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	<title>GBAO Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>GBAO Archives</title>
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	<item>
		<title>Tadschikistan: Von der Überschwemmung zur Transportkrise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[clarak]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[GBAO]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Transport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#xDC;berschwemmungen in Zentralasien im Juli diesen Jahres verdeutlichen, wie dramatisch das Fehlen von robusten Wasser-Management Ma&#xDF;nahmen und Fr&#xFC;hwarnsystemen sein kann.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Die Überschwemmungen in Zentralasien im Juli diesen Jahres verdeutlichen, wie dramatisch das Fehlen von robusten Wasser-Management Maßnahmen und Frühwarnsystemen sein kann. Tadschikistan ist am schlimmsten betroffen. Das Land besteht zu 93% aus Gebirge, was die Gefahr von Lawinen und sintflutartigen Überschwemmungen massiv erhöht. Dutzende Häuser wurden zerstört und noch mehr Menschen kamen ums Leben. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Am 16. Juli 2015 begrub eine große Schlammlawine Teile des Dorfes Barsem im Gund-Tal ungefähr 16km östlich der Stadt Chorugh mitten in der tadschikischen Bergregion Berg-Badachschan, die touristischste Region des Landes entlang des Pamir Highway.</p>
<p style="text-align: justify">Der Schlamm rutschte in den Fluss Gund, staute diesen zu einem See und unterbrach damit die Hauptstraße, welche entlang des Flusses verläuft. Die Schlammlawine bei Barsem wurde durch eine Periode starker Regenfälle und extrem hoher Temperaturen ausgelöst, welche Gletscher und Schnee schneller als gewöhnlich zum Schmelzen brachten. Demnach war der Vorfall in Barsem nur einer von vielen Überschwemmungsbedingten Vorkommnissen im Pamir-Gebirge. So wurden beispielsweise mehrere Brücken entlang des Pamir Highways einfach weggeschwemmt. 1100 EinwohnerInnen wurden so abgeschnitten.</p>
<p style="text-align: justify">Die <u><a href="http://www.eurasianet.org/node/74351">Regierung ist bei dem Umgang mit Notfällen</a></u> in der Pamir-Region auf die NGO Aga Khan Development Network (<u><a href="http://www.akdn.org/">AKDN</a></u>) angewiesen – die Beziehung ist jedoch angespannt. Der Aga-Khan ist das geistige Oberhaupt der Ismaeliten, einer in Berg-Badachschan stark vertretenen schiitischen Minderheit. Einerseits übernimmt AKDN große Verantwortungen bezüglich Bildung und Wirtschaft in der Pamir-Region, andererseits fürchtet die Regierung eine Abspaltung der semi-autonomen Region Berg-Badachschan. 2012 kam es dort zuletzt zu <u><a href="http://www.rferl.org/content/tajikistan-explainer-gorno-badakhshan/25403342.html">militärischen Auseinandersetzungen</a></u> zwischen lokalen Oppositionellen und der Regierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch: <a href="https://novastan.org/articles/tadschikistan-forschungsreise-endet-in-gefngnis">Tadschikistan &#8211; Forschungsreise endet im Gefängnis</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">„Die gefährdete Bevölkerung auf der betroffenen Seite ist durch die Regierung und die Helikopter – die einzige Transportmöglichkeit während der ersten Tage – von Aga Khan Development Network nach Chorugh evakuiert worden und schließlich in das Dorf Manem gebracht worden, wo ein Zufluchtsort und ein Zeltcamp errichtet wurden“, berichtete Idris Jonmamadov, Sprecher des AKDN Notfallschutzzentrums.</p>
<p style="text-align: justify">Das <u><a href="http://untj.net/files/Publications/DRMP/Disaster_Situation_reports/2015/Situation_Report4-GBAO_REVISED.pdf">UN-Team für Notfalleinschätzung und –koordination</a></u> (REACT, Rapid Emergency Assessment and Coordination Team) schätze, dass mehr als 80% der Gemeinden in der Region in den folgenden Tage ohne Strom leben mussten. Während die Medien über die Überschwemmungen und akute Rettungsaktionen berichteten, wurde nur sehr wenig über die weitere <u><a href="http://cesmi.info/wp/?p=1161">sozio-ökonomische Bedeutung des Desasters</a></u> geschrieben.</p>
