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	<title>Film Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 03 May 2026 12:24:14 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Film Archives</title>
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		<title>„Black Red Yellow“ – eine verwobene Liebesgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktan Arym Kubat]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In &#x201E;Black Red Yellow&#x201C; erz&#xE4;hlt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die ungl&#xFC;ckliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast &#x2013; Festival des Mittel- und Osteurop&#xE4;ischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei. Aktan Arym Kubat ist zur&#xFC;ck auf europ&#xE4;ischer B&#xFC;hne: Der Regisseur, der als feste Gr&#xF6;&#xDF;e des [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktan_Abdykalykow">Aktan Arym Kubat</a> ist zurück auf europäischer Bühne: Der Regisseur, der als feste Größe des kirgisischen Autor:innen-Kinos gilt, feierte mit seinem neuen Film <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Red_Yellow">Black Red Yellow</a> (im Original „Kara Kyzyl Sary“) am 26. April im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">26. goEast-Filmfestivals</a> in Wiesbaden Europa-Premiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film begleitet die talentierte Teppichweberin Turdugul, die einer Nomadin gleich durchs Land zieht, um im Haus ihrer Auftraggeber:innen Unikate entstehen zu lassen, die deren Seele widerspiegeln. Wie in den Filmen Aktan Arym Kubats üblich, ist auch „Black Red Yellow“ in drei Teile unterteilt, die in diesem Fall jeweils mit einer der titelgebenden Farben benannt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwarz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der der Regisseur in Nahaufnahme das Entstehen eines Wollteppichs begleitet. Mit diesem Teppich im Gepäck bricht Turdugul, eine Dame gesetzten Alters, zu einer Reise ins Dorf Kök-Suu auf. Während der Reise mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marschrutka">Marschrutka</a> erinnert sich Turdugul an eine Geschichte, die 30 Jahre zurück liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan in den 90er-Jahren: Die junge Turdugul (gespielt von Nargiza Mamatkulova) trifft in Kök-Suu im Haus ihrer Auftraggeber:innen ein. Die Hausherrin Schirin leidet unter ihrer Kinderlosigkeit sowie unter den ökonomischen Gegebenheiten im Haus ihres Mannes Kadyr (gespielt vom Sohn des Regisseurs, Mirlan Abdykalikov). Kadyr, zu Sowjetzeiten Pferdewirt in einem Staatsbetrieb, hat nach dem Zerfall der UdSSR seinen Job verloren und mit dem Trinken angefangen. Sein Pferd liebt er mehr als seine Frau, die er auf Geheiß seiner Eltern heiraten musste.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44636" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schirin (rechts), gespielt von Aigul Busurmankulova</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schirin hingegen liebt ihren Mann sehr und Kadyrs Teilnahmslosigkeit rufen neben seiner mangelnden Bereitschaft und Fähigkeit, die ökonomische Situation des Paares zu verbessern, immer wieder Streit hervor. In einem Streit droht Schirin sich im tosenden Fluss vor dem Dorf zu ertränken, kann aber von den ihr nacheilenden Frauen aufgehalten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem im Gegensatz zu seiner Frau sehr friedfertigem Kadyr und Turdugul beginnen hingegen sich langsam Gefühle füreinander zu entwickeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rot</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Teil des Films werden sich Kadyr und Turdugul ihrer gegenseitigen, aber verbotenen Liebe bewusst. Turdugul macht sich für Kadyr hübsch und er spannt über ihre Arbeitsstätte im Hof ein schattenspendendes Tuch, was die Eifersucht seiner Frau entfacht. Abermals droht Schrin sich zu ertränken. Zwar eilt ihr diesmal niemand mehr nach, doch findet Kadyr, der das Manöver durchschaut, sie später am Ufer des Flusses sitzen, setzt sich zu ihr und bittet sie wieder nach Hause zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kadyr abends Turdugul aufsucht, um ihr seine Gefühle zu gestehen, wird er von Großmutter Marsia, in deren Haus Turdugul Obdach gefunden hat, erwischt. Die Alte schickt ihn fort und weist Turdugul an, sich von Kadyr fernzuhalten. Doch dafür ist es zu spät. Als Kadyr in einer weiteren Nacht einen Saufkumpanen losschickt, um Großmutter Marsia abzulenken und die ganze Nacht nicht nach Hause zurückkehrt, lässt sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Schirin zerstört den Webstuhl im Hof und schleift den angefangenen Teppich zum Haus von Großmutter Marsia, der sie Vorwürfe macht und von der sie verlangt, <em>„die Schlampe [Turdugul]“</em> aus dem Dorf zu jagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44635" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Turdugul und Großmutter Marsia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kadyr merkt, was er angerichtet hat, und versucht Turdugul nachzueilen, schafft dies aber nicht. Später findet Schirin ihn am Fluss sitzend. Diesmal ist sie es, die ihn bittet nach Hause zu kommen. In diese Situation bricht die Nachricht vom Tod Großmutter Marsias, die die Schande, die sie über Kadyr und Schirin gebracht hat, nicht überlebt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gelb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Jahre später: Turdugul ist wieder für einen Auftrag in der Nähe. Als Kadyr davon erfährt und sie ausfindig macht, sucht er sie auf. Turdugul flieht vor ihm in das Haus ihrer Auftraggeberin. Durch die geschlossene Tür bittet Kadyr sie, ihn zu heiraten. Turdugul, die nach wie vor Gefühle für Kadyr hat, lehnt dies ab – in dem Bewusstsein, dass ihre unmögliche Liebe seine Familie zerstören würde.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Abends sitzt sie mit ihrer Auftraggeberin zusammen – einer Alten, die als eine Wächterin der immer mehr verlassenen Dörfer an dieser grenznahen Region fungiert. Von den verlassenen Häusern verwahrt sie die Schlüssel, um sie so dem Zugriff von Fremden zu entziehen. Familienportraits, die sie aus den verlassenen Häusern gerettet hat, füllen die Wand ihres bescheidenen Hauses. Als sie von Turduguls Talent als einer Gabe Gottes spricht, offenbart ihr Turdugul, die seit ihrer Jugend umherzieht, um das Schicksal anderer in ihren kunstvollen Teppichen abzubilden, dass sie anstatt dieses Talents lieber das Glück im Leben gefunden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kadyr erkennt, dass er sich seinem Schicksal fügen muss. In der letzten Szene des dritten Teils sieht man, dass er sein geliebtes Pferd verkauft hat, um der mittlerweile schwangeren Schirin ihren Wunsch zu erfüllen und eine Kuh zu kaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Farbenspiel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film endet mit einem vierten, mit „Schwarz Rot Gelb“ betitelten Abschnitt, den Aktan Arym Kubat aber – wie er im Filmgespräch in Wiesbaden darlegte – nicht als vierten Teil, sondern als Epilog verstanden wissen will. In diesem Epilog kehrt der Film zurück in die Rahmenhandlung. Kadyr wird zu Grabe getragen und Turdugul lässt ihren Teppich Schirin übergeben. Als Letztere später den Teppich auffaltet, wird ersichtlich, dass dieser neben den für die Teppiche der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Region Batken</a> typischen Farben Schwarz und Rot einen nicht unwesentlichen Anteil Gelb enthält.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieses Farbenspiel und seinen Symbolgehalt angesprochen, erklärte Aktan Arym Kubat im Abschluss an die Premieren-Vorführung, dass die drei titelgebenden Farben jeweils für eine der Protagonist:innen stehe. Schwarz als <em>„Farbe des Mannes und der Erde“</em> stehe für Kadyr und Rot, als die Farbe der Emotionen und der Liebe, für Schirin. Gelb sei die individuelle Farbe von Turdugul, die sie in den traditionellen schwarz-roten Teppich einbringt und somit ihr eigenes Schicksal mit jenem von Kadyr und Schirin verwebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Symbolismus, der sich den westlichen Festival-Besucher:innen nicht unbedingt erschließt, verdeutlicht einmal mehr, dass der im In- wie Ausland gefeierte Regisseur seine Filme am heimischen Publikum ausrichtet. Wie Aktan Arym Kubat in Wiesbaden darlegte, wollte er mit dem Film unter anderem seinen Landleuten das eigene Land sowie dessen jüngere Geschichte mit den ökonomischen Verwerfungen nach der Unabhängigkeit und der infolgedessen eintretenden Landflucht vor Augen führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein poetisch-einfühlsamer Film</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch in seinen vergangenen Filmen, wie etwa <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a>, schafft es Aktan Arym Kubat, eine einfühlsam erzählte Geschichte von einfachen Menschen mit subtil eingeflochtener Sozialkritik zu verbinden. Dabei bleibt der Regisseur seiner eigenen Bildsprache treu, in der er wie zufällig aufgenommene Bilder, wie etwa eine Motte im Teppichgarn, oder auch Landschaftsdetails, wie den reißenden Bergfluss oder im Wind wehende Pappeln, einfängt, und gekonnt in die Handlung einflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Erwähnung verdienen die melancholische musikalische Untermalung (Balasagyn Musayev) sowie der Ton (Mars Tugelov), der das Rauschen des Windes oder die zaghaft von Vögeln durchbrochene Stimmung einfängt. Beide tragen so zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre des Filmes bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Black Red Yellow“, der noch im Juni letzten Jahres <a href="https://variety.com/2025/film/asia/shanghai-film-festival-2025-winners-1236437317/">beim Shanghai International Film Festival gewann</a>, ging bei der Preisverleihung des 26. goEast-Festivals leer aus (die <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2026-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-clouds-move-with-great-speed-von-roman-ostrovskyi-beste-regie-fuer-ivana-mladenovic-regisseurin-vo/">Goldene Lilie</a> aus Hauptpreis ging in diesem Jahr an „Clouds move with great Speed“ des ukrainischen Regisseurs Roman Ostrovskyi). Dennoch ist Aktan Arym Kubat wieder ein absolut sehenswerter, einfühlsam-melancholischer Film gelungen, der es schafft, durchgängig langsam zu bleiben, ohne jemals zäh zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Black Red Yellow” wird am 2. Juli 2026 im Rahmen der <a href="https://www.uni-passau.de/perspektive-osteuropa/veranstaltungen/filmreihe-osteuropa/">Filmreihe Osteuropa</a> der Universität Passau gezeigt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Großes Kino in Wiesbaden: 26. goEast-Filmfestival eröffnet am 21. April</title>
		<link>https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/grosses-kino-in-wiesbaden-26-goeast-filmfestival-eroeffnet-am-21-april/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:36:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Wiesbaden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=44520</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vom 21. bis zum 27. April findet in Wiesbaden das 26. goEast-Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films statt. F&#xFC;r Zentralasien konkurriert im Hauptwettbewerb &#x201E;Black Red Yellow&#x201C; des kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat. Novastan ist auch in diesem Jahr Medienpartner des Festivals. Wie jedes Jahr im April verwandelt goEast &#x2013; Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vom 21. bis zum 27. April findet in Wiesbaden das 26. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. Für Zentralasien konkurriert im Hauptwettbewerb „Black Red Yellow“ des kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat. Novastan ist auch in diesem Jahr Medienpartner des Festivals.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie jedes Jahr im April verwandelt <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films</a> die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden in einen der international wichtigsten Schauplätze für das Kino aus Mittel- und Osteuropa. Das Festival, das in diesem Jahr vom 21. bis zum 27. April stattfindet, setzt dabei einen thematischen Schwerpunkt: „Revolution!“. Dieses Motto verbindet erstmals nahezu alle Sektionen außerhalb des internationalen Hauptwettbewerbs.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mit 76 Filmen und mehr als 100 Veranstaltungen bringen wir die Länder des östlichen Europas und darüber hinaus in die Region. Unser neu ausgerufenes Fokusthema stellt dieses Jahr einiges auf den Kopf, vom Festivalmotiv bis hin zur romantischen Auffassung von Revolution. Das Programm ist in diesem Jahr sehr mutig, und es gibt kleinere und größere Neuerungen“</em>,&nbsp;<a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2026-vorstellung-der-jurys-pressekonferenz-fokus-auf-georgien-eeffn-award-perla-goeast-partys-clubhouse/">erklärte</a>&nbsp;die neue Festivalleiterin Rebecca Heiler während einer Pressekonferenz am 14. April.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgisischer Film im Wettbewerb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist dieses Jahr wieder mit einem Film im Hauptwettbewerb um die mit 10.000 Euro dotierte „Goldene Lilie“ vertreten: <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/filme/black-red-yellow-2/">Black Red Yellow (Kara Kyzyl Sary)</a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktan_Abdykalykow">Aktan Arym Kuban</a>. Der kirgisische Regisseur, der für seine einfühlsam melancholischen Filme wie <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a> bekannt ist, folgt der begabten Teppichweberin Turdugul, die als Nomadin von einem Auftrag zum nächsten zieht und jeweils für einige Wochen Teil des Lebens ihrer Auftraggeber wird. Als Turdugul bei einem ihrer Aufträge den unglücklich verheirateten Schafhirten Kadyr kennenlernt, verlieben sie sich ineinander. Eine Begegnung, die Turdugul nicht vergessen kann. Jahrzehnte später bricht sie zu einer letzten Reise in die Vergangenheit auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/patriarchale-gewalt-filmisch-erzaehlen-ein-interview-mit-husnora-rozmatova/"><strong>Patriarchale Gewalt filmisch erzählen: Ein Interview mit Husnora Rozmatova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Black Red Yellow“ wird im Rahmen des goEast-Filmfestivals am Sonntag, den 26. April um 16.30 Uhr in der „Caligari Filmbühne“ und am Montag, den 27. April um 14.00 Uhr im „Apollo-Kinocenter“ (beides in Wiesbaden) gezeigt. Eine weitere Aufführung findet am Dienstag, den 28. April um 20.30 Uhr im DFF Frankfurt statt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Medienpartnerschaft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut &amp; Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. In diesem Jahr ist Novastan wieder Medienpartner des Festivals. Wir werden vor Ort sein, um für euch zu berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/"><strong>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gesamte Programm des 26. goEast-Filmfestivals findet ihr&nbsp;<a href="https://www.filmfestival-goeast.de/filmschedule/">hier</a>. Eine Einzelkarte kostet 9 Euro (ermäßigt 8 Euro), die Tageskarte 22 Euro (ermäßigt 18 Euro). Weitere Infos zum Festival findet ihr auf der&nbsp;<a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">Homepage des Festivals</a>.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ab ins All: Sci-Fi-Komödien aus Zentralasien beim Filmfestival Cottbus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 16:54:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kyrgyz on Mars]]></category>
