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	<title>Frauenrechte Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 10 Sep 2026 11:40:09 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Frauenrechte Archives</title>
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		<title>UN Women beim EU-Fest 2026 in Bischkek: Wo steht Kirgistan beim Feminismus?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Niklas Birli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 14:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kirgistan war einst eine Ausnahme in Zentralasien: Als erstes Land der Region hatte es eine Frau an der Staatsspitze, Frauen erk&#xE4;mpften sich politische Teilhabe und eine aktive feministische Bewegung entstand. Heute scheint vieles davon wieder auf dem Spiel zu stehen. Unter Pr&#xE4;sident Sadyr Dschaparow gewinnen traditionelle Werte an Bedeutung &#x2013; und werden genutzt, um erk&#xE4;mpfte [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan war einst eine Ausnahme in Zentralasien: Als erstes Land der Region hatte es eine Frau an der Staatsspitze, Frauen erkämpften sich politische Teilhabe und eine aktive feministische Bewegung entstand. Heute scheint vieles davon wieder auf dem Spiel zu stehen. Unter Präsident Sadyr Dschaparow gewinnen traditionelle Werte an Bedeutung – und werden genutzt, um erkämpfte Rechte des Feminismus und der Gleichberechtigung einzudämmen. Die UN-Organisation UN Women nutzte das EU-Fest in Bischkek am sechsten Juni 2026 im Tschingis-Aitmatow-Park, um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und Besucher:innen zum Nachdenken über Geschlechterrollen und Gleichberechtigung anzuregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die interaktive <a href="https://eca.unwomen.org/en/stories/news/2026/06/gender-equality-station-inspires-more-than-200-commitments-to-advance-womens-rights-in-the-kyrgyz-republic">Gender Equality Station</a> der Organisation UN Women sorgte beim EU-Fest in Bischkek für viel Aufmerksamkeit. An ihr konnten Menschen geschlechtsspezifische Stereotype hinterfragen und eigene Wünsche für die Zukunft aufschreiben, um sie an der sogenannten „Wall of Reflection“ zu befestigen. Zudem ließ es sich UN Women nicht nehmen, den EU-Botschafter für Kirgistan, Rémi Duflot, für seinen Einsatz für die Geschlechtergerechtigkeit in Kirgistan als „HeForShe-Champion“ mit einer Medaille auszuzeichnen. Damit wird einmal mehr deutlich, welche zentrale Rolle die EU in Kooperation mit den UN für die Verbesserung der Gleichberechtigung in Kirgistan spielt. Mit bis zu 5000 Besucher:innen und 200 Personen, welche sich nach dem Besuch der Gender Equality Station mit ihrer Unterschrift verpflichtet haben, die Gleichstellung von Geschlechtern und die Rechte von kirgistanischen Frauen zu unterstützen, war dieser Stand ein großer Erfolg für die Organisator:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Jahr zuvor gab es für UN Women, welche seit 2012 im Land ist, in Kirgistan einen Grund zu feiern: 2025 wurde <a href="https://eca.unwomen.org/en/where-we-are/kyrgyzstan">hundert Jahre</a> Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit im heutigen Kirgistan zelebriert. 1925 erhielten nämlich Frauen, wenn auch nur formal unter sowjetischer Herrschaft, erstmals ein dauerhaftes Wahlrecht. Und die Ergebnisse, die UN Women seit ihrer Anwesenheit vorweisen kann, wirken beeindruckend. So stieg der Anteil der Frauen in den Gemeinderäten infolge der Einführung einer <a href="https://eca.unwomen.org/en/where-we-are/kyrgyzstan">Genderquote</a> von zehn auf 42 Prozent. Zudem verabschiedete das Ministerkabinett 2022 eine nationale Strategie zur Geschlechtergleichheit bis 2030, die unter Federführung von UN Women entstand. Kirgistan verfügt somit über genug legislative Grundlagen zur Etablierung von Geschlechtergerechtigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass diese nach wie vor nur unzureichend umgesetzt und sogar gefährdet werden, zeigen die Angaben allerdings ebenfalls: Frauen stellen gerade einmal <a href="https://eca.unwomen.org/en/where-we-are/kyrgyzstan">22 Prozent</a> der Abgeordneten im kirgistanischen Parlament, dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a>, wie UN Women einräumen muss. Die institutionellen Rahmenbedingungen haben sich zudem seit dem Machtwechsel 2020 und der Amtszeit von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> für Frauen deutlich verschlechtert.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach den <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/316254/demonstrationen-in-kirgisistan/">politischen Unruhen</a> 2020 wurde 2021 Dschaparow zum Präsidenten gewählt und in zwei Etappen ein Referendum für die neue Verfassung Kirgistans abgehalten, welche von der Bevölkerung im selben Jahr angenommen wurde. Diese wurde von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa">OSZE</a> bereits vor dem Referendum kritisiert, weil der Verfassungsentwurf den Rechtsstaat und die Menschenrechte gefährden würde. In der neuen Verfassung wird der politische Schwerpunkt auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/366155521_Gender_Equality_Women&apos;s_Rights_and_Neo-traditionalism_The_Case_of_Kyrgyzstan">traditionelle Werte</a> und Bräuche Kirgistans gelegt, welche mehr Einfluss genießen sollten. Vage formulierte <a href="https://www.researchgate.net/publication/366155521_Gender_Equality_Women&apos;s_Rights_and_Neo-traditionalism_The_Case_of_Kyrgyzstan">Konzepte</a> wie „moralische und ethische Werte“ oder „öffentliches Bewusstsein der Bevölkerung“, welche geschützt werden sollen, könnten willkürliche Auslegungen und Durchsetzungsmaßnahmen begünstigen, wie die OSZE <a href="https://odihr.osce.org/odihr/481864">warnte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ideologie des sogenannten Neo-Traditionalismus wird von Expert:innen daher auch als mögliche Legitimation angesehen, die profeministischen Entwicklungen in Kirgistan, die beispiellos in Zentralasien sind, unter Bezug auf vermeintliche Traditionen wieder zu beseitigen. Die Teilhabe von Frauen im politischen und wirtschaftlichen System des Landes hat sich laut Daten des Weltwirtschaftsforums von 2021 über fünfzehn Jahre sogar <a href="https://www.researchgate.net/publication/366155521_Gender_Equality_Women&apos;s_Rights_and_Neo-traditionalism_The_Case_of_Kyrgyzstan">verschlechtert</a>. Kirgistan ist hier um zehn Punkte zurückgefallen. Dass wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Otunbajewa">Rosa Otunbajewa</a> nach der Revolution 2010 eine Frau das Staatsoberhaupt stellt, erschien noch nie so fern wie jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/es-gibt-viele-maenner-in-der-kirgisischen-politik-und-das-ist-ein-problem-diese-geschichte-handelt-von-kleinen-frauen-die-grosse-dinge-tun/"><strong>Es gibt viele Männer in der kirgisischen Politik und das ist ein Problem – diese Geschichte handelt von „kleinen“ Frauen, die große Dinge tun</strong></a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der anhaltende Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach wie vor leiden Frauen in Kirgistan unter der gesellschaftlich fest verankerten geschlechtsspezifischen Gewalt. <em>Ala Kachuu</em> (kirgisisch: <em>Packen und Losrennen</em>), der Brautraub, bei dem Frauen zum Teil auf offener Straße entführt und zwangsverheiratet werden, ist trotz strafrechtlicher Ahndung nach wie vor weit verbreitet, genauso wie Kinderheirat. 2025 <a href="https://eca.unwomen.org/en/stories/press-release/2025/02/kyrgyzstan-presents-preliminary-findings-and-recommendations-of-the-country-gender-equality-profile">kam UN Women zu dem Schluss</a>, dass 2024 zwanzig Prozent aller Heiraten in Kirgistan Zwangsheiraten darstellten. Und selbst die kirgistanische Regierung musste einräumen, dass sieben- bis neuntausend Mädchen jedes Jahr jung heiraten; <a href="https://unric.org/de/210222-kirgisistan/">500</a> von ihnen werden zwischen dreizehn und siebzehn erstmals Mutter. Dass es laut Strafgesetzbuch mit drei bis fünf Jahren Haftzeit bestraft werden kann, wenn religiöse Autoritäten, Eltern oder andere Personen eine solche Hochzeit von Minderjährigen erzwingen, scheint also nur wenig abzuschrecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mit-15-verheiratet-und-schwanger-kinderbraute-aus-kirgistan-erzahlen-ihre-geschichten/"><strong>Mit 15 verheiratet und schwanger – Kinderbräute aus Kirgistan erzählen ihre Geschichten</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Allgegenwärtig ist insbesondere häusliche Gewalt in Kirgistan innerhalb von Ehen. Es herrscht ein immenser Druck auf Frauen, Ehen um jeden Preis zu „retten“ und bei dem Ehepartner zu bleiben. Scheidungen sind gesellschaftlich stigmatisiert. Häusliche Gewalt wird als etwas Natürliches akzeptiert, dass Frauen ertragen müssten. Nicht nur vom Ehemann: Die Frauen werden gezwungen, sich ihrer Schwiegermutter vollständig zu unterwerfen. Das Bild der zuhause bleibenden Frau, welche ihr Leben auf den Haushalt und die Familie ausrichtet, wird unter Dschaparows Regime idealisiert. Vorhandene Hilfsangebote werden von betroffenen Frauen jedoch nur unzureichend genutzt. Es fehlt ein Vertrauen in Hilfsorganisationen wie beispielsweise dem <a href="https://news.un.org/en/story/2026/03/1167177">Krisenzentrum <em>Sezim</em></a> (kirgisisch: <em>Gefühl</em>), dass diese tatsächlich einen Ausweg aus gewaltvollen Ehen bieten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sexismus-in-kirgistan/"><strong>Sexismus in Kirgistan</strong></a><strong></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Feminismus in Kirgistan: Mutig, laut, vielseitig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obgleich ein bedeutender Anteil der kirgistanischen Bevölkerung offenkundig zögert, die eigenen Ansichten über Geschlechterrollen zu hinterfragen, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine florierende und vielseitige feministische Bewegung in Kirgistan entwickeln können, welche sich auch dem neuen konservativ-nationalistischen Kurs Dschaparows widersetzt. Seit den 1990ern, geprägt durch die vierte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/World_Conference_on_Women,_1995"><em>World Conference on Women</em></a> 1995 in Beijing, bei der kirgistanische Frauen erstmals die vorgegebene Gesellschaftsstellung infrage stellten und für sich sprechen konnten, treten viele Frauen politisch für ihre Rechte ein. Dazu gehören meist ca. 40-jährige Frauen, welche ihre Haare offen wie in der Sowjetunion zeigen und in NGOs tätig sind, lokale Frauenrechtsaktivist:innen, welche sich in der Kommunalpolitik engagieren, aber auch <a href="https://laender-analysen.de/zentralasien-analysen/157/abseits-religioeser-retraditionalisierung-islamischer-aktivismus-von-frauen-als-element-postsozialistischer-zivilgesellschaft/">islamische Aktivist:innennetzwerke</a>, welche Frauen Unterstützung aus religiösem Antrieb bei der Kindererziehung, mentaler Gesundheit oder für Geschlechtergleichheit anbieten. Besonders präsent sind allerdings Grasroots Movements, welche mit sozial stigmatisierten Teilen der Bevölkerung wie LGBTQ*-Gruppen, Prostituierten oder Drogensüchtigen arbeiten und einen großen Teil des öffentlichkeitswirksamen Aktivismus organisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-feministische-bewegung-in-kirgistan/"><strong>Die feministische Bewegung in Kirgistan</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass diese zumeist fließend englisch sprechenden, in feministischer Theorie bewanderten Frauen sich nicht einschüchtern lassen, zeigten die Ausschreitungen bei Protesten in Bischkek am Internationalen Frauentag 2020. Am achten März kam es zu physischen Attacken von maskierten Provokateur:innen, welche die demonstrierenden Frauen zuvor frauenverachtend beschimpft hatten. Die Polizei verhaftete statt der Provokateur:innen mehrere Frauen; ihre Kinder, die sie zur Demonstration mitgenommen hatten, blieben oft allein zurück, ohne dass sich um sie gekümmert wurde. Feministische Bewegungen werden in Kirgistan ohnehin mit Argwohn betrachtet. Feminismus gilt als Fremdkörper, eine westliche Erfindung, welche vermeintlich traditionelle Werte gefährdet. Daher überrascht das harte Vorgehen der Polizei keineswegs. Der Staat spielt laut der NGO <em>Freedom for Eurasia</em> sogar eine zentrale Rolle, Angriffe gegen die Aktivist:innen nicht nur zu dulden, sondern aktiv zu <a href="https://freedomforeurasia.org/wp-content/uploads/2025/08/FFE-Report-Final.pdf">fördern</a>. Staatlich gelenkte Verleumdungskampagnen gegen die Feminist:innen, Drohungen, verbale oder physische Attacken von unbekannten Täter:innen, welche nicht weiter von den Behörden verfolgt werden, offenbaren die Systematik, mit der der Staat hier vorgeht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die ungewisse Zukunft: Ein feministisches Vorbild auf Abwegen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gleichberechtigung der Geschlechter stand noch nie vor so großen Herausforderungen in Kirgistan wie jetzt. Das erste Land Zentralasiens, welches eine Frau als Staatsoberhaupt erlebte, hat sich von der einstigen Insel des Feminismus in der Region zum Sorgenkind entwickelt. Laut dem letzten <a href="https://freedomhouse.org/country/kyrgyzstan/freedom-world/2026">Bericht</a> des renommierten Demokratiemessungsinstituts <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House"><em>Freedom House</em></a> gilt Kirgistan nicht mehr als frei und unterscheidet sich vom autoritären Nachbarn Kasachstan nur noch um zwei Punkte. Jedwede Kritik an der Person Dschaparow vonseiten der Zivilgesellschaft und den Medien wird hart verfolgt. Die antifeministischen Tendenzen im Land sind eng mit seiner Herrschaft verbunden. Durch ein <a href="https://www.zois-berlin.de/en/publications/zois-spotlight/under-the-pretence-of-tradition-media-repression-in-kyrgyzstan">neues Gesetz</a>, welches ihm gestattet, in Urteile des kirgistanischen Verfassungsgerichts eingreifen zu können, wenn seiner Meinung nach moralische oder traditionelle Werte Kirgistans gefährdet sind, hat Dschaparow einen Freifahrtschein erhalten, das Land nach seinen konservativ-nationalistischen Vorstellungen zu regieren. Antifeminismus und Autokratisierung gehen Hand in Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen besorgniserregenden Entwicklungen, alten wie neuen Problemen, muss sich der Feminismus in Kirgistan behaupten. Dass Wandel möglich ist, haben die vergangenen Jahre und der unermüdliche Einsatz der Feminist:innen in Zusammenarbeit mit UN und EU gezeigt. Die Kirgistaner:innen haben bis jetzt mit drei Revolutionen (2005, 2010 und 2020) deutlich gemacht, dass sie ihre Herrscher:innen zur Rechenschaft ziehen können und werden. Auf dem EU-Fest in Bischkek, zwischen den Eichen des Tschingis-Aitmatow-Parks, konnten sie dieses Jahr bereits von einem progressiveren Kirgistan träumen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niklas Birli für Novastan</strong></p>



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			</item>
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		<title>Wie Frauen in Kasachstan die Kultur des Schweigens herausfordern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[katarinakukla]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Feb 2026 17:38:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dina Smailova]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Nemolchi]]></category>
