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	<title>ethnischer Konflikt Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>ethnischer Konflikt Archives</title>
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		<title>Blutroter Juni – 15 Jahre seit dem interethnischen Konflikt im Süden Kirgistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2025 22:21:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Dschalal-Abad]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist eine der dunkelsten Seiten der modernen Geschichte des Landes: Ethnische Massenkonflikte forderten Hunderte von Menschenleben, zerst&#xF6;rten Tausende von H&#xE4;usern und f&#xFC;hrten zu einer massenhaften Flucht. Anl&#xE4;sslich des 15. Jahrestages erinnert Fergana News an den blutroten Juni. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2010 kam es in Osch zu Zusammenst&#xF6;&#xDF;en zwischen [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist eine der dunkelsten Seiten der modernen Geschichte des Landes: Ethnische Massenkonflikte forderten Hunderte von Menschenleben, zerstörten Tausende von Häusern und führten zu einer massenhaften Flucht. Anlässlich des 15. Jahrestages erinnert Fergana News an den blutroten Juni.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2010 kam es in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> zu Zusammenstößen zwischen der kirgisischen und der usbekischen Bevölkerung. Bald griff die Gewalt auf das benachbarte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalal-Abad">Dschalal-Abad</a> über. Den Behörden gelang es nicht, die Lage schnell unter Kontrolle zu bringen. Gerüchte und Provokationen, darunter Berichte über eine Vergewaltigung in einem Frauenwohnheim, verstärkten die Aggression. Bewaffnete Gruppen griffen usbekische Viertel an, und es kam zu massenhaften Brandstiftungen, Plünderungen und Morden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt entfaltete sich vor dem Hintergrund einer tiefen politischen Krise im Land. Nach dem Sturz von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> am 7. April 2010 ging die Macht an die Übergangsregierung unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Otunbajewa">Rosa Otunbajewa</a> über, die kaum Kontrolle über den Süden des Landes hatte. Die Spannungen in der Region wuchsen, angeheizt durch einen Kampf zwischen Anhänger:innen des vorherigen Regimes und den neuen Behörden sowie durch den Aktivismus usbekischer Politiker:innen, die eine größere politische Rolle für ihre Gemeinschaft anstrebten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/affaere-bakijew-kirgistans-zweiter-praesident-und-das-geld/"><strong>Affäre Bakijew: Kirgistans zweiter Präsident und das Geld</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lage verschärfte sich, nachdem eine Reihe von Vorfällen – darunter die Besetzung von Stadtverwaltungen durch Bakijew-Anhänger:innen, das Niederbrennen von Wohnhäusern und Universitäten sowie die Ermordung des Gangsterbosses Aibek Mirsidikow –&nbsp; eine Atmosphäre des Misstrauens, der Angst und der Gewalt geschaffen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Reaktion auf die Eskalation der Lage verhängte die Übergangsregierung den Ausnahmezustand und eine Ausgangssperre. Die Unruhen gingen jedoch weiter. Zehntausende Menschen, hauptsächlich Usbek:innen, mussten ihre Häuser verlassen. Bereits am 11. Juni öffnete Usbekistan die Grenze und nahm über 110.000 Geflüchtete auf, hauptsächlich Frauen und Kinder, für die Lager eingerichtet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. Juni erreichte der Konflikt in Südkirgistan seinen Höhepunkt: Usbek:innen begannen, zum Schutz Barrikaden zu bauen, und die Welle der Gewalt griff auf Dschalal-Abad über. Erst am 15. Juni gelang es den Behörden, die Lage unter Kontrolle zu bringen. In beiden Städten begannen Verhandlungen zwischen den Anführern der kirgisischen und usbekischen Gemeinschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abweichende Opferzahlen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angaben zur Zahl der Opfer des Konflikts variieren. Offiziell meldeten die Behörden zwischen 414 und 446 Todesopfer, einer internationalen Kommission zufolge starben rund 470 Menschen, davon 74 Prozent ethnische Usbek:innen. Mehr als 1.900 Menschen wurden verletzt. Die usbekischen