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	<title>Familie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Familie Archives</title>
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		<title>Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Turkmenistan verbreitet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 22:15:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-&#xF6;konomische Kontext sind die Hauptursachen. Laut einer im Dezember von Radio Free Europe ver&#xF6;ffentlichten Recherche ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-ökonomische Kontext sind die Hauptursachen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer im Dezember von Radio Free Europe veröffentlichten <a href="https://www.instagram.com/p/DR6h6_6gbtK/?img_index=1">Recherche</a> ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische Parlament 2018 ein Gesetz verabschiedet, das die Polygamie verbietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Quellen von Radio Free Europe zufolge ist Polygamie immer häufiger geworden, insbesondere unter Geschäftsleuten und Beamten. Diese Männer haben mehrere Ehefrauen, eine offiziell und weitere durch religiöse oder inoffizielle Vereinbarungen. Unter dem Sowjetregime war Polygamie bereits verboten und wurde mit bis zu zwei Jahren Arbeitslager bestraft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Last der Tradition</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tradition wird als einer der Gründe für dieses Phänomen benannt. &nbsp;Diese Begründung gab Turkmenistans erster Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saparmyrat_Ny%C3%BDazow">Saparmyrat Nyyazow</a> 1999, um Polygamie zu legalisieren. Er sprach insbesondere von der Notwendigkeit, „<em>lokale Gebräuche und alte Traditionen zu respektieren“</em>, ohne die Legalisierung jedoch offiziell umzusetzen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Polygamie ist ein fester Bestandteil der turkmenischen Kultur, ob es uns gefällt oder nicht. Sie ist ein Element der nationalen Identität“</em>, erklärt Aynabat Yaylymova, Leiterin der <a href="https://progres.online/">Progres Foundation</a>, einer auf Menschenrechte in Turkmenistan spezialisierten, in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation, gegenüber Novastan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Traditionelle Praktiken, die einst als ‚rückständig‘ und ‚frauenerniedrigend‘ galten (einschließlich Polygamie, Anm. d. Red.), tauchen wieder auf und werden durch die Untätigkeit und das Schweigen des Staates begünstigt“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Soziale Akzeptanz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Yaylymova befürworte ein Teil der turkmenischen Bevölkerung die Polygamie als Reaktion auf die Versuche der Behörden, sie während der Sowjetzeit zu verbieten. <em>„Zu Sowjetzeiten galt diese Praxis den Turkmenen als archaisch und entwürdigend für die Geschlechterbeziehungen. […] Die neue postsowjetische Generation der Turkmenen ist mit der Akzeptanz oder Normalisierung dieser Beziehungsform aufgewachsen. Es könnte deutlich mehr Akzeptanz für diese Praxis geben“</em>, erklärt die Expertin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thema Polygamie ist in Turkmenistan jedoch weiterhin ein Tabu. <em>„Die Mehrheit der Bevölkerung betrachtet es als Privatsache, ähnlich wie häusliche Gewalt oder Abtreibung. Man spricht nicht gern offen darüber, zumal Polygamie unter Strafe steht. Das Thema wird selten öffentlich diskutiert“</em>, so Yaylymova.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sozio-ökonomische Faktoren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Praxis der Polygamie wird auch durch die sozio-ökonomischen Gegebenheiten des Landes begünstigt. Laut der Recherche von Radio Free Europe akzeptieren turkmenische Familien aus Gründen wirtschaftlicher Notlage mitunter die Verheiratung ihrer Töchter als Zweit- oder Drittfrau. Denn für arme Familien ist es schwierig, eine Hochzeit zu organisieren, da die Mitgift sehr hoch ausfallen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele dieser polygamen Beziehungen basieren auf religiösen Eheschließungen. Dies verhindert allerdings, dass die Frauen und ihre Kinder rechtlichen Schutz erhalten. Weitere zu berücksichtigende Faktoren sind familiärer Druck, Unfruchtbarkeit, die Stigmatisierung unverheirateter Frauen und arbeitsbedingte Migration.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwierige Umstände für Frauen und Kinder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aynabat Yaylymova bietet die ultrakonservative Frauenpolitik der turkmenischen Regierung einen fruchtbaren Boden für die Polygamie. <em>„Häusliche Gewalt wurde entkriminalisiert, und die Frist für einen Schwangerschaftsabbruch wurde von zwölf auf fünf Wochen verkürzt. Es ist schwierig geworden, sich scheiden zu lassen und eine gewalttätige Familie zu verlassen“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Und wenn man Indikatoren wie den sich verschlechternden Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung und reproduktiver Gesundheitsversorgung, die zunehmende Armut und Ungleichheit sowie die verstärkte Arbeitsmigration berücksichtigt, ergibt sich diese explosive Mischung“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/polygamie-in-zentralasien-zwischen-recht-und-realitaet/"><strong>Polygamie in Zentralasien: Zwischen Recht und Realität</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenische Männer, die zur Arbeit ins Ausland gehen, gründen dort oft Zweitfamilien und lassen ihre Familien in Turkmenistan vernachlässigt und in Armut zurück. Yaylymova ist überzeugt, dass Kinder in polygamen Beziehungen am meisten leiden, da das turkmenische Zivilrecht die religiöse Ehe nicht anerkennt. <em>„Daher fällt es ihnen schwer zu verstehen, wie schutzlos sie werden, wenn der Familienvater sie verlässt“</em>, so die Expertin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Machtsymbol einflussreicher Männer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist die Forscherin der Ansicht, dass Polygamie ein <em>„Symbol des sozialen Status [und] der Macht in einer patriarchalischen Gesellschaft“</em> ist. <em>„Es ist eine Art der Behauptung: Ich habe die Mittel und die Ressourcen, und ich kann tun, was ich will, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen“</em>, meint Yaylymova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie weist aber auch darauf hin, dass einige Frauen, insbesondere alleinerziehende Mütter und Witwen, den Wunsch hegen, die zweite oder dritte Partnerin eines Mannes zu sein. Ihrer Ansicht nach sehen sie dies als eine Möglichkeit, <em>„die umständlichen zivilrechtlichen Verfahren zu umgehen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/"><strong>Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der zunehmende Konsum und die hohen Ansprüche an ein besseres Leben machen die Vorstellung, die Zweitfrau eines Mannes zu sein, der ihr einen angemessenen Lebensstandard bieten und ihre Bedürfnisse befriedigen kann, attraktiv. Offiziell ist es schön, Ehefrau und Mutter zu sein, aber inoffiziell scheint es einfacher zu sein, mit einem reichen und einflussreichen Mann zusammenzuleben“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Leugnung durch die Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Polygamie laut Verfassung und internationalen Verpflichtungen illegal ist, leugnen die turkmenischen Behörden deren Existenz und meiden es, die damit verbundenen Probleme öffentlich anzusprechen. Daher wird sie im Verborgenen praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aynabat Yaylymova sieht darin eine institutionelle und administrative Schwäche des Staates. <em>„Es gibt zwar ein Gesetz, aber keine Durchführungsrichtlinien, keine Finanzierung, keine Umsetzung, keine Evaluierung. Es ist ein systemisches Versagen“</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/"><strong>„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Die Leugnung entspricht der Weltanschauung der Regierung. Sie dient ihren Interessen. Sie läuft darauf hinaus, einem Mann zu sagen, dass er in seiner Familie tun und lassen kann, was er will. […] Der Staat setzt Männer aber auch dadurch unter Druck, dass er von ihnen erwartet, die Ernährer der Familie zu sein“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind Gesetze in Turkmenistan lediglich eine Formsache. <em>„Die turkmenische Gesellschaft weiß nicht, wie dieses Gesetz angewendet und umgesetzt wird und welche Position die Regierung zu dieser Praxis und diesem tief verwurzelten kulturellen Problem vertritt. […] Viele Aspekte des turkmenischen Lebens entziehen sich jeglicher rechtlichen Grundlage.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>William Onkur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/malgre-son-interdiction-la-polygamie-reste-repandue-au-turkmenistan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Polygamie in Zentralasien: Zwischen Recht und Realität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 13:40:35 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Sadyr Dschaparow]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Skandal vergangenen Sommer er&#xF6;ffnete einmal mehr die Debatte um Polygamie in zentralasiatischen Gesellschaften &#x2013; und um die Vereinbarung von illegalen Ehen mit mehreren Frauen. Dies nahm Radio Azattyq zum Anlass zu ergr&#xFC;nden, warum die Praxis der &#x201E;zweiten Frauen&#x201D; in den L&#xE4;ndern Zentralasiens trotz formeller Verbote nach wie vor weit verbreitet ist. Im Juni, kurz [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Skandal vergangenen Sommer eröffnete einmal mehr die Debatte um Polygamie in zentralasiatischen Gesellschaften – und um die Vereinbarung von illegalen Ehen mit mehreren Frauen. Dies nahm Radio Azattyq zum Anlass zu ergründen, warum die Praxis der „zweiten Frauen” in den Ländern Zentralasiens trotz formeller Verbote nach wie vor weit verbreitet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni, kurz vor der parlamentarischen Sommerpause, stimmten die Abgeordneten des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> (Parlament Kirgistans, Anm. d. Übers.) für Änderungen im Strafgesetzbuch, darunter auch die Aufhebung des Artikels, der eine strafrechtliche Verfolgung von Polygamie vorsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die breite Öffentlichkeit erfuhr davon erst im August, als Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> das Dokument mit Einwänden an das Parlament zurückgab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Polygamie verletzt die Würde von Frauen und Mädchen, verletzt ihr Recht auf Gleichberechtigung und Schutz in der Familie, hat schwerwiegende Folgen, einschließlich materieller Entbehrungen und Verletzung von Vermögensinteressen, und schadet Kindern und ihrem Wohlergehen“</em>, hieß es in einer Erklärung der Präsidialverwaltung zu diesem Thema.