<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>femizid Archives</title>
	<atom:link href="https://novastan.org/de/tag/femizid/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://novastan.org/de/tag/femizid/</link>
	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sat, 18 May 2024 07:31:20 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/cropped-Logo_2_2000-1700-300DPI-32x32.png</url>
	<title>femizid Archives</title>
	<link>https://novastan.org/de/tag/femizid/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Apr 2024 21:43:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenraub]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=39124</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide. Am 15. Februar 2024 reichten die Angeh&#xF6;rigen der 19-j&#xE4;hrigen Asel Zhanarbek eine Erkl&#xE4;rung bei der Bezirkspolizeibeh&#xF6;rde Issyk-Ata ein. An [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/">Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr gibt es in Kirgistan 20 bis 30 Opfer von Femiziden, doch der Staat erkennt deren Existenz auf gesetzlicher Ebene nicht an. Von 2010 bis 2023 wurden 1.109 Frauen ermordet, ein Drittel davon waren Femizide.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Februar 2024 reichten die Angehörigen der 19-jährigen Asel Zhanarbek eine Erklärung bei der Bezirkspolizeibehörde Issyk-Ata ein. An diesem Tag hatte sie ihr Haus in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kant_(Kirgisistan)">Kant</a> verlassen und war verschwunden. Zuvor hatte sie ihrer Mutter eine Audionachricht geschickt, in der sie ihr mitteilte, dass sie sich umbringen würde und dass ihr Mann dafür verantwortlich sei. Ihre Leiche wurde am 18. März im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Ch%C3%BCy_Canal">Großer Tschui-Kanal</a> (GTK) gefunden. Zuvor hatten sich Angehörige über die Untätigkeit der Polizei beschwert. Das Mädchen hatte zwei Monate zuvor geheiratet. Ihr Vater <a href="https://24.kg/proisshestvija/287985_rodstvenniki_19-letney_propavshey_devushki_jaluyutsya_nabezdeystvie_militsii_/">erzählte</a> gegenüber 24.KG, dass seine Tochter in den Selbstmord getrieben worden sein könnte. Die Publikation berichtet auch, dass Asels Onkel an 15 Stellen in der Nähe des GTK Blutspuren gefunden und diese fotografiert habe. Die Ermittler:innen hätten jedoch keine Proben zur Untersuchung entnommen.</p>



<div class="flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe">
	<div class="container flex flex-col lg:flex-row justify-between">
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-3/5 pb-4">
			<h2 class="text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]">
								Unterstützt Novastan &#8211; das europäische Zentralasien-Magazin 
			</h2>
				Als vereinsgetragene, unabhängige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! 
						</div>
		<div class="flex flex-col w-full lg:w-2/5 justify-items-center justify-center pb-4">
			<div class="rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto">
											<a class="block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Novastan unterstützen</a>
							</div>
		</div>
	</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr 2024 begann auch mit dem Tod der 23-jährigen Aikyz Kalmurza. Sie war taubstumm und hatte eine Behinderung der Gruppe 1. Das Paar geriet in Streit und der Mann erwürgte seine Frau vor den Augen ihrer dreijährigen Tochter. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden ereignete sich der Mord am 2. Januar im Dorf Masaliev im Bezirk <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kadamjay_District">Kadamzhai</a> in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Batken</a>. Der örtliche Polizeibeamte Akylbek Amiraev sagte, dass ein Strafverfahren gemäß Artikel <em>„Mord“</em> im <a href="https://cbd.minjust.gov.kg/112309/edition/3548/ru?anchor=st_122">Strafgesetzbuch</a> der Kirgisischen Republik eröffnet worden sei. Angehörige der Verstorbenen <a href="https://rus.azattyk.org/a/32771539.html">berichteten</a> Reporter:innen, dass sie bereits zuvor geschlagen worden und im Krankenhaus gelandet sei. Doch ihre Appelle an die Polizei waren wirkungslos geblieben – es waren keine Maßnahmen ergriffen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regionalpolizei Batken berichtete, dass seit Jahresbeginn im Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Andarak">Andarak</a> sieben Frauen versuchten, Selbstmord zu begehen. Fünf von ihnen starben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Femizide in Kirgistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Femizid versteht man die Tötung einer Frau durch einen Mann aus Hass auf