		<category><![CDATA[Saltanat Nukenova]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Mord an Saltanat Nukenova l&#xF6;ste Ende 2023 in Kasachstan einen Aufschrei und eine gesellschaftliche Debatte &#xFC;ber h&#xE4;usliche Gewalt aus. Zwar wurden Gesetze versch&#xE4;rft, doch zweifelt die Frauenrechtsaktivistin Dina Smailova deren Nutzen an. In einer Novembernacht 2023 wurde die 31-j&#xE4;hrige Saltanat Nukenova von ihrem Ehemann, dem ehemaligen Wirtschaftsminister Quandyq Bi&#x15F;imbaev, zu Tode geschlagen &#x2013; in [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Mord an Saltanat Nukenova löste Ende 2023 in Kasachstan einen Aufschrei und eine gesellschaftliche Debatte über häusliche Gewalt aus. Zwar wurden Gesetze verschärft, doch zweifelt die Frauenrechtsaktivistin Dina Smailova deren Nutzen an.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Novembernacht 2023 wurde die 31-jährige Saltanat Nukenova von ihrem Ehemann, dem ehemaligen Wirtschaftsminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quandyq_Bischimbajew">Quandyq Bişimbaev</a>, <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-domestic-violence-arrest-brutal-beating-bishimbaev-wife/32686238.html">zu Tode geschlagen</a> – in demselben Restaurant, in dem sie einst ihre Hochzeit gefeiert hatten. Stundenlang folterte er sie im Keller des Lokals in Astana. Mitarbeiter sagten später aus, sie hätten Schreie gehört, aber nicht eingegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gerichtsverhandlung, die in ganz Kasachstan live übertragen wurde, zeigte Bişimbaev grinsend, während die Staatsanwaltschaft die Aufnahmen der Überwachungskameras abspielte. Für viele Zuschauer war es das erste Mal, dass die verborgene Realität häuslicher Gewalt in Kasachstan so offen gezeigt wurde.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Fall löste landesweite Empörung und internationale Aufmerksamkeit aus. Tausende gingen auf die Straße, forderten Gerechtigkeit für Saltanat und besseren Schutz für Frauen im ganzen Land. In den sozialen Medien verbreitete sich der Hashtag #SaltanatÜshin („Für Saltanat“), unter dem Bürgerinnen, Aktivistinnen und Prominente Veränderungen verlangten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Druck war nicht zu übersehen. Wenige Monate später verabschiedete die Regierung <a href="https://astanatimes.com/2025/05/one-year-since-kazakhstan-criminalized-domestic-violence-what-numbers-reveal/">neue Gesetze</a>, die sicherstellen sollten, dass solche Taten nie wieder geschehen. Doch über ein Jahr später, als der Schock nachlässt und das neue Gesetz in Kraft ist, bleibt die Frage: Hat sich wirklich etwas verändert?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><a></a><strong>Das Schweigen brechen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Schätzungen der <a href="https://www.unwomen.org/en/news-stories/interview/2024/11/one-too-many-how-a-femicide-case-sparked-activism-and-change-in-kazakhstan">Vereinten Nationen</a> werden jedes Jahr rund 80 Frauen in Kasachstan durch häusliche Gewalt getötet. Doch die meisten Fälle gelangen nie an die Behörden. In Kasachstans Gesellschaft halten viele Frauen weiterhin aus – gefangen in dem tief verwurzelten „Uyat“, einer Vorstellung von Scham, die das Verhalten bestimmt, um die Ehre der Familie zu bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen den Ehemann oder einen Verwandten zu sprechen, gilt oft als beschämend. Hinzu kommen Angst vor Vergeltung, wirtschaftliche Abhängigkeit oder Misstrauen gegenüber der Polizei. Doch das Schweigen beginnt zu brechen. Immer mehr kasachische Frauen sprechen nun öffentlich über ihre Erfahrungen mit Missbrauch. Ein Teil des Wandels begann, als eine Frau die Entscheidung traf, ihre Geschichte zu erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 2016 veröffentlichte Dina Smailova auf Facebook, dass sie in ihrer Jugend Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden war. Ihr Beitrag ging viral, bewegte die sozialen Netzwerke Kasachstans und inspirierte Hunderte Frauen, ihr ihre eigenen Geschichten anzuvertrauen. In einem Interview erzählte sie, wie alles begann: „<em>Das löste eine riesige Diskussion in den sozialen Netzwerken aus. Menschen begannen mir zu schreiben, dass auch sie Gewalt erlebt hätten – und dass ich nicht aufhören dürfe“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/selbstmorde-und-morde-an-frauen-nehmen-zu-wenn-der-staat-bei-haeuslicher-gewalt-wegschaut/">Selbstmorde und Morde an Frauen nehmen zu, wenn der Staat bei häuslicher Gewalt wegschaut</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dieser Welle von Zeugenaussagen entstand die Bewegung #Немолчи (Schweig nicht), die sich später zu einer der größten Frauenrechtsorganisationen des Landes entwickelte. Seitdem arbeitet Немолчи/<a href="https://nemolchi.uz/">Nemoltschi</a> daran, die Kultur der Scham zu durchbrechen, die Opfer zum Schweigen bringt. Die Botschaft: Schweigen verdeckt Gewalt nicht nur – es verstärkt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Gewalt ist ein schweres Trauma mit tiefen Folgen. Wenn wir alle schweigen, heilen wir dieses Trauma nicht und benennen den Täter nicht. Das schadet allen – besonders den Frauen, die Mütter sind und neue Familien gründen, aber innerlich verwundet bleiben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals war ihr Engagement besonders wichtig: 2017 war körperliche Gewalt innerhalb der Familie <a href="https://informburo.kz/stati/v-kazahstane-dekriminalizovali-bytovoe-nasilie-kak-teper-budut-nakazyvat-muzhey-tiranov.html">entkriminalisiert</a> worden – die meisten Täter blieben straflos. Überlebende mussten selbst Beweise und Zeug*innen beibringen, ein belastender Prozess, an dem viele Verfahren scheiterten. Organisationen wie Nemolchi wurden daher unentbehrlich, um Betroffene zu unterstützen und für Gesetzesänderungen zu kämpfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><a></a><strong>Der Fall, der alles veränderte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Saltanats brutaler Tod löste eine landesweite Protestwelle aus, die Gerechtigkeit und stärkeren Schutz für Frauen forderte. In wenigen Tagen gingen Tausende in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Şymkent</a> auf die Straße – mit Plakaten wie „Keine Vergebung für Täter“ und „Ihr Name war Saltanat“. Die Proteste verbreiteten die Kampagne #ForSaltanat im ganzen Land und in 15 Städten weltweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der öffentliche Druck zeigte Wirkung: Im April 2024 verabschiedete Kasachstan das Gesetz zur Stärkung der Frauenrechte und der Sicherheit von Kindern, auch als „Saltanats Gesetz“ bekannt. Es machte die Entkriminalisierung von 2017 rückgängig und führte wieder strafrechtliche Konsequenzen für Schläge und leichte Körperverletzungen im häuslichen Umfeld ein. Zudem verlagerte das Gesetz die Verantwortung vom Opfer auf den Staat: Die Polizei ist nun verpflichtet, Beweise zu sichern, jeden Fall zu registrieren und Ermittlungen auch ohne offizielle Anzeige einzuleiten – etwa auf Grundlage von Videoaufnahmen oder Zeugenaussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dina Smailova steht dem neuen Gesetz jedoch besonders kritisch gegenüber und sieht darin lediglich ein <em>„PR-Projekt des Präsidenten, um sein Image aufzupolieren“</em>, um der Welt zu zeigen, dass er fortschrittliche Gesetze verabschiedet und Frauen schützt. In der Praxis wird häusliche Gewalt nach wie vor <a href="https://www.hrw.org/news/2024/04/23/kazakhstan-new-law-protect-women-improved-incomplete?utm_source=chatgpt.com">nicht als eigenständiger Straftatbestand anerkannt</a>, wodurch rechtliche Lücken bestehen bleiben, die die Überlebenden weiterhin gefährden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><a></a><strong>Neues Gesetz – alte Probleme?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ein Jahr nach Inkrafttreten von „Saltanats Gesetz“ zeichnet sich ein zwiespältiges Bild. <a href="https://astanatimes.com/2025/11/national-report-outlines-current-domestic-violence-situation-in-kazakhstan/#:~:text=Impact%20of%20legislative%20changes,7%25%20deny%20its%20existence%20altogether.">Polizeistatistiken</a> zeigen einen Anstieg registrierter Fälle häuslicher Gewalt – doch Expert*innen von <a href="https://www.hrw.org/news/2024/04/23/kazakhstan-new-law-protect-women-improved-incomplete?">Human Rights Watch</a> warnen: Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Gewalt abgenommen habe. Viele Fälle würden lediglich unter neuen juristischen Kategorien erfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir erhalten bis zu 50 Anrufe pro Tag bei der Hotline – Frauen erzählen, dass ihre Anzeige nicht angenommen wurde, dass man sie zum Schweigen bringt, dass niemand mit ihnen arbeiten will, damit sie die Anzeige zurückziehen“</em>, berichtet Dina Smailova.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wer-entscheidet-in-zentralasien-wie-frauen-auszusehen-haben/">Wer entscheidet in Zentralasien, wie Frauen auszusehen haben?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Reform von 2024 werden bestimmte Formen von Misshandlung, die zuvor als Verwaltungsdelikte galten, nun strafrechtlich verfolgt. Das erklärt teilweise den Anstieg der registrierten Fälle von „vorsätzlicher Körperverletzung“ und „Misshandlung“. Doch wenn es um den tatsächlichen Schutz der Frauen und die Bestrafung der Täter geht, bleibt vieles schwierig und stagniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Wirklichkeit funktionieren die neuen Gesetze überhaupt nicht. Es fehlen entscheidende Bestimmungen, die etwa eine sofortige Festnahme des Täters oder eine strafrechtliche Haftung bei Verstößen gegen Schutzanordnungen ermöglichen würden. Frauen werden weiterhin geschlagen, während Kasachstan der ganzen Welt erzählt, was für ein gutes Gesetz es verabschiedet hat“</em>, so Smailova weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das eigentliche Problem liegt nicht nur in der schwachen Rechtsdurchsetzung, sagt Smailova, sondern vielmehr im Staat selbst: <em>„Das Ausmaß der Korruption ist extrem hoch.“</em> Laut ihr hält sich Gewalt nicht nur aufgrund sozialer Normen, sondern auch, weil Macht und Sicherung an Geld und persönliche Beziehungen geknüpft sind und Kritik an diesem System schwerwiegende Folgen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund lebt Smailova selbst im Exil in Montenegro. Nach Jahren öffentlicher Fürsprache brachte ihre Arbeit sie zunehmend in Konflikt mit der politischen Elite, wodurch sie zur Zielscheibe strafrechtlicher Ermittlungen und koordinierter Verleumdungskampagnen wurde. Angesichts der Gefahr einer Verhaftung floh Smailova schließlich aus Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-stellt-zwangsheirat-und-stalking-unter-strafe/">Kasachstan stellt Zwangsheirat und Stalking unter Strafe</a></strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sich jedoch verändert hat, ist die Kultur des Schweigens. Immer mehr Frauen trauen sich, über ihre Erfahrungen zu sprechen und Hilfe zu suchen. Organisationen wie <em>Nemolchi.kz</em> haben ein landesweites Netzwerk geschaffen, das rechtliche und psychologische Unterstützung bietet – und vor allem zeigt, dass Betroffene nicht allein sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Heute ist es völlig normal geworden, um Hilfe zu bitten. Etwa 60.000 Fälle sind bereits durch unsere Organisation gegangen. Frauen haben keine Angst mehr, sich zu äußern – sie schreiben Beiträge in den sozialen Medien, filmen sich, Misshandlungen werden öffentlich gezeigt“,</em> erklärt Smailova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stimmen, die früher zum Schweigen gebracht wurden, sind lauter geworden. Vielleicht liegt genau darin der Anfang einer Veränderung – doch solange das Gesetz Frauen nicht wirklich schützt, bleibt dieser Wandel fragil.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Katarina Kukla für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Feministische Versammlungen in Bischkek und Almaty am 8. März</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Mar 2025 05:06:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Feministische Initiative Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Feminita]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT+]]></category>
		<category><![CDATA[Sadyr Dschaparow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bischkek sind Hunderte von Menschen zu einer Kundgebung samt Umzug anl&#xE4;sslich des Weltfrauentags zusammengekommen. In Almaty hingegen haben die Beh&#xF6;rden erneut ein Versammlungsverbot ausgesprochen und feministische Aktivistinnen festgenommen. Am 8. M&#xE4;rz fand in der Hauptstadt Kirgistans ein friedlicher Marsch f&#xFC;r die Rechte der Frauen statt. Er wurde von Aktivistinnen der lokalen Feministischen Initiative Bischkek [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In Bischkek sind Hunderte von Menschen zu einer Kundgebung samt Umzug anlässlich des Weltfrauentags zusammengekommen. In Almaty hingegen haben die Behörden erneut ein Versammlungsverbot ausgesprochen und feministische Aktivistinnen festgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. März fand in der Hauptstadt Kirgistans ein friedlicher Marsch für die Rechte der Frauen statt. Er wurde von Aktivistinnen der lokalen <a href="https://bishkekfeminists.wordpress.com/">Feministischen Initiative Bischkek</a> organisiert, wie <a href="https://rus.azattyk.org/a/33340737.html">Radio Azattyk</a> berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umzug begann um 12 Uhr mittags vor dem ehemaligen Gebäude des Außenministeriums in der Nähe des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Square,_Bishkek">Alten Platzes</a>. Von dort aus zogen die Demonstranten etwa ein Stunde durch die Stadt, Ziel war der <a href="https://www.google.de/maps/place/Park+of+Maxim+Gorky/@42.8711663,74.5664088,13.45z/data=!4m6!3m5!1s0x389ec81fe4b6049d:0x3b7561a932dddd6!8m2!3d42.8783962!4d74.592736!16s%2Fg%2F11df37b_cr?entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI1MDMxMi4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D">Maxim-Gorki-Park</a>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Organisatorinnen betonten, dass der 8. März der Tag der Solidarität für alle Frauen sei – unabhängig davon, ob sie zu Hause, im Büro oder in der Fabrik arbeiten, und so ihre sozialen, wirtschaftlichen und politischen Rechte verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forderungen bezogen sich auf mehr Sicherheit von Frauen am Arbeitsplatz, zu Hause und im gesellschaftlichen Zusammenleben. Darüber hinaus forderten die Demonstrierenden, dass Väter nach einer Scheidung rechtlich für ihre Kinder verantwortlich sein sollten, wie das kirgisische Medium <a href="https://kaktus.media/doc/519322_v_bishkeke_proshel_mirnyy_marsh_za_prava_jenshin._kak_eto_bylo.html">Kaktus</a> berichtet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Ohne Rechte kein Fortschritt&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die örtliche Polizei <a href="https://kaktus.media/doc/519329_gyvd_bishkeka:_v_marshe_za_prava_jenshin_priniali_ychastie_bolee_150_chelovek.html">schätzte</a> die Zahl auf über 150. Mehreren Quellen zufolge nahmen jedoch zwischen 300 und 500 Personen am Umzug teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Slogans waren während des Umzugs zu hören und zu sehen: „Frauen werden weiterhin getötet“, „Wir brauchen Sicherheit, keine Blumen“, „Abtreibung ist eine persönliche Entscheidung, keine juristische Debatte“, „Mädels, unterstützt euch gegenseitig!“ oder „Ohne Rechte kein Fortschritt“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sogar zu einer Hymne zu Ehren der Frauenrechte stimmten die Demonstrierenden an, berichtet <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RD121yeSmqA">Kaktus</a> weiter. Nach Angaben der Pressestelle der Polizei von Bischkek waren fast 100 Polizisten im Einsatz, um die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein zuverlässiges System</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Rednerinnen der Veranstaltung fand sich auch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Dp92AjT5w_k">Rosa Dschekschenowa</a>. Sie ist die Mutter von Ajdschan Alykulowa, einem jungen Mädchen, das im Februar 2024 von ihrem Ehemann brutal ermordet wurde. Sie betonte, wie wichtig der Umzug angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Frauen und der als ungerecht empfundenen Gerichtsentscheidungen in solchen Fällen sei. „<em>In der heutigen Welt sind Frauen stärker zwar als Männer und handeln aktiver, und doch sind sie täglich Druck ausgesetzt und leiden unter Diskriminierung“,</em> sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Tochter hatte fünf Sprachen gesprochen und viele Jahre lang im Ausland gearbeitet, von wo aus sie die Familie finanziell unterstützte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-hoch-ist-der-grad-der-freiheit-und-sicherheit-von-frauen-in-zentralasien/">Wie hoch ist der Grad der Freiheit und Sicherheit von Frauen in Zentralasien?</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ehemalige kirgistanische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ombudsmann">Ombudsfrau</a> Atyr Abdrachmatowa, die ebenfalls an dem Marsch teilnahm, sagte im Interview mit dem Medium <a href="https://24.kg/obschestvo/322169_net_nasiliyu_vbishkeke_proshel_mirnyiy_marsh_zaprava_jenschin/">24.kg</a>, dass Frauen und Mädchen dank des Marsches eine Plattform hätten, um Geschlechterdiskriminierung und Gewalttaten zu thematisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Kaum eine Familie ist nicht von Gewalt betroffen. Fast immer sind es die Mädchen, die darunter leiden. Die Gesellschaft bringt peu à peu mehr Verständnis für das Problem auf und die aggressiven Reaktionen auf unseren Marsch werden seltener. Sogar die Ordnungskräfte sagen, dass sie sich in ähnlichen Situationen wiedergefunden haben und ihnen die Hände gebunden waren. Mittlerweile haben auch sie verstanden, dass das System in Wirklichkeit leider niemanden von uns schützt. [&#8230;] Alle Mädchen und jungen Frauen in Kirgistan verdienen mehr Schutz. Das Thema anzusprechen, zu reden, statt zu schweigen, ist keine Schande. Jedem Mädchen und jeder Frau muss klar sein, dass niemand das Recht hat, über ihren Körper oder ihre Seele zu entscheiden“,</em> so ihre Worte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Staatliche Förderung weiblicher Führungsqualitäten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Marsch in Bischkek verlief friedlich und endete mit der Nationalhymne. Die öffentliche Ordnung blieb ungestört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Vorabend der Veranstaltung <a href="https://kaktus.media/doc/519324_sadyr_japarov_pozdravil_jenshin_kyrgyzstana_s_mejdynarodnym_jenskim_dnem.html">richtete</a> Präsident <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/sadyr-japarov-le-chuchoteur-du-peuple/">Sadyr Dschaparow</a> seine Glückwünsche an die Frauen, in der er ihre tragende Rolle in der Gesellschaft unterstrich und ihnen für ihren Beitrag zur Entwicklung des Landes dankte: <em>„Kirgistan hält fest an der Geschlechtergerechtigkeit sowie der Stärkung der Frauen, denn diese sind der Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung des Landes.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran anschließend kündigte das Staatsoberhaupt an, ein nationales Programm zur Förderung der Führungskompetenzen von Frauen bis 2030 umzusetzen, um die aktive Beteiligung von Frauen an der Wirtschaft und am öffentlichen Leben zu gewährleisten, ihr Potenzial zu entfalten und ihre finanzielle Unabhängigkeit zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er erinnerte auch daran, dass Kirgistan in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum der Frauenbewegung feiert, das einen wichtigen Schritt in der Anerkennung der Leistungen kirgistanischer Frauen in verschiedenen Bereichen darstellt: „<em>Ihre Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Weisheit und Weitsicht bilden eine solide Grundlage für die Stabilität und den Wohlstand Kirgistans. Zukünftige Generationen zu erziehen, junge Menschen auf die Prüfungen des Lebens vorzubereiten und die Traditionen der Vorfahren zu bewahren – all das ist dank Ihrer hervorragenden Arbeit möglich.