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	<title>Geopolitik Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Wed, 10 Jun 2026 15:40:06 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Geopolitik Archives</title>
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		<title>Kasachstans Schlüsselrolle beim Ausbau des Mittleren Korridors</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 15:37:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Monat war Kasachstan Gastgeber der 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen, an der Vertreter aus &#xFC;ber drei&#xDF;ig L&#xE4;ndern teilnahmen. F&#xFC;r Astana bot sich damit die Gelegenheit, vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der Neuordnung der globalen Handelswege seine Ambitionen f&#xFC;r den &#x201E;mittleren Korridor&#x201C; zu demonstrieren. Vom Ende April 2026 bot [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen Monat war Kasachstan Gastgeber der 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen, an der Vertreter aus über dreißig Ländern teilnahmen. Für Astana bot sich damit die Gelegenheit, vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der Neuordnung der globalen Handelswege seine Ambitionen für den „mittleren Korridor“ zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Ende April 2026 bot die 40. Konferenz der Generaldirektoren der Eisenbahnen im Herzen von Astana die Gelegenheit, mehr als dreißig Länder in einem unsicheren geopolitischen Kontext zusammenzubringen. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_die_Zusammenarbeit_der_Eisenbahnen">Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen</a>, bekannt als OSJD, ist eine zwischenstaatliche Organisation, die ein Netz von mehr als 320.000 km Eisenbahnstrecken <a href="https://en.osjd.org/api/media/resources/c/68/121/258">vereint</a> und jährlich den Transport von etwa 5,5 Milliarden Fahrgästen und fast 5 Milliarden Tonnen Güter gewährleistet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 1956 gegründete OSJD, das wichtigste Forum für die Koordinierung des Eisenbahnverkehrs zwischen Europa und Asien und Erbe der technischen Zusammenarbeit aus der Sowjetzeit, hat sich nach und nach um neue Mitglieder erweitert. Derzeit zählt sie 27 <a href="https://www.geo-ref.net/en/t-osjd.htm">Mitglieder</a>, von Albanien bis Vietnam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr versammelte die <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">40. Konferenz der Generaldirektoren</a> der Eisenbahnen mehr als 300 Führungskräfte und Vertreter von Eisenbahnunternehmen. Der kasachstanische Premierminister Oljas Bektenov hielt dort persönlich eine Rede, was die politische Bedeutung der Veranstaltung unterstreichen sollte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Er erinnerte daran, dass <em>„der Eisenbahnsektor Kasachstans, der eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung spielt, darauf abzielt, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern und ein nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten“</em>. Der Premierminister <a href="https://primeminister.kz/en/news/kazakhstan-to-build-5000-km-of-new-railways-in-the-next-four-years-olzhas-bektenov-at-osjd-conference-31306">kündigte</a> zudem ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre an und erklärte, er wolle in den nächsten vier Jahren <em>„weitere 5.000 Kilometer Eisenbahnstrecken bauen“ </em>und <em>„das Transitvolumen bis 2035 auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr steigern“</em>, womit er seinen Willen unterstrich, die zentrale Rolle Kasachstans im Handel zwischen Europa und China zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Delegation aus Afghanistan, traf sich <a href="https://pajhwok.com/2026/05/01/afghan-delegation-attends-osjd-rail-conference-in-kazakhstan/">laut der afghanistanischen Nachrichtenagentur Pajhwok Afghan News</a> mit kasachstanischen und aserbaidschanischen Vertretern, um über den Ausbau der Häfen von Hairatan und Torghundi sowie über den regionalen Transitverkehr zu beraten. Diese Anwesenheit, ebenso wie die die gemeinsame <a href="https://en.osjd.org/en/8821/page/106072?id=262551">Teilnahme</a> der Ukraine und Russlands, verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit im Eisenbahn- und Transitbereich häufig von funktionalen und wirtschaftlichen Interessen geprägt ist und damit politische Konfliktlinien teilweise überlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Fragen der Finanzverwaltung befasste sich die Konferenz auch mit dem künftigen Arbeitsprogramm der OSJD und der Organisation der nächsten Sitzung. Der Schwerpunkt lag auf der Steigerung der Transportmengen, der Modernisierung der Infrastruktur sowie dem Übergang zu leistungsfähigeren Technologien, um die Effizienz und den reibungslosen Ablauf des Schienenverkehrs zu verbessern, <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">berichtet das Medium Transport Corridors</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der mittlere Korridor im Zentrum globaler Herausforderungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seiner Aussage, „<em>Eurasien in einen einheitlichen und optimal funktionierenden Verkehrsknotenpunkt zu verwandeln“</em>, bezieht sich Kasachstans Premierminister direkt auf die Handelsroute, die sich in der Region seit etwa zwanzig Jahren entwickelt, insbesondere im Zuge der chinesischen Initiative der Neuen Seidenstraßen aus dem Jahr 2013.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der mittlere Korridor, auch Trans-Caspian International Transport Route (TITR) genannt, ist ein 4.000 Kilometer langer multimodaler Transportkorridor, der chinesische Fabriken über Zentralasien, das Kaspische Meer, den Südkaukasus und die Türkei mit den europäischen Märkten verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auch die kürzeste Landroute zwischen China und Europa, vorausgesetzt, die notwendige Infrastruktur ist vorhanden, was lange Zeit <a href="https://astanatimes.com/2026/04/kazakhstan-expands-rail-network-and-transit-corridors-to-strengthen-eurasian-connectivity/">nicht der Fall war</a>. Die Lieferzeiten, die früher mehrere Wochen betrugen, sind laut The Astana Times heute auf etwa 18 Tage gesunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sangesur-korridor-neue-chancen-fuer-zentralasien/">Sangesur-Korridor: Neue Chancen für Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Verkürzung wurde zum Teil durch die digitale Transformation und die Einführung des <a href="https://globaldtc.com/products/tez-customs">TezCustoms-Systems</a> ermöglicht, wodurch die Abfertigungszeit an den Grenzen zu China von 8 Stunden auf 30 Minuten reduziert werden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bektenov hob die <a href="https://primeminister.kz/en/news/kazakhstan-to-build-5000-km-of-new-railways-in-the-next-four-years-olzhas-bektenov-at-osjd-conference-31306">zentrale Rolle Kasachstans</a> hervor, durch das etwa 85 Prozent des Verkehrsaufkommens des mittleren Korridors fließen. Er kündigte zudem den Bau von 5.000 Kilometern neuer Eisenbahnstrecken in den nächsten vier Jahren an, mit dem Ziel, bis 2035 eine Transitkapazität von 100 Millionen Tonnen pro Jahr zu erreichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Route, die seit den geopolitischen Krisen einen Aufschwung erlebt&#8230;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese eurasische Verkehrsachse ist einer der großen Nutznießer der weltweiten geopolitischen Lage der letzten vier Jahre, wobei zwei aufeinanderfolgende Schocks ihre Bedeutung deutlich gesteigert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste ist der Krieg in der Ukraine seit 2022: Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben laut Transport Corridors dazu geführt, dass das Frachtvolumen in Richtung Westen auf russischen Straßen im Jahr 2023 um 51 Prozent <a href="https://www.transportcorridors.com/20350">eingebrochen ist</a>. Der mittlere Korridor hat sich somit als einzige praktikable Landbrücke zwischen China und Europa etabliert, die das russische Territorium umgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Global Gateway: Die EU investiert in den Transkaspischen Korridor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite Faktor ist der Krieg im Nahen Osten und die Ende 2023 ausgelösten Angriffe der Huthi im Roten Meer. <a href="https://www.gulf-times.com/article/673811/region/houthi-red-sea-attacks-force-rerouting-of-vessels-disrupting-supply-chains">Laut der katarischen Zeitung Gulf Times</a> haben einige Unternehmen angesichts der in der Region herrschenden Unsicherheit ihren Verkehr von der Straße von Hormus und dem Suezkanal zum Kap der Guten Hoffnung verlagert, was die Landalternativen umso attraktiver macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024 <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/04/middle-corridor-transport-prospect">stieg</a> das Frachtvolumen auf der eurasischen Route laut dem amerikanischen Think Tank Carnegie Endowment for International Peace im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 63 Prozent auf 4,1 Millionen Tonnen, gegenüber nur 500.000 Tonnen vor der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine. Allein auf der Strecke China–Europa hat sich die Zahl der transportierten Container laut der Zeitschrift CEBRI zwischen 2023 und 2024 um das 25-Fache <a href="https://cebri.org/revista/en/artigo/220/middle-corridor-connecting-brazil-to-eurasia-via-azerbaijan">erhöht</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8230;die jedoch weiterhin behindert wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz ihres Potenzials, sich zu einer wettbewerbsfähigen Hauptroute zu entwickeln, bleibt die eurasische Verkehrsachse durch strukturelle Probleme <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/04/middle-corridor-transport-prospect">eingeschränkt</a>. „<em>Der mittlere Korridor ist noch weit davon entfernt, wettbewerbsfähig zu sein. Er bewältigt nur etwa 6 Prozent der jährlichen Kapazität des nördlichen Korridors (über Russland), die sich auf 100 Millionen Tonnen beläuft, und während viele westliche Akteure mit einem weiteren Wachstum rechnen, deuten mehrere Indikatoren stattdessen auf eine Verlangsamung hin“</em>, erklärt Bektenov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Infrastruktur des mittleren Korridors ist in der Tat nach wie vor unzureichend, mit oft überlasteten Häfen, insbesondere in Georgien, und einer von Natur aus fragmentierten Route, da sie auf einer Abfolge von Verkehrsträgern beruht, was sie langsamer, teurer und weniger flüssig macht als die alternativen Routen über Russland oder auf dem Seeweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen <a href="http://?">anhaltende geopolitische Instabilitäten im Kaukasus</a> und rund um den Iran sowie ökologische Herausforderungen, insbesondere der sinkende Wasserstand des Kaspischen Meeres, der sich direkt auf die Hafenkapazitäten und die Kontinuität des Seeverkehrs auswirkt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lorenz Uberti für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/au-kazakhstan-une-conference-sur-les-chemins-de-fer-abordent-le-corridor-median/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die OVKS startet ein Programm für Waffenlieferungen nach Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 18:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Geopolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur best&#xE4;tigt. &#xDC;ber die milit&#xE4;rische Unterst&#xFC;tzung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre s&#xFC;dliche Flanke in Zentralasien wider. Als &#x201E;Friedhof [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an der afghanischen Grenze hat die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) Waffenlieferungen nach Tadschikistan aufgenommen und somit die zentrale Rolle des Landes in der regionalen Sicherheitsarchitektur bestätigt. Über die militärische Unterstützung hinaus spiegelt dieser Schritt eine strategische Neuausrichtung der Organisation auf ihre südliche Flanke in Zentralasien wider.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als „Friedhof der Imperien“ bleibt Afghanistan für seine Nachbarn ein Faktor chronischer Instabilität. An seiner Nordgrenze steht Tadschikistan seit mehreren Jahren im Mittelpunkt der regionalen Sicherheitsbedenken. Vor diesem Hintergrund hat die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a> (OVKS) die Einleitung eines Programms zur Lieferung von Waffen nach Duschanbe bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Hilfe ist <a href="https://eurasianet.org/mounting-worries-on-tajik-afghan-border-prompt-csto-action">laut Eurasianet</a> Teil einer umfassenderen Dynamik. In den letzten Wochen haben der russische Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow">Sergej Lawrow</a> und der neue Generalsekretär der OVKS <a href="https://en.odkb-csto.org/structure/masadykov-taalatbek-shamudinovich.php">Taalatbek Masadykow</a> die zentrale Rolle Zentralasiens in der aktuellen Doktrin der Organisation <a href="https://www.aa.com.tr/en/asia-pacific/lavrov-says-central-asia-afghanistan-central-problems-for-collective-security-treaty-organization/3817845">hervorgehoben</a> und betont, dass die mit der Instabilität in Afghanistan verbundenen Risiken eingedämmt werden müssen. Auch wenn nur wenige Details über die genaue Art der gelieferten Ausrüstung bekannt gegeben wurden, ist das politische Signal klar: Tadschikistan wird zum wichtigsten Ankerpunkt des Sicherheitssystems der OVKS.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Waffenlieferungen als Zeichen wachsender Sicherheitsbedenken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheitslage verdeutlicht die Logik dieser Verstärkung. Tadschikistan teilt eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Afghanistan. Diese zeiht sich entlang einer schwer kontrollierbaren Bergkette, die von den regionalen Behörden regelmäßig als anfällig für Infiltrationen, Schmuggel und Aktivitäten bewaffneter Gruppen beschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Grenze, die aus den anglo-russischen Abkommen von 1895 hervorgegangen ist und dem Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pandsch</a> und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a> folgt, wird zudem von Kabul weiterhin angefochten. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 ist sie zu einem Schwerpunkt für Moskau und die OVKS geworden, die eine fortschreitende Destabilisierung der Südflanke des postsowjetischen Raums verhindern wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der strategischen Bedeutung der angekündigten Maßnahme wurden nur wenige Details darüber veröffentlicht. Die Behörden machten weder Angaben zur genauen Art der betroffenen Ausrüstung noch zu deren Umfang, Zeitplan oder finanziellen Modalitäten. Diese Undurchsichtigkeit, die im militärischen Bereich und noch mehr innerhalb der OVKS häufig anzutreffen ist, unterstreicht jedoch die Sensibilität des Themas und den Wunsch, angesichts eines instabilen regionalen Umfelds politischen und strategischen Spielraum zu bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/vier-jahre-fuer-19-minuten-die-geschichte-von-aigerim-tleujanova-aktivistin-des-qantar/">Vier Jahre für 19 Minuten: Die Geschichte von Aıgerim Tleujanova, Aktivistin des Qantar</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang erscheint die militärische Hilfe nicht bloss als einfache Geste der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten, sondern vielmehr als Instrument der präventiven Stabilisierung. Durch die Stärkung von Tadschikistans Kapazitäten versucht die OVKS in erster Linie, das als am stärksten gefährdet geltende Glied ihres regionalen Systems zu konsolidieren. Hierbei werden aber eher Risiken antizipiert als auf eine offene Krise zu reagiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dreh- und Angelpunkt der „Südfront” </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Zwischenfälle an der tadschikisch-afghanischen Grenze veranschaulichen die kollektive Dimension der Sicherheitsprobleme, mit denen die OVKS konfrontiert ist. Laut <a href="https://timesca.com/tajik-border-troops-kill-three-afghans-suspected-of-opium-smuggling/">The Times of Central Asia</a> haben tadschikische Grenzsoldaten am 29. Januar im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shamsiddin_Shohin_District">Bezirk Schamsiddin Schochin</a> fünf afghanische Staatsangehörige aufgegriffen, die des Opiumschmuggels verdächtigt wurden. Drei von ihnen wurden bei einem Fluchtversuch getötet. Vor Ort beschlagnahmten die Sicherheitskräfte drei Kalaschnikow-Sturmgewehre, etwa 150 Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers sowie 73 Pakete Haschisch und Opium. Außerdem wurde ein Boot entdeckt, das zum Überqueren des Grenzflusses bestimmt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/mit-wem-hat-tadschikistan-freihandelsabkommen/">Mit wem hat Tadschikistan Freihandelsabkommen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Drogenhandel und der Waffenhandel aus Afghanistan versorgen seit Jahren Netzwerke, die über Zentralasien nach Russland führen, wodurch die tadschikisch-afghanische Grenze zu einem direkten Kontaktpunkt zwischen lokalen Bedrohungen und dem kollektiven Sicherheitsraum der Organisation wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Konstellation spielt Tadschikistan eine Rolle als Pufferstaat, dessen Stabilität jene des gesamten regionalen Systems bedingt. Eine anhaltende Verschlechterung der Lage im Süden wäre nicht nur eine bilaterale Herausforderung, sondern könnte auch eine Kettenreaktion auslösen: eine Zunahme illegaler Ströme in die Nachbarstaaten, einen erhöhten Druck auf die Kontrollkapazitäten der OVKS-Mitglieder und letztlich eine Schwächung der Glaubwürdigkeit der kollektiven Sicherheit selbst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Strategische Rückkehr der OVKS in Zentralasien?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Lieferungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, zu dem die OVKS versucht, ihren Platz in der eurasischen Sicherheitsarchitektur neu zu definieren. Seit 2022 wurde die Organisation durch mehrere Krisen geschwächt. Insbesondere im Südkaukasus war sie unfähig, den Erwartungen Armeniens während der beiden Kriege um Bergkarabach gegen Aserbaidschan gerecht zu werden, was heftige Kritik an ihrer Effizienz und ihrem Zusammenhalt hervorrief. Jerewan hat seitdem seine Teilnahme an der Organisation eingefroren und unterstützt de facto keine Entscheidung der OVKS.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-nutzt-interpol-um-oppositionelle-im-ausland-aufzuspueren/">Tadschikistan nutzt Interpol, um Oppositionelle im Ausland aufzuspüren</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund scheint Zentralasien ein konsensfähigeres Terrain zu sein, um die Relevanz der OVKS zu bekräftigen. Die Mitgliedstaaten teilen eine relativ übereinstimmende Wahrnehmung der Risiken, die mit der Instabilität in Afghanistan verbunden sind, sei es in Bezug auf illegalen Handel, Waffenverkehr oder diffuse Sicherheitsbedrohungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Neuausrichtung zielt darauf ab, die Glaubwürdigkeit der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit wiederherzustellen und den russischen Einfluss in einer Region zu festigen, die durch einen verstärkten Wettbewerb externer Akteure, insbesondere Chinas, der Türkei und der Europäischen Union, gekennzeichnet ist. Auch wenn eine Waffenlieferung nicht ausreicht, um eine Doktrin der kollektiven Sicherheit zu definieren, sendet sie doch eine klare Botschaft: Die Organisation will weiterhin ein strukturierender Akteur für die regionale Sicherheit in Zentralasien bleiben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/lotsc-lance-un-programme-de-livraison-darmes-au-tadjikistan/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Welche Auswirkungen wird Trumps Amtsantritt auf Zentralasien haben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 18:22:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Regierung des neuen US-Pr&#xE4;sidenten wird ihre bisherige Zentralasienpolitik fortsetzen, darin sind sich die Experten von CABAR.asia einig. Die Region gerate kaum in den Fokus der USA, so einer von ihnen. Ein anderer meint, Trumps Entscheidungen w&#xE4;ren zwar unvorhersehbar, aber die Grundausrichtung seiner Politik bliebe unver&#xE4;ndert. Rustam Burnashev: &#x201E;Die amerikanische Aktivit&#xE4;t in der Region wird [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Regierung des neuen US-Präsidenten wird ihre bisherige Zentralasienpolitik fortsetzen, darin sind sich die Experten von CABAR.asia einig. Die Region gerate kaum in den Fokus der USA, so einer von ihnen. Ein anderer meint, Trumps Entscheidungen wären zwar unvorhersehbar, aber die Grundausrichtung seiner Politik bliebe unverändert.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rustam Burnashev: <em>„Die amerikanische Aktivität in der Region wird nicht zunehmen“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rustam Burnashev, Doktor der Philosophie, Professor an der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Kasachische_Universit%C3%A4t"><em>Kasachisch-Deutschen Universität</em></a><em> in Almaty</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der neu gewählte US-Präsident Donald Trump hat die Zusammensetzung seiner künftigen Regierung abgeschlossen [der Originalartikel datiert vom 18. Dezember, Anm. d. Red.]. Neuer Leiter des Außenministeriums wird Mark Rubio. Er gilt allgemein als Falke, will heißen Hardliner, und ist für seine harte Haltung gegenüber China und dem Iran bekannt. Experten gehen jedoch davon aus, dass die neue Regierung nach dem Loyalitätsprinzip gebildet wird, wodurch Trump die wichtigsten Entscheidungen selbst treffen wird. Können wir von der neuen Regierung eine stabile, berechenbare Politik gegenüber den zentralasiatischen Ländern erwarten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Länder haben für die USA keinerlei Priorität. Die US-Agenda für diese Länder ist stabil und ändert sich kaum. Weder bei Regierungswechseln, noch wenn die Aufmerksamkeit für die Länder zunimmt (wie im Falle der zentralasiatischen Länder nach dem Beginn der Militäroperation durch die Anti-Terror-Koalition in Afghanistan im Jahr 2001).