Frauen, Geschlechterdiskriminierung und/oder staatlich sanktionierter geschlechtsspezifischer Gewalt. Die überwiegende Mehrheit der Morde an Frauen in Kirgistan wurde von Männern begangen – durchschnittlich acht von zehn Morden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In drei von vier Fällen kannte die ermordete Frau ihren Mörder (Partner, Verwandten oder Freund), und die Hauptgründe waren: <em>„sie störte das Fernsehen“</em>, <em>„kochte Essen langsam“</em>, Eifersucht, Familienbudget, Heiratsverweigerung, Verweigerung des Geschlechtsverkehrs. Die Opfer von Femiziden wurden mit besonderer Grausamkeit, Brutalität und Aggression getötet. Bei 2/3 der Femizide handelte es sich um Mehrfachverletzungen, mehrere Stichwunden und Strangulation. In 70 von 100 Fällen von Frauenmorden entsorgte der Mörder die Leiche, um das Verbrechen durch Verbrennen oder Zerstückeln zu vertuschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2017 wurden Leitlinien für Richter:innen entwickelt, die über Fälle von Tötung und schwerer Gesundheitsschädigung mit Todesfolge entscheiden. In diesem Dokument werden Femizide nicht thematisiert. Im Jahr 2019 erschien Artikel 135 des Strafgesetzbuches der Kirgisischen Republik <em>„Todesursache durch Fahrlässigkeit“</em>, wonach Fälle registriert werden, in denen es sich bei der Verstorbenen um eine Frau handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan muss die Existenz von Femiziden auf gesetzlicher Ebene anerkennen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ende September 2023 wurde die 36-jährige Asel Nogoibaeva Opfer von Gewalt. Sie entkam zwar dem Tod durch ihren Ex-Mann,doch sie wurde grausam verstümmelt – ihr Mann hatte ihr Nase und Ohren abgeschnitten. Der jüngste Sohn, der der einzige Zeuge der brutalen Misshandlung seiner Mutter wurde, kann nicht sprechen. Asels Berufung wurde erst stattgegeben, nachdem der Fall in den Medien bekannt wurde. Am 26. Januar verurteilte das Bezirksgericht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sokuluk">Sokuluk</a> Azamat Estebesov dann zu 20 Jahren Gefängnis. Der Gerichtsentscheidung zufolge muss der Angeklagte seiner Ex-Frau Asel 2 Millionen Soms (22,34 Tausend US-Dollar) zahlen. Asels Anwält:innen und Angehörige fordern eine Bestrafung des Richters, der den Verbrecher zuvor unter Bewährung freigelassen hatte. Sie fordern außerdem, dass die Generalstaatsanwaltschaft unverzüglich eine Untersuchung wegen Fahrlässigkeit seitens der Strafverfolgungsbehörden einleitet. Wie sich herausstellte, hatte Asel allein im letzten Jahr fünf Schutzanordnungen gegen ihren Ex-Mann erlassen. Aber keine davon war umgesetzt worden: Der Mann war weiterhin zu ihr nach Hause gekommen, hatte sie geschlagen und vergewaltigt. Die Polizei hatte nicht auf ihre Beschwerden reagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Fall ereignete sich im Winter 2023 &nbsp;als eine Mutter und ihre beiden Kinder brutal ermordet wurden. Die Frau wurde geschlagen und aus dem Fenster geworfen, die Kinder wurden erstochen und erdrosselt. Der Mörder arbeitete zuvor im Staatssicherheitsdienst des Staatskomitees für nationale Sicherheit und nahm an Parlamentswahlen teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der schlimmsten Mordfälle ereignete sich im Jahr 2018. Die 19-jährige Burulai wurde von dem Mann, der sie geraubt hatte und der sie heiraten wollte, erstochen. Nach der Entführung kontaktierten Burulais Eltern die Polizei, der Täter wurde festgenommen und zur Polizei gebracht. Der Entführer und Burulai wurden in eine Abteilung des Innenministeriums gebracht und aus irgendeinem Grund dort allein gelassen. Das Mädchen wurde von ihrem Entführer direkt auf der Polizeistation getötet. Das Gericht verurteilte den Entführer Burulais zu 20 Jahren Haft in einem Hochsicherheitstrakt und beschlagnahmte sein Eigentum. Auch die Abteilungsleitung des Innenministeriums, in der Burulai ermordet wurde, wurde entlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 wurde die 27-jährige Aizada Kanatbekova ein ebenfalls Opfer der Tradition des Brautdiebstahls. Anfang April, am frühen Morgen, zeichnete eine Überwachungskamera der Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a> auf, wie das Mädchen in ein Auto gezwungen und weggebracht wurde. Die Polizei, an die sich Aizadas Verwandte sofort wandten, weigerte sich, die Aussage aufzunehmen. Einer der Mitarbeiter:innen soll sogar unpassend gescherzt haben: <em>„Warum machen Sie Lärm? Bereiten Sie sich auf die Hochzeit vor“.