<p style="text-align: justify">Ende September war der Schlammsee noch immer einige Kilometer lang. In solchen Bedingungen sind die Menschen auf Gummiboote angewiesen, welche als Fähren genutzt werden. Um den provisorischen Ankerplatz zu erreichen, muss man an einem steilen Hang entlang klettern und einem gefährlich schmalen Pfad hoch über dem See folgen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1014/people_carrying_daily_necessities_on_their_way_to_the_rubber_boat._kopie.jpeg" alt="überschwemmung Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Die meisten Menschen tragen hierbei schwere Säcke, die mit ihren täglichen Bedarfsgütern gefüllt sind. Da die Boote nur unregelmäßig fahren und der Platz knapp ist, brechen Streitigkeiten bei der Platzvergabe aus: Ordnungshüter schicken einige der Menschen auf den Bergpfad, wodurch sie den See vollständig umgehen müssen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Von der Überschwemmung zur logistischen Krise</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die unmittelbaren Probleme wirken zwar kontrollierbar und der Vorsitz Barsems und die Bauarbeiter sind zuversichtlich, dass der Pamir Highway früher oder später wieder befahrbar ist, doch der Vorfall führte zu einer ganzen Reihe von Konsequenzen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Schlammlawine bei Barsem blockiert einen Teil des Highways, der von tadschikischen Lastwagen genutzt wird, um chinesische Waren von der Grenze in den östlichen Pamirbergen nach Duschanbe zu transportieren. Dutzende von Schwerlastern steckten wochenlang im Pamir-Gebirge fest. Als alternative Route in die Hauptstadt Tadschikistans, versuchten einige Logistikunternehmen den Umweg über Kirgistan. Doch die kirgisischen Behörden waren unwillig den meistens überladenden 60-Tonnen Lastwagen die Erlaubnis zur Durchreise zu erteilen und informelle Abmachungen waren zu teuer.</p>
<p style="text-align: justify">Da die Route über Kirgistan ausgeschlossen war, versuchten viele Unternehmen ihre Laster durch das Wakhan-Tal in Afghanistan zu schicken. Die unbefestigte Straße durch Wakhan ist jedoch nicht für schwere Fahrzeuge geeignet und viele Laster blieben im Schlamm stecken und mussten tagelang warten, bis sie herausgezogen werden konnten und Bulldozer die Straße frei machten. Als die tadschikische Regierung ihren Fokus auf das Dorf Barsem legte, entschieden ungefähr zwanzig Logistikunternehmen, deren LkWs steckenblieben, sich eigenständig um das Problem zu kümmern. Sie liehen Ausrüstung, stellten Arbeitskräfte ein und begannen, die Wakhanstraße auszubauen, sodass die in China hergestellten Lastwagen passieren können. „Wir haben die Verpflichtung dies zu tun“, sagt ein junger Logistikmanager. „Die Schule beginnt bald und die Eltern in Duschanbe müssen neue Kleidung für ihre Kinder kaufen“.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1014/at_several_points_of_the_wakhan_route_trucks_had_to_wait_for_days_for_the_road_to_be_cleared_before_being_able_to_proceed_to_dushanbe.1.jpeg" alt="Wakhan Tadschikistan LkW" /></p>
<p style="text-align: justify">Seit dem 08. August rumpelt jeden Tag eine steigende Zahl von Schwerlastern durch den Wakhan. Sie lassen eine stände Staubwolke zurück und zerstörte Bewässerungskanäle in den Dörfern, die durchfahren werden. Die Reparatur dieser Schäden wird jedoch den Dorfbewohnern überlassen. Was die LkWs nicht zurücklassen sind die chinesischen Waren, die sie transportieren. Diese werden direkt den Großmärkten in Duschanbe geschafft und von dort bringen sie lokale Händler zurück in die Pamir-Region. Der Handel mit China wird hauptsächlich von Großhändlern aus Duschanbe betrieben, da es die Kosten für Visa, Fahrt und Verzollung für Verkäufer der Pamir-Region erschweren, überhaupt Profit zu machen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Geopolitische Komplikationen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Darüber hinaus ist die aktuelle Mobilitätskrise wegen der Überschwemmungen aufgrund geopolitischer Entwicklungen noch verschärft. Im Mai des Jahres trat Kirgistan nach langer Überlegung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EEU) mit Russland, Kasachstan, Belarus und Armenien bei. Tadschikistan dagegen ist noch kein Mitglied. Insbesondere im Murghob-Distrikt, welcher hauptsächlich die Kirgisischsprachigen, östlichen Teile der Pamir-Region umfasst, erschwert die neue Zollordnung das Leben zunehmend.