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Anstieg häuslicher Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das kirgistanische Innenministerium <a href="https://mvd.gov.kg/rus/domesticViolence/reports/40">berichtete</a>, dass in den ersten zehn Monaten des Jahres 2024 landesweit 14.293 Fälle häuslicher Gewalt registriert wurden, 37,2 Prozent mehr als im Jahr 2023.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ombudsfrau Dschamilja Dschamanbajewa <a href="https://rus.azattyk.org/a/33216029.html">stellte fest</a>, dass Kirgistan zwar 2003 als eines der ersten zentralasiatischen Länder ein Gesetz zum Schutz vor <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-praesident-unterschreibt-gesetz-gegen-haeusliche-gewalt/">häuslicher Gewalt verabschiedet</a> habe, die Zahl der Fälle in den letzten Jahren jedoch stetig gestiegen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generalstaatsanwaltschaft fügte dem hinzu, dass in den letzten zweieinhalb Jahren in Kirgistan 34 Frauen an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben seien, wie <a href="https://rus.azattyk.org/a/33091113.html">Radio Azattyk</a> recherchierte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demonstrationsverbot in Kasachstan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan <a href="https://rus.azattyq.org/a/vlasti-almaty-vnov-otkazali-fem-aktivistkam-v-provedenii-zhenskogo-marsha-8-marta-/33277610.html">verweigerte</a> das <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Akim">Akimat</a> (Stadtverwaltung) von Almaty Mitte Januar einer Gruppe von feministischen Aktivistinnen die Genehmigung für eine Kundgebung zum 8. März. In ihrer Antwort verwiesen die Stadtbehörden auf eine „<em>Bedrohung der öffentlichen Ordnung“</em>, ohne nähere Angaben zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf <a href="https://www.instagram.com/p/DE2SAycuNCM/">Instagram</a> erklärten die Organisatorinnen, sie erwögen, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Ihren Angaben zufolge sei dies bereits der 15. Versuch, eine Versammlung mitsamt Marsch zu organisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/feministische-medien-in-kasachstan-was-veraendern-sie/">Feministische Medien in Kasachstan: Was verändern sie?</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im vergangenen Jahr hatte das Büro des Bürgermeisters von Almaty eine Versammlung mit anschließendem Marsch zum 8. März unter dem Motto „Freiheit und Sicherheit der kasachstanischen Frauen“ mit einer ähnlichen Begründung abgelehnt. Auf Anfrage von Vlast <a href="https://vlast.kz/novosti/59220-akimat-almaty-ob-otkaze-v-marse-na-8-marta-v-socsetah-prosili-zapretit-akcii-feministok.html">berichtete</a> das Akimat, dass die Organisatorinnen und Teilnehmerinnen während der Aktionen„<em>wiederholt von den erklärten Themen abgewichen sind und in ihren Reden andere Konzepte an deren Stelle gesetzt haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus behauptete das Akimat, sie habe etwa &nbsp;zwanzig Anrufe mit kategorischen Aufforderungen erhalten, die Versammlung nicht zu genehmigen. Zudem seien in den sozialen Netzwerken über 100 Posts über die Ablehnung und das Verbot feministischer Aktionen veröffentlicht worden. „<em>In den Anrufen und in den Nachrichten in den sozialen Netzwerken wird behauptet, dass diese Bürgerinnen bei den Aktionen, die dem Internationalen Frauentag gewidmet waren, sich hinter dem Kampf für Frauenrechte versteckten. In Wirklichkeit fördern sie nicht-traditionelle Werte, die uns fremd sind: gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehen, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/LGBT-Symbole#:~:text=Die%20Regenbogenfahne%20steht%20f%C3%BCr%20die,und%20Lila%20f%C3%BCr%20die%20Seele."><em>LGBT-Symbole“,</em></a><em> </em>so ihre Erklärungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Letzte erlaubte Demonstration im Jahr 2021</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Aktivistinnen gingen mehrmals auf die Straße, um das Recht auf die Durchführung eines Marsches einzufordern, jedoch ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich <a href="https://vlast.kz/novosti/59192-miting-za-dostojnuu-zizn-zensin-soglasoval-akimat-almaty.html">genehmigten</a> die städtischen Behörden am 7. März 2024 eine Versammlung &#8222;Für ein menschenwürdiges Leben für Frauen!&#8220; im <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-kampf-um-feministischen-marsch-am-8-maerz/">Gandhi-Park.</a> Die Organisation stemmte Bibinur Şeralieva, Gründerin des Sozialhauses „Rahym“ für Frauen in schwierigen Situationen und Mitglied des regionalen öffentlichen Rates für Familie und Sozialfürsorge sowie Mitglied der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amanat_(Partei)">Regierungspartei Amanat</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-proteste-haben-ein-weibliches-gesicht-wie-frauen-in-usbekistan-fuer-ihre-rechte-einstehen/">Die Proteste haben ein weibliches Gesicht: Wie Frauen in Usbekistan für ihre Rechte einstehen</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das letzte Mal, dass das Akimat Almaty einen Marsch mitsamt Kundgebung für Frauenrechte genehmigt hat, war <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-droht-nach-dem-historischen-internationalen-frauentag-eine-offizielle-gegenreaktion/">im Jahr 2021</a>, erinnert <a href="https://rus.azattyq.org/a/vlasti-almaty-vnov-otkazali-fem-aktivistkam-v-provedenii-zhenskogo-marsha-8-marta-/33277610.html">Radio Azattyq</a>. Der damalige Umzug, an dem rund 1.000 Menschen teilnahmen, verlief ohne Zwischenfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Städten Kasachstans konnten in diesem Jahr offizielle Versammlungen zum Tag der Frauenrechte stattfinden, angeführt von Vertreterinnen staatlich geführter Organisationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aktivistinnen wurden festgenommen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Vorabend des 8. März wurde Janar Sekerbaeva, Mitbegründerin von <a href="https://feminita.kz/">Feminita</a>, einem Kollektiv von LGBT+-Feministinnen, in Almaty von der Polizei <a href="https://rus.azattyq.org/a/soosnovatelnitsu-feminita-zhanar-sekerbaevu-zakryli-na-10-sutok-nakanune-8-marta/33331742.html">festgenommen</a>. Sie warfen ihr vor, gegen das Verfahren zur Durchführung friedlicher Versammlungen verstoßen zu haben, wobei sie sich auf ihre Teilnahme an einer Demonstration im Mai 2024 beriefen. Ein Gericht nahm die Aktivistin für zehn Tage in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Administrativhaft">Administrativhaft</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer ähnlichen Begründung <a href="https://rus.azattyq.org/a/esche-odnu-aktivistku-arestovali-na-10-sutok-v-almaty-za-marsh-v-mae-proshlogo-goda/33335362.html">stellte</a> die Polizei eine weitere feministische Aktivistin, Aktorğyn Akkenjebalasy, unter Arrest und belegte sie mit der gleichen Haftdauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janar Sekerbaeva kam am 10. März frei, Aktorğyn Akkenjebalasy drei Tage später.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>William Onkur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/des-feministes-dasie-centrale-se-sont-rassemblees-pour-la-journee-du-8-mars/">Französischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/feministische-versammlungen-in-bischkek-und-almaty-am-8-maerz/">Feministische Versammlungen in Bischkek und Almaty am 8. März</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 15:08:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle &#xFC;ber Schwiegert&#xF6;chter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#x2013; Kelin &#x2013; ihr Elternhaus verl&#xE4;sst, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Gro&#xDF;teil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Usbekistan gibt es eine besondere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt: den Missbrauch von und die Kontrolle über Schwiegertöchter. Dies spiegelt die kulturelle Tradition wider, nach der eine Braut &#8211; Kelin &#8211; ihr Elternhaus verlässt, um zu ihrem Ehemann und oft auch zu dessen Eltern zu ziehen. Ein Großteil ihres jungen Lebens ist dem Ziel gewidmet, eine zukünftige Kelin zu werden, eine Rolle, in der sie als leicht ersetzbar behandelt wird, auch wenn sich die Muster langsam ändern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das usbekische Wort „Kelin“ stammt von dem türkischen Verb „kel“ ab, das „kommen“ bedeutet. Wörtlich übersetzt bedeutet „Kelin“ also „diejenige, die kommt“ oder „diejenige, die gebracht wird“. Mädchen werden von klein auf als Gäste behandelt und als künftige Kelin in ihrem Elternhaus erzogen, wobei ihnen beigebracht wird, wie man den Haushalt führt und es allen recht macht. Die meisten Mädchen in Usbekistan <a href="https://daryo.uz/en/2025/01/08/uzbekistans-changing-marriage-trends-375%25-women-under-20-married-in-2024">heiraten recht jung</a> und beginnen ein traditionelles Leben voller Verachtung und Entbehrungen. Und in nicht allzu seltenen Fällen bezahlen die Kelins dafür mit ihrem Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Anmerkung des Herausgebers:</strong> Der folgende Artikel enthält Hinweise auf (extreme) Gewalt und Tod, die einige Leser beunruhigen könnten.</em></p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rasuljon Imamov, 64, öffnete die Autotür und zog den Kopf seiner Schwiegertochter Gulmira heraus, die bewusstlos und keuchend auf dem Rücksitz lag. Er drehte ihr Gesicht nach unten, packte sie an den Haaren und zog das Messer, das er im Auto mit sich führte, an der linken Seite ihres Halses. „<em>Ich habe ihr schnell den Hals durchgeschnitten, weil das Messer scharf war, und ich habe den Kopf vom Körper getrennt, indem ich die Knochen gebrochen habe</em>“, erzählte er später.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An jenem Tag, dem 1. Oktober 2022, sah Rasuljon, wie seine Kelin das Abendessen zubereitete und bat darum, dass sie es gut mache. Gulmira, eine Mutter von zwei Kindern, die schon seit Jahren die Schläge ihres Mannes und die Streitigkeiten mit ihren Schwiegereltern satthatte, sagte daraufhin: „Ich werde es versuchen, aber du wirst essen, wie es zubereitet wird“, und schloss die Küchentür so fest, dass das Fenster zersprang. Rasuljon hatte genug von ihr. Was für eine Kelin würde seine Schwiegereltern nicht respektieren? In seinen Augen sollten Kelins stets gehorsam, unterwürfig und ehrerbietig sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekischen Traditionen sind geprägt vom Respekt für ältere Menschen. Eltern, die Kinder, insbesondere Söhne, aufziehen, werden nie allein gelassen. Normalerweise bleibt der jüngste Sohn bei den Eltern, gründet seine eigene Familie und erbt später das Haus. Von seiner Frau, der Kelin, wird erwartet, dass sie sich um die Bedürfnisse der Schwiegereltern kümmert und ihnen gut dient. Gulmira heiratete 2011 den jüngsten Sohn der Familie Imamov, Khusniddin.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit geballten Fäusten betrat Rasuljon die Küche und schlug Gulmira mit einem einzigen Schlag an die Kehle, sodass sie bewusstlos zusammenbrach. Nur ihr schwerer Atem erfüllte die Stille. Ohne zu zögern, trug Rasuljon sie zu seinem Auto und fuhr zu einem nahen Hügel. Dort enthauptete er sie und entsorgte ihren kopflosen Körper in einer Müllschlucht. Dann steckte er ihren abgetrennten Kopf in einen Sack und legte ihn auf Wacholderbäume am Straßenrand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Sie hat uns nur ein Jahr lang gut gedient“,</em> sagte er später vor Gericht und erzählte von all den eskalierenden Konflikten zwischen den beiden. „<em>Ab dem zweiten Jahr begann sie sich zu verändern.</em>“ Trotz des Plädoyers von Gulmiras Vater für die höchstmögliche Strafe erhielt Rasuljon nur eine Strafe von 13 Jahren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gewalt gegen Mädchen und Frauen: Nationale Krise</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Offizielle Statistiken über Gewalt und Belästigung gegen Frauen in Usbekistan gibt es nur wenige, aber das Ausmaß lässt sich aus der Zahl der ausgestellten Schutzanordnungen ableiten. Im Jahr 2019 verabschiedete Taschkent ein <a href="https://lex.uz/docs/4494712?ONDATE=10.12.2021#6438986">Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt</a> und Belästigung, das sicherstellt, dass Hilfesuchende Schutzanordnungen erhalten können, zunächst für einen Monat. Im Durchschnitt beantragen <a href="https://thediplomat.com/2024/05/women-as-wives-how-uzbekistans-justice-system-fails-to-serve-women/">40.000 Frauen pro Jahr</a> eine solche Verfügung, wobei <a href="https://www.qalampir.uz/uz/news/-2375-80686">85 Prozent der Fälle enge Familienmitglieder betreffen</a> und häusliche Gewalt die häufigste Form des Missbrauchs darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">26 Prozent der Frauen, die an einer <a href="https://www.gazeta.uz/oz/2022/12/20/researches/">kürzlich durchgeführten Studie</a> teilnahmen, gaben an, dass sie von ihren Ehemännern misshandelt oder belästigt werden, weil ihre Schwiegereltern sie als respektlos empfinden. Allein im Jahr 2021 beantragten über 1500 Kelins Schutzanordnungen von ihren Schwiegermüttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem begehen <a href="https://daryo.uz/2021/01/08/mahalla-vazirligi-2020-yilda-900-nafardan-ortiq-ayol-oz-joniga-qasd-qilgan">jährlich etwa 600 Frauen Suizid</a>. Während der Covid-19 Lockdowns, als die Frauen mit ihren Ehemännern und Schwiegereltern zu Hause eingesperrt waren, <a href="https://iep-berlin.de/en/projects/enlargement-neighbourhood-and-central-asia/eurasia/studie-gbv/">stieg diese Zahl auf 900 an</a>. Das Ministerium für die Unterstützung von <a href="https://www.uzbekembassy.in/the-mahalla-a-unique-civil-society-institution-in-uzbekistan/">Mahalla</a> und Familie stellte fest, dass sich die meisten Frauen aufgrund von Konflikten mit ihren Ehemännern oder Schwiegereltern das Leben nahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wenn ich sterbe, beerdige meine Leiche im Haus deiner Großmutter, nicht hier</em>“, sagte Zilola leise zu ihrem 13-jährigen Sohn, als sie ihn zum letzten Mal zudeckte. Das Haus, in dem sie die letzten 17 Jahre verbracht hatte, kam ihr jetzt vor wie ein Gefängnis. Ihre Schwiegereltern wollten sie loswerden und sie durch eine neue, jüngere Kelin ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war froh, dass sie sich in den Tagen zuvor von ihrer Tochter verabschiedet und ihren Goldschmuck als Andenken weitergegeben hatte. „<em>Kümmere dich um deinen Bruder. Ich habe hier nie einen ruhigen Tag gehabt, aber du lebst gut</em>“, ermahnte sie ihre 15-jährige Tochter. „<em>Gib deinen Bruder nicht an deinen Vater. Wenn mir etwas zustößt, wird dein Onkel auf euch beide aufpassen</em>“, fügte sie hinzu und hielt sich an diesem schwachen Hoffnungsschimmer fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zilola heiratete Soyib Muftillayev, einen Schafhirten, an einem warmen Oktobertag im Jahr 2006. Von da an wurde sie sowohl von Soyib als auch von seiner älteren Schwester, Sabriya Muftillayeva, ständig verbal und körperlich misshandelt. Die Situation verschlimmerte sich, als Soyib beschloss, eine andere Frau zu heiraten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Tabu der Scheidung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Frauen in Usbekistan kommt eine Scheidung nicht infrage, so schrecklich das Eheleben auch sein mag. Geschiedene Frauen sind mit Scham und Stigmatisierung konfrontiert und können oft nur einen geschiedenen Mann wieder heiraten <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">oder eine zweite Frau werden</a>. Ex-Ehemänner <a href="https://kun.uz/news/2020/07/17/farzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida?q=%2Fuz%2Fnews%2F2020%2F07%2F17%2Ffarzandning-haqi-otalik-majburiyati-alimentning-huquqiy-va-diniy-asoslari-haqida">umgehen die Unterhaltszahlungen</a> für die Kinder und <a href="https://platina.uz/o'z/2023/04/11/2022-yilda-73-ta-14-yoshga-tolmagan-bola-bilan-jinsiy-aloqaga-kirishish-jinoyati-sodir-etilgan-manba">beteiligen sich auch nicht aktiv an der Kindererziehung</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Soyib sich entschloss, unter dem Vorwand mangelnder Intimität eine andere Frau zu heiraten, wurde Zilolas Schwägerin ihr gegenüber noch grausamer. Sie demütigte Zilola vor anderen, schlug sie und machte sie bei anderen Verwandten ständig schlecht. „<em>Ich werde meinen Bruder mit einer anderen Frau verheiraten, du kannst dich nicht richtig um ihn kümmern</em>“, sagte Sabriya zu Zilola. „<em>Ich werde eine andere Frau mitbringen und du wirst dieses Haus verlassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://thediplomat.com/2023/12/uzbekistan-takes-a-stance-against-promoting-or-endorsing-polygamy/">Polygamie ist illegal in Usbekistan.</a> Hunderttausende haben jedoch Zweit- oder sogar Drittfrauen, ohne eine offizielle Registrierung. <a href="https://thediplomat.com/2022/02/uzbekistans-second-wives-marry-in-secret-and-suffer-without-legal-protections/">Zweitfrauen sind gesetzlich nicht geschützt</a>, und dennoch erklären sich geschiedene Frauen oder Mädchen, die nach gesellschaftlichen Maßstäben als „abgelaufen“ gelten, bereit, eine Zweitfrau zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sabriya fand eine junge Frau für seinen Bruder und bestand darauf, dass Zilola zumindest für ein paar Tage das Haus verlässt, damit sich die neue Kelin den Haushalt anschauen kann. „<em>Verlass das Haus oder nicht, wir bringen morgen die neue Kelin</em>“, sagten Soyib und seine Schwester zu Zilola und demütigten und erniedrigten sie ein letztes Mal vor ihren Angehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Nacht, nachdem sie ihren Sohn ins Bett gebracht hatte, stellte Zilola eine fünf Kilogramm schwere Propangasflasche in den Kühlschrank und öffnete das Ventil, sodass Gas ausströmte. