025/09/05/uzbek-border-guards-actions-deemed-lawful-in-fatal-shooting-of-kyrgyz-citizens">anzuhalten</a> nicht nachgekommen und die Schüsse seien das letzte Mittel gewesen. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass die Grenzziehung im betreffenden Gebiet unklar war.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Reaktionen der Behörden und Auswirkungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im usbekisch-kirgisischen Fall reagierten die Regierungen beider Länder umgehend. Nach einer bilateralen Untersuchung bauten diplomatische Gespräche sowie die Rückgabe der Leichen erste Spannungen ab. Beide Länder zeigten zumindest formal den Willen zur Transparenz sowie dazu, eine solche Tragödie in Zukunft durch bessere Abgrenzungen zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-stellt-zwangsheirat-und-stalking-unter-strafe/">Kasachstan stellt Zwangsheirat und Stalking unter Strafe</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der tadschikisch-afghanische Zwischenfall hinterlässt eine angespanntere Lage. Diese Konfrontation ist die erste ihrer Art zwischen tadschikischen Streitkräften und den Taliban, seit deren Machtergreifung im Sommer 2021. Die tadschikischen Behörden forderten ihre afghanischen Nachbarn auf, die Regelungen für den Bergbau zu verbessern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Grenzen als Zonen wiederkehrender Instabilität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ereignisse sind keine Einzelfälle. Die Grenzen zwischen zentralasiatischen Ländern sind immer wieder Schauplatz von Konfrontationen im Zusammenhang mit Gebietsstreitigkeiten, Schmuggel oder auch radikalen bewaffneten Gruppen, wobei letztgenannte Bedrohung in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Trotz der Verträge über Grenzziehung oder Grenzabkommen wie zwischen Kirgistan und Usbekistan bleiben die Spannungen in den Bergregionen und in den &#8222;Pufferzonen&#8220; bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-eine-herausforderung-fuer-die-regionale-kooperation/">Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan: Eine Herausforderung für die regionale Kooperation</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus erinnern die Vorfälle daran, dass der Grenzfrieden fragil bleibt. Dabei hatten sich vergangenes Frühjahr erst die Staatschefs Kirgistans, Usbekistans und Tadschikistan zu einem historischen Dreiergipfel <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-ferganatal-gipfel-von-chudschand-eine-historische-premiere/">getroffen</a>, bei dem sie Grenzkonflikte beilegten und Gemeinsamkeiten feierten. Doch regionale Stabilität scheint häufig stärker von lokalem Geschehen als nur von politischen Erklärungen abzuhängen</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://novastan.org/fr/author/echaisson/">Evan Chaisson</a> für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/fact/en-asie-centrale-des-recents-incidents-de-tirs-aux-frontieres-testent-la-stabilite-de-la-region/">Französischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Ein guter Kommandeur schlägt nur die eigenen Soldaten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Nov 2024 20:26:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Körperverletzung]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bericht eines Rekruten &#xFC;ber seine Erfahrung in der kasachischen Armee &#x2013; Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zur&#xFC;ckgegangen sind, genaugenommen um einen Fall. In diesem Jahr erhielten einige F&#xE4;lle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Bericht eines Rekruten über seine Erfahrung in der kasachischen Armee –<strong> </strong>Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind, genaugenommen um einen Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr erhielten einige Fälle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar kam, womöglich infolge einer Tracht Prügel, aus dem Koma frei, Marat Barkulov starb durch den Schuss eines Offiziers und in Almaty begingen sowohl ein Zeitsoldat als auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes Suizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sprachen mit einem Rekruten, der seinen Pflichtdienst in der kasachischen Armee geleistet hat. Er berichtet von den Schlägen seiner Vorgesetzten, lebenslangen Traumata und der Inkompetenz der Militärpolizei.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Disclaimer: Die beschriebenen Szenen enthalten harte Gewalt und Fälle von Suizid, die Äußerungen enthalten </em><a href="https://www.dekoder.org/de/gnose/mat-schimpfsprache-kulturgeschichte"><em>russischen Mat</em></a><em> – sie sind also stellenweise sehr vulgär. In der Übersetzung wurde versucht, die Mat-Ausdrücke möglichst sinngemäß zu übertragen, wobei das Schriftbild betroffener Wörter wie im Original teilzensiert ist. Der Name des Rekruten bleibt derweil anonym.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie alles begann</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich diente im Süden. Bei meiner Musterung war allen sonnenklar, dass ich nicht wollte. Sie drohten, mich nach <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Otar_(village)">Otar</a> zu versetzen: <em>„Sei lieber froh, dass wir dich nicht dorthin versetzen. In Otar gibt es keine Regeln und auch keine Videokameras.“ </em>Über die harten Bedingungen dort kursieren allerlei Gerüchte. Ich setzte mich also mit 45 anderen Rekruten in den Zug und fuhr zu meinem Einsatzort in der kasachischen Einöde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/an-der-front-in-der-ukraine-sterben-weiterhin-zentralasiaten/">An der Front in der Ukraine sterben weiterhin Zentralasiaten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Monat erwies sich als außerordentlich ruhig. Das Essen war in Ordnung, wir durften rauchen, lernten zu nähen und die Kleidung korrekt anzuziehen und mussten uns noch nicht aufs Übelste beleidigen lassen. Alles änderte sich, nachdem wir unseren Soldateneid geschworen hatten. Danach wurde auch dem letzten klar, dass die ersten Wochen Eingewöhnung nichts als ein dummer Bluff gewesen waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erwartung trifft auf Realität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ging die ganze Sch**ße los. Die Kommandeure, Unterfeldwebel und Offiziere beleidigten uns ohne Pause, schrien uns an und trichterten uns ein, dass wir ein Niemand seien. Das Essen war unterirdisch, die Küche war auf Sparkurs. Seife und Rasierer gab es entweder gar nicht oder nur Billigprodukte. Die Einsatzstiefel fielen schon auseinander, die guten behielten die Hauptfeldwebel für sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rekrutierung-in-tadschikistan-problem-fuer-behoerden-hoelle-fuer-soldaten/">Rekrutierung in Tadschikistan: Problem für Behörden, Hölle für Soldaten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Militärpolizei zur Kontrolle vorbeikam und Feedback bei uns einholte, hielten wir dicht. Die Unterfeldwebel hatten klar gemacht, was uns sonst blühen würde. Als sich doch mal einer beim schriftlichen Feedback über das Essen beschwert hatte, versuchten die Offiziere, den Schuldigen anhand der Handschrift zu ermitteln. Zur Strafe bekam dieser dann einen ordentlichen Anpfiff. Das Essen war danach für etwa zwei Wochen besser, doch dann bekamen wir wieder angeschimmeltes Brot und wässrigen Kascha. Es war klar, dass wir uns damit abgeben mussten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schlagen…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle vierzehn Tage kontrollierte uns die Militärpolizei auf blaue Flecken von Kopf bis Fuß. Würde herauskommen, dass bei uns Leute verprügelt werden, würden die obersten Befehlshaber sofort rausfliegen. Um das zu verhindern, hatten sie eine bestimmte Schlagtechnik entwickelt: Sie wickelten uns ein Tuch um eine Hand, die wir dann vor unseren Kopf halten mussten, bevor sie drauf los droschen und uns dabei brutal beleidigten. Auf diese Weise verteilte sich der Stoß auf das ganze Gesicht, innendrin entsteht ein gewaltiger Schaden, von außen fehlt jede Spur. Es dauert etwa zwei Wochen, bis es im Mund aufhört zu bluten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/fluchtziel-kasachstan-eine-reportage-aus-qostanai-wo-hunderte-russen-aufgenommen-wurden/">Fluchtziel Kasachstan – Eine Reportage aus Qostanaı, wo Hunderte Russen aufgenommen wurden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schläge kassierten wir alle und aus allen möglichen Gründen: der eine war zu langsam, der andere zu leise gewesen, der nächste hatte eine Anweisung nicht korrekt ausgeführt. Kollektivstrafen waren die Regel. So fand die ganze Kompanie einen Sündenbock, auf den sie dann eintraten. Ich bin kein Heiliger, ich habe auch zugetreten, ich wollte nicht nur selbst kassieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer einen Verwandten hatte, der ein hohes Tier war, entkam den Schlägen. Und obendrauf durfte er sich eine Menge Extrawürste erlauben: ob rauchen, ungefragt auf Toilette gehen oder einen Ausflug in die Stadt machen. Wir kochten vor Wut wegen dieser ungleichen Behandlung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>…und geschlagen werden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal war ich selbst das Opfer. Es war bei einer sehr anstrengenden Stellungsübung auf dem Schießplatz. Ich war müde und außer Atem und darum etwas langsamer bei der Sache. Der Kommandeur schnauzte mich ein erstes Mal an, ich solle einen Zahn zulegen, als wäre ich ein Rindvieh auf der Weide. Als ich bei einem Kommando, bei dem wir auf dem Boden kriechen sollten, erneut zu langsam war, stellte mich der Kommandeur schließlich vor den anderen bloß.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/">Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Präsidentschaft Kurmanbek Bakijews</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er kam zu mir, brüllte mir das Kommando ins Gesicht und als ich mich vor Schwachheit nicht regte, verpasste er mir mit seinen Kampfstiefeln einen Tritt in die Nieren. Vor meinen Augen flog mein ganzes Leben vorbei. Dann folgte ein weiterer Tritt in die Nieren. Ich hob den Kopf, um aufzustehen, doch auch auf den trat er ein, immer und immer wieder. <em>„Kriegst du es heute noch irgendwann mal geschi**en?“ </em>Ich hätte ihn in diesem Moment am liebsten aufgeschlitzt. Die Soldaten schauten dabei zu, wie der Kommandeur meinem Kopf, der auf dem steinigen, schmutzigen Boden lag, einen Tritt nach dem anderen verpasste. Irgendwann traf sein Stiefel mein linkes Ohr. Mein Trommelfell muss dabei geplatzt sein, denn das Blut lief danach nur so aus meinem Ohr heraus. Dann, endlich, lies der Kommandeur von mir ab und beendete die Übung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nur nicht auffliegen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa zwei Wochen voller Schmerzen vergingen, bevor die Sanitäter sich um mich kümmerten. Meine Nieren hatte es hart erwischt, sie hatten sich unter den Schlägen verschoben und vermischt. Passiert das, bilden sich dunkle Flecken unter den Augen. Ich sah aus wie ein Panda. Richtig geheilt haben mich die Sanitäter nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Militärpolizei die Flecken bemerkte und mich in einem separaten Raum auszufragen versuchte, sagte ich nur, es sei alles in Ordnung, mehr nicht. Sie durften nichts wissen. Nicht nur hatte der Kommandeur mir noch mehr Prügel gedroht, ich würde obendrein auch noch auf ewig das offizielle Kameradenschwein sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-wird-die-teilnahme-an-friedensmissionen-erweitern/">Kasachstan wird die Teilnahme an Friedensmissionen erweitern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Tag darauf brachte die Militärpolizei mich ins Krankenhaus. Sie hatten keine Zweifel, dass ich zusammengeschlagen worden war und wollten es allen beweisen. <em>„Die haben dich auf jeden Fall verprügelt, ich seh‘ doch die Spuren von den Stiefeln auf deinem Rücken.“ </em>Doch ich stritt konsequent alles ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mich zum Unfallarzt brachten, der mich einer Ultraschalluntersuchung unterzog, flehte ich diesen mit den Augen an. Er verstand und verwehrte den Militärpolizisten die klare Diagnose, auf die sie gehofft hatten. „<em>Verf**ckte Sch**ße, da hättest du einmal was Gutes tun können, aber du kriegst ja den Mund nicht auf“,</em> warf einer von ihnen mir danach vor. Dann brachten sie mich wieder zu den Sanitätern, wo ich eine Woche das Bett hütete, bevor es zurück in meine Einheit ging, als wäre nichts gewesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die ungeschriebenen Regeln</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Armee ordnest du dich allen unter, ob Unterfeldwebel, Offizier oder sonst einer Einheit. Sie kommandieren dich herum, erniedrigen und schlagen dich. Meistens kamen die Schläge sogar von den Leitern des eigenen Kommandos. Traf es Soldaten aus anderen Einheiten, machte sich sonst gleich Eifersucht breit, nach dem Motto <em>„Was schlägst du meine Soldaten? Dann zeig ich’s deinen gleich auch mal!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der dritten Einheit gab es einen Unterfeldwebel, dessen Schläge alle fürchteten. Einmal verpasste er mir während einer Übung zwei Ohrfeigen, ohne Grund, einfach aus Jux. Mein Kommandant fragte daraufhin nur: <em>„Du schlägst jetzt also neuerdings meine Männer, ja? Das ist meine Aufgabe, verstanden?