Behörden berichteten von 2.800 Verletzten unter den Geflüchteten. Menschenrechtler:innen sprechen von mehr als 1.700 zerstörten und niedergebrannten Häusern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des UN-Satellitenzentrums <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UNOSAT">UNOSAT</a> wurden rund 3.000 Gebäude beschädigt. Der materielle Schaden wird nach offiziellen Angaben auf 4 Milliarden Som (195,6 Millionen US-Dollar zum Wechselkurs von Juni 2010) und nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen auf 9 Milliarden Som (87 Millionen US-Dollar) geschätzt. Die Behörden eröffneten mehr als 5.000 Strafverfahren. Doch nur etwa 300 Menschen, die meisten von ihnen Usbek:innen, wurden tatsächlich zu Gefängnisstrafen verurteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Ereignissen verließen viele ethnische Usbek:innen Kirgistan, usbekischsprachige Schulen wurden geschlossen. Hunderte Menschen, darunter der bekannte Menschenrechtsaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Asimdschan_Askarow">Asimdschon Askarow</a>, wurden wegen der Organisation von Unruhen und anderer Verbrechen verurteilt. Internationale Organisationen und Menschenrechtler:innen gehen davon aus, dass die Anklagen gegen viele von ihnen fingiert und Geständnisse unter Folter erpresst wurden. Askarow starb 2020 in Haft, obwohl die UN seine Freilassung gefordert hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schleppende Aufarbeitung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">2011 kam eine internationale unabhängige Kommission unter der Leitung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kimmo_Kiljunen">Kimmo Kiljunen</a>, an den sich Rosa Otunbajewa mit der Bitte um Unterstützung gewandt hatte, zu dem Schluss, dass die Tragödie hätte verhindert werden können. Die provisorische Regierung habe die ethnischen Spannungen unterschätzt und den Schutz der Bevölkerung nicht gewährleistet. Die Kommission stufte die Angriffe auf usbekische Viertel als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein, erkannte die Ereignisse jedoch nicht als Völkermord oder Kriegsverbrechen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kirgisischen Behörden lehnten die Ergebnisse der Kommission ab und erklärten ihren Leiter zur unerwünschten Person. Internationale Partner, darunter die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_über_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)</a>, griffen nicht ein und erklärten, es handele sich um eine interne Angelegenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Jahr führte eine nationale Kommission ihre eigene Untersuchung durch. Sie kam zu dem Schluss, die Schuldigen des Konflikts seien <em>„separatistische Kräfte“</em> unter Führung von Kadyrdschon Batyrow, einem Anführer der usbekischen Gemeinschaft in Kirgistan und Anhänger des flüchtigen Präsidenten Bakijew, sowie <em>„externe Kräfte, die an einer Destabilisierung der Lage interessiert waren“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/"><strong>Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Präsidentschaft Kurmanbek Bakijews</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 2011 verurteilte das Stadtgericht Dschalal-Abad Kadyrdschon Batyrow und Inom Abdurasulow, einen weiteren Anführer der usbekischen Gemeinschaft, in Abwesenheit zu lebenslanger Haft. Sie wurden der Organisation von Massenunruhen und der Teilnahme an separatistischen Aktivitäten für schuldig befunden. Vier weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen zwischen sechs und zwanzig Jahren. Beide verließen Kirgistan nach den Ausschreitungen und wurden international gesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 2014 verurteilte das Stadtgericht Osch Batyrow und Abdurasulow in Abwesenheit zu lebenslanger Haft und bestätigte damit ihre Rolle als Organisatoren der Unruhen. Die ehemalige Vorsitzende des regionalen Zweigs des Frauenkongresses Kirgistans in Osch, Karamat Abdullajewa, wurde <a href="https://fergana.media/news/131134/">zu 16 Jahren Haft verurteilt</a>. Im Dezember 2018 wurde berichtet, dass Kadyrdschon Batyrow im Alter von 62 Jahren in Odessa <a href="https://fergana.media/news/103258/">verstorben sei</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermittlungen zu den Unruhen wurden im April 2021 auf Anordnung des