</em> Zwei Tage später wurde das Mädchen in der Nähe der Hauptstadt gefunden. Der Entführer hatte sie vergewaltigt, anschließend mit einem T-Shirt gewürgt und mehrmals auf sie eingestochen. Danach beging er Selbstmord. Nach dem Vorfall forderten die Bürger:innen, dass alle an diesem Verbrechen Beteiligten sowie diejenigen, deren Untätigkeit zum Tod von Kanatbekova führte, vor Gericht gestellt werden. In Bischkek und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> fanden Proteste <em>„</em><a href="https://storage.googleapis.com/qurium/kloop.kg/blog-2022-07-08-v-bishkeke-i-oshe-proshli-aktsii-protiv-nasiliya-v-otnoshenii-devochek-i-zhenshhin.html#:~:text=08%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%202022%208%20%D0%B8%D1%8E%D0%BB%D1%8F%20%D0%B2%20%D0%91%D0%B8%D1%88%D0%BA%D0%B5%D0%BA%D0%B5%20%D0%BF%D0%B5%D1%80%D0%B5%D0%B4,%D0%B8%D0%B7%D0%BD%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B8%2013-%D0%BB%D0%B5%D1%82%D0%BD%D0%B5%D0%B9%20%D0%B4%D0%B5%D0%B2%D0%BE%D1%87%D0%BA%D0%B8%2C%20%D0%BF%D0%BE%20%D0%BA%D0%BE%D1%82%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%BC%D1%83%20%D0%BE%D0%B1%D0%B2%D0%B8%D0%BD%D1%8F%D1%8E%D1%82%20%D0%B4%D0%B2%D1%83%D1%85%20%D0%BC%D0%B8%D0%BB%D0%B8%D1%86%D0%B8%D0%BE%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%BE%D0%B2."><em>Против насилия</em></a><em>“</em> <em>(Gegen Gewalt, Anm. der Redaktion)</em> statt, bei denen der Rücktritt des Innenministers und Reformen in den Strafverfolgungsbehörden gefordert wurden. Die Ermittlungen zum Mordfall wurden aufgrund des Todes des Entführers eingestellt. Die entlassenen Polizist:innen kehrten nach einiger Zeit wieder in den Dienst zurück und wurden keine Reformen durchgeführt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Tradition der Ehe und Stereotypen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Frauen gehören zu den tausenden Mädchen in Kirgistan, die jedes Jahr entführt werden, um sie zur Heirat (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_Kachuu">Ala-Katschuu</a>) zu zwingen. Die Menschenrechtsorganisation <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House">Freedom House</a> schätzt die Zahl solcher Entführungen jährlich auf 8.000 bis 12.000. Jede fünfte Familie in Kirgistan ist das Ergebnis von Ala-Katschuu. Ein gestohlenes Mädchen aus dem Haus des Bräutigams zu holen, gilt als Schande, weshalb viele Eltern ihre Töchter bei Männern zurücklassen, die ihnen unbekannt sind. Für solche Verbrechen gibt es im Land strafrechtliche Sanktionen. In den letzten Jahren häuften sich nach Angaben von Menschenrechtsaktivist:innen die Anrufe bei der Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistanischer-sicherheitsdienst-veroeffentlicht-persoenliche-daten-von-sexarbeiterinnen/">Kirgistanischer Sicherheitsdienst veröffentlicht persönliche Daten von Sexarbeiterinnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal verheiratet, ertragen Frauen Gewalt und Demütigung durch ihre Ehemänner, weil die Gesellschaft geschiedene Frauen verurteilt. Nach <a href="https://www.stat.kg/ru/news/semejnoe-nasilie-sredi-zhenshin-i-muzhchin/">Angaben</a> des Nationalen Statistikausschusses hat sich in Kirgistan die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht, 96 % davon sind Frauen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2023 wurden 8.512 Fälle von Gewalt in der Familie registriert. Nur 2 % gehen vor Gericht. Dies zeigt auch, wie sehr das Justizsystem und die Gesetzgebung des Landes dazu beitragen, dass Femizide stattfinden, und dass die Untätigkeit der Polizei die Situation nur verschlimmert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Problem liegt in den Traditionen, die sich in den Strafverfolgungsbehörden in Bezug auf Fälle wie Ala-Katschuu, Gewalt und Mord an Frauen entwickelt haben,“</em> so Nurbek Toktakunov, Menschenrechtsaktivist und Anwalt der Familie der ermordeten Aizada Kanatbekova. <a><em>„Es ist notwendig, bestimmte Traditionen ins Strafverfolgungssystem zu integrieren und Fahrlässigkeit zur Rechenschaft zu ziehen</em></a><em>. Diejenigen, die nach den Morden an Burulai und Aizada entlassen wurden, wurden schnell wieder eingestellt [&#8230;] Korruption als Möglichkeit, Strafen zu vermeiden, das Fehlen von Mechanismen zur Verhinderung häuslicher Gewalt, das Vorhandensein von Geschlechterstereotypen und diskriminierenden Einstellungen gegenüber Frauen – all dies macht ein sofortiges Eingreifen der staatlichen Behörden und der Strafverfolgungsbehörden erforderlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aigerim Turgunbaeva für Cabar</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/zhenshhiny-prodolzhayut-umirat-pochemu-kyrgyzstan-ne-priznaet-sushhestvovaniya-femitsida-na-zakonodatelnom-urovne">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/">Femizide in Kirgistan: Warum erkennt der Staat das Problem auf rechtlicher Ebene nicht an?