“</em> Und schon schlug er auf mich ein. <em>„Sch**ßkerle, ihr habt sie doch nicht mehr alle“</em>, dachte ich nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verteidigung war keine Option. Das machte die Schläger nur noch aggressiver. Das ging mal so weit, dass ein Soldat, der sich mit den Händen zu schützen versuchte, nicht mehr nur von einem Unterfeldwebel, sondern gleich mehreren verkloppt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das passierte auch mir einmal: Ich hielt es nicht mehr aus, wehrte mich gegen meinen Unterfeldwebel. Zur Strafe musste ich nicht nur einen Monat lang abends länger bleiben, sondern auch zusehen, wie diese Hundesöhne einen guten Kollegen von mir verprügelten. Da brannte mir die Sicherung durch, ich schritt ein und verpasste meinem Unterfeldwebel einen Kinnhaken. Als der sich von seinem Schock erholt hatte, folgte die Rechnung dafür. Er hetzte die anderen auf mich und diese Ars**löcher vermöbelten mich als gäbe es kein Morgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gezeichnet fürs Leben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Nieren machen mir bis heute Probleme und auf meinem linken Ohr höre ich nach wie vor schlecht. Hin und wieder fängt es wieder an zu bluten. Für die vielen Untersuchungen danach musste ich einiges blechen. Als ich die Röntgenbilder meiner Nieren sah, war ich völlig fassungslos. „<em>Halb so wild“, </em>sagte der Arzt, <em>„da hat es andere bei der Armee schon schlimmer erwischt.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Tage ohne Schlaf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zwei Wochen übten wir an einem nicht überwachten Ort auf dem Schießgelände. Wir wiederholten dort Formationen, lernten unsere Waffen zu bedienen und verschiedene Dinge auf- und abzubauen. Es kam einmal vor, dass wir die Aufgaben deutlich schneller als vorgesehen erfüllt hatten. So schnell, dass tatsächlich ein paar freie Tage vor uns lagen. Wir erholten uns, gingen in die Stadt und drehten uns eine Kippe nach der anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An einem Abend, als viele schon im Bett lagen, ließ sich einer von uns beim Rauchen erwischen. Die Konsequenz: <em>„Ihr habt also nichts mehr zu tun? Dann raus mit euch! Die Nacht verbringt ihr stehend!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-russland-zentralasiatische-buerger-fuer-den-krieg-in-der-ukraine-anwirbt/">Wie Russland zentralasiatische Bürger für den Krieg in der Ukraine anwirbt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wir standen nicht nur diese eine Nacht, sondern auch den Tag, die darauffolgende Nacht und den nächsten Tag. Ich drehte durch vor Schmerzen und Müdigkeit. Nicht mal auf Toilette ließen sie uns gehen. Nur zum Mittagessen durften wir gehen. Ich war kurz davor, den Verstand zu verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Suizidversuche sind nutzlos</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten einen Kerl in unseren Reihen, der ständig Streit suchte und seine Klappe nicht halten konnte. Einmal verprügelte er einen anderen Soldaten, der auf seine Provokation eingegangen war, bis seine Augen blau anschwollen. Unsere Kommandeure waren außer sich, weil bald die nächste Kontrolle der Militärpolizei anstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch als diese wenige Tage später eintraf, fanden sie anstelle des Soldaten mit den Schlagspuren im Gesicht nur einen Zeitsoldaten vor, der kurzerhand den Namen seines Vorgängers übernommen hatte. So einfach hatten es sich unsere Vorgesetzten gemacht: Den Verwundeten hatten sie verräumt und keiner wusste wohin. Als er einen Monat später zurückkam, erzählte er, dass sie ihn im Offizierszimmer eingesperrt hatten. Dort brüllten sie ihn täglich an, was für ein mieses Stück Sch**ße er sei und zwangen ihn, auf Kommando in die Hocke zu gehen und in die Luft zu springen. Ich bin immer noch erstaunt, dass der sich nicht erhängt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-ein-tag-des-sieges-ohne-militaerparade-und-mit-eigenem-gedenken/">Kasachstan: Ein Tag des Sieges ohne Militärparade und mit eigenem Gedenken</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal fiel mir ein Typ auf, der ständig drei Leibwächter um sich hatte. Sie folgten ihm an den Essenstisch und auf Toilette. Als ich einen Unterfeldwebel fragte, was mit dem los sei, sagte der <em>„Das ist ein Suizidnik. Sie bringen ihn in die psychiatrische Klinik und hoffen auf eine Diagnose, die beweist, dass er nicht ganz bei Verstand ist.“ </em>So ging man hier mit allen Suizidversuchen um. Sie suchten die Lösung lieber in irgendeiner Diagnose, statt die offensichtlichen Probleme innerhalb der Armee zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir redeten nicht über diese Ereignisse. Wir waren wie im Stall zusammengepferchte Säue. Die Meinung eines einzelnen Soldaten sei wertlos. <em>„Hoffentlich ist das alles hier bald vorbei!“</em>, war alles, woran ich dachte.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aleksandra Akanaeva für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Arthur Siavash Klischat, Übersetzer für Novastan</strong></p>



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			</item>
		<item>
		<title>Selbstmorde und Morde an Frauen nehmen zu, wenn der Staat bei häuslicher Gewalt wegschaut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jun 2024 22:52:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der ehemalige kasachische Wirtschaftsminister Kuandyk Bischimbajev wurde vor wenigen Tagen in Astana zu einer 24-j&#xE4;hrigen Gef&#xE4;ngnisstrafe verurteilt. Er soll seine Frau Saltanat Nukenova gefoltert und besonders grausam ermordet haben. Dieser Fall war nicht nur deshalb von Bedeutung, weil ein ehemaliger Beamter &#x2013; ein Mann mit viel Macht &#x2013; vor Gericht stand, sondern weil es kein [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der ehemalige kasachische Wirtschaftsminister Kuandyk Bischimbajev wurde vor wenigen Tagen in Astana zu einer 24-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er soll seine Frau Saltanat Nukenova gefoltert und besonders grausam ermordet haben. Dieser Fall war nicht nur deshalb von Bedeutung, weil ein ehemaliger Beamter &#8211; ein Mann mit viel Macht &#8211; vor Gericht stand, sondern weil es kein Einzelfall ist: Die Statistiken über Gewalt an Frauen in allen zentralasiatischen Ländern sind erschreckend.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Seine Liebe hinderte ihn nicht, sie zu töten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bischimbajev gab zu, dass er am Tod seiner Frau beteiligt war, bestritt jedoch die Foltervorwürfe und, dass es sich um einen brutalen und vorsätzlichen Mord gehandelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihm zufolge hatte seine Frau an jenem Abend zu viel Alkohol getrunken und dadurch den Konflikt und seine aggressive Reaktion „provoziert“. Dies hätte ihn dazu veranlasst, sie zu schlagen, wenngleich er nicht gewusst hätte, dass sie sterben würde.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="924" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1.jpg" alt="" class="wp-image-39574" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1.jpg 924w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1-300x195.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1-768x499.jpg 768w" sizes="(max-width: 924px) 100vw, 924px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die ermordete Saltanat Nukenova und ihr Ehemann Kuandyk Bishimbayev; Collage: Asia-Plus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Äußerungen des ehemaligen Ministers zu seiner Verteidigung sorgten nicht nur in Kasachstan, sondern auch in anderen Ländern für Aufsehen und Empörung. Nutzer sozialer Medien und Netz-Psychologen, die Bischimbajevs Rede vor Gericht analysierten, wiesen darauf hin, dass er die Öffentlichkeit bewusst manipuliere und die Zuhörer indirekt zu dem Schluss geführt habe, Saltanat selbst sei an dem schuld, was ihr widerfahren sei.<br>Bischimbajev versicherte, dass die schweren Kopfverletzungen, die zum Tod seiner Frau führten, nicht durch seine Schläge verursacht wurden, da er ihre „lebenswichtigen Organe“ nicht getroffen habe. Nach Angaben des Angeklagten schlug Saltanat selbst gegen die Wände und den Fliesenboden und fiel mit dem Gesicht nach unten auf die Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Sie verlor das Gleichgewicht und taumelte in Richtung Toilettenschüssel. Sie schlug gegen die Wand, begann zu taumeln und flog gegen die Wand, stieß sich mit der Hand ab und fiel mit dem Gesicht voran auf die Toilettenschüssel. Es war ein lauter Aufprall, bumm, sie fiel, und ihr Gesicht kam mit Wucht auf der Toilette auf und sie fiel zu Boden&#8220;, sagte Bischimbajev vor Gericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermittlungen ergaben derweil, dass sie nicht gestürzt sei, sondern erdrosselt wurde. Gleichzeitig wiederholt der Mann immer wieder, dass er seine Frau geliebt und sich um sie gekümmert habe.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Staatsanwältin Aijan Aimaganova machte aus ihrer Fassungslosigkeit keinen Hehl: „Sie haben sie also geliebt? 6-8 Stunden vergingen nach den Schlägen bis zu ihrem Tod. Wo blieb ihr Notruf? Sie sagen in Ihrer Aussage, dass Sie eine Wahrsagerin angerufen hätten. Sie sagen selbst, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Warum konnten Sie nicht sofort den Krankenwagen rufen?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Übertragungen der Gerichtsverhandlungen erreichten Hunderttausende von Zuschauern. In der ganzen Welt wurde das gerechte Urteil erwartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna Urazbahova, die Anwältin des Opfers, die für ihre langjährige Erfahrung in der Verteidigung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, bekannt ist, sagte in einem Interview, dass in jedem derartigen Fall, unabhängig vom sozialen Status und Ruhm der Familie, jedem sofort die Alarmglocken läuten sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wenn so etwas in der Familie eines Ex-Ministers, einer einflussreichen Person, passiert, was soll man dann über normale Menschen ohne im Ausland erworbene Diplome und Hochschulbildung sagen. Leider rührt das aus langjährigen Traditionen, in denen die Frau als Objekt angesehen wird, und wenn sie heiratet, wird sie als wehrloses Objekt ihrem Mann als eine Art Accessoire&nbsp;übergeben&#8220;, betonte die Anwältin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erschreckende Statistiken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist dies der erste aufsehenerregende Fall von Gewalt in der Familie, der vor einem Schwurgericht verhandelt und live übertragen wird. Es ist jedoch bei weitem nicht der einzige Fall imLand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsprogramm_der_Vereinten_Nationen">UNDP</a> wird jedes Jahr eine von sechs Frauen in Kasachstan von ihrem Partner misshandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Statistiken über Fälle von Gewalt gegen Frauen lassen in allen zentralasiatischen Ländern viel zu wünschen übrig. Hier sind nur einige schockierende Fälle aus jüngster Zeit.<br>Im Januar dieses Jahres (2024) hat ein Mann in Bischkek seine Lebensgefährtin vor den Augen ihres Kindes brutal ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-kampf-gegen-haeusliche-gewalt-in-kirgistan-gesetze-und-realitaet/">Der Kampf gegen häusliche Gewalt in Kirgistan: Gesetze und Realität</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang April dieses Jahres erstach ein Mann im usbekischen Oblast <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Sirdaryo">Syrdarynsk</a> seine Frau und ihre Mutter wegen eines Familienstreits mit einem Küchenmesser. Im September letzten Jahres erstach ein Mann seine Ex-Frau aus Eifersucht im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mastchoh_District">Matschinsk</a> in Tadschikistan.