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		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;Kyrgyz on Mars&#x201C; und &#x201E;Sasyq&#x201C; waren im Programm des 35. Filmfestivals Cottbus zwei zentralasiatische Science-Fiction-Kom&#xF6;dien vertreten, die es verstehen, Humor mit subtiler Gesellschaftskritik zu verbinden. Am 9. November ist das 35. Filmfestival Cottbus zu Ende gegangen. Auch wenn dieses Jahr kein Film aus Zentralasien im Wettbewerb vertreten war, fanden Filme aus der Region den [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ waren im Programm des 35. Filmfestivals Cottbus zwei zentralasiatische Science-Fiction-Komödien vertreten, die es verstehen, Humor mit subtiler Gesellschaftskritik zu verbinden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 9. November ist das <a href="https://www.filmfestivalcottbus.de/de/">35. Filmfestival Cottbus</a> zu Ende gegangen. Auch wenn dieses Jahr kein Film aus Zentralasien im Wettbewerb vertreten war, fanden Filme aus der Region den Weg ins Programm. Zwei davon weisen mehrere Parallelen auf: „Kyrgyz on Mars“ von Nurlanbek Kamchybekov und „Sasyq“ von Yerden Telemissov sind Regiedebüts. Und beide Filme verbinden – jeweils mit ihrem eigenen Humor – die Probleme des irdischen Daseins mit den Weiten des Alls.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgisen auf dem Mars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schockstarre bei der NASA: Ein riesiger Meteoroid steuert auf die Erde zu und droht das Leben auf ihr zu zerstören. Das prognostizierte Einschlagsgebiet: Zentralasien. Genau hier lebt und arbeitet Jyldysbek, Hobbyastronom und Lehrer an der örtlichen Schule eines kirgisischen Provinznests. Auch Jyldyzbek hat die Bedrohung für den Planeten erkannt und so steht er unter enormen Druck: Der Start seiner Rakete muss klappen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jene Rakete, die er in der Scheune seines Vaters gebaut hat, macht Jyldyzbek gleichermaßen zum Gespött und Ärgernis der anderen Dorfbewohner:innen. Durch seine immer wieder scheiternden Startversuche provoziert er regelmäßig Stromausfälle und sabotiert so die ständigen Hochzeitsfeiern. Am liebsten würde man ihn ins Irrenhaus stecken, vorerst verliert er seinen Job.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Lediglich sein Vater, seine zwei Kumpels, die mit ihm an der Rakete bauen, und die schöne Aidai glauben an ihn. Letztere würde er am liebsten heiraten, selbst seine Rakete hat er nach der unerreichbaren Geliebten benannt. Doch Aidais Vater, der Bürgermeister des Orts, denkt nicht im Geringsten daran, einer Hochzeit mit Jyldyzbek zuzustimmen. Vielmehr versucht er immer wieder, seine Tochter an die Söhne höhergestellter Persönlichkeiten, wie etwa dem Bezirksstaatsanwalt, zu verheiraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als eine besonders wichtige Hochzeit ansteht, wird Jyldyzbek sogar der Strom gekappt. Doch angesichts der Bedrohung durch den Meteoriten kann er nicht länger warten. Mit unlauteren Methoden wird die Energieversorgung wiederhergestellt und gemeinsam mit seinem Freund, der gerade einem Ehestreit entflieht, wird ein letzter Startversuch unternommen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Sowohl die Dorfbewohner:innen als auch die NASA staunen nicht schlecht, als die Rakete abhebt und Richtung Mars fliegt. Während sie auf der Erde Heldenstatus erlangen und der Bürgermeister stolz in den Medien betont, dass Jyldyzbek sein „zukünftiger Schwiegersohn“ sei, landen die beiden Kosmonauten auf dem roten Planeten, auf dem es sogar Luft zum Atmen und eine ausgezeichnete Internetverbindung gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Freundschaft wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als Jyldyzbek von dem Meteoriten erzählt, dem er sich mit seinem Weltraumflug entgegenstellen will. Handfester Streit zwischen den beiden lässt die Rettungsmission beinahe scheitern, doch letzten Endes rappeln sich die beiden zusammen und entscheiden sich zu einem letzten Rettungsversuch durch eine Kamikaze-Aktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>E.T. auf Kasachisch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Sasyq“ ist es hingegen ein Außerirdischer, der auf die Erde kommt. Nach dem Absturz seines Raumschiffs landet er quasi in den Armen von Sasyq („Stinker“). Sasyq, der eigentlich Sadyk Ospanovich heißt, aber von allen nur mit diesem despektierlichen Beinamen angeredet wird, war einst Professor an der Universität. Nachdem seine Frau an Covid gestorben war, begann er das Trinken. Ein paar Jahre später hat er diverse Selbstmordversuche hinter sich und lebt obdachlos entlang einer Schnellstraße im Umland von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand glaubt dem Trinker Sasyq, dass sich ein Außerirdischer in den Tiefen des Plumpsklos versteckt, das sich auf einem Parkplatz an jener Schellstraße befindet: Weder Nadia, die hier mit ihrer Enkelin Amina lebt und einen kleinen Straßenkiosk betreibt, noch der örtliche Polizist, ein ausgemachter Trottel, der im Übrigen glaubt, dass die Erde eine Scheibe sei. Auch das havarierte Raumschiff hat sich selbst aufgelöst. Und so nimmt sich Sasyq allein des Außerirdischen an und versucht jenes Metall zu finden, mit dem sich dessen zerstörtes Radio reparieren lässt, um Hilfe zu holen.</p>



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<iframe loading="lazy" title="SASYQ | Trailer | English Subs | 2025" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/THEPTyyebcQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch ein anderes Problem rollt heran: die Wagenkolonne des Präsidenten. Zwar dauert es noch ein paar Tage, bis der Präsident tatsächlich über die Schnellstraße donnern wird, aber das Ereignis wirft seine Schatten voraus. Keinesfalls soll das Staatsoberhaupt Nadias schäbigen Kiosk oder gar den umherstreunenden Trinker zu Gesicht bekommen. Und so droht der Bürgermeister, der wegen Korruption hierher strafversetzt wurde, Nadias Kiosk zu zerstören, sollte sie ihn nicht umgehend renovieren. Sasyq soll einfach verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben diesem gemeinsamen Feind ist es vor allem ein Unfall, der zur Annäherung von Nadia und Sadyk Ospanovich (wie sie ihn nun auch nennt) führt: Enkelin Amina stürzt in das Plumpsklo und wird von dem Außerirdischen gerettet. Da Nadia glaubt, dass Sadyk Ospanovich der Retter war, lässt sie ihn duschen und überlässt ihm saubere Kleidung ihres Ex-Manns. Darüber hinaus lädt sie ihn zum Abendessen ein. Am Ende des Abends zeigen Amina und Sadyk Ospanovich ihr ihren „neuen Freund“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam werden die drei für sich selbst und auch für den Außerirdischen zu einer Familie, die jener niemals hatte. Trotz aller Gegensätze werden der sanftmütige Sadyk Ospanovich und die resolute Nadia zu einem effizienten Team – sowohl bei der Renovierung des Kiosks als auch bei der Rettung des Außerirdischen. Hierbei zeigt sich noch einmal deutlich, dass „Nadia“ (Kurzform von Nadeschda, russisch für „Hoffnung“) hier ein sprechender Name ist. Sie ist es, die Sadyk Ospanovich zurück ins Leben holt und auch der Rettung des Außerirdischen neuen Auftrieb gibt. Dass ihr Kiosk „Ümit“ (kasachisch für „Hoffnung“) heißt, rundet dies noch ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Sasyq“ schafft Yerden Telemissov, der in Kasachstan eigentlich als Schauspieler bekannt ist, eine kasachstanische Version von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/E.T._–_Der_Außerirdische">E.T.</a>, auch wenn sein kegelköpfiger und gelbäugiger Außerirdischer weniger niedlich als der Held aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steven_Spielberg">Steven Spielbergs</a> Klassiker ist. Dabei ist eine Mischung aus Science-Fiction und Familien-(Tragi)komödie entstanden, wobei es diese Genre-Losigkeit ist, die neben einigen nicht zu leugnenden logischen Fehlern vom Kritiker Dmitri Mostovoi auf <a href="https://kz.kursiv.media/2025-05-17/lfst-dmmt-sasyq/">Kursiv</a> bemängelt wird. Trotzdem ist „Sasyq“ ein vielschichtiger und sehenswerter Film – eine <em>„Art Röntgenbild des Lebens in Kasachstan“</em> (Mostovoi).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr als nur Unterhaltung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ sind zwei teilweise absurde Komödien entstanden, die weit mehr sind als nur Unterhaltung. Denn beide Filme vermögen es, trotz ihres im wahrsten Sinne des Wortes weltfremden Plots, sehr irdische Probleme teils subtil zu beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichten finden vor dem Hintergrund bescheidener Lebensverhältnisse statt: seien es die Stromengpässe in „Kyrgyz on Mars“ oder das harte Leben von Nadia und Sadyk Ospanovich sowie die leidlichen Plumpsklos, die jede:r Kasachstaner:in von Überlandfahrten kennt, in „Sasyq“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/"><strong>„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hält „Kyrgyz on Mars“ mit seinem Erzählstrang um die Verheiratung von Aidai der kirgisischen Gesellschaft mit ihren patriarchalen Strukturen den Spiegel vor. Eher beiläufig erscheint dazu im Vergleich, dass auch Nadia in „Sasyq“ jahrelang der häuslichen Gewalt ihres Ex-Mannes ausgesetzt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vertreter der lokalen Politik kommen darüber hinaus in beiden Filmen schlecht weg. Aidais Vater zeigt sich nicht nur bei der Verheiratung seiner Tochter als Wendehals. In seiner Rolle als Bürgermeister fährt er mit einer Entourage aus Gewalttätern, die jedem drohen, der sich in den Weg stellt, in einem Mittelklassewagen durch das Dorf und erscheint dabei als ein recht schlicht gebliebener Wichtigtuer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="429" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1024x429.jpg" alt="" class="wp-image-43430" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1024x429.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-300x126.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-768x322.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1536x644.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Duliga Aqmolda als Bürgermeister in &#8222;Sasyq&#8220; (Bild bereitsgestellt vom Filmfestival Cottbus)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Figur des Bürgermeisters in „Sasyq“ setzt dem einen drauf und porträtiert einen korrupten und frauenverachtenden Machtmenschen im feinen Anzug. Seine Exzentrik sowie die bis ins Lächerliche gehende Ausstattung seines steril gehaltenen Büros runden das Bild des geborenen Antagonisten ab – <em>„die absolute Konzentration all dessen, was der Durchschnittsbürger an korrupten, überfütterten und realitätsfernen Machthabern hasst“</em> (Mostovoi).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings macht „Sasyq“ in seiner Kritik an Staatsvertretern nicht beim Bürgermeister halt. Der Polizist ist ein absoluter Volltrottel, der sich komplett in der Hand des Bürgermeisters befindet. Darüber hinaus ist er nur bei der Polizei, weil seine Mama ihm gesagt habe, dass ihm eine Uniform besser stehen würde. Seinen Polizeistern, den er voller Stolz trägt, verliert er ständig. Und dass eine durchrauschende Wagenkolonne des Präsidenten scheinbar jeden Eingriff in das Leben der einfachen Bürger:innen rechtfertig, setzt dem noch einen drauf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mit Witz und Charme</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee, sich der Science-Fiction zu bedienen, um Kritik an der realen Welt darin zu verpacken, ist dabei im (post)sowjetischen Kino nicht neu. Erinnert sei hier an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georgi_Nikolajewitsch_Danelija">Georgi Danelijas</a> Weltraum-Satire <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kin-dsa-dsa!">Kin-Dsa-Dsa!</a> aus dem Jahr 1986, die zu einem wahren Kultfilm avancierte. In Zentralasien sticht insbesondere <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/abdullajon-eine-gesellschaftskritische-science-fiction-komoedie-aus-usbekistan/">Abdullajon</a> aus dem Jahr 1991 hervor, in dem der gleichnamige Außerirdische ein usbekisches Dorf aufmischt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ leben von der Verquickung von Science-Fiction und Humor, wobei dieser aber trotz aller Gemeinsamkeiten unterschiedlich funktioniert. Abgesehen von einem derben Fäkal-Humor in einigen Szenen um das Plumpsklo, den unter anderem Jankeldy Omiraliev in einer Rezension für <a href="https://orda.kz/film-sasyq-inoplanetjanin-i-vonjuchka-401607/">Orda</a> kritisiert, ist der Humor in „Sasyq“ meist subtil und erfolgt über das hervorragende Spiel aller beteiligten Darstellenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dos-muqasan-die-geschichte-der-kasachischen-beatles-als-film/"><strong>„Dos-Muqasan“ – die Geschichte der „kasachischen Beatles“ als Film</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Humor in „Kyrgyz on Mars“ liegt wiederum mehr in den Dialogen begründet, kommt aber phasenweise auch etwas platt daher. Ein Teil der Witze richtet sich direkt an das lokale Publikum, etwa wenn die beiden Kosmonauten sich nach der Landung auf dem Mars an den in Kirgistan bekannten Märchen-Canyon am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssyk-Köl">Yssykköl</a> erinnert fühlen (dem tatsächlichen Drehort).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles in allem sind aber zwei absolut sehenswerte Science-Fiction-Komödien entstanden, die einen guten Einblick gewähren, was die zentralasiatischen Gesellschaften heute bewegt. Sich dabei irrationaler Geschichten in Kombination mit einer gehörigen Portion Humor zu bedienen, tut auch vor einem internationalen Publikum dem Verständnis keinen Abbruch. Die Festival-Besucher:innen in Cottbus haben sich jedenfalls bestens amüsiert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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		<title>„Central Asia: At the Crossroads“ – Highlights von Berlins neuem regionalem Filmfestival</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 18:34:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Berliner Sinema Transtopia war vom 27. bis 28. September 2025 Gastgeber der ersten Ausgabe von &#x201E;Central Asia: At The Crossroads&#x201C;, einem neuen Kurzfilmfestival, das mutige und vielf&#xE4;ltige Stimmen aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und der uigurischen Region Chinas in den Mittelpunkt stellt. Die zweit&#xE4;gige Veranstaltung bot einen lebendigen Einblick in das aufstrebende Kino der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Das Berliner Sinema Transtopia war vom 27. bis 28. September 2025 Gastgeber der ersten Ausgabe von „Central Asia: At The Crossroads“, einem neuen Kurzfilmfestival, das mutige und vielfältige Stimmen aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und der uigurischen Region Chinas in den Mittelpunkt stellt. Die zweitägige Veranstaltung bot einen lebendigen Einblick in das aufstrebende Kino der Region: von intimen persönlichen Geschichten bis hin zu eindrucksvollen sozialen Porträts. Hier werden einige der denkwürdigsten Werke des Programms vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eröffnung des Kurzfilmfestivals fand parallel zu einem Schwesterprogramm in Taschkent statt, das von der unabhängigen Toshkent Film School unterstützt wurde. Neben einer Hauptauswahl mit Werken von Filmschaffenden aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und der uigurischen Region Chinas bot das Festival auch einen Workshop zu dekolonialen und feministischen Ansätzen beim Drehbuchschreiben und Kuratieren sowie einen Vortrag über die Herausforderungen des Filmemachens und der Festivalorganisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Filme wurden thematisch in vier unabhängige Sektionen unterteilt: „Radical Hopefulness“, „Tender is the Youth“, „Kinds of Remembrance“ und „Yurt – bu? Homeland – is?“. In allen Vorführblöcken tauchten jedoch mehrere übergreifende Themen auf, die von den Routinen des Alltags über Fragen der Jugend und Identität, kollektive und persönliche Erinnerung, feministische und queere Perspektiven bis hin zu verschiedenen anderen drängenden sozialen Themen reichten.</p>



