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	<title>Ethnographie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Ethnographie Archives</title>
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		<title>„Wir kennen nur die männliche Seite unserer Familiengeschichte“: Terek Story arbeitet die weibliche Geschichte Kasachstans auf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vlast]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Mar 2024 11:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201E;Die Geschichte meiner Vorfahren ist meine Geschichte&#x201C;. Dies ist der Standpunkt des Teams der Initiative Terek Story, das die Geschichte Kasachstans durch die Geschichten seiner Einwohner:innen beleuchten will. Vlast sprach mit dem Projektteam &#xFC;ber einen neuen Blick auf die Vergangenheit, die Ethnografie der Familien und den Wunsch, eine geografische digitale Karte der Familienerinnerungen zu erstellen.&#xA0; [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>„Die Geschichte meiner Vorfahren ist meine Geschichte“</em>. Dies ist der Standpunkt des Teams der Initiative <a href="https://www.instagram.com/terekstory/">Terek Story</a>, das die Geschichte Kasachstans durch die Geschichten seiner Einwohner:innen beleuchten will. Vlast sprach mit dem Projektteam über einen neuen Blick auf die Vergangenheit, die Ethnografie der Familien und den Wunsch, eine geografische digitale Karte der Familienerinnerungen zu erstellen</strong>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Terek Story wurde im Mai letzten Jahres mit <a href="https://www.aulinspired.org/">Aul Inspired</a> und dem <a href="https://ru.policysolutions.kz/">Zentrum für politische Lösungen</a> als Partner ins Leben gerufen. Während der dreimonatigen Pilotphase des Projekts wurden 26 Geschichten aus verschiedenen Teilen Kasachstans gesammelt. Das Team besteht nun aus 11 Personen. Während der Pilotphase wurden Workshops abgehalten und mehrere Podcast-Episoden zum Thema Familienethnographie produziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Geschichte, weshalb ich das Fach auch an der Universität studiert habe. Viele Menschen denken, dass Geschichte eintönig und langweilig ist und keinen Einfluss auf uns hat. Aber in Wirklichkeit ist die Geschichte unsere Vergangenheit, die Vergangenheit unserer Familie“</em>, sagt Gulnaz Tulenova, die Projektleiterin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Terek Story sammelt Geschichten auf zwei Arten: Es gibt eine Instagram-Seite, auf der jeder die Geschichte seiner Familie teilen kann, indem er das Projektteam kontaktiert. Man kann dort auch selbst einen Beitrag in den sozialen Medien verfassen und einen speziellen Hashtag hinzufügen. Die Projektseite enthält Leitfragen wie: <em>„Bist du gerne zur Schule gegangen?“, „Hattest du Geheimnisse vor deinen Eltern?“, „Wie war deine Kindheit?“, „Wann und wo hast du deine erste Liebe kennengelernt?“</em> und so weiter. Die zweite Möglichkeit, Geschichten zu sammeln, sind Live-Interviews.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Identitätsfindung durch das Studium der sieben Familienstämme</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tulenova zeichnet derzeit die Geschichte ihrer Großmutter mütterlicherseits auf, da sie andere Verwandte der älteren Generation nicht erreicht hat. Sie glaubt, dass dies dazu beitragen wird, die Geschichte aus einer neuen Perspektive zu betrachten. <em>„Meine Großmutter wurde zum Beispiel während des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot"><em>Ascharschylyk</em></a><em> (Hungersnot,</em> <em>Anm. d. Red.) mit zwei Kindern allein gelassen, aber trotz der Schwierigkeiten kehrte sie zu ihren Verwandten zurück. Der Ascharschylyk hatte direkte Auswirkungen auf meine Familie. Vor nicht allzu langer Zeit erfuhren wir, dass mein Urgroßvater während der </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_A%C3%B1yraqai"><em>Schlacht von Anrakai</em></a><em> (Dezember 1729&nbsp; – Januar 1730, Anm. d. Red.) nach </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)"><em>Taraz</em></a><em> gezogen war. Jetzt ist die Schlacht von Anrakai für mich kein entferntes Ereignis mehr, sondern eine Geschichte, die meine Familie betrifft“</em>, sagte sie. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tulenova meint, dass die Geschichte Kasachstans stark verzerrt ist und viele Lücken aufweist. Sie möchte, dass Terek Story eine Plattform ist, auf der die Menschen ihre Version der Geschichte erzählen können. <em>„Es gibt so viele unterrepräsentierte Teile der Geschichte. Schließlich hat jede Familie, jedes Familienmitglied seine eigene Stimme, Meinung und Geschichte“</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist der Auffassung, dass die Kenntnis der Geschichte der eigenen Vorfahren viele Fragen zur Identität beantworten kann: <em>„Einige ältere Familienmitglieder leben auf dem Land, während ihre Kinder und Enkel in der Stadt leben. Dann fangen sie an, sich die Frage zu stellen: ‚Wer bin ich?‘ Und die Antwort findet man im Prozess des Nachdenkens, genauer gesagt, im Studium der sieben Familienstämme“</em>.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erzählte Familiengeschichten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich wurde von meiner Oma aufgezogen“</em>, so beginnt Jandos Aktaevs Geschichte über seine Großmutter Yrysaldy. Ihr Name bedeutet <em>„Vorbote des Glücks“</em> auf Kasachisch. Sie wurde 1926 im Dorf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schijeli">Schieli</a> in der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qostanai_(Gebiet)">Qostanai</a> geboren. Sie überlebte Hungersnot, Krieg, den Zusammenbruch der Sowjetunion und die Unabhängigkeit des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Bedingungen, unter denen sie aufwuchs, förderten in ihr die Toleranz gegenüber anderen. Damals kämpften alle ethnischen Gruppen gemeinsam gegen den Hunger und unterstützten sich gegenseitig, das brachte alle zusammen“</em>. Er beschrieb, wie seine Großmutter nicht nur kasachische Nationalgerichte, sondern auch kaukasische (tschetschenische) Galuschki, Kholodets und andere Gerichte kochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen des Krieges erhielt Yrysaldy keine Schulbildung, aber sie unterstützte stets das Streben ihrer Kinder und Enkel danach.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meine Oma sagte immer, dass nur ehrliche Arbeit und familiäre Werte uns stärker und glücklicher machen können. Sie ist im Februar 2023 im Alter von 97 Jahren von uns gegangen. Obwohl sie nicht mehr unter uns weilt, wird die Weisheit, die sie uns vermittelt hat, immer in meinem Herzen weiterleben. Wir werden sie als eine starke und freundliche Frau in Erinnerung behalten, die die besten Eigenschaften der kasachischen Kultur und Traditionen verkörperte“</em>, meint Aktaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer anderen Geschichte, die das Team von Terek Story gesammelt hat, erinnert sich der 1942 während des Zweiten Weltkriegs geborene Ryskeldi Jaqaschūly an seine Jugend und daran, wie seine Eltern zwei Töchter und vier Jungen großzogen. Sie lebten im Dorf Taldy, dann im Dorf Boleksaz, Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kegen">Kegen</a>, Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>. Als sein Vater Jaqasch an die Front geschickt wurde, war seine Mutter Abzel schwanger. Daher erhielt der Sohn den Namen Ryskeldi <em>„yrys keldi“</em>, was auf Kasachisch <em>„Erfolg“</em> bedeutet. Sein Vater kehrte jedoch nie aus dem Krieg zurück. Seine Mutter Abzel arbeitete anschließend als Melkerin auf dem staatlichen Bauernhof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Kindheit an interessierte sich Ryskeldi Jaqaschūly für das Tischlerhandwerk. Er begann mit dem Basteln von alten Brettern in der Scheune, und in fortgeschrittenem Alter schuf er Gegenstände, die für das tägliche Leben notwendig waren.