<br>In Usbekistan werden fast 90 Prozent der Fälle von Gewalt gegen Frauen innerhalb der Familie verübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sexuelle-gewalt-in-usbekistan-milde-justiz-und-tragische-schicksale/">Sexuelle Gewalt in Usbekistan: Milde Justiz und tragische Schicksale</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgisistan sind mehr als 95 Prozent der Opfer von Gewalt Frauen. In Tadschikistan ist jede fünfte Frau Opfer häuslicher Gewalt, und ein Drittel der Frauen wird gerade von ihren Ehemännern misshandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In einer demokratischen Gesellschaft sollte Gewalt gegen Frauen nicht als Bagatelldelikt betrachtet werden. Die Kriminalisierung häuslicher Gewalt auf gesetzlicher Ebene ist eine Notwendigkeit. Eine Gesellschaft, die die Unterdrückung von Frauen duldet, kann nicht als zivilisiert bezeichnet werden&#8220;, sagte Aschraf Azami, tadschikischer Gender-Aktivist und Journalist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er kennt das Problem aus erster Hand: Seine Familie hat häusliche Gewalt am eigenen Leib erfahren &#8211; seine Schwester wurde von ihrem (inzwischen Ex-)Mann regelmäßig verprügelt. Als sie schwanger wurde und er weitermachte, lief sie davon. Die Polizei konnte der schwangeren Frau nicht anderweitig helfen, als mit dem Gewalttäter zu sprechen und eine Geldstrafe zu verhängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Solange Schläge durch den Ehemann nicht als Straftat gelten, ist die Polizei machtlos. Es gibt keinerlei Schutzanordnungen oder Isolierung des Opfers, solange die Einzelheiten ungeklärt sind. Psychologische Anlaufstellen für die Angreifer sind rar. All das gibt es in 148 Ländern, die ein Gesetz zur Bekämpfung der häuslichen Gewalt verabschiedet haben. Darunter ist auch Kasachstan, aber wir nicht&#8220;, sagt der Journalist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Wurzeln der Gewalt reichen bis in die Kindheit zurück</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verabschiedung neuer Gesetze und die Einführung gesonderter Strafen für häusliche Gewalt werden dazu beitragen, Statistiken ans Licht zu bringen und möglicherweise zu einem besseren Umgang der Strafverfolgungsbehörden mit derartigen Fällen führen. Doch das reicht nicht aus, meint der tadschikische Blogger und Medienspezialist Rustam Gulow. Er plädiert dafür, näher mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten und den Gang zum Psychologen zu enttabuisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere für diejenigen, die eine gewisse Neigung zu Gewalt haben, sollten Zugang zu einem Psychologen haben. Auf lange Sicht müsse auch Erziehung und Bildung miteinbezogen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/hausliche-gewalt-in-kasachstan-ein-tabuthema-wird-angegangen/">Häusliche Gewalt in Kasachstan – ein Tabuthema wird angegangen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In unserer Gesellschaft werden Kinder oft als Menschen zweiter Klasse behandelt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn aus ihnen respektlose, gewalttätige Erwachsene werden&#8220;, so Gulow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="665" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-1024x665.jpg" alt="" class="wp-image-39575" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-1024x665.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-300x195.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-768x499.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe.jpg 1068w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die türkische Künstlerin Vahit Tuna hat 440 Paar Frauenschuhe an der Wand eines Hauses angebracht, um an die Frauen zu erinnern, die 2018 durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen sind. Foto: Reuters</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein totales Tabu für Gewalt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Publizist Parwiz&nbsp;Jamalow ist überzeugt, dass es zur langfristigen Beseitigung geschlechtsspezifischer Gewalt nichts Wirksameres gibt als eine breit angelegte Informationskampagne, die keinen Teil der Gesellschaft außer Acht lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ziel einer solchen mehrjährigen Kampagne sollte die völlige Ablehnung der männlichen Aggression gegen Frauen durch die Gesellschaft sein. Kurz: Allein der Gedanke, die Hand gegen eine Frau zu erheben, sollte mit den Worten &#8218;haram&#8216;, &#8218;Sünde&#8216;, &#8218;Schande&#8216;, gleichgesetzt werden&#8220;, sagt Parwiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen müssten gleichermaßen einbezogen werden wie Männer betont er: „Schließlich ist es nicht ungewöhnlich, dass die Schwiegermutter, die einst das gleiche Trauma erlitten hat wie ihre Schwiegertochter, die die treibende Kraft ist oder auch selbst Gewalt ausübt, um nun für „Gerechtigkeit“ zu sorgen, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-leben-als-kelinka-bericht-ueber-einen-kasachischen-brauch/">Ein Leben als Kelinka – Bericht über einen kasachischen Brauch</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Im öffentlichen Bewusstsein muss systematisch daran gearbeitet werden, Stereotypen und Normen zu überwinden, die eine Kultur der Gewalt und der Herrschaft unterstützen. Dies kann durch Bildung und Aufklärung erreicht werden, einschließlich der obligatorischen Einführung von Geschlechtererziehung in Schulprogrammen, Medienkampagnen über die negativen Folgen von Gewalt, Unterstützung und Entwicklung von Geschlechtergleichstellung und Empathie&#8220;, erklärt der Gesprächspartner. Darüber hinaus hält es Parwiz Jamalow für wichtig, dass die Gesellschaft erkennt, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur ein Problem des individuellen Verhaltens ist, sondern ein strukturelles Problem, das eine systemische Lösung und die Unterstützung aller Mitglieder der Gesellschaft erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir lernen für den Führerschein, für den Schulabschluss, für einen Beruf. Warum beschäftigen wir uns nicht auf ähnliche Weise mit Erziehung und dem Eheleben?&#8220;, fordert der tadschikische Rechtsanwalt Faridun Machmudow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle traditionellen Informationen über die Ehe, die Beziehungen zwischen Mann und Frau und die Kindererziehung seien für unsere Zeit relevant. Die meisten Konzepte haben sich längst in Stereotype verwandelt, und viele Menschen interpretieren Traditionen und Religion auf ihre Weise, um damit ihr Handeln und Verhalten zu rechtfertigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ist das Eis gebrochen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mord an Saltanat Nukenova hat das Problem der Gewalt gegen Frauen in der kasachischen Gesellschaft in den Vordergrund gerückt. Die Art und Weise, in der ihr Mann und ehemalige Beamte versuchten, sich der Verantwortung zu entziehen, trat eine Welle friedlicher Kundgebungen und Proteste in einer Reihe von Ländern los. Ihre Forderung: ein fairer Prozess und die Kriminalisierung häuslicher Gewalt in Kasachstan. Die Behörden reagierten darauf mit der Verabschiedung eines Gesetzentwurfs zur Stärkung der Rechte von Frauen und der Sicherheit von Kindern. Das Gesetz zur Kriminalisierung häuslicher Gewalt, das der kasachische Präsident am 15. April unterzeichnete, wurde „Saltanat-Gesetz“ genannt. Das erste Land in der Region, das häusliche Gewalt unter Strafe stellte, war Usbekistan. Dort hatte man das entsprechende Gesetz im März 2023 verabschiedet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Live-Übertragung des Prozesses um Saltanat schuf mehr Vertrauen in die Justiz. Eine Erfahrung aus der es zu lernen gilt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://asiaplustj.info/ru">Asia Plus</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/centralasia/20240419/kak-zakrivaya-glaza-na-nasilie-v-seme-v-tsentralnoi-azii-mnozhat-suitsid-i-ubiistva-zhentshin">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Usbekistan: Das Kind schlagen – nicht so schlimm?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2024 18:18:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan wurde ein Gesetz vorgeschlagen, welches k&#xF6;rperliche Z&#xFC;chtigung in der Kindererziehung verbietet. Denn einige Eltern sind der Meinung, dass es manchmal notwendig sei Gewalt anzuwenden. Ein Klaps oder einen Schlag mit dem G&#xFC;rtel &#x2013; wenn das Kind sich nicht benimmt. F&#xE4;lle von Gewalt gegen Kinder treten besonders h&#xE4;ufig in Familien auf, in denen die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Usbekistan wurde ein Gesetz vorgeschlagen, welches körperliche Züchtigung in der Kindererziehung verbietet. Denn einige Eltern sind der Meinung, dass es manchmal notwendig sei Gewalt anzuwenden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Klaps oder einen Schlag mit dem Gürtel – wenn das Kind sich nicht benimmt. Fälle von Gewalt gegen Kinder treten besonders häufig in Familien auf, in denen die Männer bedingungslose Anführer sind. In diesen Familien sind neben Kindern auch häufig Frauen von den Demütigungen dieser Patriarchen betroffen. Dass Gewalt lebenslange Spuren in der Psyche eines Kinder hinterlässt, wird von diesen Eltern dabei ignoriert. Seit kurzem wird dieses Problem von usbekischen Abgeordneten diskutiert. Ende Februar <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2024/02/27/protecting-children-from-violence/">verabschiedete</a> die Legislativkammer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oliy_Majlis">Oliy Majlis</a> (Parlament) in erster Lesung einen Gesetzentwurf, der die körperliche Züchtigung von Kindern als Erziehungsmaßnahme verbietet. Fergana hat recherchiert, warum die Behörden diese Gesetzesänderung auf den Weg gebracht haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erziehung im Gesetz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gesetzentwurf trägt den Titel &#8222;Über den Schutz von Kindern vor jeder Form von Gewalt&#8220;. Bei der Vorstellung des Dokuments im Parlament <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NslCLT12GF0&amp;t=979s">führte</a> Mansurbek Polvonzoda, Direktor der Nationalen Agentur für Sozialschutz beim usbekischen Präsidenten, eine Reihe statistischer Daten an, die die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen &#8222;gewaltsame Erziehung&#8220; belegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021, so der Beamte, wurden 1.831 Straftaten gegen Kinder registriert; ein Jahr später stieg die Zahl um 20 Prozent auf 2.194 Vorfälle. Die Zahl der Minderjährigen, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, stieg in etwa um den gleichen Betrag. Diese Zahlen sind jedoch nur ein Ausschnitt des Problems, denn Schätzungen zufolge werden 80 Prozent der Fälle nie angezeigt oder öffentlich gemacht, aus Angst oder Loyalität gegenüber der Familie.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Leiter der Agentur für Sozialschutz bestätigte die Relevanz des Gesetzes und wies darauf hin, dass 60 Prozent der Menschen, die in jungen Jahren körperliches Leid oder Schikanen erlitten haben, psychisch ungesund aufwachsen und anfällig für Kriminalität und Selbstmord werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Erwachsenen ist dies aber nicht bewusst und sie finden nichts Schlimmes dabei ihre Kinder zu schlagen, anzuschreien oder zu ohrfeigen. Laut Polvonzoda ist das Hauptargument dabei das Verständnis von <em>&#8222;mein Kind &#8211; ich mache mit ihm, was ich will&#8220;</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer Unicef-Studie sind 70 Prozent der Usbeken und Usbekinnen im Alter zwischen 1 und 14 Jahren Opfer elterlicher Misshandlung geworden, und etwa 30 Prozent von ihnen wurden körperlich bestraft. Die Eltern von 11 Prozent der Kinder, die an der Studie teilgenommen haben, sind der Meinung, dass Schläge zur Erziehung eines Kindes grundsätzlich dazugehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/"><strong>Wie steht es um die Frauenrechte in Zentralasien?</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine besonders traurige Statistik, die die Notwendigkeit für diese Gesetzesänderung unterstreicht: Nach offiziellen Angaben waren in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 22 Kinder an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auch Schulen im Fokus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gesetzesentwurf soll gleichermaßen auch für Lehrkräfte gelten: Disziplinarmaßnahmen in Form von körperlicher Bestrafung, sonstigem grausamen Verhalten oder erniedrigender Behandlung in Bildungseinrichtungen soll zukünftig nicht erlaubt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wird die Zahl der Definitionen von Formen der Gewalt gegen Kinder von drei auf sechs erweitert. Während jetzt körperliche, sexuelle und psychische Gewalt aufgeführt sind, werden sie nach Inkrafttreten der Neuerungen ergänzt durch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vernachlässigung &#8211; Nichtbeachtung der Bedürfnisse eines Kindes, die zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Gesundheit und Entwicklung des Kindes führt;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausbeutung &#8211; Zwang eines Kindes zur Arbeit (dazu gehören sexuelle Ausbeutung, Menschenhandel, Betteln, Zwangsheirat, erzwungener Religionsunterricht usw.);</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mobbing &#8211; Beleidigung von Kindern, Boykott, Diskussion über die Eigenheiten eines Kindes sowie Mobbing im Internet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angezeigt werden können Eltern und andere Schutzbefohlene nicht nur durch Aussagen der Opfer oder von Zeugen, sondern auch auf Grundlage von Videos oder Fotos in den sozialen Netzwerken. Dies kam in der Vergangenheit schon öfter vor. So gab es erst Anfang des Jahres ein viral gegangenes Video, in denen zu sehen war, wie ein Lehrer zur Bestrafung zweier Siebtklässler, die einen Schreibtisch beschädigt hatten, diese misshandelte und bloßstellte, indem er ihre Stirne gegeneinanderstieß und einem Kind einen Schlag auf den Kopf verpasste. Die örtliche Behörde für innere Angelegenheiten leiteten eine Untersuchung des Vorfalls ein. &nbsp;Fälle, wie diese, in denen Videos von Misshandlungen in den sozialen Medien kursieren, gibt es regelmäßig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptziel des Gesetzentwurfs sei jedoch nicht die Verschärfung der Strafen, sondern die Schaffung eines Systems zur Verhinderung von Gewalt, zur Gewährleistung des Wohlergehens von Familien und zur Arbeit mit Kindern, die unter der Wut von Erwachsenen gelitten haben, so Polvonzoda.