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	<title>Generation Z Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 20 Aug 2023 16:40:30 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Generation Z Archives</title>
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		<title>Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 2/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 May 2018 14:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Danijar Kosnasarow]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Generationentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#x201E;Generation Z&#x201C;, oder &#x201E;digital natives&#x201C;, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien gro&#xDF; geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im Interview mit &#x201E;Expert Kazakhstan&#x201C; die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z"><strong>Generation Z</strong></a><strong>“, oder „digital natives“, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im </strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Interview mit „Expert Kazakhstan</strong></a><strong>“ die sogenannte Generation „Zyng-Zyng“, benannt nach einem </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ECWwpmP3spY&amp;t=35s"><strong>sehr populären Musikvideo</strong></a><strong>. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/">ersten Teil</a> des Interviews drehte sich das Gespräch um die Anforderungen, die kasachstanische Jugendliche heute an die Bildung stellen und ihren &#8211; recht konservativ erscheinenden &#8211; Lebensvorstellungen. Im Anschluss geht es um den Kontext, der die Jugend geprägt hat und was für perspektiven für ihr politisches Engagament bestehen.</p>
<figure id="attachment_13810" aria-describedby="caption-attachment-13810" style="width: 620px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-13810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg" alt="Danijar Kosnasarow" width="620" height="469" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg 620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75-300x227.jpg 300w" sizes="(max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-13810" class="wp-caption-text">Danijar Kosnasarow</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Expert Kazakhstan: Laut der Generationentheorie sind Generationen durch Erziehung und Schlüsselereignisse geprägt. Verschiedene Generationen unterscheiden sich also durch ihren historischen Kontext. </strong><strong>Für die Amerikanische Generation Z waren die Wirtschaftskrise, der Klimawandel und der Kampf gegen den Terrorismus Schlüsselereignisse. Was hat die kasachstanische Generation Z geprägt und was bedeutet das für ihr Wertesystem? </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Danijar Kosnasarow:</strong> Die Millenials in den Vereinigten Staaten wurden vor allem durch die Traumata nach dem 11. September geprägt. Für die nächste Generation könnte man Youtube, soziale Medien und die Wahl von Trump nennen.</p>
<p style="text-align: justify">Die kasachstanische Generation Z wurde eben durch die Abwesenheit von Schlüsselereignissen geprägt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist das ebendiese Stabilität, die unsere Behörden so gerne betonen? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, Stabilität wirkt sich auch auf die Werte aus. Hier stellen wir unsere Arbeit der westlichen Forschung gegenüber. Dadurch, dass unser Staatschef (der Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajew</a>, Anm. d. Ü.) mehr als 25 Jahre an der Macht ist, versteht die junge Generation, dass sie kaum Einfluss auf das Geschehen im Land hat. Sie stehen der aktuellen Lage eher apatisch gegenüber. Natürlich spielen die sozialen Netzwerke und Medien auch eine wichtige Rolle – da spürt man durchaus auch die Globalisierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die letzte Weltwirtschaftskrise trat ein, als die ältesten Vertreter der Generation Z sieben Jahre alt waren. Sie haben womöglich gesehen, wie ihre Eltern oder Verwandten ihre Hypothek nicht bezahlen konnten. Hatte die Krise Auswirkungen auf die Jugend? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir Millenials sind im Wohlstand aufgewachsen. Wir haben die 90er nur am Rande erlebt und erinnern uns vor allem an die frühen 2000er, als das Leben in Kasachstan sich mehr oder weniger entwickelte. Warum haben die Millenials, einschließlich der kasachstanischen, idealistische Werte? Wir haben in unseren prägenden Jahren wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das hat stark auf uns eingewirkt: Es ist uns leicht, die Welt der Unternehmen verlassen, um unser eigenes Business aufzubauen oder unsere Träume zu verwirklichen.</p>