<div class="wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8f761849 wp-block-group-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="512" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1.jpg" alt="" class="wp-image-43222" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads41024-768x512-1-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="512" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1.jpg" alt="" class="wp-image-43223" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads21024-768x512-1-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><sup>Diskussion mit Temur Umarov (Carnegie Endowment for International Peace) und Dr. Aksana Ismailbekova (ZMO) über die aktuelle gesellschaftspolitische Lage in Zentralasien. Fotos:@fogg_films</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mirtemir geht&#8217;s gut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tagesaufnahmen einer heruntergekommenen Hütte im staubigen Nukus weichen allmählich Abendaufnahmen einer belebten Straße. Auf diese Weise stellen die Regisseure Sascha Kulak und Michail Borodin die beiden Seiten der Realität des jungen Mirtemir gegenüber. Am Morgen ist er ein fürsorglicher älterer Bruder, der auf seine Schwester aufpasst, und ein Enkel, der sich um seine blinde Großmutter kümmert; am Abend wird er zum Fast-Food-Kellner und Straßenmusiker, der Passantinnen und Passanten mit einer mobilen Karaoke-Anlage unterhält. Diese frühe Verantwortung kam auf ihn zu, nachdem seine Mutter ins Ausland gezogen war, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mirtemir selbst träumt davon, dasselbe zu tun: nach Almaty zu gehen, um dort als Kellner zu arbeiten. Obwohl er gelernt hat, Arbeit und Vergnügen unter einen Hut zu bringen – indem er beispielsweise mitten am Tag einen Moment findet, um mit seiner jüngeren Schwester Rollschuh zu laufen –, wird den Zuschauenden wie vielleicht auch dem Jungen selbst klar: Die Kindheit schwindet dahin. Spiele und Streiche weichen der Fürsorge für geliebte Menschen und dem Streben nach dem Wohlergehen der Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/">Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der fast reportageartige Stil des Dokumentarfilms verleiht der Geschichte eine besondere Authentizität und zurückhaltende emotionale Tiefe. Und auch wenn das Publikum nicht sicher sein kann, ob Mirtemir wirklich existiert, steht eines außer Frage: Der Film thematisiert ein drängendes soziales Problem: das der Kinder, die in Usbekistan ohne elterliche Fürsorge zurückbleiben, weil die Erwachsenen gezwungen sind, zur Arbeit zu migrieren, um ihre Familien zu versorgen. Trotz seines jugendlichen und manchmal ironischen Tons, der sowohl dem Alter des Protagonisten als auch der Atmosphäre seiner Umgebung entspricht, wirft Mirtemirde beri jaksy (Мiртемiрде бэрi жаксы, &#8222;Mirtemir geht&#8217;s gut&#8220;) tiefgreifende Themen wie Armut, erzwungene Reife und den Verlust der Kindheit auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Genosse Polizist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie sich jemals gefragt haben, wie kasachstanische Nachrichtenmedien tatsächlich funktionieren, wird Assel Aushakimovas Kurzfilm diese Neugier in nur dreizehn Minuten vollständig befriedigen. Die Geschichte über die Produktion eines pseudo-fernsehähnlichen Berichts über das staatliche Programm Jolda Qabyldau (Жолда Қабылдау, „Empfang unterwegs“) entfaltet sich zu einer charmanten Satire – nicht nur über die zeitgenössische Nachrichtenberichterstattung, sondern auch über die inneren Abläufe von Strafverfolgungsbehörden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Sendung selbst wird durch die sorgfältig ausgewählten Aufnahmen des sogenannten Berichts deutlich: An speziell ausgewiesenen Punkten am Straßenrand kann jeder Bürger und jede Bürgerin mit einer Frage oder einem Anliegen an Polizeivertreter herantreten. Zur Veranschaulichung entscheidet sich die lokale Journalistin Nur (gespielt von Dinara Alieva), direkt gegenüber einer solchen Station zu filmen – einem Minivan, der vage an einen Polizeiwagen erinnert. In der Nähe, an einem kleinen Tisch, knackt ein für den Posten zuständiger Polizist gemächlich Sonnenblumenkerne. Doch einzig eine Aufnahme eines einsamen „Empfangspunkts“ reicht nicht aus – die Popularität der Sendung in der Öffentlichkeit muss demonstriert werden. Daher greift Alievas Figur zu einer eigentümlichen Lösung: Sie überredet einen Taxifahrer, sich als Bürger mit einer Frage auszugeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die komische Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als beide Teilnehmer der improvisierten „Empfangsstelle“ beginnen, vor der Kamera über ihre angebliche Erfahrung zu sprechen – oder vielmehr stockend aus einem vorab geschriebenen Skript des staatlichen Fernsehsenders vorzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-hauptstadt-wird-in-astana-rueckbenannt/">Kasachstans Hauptstadt wird in Astana rückbenannt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Film bereits vor vier Jahren veröffentlicht wurde, hat er nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Verwirrung über den Namen der Hauptstadt (Astana oder Nur-Sultan?) sorgt immer noch für Schmunzeln, während die ironische Darstellung der Arbeitsweise der staatlichen Medien weiterhin beim Publikum auf große Resonanz stößt.</p>



<div class="wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8f761849 wp-block-group-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-43224" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1.jpg 683w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/BerlinFilmFest1024-2-683x1024-1-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sinema Transtopia in Berlin, Veranstaltungsort des Kurzfilmfestivals „Central Asia: At The Crossroads“. Foto: @fogg_films</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-43225" style="width:582px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1.jpg 683w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/CentralAsiaAtTheCrossroads51024-683x1024-1-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto vom Workshop <em>Decolonial and Feminist Perspectives on Cinema</em> mit der kasachischen Regisseurin Malika Muhamejan. Foto: @fogg_films</figcaption></figure>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Blaues Tor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ergreifende Geschichte der kirgisischen Regisseurin Nargiza Dotijewa erschien im Themenblock „Yurt – bu? Homeland – is?“, der sich mit Reflexionen über den Begriff „Heimat“ befasst. Im Gegensatz zu den anderen Filmen dieser Sektion, die sich dem Thema Heimat durch das Prisma der Erinnerung, der kulturellen Zugehörigkeit oder sogar der Ablehnung des Konzepts von Heimat als beständigem und festem Ort näherten, präsentiert Kök Darbaza (Көк Дарбаза, &#8222;Blaues Tor&#8220;) ein anderes, greifbareres Bild – das eines hinter blauen Toren verborgenen Hauses. Doch beschränkt sich die Regisseurin auf diese einzige Interpretation?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Protagonist – ein einsamer, zurückhaltender junger Mann – fühlt sich auf unerklärliche und unwiderstehliche Weise zu eben diesen blauen Toren hingezogen. Oder vielmehr zu dem, was dahinter liegt: ein altes, bescheidenes Haus, ein halb verwilderter Garten und daneben, auf einer verwitterten Bank, eine blinde alte Frau, die die Sonnenstrahlen genießt. Unfähig, ein schüchterner Beobachter zu bleiben, schleicht sich der junge Mann wiederholt in den Garten – hier zieht er Unkraut, dort repariert er die Bank, den Lieblingsplatz der alten Frau. Obwohl sie blind ist, spürt sie dennoch seine Anwesenheit und noch etwas mehr: seine Einsamkeit. Es scheint, als sei sie die Einzige in seiner Umgebung, die ihn wirklich gesehen hat – nicht sein Gesicht, sondern seine Seele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein tragischer Unfall auf der Straße trennt die beiden, allerdings nur physisch. Die spirituelle Verbindung zwischen ihnen bleibt bestehen, wie ein Faden, der die Äste der Bäume umschlingt, die sich vom Haus zum See erstrecken – die letzte, geheime Geste der Fürsorge des jungen Mannes, die er der alten Frau als Geschenk hinterlässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So überschreitet Kök Darbaza bei der Beantwortung der Frage „Was ist Heimat?“ die Grenzen des physischen Raums. Es ist eine Geschichte von spiritueller Nähe, die trotz fehlender Blutsbande, trotz der Umstände und trotz der Stille entsteht. Eine Geschichte von Liebe, Verbundenheit und Akzeptanz, die den Begriff „Heimat“ in eine Metapher für menschliche Verbundenheit und innere Wärme verwandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aktuelle Informationen zu zukünftigen Vorführungen oder Ausgaben des Festivals finden Sie auf der <a href="https://www.instagram.com/ca_shortfilmfest/">Instagram-Seite von Central Asia: At The Crossroads</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Alle in diesem Artikel verwendeten Fotos werden mit Genehmigung des Fotografen <a href="https://www.instagram.com/fogg_films/">@fogg_films</a> veröffentlicht.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Darya Loza für Novastan</strong></p>
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		<title>Zentralasien durch die Linse von&#8230; Kamila Rustambekova</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jul 2025 18:05:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Amsterdam]]></category>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Reihe &#x201E;Zentralasien durch die Linse von&#x2026;&#x201C; stellt Novastan Fotografinnen und Fotografen aus Zentralasien vor und befragt sie zu ihrem Schaffen. Kamila Rustambekova ist Fotografin und Filmemacherin und lebt in Taschkent und Amsterdam. In ihrer Arbeit besch&#xE4;ftigt sich Kamila mit den Bildern und unbekannten Geschichten der modernen usbekischen Gesellschaft. Seit mehreren Jahren erforscht sie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In der Reihe „Zentralasien durch die Linse von…“ stellt Novastan Fotografinnen und Fotografen aus Zentralasien vor und befragt sie zu ihrem Schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kamila Rustambekova ist Fotografin und Filmemacherin und lebt in Taschkent und Amsterdam. In ihrer Arbeit beschäftigt sich Kamila mit den Bildern und unbekannten Geschichten der modernen usbekischen Gesellschaft. Seit mehreren Jahren erforscht sie ihre eigene Familiengeschichte und die Gemeinschaften Usbekistans.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hallo Kamila, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, um mit uns zu sprechen. Bitte erzählen Sie doch kurz etwas über sich.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin mit meiner Familie in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yangiyo%CA%BBl">Yangiyo&#8217;l</a> aufgewachsen, einer kleinen Industriestadt in der Nähe von Taschkent. Ich habe Naturwissenschaften am Gymnasium studiert und später einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften in Taschkent erworben. Derzeit lebe ich zwischen Amsterdam und Taschkent. Ich absolviere ein zweijähriges Masterstudium in Filmproduktion in Amsterdam. Meine wichtigsten künstlerischen Ausdrucksmittel sind, allgemein gesprochen, Fotografie und Film.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="803" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Rustambekova-4-5-803x1024.jpg" alt="" class="wp-image-42556" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Rustambekova-4-5-803x1024.jpg 803w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Rustambekova-4-5-235x300.jpg 235w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Rustambekova-4-5-768x979.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Rustambekova-4-5.jpg 1177w" sizes="auto, (max-width: 803px) 100vw, 803px" /><figcaption class="wp-element-caption">Menschen bearbeiten einen Berg an Baumwolle. Foto von der Serie &#8222;The Home, The Field and The Flux&#8220;</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wenn es um creatives geht, denke ich immer daran, wann Sie sich entschieden haben, dies „hauptberuflich“ zu verfolgen, anstatt es als Hobby zu betrachten. Wie ist Ihre Beziehung zur Kreativität und gab es einen Moment, in dem Sie wussten, dass Sie dies beruflich verfolgen wollten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fällt mir wirklich schwer, zwei Jahrzehnte Erfahrung in wenigen Worten zusammenzufassen. Ich habe Fotografie nie als Schwerpunkt meines Lebens oder als Karriereweg betrachtet. Kulturell, sozial und zu Hause bin ich mit der Vorstellung aufgewachsen, dass ich einen „normalen Job” anstreben muss, etwas Stabiles, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Während meines Wirtschaftsstudiums absolvierte ich Praktika und arbeitete, aber nach einiger Zeit war ich enttäuscht und unsicher, ob ich mein Leben diesem Beruf widmen wollte. In Taschkent traf ich viele kreative Menschen, und das hat etwas in mir verändert. Mir wurde klar, dass ich vielleicht das, wozu ich mich von Natur aus hingezogen fühle und was ich am besten kann, ernst nehmen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vom-objekt-zum-subjekt-modelle-vor-kamila-rustambekovas-kamera/">Vom Objekt zum Subjekt – Modelle vor Kamila Rustambekovas Kamera</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ich habe Ihre Fotos zuerst auf Novastan und dann erneut auf Nowness Asia gesehen. Wie fühlt es sich an, international bekannter zu werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fühle mich nicht wirklich international bekannt, so würde ich es nicht ausdrücken. Aber ich denke, dass die Vertretung Usbekistans, auch wenn sie nur indirekt ist, mit einem Gefühl der Verantwortung einhergeht, insbesondere weil Stimmen aus der Region immer noch so unterrepräsentiert sind. Die Ethik der Repräsentation ist etwas, worüber ich viel nachdenke, sie ist komplex und herausfordernd. Ich behaupte nicht, für Usbekistan als Ganzes zu sprechen, was ich präsentiere, ist ein ganz bestimmter Blickwinkel einer bestimmten Person, eines bestimmten Ortes und einer bestimmten Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich bin ich immer dankbar und glücklich, wenn meine Arbeiten veröffentlicht oder ausgestellt werden, das bedeutet mir sehr viel. Beachtet zu werden, einen Unterschied zu machen.</p>



