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	<title>Gastarbeiter Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Gastarbeiter Archives</title>
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		<title>Die Eurasische Wirtschaftsunion – eine Organisation zwischen Ambitionen und Realitäten in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 19:51:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das letzte Treffen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), das Ende M&#xE4;rz in Kasachstan stattfand, verdeutlicht die Kluft zwischen den ehrgeizigen Pl&#xE4;nen des eurasischen Blocks und der konkreten Umsetzung seiner Projekte. Der letzte Rat der EAWU, der am 26. und 27. M&#xE4;rz in Schymkent im S&#xFC;den Kasachstans stattfand, bekr&#xE4;ftigte erneut deren Ambitionen. Unter der F&#xFC;hrung Kasachstans, das [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das letzte Treffen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), das Ende März in Kasachstan stattfand, verdeutlicht die Kluft zwischen den ehrgeizigen Plänen des eurasischen Blocks und der konkreten Umsetzung seiner Projekte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der letzte Rat der EAWU, der am 26. und 27. März in Schymkent im Süden Kasachstans stattfand, bekräftigte erneut deren Ambitionen. Unter der Führung Kasachstans, das im Jahr 2026 den Vorsitz der Union innehat, bleibt die politische und wirtschaftliche Agenda der EAWU mehr als zehn Jahre nach ihrer Gründung vertraut: eine stärkere wirtschaftliche Integration, ein reibungsloserer Handel und modernere gemeinsame Märkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die EAWU wurde 2015 von ihren fünf Mitgliedstaaten – Russland, Kasachstan, Kirgistan, Belarus und Armenien – gegründet, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Markt innerhalb des eurasischen Blocks zu schaffen, ermöglicht durch den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften. Auch wenn diese Länder bislang die einzigen offiziellen Mitglieder der Union bleiben, werden sie in den Räten der EAWU von Tadschikistan, einem Beitrittskandidaten, sowie von weiteren Staaten mit potenzieller Kandidatur begleitet. Diese sogenannten Beobachterstaaten sind Usbekistan, Turkmenistan, die Mongolei, China und der Iran.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan nutzte seinen Vorsitz, um den Nutzen von KI bei der Modernisierung der Märkte hervorzuheben. Laut dem&nbsp;<a href="http://?">kasachischen Premierminister Olzhas Bektenov</a>&nbsp;habe sich das Land<em>&nbsp;„das strategische Ziel gesetzt, ein vollständig digitales Land zu werden. […] Wir sind bereit, unser Wissen und unsere Erfahrung im Bereich der digitalen Regulierung und der wirtschaftlichen Transformation mit unseren Partnern der EAWU zu teilen.“</em>&nbsp;Am Ende der Konferenz wurden zwölf Dokumente unterzeichnet, die sich auf industrielle Zusammenarbeit, Gütertransport und digitale Integration beziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der freie Warenverkehr – ein Prinzip, das nicht mehr eingehalten wird?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Pläne bleiben jedoch eher theoretisch als konkret. Zwar existiert das Konzept des&nbsp;<em>„freien Verkehrs“</em>&nbsp;im offiziellen Recht der EAWU, doch wird es in der Praxis nicht eingehalten. Seit dem 1. April muss jede Warensendung aus einem der Länder des eurasischen Blocks in Richtung Russland im Voraus – zwei Tage vor Ankunft an der Grenze – durch ein Dokument angekündigt werden, bevor ihr von den russischen Behörden ein QR-Code zugewiesen wird. Dieses neue System zur Kontrolle von Importen, das sogenannte&nbsp;<a href="http://?">SPOT-System</a>, soll bis Anfang Juli vollständig in Kraft treten und dann durch eine sogenannte „Sicherheitsabgabe“ ergänzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese von Russland den übrigen EAWU-Staaten auferlegte Verschärfung der Zollkontrollen offenbart die Schwächen der Union. Anstatt den Handel zu vereinfachen, führt das SPOT-System neue administrative Hürden zwischen Russland und seinen eurasischen Partnern ein. Angesichts des wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen Russland und den anderen Mitgliedstaaten der EAWU bleiben diese neuen Barrieren nicht ohne nachteilige Folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Eurasische Union: Wiederbelebung der Sowjetunion?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kasachstan beispielsweise stellt dies ein echtes Hindernis dar. Die neuen administrativen Anforderungen Russlands verlängern den Exportprozess kasachischer Produkte in das Nachbarland, was zusätzliche, nicht unerhebliche Kosten sowie eine nachteilige Unsicherheit hinsichtlich der Lieferfristen bedeutet. Laut <a href="http://?">Statistiken der kasachischen Regierung</a> entfiel im Januar 2026 rund ein Drittel der gesamten Importe Kasachstans auf Russland. Diese ungleiche wirtschaftliche Abhängigkeit Kasachstans von Russland macht das Land somit besonders anfällig für die neuen russischen Zollvorschriften.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beschwerde Kirgistans über die Behandlung von Migranten in Russland</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso reichte Kirgistan Ende Januar beim Gericht der EAWU Klage gegen Russland ein und <a href="http://?">warf Moskau vor,</a> kirgisischen Arbeitskräften, die nach Russland migriert sind, die zugesagten Sozialleistungen nicht zu gewähren. Das Recht der EAWU sieht nämlich vor, dass die Arbeitskräfte jedes Mitgliedstaates sich frei innerhalb des Blocks bewegen dürfen und Anspruch auf soziale Absicherung sowie Krankenversicherung haben – gleichgestellt mit den Staatsbürgern des Landes, in dem sie arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Länder mit einer kleineren Volkswirtschaft wie Kirgistan stellte dieses Versprechen der Freizügigkeit der Arbeitskräfte einen der zentralen Beweggründe für den Beitritt zur Union dar. Im März 2025 erklärte der kirgisische Vizearbeitsminister für Arbeit, soziale Sicherheit und Migration, dass im Jahr 2024&nbsp;<a href="http://?">mehr als 370.000 Kirgisen als Migranten</a>&nbsp;in Russland registriert waren, wie das kirgisische Medium&nbsp;<em>Atchkabar</em>&nbsp;berichtete. Für die Mehrheit von ihnen bedeutet die Arbeit in Russland eine Möglichkeit, ihre in Kirgistan verbliebenen Familien finanziell zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 2025&nbsp;<a href="http://?">kündigte der Präsident der Duma, Viatcheslav Volodin, an,</a>&nbsp;dass Migranten aus EAWU-Staaten erst nach fünf Jahren legaler Arbeit in Russland Anspruch auf diese Sozialleistungen hätten. Infolge der Beschwerde der kirgisischen Regierung stellte das EAWU-Gericht klar, dass die Mitgliedstaaten nicht automatisch verpflichtet seien, Sozialleistungen zu gewähren. Anders gesagt, ist das Recht der EAWU den nationalen Gesetzen untergeordnet und wenn sich die regionale politische Lage verschlechtert, werden die Grundprinzipien der Union verletzlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese beiden Beispiele aus Kasachstan und Kirgistan sind nicht einzigartig, sondern verdeutlichen eine strukturelle Tendenz im Funktionieren der EAWU: Die Länder üben weiterhin Druck mithilfe administrativer und wirtschaftlicher Instrumente aus, die regional große Auswirkungen haben, insbesondere wenn Moskau diese Mechanismen aufgrund seiner wirtschaftlichen Dominanz einsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Die Eurasische Wirtschaftsunion steht Russland-Sanktionen hilflos gegenüber</a></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Debatte über Steuern</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus&nbsp;<a href="http://?">beantragte Kirgistan</a>&nbsp;eine Woche vor der Konferenz in Schymkent die Abschaffung der Importsteuern auf eine Reihe von Gütern wie Mehl, Pflanzenöle, Obst und Gemüse sowie Kakao. Bischkek argumentierte, dass die Steuern, kombiniert mit der allgemeinen Inflation, eine zu große Belastung für die kleine Wirtschaft des Landes darstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir beobachten eine steigende Inflation auf globaler Ebene, auch bei den Produkten, die wir importieren, insbesondere bei landwirtschaftlichen Gütern. Wenn wir Waren zu höheren Preisen importieren, ist es, als würden wir die Inflation importieren“,</em>&nbsp;<a href="http://?">betonte Elimbek Kanybek Uulu,</a>&nbsp;Leiter der Koordinationsabteilung der EAWU, auf einer Pressekonferenz in Bischkek.