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/kirgistan/femizide-in-kirgistan-warum-erkennt-der-staat-das-problem-auf-rechtlicher-ebene-nicht-an/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Berenika Zeller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jun 2023 11:01:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mord]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=33550</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbeh&#xF6;rden vernachl&#xE4;ssigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von Cabar.Asia sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und M&#xE4;dchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt. In den letzten Jahren wurde in Usbekistan [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gewalt und Mord an Frauen ist in Usbekistan und weltweit nicht nur ein von Medien und Strafbehörden vernachlässigtes, sondern ein gesellschaftliches Problem. Im Artikel von </strong><a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy"><strong>Cabar.Asia</strong></a><strong> sind Medienberichte von Morden und Gewaltakten an Frauen und Mädchen in Usbekistan mithilfe von Analysekategorien der UNO als Femizide identifiziert und gesammelt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren wurde in Usbekistan zunehmend über Gewalt gegen Frauen berichtet. In vielen dieser Fälle wurden Frauen ermordet. Die CABAR.asia-Schulungsteilnehmerin Luiza Atabaeva hat Fälle analysiert, die zwischen 2015 und 2023 in den usbekischen Medien veröffentlicht wurden. Es handelt sich dabei um sogenannte Femizide.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Femizid</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Femizid oder Feminizid handelt es sich um den geschlechtlich motivierten Mord an Frauen, der auf Frauenhass beruht und vom Staat geduldet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 hat die UNO „Femizid“ erstmals umfassend definiert:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tötungen von Frauen, die von einem Intimpartner oder anderen Familienmitgliedern begangen werden (z. B. Ehrenmorde) und von anderen bekannten oder unbekannten Tätern mit einem bestimmten Vorgehensmuster oder in bestimmten Kontexten begangen werden, die auf geschlechtsspezifische Motive hinweisen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://drive.google.com/file/d/10LJ9h_y9atroFg9ghR7G0lbuqBe9_xhH/view">Bericht der UNO</a> aus dem Jahr 2022 wurde als Analysekategorie für die Untersuchung von Femiziden in Usbekistan verwendet. Es konnten 150 Fälle aus über 6000 untersuchten Medienberichten identifiziert werden, die von 2015 bis 2023 auf den Webseiten usbekischer Nachrichtenagenturen publiziert wurden. Es handelte sich bei diesen identifizierten Fällen um geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen, die den Kriterien der UNO und des <a href="https://eige.europa.eu/publications-resources/thesaurus/terms/1192">Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE)</a> entsprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Opfer in unserer Datenbank wurden vom Täter oder von Verwandten körperlich, sexuell oder psychisch missbraucht. Manche waren Opfer von sexualisierter Ausbeutung oder wurden aufgrund eines bestimmten Vorurteils gegen Frauen angefeindet. Im manchen Fällen wurde gar der Körper der Opfer verstümmelt. Es gäbe noch viele weitere Fälle, in denen Frauen ermordet oder zum Suizid bewegt wurden, jedoch aufgrund des fehlenden Kontexts [bestimmte kontextuelle Faktoren werden vom Analysemuster des UNO-Berichts verlangt, um eindeutig von Femizid sprechen zu können – Anm. d. Red. von Novastan] nicht eindeutig als Femizid klassifiziert werden können.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie sich Femizid in Medienberichten äußert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Mirziyoyev</a> an die Macht kam, wurde über Fälle von Gewalt gegen Frauen in den Medien so gut wie nicht berichtet. Das wichtigste russischsprachige Nachrichtenportal <a href="https://www.gazeta.uz/uz/">gazeta.uz</a> begann erst nach 2018, Nachrichten über häusliche Gewalt oder Femizid zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung solcher Themen leistete die Zeitschrift &#8222;<a href="https://nemolchi.uz/">Nemolchy.Uz</a>&#8220; unter Leitung von <a href="https://www.goethe.de/ins/uz/de/spr/eng/pas/psa/pasch/22093926.html">Irina Matvienko</a>. Doch Femizid ist immer noch ein verkanntes Problem, sowohl in Usbekistan als auch weltweit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der usbekische Dienst von Radio Liberty, Ozodlik, berichtet über Frauenmorde, ohne dabei den Akzent auf den geschlechtlich motivierten Mord zu legen. Wurde etwa eine Frau