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Versuch, die Polygamie in Kirgistan zu legalisieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Dschaparow und seine Verwaltung sprachen sich gegen die Abschaffung der Strafe für Polygamie aus, sondern auch die Generalstaatsanwaltschaft, die Ombudsstelle und andere staatliche Stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Seiten der Abgeordneten wurden Rechtfertigungen laut. Einige erklärten, dass sie die Legalisierung der Polygamie nicht diskutiert und nicht dafür gestimmt hätten, sondern dass die Änderung erst nach der Abstimmung in das Dokument „eingeschlichen” sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit ist Polygamie in Kirgistan weiterhin strafbar. Artikel 176 des Strafgesetzbuches von Kirgistan verbietet das Zusammenleben eines Mannes mit zwei oder mehr Frauen „unter gemeinsamer Haushaltsführung”. Ein Verstoß wird mit gemeinnütziger Arbeit, Strafarbeit oder einer Geldstrafe geahndet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch trotz des formellen Verbots ist Polygamie in Kirgistan keine Seltenheit, auch nicht unter den bekannten Persönlichkeiten des Landes. Im Jahr 2017 gab der ehemalige Großmufti Tschubak Dschalilow <a href="https://kaktus.media/doc/366768_mvd:_dela_ne_bydet_poka_jena_chybak_ajy_ne_podast_zaiavlenie.html">öffentlich zu</a>, eine zweite Frau geheiratet zu haben. Der Geschäftsmann Askar Salymbekow, Eigentümer des Marktes „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dordoi-Basar">Dordoj</a>“, sprach offen über seine „Doppelehe“. Selbst der ehemalige Ombudsmann Tursunbaj Bakir uulu rechtfertigte die Polygamie wiederholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/polygamie-in-kirgistan-ehemaliger-mufti-lost-polemik-aus/">Polygamie in Kirgistan: ehemaliger Mufti löst Polemik aus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn die Frau krank ist oder keine Kinder bekommen kann, warum sollte man sich dann scheiden lassen? Mit ihrer Zustimmung kann man eine weitere Frau heiraten. Diese wird nicht nur deine Frau sein, sondern auch die Schwester deiner Frau”</em>, sagte Bakir uulu <a href="https://rus.azattyk.org/a/27243501.html">in einem Interview</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal werden Fälle von Polygamie unter Politikern bekannt. Der ehemalige Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> war während seiner Amtszeit von 2005 bis 2010 offiziell mit Tatjana Bakijewa verheiratet, die ihn als First Lady begleitete. <a href="https://rus.azattyq.org/a/Kurmanbek_Bakiev_/2020490.html">Wie sich herausstellte</a>, zog er jedoch gleichzeitig Kinder mit seiner zweiten „Ehefrau“, Nuzgul Tolomuschewa, groß. Mit ihr verließ er das Land nach dem Sturz seines Regimes und ging nach Belarus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Verstöße gelangen in der Regel nicht bis zur Polizei und erst recht nicht vor Gericht, meinen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten. Es gibt keine bekannten Fälle von Bestrafungen nach Artikel 176 und „erste Ehefrauen” wenden sich äußerst selten an die Strafverfolgungsbehörden, wenn sie erfahren, dass ihr Mann eine zweite oder sogar dritte „Ehefrau” hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> tätigen Menschenrechtsaktivistin Muchajoo Abduraupowa wenden sich jedoch regelmäßig Dutzende von Frauen, die unter Polygamie leiden, privat an sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Mann vergnügt sich zuerst mit der einen, dann mit der anderen, sein Vermögen bleibt ihm erhalten. Sie schließen eine muslimische Ehe und widerrufen diese dann bei der Polizei. Sie verstecken sich hinter der Religion, helfen aber in Wirklichkeit keiner der beiden Frauen. Oder es kommt vor, dass sich die Beziehung zur ersten Frau verschlechtert hat und die Männer alles für die zweite Frau tun, während sie die erste vor die Tür setzen“</em>, erzählt Abduraupowa.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Streben nach materiellem Wohlstand und rechtlose Kinder</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keine offiziellen Statistiken darüber, wie verbreitet Polygamie in Zentralasien ist. De jure erkennen alle fünf Länder nur eine Ehe an – die im Standesamt geschlossene. Die zweite und alle weiteren „Ehen“ entstehen in der Regel nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ehe">Nikah</a>, einer muslimischen religiösen Zeremonie, die nicht als rechtmäßig gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan ist Polygamie, wie auch im benachbarten Kirgistan, gesetzlich verboten. Das Zusammenleben mit zwei oder mehreren Frauen „unter gemeinsamer Haushaltsführung” wird mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren geahndet. In der Praxis wird Polygamie jedoch auch in Usbekistan offen praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bahodir Elibaev, ein 43-jähriger Englischlehrer in einem Bezirk der Region Fergana in Usbekistan, lebt seit 13 Jahren offen mit zwei Frauen zusammen. Mit Mavzhuda hat er eine offizielle Ehe geschlossen, mit der zweiten Frau, Yulduz, eine Nikah-Ehe. Elibaev behauptet, dass er und seine „Ehefrauen” sich „bewusst” und im Einvernehmen aller Beteiligten für die Polygamie entschieden hätten: <em>„Ich verstehe, dass es für meine Frauen nicht leicht ist. Nicht jede Frau möchte ihren Mann mit einer anderen teilen. Aber auch für mich ist es nicht leicht. Ich muss beide gleich behandeln und beide Familien gleich versorgen.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elibaev hat fünf Kinder von beiden Frauen. Die beiden sehen sich fast nie und haben keinen Kontakt miteinander. Die offizielle Ehefrau Mavzhuda sagt, dass ihr die Entscheidung, die zweite Familie ihres Mannes zu akzeptieren, nicht leicht gefallen sei: <em>„Ich mag die zweite Frau meines Mannes nicht. Wer würde sie schon mögen? Aber ich liebe meinen Mann. Er kümmert sich um mich und die Kinder und hat in unserer Familie eine solche Atmosphäre geschaffen, dass ich nicht das Gefühl habe, dass er noch eine andere Frau hat. Deshalb habe ich meine Ehe nicht zerstört.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/usbekistan-bekaempft-polygamie/">Usbekistan bekämpft Polygamie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite „Frau“ Yulduz sagt, dass sie <em>„nichts zu beanstanden“</em> habe. Gleichzeitig gibt sie zu, dass sie sich wünschen würde, dass die Polygamie in Usbekistan legalisiert würde: <em>„Das Gesetz besagt, dass ein Mann nicht mit mehreren Frauen unter einem Dach leben darf. Wir leben getrennt. Die erste Frau hat ihr eigenes Haus, und ich habe meines. Ich beschwere mich nicht, mein Mann versorgt mich mit allem Notwendigen, behandelt beide Frauen fair und hat unsere Kinder offiziell anerkannt. Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass es in Usbekistan für zweite Frauen erlaubt wäre, ihre Ehe über das Standesamt legalisieren zu lassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es in Usbekistan nicht wenige solcher Familien gibt, lässt sich indirekt daran erkennen, dass die Behörden wiederholt versucht haben, den Kampf gegen die Polygamie zu verschärfen. Im Jahr 2017 drohte Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> Imamen, die Nikahs ohne Heiratsurkunde durchführen, mit Geldstrafen. Damals erklärte er, dass die meisten solcher Fälle in der Hauptstadt Taschkent registriert würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 2023 unterzeichnete Mirziyoyev ein Gesetz, das die Strafen für die Propagierung von Polygamie und die Durchführung von Nikah ohne staatliche Registrierung verschärfte. In der Praxis jedoch etabliert sich die Polygamie zunehmend als „Norm“, die nicht nur von Männern, sondern auch von vielen Frauen freiwillig akzeptiert wird, erzählt eine usbekische Menschenrechtsaktivistin, die anonym bleiben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/gebunden-durch-tradition-das-stille-leiden-der-schwiegertoechter-in-usbekistan/">Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin fügt jedoch hinzu, dass Mädchen, die eine solche „Ehe“ eingehen, einen wichtigen rechtlichen Aspekt vergessen: <em>„Junge Frauen, die Zweitfrauen werden wollen, begründen ihren Wunsch damit, dass Männer ihnen ein Auto oder ein Haus kaufen. Zweitfrauen sind von der Pflicht befreit, sich um die Eltern und Verwandten ihres Mannes zu kümmern. Aber in ihrem Streben nach materiellen Gütern vergessen sie die andere Seite der Medaille. Kinder, die in inoffiziellen Ehen geboren werden, sind gesetzlich überhaupt nicht geschützt. Wenn der Mann die Beziehung beendet, werden ihre Kinder jeglicher Sozialhilfe in Form von Unterhalt beraubt, ganz zu schweigen vom Erbrecht“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen der Arbeitsmigration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 27-jährige Mehrangez aus Tadschikistan weiß aus eigener Erfahrung um die rechtliche Schutzlosigkeit nicht nur von Kindern, die in einer inoffiziellen Ehe geboren wurden, sondern auch von „zweiten Frauen“. In Tadschikistan ist Polygamie ebenfalls offiziell verboten. In Wirklichkeit leben Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Frauen in religiösen Ehen, die rechtlich nicht anerkannt sind, sodass sie weder Anspruch auf Vermögen noch auf Unterhalt oder staatlichen Schutz haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor drei Jahren lernte Mehrangez während einer schmerzhaften Scheidung einen verheirateten Mann kennen, der neun Jahre älter war als sie. Er versicherte ihr, dass er sie nicht verlassen würde, und bat sie, ihn in einer religiösen Zeremonie zu heiraten und ihm einen Sohn zu gebären – in seiner offiziellen Ehe hatte er vier Töchter.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir haben ein Nikah geschlossen, danach mietete er eine Wohnung für mich und blieb ein- bis zweimal pro Woche bei mir“</em>, erzählt Mehrangez. <em>„Ein Jahr nach der Geburt unseres Sohnes kaufte er eine Zweizimmerwohnung am Stadtrand von Duschanbe. Er liess sie auf seinen Namen überschreiben, erklärte sich aber bereit, die Vaterschaft anzuerkennen und gab dem Kind seinen Nachnamen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit begann sich seine Einstellung zu Mehrangez zu ändern: <em>„Er begann zu sagen, ich sei eine schlechte Ehefrau. Wenn ich nicht nachgiebig bin, droht er mir, mich rauszuwerfen und meinen Sohn mitzunehmen. Damit erpresst er mich ständig.