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch: <a href="https://novastan.org/articles/zollgrenzen-zwischen-kirgistan-und-kasachstan-sind-offen">Zollgrenzen zwischen Kirgistan und Kasachstan sind offen</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Obwohl es an der kirgisischen Grenze noch die Möglichkeit zum Verhandeln gibt, haben informelle Gebühren für Reisende und Waren entscheidend zugenommen. Und nun, da der Pamir Highway als Hauptverbindung nach Chorugh und Duschanbe blockiert ist, wird die Abhängigkeit der Region von Lieferungen aus Osch, in Südkirgistan, sogar noch hervorgehoben.</p>
<p style="text-align: justify">Noch sind die Ladenbesitzer in Murghob nicht allzu besorgt über die derzeitige Warenknappheit, aber die Situation wird eindeutig komplizierter. Während viele Menschen in Murghob darauf hoffen, dass auch Tadschikistan bald der EEU beitritt und dann alle Schwierigkeiten an der Kirgisisch-tadschikischen Grenze Vergangenheit sind, spielen noch weitere Faktoren hinein. Besonders die Abhängigkeit von Geldüberweisungen aus Russland spräche für einen EEU Beitritt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch: </strong><u><strong><a href="https://novastan.org/articles/russlands-reize-schwinden-fur-tadschikische-migranten">Russlands Reize schwinden für tadschikische Migranten</a></strong></u></p>
<p style="text-align: justify">Es bleibt abzuwarten, ob die Mobilitätskrise nur temporär ist oder ob es eine weitere Belastung zu der sowieso schon angespannten ökonomischen Situation bleibt. Auch was mit dem See selbst passiert, bleibt zunächst unklar. Eindeutig ist nur, dass die Überschwemmungen und die neuen Zollordnungen der EEU verdeutlichen, wie sehr diese Region auf fragile Verbindungen nach Außen angewiesen ist. Die Langzeitschäden können ohne internationale Unterstützung kaum bewältigt werden.</p>
<p style="text-align: justify">“Insgesamt haben das Wasser- und Energieversorgungssystem, das Transportsystem und die soziale Infrastruktur des Landes, nach ersten Einschätzungen, einen Schaden von ungefähr 100 Millionen Dollar“ erklärt der Außenminister Tadschikistans in einer Stellungsnahme, um Hilfe zu akquirieren.</p>
<p style="text-align: justify">Die Initiative für die Entwicklung effizienter und kohärenten Mechanismen zum Katastrophenschutz in Tadschikistan ist von internationalen Organisationen angeführt worden, während die Regierung ihre Prioritäten oft anderswo setzt.</p>
<p style="text-align: justify">Der tadschikische Präsident Emomali Rahmon versprach am 22. Juli, dass alle komplett zerstörten Häuser bis November wieder aufgebaut werden und die betroffenen Familien 1,500 Dollar erhalten. Was getan werden kann, um die Auswirkung solcher Vorfälle in der Zukunft zu minimieren, bliebt offen. Eine <u><a href="http://www.eurasianet.org/node/74321">öffentliche Debatte</a></u> über den mangelnden Notfallschutz gibt es nicht – möglicherweise da alle Regierungskritischen im Gefängnis sitzen oder zum Schweigen ermutigt worden sind.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><em><strong>Dieser Artikel <a href="http://cesmi.info/wp/?p=1161">basiert auf einem Artikel</a> von Carolin Maertens und Martin Saxer bei der Zentraleuraischen Forscher- und Medieninitiative (CESMI). </strong></em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Übersetzung aus dem Englischen und Ergänzungen:<br />
Clara Koschies</strong></p>