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/gipfeltreffen-in-astana-aufschwung-fuer-die-regionale-zusammenarbeit/"><strong>Gipfeltreffen in Astana: Aufschwung für die regionale Zusammenarbeit</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese „positive Gleichgültigkeit“ der USA gegenüber Zentralasien konnten wir auch in der ersten Amtszeit von Donald Trump beobachten (obwohl die USA in Afghanistan während dieses Zeitraums militärisch und politisch aktiv blieben und die Welt das zentralasiatische Geschehen relativ aufmerksam verfolgte). Darum erwarte ich nach dem Amtsantritt von Donald Trump in dieser Hinsicht keine größeren Veränderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Washington war in den letzten Jahren lediglich wichtig, sicherzustellen, dass die zentralasiatischen Länder die Sanktionen gegen Russland einhalten, um die Ausfuhr von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck in die Russische Föderation zu unterbinden. Wird die neue Regierung eine aktivere Politik in der Region verfolgen? Was kann sie unseren Ländern anbieten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, ich erwarte nicht, dass das Engagement zunimmt. Natürlich kann sich die Situation durch die Veränderung der Konfliktlinien zwischen den USA und Russland sowie zwischen den USA und China ändern. Aber wie diese Veränderung vonstatten gehen wird und ob sie überhaupt stattfinden wird, ist derzeit schwer zu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wird das </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/"><strong>Z5+1-Format</strong></a><strong> in Zukunft funktionieren? Oder ist es dem Untergang geweiht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Z5+1-Format, bei dem die „1“ die USA ist, ist rein diplomatischer Natur (es findet auf der Ebene der Außenminister statt). Daher wird es in genau dem Format beibehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welches Land in der Region kann der wichtigste Partner Washingtons werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin weiterhin der Meinung, dass „die zentralasiatischen Länder keine besondere Rolle in der US-Politik gespielt haben“. Daran wird sich auch in naher Zukunft nichts ändern. Dementsprechend erübrigt sich die Frage nach dem „wichtigsten Partner“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trump hat einen raschen Frieden in der Ukraine angekündigt. Zwei Szenarien tun sich auf: Im ersten, wahrscheinlichsten Szenario bleiben die meisten Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten. Im zweiten Szenario hebt die USA die meisten Sanktionen auf. Wenn Trump ein solches Beilegen des Krieges gelingt, wie wird sich das auf die zentralasiatischen Länder auswirken? Wird Russland in der Lage sein, den Einfluss in der Region wiederzuerlangen, den es vor dem Einmarsch in die Ukraine hatte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind meiner Meinung nach nicht alle Szenarien. Die Auswirkungen auf die zentralasiatischen Länder hängen vom jeweiligen Szenario ab. Ich halte es für seltsam, von einer „Wiederherstellung des Einflusses“ Russlands in Zentralasien zu sprechen, denn in den letzten Jahren hat sich dieser „Einfluss“ (ich setze den Begriff in Anführungszeichen, weil er nicht in meine Wortwahl passt) in keiner Weise verringert. Dies zeigt sich deutlich, wenn man den Handelsumsatz Russlands mit den zentralasiatischen Ländern, das Investitionsvolumen und die Anzahl der mit russischer Beteiligung durchgeführten Projekte analysiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trumps Administration wird den Druck auf China erhöhen, Zentralasiens wichtigster Partner in jüngster Zeit. Wie wird sich dies auf die Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Ländern und China auswirken?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hängt von der US-Strategie in dieser Frage und von Chinas Reaktion ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie steht es um bi- und multilaterale Infrastrukturprojekte innerhalb der Region, zumal viele von ihnen Russlands wirtschaftliche Präsenz in der Region verringern? So hat die Trump-Administration 2021 der Entwicklung einer transkaspischen Gaspipeline zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan ihre Unterstützung zugesagt. An vielen dieser Projekte sind jedoch China und der Iran beteiligt, meist als Hauptnutznießer. Wird sich Trump in diese Projekte einmischen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Einschätzung teile ich nicht. Erstens stehen die meisten der in den letzten Jahren in den zentralasiatischen Ländern durchgeführten Infrastrukturprojekte und ihre Beteiligung nicht nur nicht im Widerspruch zu den Interessen Russlands, sondern stimmen sogar mit ihnen überein. Zweitens sind alle Projektbeteiligten an den Projekten mehr oder weniger Nutznießer, und es ist äußerst schwierig, hier einen Hauptprofiteur auszumachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/zentralasiatische-staaten-vermehrt-im-fokus-westlicher-laender/"><strong>Zentralasiatische Staaten vermehrt im Fokus westlicher Länder</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Einflussnahme der USA auf diese Projekte anbelangt, müssen wir zwischen zwei Schlüsselfragen unterscheiden: Haben die USA ein erhebliches Interesse daran, Ressourcen in diese Projekte zu investieren, und sind diese Ressourcen vorhanden? Bis dato würde ich beide Fragen verneinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auch gegenüber dem Iran, dem wichtigsten Partner Tadschikistans, ist eine Verschärfung der Sanktionspolitik absehbar. Wird dies Auswirkungen auf Tadschikistan haben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sanktionen gegen den Iran betreffen bis zu einem gewissen Grad alle zentralasiatischen Länder. Zumindest was die Beschränkungen bei der Durchführung von Infrastrukturprojekten angeht, an denen der Iran beteiligt sein könnte. Allerdings sind die Beziehungen der zentralasiatischen Länder (einschließlich Tadschikistans) zum Iran in den „ernsten“ Bereichen (Wirtschaft, Militär usw.) nicht so grundlegend, dass hier nennenswerte Auswirkungen zu erwarten wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wird Trumps Politik im Hinblick auf die Taliban aussehen? Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass er die Entscheidung zu einem ersten Abzug von US-Truppen aus Afghanistan getroffen hatte. Wird er den Druck auf das Regime in Kabul verstärken? Oder wird er im Gegenteil versuchen, es zu legitimieren, indem er Verhandlungen aufnimmt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe keinen Grund für die USA, ihre Haltung zu Afghanistan zu ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kann die EU hier die USA gleichwertig ersetzen, um die Präsenz von China und Russland in der Region auszugleichen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA sind selbst nicht dazu in der Lage, die Präsenz Chinas und Russlands in Zentralasien auszubalancieren. Dementsprechend hat die Europäische Union niemanden zu ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den USA lebt bereits eine recht große zentralasiatische Diaspora. Oft ernähren diese Menschen ihre Familien in der Heimat. Unterdessen verspricht Trump, die Abschiebung illegaler Einwanderer auszuweiten. Kann dies die soziale Lage in unseren Ländern verschlimmern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mir bekannten Statistiken lassen hierzu keine konkrete Einschätzung zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Donald Trump hat nie großes Interesse an Menschenrechten gezeigt. Was sollte die Zivilgesellschaft in den zentralasiatischen Ländern von der neuen Regierung erwarten? Werden wichtige US-Programme zur Unterstützung der Zivilgesellschaft gekürzt werden? Oder liegt dies nicht im Ermessen der neuen Regierung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die politischen Entscheidungen Amerikas hängen nicht nur von einzelnen Persönlichkeiten ab, sondern auch von Instituten. Daher wird der Schutz der Menschenrechte und der demokratischen Institutionen nicht aus dem Fokus geraten. Eine weitere Frage ist, wie die Ressourcen in einer Situation wachsender Spannungen zwischen den USA und China oder einer weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten verteilt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Experte aus Tadschikistan: <em>„Usbekistan ist ein potenzieller wichtiger Partner der USA“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein tadschikischer Politikwissenschaftler ist ebenfalls der Ansicht, dass die US-Politik gegenüber Zentralasien unverändert bleiben wird. Er bat darum, seinen Namen zu anonymisieren.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Können wir von Donald Trumps neuer Regierung eine stabile, vorhersehbare Politik gegenüber Zentralasien erwarten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Punkten wird sie vorhersehbar sein, wie etwa bei der weiteren Druckausübung auf den Iran, der Unterstützung Israels gegen die Hamas und der harten Haltung gegenüber China. Wir können davon ausgehen, dass Trump versuchen wird, die weltweiten Ölpreise zu senken. Das ist einer der Hauptpunkte seines wirtschaftlichen und geopolitischen Programms.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig bleibt vieles nebulös &#8211; zum Beispiel, wie genau er seine Ziele erreichen und seine Wahlversprechen erfüllen will. So verspricht Trump zwar, den Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich zu beenden, aber es ist noch unklar, welche Strategie er wählen wird und wie erfolgreich sie sein wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vieles wird von objektiven Faktoren und politischen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen, auf die Trump reagieren muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie wird das Format Z5+1 in Zukunft ablaufen? Oder hat es das Zeitliche gesegnet?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft des Z5+1-Formats und der US-Politik gegenüber Zentralasien wird ebenfalls weitgehend von objektiven Faktoren abhängen, wie dem weiteren Verlauf des Krieges Russland gegen die Ukraine oder der Lage in Afghanistan. Sollte der Krieg weitergehen, werden die USA und die EU die antirussischen Sanktionen weiter ausbauen. In diesem Zuge werden sie von den zentralasiatischen Ländern fordern, das Sanktionsregime gegen Russland einzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ein-fliessender-datenaustausch-bis-2027-ist-sehr-ambitioniert-aber-realisierbar/"><strong>„Ein fließender Datenaustausch bis 2027 ist sehr ambitioniert, aber realisierbar“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell haben wir keine gravierenden Änderungen in der US-Politik gegenüber unserer Region zu erwarten. Erstens steht die außenpolitische Strategie der USA in ihren Grundzügen über viele Jahre stabil, so dass der neue Präsident, sei er noch so einflussreich, nicht in der Lage sein wird, die Strategie und Politik des Staates sofort und radikal zu ändern. Darüber hinaus gibt es in den USA ein komplexes System politischer Koordinierung und gegenseitiger Kontrolle, das scharfe und unvernünftige Wendungen in der staatlichen Politik verhindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welches Land in der Region könnte Washingtons wichtigster Partner werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Höchstwahrscheinlich werden sie die Beziehungen zu allen zentralasiatischen Ländern aufrechterhalten, Usbekistan jedoch als wichtigsten potenziellen Partner ansehen. Denn im Gegensatz zu seinen Nachbarn ist Taschkent wirtschaftlich und politisch weiter von China und Russland „entfernt“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Angenommen, Trump gelingt es, den Krieg in der Ukraine zu beenden, wie wird sich dies auf die zentralasiatischen Länder auswirken? Wird Russland in der Lage sein, den Einfluss in der Region wiederzuerlangen, den es vor dem Überall auf die Ukraine hatte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidenden Sanktionen gegen Russland werden unverändert bleiben, sofern sich Moskau nicht unerwartet stark für einen Frieden in der Ukraine einsetzt. Sollte sich das Kriegsende verzögern, werden die Sanktionen gegen Russland wahrscheinlich verschärft, mit besonderem Augenmerk auf die Einhaltung der Sanktionen durch Russlands Nachbarn und GUS-Staaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/unser-rueckblick-das-jahr-2024-in-zentralasien/">Unser Rückblick: Das Jahr 2024 in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schätze, dass die US-Politik gegenüber Russland unter Donald Trump wesentlich härter ausfällt als unter den Demokraten. Moskau ist sich dessen wohl bewusst, weshalb die russischen Staatsmedien auf Trumps Wiederwahl nicht mit einem großen Hurra reagiert haben. Ein Ende des Krieges würde sich äußerst positiv auf die Wirtschaft der Region auswirken, gerade mit Blick auf die Wiederherstellung des russischen Arbeitsmarktes, auf dem Millionen zentralasiatischer Migranten beschäftigt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland würde dadurch Einfluss zurückgewinnen, jedoch kaum auf Vorkriegsniveau. Immerhin haben in dieser Zeit andere Akteure, insbesondere China, ihre Positionen in der Region gestärkt und werden daran festhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie geht es mit den zwischenstaatlichen Infrastrukturprojekten in der Region weiter, zumal viele von ihnen für eine geringere wirtschaftliche Präsenz Russlands in der Region sorgen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationalen Infrastrukturprojekte in der Region werden in den kommenden Jahren weiter wachsen, da ihr Hauptsponsor China keine Investitionskürzungen plant. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Trump-Regierung in diese Projekte einmischt, insbesondere in den <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Transkaspischen Korridor</a>, der die Transportströme an Russland vorbeilenkt. Dadurch wird die Rolle und der Einfluss Moskaus im postsowjetischen Raum abnehmen. Darüber hinaus gibt es zu viele regionale und internationale Akteure, die an der Umsetzung neuer Verkehrskorridore interessiert sind. Trump fehlt es in dieser Hinsicht an entscheidenden Hebeln, um diese Initiativen zu blockieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trump ist es in der Vergangenheit gelungen, Israel teilweise aus seiner Isolation in der arabischen Welt zu lösen. In die saudisch-israelischen Beziehungen hat er nahezu so etwas wie Ruhe gebracht. Rechnen Sie mit weiteren derartigen Erfolgen? Vermag Trump den Iran zu isolieren?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gaza-Konflikt wird die Trump-Regierung eine harte pro-israelische Haltung einnehmen. Grundsätzlich werden sich die Chancen für Verhandlungen zwischen Arabern und Israelis im nächsten Jahr erhöhen. Alle Konfliktparteien sind müde und brauchen eine Verschnaufpause, das gilt auch für den Krieg in der Ukraine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue US-Regierung könnte diesen Moment nutzen, um auf eine Reihe neuer Vereinbarungen zwischen den Parteien zu drängen, die eine Friedensregelung begünstigen würden. Vielleicht wird der Beilegungsprozess zwischen Israel und den arabischen Ländern irgendwann wieder aufgenommen, jedoch nicht in nächster Zukunft. Die anti-israelische Stimmung innerhalb der Bevölkerung der arabischen Länder ist zu stark. Damit werden sich die Regierungschef abfinden müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kann die EU hier die USA gleichwertig ersetzen, um die Präsenz von China und Russland in der Region auszugleichen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die EU wird nicht imstande sein, die USA in vollständig zu ersetzen, obwohl ihr Einfluss im postsowjetischen Raum und in Eurasien insgesamt zunehmen wird.&nbsp; In den kommenden Jahren wird sich das Gleichgewicht in der Region in Richtung China verschieben, das seine Präsenz auf Kosten Russlands verstärken wird. Wladimir Putins Politik hat der russischen Präsenz in der Region langfristig schweren und teils irreparablen Schaden zugefügt. Sein Krieg in der Ukraine und seine Konfrontation mit dem Westen haben die Region aus ihrem etablierten Gleichgewicht gestoßen. Gleichzeitig haben sie die Etablierung neuer geopolitischer Akteure begünstigt. Diese pochen darauf, das entstandene Vakuum aktiv auszufüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Donald Trump hat nie großes Interesse an Menschenrechten gezeigt. Was sollte die zentralasiatische Zivilgesellschaft von der neuen Regierung erwarten? Wird die neue Regierung wichtige US-Programme zur Unterstützung der Zivilgesellschaft kürzen? Oder liegt dies nicht in ihrer Verantwortung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Menschenrechte und die Unterstützung der Zivilgesellschaft angeht, so hat diese in den letzten zwei Jahrzehnten stetig abgenommen, Trump hin oder her. Sein Amtsantritt wird diese Tendenz höchstens akzelerieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Temur Umarov: <em>„Trump wird eine gewisse Pragmatik in den Beziehungen zu China an den Tag legen“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Temur Umarov ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der renommierten </em><a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia?lang=en"><em>Denkfabrik Carnegie Russia Eurasia Center</em></a><em> in Berlin. Er glaubt, dass die meisten US-Beamten, die für die Region zuständig sind, ihre Posten behalten werden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Können wir von Donald Trumps neuer Regierung eine stabile, berechenbare Politik gegenüber Zentralasien erwarten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durch Trump ernannten Minister sind ausschlaggebend für die außenpolitischen Prioritäten. Davon hängt nicht zuletzt das Schicksal im israelisch-palästinensischen Konflikt sowie der Krieg in der Ukraine ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien steht jedoch weit unten auf der Prioritätenliste. Lediglich die unteren Führungsebenen werden sich mit Zentralasien befassen. Diese sind jedoch eher unempfindlich gegenüber Präsidentenwechseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieser Ebene werden nur wenige ihren Job verlassen. Der Großteil der ohnehin zahlenmäßig überschaubaren amerikanischen Zentralasienexperten wird weiterhin in seinem Gebiet arbeiten, solange Alter und Karriereentwicklung es zulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schauen Sie nur auf die derzeitigen Botschafter in den zentralasiatischen Ländern. Sie finden die gleichen Personen vor, ob unter Biden oder damals schon unter Trump. Daher glaube ich, dass sie auch weiterhin ihren Kurs fortsetzen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/duschanbe-baut-seine-strategische-partnerschaft-mit-china-aus/"><strong>Tadschikistan baut seine strategische Partnerschaft mit China aus</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um noch einmal auf die Liste der Prioritäten zurückzukommen, Trump hat bereits geäußert, dass er originelle Lösungen nicht scheut. Stichwort Verhandlungen mit Putin und ein Ende des Konflikts. Leute aus seinem inneren Kreis haben bereits gesagt, dass die Ukraine ihre Ziele überdenken muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der amerikanische Umgang mit Zentralasien hängt nicht zuletzt auch von Washingtons Verhältnis mit China ab. Veränderungen in dieser Beziehung würden natürlich Folgen nach sich ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich schätze, dass Peking das eigene Handeln stärker in den Blick nehmen und versuchen wird, die zentralasiatischen Länder in die Konfrontation zwischen den USA und China hineinzuziehen. Erinnern wir uns an ein selbiges Szenario zu Trumps erster Amtszeit. Ich denke aber, dass die damalige außenpolitische Führung ihre Lektion gelernt und festgestellt hat, dass ein offen antichinesischer Ansatz in Zentralasien kein Echo findet. Das US-Establishment sollte diesen Ansatz darum revidieren und pragmatischer agieren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Interviews führte Marat Mamadschoev für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://cabar.asia/ru/kakoe-vliyanie-okazhet-prihod-trampa-na-vlasti-i-grazhdanskoe-obshhestvo-stran-tsentralnoj-azii"><strong>Russischen</strong></a><strong> übersetzt und gekürzt von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warum die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ihre Relevanz verloren hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Aug 2024 14:42:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Wettbewerb zwischen Russland und China und die erweiterte Mitgliedschaft haben die eurasische Sicherheitsgruppe zu einer reinen Gespr&#xE4;chsrunde gemacht. Das j&#xFC;ngste Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ), das diese Woche in Kasachstan stattfand, erregte wie &#xFC;blich gro&#xDF;e internationale Aufmerksamkeit. Menschen verfolgen das Geschehen in der SOZ, um ihre eigenen Bef&#xFC;rchtungen zu rechtfertigen. Einige bef&#xFC;rchten, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Wettbewerb zwischen Russland und China und die erweiterte Mitgliedschaft haben die eurasische Sicherheitsgruppe zu einer reinen Gesprächsrunde gemacht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das jüngste Gipfeltreffen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a>, das diese Woche in Kasachstan stattfand, erregte wie üblich große internationale Aufmerksamkeit. Menschen verfolgen das Geschehen in der SOZ, um ihre eigenen Befürchtungen zu rechtfertigen. Einige befürchten, dass Russland und China die SOZ nutzen werden, um ein Militärbündnis nach dem Vorbild der NATO aufzubauen, während andere glauben, dass die SOZ die Grundlage für eine neue, antidemokratische Weltordnung werden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Werden jedoch die Erfolge der Organisation seit ihrer ersten Erweiterung im Jahr 2001 betrachtet, so hat die SOZ wenig vorzuweisen. Abgesehen von der Ausdehnung auf immer mehr Länder und dem Ausbleiben von öffentlichkeitswirksamen Skandalen. Jedes Mitgliedsland nutzt die SOZ, um seine eigenen außenpolitischen Prioritäten zu fördern. Dies schadet der praktischen Wirksamkeit der Organisation, trägt aber zu ihrem hervorragenden internationalen Ruf bei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Degradierung der SOZ</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der SOZ-Charta sind die Ziele der Organisation kurz gefasst folgende: Stärkung der Freundschaft zwischen den Mitgliedstaaten, Entwicklung einer multidisziplinären Zusammenarbeit, Bekämpfung der „drei bösen Phänomene“ (Terrorismus, Separatismus und Extremismus), Förderung der Menschenrechte und Grundfreiheiten im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung der Mitgliedstaaten usw.