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie im siebten periodischen Bericht Tadschikistans, der 2024 dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau vorgelegt wurde, festgestellt wird, haben die Gerichte des Landes von 2019 bis 2022 etwa 375 Fälle über Polygamie verhandelt und Hunderte von Urteilen ausgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/mit-17-jahren-zwei-fehlgeburten-und-eine-scheidung-wie-fruehe-heirat-das-leben-von-maedchen-in-zentralasien-zerstoeren-kann/">„Mit 17 Jahren zwei Fehlgeburten und eine Scheidung“: Wie frühe Heirat das Leben von Mädchen in Zentralasien zerstören kann</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Expertinnen und Experten sind jedoch überzeugt, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs sind. Das tatsächliche Ausmaß des Problems lässt sich kaum einschätzen, da die Beteiligten alles tun, um eine öffentliche Bekanntmachung zu vermeiden: Männer aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung oder dem Zerfall ihrer offiziellen Familie, Frauen aus Mangel an anderen Möglichkeiten, ihren sozialen Status zu festigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Frauen stimmen einer Ehe zu, um ihren akzeptablen sozialen Status ohne Verurteilung durch die Gemeinschaft zu bewahren, meist wenn sie geschieden oder alleinstehend sind, oder um ihren wirtschaftlichen Wohlstand zu verbessern“</em>, vermutet Nargis Saidowa, Leiterin der Nichtregierungsorganisation „Gender und Entwicklung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation wird durch die massive Arbeitsmigration noch verschärft. <em>„Oft heiraten Männer in Tadschikistan in ihrer Heimat, bekommen zwei oder drei Kinder und verlassen diese Familien dann, um ins Ausland zu gehen, und heiraten dort erneut“</em>, sagt der tadschikische Journalist Siroschiddin Tolipow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es kommt nicht selten vor, dass Männer, die migriert sind, den Kontakt zu ihren Familien abbrechen, ihnen keine finanzielle Unterstützung mehr zukommen lassen und die Frauen mit ihren Problemen allein lassen“</em>, fügt Gender-Expertin Saidowa hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland/">Über ausgesetzte Kinder zentralasiatischer MigrantInnen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der seltenen Fälle, der große Aufmerksamkeit erregte, war der Fall von Parwiz Dawlatow, dem Leiter einer Abteilung von „Megafon-Tadschikistan“. Vor vier Jahren schlug seine offizielle Ehefrau seine &#8222;zweite Frau“ zu Tode. Das Gericht befand Dawlatow in mehreren Punkten für schuldig, darunter Polygamie, und seine Frau wegen versuchten Mordes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Gulnora Beknazarowa, Direktorin des Forschungszentrums „Zerkalo“, führt die zunehmende Patriarchalisierung der Gesellschaft zu einem Wertewandel: Für viele Frauen bleibt die Familie die einzige Überlebensquelle, und jede Form der Ehe erscheint ihnen akzeptabel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Soziale Ungleichheit und die Folgen der Arbeitsmigration tragen weiterhin zur Aufrechterhaltung der Praxis der Polygamie bei. Die Gesellschaft muss die stattfindenden Veränderungen aufmerksam beobachten. Diese Transformation kann unvorhersehbare Folgen haben. Beispielsweise beobachten wir immer häufiger, dass Männer nach einer Scheidung ihre eigenen Kinder scheinbar nicht mehr sehen wollen. Mit dem Ende der Ehe endet auch ihre Vaterschaft. Und vielleicht denken einige Frauen gerade deshalb in ihrer Verzweiflung, dass niemand außer ihnen ihre Kinder braucht. Daraus resultieren Tragödien, in denen Mütter sich das Leben nehmen und ihre Kinder mit in den Tod reißen. Diese Prozesse müssen dringend und ernsthaft untersucht werden“</em>, meint Beknazarowa und verweist dabei auf die zunehmenden Fälle von Kindermord und Selbstmord unter Frauen in Tadschikistan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Wir brauchen ein System, das die Rechte aller Beteiligten schützt, insbesondere der Schwächsten“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 30-jährige Kasachin Arujan (Name geändert, Anm. d. Aut.) hat keine Nikah geschlossen und sich geweigert, die zweite Familie ihres Mannes zu akzeptieren. Sie ist die Tochter eines Mannes, der zwei Familien hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arujan erfuhr davon, als sie in der dritten Klasse war: <em>„Meine Mutter erfuhr davon und erzählte es uns. Dabei handelte es sich um die beste Freundin meiner Mutter. Mein Vater lebte in zwei Haushalten, das dauerte etwa 12 Jahre. Dabei versorgte mein Vater beide Familien vollständig. In der einen Familie gab es einen Sohn und eine Tochter, ihre Kinder aus erster Ehe. Wir waren acht Kinder, und ich bin die Älteste. Meine Mutter hat diese Situation schwer ertragen. Obwohl ich noch ein Kind war, habe ich gesehen, wie schwer es für sie war. Irgendwann hat sie sich damit abgefunden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Arujan glaubt, dass ihre Mutter aus mehreren Gründen beschlossen hatte, sich nicht scheiden zu lassen: <em>„Vielleicht liebte sie Papa zu sehr oder tat es den Kindern zuliebe. Und Mama konnte nirgendwo hingehen. Sie ist Kasachin aus Russland, ihre ganze Verwandtschaft lebte dort; in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Taraz</a> (im südlichen Kasachstan, Anm. d. Übers.) hatte sie niemanden. Papas Verwandte waren natürlich nicht einverstanden, aber da Papa das älteste Kind in der Familie war, konnte sich niemand gegen ihn stellen. Und er ist ein ziemlich wohlhabender Mann, vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Allmählich begannen beide Familien, miteinander zu kommunizieren: <em>„Sie kamen zu uns zu Besuch, das galt als normal. Ich habe diese Zeit fast nicht miterlebt, da ich nach Beginn meines Studiums von Taras weggezogen bin. Jetzt bin ich verheiratet, und wenn man mich nach Polygamie fragt, kann ich sagen, dass ich kategorisch dagegen bin. Ich erinnere mich an alles, was meine Mutter durchgemacht hat. Wenn ich mich an diese Situation erinnere, wird mir immer noch unwohl.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit etwa 10 Jahren, sagt Arujan, lebt ihr Vater mit seiner rechtmäßigen Ehefrau zusammen. Aber seine früheren Entscheidungen haben sich auf alle Kinder ausgewirkt. <em>„Meine Brüder zum Beispiel können ihren Frauen sagen: ‚Unser Vater hatte auch eine zweite Familie, also ist das in Ordnung. Die Leute leben damit, und nichts passiert.&#8216; Das heißt, dieselbe Situation wiederholt sich praktisch. Es ist gut, dass meine Mutter sich in diesem Fall nicht zurückzieht, sondern mit ihren Söhnen spricht und ihnen erklärt, dass man so etwas nicht tun darf“</em>, erzählt Arujan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist Polygamie nicht strafbar (die entsprechende Vorschrift wurde bereits 1991 aufgehoben), aber eine zweite Ehe kann nicht offiziell registriert werden – das Standesamt lehnt dies ab, wenn der Ehemann oder die Ehefrau bereits verheiratet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise bekennt sich der Staat zur Monogamie, greift aber faktisch nicht in informelle Partnerschaften ein, meint die kasachische Expertin für Genderfragen, Aıgerim Kusaınyqyzy: <em>„Es entsteht eine Art ‚Grauzone‘. Formal ist es nicht verboten, aber es gibt auch keinen Schutz durch den Staat.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-die-menschen-in-kasachstan-inzwischen-seltener-heiraten/">Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kusaınyqyzy ist überzeugt, dass das Problem der Polygamie in Zentralasien akut ist und einer gründlichen Untersuchung und Neubewertung bedarf. <em>„Es geht nicht nur um eine einfache Verschärfung der Strafen, sondern um eine umfassende Reform, die auf den tatsächlichen Schutz der Rechte von Frauen und Kindern abzielt. Das derzeitige System funktioniert nicht, da Fälle schwer aufzudecken und zu beweisen sind. In Kirgistan muss beispielsweise die ‚gemeinsame Haushaltsführung&#8216; nachgewiesen werden – dies lässt sich selten vor Gericht beweisen. Auch in Tadschikistan sind die Formulierungen in den Gesetzen vage. Die Strafverfolgungsbehörden selbst räumen ein, dass es rechtlich schwierig ist, zwischen einer ‚zweiten Frau&#8216; und einer Lebensgefährtin zu unterscheiden“</em>, ordnet die Expertin ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf das gesetzliche Verbot der Polygamie räumt Kusaınyqyzy ein, dass dieses Phänomen nicht vollständig beseitigt werden kann, hält es jedoch für durchaus realistisch, es einzudämmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die strafrechtliche Verfolgung muss sich auf den tatsächlichen Schaden konzentrieren – Zwang, Gewalt, Betrug mit schwerwiegenden Folgen. Die Feststellung der Vaterschaft muss vereinfacht werden, es müssen klare Kriterien für den Nachweis einer tatsächlichen Ehe eingeführt werden: gemeinsame Kinder, Vermögen, Schulden – und das Recht auf Unterhalt in einer solchen Ehe muss gewährleistet werden. Es müssen reale Statistiken erhoben und mit dem allgemeinen Kampf gegen Gewalt gegen Frauen verknüpft werden. Der Punkt ist, dass einfache Verbote nicht funktionieren. Es braucht ein System, das die Rechte aller Beteiligten schützt, insbesondere der Schwächsten – Frauen und Kinder in nicht registrierten Partnerschaften“</em>, schließt Kusaınyqyzy.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Gulja Hadjaeva und Nargiz Hamrabaeva für Radio Azattyq</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://rus.azattyq.org/a/ya-ne-lyublyu-vtoruyu-zhenu-moego-muzha-poligamiya-v-tsentralnoy-azii-zakon-i-realnost/33524689.html">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Der Großmütter neue Teppiche &#8211; Omas aus abgelegenen Dörfern erstellen Teppiche mit nationaler Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2025 18:47:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ShyraQ ist ein Textilatelier f&#xFC;r handgefertigte Teppiche, hergestellt von Gro&#xDF;m&#xFC;ttern aus dem Gebiet Turkestan. Im Gegensatz zur fabrikm&#xE4;&#xDF;igen Herstellung ist jeder Teppich handgefertigt und hat einen einzigartigen Stil, der die Handschrift der jeweiligen Handwerkerin tr&#xE4;gt. Sanduga&#x15F; Be&#x131;senbekova, Gr&#xFC;nderin des Projekts, erz&#xE4;hlt von der Entstehung der Idee, dem Konzept des Ateliers, dem Produktionsprozess und der Bedeutung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>ShyraQ</em></strong><strong> ist ein Textilatelier für handgefertigte Teppiche, hergestellt von Großmüttern aus dem Gebiet Turkestan. Im Gegensatz zur fabrikmäßigen Herstellung ist jeder Teppich handgefertigt und hat einen einzigartigen Stil, der die Handschrift der jeweiligen Handwerkerin trägt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandugaş Beısenbekova, Gründerin des Projekts, erzählt von der Entstehung der Idee, dem Konzept des Ateliers, dem Produktionsprozess und der Bedeutung der einzelnen Teppichmuster.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Idee des Projekts</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wissenschaftlerin und Entwicklungshelferin habe ich mich schon immer für die Stärkung der Rechte und der Möglichkeiten von Frauen eingesetzt &#8211; insbesondere in ländlichen Gebieten. Als ethnische Kasachin, die einen großen Teil ihrer prägenden Jahre im Ausland verbracht hat, habe ich immer nach meinen Wurzeln und meiner Identität gesucht. Nach 16 Jahren in der Unternehmenswelt und vier Jahren in der akademischen Sphäre, habe ich realisiert, dass ich ständig auf der Suche nach modernen Interpretationen vertrauter traditioneller Gegenstände bin, die zu zeitgenössischem Design harmonieren. So entstand die Idee, die<em> Zuldyz</em>-Serie zu kreieren. Ich habe das Glück, aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Türkistan_(Gebiet)">Gebiet Türkistan</a> zu stammen: Dort leben vor allem die Träger des alten Handwerks der Kilem Toqu (aus dem Kasachischen &#8211; Teppichweberei &#8211; d. Red.