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass eine andere Frau in ihrer Wohnung lebte &#8211; lieber zerstörte sie das Haus, als es zurückzulassen. Während sie sich mit einem Drahtseil aufhängte, löste das Gasleck eine gewaltige Explosion aus, die den Raum zum Einsturz brachte und ihre Leiche unter den Trümmern begrub. Soyib und Sabriya wurden später für schuldig befunden, Zilola in den Selbstmord getrieben zu haben. Sie wurden zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Leben in Knechtschaft und Kontrolle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der häuslichen Gewalt gegen Kelins steht die körperliche Arbeit. Die Kelins müssen frühmorgens vor allen anderen aufstehen und alle Arbeiten im Haus erledigen. Sie dürfen nur dann arbeiten oder studieren, wenn sie alle ihre Aufgaben rechtzeitig erledigen und ihre Ehemänner und Schwiegereltern dies erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund setzen viele junge Frauen ihr Studium nach der Heirat nicht fort. <a href="https://kun.uz/news/2021/06/03/erta-turmushga-berilgan-ayollarning-yarmidan-kopi-oqishini-davom-ettirmagan-tadqiqot">Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab</a>, dass nur 37,6 Prozent der jungen Bräute nach der Hochzeit ein weiteres Studium aufnehmen. Fast 40 Prozent gaben an, dass sie aufgrund der Einwände ihrer Ehemänner (25,6 Prozent) oder ihrer Schwiegereltern (13,3 Prozent) nicht in der Lage waren, ihr Studium fortzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/"><strong>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://gender.stat.uz/en/main-indicators/labor">Arbeitslosenquote der Frauen</a> ist doppelt so hoch wie die der Männer: 872.900 Frauen sind arbeitslos im Vergleich zu 459.800 Männern. <a href="https://strategy.uz/index.php?news=1255&amp;lang=uz">Verheiratete Frauen haben eine höhere Arbeitslosenquote</a> (56 Prozent) als unverheiratete Frauen (36 Prozent). Eine andere Umfrage ergab, dass 43 Prozent der Frauen aufgrund ihrer Pflichten im Haushalt, z. B. der Betreuung von Kindern oder älteren Verwandten, keine Arbeit suchen, während nur sieben Prozent der Männer den gleichen Grund angaben. Außerdem verdienen Frauen, die arbeiten, 39 Prozent weniger als Männer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Faktoren tragen dazu bei, dass junge Frauen von ihren Ehemännern und Schwiegereltern abhängig sind, was sie oft dazu zwingt, Missbrauch und Schikanen schweigend zu ertragen. Selbst wenn die Ehemänner für Monate und manchmal Jahre in die Arbeitsmigration gehen, leben die Frauen mit ihren Schwiegereltern zusammen und dienen ihnen geduldig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„<em>Geh, oder ich bringe dich um</em>“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Geh zurück in dein Elternhaus, oder ich bringe dich um</em>“, drohte der 63-jährige Gulimmet Djumanov seiner Kelin Odila* am Morgen des 21. Mai 2023 zum wiederholten Mal. Odilas Ehemann Anvar arbeitete als Arbeitsmigrant in Russland und ließ sie und ihre beiden Kinder bei seinen Eltern leben. (<a href="https://m.kun.uz/news/2024/09/20/rossiyadagi-eng-kop-mehnat-muhojirlari-ozbekiston-fuqarolari-ekani-malum-qilindi">Offiziell arbeiten derzeit 1,8 Millionen Usbeken in Russland</a>, die inoffiziellen Zahlen könnten jedoch noch viel höher sein).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrelang war die Beziehung zwischen Odila und ihren Schwiegereltern von Spannungen geprägt. Da sie sie der Untreue verdächtigten, teilten sie das Haus, sperrten Odila und ihre Kinder auf eine Seite und installierten zwei Kameras, um jeden ihrer Schritte zu überwachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag schlug Gulimmet Odila Berichten zufolge erneut. In ihrer Verzweiflung rief sie mehrmals ihre Familie an und flehte: „<em>Nehmt mich zurück, meine Schwiegermutter zwingt mich raus</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Gulimmet Alkohol getrunken hatte, griff er zu einem weißen Küchenmesser. Seine Frau Gavhar* stand vor Odilas Tür und drängte sie, zu gehen. Gulimmet versteckte das Messer in seiner weißen Socke, schob seine Frau zur Seite und betrat Odilas Zimmer. Während seine Enkelkinder im Alter von neun und elf Jahren entsetzt zusahen, stach er Odila in den Oberschenkel. Vor Schmerz rannte sie nach draußen. Gulimmet holte sie ein, als sie im Garten des Hauses zusammenbrach. Er stach ihr zuerst in die Brust und dann sechs bis sieben weitere Male in andere Körperteile. Er warf das Messer zur Seite. Gulimmet ignorierte die Nachbarn, die wegen des Lärms herauskamen, und ging in Richtung des Hauses seines Bruders, als er seine Frau schreien hörte: „<em>Du hast sie umgebracht</em>!“. Vor Gericht beteuerte er: „<em>Ich wollte sie nur bedrohen</em>“. Er erhielt eine satte Gefängnisstrafe von 16 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Hinweis:</strong> Bei den in den Geschichten genannten Namen handelt es sich um echte Namen, die in Gerichtsdokumenten genannt werden. Namen, die mit einem Sternchen * gekennzeichnet sind, wurden erfunden, da sie in den Gerichtsdokumenten nicht enthalten sind. Die von den örtlichen Gerichten überprüften Dokumente zu Mordfällen wurden im Rahmen des Forschungsprojekts „<a href="https://eca.unwomen.org/en/stories/in-focus/2024/06/in-focus-femicide-research-in-kazakhstan-tajikistan-and-uzbekistan">Data4Women</a>&#8220; gesammelt: Expanding the Existing Database to Tackle Femicides in Uzbekistan“, unterstützt von ECA UN Women, an dem die Autorin beteiligt ist. Die Autorin möchte den Mitgliedern des Forschungsteams, Swetlana Dzardanowa, Deniz Nasarowa und Gulnoza Achmedowa, sowie der Mentorin des Teams, Sawia Hasanowa, für ihre wertvollen Beiträge danken. Besonderer Dank gebührt auch Europe and Central Asia (ECA) UN Women für die Organisation und Finanzierung der Forschung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel ist eine eigenständige Arbeit der Autorin und die Ergebnisse und Meinungen spiegeln nicht unbedingt die offizielle Position oder Befürwortung des ECA UN Women oder anderer Teammitglieder des Femizidprojekts wider.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Niginakhon Saida</strong> <strong>für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt von Elisa Berste</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/gebunden-durch-tradition-das-stille-leiden-der-schwiegertoechter-in-usbekistan/">Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Kleidung unter Kontrolle: tadschikische Frauen zwischen Tradition und Unterdrückung</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/kleidung-unter-kontrolle-tadschikische-frauen-zwischen-tradition-und-unterdrueckung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 09:15:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Islamisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kopfbedeckung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationaltracht]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[religiöse Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan ist es verboten, &#x201E;der tadschikischen Kultur fremde&#x201C; Kleidung zu tragen. Nach Angaben der Beh&#xF6;rden geh&#xF6;rt zu dieser Kategorie vor allem islamische Kleidung. Diese soll von nun an als Vorzeichen religi&#xF6;ser Radikalisierung gelten. Im Juni versch&#xE4;rfte Tadschikistan seine Kontrolle &#xFC;ber die weibliche Kleiderordnung und begr&#xFC;ndete dies mit der Bewahrung von Traditionen und der Verhinderung [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kleidung-unter-kontrolle-tadschikische-frauen-zwischen-tradition-und-unterdrueckung/">Kleidung unter Kontrolle: tadschikische Frauen zwischen Tradition und Unterdrückung</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>In Tadschikistan ist es verboten, „der tadschikischen Kultur fremde“ Kleidung zu tragen. Nach Angaben der Behörden gehört zu dieser Kategorie vor allem islamische Kleidung. Diese soll von nun an als Vorzeichen religiöser Radikalisierung gelten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni verschärfte Tadschikistan seine Kontrolle über die weibliche Kleiderordnung und begründete dies mit der Bewahrung von Traditionen und der Verhinderung religiöser Radikalisierung, berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/in-tajikistan-clerics-and-government-officials-are-deciding-what-women-should-wear/33062554.html">Radio Azattyq</a>, der kasachische Zweig des US-amerikanischen Medienunternehmens Radio Free Europe. Unter dem Deckmantel eines uneindeutigen <a href="https://perma.cc/8LLS-E8S2">Gesetzes</a> über Kleidung, die <em>„gegen die nationale Kultur“ verstößt</em>, schränken die tadschikischen Behörden das Tragen islamischer Kleidung ein. Diese sei unvereinbar mit den kulturellen und traditionellen Merkmalen des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/tadschikistan-verbietet-traditionelle-kleidung-und-einige-religioese-braeuche/">Tadschikistan verbietet fremde Kleidung und einige religiöse Bräuche</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während diese Maßnahmen in der Bevölkerung, insbesondere unter muslimischen Frauen, auf Unverständnis und Widerstand stoßen, werfen sie auch tiefgreifende Fragen zur individuellen Freiheit und zur Rolle des Staates bei der Regulierung kultureller und religiöser Praktiken auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine staatliche Verordnung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen Juni unterzeichnete der Präsident Tadschikistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomalij Rahmon</a>, ein Gesetz <em>„über die Regulierung von Festen und Ritualen“</em>. Dieses verbietet unter anderem die <em>„Einfuhr, den Verkauf und das Tragen von der nationalen Kultur fremden Kleidungsstücken an öffentlichen Orten“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-kirgistan-droht-auseinanderzubrechen/">Islam: „Kirgistan droht auseinanderzubrechen“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der nationalen Kultur fremd<em>“</em> definiert das Gesetz nicht weiter. Allerdings dürfte es sich dabei vorrangig um sogenannte islamische Kleidung handeln. Solchen hatten die tadschikischen Behörden den Kampf angesagt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen August behauptete <strong>Sulajmon Dawlazoda</strong>, Vorsitzender der Kommission für religiöse Angelegenheiten in Tadschikistan, auf einer Pressekonferenz, dass es keine landesweiten Beschränkungen für das Tragen von Bärten oder Hidschabs gebe, wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/coblyudaetsya-li-v-tadzhikistane-pravo-grazhdan-na-svobodu-veroispovedaniya-/33181615.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Zweig von Radio Free Europe, berichtet. Seiner Meinung nach habe jede Organisation eigene interne Regeln, deren Verantwortung sich die Regierung entzieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/">Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a> (<em>Anm. d. Red.:</em> <em>Rechtsauskunft im Islam)</em> vom 26. Juli heißt es, dass die Farbe Schwarz sowie <em>„enge und durchsichtige“</em> Kleidung nicht mit den<em> „nationalen und geografischen Merkmalen</em> <em>“</em> vereinbar seien, so <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-islamic-dress-beards-hijab/33061844.html">Radio Free Europe</a>. Im Gegenzug empfiehlt die Fatwa das Tragen der nationalen Tracht, d. h. eines Kleides, einer Hose und eines Kopftuchs. Diese Kleidung entspräche der islamischen Praxis, da sie den gesamten weiblichen Körper mit Ausnahme des Gesichts, der Beine und der Arme bedeckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nicht die erste Form von Repression</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon seit einigen Jahren führt die Polizei Razzien gegen Frauen, die religiöse Kleidung tragen und gegen Männer mit Bart. Letztere zwingen sie, ihren Bart abzurasieren, berichtet <a href="https://www.currenttime.tv/amp/tadzhikistan-odezhda-zakon/33003388.html">Current Time</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/fuenf-jahre-des-verbots-der-islamischen-opposition-in-tadschikistan/">Fünf Jahre des Verbots der islamischen Opposition in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai dieses Jahres kursierten allerdings Videos in den sozialen Netzwerken, die Frauen mit Hijabs <a href="https://rus.ozodi.org/a/32960511.html">zeigten</a>, denen der Zugang zu medizinischen Zentren in Duschanbe verwehrt wurde. Zudem drohten ihnen die Behörden mit Geldstrafen für das Tragen<em> „inakzeptabler</em>“ Kopfbedeckungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/">Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei zwang die betroffenen Frauen, anstelle des Hijabs, der als unerwünschter Import aus arabischen Ländern angesehen wird, ein Kopftuch nach tadschikischer Art zu tragen, d. h. ein im Nacken gebundenes Kopftuch.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unzufriedenheit macht sich breit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der tadschikischen Öffentlichkeit sorgen die Beschränkungen für Unzufriedenheit, allen voran das Hijab-Verbot. Die Tadschiken haben kein Verständnis für die Härte der Maßnahmen und doch sind sie nicht überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gewöhnlich ein solches Vorgehen des Staates ist, veranschaulicht das Beispiel von Munisa, Krankenschwester in einem staatlichen Krankenhaus im Norden des Landes. Sie erinnert an ein nicht unähnliches Gesetz aus dem Jahr 2017: Damals verbot die Regierung das Tragen schwarzer Kleidung. Da Schwarz im Islam die Rolle als Farbe der Trauer innehat, sollte die Farbe Blau diese nun ersetzen. Als Begründung hielt das Argument der besseren Vereinbarkeit mit der nationalen Kultur her.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/moscheenbau-in-kirgistan-das-ist-keine-frommigkeit-sondern-korruption/">Moscheenbau in Kirgistan: „Das ist keine Frömmigkeit, sondern Korruption!“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund der Kleidungsvorschriften tritt ein bedeutender Konflikt hervor: der zwischen der religiösen Praxis der Bevölkerung und den neuen nationalen Traditionen, denen die Machthaber einen neuen Anstrich geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/jetzt-darf-ich-das-kopftuch-wie-eine-traditionelle-tadschikin-tragen-drei-geschichten-von-frauen-in-tadschikistan/">„Jetzt darf ich das Kopftuch wie eine traditionelle Tadschikin tragen&nbsp;–&nbsp;Drei Geschichten von Frauen in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand der Kleidungsreform scheint der tadschikische Staat Frauen auf ihre symbolische Rolle der nationalen Kultur zu reduzieren und ihre religiösen Überzeugungen gleichzeitig in den Hintergrund zu drängen. Diese Form der Unterdrückung wirft die Frage auf, welchen Stellenwert die individuellen Freiheiten in Gesellschaften wie der tadschikischen haben, die sich den Herausforderungen der Moderne, der Erneuerung des Islam und der kulturellen Vielfalt stellen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Estelle Charlet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Proteste haben ein weibliches Gesicht: Wie Frauen in Usbekistan für ihre Rechte einstehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jul 2024 14:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan, wie auch in vielen anderen L&#xE4;ndern der Welt, werden Frauen h&#xE4;ufig zu Anf&#xFC;hrerinnen sozialer Bewegungen und Initiatorinnen von Massenprotesten. Dieser Artikel zeigt Beispiele f&#xFC;r solche Proteste in Usbekistan und beleuchtet anhand eines Gespr&#xE4;chs mit einer Psychologin, warum Frauen sich h&#xE4;ufiger zu Wort melden und offener &#xFC;ber Probleme sprechen. &#x201E;Protest hat das Gesicht einer [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Usbekistan, wie auch in vielen anderen Ländern der Welt, werden Frauen häufig zu Anführerinnen sozialer Bewegungen und Initiatorinnen von Massenprotesten. Dieser Artikel zeigt Beispiele für solche Proteste in Usbekistan und beleuchtet anhand eines Gesprächs mit einer Psychologin, warum Frauen sich häufiger zu Wort melden und offener über Probleme sprechen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Protest hat das Gesicht einer Frau“</em> ist nicht nur eine Phrase, sondern ein Spiegelbild der Realität in Usbekistan und der Welt, wo Frauen zunehmend zu Hauptakteur:innen sozialer Initiativen und Protestbewegungen werden. Sie kämpfen nicht nur für ihre Rechte, sondern auch für soziale Gerechtigkeit, die Umwelt und den Schutz öffentlicher Güter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Umweltschutz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem <a href="https://www.unep.org/ru/novosti-i-istorii/istoriya/vstrechayte-sem-zhenschin-spasayuschikh-planetu">Bericht</a> für das Jahr 2021 stellen die Vereinten Nationen fest, dass Frauen eine führende Rolle bei der Erhaltung der Natur und der Bekämpfung der Umweltverschmutzung spielen. Dieser Trend geht auch an Usbekistan nicht vorbei: Die Bloggerin Mutabar Xushvaktova ist ein Beispiel für den <a href="https://www.instagram.com/urikguli/">Umweltaktivismus von Frauen</a>. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Februar 2021 beschloss das Taschkenter <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A5%D0%BE%D0%BA%D0%B8%D0%BC">Khokimiat</a> (Anm. d. R.: Stadtverwaltung), einen der grünsten Boulevards der Hauptstadt zu <a href="https://old.hook.report/2021/02/kompleksi-nezavisimosti/">rekonstruieren</a> – den Bereich zwischen der U-Bahn-Station Kosmonawtow und dem zentralen Kaufhaus. Der Khokimiat hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, dass das Projekt zur Umgestaltung der Grünzone zu einer Zunahme der bürgerlichen Aktivitäten führen würde – in nur wenigen Tagen starteten Bewohner:innen umliegender Häuser, Medien und Blogger:innen eine Kampagne zum Erhalt der Bäume.