<figure id="attachment_1310" aria-describedby="caption-attachment-1310" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-1310" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg" alt="Nursultan Nasarbajew" width="600" height="400" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-1310" class="wp-caption-text">Nursultan Nasarbajew (hier 2011) ist der erste und bisher einzige Präsident Kasachstans</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Die Generation Z wächst in Zeiten wirtschaftlicher Krise heran. Eben deshalb bietet die Familie ihnen einen wichtigen Zufluchtsort, etwas unerschütterliches in Zeiten ständigen Wandels.</p>
<p style="text-align: justify">Sie haben eine sehr pragmatische Einstellung zu Arbeit. Als was sie arbeiten ist ihnen eigentlich nicht wichtig (wobei natürlich jeder ein hohes Gehalt haben will). Viel wichtiger ist, dass die Arbeit stabil ist. Viele derer, die nach 2000 geboren sind, haben mitbekommen, wie ihre Eltern ihre Arbeit verloren haben und so teils ihre Hypothek nicht auszahlen konnten. Das war für sie ein Familiendrama.</p>
<p style="text-align: justify">Der Warenkorb ist heute geschrumpft. Die Leute geben für Essen mehr aus als für Erholung, Reisen und Freizeit. Die Jugendlichen sagen zwar nichts dazu, aber sie merken es. Und ihre Gedanken darüber machen sie pragmatischer, einschließlich was die Hochschulbildung angeht. Studieren ist demnach wichtig, um eine stabile Arbeit zu finden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also Hochschulbildung nicht um gebildet zu werden, sondern als ein einfaches Instrument? Wobei, das ist auch charakteristisch für die kasachstanischen Millenials.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Millenials ist es wichtig, ihre Kompetenzen ständig zu entwickeln, das ist ein Wert an sich. Die Generation Z ist auch da pragmatischer: Sie verstehen, dass sie ein Diplom brauchen. Sie wollen von der Hochschulbildung nur Kompetenzen und Wissen, die ihnen bei der Arbeit von Nutzen sein können. Alles andere finden sie sowieso im Internet.</p>
<h3 style="text-align: justify">Like und gehe auf die Demo</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie schreiben, dass unsere jungen Leute besonders individualistisch sind. Dabei vertraut 14 Prozent auf niemanden, und wenn sie jemandem Vertrauen, dann meistens den Eltern (75 Prozent). Nur sieben Prozent vertrauen ihren Freunden. Machen der Individualismus und das mangelnde Vertrauen sie zu passiven Bürgern? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich denke, dass ihre politische Teilnahme sich in Zukunft über Youtube durch das Blogger-Wesen oder über Memes in sozialen Medien ausdrücken wird. Politische Aktivität wird sich nicht über traditionelle Kanäle wie Demonstrationen ausdrücken, sondern läuft bereits jetzt schon über neue Kanäle. Schugyla Kilybajewa schreibt gerade ihre Doktorarbeit über die politische Teilnahme der Jugend. Sie empfiehlt es, unser Verständnis von „politische Teilnahme“ zu erweitern und es mehr an die Begebenheiten der heutigen Jugend anzupassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Grunde geht es dabei nicht um eine reale gesellschaftliche Stellungnahme, sondern um Nachahmung. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nein, warum denn? Die Regierung wird sich so oder so daran anpassen. Im Moment wird das Geschehen auf Facebook stark verfolgt. Für die Regierung ist es wichtig zu verstehen, wie bestimmte Initiativen in der Bevölkerung ankommen. Sollte die Politik  in zukunft mehr Konkurrenz beinhalten, mit aktiven Parteien und interessanten Personen, so müssen sie so oder so die Rahmen der klassischen politischen Instrumente verlassen, um für die Jugend attraktiv zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Viele Länder entwickeln sich dorthin: Trump hat unter anderem dank der sozialen Medien gewonnen. Will ein Politiker gefragt sein, so muss er den aktuellen Trends folgen und verstehen, welche Messages er über welche Kanäle anbieten kann. Es gibt westliche Ländern, die Online-Referenda  durchführen.</p>
<p style="text-align: justify">Man muss nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, um eine Willenserklärung abzugeben. Ich denke, die Generation Z ist bereit, mit ihren Smartphones und allen möglichen Apps an politischen Prozessen teilzunehmen. Unsere Regierung kümmert sich gerade um Digitalisierung, warum sollte man die Politik nicht auch digitalisieren?</p>