<div class="wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained"></div>



<div class="wp-block-group is-layout-grid wp-container-core-group-is-layout-9d260ee2 wp-block-group-is-layout-grid">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="624" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/1Rustambekova-9-1-768x624-2.jpg" alt="" class="wp-image-42559" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/1Rustambekova-9-1-768x624-2.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/1Rustambekova-9-1-768x624-2-300x244.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="624" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/2Rustambekova-5-3-768x624-2.jpg" alt="" class="wp-image-42560" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/2Rustambekova-5-3-768x624-2.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/2Rustambekova-5-3-768x624-2-300x244.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="614" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/3Rustambekova-8-3-768x614-1.jpg" alt="" class="wp-image-42561" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/3Rustambekova-8-3-768x614-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/3Rustambekova-8-3-768x614-1-300x240.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="623" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/4Rustambekova-6-4-768x623-1.jpg" alt="" class="wp-image-42562" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/4Rustambekova-6-4-768x623-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/4Rustambekova-6-4-768x623-1-300x243.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="627" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/5Rustambekova-7-5-768x627-1.jpg" alt="" class="wp-image-42563" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/5Rustambekova-7-5-768x627-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/5Rustambekova-7-5-768x627-1-300x245.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><sup>Fotos von Kamilas Projekt &#8222;The Home, The Field and The Flux&#8220;</sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sprechen wir über „The Home, The Field and The Flux”. Sie haben diese Sammlung kürzlich mit einer anderen Serie namens „Another Paris” kombiniert. Warum haben Sie die beiden kombiniert und was bedeutet „The Home, The Field and The Flux” für Sie?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Idee hatte ich schon seit einiger Zeit – das Projekt über unabhängige Landwirtschaft mit dem über die Baumwollernte zu kombinieren. Beide wurden im gleichen visuellen Stil fotografiert, mit der gleichen Distanz, Herangehensweise und Ästhetik, sodass es sich natürlich anfühlte, sie zusammenzuführen. Beide handeln von modernen landwirtschaftlichen Praktiken und Binnenmigration in Usbekistan. Baumwollpflückende reisen während der Erntezeit oft aus bestimmten Gebieten in die Region Taschkent, während Bauern für etwa acht Monate nach <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Forish">Forish</a> [ein Bergdorf in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jizzax">Jizzax</a>] ziehen, um dort Melonen, Wassermelonen, Tomaten und manchmal auch Erdnüsse, Erbsen oder Sonnenblumenkerne anzubauen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit ist ein Versuch, die Arbeitspraktiken in Usbekistan zu dokumentieren und zu untersuchen, wie sich um diese Bewegung herum temporäre Gemeinschaften bilden. Es geht auch um postkoloniale Agrarstrukturen und darum, wie sich die Vorstellung von Heimat verändert, wenn Menschen einen Großteil des Jahres zwischen verschiedenen Orten leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„The Home, The Field and The Flux” dokumentiert die Anpassung an Land und Traditionen, während „New Uzbekistan” meiner Meinung nach die Entwicklung der Kultur und ihre Schnittstelle mit Traditionen darstellt. Was halten Sie von dieser Interpretation von „New Uzbekistan“?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich geht es in diesem Projekt eher um Popkultur, Globalisierung und die breitere visuelle und symbolische Landschaft des heutigen Usbekistan. Ich frage mich: Was sind die wiederkehrenden Themen, Muster und kleinen Details, die diese Region ausmachen? Welche Bilder würde ich einem nicht-menschlichen Wesen aus einer anderen Realität zeigen, das noch nie von Usbekistan gehört hat? Ich denke, es wäre interessant, meine Sammlung zu zeigen, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev/">Zentralasien durch die Linse von&#8230; Behzod Boltayev</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein ironischer und spielerischer Versuch, Usbekistan darzustellen und gleichzeitig die offizielle politische Erzählung des „neuen Usbekistan” zu hinterfragen. Ich sehe Usbekistan als ein riesiges Feld unbekannter Geschichten, da diese nicht immer leicht zu finden sind. Ich stelle alles nach und sammle alles, was mir lebendig, lustig und bedeutungsvoll erscheint. Diese Dinge werden für mich zu kulturellen Symbolen.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="624" height="499" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/aRustambekova-12.jpg" alt="" class="wp-image-42565" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/aRustambekova-12.jpg 624w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/aRustambekova-12-300x240.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px" /></figure>
</div>
</div>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="625" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/bRustambekova-13-768x625-1.jpg" alt="" class="wp-image-42566" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/bRustambekova-13-768x625-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/bRustambekova-13-768x625-1-300x244.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szenen aus der Serie &#8222;New Uzbekistan&#8220;. Bild rechts:: Kamila’s Komposition von Diamantbildern.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="667" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/cRustambekova-14-768x667-1.jpg" alt="" class="wp-image-42567" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/cRustambekova-14-768x667-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/cRustambekova-14-768x667-1-300x261.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie sagen, dass „die Motive von Diamantbildern [Bilder aus zahlreichen kleinen farbigen Strasssteinen, die zu Hause als Hobby zusammengesetzt werden können] das Land widerspiegeln“. Ich würde gerne wissen, warum diese Mosaike der Popkultur Usbekistan repräsentieren?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Motive in Diamantbildern stammen aus der globalen Popkultur, und diese Bilder selbst werden in China hergestellt. Was man jedoch tatsächlich in den Geschäften in Usbekistan findet, spiegelt wider, was die Menschen hier kaufen und was sie anspricht, als Spiegelbild des lokalen Geschmacks und der lokalen Werte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe die beliebtesten Motive gesammelt – religiöse Ikonografie, niedliche Tiere, Fantasien über Paris, Porträts von Lionel Messi. Sie sagen viel über einen Ort aus, nicht weil sie dort entstanden sind, sondern weil sie hier ausgewählt, vertrieben und zusammengesetzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Sabrina“ ist eine wunderschöne Kollektion, die die sichere Bindung der Familie hervorhebt. Wie ist Ihre Beziehung zu dieser Familie und was war Ihre Motivation für diese Kollektion?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe diese Familie während einer spontanen Reise mit meinen Freunden durch Usbekistan kennengelernt. Wir haben einfach nur Spaß gehabt und wussten nicht wirklich, wo wir als Nächstes landen würden. Ich wollte schon immer Forish besuchen, den Geburtsort meines Großvaters. Wir schafften es dorthin, und während der Taxifahrt schlug uns der Fahrer vor, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sentob">Sentob</a> zu besuchen, ein wunderschönes Bergdorf, das zu einer Art Touristenziel geworden war. Dort traf ich Sabrina und ihren Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie luden uns zu sich nach Hause ein, stellten uns den Rest der Familie vor und wir kochten gemeinsam Mittagessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach besuchten wir sie noch ein paar Mal und übernachteten dort. Allmählich vertiefte sich meine Verbindung zu Sabrina, ihrer Mutter Gulnoza, ihrem jüngeren Bruder Anis und ihrem Vater Mashrab. Schließlich zogen sie nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Angren_(Usbekistan)">Angren</a>, einer Industriestadt in der Nähe von Taschkent. Ich besuchte sie, sie besuchten mich. Sie lernten meine Familie kennen. Ich versuchte, bei wichtigen Ereignissen dabei zu sein: Geburtstage, Neujahr, die Geburt von Sabrinas kleiner Schwester.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt macht Sabrina ihren Bachelor-Abschluss in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tjumen">Tjumen</a> in Russland, und ich bin super stolz auf sie. Sie ist für mich wie eine kleine Schwester, und ihre Mutter nennt mich ihre Tochter. Durch meine Arbeit hatte ich das Glück, viele neue Zuhausen und Familien zu finden, und dies ist eine davon. Mein letzter Besuch bei ihnen war besonders emotional, ich habe viel geweint, ich fühlte mich so sicher und geliebt.</p>



<div class="wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8f761849 wp-block-group-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="511" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/01Kamila-Rustambekova-9-768x511-1.png" alt="" class="wp-image-42568" style="width:504px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/01Kamila-Rustambekova-9-768x511-1.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/01Kamila-Rustambekova-9-768x511-1-300x200.png 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="511" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/02Kamila-Rustambekova-10-768x511-1.png" alt="" class="wp-image-42569" style="width:498px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/02Kamila-Rustambekova-10-768x511-1.png 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/02Kamila-Rustambekova-10-768x511-1-300x200.png 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><sup>Zwei Fotos vom Projekt &#8222;Sabrina&#8220;</sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und noch zum Schluss: Haben Sie noch weitere Projekte in Planung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite derzeit an meiner Abschlussarbeit für meinen Master. Es handelt sich um eine Forschungsarbeit, die sich mit dem Leben von Mädchen im Exil befasst. Ich versuche, die Erfahrungen von Mädchen, die Suche nach einem Zuhause und den Versuch, ein neues Zuhause aufzubauen, zu thematisieren. Ein Teil des Projekts hat die Form eines „Zine“ [ein kleines Fachmagazin], das aus gefundenem Filmmaterial zusammengestellt wurde. Ich verwende Bilder aus Mietanzeigen, um eine endlose Hausbesichtigung zu erstellen – einen kontinuierlichen, imaginären Lebensraum, der aus unzähligen Betten, Toiletten und Waschmaschinen besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem arbeite ich mit 3D-Animationen, um imaginäre Welten zu erschaffen. Im Vergleich zu meiner fotografischen Arbeit ist meine filmische Arbeit immer persönlicher und introspektiver gewesen. In diesem Projekt geht es um Einsamkeit, Isolation, Freudlosigkeit, Apathie, das Teenageralter, die Erforschung von Sexualität und die Mutter-Tochter-Beziehung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="674" height="510" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Kamila-Rustambekova-NEW.png" alt="" class="wp-image-42570" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Kamila-Rustambekova-NEW.png 674w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/07/Kamila-Rustambekova-NEW-300x227.png 300w" sizes="auto, (max-width: 674px) 100vw, 674px" /><figcaption class="wp-element-caption">Einblick in Kamilas aktuelle Arbeit</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vielen Dank, Kamila Rustambekova. Wo können wir uns über Ihre Arbeit auf dem Laufenden halten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktuelle Informationen finden sich auf meinem Instagram-Account @kamilarustambekova und meiner Website <a href="https://kamilarustambekova.com/">kamilarustambekova.com</a> <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Dieses Gespräch wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit bearbeitet und gekürzt.</em></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lex Durham-Arnold für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/uzbekistan/central-asia-through-the-lens-of-kamila-rustambekova/">Englischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-durch-die-linse-von-kamila-rustambekova/">Zentralasien durch die Linse von&#8230; Kamila Rustambekova</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Patriarchale Gewalt filmisch erzählen: Ein Interview mit Husnora Rozmatova</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/patriarchale-gewalt-filmisch-erzaehlen-ein-interview-mit-husnora-rozmatova/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/patriarchale-gewalt-filmisch-erzaehlen-ein-interview-mit-husnora-rozmatova/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Makhkam Khamidov]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 May 2025 16:17:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Husnora Rozmatova]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseurin]]></category>