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aus der Charta geht jedoch nicht eindeutig hervor, warum die SOZ tatsächlich benötigt wird. So können verschiedene Länder versuchen, die Organisation für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/gemeinsam-gegen-den-westen-warum-china-und-russland-in-zentralasien-nicht-konkurrieren/"><strong>Gemeinsam gegen den Westen – Warum China und Russland in Zentralasien nicht konkurrieren</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland zum Beispiel versucht, die SOZ dazu zu bringen, sich mit seinen außenpolitischen Abenteuern zu solidarisieren. Im Jahr 2008 warf der damalige Präsident Dmitri Medwedew die Frage der Unabhängigkeit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdossetien">Südossetiens</a> auf, 2014 stand die Anerkennung der Krim auf Russlands Tagesordnung, und 2022 wollte Moskau bei der UN-Abstimmung über den Krieg in der Ukraine eine einheitliche Position der SOZ-Länder erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ähnlicher Weise versucht China, den anderen Ländern seine ideologischen Konstrukte wie die „Schicksalsgemeinschaft“ aufzuzwingen. Kasachstan besteht darauf, dass der Transitverkehr ausgebaut werden soll, und so weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den jährlichen Gipfeltreffen geben die Staats- und Regierungschefs eine Vielzahl von Erklärungen ab und unterbreiten eine Reihe von Vorschlägen, die in den Medien zitiert, aber fast nie in die Realität umgesetzt werden. Die Institutionen innerhalb der SOZ existieren und sehen sogar recht beeindruckend aus, aber in Wirklichkeit sind sie nur eine weitere Ebene der Bürokratie, die im Wesentlichen mit dem Management von Veranstaltungen beschäftigt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/"><strong>Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verstärkt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der SOZ-Wirtschaftsrat beispielsweise wird als „Vereinigung der maßgeblichen Vertreter der Wirtschaftskreise der SOZ-Mitgliedstaaten&#8220; dargestellt. Doch in den fast 20 Jahren seiner Tätigkeit kann der Rat kein einziges anschauliches Beispiel für eine Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen der SOZ-Länder vorweisen, das durch seine Vermittlung zustande gekommen wäre. Alles reduziert sich auf die Durchführung von Veranstaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Beispiel ist die „SOZ Interbank Association“, die Seminare „zu aktuellen Bank- und Finanzthemen&#8220; abhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es ein funktionierendes Instrument innerhalb der SOZ gibt, dann ist es wohl die Regionale Anti-Terrorismus-Struktur (RATS) mit einem Büro in Taschkent. In der Tat hilft sie den SOZ-Ländern regelmäßig bei der Durchführung gemeinsamer militärischer Übungen in verschiedenen Formaten. Ansonsten gibt es jedoch nichts Bemerkenswertes. Von RATS hört man nichts, wenn in dem einen oder anderen SOZ-Land ein Terroranschlag verübt wird, und auf ihrer Webseite finden sich lediglich Pressemitteilungen mit Beileidsbekundungen. Allerdings hat die SOZ in ihren früheren Jahren bereits Erfolge erzielen können. Als die Organisation in 1996 als „Shanghai Five“ gegründet wurde, gelang es ihr, territoriale Fragen zwischen China und den angrenzenden Ländern der ehemaligen Sowjetunion zu lösen. Anstatt die Organisation aufzulösen, bestand die Hoffnung, sie in eine regionale Struktur für die Zusammenarbeit zwischen China und Russland im postsowjetischen Raum umzuwandeln. Doch hier konnten Peking und Moskau keine Einigung erzielen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Meinungen gehen auseinander</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 2000er Jahren wurde die SOZ zur ersten Organisation im postsowjetischen Raum, in der nicht nur Russland (das zu diesem Zeitpunkt bereits die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a> und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a> hatte), sondern auch China ein großes Gewicht hatte. Die Tatsache, dass die Organisation einen mit China assoziierten Namen trägt und ihren Sitz in Peking hat, trug zur Bedeutung der Rolle Chinas in der Organisation bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/"><strong>China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst versuchte Peking, die SOZ in eine Arbeitsstruktur zu verwandeln, um seine Ambitionen in Zentralasien zu verwirklichen &#8211; vor allem in Sicherheits- und Wirtschaftsfragen. Im Sicherheitsbereich ist es in der Tat gelungen, regelmäßige gemeinsame Übungen zwischen den Mitgliedsstaaten abzuhalten und Kontakte zwischen hochrangigen Verteidigungs- und Sicherheitsbeamten herzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit der SOZ hat auch dazu geführt, dass die NATO-Militärstützpunkte aus Zentralasien verdrängt wurden. Die Hauptgründe für den Rückzug der USA waren interne Probleme in Usbekistan und Kirgisistan, aber auch die koordinierte Politik Russlands und Chinas spielte eine Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Wirtschaft konnte jedoch nicht das gleiche Maß an Zusammenarbeit erreicht werden. Russland blockierte hartnäckig zwei der wichtigsten Ideen Chinas: die Schaffung einer Entwicklungsbank und einer Freihandelszone. Infolgedessen verlor Peking das Interesse an der Entwicklung der SOZ und begann, eigenständig zu handeln. Seitdem stützt sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit Zentralasiens mit China auf das Großprojekt „Neue Seidenstraße”, bilaterale Abkommen und in jüngster Zeit auf das Sechs-Parteien-Format China plus Zentralasien, an dem Russland nicht beteiligt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-china-den-zentralasiatischen-laendern-riesige-kredite-gewaehrt-ein-expertengespraech-mit-temur-umarov/"><strong>Warum China den zentralasiatischen Ländern riesige Kredite gewährt – ein Expertengespräch mit Temur Umarov</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Sicherheitsbereich hat Peking begonnen, die SOZ (und damit auch Russland) zu umgehen, indem es mehr Waffen an die zentralasiatischen Länder liefert, bilaterale Militärübungen mit ihnen durchführt (2019 führten bewaffnete chinesische Milizen Übungen mit jedem der fünf Länder der Region durch) und vor Ort präsent ist (Stützpunkte der bewaffneten chinesischen Volksmiliz befinden sich unter anderem an der tadschikisch-afghanischen Grenze).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Russland begann, auf eine Erweiterung der SOZ zu drängen, schätzte China die Organisation nicht mehr genug, um für ihre Wirksamkeit zu kämpfen. Indien und Pakistan traten der SOZ 2017 bei, der Iran 2022. Auf dem jüngsten Gipfel in Kasachstan wurde Belarus als zehntes Mitglied in die Gruppe aufgenommen. Es versteht sich von selbst, dass es bei einer so vielfältigen Mitgliedschaft schwierig ist, etwas auf die Beine zu stellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Viel Aufwand für wenig Effekt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist die SOZ zu einem Club für die Staatsoberhäupter geworden, die mehr oder weniger gut miteinander kommunizieren können. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie die Realität in irgendeiner Weise verändern wird, egal wie sehr die Mitgliedsstaaten die Welt vom Gegenteil überzeugen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-ist-es-leid-russland-staendig-nachzulaufen-politologe-temur-umarov-im-interview/"><strong>Kasachstan ist es leid, Russland ständig nachzulaufen – Politologe Temur Umarov im Interview</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SOZ könnte sich in naher Zukunft noch weiter ausdehnen. Warum nicht beitreten, wenn die Teilnahme keine zusätzlichen Verpflichtungen mit sich bringt? Die Länder, die bereits beigetreten sind, werden die SOZ weiterhin für ihre eigenen, engen Zwecke nutzen. Für die zentralasiatischen Staaten ist es beispielsweise wichtig, sich mit hochrangigen Beamten der SOZ-Mitgliedstaaten vernetzen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">China nutzt die SOZ, um seine diskursive Macht auszubauen, was sich auch in den gemeinsamen Dokumenten widerspiegelt, die in der Organisation angenommen werden. In diese Dokumente fließen Begriffe aus den Dokumenten der Kommunistischen Partei Chinas ein, wie z.&nbsp;B. „Schicksalsgemeinschaft”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Russland versucht, seine ideologische Vision einer neuen SOZ-Mission zu propagieren, aber seine derzeitige Ideologie deckt sich nicht mit den außenpolitischen Prioritäten der anderen Mitgliedstaaten. Vor dem SOZ-Gipfel in Samarkand 2022 wurde in Taschkent die These russischer Journalist:innen, die SOZ sei Russlands Antwort auf die NATO, ausdrücklich zurückgewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-schrittweise-entfernung-von-russland/"><strong>Kasachstans schrittweise Entfernung von Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt ist die Degradierung der SOZ ein weiteres Beispiel dafür, wie Russlands planlose Außenpolitik den russischen Einfluss selbst dort zerstört, wo Moskau nach dem Zusammenbruch der UdSSR fast eine Monopolstellung innehatte. Aus Angst vor der Konkurrenz mit China blockierte Russland Initiativen, die die SOZ zu einer effektiven regionalen Organisation hätten machen können. Stattdessen hat sich Moskau dafür entschieden, in eine Situation zu geraten, in der sich der chinesische Einfluss in Zentralasien ohnehin verfestigt hat, so dass nur noch die Hülle einer Institution übrig geblieben ist, die lediglich Tagungen abhalten und egoistische Schlagzeilen produzieren kann.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Temur Umarov für <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2024/07/sco-summit-china-russia?lang=ru&amp;center=russia-eurasia">Carnegi</a></strong><a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2024/07/sco-summit-china-russia?lang=ru&amp;center=russia-eurasia">e</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Makham</strong> <strong>Khamidov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-shanghaier-organisation-fuer-zusammenarbeit-soz-ihre-relevanz-verloren-hat/">Warum die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ihre Relevanz verloren hat</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Gemeinsam gegen den Westen – Warum China und Russland in Zentralasien nicht konkurrieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jun 2024 13:58:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es hat den Anschein, als habe Moskau in Zentralasien seine Stellung eingeb&#xFC;&#xDF;t und Peking die Vorherrschaft &#xFC;bernommen. Doch dem sei nicht so, befindet Temur Umarov, Fellow am Russia Eurasia Center des Carnegie Endowment for International Peace. Der Grund liege vor allem darin, dass es f&#xFC;r die f&#xFC;nf L&#xE4;nder der Region nicht vorteilhaft sei, wenn ein [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Es hat den Anschein, als habe Moskau in Zentralasien seine Stellung eingebüßt und Peking die Vorherrschaft übernommen. Doch dem sei nicht so, befindet Temur Umarov, Fellow am Russia Eurasia Center des Carnegie Endowment for International Peace. Der Grund liege vor allem darin, dass es für die fünf Länder der Region nicht vorteilhaft sei, wenn ein einflussreicher Nachbar den anderen verdränge.</strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Text ist eine Zusammenfassung einer längeren <a href="https://carnegieendowment.org/research/2024/04/druzhba-za-vliyanie-kak-rossiya-i-kitaj-uzhivayutsya-v-centralnoj-azii?lang=ru">Analyse</a> von Temur Umarov, die ursprünglich bei Carnegie Endowment erschienen ist.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte denken, dass Russland vor allem in der Erhaltung der Sicherheit in der Region aktiv sei, während China als Haupttreiber für die wirtschaftliche Entwicklung in Zentralasien erscheint. Doch die wirtschaftlichen Beziehungen der Region mit Russland stehen denjenigen mit China in nichts nach und sind in mancher Hinsicht sogar stärker. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in den ersten Monaten des Krieges in der Ukraine sahen sich die zentralasiatischen Staaten mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Die Inflation stieg auf ein Rekordniveau und dem russischen Rubel folgend verloren auch die nationalen Währungen an Wert. Außerdem verteuerten sich Importgüter. Grund dafür sind die zahlreichen Abhängigkeitsverhältnisse der zentralasiatischen Staaten gegenüber Russland.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anhaltend wichtige Rolle Russlands in Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens beziehen die zentralasiatischen Länder viele Grundnahrungsmittel und andere Waren aus Russland, wie etwa Mehl und Zucker. Zweitens wird der Handel mit den westlichen Staaten hauptsächlich über Russland abgewickelt, da alle anderen Handelswege teurer oder länger sind. Drittens sind Kasachstan und Kirgistan Mitglieder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion</a> (EAWU), die trotz ihrer Schwächen den Druck des chinesischen Handels und der wirtschaftlichen Expansion auf lokalen Märkten eindämmt und gleichzeitig den Zugang zu den Märkten der übrigen Mitgliedsstaaten erleichtert [Anm. d. Red.: Zu den Mitgliedern der EAWU zählen neben Kasachstan, Kirgistan und Russland auch Armenien und Belarus]. Viertens ist Russland nach wie vor Hauptdestination für Migrant:innen aus Zentralasien. China kann Russland in dieser Hinsicht nicht ersetzen und strebt dies auch nicht an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/"><strong>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere populäre Mythen über die Rollen Russlands und Chinas in der Region zweifelt Temur Umarov an. Beispielsweise wird häufig angenommen, die Volksrepublik China habe Zentralasien mit Finanzkrediten überhäuft, weshalb einige Länder nun Schwierigkeiten hätten, aus der chinesischen „Schuldenfalle“ herauszukommen. Die Gesamtverschuldung der zentralasiatischen Länder gegenüber Russland und China ist jedoch ähnlich hoch. Hinzu kommt, dass Russland und China unterschiedlichen Staaten Kredite zur Verfügung stellen. Während Moskau vor allem Geld an Kasachstan und Usbekistan leiht, ist Peking primär in Kirgistan und Tadschikistan aktiv. Auch wenn man den Zugang chinesischer und russischer Investor:innen zu den zentralasiatischen Märkten betrachtet, wird der Mythos einer chinesischen Vorherrschaft in den finanziellen Beziehungen der Region widerlegt. Von 70.000 Unternehmen mit einem ausländischen Kapitalanteil liegt der Anteil russischer Investor:innen bei 36 Prozent, während er sich auf chinesischer Seite auf lediglich 8 Prozent beläuft. Zudem hat sich Russland seit Beginn des Krieges keineswegs abgeschottet, sondern im Gegenteil Zentralasien erneut als Handelsoption erschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem ist die chinesische Volkswirtschaft weitaus weniger mit denen der zentralasiatischen Staaten verflochten als die russische. Soowohl die Staatsführungen der zentralasiatischen Länder als auch eine alternde russische Gesellschaft sind dabei von Arbeitsmigration abhängig. Krisen in Russland wirken sich somit unmittelbar auf die Region aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Mythos besagt, Peking konzentriere sich auf wirtschaftliche Beziehungen und habe Fragen der Sicherheit in Zentralasien Russland überlassen. Es ist richtig, dass Russland als einziger Staat eine rechtliche Grundlage hat, sich auf Ersuchen seiner Behörden in die internen Prozesse der Region einzumischen. Dies geschieht im Rahmen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a> (OVKS) und bilateraler Verträge. In Tadschikistan und Kirgistan verfügt Russland über Militärstützpunkte und im Winter 2022 unterstützte Russland Kasachstans Machthabende bei der <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/massenproteste-in-kasachstan-regierung-entlassen/">Niederschlagung der Proteste</a>. Doch auch China ist in dieser Hinsicht aktiv. Gemeinsam mit den zentralasiatischen Armeen führt es dutzende Militärübungen durch und im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachankorridor">Wachankorridor</a> an der Grenze von Tadschikistan und Afghanistan unterhält die chinesische Volksmiliz zwei Stützpunkte. Außerdem bezieht Usbekistan seit 2014 mehr Waffen von China als von Russland. Umarov geht davon aus, dass die Präsenz der Volksrepublik China im Bereich der Sicherheit in Zentralasien weiter zunehmen wird. Das hänge damit zusammen, dass Zentralasien an das Uigurische Autonome Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> grenzt und den zentralasiatischen Ländern selbst ihre große Abhängigkeit von Russland zur Last falle [Anm. d. Red.: Usbekistan grenzt als einziges zentralasiatisches Land nicht an Xinjiang.]. Des Weiteren hätte sich die russische Armee während des bereits über zwei Jahre andauernden Krieges in der Ukraine selbst diskreditiert, was Zweifel an der vorbehaltlosen russischen Sicherheitsgarantie aufkommen lasse.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Mythos geht von einer schwelenden Konkurrenz von Russland und China in Zentralasien aus. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine war häufig die Rede davon, dass China Russland aus Zentralasien verdrängen würde. Doch tatsächlich sind keine Anzeichen eines Konfliktes zwischen Moskau und Peking erkennbar. Im Gegenteil, mit jedem Jahr arbeiten die beiden Großmächte enger zusammen im Kampf gegen den „Import von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbrevolutionen">Farbrevolutionen</a>“. Für beide Staaten liegt die Priorität darin, die Stabilität der autoritären Regime in der Region aufrechtzuerhalten und eine übermäßige Annäherung an den Westen zu verhindern. In der Zunahme der chinesischen Aktivitäten im Bereich der Sicherheit in Zentralasien sieht Moskau dabei eine Gelegenheit, sich die Verantwortung mit Peking zu teilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das offensichtlichste Beispiel für die indirekte Zusammenarbeit Russlands und Chinas in Zentralasien ist dabei die rasante Zunahme von Handelsbeziehungen beider Großmächte mit den fünf Ländern der Region. China selbst versucht, die gegen Russland verhängten Sanktionen nicht direkt zu verletzen, liefert aber bereitwillig unter Sanktion stehende Waren über Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan. Zugleich verwenden die Länder der Region im Handel mit Russland zunehmend den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Renminbi">chinesischen Renminbi</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-ressourcen-ein-neuer-raum-fuer-den-wettbewerb-der-grossmaechte/"><strong>Zentralasiens Ressourcen: Ein neuer Raum für den Wettbewerb der Großmächte?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chinesische und russische Staatsunternehmen kooperieren auch mit den zentralasiatischen Staaten. So stellt beispielsweise ein Joint Venture zwischen Kazatomprom und der China General Nuclear Power Group Brennelemente für chinesische Reaktoren aus Uran her, das mit russischer Unterstützung angereichert wurde. Zudem hat Russland in diesem Jahr seine Öllieferungen an China über Kasachstan um 40 Prozent erhöht. Peking profitiert auch von dem Gaslieferungsabkommen zwischen Russland, Kasachstan und Usbekistan, welches China eine ununterbrochene Versorgung mit Brennstoff über Zentralasien garantiert. Umarov geht davon aus, dass Peking im Laufe der Jahre immer weniger auf russische Unterstützung in der Region angewiesen sein wird und in Zentralasien zunehmend ohne Rücksicht auf Russland agieren wird. Zum jetzigen Zeitpunkt führe die Entwicklung Russlands zum Juniorpartner Chinas nicht zu einer Konfrontation in Zentralasien, sondern zu einer ausgeprägten Zusammenarbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Umarov: Zentralasiatische Staaten kein Spielball der mächtigen Nachbarländer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und schließlich, so Umarov, liegen viele Beobachter:innen falsch, wenn sie den zentralasiatischen Ländern eine subjektive Haltung absprechen. Ihnen mag es dann scheinen, dass alle wichtigen Entscheidungen über die zentralasiatischen Länder hinweg durch die großen und einflussreichen Nachbarländer getroffen würden. Tatsächlich waren die zentralasiatischen Staaten noch nie so selbstständig wie aktuell, und die Zivilgesellschaften in diesen Ländern noch nie so fordernd gegenüber ihrer jeweiligen Staatsführung, so der Experte. Selbst die stärksten pro-chinesischen oder pro-russischen Positionen, die diese Staaten einnehmen können, fußen ausschließlich auf ihren eigenen pragmatischen Interessen. So kritisieren die zentralasiatischen Länder Peking beispielsweise nicht für die Politik gegenüber den Uigur:innen, obwohl diese auch in Zentralasien zahlreich leben. Dies liegt daran, dass sie dem Westen nicht den Ball zuspielen und ihm eine Begründung liefern wollen, sich erneut in die Angelegenheiten der Region einzumischen. Auch sind die Stützpunkte der chinesischen Volksmiliz für Tadschikistan von nicht geringem Nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/repressionen-in-xinjiang-stehen-unter-milder-kritik-in-zentralasien/"><strong>Repressionen in Xinjiang stehen unter milder Kritik in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass die zentralasiatischen Länder aufgrund ihrer Lage tief im eurasischen Kontinent ohne Zugang zum Meer nicht davon profitieren, wenn ein einflussreicher Nachbar den anderen verdrängen sollte. Daher versuchen alle fünf zentralasiatischen Staaten, ihre Beziehungen so weit wie möglich zu diversifizieren. Durch <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Balancing_(international_relations)">Balancing</a> zwischen verschiedenen Akteuren auf der Weltbühne sind sie in der Lage, sowohl mit einem aufstrebenden China als auch mit einem kriegstreibenden Russland umzugehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redaktion von <a href="https://kloop.kg/blog/2024/04/19/vmeste-protiv-zapada-pochemu-kitaj-i-rossiya-ne-konkuriruyut-v-tsentralnoj-azii/">Kloop</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Zentralasiens Ressourcen: Ein neuer Raum für den Wettbewerb der Großmächte?