<h3 style="text-align: justify">Die Jungen modernisieren</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ausländische Autoren schreiben, die Teilhabe an globalen Netzwerken mache die Generation Z zu einer internationalen Generation, die sich vom Patriotismus eher distanziert und nationalen Traditionen skeptisch gegenübersteht. Kann man im Falle der kasachstanischen Generation Z  sagen, dass </strong><strong>sie </strong><strong>die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220; (ein vom kasachstanischen Präsidenten im Dezember 2017 <a href="http://www.akorda.kz/ru/events/akorda_news/press_conferences/statya-glavy-gosudarstva-vzglyad-v-budushchee-modernizaciya-obshchestvennogo-soznaniya">angebotenes politisches Programm</a>, Anm. d. Ü.) mit ihrem Akzent auf Tradition und Patriotismus  nicht interessiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nimmt man die neuen Kommunikationskanäle, so wird das Nationale schon mehr Resonanz erfahren. Die heutige Jugend achtet mehr auf die kasachische Sprache und soziologische Studien beobachten eine traditionalistische Tendenz in der Gesellschaft.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/tatsachlich-liebe-das-kasachische-und-die-lateinische-schrift/">Tatsächlich, Liebe &#8211; das Kasachische und die lateinische Schrift</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt in der Jugend eine große Nachfrage nach kasachischem Inhalt, der aber über internationale Kanäle geteilt wird. Warum sind die Musiker <a href="https://muftah.org/how-one-singer-could-save-the-kazakh-language/">Moldanazar</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ninety_One">Ninety One</a> so beliebt? Sie spiegeln die Situation unserer Jugend: Sie versteht und verinnerlicht globale Tendenzen, zum Beispiel in der Musik, hört diese dann aber lieber in ihrer Muttersprache. Der Erfolg von Ninety One erklärt sich nicht nur durch die Anwendung des K-Pop Stils und seinen Konsumkult, viel mehr geht es um kasachischen Inhalt, das ist das wichtigste Element.</p>
<figure id="attachment_13879" aria-describedby="caption-attachment-13879" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-13879" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg" alt="Musikband Ninety One Kasachstan" width="1280" height="853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-13879" class="wp-caption-text">Die kasachstanische &#8222;Q-Pop Band&#8220; Ninety One</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Wenn der Staat die jungen Herzen erreichen will, muss es über die neuen Kommunikationskanäle gehen. Dabei ist es wichtig, dass er nicht pathetisch klingt, wie eine Neuauflage der sowjetischen Pioniere aussieht. Die Jugend ist bereit, patriotisch zu sein und eine gewisses Kasachisch-sein zu symbolisieren. Das entspricht auch der Message des Staates über die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220;. Dennoch sehe ich den Staat und die Jugend zurzeit auf verschiedenen Planeten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das staatliche Programm „<a href="http://ruh.kz/ru/o_proekte">Ruchani Dschanggyru</a>“ zeigt die Zukunft Kasachstans als wettbewerbsfähig, pragmatisch, mit einem Erhalt der nationalen Identität, mit Leuten die eine Entwicklung des Landes durch Evolution statt Revolution bevorzugen, mit einem offenen Geist und einem Wissenskult im Kopf. Kann man von der Generation Z erwarten, dass sie die erste kasachstanische Generation dieser Art wird? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir haben eine zweideutige Beziehung zur Jugend. Einerseits begegnen wir ihr mit Furcht, mit Bezug auf den Maidan und den arabischen Frühling, andererseits wollen wir, dass die jungen Leute nicht die Fehler ihrer Eltern wiederholen, ein besseres Leben als sie führen, ein neues Kasachstan bauen und sich ihrer Leidenschaft widmen. Die Regierung hat auch solch eine zweideutige Jugendpolitik: Einerseits setzt es Rahmen, andererseits bietet es der Jugend an, zur treibenden Kraft für den Fortschritt zu werden. Aber Fortschritt geschieht durch Fantasie und Utopien. Die ältere Generation fordert frische Ideen von der neuen. Die Jugend antwortet, dass eben die ältere Generation sie daran hindert, diese Ideen zu realisieren, aus Furcht, ihren Status, ihr Geld und ihre Anerkennung zu verlieren.</p>