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Normalisierte Gewalt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die oben erwähnte UNICEF-Studie führt eine weitere traurige statistische Tatsache an: 33 Prozent der Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren glauben, dass ein Ehemann das Recht hat, seine Frau zu schlagen. Mit anderen Worten: Usbekischen Mädchen wird von Kindheit an beigebracht, dass häusliche Gewalt normal ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispiele wie diese zeigen einen Missstand in der usbekischen Gesellschaft – in der als normal betrachtet wird Gewalt anzuwenden gegenüber Schwächeren. Deswegen müssen solche Gesetzesanpassungen passieren, um das Denken in den Köpfen zu ändern. Ob diese Änderung auf dem Papier auch ein Umdenken mit sich bringen wird, ist noch unklar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/"><strong>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 2023, als das Dokument noch unter Experten diskutiert wurde, deutete die UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien, Regina De Dominicis, an, dass das Gesetz, wenn es angenommen wird, das Leben junger Usbeken verändern könnte, indem es dazu beiträgt, sie zu schützen, sie zu erziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial auszuschöpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;<em>Es ist sehr wichtig, dass der Wortlaut und der Zweck des Gesetzes die höchsten Standards des Kinderschutzes widerspiegeln, so dass das Gesetz nicht nur Worte auf dem Papier ist, sondern eine transformative Kraft für das Leben aller Kinder in Usbekistan</em>&#8222;, betonte De Dominicis.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://fergana.news/articles/133191/"><strong>Russischen</strong></a><strong> übersetzt und gekürzt von Karina Rudi</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>Sexuelle Gewalt in Usbekistan: Milde Justiz und tragische Schicksale</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 09:12:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend Usbekistan in Bezug auf die Frauenrechte einen gro&#xDF;en Sprung nach vorne gemacht hat, indem die Strafbarkeit h&#xE4;uslicher Gewalt gesetzlich verankert wurde, hat das Land bei der strafrechtlichen Verfolgung von Sexualverbrechen noch einen weiten Weg vor sich. J&#xFC;ngste F&#xE4;lle, nach denen Vergewaltiger milde Strafen erhielten, machen das Thema umso aktueller. Alles begann im Jahr 2021 [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während Usbekistan in Bezug auf die Frauenrechte einen großen Sprung nach vorne gemacht hat, indem die Strafbarkeit häuslicher Gewalt gesetzlich verankert wurde, hat das Land bei der strafrechtlichen Verfolgung von Sexualverbrechen noch einen weiten Weg vor sich. Jüngste Fälle, nach denen Vergewaltiger milde Strafen erhielten, machen das Thema umso aktueller.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles begann im Jahr 2021 in einem Waisenhaus in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urganch">Urganch</a>, wo junge Mädchen über zwei Jahre lang wiederholt vergewaltigt wurden. Die Vergewaltigungen wurden von Mitarbeitern des Justizministeriums und des Ministeriums für Notsituationen in Usbekistan begangen. Der Fall wurde im März von einer Informationsplattform über Gewalt gegen Frauen in Usbekistan, <a href="https://www.frontlinedefenders.org/en/organization/nemolchiuz">Nemolchi</a> (Russisch für „Schweig nicht!“), aufgedeckt und sorgte im ganzen Land für Schlagzeilen. Ziel dieses Projekts ist es, die Bevölkerung über gewalttätiges Verhalten gegenüber Frauen aufzuklären und eine Gesellschaft ohne Misshandlungen zu fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die in der Region <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Province_de_Khorezm">Xorazm</a> gelegene Kinderbetreuungseinrichtung zwang mehrere minderjährige Mädchen zu sexuellen Gefälligkeiten mit Ministerialangestellten. Die Leiterin der Einrichtung sah eine Verdienstmöglichkeit in den Mädchen und tauschte die sexuellen Dienste der jungen Waisen unter anderem gegen Möbel oder Lebensmittel ein. Leisteten die Mädchen Widerstand, zögerte die Leiterin nicht, Gewalt anzuwenden. Ein 15-jähriges Mädchen, das nicht zu solchen Handlungen gezwungen werden wollte, musste mit ansehen, wie ihr Bruder mit einem Nudelholz geschlagen wurde, um sie zum Nachgeben zu bewegen, <a href="https://www.currenttime.tv/a/skandal-v-uzbekistane-chinovnikov-priznali-vinovnymi-v-nasilii-nad-vospitannitsami-detskogo-doma-no-ne-otpravili-ih-v-tyurmu/32347147.html">berichtet Current Time</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sexuellen Handlungen fanden in einer Wohnung statt, die <em>„dem Justizministerium als Dienstwohnung für Angestellte zugewiesen wurde“</em>, <a href="https://nemolchi.uz/v-uzbekistane-chinovniki-sovrashhali-detdomovskih-devochek-i-poluchili-1-5-goda-ogranichenija-svobody/">berichtet Nemolchi</a>. Die Wohnung war über zehn Monate lang in eine regelrechte <em>„Plattform für sexuelle Beziehungen zwischen dem Regionalleiter und minderjährigen Mädchen“</em> verwandelt worden. Bei der Gerichtsverhandlung im September 2022 widerlegten die Angeklagten vollständig die Tatsache, dass die Mädchen nicht einwilligungsfähig waren. Sie behaupteten, dass <em>„niemand die Mädchen zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe“</em>, berichtet Current Time.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Machtmissbrauch durch Beamte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Fall ist umso schwerwiegender, als es sich bei den Verantwortlichen um Beamte mit hohen Positionen in der Verwaltung handelt. Zu den Schuldigen gehören etwa der ehemalige Leiter des Notdienstes der Region <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Yangiariq_District">Yangiariq</a>, Anvar Kuriazov, oder der Leiter des Justizministeriums und Mitglied der <a href="http://ht.gov.uz/%d0%bc%d0%ba-%d1%85%d0%be%d1%80%d0%b5%d0%b7%d0%bc%d1%81%d0%ba%d0%b0%d1%8f-%d0%be%d0%b1%d0%bb%d0%b0%d1%81%d1%82%d1%8c/">nationalen Kommission zur Bekämpfung von Menschenhandels und Zwangsarbeit</a>, Aibek Masharipov. Diese hochrangigen Beamten, die Kinder eigentlich schützen sollten, missbrauchten ihre Macht. „<em>Niemand hat sich gefragt, ob die Mädchen eine freie Wahl hatten</em>“, betont Nemolchi.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/code-103-wie-straftaten-nach-artikel-120-in-usbekistan-tatsaechlich-geahndet-werden/">Code 103 – Wie Straftaten nach Artikel 120 in Usbekistan tatsächlich geahndet werden</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gegen die Vergewaltiger verhängten Strafen waren mild und bewirkten, dass die Opfer gegenüber dem Recht noch mehr verunsichert wurden. In obgenanntem Fall verurteilte der Richter die Heimleiterin zu fünfeinhalb Jahren Haft und die Vergewaltiger zu einem Ausgehverbot von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Außerdem müssen sie eineinhalb Jahre in der Region bleiben, <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2023/04/01/children/">berichtet das usbekistanische Medium Gazeta</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist eine milde Strafe angesichts der Verbrechen, die sie begangen haben. Wie Aziz Abidov, Pressesprecher des Obersten Gerichtshofs von Usbekistan, <a href="https://t.me/AzizAbidov/3676">auf Telegram mitteilte</a>, wurde gegen das Urteil am 3. April Beschwerde eingelegt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das gesetzliche Mindestalter vom Tisch gewischt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://lex.uz/mobileact/111457">Strafgesetzbuch der Republik Usbekistan</a> verbietet ausdrücklich <em>„sexuelle Beziehungen mit einer Person unter 16 Jahren“.</em> Diese gesetzliche Schwelle wird jedoch von hohen Beamten mit einem Handstreich beiseite gewischt. <em>„Leider glauben selbst unter den Angestellten der Abteilungen viele, dass es verdorbene minderjährige Mädchen gibt [&#8230;], und sie wollen Sex. [&#8230;] Niemand will hören, dass das Alter für die Zustimmung in unserem Land 16 Jahre beträgt“,</em> erklärt Nemolchi.uz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/nnehegnj/de/usbekistan/der-jungfraeulichkeitskult-in-usbekistan/">Der Jungfräulichkeitskult in Usbekistan</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Vergewaltigungsfall ist bei weitem kein Einzelfall. Auch eine 13-jährige Waise wurde von ihrem Adoptivvater in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Qashqadaryo">Qashqadaryo</a> missbraucht. Der Prozess fand am 7. April statt, <a href="https://vnews.uz/?p=128690">berichtet das Medium Vnews</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vergewaltigungen, aber auch Verbrechen erschüttern die Familiensphäre in Usbekistan. Im März sorgte ein Kriminalfall, in den der Sänger Dilmurod Daliev verwickelt war und der mit dem Mord an seiner Konkubine endete, für Aufruhr, so <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2023/03/23/daliev/">Gazeta.uz</a>. Zur gleichen Zeit verabschiedete das Unterhaus einen Gesetzentwurf zur Aufnahme häuslicher Gewalt ins Strafgesetzbuch, <a href="https://mediazona.ca/news/2023/03/24/nasilie">berichtet MediaZona</a>. Damit wird Usbekistan <a href="https://eurasia.amnesty.org/2023/04/06/parlament-uzbekistana-prinyal-davno-nazrevshij-zakon-ob-ugolovnoj-otvetstvennosti-za-nasilie-v-seme/">gemäß Amnesty International</a> das fünfte Land in Osteuropa und Zentralasien, das häusliche Gewalt unter Strafe stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan ist die Objektifizierung der Frau als Sexualobjekt weit verbreitet und die Verantwortung für sexuelle Übergriffe wird häufig der Frau zugeschrieben. In einem weiteren Sinne ist häusliche Gewalt in den Sitten verankert und Frauen sprechen nicht darüber, <a href="https://thediplomat.com/2023/04/civil-society-activists-launch-campaign-against-culture-of-violence-in-tashkent/">so The Diplomat</a>. Ehefrauen haben in der Regel Angst vor ihren Ehemännern und erleiden die Gewalt im stillen Kämmerlein, da sie es vorziehen, das Geheimnis bis in die Familiensphäre hineinzuwahren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Charlayne Vilmer, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/violences-sexuelles-en-ouzbekistan/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
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		<title>Kasachstan: Gewalt ohne Grenzen gegen Journalisten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[arthur]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2023 11:26:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mitte Januar wurden in Kasachstan binnen k&#xFC;rzester Zeit mehrere Anschl&#xE4;ge auf Journalisten ver&#xFC;bt. Dabei handelt es sich aber nur um die j&#xFC;ngsten Ereignisse einer langen Kette von Gewaltandrohungen und tats&#xE4;chlichen Angriffen. 2022 z&#xE4;hlte die NGO International Freedom of Expression Exchange (IFEX) 32 Angriffe auf kasachstanische Journalisten, viermal so viele wie im Jahr zuvor. Nach den [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mitte Januar wurden in Kasachstan binnen kürzester Zeit mehrere Anschläge auf Journalisten verübt. Dabei handelt es sich aber nur um die jüngsten Ereignisse einer langen Kette von Gewaltandrohungen und tatsächlichen Angriffen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2022 zählte die NGO <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/International_Freedom_of_Expression_Exchange">International Freedom of Expression Exchange</a> (IFEX) 32 Angriffe auf kasachstanische Journalisten, viermal so viele wie im Jahr zuvor. Nach den <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-unklare-bilanz-der-januar-unruhen/">Januar-Ereignissen</a> stieg die Zahl und auch die Schwere der Fälle an. Journalisten und Experten erinnern die Angriffe nolens volens an die schlimmsten Zeiten unter Ex-Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a>. Zudem bemängeln sie die ausbleibende Unterstützung der Regierung, welche die Ermittlungen in die Länge zieht, und rechnen mit einem Anstieg der politischen Gewalt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Immer mehr Gewalt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> 2023 erreichten Bedrohungen und Angriffe auf Journalisten eine ganz neue Qualität. <em>„Allein im ersten Monat kam es zu sieben solcher Fälle, die ausnahmslos in direkter Verbindung mit der journalistischen Tätigkeit der Opfer stehen“</em>, so Karlygash Jamankulova, Leiterin der kasachstanischen IFEX-Abteilung. Mitte Januar wurde das Auto der Journalistin, potenziellen Präsidentschaftskandidatin und Regierungskritikerin Dinara Egeubaeva angezündet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wyPVdDDMKno">berichtete</a> Wadim Boreiko, Autor des Youtube-Kanals „<a href="https://www.youtube.com/channel/UCQqC33hLjhq-n-8EduI_V8g">Giperborei“</a>, drei Unbekannte hätten versucht, seine Haustür zu versperren und Brand zu stiften<strong>.</strong> Laut Boreiko wurde er am Tag nach der Bekanntgabe der vorgezogenen Wahlen im September zum ersten Mal „vorgewarnt“, als ihm ein Bekannter die Nachricht eines Unbekannten weiterleitete, der angeblich für die Geheimdienste arbeitete. Darin riet man ihm, in den nächsten zwei Monaten davon abzusehen, Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> zu erwähnen, und im Gegenzug eine monetäre Belohnung zu erhalten. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich schätze, sie wollten mal abchecken, ob ich käuflich bin. So gehen sie bei unabhängigen Journalisten in der Regel vor. Erstmal versuchen sie es auf die nette Art, locken mit Geld, dann bringen sie dich in Verruf und wenn all das zu nichts führt, starten sie Abschreckungsversuche“</em>, meint Boreiko. Der bloße Umstand, dass die letzte Serie an Angriffen alle innerhalb lediglich einer Woche stattfanden, zeugt seiner Ansicht nach von organisierter Unterdrückung und Konzept. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe Dosym Sátbaev erklärt die drei gängigsten Hypothesen, mit denen sich Experten die Ereignisse zu erklären versuchen. Laut der ersten handelt es sich bei den Journalisten um Anhänger Nazarbaevs<strong>,</strong> die beabsichtigen<strong>, </strong>Toqaevs Image beschmutzen. Die zweite besagt, dass der Druck auf die Medienschaffenden Toqaev selbst in die Hände spielt, denn er kann sich so als Garant für Sicherheit geben und seine Position legitimieren. Die dritte Hypothese baut auf den Verdacht, Russland stehe hinter den Angriffen und vergelte auf diese Weise die Unterstützung der Ukraine seitens Kasachstans im aktuellen Krieg. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-kirgistan-schraenken-freiheit-in-sozialen-netzwerken-weiter-ein/">Kasachstan und Kirgistan schränken Freiheit in sozialen Netzwerken weiter ein </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Organisationen rufen Kasachstans Regierung dazu auf, das Problem aufmerksam zu verfolgen und die Auftraggeber hinter den Angriffen zur Verantwortung zu ziehen. <em>„Man muss gar nicht erst von einem „Neuen Kasachstan“ sprechen, solange die Attacken auf unabhängige Journalisten keine Strafe nach sich ziehen“</em>, meint der Vertreter des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Norwegisches_Helsinki-Komitee">Norwegischen Helsinki-Komitees</a> Marius Fossum. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Medienschaffende sollten die Angriffe als Vorwarnung sehen, um bestimmter Themen wie die Korruption nicht noch stärker zu beleuchten. <em>„Wenn die Regierung tatsächlich demokratische Reformen anstrebt, kommt sie um eine unabhängige Presse nicht drumherum. Daher ist es umso dringlicher, schon jetzt nicht nur wichtige Schritte in Richtung eines freien und sicheren Journalismus zu machen, sondern auch die Schranken für eine freie Berichterstattung zu öffnen“</em>, fordert Fossum. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna Kavele, Vorsitzende des osteuropäischen und zentralasiatischen Ausschusses von Reporter ohne Grenzen, beunruhigen die Angriffe: <em>„Toqaev hatte sich offiziell bereit erklärt, gegen an Journalisten ausgeübte Gewalt vorzugehen. Vor diesem Hintergrund sind diese Verbrechend umso bezeichnender für das Ausmaß der Straffreiheit dieses Landes. Diesem Missbrauch muss ein Ende gesetzt werden.“</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulnoza Said aus dem Komitee zum Schutz von Journalisten teilt diese Ansicht. Sie prangert an, dass die Anzahl verfolgter Journalisten trotz aller Versprechen weiter gestiegen ist. <em>„Solange die Regierung nicht für die Sicherheit von Journalisten sorgt, bleibt die Rhetorik um das Neue Kasachstan nichts als leere Worte.“</em> Diplomaten aus den USA, Großbritannien und der EU äußerten sich solidarisch mit den Opfern und begrüßten Toqaevs Ankündigung, dass in allen Fälle Ermittlungen durchgeführt würden. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In ständiger Gefahr</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Boreiko erinnern die kürzlichen Überfälle an die schlimmsten Zeiten unter Nazarbaev. Damals wurde gerichtlich die Schließung der Redaktion der Zeitung Respublika beschlossen, nachdem das Gebäude angezündet und ein Hund an die Fenstergitter gehängt wurde. In der medialen Geschichte Kasachstans hätte es lediglich Ende der 80er Jahre bis ins Jahr 1995 eine Art Freiheit gegeben, also bis die neue Verfassung in Kraft trat. Daraufhin wurde die Gewalt zur Alltäglichkeit. Zwischen 2000 und 2015 registrierte IFEX 250 Angriffe auf Journalisten größtenteils unabhängiger und oppositioneller Redaktionshäuser. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Zeit ereigneten sich die bedeutendsten Fälle. So stürzte beispielsweise der Journalist Dylat Tylegenov im Jahre 2000 aus dem vierten Stock eines Gebäudes in den Tod. Zuvor hatte er in einem Artikel den Machtmissbrauch lokaler Beamter angeprangert. Im Jahre 2009 traf es Ermek Boltaı, Redakteur bei Radio Azattyk, dem kasachstanischen Dienst von Radio Free Europe. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und weitere mittelschwere Verletzungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/in-erwartung-der-folgen-pressefreiheit-in-usbekistan/">In Erwartung der Folgen – Pressefreiheit in Usbekistan </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Jahr verprügelten fünf Unbekannte einen Journalisten der unabhängigen Zeitung „Obschtschestwennaja Positsija<strong>“</strong>. Die Ärzte diagnostizierten ein Schädelhirntrauma sowie Hirnschäden. Kurz zuvor wurde ein Mitarbeiter der Zeitung „Tasjargan“ Opfer einer Messerattacke. 2012 wurde der Luqpan Ahmedıarov, ein Journalist aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oral_(Stadt)">Oral</a>, vor seinem Haus angegriffen und mehrfach am Bein verwundet.  Ein Jahr darauf wurden die Täter zu 10 bis 15 Jahren Haft verurteilt. Der Mann, der hinter dem Auftrag steckt, konnte laut dem Journalisten nicht gefunden werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im gleichen Jahr wurde Ularbek Baıtalak<strong>,</strong> Autor für verschiedene oppositionelle Zeitungen, in der Hauptstadt Astana zusammengeschlagen. Er musste mehr als einen Monat im Zentrum für Orthopädie und Traumatologie genesen. Im Zeitraum von 2015 bis 2022 zählte man insgesamt zehn Drohungen oder Angriffe auf  Journalisten. Besonderes Aufsehen erregte der Überfall auf den Blogger Botagoz Jumanov<strong>.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Fällen äußerte sich der Druck auf Journalisten in verhängten Strafen und Strafverfolgung. 2016 wurden diе Verlagshäuser der Zeitungen „Nakanunje“ und „Prawdiwaja Gaseta“ im Anschluss an Rechtsstreitigkeiten und Geldstrafen geschlossen. Ein Jahr später wurde <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Janbolat_Mamai">Janbolat Mamaı</a>, Redakteur für die Zeitung Tribuna, wegen Geldwäsche für sieben Monate in Gewahrsam genommen. Im selben Jahr schloss das Online-Medium Radiototschka, das zuvor mit Druck auf finanzielle Angelegenheiten zu kämpfen hatte. Im Jahre 2018 wurde gerichtlich die Schließung der Zeitung Ratel.kz festgelegt. Nach einer zweiten Untersuchung im Jahr darauf beschloss dasselbe Gericht, dass das Verlagshaus seine Arbeit wieder aufnehmen dürfe. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Angriffe während und nach den Januar-Ereignissen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch vor 2021 gab es Angriffe auf Journalisten, doch mit den Januar-Ereignissen erreichte die Gewalt eine neue Eskalationsstufe. Mehr als 50 Verstöße gegen die Unversehrtheit der Journalisten wurden festgestellt. Darunter ist der Mord an Murathan Bazarbaev, Angestellter beim Fernsehsender Almaty, die Verwundung von Bek Baıtas, einem Journalisten von Orda.kz, sowie der Mordanschlag auf Amangeldy Batyrbekov, Chefredakteur der Zeitung Saryagash-Inform. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sátbaev macht die Rede Toqaevs im Zuge der Januar-Ereignisse als Kipppunkt in der Eskalation der Gewalt an Journalisten aus. Darin bezeichnete der Präsident die Medien als Hetzer gegen die rechtliche Ordnung. <em>„Ich übertreibe nicht, wenn ich all diese unverantwortlichen Demagogen als Mitschuldige dieser kasachstanischen Tragödie bezeichne. In den Fällen von Vandalismus werden wir strafrechtlich hart durchgreifen“</em>, kündigte der Präsident damals an. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer kurzen Ruhepause begannen die Übergriffe auf Medienschaffende erneut. Ende Juli wurde Olessija Wertinskaja, Journalistin für „Doroschnyj Kontrol“ in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> vor ihrem Haus zusammengeschlagen. Wenige Tage zuvor hatte sie eine Nachricht einer unbekannten Nummer erhalten, in der man ihr riet, in den Äußerungen über eine GmbH und seine Leiter „vorsichtiger“ zu sein. Im August wurde ihr Kollege Anton Kniazev Opfer eines ähnlichen Angriffs. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-oppositioneller-journalist-nach-russland-ausgewiesen/">Kirgistan: Oppositioneller Journalist nach Russland ausgewiesen </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">IFEX nennt für das vergangene Jahr außerdem 40 direkte Drohungen, die die Journalisten an ihrem Wohnsitz erreichten. Im Herbst zerschlugen Unbekannte die Glastüren eines Businesscenters, in dessen  Räumlichkeiten sich die Redaktion des Mediums Elmedia befindet. Der Zeitung Orda.kz wurde gegenüber der Redaktionsbüros ein Graffiti mit bedrohlichem Wortlaut gewidmet und außerdem ein Paket zugestellt, dass einen abgehackten Schweinekopf enthielt. Beide Redaktionen erhielten zusätzlich weitere Drohungen per Telefon. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anschläge auf Journalisten in Zahlen: In 11 Monaten zählte IFEX 29 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Denial_of_Service">DdoS-Attacken</a> (teilweise auf Elmedia und Orda.kz), sechsmal wurden Websites gesperrt oder kurzzeitig außer Betrieb gesetzt, elfmal wurde der Zugang zu ihnen erschwert. Zudem wurde die Websit von „Ulys Media“ Opfer eines Hackerangriffs, bei dem auf selbiger Seite persönliche Daten der Chefradakteurin Samal Ibraeva und ihrer Familie veröffentlicht wurden. Hinzu kommen 18 Festnahmen und 20 Verhöre von Journalisten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fälle ereigneten sich größtenteils während der Januar-Ereignisse, einige jedoch erst im Nachhinein. So wird beispielsweise der Journalist Mihail Kosachkov verdächtigt, Bestechungsgelder im Wert von 52 Millionen Tenge (ca. 105 000 Euro) angenommen zu haben. Er selbst rückt nicht von seiner Überzeugung ab, dass man aus politischen Gründen gegen ihn ermittelt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Steht noch mehr Gewalt bevor?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Für Sátbaev zeugen die Angriffe auf Journalisten davon, wie handlungsunfähig das politische System Kasachstans ist. <em>„Weder die Polizei noch die Gerichte waren bereit,  Journalisten und einzelne Bürger zu verteidigen, die Drohungen aller Art ausgesetzt waren“</em>, schließt der Politologe aus den Zwischenergebnissen der Ermittlungen, die sich auch nach Festnahme der Täter weiter in die Länge ziehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund dieser Verzögerungen hatte Toqaev die verantwortlichen Organe bereits zwei Mal öffentlich dazu aufgerufen, in Fällen, die in Zusammenhang mit den Medien stehen, besonders gründlich zu ermitteln. Am 20. Januar 2023 forderte er außerdem, nicht nur die Namen der Täter, sondern auch die der Auftraggeber ans Licht zu bringen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-regimekritischer-blogger-zu-drei-jahren-hausarrest-verurteilt/">Usbekistan: Regimekritischer Blogger zu drei Jahren Hausarrest verurteilt </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Medienrat bezeichnete man die Angriffe auf die Journalisten gleichermaßen als Angriffe auf Gesellschaft und die Regierung. Laut dem stellvertretenden Informationsminister Qanat Ysqaqov arbeitet das Ministerium bei allen Vorfällen eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen und unterstützt sie bei <em>&#8222;allen Maßnahmen, insbesondere bei den Ermittlungen, um Anschläge zu verhindern und aufzudecken&#8220;</em>. Aber sie führen ihrerseits keine Kontrollen durch, weil ihnen die entsprechenden Befugnisse fehlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Behörden sichern den Journalisten, die Opfer eines Anschlags wurden, rechtliche Unterstützung zu und wollen den engen Kontakt mit ihnen aufrechterhalten. Boreiko dementiert diese Aussagen: <em>„Kein einziger ihrer Mitarbeiter hat mich je kontaktiert. Wenn, dann habe ich eher das Gegenteil erlebt, wie 2018 während beim Prozess zur Schließung der Zeitung Ratel.kz. Damals saß das Medienministerium auf der Seite der Kläger.“</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Jamankylova weist darauf hin, dass Journalisten in Kasachstan nicht nur ohne den Schutz der Strafverfolgungsbehörden und der zuständigen Stellen dastehen, sondern auch ohne Unterstützung durch den Gesetzgeber: <em>&#8222;Es gibt den Artikel 158 des kasachstanischen Strafgesetzbuchs, der die Rechte von Journalisten schützen soll. In den letzten dreißig Jahren kamen aber gerade mal zwei Fälle vor Gericht.&#8220;</em> Sátbaev führt diese ungeschützte Lage für Journalisten darauf zurück, dass weder unter Nazarbaev, noch unter Toqaev Institutionen zur Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenlebens gegründet wurden.  