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jun 2024 14:02:21 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die L&#xE4;nder Zentralasiens verf&#xFC;gen &#xFC;ber nicht unwesentliche Reserven an seltenen Erden und anderen strategischen Ressourcen. Inwieweit der Westen und China um diese Bodensch&#xE4;tze konkurrieren k&#xF6;nnten, legen die Experten Eldaniz Huseynov und Abakhon Sultonazarov in einer Analyse f&#xFC;r CABAR dar. &#x201E;Die aktuelle Dynamik der Entwicklung der Beziehungen zwischen den zentralasiatischen L&#xE4;ndern und westlichen L&#xE4;ndern sowie China [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-ressourcen-ein-neuer-raum-fuer-den-wettbewerb-der-grossmaechte/">Zentralasiens Ressourcen: Ein neuer Raum für den Wettbewerb der Großmächte?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Länder Zentralasiens verfügen über nicht unwesentliche Reserven an seltenen Erden und anderen strategischen Ressourcen. Inwieweit der Westen und China um diese Bodenschätze konkurrieren könnten, legen die Experten Eldaniz Huseynov und Abakhon Sultonazarov in einer Analyse für CABAR dar.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die aktuelle Dynamik der Entwicklung der Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Ländern und westlichen Ländern sowie China deutet auf den Beginn eines Wettbewerbs um kritische Ressourcen hin“</em>, erklärten Eldaniz Huseynov, Experte am Heydar-Aliyev-Zentrum für Eurasische Studien an der Ibn-Khaldun-Universität, und Abakhon Sultonazarov, Regionaldirektor Institute for War &amp; Peace Reporting für Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten (sic!) in der Ukraine und der Fragmentierung der alten Weltordnung sind westliche Länder zunehmend daran interessiert, alternative Lieferanten von <a>Seltenerdmetallen</a> zu finden, um ihre Abhängigkeit von Russland und China zu verringern. Während westliche Länder versuchen, ihre Abhängigkeit von Öl und Gas aus Russland durch die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen zu verringern, stehen sie vor einem neuen Problem: dem Risiko einer zunehmenden Abhängigkeit von China, dem größten Akteur auf diesem Markt. Vor diesem Hintergrund werden die Länder Zentralasiens dank des Vorhandenseins riesiger Mineralreserven zu bedeutenden Akteuren auf dem Markt für Seltenerdmetalle. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass noch nicht alle Vorkommen kritischer Ressourcen in den Ländern Zentralasiens erkundet sind und die Aufmerksamkeit für die Seltenerdmetalle der Region erst seit kurzem begonnen wird.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Den verfügbaren Daten <a href="https://www.academia.edu/94863578/Central_Asia_is_a_missing_link_in_analyses_of_critical_materials_for_the_global_clean_energy_transition?uc-sb-sw=50126783">zufolge</a> enthält Zentralasien 38,6 Prozent der weltweiten Reserven an Manganerz, 30,07 Prozent an Chrom, 20 Prozent an Blei, 12,6 Pozent an Zink, 8,7 Prozent an Titan und bedeutende Reserven an anderen Materialien. Expert:innen <a href="https://asiatimes.com/2024/03/enter-kazkhstan-in-the-rare-earth-race/">glauben</a>, dass Kasachstan das Potenzial hat, mit China zu konkurrieren, das die Produktion seltener Erdelemente (70 Prozent der Weltproduktion) dominiert, und zwar bei der Gewinnung von Metallen wie Scandium, Yttrium und 15 Lanthaniden. Diese Elemente werden häufig bei der Herstellung von Computern, Turbinen und Automobilen verwendet. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union sind daran interessiert, in große Bergbauprojekte in Kasachstan zu investieren, um nach alternativen Lieferquellen zu suchen. Derzeit sind die Vereinigten Staaten stark von chinesischen Importen von Yttrium und Scandium <a href="https://ecfr.eu/article/critical-mass-raw-materials-economic-coercion-and-transatlantic-cooperation/">abhängig</a>, während die Europäische Union 98 Prozent der benötigten seltenen Metalle aus China importiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritische Ressourcen sind natürliche Ressourcen, die aufgrund ihrer Schlüsselrolle bei der Herstellung einer breiten Palette von High-Tech-Produkten als wichtig für die wirtschaftliche und technologische Entwicklung von Ländern gelten. Diese Ressourcen zeichnen sich durch Knappheit, die Komplexität ihrer Gewinnung und Verarbeitung sowie die geografische Konzentration ihrer Vorkommen aus. Zu diesen Ressourcen zählen insbesondere seltene Erden, strategische Metalle und andere Mineralien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Konkurrenz um Zentralasiens Ressourcen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA und China konkurrieren bereits um wichtige Ressourcen in Zentralasien. Dies zeigt sich in der veränderten Herangehensweise der USA an die Interaktion mit den Ländern Zentralasiens. Die Vereinigten Staaten haben begonnen, größeren Wert auf kritische Ressourcen zu legen – einen Bereich, in dem Russland und China weniger stark vertreten sind. Im September 2022 <a href="https://www.state.gov/economic-resilience-in-central-asia-initiative/">startete</a> die Biden-Regierung die <a href="https://www.state.gov/economic-resilience-in-central-asia-initiative/">Economic Resilience in Central Asia Initiative</a>. Es war geplant, im Jahr 2022 25 Millionen US-Dollar zu investieren, um die Handelsrouten zu diversifizieren und die Investitionen in der Region auszuweiten. Am 18. und 19. Mai 2023 <a href="http://russian.people.com.cn/n3/2023/0520/c31521-20021216.html">sagte</a> der chinesische Präsident Xi Jinping auf dem China-Zentralasien-Gipfel, dass China den Ländern in der Region 4 Milliarden US-Dollar in Form von finanzieller und unentgeltlicher Hilfe zur Verfügung stellen werde. In dieser Zeit haben die Vereinigten Staaten und die Europäische Union wahrscheinlich erkannt, dass die Intensivierung der Interaktionen mit den Ländern Zentralasiens etwas verspätet war und der Wettbewerb mit der Russischen Föderation und China in Bereichen wie Sicherheit und Wirtschaft wenig Erfolg haben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wurde beschlossen, den USA-Zentralasien-Gipfel am 20. September 2023 abzuhalten, obwohl ein Jahr zuvor der Präsident Kasachstans am Rande der 77. UN-Generalversammlung mit der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, mit dem österreichischen Präsidenten Alexander van der Bellen, mit Chefs der größten amerikanischen Konzerne und globalen Finanzinstitutionen zusammentraf – aber nicht mit Joe Biden. Die Analyse der US-Maßnahmen nach dem Gipfel zeigt, dass das Streben nach Zugang zu Seltenerdmetallen in Zentralasien ein zentrales Ziel war. Die gemeinsame <a href="https://www.whitehouse.gov/briefing-room/statements-releases/2023/09/21/c51-leaders-joint-statement/">C5+1-Erklärung</a> im Rahmen des Gipfels konzentrierte sich insbesondere auf die Schaffung vielfältiger, nachhaltiger und zuverlässiger Lieferketten für kritische Mineralien, die Entwicklung neuer Technologien für den Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen sowie die Schaffung von Mehrwert durch regionale Industriekooperationen zur Reduzierung strategischer Abhängigkeit. Es ist erwähnenswert, dass kritische Mineralien in anderen strategischen Dokumenten der USA mit Bezug zu Zentralasien nicht erwähnt wurden: weder in der US-Strategie für Zentralasien <a href="https://uz.usembassy.gov/ru/united-states-strategy-for-central-asia-2019-2025-advancing-sovereignty-and-economic-prosperity-ru/">2019–2025</a> noch in den <a href="https://www.state.gov/integrated-country-strategies/#sca">umfassenden Strategien</a> für jede einzelne Republik der Region, die im Jahr 2022 vom US-Außenministerium veröffentlicht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/chinas-wachsende-integration-in-kirgistans-energiesektor/">Chinas wachsende Integration in Kirgistans Energiesektor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Exploration, Produktion und Verarbeitung kritischer Ressourcen wird zu einem Bereich, in dem die Vereinigten Staaten den Einfluss Russlands und Chinas herausfordern können. Am 8. Februar 2024 fand im US-Außenministerium das erste Treffen des <a href="https://www.state.gov/inaugural-c51-critical-minerals-dialogue-among-the-united-states-and-kazakhstan-the-kyrgyz-republic-tajikistan-turkmenistan-and-uzbekistan/">C5+1 Critical Minerals Dialogue</a> unter Beteiligung hochrangiger Beamt:innen aus allen fünf zentralasiatischen Ländern statt. Vertreter:innen aller Parteien bekundeten Interesse daran, Möglichkeiten für amerikanische Investitionen in die Gewinnung und Verarbeitung dieser wichtigen Mineralien in der Region zu erkunden. Darüber hinaus <a href="https://kz.usembassy.gov/secretary-blinkens-meeting-with-kazakhstans-deputy-prime-minister-foreign-minister-nurtleu/">diskutierten</a> US-Außenminister Antony Blinken und der kasachstanische Außenminister Murat Nurtleu am 26. März 2024 über Investitionen in die Bodenschätze Kasachstans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist erwähnenswert, dass es im jährlichen Bedrohungsbewertungsbericht der US-Geheimdienste <a href="https://www.odni.gov/index.php/newsroom/reports-publications/reports-publications-2024/3787-2024-annual-threat-assessment-of-the-u-s-intelligence-community">heißt</a>: <em>„China betrachtet Washingtons Wettbewerbsmaßnahmen gegenüber Peking als Teil umfassenderer diplomatischer, wirtschaftlicher, militärischer und technologischer Bemühungen der USA, seinen Aufstieg einzudämmen, die Herrschaft der KPCh zu untergraben und Chinas regionale und globale Machtambitionen zu vereiteln.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was könnte die Entwicklung Chinas hemmen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftliche Entwicklung – die mehr Ressourcen erfordert, insbesondere für die Entwicklung der Hochtechnologie – ist die treibende Kraft in China. Am 5. März 2024 <a href="https://www.reuters.com/world/china/china-targets-2024-gdp-growth-around-5-government-work-report-2024-03-05/">sagte</a> der chinesische Premierminister Li Qiang auf der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses, dass die Regierung daran arbeite, das Entwicklungsmodell des Landes zu verändern. Unter anderem wird die Regierung des Landes weiterhin Ressourcen in technologische Innovation und fortschrittliche Fertigung investieren, entsprechend dem Wunsch von Präsident Xi Jinping.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anwendung von Innovationen betrifft auch die Herstellung von Mikrochips und die Entwicklung von Verteidigungstechnologien. Beide Bereiche erfordern kritische Ressourcen und beide sind derzeit für China von entscheidender Bedeutung. Daher könnte die Strategie der USA darin bestehen, die Abhängigkeit von Lieferungen kritischer Ressourcen aus China zu verringern und die Fähigkeit chinesischer Unternehmen zu verringern, ihre Quellen für diese Ressourcen zu erweitern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/">Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verstärkt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">China ist der unangefochtene <a href="https://www.nationaldefensemagazine.org/articles/2023/2/10/us-begins-forging-rare-earth-supply-chain">Marktführer</a> in der Lieferkette für kritische Mineralien und kontrolliert fast 60 Prozent des Abbaus seltener Erden und mehr als 85 Prozent der weltweiten Raffineriekapazität. Wenn es will, kann China sein nahezu Monopol auf kritische Mineralien nutzen, um die High-Tech-Industrie und die militärisch-industriellen Fähigkeiten der Vereinigten Staaten zu schädigen, <a href="https://www.caspianpolicy.org/research/central-asia/the-c51-critical-mineral-dialogue-what-it-means-and-how-we-got-here">stellt</a> das Caspian Policy Center fest. Beispielsweise <a href="https://www.csis.org/analysis/what-chinas-ban-rare-earths-processing-technology-exports-means#:~:text=What%20China's%20Ban%20on%20Rare%20Earths%20Processing%20Technology%20Exports%20Means,-Photo%3A%20Dilok%2FAdobe&amp;text=China%20announced%20a%20ban%20of,economic%2C%20and%20rare%20earth%20security.">kündigte</a> Peking im Dezember 2023 Beschränkungen für die Ausfuhr einer Reihe von Mineralien sowie für deren Abbau- und Verarbeitungstechnologien an. Gleichzeitig <a href="https://timesca.com/kazakhstans-potential-to-overtake-china-in-production-of-rare-earth-metals/">glauben</a> einige Expert:innen, dass die zentralasiatischen Länder bei der Produktion von Seltenerdmetallen mit China konkurrieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chinas Priorität besteht darin, seine strategische Position aufrechtzuerhalten und, der Logik des Großmachtwettbewerbs folgend, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten daran zu hindern, neue Quellen kritischer Ressourcen zu entdecken und auszubeuten. Bemerkenswert ist, dass der Minister für Bergbau und Geologie Bobir Islamov nach dem Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Kasachstan und Usbekistan am 1. und 2. November <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2023/11/06/uranium-orano/">bekannt gab</a>, dass Usbekistan und das französische Unternehmen Oranozuvor ein strategisches Partnerschaftsabkommen unterzeichnet hätten. Er fügte außerdem hinzu, dass Orano plant, bis zu 500 Millionen US-Dollar in den Uranabbau und die Uranverarbeitung in Usbekistan zu investieren. Gleichzeitig unterzeichneten das usbekische Staatsunternehmen Navoyiuranund das chinesische Unternehmen China National Nuclear Corporation am 7. November ein <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2023/11/07/cnnc/">Memorandum</a> über die strategische Zusammenarbeit in der Uranindustrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der wichtigsten Nischen im Wettbewerb zwischen den westlichen Ländern und China im Bereich der kritischen Ressourcen wird die Fähigkeit zur Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen sein. US-Expert:innen <a href="https://www.voanews.com/a/central-asia-seen-as-key-to-breaking-china-s-rare-earth-monopoly/7457583.html">betonen</a>, dass Zentralasien die Möglichkeit hat, den Abbau von Seltenen Erden auszuweiten, ohne vollständig von China abhängig zu sein. Da jedoch noch nicht alle Vorkommen in der Region erkundet wurden, ist bekannt, dass chinesische Unternehmen die Mehrheit der Lizenzen für den Abbau kritischer Mineralien in Tadschikistan und Kirgisistan <a href="https://thehill.com/opinion/4434965-central-asia-could-help-the-west-break-its-dependence-on-chinas-critical-minerals/">besitzen</a>. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die strategischen Vorteile Chinas und der USA im Wettbewerb um die kritischen Ressourcen der zentralasiatischen Länder zu analysieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strategische Vorteile Chinas und der USA</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>China:</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">1. Geografische Nähe: China grenzt an mehrere zentralasiatische Länder, was den Zugang erleichtert und die Transportkosten für die Ressourcengewinnung senkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Investitionspotenzial: China verfügt über erhebliche finanzielle Ressourcen, um in groß angelegte Bergbau- und Infrastrukturentwicklungsprojekte zu investieren, und bietet zentralasiatischen Ländern im Rahmen seiner Außenpolitik und Strategie zur Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit häufig Kredite und Investitionen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Langfristige Beziehungen: China pflegt durch Diplomatie und Wirtschaftspartnerschaft aktiv langfristige Beziehungen zu zentralasiatischen Ländern und schafft so günstige Bedingungen für den Betrieb seiner Unternehmen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>USA:</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">1. Positionierung als Alternative zu China: Die Vereinigten Staaten können ein Narrativ artikulieren und verbreiten, das ihre Stärken in den Bereichen Innovation, demokratische Werte und Engagement für ethische Standards bei Technologie und Ressourcengewinnung hervorhebt. Dieses Narrativ sollte die USA auch als Alternative zu einem dominanten China darstellen, um die Abhängigkeit von China zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Globaler Einfluss und Partnerschaften: Die Vereinigten Staaten verfügen über ein breites Netzwerk globaler Allianzen und Partnerschaften, die zur Aushandlung von Ressourcenabkommen und zum Aufbau von Koalitionen für Investitionen in Zentralasien genutzt werden können. Ein Beispiel ist die <a href="https://www.state.gov/minerals-security-partnership/">Minerals Security Partnership</a>. Australien, Kanada, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Norwegen, die Republik Korea, Schweden, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten und die Europäische Union (vertreten durch die Europäische Kommission) sind dieser Partnerschaft beigetreten. Die Partnerschaft <a href="https://mpra.ub.uni-muenchen.de/119858/">lud</a> mineralreiche afrikanische Länder ein, die chinesische Dominanz herauszufordern. Dazu gehörten ressourcenreiche Länder wie Südafrika, Botswana, Angola, Mosambik, Namibia, Tansania, Sambia, Uganda und die Demokratische Republik Kongo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Soft Power und Diplomatie: Durch ihre Soft Power, einschließlich Bildungs-, Kultur- und Entwicklungshilfe, können die Vereinigten Staaten Beziehungen fördern, die Verhandlungen und Transaktionen in Zentralasien erleichtern und gleichzeitig demokratische Werte und Unternehmensverantwortung betonen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Chancen und Risiken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wettbewerb zwischen Großmächten um den Zugang zu kritischen Ressourcen in Zentralasien birgt eine Kombination aus Risiken und Chancen für die Länder in der Region. Mit riesigen Reserven an wichtigen Mineralien und Seltenerdmetallen können zentralasiatische Länder eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Förderung des technologischen Fortschritts und der Energiewende spielen. Dieses Szenario spielt sich in einem breiteren geopolitischen Kontext ab, in dem diese Länder zwischen den Interessen von Großmächten wie China, den Vereinigten Staaten und in geringerem Maße Russland und der Europäischen Union positioniert sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Chancen für zentralasiatische Länder:</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">1. Wirtschaftliche Entwicklung und Diversifizierung: Die Nachfrage nach kritischen Ressourcen bietet den zentralasiatischen Ländern erhebliche Chancen, ihre Volkswirtschaften über traditionelle Sektoren wie Landwirtschaft und Energie hinaus zu entwickeln und zu diversifizieren. Investitionen in Bergbau- und Verarbeitungsanlagen können die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Entwicklung der Infrastruktur und den Technologietransfer fördern und so die allgemeine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Strategische Partnerschaften und ausländische Investitionen: Das wachsende Interesse der USA, Chinas und der EU könnte zu einem Anstieg ausländischer Direktinvestitionen in der Region führen. Dieser Zufluss von Kapital und Fachwissen kann zur Entwicklung anderer Wirtschaftszweige, zur Verbesserung der Infrastruktur und zum Aufbau von Humankapital durch von ausländischen Partner:innen gesponserte Bildungs- und Ausbildungsprogramme genutzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Verbesserte globale Position: Indem die zentralasiatischen Länder eine wichtigere Rolle in der globalen Lieferkette für kritische Mineralien spielen, können sie ihre strategische Bedeutung auf der Weltbühne erhöhen und ihnen einen größeren Einfluss in der internationalen Diplomatie und bei Handelsverhandlungen verschaffen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Risiken für zentralasiatische Länder:</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">1. Abhängigkeit von externen Akteur:innen: Bei ihren Bemühungen, ihren Bodenschätze zu entwickeln, könnten zentralasiatische Länder in Bezug auf ihre wirtschaftliche Stabilität übermäßig von einer oder mehreren externen Mächten abhängig werden. Eine solche Abhängigkeit kann ihre außenpolitische Autonomie einschränken und sie anfällig für wirtschaftlichen oder politischen Druck machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Umweltzerstörung: Der Abbau und die Verarbeitung von Seltenerdmetallen und kritischen Mineralien können erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben, einschließlich Wasserverschmutzung, Bodendegradation und Zerstörung von Lebensräumen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Sozioökonomische Ungleichheiten: Der Zustrom ausländischer Investitionen und die Konzentration auf den Bergbau können sozioökonomische Ungleichheiten in zentralasiatischen Ländern verschärfen. Regionen, die reich an Bodenschätzen sind, können eine erhebliche Entwicklung verzeichnen, während andere zurückbleiben, was zu internen Spannungen und sozialen Unruhen führen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">4. Geopolitische Rivalität: Der intensive Wettbewerb zwischen Großmächten um den Zugang zu kritischen Ressourcen kann zu