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ryskeldi erzählt, dass er schon in jungen Jahren zu arbeiten begann, aber trotzdem Zeit für verschiedene Spiele fand. Die Kinder nahmen zum Beispiel einen Stein, wickelten ihn in Kuhfell und formten so einen Ball. <em>„Und wenn es im Dorf einen Feiertag gab, dann durfte der </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Aytysh"><em>Aıtysch</em></a><em>-Wettbewerb nicht fehlen</em><em>. Der Filz der Jurte wurde in eine Bühne verwandelt. Auch damals spielten die jungen Leute das Spiel Aksuiek (mit Kuhknochen, Anm. d. Red.)“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er eine vierjährige Schule in Taldy besucht hatte, setzte er seine Ausbildung im Kegen fort. Und nach der 8. Klasse lernte er im Dorf <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%96%D0%B0%D0%BB%D0%B0%D0%B3%D0%B0%D1%88">Zhalagasсh</a> den Beruf des Kraftfahrers. Anschließend diente er in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladiwostok">Wladiwostok</a> in der Turbinenbranche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Eines Tages begaben wir uns mit einer Mannschaft auf eine lange Reise in den Pazifik, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Wir überquerten den Äquator und gelangen am Ufer in Indonesien“</em>, erzählt Jaqaschūly. Nach der Demobilisierung arbeitete er als Bergarbeiter in einem Bergwerk im Dorf Tūıyq. Dort wurden Zink und Blei abgebaut und zur Weiterverarbeitung in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tekeli">Tekeli</a> in die Blei-Zink-Anlage geschickt. Danach arbeitete er als Kranführer und heiratete.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Weibliche Perspektive auf Geschichte und Dekolonialität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Projektleiterin Tulenova ist der Meinung, dass die Schezhire, eine Ahnentafel der Generationen, über Männer aus der Perspektive von Angehörigen des gleichen Geschlechts geschrieben wird. Frauen kämen darin nicht vor: <em>„Wir sollten die Verdienste der Frauen nicht ausklammern“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elmira Kakabaeva, Schriftstellerin und Autorin des [russischsprachigen, Anm. d. Red.] Online-Kurses <em>„</em><a href="https://writelikeagrrrl.ru/semeynaya-etnografiya"><em>Familienethnographie oder wie man sein Schreiben entkolonialisiert</em></a><em>“</em>, die die Initiativgruppe des Projekts berätteilt diese Ansicht. Mit einer weiblichen Perspektive, sagt sie, wird es möglich sein, mehr über die weibliche Seite der Geschichte zu erfahren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mir wurde immer gesagt, dass ich die sieben Stämme meiner Familie kennen sollte. Dann wurde mir klar, dass wir nur die männliche Seite unserer Familiengeschichte kennen. Aber Frauen leben dieses Leben genauso, und sie haben oft sogar ein komplizierteres Leben“</em>, so die Schriftstellerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihrer Meinung nach ist die Welt der Frauen in manchen Kulturen verschlossener. Wenn sich beispielsweise Anthropolog:innen für eine Forschungstätigkeit entscheiden, steht ihnen die weibliche Welt mehr offen als den Männern. Deshalb bietet Kakabaeva einen Kurs nur für Frauen an, in dem sie über ihre Großmütter sprechen und nachdenken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/">Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tulenova ist der Meinung, dass Frauen die Träger:innen von Geschichten sind – sie lesen ihren Kindern und Enkeln Geschichten vor, und wenn diese heranwachsen, erzählen sie die Neuigkeiten, die in ihrem Stammbaum geschehen sind. Deshalb sei es wichtig, den weiblichen Teil der Geschichte zu zeigen. <em>„In unserem Projekt Terek Story wurden viele Geschichten von Frauen übernommen. Das sollte die Norm sein“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kakabaeva begann nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, über Familiengeschichte nachzudenken. Daraufhin begann sie wieder, einen Text zu schreiben, in dem sie über ihre Verbindung zu ihren Vorfahren nachdenkt. Das war der Beginn ihres Schreibkurses <em>„Ich begann zu reflektieren und erkannte, dass meine Vorfahren ein sehr erfülltes Leben führten. Das 20. Jahrhundert hatte gerade begonnen, eine Zeit großer