Lediglich die herrschende Schicht erhielt sie und fährt heute Nazarbaevs Linie gegen Journalisten und die Zivilgesellschaft weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-hacking-angriffe-auf-journalistinnen/">Kirgistan: Hacking-Angriffe auf Journalist:innen</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe meint diese Ausbrüche von Gewalt gegen Journalisten seien ein Element kontrollierter Spannungen. <em>„Sie können mehr solcher Fälle inszenieren und uns immer wieder sagen, ihre Ermittlungen würden von Saboteuren behindert. Das einzige Gegenmittel, heißt es dann, sei es, die Gesellschaft um ihren Anführer zu versammeln. Und wenn der Präsident keine angemessene Legitimation erhält, wird der Kampf gegen die Drahtzieher der Verbrechen angeblich unwirksam sein.&#8220;</em> Vor diesem Hintergrund sei mit einer Normalisierung der politischen Gewalt und einer Zunahme ihrer Häufigkeit zu rechnen, prognostiziert der Politikwissenschaftler. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jamankulova erwartet, dass die Regierung in den Augen der Öffentlichkeit und der internationalen Gemeinschaft zur Verantwortung gezogen wird, wenn die Fakten der Drohungen und Angriffe auf Journalisten nicht ordnungsgemäß untersucht werden. &#8222;<em>Dies wird die angekündigten politischen Reformen in Frage stellen und Kasachstan international in eine komplizierte Lage bringen.“</em> Sie ist zudem überzeugt, dass <em>„eine Verschlechterung der Leistung des Landes in den internationalen Rankings den Korridor der Verhandlungsmöglichkeiten und des Wirtschaftswachstums verengen wird.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Dimitri Mazorenko und Paolo Sorbello für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://vlast.kz/obsshestvo/53594-nasilie-protiv-zurnalistov-bez-granic.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Arthur Siavash Klischat</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Kirgistan: Wenn der Premierminister fordert, schlechte Nachrichten zu verbergen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 17:51:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Akylbek Dschaparow]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verkehrspolizisten in Kirgistan fordern gerne Schmiergelder von Touristen, die Gesellschaft wird von h&#xE4;uslicher Gewalt &#xFC;berw&#xE4;ltigt&#x2026; Das Land hat viele Probleme, doch Regierungschef Akylbek Dschaparow bittet die Journalisten, dar&#xFC;ber zu schweigen, um Besucher und Investoren nicht zu vergraulen. Laut dem Journalisten Viktor Muchin w&#xFC;rde Kirgistan aber dadurch bestenfalls zu einem Land der ma&#xDF;losen Korruption und der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verkehrspolizisten in Kirgistan fordern gerne Schmiergelder von Touristen, die Gesellschaft wird von häuslicher Gewalt überwältigt… Das Land hat viele Probleme, doch Regierungschef Akylbek Dschaparow bittet die Journalisten, darüber zu schweigen, um Besucher und Investoren nicht zu vergraulen. Laut dem Journalisten Viktor Muchin würde Kirgistan aber dadurch bestenfalls zu einem Land der maßlosen Korruption und der einmaligen Besuche werden. Folgender Meinungsartikel erschien im russischen Original beim kirgisischen Onlinemedium <a href="https://kloop.kg/blog/2022/08/09/strana-odnorazovyh-gostej-pochemu-skryvat-plohie-novosti-ot-turistov-v-kyrgyzstane-plohaya-ideya/">Kloop</a>. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem russischen Ticketverkaufsdienst Tutu.ru ist Kirgistan in diesem Sommer das <a href="https://tass.ru/obschestvo/15356655?utm_source=google.com&amp;utm_medium=organic&amp;utm_campaign=google.com&amp;utm_referrer=google.com">beliebteste Auslandsreiseziel</a> von Russen, noch vor der Türkei. Die kirgisische Regierung spricht von einer Verdoppelung der ausländischen Gäste. Viele Russen kommen, um lokale Kreditkarten zu erhalten, um Rubel in Dollar zu tauschen, und unterwegs genießen sie die Landschaft und lassen Geld in die Wirtschaft fließen: Das Regierungskabinett verzeichnet beinahe einer <a href="https://www.tazabek.kg/news:1794856/">Verdoppelung</a> der Tourismuseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr. Es gibt aber ein Problem: Reisende mögen keine Erpressung auf den Straßen. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

In Internetforen häufen sich die Beschwerden über Übergriffe der Verkehrspolizei, vor allem außerhalb von Bischkek. Es geht um endlose Stopps unter verschiedenen Vorwänden: Scheinwerfer, Karrosserie, Reifen oder Kofferräume werden bemängelt. Entspannte Touristen werden davon überzeugt, sie seien Raser und Abstinenzlern wird Alkohol am Steuer vorgeworfen. Nach Angaben der Touristen wird das Problem in der Regel mit 200-400 Som (2,50 bis 5 Euro) gelöst. Diejenigen, die medizinische Tests verlangen, auf der Rechtmäßigkeit der Ausrüstung bestehen und bereit sind, sich zu beschweren, werden meistens ohne Strafe entlassen. Eine solche Dreistigkeit verärgert die Menschen noch mehr.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Eine schande für das ganze Land“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Laut Sergej Gluchowerow, dem Leiter des kirgisischen Verbands der Reiseveranstalter, raten die Touristen nach solchen Erlebnissen niemandem mehr zu einer Reise nach Kirgistan. „<em>Bitte machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass sie eine Schande für das ganze Land sind. Dass die Gastfreundschaft der gesamten Nation an ihnen gemessen wird. Dass eine große Zahl von Menschen um jeden Gast kämpft, während sie sie verscheuchen</em>“, appellierte er <a href="https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid02hYhorYhVfrRN9tPgKPbbBjEC3Q4zePW2ZGMggbrbV7pHtAH2k1HJaSBtje5pEV4Nl&amp;id=100008253180768">in einem Facebook-Post</a> an das Innenministerium und die staatliche Verkehrspolizei. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/urlaub-in-kirgistan-wird-immer-beliebter/">Tourismus in Kirgistan wird immer beliebter</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind aber nicht nur die Verkehrspolizisten: Auf einer Sitzung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> (dem kirgisischen Parlament, Anm. d. Ü.) im Juni <a href="https://www.for.kg/news-767208-ru.html">erzählte</a> der Abgeordnete Alischer Kosujew von Unregelmäßigkeiten am kirgisisch-usbekischen Grenzkontrollpunkt „Dostuk“ (kirg. für Freundschaft), in der Nähe von <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-grenzstadt-osch/">Osch</a>. Grenzbeamte bilden ihm zufolge künstliche Wartenschlangen an der Grenze, die täglich 10.000 Menschen passieren und verlangen Geld von usbekischen Staatsbürgern. Die Taxifahrer haben außerdem ein Monopol aufgebaut verlangen 2000 Som für eine Fahrt, die eigentlich zehn Mal weniger kostet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Schande, so Kosujew. Aber laut dem kirgisische Premierminister Akylbek Dschaparow merken Touristen solche Dinge nicht, wenn Medien nicht darüberschreiben. Mitte Juli versammelte er kirgisischsprachige Journalisten (aus irgendeinem Grund nur diese) im Nobelrestaurant Dasmija in Bischkek und forderte sie auf, sich „positiv“ über die Politik seiner Regierung zu äußern. Wenn wir es richtig verstanden haben, geht es bei dieser Politik darum, Investoren anzulocken und die Steuereinnahmen zu erhöhen, auch auf Kosten der Touristen. Leider stehe dem die Berichterstattung über Straftaten auf russischsprachigen Webseiten im Weg. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schlechte Nachrichten, kleingedruckt und auf Kirgisisch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> „<em>Erinnern Sie sich an den Bericht über die Vergewaltigung einer 72-jährigen Oma, der vergangenes Jahr drei Wochen lang auf allen Websites zu sehen war?</em>“, fragte der Regierungschef die Journalisten. „<em>Kasachen und Russen, die eine russischsprachige Website besuchen wollen, klicken darauf, lesen die Nachrichten und wählen andere Länder. Oder wenn man sich [die Nachrichten über] die Vergewaltigung eines kleinen Mädchens ansieht. Alle haben darübergeschrieben. Jetzt sagen die Leute, dass sie nicht mit ihren Kindern kommen werden</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben sei besser als, es in den Nachrichten gezeigt wird, ist der Premierminister überzeugt. „<em>Unsere Blogger schreiben, dass es unmöglich ist, nach Kirgistan zu kommen, überall gebe es dreistündige Staus. Gestern, als meine Kollegen an den [See] <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssykk%C3%B6l">Yssykköl</a> fuhren, gingen sie mit einem russischen [Touristen] in ein Café. Er erzählte mir, dass sie in Moskau jeden Tag sechs Stunden im Stau standen. Aber sie waren dankbar, dass sie ein solches Wunder erleben durften und versprachen, regelmäßig zu kommen</em>“, so Dschaparow. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/homo-faber-in-kirgistan/">Homo Faber in Kirgistan</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb, so Dschaparow, müssen Journalisten die schlechten Nachrichten in kleinen Buchstaben und auf Kirgisisch schreiben und Kirgistan in großen Buchstaben und auf Russisch loben. Er meint, die Georgier haben ihm dies beigebracht. „<em>Als wir in Georgien waren </em>[&#8230;]<em>, gingen wir in den Situationsraum des Innenministeriums</em>“, erzählte der Regierungschef. „<em>Ich spreche kein Englisch, aber als ich mir die Website auf Russisch ansah, gab es keine Informationen über Unfälle. Als ich sie fragte, ob sie irgendwelche Unfälle hatten, sagten sie mir, dass Mischa</em> [<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Micheil_Saakaschwili">Saakaschwili</a>, Anm. Kloop] <em>das bewirkt hatte. Auf seinen Befehl hin wurde ein Gesellschaftsvertrag ausgearbeitet; die gesamte Opposition, Journalisten und Vertreter internationaler Organisationen wurden eingeladen.</em> [Sie einigten sich um folgendes:] <em>Es gibt nur ein Georgien, und das hat nur einen Wettbewerbsvorteil &#8211; den Tourismus.</em>“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb, so Dschaparow, “<em>haben sie sich in Georgien darauf geeinigt, all die schlechten Dinge, die im Land passieren, zu verbergen.</em> […] [Der stellvertretende Premierminister]<em> Edil Dscholdubajewitsch </em>[Baisalow]<em> bat auch darum, Kollegen, die in NGOs arbeiten, und Journalisten zu fragen: Können wir das gleiche Projekt auch umsetzen?</em>“ Man könnte den Kabinettschef noch lange zitieren &#8211; zumal er den Journalisten im &#8222;Dasmija&#8220; einige überraschende Dinge erzählte. Zum Beispiel, dass „<em>auf der 100-Dollar-Note unter dem Porträt von Benjamin Franklin steht, dass Tod und Steuern unvermeidlich sind</em>“. Oder dass „<em>nach der Digitalisierung der Bücher von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herman_Oskarowitsch_Gref">German Gref</a></em> [Vorsitzender der russischen Sberbank] <em>eine künstliche Intelligenz in der Lage war, 12 neue Geschichten auf der Grundlage dieser Bücher zu schreiben</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder dass Usbekistan bei den Direktinvestitionen bald mit China gleichziehen wird. Usbekistan ist so weit von China entfernt, wie die Erde vom Mond. In Moskau gibt es schon lange keine sechsstündigen Staus mehr. Auch hat es in Georgien nie einen „Gesellschaftsvertrag“ gegeben, um schlechte Nachrichten zu verbergen (eine georgische Journalistin hat Kloop im Videointerview <a href="https://www.facebook.com/kloop.kg/videos/606552884069534/">bestätigt</a>, dass dies eine völlige Erfindung ist). Und auf den Dollars stand noch nie „Tod und Steuern“ (Herr Dschaparow liebt wahrscheinlich den Film „Meet Joe Black“ mit Brad Pitt, in dem dieser Satz von der Hauptfigur gesagt wurde). Und German Gref hat übrigens noch nie ein Buch geschrieben. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein „Einwegziel“ für den Tourismusmarkt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Aber die Welle der Gewalt, die das Land in letzter Zeit heimgesucht hat, ist leider Realität: „<em>Eine Frau wird von ihrem Ex-Mann systematisch <a href="https://kloop.kg/blog/2022/08/05/zhenshhinu-sistematicheski-izbivaet-byvshij-muzh-militsiya-ne-prinimaet-mer/">verprügelt</a>. Die Polizei wird nicht tätig</em>.“ „<em>Menschenrechtsaktivisten: In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalalabat">Dschalalabad</a> hat ein Mann ein sechsjähriges Mädchen <a href="https://kloop.kg/blog/2022/08/05/pravozashhitniki-v-dzhalal-abade-paren-iznasiloval-shestiletnyuyu-devochku-i-pytaetsya-otkupitsya/">vergewaltigt</a> und versucht, sie fürs Schweigen zu bezahlen</em>&#8222;. „<em>Ehemaliger stellvertretender Leiter und Ermittler der Polizeistelle des Bezirks Ysyk-Ata in einem Mordfall <a href="https://kloop.kg/blog/2022/08/05/byvshego-zamnachalnika-i-sledovatelya-ovd-ysyk-atinskogo-rajona-zaderzhali-po-delu-v-ubijstve/">festgenommen</a></em>“. „<em>Der Präsident <a href="ОВД">drängt</a> den Obersten Gerichtshof, Fälle von Missbrauch von Frauen und Kindern schärfer zu ahnden</em>“. Das sind die Schlagzeilen an einem einzigen Tag, den 5. August.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Seien wir ehrlich: Es ist unmöglich, dies vor den Besuchern des Landes zu verbergen, und jeder Versuch, dies zu tun, wird von den Touristen eindeutig als Täuschungsversuch interpretiert. Dann werden sie mit Sicherheit nicht mehr zurückkommen, und Kirgistan wird zu einem „Einwegziel“ für den Tourismusmarkt.