amtierenden Präsidenten Kirgistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, wieder aufgenommen. Gegen fünf ehemalige Mitglieder der Übergangsregierung wurde Anklage wegen Amtsmissbrauchs erhoben, darunter gegen den ehemaligen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almasbek_Atambajew">Almasbek Atambajew</a>, der 2010 stellvertretender Premierminister im Übergangskabinett war. Auch gegen den damaligen Verteidigungsminister Ismail Isakow, Innenminister Bakytbek Alymbekow, den ehemaligen Gouverneur des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Dschalal-Abad">Gebiets Dschalal-Abad</a>, Bektur Asanow, und den ehemaligen Leiter des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Kirgistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kengeschbek_Duischöbajew">Kengeschbek Duischeböjew</a>, wurde Anklage wegen Amtsmissbrauchs erhoben. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Keine Ansprache zum Jahrestag</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es sei darauf hingewiesen, dass Präsident Sadyr Dschaparow im Jahr 2025 auf die traditionelle Ansprache an das Volk zum Jahrestag der Unruhen verzichtete. Zuvor hatte er, wie seine Vorgänger, wiederholt über die Tragödie gesprochen und zur Einheit aufgerufen sowie dazu, von bösen Absichten abzusehen, die zu interethnischen Konflikten führen könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tragödie hinterließ tiefe Spuren in der kirgisischen Gesellschaft und offenbarte ungelöste interethnische und politische Probleme sowie die Verletzlichkeit staatlicher Institutionen angesichts der Krise. Fragen der Gerechtigkeit, der Rehabilitierung der Opfer und der Suche nach Wegen zu dauerhaftem Frieden sind für das Land bis heute aktuell.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://fergana.news/articles/138365/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kirgistan: Präsident leitet Ermittlungen zu Unruhen von Osch 2010 ein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Chloé Pagliccia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Apr 2021 11:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[interethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Osch]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kirgistans Pr&#xE4;sident hat eine Untersuchung zur Beteiligung von Regierungsbeamten an jenem interethnischen Konflikt eingeleitet, der sich im Juni 2010 in Osch ereignete. Eine hochpolitische Entscheidung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kirgistans Präsident hat eine Untersuchung zur Beteiligung von Regierungsbeamten an jenem interethnischen Konflikt eingeleitet, der sich im Juni 2010 in Osch ereignete. Eine hochpolitische Entscheidung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung ist so brisant, wie die Untersuchung selbst. Wie das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://kaktus.media/doc/436128_vozobnovili_sledstvie_po_iunskim_sobytiiam_2010_goda_v_otnoshenii_vremennogo_pravitelstva.html">Kaktus</a> berichtet, hat Kirgistans Präsident<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sadyr-dschaparow-der-volksfluesterer/"> <u>Sadyr Dschaparow</u></a> am 15. April den Inlandsgeheimdienst GKNB (Staatskomitee für nationale Sicherheit) aufgefordert, die Ereignisse zu untersuchen, die im Juni 2010 in Osch stattgefunden hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese sind in Kirgistan noch <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nach-zehn-jahren-neun-fragen-zu-den-unruhen-in-osch/">in frischer Erinnerung</a>. Zwei Monate nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Regierungswechsel_in_Kirgisistan_2010">zweiten kirgisischen Revolution</a> seit der Unabhängigkeit kam es vom 10. bis zum 14. Juni 2010 in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalalabat">Dschalalabad</a> im Süden des Landes zu Unruhen. Im Zentrum der Gewalt stand ein Konflikt zwischen kirgisischen und usbekischen Bevölkerungsgruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nach-zehn-jahren-neun-fragen-zu-den-unruhen-in-osch/"><strong>Nach zehn Jahren – neun Fragen zu den Unruhen in Osch</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl der Todesopfer ist bis heute umstritten. Laut dem <a href="https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/Full_Report_490.pdf">Bericht</a> der