geopolitischen Manipulationen in zentralasiatischen Ländern führen. Somit kann ein Teil der Ressourcen, die sich auf dem Territorium der Länder der Region befinden, für die Militärindustrie genutzt werden, was den konkurrierenden Parteien möglicherweise nicht behagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">5. Preisveränderungen auf den Märkten: Die Preise für Seltenerdmetalle sind, so Metal Miner, seit Anfang 2024 stark gesunken. Während die schwache Nachfrage nach der Verarbeitung seltener Erden (hauptsächlich in China, was ein indirekter Indikator für die Stagnation in der Mikroelektronikindustrie des Landes ist) ein Grund für den Preisverfall sein könnte, ist ein weiterer potenzieller Faktor der Anstieg der weltweiten Produktion und die Suche nach Reserven seltener Erdelemente außerhalb Chinas. Mit dem Eintritt zentralasiatischer Länder in den Markt für seltene Erden könnten die Preise für diese Ressourcen sinken, weshalb auch Länder in der Region möglicherweise einen Teil ihrer potenziellen Gewinne verlieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Platz Zentralasiens in der Geopolitik der Seltenerdmetalle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Länder Zentralasiens rücken nach und nach an die Spitze der geopolitischen Arena im Zusammenhang mit der Gewinnung und Verteilung von Seltenerdmetallen und versuchen entsprechend zu reagieren. So <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/nekotoryih-investorov-osvobodyat-uplatyi-nalogov-kazahstane-509165/">forderte</a> der Präsident Kasachstans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a>, in seiner jährlichen Ansprache an die Bevölkerung Kasachstans die Sicherstellung des vorrangigen Rechts auf Bodennutzung für Investor:innen, die auf eigene Kosten geologische Erkundungen durchführen, und fügte hinzu: <em>„Eine der vorrangigen Aufgaben sollte die Erschließung von Vorkommen seltener und seltener Erdmetalle sein, die im Wesentlichen zu ‚neuem Öl‘ geworden sind. Länder, die ihr Potenzial in diesem Bereich ausschöpfen können, werden den Vektor des technologischen Fortschritts auf der ganzen Welt bestimmen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/china-in-zentralasien-factchecking-um-mit-mythen-aufzuraeumen/">China in Zentralasien – Factchecking, um mit Mythen aufzuräumen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2012 <a href="https://catalog.data.gov/dataset/rare-earth-element-occurrence-database-of-the-tien-shan-region-central-asia">begann</a> die U.S. Geological Survey mit der Bewertung des Potenzials an Seltenerdmineralien in Zentralasien und schloss 2016 mit einer Liste von 384 Lagerstätten ab. Dazu gehörten Standorte in Kasachstan (160), Kirgisistan (75), Tadschikistan (60), Turkmenistan (2) und Usbekistan (87). Die Regionen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tien Shan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a> haben aufgrund ihrer bedeutenden unerschlossenen Ressourcen ebenfalls Aufmerksamkeit für die Exploration erregt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit ist bekannt, dass Monazit, Zirkon, Apatit, Xenotim, Pyrochlor, Allanit und Columbit zu den häufigsten seltenen Metallen und Mineralien in Zentralasien gehören. Diese Metalle kommen in erheblichen Mengen vor, insbesondere in Gebieten wie der <a href="https://dic.academic.ru/dic.nsf/ruwiki/1511658">kasachischen Steppe</a>, dem Tien Shan und dem Pamir-Gebirge. Nach <a href="https://www.iea.org/reports/the-role-of-critical-minerals-in-clean-energy-transitions">Angaben</a> des Berichts der International Energy Agency beträgt der Anteil von Mineralien und Metallen am Gesamtvolumen der Exporte von Produkten aus Kirgisistan bereits jetzt mehr als 50 Prozent, für Usbekistan und Tadschikistan über 30 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/">EU-Zentralasien-Gipfel in Kirgistan: Zusammenarbeit auf der Tagesordnung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes dieser Mineralien spielt eine entscheidende Rolle in der modernen Technologie und Industrie, von Elektronik und Energie bis hin zu Luft- und Raumfahrt und Landwirtschaft. Es war nicht möglich, genaue Daten über den Anteil der in Zentralasien vorkommenden Seltenerdmetalle an der Welt zu finden, aber durch die Analyse von Daten über den Export von Erzen, Metallen, Edel- und Nicht-Geldsteinen konnte ein ungefähres Verständnis gewonnen werden. Solche Daten für die Länder Zentralasiens werden von der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) bereitgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Export von Erzen, Metallen und Edelsteinen konzentriert sich zusammenfassend nicht nur auf einen der möglichen Akteure wie China, sondern ist unausgewogen zwischen zwei großen Verbrauchern, obwohl der Anteil Asiens allmählich zunimmt. <a href="https://www.voanews.com/a/central-asia-seen-as-key-to-breaking-china-s-rare-earth-monopoly/7457583.html">Laut</a> Wesley Hill, Leiter des Programms für internationale Energie, Wachstum und Sicherheit am International Tax and Investment Centre, kontrolliert China noch nicht den Abbau seltener Erden in Zentralasien, obwohl es in der Region aktiv ist und diese Ressourcen in großem Umfang abbaut und verarbeitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abschluss</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der zunehmende Wettbewerb um kritische Ressourcen in Zentralasien, an dem vor allem die USA und China beteiligt sind, unterstreicht die wachsende strategische Bedeutung der Region in der globalen Lieferkette für seltene Erden und lebenswichtige Mineralien. Aufgrund seiner enormen Reserven an diesen Ressourcen stellt Zentralasien ein potenzielles Gegengewicht zu Chinas derzeitiger Dominanz bei der Produktion und Verarbeitung von Seltenerdelementen dar, die für die Hochtechnologie-, erneuerbare Energie-, Verteidigungs- und Automobilindustrie benötigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinigten Staaten legen verstärkten Wert auf die Diversifizierung ihrer Quellen kritischer Mineralien, um die Abhängigkeit von China zu verringern, wie Initiativen wie die Economic Resilience in Central Asia Initiative und der C5+1 Critical Minerals Dialogue belegen. Diese Bemühungen zielen darauf ab, nachhaltige und zuverlässige Lieferketten zu schaffen, die regionale industrielle Zusammenarbeit zu fördern und die Exploration, den Abbau und die Verarbeitung kritischer Mineralien in Zentralasien zu fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/">Der Gipfel Zentralasien – USA, ein geopolitisch bedeutsames Treffen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist China bestrebt, seine strategische Position aufrechtzuerhalten und die USA und ihre Verbündeten daran zu hindern, Zugang zu neuen Quellen kritischer Ressourcen zu erhalten, was sich in seinem wirtschaftlichen Einfluss in der Region und in strategischen Partnerschaften, z. B. mit Usbekistan im Uranabbau, zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Länder Zentralasiens haben die Chance, ihren Bodenschatz für die wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen, ausländische Investitionen anzuziehen und ihre Position in der Welt zu verbessern. Möglicherweise müssen sie jedoch Herausforderungen im Zusammenhang mit geopolitischen Rivalitäten, Umweltzerstörung, wirtschaftlicher Ungleichheit und Marktinstabilität bewältigen. Der Wettbewerb zwischen den Großmächten in der Region unterstreicht die Notwendigkeit für die zentralasiatischen Länder, eine sorgfältige Strategie zu entwickeln, um die Vorteile zu maximieren und gleichzeitig die Risiken zu verringern, eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten und die Autonomie über ihre natürlichen Ressourcen zu bewahren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eldaniz Huseinov und Abakhon Sultonazarov für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/critical-raw-materials-central-asia">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



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		<title>Unser Rückblick: Das Jahr 2023 in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jan 2024 10:45:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir noch einmal zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat. Globale Krisen wie der Klimawandel, der Krieg Russlands gegen die Ukraine und zunehmender Autoritarismus pr&#xE4;gten auch im vergangenen Jahr die zentralasiatischen Staaten. In Kasachstan konnte sich die Regierung unter Pr&#xE4;sident Toqaev auch mit Hilfe starker Repressionen stabilisieren und suchte [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir noch einmal zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Globale Krisen wie der Klimawandel, der Krieg Russlands gegen die Ukraine und zunehmender Autoritarismus prägten auch im vergangenen Jahr die zentralasiatischen Staaten. In Kasachstan konnte sich die Regierung unter Präsident Toqaev auch mit Hilfe starker Repressionen stabilisieren und suchte trotz des weiterhin großen Einfluss Russlands die geopolitische Nähe zum Westen. Obwohl das Verhältnis von Kirgistan und Tadschikistan weiterhin vom schwelenden Konflikt um die fast 1000 km lange Grenze bestimmt war, führten intensive Verhandlungen dazu, dass sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannte und die beiden Länder sich bereits über große Teile des gemeinsamen Grenzverlaufs einigen konnten. Während das vergangene Jahr in Turkmenistan von Versorgungs- und Umweltkrisen geprägt war, stand die politische Situation in Usbekistan im Zeichen einer Verfassungsänderung und der Wiederwahl von Präsident Mirziyoyev. Ein Überblick.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kasachstan: Lokale Proteste, globale Öffnung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem das letzte Jahr in Kasachstan von den<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-jahr-nach-den-januar-ereignissen-was-haben-kasachstans-behoerden-seitdem-getan/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-jahr-nach-den-januar-ereignissen-was-haben-kasachstans-behoerden-seitdem-getan/">Januar-Ereignissen</a> geprägt war, hat sich die Lage in diesem Jahr wieder stabilisiert. Der Einfluss der Familie von Ex-Präsident<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> wurde weiter<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-de-nazarbaevisierung-schreitet-voran/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-de-nazarbaevisierung-schreitet-voran/">zurückgedrängt</a>. Bei der<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/parlamentswahl-in-kasachstan-nur-demokratische-fassade/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/parlamentswahl-in-kasachstan-nur-demokratische-fassade/">Parlamentswahl</a> am 19. März, bei der die regierende Partei<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amanat_(Partei)"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amanat_(Partei)">Amanat</a> mehr als 54 Prozent der Sitze gewann, konnten erstmals seit langer Zeit wieder unabhängige Kandidierende teilnehmen. Dennoch agiert das Regime äußerst repressiv gegenüber der Opposition. So wurden Aktivist:innen der politischen Bewegung „Oyan, Qazaqstan“ („Wach auf, Kasachstan!“)<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-haftstrafen-wegen-friedlicher-proteste-gegen-unfaire-wahlen/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-haftstrafen-wegen-friedlicher-proteste-gegen-unfaire-wahlen/">zu 15 Tagen Haft verurteilt</a>, weil sie gegen die Wahlergebnisse protestiert hatten. Auch in der Ölarbeiterstadt<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen">Jańaózen</a> flammten<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/pulverfass-janaozen-kasachstans-oelarbeiter-protestieren-erneut/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/pulverfass-janaozen-kasachstans-oelarbeiter-protestieren-erneut/">neue Proteste</a> auf, die aber diesmal – im Gegensatz zu den Januar-Ereignissen – nicht auf das ganze Land übergriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im zweiten Jahr des Krieges in der Ukraine bleibt Kasachstans Verhältnis zu Russland ambivalent. So plant Kasachstan ein<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wird-es-in-kasachstan-ein-register-auslaendischer-agentinnen-geben/"> Register ausländischer Agent:innen</a> einzuführen, bei dem Beobachter:innen Parallelen zum russischen Vorbild sehen. Außerdem half das Land russischen Unternehmen,<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wie-kasachstan-russischen-unternehmen-hilft-sanktionen-zu-umgehen/"> europäische Sanktionen zu umgehen</a>, und geriet so<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sanktionen-gegen-russland-zentralasien-im-visier-des-westens/"> ins Visier des Westens</a>. Dennoch wurde die Zusammenarbeit<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/"> mit den USA</a> und der<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/"> Europäischen Union</a> intensiviert. Dass Kasachstan angesichts der geopolitischen Situation auch für Deutschland interessanter wird, wurde deutlich, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das zentralasiatische Land im Juni<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/bundespraesident-steinmeier-zu-gast-in-kasachstan-und-kirgistan/"> besuchte</a>.</p>



<figure class="wp-block-image"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="2560" height="1710" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-scaled.jpg" alt="Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev bei ihrem Treffen am 20. Juni in Astana, Foto: president.kz" class="wp-image-33543" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-scaled.jpg 2560w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-1024x684.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-768x513.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-1536x1026.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/06/1687238354_KZ2_8661_2-2048x1368.jpg 2048w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev bei ihrem Treffen am 20. Juni in Astana, Foto: president.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zivilbevölkerung steht Russland zunehmend skeptisch gegenüber. Dies<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-nein-zu-pro-russischen-kuenstlerinnen/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-nein-zu-pro-russischen-kuenstlerinnen/">spürten auch russische Musiker:innen</a>, deren Konzerte in Zentralasien vermehrt<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kein-herz-fuer-russische-kuenstler/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kein-herz-fuer-russische-kuenstler/">abgesagt wurden</a>. Die Konzert-Absagen sind auch im Kontext von intensiven<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">Diskursen um Dekolonialisierung</a> zu sehen, welche die kasachstanische Gesellschaft beschäftigen. Doch auch der Staat distanziert sich immer mehr von seinem sowjetischen Erbe und gab im Oktober<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/repression-in-der-sowjetunion-kasachstan-gibt-24-millionen-akten-frei/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/repression-in-der-sowjetunion-kasachstan-gibt-24-millionen-akten-frei/">mehr als 2,4 Millionen Akten</a> zu Fällen von Repressionen während der Sowjetzeit frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/"> Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der internationale Stahlkonzern<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ArcelorMittal"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ArcelorMittal">ArcelorMittal</a> beschäftigte in diesem Jahr Kasachstans Öffentlichkeit. Nachdem es am 28. Oktober in einer Mine des Unternehmens erneut zu einem<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-toedlicher-explosion-in-bergwerk-kasachstan-stoppt-investitionsabkommen-mit-arcelormittal/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-toedlicher-explosion-in-bergwerk-kasachstan-stoppt-investitionsabkommen-mit-arcelormittal/">Grubenunglück mit 46 Toten</a> gekommen war, kündigte die Regierung ein Investitionsabkommen mit ArcelorMittal auf. Der Konzern des indischen Geschäftsmanns<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lakshmi_Mittal"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lakshmi_Mittal">Lakshmi Mittal</a> , der neben dem Stahlwerk von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau">Temirtaý</a> auch eine Vielzahl von Bergwerken im<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy_(Gebiet)"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy_(Gebiet)">Gebiet Qaraģandy</a> unterhielt, musste in der Folge Kasachstan verlassen. Bereits im August war es nach einem tödlichen Unfall in einem anderen Bergwerk des für seinen laxen Umgang mit Sicherheitsvorschriften bekannten Unternehmens zu<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sterben-fuer-mittal-grubenunglueck-in-kasachstan-fordert-erneut-leben/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sterben-fuer-mittal-grubenunglueck-in-kasachstan-fordert-erneut-leben/">massiver Kritik</a> an ArcelorMittal gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Industriestädte wie Temirtaý oder<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a> machten Anfang des Jahres durch ihre hohe<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-industriestaedte-leiden-unter-ausserordentlicher-luftverschmutzung/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-industriestaedte-leiden-unter-ausserordentlicher-luftverschmutzung/">Luftverschmutzung</a> Schlagzeilen, welche die Bevölkerung zunehmend belastet. Doch das ist nicht das einzige Umweltproblem: Die Hauptstadt Astana war im Mai von<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-bevoelkerung-leidet-unter-wassermangel/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-bevoelkerung-leidet-unter-wassermangel/">akutem Wassermangel</a> bedroht, und auch im<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspischen Meer</a> geht der Wasserstand in bedrohlichem Maße zurück. Sollte nicht gegengesteuert werden, droht seine<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/">Austrocknung</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan: Flaggenwechsel im Schatten autoritärer Züge</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan beginnt das neue Jahr mit einer neuen Flagge. Präsident Sadyr Dschaparow<a href="https://kloop.kg/blog/2023/12/22/vsyo-u-kyrgyzstana-novyj-flag-prezident-podpisal-zakon/"> </a><a href="https://kloop.kg/blog/2023/12/22/vsyo-u-kyrgyzstana-novyj-flag-prezident-podpisal-zakon/">unterzeichnete</a> am 22. Dezember ein<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/debatte-um-staatsflagge-erschuettert-kirgistan/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/debatte-um-staatsflagge-erschuettert-kirgistan/">entsprechendes Gesetz</a>, das eine leichte Neugestaltung des Nationalsymbols vorsieht. Für die Initiatoren markiert die Änderung einen Meilenstein in der Entwicklung des Landes, kritische Stimmen sehen darin jedoch einen weiteren Schritt in der Etablierung<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-bausteine-der-diktatur-wie-sadyr-dschaparow-seine-macht-festigte/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-bausteine-der-diktatur-wie-sadyr-dschaparow-seine-macht-festigte/">autoritärer</a> politischer Strukturen, die sich<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-abschied-von-der-demokratie-und-uebergang-zu-einem-autoritaeren-staat/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-abschied-von-der-demokratie-und-uebergang-zu-einem-autoritaeren-staat/">im Laufe des Jahres</a> in Angriffen auf die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-verbot-von-radio-azattyk-schlaegt-wellen/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-verbot-von-radio-azattyk-schlaegt-wellen/">Presse</a>&#8211; und<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-kirgistan-schraenken-freiheit-in-sozialen-netzwerken-weiter-ein/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-kirgistan-schraenken-freiheit-in-sozialen-netzwerken-weiter-ein/">Meinungsfreiheit</a>,<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-festnahmen-wegen-putschversuch/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-festnahmen-wegen-putschversuch/">Verhaftungen</a> politischer Gegner:innen und einem erneuten Anlauf zur Verabschiedung eines Gesetzes über “<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-ngos-verurteilen-gesetzentwurf-zu-auslaendischen-agenten/">ausländische Agenten</a>” manifestierten. Die Debatte um die Staatsflagge, so eine weitere Hypothese, habe dazu gedient, von bestehenden strukturellen Problemen wie<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-kirgistan-nicht-der-armut-entkommt/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-kirgistan-nicht-der-armut-entkommt/">Armut</a> und<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/bischkek-und-taeglich-gruesst-der-smog/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/bischkek-und-taeglich-gruesst-der-smog/">Umweltverschmutzung</a> abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der medienwirksame Kampf der Sicherheitsbehörden gegen die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/bekaempfung-der-organisierten-kriminalitaet-in-kirgistan/"> organisierte Kriminalität</a> kann als Bekräftigung des staatlichen Gewaltmonopols gesehen werden, etwa zum Aufbau eines eigenen “Mafia-Staates”, wie manche <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-dschaparow-und-taschijew-den-mafia-staat-legalisieren/">Beobachter:innen</a> meinen. Dafür spricht auch, dass im Laufe des Jahres mehrere Dutzend Dienstgebäude des Sicherheitsdienstes GKNB<a href="https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1dvWz0XctgtE8FSwpd3BwMmhl4uFbwdw&amp;ll=42.48066766060247%2C75.030480025&amp;z=8"> eröffnet oder renoviert wurden</a>. Außerdem hat Kirgistan im Oktober die Aufenthaltsbedingungen für Ausländer:innen<a href="https://novastan.org/de/panorama/kirgistan-aendert-aufenthaltsbedingungen-fuer-auslaenderinnen/"> verschärft</a>: Wer ohne Visum nach Kirgistan einreisen kann, muss nun eine Karenzzeit von 120 Tagen zwischen zwei Aufenthalten einhalten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Außenpolitisch stand das Jahr im Zeichen verstärkter Bemühungen um eine<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/spannungen-zwischen-kirgistan-und-tadschikistan-nehmen-ab/"> Grenzfestlegung</a> mit Tadschikistan sowie um die Pflege der Beziehungen zu anderen<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/freundschaft-und-zusammenarbeit-der-besuch-des-usbekischen-praesidenten-in-bischkek/"> Nachbarstaaten</a>. Auch China bleibt ein bevorzugter Partner für<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/chinas-wachsende-integration-in-kirgistans-energiesektor/"> Infrastrukturinvestitionen</a>. Vor dem Hintergrund von Russlands Aggression gegen die Ukraine versucht Kirgistan wie die übrige Region eine Balance zwischen der Aufrechterhaltung der politischen Beziehungen zu Moskau (etwa durch<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/geflohene-russische-aktivistinnen-in-kirgistan-festgenommen/"> Verhaftung</a> und<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-schiebt-einen-weiteren-russischen-aktivisten-nach-moskau-ab/"> Ausweisung</a> russländischer Oppositioneller) und gleichzeitiger Partnerschaft mit<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/"> europäischen Staaten</a> und den<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/"> USA</a> zu halten. Wirtschaftlich könnte das Land von den geopolitischen Spannungen sogar profitieren – der Außenhandel erreicht Rekordumsätze, was allerdings auch den<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-wegen-umgehung-der-sanktionen-gegen-russland-am-pranger/"> Verdacht</a> der Umgehung der Sanktionen gegen Russland aufkommen lässt.