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptverteidiger:innen des Parks waren Frauen – Mütter und Großmütter, die oft mit ihren Kindern den Boulevard entlang gingen. Sie <a href="https://old.hook.report/2021/02/peremeni-ili-net/">initiierten</a> eine groß angelegte Unterschriftensammlung – innerhalb weniger Tage gelang es Aktivist:innen und besorgten Bürger:innen, mehr als 6.000 Unterschriften zu sammeln und damit vor dem Hintergrund eines schmerzhaften Themas zu demonstrieren. Die friedliche Konfrontation mit den Stadtbehörden endete mit der Erhaltung des Parkgebiets. Der Khokimiat gab das ursprüngliche Wiederaufbauprojekt auf und Freiwillige <a href="https://old.hook.report/2021/02/i-minimum-betona/">erstellten</a> ein eigenes Dokument zur Erhaltung des Parks.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schutz des Babur-Parks</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die letzte große Neuigkeit in Bezug auf Grünflächen war der <a href="https://hook.report/2024/04/save-dostlik/">mögliche Wiederaufbau</a> des <a href="https://visitcentralasia.org/at/babur-memorial-park">Babur-Parks</a> in der Rustaweli-Straße. Wie schon beim letzten Mal hat die Stadtverwaltung, ohne die Anwohner:innen zu konsultieren, das Parkgelände für einen Zeitraum von 50 Jahren an das usbekisch-singapurische Unternehmen BMP Smart Decision Management verpachtet. Und wieder mussten die Bewohner:innen ihr Recht auf saubere Luft verteidigen. Die Hauptfigur der Geschichte war die Direktorin des Parks, Iroda Yusupova. Sie versprach, dass der Wiederaufbau unter strenger Kontrolle der Anwohner:innen und unter ihrer Führung erfolgen würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Recht auf Wohnraum</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Schutz von Parks und Bäumen verteidigen Frauen auch das Recht auf Wohnraum – führende Vereine zum Schutz von Wohngebäuden und Immobilien werden von Frauen verwaltet. So hat beispielsweise die Administratorin der Facebook-Community <em>„</em><a href="https://www.facebook.com/groups/328799110874813"><em>Tashkent-SNOS</em></a><em>“</em>, Farida Sharif, immer wieder auf Probleme mit der illegalen Zerstörung oder Erschließung von Territorien hingewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="http://novastan.flowmedia.org/de/politik-und-wirtschaft/8-maerz-in-almaty-frauen-gehoeren-in-die-politik/"><strong>8. März in Almaty: „Frauen gehören in die Politik!“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">2020 <a href="https://uz.sputniknews.ru/20201002/V-Namangane-zhenschina-sozhgla-sebya-za-to-chto-ee-khoteli-vyselit-iz-doma-15105752.html">zündete</a> sich eine Frau in Namangan an, um gegen eine Zwangsräumung zu protestieren – zusammen mit ihrer Mutter wurde sie Opfer von Betrüger:innen und lebte in einem Haus, das ihr nicht gehörte. Die Staatsanwaltschaft von Namangan <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/10/02/arson/">leitete</a> ein Strafverfahren gemäß dem Artikel über Anstiftung zum Selbstmord ein und ordnete eine offizielle Untersuchung der Handlungen des staatlichen Vollstreckers der Abteilung für Zwangsvollstreckung der Stadt Namangan und der Präventionsinspektoren der Abteilung für interne Angelegenheiten der Polizei der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Namangan">Namangan</a> an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte von Dilorom Rozikova</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2018 war der Bau mehrstöckiger Gebäude in der historischen Zone von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> geplant. Korruption in der Regierung und illegale Abriss- und Räumungsgenehmigungen führten zu Konflikten in der Tintschlik Mahalla.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwickler:innen versuchten, <a href="https://old.hook.report/2019/10/vse-ravno-uedesh/">Dilorom Rozikova</a> und ihre Nachbar:innen aus dieser Mahalla zu verdrängen und das Gebiet mit neuen Gebäuden aufzubauen. Die Geschichte erreichte sogar die regionalen Khokim (Anm. d. R.: Leiter:in der lokalen Verwaltung, z.B. Gouverneur:in oder Bürgermeister:in). Sie ging vor Gericht, verlor jedoch. Sie und ihre Familie wurden gewaltsam verdrängt, aber der Versuch, eine unrechtmäßige Räumung zu rechtfertigen, war eine der bekanntesten Klagen gegen Bauträger:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2020 <a href="https://anhor.uz/society/21055-2/">warf</a> Dilorom Rozikova ein brennendes Handtuch auf Mitarbeiter:innen des Büros für Zwangsvollstreckung und übergoss sie mit Benzin. Das Gericht <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/06/13/roziqova/">befand</a> Rozikova der Begehung einer Straftat gemäß dem zweiten Teil von <a href="https://www.lex.uz/acts/111457">Artikel 219</a> des Strafgesetzbuches (Anm. d. R.: Widerstand gegen einen Regierungsbeamten oder eine Person, die eine Bürgerpflicht erfüllt) für schuldig und verurteilte sie zu einer Freiheitsbeschränkung für einen Zeitraum von einem Jahr und sieben Monaten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Treten Frauen häufiger auf?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktive Teilnahme von Frauen an Protesten lässt sich aus mehreren Gründen erklären, darunter die historische Ungleichheit, durch die Frauen lange Zeit in ihren sozialen Rechten ganz oder teilweise eingeschränkt waren. Auch Empathie und Mitgefühl spielen eine Rolle – Frauen <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5110041/">neigen</a> dazu, sich in die Probleme anderer Menschen einzufühlen. Darüber hinaus erregt die aktive Beteiligung von Frauen an Aktivismus und Protesten die Aufmerksamkeit der Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="http://novastan.flowmedia.org/de/gesellschaft-und-kultur/auf-zum-marsch-wofuer-kaempft-die-feministische-bewegung-kasachstans/">„Auf zum Marsch”: Wofür kämpft die feministische Bewegung Kasachstans?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich würde nicht sagen, dass Frauen eine Schlüsselrolle bei der Veränderung der Gesellschaft und des Staates spielen. Diese Aktivität ist mit vielen negativen Informationen, einem Energie- und Zeitaufwand und einem Gefühl der Ohnmacht verbunden. Manchmal ist es unmöglich, zu helfen oder etwas zu ändern. Viele Aktivist:innen leiden unter Depressionen, Angstzuständen und anderen Problemen,</em>“sagt Liana Natroshvili, Psychologin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Erstens wird die Angst vor Protesten durch die Angst um die eigene Sicherheit und die Sicherheit ihrer Familien, durch die Zurückhaltung, gegen die Gesetze des Landes zu verstoßen, und durch erlernte Hilflosigkeit verursacht. Viele Leute denken, dass alles nutzlos ist. Diese Ängste und Gefühle sind weitgehend berechtigt und haben eine reale Grundlage, und ich bin mir nicht sicher, ob es sich lohnt, sie zu überwinden,“</em> fügt sie hinzu. „<em>Anderen Menschen zu helfen kann sich auch positiv auf Ihr Selbstwertgefühl auswirken. Allerdings ist es wichtig, die Balance zu wahren und auf sich selbst zu achten,“</em> meint Natroshvili.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Proteste und Kundgebungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren 2019–2020 protestierten Frauen gegen den Mangel an Gas und Strom in der kalten Jahreszeit. So blockierten Bewohnerinnen des Dorfes Tschigatai in <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Khorazm_Region">Khorazm</a> die Straße und protestierten gegen den Erdgasmangel in ihrem Dorf. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> <a href="https://uznews.uz/posts/7634">blockierten</a> Frauen die Straße in der Nähe des Khokimiat, weil es an Gas und Strom mangelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="http://novastan.flowmedia.org/de/politik-und-wirtschaft/was-die-verfassungsaenderung-fuer-usbekistan-bedeutet/">Was die Verfassungsänderung für Usbekistan bedeutet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 protestierten Einwohnerinnen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olmaliq">Almalyk</a> wegen fehlender Arbeits- und Quotenplätzen beim Bergbau- und Metallurgiekombinat Almalyk. Nach Berichterstattung über die Situation in den Medien wurde im Werk eine Initiativgruppe <a href="https://mehnat.uz/uz/news/olmaliq-shahridagi-holat-yuzasidan-rasmiy-baenot">gegründet</a>, um die Zahl der Arbeitsplätze im Unternehmen für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu erhöhen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Frauen in Usbekistan sind trotz kultureller und politischer Barrieren politisch aktiv. Sie sind aktiv an der Lösung drängender Probleme beteiligt, die häufig mit grundlegenden Lebensbedingungen und sozialer Gerechtigkeit zusammenhängen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verabschiedung eines Gesetzes, das Gewalt unter Strafe stellt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verabschiedung eines <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/06/13/roziqova/">Gesetzes</a> zur Kriminalisierung von Gewalt, das unter aktiver Beteiligung von Senatorinnen und Zivilaktivistinnen, darunter dem Projekt <a href="https://nemolchi.uz/">Nemolchi.uz</a>, entwickelt wurde, erhöhte die Strafen für sexuelle Gewalt gegen Minderjährige, Anstiftung zur Abtreibung und häusliche Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit an dem Gesetz war nicht einfach – Irina Matvienko bemerkte in einem <a href="https://mediazona.ca/article/2023/03/28/vtoroe-vosmoe">Interview</a> mit Mediazona, dass <em>„während der Diskussion des Gesetzentwurfs Widerstand zu spüren war, es gab Streitigkeiten über jeden Artikel.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Svetlana Peshkova, soziokulturelle Anthropologin, Ethnographin und Islam- und Geschlechterforscherin: <em>„Das politische Engagement von Frauen beschränkt sich nicht nur auf die Interaktion mit dem Staat, es umfasst auch alltägliche Bedürfnisse wie den Zugang zu grundlegenden Ressourcen und soziale Gerechtigkeit.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="http://novastan.flowmedia.org/de/gesellschaft-und-kultur/was-laeuft-falsch-in-kasachstans-gleichstellungspolitik/"><strong>Was läuft falsch in Kasachstans Gleichstellungspolitik?Was läuft falsch in Kasachstans Gleichstellungspolitik?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt auch Beispiele für verschiedene Formen politischer Aktivität von Frauen – von der Teilnahme an lokalen Oppositionsbewegungen bis hin zum Online-Journalismus. Der politische Aktivismus von Frauen in Zentralasien beschränkt sich nicht nur auf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens oder der Regierung, sondern umfasst auch Aktivistinnen, deren Arbeit oft unsichtbar bleibt, wie etwa die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschadidismus">Dschadid</a>-Frauen oder die <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2024/03/08/history-of-hujum/">Khudschum-Bewegung</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Haben die Proteste also immer noch ein weibliches Gesicht?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ja und nein. Jede Person wählt die Antwort auf diese Frage unabhängig. Allerdings muss man zugeben, dass es in den letzten Jahren immer häufiger zu Protestfällen gegen Frauen kam. Die Ermordung von Maxsa Amini und zahlreiche Proteste im Iran, der <em>„Fall Saltanat“</em> und die Kriminalisierung von Gewalt in Kasachstan, die Verabschiedung eines Gesetzes über häusliche Gewalt in Italien nach der Ermordung von Julia Cecchettin, die <em>„Friedliche Brigade der Großmütter“</em> in Amerika und viele weitere Beispiele, in denen Frauenaktivismus die Sozial- und Rechtspolitik von Staaten beeinflusste.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Feride Maxsetova, Iana Modelova, Lenochka für Hook</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://hook.report/2024/05/women-action/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Selbstmorde und Morde an Frauen nehmen zu, wenn der Staat bei häuslicher Gewalt wegschaut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jun 2024 22:52:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der ehemalige kasachische Wirtschaftsminister Kuandyk Bischimbajev wurde vor wenigen Tagen in Astana zu einer 24-j&#xE4;hrigen Gef&#xE4;ngnisstrafe verurteilt. Er soll seine Frau Saltanat Nukenova gefoltert und besonders grausam ermordet haben. Dieser Fall war nicht nur deshalb von Bedeutung, weil ein ehemaliger Beamter &#x2013; ein Mann mit viel Macht &#x2013; vor Gericht stand, sondern weil es kein [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der ehemalige kasachische Wirtschaftsminister Kuandyk Bischimbajev wurde vor wenigen Tagen in Astana zu einer 24-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er soll seine Frau Saltanat Nukenova gefoltert und besonders grausam ermordet haben. Dieser Fall war nicht nur deshalb von Bedeutung, weil ein ehemaliger Beamter &#8211; ein Mann mit viel Macht &#8211; vor Gericht stand, sondern weil es kein Einzelfall ist: Die Statistiken über Gewalt an Frauen in allen zentralasiatischen Ländern sind erschreckend.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Seine Liebe hinderte ihn nicht, sie zu töten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bischimbajev gab zu, dass er am Tod seiner Frau beteiligt war, bestritt jedoch die Foltervorwürfe und, dass es sich um einen brutalen und vorsätzlichen Mord gehandelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihm zufolge hatte seine Frau an jenem Abend zu viel Alkohol getrunken und dadurch den Konflikt und seine aggressive Reaktion „provoziert“. Dies hätte ihn dazu veranlasst, sie zu schlagen, wenngleich er nicht gewusst hätte, dass sie sterben würde.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="924" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1.jpg" alt="" class="wp-image-39574" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1.jpg 924w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1-300x195.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Die-ermordete-Saltanat-Nukenova-und-ihr-Ehemann-Kuandyk-Bishimbayev-1-768x499.jpg 768w" sizes="(max-width: 924px) 100vw, 924px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die ermordete Saltanat Nukenova und ihr Ehemann Kuandyk Bishimbayev; Collage: Asia-Plus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Äußerungen des ehemaligen Ministers zu seiner Verteidigung sorgten nicht nur in Kasachstan, sondern auch in anderen Ländern für Aufsehen und Empörung. Nutzer sozialer Medien und Netz-Psychologen, die Bischimbajevs Rede vor Gericht analysierten, wiesen darauf hin, dass er die Öffentlichkeit bewusst manipuliere und die Zuhörer indirekt zu dem Schluss geführt habe, Saltanat selbst sei an dem schuld, was ihr widerfahren sei.<br>Bischimbajev versicherte, dass die schweren Kopfverletzungen, die zum Tod seiner Frau führten, nicht durch seine Schläge verursacht wurden, da er ihre „lebenswichtigen Organe“ nicht getroffen habe. Nach Angaben des Angeklagten schlug Saltanat selbst gegen die Wände und den Fliesenboden und fiel mit dem Gesicht nach unten auf die Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Sie verlor das Gleichgewicht und taumelte in Richtung Toilettenschüssel. Sie schlug gegen die Wand, begann zu taumeln und flog gegen die Wand, stieß sich mit der Hand ab und fiel mit dem Gesicht voran auf die Toilettenschüssel. Es war ein lauter Aufprall, bumm, sie fiel, und ihr Gesicht kam mit Wucht auf der Toilette auf und sie fiel zu Boden&#8220;, sagte Bischimbajev vor Gericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermittlungen ergaben derweil, dass sie nicht gestürzt sei, sondern erdrosselt wurde. Gleichzeitig wiederholt der Mann immer wieder, dass er seine Frau geliebt und sich um sie gekümmert habe.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Staatsanwältin Aijan Aimaganova machte aus ihrer Fassungslosigkeit keinen Hehl: „Sie haben sie also geliebt? 6-8 Stunden vergingen nach den Schlägen bis zu ihrem Tod. Wo blieb ihr Notruf? Sie sagen in Ihrer Aussage, dass Sie eine Wahrsagerin angerufen hätten. Sie sagen selbst, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Warum konnten Sie nicht sofort den Krankenwagen rufen?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Übertragungen der Gerichtsverhandlungen erreichten Hunderttausende von Zuschauern. In der ganzen Welt wurde das gerechte Urteil erwartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna Urazbahova, die Anwältin des Opfers, die für ihre langjährige Erfahrung in der Verteidigung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, bekannt ist, sagte in einem Interview, dass in jedem derartigen Fall, unabhängig vom sozialen Status und Ruhm der Familie, jedem sofort die Alarmglocken läuten sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wenn so etwas in der Familie eines Ex-Ministers, einer einflussreichen Person, passiert, was soll man dann über normale Menschen ohne im Ausland erworbene Diplome und Hochschulbildung sagen. Leider rührt das aus langjährigen Traditionen, in denen die Frau als Objekt angesehen wird, und wenn sie heiratet, wird sie als wehrloses Objekt ihrem Mann als eine Art Accessoire&nbsp;übergeben&#8220;, betonte die Anwältin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erschreckende Statistiken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist dies der erste aufsehenerregende Fall von Gewalt in der Familie, der vor einem Schwurgericht verhandelt und live übertragen wird. Es ist jedoch bei weitem nicht der einzige Fall imLand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsprogramm_der_Vereinten_Nationen">UNDP</a> wird jedes Jahr eine von sechs Frauen in Kasachstan von ihrem Partner misshandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Statistiken über Fälle von Gewalt gegen Frauen lassen in allen zentralasiatischen Ländern viel zu wünschen übrig. Hier sind nur einige schockierende Fälle aus jüngster Zeit.