internationalen und unabhängigen Untersuchungskommission, die im Auftrag der kirgisischen Übergangsregierung die Ereignisse beleuchten sollte, wurden 470 Menschen getötet. Der Kirgistan-Korrespondent der russischen Tageszeitung <a href="https://www.kp.ru/daily/24505/657680/">Komsomolskaja Prawda</a> ging seinerseits von über 1000 Todesopfern aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsorganisation <a href="https://www.hrw.org/ru/report/2010/08/16/256110">Human Rights Watch</a> berichtete, dass einige von kirgisischer Seite an den Pogromen beteiligten Personen Waffen und Uniformen der kirgisischen Armee trugen. Dies wirft die Frage auf, inwieweit diese Bewaffneten unter Kontrolle der Armee beziehungsweise der Regierung standen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rosa Otunbajewa im Schussfeld</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dieser internen Untersuchung mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen von Osch möchte der durch das <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-knapp-80-prozent-der-stimmen-fuer-eine-neue-verfassung/?noredirect=de-DE">Verfassungsreferendum</a> gestärkte Präsident die Beteiligung von Beamten der Übergangsregierung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Otunbajewa">Rosa Otunbajewas</a> (2010-2011) überprüfen. Letztere kam im April 2010 an die Macht, nachdem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> (2005-2010) mit seinen AnhängerInnen außer Landes geflohen war.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 2020 hatte Otunbajewa selbst anlässlich des zehnjährigen Gedenkens an die Ereignisse erklärt, dass eine neue Untersuchung erforderlich sei. <em>&#8222;Diese großen Ereignisse werden in Zukunft untersucht und erforscht werden. Wenn nicht wir, dann werden andere an der Erforschung interessiert sein&#8220;</em>, sagte sie gegenüber <a href="https://www.azattyk.org/a/30662551.html">Radio Azattyk</a>, dem kirgisischen Dienst von Radio Free Europe (russische Übersetzung auf <a href="https://kloop.kg/blog/2020/06/11/genotsida-ne-bylo-konflikt-podstroili-i-ego-nuzhno-eshhe-raz-rassledovat-chto-rasskazala-otunbaeva-o-mezhetnicheskom-konflikte-2010-goda/">Kloop</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine politisch motiviere Untersuchung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der GKNB wird sich bei seiner Untersuchung insbesondere auf <a href="http://cbd.minjust.gov.kg/act/view/ky-kg/568?cl=ky-kg#st_304">Artikel 304 Absatz 4 des kirgisischen Strafgesetzbuchs</a> konzentrieren. Dieser betrifft den Machtmissbrauch durch Beamte, sei es um Vorteile für sich selbst, andere oder kriminelle Gruppen zu erlangen oder aber wenn ihre Handlungen erheblichen Schaden anrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vom Präsidenten selbst eingeleitete Untersuchung steht dabei in einem bestimmten Kontext. Wie die kirgisische Nachrichtenagentur <a href="https://24.kg/vlast/188670_oshskaya_tragediya_sadyir_japarov_poruchil_izuchit_vse_materialyi_posobyitiyam_iyunya_/">24.kg</a> berichtete, hatte Dschaparow bereits am 3. April den GKNB gebeten, Dokumente zu den Ereignissen in Osch zu überprüfen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Laut einem Bericht von <a href="https://kyrgyztoday.org/archives/364439">KyrgyzToday</a> hatte Dschaparow im November 2020 in einem Interview mit einem kirgisischen Fernsehsender gesagt, dass Otunbajewa sowie der damalige Generalstaatsanwalt Bajtemir Ibrajew für die Unruhen zur Verantwortung gezogen werden sollten. &nbsp;Dschaparow, der zum Zeitpunkt des Interviews noch Interimspräsident war, erklärte, dass der GKNB <em>„jeden Tag vor einem Blutbad in Osch gewarnt&#8220;</em> hätte und dass die Präsidentin und die Staatsanwaltschaft keine Maßnahmen ergriffen hätten, um die Spannungen abzubauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Chloé Pagliccia, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/le-president-kirghiz-lance-une-enquete-sur-les-emeutes-a-och-de-2010/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>