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/355_2856.jpg" alt="" class="wp-image-37095" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/355_2856.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/355_2856-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/355_2856-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tadschikische Soldaten werden mit Brot und Salz begrüßt &#8211; eine Geste der Gastfreundschaft, Foto: Verteidigungsministerium Kirgistan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem unter den städtischen Eliten gewinnen die Themen<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bruecken-der-erinnerung-eine-konferenz-zur-dekolonisierung-in-bischkek/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bruecken-der-erinnerung-eine-konferenz-zur-dekolonisierung-in-bischkek/">Dekolonisierung</a> und Erinnerungspolitik zunehmend an Aktualität. Das betrifft auch die Sprachpolitik: Im Laufe des Jahres wurde die Idee einer<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kirgistan-diskussion-um-latinisierung-des-alphabets/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kirgistan-diskussion-um-latinisierung-des-alphabets/">Latinisierung</a> der kirgisischen Sprache wieder aufgegriffen und ein neues<a href="https://kloop.kg/blog/2023/12/25/zakon-o-gosyazyke-kak-kyrgyzstan-pytaetsya-usilit-rodnoj-yazyk-nesmotrya-na-davlenie-rossii/"> </a><a href="https://kloop.kg/blog/2023/12/25/zakon-o-gosyazyke-kak-kyrgyzstan-pytaetsya-usilit-rodnoj-yazyk-nesmotrya-na-davlenie-rossii/">Sprachgesetz verabschiedet</a>, nach dem Angestellte im öffentlichen Dienst Kirgisisch können müssen – gegen den Protest Moskaus. In diesem Zusammenhang eine gute Nachricht für alle, die sich selbst für die kirgisische Sprache interessieren: Im Mai ist ein ausführliches Grammatikbuch in deutscher Sprache<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-grammatik-auf-deutsch/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-grammatik-auf-deutsch/">erschienen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tadschikistan: Anhaltende Grenzkonflikte und diplomatische Bemühungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grenzkonflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan, infolgedessen es<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/"> im September 2022 zu Kämpfen kam</a>, trübt die Beziehung zwischen den beiden Staaten nach wie vor. Einschneidend sind auch die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung wegen der Schließung der Grenzübergänge für Personen- und Warenverkehr. Wie etwa der Pamir-Highway von den Grenzschließungen betroffen ist, lest ihr<a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"> in unserer Reportage</a>. Zu allem Überfluss ist das Pamir-Gebirge stark<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit/"> vom Klimawandel betroffen</a>.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/08/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg" alt="" class="wp-image-34270" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/08/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/08/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/08/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">M41 bei Dschelondy, Foto: Matthieu Audiffret</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings nahmen die Spannungen im Zuge des Grenzkonflikts im Laufe des Jahres<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/spannungen-zwischen-kirgistan-und-tadschikistan-nehmen-ab/"> stetig ab</a>. In mehrmals tagenden Kommissionen wurden weite Teile der Grenzlinie zwischen Tadschikistan und Kirgistan festgelegt; bisher wurde über mehr als 664 km (ca. zwei Drittel) der gemeinsamen Grenze verhandelt. Der Besuch von Präsident<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon"> Emomalj Rahmon</a> in Kirgistan am<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/"> EU-Zentralasien-Gipfel</a> hatte daher auch eine symbolische Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/panorama/die-geheimnisse-der-seen-im-pamir/"> Die Geheimnisse der Seen im Pamir</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Rahmon war auch bei den<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwischen-den-golfstaaten-und-zentralasien-bildet-sich-eine-institutionalisierte-kooperation-heraus/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwischen-den-golfstaaten-und-zentralasien-bildet-sich-eine-institutionalisierte-kooperation-heraus/">Gipfeltreffen mit den Golfstaaten</a> und <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/">mit den USA</a> anwesend. Darüber hinaus befindet sich die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/von-teheran-nach-duschanbe-tadschikistan-und-iran-verstaerken-bilaterale-zusammenarbeit/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/von-teheran-nach-duschanbe-tadschikistan-und-iran-verstaerken-bilaterale-zusammenarbeit/">bilaterale Zusammenarbeit mit dem sprachlich eng verwandten Iran</a> in stetem Ausbau, doch auch der<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt/">Einfluss Chinas</a> lässt sich nicht von der Hand weisen. Schließlich machte die<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vertreter-der-taliban-regierung-im-konsulat-in-chorugh-ernannt/"> </a><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vertreter-der-taliban-regierung-im-konsulat-in-chorugh-ernannt/">Ernennung eines Vertreters der Taliban-Regierung im Konsulat in Chorugh</a> Schlagzeilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Menschenrechte betrifft, steht Tadschikistan nach wie vor in der Kritik. Soziale Probleme wie<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verhaftungen-unmoralischer-bloggerinnen-in-tadschikistan-behoerden-erhoehen-druck-auf-die-gesellschaft/"> Druck der Behörden auf die Gesellschaft</a> und fortlaufende<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/fortlaufende-repression-in-tadschikistan/"> Repression</a>, zunehmender<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/journalismus-wird-in-tadschikistan-zu-einem-gefaehrlichen-beruf/"> Druck auf Medienschaffende</a> und einem demzufolge weiterhin<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/pressefreiheit-in-zentralasiatischen-laendern-verschlechtert-sich/"> schlechten Ranking in Sachen Pressefreiheit</a>,<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-laesst-anwaelte-wegsperren/"> Erschwerung der Berufsausführung von Anwälten</a> durch die Behörden oder<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/beduerftige-familien-werden-in-tadschikistan-opfer-von-menschenhandel/"> Menschenhandel</a> als scheinbar letzter Ausweg für Bedürftige sind nach wie vor existent. Auch die Aga-Khan-Stiftung steht immer mehr unter Druck: Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen der Stiftung in Berg-Badachschan<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-druck-auf-die-aga-khan-stiftung-waechst/"> wurden verstaatlicht</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan ist auch von überregionalen Problemen betroffen, etwa von der<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zwiebelkrise-nach-hartem-winter-in-zentralasien/"> «Zwiebelkrise» </a>Anfang des Jahres. Außerdem sind nicht nur die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rekrutierung-in-tadschikistan-problem-fuer-behoerden-hoelle-fuer-soldaten/"> Zustände in der Rekrutierung von Soldaten</a> für die Armee in Tadschikistan prekär, sondern auch jene tadschikistanischer Migrant:innen und deren<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-armee-braucht-tadschikische-migranten-mehr-denn-je/"> Dienst in der russischen Armee</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-stillende-muetter-in-tadschikistan-gezwungen-sind-sich-zu-verstecken/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-stillende-muetter-in-tadschikistan-gezwungen-sind-sich-zu-verstecken/">Diskriminierung von Frauen</a> in verschiedenen Bereichen der<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-tadschikische-frauen-stereotypen-veraendern-und-maennliche-berufe-ergreifen/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-tadschikische-frauen-stereotypen-veraendern-und-maennliche-berufe-ergreifen/">Arbeitswelt</a> und der Gesellschaft – sei es als <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ist-es-einfach-sozialarbeiterin-zu-sein/">Sozialarbeiterin</a> oder sogar als <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/geschichte-zwei-wie-schwangere-frauen-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/">schwangere Frau</a> &#8211; &nbsp;ist groß und hochaktuell.<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ist-es-einfach-sozialarbeiterin-zu-sein/"> </a>&nbsp;Mehr zu sozialen Problemen in Tadschikistan lest ihr im Interview mit der UN-Berichterstatterin für<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/"> </a><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">Menschenrechte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-in-tadschikistan-von-der-justiz-diskriminiert-werden/"> Wie Frauen in Tadschikistan von der Justiz diskriminiert werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie in Kirgistan und in Kasachstan gibt es auch in Tadschikistan Stimmen, die eine<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kolonialismus-und-dekolonisierung-sollten-die-tadschikinnen-ihre-vergangenheit-ueberdenken/"> Dekolonisierungs-Debatte</a> für nötig halten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Turkmenistan: Klimakrise und kritische Menschenrechtslage</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach der Übergabe von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> an seinen Sohn<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> hält der Ex-Präsident die Macht in Turkmenistan fest in der Hand. Die Rückkehr zum<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-ex-praesident-gurbanguly-berdimuhamedow-aendert-gesetzgebungsverfahren-zu-seinen-gunsten/"> </a><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-ex-praesident-gurbanguly-berdimuhamedow-aendert-gesetzgebungsverfahren-zu-seinen-gunsten/">Einkammerparlament</a> Anfang des Jahres stärkte die Position des ehemaligen Staatspräsidenten und verdeutlicht die inoffiziellen Machtverhältnisse in Turkmenistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftlich wurde auch Turkmenistan von der<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zwiebelkrise-nach-hartem-winter-in-zentralasien/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/zwiebelkrise-nach-hartem-winter-in-zentralasien/">„Zwiebelkrise“</a> getroffen, die in Zentralasien nach einem frostigen Winter zu Nahrungsmittelengpässen geführt hat. Außenpolitisch befindet sich das Land in einem Spagat zwischen Europa und Russland. Turkmenistan verfügt über riesige Gasreserven, die nach den EU-Sanktionen gegen Russland eine interessante Alternative für den europäischen Markt darstellen könnten. Auf der anderen Seite versucht Russland seinen Einfluss im Land zu bewahren und blockiert Planungen zur<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistans-gas-unter-russischem-einfluss/"> transkaspischen Pipeline</a>, die Turkmenistan via Türkei mit Europa verbinden würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-liefert-gas-durch-afghanisches-territorium-nach-pakistan/"> Turkmenistan liefert Gas durch afghanisches Territorium nach Pakistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Situation turkmenischer Migrant:innen in der Türkei hat sich weiter verschlechtert. Türkische Behörden versuchen verstärkt gegen illegale turkmenische Arbeitskräfte vorzugehen. Dennoch stehen die meisten einer Rückkehr nach Turkmenistan skeptisch gegenüber, da sie Repressalien in ihrer Heimat befürchten. Zu allem Überdruss nimmt die<a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/in-turkmenistan-nimmt-die-brotkrise-kein-ende/"> Brotkrise</a> kein Ende. In dem isolierten zentralasiatischen Land sind große Teile der Bevölkerung auf subventionierte Lebensmittel angewiesen. Im Laufe des Jahres häuften sich Meldungen über zu spät gelieferte Mehl- und Butterrationen, was zu Unmut in der Bevölkerung führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besorgniserregende Bilder liefert auch das<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer"> </a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspische Meer</a>. An der turkmenischen Küste wurde ein Rückgang des Pegels von bis zu 40 cm gemeldet. Neben Klimaveränderungen werden vor allem sinkende Zuflussmengen der Wolga für das<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/"> </a><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/">Absinken des Wasserspiegels</a> verantwortlich gemacht. Sollten keine Maßnahmen zur Rettung unternommen werden, könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 um weitere 8 bis 30 Meter sinken. Eine Austrocknung würde die Anrainerstaaten aber teuer zu stehen kommen. Turkmenistan investierte in den letzten Jahren in den Bau von riesigen Häfen am Kaspischen Meer, die zur Entwicklung der Handelsrouten zwischen China und Europa beitragen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/die-gruende-fuer-das-robbensterben-im-kaspischen-meer/"> Die Gründe für das Robbensterben im Kaspischen Meer</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/"> </a><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/">Menschenrechte und Geschlechtergleichstellung</a> hat Turkmenistan weiterhin Aufholbedarf. Frauen werden systematisch unterdrückt und als Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt. Abtreibung ist praktisch verboten, Zwangsehen und häusliche Gewalt sind weit verbreitet. In puncto<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/pressefreiheit-in-zentralasiatischen-laendern-verschlechtert-sich/"> </a><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/pressefreiheit-in-zentralasiatischen-laendern-verschlechtert-sich/">Pressefreiheit</a> gehört Turkmenistan zu den fünf am schlechtesten abschneidenden Ländern der Welt. Mit der Übernahme von Serdar Berdimuhamedow hat die Zensur in dem autoritär regierten Land sogar noch zugenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Usbekistan: Verfassungsänderung und Präsidentschaftswahlen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 2023 fand in Usbekistan ein verfassungsänderndes Referendum statt. Kritiker:innen mahnten schon seit 2021 vor der Volksbefragung. Sie diene lediglich dazu, <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/das-verfassungsreferendum-in-usbekistan-findet-im-fruehjahr-2023-statt/">die Amtszeit von Präsident Mirziyoyev zu verlängern</a>, indem seine Präsidentschaftszeit auf Null gesetzt werde. Am 30. April wurden die Bürger:innen Usbekistans befragt, ob sie das neue Verfassungsgesetz der Republik Usbekistan akzeptieren würden.<br>Die Gewalttaten der Regierung gegen Demonstrant:innen im Vorjahr in Karakalpakstan wurden hingegen verschwiegen. Weitere<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/juli-proteste-in-karakalpakstan-lange-haftstrafen-gegen-demonstrierende/"> Demonstrant:innen, Aktivist:innen und Blogger:innen wurden zu langen Haftstrafen</a> verurteilt. Eine Aufhebung des Autonomiestatus von Karakalpakstan war in der neuen Verfassung jedoch nicht mehr vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-die-verfassungsaenderung-fuer-usbekistan-bedeutet/"> Verfassungsänderung</a> wurde erwartungsgemäß mit hoher Wahlbeteiligung und Zustimmung angenommen. Einige Änderungen wurden von internationalen Beobachter:innen positiv aufgenommen, wie das Recht auf Wohnung, das Verbot der Geschlechterdiskriminierung oder die Höherstufung von Lehrkräften im Bildungswesen, andere wurden als<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/gute-miene-zum-boesen-spiel-usbekistans-praesident-mirziyoyev-zu-besuch-in-karakalpakstan/"> oberflächlich</a> kritisiert, manche gar als Pfeiler einer<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-die-verfassungsaenderung-fuer-usbekistan-bedeutet/"> autoritären Kehrtwende</a> gewertet. Die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/trotz-verfassungsreform-pressezensur-in-usbekistan-dauert-an/"> Pressezensur wird rigoros aufrechterhalten</a>.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1280" height="853" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/1a9bd160-9782-44fb-b1ed-ad1d7184343f_lists_slider_6241.jpg" alt="" class="wp-image-33036" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/1a9bd160-9782-44fb-b1ed-ad1d7184343f_lists_slider_6241.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/1a9bd160-9782-44fb-b1ed-ad1d7184343f_lists_slider_6241-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/1a9bd160-9782-44fb-b1ed-ad1d7184343f_lists_slider_6241-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/1a9bd160-9782-44fb-b1ed-ad1d7184343f_lists_slider_6241-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsident Shavkat Mirziyoyev, hier bei der Stimmabgabe, hat seine Macht durch das Verfassungsreferendum gefestigt, Photo: president.uz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Überraschungen brachten am 9. Juli die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen. Wie im<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wahlkampf-in-usbekistan-keine-intrigen-zu-erwarten/"> Vorfeld vermutet</a>, fehlte es an politischer Konkurrenz und ernstzunehmender Opposition, so dass Mirziyoyev<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/shavkat-mirziyoyev-siegt-bei-vorgezogener-praesidentschaftswahl-in-usbekistan/"> wiedergewählt wurde</a>. Ein Karrieresprung gelang auch der Präsidententochter<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/saida-mirziyoyeva-die-praesidententochter-und-ihr-kometenhafter-aufstieg/"> Saida Mirziyoyeva</a>, die Ende August zur<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/saida-mirziyoyeva-die-praesidententochter-und-ihr-kometenhafter-aufstieg/"> Leiterin der Präsidialadministration</a> ernannt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-baumwolle-ist-ein-fluch-ueber-die-ausstellung-paxta-in-taschkent/"> „Die Baumwolle ist ein Fluch“ – Über die Ausstellung „Paxta“ in Taschkent</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur der<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/10-gipfeltreffen-der-organisation-der-turkstaaten-neue-wege-der-zusammenarbeit-sind-gefragt/"> Austausch zwischen den Turkstaaten</a>, sondern auch der<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/"> internationale Dialog</a> wurde von usbekischer Seite intensiviert. So stattete der Präsident<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/usbekistans-praesident-mirziyoyev-zu-besuch-in-berlin/"> im Mai Berlin einen offiziellen Besuch</a> ab, traf dort unter anderem Bundeskanzler Scholz und Bundespräsident Steinmeier und eröffnete die Ausstellung „<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/von-alexander-bis-zu-den-kuschan-archaeologische-schaetze-usbekistans-in-berlin/">Archäologische Schätze Usbekistans</a>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungeachtet der<a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kaeltewelle-fuehrt-zu-energiekrise-in-usbekistan/"> Energiekrise in Usbekistan</a> wurde der<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usbekistan-und-afghanistan-verlaengern-vertrag-ueber-stromexport/"> Stromexportvertrag mit Afghanistan</a> verlängert, während das Projekt der<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/transafghanische-eisenbahn-neuer-schwung-und-alte-problem/"> transafghanischen Eisenbahn</a> erneut auf Hindernisse stößt. Verstärkt wurde der Austausch mit<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/irans-initiativen-in-usbekistan-ein-spiegel-seiner-beziehungen-zu-zentralasien/"> Iran</a>,<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wirtschaftliche-annaeherung-zwischen-singapur-und-usbekistan/"> Singapur</a> und den<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwischen-den-golfstaaten-und-zentralasien-bildet-sich-eine-institutionalisierte-kooperation-heraus/"> Golfstaaten</a>. Die wirtschaftlichen<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sanktionen-gegen-russland-zentralasien-im-visier-des-westens/"> Verflechtungen mit Russland</a> führten in den zentralasiatischen Staaten immer wieder zu Konflikten zwischen<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sanktionen-gegen-russland-zentralasien-im-visier-des-westens/"> europäischen</a> und<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-praesidenten-nehmen-an-moskauer-siegesparade-teil/"> russischen Interessen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/grenzen-und-bruecken-bei-der-herausbildung-einer-regionalen-zentralasiatischen-identitaet/"> Grenzen und Brücken bei der Herausbildung einer regionalen zentralasiatischen Identität</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die menschenrechtswidrigen Zustände in Usbekistan gehören zu den Schattenseiten des vergangenen Jahres. Obwohl sich die Frauenrechte in Usbekistan vordergründig verbessert haben, ist die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sexuelle-gewalt-in-usbekistan-milde-justiz-und-tragische-schicksale/"> strafrechtliche Verfolgung von Sexualdelikten</a> zu lasch. Aufsehen erregten nicht zuletzt die Vergewaltigungen Minderjähriger aus einem Kinderheim in der Provinz<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Xorazm"> Xorazm</a> durch usbekische Staatsbeamte. Die verhängten Strafen fielen milde aus.