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		<title>Freiheit unter Auflagen: Tadschikische Behörden entlassen Forscher aus Haft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jul 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[GBAO]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alexander Sodiqov wurde vorerst aus der Untersuchungshaft entlassen und ist nun bei seiner Familie. Die Ermittlungen wegen Landesverrats und Spionage sind noch nicht abgeschlossen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Alexander Sodiqov wurde vorerst aus der Untersuchungshaft entlassen und ist nun bei seiner Familie. Die Ermittlungen wegen Landesverrats und Spionage sind noch nicht abgeschlossen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der internationale Protest zeigte Wirkung: Am 22. Juli, gut einen Monat nach seiner Verhaftung, wurde Alexander Sodiqov unter gewissen Auflagen aus der Haft entlassen. Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, darf der tadschikische Blogger und Politikwissenschaftler Duschanbe, die Hauptstadt Tadschikistans, <a href="http://www.asiaplus.tj/en/news/investigation-my-case-carried-out-without-bias-says-alexander-sodiqov">nicht verlassen</a>. Sodiqov war im Juni während einer Forschungsreise in der Autonomen Region Gorno-Badakhschan (GBAO) von Sicherheitsbeamten festgenommen und in eine Einrichtung des Komitees für nationale Sicherheit in Duschanbe gebracht worden. Ihm werden Landesverrat und Spionage für eine ausländische Regierung vorgeworfen, bei einem Schuldpruch droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="http://francekoul.com/articles/tadschikistan-forschungsreise-endet-in-gefngnis">Tadschikistan: Forschungsreise endet im Gefängnis</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Freude über Wiedersehen mit Familie</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach 36 Tagen Haft genießt der junge Familienvater seine wiedergewonnene Freiheit: „Ich bin sehr glücklich darüber, frei zu sein und die Möglichkeit zu haben, bei meiner Familie zu sein. Die letzten Tage habe ich hauptsächlich mit meiner kleinen Tochter, mit meiner Familie, verbracht,“ erklärte Sodiqov im Interview mit <a href="http://www.ozodi.org/content/exclusive-iv-with-aleksandr-sodiqov-after-he-was-released-from-detention/25468863.html">Radio Ozodi</a>. Natürlich sei er mit den ihm gemachten Vorwürfen nicht einverstanden, er hoffe aber, dass die Untersuchung die Wahrheit ans Licht bringen werde. „Bis jetzt sind die Ermittlungen professionell und neutral verlaufen, ich denke, dass man merken wird, dass ich ein gesetzestreuer Staatsbürger bin.“</p>
<p style="text-align: justify">Gegenüber Radio Ozodi und <a href="http://www.asiaplus.tj/en/news/investigation-my-case-carried-out-without-bias-says-alexander-sodiqov">Asia Plus</a> betonte Sodiqov wiederholt, er sei in der Untersuchungshaft gut behandelt worden: „Das Essen war gut, man sorgte sich um meine Gesundheit und ließ mir alle Zusendungen meiner Familie zukommen.</p>
<p style="text-align: justify">Obwohl ihm wohl schon einige Presseanfragen vorliegen, möchte Sodiqov in der nächsten Zeit <a href="http://www.asiaplus.tj/en/news/investigation-my-case-carried-out-without-bias-says-alexander-sodiqov">keine weiteren Interviews</a> geben. Zuerst solle sich der Rummel um den Fall etwas legen. Laut Medienberichten gehört der Verzicht auf Interviews zu den <a href="http://www.thestar.com/news/gta/2014/07/23/university_of_toronto_researcher_released_from_detention_in_tajikistan.html">Auflagen</a> seiner Entlassung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Internationaler Protest gegen Verhaftung erfolgreich</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sodiqovs Inhaftierung erregte <a href="http://de.globalvoicesonline.org/2014/07/20/freealexsodiqov-mahnwachen-fordern-weltweit-freiheit-fur-sodiqov/">internationales Aufsehen</a>: Internationale Organisationen wie Human Rights Watch und die OSZE forderten seine Entlassung, Amnesty International und ein Unterstützerkreis aus Freunden, Wissenschaftlern und Journalisten setzten sich mit Petitionen für Sodiqov ein. Auch internationale Diplomaten und Politiker sprachen sich für die Freilassung des Nachwuchswissenschaftlers aus. So wurde der tadschikische Außenminister, Sirojiddin Aslov, während seiner Großbritannienreise Anfang Juli wiederholt <a href="http://www.eurasianet.org/node/68986">auf Sodiqov angesprochen</a>. Nach Einschätzung Radio Ozodis könnte dies den <a href="http://www.ozodi.org/content/exclusive-iv-with-aleksandr-sodiqov-after-he-was-released-from-detention/25468863.html">Ausschlag für seine Freilassung</a> gegeben haben.</p>