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stamme aus einem kleinen Dorf und verbrachte früher jeden Sommer in meiner Heimat im Gebiet Türkistan. Mit sieben durfte ich zum ersten Mal mit meiner Großmutter an der Herstellung eines Koschma-Teppichs mitarbeiten (Koschma ist ein Filzteppich aus Ziegen- oder Kamelhaaren, Anm.d.Ü.). Es war eine harte, anstrengende und schmerzhafte Arbeit: Meine Hände waren mit Blasen übersät und ich verstand nicht, warum das notwendig war.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Doch stellte sich heraus, dass ich es sehr wohl brauchte: Meine Großmutter ist vor 20 Jahren gestorben, und seitdem übt niemand in unserer Familie mehr dieses Handwerk aus. Aber ich erinnere mich gern daran, wie wir uns jeden Abend um den <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dastarkhān">Dastarhan</a> versammelten, scherzten und plauderten. Dieser Prozess dauerte 20 Tage und brachte uns einander näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>ShyraQ</em> ist eine ganze Gemeinschaft talentierter Handwerkerinnen aus dem Gebiet Türkistan. Zu unserem Team gehören mehr als zehn Meisterinnen-Omas, die kasachische Nationalteppiche in einem modernen Stil herstellen. Sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrung an junge Mütter weiter, was nicht nur die Traditionen bewahrt, sondern den Frauen auch die Möglichkeit eines zusätzlichen Einkommens und der Selbstverwirklichung bietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptidee hinter unseren Produkten ist die Suche nach einer verlorenen kulturellen Identität. Heute kaufen viele Menschen erschwingliche Teppiche aus der Türkei oder China: Doch nur wenige erkennen die Bedeutung der Motive, die sie darin sehen. Wenn ich um die Welt reise, suche ich immer auf der Suche das, was das lokale Erbe widerspiegelt &#8211; sei es in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Toledo">Toledo</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a> oder wo sonst auf der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/textilien-teppiche-und-geometrie-stoffproduktion-in-zentralasien/"><strong>Textilien, Teppiche und Geometrie: Stoffproduktion in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kulturerbe sind nicht nur Museumsstücke: Es ist das, was uns einzigartig macht. So wie die kasachische Musik mit den Künstlern <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ruAHJJXifFg">Yenlik</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e4xH97y8gkk">ARO</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=v00BONAxyto">Moldanazar,</a> Konyrat FM einen neuen Klang findet, wollen wir zeigen, dass kasachische Teppiche nicht nur Dekoration sind, sondern Symbole der kasachischen Geschichte, Kunst und kultureller Werte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zweite wichtige Teil unseres Konzepts ist das Schaffen eines authentischen persönlichen Raums. Wir möchten, dass unsere Teppiche zu einem Erdungspunkt werden: einem Ort, an dem man Seelenfrieden, Vertrauen und den Mut findet, frei von Vorurteilen und Ängsten zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich stehen wir uns für einen ethischen Konsum ein: Heutzutage versuchen immer mehr Menschen, verantwortungsvoll hergestellte Produkte zu wählen, die lokale Gemeinschaften unterstützen und umweltfreundlich sind. Unsere Produktion unterstützt die Frauen in abgelegenen Regionen Kasachstans und gibt ihnen die Möglichkeit zu einem Einkommen und zur Selbstverwirklichung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Gründung des Studios</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich begann mit Recherchen über kasachische Ornamente und Teppiche. Leider haben wir nicht genügend Ethnographen und Kulturwissenschaftler, die sich gründlich mit diesem Thema beschäftigen. Ich musste selbst in diese Welt eintauchen: Ich traf mich mit Wissenschaftlern, um besser zu verstehen, wie Wolle funktioniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan war mal ein führender Agrarstaat, aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Ölwirtschaft, und die Woll- oder Textilindustrie war am Rande des Überlebens. Heute gibt es nur noch zwei Wollverarbeitungsbetriebe im Land, und der Großteil des Rohmaterials wird nach China exportiert: Das bereitet sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/form-worms-to-ikats-eine-hommage-an-die-zentralasiatische-textiltechnik-ikat-in-der-schweiz/"><strong>„From Worms to Ikats“: Eine Hommage an die zentralasiatische Textiltechnik „Ikat“ in der Schweiz</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der zweiten Phase ging es darum, die Arbeit in Gang zu bringen und Webermeisterinnen zu suchen. Ich ging in die Dörfer und sprach Verwandte an, um Frauen mit Webekenntnissen zu finden. Viele von ihnen hatten das Handwerk seit mehr als 30 Jahren nicht mehr ausgeübt, und es dauerte eine Weile, bis sie ihre Fähigkeiten wieder erlangten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Stufe ist der Aufstieg, und eben in dieser Phase, befinden wir uns gerade. Wir haben <a href="https://www.instagram.com/shyraq_rug/">unsere Instagram-Seite</a> erst im Mai eingerichtet. Bis dahin beruhte unsere Werbung ausschließlich auf Mundpropaganda.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Arbeitsprozess</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite mit unseren Meisterinnen-Omas an der Skizzierung und der Auswahl der Farbpalette. Wir analysieren jedes Teppichmuster nach seiner Bedeutung. Sie sorgen dann dafür, dass die Webtechniken korrekt ausgeführt werden. Ich habe keine spezialisierte Ausbildung in diese Richtung, deshalb ziehe ich oft Spezialisten zu Rate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Teppichweben ist nämlich echte Mathematik: Es ist wichtig, die Anzahl der Knoten und die Richtung der einzelnen Muster zu berechnen. Für einen 50 Zentimeter breiten Teppich braucht man mehr als 160 Knoten. Stellen Sie sich vor, was für eine mühsame Arbeit das ist! Gerade deswegen ist unsere Produktion begrenzt. Ich möchte, dass jeder Teppich mit der Liebe und Wärme gefüllt ist, die in seine Entstehung fließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Meisterinnen sind Großmütter und Mütter von vielen Kindern, und wir haben keinen strengen Zeitplan oder einen klaren Arbeitsalgorithmus. Sie arbeiten zu Hause an kleinen Webstühlen, oft spät in der Nacht oder früh am Morgen, wenn sie vom Haushalt frei sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/navbakhor-boudot-das-gesicht-der-usbekischen-textils-in-frankreich/"><strong>Navbakhor Boudot, das Gesicht des usbekischen Textils in Frankreich</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens wird jeder unserer Teppiche mit einer persönlichen Signatur versehen: Immer schreiben wir, wer genau diesen Teppich gewoben hat. Jede Meisterin hat ihren eigenen Stil:  Die eine macht ihre Knoten etwas fester, die andere bevorzugt eine entspanntere Technik.<br>Zurzeit konzentrieren wir uns auf kleinere Teppiche in der Größe 50 x 50 Zentimeter. Für die Herstellung eines solchen Teppich braucht eine erfahrene Meisterin mindestens sieben Tage. Ich bitte immer unsere Meisterinnen, auf sich selbst und ihre Gesundheit zu achten: Manchmal sind unsere Omas so begeistert von der Arbeit, dass sie gleich vier Stunden ohne Pause am Webstuhl sitzen, deshalb rufe ich sie regelmäßig an und schaue nach, dass sie nicht übertreiben und sich schonen.<br><br>Unsere Omas beten und legen besondere Aufmerksamkeit auf Details und auf die Bedeutung jedes Musters. Der Prozess der Herstellung eines Teppichs ist für sie fast wie Meditation. Sie scherzen und sagen, dass sie beim Arbeiten alles Wichtige vergessen, und fliehen in die wunderschöne Welt der Teppiche und entspannen in diesem kreativen Prozess. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bestellungen und Zukunftspläne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Teppiche kann man nur online auf Instagram bestellen. Zurzeit gründen wir eine Webseite, und planen aber auch ein Showroom zu eröffnen. Der Preis eines Teppichs hängt von der Komplexität der Arbeit und der Expertise, die er benötigt. Für die Erstellung eines Teppichs bereiten wir mehr als zehn Skizzen, bis wir das beste Ergebnis erreicht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stecken unsere Seele und unser handwerkliches Geschick in jede Arbeitsphase, und genau daraus entsteht der Endpreis. Unseren Kunden ist es wichtig, ein einzigartiges Produkt zu bekommen, durchdrungen von kulturellem Erbe und handwerklicher Qualität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Sortiment umfasst vier Arten von Mustern und drei Arten von Teppichen nach Größe. Jedes Muster wird von einem Kommentar und seiner Geschichte begleitet. Zu den Teppichtypen gehören ein klassischer Teppich, ein Mini-Teppich und ein Gebetsteppich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Oktober [der Orginal-Artikel stammt aus dem September 2024, Anm. d. Red.] planen wir die <em>She Rug</em>-Ausstellung in Astana: Dort zeigen wir, wie Teppiche uns beeinflusst haben und wie wir sie umgestaltet haben. Wie wir wissen, schenkten Nomaden ihren Töchtern oft Teppiche als Mitgift: Diese symbolisierte die Stärke der Familie, die besten Wünsche und eine Botschaft für die Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/"><strong>Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Teppich war auch eine Art Reisepass: Er erzählte die Geschichte der Familie und der tapferen Vorfahren der Braut. Die männliche Linie galt zwar als Grundlage des Stammbaums, jedoch betrachteten die Kasachen die Frau als Hüterin des Herdes und ehrten vor allem die mütterliche Linie. Ein interessanter Fakt: Der erste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pasyryk-Teppich">Pazyryk-Teppich</a> wurde auf dem Gebiet von Kasachstan, im Altai-Gebirge, gefunden. Die kasachischen Teppiche haben jedoch noch nicht ihren Platz auf der Weltbühne eingenommen. Sie sind einfach nicht in den Listen. Es gibt armenische, turkmenische und aserbaidschanische Teppiche, aber keine kasachischen Teppiche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir möchten das ändern und Ausstellungen nicht nur in Kasachstan, sondern auch im Ausland veranstalten. Die Kunst der Teppichweberei wird von Generation zu Generation weitergegeben. Bis in die 1980er Jahre war ein Teppich aus einem kasachischen Haushalt nicht wegzudenken: Er war nicht nur ein Einrichtungsgegenstand, sondern ein