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		<title>Monatsrückblick: Der Februar in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[othmaraglas]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2020 09:20:28 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsrückblick von Othmara Glas]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die Monatsr&#xFC;ckblicke von Othmara Glas ver&#xF6;ffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre f&#xFC;r die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin t&#xE4;tig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zur&#xFC;ck auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft besch&#xE4;ftigt haben. Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ab Februar wird Novastan mit freundlicher Genehmigung die <a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Monatsrückblicke von Othmara Glas</a> veröffentlichen. Die Zentralasienjournalistin arbeitete zwei Jahre für die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) in Kasachstan und ist nun als freie Journalistin tätig. Jeden Monat wirft sie einen Blick zurück auf die Ereignisse, die Kasachstans Gesellschaft beschäftigt haben. </strong><strong>Die Rubrik beginnt mit einem turbulenten Februar, geprägt von ethnischen Ausschreitungen, verhafteten Demonstranten, einem Aktivisten, der in U-Haft stirbt und dem Coronavirus.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ethnische Ausschreitungen in Südkasachstan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Elf Tote, fast zweihundert Verletzte und tausende Menschen auf der Flucht: Das ist die Bilanz der Nacht vom 7. auf den 8. Februar. Etliche Häuser wurden zerstört. Die Bilder aus <a href="https://othmaraglas.de/zorn-auf-das-boese-volk/">Masantschi </a>erinnern an ein Kriegsgebiet. Für die kasachische Regierung ist der Zusammenstoß das Resultat eines „alltäglichen Konflikts“. Dass sich Angreifer vor allem Kasachen und die Opfer mehrheitlich Dunganen waren, wurde von offizieller Seite zunächst bewusst verschwiegen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Auslöser der Ausschreitungen sollen zwei Zwischenfälle am Vortag gewesen sein. Demnach sollen Dunganen eine Straße blockiert haben. Eine kasachische Familie, die auf dem Weg zu einem Arzt war, kam nicht durch. Bei einer anschließenden Auseinandersetzung wurde ein 78-jähriger Kasache verletzt. Aus Sicht der Kasachen haben ihn die Dunganen krankenhausreif geprügelt. Die Dunganen behaupten hingegen, dass der Kasache nur unglücklich hingefallen sei. Die später hinzugerufenen Polizisten sollen dann ebenfalls von Dunganen angegriffen worden sein. Eine weitere Version der Dunganen ist lautet, dass es ein betrunkener Kasache eine junge Duganin sexuell belästigt haben soll.</p>
<p style="text-align: justify">Am Abend des 7. Februar soll dann ein Mob aus fast tausend Kasachen nach Masantschi gekommen sein und angefangen haben Menschen zu verprügeln, Autos und Häuser anzuzünden. Die Unruhen weiteten sich auf die Nachbardörfer aus. Erst am Morgen des 8. Februar konnte ein Großeinsatz der Polizei die Ausschreitungen stoppen. Derweil flohen vor allem Frauen und Kinder in das benachbarte Kirgisistan. Offizielle Stellen sprechen von knapp 24.000 Flüchtlingen. Mittlerweile sollen jedoch 21.000 von ihnen zurückgekehrt sein. In der gesamten Region wurde der Notstand ausgerufen.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sinnlos-und-ruecksichtslos-kasachstans-hausgemachter-nationalismus/">Sinnlos und rücksichtslos- Kasachstans hausgemachter Nationalismus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Dunganen sind Muslime, die im 19. Jahrhundert aus China nach Zentralasien flohen. Sie leben mehrheitlich im Südosten Kasachstans und im Norden Kirgisistans entlang des Grenzflusses Tschui. In Masantschi sowie den Nachbarorten Sortobe und Auchatty machen sie etwa 90 Prozent der Einwohner aus. Insgesamt leben in Kasachstan mehr als 62.000 Dunganen.</p>
<p style="text-align: justify">Konsequenzen gab es bisher kaum: Auf kommunaler und Gebietsebene wurden Gouverneure und Polizeichefs ausgetauscht; mehr als 90 strafrechtliche Untersuchungen begonnen. Derweil reifte in der Hauptstadt Nur-Sultan nur langsam die Einsicht, dass man den ethnischen Charakter der Ausschreitungen nicht unter den Teppich kehren kann. Mehrere Menschen wurden festgenommen; erste Strafverfahren eingeleitet. Am 14. Februar sagte der Minister für Information, dass „die Behörden die Schuldigen nicht in Kasachen und Dunganen einteilen – alle sind Bürger Kasachstans und gegenüber dem Gesetz gleichermaßen verantwortlich“.</p>
