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	<title>Gehalt Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 May 2024 10:20:05 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Sozialarbeiter:innen in Tadschikistan: Dem Job treu bleiben trotz schlechter Bezahlung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2024 10:20:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Drogenabhängigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Soziale Arbeit ist in Tadschikistan vor allem Sache von gemeinn&#xFC;tzigen Organisationen. Insbesondere Frauen sind in diesem Beruf t&#xE4;tig, der zu den am schlechtesten bezahlten geh&#xF6;rt. Drei Frauen berichten, wie sie zur sozialen Arbeit kamen und warum sie trotz niedriger Geh&#xE4;lter und geringer Anerkennung weiterhin als Sozialarbeiterinnen t&#xE4;tig sind. In Tadschikistan existiert kein eigenst&#xE4;ndiger staatlicher Sozialdienst. [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Soziale Arbeit ist in Tadschikistan vor allem Sache von gemeinnützigen Organisationen. Insbesondere Frauen sind in diesem Beruf tätig, der zu den am schlechtesten bezahlten gehört. Drei Frauen berichten, wie sie zur sozialen Arbeit kamen und warum sie trotz niedriger Gehälter und geringer Anerkennung weiterhin als Sozialarbeiterinnen tätig sind.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan existiert kein eigenständiger staatlicher Sozialdienst. Lediglich in den Stadtverwaltungen gibt es Mitarbeitende, die Sozialhilfe für ältere Menschen anbieten. Meist handelt es sich dabei um Hilfe beim Putzen, Gänge zum Supermarkt oder zur Apotheke. Außerdem gibt es einige soziale Organisationen, die Bedürftige unterstützen. Allerdings sind die Löhne sehr niedrig, weshalb nur wenige Menschen bereit sind, eine solche Arbeit zu übernehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ich lerne für den Fall, dass wir ausreisen müssen“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sozialarbeiter:in ist der am schlechtesten bezahlte Beruf in Tadschikistan. Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, um für den Fall, dass wir auswandern, auch im Ausland Arbeit finden zu können. Sozialarbeiter:innen werden schließlich überall gebraucht. An der Universität wird uns alles Nötige beigebracht – wie man mit Älteren oder Menschen mit Behinderungen umgeht, und vor allem, dass man nicht auf Anerkennung hoffen sollte. Es ist der Beruf, in dem man am wenigsten Anerkennung erfährt. Es gibt einen Erstbesuch, einen Zweitbesuch und ein ganzes System, das in Tadschikistan noch nicht eingeführt wurde. Die Mitarbeiter:innen von Sozialdiensten erhalten hier keinerlei Sozialleistungen und ihre Bezahlung unterscheidet sich in Duschanbe von Bezirk zu Bezirk, je nachdem, welche Sponsor:innen es gibt</em>“, sagt Sarina, die im letzten Jahr an der Fakultät für Sozialarbeit studiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ist-es-einfach-sozialarbeiterin-zu-sein/"><strong>Ist es einfach, Sozialarbeiterin zu sein?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Studium ist bereits ihre dritte Ausbildung, zuvor war sie Grundschullehrerin und Buchhalterin. In diesem Jahr wird Sarina ihre Diplomarbeit zum Thema „Hilfe für Eltern von Kindern mit Behinderungen“ verteidigen. Mit 23 Jahren war sie als Sozialarbeiterin bei der NGO „Dasti Madad“ (Anm. d. Red.: Tadschikisch für „helfende Hand“) beschäftigt, die hilfsbedürftige Menschen unterstützt. Anschließend war sie Assistentin des Programmkoordinators und danach Leiterin eines Waisenhauses für Mädchen in Duschanbe. Ihre Kenntnisse in Psychologie und ihr Glaube an Gott kamen ihr bei der Arbeit zugute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sarina ist der Meinung, dass es leichter ist, einer anderen Person zu helfen als sich selbst, dass man dafür aber seine Freizeit opfern muss. Zudem findet sie, dass alle Sozialarbeiter:innen eine Person an der Seite haben sollten, die zuhört und unterstützt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Durch den Sohn zum Beruf der Sozialarbeiterin gekommen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schachlo unterrichtet an einer Schule und