Familienerbstück, das die Stärke der Familie symbolisierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem arbeiten wir daran, die Produktion zu erweitern. Geplant ist die Eröffnung einer Werkstatt für die Herstellung großer Teppiche und eines angeschlossenen Schulungszentrums. Dort werden wir junge HandwerkerInnen ausbilden, um das einzigartige Kulturerbe bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Janagul-Apa erzählt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Janagul-Apa ist eine der Meisterinnen-Omas, die für ShyraQ Teppiche herstellen. Sie erzahlt über sich und ihren Arbeitstag:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon immer habe ich kasachisches Kunsthandwerk gemocht. Ich kann verschiedene Arten von Produkten weben. Seit meiner Kindheit, als ich in der vierten Klasse war, hat meine Mutter dieselben Handarbeiten gemacht. Als kleines Mädchen habe ich meiner Mutter beim Weben zugesehen, und es hat mir so gut gefallen, dass ich es nicht mehr lassen konnte. Meine Mutter hat manchmal gesagt: „Fass es nicht an, du machst es kaputt“, aber ich lernte trotzdem weiter von ihr. In der vierten Klasse hatte ich schon alles gelernt und beherrschte viele Fertigkeiten. Ich kann Pullover, Jumpsuits und Schals stricken und Quasten machen. Egal was, ich kann das stricken, wenn ich es nur einmal sehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin Näherin von Beruf. Früher war ich aber Geografielehrerin: In der Schule in Usbekistan habe ich Handarbeit und Geografie unterrichtet. Als ich nach Kasachstan kam, habe ich wieder genäht. Ich habe Kleider für meine Freundinnen und Schwestern genäht. Ich habe zwei Söhne, zwei Töchter und 20 Enkelkinder. So Gott will, werde ich nächstes Jahr 59 Jahre alt.<br>Ich sah andere Meisterinnen bei diesem Handwerk zu, und durch sie lernte ich diese Arbeit. Meine Klassenkameradin Nargul schickte mir Informationen über WhatsApp. Das weckte mein Interesse. Als ich die kasachischen Muster sah, wollte ich sofort mitmachen. So habe ich beschlossen, hier zu arbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mein</strong> <strong>Arbeitstag</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stehe spätestens um fünf Uhr morgens auf. Ich bete, melke die Kuh und koche Brei für meine Enkelkinder, während meine Schwiegertöchter noch schlafen. Danach erledige ich meine tägliche Arbeit. Um sechs Uhr morgens habe ich die Kuh gemolken und Brei für die Kinder gekocht, danach habe ich Freizeit. Ich arbeite, bis ich müde bin. Von neun Uhr morgens bis zum Mittagessen knüpfe ich Teppiche, dann ruhe ich mich ein wenig aus und arbeite weiter. Im Laufe des Tages rezitiere ich fünfmal Namaz. Abends beende ich meine Arbeit gegen zehn Uhr. Ich webe nicht in der Nacht. Ich arbeite schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist Handarbeit. Wenn ich es in meiner Freizeit mache, ist das eine gute Möglichkeit, keine Zeit zu verschwenden. Ich kann nicht nur rumsitzen. Auch wenn ich keinen Teppich webe, mache ich etwas anderes. Für mich macht es keinen Unterschied, was für eine Arbeit ich mache. Ich liebe es, neue Muster und Stile zu erfinden und zu kombinieren, um etwas Originelles und Ungewöhnliches zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im Origialartikel.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/interview-people/37535-kak-babushki-iz-turkestana-sozdayut-unikalnye-kovry-s-natsionalnoy-aydentikoy"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Giulia Manca</strong></p>



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		<title>Familienausflug</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jan 2025 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Merw]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine einheimische Familie besucht die St&#xE4;tte der ersten Festung von Merw und spaziert entlang der alten Mauern. Die antike Stadt Merw stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Diese Oase an der Seidenstra&#xDF;e gilt als eines der 16 perfekten L&#xE4;nder, die Ahura Mazda in der zoroastrischen Tradition schuf. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde Merw [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Eine einheimische Familie besucht die Stätte der ersten Festung von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a></strong> und spaziert entlang der alten Mauern. Die antike Stadt Merw stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Diese Oase an der Seidenstraße gilt als eines der 16 perfekten Länder, die <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ahura_Mazda">Ahura Mazda</a></strong> in der zoroastrischen Tradition schuf. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde Merw mit einer Bevölkerung von bis zu 500.000 Menschen zur größten Stadt der Welt. Noch heute zeugen die Ruinen von einer großartigen Vergangenheit. (Merw, Turkmenistan)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto: Tommaso Aguzzi</strong> (Italie, <strong><a href="http://instagram.com/tomaguzzi">@tomaguzzi</a></strong>)</p>


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		<title>Ein Leben als Kelinka – Bericht über einen kasachischen Brauch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jun 2024 12:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Brauch]]></category>
		<category><![CDATA[Druck]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Pflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Schwiegertochter]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Br&#xE4;utigams &#x201E;&#xFC;bergeht&#x201C;. Dort schmei&#xDF;t sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die M&#xF6;glichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen. Kelin oder [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Bräutigams „übergeht“. Dort schmeißt sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die Möglichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kelin oder umgangssprachlich Kelinka nennt man in Teilen Zentralasiens die verheiratete Schwiegertochter, die nach der Hochzeit in die Familie des Bräutigams „übergeht“. Dort schmeißt sie den Haushalt, kocht, putzt und sorgt sich um die Launen der ganzen Familie. Oft geschieht dies ohne ihre Zustimmung und ohne die Möglichkeit, ihre Situation selbst zu beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tradition existiert seit Jahrhunderten und ist besonders im Süden Kasachstans verbreitet. Unter dem Vorwand, familiären Zusammenhalt zu schaffen, macht der Brauch die Kelins allen voran zu kostenlosen Arbeitskräften. Heute führt dieses Thema zu heftigen Kontroversen zwischen den konservativen und den progressiven Teilen der Gesellschaft. Befürworter wollen Tradition und kulturelles Erbe wahren. Die Gegner argumentieren hingegen, dass ein solcher Brauch ein Relikt der Vergangenheit ist, das vom Patriarchat instrumentalisiert wird, um die Schwiegertöchter auszubeuten. Wir sprachen mit Aida* über die Beziehung zu ihrem Mann, dem Balanceakt zwischen Studium und familiären Pflichten und den Schwierigkeiten, auf die sie in ihren 15 Jahren als Kelinka gestoßen ist. (Die Meinung der Redaktion spiegelt nicht unbedingt ihre Meinung wider.)</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte der Heldin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aida wurde 1994 im Alter von 22 Jahren verheiratet. Sie lernte ihren Verlobten in der usbekischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">S</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">i</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">rdar</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">yo</a>, nahe der kasachischen Grenze, kennen. Sie trafen sich nur ein paar Mal, doch er bekundete schnell großes Interesse an ihr. Nach ein paar Treffen hielt er bei Aidas Großvater um ihre Hand an und bekam grünes Licht. Einen Monat später fand die Hochzeit statt &#8211; gegen Aidas Willen. Doch an ihrem Schicksal gab es nichts zu rütteln, immerhin hatte sie ihrem Großvater ihr Wort gegeben. Wäre sie geflohen, hätte sie Schande über ihre Familie gebracht. Also fügte sie sich. Ihr Großvater verlangte, dass Aida trotz ihrer Pflichten als Kelin weiter studieren und als Ärztin arbeiten sollte. So begann ihr Leben als Kelin in der Familie ihres Mannes. Die beiden bekamen zwei Kinder, trotz der Doppelbelastung behielt sie ihren Job. Nach 15 Jahren Ehe verließen sie schließlich das Elternhaus und zogen ins südkasachische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Tara</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">s</a>. Später zogen sie nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, wo die Kinder langsam erwachsen wurden und es auch beruflich für Aida bergauf ging. Ein paar Jahre später ließ sie sich von ihrem Mann scheiden. Nun ist sie Mitte 50 und arbeitet als Augenärztin in Almaty. Im Folgenden geben wir ihren Bericht über ihr Leben als Kelin wieder.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Andere Familien, andere Sitten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lebte 15 Jahre lang mit meinem Mann zusammen: Acht Jahre lang wohnten wir mit seinen Eltern in einem Haus, dann weitere sieben Jahre im Nachbarhaus. Doch das machte keinen Unterschied: Wann immer etwas zu tun war, wurde ich gerufen. Ich war vor allen andern auf den Beinen, um den Hof zu fegen, die Pflanzen zu gießen und das Frühstück auf den Tisch zu bringen. Erst danach widmete ich mich meinem Job und dem Studium. Im ersten Jahr meiner Ehe befand ich mich im sechsten Jahr des Medizinstudiums. Danach begann das Referendariat. Meine Schwiegermutter kümmerte sich um das Abendessen, weil ich dafür keine Zeit hatte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang war es schwierig, weil ich mit einer anderen Mentalität aufgewachsen war: Die Schwiegermutter meiner Mutter war Tatarin, weshalb kasachische Bräuche Neuland für mich waren. In der Familie meines Mannes ließen die neuen Gesetze und Regeln nicht auf mich warten. Zuerst bekam ich ein Kopftuch, das ich beinah pausenlos tragen musste. Ich sollte es auch bei der Arbeit tragen, aber da stellte ich mich quer. Dann kam der ungewohnte Umgang mit Gästen: Ich musste den Tisch decken und mich vor allen verbeugen, genauso wie ich das jeden Morgen auch vor meinen Schwiegereltern tat. Das war Pflicht, solange sie selbst nicht freiwillig auf den Brauch verzichteten. Meine Schwiegermutter tat das irgendwann. Mir kam das gelegen, weil ich ein bisschen schüchtern bin und nur wenig Kasachisch sprach. Zwar war die Sprachbarriere keine große Einschränkung, aber ich brauchte ein wenig Zeit. Ich hatte Glück, dass ich mich mit der Mutter meines Mannes und der Frau meines Bruders gut verstand. Sonst wäre es noch viel schwieriger gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/">„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste stressige Moment war die Geburtstagsfeier eines Verwandten. Dort sollte ich mich vor bestimmten Personen verbeugen. , Ich wurde neben die älteste Kelin &#8211; die Frau meines Bruders – gesetzt, die mit mir die Gäste begrüßte und mich unterstützte. Der Tisch wurde natürlich im Voraus gedeckt. Während des Essens sorgte ich dafür, dass die Teegläser der Gäste nie leer waren. Neu war für mich auch die Art, die leeren Teller unseres Nationalgerichts <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Beschbarmak">Beschbarmak</a> abzuräumen: Ich musste das Geschirr rückwärts in die Küche balancieren, wobei ich die Gäste ansah, mich nicht umdrehen durfte und schließlich mit dem Rücken zur Tür stand. Diesen Teil der Arbeit fand ich gar nicht übel, das hatte etwas Elegantes. Ich wollte es besonders schön machen, ohne dabei zu stolpern. Dadurch entstand eine Art inoffizieller Wettbewerb mit den restlichen Kelins des Hauses.