		<category><![CDATA[Sustxotin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit ihrem Film &#x201E;The Song Sustxotin&#x201C; feierte Husnora Rozmatova beim diesj&#xE4;hrigen goEast-Filmfestival nicht nur Europapremiere, sondern wurde auch doppelt ausgezeichnet. &#xDC;ber ihren Film, patriarchale Strukturen und die Schwierigkeit, sich als Regisseurin in Usbekistan zu behaupten, sprach Husnora mit Novastan. Novastan: Husnora, zun&#xE4;chst herzlichen Gl&#xFC;ckwunsch zu der Europapr&#xE4;miere in Wiesbaden. Der Film hat zwei Preise gewonnen, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit ihrem Film „The Song Sustxotin“ feierte Husnora Rozmatova beim diesjährigen goEast-Filmfestival nicht nur Europapremiere, sondern wurde auch doppelt ausgezeichnet. Über ihren Film, patriarchale Strukturen und die Schwierigkeit, sich als Regisseurin in Usbekistan zu behaupten, sprach Husnora mit Novastan.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Husnora, zunächst herzlichen Glückwunsch zu der Europaprämiere in Wiesbaden. Der Film hat zwei Preise gewonnen, es wird zum Auftakt des goEast- Festivals 2026 bei 3Sat gezeigt, und dazu möchte ich herzlich gratulieren. Das ist Ihre erste Teilnahme an einem europäischen Filmfestival. Wie haben Sie das goEast Filmfestival in Wiesbaden erlebt – insbesondere im Vergleich zu anderen Premieren Ihres Films? Gab es Überraschungen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Husnora Rozmatova: Meine erste Premiere fand auf einem großen Filmfestival in Goa, Indien, statt. Über die europäische Premiere in Wiesbaden im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">goEast-Filmfestivals</a> habe ich mich besonders gefreut – zumal ich dieses Jahr die einzige Filmregisseurin aus Zentralasien war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Festival gezeigten Filme waren sehr beeindruckend, was die Ehre, zwei Auszeichnungen erhalten zu haben, für mich umso größer macht. Schon allein im Hinblick auf das Budget sind unsere Filme kaum vergleichbar – wir hatten nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Film thematisiert mehrere gesellschaftliche Probleme in Usbekistan: Gewalt gegen Frauen, konservativ-patriarchale Strukturen, Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der journalistischen Arbeit sowie Armut. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Film?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese gesellschaftlichen Probleme hängen eng miteinander zusammen und bedingen sich gegenseitig. Armut, harte Lebensrealitäten und das erzwungene Leugnen von Tatsachen – all das ist tief miteinander verwoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor einigen Jahren gab es besonders erschütternde Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen in verschiedenen Regionen Usbekistans. Die Fälle aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andijon">Andijon</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Xorazm">Choresm</a> vor drei Jahren haben mich besonders tief getroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Andijon wurde eine schwangere Frau von fünf Männern vergewaltigt. Später veröffentlichte sie ein Video, in dem sie die Vorwürfe widerrief – doch es war offensichtlich, dass sie dazu gezwungen wurde. Man konnte es in ihrem Gesicht ablesen. In einem anderen Fall – in einem Waisenhaus in Choresm – wurden 15- bis 17-jährige Mädchen unter Beteiligung der Heimleiterin monatelang systematisch von Staatsbeamten vergewaltigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen solcher Fälle bleiben Männer straffrei, während die Frauen mit den psychischen und sozialen Folgen leben müssen. Oft endet das in Selbstmord – vor allem in ländlichen Regionen. Hinzu kommt die Reaktion des Umfelds: Statt Empathie erfahren die Opfer Schuldzuweisungen, und die Täter werden geschützt – mit dem Argument, man wolle <em>„den Ruf des Dorfes nicht beschmutzen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Film steht ein Mann im Zentrum – ein ehemaliger Abgeordneter, der Gerechtigkeit sucht. Warum haben Sie sich für diese männliche Perspektive entschieden, obwohl das Opfer – ein Mädchen – nur am Rande vorkommt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frage höre ich häufig. In Usbekistan wird die Gesellschaft stark von Männern dominiert. Mir war es wichtig, zu zeigen, dass auch Männer eine (moralische) Verantwortung tragen sollen. Der Protagonist ist ein ehemaliger Abgeordneter, der zurückgetreten ist, weil er im bestehenden System nichts bewirken konnte. Er ist geplagt von seinem Gewissen und fühlt sich mitverantwortlich für das Leid des Mädchens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Film zeige ich drei Gruppen von Frauen: das Mädchen – Symbol für die junge Generation, die Tagelöhnerinnen – Vertreterinnen der Frauen, die gezwungenermaßen im Ausland arbeiten müssen, und die Großmutter – als Stimme der älteren Generation. Sie alle stehen sinnbildlich für das Leid der Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum zeigen Sie den Täter im Film nicht? Man erfährt nicht, wer es ist.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war eine bewusste Entscheidung. Hätte ich einen konkreten Täter gezeigt, wäre es zu einfach gewesen, die Schuld auf eine einzelne Person abzuwälzen. Doch das Mädchen wurde nicht nur von einem Mann vergewaltigt – sie ist ein Opfer des gesamten Systems, einer ganzen Gesellschaftsordnung. In gewisser Weise tragen alle Männer eine Mitschuld – selbst der Protagonist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am Ende des Films beginnt es zu regnen – begleitet von einem Trauermoment. Der Eindruck entsteht, dass eine Frau sterben musste, damit es endlich regnet. Wer stirbt – die Großmutter oder das Mädchen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Szene ist bewusst offengehalten. Es könnte sowohl die Großmutter als auch das Mädchen sein. Wichtig ist: Eine Frau stirbt – sie wird symbolisch dem System „geopfert“. Das ist die zentrale Aussage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Inwiefern kann Kunst – insbesondere Film – dazu beitragen, patriarchale Strukturen sichtbar zu machen und zu verändern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zeiten großer gesellschaftlicher Krisen oder Katastrophen, wie etwa während des Zweiten Weltkriegs, entstanden viele bedeutende Werke in Film, Malerei und Literatur. In Momenten des Schmerzes und der Hoffnungslosigkeit werden Kunst und Glaube oft zur einzigen Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Film gezeigten Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Aber Kunst und Glaube können Impulse für langfristige Veränderungen setzen. Ich sehe es als Aufgabe von Kunstschaffenden, Haltung zu zeigen. Das habe ich von meinen Mentor:innen gelernt: Regisseur:innen müssen sich gesellschaftlich positionieren und gegen Unrecht einstehen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich „The Song Sustxotin“ gedreht habe, habe ich eher persönliche, fantasievolle Filme gemacht, zum Beispiel „Rehearsal“. Erst nach den Dreharbeiten wurde mir klar, wie weit ich von der Realität meiner Mitmenschen entfernt war. Ich hatte den bisherigen Filmen kein Mitgefühl für Menschen in prekären Lebenssituationen gezeigt – das hat mich belastet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb habe ich mich entschieden, mich mit den realen Lebensbedingungen, insbesondere von Frauen, auseinanderzusetzen – und daraus entstand das Drehbuch zu „The Song Sustxotin“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie gehen Sie mit den Risiken um, die entstehen, wenn man sich öffentlich gegen patriarchale Strukturen äußert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mitglied der Filmkommission sagte mir einmal, es sei unnötig gewesen, die „<em>negativen Seiten“</em> Usbekistans zu zeigen – das sei doch keine Normalität und komme <em>„höchstens alle zehn Jahre vor“</em>. Dabei liest man heute beinahe täglich von Vergewaltigungsfällen in den Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste, dass es sinnlos wäre, mit ihm zu diskutieren. Ich verabschiedete mich mit einem Lächeln. Aber ich werde weiterhin solche Themen durch meine Filme aufgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie ist es um die Repräsentation von Frauen in der usbekischen Filmbranche bestellt? Und welche Erfahrungen haben Sie als junge Regisseurin gemacht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan liegt weit hinter anderen Ländern Zentralasiens zurück, wenn es um die Sichtbarkeit von Frauen in der Filmbranche, besonders als Regisseurinnen, geht. In Kasachstan und Kirgistan gibt es einige bekannte Regisseurinnen – in Usbekistan dagegen kaum. Eine der wenigen ist <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kamara_Kamalova">Qamara Kamolova</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-proteste-haben-ein-weibliches-gesicht-wie-frauen-in-usbekistan-fuer-ihre-rechte-einstehen/">Die Proteste haben ein weibliches Gesicht: Wie Frauen in Usbekistan für ihre Rechte einstehen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einige Frauen, die Kurzfilme oder TV-Serien drehen, aber auch sie sind rar. Für Frauen ist es sehr schwer, sich als Regisseurinnen zu behaupten. Als ich meine ersten Filme drehte, wurde ich im Team kaum ernst genommen. Ich musste mich doppelt beweisen – als junge Frau in einem männlich dominierten Umfeld. Wenn ein Mann einen erfolgreichen Film macht, sagt man: <em>„Er hat Talent.“</em> Wenn eine Frau Erfolg hat, heißt es beim ersten Film: <em>„Glück.“</em> Beim zweiten: „<em>Sie wurde unterstützt.“</em> Erst beim dritten Film wird ihr Können anerkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Film wird 2026 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Was bedeutet das für Sie? Und glauben Sie, dass Ihr Film auch bald im usbekischen Fernsehen zu sehen sein wird?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, dass mein Film bald auch in Usbekistan gezeigt wird. Internationale Festivalteilnahmen sind schön, aber sie erfüllen mich nicht. Es macht mich nicht glücklich, das Leid meines Volkes auf die Leinwand zu bringen und damit internationale Anerkennung zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich mir wirklich wünsche, ist, dass mein eigenes Volk diesen Film sieht – als Spiegel der Gesellschaft. Ich musste ein ganzes Jahr warten, bis die usbekische Filmagentur (MTRK) den Film überhaupt zur internationalen Vorführung freigegeben hat. Ich hoffe trotzdem, dass der Film in den kommenden Jahren in usbekischen Kinos oder im Fernsehen gezeigt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Arbeiten Sie bereits an neuen Projekten mit ähnlichen Themen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Momentan konzentriere ich mich auf TV-Serien, um finanziell über die Runden zu kommen. Für größere Projekte fehlt es derzeit an Mitteln. Aber ich habe Drehbücher für zwei Kurzfilme geschrieben, die keine staatliche Förderung benötigen. Einer davon widmet sich erneut der Lebensrealität usbekischer Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für größere Filmprojekte habe ich ebenfalls Ideen – etwa für einen Film im mystisch-poetischen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus">sufischen</a> Genre. Leider gibt es solche Filme bislang nicht in Usbekistan. Ich würde gerne usbekische Metaphern und mystische Elemente aufgreifen – doch dafür braucht es enorme Förderung. Vielleicht gelingt es mir, internationale Förderung zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Filmkultur ist stark von der sowjetischen und russischen Schule geprägt. Eine eigenständige, usbekische Filmschule hat sich noch nicht wirklich entwickelt – obwohl unsere Literatur und Poesie sehr weit fortgeschritten ist. Auch in meinen Filmen ist der Einfluss der russischen Filmschule spürbar. Aber vielleicht ist das nur eine Phase – ich hoffe, es kommt eine neue Ära der usbekischen Filmkunst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Husnora, vielen Dank für das Gespräch!</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Makhkam Khamidov</strong> <strong>für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 May 2025 21:16:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sustxotin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;(The Song) Sustxotin&#x201C; ist der usbekischen Regisseurin Husnora Rozmatova ein vielschichtiger Film gelungen, der mit einf&#xFC;hlsamem Blick Problemlagen der usbekischen Gesellschaft beleuchtet. Der Film feierte am 25. April im Rahmen des 25. goEast-Festivals Europa-Premiere. Es ist ein bemerkenswertes Deb&#xFC;t einer neuen Stimme aus Usbekistan: Am 25. April feierte Husnora Rozmatovas Drama &#x201E;Sustxotin&#x201C; (im internationalen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „(The Song) Sustxotin“ ist der usbekischen Regisseurin Husnora Rozmatova ein vielschichtiger Film gelungen, der mit einfühlsamem Blick Problemlagen der usbekischen Gesellschaft beleuchtet. Der Film feierte am 25. April im Rahmen des 25. goEast-Festivals Europa-Premiere.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein bemerkenswertes Debüt einer neuen Stimme aus Usbekistan: Am 25. April feierte Husnora Rozmatovas Drama „Sustxotin“ (im internationalen Vertrieb als „The Song Sustxotin“) im Rahmen der <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">25. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films</a> Europa-Premiere. Der Film führt uns in ein abgelegenes Dorf in der im Süden Usbekistans gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Surxondaryo">Provinz Surxondaryo</a>, wo eine erbarmungslose Dürre herrscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dies ist nicht das einzige Problem in einem verwobenen Netz aus Lügen und Korruption, auf das die Regisseurin ein Schlaglicht richtet. Dies tut sie in derart überzeugender Weise, dass „Sustxotin“ während des goEast-Festivals gleich zweimal ausgezeichnet wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Roadtrip zu sich selbst</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Titel „Sustxotin“ bezieht sich Rozmatova auf das gleichnamige, alte usbekische Lied. Darin opfert ein Dorf eine junge Frau, um Regen herbeizubitten. Und so zieht auch zu Beginn des Films eine Gruppe von Dorfbewohner:innen das Lied singend durch das dürregeplagte Land, um gemäß der Tradition die Puppe eben jener jungen Frau zu „opfern“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In diese Welt bricht Ahbor herein, der am Vortag von seinem Abgeordnetenmandat im fernen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> zurückgetreten ist, und nun hierherkommt, um einem Hilferuf seines alten Freundes Usmon zu folgen. Usmon ist eigentlich ein bekannter Journalist, doch hier, in seinem Heimattal, scheint niemand ihn zu kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer tiefer schraubt sich Ahbor auf der Suche nach Usmon voran und macht dabei seltsame Begegnungen mit einem Mann, der einen Hahn opfern möchte, einem scheinbar verrückt gewordenen Afghanistan-Veteranen, der einen Blockposten vor dem von hieran beginnenden „Kriegsgebiet“ errichtet hat, und mit einem Mann und seiner Mutter, für die er eine Sauerstoffflasche trägt. Wie in einem Roadtrip sehen wir durch die Frontscheibe und Rückspiegel von Ahbors Wagen, wie er sich in diese ihm völlig unbekannte Welt vorwagt: seinen Wahlkreis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Opfer und Selbstopferung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über Umwege kann Ahbor seinen Freund in einer Zelle der örtlichen Polizeistation ausfindig machen und – da sein Rücktritt als Abgeordneter sich noch nicht bis hierhin herumgesprochen hat – seine Freilassung erwirken. Usmon, als Journalist ausgebootet und nun als Lehrer an der Dorfschule tätig, hatte einen Artikel über die Vergewaltigung der 16-jährigen Hojar geschrieben. Doch der Täter ist einflussreich. Er drängt das Mädchen, die Aussage zu widerrufen, und Usmon wird wegen Verleumdung festgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ahbor versucht, die Ehre seines Freundes und des Mädchens wieder herzustellen, stößt dabei aber immer wieder an die Grenzen eines Systems, das er über Jahre selbst mitgestaltet hat. Als die Nachricht von seinem Rücktritt das Dorf erreicht und Ahbor somit wieder zu einem Niemand wird, wird Usmon erneut verhaftet. Ahbor droht endgültig zu scheitern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/"><strong>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist die Großmutter des Vergewaltigungsopfers, die die Wende bringt. Ahbor hatte sie bereits bei seiner Anreise kennengelernt, als er sie und ihren Sohn, Hojars Vater, ein Stück in seinem Wagen mitgenommen hatte. Die Sauerstoffflasche, die sie zum Überleben braucht, war Teil des Schweigegeldes, das die Familie erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die alte Frau plagen Gewissensbisse gegenüber der Enkelin und Usmon. Ahbor kann sie überzeugen, im Prozess gegen Usmon die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wohl wissend, dass sie der damit einhergehende Verlust des Sauerstoffs