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich suchen die zentralasiatischen Länder angesichts des Drucks aus Russland zunehmend nach einer Diversifizierung ihrer Wirtschaftspartner, wobei sie sich insbesondere China und der Europäischen Union zuwenden – ein Verhalten, das in Russland nicht unbeachtet bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch bleibt das wirtschaftliche Gewicht der EAWU erheblich, und die Mitgliedstaaten betrachten ihre Zugehörigkeit zur Union weiterhin als vorteilhaft. Seit 2015 hat sich der gegenseitige Warenhandel nahezu verdoppelt und erreichte im Jahr 2024 fast 100 Milliarden US-Dollar,&nbsp;<a href="http://?">so die Eurasische Wirtschaftskommission.</a>&nbsp;Die Barrieren innerhalb der Union sind daher nicht nur wirtschaftlicher Natur, die sich aus dem ungleichen Gewicht der Mitgliedstaaten ergeben, sondern vor allem politischer Natur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt jedoch, dass die in Schymkent vorgestellten Pläne zur Integration und digitalen Modernisierung der EAWU, so realisierbar sie auch sein mögen, voraussetzen, dass die Länder ihre Interessen bündeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloïse Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/economie/lunion-economique-eurasiatique-entre-ambitions-et-realites-pour-lasie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich </strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Der Moskauer Traum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Oct 2018 08:34:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Russland sind Tadschiken, Usbeken und Kirgisen als billige Arbeitskr&#xE4;fte bekannt: auf Baustellen, M&#xE4;rkten oder bei der Stadtreinigung. Selbst wenn sie bei der Moskauer Stadtverwaltung, Vermieter und T&#xFC;rsteher und sonst im Alltag nicht beliebt sind, machen Sie weiter. Sie rackern f&#xFC;r die Heimat &#x2013; und f&#xFC;r ihre Tr&#xE4;ume. Folgender Artikel erschien zuerst bei der MOZ. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Russland sind Tadschiken, Usbeken und Kirgisen als billige Arbeitskräfte bekannt: auf Baustellen, Märkten oder bei der Stadtreinigung. Selbst wenn sie bei der Moskauer Stadtverwaltung, Vermieter und Türsteher und sonst im Alltag nicht beliebt sind, machen Sie weiter. Sie rackern für die Heimat &#8211; und für ihre Träume. Folgender Artikel erschien zuerst bei der <a href="https://www.moz.de/">MOZ</a>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Safar Dschurajew – Lederjacke, schwarze Augen und Herrenhandtasche – wartet am Kiewer Bahnhof auf die Marschrutka. Die soll ihn zum Vorort Nemtschinowa kutschieren, zu seinem Bruder. Der 27-Jährige Tadschike ist vor wenigen Stunden in Moskau gelandet. Mit sich trägt er eine kleine Sporttasche, mehr braucht der junge Mann nicht für die neun Monate auf dem Bau. Dort hat ihm sein Bruder Arbeit versprochen, für bis zu 35 000 Rubel monatlich, umgerechnet knapp 450 Euro.</p>
<p style="text-align: justify">Gutes Geld für einen wie Dschurajew, der in Tadschikistan für die gleiche Tätigkeit nur einen Bruchteil verdient. Dafür muss er nur Luxus-Villen bauen, Fußball-Stadien sanieren oder neue Mikrorajony hochziehen, wie die riesigen Wohnviertel heißen, die wie Pilze aus dem Speckgürtel der Metropolen schießen. Das Ersparte geht zurück an Frau und Kind, die zu Hause geblieben sind. Das ist billiger. Und dann wäre da noch die Hochzeit, auf die seine Frau seit zwei Jahren wartet. Dschurajew ist der typische Gastarbeiter. Obwohl er mittlerweile in der Fremde weilt, bleibt er in Gedanken in seiner Heimat Tadschikistan.</p>
<p><figure id="attachment_15226" aria-describedby="caption-attachment-15226" style="width: 1040px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-15226" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2.jpg" alt="Marktverkäufer in Moskau" width="1040" height="884" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2.jpg 1040w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-300x255.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-768x653.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/2-1024x870.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1040px) 100vw, 1040px" /><figcaption id="caption-attachment-15226" class="wp-caption-text">Verkauft Obst und Trockenfrüchte: Inom Kajumow (21) vor seinem Stand auf dem Danilowskij-Markt, den er mit seinen Brüdern betreibt</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben der Weltbank arbeiten rund 40 Prozent aller U-30-Tadschiken im Ausland, der Großteil in Russland, wie zu Sowjetzeiten. Eine knappe Million war laut Migrationsdienst Anfang des vergangen Jahres in Russland gemeldet, das ist ein Achtel Tadschikistans. Sie arbeiten in Russland und überweisen den Großteil ihres Gehaltes an die Familie in der Heimat. Diese Heimatüberweisungen beliefen sich der russischen Zentralbank zufolge im vergangenen Jahr auf umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Das entspricht etwas mehr als einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes Tadschikistans, eines der ärmsten Länder der ehemaligen Sowjetunion. Das dortige monatliche Durchschnittsgehalt liegt nach Angaben der Weltbank bei zirka 165 Euro.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-tadschiken-aussatzige-in-russland/">Die Tadschiken, Aussätzige in Russland</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Mittagspause in einem Moskauer Bürogebäude, Manutschechr Jabukow ist im Kundengespräch. Gefragt wird nach Plow, dem auf Reis basierenden Nationalgericht Zentralasiens. Vor ungefähr drei Jahren kam der 26-Jährige aus Istarafschan, Tadschikistan, nach Moskau. Dort arbeitet Jabukow bei Plov.com, einem Start-up und Lieferservice für Plow und andere Speisen aus Zentralasien. Jabukow ist genau genommen kein typischer Arbeitsmigrant. Seine Eltern haben ihn schließlich zum Studieren nach Moskau geschickt, nicht zum Geldverdienen. Vor seiner Ankunft hatte er bereits einen Master einer Filiale der Moskauer Staatlichen Universität in Duschanbe in der Tasche, sein Russisch war perfekt.</p>
<p style="text-align: justify">Bei seinen Landsleuten läuft das normalerweise anders. Sie machen nach der Schule keine Ausbildung. Sie gehen direkt nach Russland, um sich als Ungelernte zu verdingen: auf Baustellen, Märkten oder bei der Stadtreinigung. Dabei machen sie im Schnitt 30 000 Rubel im Monat (umgerechnet knapp 400 Euro), das ist doppelt so viel wie in ihrer Heimat. Gastarbeiter schuften, 50, 60 Stunden die Woche. Sie teilen sich eine Wohnung, gehen nicht aus, leisten sich nur das Allernötigste. Der Großteil des Lohnes geht in die Heimat, dafür stehen sie am Wochenende Schlange bei Western Union. Ihr Wochenende hat, wenn sie Glück haben, einen Tag: Sonntag. Und dann wird auch noch gespart: für ein eigenes Haus in Tadschikistan, für Medizin, für die Hochzeit. Reich werden sie in Moskau jedenfalls nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Für die Reinigung des Bürgersteiges vor dem Einkaufszentrum „Jewropejskij“ am Kiewer Bahnhof erhält Alischer Kosimow monatlich gerade mal 25 000 Rubel (etwa 400 Euro). Dafür wohnt der 48-jährige Usbeke kostenlos im Untergeschoss des gigantischen Shoppingcenters, zusammen mit 30 weiteren Männern aus Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. Vor gerade mal zwei Monaten kam Kosimow aus der usbekischen Grenzstadt Andischan im Ferghana-Tal. Auch er sendet Geld an seine Frau und die drei Kinder in die Heimat.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify">„Rund 40 Prozent aller über 30-jährigen Tadschiken arbeiten im Ausland, der Großteil davon in Russland“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Dschurajew, Jabukow und Kosimow werden in Moskau „Gastarbeiter“ genannt. Das Wort wurde zu Sowjetzeiten oder noch früher aus dem Deutschen entlehnt. Die Gastarbeiter zahlen zusätzlich Steuern, werden öffentlich belehrt, und auch bei Vermietern und Türstehern sind sie unerwünscht. Arbeitsmigranten gab es schon zu Sowjetzeiten, sie wurden akzeptiert. Heute, mehr als 27 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, ist das anders. Pass, Migrationskarte, Registrierung und Arbeitserlaubnis – es ist immer dasselbe Spiel.</p>