mit dem Messer erstochen, so wird hauptsächlich über familiäre Messerstechereien und Gewalt in der Familie berichtet. Auf das eigentliche Opfer wird der Fokus nicht gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Eifersucht verübte Morde werden gar unter der humorvollen Überschrift „Samarkands Othello tötete seine Frau“ veröffentlicht. In den usbekischsprachigen Medien wird in den Nachrichten über Frauenmorde häufiger von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter-Opfer-Umkehr">Victim blaming</a> [Opferbeschuldigung – Anm. d. Red. von Novastan] berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Victim blaming“ bezeichnet ein Vorgehen, das die Schuld des Täters auf das Opfer verlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So resümiert die usbekische Nachrichtenagentur <a href="https://uza.uz/uz">UzA</a> über den Mord einer Ehefrau, die ihrem Mann kein Abendessen gekocht hat, mit dem usbekischen Sprichwort „Qars ikki qo’ldan chiqadi“ (zu Deutsch: „Es sind immer beide Seiten schuld). Ungeachtet der Tatsache, dass es sich beim Mord an Frauen und Mädchen um männliche Wut und um das gesellschaftliche Phänomen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heteropatriarchat">Patriarchat</a>s handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum töten Männer in Usbekistan Frauen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medienanalyse zeigt, dass Männer häufiger Gewalt anwenden und Frauen töten, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine 21-Jährige kam wegen ihres vollen Arbeitstages spät von der Arbeit nach Hause. Während sie Abendessen kochte, kam ihr Mann nach Hause und es kam zu einem Streit zwischen den beiden, da die Frau keine Zeit gefunden hatte, das Haus zu putzen und das Abendessen zu kochen. Daraufhin griff der Ehemann seine Frau mit seinen Fäusten an und schlug sie zu Tode. Die Frau erlitt mehrere Schürfwunden, ein Schädeltrauma und Blutungen am ganzen Körper. Der Mann wurde zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt. Dies ist ein Femizid.</p>


<p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Juni 2020 <a href="https://darakchi.uz/ru/96100">hackte</a> ein Einwohner von Namangan während eines Streits mit einer Axt auf seine Frau ein und griff dann seine Töchter, zehn und acht Jahre sowie vier Monate alt, an. Den Älteren gelang es, zu den Nachbarn zu laufen und zu entkommen, während die Jüngste getötet wurde. Dies ist Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. Juni erfuhr ein Vater in dem Dorf in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farg%CA%BBona">Ferghana</a>, dass sich seine 16-jährige Tochter mit einem Jungen in seinem Auto traf. Der wütende Mann schlug seiner Tochter mehrmals auf den Kopf, so dass sie das Bewusstsein verlor. Nachdem der Vater seiner Tochter Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, belebte er sie wieder und befahl ihr, niemals wieder mit dem Jungen zu sprechen. Das Mädchen ging in ihr Schlafzimmer und erlag ihren Verletzungen. Auch dies ist Femizid.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Zuhause, ein gefährlicher Ort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die in den Meldungen über Verbrechen gesammelten Daten spiegeln nicht das gesamte Bild der Femizide in Usbekistan wider, aber sie werden am häufigsten verwendet, wenn es Lücken in den offiziellen Statistiken gibt. So geben die Daten der Präsidialagentur für Statistik beispielsweise nur das Geschlecht und das Alter des Täters an, nicht aber das des Opfers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war es nicht möglich, Zahlen über Morde an Frauen durch Intimpartner oder Verwandte zu finden. Das Büro des Generalstaatsanwalts von Usbekistan hat auf Anfragen nicht geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einem Bericht der Strafverfolgungsbehörden vom April 2022 geht hervor, dass von 39.343 gemeldeten Fällen von Gewalt und Nötigung gegen Frauen und Mädchen 34.330 – das sind 87 Prozent – im häuslichen Bereich begangen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass geschlechtsspezifisch motivierte Tötungen von Frauen und Mädchen von aktuellen oder ehemaligen Intimpartnern oder anderen Familienmitgliedern begangen werden. Die Tötung von Frauen steht häufig im Zusammenhang mit dem Bedürfnis der Männer, Frauen zu kontrollieren oder für ein als inakzeptabel erachtetes Verhalten zu bestrafen, und es gibt Hinweise darauf, dass Frauen besonders häufig Opfer dieser Art von Tötung werden“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zusammengetragene <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=share_link">Datenbank</a> bestätigt diese Aussage. In den meisten Fällen kannte die Frau ihren Mörder. Der Täter war ihr Ehemann, Freund, Lebensgefährte, Ex-Ehemann oder ein anderer männlicher Verwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit">vorliegenden Untersuchung</a> waren Mörder zu 51 Prozent Ehemänner/Partner, zu 37 Prozent Väter, Schwiegermütter, Söhne, Brüder, Schwager usw., zu 12 Prozent unbekannt, zu 8 Prozent kam es zu einer Verleitung zum Selbstmord, zu 4 Prozent war es der Ex-Mann, zu 10 Prozent ein männlicher Bekannter, zu 8 Prozent ein Unbekannter, zu 13 Prozent Andere.