Vielleicht sollten sie einfach etwas gegen Gewalt, Korruption und Willkür auf den Straßen unternehmen? Wie in Georgien, worauf der Premierminister sehr zeitnah hinwies. Denn Touristen werden dort nicht massiv belästigt. Und die Gesetze werden im Allgemeinen weniger häufig gebrochen.
</p>



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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong> </p>



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		<item>
		<title>„Die Ehefrau“ &#8211; Ein Kurzfilm über häusliche Gewalt in Kasachstan</title>
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					<comments>https://novastan.org/de/kasachstan/die-ehefrau-ein-kurzfilm-ueber-haeusliche-gewalt-in-kasachstan/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Darius Regenhardt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2021 07:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kurzdokumentation Die Ehefrau ist ein kraftvoller und erschreckender Bericht &#xFC;ber die Erfahrungen von vier Frauen mit h&#xE4;uslicher Gewalt. Der Film wurde von Kana Be&#x131;sekeev gedreht und in Zusammenarbeit mit Qazaq TV von Qa&#x131;rat Nurmugambetov produziert. Der folgende Artikel erschien im Original auf der englischsprachigen Version von Novastan. Zhena, auf Deutsch Die Ehefrau, ist ein [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-ehefrau-ein-kurzfilm-ueber-haeusliche-gewalt-in-kasachstan/">„Die Ehefrau“ &#8211; Ein Kurzfilm über häusliche Gewalt in Kasachstan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kurzdokumentation <em>Die Ehefrau</em> ist ein kraftvoller und erschreckender Bericht über die Erfahrungen von vier Frauen mit häuslicher Gewalt. Der Film wurde von Kana Be</strong><strong>ı</strong><strong>sekeev gedreht und in Zusammenarbeit mit Qazaq TV von Qa</strong><strong>ı</strong><strong>rat Nurmugambetov produziert.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Der folgende Artikel erschien im Original auf der </em></strong><strong><a href="https://novastan.org/en/kazakhstan/the-wife-the-short-film-highlighting-domestic-violence-in-kazakhstan/"><em>englischsprachigen Version</em></a><em> von Novastan.</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zhena</em>, auf Deutsch <em>Die Ehefrau</em>, ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2021, der sich mit häuslicher Gewalt in Kasachstan beschäftigt. Das Thema wird in der kasachstanischen Gesellschaft nur selten diskutiert oder behandelt und zeugt von den generellen sozialen Problemen im Land und der Region. Die Erzählung von <em>Die Ehefrau</em> unterstreicht die psychologischen und systemischen Gründe für die anhaltende Gewalt im Privaten und was unternommen werden kann, um dieses Problem zu beseitigen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Der Kurzfilm ist auf YouTube mit englischen Untertiteln <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NrpCts9jyNs&amp;t=1s">frei verfügbar</a>. Novastan hat mit dem Regisseur Kana Beısekeev darüber gesprochen, was er mit dem Film erreichen möchte und was die Reaktionen auf seinen Film waren. Seine Antworten wurden zum Zweck von Prägnanz und Klarheit redigiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Warum wollten Sie gerade jetzt das Thema häusliche Gewalt in Kasachstan aufgreifen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kana Beısekeev: Innerhalb des letzten Jahres haben viele Zeitungen begonnen, das Thema häuslichen Missbrauch zu thematisieren. Deshalb war ich interessiert, ein Projekt darüber zu machen. Wenn Sie über häuslichen Missbrauch nachdenken, stellen Sie sich eine wirklich harte, extreme Geschichte vor, aber das ist die Realität dessen, was in Kasachstan passiert. Ich glaube nicht, dass schon einmal eine solche Dokumentation in unserem Land gemacht wurde. Es war letzten Frühling, als meine Crew und ich beschlossen haben, diesen Film zu drehen, aber dann hat sich durch den Lockdown alles verzögert. Im Nachhinein haben wir gehört, dass die Fälle [von häuslicher Gewalt] im Lockdown gestiegen sind, als die Leute Zuhause festsaßen. Und wir wussten, dass wir jetzt über dieses schwierige Thema sprechen mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/haeusliche-gewalt-in-zentralasien-eine-folge-der-ausgangsbeschraenkungen/">Häusliche Gewalt in Zentralasien: Eine Folge der Ausgangsbeschränkungen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte darüber nach, wie ich dieses Thema Leuten in meinem Alter, der jüngeren Generation, näherbringen könnte. Ehrlich gesagt war die Arbeit sehr schmerzhaft, weil ich durch meine eigene Erziehung so weit von diesem Thema entfernt war. Ich hatte vorher noch nie wirklich davon gehört. Ich habe eine ältere Schwester und war ein wenig überrascht als ich Geschichten darüber hörte, wie schwierig es innerhalb unserer Kultur ist, eine Frau zu sein. Aber wenn Männer mit ihren Freundinnen über dieses Thema sprechen, werden sie beginnen, viele Geschichten über Missbrauch zu hören. Es gibt Missbrauch Zuhause, sogar durch Brüder und andere Verwandte, Missbrauch auf der Straße, Missbrauch bei der Arbeit. Von außen betrachtet mögen die Dinge in Ordnung erscheinen, aber sie sind es wirklich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihre Dokumentation beschäftigt sich ausführlich mit den steifen Geschlechterrollen in Kasachstan. Da gibt es im Umfeld der Frauen diese Kultur der Schuld, dass auch kleine Dinge ihr Fehler sind wie etwa, wenn das Kind in Probleme gerät, oder das Abendessen anbrennt und es dann eskaliert. Woher kommt das?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschlechterprobleme stammen aus unserer Kultur und der Idee von Familie. Es wird eher als Privileg angesehen einen Jungen zu bekommen als ein Mädchen. Das trifft nicht nur auf Kasachstan zu, sondern auf ganz Zentralasien, sogar den Kaukasus und Russland. Die meisten Länder hier haben diese soziale Sicht auf Jungen. Es gibt keine gute Balance zwischen den Geschlechtern, Eltern werden mit einem Sohn vermutlich glücklicher sein. Es hört sich wie ein Witz an, aber der Witz ist, dass es wirklich wahr ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="567" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.51.58-1300x720-1-1024x567.jpg" alt="" class="wp-image-25522" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.51.58-1300x720-1-1024x567.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.51.58-1300x720-1-300x166.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.51.58-1300x720-1-768x425.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.51.58-1300x720-1.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es kommt eigentlich aus allen Richtungen. Aus Romanen, aus Filmen. Sogar Frauen in unserer Kultur <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhstan-un-documentaire-sinterroge-sur-les-prenoms-feminins-pour-faire-naitre-un-garcon/">glauben häufig</a>, dass es besser für sie ist einen Jungen zu haben. Das sind weitverbreitete Meinungen, wir haben eine wirklich große Kluft zwischen Mädchen und Jungen. In unserer Gesellschaft müssen Frauen beweisen, dass, sie Eier haben, um erfolgreich zu sein. Du bist also nicht nur eine Frau, sondern du hast all diese extra Verantwortlichkeiten und Erwartungen an dich. Es ist kein faires Spiel zwischen Männern und Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie meinen also, Frauen müssen sich mehr beweisen da sie ihr Leben bereits mit Nachteilen beginnen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Druck beginnt im Grunde bereits in der Schule. Jungen können die Schule ohne gute Noten beginnen und machen das später wett, aber von Mädchen wird erwartet, nur Einsen zu bekommen. Sogar wenn eine Frau die Schule abschließt, um sich zu beweisen, werden ihre alten Eltern fragen: <em>„Wofür brauchst du dieses Diplom? Du solltest lieber heiraten.“</em> Mädchen müssen lernen eine „gute Frau“ und gut in ihrer Karriere zu sein. Viele Familien handeln so, insbesondere in den kleineren Dörfern. Ich rede nicht über alle Leute, aber diese Meinung existiert in unserer Gesellschaft und führt zu größeren Problemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Film behandelt Alkohol als Auslöser für häusliche Gewalt. Wird Alkoholismus als ein großes Problem in Kasachstan angesehen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, besonders außerhalb der großen Städte. Wenn Sie in Kleinstädten in den lokalen Laden gehen, werden Sie vermutlich eine Menge alkoholischer Produkte sehen. Hauptsächlich Wodka. Es fühlt sich an wie in den 90ern, wie in der UdSSR oder in Russland. Die Leute hier wissen nicht wie man maßvoll trinkt und nun können sie wie verrückt trinken. Alkoholismus betrifft hauptsächlich Männer.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Das lässt sich auf Geld zurückführen: Viele Männer haben keine Arbeit. Ohne Einkommen ist es sehr hart zu überleben und das bedeutet, dass viele Männer depressiv werden. Diese Depression führt dazu, Wodka mit gleichgesinnten Leuten zu trinken, die gleichen Freunde, die auch keinen Job finden. Es ist immer wieder dasselbe Problem. Sie werden über ihr hartes Leben reden, über ihre Probleme mit Frauen. Die Frau, die zuhause auf die Kinder aufpasst, wird ihren Mann fragen: <em>„Warum tust du das? Wir haben kein Geld für Alkohol, du musst einen Job finden, um uns zu unterstützen.“</em> Der Ehemann wird argumentieren: <em>„Ich bin der Mann im Haus. Rede nicht so mit mir.“</em> Und danach kann es böse eskalieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ehe-im-interesse-des-staates-rezension-einer-broschuere-fuer-ehefrauen/">Ehe im Interesse des Staates – Rezension einer Broschüre für Ehefrauen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines der größten Probleme in Kasachstan, im Zusammenhang mit dem Thema häusliche Gewalt, ist, dass viele Eltern ihren Kindern nicht beibringen, wie sie ein guter Ehemann oder eine gute Ehefrau werden, wenn sie älter sind; wie sie jemand werden der sich gut kümmert. Wir haben da eine große Bildungslücke. Familie ist kein Spielzeug, viele Leute sind nicht bereit dafür. Frauen beginnen früh zu heiraten, sogar mit 18 oder 19 Jahren in Kleinstädten. Wenn du älter als 25 bist wirst du als zu alt zum Heiraten angesehen, sogar in Städten. Als Gesellschaft scheinen wir solche frühen Verpflichtungen einzugehen. Zwei Menschen in diesem Alter wissen nicht wie man sich erwachsen verhält, sie haben gerade erst aufgehört Kinder zu sein. Unsere Probleme stammen von dieser Kultur- und Bildungslücke und führen zu gefährlichen Situationen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="551" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-05-at-22.28.56-1300x700-1-1024x551.jpg" alt="" class="wp-image-25523" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-05-at-22.28.56-1300x700-1-1024x551.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-05-at-22.28.56-1300x700-1-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-05-at-22.28.56-1300x700-1-768x414.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-05-at-22.28.56-1300x700-1.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eines der Zitate, die aus dem Film herausstechen war „das System lässt zu, dass dies passiert“, was bedeuten soll, dass häusliche Gewalt durch die Polizei und Justiz ermöglicht wird, die das Problem nicht ernstnehmen. Das wird durch die Leichtigkeit verschlimmert, mit der Bestechung und Korruption stattfinden, wie ein anderes Zitat verdeutlicht: „Du kannst hier Alles kaufen“.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben Sie gehofft mit diesem Film den Diskurs zu eröffnen um andere, damit verbundene Probleme der kasachischen Gesellschaft, anzusprechen, wie Korruption und Machtsysteme?