<p style="text-align: justify">Durch ihr Äußeres auffallende Ausländer werden häufiger von der Polizei angehalten und gebeten, sich auszuweisen. Normalerweise können sie gehen, wenn alles in Ordnung ist. Doch Manutschechr Jabukow musste mit aufs Revier, auch wenn seine Papiere sauber waren. Am Ende stellte sich heraus, dass man ihm nur Geld aus der Tasche ziehen wollte. „Als die Polizisten begriffen, dass bei mir nichts zu holen war, hatte sich die Sache schnell erledigt“, sagt Jabukow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-zentralasiatische-migranten-als-pruegelknaben/">Russland: Zentralasiatische Migranten als Prügelknaben</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Gastarbeiter zahlen jeden Monat für ein sogenanntes Patent, also eine Arbeitserlaubnis. Der Preis variiert je nach Region, in Moskau kostet sie 4200 Rubel (54 Euro). Dazu kommen 13 Prozent Einkommenssteuer. Die wurde bisher oft umgangen, ein neues Banken-Gesetz verhindert das.</p>
<p style="text-align: justify">Auch die Vermieter mögen keine Gastarbeiter. In jeder zweiten Wohnungsanzeige steht „Nur für Slawen“ oder „Nur für russische Staatsbürger“. Selbst der Eintritt zu Moskaus Nachtklubs bleibt Gastarbeitern wie Jakubow oft verwehrt, sogar in Begleitung von russischen oder europäischen Freunden. Nach seiner Herkunft gefragt, habe sich Jakubow deshalb vor den Türstehern sogar schon ein paar Mal als Südkoreaner ausgegeben. „Ein bisschen Ähnlichkeit gibt es schon, oder?“, witzelt er.</p>
<p style="text-align: justify">Nun hat die Stadt Moskau ein Handbuch für seine 455 000 offiziell registrierten Gäste aus dem „nahen Ausland“ herausgegeben. Auf knapp 100 Seiten des Russland-Knigges finden sich allerlei Hinweise, Adressen und Telefonnummern für die Arbeitssuche.</p>
<p><figure id="attachment_15228" aria-describedby="caption-attachment-15228" style="width: 471px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15228" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8.jpg" alt="Habdbuch für Migranten Moskau" width="471" height="681" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8.jpg 471w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/8-207x300.jpg 207w" sizes="(max-width: 471px) 100vw, 471px" /><figcaption id="caption-attachment-15228" class="wp-caption-text">Ein Handbuch der Stadt Moskau definiert Verhaltensregeln für die Arbeitsmigranten</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Neben dem hilfreichen Teil irritieren einige Passagen. Russische Märchenfiguren erklären lokale Gepflogenheiten. Und insgesamt der Ton, in dem die Texte verfasst wurden. Der erweckt den Eindruck, sich nicht an Erwachsene zu richten – sondern an Kinder. „Man isst nicht draußen. Wenn Sie hungrig sind, gehen Sie in ein Restaurant oder einen Imbiss“, heißt es. Es wird auch davor gewarnt, weiblichen Passanten nachzusehen, zu verstrickte Auskünfte zu geben oder zu laut in der Metro zu reden.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify"> „Ein neues Handbuch warnt sie davor, Frauen nachzusehen und laut in der Metro zu reden“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify">Dass man sich von Moskau nicht unterkriegen lassen darf, das weiß Bachodur Muminow, gebürtig aus Samarkand, Usbekistan: „In Moskau gibt es kein Willkommen mehr – das war in der Sowjetunion anders“. Er muss es wissen, seit 20 Jahren fährt er Taxi in Moskau. Damit macht er ein bisschen mehr Geld, rund 60 000 Rubel monatlich (etwa 780 Euro), wie er sagt.</p>
<p><figure id="attachment_15225" aria-describedby="caption-attachment-15225" style="width: 840px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15225" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1.jpg" alt="Usbekisches Taxi in Moskau" width="840" height="489" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1.jpg 840w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1-300x175.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/1-768x447.jpg 768w" sizes="(max-width: 840px) 100vw, 840px" /><figcaption id="caption-attachment-15225" class="wp-caption-text">Usbekisches Taxi in Moskau: Bachodur Muminow lässt sich nicht unterkriegen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Danilewskij-Basar im Süden der Stadt sitzt Inom Kajumow vor einem Stand, an dem er Obst und Trockenfrüchte verkauft. „Nachts ist es schon mal vorgekommen, dass mir ein paar Besoffene Beleidigungen hinterherriefen. Aber solche Idioten gibt es doch überall“, sagt der 21-Jährige aus Chudschand, Tadschikistan. Die Arbeit auf dem Markt ist für ihn nur eine Übergangslösung. Sein Russisch ist fließend. Er spart auf ein Wirtschaftsstudium, eine Art Geschäftsmann sei er ja jetzt schon. Ihm halfen vor einem Jahr vor allem seine beiden Brüder, nach Moskau zu kommen, bei denen er wohnt und arbeitet.</p>
<p style="text-align: justify">Auch Manutschechr Jakubow träumt. Er würde irgendwann gern sein eigenes Gewerbe gründen. In Moskau sei das ja schon mit wenig Geld möglich. Zurück nach Tadschikistan will er nicht mehr – Moskau ist sein neues Zuhause. Auch wenn er sich dort an Freitagabenden als Südkoreaner ausgeben muss, um in den Klub zu kommen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Christopher Braemer</strong></p>
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		<title>Russland: Zentralasiatische Migranten als Prügelknaben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[lgubasheva]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2017 18:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Anschlag]]></category>
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		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Anschlag , der am 3. April Sankt Petersburg ersch&#xFC;tterte, stehen viele zentralasiatische Arbeitsmigranten in Rusland unter Generalverdacht. Die Autorin und Journalistin Elisaweta Alexandrowa-Sorina hat einen Aufruf zu mehr Toleranz geschrieben. Das russische Original des Artikels erschien bei mk.ru und wurde auf der kirgisischen Nachrichtenplattform Yntymak.kg &#xFC;bernommen. Bis zum heutigen Tage hat keine terroristische [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Nach dem Anschlag , der am 3. April Sankt Petersburg erschütterte, stehen viele zentralasiatische Arbeitsmigranten in Rusland unter Generalverdacht. Die Autorin und Journalistin Elisaweta Alexandrowa-Sorina hat einen Aufruf zu mehr Toleranz geschrieben. Das russische Original des Artikels erschien bei <a href="http://www.mk.ru/social/2017/04/07/migranty-dlya-bitya.html">mk.ru</a> und wurde auf der kirgisischen Nachrichtenplattform <a href="http://yntymak.kg/ru/migranty-dlya-bitya-lyudi-boyatsya-i-ot-straha-nachinayut-nenavidet/">Yntymak.kg</a> übernommen.