arbeitete zwischen 2014 und 2023 parallel in einem Reha-Zentrum für Kinder mit Behinderungen. Im Privatleben gab es Schwierigkeiten – als die Kinder noch klein waren, zerbrach die Familie und Schachlo musste mit ihnen zurück zu ihrer Mutter ziehen, die ihr seitdem bei der Erziehung hilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Reha-Zentrum lernte sie kennen, als sie es mit ihrem damals vierjährigen Sohn besuchte, der <a href="https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/klinik-fuer-orthopaedie-und-unfallchirurgie/funktionsbereiche/kinder-und-neuroorthopaedie/spezielle-krankheitsbilder/infantile-cerebralparese#:~:text=Bei%20der%20ICP%20handelt%20es,einen%20erh%C3%B6hten%20Muskeltonus%20(Spastik).">infantile Zerebralparese</a> hat. Kurz darauf begann sie, dort zu arbeiten. Zuvor absolvierte Schachlo eine Ausbildung bei ähnlichen Organisationen, bei denen lokale und ausländische Spezialist:innen unterrichten. Danach folgten zwei- bis dreimal jährlich Auffrischungskurse bei Organisationen wie „<a href="https://www.instagram.com/iroda.tj/?hl=de">Iroda</a>“, „Tschorbog“, „<a href="https://www.facebook.com/Rushdiinclusia/?locale=ru_RU">Ruschdi Inkljusija</a>“ und anderen statt (Anm. d. Red.: Dabei handelt es sich jeweils um eine Initiative von Eltern von Kindern mit Autismus, ein Rehabilitations-Zentrum für Kinder und Jugendliche sowie eine Organisation für Eltern von Kindern mit Behinderungen).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/diskriminierung-von-frauen-mit-behinderungen-in-tadschikistan/"><strong>Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen in Tadschikistan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Das Mitgefühl mit ‚besonderen Kindern‘ und der Wunsch, ihnen zu helfen, haben mich angetrieben, und dass ich dabei bei meinem Sohn sein kann. Auch als er dann in die Schule ging, blieb ich dort und habe viele gute Angebote abgelehnt. Die Bezahlung war ein Witz, aber im Zentrum habe ich nur zwei Tage in der Woche gearbeitet und die restliche Zeit an der Schule</em>“, erzählt Schachlo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gehalt betrug im ersten Jahr monatlich 150 und kurz vor Verlassen des Zentrums 560 tadschikische Somoni (Anm. d. Red.: entspricht aktuell 14 bzw. 51 US-Dollar). Familie und Freund:innen waren über diese Bezahlung beschämt, aber schätzten Schachlos Arbeit. Das Rehabilitationszentrum kümmert sich um die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern mit Beeinträchtigungen im Alter von 3 bis 7 Jahren. Dort können sie an Übungen teilnehmen, erhalten therapeutische Massagen und lernen, wie man richtig mit Schulmaterialien umgeht. Die Diagnose und die Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung unterscheiden sich individuell, und manchmal gab es sehr schwierige Situationen, erinnert sich Schachlo.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">„<em>Der unangenehmste Moment bei meiner Arbeit war die Erkenntnis, dass manche Eltern sich weniger um die Möglichkeit sorgen, den körperlichen und geistigen Zustand ihrer Kinder zu verbessern, als vielmehr materielle Hilfe zu bekommen. Sie erwarten Medikamente und andere Produkte und glauben nicht an die Wirksamkeit von Therapien, obwohl ich als Beispiel meinen Sohn anführen konnte. Ich habe mit ihm vom Kindesalter an sowohl im Zentrum als auch daheim geübt, und trotz seiner infantilen Zerebralparese kann er selbstständig laufen und geht aktuell in die Schule</em>“, erzählt Schachlo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Transport zum Zentrum gibt es nicht und für viele war es schwer, zu den Übungen und Therapien dorthin zu fahren. In diesem Fall besuchten die Sozialarbeiter:innen die Familien daheim, wobei sie teilweise auch vor verschlossenen Türen standen. Mit der Arbeit im Rehabilitationszentrum hat Schachlo nicht etwa aufgehört, weil sie keine Lust mehr dazu gehabt hätte. Nach den neuen Regelungen des Zentrums ist eine gleichzeitige Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber nicht mehr erlaubt und Schachlo hat sich für die Schule entschieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wer, wenn nicht wir?