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Psychischer Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten halben Jahr stand ich unter Schock. Es war eine Frage der Gewöhnung, aber auch der Einstellung. Wenn man sich selbst in die Pfanne haut, indem man sagt: „Warum sollte ich mich als Akademikern und Ärztin verbeugen?!“, hält man nicht lange durch. Aber es geht um Kleinigkeiten wie Salem Beru (so wird die Begrüßung der Schwiegereltern mit einer Verbeugung genannt). Auch hier habe ich mich wohlgefühlt, denn es ist weniger Interaktion mit Menschen gefordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel problematischer ist der Mangel an Freizeit und die viele Hausarbeit drumherum. Wenn Verwandte zu Besuch sind, die im gleichen Alter sind und ihre Kinder mitbringen, muss man ganz schön auf Zack sein. Aber man gewöhnt sich schnell daran, bei allen Aufgaben einen Zahn zuzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den anderen ist es egal, wie müde wir sind, Hauptsache, die Aufgaben werden erledigt. Verwandte behandeln uns oft, als seien sie unsere Kunden. Wir sollen Mutter und Arbeiterin in einer Person vereinen, kochen, den Haushalt schmeißen und die Kleidung der Familie sowie der Gäste waschen. Dies ist besonders im Süden verbreitet, fast wie in „<a href="https://www.imdb.com/title/tt5516214/">Kelinka Sabina“</a> (eine kasachische Komödie). Hin und wieder versuchte mein Mann, mir den Rücken zu decken, aber zumeist ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-feste-tradition-oder-zwang/">Kirgisische Feste – Tradition oder Zwang?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir nach acht Jahren dieses Lebens mit meinem Mann und den Kindern in das Haus nebenan zogen, änderte das unseren Alltag kaum. Sieben Jahre später zogen wir ins einige 100 Kilometer entfernte Taras. Weit weg vom Rest der Familie lebten wir dort endlich nach unseren eigenen Regeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatten meine Verwandten jedoch Gäste zu Besuch, musste ich trotzdem zurück nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirdaryo_(Stadt)">Sirdaryo</a>undsie bedienen, so als würde ich noch bei ihnen leben. Nicht selten luden sie die Gäste während meiner Arbeitszeiten zu sich ein, wodurch sie mich regelmäßig zwangen, mir frei zu nehmen. Jedes Mal musste ich mich rechtfertigen. Zum Glück sind die Chefs im Süden an Kelinkas gewöhnt und zeigen für die Verschiebung meiner Arbeitszeiten Verständnis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tradition im Wandel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Jugend denkt anders, worüber ich sehr froh bin. Viele Traditionen sind mittlerweile irrelevant, obwohl es auch positive Aspekte gibt. Einerseits ist es ungerecht, dass man kocht, putzt und all diese Aufgaben niemals delegiert werden, andererseits wahren wir Respekt gegenüber den Älteren und lernen so, als Familie zusammenzuhalten und die persönlichen Grenzen aller, auch die der Frau, einzuhalten. Leider sehen das viele anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen innerhalb der Familie verändern sich, und niemand ist darauf bedacht, sie zu erhalten. Dabei ist eine Familie harte Arbeit. Das Zusammenleben mit den Eltern ermöglicht es jungen Menschen, sich aneinander zu gewöhnen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Großmutter war hilfsbereit gegenüber ihren Schwiegertöchtern und die Kinder dankten ihr dafür. Auch meine Mutter lebte elf Jahre lang bei ihrer Schwiegermutter und wollte kaum ihr Haus verlassen. Als sie arbeiten ging, wurden wir Kinder von meinen Großeltern beaufsichtigt. Irgendjemand hatte immer ein Auge auf uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man jung ist, ist die Hilfe der Älteren eine wahnsinnige Stütze, auch in finanzieller Hinsicht. Natürlich wollte ich getrennt leben, weil ich eigene Kinder hatte, aber nach einer Weile hielt ich es für sinnvoller. Ein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter ist Gold wert. Sie gibt Ratschläge und hilft im Haushalt ebenso wie in der Beziehung zum Mann, immerhin kennt sie ihren Sohn am besten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Ehe muss man auch Beziehungen zum Rest der Familie seines Mannes aufbauen, da man in Kasachstan nicht nur mit seinem Ehemann kommunizieren kann. Das Zusammenleben hilft dabei: Der Mensch ist ein kollektives Wesen. Der enge Kontakt zu den Verwandten hilft auch mental, ein bisschen wie in einem italienischen Clan. Man fühlt sich beschützt und geborgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir werden heute immer individueller. So sehr, dass uns beinah das Bedürfnis nach Gemeinschaft abhanden kommt. Viele Menschen arbeiten online und haben keinen Kontakt mehr zu Kollegen und Freunden. Bei all der Informationsflut, die wir heute haben, ist es schwer, allein zu sein. Da kann eine große Familie schon abhelfen. Sie ist immer da, ob du Kummer hast oder vor Freude strahlst. In diesem Sinne hat unsere Tradition auch kulturelle Bedeutung. Als Heranwachsender lernt man in einer großen Familie, was es heißt, in einer Gemeinschaft zu leben, sich zu unterstützen und zusammenzuhalten. Das brauchen wir heute mehr denn je.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jangir Djangildin für The Village Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/experience/35685-ya-byla-kelinkoy-15-let">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



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			</item>
		<item>
		<title>Childfree: Wie lebt es sich kinderlos in Usbekistan?</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/childfree-wie-lebt-es-sich-kinderlos-in-usbekistan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2024 18:57:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[childfree]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend in Usbekistan Kinderkriegen f&#xFC;r weite Teile der Bev&#xF6;lkerung als unverzichtbarer Teil des Lebens und gesellschaftliche Pflicht gilt, gibt es immer mehr Menschen, die sich sehr bewusst f&#xFC;r oder gegen den Nachwuchs zu entscheiden. Doch was sind die genauen Beweggr&#xFC;nde hinter &#x201E;Childfree&#x201C; in Usbekistan? Der Begriff &#x201E;Childfree&#x201C; und die dahinterstehende Ideologie ist nicht mehr ganz [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während in Usbekistan Kinderkriegen für weite Teile der Bevölkerung als unverzichtbarer Teil des Lebens und gesellschaftliche Pflicht gilt, gibt es immer mehr Menschen, die sich sehr bewusst für oder gegen den Nachwuchs zu entscheiden. Doch was sind die genauen Beweggründe hinter „Childfree“ in Usbekistan?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „Childfree“ und die dahinterstehende Ideologie ist nicht mehr ganz neu, sondern kam in den USA im Kontext der Emanzipation auf. In den 70ern wurde die Nationale Organisation für Nicht-Eltern gegründet und später in <a href="https://muse.jhu.edu/article/613015">Nationale Allianz für optionale Elternschaft (NAOP)</a> umbenannt. Die Gründung zielte vor allem darauf ab, eine soziale Gruppe von Menschen auszumachen, die sich freiwillig gegen das Kinderkriegen entschieden hatten. Der Verein setzte sich für die Normalisierung dieser Lebensweise ein und sprach sich gegen die stereotypische Verpflichtung des Kinderkriegens aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es gibt viele Mythen und Vorurteile kinderlosen Menschen gegenüber: Mal heißt es, sie würden Kinder hassen, mal sie seien egoistisch. Ihr Verhalten sei natürlich alles andere als normal und sie entzögen sich ihrer Pflicht gegenüber dem Fortbestehen des eigenen Volkes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Anna Rumyantseva ist beratende klinische Psychologin und Mitglied der <a href="https://associationcbt.ru/">Vereinigung der kognitiven Verhaltenstherapeut:innen</a>. Sie bekräftigt, dass die moderne Psychologie die Entscheidung gegen Kinder nicht für eine Abweichung von der Norm hält. <em>„</em><a href="https://www.spektrum.de/news/sind-instinkte-erlernt/1460075"><em>Studien</em></a><em> belegen, dass wir </em><a href="https://www.spektrum.de/news/sind-instinkte-erlernt/1460075"><em>keine Instinkte</em></a><em> haben, somit auch nicht den der Fortpflanzung. Die Entscheidung, Kinder zu bekommen oder nicht, bleibt daher jedem selbst überlassen. Sie hängt von seinem Umfeld und vielen weiteren Faktoren ab“</em>, erklärt die Psychologin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Aus meiner Praxis weiß ich, dass manche Klienten als Folge eines Kindheitstraumas, wie zum Beispiel Missbrauch, keine Kinder haben wollen. Sie haben Angst davor, ihre Elternrolle schlecht umzusetzen oder ihr Kind zu verletzen. Eine Therapie kann hier Abhilfe schaffen“</em>, so Rumyantseva. Angst oder Trauma seien aber nur eine mögliche Quelle der Entscheidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verlorene-kindheit-uber-die-kinder-tadschikischer-arbeitsmigranten/"><strong>Verlorene Kindheit – Über die Kinder tadschikischer Arbeitsmigranten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eine will erst sein Studium abgeschlossen wissen, der andere seine Eigentumswohnung erwerben und wieder jemand anderes möchte sich bei der Partner:innen-Wahl sicher sein.<br>Wiederum andere sind mit der Lage der Welt nicht zufrieden und möchten aus Gründen, die die Umwelt, Wirtschaft oder anderen Faktoren betreffen, keine Nachkommen in diese Welt setzen.  