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum heutigen Tage hat keine terroristische Organisation sich für den <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/vier-fragen-zum-anschlag-in-sankt-petersburg/">Terroranschlag</a> in Sankt-Petersburg verantwortlich erklärt. Die Täter werden aber systematisch <a href="https://www.nzz.ch/international/terrorismus-in-russland-viele-terrorverdaechtige-und-wenige-beweise-ld.1292816">unter Migranten gesucht</a>. In den Augen der Gesellschaft gelten sie als Schuldig, solang sie nicht das Gegenteil bewiesen haben. Schon am Folgetag des Anschlags wurden vorschnell vermeintliche Täter gefunden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vorschnelle Verdächtige</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der erste „Terrorist“, den die Medien entdeckten, war ein bärtiger Mann in schwarzer Kleidung. Sofort konnte man alles Mögliche zu seiner Herkunft lesen. Dann erschien er aber plötzlich selbst bei der Polizei und der Verdacht stellte sich als unbegründet heraus. Interessant ist vor allem, was danach passierte: Zuerst konnte er nicht nach Ufa fliegen, weil andere Fluggäste ihn nicht an Bord haben wollten. Dann erfuhr er, dass er wegen eines Antrags des regionalen Ermittlungsausschusses seinen Job verloren hatte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/vier-fragen-zum-anschlag-in-sankt-petersburg/">Vier Fragen zum Anschlag in Sankt-Petersburg</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Danach verdächtigte man einen Studenten aus Kasachstan, der selbst beim Anschlag ums Leben gekommen war. Auch der Verdacht wurde widerlegt, in der Zwischenzeit waren aber bereits hunderte Artikel über den kasachischen „Terroristen“ erschienen. Die Botschaft ist klar: Migrant bedeutet Terrorist.</p>
<p style="text-align: justify">Schließlich trat der dritte Selbstmordattantäter in Erscheinung. Über Akbarschon Dschalilow wusste man erst mal nur, dass er 22 Jahre alt war, russischer Staatsbürger war, ursprünglich aus Kirgistan kam und als Koch und Automechaniker gearbeitet hatte. Dazu häuften sich Gerüchte, Nachreden und Mutmaßungen.</p>
<p style="text-align: justify">Dschalilow wurde ohne jede Untersuchung von der Öffentlichkeit verurteilt und schuldig gesprochen. Laut dem Prinzip der Unschuldsvermutung muss der Angeklagte solange als unschuldig angesehen werden, bis seine Schuld in einem öffentlichen gesetzesgemäßen Verfahren nachgewiesen ist. Dschalilow hat man aber nach dem Tod schnell gehetzt, weil er asiatisch aussieht und gut in das Bild eines potentiellen Terroristen passt.</p>
<p style="text-align: justify">Es spielte keine Rolle, dass er russischer Staatsbürger war. Im gesellschaftlichen Bewusstsein sind Menschen aus Zentralasien immer nur Migranten (dafür gehört aber <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/filmstar-gerard-depardieu-von-putin-zum-russen-ernannt-a-875537.html">Gérard Depardieu</a> zu uns).</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Migranten als Sündenböcke</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jedes zerrüttete Land benötigt ständig einen Sündenbock, dem man alle Probleme zuschreiben kann. Heute sind unsere Mitbürger wie nie zuvor einer fremdenfeindlichen Stimmung ausgesetzt. Es gibt externe Feinde: Ukrainer oder Amerikaner, die man für globale Misserfolge verantwortlich machen kann. Und es gibt innere Feinde, nämlich Migranten, die für die hohe Kriminalität, die niedrigen Löhne, die hohen Preise, das schlechte Wetter und das unglückliche Privatleben herhalten müssen.</p>
<p style="text-align: justify">Dabei wird der überwiegende Teil der Morde von einheimischen Bürgern begangen. Meistens in den Haushalten, nach Saufereien, Streitigkeiten und Messerstechereien. In Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan ist die Mordrate hingegen zwei- bis dreimal niedriger. Und Migranten sind für weniger als 5% der Kriminaltaten in Russland verantwortlich.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/auf-der-flucht-kirgisische-gastarbeiter-in-russland/">Auf der Flucht &#8211; Kirgisische Gastarbeiter in Russland</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Doch die altansässigen Russländer empören sich über die große Anzahl an Migrantenkindern in den Schulen. Sie wollen, dass diese Kinder sich integrieren und russifizieren, aber ohne russische Schulen, Kindergarten und gar Spielplätze zu besuchen. Kindern, deren Eltern keine Registrierung in Russland haben, wird die Ausbildung verweigert. Tatsächlich ist die Bildungslage in Russland katastrophal: Der Bereich macht <a href="http://data.uis.unesco.org/?queryid=181">3,8% (2012) des Haushalts aus</a>, damit liegt Russland weltweit irgendwo zwischen Sierra-Leone und Tadschikistan. Es ist komisch, den illegalen Migranten die Schuld dafür zu geben, denn sie sind an der Haushaltsführung nicht beteiligt.</p>
<p><figure id="attachment_8923" aria-describedby="caption-attachment-8923" style="width: 1000px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8923 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/2859819222_f1cd24bbfe_o.jpg" alt="Russland Arbeitsmigranten Arbeiter Tadschikistan" width="1000" height="667" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/2859819222_f1cd24bbfe_o.jpg 1000w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/2859819222_f1cd24bbfe_o-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/2859819222_f1cd24bbfe_o-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/05/2859819222_f1cd24bbfe_o-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-8923" class="wp-caption-text">Ein Arbeiter aus Tadschikistan in Russland</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Viele Russländer meinen, die Migranten sollten nicht „auf Kosten der Steuerzahler“ in ihren Krankenhäusern behandelt werden. Sie stören sich nicht an Geschichten wie der einer Frau aus Usbekistan, die ihr Kind vor dem Eingang einer Geburtsstation zur Welt brachte, weil sie nicht hinein gelassen wurde. Oder die Geschichte eines Herzinfarktkranken aus Zentralasien, der aus dem Krankenhaus geworfen wurde, damit er &#8211; Gott beware &#8211;  nicht dort stirbt.</p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1990 gab es in der russischen Sowjetrepublik 12.800 Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen, heute sind es nur noch 5400. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Betten in den Entbindungsstationen von 122 700 auf 69 400 gesunken. Die Wut richtet sich aber gegen die Migranten, die meistens nur um erste medizinische Hilfe oder einfache Operationen bitten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Musterkinder gegen die Vorurteile  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich kenne eine Familie aus Tadschikistan, die in Sankt-Petersburg arbeitet. Akmal arbeitet auf einem Gemüsemarkt, Ferusa als Frisörin. Sie haben drei kleine Kinder und wohnen in einer Mietwohnung in einem Neubau in Kuptschino. Sie lassen ihre Kinder nicht zuhause spielen, um die Nachbarn nicht zu ärgern. Die Nachbarskinder können aber ruhig laut stampfen und kreischen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-tadschiken-aussatzige-in-russland/">Die Tadschiken, Aussätzige in Russland</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der ältere Sohn geht in die erste Klasse. Seine Russischkenntnisse sind ausgezeichnet und er kann akzentfrei sprechen, aber die Lehrerin und die anderen Kinder nennen ihn „den dummen Tadschiken“. Um den beleidigenden Spitznamen loszuwerden verbringt er seine ganze Zeit hinter Büchern und gehört zu den besten seiner Klasse. Wegen dem ständigen Pauken und Mobbing hat er starke Kopfschmerzen, wogegen der Arzt ihm Tebletten verschrieben hat.</p>