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorwände, Motive, Gründe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptmotiv für Femizid ist der häusliche Konflikt. In vielen Fällen entstanden die Familienstreitigkeiten vor dem Hintergrund männlicher Aggressionen: weil die Frau keine Jungen zur Welt brachte, „Worte sagte, die sein Ego verletzten“, die Hausarbeit nicht erledigte, die Scheidung wollte, die Schwiegermutter sie schikanierte oder ihr Mann systematisch häusliche Gewalt ausübte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die feministische Gemeinschaft „Nemolchi.uz“ ist der Ansicht, dass die Mahalla-Ausschüsse in ihrem Bemühen, die Scheidungsstatistiken zu senken, die häusliche Gewalt mit dem Begriff „häusliche Konflikte“ verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für viele Frauen ist das Zuhause zum gefährlichsten Ort geworden, denn hier werden sie misshandelt, geschlagen oder gar getötet. Es gibt keinen Grund, Mord und Femizid hinter dem neutralen Begriff &#8218;häusliche Konflikte&#8216; zu verstecken. Selbst der Begriff &#8218;häusliche Gewalt&#8216; ist zu harmlos geworden, um auszudrücken, was in diesem Land geschieht“, heißt es in einem der <a href="https://t.me/nemolchiuz/7484">Beiträge der Gemeinschaft</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig ist der Grund für häusliche Gewalt ungerechtfertigte Eifersucht oder der Verdacht auf Untreue seitens eines Ehepartners, der seine Frau als sein Eigentum betrachtet. Dies ist das zweithäufigste Motiv bei Femiziden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fälle, in denen Frauen von einer anderen Frau ermordet werden, können ebenfalls als Femizid eingestuft werden, wenn das Verbrechen zu Gunsten des Mannes begangen wird oder wenn das Opfer nicht den patriarchalischen Einstellungen und kulturellen Normen entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Zusammenhang mit solchen schädlichen Praktiken können nicht nur männliche, sondern auch weibliche Verwandte das Opfer absichtlich angreifen“, heißt es im UN-Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde beispielsweise im Januar letzten Jahres eine Frau <a href="https://darakchi.uz/ru/136266">verurteilt</a>, die in einem Wutanfall 32-mal mit einem Messer in ihre Schwiegertochter einstach, vor Augen der drei Enkelkinder. Der Schwiegermutter gefiel die Kleidung nicht, die ihre Schwiegertochter ihren Kindern gekauft hatte.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tötungsarten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse ergab, dass in 60 Prozent der Fällen die Frauen mit einem Küchenmesser oder mit einer anderen scharfkantigen Tatwaffe wie einer Axt, Hacke, Schere oder Kettensäge getötet wurden. Die meisten Opfer wiesen mehrere Stichwunden am Körper auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An zweiter Stelle stehen Schläge mit tödlichen Folgen aufgrund von Verletzungen und Strangulation. Einige dieser Morde wurden mit besonderer Grausamkeit begangen. Der Täter griff auf gemischte Methoden des Femizids zurück, nachdem er versucht hatte, die Frau zu strangulieren, sie mit bloßen Händen zu schlagen oder das Verbrechen zu verbergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter „Sonstige“ sind Fälle zu verstehen, in denen Leichen von Frauen gefunden wurden, aber keine Angaben zur Tatwaffe oder zur Art der Verletzungen vorliegen. Darunter zählen auch einige Selbstmordfälle mit geschlechtsspezifischen Merkmalen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten werden Frauen mit einem Küchenmesser umgebracht. In 60 Prozent aller <a href="https://docs.google.com/spreadsheets/d/12IAQ6y1cI466_mLBXEUdjFz-SE3RoZg7mxwRqi_a76A/edit?usp=sharing">Fälle</a> wurde eine Frau mit einem Küchenmesser erstochen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie werden Strafverfahren im Zusammenhang mit Femiziden behandelt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Datenbank zufolge werden 57 Prozent der Verbrechen, bei denen das Opfer eine Frau war, als „vorsätzlicher Mord“ registriert.