<p><strong>Eine neue Partei entsteht (nicht)</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 22. Februar wollte die Demokratische Partei eigentlich ihren Gründungsparteitag abhalten. Doch es kam es anders. Dutzende Menschen, die der Partei nahestehen, waren in der Woche zuvor landesweit festgenommen worden. Das kasachische Gesetz verlangt, dass auf einem Gründungsparteitag mindestens 1000 Personen anwesend sind. Parteigründer Schanbolat Mamai sagte den Parteitag ab und rief stattdessen zu einem Protest in Almaty auf. Am Freitagabend wurde er allerdings ebenfalls verhaftet.</p>
<p style="text-align: justify">Mamai ist nicht unumstritten. 2017 wurde er wegen Geldwäsche zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Unterstützer meinen, es sein ein politisch motivierter Prozess gewesen. Im vergangenen Jahr hatte er mit einem Film über die Hungersnot in Kasachstan Aufsehen erregt. Der Film ist stark nationalistisch und ordnet den Holodomor als Genozid ein.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Der Protestzug am Vormittag des 22. Februar wurde von Mamais Ehefrau Inga Imanbai angeführt. Die etwa 20 Teilnehmer wurden von ebenso vielen Journalisten und einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Die Versammlung blieb zunächst friedlich. Die Protestanten forderten die Freiheit Mamais und kritisierten lautstark die Regierung Kasachstans. Nach einer guten halben Stunde begannen die Polizisten mit Verhaftungen sämtlicher Protestanten, inklusive der schwangeren Imanbai.</p>
<p style="text-align: justify">Am Nachmittag desselben Tages hielt auch die verbotene Demokratische Wahl Kasachstan (DVK) eine Demonstration in Almaty ab. Auch sie endete mit Verhaftungen.</p>
<p><strong>Ein mysteriöser Tod</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dulat Aghadil ist tot. Der Bürgerrechtsaktivist <a href="https://www.rferl.org/a/kazakh-activist-aghadil-dies-after-day-in-detention/30453052.html">starb</a> in der vergangenen Woche in Astana (Nur-Sultan), während er in Untersuchungshaft saß. Er war verhaftet worden, weil er einer gerichtlichen Anordnung sich bei der Polizei zu melden, nicht nachkam. Laut Polizei sei der 43-Jährige bei seiner Festnahme berauscht gewesen und wenig später an Herzversagen gestorben.</p>
<p style="text-align: justify">Freunde und Verwandte von Aghadil bezweifeln die offizielle Darstellung. Er habe weder Alkohol getrunken noch Drogen genommen und sich nie über Herzprobleme beschwert. Ein Video, auf dem dem der Leichnam zu sehen ist, zeigt zudem mehrere Verletzungen an Agdhils Körper.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Aghadils Beisetzung am 27. Februar reisten mehr als 1000 Menschen in seine Heimatstadt, in der Nähe von Astana. Einige Aktivisten, die ebenfalls kommen wollten, wurden im Vorfeld festgenommen. Kasachstans Präsident Toqajew hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.</p>
<p style="text-align: justify">Bei landesweiten Protesten am 1. März, die aufgrund des Todes von Aghadil stattfanden, wurden laut kasachischem Innenministerium 80 Menschen festgenommen.</p>
<h3 style="text-align: justify"><strong> </strong><strong>Gallische Dörfer</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Europa und Asien leiden unter der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Ganz Eurasien? Nein, ein gallisches Dorf namens Zentralasien leistet vehement Widerstand. Offiziell hat sich in keinem der fünf Staaten bisher jemand von dem Virus infiziert. In Turkmenistan hat Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow einfach die Ausbreitung untersagt.</p>
<p style="text-align: justify">Doch obwohl es noch keine gemeldeten Fälle gibt, beschäftig Corona auch hier die Behörden. Grenzen werden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt. In Kasachstan hat der Präsident sämtliche Feiern zum Frauentag am 8. März abgeblasen. Bereits Ende Januar wurden alle  Grenzübergänge zu China zeitweilig geschlossen. Aus der Freihandelszone Khorgos gibt es allerdings Berichte, dass der Handel jenseits und diesseits der Grenze trotzdem weitergeht.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/coronavirus-wie-ist-die-situation-in-zentralasien/">Coronavirus- Wie ist die Situation in Zentralasien?