<p style="text-align: justify">Er kann Gedichte von russischen Dichtern aufsagen, die man erst in den höheren Klassen lernt, aber die Lehrerin lässt ihn nicht mit den anderen Kindern auf den Schulfesten auftreten. Der Vater schenkt der Lehrerin immer wieder Früchtedosen. Sie nimmt sie zwar gerne an, aber ihr Verhalten gegenüber dem „dummen Tadschiken“ ändert sie nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Ferusa trägt ein Kopftuch, Akmal einen Bart und einen tadschikischen Hut. Sie sind die misstraulichen Blicke schon gewohnt. Sie wollen ihre Traditionen einhalten, aber auch sein, wie alle anderen. Dafür müssen sie besser als alle anderen sein. Ihre zweijährige Tochter, die kaum gehen kann, ist auch schon getrimmt: Sie weiss fast alle Länderhauptstädte. Dabei hat sie wie jedes andere zweijährige Kind eigentlich keine Ahnung von Ländern oder Hauptstädten. Dafür können ihre Eltern allen überraschten Gästen ihr Töchterchen vorzeigen und beweisen, dass sie keine „dummen Tadschiken“ sind.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Migranten unter Generalverdacht</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach dem Terroranschlag in Sankt-Petersburg scheuen sich die Leute vor dunkelhaarigen Frauen in Kopftüchern und fliehen aus der U-Bahn, wenn ihnen ein bärtiger Muslime begegnet. So war es auch in Moskau nach <a href="http://www.zeit.de/2010/14/Terror-Moskau">den Terroranschlägen</a> im März 2010. Jeder Mensch aus Zentralasien oder dem Kaukasus wird als potentieller Selbstmordattentäter wahrgenommen.</p>
<p style="text-align: justify">Akmal und Ferusa fürchten sich, öfter als nötig draußen zu sein. Wenn sie zur Arbeit gehen, nehmen sie kleine Gassen, um niemandem ins Auge zu fallen. Sie haben nichts verbrochen, wissen aber,  wie schnell sie zum Sündenbock werden können. Bei der Versammlung ihrer Diaspora wurde ihnen sanft nahegelegt, sie sollen nicht auffällig sein, auch wenn mit ihren Unterlagen alles in Ordnung ist.</p>
<p style="text-align: justify">Der Straßenfeger und sein Sohn, die unsere Straße und den Boden am Hauseingang reinigen, wohnen im Keller neben dem Müllschacht. Frisörinnen in einem Frisörsalon, der übrigens einem ihrer Landsmann gehört, wohnen in einer Garage. Im <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/staatstrauer-in-kirgistan-moskauer-feuer-ttet-14-kirgisische-gastarbeiter/">August letzten Jahres</a> starben 14 Migranten aus Kirgistan bei einem Feuer in einer Druckerei. Sie erstickten im Schlaf. Die Opfer übernachteten an ihrer Arbeitsstelle.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/staatstrauer-in-kirgistan-moskauer-feuer-ttet-14-kirgisische-gastarbeiter/">Staatstrauer in Kirgistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In einem „elitären Bezirk“ in Moskau, in dem Wohnungen hunderte Millionen kosten, nisten sich Asiaten im Keller ein. Und sie können froh sein, wenn keiner von dort vertreibt. Das sind alles typische Geschichten von Arbeitsmigranten in Moskau. Die verängstigten Menschen, die man hier für sprechende Arbeitsgeräte hält, erschrecken uns.  Aber vielmehr sind sie selbst von uns erschrocken.</p>
<p style="text-align: justify">Nach den Terroranschlägen werden Migranten zunehmend beobachtet. Nicht nur von Polizisten, sondern auch von besorgten Bürgern. Sie haben Angst und fangen an zu hassen. Die <a href="https://themoscowtimes.com/news/st-petersburg-man-burns-down-village-he-believes-is-jihadi-hideout-57658">Geschichte</a> eines Petersburgers, der kurz nach dem Anschlag auf der Suche nach „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahed">Mudschaheddin</a>“ ein ganzes Dorf verbrannt hat, ist vielleicht nur der Anfang einer großen Welle der Migranten-Phobie.</p>
<p style="text-align: justify">Die Geschichte kennt viele Beispiele, in der wir uns an nationalen Minderheiten ausgelassen haben. Vor genau 100 Jahren gab es in Petrograd (früherer Name von Sankt Petersburg, Anm. d. Red.)  eine Massenhysterie wegen eines Komplotts von Kaukasiern.</p>
<p style="text-align: justify">Alles begann damit, dass die Nachbarn eines Tschetschenen, der kein Russisch konnte, ihn bei der Polizei meldeten. Er schien ihnen verdächtig, weil er morgens früh aufstand und irgendwohin ging. Polizisten kamen zu diesem Mann und die Klatschpresse schrieb gleich, bei der Hausdurchsuchung seien eine Bombe, ein Maschinengewehr und viele Patronen gefunden wurden. Ob es stimmte, wird keiner je erfahren. Bekannt ist nur das traurige Schicksal dieses Tschetschenen und vieler anderen Kaukasier, die damals der wütenden Menschenmenge vor die Flinte kamen.</p>
<p style="text-align: justify">Genauso traurig wie die Schicksale der Migranten, die heute der Menge vor die Flinte kommen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Elisaweta Alexandrowa-Sorina<br />
<a href="http://www.mk.ru/social/2017/04/07/migranty-dlya-bitya.html">mk.ru</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Liliya Gubaschewa</strong></p>
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		<item>
		<title>Tadschikische Paare nutzen Skype, um den Bund fürs Leben zu schließen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[gregorb]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2015 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Hochzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Suche nach Arbeit f&#xFC;hrt viele junge, vor allem m&#xE4;nnliche Tadschiken ins Ausland. Skype verbindet sie mit ihrer Heimat &#x2013; und manchmal auch mit ihrer Braut.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Die Arbeitsmigration aus Tadschikistan änder</em><em>t</em><em> die Familienstrukturen und -traditionen des Landes. Dabei mischen sich schon mal religiöse </em><em>Bräuche</em><em> mit technologischer Innovation, wie beim letzten </em><em>Hochzeitst</em><em>rend: das Ja-Wort per Skype. Dieser Artikel erschien zuerst in Englischer Fassung auf dem Nachrichtenportal von <a href="http://www.rferl.org/content/tajikistan-skype-marriages/27149406.html">Radio Free Europe/ Radio Liberty</a>.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Shahnoza Idrisova, eine 27-Jährige Ökonomin aus der tadschikischen Hauptstadt, zeigt stolz ihr Hochzeitsfoto. Auf diesem ist sie weiß gekleidet und nimmt eine Schüssel Wasser von ihrer neuen Schwiegermutter entgegen. Ein Ritual, das normalerweise von Braut und Bräutigam vollzogen wird.</p>
<p style="text-align: justify">Ihr Bräutigam allerdings ist nicht zu sehen. Der Grund dafür: Das Foto wurde fünf Minuten, nachdem das Paar sich per Videochat das Ja-Wort gegeben hatte, geschossen.</p>
<p style="text-align: justify">Ihr Land mag nicht das technisch fortschrittlichste sein, aber wenn es sich um Familienangelegenheiten handelt, nutzen Idrisova und andere junge Tadschiken alle Vorteile der neuen Technologien. In einem Land, wo eine Welle von „<a href="http://www.rferl.org/content/SMS_Divorces_Cut_Tajik/1896511.html">SMS-Scheidungen</a>“ hohe islamische Geistliche dazu veranlasste, eine dagegen gerichtete Fatwa zu erlassen, ist es diese Anpassungsfähigkeit, die religiöse Autoritäten und soziale Konservative dazu bringt, sich auf einen neuen Trend vorzubereiten: Hochzeit via Skype.</p>
<p style="text-align: justify">„<strong>Es war eine normale Hochzeit“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Fall von Idrisova, umgeben von beiden Elternpaaren und Trauzeugen in ihrem Haus in Duschanbe, schaut sie einem lokalen Mullah zu, wie er die <em>nikah</em>, die islamische Hochzeitszeremonie, vollführt. Der Bräutigam, Parviz, war lediglich durch den Laptopbildschirm anwesend.</p>
<p style="text-align: justify">„Es war eine normale Hochzeit mit einem Hochzeitskleid, Gästen und einem aufwendigen Essen“, sagt Idrisova, „Der einzige Unterschied war, dass Parviz währenddessen in Tunesien war.“</p>
<p style="text-align: justify">Als Idrisova einen Monat später nach Tunesien zog, wo ihr Mann als Übersetzer mit einem 5-Jahres-Vertrag arbeitet, tauschte das Paar die Ringe.</p>