Veränderungen. Und plötzlich wurde mir klar, dass ihr Leben mein Geschichtslehrbuch ist. Alles, was wir in der Schule gelernt haben, ist an uns vorbeigeflogen. Wir haben einige Daten auswendig gelernt, um unsere Prüfungen zu bestehen. Aber nach einer Weile vergisst man alles. Und dann schaut man sich das Leben seiner Verwandten, seiner Großeltern an, die dieses Leben gelebt haben, und plötzlich wird es so greifbar, dass man wirklich ein Produkt dieses historischen Prozesses wird“</em>, sagte sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ein Archiv mündlicher Überlieferungen ist für die Wissenschaft stets von Nutzen“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kakabaeva glaubt, dass man etwas Neues lernen kann, wenn man sich mit der Geschichte einer Familie beschäftigt. Und das wiederum führt zum Begriff der Dekolonialität. <em>„Man kann herausfinden, warum das Leben so und nicht anders verlaufen ist. Das Interessanteste ist, dass wir die Lebensentscheidungen unserer Vorfahren verstehen können“</em>, meint sie. Bei der Dekolonialität geht es auch darum, etwas zu kritisieren, das in einem festgefahrenen Konstrukt existiert, um ihm Einhalt zu gebieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kakabaeva ist überzeugt, dass das Projekt zur Bewahrung der Erinnerungen beitragen wird<em>. „In Kirgistan gibt es zum Beispiel das </em><a href="https://ru.esimde.org/"><em>Esimde</em></a><em>-Projekt, bei dem ein Team von Forscher:innen mündliche Überlieferungen zu verschiedenen historischen Themen sammelt. Sie reisen in Dörfer, Städte und Gemeinden und führen dort Interviews durch. Ein Archiv mündlicher Überlieferungen ist für die Wissenschaft stets von Nutzen“</em>, so die Schriftstellerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Projektleiterin Gulnaz Tulenova wiederum stellt fest, dass Terek Story in die gleiche Richtung geht. Sobald genügend Geschichten gesammelt sind, werden sie nach Jahr und Inhalt in Gruppen eingeteilt. <em>„Dann können wir Forscher:innen ansprechen, die in Zukunft Materialien nach Themen finden und dann Analysen für ihre eigene Forschung durchführen können“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt wird auf Kasachisch durchgeführt, und die Geschichten werden anschließend ins Russische und Englische übersetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Förderung der Kommunikation zwischen Generationen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wort <em>„Terek“</em> bedeutet auf Kasachisch <em>„Pappel“</em>. Aliia Şaıhina, Koordinatorin des Sozialprojekts Aul Inspired, hatte die Idee für den Namen des Projekts. Laut Tulenova wird dieser Baum in Dörfer in einer Reihe gepflanzt, manchmal anstelle eines Zauns. <em>„Mein Großvater hat seinen Kindern einmal ein paar Nachbarhäuser gekauft. Ihre Häuser sind mit Pappeln umzäunt. ‚Terek‘ bedeutet eigentlich Umfriedung, Familienbaum“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptziel von Terek Story ist es, so Tulenova, die Kommunikation zwischen Generationen zu fördern, was letztendlich dazu beitragen soll, unerzählten Geschichten eine Stimme zu geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/auf-zum-marsch-wofuer-kaempft-die-feministische-bewegung-kasachstans/">„Auf zum Marsch”: Wofür kämpft die feministische Bewegung Kasachstans?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Dezember 2023 hat eine neue Phase des Projekts begonnen – das Team wird nun Geschichten aus verschiedenen Regionen sammeln. Sie konzentrieren sich jetzt auf Städte im Norden Kasachstans und wollen direkt mit den Erzähler:innen sprechen. Ziel ist es, bis Mai etwa 50 Geschichten zu sammeln. Terek Story plant, aus den gesammelten Geschichten eine geografische digitale Karte zu erstellen. Nach dem Norden Kasachstans wollen sie auch die südlichen Regionen des Landes besuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tulenova merkt an, dass das Projekt nicht nur Geschichten von Kasach:innen, sondern auch von anderen im Land lebenden Menschen unterschiedlicher Herkunft erfassen will. <em>„In der Pilotversion gab es