<p><strong>Hört auch unseren Podcast: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-jugendkultur-in-kasachstan/">Zentralasien 2030 &#8211; Jugendkultur in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn die Behörden von Kult des Wissens sprechen, meinen sie gefiltertes Wissen. Aber Wissenskult bedeutet auch kritisches Denken und eine kritisch denkende Jugend kann ihre politisches Uneinigkeit aktiver ausdrücken. Die Behörden wollen eine gebildete und fortschrittliche Jugend, die sich mit neuen technologien auskennt, die sich der Macht aber nicht gegenüberstellt.</p>
<h3 style="text-align: justify">Sechs Säulen der Modernisierung</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist es für die Vertreter der Generation Z wichtig, wettbewerbsfähig zu sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">In dem Sinne: wettbewerbsfähig sein, um eine stabile Arbeit zu haben. Das ist aber ein sehr enges, lokales Segment: Wenn aus hundert Bewerbungen meine ausgewählt wird, heisst das, dass ist wettbewerbsfähig bin. Im ganzen beunruhigt mich dieser Wunsch, einen lokalen Wettbewerb zu meistern. Die Jugend bezieht sich nicht auf globale Märkte, wie es ein Musk und Zuckerberg tun.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im digitalen Zeitalter wird es wohl keine Probleme mit offenen Geistern geben? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist nicht ganz so klar. Einerseits sind die jungen Leute offen für die ganze Welt, sie nutzen viel Inhalt aus dem Internet und schauen viele Videos auf YouTube. Andererseits sind sie intellektuell verschlossen. Sie lesen wenig gute Literatur. So bleiben sie womöglich provinziell, was ihre intellektuelle Entwicklung angeht. Dabei sind sie natürlich auf dem Laufenden, was weltweide Trends angeht. Zum Beispiel ist weltweit ein gesunder Lebensstil mit guter Ernährung unter der Jugend beliebt. Auch für die kasachstanische Generation Z steht die Gesundheit an erster Stelle. Es ist in Mode, auf sich zu achten und Sport zu treiben, um eine gute Figur und ein gutes Aussehen zu haben. Das hat auch mit Druck von Gleichaltrigen zu tun. Solchen Trends folgt auch unsere Jugend, aber ich sehe sie sich nicht in große wissenschaftliche Diskussionen verwickeln, eben über Fragen wie künstliche Intelligenz, Blockchain und Big Data.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Es birgt doch ein Problem für den Wissenskult, wenn die jungen Leute in der Hochschulbildung einen Weg sehen, Arbeit zu finden statt dadurch tatsächlich Gebildete Leute werden zu wollen. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt eine Nachfrage nach jedem beliebigen Wissen, solange Nutzen bringen kann. In einem Zeitalter, in dem jede Information nur einen Klick entfernt ist, ist Gelehrsamkeit kein Wert mehr. Die Jugend geht davon aus, dass dein Wissen nichts wert ist, wenn Du es nicht nutzen kannst. Heute muss alles anwendbar sein, und sie wollen die Ergebnisse ihrer Kompetenzen und Wissen sofort sehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das heisst also zum Beispiel, dass sie keinen Dostojewskij lesen, weil ein solches Wissen sicht nicht zu Geld machen lässt? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, aber wenn Dostojewskij dabei hilft, einen Business case zu lösen, dann lesen sie ihn auch. Das Problem liegt hier woanders: Sie tun sich schwer, Dostojewskij zu verstehen, da die Texte zu lang sind und der Kontext ein anderer. Man kann und muss Literatur ihnen anpassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Vertreter der Generation Z werden dieses Jahr 18 und somit wahlberechtigt. Bald ist Präsidentschaftswahl. Werden sie wählen gehen und welche politischen Themen werden für sie interessant sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich gehe davon aus, dass sie nicht wählen gehen, wenn ihre Eltern sie nicht dazu drängen. Wenn man aber die Nutzung von elektronischen Gadgets fördert, kann man durchaus mehr Leute an die Wahlurnen locken.</p>
<p style="text-align: justify">Was die politische Agenda angeht, so wird irgendeine Ideologie, ob Liberalismus, Konservatismus oder Sozialdemokratie unsere Jugend eher nicht interessieren. Wir leben so oder so in einem postmodernen Zeitalter, in dem es schon keine Unterscheigung, keine Lager und Überzeugungen mehr gibt. Und ich würde nicht sagen, dass eine Partei, die nur konservative Werte ausdrückt, für die Generation Z interessant wäre. Hier haben eher die zentristischen Parteien eine Chance.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also so eine Art &#8222;Nur-Otan&#8220; (die Präsidentschaftspartei in Kasachstan, Anm. d. Ü.).</strong></p>