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Marija arbeitet bei der Organisation „<a href="http://www.spinplus.org/eng/index.php">Spin-Plus</a>“, zu der sie durch die Bekanntschaft mit einem der Leiter kam. Er erzählte ihr, wie die Organisation Drogenabhängigen und HIV-positiven Menschen dabei hilft, Gesundheitsrisiken zu verringern, und manche auch unterstützt, in ein normales Leben zurückzukehren. Ihr gefiel die Idee, sich um diejenigen zu kümmern, denen die Gesellschaft den Rücken zugewandt hat. Kurz darauf begann sie, bei „Spin-Plus“ zu arbeiten, inzwischen sind es schon drei Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-hiv-positive-frauen-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/"><strong>Wie HIV-positive Frauen in Tadschikistan diskriminiert werden</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ihres Studiums der sozialen Arbeit war nur ein einziger Mann unter den Studierenden. Marija findet das bedauernswert, insbesondere da in der sozialen Arbeit manchmal die körperliche Stärke eines Mannes gebraucht würde. „<em>Bei meiner Arbeit läuft nicht immer alles rund. Nicht jeder drogenabhängige oder HIV-positive Mensch ist bereit, sich zu öffnen. In den meisten Fällen kommen sie jedoch von selbst zu uns, um Hilfe zu erhalten. Mich motiviert der Wunsch, diesen Menschen zu helfen, ein Teil der Gesellschaft zu werden, und sie auf ihre Bedürfnisse und Probleme aufmerksam zu machen. Von einer Mehrheit der Bevölkerung erfahren sie Ablehnung und Diskriminierung und bekommen keine Möglichkeit, in ein normales Leben zurückzukehren. Jeder Mensch ist von großem Wert, er ist vor allem eine Persönlichkeit. Und jede:r von uns kann sich in einer Situation wiederfinden, mit der man nicht mehr alleine zurecht kommt</em>“, sagt Marija.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Organisation „Spin-Plus“ arbeiten viele Spezialist:innen und Marijas Aufgabe ist es, sterile Spritzen, Staubinden, Verhütungsmittel, Medikamente und andere Produkte zu verteilen. Eines der Ziele von „Spin-Plus“ ist es, das HIV-Risiko in gefährdeten Bevölkerungsteilen zu verringern. Bei ihrer Arbeit hat Marija oft mit emotionalem Burnout zu kämpfen, da viel Energie in die Unterstützung Hilfsbedürftiger fließt. In diesem Fall ist es nötig, eine Pause einzulegen, um mit neuen Kräften zurückkommen zu können. Für Marija kommt es nicht in Frage, diese Menschen im Stich und mit ihrer Sucht allein zu lassen. Irgendjemand müsse ihnen helfen, sonst würden sie untergehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anna Miftachowa für <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20240319/tri-prichini-pochemu-sotsrabotniki-tadzhikistana-poluchaya-mizernie-dengi-ne-uhodyat-s-raboti">Asia-Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan: Gericht stoppt Streik der Minenarbeiter von Temirtau</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-gericht-stoppt-streik-der-minenarbeiter-von-temirtau/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ktoleuliyeva]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Dec 2017 08:18:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Arcellor Mittal]]></category>
		<category><![CDATA[Gehalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kumpel]]></category>
		<category><![CDATA[Minen]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
		<category><![CDATA[Temirtau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein paar hundert Minenarbeiter sind in Temirtau mehrere Tage unter Tage geblieben um f&#xFC;r eine Erh&#xF6;hung des Gehalts zu streiken. Am Ende des vierten Tages wurden sie gezwungen die Arbeit wieder aufzunehmen. Streiks sind extrem selten in Kasachstan. Nachdem bereits Ende November die Kupferbergleute in der Stadt Scheskasgan in den Streik getreten waren, legten am [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ein paar hundert Minenarbeiter sind in Temirtau mehrere Tage unter Tage geblieben um für eine Erhöhung des Gehalts zu streiken. Am Ende des vierten Tages wurden sie gezwungen die Arbeit wieder aufzunehmen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Streiks sind extrem selten in Kasachstan. Nachdem