<p style="text-align: justify">Sodiqov wurde während seiner Forschung zu Zivilgesellschaft und Konfliktlösungsstrategien für die britische Universität Exeter verhaftet. Im Rahmen des Forschungsprojekts war er nach Khorog, in die Provinzhauptstadt GBAOs, gereist, wo er nach einem Interview mit dem Oppositionspolitiker Alim Sherzamonov festgenommen wurde. Gegenüber Radio Ozodi betonte Sodiqov, dieses Projekt habe nichts mit der Forschung für seine Doktorarbeit, an der Universität Toronto, zu tun. Vielmehr sei er von der Universität Exeter damit <a href="http://www.ozodi.org/content/exclusive-iv-with-aleksandr-sodiqov-after-he-was-released-from-detention/25468863.html%20">beauftragt</a> worden.</p>
<p style="text-align: justify">„<strong>Ein Schritt in die richtige Richtung“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Unterstützer Sodiqovs <a href="http://www.ozodi.org/content/aleksand-sodiqov-tajik-researcher-to-be-released/25466599.html%20">begrüßen</a> die nun erreichte Freilassung, sie wird aber nicht zum Anlass für Entwarnung genommen. Man werde den Fall weiter beobachten, so zum Beispiel eine Sprecherin der OSZE-Niederlassung in Duschanbe. Sodiqovs Doktorvater <a href="http://www.theguardian.com/world/2014/jul/24/canada-alexander-sodiqov-released-tajikistan%20">Edward Schatz</a>, Universität Toronto, wertet die Entlassung als Schritt in die richtige Richtung. Er will solange weiter an die tadschikischen Behörden appellieren bis sie Sodiqov freisprechen. Mit dem Feiern warte man daher bis Alexander zurück in Toronto sei.</p>
<p style="text-align: justify">Sodiqov und seine Familie leben seit einigen Jahren in Kanada, Tochter Erika hat die kanadische Staatsbürgerschaft. Trotz der jüngsten Erfahrungen in seinem Heimatland möchte Sodiqov auf lange Sicht nicht in Kanada bleiben. Wenn alles gut ausgehe, wolle er nach dem Fertigstellen seiner Doktorarbeit <a href="http://www.theguardian.com/world/2014/jul/24/canada-alexander-sodiqov-released-tajikistan">zurück nach Tadschikistan</a>.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Tadschikistan: Forschungsreise endet in Gefängnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[GBAO]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Politikwissenschafter und Doktorant Alexander Sodigov lebt eigentlich in Toronto. F&#xFC;r ein Forschungsprojekt kehrt er zur&#xFC;ck in seine Heimat. Dort wird ihm jetzt Landesverrat und Spionage vorgeworfen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Sein Forschungsaufenthalt fand ein jähes Ende: <a href="http://www.eurasianet.org/node/68671">Am 16. Juni</a> wurde Alexander Sodiqov von tadschikischen Sicherheitsbeamten mit dem Vorwurf des Landesverrats und der Spionage für eine nicht näher bestimmte ausländischen Regierung festgenommen.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Der 31-jährige Tadschike arbeitet für ein britisches Forschungsprojekt <em>der Universität Exeter</em> unter dem Titel <em>Rising Powers and Conflict Management in Central Asia.</em> Ursprünglich hatte er gemeinsam mit dem Projektleiter John Heathershaw in die autonome Region Gorno-Badakhshan (GBAO) reisen wollen. Vermutlich auf Anraten des britischen Geheimdienstes trat Heathershaw die Reise kurzfristig doch nicht an, woraufhin der Tadschike allein aufbricht.</p>
<p style="text-align: justify">Seine Forschung führt Sodigov in das Pamir-Gebirge im Süden des Landes. In der autonomen Region kommt es in den letzten Jahren <a href="http://www.nytimes.com/2014/06/27/opinion/the-tajiks-forgotten-war.html">wiederholt zu Gewalt</a> zwischen Militär und lokalen Milizen. In der Hauptstadt Khorog führt Sodiqov einige Interviews mit Vertretern der Zivilgesellschaft und trifft sich sich auch mit dem Oppositionspolitiker der Sozialdemokratischen Partei, Alim Sherzamonov. Dieser gilt als Anführer der blutigen Proteste im Mai dieses Jahres. <a href="http://www.bbc.com/news/world-asia-28019761">Medienberichten zufolge</a>  wird Sodiqov noch während des Gesprächs in einem Park festgenommen.</p>