<p style="text-align: justify">„Wir waren schon 10 Jahre ein Paar, als Parviz einen Arbeitsvertrag bekam und plötzlich Anfang des Jahres das Land verlassen musste.“, sagt Idrisova, „Mein Vater hat mir nicht erlaubt, ihn zu begleiten, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Wir wollten nicht noch weitere fünf Jahre warten, bis er zurückkommen würde – also war unsere Lösung eine Skype-Hochzeit.“</p>
<p style="text-align: justify">Idrisova sagt, dass sie, wie alle anderen Tadschiken, das <em>nikah</em>-Ritual wegen ihres religiösen Glaubens vollzieht. Tadschikistan ist ein vorwiegend muslimischer, konservativer Staat, in dem außereheliches Zusammenleben missbilligt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Jedoch ist das zentralasiatische Land ebenso eine wichtige Quelle günstiger Wanderarbeit für die nahen Staaten wie Russland oder Kasachstan, aber auch für weiter entferntere. Offizielle russische Zahlen besagen, dass mindesten 1.2 Millionen tadschikische Migranten in Russland arbeiten – bei einer tadschikischen Bevölkerung von 8.5 Millionen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org: <a href="https://novastan.org/articles/russlands-reize-schwinden-fur-tadschikische-migranten">Russlands Reize schwinden für Tadschikische Migranten</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Diskussion um die Gültigkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Skype-Hochzeiten werden sogar in ländlichen Regionen in Tadschikistan vollzogen, deren Bevölkerung noch religiöser und konservativer ist.</p>
<p style="text-align: justify">Alambi Murodova, eine Hausfrau aus Tursunzoda, westlich von Dushanbe hat einen in Kanada lebenden Sohn, der vor kurzem über Skype heiratete. Sie sagt, dass das russischsprachige soziale Netzwerk Odnoklassniki ihren Sohn Saidehson und seine 24-Jährige Braut Sayora, die aus seinem Heimatort stammt, zusammengebracht habe.</p>
<p style="text-align: justify">Das Pärchen flirtete online für zwei Jahre, bevor sie mit einer Zeremonie heirateten, die ein bescheidenes Festessen in Tursunzoda und die <em>nikah</em>-Rituale beinhaltete – mit einer Entfernung von 10.000 Kilometer zwischen Tadschikistan und Kanada.</p>
<p style="text-align: justify">„Wie jedes Elternteil träumte ich von einer Hochzeit für meinen Sohn, aber er konnte aus finanziellen und aus Visagründen nicht nach Hause kommen“, sagt Murodova.</p>
<p style="text-align: justify">Das Paar begann das Eheleben getrennt voneinander. Sayora lebte mit ihren Schwiegereltern in Tursunzoda, ihr Mann blieb in Nordamerika. Doch sie planen, am Ende als Frau und Mann gemeinsam in Kanada zu leben.</p>
<p style="text-align: justify">Murodova sagt, dass Saidehson versucht, ein Visum für seine Frau zu bekommen. Sie wird allerdings kein „family-reunification“-Visum erhalten, weil Skype-Hochzeiten in Tadschikistan nicht anerkannt werden.</p>
<p style="text-align: justify">Die beharrlich säkulare tadschikische Regierung weigert sich außerdem, islamisch-religiöse Hochzeiten anzuerkennen – selbst wenn Braut und Bräutigam bei der <em>nikah</em> am gleichen Ort sind. Die Anerkennung wird nur gewährt, wenn das Paar zuerst standesamtlich heiratet. Die Tadschiken vollziehen die <em>nikah</em> normalerweise nach den offiziellen Zeremonien.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org: <a href="https://novastan.org/articles/verheiratet-durch-die-tur-einblicke-in-die-usbekische-hochzeitstradition">Verheiratet durch die Tür – Einblicke in die usbekische Hochzeitstradition</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Manche tadschikische Mullahs bestreiten die Gültigkeit von Skype-Hochzeiten aus religiösen Gründen. Marhabo Zununova, Vorsitzende des Familien- und Heiratszentrums in Duschanbe, warnt zudem, dass das „Daten“ und Heiraten von Fremden über das Internet das Risiko von Menschenhandel erhöhe &#8211; „insbesondere wenn es ungebildete junge Mädchen betrifft.“</p>
<p style="text-align: justify">Aber wie viele Tadschiken glaubt sie, dass Skype-Hochzeiten eine Zukunft haben.</p>
<p style="text-align: justify">„Wenn Braut und Bräutigam zusammenpassen, wird auch die Ehe gut ausgehen. Es ist egal, wie sie sich getroffen und wie sie geheiratet haben – im Internet oder in der Stadt“, sagt Zununova. „Es gibt viele glücklich verheiratete tadschikische Paare, die sich online getroffen und dann geheiratet haben. Skype-Hochzeiten werden am Ende ebenso die Regel sein“.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Farangis Najibullah and Ganjinai Ganj</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>RFE/RL – Tadschikischer Dienst</strong></p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Englischen übersetzt von Gregor Bauer</strong></p>
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		<title>Russlands Reize schwinden für tadschikische Migranten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alinkor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jan 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die W&#xE4;hrungskrise in Russland hat auch Auswirkungen nach Zentralasien. Besonders Tadschikistan bekommt sie &#xFC;ber die R&#xFC;ckzahlungen seiner Migranten zu sp&#xFC;ren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><u><a href="http://www.worldbank.org/en/news/feature/2013/10/02/migration-and-remittance-flows-in-europe-and-central-asia-recent-trends-and-outlook-2013-2016"><em><strong>Daten der Weltbank</strong></em></a></u><em><strong> zufolge ist Tadschikistan mehr als jedes andere Land auf der Welt von den Rückzahlungen seiner Migranten abhängig. 42% seiner Wirtschaft </strong></em><em><strong>hängen</strong></em><em><strong> an dem Geld, das tadschikische Wanderarbeiter &#8211; meistens aus Russland &#8211; nach Hause senden. </strong></em><em><strong>Di</strong></em><em><strong>e neuen Einschränkungen, die der Kreml den Migranten entgegensetzt und vor allem der </strong></em><u><a href="http://www.theguardian.com/business/2014/dec/16/falling-rouble-all-you-need-to-know"><em><strong>sinkende Rubel</strong></em></a></u><em><strong> haben einen starken Einfluss auf Tadschikistan, die ärmste der zentralasiatischen Republiken. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Wie Finanzanalyst Bekhruz Khimo <u><a href="http://rus.ozodi.org/content/article/26680026.html">radio Ozodi</a></u> erklärte, könnten Rückzahlungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 um bis zu 20% zurückgegangen sein.</p>
<p style="text-align: justify">Durch den stürzenden Wechselkurs des Rubels verlieren Migranten und ihre Familien einen großen Teil ihres hart verdienten Geldes beim Umtausch in die lokale Währung. Im Juni war ein tadschikischer Somoni noch weniger als sieben Rubel wert, nun kostet er mehr als 11 Rubel.</p>
<p style="text-align: justify">Im September 2014 zählte die russische Migrationsbehörde 1.2 Mio tadschikische Staatsbürger auf russischem Territorium, dabei hat Tadschikistan eine Gesamtbevölkerung von gerade einmal 8 Mio. Trotz der Währungskrise versuchen viele weiterhin ihr Glück in Russland.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Hier kann ich keinen Job finden, kein Geld verdienen&#8220;, sagt Alischer, ein 24 Jahre alter Mann aus Bundschikat, im Norden Tadschikistans. &#8222;Aber in Russland gibt es immer etwas zu bauen, zu putzen oder zu laden.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein trüber Arbeitsmarkt </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie viele junge Leute seiner Generation hat Alischer seit seinem Hochschulabschluss 2012 Schwierigkeiten, einen festen Job zu finden.</p>
<p style="text-align: justify">In 2013 maß die Weltbank eine Arbeitslosenquote von 11% in Tadschikistan, die höchste Zentralasiens. Doch Menschenrechtsorganisationen schätzen die reale Zahl von Arbeitslosen auf <u><a href="http://birduino.kg/blog/2014/12/09/iz-tadzhikistana-v-rossiyu-uyazvimost-i-protivopravnaya-ekspluatatsiya-trudyashhihsya-migrantov-i-ih-semej/">bis zu 40%</a></u>. Die Aussichten auf eine Arbeit stehen schlecht, und das bei einem Durchschnittslohn von US$175, dem niedrigsten in der ehemaligen Sowjetunion.</p>