ihr das Leben kosten wird, opfert sie sich selbst. Ein symbolträchtiges Opfer – während sie zu Grabe getragen wird, setzt der lang erwartete Regen ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vielschichtige Kritik</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Sustxotin“ gelingt es Husnora Rozmatova, einen einfühlsamen Blick auf die usbekische Landbevölkerung zu werfen und dabei verschiedene Probleme in einer vielschichtigen Kritik zu verweben. Vor dem Hintergrund von menschenverursachter Dürre und damit einhergehender Armut, stellt sie insbesondere den schwer zu durchbrechenden Kreislauf von Gewalt gegen Frauen in den Fokus. Hojar wird dabei doppelt zum Opfer – erst durch die Vergewaltigung und erneut, als sie vom eigenen Vater weggesperrt und ihre Ehre verkauft wird, um die „Ehre des Dorfes“ zu retten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswerterweise gelingt es Rozmatova dabei, diese feministische Geschichte aus der Perspektive des Mannes Ahbor zu erzählen. Eine Notwendigkeit, um die Realitäten der usbekischen Gesellschaft widerzuspiegeln, wie die Regisseurin im Anschluss an die Filmvorführung erklärte. Diese Perspektive wird durch die Mitfahrten in Ahbors Wagen und längere Gesprächsszenen, in denen die Kamera seinen Gesprächspartnern direkt in Gesicht blickt, direkt eingenommen und schafft so eindringliche Bilder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/"><strong>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Figur Ahbor zeigt sich auch eine Kritik an der politischen Kaste des Landes. Der Abgeordnete, <em>„den wir alle gemeinsam gewählt haben“</em>, wird bestenfalls von Funktionären erkannt. Die Sorgen und Nöte der Menschen in seinem Wahlkreis sind ihm unbekannt und mit seinem sturen Glauben an das Gesetz verkennt er die Realität des Systems, das er selbst mit gestützt hat. Sein überstürzter Rücktritt, mit dem er Weggefährten wie Familie gleichermaßen überrascht hat, lässt zwar Zweifel an diesem System erkennen, doch durchschaut Abhor die eigentlichen Abgründe erst auf diesem Roadtrip zu sich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Freund, der Journalist Usmon Bozorov, hält ihm dabei besonders schonungslos den Spiegel vor und spielt damit auch im Kleinen die Rolle der vierten Gewalt. Wie Husnora Rozmatova nach der Filmvorführung in Wiesbaden erklärte, wollte sie mit der Figur des Usmon die usbekischen Journalist:innen unterstützen. Die Namensgleichheit mit dem bekannten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-regimekritischer-blogger-zu-drei-jahren-hausarrest-verurteilt/">Blogger Miraziz Bozorov</a>, der ähnlich wie der Journalist im Film eine Verleumdungsklage ausgesetzt war, sei aber Zufall, erklärte die Regisseurin auf Nachfrage von Novastan.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein ausgezeichnetes Debüt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit großartigen Landschaftsaufnahmen, einer Geschichte von Gewalt und Korruption sowie der Machtlosigkeit demgegenüber und nicht zuletzt mit einem Protagonisten, der sich dem System entgegenstellt, das er selbst mitgetragen hat, weist „Sustxotin“ einige Parallelen zu Ädilhan Erjanovs Meisterwerk <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/">A Dark, Dark Man</a> auf. Und ähnlich wie auch Erjanovs Filme, durfte „Sustxotin“ im eigenen Land nicht gezeigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Husnora Rozmatova gelingt es aber dabei, die Stellung der Frau in Usbekistan in den Fokus zu rücken und gleichzeitig mit anderen gesellschaftlichen Problemen zu verweben. Herausgekommen ist dabei ein angesichts der politischen Gegebenheiten Usbekistans unglaublich mutiger Film, der unbedingt Lust auf mehr macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/"><strong>„Goliath“ – eine Parabel der Macht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass dieser Mut sich auszahlt, zeigt sich daran, dass „Sustxotin“ im Rahmen des goEast-Festivals doppelt ausgezeichnet wurde. Auch wenn der Hauptpreis der „Goldenen Lilie“ in diesem Jahr an den georgischen Film „Holy Electricity“ ging, sprach die Jury Rozmatovas Film eine lobende Erwähnung aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In ihrem Film erscheint die Gewalt gegen Frauen als ein schwer zu durchbrechender Kreislauf. Er setzt sich mit tief verwurzelten Traditionen auseinander und zeigt, dass durch Filme gesellschaftliche Veränderungen möglich sind. Wir freuen uns, die Regisseurin von THE SONG SUSTXOTIN, Khusnora Rozmatova, auszuzeichnen“</em>, <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/25-goeast-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-23-bis-29-april-2025-goeast-2025-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-holy-ele/">begründete</a> die Jury.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-42193" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1024x681.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1536x1022.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-2048x1362.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Husnora Rozmatova (rechts) während der Presvergabe des 25. goEast-Filmfestivals in Wiesbaden</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wählte der goEast-Medienparter und Fernsehsender 3sat den Film für den Ankauf aus. <em>„Khusnora Rozmatova schildert die schwierigen Lebensverhältnisse in ihrem von Dürre bedrohten Land, wobei sie sich besonders der gesellschaftlichen Stellung der Frau widmet. In ihrem Verlauf weitet sich die ländliche Geschichte zu einer unbestechlichen Beobachtung von Machtverhältnissen, Korruption und unausweichlichen moralischen Konflikten, die in ihrer Universalität überraschen“</em>, <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/25-goeast-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-23-bis-29-april-2025-goeast-2025-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-holy-ele/">heißt es</a> in der Begründung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer also „Sustxotin“ dieses Jahr in Wiesbaden verpasst hat, wird spätestens im April 2026 die Gelegenheit haben, diesen sehenswerten Film vor dem heimischen Endgerät zu schauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Aus der blauen Steppe kommen wir – Ein Schulexperiment im kasachischen Hinterland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Feb 2025 10:58:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Dorf]]></category>
		<category><![CDATA[Dorfleben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regisseur Hanzat Kenes hat Anfang Februar den Dokumentarfilm &#x201E;EXPERIMENT: Ergebnisse&#x201C; ver&#xF6;ffentlicht. Bekannt f&#xFC;r seine starke Fokussierung auf die akuten sozialen Themen der Gesellschaft, hat er sich diesmal dem Thema der Landflucht und seinen Auswirkungen auf das Bildungssystem angenommen. Dabei begleitete er Lehrer, die im Rahmen eines bildungspolitischen Projekts ihre Zivilcourage und ihren Altruismus unter [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Regisseur Hanzat Kenes hat Anfang Februar den Dokumentarfilm „EXPERIMENT: Ergebnisse&#8220; veröffentlicht. Bekannt für seine starke Fokussierung auf die akuten sozialen Themen der Gesellschaft, hat er sich diesmal dem Thema der Landflucht und seinen Auswirkungen auf das Bildungssystem angenommen. Dabei begleitete er Lehrer, die im Rahmen eines bildungspolitischen Projekts ihre Zivilcourage und ihren Altruismus unter Beweis stellen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer mehr Menschen verlassen die Kleinstädte und Dörfer Kasachstans. Teile der einzigartigen Kultur sterben aus, viele Häuser stehen leer und die Natur macht sich langsam die Straßen zu eigen. Einer der Gründe für die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten ist der Wunsch nach einer besseren Bildung für die Kinder. Doch nicht alle akzeptieren diesen Zustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen eines bildungspolitischen Experiments verließen vier junge Lehrer und ihre Familien die komfortablen Großstädte und gingen in das Dorf Kulynjon. Ihr Ziel: eine Veränderung des Bildungssystems herbei- und ein fortschrittliches Unterrichtsmodell einzuführen. Der Regisseur Hanzat Kenes hat einen inspirierenden Film mit dem Titel „EXPERIMENT: Die Ergebnisse“ gedreht, der zeigt, welche Früchte das nun dreijährige Projekt bislang trägt. Der Film gibt Einblicke in das Bildungswesen Kasachstans und bietet Inspirationspotenzial.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hinein ins Dorfleben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während die einen vom Land in die Stadt ziehen, träumen die Städter von einem bescheideneren Leben auf dem Land. Die einen lockt die Natur, die anderen die aufrichtige und freundliche Art der Menschen. Der Film gibt einen Einblick in das Leben fernab der Großstädte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Regisseur Hanzat Kenes beschreibt seine Reise an dieses abgelegene Fleckchen seines Heimatlandes folgend:<em> „Ich bin ganz alleine losgezogen, habe Flugtickets gekauft und fand schließlich ein Taxi nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Öskemen</a> (im Nord-Osten des Landes; Anm. d. Ü.) Von meiner Ankunft wusste nur der Schulleiter, die Lehrer waren nicht eingeweiht. Ich habe alles selbst gefilmt. Dazu brauchte ich nichts weiter als eine Kamera, ein Objektiv und ein Ansteckmikrofon. Fünf Tage verbrachte ich dort und kam in einem Wohnheim unter, das das Team von Aralbek Beriquly zusammen mit anderen Lehrern gebaut hatte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wollen-denn-alle-schlauen-koepfe-kasachstan-verlassen/">Wollen denn alle schlauen Köpfe Kasachstan verlassen?</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Jahre lang führten die Protagonisten in Kulynjon Bildungsexperimente durch, variierten Methoden und unterstützten die einheimischen Kinder dabei, an die besten Universitäten in Kasachstan und im Ausland zu kommen. Wie ungewöhnlich und nicht weniger inspirierend diese Erfahrung ist, zeigt auch der Film selbst:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich hatte genügend Zeit, um über diesen Dokumentarfilm nachzudenken und das Projekt selbst objektiv unter die Lupe zu nehmen, um ihm den letzten Schliff zu geben.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Alles stehen und liegen lassen, um auf dem Dorf zu unterrichten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jungen Lehrer erwartete eine glänzende Zukunft in den kasachischen Großstädten. Der Mathematiker Aralbek Beriquly zum Beispiel hätte Direktor der renommierten <a href="https://de.wiki7.org/wiki/%D0%A0%D0%B5%D1%81%D0%BF%D1%83%D0%B1%D0%BB%D0%B8%D0%BA%D0%B0%D0%BD%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%84%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D0%BA%D0%BE-%D0%BC%D0%B0%D1%82%D0%B5%D0%BC%D0%B0%D1%82%D0%B8%D1%87%D0%B5%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%88%D0%BA%D0%BE%D0%BB%D0%B0">Republikanischen Schule für Physik und Mathematik</a> in Astana werden können. Doch ihm lag mehr an der Bildung in seinem Heimatland als an schnellem Erfolg und Prestige:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Mit dem Bildungswesen in den ländlichen Gebieten geht es steil bergab. Bis zum Point of no Return ist es nicht mehr weit&#8220;, </em>zeigt sich Aralbek besorgt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als sie in Kulynjon ankamen, verstanden die jungen Lehrer, dass das Dorf ihre Hilfe brauchte. Einige Neuntklässler kannten nicht einmal das Einmaleins und stammelten mit Ach und Krach einen Satz auf Englisch daher. Ein ganzer Berg an Arbeit tat sich vor ihnen auf. Ergebnisse? Die könnten auf sich warten lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AralbekBeriqulyerklärteseine Teilnahme an dem Experiment so<em>: </em>„<em>Wir sind bereit, das Fundament zu bilden, auf dem wir nun ein Haus bauen. Selbst wenn das Fundament niemals ein Dach kriegt.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Reaktion der Einheimischen auf die Revoluzzer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Veränderung stößt oft auf Misstrauen, auch bei Stadtbewohnern. Doch das ist nicht zu vergleichen mit der Situation im Hinterland: Im etwa 200 Kilometer von der nächsten Großstadt entfernt gelegenen Öskemen haben sich noch viele Bräuche aus dem letzten Jahrhundert gehalten. Die Protagonisten des Films sind daher bei ihrer Ankunft vor dem Misstrauen, Argwohn und den Vorurteilen der Einheimischen keinesfalls gefeit. Doch darunter mischt sich Hoffnung, überschattete bei vielen Eltern doch die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder alle sonstigen Ängste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Die sind doch nicht von hier, das sind Fremde&#8220;,</em> sagte eine Englischlehrerin aus dem Dorf Samarskoe, die ihre Tochter in eine der Experiment-Schulen schickte. Trotz der anfänglichen misstrauischen Haltung beschlossen viele Einheimische, das Risiko einzugehen und sich auf das Projekt einzulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-lexikon-der-kasachischen-dekolonialisierung/">Dekolonialisierung in Kasachstan</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereuten die mutigen und neugierigen Lehrer ihre Entscheidung oder waren sie, im Gegenteil, davon überzeugt, dass sie ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglicht hatten? Das erfahren Sie im Film. Mit Kasachisch- und/oder Russischkenntnissen ist der Film dank der professionellen Untertitel für Sprecher beider Sprachen komplett verständlich. Für Zuschauer ohne Sprachkenntnisse stellt die stellenweise einwandfreie, stellenweise allerdings auch kuriose automatische Übersetzung der Untertitel auf Youtube eine Option dar. Wer die Kuriositäten getrost wegzulächeln vermag, dem sei der halbstündige Film ans Herz gelegt, da er zwar <em>a priori</em> durch die Redebeiträge, vor allem aber auch durch die Bilder einen tiefen Einblick in das Dorfleben und den dortigen Schulunterricht gibt (Anm. d. Ü.).