<p style="text-align: justify">Zunächst fehlt von dem Wissenschaftler jede Spur, Regierung und Geheimdienst geben keine Auskunft zu den Hintergründen des ihm vorgeworfenen Landesverrats. Dann strahlt das lokale Staatsfernsehen eine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KFONo2uvTEo">Stellungnahme Sodiqovs</a> aus, die nach Einschätzung verschiedener Quellen inhaltlich stark verändert und stellenweise auch erzwungen worden wären. Ziel der Ausstrahlung könne es demnach sein, Opposition und den lokal einflussreichen religiösen Führer der Ismailiten, Aga Khan, aus dem Munde des Wissenschaftlers <a href="http://www.eurasianet.org/node/68671">zu verunglimpfen</a>. So gibt Sodiqov dort an, dass die lokale Bevölkerung nicht nur ihr Vertrauen in die Regierung verloren habe, sondern auch in den religiösen Führer und dessen Stiftung.</p>
<p style="text-align: justify">Wie am Mittwoch bekannt wurde, befindet sich der verheiratete Vater einer Tochter mittlerweile in einer Einrichtung des Staatskomitees für Nationale Sicherheit in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. Im Falle einer Verurteilung wegen Landesverrat drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Nachdem ihm zuerst ein Anwalt zugewiesen worden war, durften seine Angehörigen <a href="http://www.rferl.org/content/tajikistan-sodikov/25443391.html">zwei eigene Verteidiger</a> bestimmen. <a href="http://www.ozodi.org/content/v-with-aleksandr-sodiqovs-wife/25442787.html">Laut Radio Ozodi</a> stehe ein Treffen mit diesen in Aussicht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>20 Jahre Haft möglich</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sodiqov ist <a href="http://globalvoicesonline.org/2014/06/23/alexander-sodiqov-is-not-the-first-professional-to-be-accused-of-illegal-activities-by-the-government-of-tajikistan-and-he-may-not-be-the-last/">nicht der erste</a>, der von den tadschikischen Behörden wegen seiner investigativen Arbeit festgenommen wird: Dem tadschikischen BBC-Journalisten Ursunboj Usmonow wurden 2011 extremistische Aktivitäten vorgeworfen, nachdem er Mitglieder der in ganz Zentralasien verbotenen islamistischen Organisation Hisb-ut-tahir interviewt hatte.</p>
<p style="text-align: justify">Auch internationale Organisationen wie die OSZE und Freedom House zeigen sich besorgt. Amnesty International erklärt ihn zum gewaltlosen politischen Gefangenen und startet eine <a href="http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-157-2014-1/doktorand-muss-freigelassen-werden?destination=node%2F5309%3Fpage%3D9%26country%3D13%26from_month%3D0%26from_year%3D1991%26support_type%3D%26topic%3D">Unterschriftenkampagne</a>. Freunde und Unterstützer Sodiqovs rufen ebenfalls zum Unterschreiben einer <a href="https://secure.avaaz.org/ru/petition/Gnu_Yatimovu_Predsedatelyu_Goskomiteta_Nacionalnoy_Bezopasnosti_RT_Prizyvaem_osvobodit_Aleksandra_Sadykova/?nIuqKhb">Petition</a> auf. Besonders akademische Kreise reagieren auf die Festnahme, ist sie doch eine direkte <a href="http://www.washingtonpost.com/blogs/monkey-cage/wp/2014/06/25/researchers-at-risk-in-central-asia/">Bedrohung für die wissenschaftliche Freiheit</a> in Tadschikistan. Innerhalb kürzester Zeit haben <a href="http://catoday.org/centrasia/tjru/14990-kolichestvo-uchenyh-vystupivshih-v-podderzhku-aleksandra-sodikova-vyroslo-do-30-tysyach.html">30.000 Gelehrte</a> ihre Unterstützung für Sodiqov ausgedrückt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das falsche Thema am falschen Ort </strong></p>
<p style="text-align: justify">Bislang haben die Behörden ihre Vorwürfe gegen den Wissenschaftler nicht genauer begründet. Kritiker halten stichhaltige Beweise für unwahrscheinlich. Es ist wohl vielmehr die politische Lage in Tadschikistan, die dem Forschungsthema Sodiqovs eine solche Brisanz verleiht. Der Wissenschaftler bewegt sich auf einem Gebiet, das Duschanbe lieber unbeachtet wüsste. Denn das gespannte Verhältnis zwischen der Regierung um Präsident Emomali Rahmon und der autonomen Region ist <a href="http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2013/08/2013828121815583542.html">von Konflikten gezeichnet</a>, die sich teils bis in die Jahre des Bürgerkriegs zurückverfolgen lassen: Damals fand die Vereinte Tadschikische Opposition unter den dortigen Einwohnern viele Unterstützer. Manche der sogenannten Warlords von damals sind heute einflussreich, wie etwa Tolib Ayombekov, der sehr aktiv im Drogenschmuggel involviert sein soll. Nach dem Friedensschluss 1997 galt die Region lange als regierungskritisch. Einige sahen den Autonomiestatus, der noch aus Sowjetzeiten stammt, in Gefahr und kritisierten Unterdrückungs- und Anpassungsbestrebungen seitens der sunnitischen Mehrheit. Große Konflikte blieben dennoch lange aus.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/677/800px_chorog.jpeg" alt="Chorugh" /></p>