&nbsp; Bei einigen vorsätzlichen Morden kommt ein erschwerender Umstand hinzu &#8211; Schwangerschaft der ermordeten Frau oder Mord an Kindern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ein Viertel der Fälle wird als &#8222;vorsätzliche Körperverletzung&#8220; registriert, und der Täter erhält für den versuchten oder vollendeten Mord an einer Frau eine bis zu 10-jährige Gefängnisstrafe. Dabei handelt es sich in der Regel um Fälle, in denen ein Ehemann seine Frau mit bloßen Händen zu Tode schlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund ein Viertel der Fälle von Femizid fallen unter die Artikel „Verleitung zum Selbstmord“ und „Selbstmord“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April dieses Jahres hat eine 27-jährige Frau in Taschkent zunächst ihre beiden Söhne (4 und 5 Jahre alt) aus einem Schlafzimmerfenster aus dem neunten Stock geworfen und ist dann selbst zusammen mit ihrer einjährigen Tochter aus dem Fenster gesprungen. Alle vier starben. Zum Zeitpunkt der Tragödie befand sich der Ehemann der Frau in Saudi-Arabien, wo er die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmra">Umra</a> vollzog. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Information, dass der Ehemann seiner Ehefrau Fotos von sich mit einer anderen Frau im Ausland schickte, doch der Ehemann bestreitet dies. Die Aktivist:innen des Projekts <a href="https://www.wmmsk.com/femicid/">FEMICID.NET</a> des Moskauer Frauenmuseums bezeichnen solche Fälle als indirekten Femizid.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtlerin Dilfuza Kurolova, die an der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs gegen häusliche Gewalt mitgewirkt hat, ist der Ansicht, dass Fälle von Anstiftung zum Selbstmord und Selbstmorde selbst das Ergebnis wiederholter Handlungen oder Unterlassung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist sehr schwierig, einen Selbstmord nachzuweisen, da es in den meisten Fällen keine direkten Beweise gibt und alles von der Qualität der gerichtsmedizinischen und gerichtspsychologischen Untersuchungen und Ermittlungsbehörden abhängt“, so die Juristin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Datenbank finden sich mehrere Fälle von jungen Frauen, die aufgrund der Gewalt ihres Vaters gegen ihre Mutter Selbstmord begingen. Andere häufige Fälle von Selbstmord wurden begangen, da dem Vater der Opfer Fotos [vermutlich handelt es sich um Nacktbilder oder Bilder in Unterwäsche, die ohne Einverständnis der Frauen von Drittparteien verbreitet wurden und an den Vater gesendet wurden, um die Opfer zu erniedrigen – Anm. der Red. von Novastan] zugeschickt wurden. Aufgrund der Reaktion des Vaters beging die Tochter Suizid. Weitere Fälle von Selbstmord geschahen in Folge von sexuellem Missbrauch. In all diesen Fällen weigerte sich die Staatsanwaltschaft jedoch, ein Strafverfahren einzuleiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wird die Kriminalisierung häuslicher Gewalt das Problem lösen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Regierung keine Maßnahmen zur Verringerung der Gewalt gegen Frauen ergriffen hat. Im April dieses Jahres ist ein <a href="https://xs.uz/ru/post/o-vnesenii-izmenenij-i-dopolnenij-v-nekotorye-zakonodatelnye-akty-respubliki-uzbekistan-v-svyazi-s-dalnejshim-sovershenstvovaniem-sistemy-nadezhnoj-zaschity-prav-svobod-i-zakonnykh-interesov-zhenschin-i-detej-3">Gesetz</a> zur Änderung des usbekischen Systems zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt in Kraft getreten. Ein Paket verabschiedeter Änderungen des Straf- und Verwaltungsrechts des Landes sieht eine getrennte verwaltungs- und strafrechtliche Haftung für häusliche Gewalt und Belästigung vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als häusliche Gewalt gelten nun nicht nur Übergriffe, sondern auch die Verletzungen von Rechten (auf Eigentum, Bildung, Gesundheit und Arbeit), Beleidigungen, Drohungen und die erzwungene Trennung von engen Verwandten. Darüber hinaus kann eine Schutzanordnung, die bisher für 30 Tage ausgestellt wurde, nun auf bis zu ein Jahr verlängert werden. Die Strafen für sexuelle Gewalt wurden ebenfalls verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Expert:innen und Menschenrechtsaktivist:innen bezweifeln allerdings den Erfolg des neu verabschiedeten Gesetzes. Sie befürchten, Stereotype in der patriarchalischen Gesellschaft Usbekistans werden nach wie vor überwiegen. Als eine Schwierigkeit sehen sie auch die Anfälligkeit der Strafverfolgungsbehörden für Korruption.