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht mehr darum einfache Leute zu erreichen, sie sich wundern lassen warum nicht über Missbrauch gesprochen wird oder öffentlicher diskutiert wird. Ich habe den Film für die Menschen gemacht, sie müssen einfach wissen was in unserem Land geschieht. Sie müssen verstehen was getan werden muss und wie sie sich verhalten müssen, wenn sie in dieselbe Situation geraten. Das könnte bedeuten unsere Gesetze zu verändern, um Menschenleben zu retten. Es ist schwierig, da wir kulturelle Probleme haben, die tiefgreifender sind als das Gesetz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/">“A Dark, Dark Man”: Ein korrupter Polizist stellt sich der Ungerechtigkeit entgegen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Frauen nach einem Vorfall von Gewalt zur Polizei gehen, treffen sie häufig Männer an, die ihren Ehemann kennen oder den Vorfall nicht ernst nehmen. Die Polizei behandelt den Fall als einen kleineren familiären Disput und sagt den Frauen, sie sollten nach Hause gehen und es noch einmal versuchen. Sie werden beruhigen und den Opfern erzählen, dass alles in Ordnung kommen wird. Sie werden vielleicht einen Bericht über den Ehemann schreiben, aber wenn Sie zwei Tage später wieder versuchen den Bericht einzusehen, existiert er möglicherweise nicht mehr. Das ist es, womit viele zu kämpfen haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="561" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.32.46-1300x712-1-1024x561.jpg" alt="" class="wp-image-25521" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.32.46-1300x712-1-1024x561.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.32.46-1300x712-1-300x164.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.32.46-1300x712-1-768x421.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screenshot-2021-02-06-at-10.32.46-1300x712-1.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was war der Effekt einen Komiker auf einer leeren Bühne Kommentare und Witze über das Thema machen zu lassen? Was wollten Sie damit erreichen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist ein echter Komiker, der dafür seine eigenen Witze schrieb. Ich hatte seine Witze über häusliche Gewalt schon vorher gehört und fragte ihn, warum er aus diesen Situationen Humor macht. Er antwortete, dass das an seinen eigenen Familienerfahrungen liegen würde. Das hat uns im Prinzip dazu inspiriert, die Dokumentation aus der Sicht eines Komikers zu machen, von dem wir ausgegangen sind. Zumindest komödiantisch spricht er über das Problem, auch wenn er Witze macht, bringt das ein bisschen Leben in das Gespräch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie war die Reaktion in Kasachstan auf die Dokumentation? Gab es irgendwelchen Widerstand?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war sehr interessant. Einige Reaktionen waren gut, aber nicht alle. Manche Leute haben es uns verübelt, weil sie denken, es sei extrem von uns dieses Thema zu behandeln und dass wir es unterstützen, die existierenden Gesetze zu häuslicher Gewalt zu ändern. Sogar einige Stimmen aus der <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/paroles-de-feministes-et-militants-lgbt-au-kazakhstan/">feministischen Gemeinschaft</a> mochten die Dokumentation nicht, da sie fragten, warum es hauptsächlich Männer seien, die über den Missbrauch sprächen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aktivistinnen-in-kasachstan-bei-uns-ist-es-schlimmer-eine-feministin-zu-sein-als-ein-dieb-oder-ein-gewalttaeter/">AktivistInnen in Kasachstan: „Bei uns ist es schlimmer eine Feministin zu sein, als ein Dieb oder ein Gewalttäter“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissen Sie, es ist sehr schwer, das Thema war kein einfaches, um darüber zu sprechen. Ich wollte nur etwas unternehmen, das gegen den Missbrauch vorgeht. Ich wollte nur mit einigen Leuten darüber sprechen. Im Film sind allerdings einige Konversationen zwischen Männern und manche haben gefragt, warum keine Frauen integrieren, die dasselbe Gespräch haben könnten. Es gab auch einigen Gegenwind von kleineren Gemeinschaften wie Familiengruppen. Es war überraschend. Aber wir reden mit Frauen. Ich meine der Film handelt von Männern <em>und</em> Frauen.&nbsp; Es geht um diese Kultur, wo Jungen und Mädchen von einem jungen Alter an beigebracht bekommen, anders zu denken und wie uns das beeinflusst, wenn wir älter sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="601" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screen-Shot-2021-02-05-at-17.30.06-1300x763-1-1024x601.jpg" alt="" class="wp-image-25520" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screen-Shot-2021-02-05-at-17.30.06-1300x763-1-1024x601.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screen-Shot-2021-02-05-at-17.30.06-1300x763-1-300x176.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screen-Shot-2021-02-05-at-17.30.06-1300x763-1-768x451.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/02/Screen-Shot-2021-02-05-at-17.30.06-1300x763-1.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am Ende des Dokumentarfilms heißt es, dass im Frühjahr 2021 ein </strong><a href="https://www.hrw.org/news/2020/12/22/kazakhstans-domestic-violence-survivors-push-legal-protections"><strong>neues Gesetz</strong></a><strong> zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt in Kraft treten wird. Wie erwarten Sie, dass sich dadurch etwas ändert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, dass das etwas ändern wird, und es etwas schwieriger macht, mit Häuslicher Gewalt davon zu kommen. Im Moment ist der Prozess sehr langsam, wenn du sogar für Häusliche Gewalt eine Geldstrafe bekommst. Also ich denke das neue Gesetz muss Frauen viel besser schützen. Wir müssen auch mit dem Ehemann daran arbeiten, wo es möglich ist. Ich bin kein Anwalt, deshalb weiß ich nicht im Einzelnen wie es ablaufen wird, aber ich denke es ist ein Schritt in die richtige Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>An welchen Projekten arbeiten Sie als nächstes?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe an einer Dokumentation gearbeitet, die sich mit den Lagern für Uiguren in Xinjiang beschäftigt, wovon auch Kasachen betroffen waren. Ich habe einige Leute gefunden, die in diesen Lagern waren, die jetzt in Washington DC leben. Im Moment bin ich am Bearbeiten, also wird es hoffentlich in den nächsten ein oder zwei Monaten auf YouTube hochgeladen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Ehefrau ist auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NrpCts9jyNs&amp;t=1s">YouTube</a> verfügbar:</em></p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="ЖЕНА — ФИЛЬМ О ДОМАШНЕМ НАСИЛИИ В КАЗАХСТАНЕ  | QAZAQ TV x BINOCLE" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/NrpCts9jyNs?start=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Tommy Hodgson</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Englischen von Darius Regenhardt</strong></p>


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		<title>Häusliche Gewalt in Kasachstan – ein Tabuthema wird angegangen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julius Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Sep 2017 13:22:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Geichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>H&#xE4;usliche&#xA0;Gewalt &#x2013; ein Problem in allen zentralasiatischen L&#xE4;ndern und die Gesellschaft sieht weg. Verharmlosung seitens der Beh&#xF6;rden und l&#xE4;cherlich geringe Strafen, wenn es &#xFC;berhaupt zum Prozess kommt, bringen in&#xA0;Kasachstan eine Gruppe betroffener Frauen auf&#xA0;die Barrikaden. Sie demonstrierten in Almaty mit einer Installation im Vorfeld der UNO-Konferenz zum Thema Gewalt an Frauen gegen den Umgang&#xA0;mit der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Häusliche Gewalt – ein Problem in allen zentralasiatischen Ländern und die Gesellschaft sieht weg. Verharmlosung seitens der Behörden und lächerlich geringe Strafen, wenn es überhaupt zum Prozess kommt, bringen in Kasachstan eine Gruppe betroffener Frauen auf die Barrikaden. Sie demonstrierten in Almaty mit einer Installation im Vorfeld der UNO-Konferenz zum Thema Gewalt an Frauen gegen den Umgang mit der Problematik im eigenen Land. Eine Meldung erschienen im Russischen auf <a href="https://ru.sputniknews.kz/regions/20170827/3103456/installyaciya-zhertvam-domashnego-nasiliya-poyavilsya-v-almaty.html">sputnik.kz</a>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Installation wurde von Opfern häuslicher Gewalt aufgestellt, die sich in Almaty unter der Gruppe &#8222;Kasfem&#8220; zusammengefunden haben. Die Gruppe rief im Vorfeld der Konferenz auch andere Opfer häuslicher Gewalt dazu auf sich der Bewegung “NjeMoltschi“, “schweige nicht“ anzuschließen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Statue symbolisiert eine Frau, die durch die Hand ihres Mannes starb, und mahnt zur Aufmerksamkeit für das real existierende Problem der Gewalt an Frauen. Mit dem Niederlegen von Blumen an der Installation gedenken die vereinten Frauen symbolisch der Opfer.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was prangert Kasfem an?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Aktivistengruppe Kasfem verurteilt die Entkriminalisierung und die schlechte medizinische und psychologische Unterstützung, die Frauen erfahren, wenn sie von Gewalt in der Familie betroffen sind.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Solange wir keine funktionierenden öffentlichen Strukturen haben, welche die Opfer gegen diese Gewalt schützen, können wir nicht von Gleichberichtigung und einer gesunden Gesellschaft reden, in der sich Frauen darauf verlassen können juristisch abgesichert zu sein und in der sie sich auf der Straße und zu Hause sicher fühlen können“, </em>sagt eine Teilnehmerin der Gruppe<em>.</em></p>
<p><strong>Behörden fühlen sich nicht verantwortlich</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie die Gruppe unterstreicht, hat sich trotz des Ausmaß des Problems in Kasachstan bis zum heutigen Tag nichts geändert, weil die Opfer häuslicher Gewalt noch nicht genug in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Kasachstaner gerückt sind.</p>
<p style="text-align: justify">Ein aufsehenerregender Fall vergangenes Jahr zeigte, dass es noch immer schwierig ist solche Fälle vor Gericht zu bringen. Nach Aussage der Feministinnen hängt das vor allem mit der ablehnenden Haltung der Gerichte zusammen, Anträge zu akzeptieren, die Fälle zu prüfen und angemessene Strafen für die Täter zu verhängen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-praesident-unterschreibt-gesetz-gegen-haeusliche-gewalt/" target="_self">Kirgistan: Präsident unterschreibt Gesetz gegen häusliche Gewalt</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Und es habe auch mit dem mangelnden Glauben an die Aussagen der Frauen zu tun, dem Zweifel an der Strafbarkeit der Gewalt sowie der Gefahr noch größerer Gewalt ausgeliefert zu sein, nachdem man den Fall der Polizei gemeldet hat.</p>
<p style="text-align: justify">Es sei noch erwähnt, dass am 3. Juli in Kasachstan ein Gesetz verabschiedet wurde, dass die Artikel 108 und 109 ins Strafgesetzbuch einführt. Seitdem können die Täter mit einer Strafe von 23.000 bis 39.000 Tenge (64€ &#8211; 108€) rechnen.</p>
<p style="text-align: right"><a href="https://ru.sputniknews.kz/regions/20170827/3103456/installyaciya-zhertvam-domashnego-nasiliya-poyavilsya-v-almaty.html"><strong>sputnik.kz</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Julius Bauer</strong></p>
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