<p style="text-align: justify">Im Sommer 2012 war die Ruhe dann vorbei: In Folge der Ermordung eines lokalen Sicherheitsbeamten kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Militär und den Unterstützern von Tolib Ayombekov, der für den Tod des Polizisten verantwortlich gemacht wurde. Zwei Jahre später, kurz vor Sodiqovs Forschungsaufenthalt, kam es in Khorog zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Drogenschmugglern. Die Folge waren Brandanschläge auf <a href="http://news.tj/en/news/ministry-internal-affairs-reported-details-incident-khorugh">verschiedene Gebäude von Justiz und Regierung</a>. Regierungssprecher beschuldigten westliche Geheimdienste der Zusammenarbeit mit lokalen Gruppierungen, um die Region zu destabilisieren.</p>
<p style="text-align: justify">Der Fall Sodiqov ereignet sich zu einer Zeit, in der Tadschikistans Behörden <a href="http://globalvoicesonline.org/2014/06/27/experts-explain-alexander-sodiqovs-arrest-in-tajikistan/">antiwestliche Stimmung</a> machen. Nach einigen Besuchen von britischen und EU-Vertretern scheint besonders das Verhältnis zu der EU und Großbritannischen angespannt. Am vergangenen Montag <a href="http://akipress.com/news:544000/">erklärte</a> zum Beispiel der Sprecher des tadschikischen Parlaments, „einige Staaten“ würden versuchen, die Lage im Land zu destabilisieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unbequeme Wahrheiten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ausländer benötigen für die Einreise nach Gorno-Badakhshan eine Genehmigung der Behörden in Duschanbe. In unruhigen Zeiten wird die Region für Ausländer ganz gesperrt. Als tadschikischer Staatsbürger benötigte Sodiqov keine solche Genehmigung. Er konnte also ungehindert nach Khorog fahren, um dort unangenehme Fragen zu stellen. <a href="http://www.bbc.com/news/world-asia-28019761">Laut Angaben</a> von seinem Kollegen Heathershaw wurde das Forschungsvorhaben nicht mit britischen Regierungsmitteln, sondern von einer akademischen Organisation finanziert. Es sei ihm ein Rätsel, warum der Eingriff der Behörden gerade jetzt passiere.</p>
<p style="text-align: justify">Wie das weite Echo der Meldung zeigt, könnte es auch lediglich darum gehen, ein Exempel zu statuieren. Mit Sodiqov wurde erstmals ein Doktorand unter dem Schutz einer ausländischen Universität Opfer staatlicher Repression. Dass es genau ihn traf, dürfte auch an seiner Person liegen. Alexander Sodiqov ist nicht nur ein ambitionierter Nachwuchswissenschaftler mit politisch missliebigen Forschungsinteressen, sondern auch Journalist. Diese Tätigkeit muss den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen sein. Für <a href="http://globalvoicesonline.org/">Global Voices</a> und auf seinem eigenen Blog <a href="http://tjmonitor.wordpress.com/">tajikistanmonitor</a> berichtet Sodiqov seit Jahren kritisch über das politische Geschehen in seinem Heimatland. Gerade seine Herkunft könnte nun zu seiner Inhaftierung beigetragen haben: Wäre Sodiqov nicht tadschikischer Staatsbürger, wäre er wohl mit einer Ausweisung davongekommen. Kenner der politischen Lage in der Region befürchten nun, dass sich einheimische Wissenschaftler aus Angst der <a href="http://globalvoicesonline.org/2014/06/27/experts-explain-alexander-sodiqovs-arrest-in-tajikistan/">Selbstzensur</a> unterwerfen und heikle Themen in Zukunft meiden könnten.</p>
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<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion</strong></p>
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