<br>Im Januar dieses Jahres (2024) hat ein Mann in Bischkek seine Lebensgefährtin vor den Augen ihres Kindes brutal ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-kampf-gegen-haeusliche-gewalt-in-kirgistan-gesetze-und-realitaet/">Der Kampf gegen häusliche Gewalt in Kirgistan: Gesetze und Realität</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang April dieses Jahres erstach ein Mann im usbekischen Oblast <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Sirdaryo">Syrdarynsk</a> seine Frau und ihre Mutter wegen eines Familienstreits mit einem Küchenmesser. Im September letzten Jahres erstach ein Mann seine Ex-Frau aus Eifersucht im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mastchoh_District">Matschinsk</a> in Tadschikistan.<br>In Usbekistan werden fast 90 Prozent der Fälle von Gewalt gegen Frauen innerhalb der Familie verübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sexuelle-gewalt-in-usbekistan-milde-justiz-und-tragische-schicksale/">Sexuelle Gewalt in Usbekistan: Milde Justiz und tragische Schicksale</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgisistan sind mehr als 95 Prozent der Opfer von Gewalt Frauen. In Tadschikistan ist jede fünfte Frau Opfer häuslicher Gewalt, und ein Drittel der Frauen wird gerade von ihren Ehemännern misshandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In einer demokratischen Gesellschaft sollte Gewalt gegen Frauen nicht als Bagatelldelikt betrachtet werden. Die Kriminalisierung häuslicher Gewalt auf gesetzlicher Ebene ist eine Notwendigkeit. Eine Gesellschaft, die die Unterdrückung von Frauen duldet, kann nicht als zivilisiert bezeichnet werden&#8220;, sagte Aschraf Azami, tadschikischer Gender-Aktivist und Journalist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er kennt das Problem aus erster Hand: Seine Familie hat häusliche Gewalt am eigenen Leib erfahren &#8211; seine Schwester wurde von ihrem (inzwischen Ex-)Mann regelmäßig verprügelt. Als sie schwanger wurde und er weitermachte, lief sie davon. Die Polizei konnte der schwangeren Frau nicht anderweitig helfen, als mit dem Gewalttäter zu sprechen und eine Geldstrafe zu verhängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Solange Schläge durch den Ehemann nicht als Straftat gelten, ist die Polizei machtlos. Es gibt keinerlei Schutzanordnungen oder Isolierung des Opfers, solange die Einzelheiten ungeklärt sind. Psychologische Anlaufstellen für die Angreifer sind rar. All das gibt es in 148 Ländern, die ein Gesetz zur Bekämpfung der häuslichen Gewalt verabschiedet haben. Darunter ist auch Kasachstan, aber wir nicht&#8220;, sagt der Journalist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Wurzeln der Gewalt reichen bis in die Kindheit zurück</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verabschiedung neuer Gesetze und die Einführung gesonderter Strafen für häusliche Gewalt werden dazu beitragen, Statistiken ans Licht zu bringen und möglicherweise zu einem besseren Umgang der Strafverfolgungsbehörden mit derartigen Fällen führen. Doch das reicht nicht aus, meint der tadschikische Blogger und Medienspezialist Rustam Gulow. Er plädiert dafür, näher mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten und den Gang zum Psychologen zu enttabuisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere für diejenigen, die eine gewisse Neigung zu Gewalt haben, sollten Zugang zu einem Psychologen haben. Auf lange Sicht müsse auch Erziehung und Bildung miteinbezogen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/hausliche-gewalt-in-kasachstan-ein-tabuthema-wird-angegangen/">Häusliche Gewalt in Kasachstan – ein Tabuthema wird angegangen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In unserer Gesellschaft werden Kinder oft als Menschen zweiter Klasse behandelt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn aus ihnen respektlose, gewalttätige Erwachsene werden&#8220;, so Gulow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="665" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-1024x665.jpg" alt="" class="wp-image-39575" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-1024x665.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-300x195.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe-768x499.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Schuhe.jpg 1068w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die türkische Künstlerin Vahit Tuna hat 440 Paar Frauenschuhe an der Wand eines Hauses angebracht, um an die Frauen zu erinnern, die 2018 durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen sind. Foto: Reuters</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein totales Tabu für Gewalt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Publizist Parwiz&nbsp;Jamalow ist überzeugt, dass es zur langfristigen Beseitigung geschlechtsspezifischer Gewalt nichts Wirksameres gibt als eine breit angelegte Informationskampagne, die keinen Teil der Gesellschaft außer Acht lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ziel einer solchen mehrjährigen Kampagne sollte die völlige Ablehnung der männlichen Aggression gegen Frauen durch die Gesellschaft sein. Kurz: Allein der Gedanke, die Hand gegen eine Frau zu erheben, sollte mit den Worten &#8218;haram&#8216;, &#8218;Sünde&#8216;, &#8218;Schande&#8216;, gleichgesetzt werden&#8220;, sagt Parwiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen müssten gleichermaßen einbezogen werden wie Männer betont er: „Schließlich ist es nicht ungewöhnlich, dass die Schwiegermutter, die einst das gleiche Trauma erlitten hat wie ihre Schwiegertochter, die die treibende Kraft ist oder auch selbst Gewalt ausübt, um nun für „Gerechtigkeit“ zu sorgen, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-leben-als-kelinka-bericht-ueber-einen-kasachischen-brauch/">Ein Leben als Kelinka – Bericht über einen kasachischen Brauch</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Im öffentlichen Bewusstsein muss systematisch daran gearbeitet werden, Stereotypen und Normen zu überwinden, die eine Kultur der Gewalt und der Herrschaft unterstützen. Dies kann durch Bildung und Aufklärung erreicht werden, einschließlich der obligatorischen Einführung von Geschlechtererziehung in Schulprogrammen, Medienkampagnen über die negativen Folgen von Gewalt, Unterstützung und Entwicklung von Geschlechtergleichstellung und Empathie&#8220;, erklärt der Gesprächspartner. Darüber hinaus hält es Parwiz Jamalow für wichtig, dass die Gesellschaft erkennt, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur ein Problem des individuellen Verhaltens ist, sondern ein strukturelles Problem, das eine systemische Lösung und die Unterstützung aller Mitglieder der Gesellschaft erfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir lernen für den Führerschein, für den Schulabschluss, für einen Beruf. Warum beschäftigen wir uns nicht auf ähnliche Weise mit Erziehung und dem Eheleben?&#8220;, fordert der tadschikische Rechtsanwalt Faridun Machmudow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle traditionellen Informationen über die Ehe, die Beziehungen zwischen Mann und Frau und die Kindererziehung seien für unsere Zeit relevant. Die meisten Konzepte haben sich längst in Stereotype verwandelt, und viele Menschen interpretieren Traditionen und Religion auf ihre Weise, um damit ihr Handeln und Verhalten zu rechtfertigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ist das Eis gebrochen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mord an Saltanat Nukenova hat das Problem der Gewalt gegen Frauen in der kasachischen Gesellschaft in den Vordergrund gerückt. Die Art und Weise, in der ihr Mann und ehemalige Beamte versuchten, sich der Verantwortung zu entziehen, trat eine Welle friedlicher Kundgebungen und Proteste in einer Reihe von Ländern los. Ihre Forderung: ein fairer Prozess und die Kriminalisierung häuslicher Gewalt in Kasachstan. Die Behörden reagierten darauf mit der Verabschiedung eines Gesetzentwurfs zur Stärkung der Rechte von Frauen und der Sicherheit von Kindern. Das Gesetz zur Kriminalisierung häuslicher Gewalt, das der kasachische Präsident am 15. April unterzeichnete, wurde „Saltanat-Gesetz“ genannt. Das erste Land in der Region, das häusliche Gewalt unter Strafe stellte, war Usbekistan. Dort hatte man das entsprechende Gesetz im März 2023 verabschiedet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Live-Übertragung des Prozesses um Saltanat schuf mehr Vertrauen in die Justiz. Eine Erfahrung aus der es zu lernen gilt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://asiaplustj.info/ru">Asia Plus</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/centralasia/20240419/kak-zakrivaya-glaza-na-nasilie-v-seme-v-tsentralnoi-azii-mnozhat-suitsid-i-ubiistva-zhentshin">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;</p>
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		<title>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 21:43:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide. Am 15. Februar 2024 reichten die Angeh&#xF6;rigen der 19-j&#xE4;hrigen Asel Zhanarbek eine Erkl&#xE4;rung bei der Bezirkspolizeibeh&#xF6;rde Issyk-Ata ein. An [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Februar 2024 reichten die Angehörigen der 19-jährigen Asel Zhanarbek eine Erklärung bei der Bezirkspolizeibehörde Issyk-Ata ein. An diesem Tag hatte sie ihr Haus in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kant_(Kirgisistan)">Kant</a> verlassen und war verschwunden. Zuvor hatte sie ihrer Mutter eine Audionachricht geschickt, in der sie ihr mitteilte, dass sie sich umbringen würde und dass ihr Mann dafür verantwortlich sei. Ihre Leiche wurde am 18. März im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Ch%C3%BCy_Canal">Großer Tschui-Kanal</a> (GTK) gefunden. Zuvor hatten sich Angehörige über die Untätigkeit der Polizei beschwert. Das Mädchen hatte zwei Monate zuvor geheiratet. Ihr Vater <a href="https://24.kg/proisshestvija/287985_rodstvenniki_19-letney_propavshey_devushki_jaluyutsya_nabezdeystvie_militsii_/">erzählte</a> gegenüber 24.KG, dass seine Tochter in den Selbstmord getrieben worden sein könnte. Die Publikation berichtet auch, dass Asels Onkel an 15 Stellen in der Nähe des GTK Blutspuren gefunden und diese fotografiert habe. Die Ermittler:innen hätten jedoch keine Proben zur Untersuchung entnommen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr 2024 begann auch mit dem Tod der 23-jährigen Aikyz Kalmurza. Sie war taubstumm und hatte eine Behinderung der Gruppe 1. Das Paar geriet in Streit und der Mann erwürgte seine Frau vor den Augen ihrer dreijährigen Tochter. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden ereignete sich der Mord am 2. Januar im Dorf Masaliev im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kadamjay_District">Kadamzhai</a> in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Batken</a>. Der örtliche Polizeibeamte Akylbek Amiraev sagte, dass ein Strafverfahren gemäß Artikel <em>„Mord“</em> im <a href="https://cbd.minjust.gov.kg/112309/edition/3548/ru?anchor=st_122">Strafgesetzbuch</a> der Kirgisischen Republik eröffnet worden sei. Angehörige der Verstorbenen <a href="https://rus.azattyk.org/a/32771539.html">berichteten</a> Reporter:innen, dass sie bereits zuvor geschlagen worden und im Krankenhaus gelandet sei. Doch ihre Appelle an die Polizei waren wirkungslos geblieben – es waren keine Maßnahmen ergriffen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regionalpolizei Batken berichtete, dass seit Jahresbeginn im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Andarak">Andarak</a> sieben Frauen versuchten, Selbstmord zu begehen. Fünf von ihnen starben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Femizide in Kirgistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Femizid versteht man die Tötung einer Frau durch einen Mann aus Hass auf Frauen, Geschlechterdiskriminierung und/oder staatlich sanktionierter geschlechtsspezifischer Gewalt. Die überwiegende Mehrheit der Morde an Frauen in Kirgistan wurde von Männern begangen – durchschnittlich acht von zehn Morden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In drei von vier Fällen kannte die ermordete Frau ihren Mörder (Partner, Verwandten oder Freund), und die Hauptgründe waren: <em>„sie störte das Fernsehen“</em>, <em>„kochte Essen langsam“</em>, Eifersucht, Familienbudget, Heiratsverweigerung, Verweigerung des Geschlechtsverkehrs. Die Opfer von Femiziden wurden mit besonderer Grausamkeit, Brutalität und Aggression getötet. Bei 2/3 der Femizide handelte es sich um Mehrfachverletzungen, mehrere Stichwunden und Strangulation. In 70 von 100 Fällen von Frauenmorden entsorgte der Mörder die Leiche, um das Verbrechen durch Verbrennen oder Zerstückeln zu vertuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2017 wurden Leitlinien für Richter:innen entwickelt, die über Fälle von Tötung und schwerer Gesundheitsschädigung mit Todesfolge entscheiden. In diesem Dokument werden Femizide nicht thematisiert. Im Jahr 2019 erschien Artikel 135 des Strafgesetzbuches der Kirgisischen Republik <em>„Todesursache durch Fahrlässigkeit“</em>, wonach Fälle registriert werden, in denen es sich bei der Verstorbenen um eine Frau handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan muss die Existenz von Femiziden auf gesetzlicher Ebene anerkennen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ende September 2023 wurde die 36-jährige Asel Nogoibaeva Opfer von Gewalt. Sie entkam zwar dem Tod durch ihren Ex-Mann,doch sie wurde grausam verstümmelt – ihr Mann hatte ihr Nase und Ohren abgeschnitten. Der jüngste Sohn, der der einzige Zeuge der brutalen Misshandlung seiner Mutter wurde, kann nicht sprechen. Asels Berufung wurde erst stattgegeben, nachdem der Fall in den Medien bekannt wurde. Am 26. Januar verurteilte das Bezirksgericht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sokuluk">Sokuluk</a> Azamat Estebesov dann zu 20 Jahren Gefängnis. Der Gerichtsentscheidung zufolge muss der Angeklagte seiner Ex-Frau Asel 2 Millionen Soms (22,34 Tausend US-Dollar) zahlen. Asels Anwält:innen und Angehörige fordern eine Bestrafung des Richters, der den Verbrecher zuvor unter Bewährung freigelassen hatte. Sie fordern außerdem, dass die Generalstaatsanwaltschaft unverzüglich eine Untersuchung wegen Fahrlässigkeit seitens der Strafverfolgungsbehörden einleitet. Wie sich herausstellte, hatte Asel allein im letzten Jahr fünf Schutzanordnungen gegen ihren Ex-Mann erlassen. Aber keine davon war umgesetzt worden: Der Mann war weiterhin zu ihr nach Hause gekommen, hatte sie geschlagen und vergewaltigt. Die Polizei hatte nicht auf ihre Beschwerden reagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Fall ereignete sich im Winter 2023 &nbsp;als eine Mutter und ihre beiden Kinder brutal ermordet wurden. Die Frau wurde geschlagen und aus dem Fenster geworfen, die Kinder wurden erstochen und erdrosselt. Der Mörder arbeitete zuvor im Staatssicherheitsdienst des Staatskomitees für nationale Sicherheit und nahm an Parlamentswahlen teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der schlimmsten Mordfälle ereignete sich im Jahr 2018. Die 19-jährige Burulai wurde von dem Mann, der sie geraubt hatte und der sie heiraten wollte, erstochen. Nach der Entführung kontaktierten Burulais Eltern die Polizei, der Täter wurde festgenommen und zur Polizei gebracht. Der Entführer und Burulai wurden in eine Abteilung des Innenministeriums gebracht und aus irgendeinem Grund dort allein gelassen. Das Mädchen wurde von ihrem Entführer direkt auf der Polizeistation getötet. Das Gericht verurteilte den Entführer Burulais zu 20 Jahren Haft in einem Hochsicherheitstrakt und beschlagnahmte sein Eigentum. Auch die Abteilungsleitung des Innenministeriums, in der Burulai ermordet wurde, wurde entlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 wurde die 27-jährige Aizada Kanatbekova ein ebenfalls Opfer der Tradition des Brautdiebstahls. Anfang April, am frühen Morgen, zeichnete eine Überwachungskamera der Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a> auf, wie das Mädchen in ein Auto gezwungen und weggebracht wurde. Die Polizei, an die sich Aizadas Verwandte sofort wandten, weigerte sich, die Aussage aufzunehmen. Einer der Mitarbeiter:innen soll sogar unpassend gescherzt haben: <em>„Warum machen Sie Lärm? Bereiten Sie sich auf die Hochzeit vor“.</em> Zwei Tage später wurde das Mädchen in der Nähe der Hauptstadt gefunden. Der Entführer hatte sie vergewaltigt, anschließend mit einem T-Shirt gewürgt und mehrmals auf sie eingestochen. Danach beging er Selbstmord. Nach dem Vorfall forderten die Bürger:innen, dass alle an diesem Verbrechen Beteiligten sowie diejenigen, deren Untätigkeit zum Tod von Kanatbekova führte, vor Gericht gestellt werden. In Bischkek und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> fanden Proteste <em>„</em><a href="https://storage.googleapis.com/qurium/kloop.kg/blog-2022-07-08-v-bishkeke-i-oshe-proshli-aktsii-protiv-nasiliya-v-otnoshenii-devochek-i-zhenshhin.html#:~:text=08%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%202022%208%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%20%D0%B2%20%D0%91%D0%B8%D1%88%D0%BA%D0%B5%D0%BA%D0%B5%20%D0%BF%D0%B5%D1%80%D0%B5%D0%B4,%D0%B8%D0%B7%D0%BD%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B8%2013-%D0%BB%D0%B5%D1%82%D0%BD%D0%B5%D0%B9%20%D0%B4%D0%B5%D0%B2%D0%BE%D1%87%D0%BA%D0%B8%2C%20%D0%BF%D0%BE%20%D0%BA%D0%BE%D1%82%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%BC%D1%83%20%D0%BE%D0%B1%D0%B2%D0%B8%D0%BD%D1%8F%D1%8E%D1%82%20%D0%B4%D0%B2%D1%83%D1%85%20%D0%BC%D0%B8%D0%BB%D0%B8%D1%86%D0%B8%D0%BE%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%BE%D0%B2."