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 18. Februar hat Kasachstan die präventiven Maßnahmen gegen einen Ausbruch des Coronavirus verschärft. Personen, die nach Kasachstan einreisen, müssen mit zusätzlichen Quarantänemaßnahmen rechnen. Reisende aus Ländern, in denen nur eine geringe Zahl an Infektionsfällen aufgetreten ist, z.B. in Deutschland, sollen bis zu 24 Tage lang durch ein Fernmonitoring überwacht werden. Im Flugzeug werden Passagiere schon bei der Ankunft in Almaty auf erhöhte Temperatur untersucht. Einige Tage später meldet sich dann ein Beamter der Gesundheitsbehörde per Telefon, um nach dem Befinden zu fragen.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://othmaraglas.de/monatsrueblick-der-februar-in-kasachstan/">Othmara Glas</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>freie Journalistin in Kasachstan</strong></p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sinnlos und rücksichtslos – Kasachstans hausgemachter Nationalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2020 08:37:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Interethnische Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgel&#xF6;st durch einen nichtigen Grund, forderte Anfang Februar ein interethnischer Konflikt zwischen KasachInnen und DunganInnen 11 Menschenleben. Mit der speziellen Form des kasachischen Nationalismus und dessen Sinnlosigkeit setzt sich Je&#x144;is Ba&#x131;hoja in einem Meinungsbeitrag auf Central Asia Monitor auseinander. Wir &#xFC;bernehmen den Artikel in gek&#xFC;rzter Fassung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Der kasachische Nationalismus hat [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Ausgelöst durch einen nichtigen Grund, forderte Anfang Februar ein interethnischer Konflikt zwischen KasachInnen und DunganInnen 11 Menschenleben. Mit der speziellen Form des kasachischen Nationalismus und dessen Sinnlosigkeit setzt sich Jeńis Baıhoja in einem Meinungsbeitrag auf </strong><a href="https://camonitor.kz/34178-nash-domoroschennyy-nacionalizm-bessmyslennyy-i-besposchadnyy.html"><strong>Central Asia Monitor</strong></a><strong> auseinander. Wir übernehmen den Artikel in gekürzter Fassung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der kasachische Nationalismus hat sich endgültig diskreditiert, indem er sein wahres Gesicht zeigte. Die Rede ist nicht einmal von den <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zehn-tote-bei-interethnischem-konflikt-in-kasachstan/">Ereignissen</a> im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qordai">Qordaı</a>  sondern von den Reaktionen darauf. Die Welle der Fremdenfeindlichkeit hat schreckliche Ausmaße erreicht, und sie hat nicht nur notorische „Meinungsmacher“ erfasst, die die treibende Kraft des offenen Nationalpopulismus sind, sondern auch anscheinend intelligente, vernünftige Leute.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ein Übergang von Quantität zu „Qualität“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Man kann den radikalen Nationalismus der UigurInnen (in China), der BaskInnen (in Spanien), der KurdInnen (in der Türkei) wenn auch nicht gutheißen, so doch zumindest erklären. Diese Völker stellen in ihren Ländern eine ethnische Minderheit dar. Sie führen einen viele Jahre währenden Kampf um ihre Unabhängigkeit und sehen sich einem harten Wiederstand seitens der Zentralmacht gegenüber. Aber in unserem Fall handelt es sich um die Titularnation, die 70 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmacht, einen staatsbildenden Status innehat, nahezu alle Schlüsselpositionen und den Löwenanteil aller Positionen in Verwaltung und Sicherheitsbehörden bekleidet – das heißt, sie bestimmt das Schicksal des Landes und aller, die darin leben. Der Umstand, dass ein nicht unwesentlicher Teil dieser Ethnie noch heute, fast drei Jahrzehnte nach dem Erlangen eines eigenen unabhängigen Staates, immer noch einen nationalen Befreiungskampf lebt, wirkt recht seltsam.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Übrigens hat man die ganze Zeit versucht uns zu überzeugen, dass der kasachische Nationalismus einen konstruktiven und gemäßigten Charakter habe, andere im Land lebende Ethnien nicht bedrohe und deren Minderheitenrechte nicht beschneide. Aber während seine „Ideologen“ beruhigende Behauptungen machten, während die Staatsmacht mit ihnen flirtete und sie für ihre eigenen Interessen benutzte, ist der radikale Nationalismus unterschwellig gereift. Das ist ganz natürlich, denn je mehr eine Ideologie AnhängerInnen hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Radikalen unter ihnen. Eine Art Übergang von Quantität zu „Qualität“.