jeweils Geschichten von einer uigurischen, einer deutschen und einer russischen Großmutter. Wir wollen die Geschichte von ganz Kasachstan erzählen. Unser Land ist multikulturell“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Rahmen des Pilotprojekts gesammelten Geschichten wurden in einer begrenzten Auflage veröffentlicht und den Erzählerfamilien überreicht. Laut Tulenova waren diese Familien sehr stolz darauf, ein solches Erbe in gedruckter Form zu haben. Jetzt sind alle diese Geschichten elektronisch auf der Website des Zentrums für politische Lösungen gespeichert. Das Projekt plant für die Zukunft eine eigene Website, auf der alle Geschichten sowie Podcasts und Workshops, die derzeit durchgeführt werden, zusammengestellt werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbota Uzbekbaı für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/life/58768-my-znaem-tolko-muzskuu-storonu-istorii-nasego-roda.html">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sprache als Mittel zur Identitätsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ramona Bleimhofer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Feb 2023 17:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dekolonialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnographie]]></category>
		<category><![CDATA[Familiengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Zerfall der Sowjetunion f&#xFC;hrte 1991 zur Unabh&#xE4;ngigkeit der zentralasiatischen Staaten und stie&#xDF; einen Abl&#xF6;sungsprozess von der Kolonialmacht Russland an. Trotzdem ist Russisch weiterhin die zweite Amtssprache in Kasachstan und gro&#xDF;e Teile der Bev&#xF6;lkerung sprechen sie besser als Kasachisch, unter anderem, weil sie sozialen Aufstieg und bessere Karrierem&#xF6;glichkeiten verspricht. Elmira Kakabaeeva ist eine kasachische Autorin [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Zerfall der Sowjetunion führte 1991 zur Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten und stieß einen Ablösungsprozess von der Kolonialmacht Russland an. Trotzdem ist Russisch weiterhin die zweite Amtssprache in Kasachstan und große Teile der Bevölkerung sprechen sie besser als Kasachisch, unter anderem, weil sie sozialen Aufstieg und bessere Karrieremöglichkeiten verspricht. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elmira Kakabaeeva ist eine kasachische Autorin und Gründerin des Frauenkurses „Family Ethnography, or How to Decolonize Your Writing“. Im Dezember trat Elmira in der Hauptstadt bei TEDxAstana auf und sprach darüber, wie die eigene Sprache durch das Niederschreiben von Familiengeschichten entkolonialisiert werden kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Speziell für Masa Media erzählte die Autorin, was <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation">Dekolonisierung</a> ist, warum ihr dieses Thema wichtig ist und ob die kasachstanischen Behörden bei der Dekolonisierung helfen können. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Begriffsklärung: Was ist Dekolonisation?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die dekoloniale Perspektive bietet Menschen die Möglichkeit, die Art und Weise zu wählen, wie sie die Gesellschaft betrachten möchten. Die Macht des Wissens in der Dekolonisation liegt in der Weitergabe und Wiedererzählung von Erfahrungen. So können zum Beispiel unsere Großeltern Zeuge bestimmter Ereignisse gewesen sein. Auf dieser Grundlage können sie eine kreative Geschichte oder Kurzgeschichte schreiben. Indem wir ihren Erinnerungen und Gefühlen mehr Aufmerksamkeit schenken, dekolonisieren wir unsere Herangehensweise an das Schreiben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-weg-in-die-unabhangigkeit/">Kasachstans Weg in die Unabhängigkeit</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im dekolonialen Ansatz versuchen wir Vergleiche mit anderen Völkern zu vermeiden und berücksichtigen stattdessen den historischen Kontext und das lokale Wissen. In der kasachischen Kultur zum Beispiel wurde das Wissen hauptsächlich mündlich überliefert: Aitys (ein improvisierte Poesie-Wettbewerbe, Anm. der Redaktion), Epen, Zhyrs (epische Lieder, Anm. der Redaktion) und Lieder waren natürliche Formen der Wissensweitergabe; das Schreiben von Büchern war dagegen eher eine privilegierte Praxis. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können unser Schreiben dekolonisieren, indem wir eine lokale Quelle dem Buch eines russischen Ethnographen vorziehen. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Akzeptanz von Quellen: ein schriftlicher Text kann als wissenschaftlich glaubwürdiger angesehen werden als eine Geschichte, ein Mythos oder ein Lied. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Worin liegt der Unterschied zum Postkolonialismus?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Gegensatz zur Dekolonisation baut die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus">postkoloniale Theorie</a> auf den westlichen Theorien und Ansätzen zum Verständnis der Gesellschaft auf. Dies ist beispielsweise an der Untergruppe der Subaltern Studies (Studien über die Unterdrückten) erkennbar, einer Gruppe südostasiatischer Wissenschaftler:innen, die den indischen Kontext untersuchten. Problematisch daran ist, dass sie in Oxford und Cambridge studiert hatten und ihre eigene Gesellschaft in Indien mit den Augen westlicher TheoretikerInnen betrachteten. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben gibt es den peruanischen Soziologen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aníbal_Quijano">Aníbal Quijano</a>, der unter anderem die Dependenztheorie und die Kolonialität der Macht beschrieb. Er gründete seine Theorie auf den Schriften lokaler lateinamerikanischer Gelehrter und definierte als erster den Begriff der <em>Kolonialität</em>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dekoloniale WissenschaftlerInnen verweisen außerdem auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zapatistas">Zapatisten</a>, eine anarchistische Bewegung in Mexiko, die mit der derzeitigen Regierung für die Rechte der indigenen Bevölkerung auf ihr Land kämpft. Daher ist die Dekolonisation in erster Linie ein rechtlicher Prozess zur rechtmäßigen Rückgabe von Rechten an Land, Ressourcen, Sprache und Kultur. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie Elmira begann, sich für ihre eigene Geschichte zu interessieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Vor vier Jahren begann ich mich für die Geschichte meines Großvaters, Smagul Kakabaev, zu interessieren. Im Jahr 1931, während er in Samara studierte, erhielt er einen Brief von seinem Vater, der ihn bat, nach Hause zurückzukehren. Als mein Großvater in seine Heimatstadt Bayanaul ankam, erkannte er, dass eine Hungersnot ausgebrochen war und sie fliehen mussten. Zusammen mit den Familien seiner Brüder (etwa 25 Personen) verkauften sie ihren Besitz und flohen zuerst nach Sibirien und dann weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschatka">Kamtschatka</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese und andere Geschichten wurden mir in meiner Familie erzählt, und ich war im Misstrauen gegenüber diesen Geschichten gefangen. Ich hatte das Glück, dass mein Großonkel der Ethnograph Halel Argynbaev ist. Er war noch ein Kind als sie fliehen mussten und als er später ein Gelehrter wurde, beschrieb er diese Erfahrung. Zum Beispiel schilderte er, wie die Familie mehrere Tage hintereinander in einem Zug reiste, wie sie zum ersten Mal Hering und Walfleisch aß und wie sie gemeinsam auf einem Schiff zur Halbinsel (Kamtschatka) segelte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/">Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe eine Zeit lang in Moskau, Wien und Tel Aviv gelebt. Fremd in einem Land und einer Kultur zu sein hat in mir den Wunsch geweckt, mich selbst und meine eigenen Wurzeln besser kennen zu lernen. Während meines Studiums der Sozialanthropologie an der Central European University entwickelte ich ein klares Verständnis von meiner eigenen Perspektive auf Kasachstan. Ich verstand, dass die Dekolonisation das Potenzial hat, einen geeigneten Blickwinkel zu finden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Prozesse zu erklären, die in Kasachstan stattfinden, muss man keine Theorie aufstellen, die beispielsweise von französischen SoziologInnen stammt. Es ist durchaus möglich, eine neue, für unsere Region geeignete Theorie zu entwickeln. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Frauen sind in der Geschichte unsichtbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erzählen von Geschichten ist tief in der kasachischen Kultur verankert, auch unsere Familienstammbäume (kasachsisch: Shezhire) sind darauf aufgebaut. Als ich 17 Jahre alt war, brachte mein Vater mir unseren Shehzire &#8211; ein großes, goldgeprägtes Buch mit schönem Raschelpapier. Er hatte schon oft davon gesprochen und ich war sehr gespannt. Eifrig blätterte ich durch die Seiten über unsere Familie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand den Namen meines Großvaters und fuhr mit dem Finger über die Namen meines Vaters, seiner Brüder, meiner Brüder, meiner Cousins. Nur meinen eigenen Namen konnte ich nicht finden. Niemand hatte mich davor gewarnt, dass nur die männlichen Vorfahren aufgezählt werden und Frauen im Shehzire keine Erwähnung finden. Damals wurde mir bewusst, dass ich in der Familiengeschichte keine Rolle spiele, genauso wie meine apa und aje (Großmütter), meine Mutter, meine Tanten und Schwestern keine Rolle spielen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wer ist es, der die dort genannten Nachfolger auf die Welt bringt? Sie sind ja nicht einfach aus dem Nichts aufgetaucht! Ich war sehr, sehr wütend. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/was-laeuft-falsch-in-kasachstans-gleichstellungspolitik/">Was läuft falsch in Kasachstans Gleichstellungspolitik?</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund biete ich meinem Kurs „Familienethnographie oder Wie man sein Schreiben dekolonisiert“ nur für Frauen an. Ich möchte jede dazu ermutigen, mit der eigenen Großmutter zu sprechen, ihre Geschichte sowie die Geschichte ihrer Mutter und Großmutter zu erfahren. Sie sollen ihre Namen kennen und sowohl sie als auch sich selbst in die Familiengeschichte eintragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte zeigen, dass Traditionen durchaus verändert werden können. Es ist der Wunsch und der Wille der Person, die den Stammbaum erstellt. Zwei Teilnehmerinnen erzählten in meinem Kurs, dass in ihren Stammbäumen auch Frauen verzeichnet waren. So sind sie aufgewachsen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswirkungen des Krieges in der Ukraine</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Ich biete meinen Kurs für Frauen in Kasachstan an, aber ich bin auch Teil einer Gemeinschaft von SchriftstellerInnen in Russland, für die ich ebenfalls Kurse gebe. Dort gibt es eine 50%ige Quote für Frauen aus Sibirien, der Wolga, dem Ural und den nationalen Republiken. Seit Kriegsbeginn beobachte ich eine gesteigerte Nachfrage nach Kursen zum Thema Selbstfindung und Identitätssuche zu beobachten. Ein Mädchen erzählte mir: &#8222;Ich wusste, dass ich tatarische Wurzeln habe, aber ich habe mich noch nie so sehr dafür interessiert.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-die-sprache-der-vorherrschaft-ein-gespraech-mit-medina-bazargali/">Über die Sprache der Vorherrschaft – ein Gespräch mit Medina Bazargali</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Behörden behaupten, den Nationalsozialismus zu bekämpfen und dadurch wird das Verständnis ihrer eigenen Geschichte für die KursteilnehmerInnen relevant. Viele Teilnehmerinnen möchten herausfinden, wie ihre Vorfahren in Russland oder unter der Sowjetherrschaft gelebt haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Anfragen kommen von Vertreter:innen der einheimischen Bevölkerung Sibiriens und des Fernen Ostens, also aus den Republiken <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sacha">Sacha</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Burjatien">Burjatien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tuwa">Tuwa</a>. Für sie wird dieses Thema zu