><em>Против насилия</em></a><em>“</em> <em>(Gegen Gewalt, Anm. der Redaktion)</em> statt, bei denen der Rücktritt des Innenministers und Reformen in den Strafverfolgungsbehörden gefordert wurden. Die Ermittlungen zum Mordfall wurden aufgrund des Todes des Entführers eingestellt. Die entlassenen Polizist:innen kehrten nach einiger Zeit wieder in den Dienst zurück und wurden keine Reformen durchgeführt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Tradition der Ehe und Stereotypen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frauen gehören zu den tausenden Mädchen in Kirgistan, die jedes Jahr entführt werden, um sie zur Heirat (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_Kachuu">Ala-Katschuu</a>) zu zwingen. Die Menschenrechtsorganisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House">Freedom House</a> schätzt die Zahl solcher Entführungen jährlich auf 8.000 bis 12.000. Jede fünfte Familie in Kirgistan ist das Ergebnis von Ala-Katschuu. Ein gestohlenes Mädchen aus dem Haus des Bräutigams zu holen, gilt als Schande, weshalb viele Eltern ihre Töchter bei Männern zurücklassen, die ihnen unbekannt sind. Für solche Verbrechen gibt es im Land strafrechtliche Sanktionen. In den letzten Jahren häuften sich nach Angaben von Menschenrechtsaktivist:innen die Anrufe bei der Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistanischer-sicherheitsdienst-veroeffentlicht-persoenliche-daten-von-sexarbeiterinnen/">Kirgistanischer Sicherheitsdienst veröffentlicht persönliche Daten von Sexarbeiterinnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal verheiratet, ertragen Frauen Gewalt und Demütigung durch ihre Ehemänner, weil die Gesellschaft geschiedene Frauen verurteilt. Nach <a href="https://www.stat.kg/ru/news/semejnoe-nasilie-sredi-zhenshin-i-muzhchin/">Angaben</a> des Nationalen Statistikausschusses hat sich in Kirgistan die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht, 96 % davon sind Frauen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2023 wurden 8.512 Fälle von Gewalt in der Familie registriert. Nur 2 % gehen vor Gericht. Dies zeigt auch, wie sehr das Justizsystem und die Gesetzgebung des Landes dazu beitragen, dass Femizide stattfinden, und dass die Untätigkeit der Polizei die Situation nur verschlimmert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Problem liegt in den Traditionen, die sich in den Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf Fälle wie Ala-Katschuu, Gewalt und Mord an Frauen entwickelt haben,“</em> so Nurbek Toktakunov, Menschenrechtsaktivist und Anwalt der Familie der ermordeten Aizada Kanatbekova. <a><em>„Es ist notwendig, bestimmte Traditionen ins Strafverfolgungssystem zu integrieren und Fahrlässigkeit zur Rechenschaft zu ziehen</em></a><em>. Diejenigen, die nach den Morden an Burulai und Aizada entlassen wurden, wurden schnell wieder eingestellt [&#8230;] Korruption als Möglichkeit, Strafen zu vermeiden, das Fehlen von Mechanismen zur Verhinderung häuslicher Gewalt, das Vorhandensein von Geschlechterstereotypen und diskriminierenden Einstellungen gegenüber Frauen – all dies macht ein sofortiges Eingreifen der staatlichen Behörden und der Strafverfolgungsbehörden erforderlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aigerim Turgunbaeva für Cabar</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/zhenshhiny-prodolzhayut-umirat-pochemu-kyrgyzstan-ne-priznaet-sushhestvovaniya-femitsida-na-zakonodatelnom-urovne">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/">Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>„Auf zum Marsch”: Wofür kämpft die feministische Bewegung Kasachstans?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vlast]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2024 10:40:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Fonova]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauentag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit letztem Fr&#xFC;hjahr haben feministische Aktivist:innen zehn Anmeldungen f&#xFC;r eine Kundgebung und einen Marsch am 8. M&#xE4;rz 2024 f&#xFC;r die &#x201E;Freiheit und Sicherheit der kasachischen Frauen&#x201D; beim Akimat in Almaty eingereicht. Diese wurden jedes Mal abgelehnt mit der Begr&#xFC;ndung, dass bei einer friedlichen Versammlung mit einem solchen Thema &#x201E;die Gefahr einer St&#xF6;rung der &#xF6;ffentlichen Ordnung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Seit letztem Frühjahr haben feministische Aktivist:innen zehn Anmeldungen für eine Kundgebung und einen Marsch am 8. März 2024 für die „Freiheit und Sicherheit der kasachischen Frauen” beim <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Akim">Akimat</a> in Almaty eingereicht. Diese wurden jedes Mal abgelehnt mit der Begründung, dass bei einer friedlichen Versammlung mit einem solchen Thema <em>„die Gefahr einer Störung der öffentlichen Ordnung bestehe”</em>.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem begannen feministische Aktivist:innen im Januar mit der Planung einer Kundgebung und eines Marsches zum Internationalen Frauentag. Sie hielten Pressekonferenzen ab, organisierten Streikpostenaktionen und beantragten, eine <em>„Versammlung für eine Kundgebung”</em> zu organisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vlast berichtet, wie feministische Aktivist:innen und Menschenrechtsaktivist:innen dafür kämpfen, dass am 8. März ein Frauenmarsch und eine Kundgebung stattfinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>&#8222;Haben Sie keine Angst, in einer Stadt zu leben, in der die Polizei Sie nicht schützen kann?&#8220;</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eine Streikpostenaktion ist etwas, auf das sich Aktivist:innen in verschiedenen Städten Kasachstans geeinigt haben, und es stellt sich heraus, dass es kaum das letzte Mittel ist, um unsere Meinung zum Ausdruck zu bringen”</em>, sagte Veronika Fonova, eine Leiterin der feministischen Gruppe <a href="https://www.instagram.com/kaz_fem/?hl=de">Kazfem</a>, die vor dem Kasachischen Nationalen Opern- und Balletttheater <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai-Opernhaus#:~:text=Das%20Kasachische%20Staatliche%20Akademische%20Abai,in%20der%20kasachischen%20Stadt%20Almaty.">Abay</a> mit einem Plakat stand, auf dem zu lesen war: <em>„Ich stehe hier, damit Sie zum Marsch gehen können.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist ihre zweite Streikpostenaktion in einer Woche. Am 3. Februar unternahm ein Mann namens Nikita Bura mit seinen Begleitenden während des ersten Streikpostens einen Versuch, die Aktion zu stören. Er trug eine Maske und filmte alles mit seinem Handy und rief die Polizei – angeblich wegen Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das sind Einzelfälle. Ich will nicht, dass die Leute denken, es sei gefährlich, und Angst haben, ihr verfassungsmäßiges Recht wahrzunehmen. Es wird immer Andersdenkende geben.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ort des Streikpostens hat Fonova eine Gruppe von Unterstützenden – andere feministische Aktivist:innen sowie Mitglieder des Organisationskomitees für den Frauenmarsch 2024. Veronika beginnt die Aktion mit zwei Fragen: <em>„Wird die Person, die mich bei der vereinbarten Streikpostenaktion angegriffen hat, bestraft werden?”</em> und <em>„Wird es eine Genehmigung für eine Kundgebung für Frauenrechte, Freiheit und Integrität am 8. März geben?” &nbsp;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwieriger Dialog mit der Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir sehen, dass es so viele Probleme gibt – Drängeln, Belästigung – die während der Lesung des Gesetzentwurfs diskutiert, aber nicht angegangen wurden. Warum geschieht dies überhaupt? Frauen sterben aufgrund von häuslicher Gewalt, und der Staat will keinen Dialog mit uns führen. Ich denke, das ist ein wichtiges Thema, das man diskutieren sollte”</em>, sagt die feministische Aktivistin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fonova <a href="https://vlast.kz/novosti/58912-v-mvd-otricaut-cto-pravitelstvo-ne-podderzivaet-ugolovnuu-otvetstvennost-za-harassment-i-stalking.html">stellt fest</a>, dass die Tatsache, dass Begriffe wie <em>„Drängeln”</em> und <em>„Belästigung”</em> nicht berücksichtigt wurden, <em>„ein beunruhigendes Zeichen” </em>ist. Das Innenministerium erklärte jedoch am 13. Februar, dass <em>„die Regierung sich nicht geweigert”</em> habe, diese Artikel unter Strafe zu stellen, und erklärte, dass sie diese Aspekte <em>„prüfe”</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministische Aktivistin fügt hinzu, sie sei empört darüber, dass <em>„die Stadtpolizei nicht in der Lage ist, die Sicherheit der Bevölkerung von Almaty zu gewährleisten, die sich drei Stunden lang in einem Park oder auf einem Platz versammeln.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sie sagen, dass es bei einer solchen Veranstaltung ein Sicherheitsrisiko gibt. Das mag zwar nicht der wahre Grund sein, es klingt für mich ziemlich beunruhigend. Haben Sie keine Angst, in einer Stadt zu leben, in der die Polizei Sie tagsüber im Zentrum nicht schützen kann?”</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Aktionen nötig sind</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Anschluss an den Streikposten von Fonowa begibt sich die Begleitgruppe traditionell in das nächstgelegene Café, um dort zu Mittag zu essen. Dort besprechen sie die Pläne für die nächsten Streikposten. Kamila Ensegen hat die Akimats (staatliche Regionalverwaltung, Anm. d. Red.) von Almaty und Aktau über ihre Aktion informiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unser Kampf richtet sich nicht gegen Männer oder andere Gruppen von Menschen, sondern wir kämpfen dafür, dass in unserem Land normale Gesetze verabschiedet werden und die Strafverfolgungsbehörden ordnungsgemäß arbeiten”</em>, so Ensegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erinnert sich an eine Diskussion über einen Gesetzesentwurf im Mäjlis, bei der der Abgeordnete Anas Bakkojayev <a href="https://rus.azattyq.org/a/32806182.html">sagte</a>, Familienkonflikte seien auf<em> „die lange Rede” </em>der Frauen zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich hatte gehofft, dass nach dem Tod von <a href="https://www.dw.com/ru/v-kazahstane-eksministra-obvinaut-v-ubijstve-zeny-cto-izvestno/a-67399509">Saltanat Nukenova</a></em><em> [in einem Restaurant in Astana im November 2023, Anm. d. Red.] bei der Lesung des Gesetzentwurfs wenigstens ein bisschen über Belästigung gesprochen wird. Aber nichts ändert sich, nur die Mädchen ändern sich”,</em> erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jedes Jahr kommen fast tausend Menschen zu unseren Demonstrationen und Kundgebungen. Wir sind mehr geworden, und wir wollen über unsere Rechte sprechen. Wir bitten nur um einen Tag im Jahr. Für uns ist dies eine Plattform, ein Ort und ein Umfeld, wo Frauenorganisationen und Frauen über ihre Probleme sprechen können”</em>, erklärt Lyubow Worontsowa, Mitglied des Organisationskomitees.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moldir Alban, eine feministische Aktivistin und Mitglied des Organisationskomitees, fügt hinzu, dass mit der wachsenden Zahl der Unterstützenden auch die Hindernisse zunehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Widerstand von allen Seiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Während die Bewegung wächst, gibt es Widerstand von Seiten des Staates und von Menschen mit konservativen Ansichten. Je näher wir dem 8. März kommen, desto aktiver werden sie. Anstatt uns auf die Aktion selbst vorzubereiten, müssen wir unsere Energie darauf verwenden, das zu bekämpfen”</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorontsova erklärt auch, dass sich die Themen der Frauenkundgebungen jedes Jahr ändern; die diesjährige Kundgebung will sich auf die Sicherheit der kasachstanischen Frauen konzentrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es geht nicht nur um das Gesetz, sondern darum, dass es in der Praxis funktioniert. Ich sehe Diskriminierung am Arbeitsplatz, im Bildungswesen und in staatlichen Einrichtungen – das sind keine sicheren Bedingungen. Bei einem Streikposten und einer friedlichen Kundgebung sollte ich auch sicher sein”,</em> meint Vorontsova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatiana Tşernobil, Menschenrechtsaktivistin und Mitglied des Organisationskomitees, fügt hinzu, dass sich die Frauen schon vor der friedlichen Versammlung selbst anstrengen müssen, um zu beweisen, dass nicht ihre Aktion <em>„die öffentliche Ordnung bedroht”</em>, sondern sie selbst bedroht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein aktuelles <a href="https://vlast.kz/novosti/58916-v-almaty-prohodit-akcia-ucastnikov-zeltoksana-protiv-lgbt.html">Beispiel</a> ist der Protest eines konservativen Teils der Mitglieder des Vereins „Jeltoksan”, die sich am 13. Februar gegen LGBT als <em>„Bedrohung für die Zukunft Kasachstans”</em> aussprachen und ein Verbot von Aufmärschen und Kundgebungen am 8. März forderten. Ihre Aktion sei durch einen Streikposten der feministischen Aktivistin Aktorgyn Akkenjebalasy zur Unterstützung des Marsches in der Nähe des Denkmals von Jeltoksan <em>„provoziert” </em>worden. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministsiche Aktivistin Kyrmyzy Rustembekovna erinnert an die Bedeutung von Streikpostenaktionen, Kundgebungen und Märschen: <em>„Wir sagen, dass wir hier sind, dass wir existieren und dass wir Unterstützung brauchen, damit die Öffentlichkeit Empathie für Frauen zeigt, die täglich mit Sexismus, Mobbing, Gewalt, Schikane und Homophobie konfrontiert sind.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tşernobil fügt hinzu, dass die staatlichen Behörden und die gegnerischen Kräfte sagen: <em>„Wenn es Probleme gibt, melden Sie sie, dann werden wir sie beheben.Aber es geht um die Möglichkeit, zu mobilisieren, Schwesternschaft zu zeigen und sich zu umarmen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin weist darauf hin, dass es sich nicht um eine Dachorganisation handelt, sondern um eine Gruppe von Menschen, die versuchen, ein Vorbild zu sein: <em>„Wir sind nicht das Sprachrohr aller Frauen in Kasachstan. Wenn Sie etwas ansprechen wollen, sprechen Sie es an, wir werden Sie unterstützen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich stellt Moldir Alban fest, dass trotz des Widerstands das Bewusstsein für den Feminismus in verschiedenen Regionen Kasachstans zunimmt:<em>„In Kasachstan wird sich der Feminismus entwickeln. Die Mädchen lernen ihre Rechte kennen und wissen, dass ihr Ziel nicht nur darin besteht, zu heiraten. Sie können die Welt bereisen, eine Karriere machen, eine Ausbildung erhalten und vieles mehr.”</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Feminist:innen werden zu einer großen politischen Kraft&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Janar Sekerbaeva, Mitglied des Organisationskomitees für den Frauenmarsch und Mitbegründerin der Initiative <a href="https://feminita.kz/">Feminita</a>, hielt am 14. Februar, dem „Valentinstag”, ebenfalls einen einsamen Streikposten in Almaty ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie gibt zu, dass es jedes Jahr schwieriger wird, ihre Kundgebungen abzuhalten: <em>„Viele Menschen sind sich dieses unsichtbaren Kampfes, den wir mit den lokalen Regierungen führen, nicht bewusst. Wir erhalten täglich Ablehnungen. Um die Unterstützung der Akimat im Jahr 2021 zu bekommen, mussten wir ab 2017 große Anstrengungen unternehmen. Schon 2022 sagten sie, wir sollten auf einen Marsch verzichten, und nur eine Kundgebung machen. 2023 machten wir eine Kundgebung nach der anderen, Pressekonferenzen, um den Marsch abzuhalten. Dieses Jahr erhielten wir immer wieder Absagen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie glaubt, dass die Behörden durch die Tatsache eingeschüchtert werden, dass die Frauenbewegung zu einer Massenbewegung und einer großen politischen Kraft wird. Weiter ist sie der Meinung, dass die Behörden die Teilnahme verschiedener Frauengruppen, von Lesben bis hin zu Transfrauen, nicht mögen. <em>„Es ist sehr wichtig, über Inklusion und Intersektionalität zu sprechen”,</em> erklärt die feministische Aktivistin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie andere feministische AktivistInnen ist auch sie unzufrieden mit der Tatsache, dass vier Jahre des Kampfes nicht zu einer Antidiskriminierungsgesetzgebung geführt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sekerbaeva betont, dass man Gewalt nicht allein durch kulturellen Wandel überwinden kann:<em>„Wir organisieren Schulungen, wir schärfen das Bewusstsein. Aber nur sehr wenige Männer werden davon überzeugt. Wie sollen wir ihnen erklären, dass sie keine Gewalt anwenden sollen?Kennen Sie die Namen der Frauen, die in Dörfer jeden Tag sterben? Niemand kennt sie. Vielleicht erregen sie nicht die Aufmerksamkeit der großen Medien, aber sie sterben. Femizide gibt es seit den 1990er Jahren. Es gab keinen Gesetzesentwurf, als Nasarbaev im Amt war, und es gibt auch keinen Gesetzesentwurf unter der jetzigen Regierung. Was ist denn der Kurs des ‚Neuen Kasachstan‘?”</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>„Der Kampf der Frauen für ihre Rechte stand auch auf der Tagesordnung der ,Alasch&#8216;-Bewegung”</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministische und Menschenrechtsaktivistin Aigerim Kusaıynkysy ist der Ansicht, dass es nicht den Menschenrechtsnormen entspricht, dass die Behörden am 8. März keinen friedlichen Marsch zulassen und sie eine <em>„Genehmigung für eine Kundgebung”</em> einholen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch weist sie darauf hin, dass der Staat die Kundgebungen und Märsche am 8. März bisher aktiv genutzt hat, um internationalen Organisationen Bericht zu erstatten. <em>„Wenn es aber in diesem Jahr keine ‚Erlaubnis‘ gibt, wird sich das nicht nur negativ auf das Ansehen Kasachstans im Ausland, sondern auch im Land selbst auswirken”</em>, so die Menschenrechtsaktivistin. <em>„Der 8. März ist nicht nur ein Feiertag, an dem Mütter Blumen von ihren Kindern und Angehörigen erhalten, sondern auch ein Tag, an dem Frauen in Kasachstan über ihre Probleme sprechen können. Es ist ein historischer Tag, an dem die Frauen für Bildung und Rechte gekämpft haben.