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie es weitergeht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich war das Experiment auf zweieinhalb Jahre ausgelegt. Einige von ihnen hatten Verwandte, die zu Hause auf sie warteten, andere kamen mit ihren Familien, die nun fernab der Zivilisation in Langeweile schmachten. Diesen Umständen zum Trotz beschlossen die Protagonisten, ihren Aufenthalt zu verlängern &#8211; zum Zeitpunkt des Films waren sie bereits seit drei Jahren in Kulynjon. Auch AralbekBeriquly plant, länger zu bleiben. Seine Pläne haben bereits Form angenommen- Details werden folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film „EXPERIMENT: Ergebnisse&#8220; zieht keinen Schlussstrich, vielmehr skizziert er eine weitere Facette der aktuellen sozialen Entwicklungen, regt zu Veränderungen an und zeigt Kasachstan unter einem Blickwinkel, den die meisten Stadtbewohner nur selten einnehmen. Auf dem <a href="https://www.youtube.com/@khanzat">YouTube-Kanal des Regisseurs</a> finden sich noch weitere Filme, die sich sozialen Themen widmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kulturredaktion von The Village</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem&nbsp;<a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/experiment/39287-kak-idet-eksperiment-uchiteley-v-selskoy-shkole#comments">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Es gibt immer ein Zeichen der Hoffnung in unserem Leben&#8220; – Dschamsched Usmonow im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick-Thanh Do Dinh]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Sep 2024 06:13:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dschamsched Usmonow]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Vorf&#xFC;hrung des tadschikischen Films &#x201E;Der Flug der Biene&#x201D; bot Novastan die Gelegenheit, den tadschikischen Regisseur Dschamsched Usmonow zu treffen. Wie ein Geschmack von Honig. Diesen Eindruck hinterlie&#xDF; der Film &#x201C;Der Flug der Biene&#x201C; &#xA0;am 28. Februar bei einer Retrospektive des tadschikischen Kinos in Paris. Der Regisseur Dschamsched Usmonow war bei der Vorf&#xFC;hrung dabei. Die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Vorführung des tadschikischen Films „</strong><strong><em>Der Flug der Biene</em></strong><strong>” bot Novastan die Gelegenheit, den tadschikischen Regisseur </strong><strong>Dschamsched Usmono</strong><strong>w zu treffen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ein Geschmack von Honig. Diesen Eindruck hinterließ der Film “<a href="https://alumni.inalco.fr/fr/event/-retrospective-western-poesie-musique-voyage-en-cinema-tadjik/2024/02/28/995"><em>Der Flug der Biene</em></a><em>“ </em>&nbsp;am 28. Februar bei einer <a href="https://novastan.org/fr/societe-et-culture/une-retrospective-du-cinema-tadjik-a-paris/">Retrospektive des tadschikischen Kinos</a> in Paris. Der Regisseur Dschamsched Usmonow war bei der Vorführung dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Retrospektive<em> „Western, Poesie, Musik! Eine Reise zum tadschikischen Film”</em> war eine Initiative des Instituts für orientalische Sprachen (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_national_des_langues_et_civilisations_orientales">Inalco</a>) in Paris. Sophie Hohmann, Dozentin für Soziologie am Institut, initiierte einen Kurs zum Kennenlernen des tadschikischen Kinos<em>,</em> und zeigte dabei die Filme „<em>Tod eines Wucherers“ </em>von <a href="https://tojikfilm.tj/en/actors_tojikfilm/sobirov-tohir/">Tohir Sobirow</a> und „<em>Der Flug der Biene“</em> von Dschamsched Usmonow. Novastan sprach mit ihm über seinen Film und seine Vision von Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Novastan: Die Geschichte Ihres Films ist recht einfach: Die Hauptfigur des Films, Anor, gräbt eine öffentliche Toilette vor dem Fenster des Hauses des Bürgermeisters. Anor hatte vergeblich seinen Nachbarn darum gebeten, seine furchtbar stinkende Toilette zu verlegen, und der Bürgermeister hat sich nicht dafür eingesetzt. Hinter dieser einfachen Geschichte steckt das Anprangern von Machtmissbrauch, aber auch eine Form von Spott, nicht wahr?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dschamsched Usmonow: Ja. Der Bürgermeister weigert sich, Anors Bitte zu berücksichtigen, weil sein Nachbar ein reicher, einflussreicher Geschäftsmann ist. Anor hat kein Gewicht, auch wenn er Lehrer ist und die Kinder des Dorfes unterrichtet. Seine witzige, humorvolle Antwort, ist für ihn ein Hebel, ein Handlungsspielraum. Es ist ein recht einfacher Film mit einer gewissen Form von Humor. Sowas nutze ich gerne in meinen Filmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum haben Sie für diese Veranstaltung genau „<em>Der Flug der Biene“</em> gewählt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe eine besondere Zuneigung zu diesem Film, denn er erzählt die Geschichte meines Urgroßvaters. Er war ein Mann mit Charakter. In unserer Familie erzählte man, dass er Ärger mit seinem Nachbarn hatte. Das gab mir die Handlung für den Film vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die öffentliche Toilette ist also eine wahre Geschichte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, diese Geschichte ist meinem Urgroßvater vor 150 Jahren passiert. Natürlich hatte sie einen anderen Inhalt und ein anderes Ende. Ich habe sie neu durchdacht und versucht, ein Kunstwerk daraus zu machen. „<em>Der Flug der Biene“</em> ist der zweite Teil eines Diptychons, der erste Film hieß „<em>Der Brunnen“</em>. Es war ein mittellanger Film, und ich hatte ihn 1990 gedreht. Das war kurz vor dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Bürgerkrieg in Tadschikistan</a>, der bis 1997 andauerte. „<em>Der Flug der Biene“ </em>habe ich erst später realisiert. Für mich bilden diese beiden Filme das, was ich als „Wasserzyklus“ bezeichne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erklären Sie uns diesen „Wasserzyklus“.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz gesagt: In „<em>Der Brunne</em>n“ gräbt der Hauptdarsteller ein Loch, um Wasser zu finden. Nach mehreren Metern stößt er auf einen riesigen Felsen, den er nicht überwinden kann, und beschließt daher, eine Toilette zu bauen. Der Film wurde im letzten Jahr der Existenz der UdSSR gedreht und spiegelt meine damalige Stimmung wider.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte eines Brunnens, der sich in eine Latrine verwandelt, war eine symbolische Geschichte des Landes: Die UdSSR war als etwas sehr Positives und Interessantes gedacht, aber alles endete schlecht. In „<em>Der Flug der Biene“</em> ist es genau umgekehrt. Die Filmfigur will eine Toilette machen und stößt dabei auf einen Felsen, aber dort findet er Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sind dieser Felsen und das Wasser Symbole für die Realität mit ihren Hindernissen und Erfolgen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Allegorie auf das tägliche Leben, das voller Hindernisse steckt. Ich erzähle die Geschichte einer Person, die auf Schwierigkeiten stößt, aber nach ihren Prinzipien handelt und nicht nachgibt. Wenn man vor einer Sackgasse steht, bedeutet das für mich, dass der Sieg nicht weit entfernt ist. Man muss noch einige Schritte weitergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er geht bis zum Ende und hat ein schönes Geschenk, als er Wasser findet. Und er sagt, dass das Wasser so süß sein wird wie der Honig der Bienen. Honig bedeutet für mich Hoffnung. So endet der Film mit der Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie widmen Ihren Film </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Satyajit_Ray"><strong>Satyajit Ray</strong></a><strong> (bengalischer Regisseur, 1921-1992, Anm. d. Ü). Bei ihm sind das Alltägliche und die Heiligkeit des Wassers miteinander verbunden. In Ihrem Film gibt es zahlreiche Verweise auf ihn.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleich zu Beginn mit der Musik! Sie stammt von Satyajit Ray. Dieser bengalische Regisseur war ein Archetyp des Schöpfers mit vielen Talenten. Er war Schriftsteller, Zeichner, Musiker &#8230; Er ist mein Lieblingsregisseur. Als ich diese Musik zum ersten Mal hörte, dachte ich mir, dass sie die Musik meines Films sein muss. Ich habe mir die Frage nach den Urheberrechten nicht gestellt, obwohl meine Produktionsmittel sehr gering waren. Zum Glück gewährte uns Satyajit Rays Sohn kostenfrei die Rechte für nichtkommerzielle Vorführungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unter Ihren Vorbildern nennen Sie Bernard Bresson und Jean Becker. Könnten Sie uns sagen, warum?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernard Bresson ist für mich Kino in seiner reinsten Form. Er macht „pures Kino“. Dasselbe gilt für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Becker_(Regisseur)">Jean Becker</a>, aber sein Stil, würde ich als sanfter bezeichnen: Sagen wir so, die Pille ist bei ihm weniger bitter. Zur Rolle der Musik sagte Bernard Bresson, dass sie das Kino ausmacht. Schon zu Beginn eines Films hört man Musik. Sie gibt die Stimmung und den Ton an, bis zum Ende. Ohne sie gibt es kein Kino.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt noch andere berühmte Regisseure von überall her: aus Indien, aus Japan wie Akira Kurosawa oder Yasujiro Ozu, aus Russland wie Sergej Eisenstein oder Andrej Tarkowski, aus Italien wie Federico Fellini oder Michelangelo Antonioni &#8230; Die Liste ist lang.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>War es wichtig, diesen Film inmitten Ihres Heimatdorfes zu drehen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum an einem anderen Ort? Das ist der Ort, an dem mein Urgroßvater seinen Brunnen gegraben hatte! Es ist mein Heimatdorf und ich kenne jeden Winkel. Warum sollte ich woanders arbeiten, wenn es einen kleinen Ort gibt, den ich wirklich gut kenne?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/"><strong>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle meine Filme stammen von meiner Familie, einem Freund oder einem Nachbarn. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sherwood_Anderson">Sherwood Anderson</a> sagte einmal zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_Faulkner">William Faulkner</a>, einem amerikanischen Schriftsteller, den ich sehr verehre: „<em>Sie sind ein Junge vom Land, alles, was Sie kennen, ist dieses kleine Stück Land in Mississippi, wo Sie angefangen haben. Allerdings reicht das aus. Das ist auch Amerika. Schreiben Sie darüber!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Film ist schwarz-weiß und wurde mit sehr geringen Mitteln gedreht. Ich habe gehört, Sie hatten nur sehr wenig Filmrollen…</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kaufte die letzten Meter Film, die ich noch auf Lager hatte, in einer alten ukrainischen Fabrik, die die Sowjetunion belieferte &#8211; in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schostka">Schostka</a>. Wir hatten gerade genug, um nur eineinhalb Einstellungen zu machen. Wir probten die Szenen also sehr, sehr oft, bevor wir sie drehten. Stellen Sie sich die Schweißperlen in dem Moment vor, in dem ich sage: „Action!“. Die Kamera war eine sowjetische <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Konvas">Konvas</a> aus den baltischen Staaten. Ich erinnere mich, dass sie sehr laut war. Aber wir haben es geschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lassen Sie uns den Fokus erweitern. Gibt es Ihrer Meinung nach eine Besonderheit des tadschikischen Kinos im Vergleich zu den Filmen anderer zentralasiatischer Länder?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst die Sprache. Die tadschikische Sprache gehört zur Gruppe der persischen Sprachen, im Gegensatz zu den Turksprachen der anderen zentralasiatischen Länder. Tadschikistan hat eine sehr alte Kultur und Zivilisation. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie auf Adam und Eva zurückgeht, auf die Geburt der Menschheit. Sie ist uralt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tadschiken sind ein sesshaftes Volk, während die anderen zentralasiatischen Länder überwiegend Nomadenvölker waren. Aber diese Unterschiede in der Geschichte und den Kulturen sind der Reichtum und die Identität Zentralasiens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Möchten Sie lieber betonen, was den gemeinsamen Fundus Zentralasiens ausmacht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Länder sind seit den 1990er Jahren unabhängig und haben ihre eigene Identität, aber sie sind auch sie haben auch viele russische Einflüsse geerbt. Alle sprechen neben der Volkssprache auch Russisch. Das ist ein Pluspunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/alitschor-ein-fotofilm-ueber-das-leben-in-einem-tadschikischen-bergdorf/"><strong>„Alitschor“ – ein Fotofilm über das Leben in einem tadschikischen Bergdorf</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die zentralasiatischen Kinos betrifft, so verdanken sie viel der sowjetischen Filmkunst, die in industrieller und künstlerischer Hinsicht unglaublich reich war! Ich selbst wurde am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerassimow-Institut_f%C3%BCr_Kinematographie">Staatlichen Höheren Filminstitut in Moskau</a> ausgebildet, das 1919 gegründet wurde und als eine der größten Filmausbildungsstätten der Welt gilt. Jedes Land hat seine eigene Kultur, aber die Prägung durch die Geschichte kann man nicht unterdrücken. Außerdem hat Zentralasien das Glück, an der Kreuzung verschiedener Länder zu liegen, die in der Welt des Kinos einen guten Ruf haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben 2010 in Frankreich einen Film mit französischen Schauspielern gedreht – „<em>Falsches Spiel</em>“ (im Original: „<em>Le roman de ma femme</em>“, Anm. d. Ü.) &#8211; mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Gourmet">Olivier Gourmet</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9a_Seydoux">Léa Seydoux</a>. Wie war diese neue Erfahrung für Sie?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine sehr bereichernde Erfahrung. Die Schauspieler sind sehr gut und die Qualität des französischen Kinos liegt auf der Hand. Aber ich muss sagen, dass ich durch die Anforderungen der Produktion ein wenig eingeschränkt war. In meinen früheren Filmen, in denen ich als Produzent tätig war, hatte ich freie Hand. Ich mache meine Filme sehr spontan und lasse den Instinkt und die Empirie mitwirken. Ich höre auf die Möglichkeiten, die sich mir bieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eben, Sie sagen, dass das Kino wie ein lebender Organismus ist. Ist es das, was Sie meinten, wenn Sie von Spontanität sprechen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, meiner Meinung nach ist das Kino wie ein lebender Organismus. Es ist ein Spiegel des Lebens. Das spürt man bei jedem Film, der seine eigene Dynamik hat. Natürlich gibt es das Drehbuch und das, was man sich vorgenommen hat, aber man muss auf das hören, was während des Drehs passiert. Es können viele Überraschungen auftauchen, und man muss sie berücksichtigen. Das kann eine Figur sein, die im Drehbuch auftaucht, oder auch etwas ganz anderes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sind Ihre Pläne: bereiten Sie einen weiteren Film vor?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich werde in Tadschikistan drehen. Das Drehbuch habe ich bereits geschrieben, aber ich muss das Projekt noch zusammenstellen. Es ist die Geschichte vom Bau eines Gartens in der Wüste, mitten im Nirgendwo.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine letzte Frage: Nach der Vorführung von „<em>Der Flug der Biene“</em> kam eine Frau zu Ihnen und sagte Ihnen etwas. Erzählen Sie uns davon.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, sie kam zu mir und sagte: „<em>Bevor ich Ihren Film gesehen habe, wollte ich mich an jemandem rächen. Und jetzt will ich mich nicht mehr rächen</em>“. Ich kenne ihre Geschichte nicht und weiß auch nicht, über wen sie sprechen wollte. Was ich festhalte, ist, dass mein Film ihren Wunsch nach Rache verändert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe nicht den Anspruch, die Welt zu verändern, aber manchmal kann die Verschiebung von ein paar Millimetern, das Zusammenstellen von kleinen Dingen neue Hoffnung geben und zeigen, dass es nicht nur das Böse als Antwort gibt. Es gibt immer ein Zeichen der Hoffnung, das Gute hat seinen Platz in unserem Leben. Das ist der Grund, warum ich Filme mache.