<p style="text-align: justify">Genau. Die Generation Z ist mit unserem Staat ganz zufrieden. Wie ich eben sagte, sind sie ihn einfach gewohnt. Sie verstehen, dass die Welt nicht ideal ist und der Staat auch nicht. Sie werden ihre Forderungen also eher enger formulieren, über Themen der Ökologie, der Bildungsreform, in der Arbeit. Von ihnen ist zumindest nach aktuellem Stand keine Forderung nach einem Regimewechsel zu erwarten, oder nach dem Rücktritt von gewissen Abgeordneten oder Ministern. Die Jugend ist im klassischen Sinne apolitisch. Eine breite politische Agenda ist für sie zurzeit nicht interessant. Natürlich kann man sie für ehrenamtliche Projekte gewinnen. Diese müssen aber einem Hype entsprechen oder sich viral verbreiten.</p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Plan habe ich schon viel mehr Optimismus im Bezug auf die Millenials,  wenn man ihre Qualitäten und die Werte, die sie respektieren, in Betracht zieht. Und das nicht, weil ich selbst dieser Generation angehöre. In jedem Fall schmort jeder in seinem eigenen Saft, aber wenn Du auf Gleichaltrige schaust, so merkst Du, dass viele von ihnen sich an flüchtigen Werten orientieren und irgendeinen Beitrag zur Entwicklung Kasachstans leisten wollen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ja, die Millenials werden oft als große Idealisten und Optimisten kritisiert. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Meiner bescheidenen Meinung nach wird ein wichtiger Teil der Entwicklung des Landes eben von den Millenials abhängen. Das Fundament, das die Millenials aufbauen, wird zur Grundlage für die Generation Z.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Mit Danijar Kosnasarow sprach Askar Maschajew<br />
</strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Expert Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>In der gekürzter Fassung aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
<p>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">LinkedIn</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 1/2)</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 May 2018 18:15:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#x201E;Generation Z&#x201C;, oder &#x201E;digital natives&#x201C;, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien gro&#xDF; geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im Interview mit &#x201E;Expert Kazakhstan&#x201C; die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z"><strong>Generation Z</strong></a><strong>“, oder „digital natives“, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im </strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Interview mit „Expert Kazakhstan</strong></a><strong>“ die sogenannte Generation „Zyng-Zyng“, benannt nach einem </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ECWwpmP3spY&amp;t=35s"><strong>sehr populären Musikvideo</strong></a><strong>. Der erste Teil des Interviews beschäftigt sich vor allem mit den Anforderungen, die kasachische Jugendliche heute an die Bildung stellen und ihren &#8211; recht konservativ erscheinenden &#8211; Lebensvorstellungen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Idee, dass Generationen mehr sind, als nur eine Altersgruppe, bewegt Geschichtswissenschaftler, Soziologen und Philosophen schon seit langem. Schon Jose Ortega y Gasset oder Auguste Comte haben sich dem Thema gewidmet. Als Begünder der Generationentheorie gilt jedoch der deutsche Soziologe Karl Mannheim. Er studierte den Einfluss gemeinsamer historischer oder wirtschaftlicher Ereignisse, darunter auch technologische Neuerungen, auf eine gegebene Generation.</p>
<p style="text-align: justify;">In den 1960ern bekam das Thema mit den Studentenbewegungen im Westen wieder Aufschwung. Die erste „belabelte“ Generation war wohl die von „Sex, Drugs &amp; Rock’N  Roll“, die Nachkriegsgeneration, die sich stark von den Werten ihrer Eltern abgrenzte. Auf der Grundlage der Theorien von Mannheim theorisierten konzipierten die US-Amerikanischen Forscher <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Strauss%E2%80%93Howe_generational_theory">William Strauss und Neil Howe</a> die Generation der Baby-Boomer (1943-60) und die Generationen X (1960-81), Y oder „Millenials“ (1981-2000) und Z (nach 2000). Letztere ist demnach mitunter durch die Wirtschaftskrisen, den Krieg gegen den Terror und das Internet geprägt.</p>