einer politischen Frage, denn viele der im Krieg mobilisierten Soldaten kommen aus diesen Republiken. Dort haben sich Antikriegsbewegungen gebildet, weil Russland gegen den „Nazismus“ der asiatischen Minderheiten kämpft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Republiken der Russischen Föderation ist die Geschichte der Entkolonialisierung ein sehr aktuelles und komplexes Thema. Kasachstan ist ein unabhängiger und souveräner Staat mit eigener Verfassung und Staatssprache. Die Volksrepubliken dagegen sind immer noch Teil der Russischen Föderation und sie sind immer noch Kolonien. Das macht es ihnen schwer ihre Geschichte zu finden und sich von der Geschichte des Russischen Reiches zu trennen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Macht der Sprache</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kolonialismus ist auch ein mentaler Zustand. Das Imperium verschwindet, die Kolonie erlangt die Unabhängigkeit, bleibt aber mit einem kolonialen Bewusstsein und einer kolonialen Mentalität zurück. In Kasachstan sprechen wir aufgrund unserer Geschichte immer noch besser Russisch als Kasachisch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachische Staatsangehörige mit Russischkenntnissen haben zum Beispiel bessere Chancen, auf der sozialen Leiter aufzusteigen und Karriere zu machen. Die kasachische Muttersprache kann ein Werkzeug sein, das uns die Kraft und Energie gibt, wir selbst zu sein. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Ich denke, es ist nützlich, Sprachen zu mischen und mit ihnen zu spielen. Der jamaikanische Schriftsteller <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marlon_James">Marlon James</a> zum Beispiel schreibt ein afrikanisches Pendant zur Serie „Game of Thrones“, ein Fantasy-Epos voller Monster, Sex und Gewalt im mittelalterlichen Afrika. Die Figuren in seinem Buch sprechen eine Mischsprache aus Kreolisch, Englisch und Afrikanisch. Es steht uns ebenfalls frei, drei Sprachen in den Texten zu verwenden, auch damit können wir unser Schreiben und unsere Sprache dekolonisieren.
</p>



<h2 class="wp-block-heading">Können die kasachischen Behörden den Prozess der Entkolonialisierung unterstützen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Sobald sich der Staat an diesem Diskurs beteiligt, wird es schnell auf internationaler Ebene politisch. Plötzlich stellen sich Fragen wie <em>„Wer ist dein Nachbar? Wer hat mehr Atomwaffen? Ist dieses Land eher mit den USA, China oder Russland befreundet?&#8220;</em>. Kasachstan versucht aktuell mehrere Partnerschaften aufrechtzuerhalten. Ich denke wir könnten etwas mutiger sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel müsste sich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> nach seinem Wahlsieg nicht mit Wladimir Putin treffen, das hat etwas Koloniales an sich, auch die Regierung ist noch in den sowjetischen Mustern gefangen und wiederholt diese. Es ist nicht absehbar, wie viele Generationen es dauern wird, dies zu überwinden. Die Entkolonialisierung ist ein langer Prozess. Menschen, die eine dekoloniale Perspektive einnehmen, sind gegen die künstliche Konstruktion von Grenzen und die Bildung eines nationalstaatlichen Systems. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Vertretung verschiedener Bevölkerungsgruppen im Parlament kann die politische Entscheidungsfindung offener und demokratischer gestaltet werden. Durch die Repräsentation ethnischer Minderheiten finden auch die Stimmen und Bedürfnisse anderer Identitäten und Interessengruppen, die die kasachische Gesellschaft ausmachen, Eingang in politische Entscheidungen. Die entkolonialisierte Macht des Volkes kann sich in einem transparent arbeitenden und vielfältig aufgestellten Parlament zeigen. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aidar Elkeyev für Masa Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://masa.media/ru/site/pisatelnitsa-elmira-kakabaeva-o-dekolonizatsii">Russischen</a> von Ramona Bleimhofer</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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