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weiter: <em>„Die kasachstanischen Frauen haben auch schon vor hundert Jahren gekämpft. Da ist das Beispiel von </em><em><a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D1%83%D0%BB%D0%B6%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%B0,_%D0%9D%D0%B0%D0%B7%D0%B8%D0%BF%D0%B0_%D0%A1%D0%B5%D0%B3%D0%B8%D0%B7%D0%B1%D0%B0%D0%B9%D0%BA%D1%8B%D0%B7%D1%8B">Nasipa Kuljanova</a></em><em>. Im Jahr 1907 hielten die kasachischen Frauen in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a> ihren eigenen Kongress ab, auf dem Männer und Frauen gemeinsam Probleme ansprachen.”</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geschlechterspezifische Probleme bleiben ungelöst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz jahrelanger Bemühungen seien die geschlechtsspezifischen Probleme nach wie vor ungelöst. Eines davon ist der geringe Anteil von Frauen in der Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Von den 26 Ministern der neu gebildeten Regierung sind nur vier Frauen. Von den 88 stellvertretenden Ministern sind zehn Frauen. Die Beteiligung von Frauen an der Politik liegt unter 20 Prozent, aber der Frauenanteil in Kasachstan beträgt 52 Prozent. Wer wird dann die Probleme der Frauen bei den Behörden vorbringen? Wenn wir eine demokratische Regierung hätten und die Hälfte des Parlaments und der Regierung aus Frauen bestünde, erhielten die Probleme der Frauen vielleicht eine andere Relevanz”,</em> sagt Kusaıynkysy.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschlechtsspezifische Probleme lassen sich ihrer Meinung nach nicht allein durch Gesetze lösen, sondern auch durch einen kulturellen Wandel und eine Änderung der Einstellung gegenüber Frauen: <em>„Wir müssen uns von der Ansicht verabschieden, dass eine Frau eine Mutter ist. Eine Frau ist eine Präsidentin, sie ist eine Wissenschaftlerin, sie ist eine Politikerin. Nur wenn wir unsere Ansichten über solche Dinge ändern, können wir auch die Weltsicht über Frauen ändern.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie merkt an, dass die Definition von Frauen über ihre soziale Rolle leider auch bei Menschen zu beobachten ist, die sich gegen häusliche Gewalt aussprechen:<em> „Wenn sie sich gegen Gewalt aussprechen, sagen sie ‚schlagt keine Mädchen, denn es könnte eure Mutter, Schwester und so weiter sein‘. Warum müssest du mich nur als Schwester sehen? Kannst du mich nicht als menschliches Wesen sehen? Wenn man eine Frau über ihre soziale Rolle definiert, entwertet man die Menschenrechte und die Arbeit der FeministInnen, die seit Jahren dafür kämpfen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie glaubt, dass der Kampf für die Rechte der Frauen systemisch sein muss – von der Mitarbeit in der Arbeitsgruppe für das Gesetz über häusliche Gewalt bis hin zu Änderungen in Fernsehserien und Filmen, die Frauenfragen geringschätzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unsere Kultur bewegt sich in eine Richtung und die Politik in eine andere. Dies ist ein Kampf für soziale Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für unsere gute Zukunft. Das sind keine Kleinstthemen von bestimmten Frauen. Wir wollen keine Revolution inszenieren und die Frauen verändern. Unser Traum ist es, den Lebensstandard der kasachischen Frauen zu verbessern”</em>, so Kusaıynkysy.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Naserke Kurmangasinova und Almas Kaisar für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/reportage/58974-mars-bolsyn-za-cto-boretsa-feministskoe-dvizenie-kazahstana.html">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wer sind die Frauen zentralasiatischer Präsidenten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2024 12:11:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende November nahm die First Lady von Usbekistan, Ziroat Mirziyoyeva, an einem internationalen Bildungsgipfel in Katar teil. Dies war die zweite Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit, bei der die Frau des Staatschefs das Land ohne ihren Ehemann vertrat. Auch wenn nicht alle First Ladys Zentralasiens im Zentrum des politischen Geschehens stehen, werfen wir einen Blick auf [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende November nahm die First Lady von Usbekistan, Ziroat Mirziyoyeva, an einem internationalen Bildungsgipfel in Katar teil. Dies war die zweite Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit, bei der die Frau des Staatschefs das Land ohne ihren Ehemann vertrat. Auch wenn nicht alle First Ladys Zentralasiens im Zentrum des politischen Geschehens stehen, werfen wir einen Blick auf die Präsidentengattinen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziroatxon (Ziroat) Xoshimova stammt aus einer wohlhabenden Familie in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> (Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Farg%CA%BBona">Farg‘ona</a>). Ihr Vater war Abteilungsleiter bei der Eisenbahn, wovon er auch privat profitierte und in Sowjetzeiten rare Güter nach Kokand karren ließ. Dieses „Geschäft“ brachte ihm ein solides Einkommen, das dem Unternehmer nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern im gesamten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferghanatal</a> Einfluss verschaffte. Über Ziroats Mutter liegen keine Informationen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle First Lady Usbekistans ist Absolventin des Taschkenter Instituts für Bewässerung und Melioration (heute <a href="https://tiiame.uz/en">TIIAME</a>) und besitzt ein Diplom als Ingenieurin und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie arbeitet jedoch nicht in ihrem Beruf, sondern offiziell als Hausfrau – ein beliebter Beruf für verheiratete Frauen in Usbekistan. Bereits im Studium lernte Ziroat <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> kennen. Beide waren sehr erfolgreich: Ziroat war eine der besten Studierenden, während der gleichaltrige Shavkat bereits das Amt des Sekretärs des Komsomol-Komitees innehatte. Seine Karriere begann übrigens an derselben Universität, wo er nach seinem Abschluss als Maschinenbauingenieur vom Nachwuchsforscher bis zum Vizerektor tätig war.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Als First Lady im Rampenlicht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während Mirziyoyevs Amtszeit als Premierminister Usbekistans (2003–2016) war wenig über seine Frau bekannt. Erst mit seiner Wahl zum Präsidenten im Dezember 2016 begann sie, bei offiziellen Anlässen aufzutreten und ihren Mann auf Auslandsreisen zu begleiten. Neben ihrer Stiftung engagiert sich Ziroat in weiteren karitativen Projekten und öffentlichen Aktivitäten. So half sie im März dieses Jahres mit einer Schaufel in der Hand Umweltaktivistinnen und -aktivisten beim Pflanzen von Bäumen an ihrer Heimatuniversität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mirziyoyevs haben drei Kinder. Ihr Sohn Miralisher geht noch zur Schule, aber ihre Töchter machen bereits Karriere im öffentlichen Dienst. Die jüngere, Shakhnoza, ist stellvertretende Direktorin der Nationalen Agentur für soziale Sicherheit. Die älteste, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saida_Mirziyoyeva">Saida</a>, wurde von ihrem Vater im August dieses Jahres als Assistentin des Präsidenten bestätigt und mit der Leitung seiner Verwaltung betraut.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aigul Dschaparowa: Stütze und Besitzerin geheimer Vermögenswerte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Ehefrau von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, dem derzeitigen Präsidenten Kirgistans, beginnen die Ungereimtheiten bei ihrem Namen. Überall wird sie als <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Aigul_Japarova">Aigul</a> geführt, laut Pass ist ihr Name aber Gulnura. Die Hintergründe dieser „Verschwörung“ sind unklar. Aigul (oder Gulnura) Asanbajewa wurde im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/San-Tash">San-Tasch</a> im Osten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Region Ysyk-Köl</a> geboren. Über ihre Mutter ist nicht viel bekannt, ihr Vater arbeitete in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumtor-Mine">Kumtör-Mine</a> – dem größten Goldbergbauunternehmen der Republik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-erneut-skandale-um-kumtoer-mine/">Kirgistan: Erneut Skandale um Kumtör-Mine</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Familie des zukünftigen Präsidenten lebte in einem Nachbardorf. Als sie sich kennenlernten, war Aigul 18 Jahre alt und Sadyr fünf Jahre älter. Drei Jahre nach ihrer ersten Begegnung heirateten sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sadyr Dschaparows politische Karriere war nicht einfach. Während seiner Zeit in der Opposition war er wiederholt in Strafverfahren verwickelt, unter anderem wegen Überfällen und gewaltsamer Machtübernahme. Anfang der 2010er Jahre mussten der spätere Präsident und seine Familie ins Ausland fliehen. Nach seiner Rückkehr im Jahr 2017 musste er einige Zeit in einer Haftanstalt für Sonderdienste verbringen. Während sich ihr Ehemann in der Heimat gegen die damalige Regierung stellte, lebte Aigul Dschaparowa mit den Kindern in Russland und Polen. Nach ihrer Rückkehr nach Kirgistan nahm Aigul aktiv an Kundgebungen, Demonstrationen und anderen Aktionen zur Unterstützung ihres politisch inhaftierten Mannes teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aiguls politische Ambitionen beschränkten sich nicht auf die Unterstützung ihres Mannes. Im Jahr 2020 bewarb sie sich für die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mekentschil">Mekentschil</a>-Partei um einen Parlamentssitz. Berichten zufolge führte sie einen energischen Wahlkampf, schaffte den Sprung in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> (Parlament Kirgistans, Anm. d. R.) aber nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auch in Kirgistan scheint Wohltätigkeit Frauensache zu sein</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings ist die derzeitige First Lady Kirgistans sehr erfolgreich in der Wohltätigkeitsarbeit. Aigul leitet die Stiftung <em>Ene-balaga tirek</em> (zu dt. „Unterstützung für Mütter und Kinder“), die vergangenen September in die Schlagzeilen geriet. Journalistischen Recherchen zufolge habe die chinesische Botschaft in Bischkek Aiguls Stiftung 109 Mio. US-Dollar (ca. 99.2 Mio. Euro) zur Verfügung gestellt. Die Steuerbehörde eilte, die Situation zu klären: Die Werte seien falsch in das Buchhaltungsprogramm eingegeben worden und die Spende habe bloß 109.000 US-Dollar (ca. 99.000 Euro) betragen. Der große Nachbar China wirkte daraufhin nicht mehr gar zu großzügig, was die Öffentlichkeit beruhigte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Bereits zuvor hat das Vermögen der First Lady für Schlagzeilen gesorgt. Der Präsident, der nicht nur über sein eigenes Einkommen, sondern auch über die Einkünfte seiner Familienmitglieder Rechenschaft ablegen muss, hatte die Gewinne der Firma Ak Ümüt, die auf den Namen seiner Frau läuft, nicht angegeben. Unabhängige Recherchen bestätigten, dass diese Firma, deren offizielle Miteigentümerin Aigul Dschaparowa ist, seit 2021 ordnungsgemäß Steuern zahlt. Es ist allerdings unklar, was für Geschäfte die Firma treibt, und auch in den sozialen Netzwerken ist sie nicht aufzufinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand von Katasterauszügen lässt sich allerdings belegen, dass Ak Ümüt Eigentümerin des Asman-Geschäftszentrums in Bischkek ist, in dem auch Aiguls Stiftung ein Büro gemietet hat und in dem sich während der Präsidentschaftswahlen das Büro ihres Mannes befand. Dieses kleine Detail hat das Staatsoberhaupt jedoch übersehen &#8211; als vielbeschäftigter Mann kann das schon mal passieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nadezhda Davydovna: Geschieden, aber weiterhin wohltätig</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den First Ladys in Usbekistan und Kirgistan stehen diejenigen der übrigen zentralasiatischen Länder deutlich stärker im Schatten ihrer Ehemänner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqajev</a> ist geschieden und seine Ex-Frau Nadezhda Davydovna war nur für kurze Zeit First Lady. Sie wurde in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nischni_Tagil">Nizhnij Tagil</a> geboren und besitzt somit die russische Staatsbürgerschaft. Sie engagiert sich aktiv in der Wohltätigkeit sowie in der Wirtschaft, und besaß Nadezhda mehrere Jahre lang eine Immobilienvermietungsfirma in Moskau. Auch wenn diese aufgelöst wurde, blieb Nadezhda sie als Geschäftsfrau tätig. Außerdem soll sie von 1998 bis 2011 ein Schweizer Bankkonto in Höhe von 1,5 Millionen Franken besessen haben. Die Toqajevs haben einen Sohn, Timur, der dieses Jahr 40 Jahre alt wird. Er arbeitet in der Ölindustrie und engagiert sich wie seine Mutter in der Wohltätigkeitsarbeit, indem er eine nach seinem Großvater <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A2%D0%BE%D0%BA%D0%B0%D0%B5%D0%B2,_%D0%9A%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D0%BB%D1%8C_%D0%A2%D0%BE%D0%BA%D0%B0%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87">Kemel Toqaev</a> benannte Stiftung leitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Azizmo Rahmonowa: Gläubig und kinderreich</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch weniger ist über die Ehefrau des Staatschefs Tadschikistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a>, bekannt. Offiziellen Angaben zufolge wurde <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Azizmo_Asadullayeva">Azizmo Asadullaewa</a> (in der Presse manchmal auch als Azizmo Rahmonowa bezeichnet) Ende der 1950er Jahre in der Tadschikischen SSR geboren. Sie tritt nicht in der Öffentlichkeit auf und begleitet ihren Mann, der den Titel „Führer der Nation“ trägt, nur sehr selten auf Auslandsreisen. Im Jahr 2016 schlug ein lokaler Theologe vor, &nbsp;Azizmo einen ähnlichen Titel zu geben, da sie als erste Präsidentenfrau Zentralasiens das Gebet bei der heiligen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaaba">Kaaba</a> in Mekka verrichtet habe. Die Idee, Azizmo zur „Führerin der islamischen Frauen“ zu erklären, wurde jedoch abgelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Jahre zuvor hatte ein Geschäftsmann bei einem Treffen mit dem Präsidenten vorgeschlagen, Azizmo zur Vorsitzenden des Unternehmerverbandes Tadschikistans zu ernennen. Rahmon lehnte dies jedoch kategorisch mit der Begründung ab, die Aufgabe einer Frau sei es, für Kinder und Ehemann zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-tadschikische-frauen-stereotypen-veraendern-und-maennliche-berufe-ergreifen/">Wie tadschikische Frauen Stereotypen verändern und „männliche“ Berufe ergreifen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der tadschikische Staatschef ist übrigens der kinderreichste Präsident der ehemaligen Sowjetrepubliken. Gemeinsam mit Azizmo hat er neun Kinder: sieben Töchter und zwei Söhne. Die meisten der Töchter sind im öffentlichen Leben tätig oder heirateten erfolgreiche Politiker, Diplomaten, Geschäftsleute und Sportler. Vor ein paar Jahren kletterte Tochter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osoda_Rahmon">Ozoda Rahmon</a> rasch die Karriereleiter empor und wurde Leiterin der Präsidialverwaltung. Die meisten politischen Analysten halten es jedoch für wahrscheinlich, dass Rahmon von seinem Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rustam_Emomalij">Rustam Emomali</a> abgelöst wird, der bereits im Alter von 29 Jahren Bürgermeister von Duschanbe wurde. Er ist zudem Sprecher im Oberhaus des Parlaments.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ogulgerek Berdimuhamedova: Keine öffentliche Spur einer First Lady</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Genaueres über die First Lady Turkmenistans herausfinden will, befindet sich auf dem Holzweg. Aus den spärlichen Informationen im Internet erfährt man nur, dass Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedov</a> verheiratet ist und seine Frau wohl den gleichen Namen wie seine Mutter trägt: Ogulgerek. Sie brachte drei Kinder zur Welt: zwei Mädchen und einen Sohn. Letzterer gründete bereits eine eigene Familie mit der Tochter eines hochrangigen Beamten im Innenministerium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem trilateralen Gipfeltreffen mit Aserbaidschan und der Türkei im Dezember 2022 präsentierte das amtierende Staatsoberhaupt kurioserweise nicht seine Ehefrau, sondern seine Mutter, der er zuvor den Titel „Verdiente Teppichknüpferin des Landes“ verliehen hatte. Sie vertrat Turkmenistan auch im Kulturprogramm, an dem jeweils die First Ladys aus der Türkei und Aserbaidschan teilnahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Serdars Vater, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedov</a>, verbot der Presse während seiner Präsidentschaft, über seine Frau zu schreiben und Fotos von ihr zu veröffentlichen. Das Tabu wurde 2021 aufgehoben, als die damalige First Lady während des Besuchs des Ehepaars <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdo%C4%9Fan">Erdogan</a> in Aschgabat auftrat. Dabei trug die damalige First Lady die turkmenische Nationaltracht und verhielt sich zurückhaltend.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/132136/">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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