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Patrick Do Dinh für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/djamched-ousmonov-il-y-a-toujours-une-note-despoir-dans-nos-vies-cest-pour-ca-que-je-fais-des-films/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/es-gibt-immer-ein-zeichen-der-hoffnung-in-unserem-leben-dschamsched-usmonow-im-interview/">„Es gibt immer ein Zeichen der Hoffnung in unserem Leben&#8220; – Dschamsched Usmonow im Interview</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Annkatrin Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 11:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Karakalpakstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zentralasiens junge Filmemacher:innen und ihr Werk sind &#xE4;u&#xDF;erst vielseitig. Davon konnte sich das Publikum beim 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden in verschiedenen Kurzfilmprogrammen &#xFC;berzeugen. Novastan war dabei und stellt euch eine Auswahl vor. Vom 24. bis zum 30. April fand das 24. goEast Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films in Wiesbaden statt. Neben zwei Filmen im [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentralasiens junge Filmemacher:innen und ihr Werk sind äußerst vielseitig. Davon konnte sich das Publikum beim 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden in verschiedenen Kurzfilmprogrammen überzeugen. Novastan war dabei und stellt euch eine Auswahl vor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 24. bis zum 30. April fand das<a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/24-goeast-filmfestival-startet-am-24-april/"> 24. goEast Festival des mittel- und osteuropäischen Films</a> in Wiesbaden statt. Neben zwei Filmen im Hauptwettbewerb war das zentralasiatische Kino in diesem Jahr vor allem mit Kurzfilmen vertreten, die in vier verschiedenen Programmen gezeigt wurden. Drei von ihnen konkurrierten im Rheinmain-Kurzfilm-Wettbewerb. Zudem zeigte goEast mit „New Voices from Central Asia“ in Zusammenarbeit mit dem ZDF/ARTE-Kurzschlussmagazin ein Programm, das allein der Region gewidmet war. Wir stellen unsere Highlights vor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Black Wagon</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bergbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren in Kirgistan. Unter welchen katastrophalen Bedingungen jedoch Kohle und andere Rohstoffe abgebaut werden, zeigt Adilek Karzhoev eindrucksvoll in seinem Dokumentarfilm „Black Wagon“. Er nimmt die Zuschauer:innen mit ins Innere eines privaten Bergwerks im südwestlichen Kirgistan und veranschaulicht bedrückend gut die beengten Verhältnisse bei der Arbeit unter Tage.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39348" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dunkelheit und Staub bestimmen die Ästhetik, während sich die Arbeiter mit von Schweiß glänzenden nackten Oberkörpern ihren Weg durch die labyrinthartigen Gänge bahnen. Dabei herrscht oftmals eine laute und bedrohliche Geräuschkulisse. Innerhalb dieser unwirklichen Szenerie schafft es Karzhoev dennoch, die Normalität und Alltäglichkeit einzufangen, die sich die Arbeiter in 500 Metern Tiefe erschaffen: Mit dem Kohlewagen lassen sie sich Tee in den Schacht bringen, frische Luft nehmen sie in Tüten mit nach unten. In den Pausen wird gegessen und gescherzt: über die unlösbaren Konflikte rund um die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumtor-Mine">Kumtor-Mine</a>, die größte Goldmine des Landes, und über die nicht enden wollenden Grenzkonflikte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Um ein Smartphone herum sitzt die Gruppe zusammen und schaut ein Video an. Doch über der alltäglichen Szene schwebt wortwörtlich ständig die Gefahr: Jederzeit kann es hier zu Einstürzen und Unfällen kommen, Teile der Schächte sind nur durch Holzbalken gestützt statt durch sicherere Metallstreben. Als sich tatsächlich Teile einer Wand lösen, hat selbst der Kameramann gerade noch genug Zeit, seine Kamera in Sicherheit zu bringen. Ein bis zwei Arbeiter, so heißt es am Ende des Films, lassen pro Monat ihr Leben in einer der über 300 privaten Minen rund um die Stadt<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sülüktü"> Sülüktü</a> im Südwesten Kirgistans.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/"><strong>Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst am Ende des Films werden die Zuschauer:innen zusammen mit den Arbeitern aus dem Schacht heraus ans Tageslicht geführt. Je nach geleisteter Arbeit werden die Bergarbeiter in bar bezahlt und verabschieden sich – bis zu ihrem nächsten Arbeitseinsatz. Viele der Arbeiter arbeiten jahrelang, teils ihr ganzes Leben in den Bergwerken – so auch diejenigen, die in Karzhoevs Film zu Wort kommen. Als die Kamera am Ende noch einmal die weite Gebirgslandschaft um die Mine zeigt, wird deutlich, wieso: Der Bergbau bleibt die große wirtschaftliche Hoffnung der Region. Karzhoev wirft mit seinem Kurzfilm jedoch ein wichtiges Schlaglicht auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen – und es bleibt zu hoffen, dass diese in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der späte Wind</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Saya ist schwanger. Doch kurz nachdem ihr Freund Qaırat davon erfährt, verschwindet er spurlos. Der Film begleitet Saya auf ihrer Suche, in die immer wieder Straßenproteste hereinbrechen. Drückt sich Qaırat vor der Verantwortung? Oder steht sein Verschwinden in Zusammenhang mit den Protesten?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1024x540.jpg" alt="" class="wp-image-39347" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1024x540.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-300x158.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-768x405.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1536x810.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Film mit wenig Handlung und einem Minimum an Dialogen auskommt, schafft Regisseurin Şygula Serjan einen atmosphärischen, bedrückenden Film, der als Sinnbild für das heutige Kasachstan steht. Dies ist unter anderem Hauptdarstellerin Tolğanaı Talğat zu verdanken, deren einfühlsames Spiel uns an Sayas Innerstem teilhaben lässt und viel zur beunruhigenden Atmosphäre, die über dem gesamten Film schwebt, beiträgt. Während Saya sich stets nach Wärme und Geborgenheit sehnt und kindlich anmutende Zeichnungen der Sonne an das beschlagene Fenster malt, bleibt ihr diese im ganzen Film versagt. Dreharbeiten bei winterlichem Schmuddelwetter in<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty"> Almaty</a> und bei Dunkelheit schaffen ein allgegenwärtiges Grau, das die bedrückende Stimmung des Films hervorhebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong> „Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Straßenproteste angesichts des niedrigen Filmbudgets eher kläglich wirken, rufen sie dennoch unweigerlich Erinnerungen an den<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-nimmer-endende-januar-in-kasachstan/"> Qantar</a> wach, eines der traumatischsten Ereignisse der jüngeren Vergangenheit Kasachstans. Sayas Suche bleibt erfolglos, ihre Fragen unbeantwortet. Gemeinsam mit ihr schaut das ganze Land in eine unklare, aber auf jeden Fall beunruhigende Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Old Things</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Männer baden im Kanal, ein Mädchen spricht liebevoll mit ausgestopften Tieren auf einem Trödelmarkt, ein Arbeiter zeigt stolz seinen Bibliotheksausweis. „Old things“ von Roman Zakharov ist ein Porträt der usbekischen Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>, das die Widersprüche der postsowjetischen Stadt aufzeigt, ohne in plakative Darstellungen zu verfallen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39346" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zakharov lotet vielmehr das vielschichtige Spektrum aus, das die Stadt bietet, und insbesondere die Menschen, die in ihr leben und arbeiten. Da ist ein Brotverkäufer, der am Straßenrand seine Ware verkauft, eine Hundebesitzerin, die sich über den vielen Müll in der Stadt beschwert, ein Passant, der über die politischen Veränderungen im Land spricht. Feinsinnig stellt Zakharov verschiedene Realitäten nebeneinander: Neubauten und Grün, Dreck am Straßenrand und sauber polierte Gedenkstätten, kritische Stimmen und überdimensionale Landesflaggen. Auch verschiedene sprachliche Welten treffen aufeinander: Teils wird Russisch gesprochen, teils Usbekisch, teils stößt auch der aus Kasachstan stammende Regisseur mit seinen Sprachkenntnissen in den Gesprächen an seine Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/"><strong>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zakharovs Kurzfilm scheint dabei lose dem Ablauf eines Tages zu folgen: vom Sonnenaufgang und einem Basar, der gerade erst zu erwachen scheint über die pralle Mittagssonne auf dem Taschkenter Unabhängigkeitsplatz bis zum am Abend in bunten Farben leuchtenden Unabhängigkeitsdenkmal im „Yangi O‘zbekiston“-Park in Form eines riesigen Humo-Vogels. So entsteht aus dem Nebeneinander der Eindruck eines runden Porträts, das eindrücklich die Vielstimmigkeit der zentralasiatischen Metropole zum Ausdruck bringt und Zwischentöne aufschimmern lässt, die man sonst in Darstellungen der usbekischen Hauptstadt häufig vergeblich sucht, und die Brüche mit den gängigen nationalen Narrativen zulassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>ASK</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dystopie des kirgisischen Regisseurs Naizabek Sydykov führt uns in eine Ruinenstadt, in der eine bizarre Diktatur herrscht. Laut dem „großen Führer“ soll hier eine „Stadt der Zukunft“ entstehen, doch zuerst sind die Einwohner:innen gezwungen, alle noch vorhandenen Häuser abzureißen. Der Zwang zur Uniformität („Sei wie die anderen“) und die Überwachung lassen dabei an die Werke<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell"> George Orwells</a> erinnern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Teenager Umut ist einer der wenigen, die die Umstände hinterfragen. Zufällig entdeckt er eine Kapsel mit alten Plänen der in Zerstörung begriffenen Stadt. Umut erkennt: <em>„Es wird keine Stadt der Zukunft geben, denn wir haben sie schon zerstört.“</em> Als er auf der nächsten Versammlung wagt, den „großen Führer“ mit Fragen zu konfrontieren, wird er von seinen eigenen Eltern als krank erklärt, da diese fürchten, zu von der glorreichen Zukunft ausgeschlossenen Paria zu werden. Außerdem muss Umut sich öffentlich entschuldigen. Allein seine (namentlich unbekannte) Freundin, die er in seine Entdeckung eingeweiht hat, hält zu ihm. Ausgehend von ihr beginnen immer mehr Menschen, das System zu hinterfragen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39345" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die eigentlichen Gründe vermutlich im Budget zu suchen sind, schafft Sydykov in „ASK“ eine unglaublich billige Ästhetik, die wie eigens für die dargestellte Diktatur entworfen wirkt und deren Absurdität perfekt hervorhebt. Und obwohl die politische Botschaft des Films eher simpel scheint, ist „ASK“ eine gelungene Parabel auf zeitgenössische Regime wie in<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-was-bedeuten-die-reformen-von-praesident-toqaev/"> Kasachstan</a>,<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/karakalpakstan-nichts-neues-im-neuen-usbekistan/"> Usbekistan</a> oder auch im<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-abschied-von-der-demokratie-und-uebergang-zu-einem-autoritaeren-staat/"> Kirgistan</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow"> Sadyr Dschaparows</a>, in denen die politische Führung stets grundlegende Erneuerungen verspricht, ohne diese jedoch wirklich zu liefern. Eine Zeit, um Dinge zu hinterfragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mirtemir geht´s gut</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakistan">Karakalpakstan</a> im Sommer 2022: In der Autonomen Republik brechen<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/verfassungsreform-in-usbekistan-karakalpakstan-protestiert-fuer-erhalt-der-autonomie/"> Proteste</a> los, die von der usbekischen Regierung<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/proteste-in-karakalpakstan-taschkent-schafft-ordnung-durch-gewalt/"> gewaltsam niedergeschlagen</a> werden. Die Filmemacher:innen Sasha Kulak und<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/goeast-festival-100-baumwolle-stellt-zwangsarbeit-in-den-fokus/"> Mihail Borodin</a> reisen inmitten dieser Situation nach<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus"> Nukus</a>, um sich ein Bild vor Ort zu machen. An einer mobilen Karaoke-Station am Hauptplatz der Stadt lernen sie Mirtemir kennen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1024x540.jpg" alt="" class="wp-image-39344" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1024x540.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-300x158.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-768x405.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1536x810.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mirtemir, der <em>„wie ein Teenager aus Kreuzberg oder Williamsburg“ </em>(goEast-Programmheft) erscheint, zieht die beiden Filmemacher:innen in seinen Bann und so entsteht ein wundervolles Porträt eines karakalpakischen Jugendlichen, der einen unglaublichen Optimismus ausstrahlt. Dabei ist sein Leben nicht einfach: Er pflegt seine blinde Großmutter, bei der er lebt, da die Mutter zur Arbeit ins Ausland gegangen ist (ein Plan, den Mirtemir auch selbst hegt). Tagsüber arbeitet er in einem Fastfood-Restaurant und nachts an eben jener Karaoke-Station. Doch Mirtemir trotz allen Nöten mit einer aus dem tiefsten Innern kommenden Leichtigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/goeast-festival-100-baumwolle-stellt-zwangsarbeit-in-den-fokus/"><strong> goEast-Festival: „100% Baumwolle“ stellt Zwangsarbeit in den Fokus</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Mirtemir geht´s gut“ gewähren Kulak und Borodin einen Einblick in eine Region, die abseits von Aralsee und<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-enthusiast-der-wueste-wie-in-nukus-eine-der-bedeutendsten-avantgarde-sammlungen-entstand/"> Sawitzki-Museum</a>, im Westen kaum Beachtung findet. Durch ihre Kameraführung, die mal frontal und meist sehr nah am Protagonisten ist, schaffen sie dabei einen Film, der – obwohl Dokumentation – phasenweise fast fiktional wird. Und auch Mirtemirs grenzenlose Zuversicht wirft die Frage auf, ob diese Unbeschwertheit nicht angesichts der Kamera gespielt ist. Ein Film, zu schön, um wahr zu sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Denn der Film verschließt auch vor den Problemen die Linse nicht, stellt ihnen aber Mirtemirs Optimismus lachend entgegen. Dabei hat der Film einen ernsten Hintergrund: Denn Mirtemir teilt das Schicksal mit vielen anderen zurückgelassenen Kindern von Arbeitsmigrat:innen aus Zentralasien. Dies erfahren die Zuschauenden allerdings erst in der Abblende. Doch trotz alledem: Mirtemir vermag es, mit seiner Positivität anzustecken und gemeinsam mit ihm schauen wir in eine strahlende Zukunft.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Annkatrin Müller und Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Kurzfilmprogramm „NEW VOICES FROM CENTRAL ASIA“, das unter anderem „Black Wagon“, „ASK“ und „Old Things“ enthält, läuft nochmal am 8. Juni 2024 um 19.30 Uhr beim </em><a href="https://festival.shortfilm.com/de/programs/351"><em>Kurzfilmfestival Hamburg</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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