Jede Geschichte ist anders, ebenso die Gründe, sich gegen Kinder zu entscheiden. Menschen, die sich selbst als kinderlos bezeichnen, haben ihre Erfahrungen mit Hook geteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Yevgeni, 38, Spieleentwickler</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, ich machte mir das erste Mal dazu Gedanken, als einige meiner Altersgenossen Eltern wurden. Ich hatte kein Bedürfnis danach und fühlte mich mit kleinen Kindern im Allgemeinen nicht besonders wohl. Es wurde anstrengend, Freunde zu besuchen, die alle naselang Bilder von ihren Kindern zeigten und ich ganz gerührt dazusitzen hatte. Zuerst dachte ich, ich sei einfach noch nicht so weit, hätte noch nicht genug gehabt. Aber als die Jahre vergingen und der Kinderwunsch nicht auftauchen wollte, wurde mir klar, dass er das niemals würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als schließlich die Tochter meiner Freunde zur Welt kam, hatte ich keine Zweifel mehr. Ich beobachtete sie, sah, wie sie sich ganz dem Kind widmen mussten, während ihr Leben, ihre Interessen, ihr soziales Umfeld hinten runter fielen. Da wurde mir klar, dass ein Kind eine der großen Entscheidungen des Lebens ist, und man sich seines Willens so sicher wie nur möglich sein sollte. Childfree steht für mich allen voran für das Bewusstsein darum, bei dieser Entscheidung in sich selbst hineinzuhorchen und weniger auf den Druck und die Meinung Außenstehender zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-usbekistan-frauen-klassifiziert/"><strong>Wie Usbekistan Frauen klassifiziert</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde nicht eines Nachts hochschrecken, nur um festzustellen, nicht das Leben zu führen, dass ich mir wünsche. Niemand hat sich um meine Entscheidung zu scheren. Hin und wieder meinten Bekannte und Nachbarn meiner Eltern, mich mit dem Thema Heirat und Kinder zu langweilen. Aber das passiert eben, wenn man keine anderen Gesprächsthemen hat. Was das Altwerden ohne Kinder betrifft? Ich halte es für egoistisch, einem Menschen den Weg ins Leben zu ebnen mit der eigensinnigen Absicht, irgendwann ein Helferlein im Haus zu haben. Wer so etwas sagt, ist schlicht und einfach neidisch, dass andere den Mut haben, so zu leben, wie sie wollen, und nicht, wie sie sollten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Anastasia, 20, Künstlerin</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich etwa neun Jahre alt war, fand ich sechsjährige und jüngere Kinder furchtbar nervig. In der 6. bis 7. Klasse machten meine Klassenkameraden allen erdenklichen Blödsinn mit den Erstklässlern und führten Gespräche über Kinder. Ich selbst konnte diesem Thema gar nichts abgewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Childfree heißt für mich, Bewusstsein und Verantwortung für das Leben anderer Menschen zu übernehmen. Ich glaube, dass man ein Kind aus ganzem Herzen wollen sollte, um eines zu bekommen. Es geht dabei auch darum, eigene psychische Verfassung, das Geschehen in dieser Welt, die wirtschaftliche Lage einzuschätzen und sich seines Partners und seines Wunsches sicher zu sein. Meine Mutter nimmt das alles ganz gelassen. Andere Verwandte schauen mich an, als wäre ich verrückt, oder versuchen mir weiszumachen, dass ich tief in mir den Kinderwunsch habe oder noch entwickeln werde und es einfach noch nicht verstanden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-wenn-frauen-eine-stimme-fordern/"><strong>Usbekistan: Wenn Frauen eine Stimme fordern</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong> </strong>An dieser Entscheidung kann nur ich selbst rütteln. Ob und was mich in dieser Hinsicht beeinflusst, das wird sich zeigen. Sicher spielt auch meine panische Angst vor der Geburt eine entscheidende Rolle. Sollte ich wider Erwarten irgendwann ein Kind haben wollen, würde ich so oder so adoptieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nigina, 36, Wissenschaftliche Mitarbeiterin </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor meinem zwanzigsten Geburtstag war der Kinderwunsch immer wieder präsent, wenn auch unbewusst. Das ging einfach allen so und alle akzeptierten das. Als ich mit 25 eine lange Beziehung beendete, wurde mir nach und nach klar, dass ich mit unserer kinderlosen Situation immer glücklich gewesen war. Die Verantwortung war mir zu groß und ich wollte nicht bis an mein Lebensende Mutter sein. Aus dieser Rolle kann man nicht mal eben aussteigen, die Verantwortung beiseitelegen, ein Nickerchen machen und neue Kraft fürs Mutterdasein tanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher liegen die Gründe hierfür auch in meiner Kindheit. Nicht, dass ich es außerordentlich schwer hatte – jeder hat sein Päckchen zu tragen. Meine Eltern waren oft lange mit ihrer Arbeit beschäftigt. Ich war zweitrangig. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie froh darum waren, mich als Kind zu haben. Meine Probleme brachten sie aus dem Konzept und ihre elterlichen Pflichten beschränkten sich aufs Kochen und Umziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/nachhaltige-unternehmensfuehrung-und-frauenfoerderung-green-business-in-usbekistan/"><strong>Nachhaltige Unternehmensführung und Frauenförderung – ein Interview mit Saida Yusupova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich geht es auch darum, jemanden zu lieben, den ich niemals haben werde. Ich werde nicht die Mutter sein, die ihre Entscheidung eines nachts bereuen wird. Ein Kind verdient es, geliebt und gut erzogen zu werden. Eltern zeigen sich immer öfter wohlwollend. Wenn ihre Kinder irgendeine Art Blödsinn zum ersten Mal machen, agieren sie unterstützend, statt gleich in die Luft zu gehen.&nbsp; Manch einer hat eine solche Liebe im Gegensatz zu mir selbst erfahren dürfen. Eben deshalb könnte ich sie meinen Kindern auch nie weitergeben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich mir wieder anhören darf, wie egoistisch ich sei, kann ich darüber nur lachen. Wie viele Familien bekommen aus einer Laune heraus oder völlig unüberlegt Kinder? Aber die Verachtung ernte natürlich ich. Meine Freunde und meine Familie fallen mir mit ihrer Meinung dazu nicht ins Haus. Das ist eine Ausnahme, in einer Gesellschaft, in der es Gang und Gäbe ist, über einander zu urteilen und Entscheidungen zu verurteilen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ethik und Taktgefühl</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eifrig nachzuhaken, was Menschen zum Leben ohne Kinder bewegt, ist sicher interessant, aber nicht immer rücksichtsvoll. Hinter einer Entscheidung stecken mitunter komplexe Lebenswege, schwierige Erfahrungen und schmerzhafte Erinnerungen. Nicht jeder Mensch ohne Kinder ist ein kinder-freier Mensch<strong>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elena Medvedeva<strong>,</strong> Familien- und Entwicklungspychologin, schreibt darüber in ihrem <a href="https://www.b17.ru/article/childfree_reasons/">Blog</a>: <em>„Über einen so intimen Teil unseres Lebens spricht man nicht mit jedem. Es ist gesellschaftlich völlig normal, wenn sich auch Nachbarn oder Bekannte an Plänen für die Fortführung der Familie interessieren. Wer sich als Childfree bekennt, geht schmerzhaften, taktlosen Fragen aus dem Weg. Gleichzeitig schützt er sich vor mitunter schwierigen Themen oder Situationen, in denen man ihm vorwerfen würde, er sei hinsichtlich Fortpflanzung unfähig oder minderwertig.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kinder zu haben oder nicht – das ist eine große Entscheidung im Leben eines jeden Menschen. Laut Expert:innen sind beide Optionen hervorragend, solang die Entscheidung bewusst getroffen wird.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Original von <a href="https://hook.report/2024/03/ne-tikayut/">Hook</a> wurde von der Redaktion von Novastan gekürzt</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[La rédaction]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jan 2024 16:37:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Nursultan Nazarbaev]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ver&#xF6;ffentlichung von Ausz&#xFC;gen aus den Memoiren Mein Leben des ehemaligen Pr&#xE4;sidenten Nazarbaev entfacht erneut die Diskussion &#xFC;ber Polygamie in Kasachstan. Am 1. Dezember erschien &#x201E;Moja Schisn&#x201C; (Mein Leben), die Memoiren des ersten kasachstanischen Staatschefs Nursultan Nazarbaev. Einige pers&#xF6;nliche Details waren allerdings auch schon vorher an die &#xD6;ffentlichkeit gelangt. So bestt&#xE4;tigt der ehemalige Politiker Ger&#xFC;chte [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Veröffentlichung von Auszügen aus den Memoiren<em> Mein Leben </em>des ehemaligen Präsidenten Nazarbaev entfacht erneut die Diskussion über Polygamie in Kasachstan.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. Dezember <a href="https://www.dw.com/ru/o-vtoroj-zene-putine-i-tokaeve-o-cem-na-samom-dele-memuary-nazarbaeva/a-67659928">erschien</a> „Moja Schisn“ (Mein Leben), die Memoiren des ersten kasachstanischen Staatschefs Nursultan Nazarbaev. Einige persönliche Details waren allerdings auch schon vorher an die Öffentlichkeit <a href="https://orda.kz/nursultan-nazarbaev-vpervye-priznal-nalichie-vtoroj-semi-ljubimoj-zhenschiny-asel-isabaevoj-i-dvoih-synovej-379704/">gelangt</a>. So besttätigt der ehemalige Politiker Gerüchte über eine Affäre, die seit über zwanzig Jahren im Land kursieren. Und er gesteht die Existenz einer zweiten Familie, bestehend aus seiner zweiten Frau Äsel Qurmanbaeva (früher Isabaeva) und den beiden Söhnen Tauman und Baıken besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was als Klatsch der Boulevardpresse abgetan werden könnte, wirft tatsächlich eine soziale Frage auf, die in Zentralasien an Bedeutung gewonnen hat. Es handelt sich also um weit mehr als eine persönliche Rechtfertigung der außerehelichen Beziehungen Nazarbaevs zur Imagepflege nach seiner völligen Entmachtung. Mit diesem Bekenntnis trägt er dazu bei, die Polygamie zu verharmlosen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der rechtliche Status der Polygamie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst ist es wichtig, zwischen den Begriffen „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Polygynie">Polygynie</a>“ und „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vielehe">Polygamie</a>“ zu unterscheiden. Polygynie bezeichnet außereheliche Affären, während Polygamie ein Ehesystem bezeichnet, in dem eine Person gleichzeitig mit mehreren Ehepartnern verbunden ist.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Polygamie ist in allen zentralasiatischen Staaten illegal. Nur in Kasachstan wurde sie 1998 entkriminalisiert, berichtet der US-amerikanische Sender <a href="https://www.rferl.org/a/polygamy_a_fact_of_life_in_kazakhstan/24242198.html">Radio Free Europe</a>. In der Praxis ist die Existenz von Erst- und Zweitfrauen, auf Kasachisch Bäıbişe und Toqal, rechtlich nicht vorgesehen. Die Standesämter dürfen keine Ehe eintragen, wenn einer der beiden Partner bereits zivil verheiratet ist. Bei der zweiten, dritten oder vierten Ehe, die nach klassischer muslimischer Rechtsauffassung zulässig ist, wird die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ehe">Nikah</a> oder religiöse Hochzeit im kleinen Kreis gefeiert und nur von einem Imam offiziell bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/usbekistan-bekaempft-polygamie/">Usbekistan bekämpft Polygamie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings gab es in den letzten zwei Jahrzehnten mehrfach Anläufe Versuche, die Polygamie auch zivilrechtlich zu legalisieren. So schlug der Abgeordnete Amangeldı Aitaly 2001 eine Änderung des Familien- und Ehegesetzes vor, die die Polygamie vollständig legalisiert hätte. Nachdem sein erster Versuch abgelehnt worden war, scheiterte er im Jahr 2008 mit einem zweiten Anlauf erneut, wie <a href="https://www.rferl.org/a/1144507.html">Radio Free Europe</a> berichtete. Für die Befürworter der Polygynie gibt es zwei Hauptargumente für die Demokratisierung der Polygamie.