<p style="text-align: justify">Der tadschikische Arbeitsmarkt ist von einem weiten informellen Sektor geprägt, wobei die Landwirtschaft sowohl die meisten Jobs als auch die niedrigsten Löhne bietet.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 667px;width: 500px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/818/img_5325.jpeg" alt="Botschaft Russland Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach der Ermordung ihres Ehemanns blieb Gulnora, aus Konibodom in der nördlichen Sughd-Provinz, allein mit ihren beiden Kindern.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Um meine Kinder und mich zu ernähren, musste ich jeden Tag im Feld arbeiten. Es gab keine andere Arbeit. Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen und entschied mich, nach Russland auszuwandern.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Jetzt lebt sie seit sieben Jahr in der russischen Stadt Rostow am Don, zusammen mit ihren Kindern Tolik, 11 und Tatjana, 9.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Ich habe meine Kinder so erzogen, dass sie nicht als &#8222;Tschurka&#8220; (eine russische Slang-Bezeichnung für Schwarzarbeiter aus der ehemaligen Sowjetunion) bezeichnet werden. Ihre veränderten Namen, ihre russische Staatsbürgerschaft… meine Kinder behalten nichts von ihrem Vaterland.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Gulnora arbeitet sechs Tage pro Woche von 4 Uhr morgens bis 9 Uhr abends in einer Bäckerei. Im Vergleich zu ihrem früheren Leben ist ihr Gehalt von 120 tadschikischen Somoni (US$23) auf 40,000 Rubel (US$590) pro Monat gestiegen.</p>
<p style="text-align: justify">Viele von denen, die es schaffen, sich in Russland zu etablieren, müssen jedoch unterdurchschnittliche Löhne annehmen. Umed ist ein ausgebildeter Ingenieur aus Tadschikistan. Er lebt und arbeitet seit vier Jahren in Noginsk, in der Nähe von Moskau.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends arbeite ich als Lader in einem Warenhaus. Ich verdiene 25,000 Rubel (US$370) im Monat, doch meine russischen Kollegen verdienen 40,000 (US$590) für dieselbe Arbeit. Ich habe keine Rechte, muss es also akzeptieren. Sollte ich irgendwelchen Ärger machen, würden die mich einfach feuern.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify">Der tadschikischen Regierung ist die Bedeutung der Rückzahlungen bewusst. Sie unterstützt aktiv die Auswanderung seiner Migranten, da die Geldflüsse, die sie generieren, als ein Faktor für soziale Stabilität gesehen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Seit 2013 veröffentlicht die Regierung sogar <u><a href="http://www.migration.tj/index.php/ru/2013-09-20-11-46-43/2013-09-20-12-27-10http:/www.migration.tj/index.php/ru/2013-09-20-11-46-43/2013-09-20-12-27-10">Notizen für Migranten</a></u>, mit praktischen Tipps für Tadschiken, die in Russland arbeiten wollen. Die Regierung hat auch spezifische Russischkurse für zukünftige Migranten eröffnet.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Student der pädagogischen Universität, eine der berüchtigtsten Hochschulen des Landes, erinnert sich an eine Rede des Rektors. “Lernt Sprachen! Wenn ihr Chinesisch sprecht, geht in China arbeiten. Wenn ihr Englisch, Französisch oder Deutsch sprecht, geht nach Europa. Sprecht ihr Russisch, arbeitet ihr in Russland.”</p>
<p style="text-align: justify">Kein Wort jedoch über Arbeit in Tadschikistan.</p>
<p><strong>Dieser Artikel wurde ursprünglich bei <a href="http://www.equaltimes.org/russia-s-calling-fades-for-tajik#.VLVVziusUrU">Equal Times</a> veröffentlicht. </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Alin Kor<br />
Florian Coppenrath</strong></p>
<p style="text-align: right">Redaktion:<br />
Luisa Podsadny</p>
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		<title>Die Wanderarbeiterinnen aus Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dominikv]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Zug aus Almaty in die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan ist f&#xFC;r illegale Wanderarbeiter aus Usbekistan eine M&#xF6;glichkeit, wieder unbemerkt einzureisen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Zweimal in der Woche fährt ein Zug aus Almaty in die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan. Seine Coupé-Wagons sind für illegale Wanderarbeiter aus Usbekistan eine Möglichkeit, wieder unbemerkt ins Land einzureisen.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Plötzlich sind die oberen Betten leer. Aus Coupé-Wagon nach Taschkent sind irgendwie sieben Passagiere verschwunden. Auch in meinem Wagon liegen die beiden Frauen nicht mehr in den oberen Betten. Eine von ihnen hatte einen grünen Pullover an und sich mir als Nargiza vorgestellt.</p>
<p style="text-align: justify">Die 67-Jährige war mit ihrer Tochter auf dem Weg nach Hause. In Almaty sind sie in den Coupé-Wagon eingestiegen, der sie nach Nukuz bringen sollte. Das ist ihre Heimatstadt, 1.947 Kilometer von Almaty entfernt. Nukuz ist die Hauptstadt der usbekischen autonomen Republik Karakalpakistan. Hier mündete einst der Armudarja in den Aralsee. Die Region leidet noch heute unter den ökologischen Folgen der sowjetischen Baumwollproduktion, die zu großen Bodenversalzungen und Dürre führte.</p>
<p style="text-align: justify">Nargizas Pullover ist auch aus Baumwolle. Sie spricht russisch und usbekisch mit ihrer 32-jährigen Tochter. Beide haben in Almaty für ein paar Monate gearbeitet. „Wir sind Schwarzarbeiter in einer Ziegelfabrik. Dort verdienen wir 200 Dollar im Monat. Außerdem bin ich bei reichen Kasachen putzen gegangen“, berichtet Nargiza und lächelt verlegen. Dabei blitzen ihre Goldzähne hervor.</p>
<p style="text-align: justify">Sie hat früher als Krankenschwester gearbeitet in einer Poliklinik und versucht von ihrer Rente, je nach Kurs ca. 100 Dollar, zu leben. „Ich habe sechs Kinder, die für mich sorgen. Aber es sind noch nicht alle aus dem Haus. Ich muss noch die Ausbildung für meinen jüngsten Sohn finanzieren. Für das College muss ich im Jahr 700 Dollar aufbringen“, erzählt sie. Früher hat sie als Krankenschwester in einer Klinik gearbeitet und ist eigentlich seit fünf Jahren im Ruhestand.</p>
<p style="text-align: justify">Erst vor Kurzem hat Präsident Islam Karimov die minimalste Pension auf 210 525 usbekische Som erhöht. Nach dem Devisenkurs vom Schwarzmarkt entspricht das ungefähr 68 Dollar. „Ich muss mir also irgendwo etwas dazuverdienen. Das billigste Brot kostet 650 Som.“, sagt Nargiza. 650 Som nach dem offiziellen Kurs 27 Dollar-Cents. Der Preis für das so genannte „soziale Brot“ steigt stetig. Anfang vergangenen Jahres kostete ein 600-Gramm-Laib noch 550 Som, berichtet das Nachrichtenportal „Regnum“.</p>
<p style="text-align: justify">„Wir arbeiten für ein paar Monate in Almaty und kehren dann zurück“, erzählt Narzia. Ihre rauen Hände sind Zeugen ihrer schweren Arbeit. Sie bricht sich mit ihren schwieligen Händen ein Stück Brot ab, das auf dem Tisch im Coupé-Abteil liegt. Für ihren Zuverdienst nimmt die 67-Jährige Frau nicht nur die harte Arbeit auf sich. Dazu gehört auch eine beschwerliche Rückreise nach Usbekistan, denn in der Ziegelfabrik hat sie illegal gearbeitet.</p>
<p style="text-align: justify">Kasachstan ist neben Russland das größte Ziel usbekischer Wanderarbeiter. Bhavar Dave ist Professorin an der Universität für Orient- und Asienstudien in London und ist Expertin auf dem Gebiet Arbeitsmigration in Zentralasien. Gegenüber dem <a href="http://rus.azattyq.org/content/migranty-stroitelstvo-bavne-dave-interview/26658393.html">„Radio Azzatyk“</a> erklärt sie, dass es ungefähr eine Millionen zentralasiatische Wanderarbeiter in Kasachstan gäbe. Davon würden sich allerdings nur 10 Prozent legal in Kasachstan aufhalten.</p>