<figure id="attachment_13810" aria-describedby="caption-attachment-13810" style="width: 620px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg" alt="Danijar Kosnasarow" width="620" height="469" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg 620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75-300x227.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-13810" class="wp-caption-text">Danijar Kosnasarow</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Zudem entstand die Hypothese, dass die aktuellen jungen Generationen sich weltweit durch die Prozesse der Globalisierung immer ähnlicher werden. Ein Forscherteam der Narkhoz Universität um Danijar Kosnasarow widmet sich der Frage, ob die Hypothesen westlicher Foscher sich auch bei der kasachstanischen „Generation Z“ bestätigen lassen. Dabei ging es nicht zuletzt auch darum, die zukünftigen Studierenden besser zu verstehen und so das Bildungsangebot an der Universität zu verbessern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Expert Kazakhstan: Wie müssen die Lernprozesse an die heutige Jugend angepasst werden ?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Danijar Kosnasarow :</strong> Technologien ändern Menschen, aber die kasachstanischen Hochschulen folgen weiterhin einem konservativen Bildungssystem, wenn sie auch versuchen, dem Zeitgeist zu folgen. Die Tendenzen zu Reformen haben sich mit der Ernennung von relativ jungen Rektoren verstärkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Universitäten haben begonnen, die Wichtigkeit der Vorbildung zu erkennen. Einige kasachstanische Hochschulen haben schon ein Rebranding unternommen: Narxoz University, Satbayev University, Atyrau University. Sie bemühen sich attraktiv für die Jugend zu sein. Aber nicht die Fassade ist wichtig, sondern die gebotenen Bildungsinhalte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Darum geht es ja gerade: Das Branding ist eine Sache, aber inwiefern ändern die kasachstanischen Hochschulen den Bildungsprozess? Westliche Forscher sagen, die Kinder der Generation Z seien mit elektronischen Gadgets aufgewachsen und seien nicht mehr in der Lage,  sich auf lange Texte zu konzentrieren. Andererseits sind die digitalen Technologien für sie ein gewohnter Raum. Ist eine solche Entwicklung auch bei den kasachstanischen Jugendlichen zu beobachten? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben uns vor unserer Studie ausführlich den ganzen Arbeiten der westlichen Forscher gewidmet. Sie beobachten, dass die Generation Z einen starken Bezug zu digitalen Technologien hat. In dem Bezug haben uns die Angaben der 14- bis 17-jährigen, die wir 2016 befragt haben, überrascht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die kasachstanische Generation Z ist ohne Zweifel mit elektronischen Gadgets vertraut. Ihre Vertreter verbringen viel Zeit auf sozialen Netzwerken, insbesondere bei Instagram, Telegram und VKontakte (dem russischen Äquivalent von Facebook). Im Übrigen benutzt die meisten Kasachstaner heutzutage aktiv Mobiltelefone. Alte Kommunikationskanäle und traditionelle Treffen verlieren ihre Attraktivität.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-jugendkultur-in-kasachstan/">Zentralasien 2030: Jugendkultur in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die kasachstanische Generation Z ist zwar mit elektronischen Gadgets besser vertraut, als die vorherigen Generationen, benutzt sie aber nicht so ausführlich. Es gibt zwar eine Mode um das Programmieren und um IT-Spezialisierungen, aber leider widmen sich nur sehr wenige junge Leute ausführlich dem Programmieren, der Data Science und den digitalen Technologien.</p>
<p style="text-align: justify;">Kurz gesagt kann man unsere Generation Z nicht im vollen Sinne als „digital natives“ bezeichnen, also Menschen, die die neuen Technologien von klein auf benutzen und sich damit auch gut auskennen. Sie sind eher „digital immigrants“, ebenso wie die Millenials und die Menschen von früheren Generationen. Ja, sie nutzen Smartphones, aber sie können viele Programme nicht vollständig ausnutzen, zudem die meisten sich nicht für das Programmieren, die Robotik, künstliche Intelligenz oder Big Data interessieren. Unsere Generation Z entspricht also in dem Sinne nicht den digital natives in entwickelten Ländern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wenn die kasachstanische Generation Z sich von ihren westlichen Altersgenossen unterscheidet, heisst dass, dass wir die Bildungsprozesse nicht ändern müssen? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich müssen wir sie ändern. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die kasachstanischen Jugendlichen wollen, dass das Wissen der Hochschullehrern ihnen nicht über klassische Methoden beigebracht wird. Sie möchten es sich selber aneignen, der Lehrer soll die Diskussion in der Klasse am besten einfach nur unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Studenten haben uns gesagt: «Entschuldigen Sie, aber viele Informationen können wir selbst im Internet finden. Uns ist viel wichtiger, dass der Lehrer uns zur Diskussion anregt, uns die Möglichkeit gibt, unseren Standpunkt zu erklären und uns dabei hilft, uns die neu erworbenen Kenntnisse auch in die Praxis umzusetzen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Das heißt, die Jugend möchte keine Lehrer oder Hochschullehrer, die Wissen einfach übertragen und deren Meinung als Wahrheit gilt. Es gibt viel eher eine Nachfrage nach Lehrern als Moderatoren, die die Diskussionen leiten, in denen die Studenten ihre eigenen Meinungen an denen der anderen messen können. Der Hochschullehrers, als jemand, der alles weiß und viel Lebenserfahrung hat trifft bei Jugendlichen und Studenten nicht auf Verständnis. Eine solche Hierarchisierung nimmt ihnen eher die Motivation zu lernen.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut unserer Studie gibt es eine Nachfrage nach Hochschullehrern mit viel professioneller Erfahrung. Die Jugend zieht die Praxis der Theorie vor. Jemand der zum Beispiel Marketing lehrt sollte viel praktische und wissenschaftliche Erfahrung haben. Solche Leute stoßen auf größeren Respekt, als Professoren, die einfach ihre Lektion aus dem Buch rezitieren. Ich bin nicht gegen Theoretiker, aber Studenten können jede Information heutzutage selbstständig finden und lesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Entwicklung bedeutet allerdings auch, dass es heute umso wichtiger ist, Studenten zum kritischen Denken zu erziehen. Informationen zu finden ist kein Problem, dafür ist es aber schwer einzuschätzen, welchem Artikel man vertrauen kann. In Schulen und Hochschulen muss man demnach lehren, wie Information gefiltert werden können, und wie die richtigen Entscheidungen getroffen werden und man gut durchs Leben kommt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Ich möchte Glück</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Zahlen Ihrer Studie sind beeindruckend: Für 65 Prozent der Leute ist das wichtigste Ziel „Familienglück erreichen“. Ihre Informanten sind 14 bis 17 Jahre alt. In solch einem Alter träumt man doch  eigentlich eher von sportlichen Erfolgen, als von einem ruhigen Alltag. Und nur ein Drittel der Befragten sieht „die Möglichkeit, sein Talent zu verwirklichen“ als wichtigstes Ziel im Leben. Wie kann man das interpretieren: Beobachten wir einen Trend zum Konservatismus oder handelt es sich hier um eine gewisse Infantilisierung? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Forschung ist, dass es für die kasachstanischen Generation Z keine Konflikte zwischen Eltern und Kindern geben soll. Das ist ein globaler Trend, der besonders auch in Russland zu beobachten ist. Auch die die russische Forscherin Ekaterina Schulman zum Beispiel hat angemerkt, wie wichtig die Familie für die russische Generation Z ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum ist das so ? In dieser komplizierten und unverständlichen Welt ist die Familie für unsere Jugend die klarste und verlässlichste Konstruktion. Sie ist ein „sicherer Raum“, wie einer unserer Informanten sagte, eine Basis, auf die man sich stützen kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-uber-100-studierende-nach-ielts-falschungsskandal-exmatrikuliert/">Kasachstan: Über 100 Studierende nach IELTS-Fälschungsskandal exmatrikuliert </a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gleichzeitig hat die Jugend aber auch einen recht pragmatischen Blick auf diesen « sicheren Raum ». Familie, dass sind die Leute, die einen immer materiell und psychisch unterstützen werden. Es gibt sehr viel Online-Kommunikation, die aber eher auf einer leichten freundschaftlichen Ebene bleibt. Unsere Jugend geht davon aus, dass sie keine tiefgreifenden Vertrauensverhältnisse zu Freunden, Kollegen und Vorgesetzten haben wird. Sie suchen eine Art Therapie und finden diese in der Familie. Heutzutage kümmern sich die Jugendlichen viel um ihre Stellung in sozialen Medien. Schüler sind gestresst durch Instagram. Sie sorgen sich um die Zahl der „Likes“, darum, wer sie „getaggt“ hat und wie sie von anderen wahrgenommen werden. In der Familie können sie aber sie selbst sein, ohne sich zu verstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Also eine Art Infantilismus. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auf eine Art ja, aber sie sind nicht wirklich daran Schuld. Die Bedingungen dafür wurden von ihren Eltern geschaffen, die in den schweren 1990ern aufgewachsen sind. Es ist verständlich, dass die Eltern nach dem, was sie erlebt haben, ihre Kinder von jeglichen Schocks schützen wollen und ihnen möglichst günstige Bedingungen schaffen wollen.</p>