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin Dilfuza Kurolova ist der Meinung, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt keine maßgeblichen Auswirkungen auf die Situation der Femizide haben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird [dieses Gesetz] nicht in der Lage sein, [Femizid] zu verhindern, weil es immer noch psychologische und finanzielle Gewalt gibt. Die Opfer können die Anzeige jederzeit zurückziehen und Ermittlungen einstellen, und das ist ein großes Problem. Deshalb muss der Artikel 66-1 des Strafgesetzbuchs, nach dem ein Verdächtiger aufgrund einer Versöhnung von der strafrechtlichen Verantwortung befreit werden kann, überarbeitet oder aufgehoben werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Expertin, die im Bereich Frauen und Kinderrechte tätig ist und nicht genannt werden möchte, betont, dass die Kriminalisierung der häuslichen Gewalt ein positiver Schritt ist, dass aber die Verschärfung der Strafen allein das Problem nicht lösen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sehen, dass die Rolle der Frauen in Usbekistan trotz der Bemühungen der Regierung und einer aktiveren Zivilgesellschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Das liegt auch daran, dass es in der Gesellschaft insgesamt keine absolute Absenz für die Duldung von Gewalt gibt. Wir stellen fest, dass sich in unserer Gesellschaft eine patriarchalische Haltung gegenüber Mädchen und Frauen durchsetzt, die, wie mir scheint, nicht ganz korrekt ist, und auf einer völlig falschen Auslegung der islamischen Vorschriften über die Erziehung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft beruht, in der nur von den Pflichten der Frauen die Rede ist und die Pflichten der Männer gegenüber den Frauen vergessen werden“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch internationale Menschenrechtsorganisationen haben ihre Besorgnis geäußert. In dem <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">Bericht</a> von <a href="https://www.amnesty.de/">Amnesty International</a> aus dem Jahr 2022 mit dem Titel <a href="https://eurasia.amnesty.org/wp-content/uploads/2022/12/nasilie-v-otnoshenii-zhenshhin-v-vostochnoj-evrope-i-czentralnoj-azii.pdf">„Osteuropäische und zentralasiatische Frauen brauchen Schutz vor Gewalt in Krisen- und normalen Zeiten“</a> wurde beispielsweise festgestellt, dass „die Situation durch eine starke Zunahme traditionalistischer, patriarchaler und offen frauenfeindlicher politischer Rhetorik weiter verschärft wird“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amnesty International <a href="https://eurasia.amnesty.org/2023/04/06/parlament-uzbekistana-prinyal-davno-nazrevshij-zakon-ob-ugolovnoj-otvetstvennosti-za-nasilie-v-seme/">begrüßte</a> zwar die Verabschiedung wichtiger Schritte zur Verbesserung der Lage der Frauen in Usbekistan, stellte jedoch fest, dass „noch viel zu tun bleibt, um das neue Gesetz umzusetzen, häusliche Gewalt zu verhindern und patriarchale Einstellungen in der Gesellschaft zu überwinden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der weit verbreitete, zutiefst traditionalistische Ansatz bei der Lösung von Familienkonflikten ist nach wie vor eines der Haupthindernisse für einen besseren Schutz der Opfer“, heißt es in dem Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Wie die Datenbank erstellt wurde</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Daten wurden mithilfe einer Javascript-Automatisierungsbibliothek namens Puppeteer extrahiert, die den Browser steuern kann. Die ursprünglichen Nachrichtenseiten wurden manuell ausgewählt, und der Parser-Code musste für jede einzelne Seite individuell angepasst werden, da sie alle recht unterschiedlich waren. Als Suchbegriffe wurden die am häufigsten in Texten über Frauenmorde vorkommenden Begriffe verwendet, z. B. „hat Frau getötet“, „hat Frau zerstückelt“, „hat seine Frau erstochen“, „hat ermordet“, „Leiche gefunden“ und so weiter. Das Wort „Frau“ wurde auch auf „Ehefrau“ und „Mädchen“ ausgeweitet. Die Daten wurden in einem Format extrahiert und anschließend in ein Excel-Tabellenblatt importiert. Die Tabelle musste manuell bearbeitet werden, da der Code auch Kriminalitätsnachrichten aus anderen Ländern extrahierte, die sich nicht auf Femizid bezogen. Auf diese Weise konnten wir mehr als 150 Femizid-Nachrichten aus den Jahren 2018 bis 2023 sammeln und auswerten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Luiza Atabaeva für Cabar.Asia</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/femitsid-v-uzbekistane-dlya-togo-chtoby-zashhitit-zhenshhin-nuzhny-bolee-sereznye-mehanizmy">Russischen</a> von Berenika Zeller</p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/">Femizid in Usbekistan – Es sind wirksamere Mechanismen zum Schutz von Frauen erforderlich</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/femizid-in-usbekistan-es-sind-wirksamere-mechanismen-zum-schutz-von-frauen-erforderlich/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