<br>Homosexuelle wiederum werden <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/code-103-wie-straftaten-nach-artikel-120-in-usbekistan-tatsaechlich-geahndet-werden/">systematisch kriminalisiert, erniedrigt und verfolgt</a>, auch an HIV erkrankte Personen erleben Diskriminierung. Besorgniserregend ist auch das häufige Phänomen der<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/"> Femizide</a>. Leider ist gerade das eigene Zuhause der Frauen oftmals der gefährlichste Ort für geschlechtsspezifisch motivierte Morde. Immerhin wurde<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/"> häusliche Gewalt</a> in Usbekistan kriminalisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das im Oktober von Mirziyoyev unterzeichnete<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/usbekistan-bekaempft-polygamie/"> Gesetz, welches Polygamie unter Strafe</a> stellt, wird in Usbekistan insbesondere in den sozialen Medien diskutiert und trifft nicht nur auf Befürworter:innen, sondern auch auf Gegner:innen. Das Leben der Frauen in Usbekistan ist auch aus historischer Perspektive<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/alles-andere-als-maerchenhaft-das-leben-der-frauen-in-samarkand/"> alles andere als märchenhaft</a>, wie ein Forschungsbeitrag dokumentiert. Beim diesjährigen goEast-Filmfestival in Wiesbaden wurde ein queerer Kurzfilm der usbekischen Fotografin und Regisseurin Kamila Rustambekova gezeigt: „<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/">Ertak</a>“ erzählt eine Geschichte über homosexuelle Beziehungen und Diskriminierung in Usbekistan. </p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1088" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67.png" alt="" class="wp-image-33255" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67.png 1088w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-300x165.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-1024x565.png 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/05/Screenshot-67-768x424.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1088px) 100vw, 1088px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus dem Film &#8222;Ertak&#8220; (Foto bereitgestellt von goEast-Filmfestival)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine politische Kontroverse löste auch die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/backtomuynak-warum-das-diesjaehrige-stihia-festival-nicht-in-karakalpakstan-stattfindet/"> Verlegung eines usbekischen Elektro-Festivals</a> aus, das nicht wie gewohnt am Ufer des<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee"> Aralsees</a>, sondern in<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro"> Buchara</a> stattfand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die historischen Panoramen zu Usbekistan konzentrierten sich auf zwei Schauplätze: die<a href="https://novastan.org/de/panorama/farg%CA%BBona-usbekische-wiege-der-zivilisation/"> Wiege der usbekischen Zivilisation, das Farg’ona-Tal</a>, und die<a href="https://novastan.org/de/panorama/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution/"> wechselvolle Geschichte Bucharas</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Novastan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns bei Novastan hat das Jahr 2023 eine lang ersehnte Neuerung unserer Internetpräsenz gebracht. Seit April ist die vierte Version unserer Website online, die eine übersichtlichere und transparentere Nutzung ermöglichen soll. Jeder Artikel ist nun mit einem Infokasten versehen, der anzeigt, ob es sich um eine Übersetzung oder einen eigenen Text handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November sind rund 30 Novastanis aus den verschiedenen Teams in Berlin zum „Kongress“<a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/novastan-trifft-sich-zum-5-kongress/"> zusammengekommen</a> &#8211; einem Werkstatttreffen, bei dem wir uns vernetzen und gemeinsame Arbeitsprozesse verbessern. Wie in den vergangenen Jahren wurde das Treffen durch die großzügige Unterstützung des<a href="https://www.buergerfonds.eu/"> Deutsch-Französischen Bürgerfonds</a> ermöglicht.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="2500" height="1875" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023.jpg" alt="Gruppenbild Novastan 2023" class="wp-image-37341" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023.jpg 2500w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/11/Gruppenbild-Kongress-2023-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2500px) 100vw, 2500px" /><figcaption class="wp-element-caption">Knapp 30 Vertreter:innen der verschiedenen Zweige von Novastan haben sich am 4. und 5. November in Berlin getroffen. Foto: Kelley Luyken</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der regulären redaktionellen Arbeit hat der Novastan e.V. auch zahlreiche Veranstaltungen für Zentralasien-Interessierte organisiert – allen voran zwei „<em>Dance with the Stans</em>“ Parties in Berlin, zwei Filmabende und regelmäßige Stammtische in Berlin und in Leipzig. Auf der Mitgliederversammlung im Dezember haben der Vorstand und der Aufsichtsrat daher eine durchaus positive Jahresbilanz gezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im kommenden Jahr wollen wir Zentralasien und Europa einander näher bringen und freuen uns auf Eure Teilhabe und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Unterstützung</a>!</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Florian Coppenrath, Michèle Häfliger, Jan Ritter, Robin Roth und Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Gipfel Zentralasien – USA, ein geopolitisch bedeutsames Treffen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Camille Chilla]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2023 18:39:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Rande der 78. Sitzung der Generalversammlung der UNO fand in New York ein historisches Treffen statt. Zum ersten Mal trafen sich die Pr&#xE4;sidenten Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans, Usbekistans sowie der USA zu einem Pr&#xE4;sidentengipfel im Rahmen der C5+1-Gruppe. Das Treffen der Pr&#xE4;sidenten am 19. September markierte einen wichtigen geopolitischen Wendepunkt. Der C5+1-Gipfel zog die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am Rande der 78. Sitzung der Generalversammlung der UNO fand in New York ein historisches Treffen statt. Zum ersten Mal trafen sich die Präsidenten Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans, Usbekistans sowie der USA zu einem Präsidentengipfel im Rahmen der C5+1-Gruppe.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Treffen der Präsidenten am 19. September markierte einen wichtigen geopolitischen Wendepunkt. Der C5+1-Gipfel zog die Aufmerksamkeit politischer Analysten aus aller Welt auf sich, da es sich um das erste Präsidententreffen der C5+1-Plattform handelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gipfel stellt einen Meilenstein in den Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Staaten und den USA dar, indem er die Bereiche der Zusammenarbeit und gemeinsame Anliegen hervorhebt. Rustam Burnachev, Wissenschaftler an der Kasachisch-Deutschen Universität, <a href="https://cabar.asia/en/united-states-interested-in-collaboration-with-central-asia">misst</a> dem Gipfel vor allem eine symbolische Dimension bei: Zum einen unterstreiche er die Notwendigkeit, die eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen, zum anderen biete er den zentralasiatischen Staaten die Möglichkeit, ihre multidirektionale Politik in den Vordergrund zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Gipfel beschränkte sich auf die Formulierung gemeinsamer Themen für die Diskussion der Situation in und um Zentralasien. Es wurde deutlich, dass das C5+1-Format rein diplomatisch-beratender Natur ist, da Entscheidungen ausschließlich auf bilateraler Ebene getroffen werden. Das haben auch die Gipfeltreffen zwischen Zentralasien und Russland, Zentralasien und China sowie Zentralasien und der EU gezeigt“</em>, so Burnachev.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaft als wichtigstes Diskussionsthema</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftliche Beziehungen werden auch 2023 im Mittelpunkt der Diplomatie zwischen Zentralasien und den USA stehen. So wurde für Oktober ein weiteres Treffen in der Region angekündigt, das sich speziell auf nachhaltige Entwicklung konzentrieren soll.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://kg.usembassy.gov/readout-of-president-bidens-meeting-with-the-c51-leaders-at-unga/">Laut der Botschaft der Kirgisischen Republik</a> in den USA wurden Gespräche über die Schaffung eines günstigeren Geschäftsumfelds für den US-Handel und Investitionen des Privatsektors geführt. Geplant ist die Einrichtung einer eigenen Handelsplattform für den Privatsektor, die die diplomatische Plattform der C5+1 ergänzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/">EU-Zentralasien-Gipfel in Kirgistan: Zusammenarbeit auf der Tagesordnung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA haben vorgeschlagen, sich ausschließlich auf kritische Mineralien zu konzentrieren, um die umfangreichen Ressourcen Zentralasiens zu nutzen, <a href="https://thediplomat.com/2023/09/what-happened-at-the-first-ever-central-asia-us-leaders-summit/">berichtet The Diplomat</a>. Die politische Analystin Tschinara Esengul erklärt das Interesse an Mineralien mit der Konkurrenz, die sich aus dem Mangel an erneuerbaren Ressourcen ergebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine internationale Zusammenarbeit in den Bereichen grüne Wirtschaft, Wasserkraftindustrie, Informationstechnologie, Bildung und Infrastrukturprojekte wurde vom kirgistanischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> vorgeschlagen. Er teilte mit, dass Kirgistan „eine stärkere Präsenz ausländischer Partner, einschließlich amerikanischer Unternehmen“ <a href="https://cabar.asia/en/united-states-interested-in-collaboration-with-central-asia">begrüßen würde</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sicherheit im Mittelpunkt des Interesses</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Bekämpfung des Terrorismus war ein zentrales Thema, wobei der Schwerpunkt auf einer verstärkten Zusammenarbeit in den Bereichen Grenzsicherheit und Strafverfolgung lag. Diese Zusammenarbeit soll insbesondere durch den Austausch von Informationen und bewährten Praktiken zur Verhinderung von Radikalisierung <a href="https://www.whitehouse.gov/briefing-room/statements-releases/2023/09/21/c51-leaders-joint-statement/">vertieft werden</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/bringt-joe-biden-neuen-schwung-in-den-beziehungen-zwischen-den-usa-und-zentralasien/">Bringt Joe Biden neuen Schwung in den Beziehungen zwischen den USA und Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA bekräftigen ihre Unterstützung für die Anerkennung Zentralasiens als Zone des Friedens, des Vertrauens und der Zusammenarbeit, was von einigen Analysten als Botschaft an Russland gewertet wird. Wie das <a href="https://www.voanews.com/a/us-eyes-closer-ties-to-central-asia-after-new-york-summit/7280302.html">amerikanische Medium Voanews berichtet</a>, bekräftigen die sechs Staatschefs ihre <em>„Verpflichtung zur Zusammenarbeit bei der Förderung von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Regierungsführung“</em>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Klimawandel – ein verstärkter Kampf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Thema des Gipfels war der Klimawandel. Im Rahmen des Regionalprogramms der <a href="https://www.usaid.gov/">USAID</a>, der internationalen Entwicklungsagentur der USA, wird eine Zusammenarbeit angestrebt, um den unterschiedlichen Bedürfnissen in den Bereichen Wasser, Energie, Ernährung und Umwelt gerecht zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/c5-eine-formel-um-zentralasien-wieder-auf-die-weltkarte-zu-bringen/">„C5 + …“: eine Formel, um Zentralasien wieder auf die Weltkarte zu bringen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien zielen die USAID-Programme auf ein besseres Ressourcenmanagement, die Entwicklung einer klimafreundlichen Landwirtschaft, aber auch auf den Erhalt von Lebensräumen und bedrohten Arten ab. Die Präsidenten bekräftigten ihren Willen, der globalen Erwärmung mit Maßnahmen zur <em>„Minderung, Anpassung und Widerstandsfähigkeit“</em> zu begegnen, <a href="https://www.whitehouse.gov/briefing-room/statements-releases/2023/09/21/c51-leaders-joint-statement/">wie Joe Biden erklärte</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wiederbelebung der C5+1</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen Zentralasiens und den USA ist nicht neu. Während das Treffen der Präsidenten eine Premiere ist, geht die Gründung der C5+1-Plattform <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/c5-eine-formel-um-zentralasien-wieder-auf-die-weltkarte-zu-bringen/">auf das Jahr 2015 zurück</a>. Damals war das Ziel klar: den Dialog mit jedem Land durch ein Engagement auf Ministerebene zu stärken. Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und die USA waren sich einig, gemeinsame Ziele in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Umwelt und Sicherheit voranzutreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch hat die C5+1 erst kürzlich ein Sekretariat eingerichtet, um die Kommunikation zwischen den zentralasiatischen Regierungen und der US-Regierung zu erleichtern, zu koordinieren und zu planen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Reaktion auf die Invasion der Ukraine im Februar 2022 reiste der US-Außenminister zu mehreren diplomatischen Besuchen nach Zentralasien, wie <a href="https://www.aljazeera.com/news/2023/2/28/blinken-in-central-asia-to-boost-ties-amid-ukraine-war">Aljazeera berichtete</a>. Seitdem schenken die USA Zentralasien und der Rolle, die es bei der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sanktionen-gegen-russland-zentralasien-im-visier-des-westens/">Umgehung der Sanktionen</a> gegen Russland spielen kann, besondere Aufmerksamkeit.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Camille Chilla, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/politique/sommet-asie-centrale-etats-unis/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>Zwischen den Golfstaaten und Zentralasien bildet sich eine institutionalisierte Kooperation heraus</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwischen-den-golfstaaten-und-zentralasien-bildet-sich-eine-institutionalisierte-kooperation-heraus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2023 16:44:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. Im Juli dieses Jahres fand in Saudi-Arabien das erste Gipfeltreffen zwischen den L&#xE4;ndern des Persischen Golfs und Zentralasiens statt. Ziel war es, die Aktivit&#xE4;ten der Golfstaaten und der zentralasiatischen Republiken zu b&#xFC;ndeln. Diese Partnerschaft gewinnt aufgrund ihres wirtschaftlichen und handelspolitischen Austauschs und der damit einhergehenden Investitionen zunehmend an Wichtigkeit. Dieser Artikel versucht, eine sich [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. Im Juli dieses Jahres fand in Saudi-Arabien das erste Gipfeltreffen zwischen den Ländern des Persischen Golfs und Zentralasiens statt. Ziel war es, die Aktivitäten der Golfstaaten und der zentralasiatischen Republiken zu bündeln. Diese Partnerschaft gewinnt aufgrund ihres wirtschaftlichen und handelspolitischen Austauschs und der damit einhergehenden Investitionen zunehmend an Wichtigkeit.</strong> <strong>Dieser Artikel versucht, eine sich ausweitende zentralasiatische Diplomatie zu entschlüsseln. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gipfel, der das Interesse der Großmächte China, Russland, der Türkei und der EU weckte, markiert eine Intensivierung der Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Republiken und ihren islamischen Partnern. Das erste Gipfeltreffen zwischen Zentralasien und den Ländern des Persischen Golfs fand am 19. Juli in Saudi-Arabien statt, berichtet das <a href="https://saudigazette.com.sa/article/634203">saudische Medium Saudi Gazette</a>. Das diplomatische Zusammentreffen markiert einen wichtigen Schritt zur Förderung der interregionalen Zusammenarbeit zwischen den arabischen Monarchien und Zentralasien. Den Vorsitz führte Premierminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_bin_Salman">Mohammed bin Salman</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Vertretern der fünf zentralasiatischen Republiken waren auch Vertreter aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Oman und Bahrain anwesend. Die Initiative zur Veranstaltung des Gipfels ging von Saudi-Arabien aus, genauer gesagt vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Golf-Kooperationsrat">Golf-Kooperationsrat</a> (GCC). <a href="https://rus.azattyk.org/a/32511836.html">Laut Radio Azattyk</a>, dem kirgisischen Ableger des US-amerikanischen Medienunternehmens Radio Free Europe, hat sich dieser Block in den letzten zehn Jahren wirtschaftlich stark entwickelt und strebt danach, das Finanz- und Technologiezentrum der gesamten muslimischen Welt zu werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Teilnehmer des hochrangigen Ministertreffens betonten die Bedeutung der Beziehungen zwischen den Golfstaaten und Zentralasien und ihr Bestreben, die Zusammenarbeit und Koordination in Bereichen von gemeinsamem Interesse zu verstärken [&#8230;]“,</em> fasst eine <a href="https://saudigazette.com.sa/article/634338/SAUDI-ARABIA/GCC-and-Central-Asia-countries-share-common-interests-enjoy-historical-relations">gemeinsame Stellungnahme</a> zusammen. Die elf Staaten einigten sich auf einen Kooperationsplan 2023-2027, der den politischen und sicherheitspolitischen Dialog sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Investitionen umfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein <a href="https://www.gcc-sg.org/ar-sa/MediaCenter/NewsCooperation/News/Pages/news2022-9-7-3.aspx">erstes Treffen</a> dieser Art hatte im September 2022 in der saudi-arabischen Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Riad">Riad</a> stattgefunden. Die verschiedenen Minister hatten vereinbart, die Zusammenarbeit zu verstärken, um die durch die Pandemie gestörten Versorgungsketten wiederherzustellen, die Ernährungs-, Energie- und Wassersicherheit zu stärken, grüne Energie zu entwickeln und Umweltfragen zu behandeln. Der jüngste, stärker institutionalisierte Gipfel markiert jedoch eine Beschleunigung des Austauschs zwischen den beiden Regionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Religion, Tourismus und kultureller Einfluss</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien und der Persische Golf sind in erster Linie in religiöser Hinsicht vereint, da sie sich beide zur islamischen Welt bekennen. Der saudische Investitionsminister <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Khaled_al-Faleh">Khaled Al-Faleh</a> wies in einem Interview darauf hin, dass dieser kulturelle Aspekt ein wichtiger Faktor für die Annäherung sei. <em>„Die religiösen Gemeinsamkeiten aus dem 14. Jahrhundert stärken die Bindungen“</em>, wurde er von Radio Azattyk zitiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Investitionen im Zusammenhang mit der religiösen Zusammenarbeit haben in den letzten Jahren zugenommen. So beteiligte sich Katar am Bau der größten Moschee in Tadschikistan. Sie wurde am 8. Juni dieses Jahres eingeweiht und bedurfte einer Gesamtinvestition von 100 Millionen US-Dollar (90,6 Millionen Euro), berichtet das <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20230525/istochnik-samaya-bolshaya-mechet-v-tadzhikistane-otkroetsya-8-iyunya">tadschikische Medium Asia-Plus</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/welche-risiken-birgt-das-suedkorridorprojekt-fuer-kasachstan/">Welche Risiken birgt das Südkorridorprojekt für Kasachstan?</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der geografischen Entfernung zwischen den beiden Regionen haben sich die Staatschefs für eine visafreie Regelung ausgesprochen, um den Tourismus und den Handel zwischen den beiden Regionen zu fördern. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> hat bereits angekündigt, dass die Bürger:innen der Golfstaaten ohne Visum nach Kasachstan einreisen können und dass direkte Flugverbindungen zu ihren Hauptstädten eingerichtet werden, wie das kasachstanische Medium <a href="https://astanatimes.com/2023/07/president-tokayev-sets-out-priority-areas-for-closer-interaction-between-gulf-countries-and-central-asia/">Astana Times</a> berichtet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Saudi-Arabien und die Emirate als Schlüsselpartner</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von den auf dem Gipfeltreffen vertretenen Golfstaaten ist Saudi-Arabien der Staat, mit dem die bilaterale Zusammenarbeit in den zentralasiatischen Ländern am weitesten entwickelt ist. Laut dem russischen Medium <a href="https://vestikavkaza.ru/articles/kuda-vkladyvaut-dengi-strany-persidskogo-zaliva.html">Vestnik Kavkaza</a> beliefen sich die finanziellen Zuschüsse der Vereinigten Arabischen Emirate für kasachstanische Projekte im Jahr 2021 auf insgesamt 3,5 Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro). Auf der anderen Seite wurden in Kasachstan mit Hilfe von Riad Projekte im Wert von 120 Millionen US-Dollar (109 Millionen Euro) umgesetzt, wie die kasachstanische <a href="https://informburo.kz/stati/saudovskie-milliony-kakie-proekty-i-pocemu-finansiruet-saudovskaya-araviya-v-kazaxstane">Nachrichtenagentur InformBuro</a> berichtete. Im August 2022 besuchte der usbekische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> Saudi-Arabien, wobei Projekte im Wert von 14 Milliarden US-Dollar (12,7 Milliarden Euro) <a href="https://www.commonspace.eu/news/uzbekistan-strengthens-relations-saudi-arabia">vereinbart wurden</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/irans-initiativen-in-usbekistan-ein-spiegel-seiner-beziehungen-zu-zentralasien/">Irans Initiativen in Usbekistan: ein Spiegel seiner Beziehungen zu Zentralasien</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das saudi-arabische Unternehmen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/ACWA_Power">ACWA Power</a> investiert auch in Solarenergieprojekte in Usbekistan und Kasachstan, <a href="https://rus.azattyk.org/a/32511836.html">berichtet Radio Azattyk</a>. Saudi-Arabien hat sich gegenüber Kirgistan bereit erklärt, einen Kredit in Höhe von 100 Millionen US-Dollar (90,6 Millionen Euro) zur Finanzierung eines Wohnungsbauprojekts zu vergeben, wie der kirgisische Dienst des russischen Mediums Sputnik <a href="https://ru.sputnik.kg/20230629/saudovskaya-araviya-100-mln-kredit-kyrgyzstan-stroitelstvo-kvartira-1076638187.html">berichtet</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>C5+ oder die geopolitische Herausforderung, Schachfiguren in Zentralasien zu platzieren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Golf-Kooperationsrat">GCC</a>, der als externer Akteur agiert, versucht derzeit, einen einheitlichen Ansatz gegenüber den zentralasiatischen Ländern zu verfolgen. Bisher haben die Golfstaaten erhebliche Mittel in die Region investiert. Dennoch liegen sie weit hinter den Hauptinvestoren China, Russland und den Ländern der Europäischen Union zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein die Verschärfung des Konflikts zwischen Russland und dem Westen seit dem <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-folgen-fuer-zentralasien/">Krieg in der Ukraine</a> und das Erstarken der <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/afghanistankrise-bundesaussenminister-maas-zu-gast-in-usbekistan-und-tadschikistan/">Taliban in Afghanistan</a> hat viele wichtige Akteure dazu veranlasst, sich stärker nach Zentralasien zu orientieren. Daher die Beliebtheit von Treffen in der Form C5 +, beispielsweise mit dem C5 + USA, dem <a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/les-cinq-dirigeants-dasie-centrale-rencontrent-xi-jinping-en-chine/">C5 + China in Xi&#8217;an</a> im Mai oder dem <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/?noredirect=de-DE">C5 + Europa</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tscholponata">Tscholponata</a> im Juni dieses Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich hat Saudi-Arabien, der für Zentralasien wichtigste Akteur unter den Golfstaaten, ein Interesse daran, seinen Einfluss im Verhältnis gegenüber jenem des Iran zu wahren. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren zwar entwickelt, aber erst, seit Muhammad bin Salman nach seinem Amtsantritt 2017 rasch Maßnahmen zur Ausweitung des Einflusses seines Landes ergriffen hat, um dem <a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/le-tadjikistan-nouveau-terrain-de-la-rivalite-iran-arabie-saoudite/">Rivalen Iran entgegenzuwirken</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interesse an Zentralasien wird nicht nachlassen: Das nächste Treffen des Zentralasien-Golfstaaten-Gipfels soll, um den Austausch fortzusetzen, bereits nächstes Jahr in Usbekistan, in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a>, stattfinden, wie das saudische <a href="https://www.arabnews.com/node/2341851">Medium Arab News</a> berichtet.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Grenzen und Brücken bei der Herausbildung einer regionalen zentralasiatischen Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Sep 2023 06:34:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Grenzen f&#xFC;r die Herausbildung einer intraregionalen zentralasiatischen Identit&#xE4;t liegen in den nationalen Geschichtsbildern, die von den politischen Eliten der jeweiligen L&#xE4;nder instrumentalisiert werden. Dies erschwert den Integrationsprozess, stellt Erkin Ba&#x131;darov in einem Beitrag f&#xFC;r das Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR) fest. Die Frage der Formierung einer regionalen Identit&#xE4;t in Zentralasien gewann Ende [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Grenzen für die Herausbildung einer intraregionalen zentralasiatischen Identität liegen in den nationalen Geschichtsbildern, die von den politischen Eliten der jeweiligen Länder instrumentalisiert werden. Dies erschwert den Integrationsprozess, stellt Erkin Baıdarov in einem Beitrag für das Central Asian Bureau for Analytical Reporting (CABAR) fest.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage der Formierung einer <a href="https://www.inform.kz/en/central-asia-s-regional-identity-is-at-stage-of-formation-kyrgyz-sec-of-state-suyunbek-kasmambetov_a4014895">regionalen Identität in Zentralasien</a> gewann Ende Dezember 2022 wieder an Relevanz, als Regierungsvertreter aus Kirgistan (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/State_Secretary_of_Kyrgyzstan">Sujunbek Kasmambetow</a>, kirgisischer Staatssekretär) und Usbekistan (<a href="https://uza.uz/en/posts/eldor-aripov-uzbek-german-partnership-reaches-a-new-level_477544">Eldor Aripov</a>, Direktor des ISRS – Institut für strategische und regionale Studien – beim Präsidenten Usbekistans) im Rahmen des Zentralasiatischen Medienforums in Astana gemeinsam über die Notwendigkeit sprachen, <em>„sich nicht nur als Teil ihres Landes, sondern auch als Teil der gemeinsamen Region, als &nbsp;</em><a href="http://isrs.uz/ru/yangiliklar/eldor-aripov-kazdomu-iz-nas-vazno-osusat-seba-ne-tolko-castu-svoej-strany-no-i-obsego-regiona-centralnoj-azii?fbclid=IwAR22_4ZTLIGuJKjANvOxpqK2xqSoth3akkCU6Y4UtfsB-If_X1GTB5WpReA"><em>Zentralasien</em></a><em>, zu verstehen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die geopolitischen Turbulenzen in den internationalen Beziehungen und die politischen und soziokulturellen Spaltungen haben die Diskussion über die Identität der zentralasiatischen Gemeinschaften wieder aufleben lassen. Die geopolitischen Machtungleichgewichte wirken sich auch auf Zentralasien aus und haben zu einer Entropie der zentralasiatischen Gesellschaftssysteme geführt. [Es handelt sich um eine Anspielung auf das aktuelle Kräftemessen zwischen Russland und dem Westen – Anm. der Red. v. Novastan].</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was bedeutet „Identität“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man von „Identität“ spricht, ist es wichtig, eine angemessene Definition dieses Begriffs zu wählen, da er verschieden interpretiert und angewendet wird. Nach dem interdisziplinären Wörterbuch der „Globalistik“ ist Identität eine gewisse Dauerhaftigkeit individueller, kultureller oder zivilisatorischer Parameter, ihre Selbstidentifikation, wobei die ersten Identitätsebenen mit der traditionellen (nationalen) Kultur verbunden <a href="https://cabar.asia/ru/barery-i-mosty-formirovaniya-regionalnoj-identichnosti-tsentralnoj-azii#_ftn1">sind</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wachsende Verständnis für die Rolle der Identität im menschlichen Leben und in der Gesellschaft führt jedoch zu der Schlussfolgerung, dass die grundlegenden Institutionen der zentralasiatischen Staaten wie Politik und Wirtschaft nicht ohne Bezug auf die regionale Identität funktionieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auf auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-in-kirgistan-zusammenarbeit-auf-der-tagesordnung/"><strong>EU-Zentralasien-Gipfel in Kirgistan: Zusammenarbeit auf der Tagesordnung</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in den 1930er Jahren wies <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mustafa_Shokay">Mustafa Shokaı</a> (1890-1941) in einer Ansprache an die Jugend von „Zentralasien und Kasachstan“ auf die vermeintlich gemeinsamen historischen Wurzeln der Völker der Region hin. Sie hätten die gleiche regionale Kultur, die gleichen Traditionen und Bräuche, ein gemeinsames soziales und politisches Ideal und eine gemeinsame, unteilbare Region (Turkestan, Turan oder Transoxanien) mit gemeinsamen materiellen und geistigen <a href="https://cabar.asia/ru/barery-i-mosty-formirovaniya-regionalnoj-identichnosti-tsentralnoj-azii#_ftnref3">Werten</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Herausbildung einer regionalen Identität Zentralasiens</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Genau vor dieser Aufgabe stehen die politischen und intellektuellen Eliten Zentralasiens heutzutage. Es geht darum, die Bedeutung der zentralasiatischen Region und ihre Subjektivität in den internationalen Beziehungen wiederherzustellen. Dazu gehört die Intensivierung der intraregionalen Beziehungen ebenso wie die Aufmerksamkeit der Welt- und anderer Regionalmächte für die Region. Die Rolle Zentralasiens als – wie es Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> formulierte – <em>„Schnittstelle zwischen Russland, China, Südasien, dem Nahen Osten und dem Südkaukasus“</em> nimmt aufgrund der neuen geopolitischen Realitäten rapide zu.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">So ist in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht ein Trend zur regionalen Annäherung der Staaten zu beobachten. Die Vielfalt der jeweiligen Kooperationsansätze zwischen den zentralasiatischen Staaten schmälert dabei nicht die Bedeutung überregionaler Verbindungen. Dies zeigt sich bereits heute in verschiedenen bi- und multilateralen Verträgen über gemeinsame Aktivitäten in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Bereichen, auch wenn deren Auswirkungen noch nicht wirklich spürbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Geopolitik der Länder der Region versucht die Ökonomie, die nationalen Wirtschaftsstrategien miteinander zu verknüpfen, während die Geopolitik die Integrationsprozess erschwert. Auf diese Weise werden bestimmte (ethnisch-nationale, territoriale und andere) Ansprüche, die sich nicht in den stabilen und fortschreitenden historischen und wirtschaftlichen Prozess einfügen, wieder hervorgeholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikisch-kirgisische-grenze-beide-seiten-hoffen-auf-baldige-wiedereroeffnung/"><strong>Tadschikisch-kirgisische Grenze: Beide Seiten hoffen auf baldige Wiedereröffnung</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies führt zur Aushöhlung der politischen Instrumente und zur Entstehung einer Reihe von Konfliktzonen. Gleichzeitig legen die Schwächung und Zerstörung alter Formen kollektiver, ethnischer, territorialer und sozialer Identität in der Gesellschaft den Grundstein für die Entstehung neuer struktureller Heterogenität und sozialer Differenzierung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, nicht nur die geopolitische und geoökonomische, sondern auch die soziokulturelle Dimension zu berücksichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Barrieren sind zum Teil in den komplexen kulturpolitischen Selbstdefinitionen der Staaten der Region begründet. So wird beispielsweise ein Unterschied zwischen nomadischen und sesshaften Gesellschaften gemacht. Dies führt zu gegenseitigem Unverständnis und verhindert Interaktionen zwischen den verschiedenen Kulturen der in der Region lebenden Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund stellt die Herausbildung einer regionalen Identität der Bevölkerung Zentralasiens eine Herausforderung auf politischer und soziokultureller Ebene dar.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Herausbildung einer regionalen Identität Zentralasiens</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Herausbildung einer regionalen Identität der zentralasiatischen Länder stehen folgende Aufgaben an:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Erforschung der historischen Wurzeln und Untersuchung der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Faktoren der zentralasiatischen Identität;</li>



<li>Analyse der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hanafiten">hanafitischen Madhhab</a> und des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C4%81tur%C4%ABd%C4%ABya">Maturidismus</a> als doktrinäre Glaubensgrundlagen der muslimischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Umma">Umma</a> der Region als eines der Identifikationsmerkmale der zentralasiatischen Identität;</li>



<li>Untersuchung der sprachlichen Zusammensetzung der regionalen Identität anhand der Turksprachen, des Farsi und des Arabischen als ethnisch-kulturelle und ethnisch-konfessionelle Grundlage der regionalen Identität;</li>



<li>Untersuchung der ethnischen Identität und des ethnischen Nationalismus, der kulturellen Identität und des kulturellen Nationalismus (Ursprünge und gegenwärtiger Stand) der zentralasiatischen Gesellschaften;</li>



<li>Analyse der Rolle der wirtschaftlichen und politischen Integration bei der Herausbildung der regionalen Identität, Identifizierung von Desintegrationsfaktoren;</li>



<li>Untersuchung der soziokulturellen Integration und der Auswirkungen aktueller Herausforderungen auf den Prozess der Regionalisierung Zentralasiens;</li>



<li>Anregungen zur Erarbeitung regionsweiter Symbole (soziale Einrichtungen, Bräuche, Traditionen, historische Persönlichkeiten, kulturelle Marken etc.), die die zivilisatorische Matrix Zentralasiens repräsentieren</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neuinterpretationen der Geschichte als Hindernis für die regionale Identität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Länder Zentralasiens, die zusammen eine Art <em>„</em>vagina gentium“ (<em>„</em>Wiege der Nationen“) bilden, sind in der gegenwärtigen Phase ihrer Entwicklung nicht nur mit dem Aufbau und der Stärkung ihrer eigenen nationalen Strukturen beschäftigt, sondern auch mit der Herausbildung einer eigenen nationalen Identität, die eine neue Interpretation der Geschichte mit sich bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte und mittelalterliche Geschichte der ethnischen Gemeinschaften in der Region wird heutzutage oftmals mythologisiert, wobei tatsächliche Quellen und wissenschaftliche Forschungsmethoden ignoriert werden. Geschafft wird eine Pseudogeschichte, die als <em>„</em>politische Ressource“ genutzt wird. Manche Autor:innen zeitgenössischer Publikationen glorifizieren die ferne Vergangenheit des eigenen Volkes hemmungslos und spielen im Gegensatz dazu die Geschichte anderer Bevölkerungsgruppen der Region bewusst herunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kennzeichnend sind auch nationale Auseinandersetzungen um Deutungen vergangener Epochen: Damit einhergehend führen Vertreter:innen verschiedener Nationen wissenschaftlich-politische Diskussionen über die <em>„</em>nationale“ Zugehörigkeit der einen oder anderen historischen Persönlichkeit (z. B. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-F%C4%81r%C4%81b%C4%AB">al-Fārābī</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">ibn Sīnā</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Y%C5%ABsuf_Balasaguni">Yūsuf Balasaguni</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mausoleum_von_Hodscha_Ahmad_Yasawi">Qоjа Аhmet Iassaúi kesenеsі</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Ali Schir Nawāʾi</a> und so weiter).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berufung auf die <em>„</em>großen Vorfahren“ ist in der Regel eine der Ressourcen der ethnischen Mobilisierung im Kampf um nationale Souveränität. Das macht die Artikulation von Geschichtsbildern (Schlüsselelemente der ethnopolitischen Geschichte) zum wichtigsten Element ethnischer Identifikation. So gesehen existiert und funktioniert das Ideologem <em>„</em>Nationalgeschichte“ im Rahmen national orientierter Weltbilder und Denkstrukturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/von-alexander-bis-zu-den-kuschan-archaeologische-schaetze-usbekistans-in-berlin/"><strong>Von Alexander bis zu den Kuschan: Archäologische Schätze Usbekistans in Berlin</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um es mit den Worten des zeitgenössischen tadschikischen Philosophen der Akademie der Wissenschaften der Republik Tadschikistan, <a href="https://cabar.asia/ru/barery-i-mosty-formirovaniya-regionalnoj-identichnosti-tsentralnoj-azii#_ftn3">Akbar Turson, zu formulieren</a>: Der <em>„</em><em>politisch verfrühte und moralisch unreife</em><em>“</em> zentralasiatische Nationalismus ist eindeutig <em>„</em><em>zu einer Ideologie des egoistischen Subethnizismus verkommen, die eine lokal-pathologische Form angenommen hat</em><em>“</em>, in der <em>„</em><em>die provinziellen Köpfe der nationalen Apologeten oder sogar die komplexen regionalen Hochstapler mehr an der Vergangenheit als an der Gegenwart und Zukunft der Region interessiert sind</em><em>“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee der nationalen Identität im Rahmen der &#8222;nationalen Geschichte&#8220; verhindert weitgehend den gemeinsamen intranationalen Integrationsprozess. Die Idee ist im Bewusstsein der zentralasiatischen Gesellschaft (vor allem ihrer politischen Elite) &#8222;verankert&#8220;. Die jeweiligen politischen Elite bilden nationale Symbole und füllen sie mit ideologischem Inhalt, ohne sich der Gefahr solcher „Dekonstruktionen“ für die künftige Entwicklung der Region bewusst zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispiele hierfür sind unter anderem der Bezug auf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Timur</a> und das von ihm geschaffene Imperium als &nbsp;<em>„die Grundlage der usbekischen Staatlichkeit“</em> in Usbekistan unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimov</a> oder die Glorifizierung des kirgisischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khaghanat">Khaganats</a> als Großreich von Sibirien bis Tibet durch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almasbek_Atambajew">Almasbek Atambajew</a>. Die von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> propagierte <em>„indoiranische (arische) Zivilisation“</em> als Ursprung des modernen tadschikischen Staates oder Bezüge auf das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Partherreich">Partherreich</a> in Turkmenistan sowie auf die „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a>“ in Kasachstan passen ebenso in diese Reihe.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Kämpfe der Geschichte“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausbildung <em>„exklusiver nationaler Identitäten“</em> in der zentralasiatischen Region birgt Gefahren. Einerseits kann sie die weitere Entwicklung sowie die Sicherheit der Staaten in der Region negativ beeinflussen. Andererseits kann sie die Region gegenüber geopolitischen Interessen von Drittstaaten in der Region verwundbar machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geht man der Frage nach, wer wir sind, hat <a href="https://cabar.asia/ru/barery-i-mosty-formirovaniya-regionalnoj-identichnosti-tsentralnoj-azii#_ftn3">Samuel Huntington in vielerlei Hinsicht Recht</a>: Moderne Gesellschaften bilden sprachliche, nationale, religiöse, zivilisatorische und territoriale Identitäten aus, die in einer Region repräsentiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Vielzahl solcher kulturellen und zivilisatorischen Phänomene, die die Eigenart, die Einheit und den Fortbestand der zentralasiatischen Zivilisation bestimmen. Die Länder der Region müssen zunächst das Wertesystem, das ihre Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, bewahren. Um die Frage nach der Zukunft der Länder zu beantworten: Es müssen kulturelle und zivilisatorische Leitlinien wiederhergestellt werden. Denn Bürger:innen müssen auf die Zukunft einer gemeinsamen regionalen Identität vertrauen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auf auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/tschingis-aitmatow-und-sein-literarisches-werk/"><strong>Tschingis Aitmatow und sein literarisches Werk</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang möchte ich die Meinung des großen kirgisischen Schriftstellers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschingis_Torekulowitsch_Aitmatow">Tschingis Aitmatow</a> hervorheben, der in einem seiner letzten Interviews feststellte, dass <em>„historische Gemeinsamkeiten, sprachliche Ähnlichkeiten, das Vorhandensein gemeinsamer Traditionen und Bräuche uns unzählige Möglichkeiten bieten, zusammenzukommen und gemeinsam eine neue Welt, eine gemeinsame Zivilisationsgemeinschaft aufzubauen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der politischen Grenzen leben die Länder und Völker der zentralasiatischen Region in einem einzigen Kultur- und Zivilisationsraum, sodass es unmöglich ist, das historische, kulturelle und zivilisatorische Erbe der Region getrennt zu betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist an der Zeit, ein neues Zentralasien aufzubauen, in dem sich alle Beteiligten der Region gemeinsam über ihre Erfolge freuen und sich über ihre Misserfolge sorgen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Erkin Baıdarov für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://cabar.asia/ru/barery-i-mosty-formirovaniya-regionalnoj-identichnosti-tsentralnoj-azii"><strong>Russischen</strong></a><strong> (gekürzt) von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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