<p style="text-align: justify">Kurz vor der usbekischen Grenze bleibt der Zug stehen. Das Licht geht an. Zwei Männer in Uniform fragen nach den Ausweisdokumenten und bekommen zwei Pässe – meinen und den meiner Mitfahrerin, einer Tatarin mit usbekischem Pass. Die beiden Reisenden nach Nukuz sind verschwunden.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Dominik Vorhölter</strong><br />
<strong>ifa-Redakteur der <a href="http://deutsche-allgemeine-zeitung.de/">Deutschen Allgemeinen Zeitung</a></strong><br />
<strong>Almaty</strong></p>
<p style="text-align: right">
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Auf der Flucht – Kirgisische Gastarbeiter in Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehrere Millionen Zentralasiaten zieht es jedes Jahr nach Russland, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Eine Begegnung am Bahnhof in Kara-Balta (Kirgistan).</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Dieser Artikel wurde im Rahmen der Zentralasiatischen Schule für modernen Journalismus (OSZE/ Deutsche Welle) geschrieben. Eine weitere Version wurde bei dem Nachrichtenportal <a href="http://kloop.kg/blog/2014/08/04/pobeg/">Kloop.kg veröffentlicht</a>. Wir übernehmen ihn mit der freundlichen Erlaubnis der Autorin. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Am Rande der Stadt steht ein Schild mit der verblassten Aufschrift „Kara-Balta“. Vorbei an leerstehenden Häusern und verfallenen Bushaltestellen trifft man im Ort auf dutzende Männer, die sich als Tagelöhner verdienen. Die Arbeitsstellen sind rar gesät; eine Glashütte gibt es, und eine von Chinesen betriebene Fabrik. Kara-Balta, kirgisisch für „schwarze Axt“, ist eine trostlose Stadt.</p>
<p style="text-align: justify">Alexandra, eine hagere Frau mittleren Alters, erzählt uns vom Schicksal ihres Sohnes, der sein Glück woanders suchte. „Iwan erfuhr im Fernsehen davon, dass in der russischen Stadt Woronesch Arbeitskräfte in der Bauindustrie gesucht werden. Ein Gehalt von 400 Euro im Monat wurde ihnen versprochen. Hier in der örtlichen Fabrik verdiente er nur 8000 kirgisische Som (etwa 100 Euro).“ Iwans Frau starb vor 3 Jahren, er muss sich alleine um seine zwei Töchter kümmern. „Bevor er sich nach Russland aufmachte, überprüfte er die Angaben im Internet“, berichtet seine Mutter. „Alles schien seine Richtigkeit zu haben.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Russland, und die Hoffnung auf Arbeit </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie so viele andere Bürger der zentralasiatischen Republiken Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan zog es Iwan nach Russland, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden und für den Unterhalt seiner Familie sorgen zu können. 4 Millionen sind es laut Angaben der russischen Behörden inzwischen, der Großteil von ihnen junge Männer.</p>
<p style="text-align: justify">Doch die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Kirgisen, Usbeken und Tadschiken benötigen kein Visum, um nach Russland einzureisen. Arbeit ist häufig schnell gefunden, in der boomenden russischen Bauindustrie sind auch ungelernte Arbeitskräfte ständig gefragt. Für viele entpuppt sich der Traum von leicht verdientem Geld aber schnell als Alptraum aus Ausbeutung und Entrechtung. Mangels offiziellem Arbeitsvertrag sind viele der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert, in den letzten Jahren häufen sich Fälle von Zwangsarbeit und Menschenhandel.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/722/photo_3.jpeg" alt="Kara Balta" /></p>
<p style="text-align: justify">Auch für Iwan lief alles anders als geplant. „Erst wurde ihm und seinen Mitarbeitern der Lohn vorenthalten. Als sie sich beschwerten, fing man an, sie zu schlagen“, berichtet Alexandra. „Am Telefon erzählt er immer, dass alles gut ist. Doch von seinen Kollegen habe ich fürchterliche Geschichten gehört. Einer von ihnen sagte mir, dass mein Sohn so heftig geschlagen wurde, dass ihm ein Zahn ausfiel.“</p>
<p style="text-align: justify">Außer Iwan arbeiten 11 weitere Männer aus Kara-Balta auf der Baustelle in Woronesch. Vier von ihnen hielten die ständigen Androhungen und die Gewalt nicht mehr aus und entschieden sich, zu fliehen. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, verließen sie in Arbeitskleidung das Gelände. Sie machten sich auf den Weg zur kirgisischen Botschaft im 500 Kilometer entfernten Moskau. Mangels Geld und aus Angst vor der Polizei legten sie die Strecke zu Fuß zurück, vier Tage und vier Nächte dauerte es, bis sie die russische Hauptstadt erreichten.</p>
<p style="text-align: justify">In der Botschaft angekommen, erzählten sie ihre furchtbare Geschichte: „Ständig schlug man uns und machte sich über uns lustig. Unsere Dokumente wurden einbehalten, und für vier Tage Arbeit bekamen wir lausige 300 Rubel (etwa 6€) Gehalt. Als wir unsere Arbeitgeber aufforderten, uns nach Hause zu lassen, verspotteten sie uns und sagten, dass wir in Russland Niemande seien, Obdachlose.“</p>
<p style="text-align: justify">Mit Hilfe der kirgischen Botschaft schafften es die Vier zurück nach Bischkek, wo sich das Zentrum „Sezim“ ihrer annimmt, das seit vielen Jahren mit Opfern von Menschenhandel arbeitet. Laut dem Direktor des Zentrums hat sich die Situation innerhalb der letzten zehn Jahre verschlimmert. Immer mehr vorwiegend junge Leute verlassen Kirgistan auf der Suche nach Arbeit, und die Fälle von Menschenhandel häufen sich. Allein in diesem Zentrum gibt es pro Jahr durchschnittlich 35 neue Fälle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Maßnahmen gegen den Menschenhandel</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie kommt es dazu, dass immer mehr Leute in die Fänge von Menschenhändlern gelangen? Ulana Dschanbajewa vom kirgisischen Innenministerium sieht den Hauptgrund in der mangelnden Kenntnis über die Gefahren von Arbeitsmigration. „Viele sehen, wie ihre Nachbarn und Freunde mit viel Geld aus dem Ausland zurückkommen, und wollen es ihnen gleichtun. Doch sie übersehen dabei, dass man schnell das Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel werden kann.“</p>
<p style="text-align: justify">Die weit verbreitete mangelnde Rechtskenntnis zeigt sich auch in den späteren Strafverfahren, wie Gulsina Asanaliewa vom dem Büro des Menschenrechtsbeauftragten der Kirgisischen Republik berichtet. „Die Opfer können häufig keine Namen von den Menschenhändlern oder Organisationen nennen, die für ihre Ausbeutung verantwortlich sind. Viele Verfahren werden aus Mangel an Beweisen eingestellt.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 500px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/722/photo_5.jpeg" alt="Zug Bischkek Moskau" /></p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen Jahr startete die Regierung Kirgistans ein Programm, das den Menschenhandel unterbinden soll. Spezielle Abkommen wurden mit den Hauptzielländern Russland, Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. „In den letzten Jahren ist der Menschenhandel in Kirgisien auf dem Rückzug“, ist sich Gulsina Asanaliewa sicher. „Seit 2010 erreichten uns keine Beschwerden mehr. Von dem Fall aus Kara-Balta haben wir nichts gehört.“</p>
<p style="text-align: justify">Drei Uhr nachmittags am Bischkeker Bahnhof. Der Zug nach Moskau fährt ein, und in der Luft liegt ein Hauch von Aufregung und Angst vor dem Unbekannten. Die Gesichter der Passagiere sind ernst, viele der mit schweren Koffern bepackten Reisenden wirken besorgt und zugleich verloren. Ihr Schicksal ist jedes Mal aufs Neue ungewiss. Wen von ihnen bringt der Zug in eine bessere Zukunft, und wer wird den Weg nach Hause zu Fuß finden müssen?</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Djamilia Dandybaeva</strong></p>
<p style="text-align: right">Aus dem Russischen übersetzt von<br />
Alexander Maier</p>
<p>&nbsp;</p>
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