<p style="text-align: justify;">Und ja, die Folgen dieser Hyper-Bevormundung sind sichtbar : Die Eltern machen alles für die Kinder und bemühen sich, mehr oder weniger alle ihre Wünsche zu erfüllen. Der Komplex der 1990er wird so in umgekehrter Ordnung weitergegeben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>65 Prozent der Befragten geben « Familienglück » als wichtigstes Ziel im Leben an. Scheint ihnen nicht, dass das auf einen Trend hin zum Konservatismus hinweist? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Interessanteste ist, dass sich die Gesellschaft als Ganzes in Kasachstan traditionalisiert. Sowohl für die Jugend als auch für die Älteren steht die ethno-religiöse Identität heute im Vordergrund. In dem Sinne folgt unsere Generation Z ganz diesem gesamtgesellschaftlichen Trend.</p>
<p style="text-align: justify;">Andererseits kommen auch Widersprüche zum Vorschein: Wenn die Familie für die Generation Z an erster Stelle steht, warum endet dann jede dritte Hochzeit in einer Scheidung? Dieses Dilemma habe ich noch nicht gelöst, vielleicht können an der Stelle andere Kollegen weiterarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Vielleicht ist die Familie für 30-jährige kein solcher Wert mehr und auch die Generation wird ihr Wertesystem in diesem Alter überdenken ? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das werden wir weiter studieren. Mir scheint, die Familie bleibt wichtig. Nicht nur das Elternhaus, sondern auch die eigene Familie. Die Frage des Alterns hat mehrere Facetten. Die Kindheit endet früh für die Generation Z, mit massivem Zugriff auf Informationen, vor allem visuellen, aus dem Internet. Sie empfinden sich als deutlich älter, als sie sind. Gleichzeitig ist das Syndrom des „erwachsenen Kindes“ eine typische Erscheinung, also der Wunsch, nicht erwachsen zu werden und keine Verantwortung für sich und für andere tragen zu wollen.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie fragten nach der Infantilisierung der Generation Z. Man sollte an dem Punkt nicht vergessen, dass die meisten Kasachstaner erst mit 30 ein gewisses Engagement zeigen. Dreißigjährige sind aktiver in der Politik und im sozialen Bereich, sie werden zu aktiven Bürgern. Reden wir über die 16-jährigen Jugendlichen, die wir befragt haben, so ist es erstaunlich, wie gleichgültig sie gegenüber dem Geschehen im Land sind. Natürlich verfolgen sie alles seit ihrer Kindheit, haben sich an die gegebene Ordnung aber schon gewöhnt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In Gesprächen mit heutigen Jugendlichen wird oft der Traum geäußert, Instagram-Star zu werden, um mit Werbung Geld zu verdienen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie gesagt, unsere Generation Z unterscheidet sich von ihren westlichen Altersgenossen dadurch, dass sie elektronische Gadgets vor allem zur Unterhaltung und zum Zeit-Totschlagen nutzen. Vielleicht hat das damit zu tun, dass unser Bildungssystem sich noch nicht angepasst hat und die neuen Technologien noch nicht in den Lehrprozess eingebunden werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Würde man Programmieren und Robotik lehren und die Arbeit mit Big-Data schon in den jungen Klassen fördern, dann würde unsere Jugend auch aktiver werden. In jedem Fall zeigen die Zahlen, dass viele Jugendlich sich auf IT spezialisieren. Dieser Trend wird noch weiter wachsen.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich kann man die Generation Z auch nicht unabhängig von der Entwicklung der gesamten Gesellschaft betrachten. Die sozioökonmische Lage hat mehr Einfluss, als wir denken. Die Generation als theoretisches Konstrukt kann nicht alles erklären.</p>
<p><strong>Hier geht es <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/">zum zweiten Teil vom Interview</a>.</strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Mit Danijar Kosnasarow sprach Askar Maschajew<br />
</strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Expert Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>In der gekürzter Fassung aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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