bereits Ende November die Kupferbergleute in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schesqasghan">Scheskasgan</a> in den Streik <a href="http://www.laender-analysen.de/zentralasien/pdf/ZentralasienAnalysen120.pdf">getreten waren</a>, legten am 11. Dezember mehrere hundert Arbeiter in den zum  Konzern <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ArcelorMittal">Arcelor Mittal</a> gehörenden Kohlebergwerke rund um <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau">Temirtau</a> die Arbeit nieder. Nach dem Ende des Arbeitstages waren aus vier Minen des Konzerns circa 200 Kumpel aus der Nachschicht nicht an die Erdoberfläche zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-ist-termirtau-baby-13/">Das ist Temirtau, Baby (1/3)</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 12. Dezember haben sich acht Minen den Protesten angeschlossen. Laut dem Arbeitsministerium haben 700 Personen daran teilgenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Forderung nach Gehaltserhöhungen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Minenarbeiter haben eine ganze Reihe von Forderungen formuliert: eine Lohnerhöhung um 100 Prozent, Senkung des Renteneintrittsalters auf 50 Jahre, ein 13. Monatsgehalt, eine Anpassung der Löhne an die Inflation, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Verbesserungen bei der Rente. Sie weigerten sich die Minen zu verlassen bis der Arbeitsgeber diese Bedingungen akzeptiert. Diese Unzufriedenheit von Minenarbeitern ist bekannt und keinesfalls ein neues Phänomen.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Marat Mirgajasow, dem Vorsitzenden der Kohlenbergbaugewerkschaft „Korgau“, ist die wichtigste Forderung die nach der Gehaltserhöhung. Die meisten anderen Forderungen seien in einem im Oktober geschlossenen Vertrag inkludiert, sagte er dem Nachrichtenportal <a href="https://forbes.kz/process/skolko_zarabatyivayut_bastuyuschie_v_karagande_shahetryi">Forbes.kz</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine angespannte Situation</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zuletzt wurde das Gehalt der Minenarbeiter im Jahr 2015 um 10 Prozent erhöht. Zeitgleich fand eine <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-ndert-seinen-whrungskurs/">Abwertung der Nationalwährung Tenge</a> statt. Laut dem Gewerkschaftler verdienen die Mienenarbeiter aktuell zwischen 310 000 und 320 000 Tenge, was 780 bis 806 Euro entsprechen. Auch Arbeitsministerin Tamara Duissenowa nennt ähnliche Zahlen, indem sie das maximale Gehalt auf 326 000 Tenge (821 Euro) beziffert.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-ndert-seinen-whrungskurs/">Kasachstan ändert seinen Währungskurs</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Vor kurzem hat ein Personalchef die Entscheidung der kasachstanischen Justiz ignoriert und illegale Entlassungen durchgeführt. Dies hat noch mehr Öl ins Feuer gegossen. Die Arbeiter haben lange genug Ungerechtigkeiten ertragen“</em>, erklärt Dscherbol Ismailow, der Leiter des „Zentrums für soziale Teilhabe und Kommunikation“ gegenüber <a href="http://www.the-village.kz/village/city/react/845-politologi-o-zabastovke-shahterov">The Village Kasachstan</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Minimale Kommunikation</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht vom 12. Auf den 13. Dezember fuhr Jerlan Koschanow, der Gouverneur des Gebietes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy_(Gebiet)">Karagandy</a>, in die Bergwerke Schachtinskaja, Tentek, Lenin und Kasachstanskaja ein. Laut Quellen aus der Gebietsverwaltung kehrten als Folge der Gespräche am 13. Dezember um 8 Uhr morgens 154 Bergleute an die Erdoberfläche zurück.</p>
<p style="text-align: justify">Während des Streiks veröffentlichte die Presseabteilung von Arcelor Mittal lediglich <a href="https://www.arcelormittal.kz/index.php?id=10&amp;pr=108">eine Mitteilung</a>, dass alle Beteiligten &#8211; also Delegierte der Minenarbeiter, die Gewerkschaften, die Gebietsverwaltung und der Arbeitgeber &#8211; sich in ständigen Gesprächen befänden.</p>