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Je mehr Ehen, desto weniger Scheidungen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste Argument für die Polygamie hat mit dem sozialen Status zu tun. Ehe und Familie spielen für viele Menschen in Kasachstan eine zentrale Rolle, eine Zukunft ohne Kinder und Heirat ist in diesem Verständnis kaum vorstellbar. Es überrascht nicht, dass vor allem Frauen für die Einhaltung „traditioneller“ Normen verantwortlich gemacht werden. Das ist auch der <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ehe-im-interesse-des-staates-rezension-einer-broschuere-fuer-ehefrauen/?noredirect=de-DE">Broschüre</a> „„Ehe- eine knifflige Angelegenheit. Wählen Sie ihren Partner fürs Leben! zu entnehmen, die 2019 auf Staatskosten herausgegeben wurde, um jungen Mädchen „<em>die Pflicht einzutrichtern, alles zu ertragen und ihre Ambitionen, die perfekte Ehefrau zu werden, aufzugeben</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ehe-im-interesse-des-staates-rezension-einer-broschuere-fuer-ehefrauen/?noredirect=de-DE">Ehe im Interesse des Staates &#8211; Rezension einer Broschüre für Ehefrauen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ehe steht in Kasachstan für Lebensqualität. Der soziale Status beider Geschlechter hängt von diesem Lebensabschnitt ab. Doch während viele Kasachen bereits in jungem Alter heiraten, lassen sie sich auch früh wieder scheiden, wie die <a href="https://www.mdpi.com/2077-1444/12/8/654">Veröffentlichungen</a> von <a href="https://www.drhelenethibault.com/">Hélène Thibault</a>, Forscherin an der Nazarbaev-Universität in Astana, zeigen. Laut Daten der Vereinten Nationen hat Kasachstan eine der höchsten Scheidungsraten der Welt. Zwischen 2014 und 2019 wurde jede dritte Ehe geschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Scheidung ist zwar kein Tabu mehr, da sie sehr häufig vorkommt, aber immer noch verpönt, da sie als „<em>Versagen oder Ausdruck von Egoismus</em>“ angesehen wird, wie Thibault erläutert. Wer unverheiratet, geschieden oder kinderlos ist, läuft Gefahr, diesem sozialen Stigma ausgesetzt zu sein. Vor diesem Hintergrund ist die Legalisierung der Polygamie für ihre Befürworter ein Mittel, um der steigenden Scheidungsrate im Land entgegenzuwirken und das Bild der kasachischen Familie wieder „aufzupolieren“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Schlüssel zu einer stabilen Demografie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Befürworter der Polygamie argumentieren zudem, dass diese Praxis dazu beitragen könne, die Geburtenrate zu erhöhen und eine demografische Krise zu vermeiden. Offizielle Statistiken aus dem Jahr 2014 <a href="https://centralasiaprogram.org/faces-polygyny-kazakhstan/#_ftn8">zeigen</a> ein „geringes, aber signifikantes“ demografisches Ungleichgewicht zwischen der Anzahl der Männer (48,27 Prozent) und der Anzahl der Frauen (51,72 Prozent) in der Bevölkerung Kasachstans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Stimmen behaupten, Männer könnten über die Nachkommenschaft mehrerer Frauen die Geburtenrate in Kasachstan erhöhen und auf diese Weise das demografische Problem lösen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beziehungskonsum</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jüngste <a href="https://www.mdpi.com/2077-1444/12/8/654">Untersuchungen</a> zeigen auch, wie die Globalisierung der Bevölkerung ihren modernistischen Stempel aufgedrückt hat, der zu einem Freiheitsdrang im Beziehungsleben geführt hat. Die Nutzung neuer Technologien hat Kasachstan einerseits allmählich in eine Kultur des Beziehungskonsums geführt. Dank sozialer Netzwerke ist es ein Leichtes geworden, Ferngespräche oder -beziehungen zu führen. Immer mehr Männer und Frauen wollen „Erfahrungen sammeln“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits haben viele Frauen in der Polygynie einen Weg gefunden, der Rolle der Hausfrau zu entkommen. In einem <a href="https://centralasiaprogram.org/faces-polygyny-kazakhstan/#_ftn8">Interview</a>, das Hélène Thibault 2020 führte, erklärte eine Tokal, d.h. eine Zweitfrau, dass sie „keine Lust hatte, die Rolle einer traditionellen Ehefrau zu spielen, die nur dazu da ist, ihrem Mann oder, schlimmer noch, ihrer Schwiegerfamilie zu dienen, im Austausch für materiellen Komfort.“ Sie weigerte sich, bei den konservativen Eltern ihres Mannes zu leben, weil sie nicht deren „Putzfrau“ sein wollte. Ihr Partner heiratete daher schließlich eine dritte, jüngere Frau, um sich um seine Eltern zu kümmern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gesellschaftliche Rollen werden neu verhandelt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis ermöglicht die Polygynie bzw. die Legalisierung der Polygamie kasachischen Frauen unter anderem, ihren Platz und ihre Rolle in Familie und Gesellschaft flexibler auszuhandeln. Für Thibault stellt die Polygynie „<em>für einige Frauen bereits eine Möglichkeit dar, ihre Unabhängigkeit in ihren Beziehungen zu bewahren</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/was-laeuft-falsch-in-kasachstans-gleichstellungspolitik/">Was läuft falsch in Kasachstans Gleichstellungspolitik?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn noch keine neuen politischen Verhandlungen geplant sind, ist die Zunahme der Praxis eklatant. Die Geständnisse des ehemaligen Präsidenten Nazarbaev tragen weiter zu ihrer Normalisierung bei. Sie sind „<em>nur einer von vielen Hinweisen darauf, dass Polygamie in Kasachstan zu einem wiederkehrenden und relativ alltäglichen Thema geworden ist</em>“, erklärt Thibault.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Expertin gibt es jedoch nach wie vor viele Widerstände „wegen<em> des Bezugs zur Religion und der wahrgenommenen Verletzung des säkularen Charakters des Staates</em>“. Darüber hinaus wirft die Einseitigkeit der Polygamie, die nur Männern erlaubt, mehrere Partnerinnen zu heiraten, weiterhin die Frage nach der Gleichberechtigung der Geschlechter in Kasachstan auf.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Candice Vavon<br>Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Aufrecht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jun 2021 03:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Zug]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einem Zug in Kasachstan halten sich drei Geschwister m&#xF6;glichst gerade f&#xFC;r einen Schnappschluss, und brechen gleich danach in Gel&#xE4;chter aus. Kredit:&#xA0;Ashley et Quentin&#xA0;(Frankreich) Findet alle unsere Bilder des Tages&#xA0;hier.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In einem Zug in Kasachstan halten sich drei Geschwister möglichst gerade für einen Schnappschluss, und brechen gleich danach in Gelächter aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kredit:</strong>&nbsp;<strong><a href="https://www.instagram.com/justine.is.away/?hl=it"></a><a href="https://www.enselle.voyage/">Ashley et Quentin</a>&nbsp;(Frankreich)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Findet alle unsere Bilder des Tages&nbsp;<a href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">hier</a>.</p>
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		<title>In der Küche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jun 2021 02:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Danil Usmanov]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Almazbek Midinov, 27, sitzt mit seiner Familie (Frau, Tochter und Bruder) in der K&#xFC;che in Sary-Moghol. Er begann 2013 als Bergf&#xFC;hrer bei CBT Sary-Moghol zu arbeiten. Im Jahr 2017 wurde er auch Englischlehrer und baute ein G&#xE4;stehaus in der Gegend. Er bekam zweimal Kredit, das letzte Mal im Februar 2020, und stellte den Bau seines [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Almazbek Midinov, 27, sitzt mit seiner Familie (Frau, Tochter und Bruder) in der Küche in Sary-Moghol. Er begann 2013 als Bergführer bei CBT Sary-Moghol zu arbeiten. Im Jahr 2017 wurde er auch Englischlehrer und baute ein Gästehaus in der Gegend. Er bekam zweimal Kredit, das letzte Mal im Februar 2020, und stellte den Bau seines Gästehauses im August 2020 fertig. Almazbek sagt, es sei ein schwieriges Jahr mit wenig Arbeit und finanziellen Mitteln gewesen. Er muss trotzdem jeden Monat seinen Bankkredit zurückzahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto: <a href="http://danilusmanov.com/">Danil Usmanov</a></strong> <strong>(Kirgisistan)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um mehr über Danil Usmanov und seine Bilder zu erfahren klicke <a>hier</a>. Wir haben Danil und einige seiner Werke bereits in unserer Serie <a>&#8222;Zentralasien durch die Linse von &#8230;&#8220;</a> vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bilder sind Teil des UNDPEurasia Projekts &#8222;Surviving a pandemic: Visual impacts of Covid-19&#8220; die 2020 realisiert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Findet alle unsere Bilder des Tages <a href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">hier</a>.</p>
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		<title>Asel erntet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2021 04:10:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Irina Unruh]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weil sie ihrer Familie oft geholfen hat, konnte Asel bereits eine Menge Landwirschaftlichen know-hows sammeln. Foto :&#xA0;Irina Unruh&#xA0;(Deutschland) Dieses Foto ist Teil unserer Reihe&#xA0;&#x201E;Zentralasien durch die Linse von&#x2026;&#x201C;&#xA0;um mehr &#xFC;ber Irina Unruh und ihre Arbeit zu erfahren, klicke&#xA0;hier. Hier&#xA0;geht&#x2019;s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Weil sie ihrer Familie oft geholfen hat, konnte Asel bereits eine Menge Landwirschaftlichen know-hows sammeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto :&nbsp;<a href="https://www.irinaunruh.com/index/G0000QsAouF68oRY">Irina Unruh</a>&nbsp;(Deutschland)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Foto ist Teil unserer Reihe&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tag/zentralasien-durch-die-linse-von/">„Zentralasien durch die Linse von…“</a>&nbsp;um mehr über Irina Unruh und ihre Arbeit zu erfahren, klicke&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-durch-die-linse-von-irina-unruh/">hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/de/tag/bild-des-tages/">Hier</a>&nbsp;geht’s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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