<p style="text-align: justify">Abgesehen vom Arbeitsministerium gab es keine Kommentare von staatlicher Seite. Der Mangel an Informationen führte zu einer viralen Diskussion in den sozialen Netzwerken und ließ Platz für Gerüchte und Irritationen. Unter dem Hashtag #шахтерымысвами (Minenarbeiter, wir sind mit euch) wurde Unterstützung für die Streikenden ausgedrückt und gefordert, dass sich höhere Autoritäten einschalten, allen voran Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajew</a>, der in seiner Jugend selbst in Temirtau gearbeitet hat und für ihre Situation sensibilisiert sein sollte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Arcelor Mittal zieht vor Gericht</strong></p>
<p style="text-align: justify">Entgegen der Erwartungen der Angestellten und der Bevölkerung hat der Streik den Konflikt mit Arcelor Mittal verschärft. Am 14. Dezember reichte das Unternehmen bei verschiedenen Gerichten Klagen gegen die Gewerkschaften „Korgau“ und „Dschhaktau“ sowie gegen die Arbeiter, die den Streik initiierten, ein.</p>
<p style="text-align: justify">Ein administrativer Prozess sei eingeleitet worden, <em>„um die Demonstrationen und die Handlungen der Gewerkschaften und Arbeiter als illegal anerkennen zu lassen“</em>, erklärt <a href="http://ratel.kz/scandal/arselormittal_temirtau_prosit_priznat_zabastovku_nezakonnoj">Ratel.kz</a>. Am Abend des 14. Dezember  ist das Gericht der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schachtinsk">Schachtinsk</a> der Forderung von Arcelor Mittal nachgekommen. In der Nacht auf dem 15. Dezember haben die Minenarbeiter dann begonnen den Streik zu beenden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kaum erfüllte Forderungen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach vier Tagen Streik bot der Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung um 30 Prozent an.  Des Weiteren habe Acelor Mittal eine Prämie von einem zusätzlichen Monatsgehalt gewährt, wie <a href="http://ratel.kz/scandal/bastujuschie_gornjaki_podnjalis_na_poverhnost">Ratel.kz</a> erklärt. Parallel dazu wurde ein von der Staatsanwaltschaft Schachtinsk unterzeichneter Brief unter den Minenarbeitern verbreitet, in dem garantiert wird von Strafverfolgung in Bezug auf den Streik abzusehen.</p>
<p style="text-align: justify">Alles in allem scheint die Lösung dieses Streiks nichts als Fassade zu sein. Die Demonstrationen haben andere Probleme wie die Gräben zwischen der Führungsebene und den Angestellten der großen Unternehmen des Landes, aber auch die mangelhafte Kommunikation der Staatsorgane in Krisensituationen gezeigt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Schatten von Schanaösen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese Art von Geschehnis ruft in Kasachstan eine bestimmte Erinnerung hervor, fast auf den Tag genau sechs Jahre nach den Ereignissen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schanga%C3%B6sen">Schanaösen</a>. Am 16. Dezember 2011 eröffnete die Polizei in der westksachstanischen Stadt das Feuer auf Raffineriearbeiter, die sich seit Mai im Streik befanden. Offiziell wurden mindestens 14 Personen getötet. Die Erinnerung an diese Ereignisse ist auch heute noch in Kasachstan recht präsent.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Autoritäten des Gebiets Karagandy und die Leitung von Arcelor Mittal scheinen nicht ihre Lektion aus Schanaösen gelernt zu haben, wo der Streik auch friedlich begann und von legitimen Forderungen begleitet wurde. Jedes Jahr im Dezember scheint es unmöglich sich nicht daran zu erinnern“,</em> behauptet der Politologe Dosym Satpajew gegenüber <a href="http://www.the-village.kz/village/city/react/845-politologi-o-zabastovke-shahterov">The Village Kasachstan</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Nach all den Jahren der Unabhängigkeit hat die intendierte Schwächung der Gewerkschaftsbewegung in Kasachstan die Möglichkeit einer soliden Verteidigung in Arbeitskämpfen gesenkt“,</em> bedauert der Experte.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Kamshat Toleuliyeva und Camille Calandre</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
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