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zusammenstoesse-im-sueden-kasachstans-interethnischer-konflikt-oder-mafiastreit/?noredirect=de_DE"><strong>Zusammenstöße im Süden Kasachstans: Interethnischer Konflikt oder Mafiastreit?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Der ehemalige Groll und der daraus resultierende Durst nach historischer Rache nährten den Nationalismus. Diese Stimmungen wurden während der ganzen letzten Jahre kultiviert, unter anderem von vielen SchriftstellerInnen und WissenschaftlerInnen sowie von einem nicht unwesentlichen Teil der politischen Elite. Sie, die sich in der Sowjetzeit gut eingerichtet haben, präsentieren diese jetzt als die düsterste Periode in der Geschichte der KasachInnen, welche unterdrückt und entrechtet wurden und Menschen zweiter Klasse waren. Und auch die heutige Realität liefert viele Gründe, um sich erniedrigt und beleidigt zu fühlen. Die Staatsmacht, die Ansprüche geltend machen könnte, ist fern und taub. Und in der Nähe leben verschiedene Diasporen, die sich besser an den „Kapitalismus mit dem kasachischen Gesicht“ angepasst haben, die unternehmungslustiger waren und mehr Glück hatten. Ungerecht…</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kann man Respekt erzwingen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Jedweder Nationalismus ist gefährlich, wenn er radikal wird. Wenn er aber von VertreterInnen der zahlenmäßig stärksten (und dabei übrigens mit einer „konstitutionellen Mehrheit“ ausgestatteten) Ethnie ausgeht, dann steigt die Gefährlichkeit um ein vielfaches. Allein das 20. Jahrhundert wimmelt von Beispielen dieser Art: Anti-jüdische Pogrome und Strafmaßnahmen gegen KasachInnen im zaristischen Russland, die Vertreibung der ArmenierInnen aus der Türkei, das Massengemetzel in Ruanda… Hinzu kommen der Holocaust, die Exzesse der RassistInnen aus dem Ku-Klux-Klan gegenüber dunkelhäutigen BürgerInnen der USA… Ich möchte keinesfalls die interethnischen Konflikte im modernen Kasachstan damit gleichsetzen. Bei uns haben sie noch einen lokalen Charakter. Aber wenn man weiterhin die BürgerInnen des Landes in „Hausherren“ und „Zugezogene“ unterteilt und dem Prinzip „Alle Ethnien sind gleich, aber eine ist gleicher“ folgt, dann können die Folgen schrecklich sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Nationalismus, der von VertreterInnen der Titularnation ausgeht, basiert auf folgendem Versprechen: Wir und nur wir sind die Herren dieses Landes, und deswegen sind alle anderen verpflichtet, uns zu respektieren, unsere Interessen zu berücksichtigen und in gewissem Maße auch sich uns unterzuordnen. Es ist kein Zufall, dass es heutzutage populär geworden ist, an ethnische Minderheiten den Aufruf zu richten: „Shańyraqqa qara!“ – Vergiss nicht, in wessen Land zu lebst. Ein weiterer häufig bei NationalistInnen gehörter Satz ist „Alle Diasporen müssen eine Lektion lernen, aus dem, was passiert ist.“ (kein Wort über die Lektion für die KasachInnen). Er kann auch so interpretiert werden: „Was auch immer passiert, wir haben Recht, weil wir auf unserem Land leben, und alle anderen müssen nachdenken.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wohin-fuhrt-die-antichinesische-hysterie-in-kasachstan/"><strong>Wohin führt die antichinesische Hysterie in Kasachstan?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Eine der wichtigsten Kritik gegenüber den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dunganen">DunganInnen</a> war, dass diese nicht die kasachische Sprache lernen und diese demnach nicht respektieren. Dieser Vorwurf kam aus dem Mund eines Journalisten eines staatlichen Fernsehkanals während des ersten Treffens von Mitgliedern der Regierungskommission mit BewohnerInnen des Dorfes Masanchi ( selbst der Vorsitzende der Kommission Berdibek Saparbaev, der in einem kasachischen Aul [<em>Dorfsiedlung der Turkvölker, Anm. d. Red.]</em> aufwuchs, verzog angesichts der Worte des Fernsehmannes das Gesicht). Eine Reihe von Abgeordneten übernahmen diesen Vorwurf, von den nationalistischen besorgten NutzerInnen der sozialen Medien ganz zu schweigen. Aber können diese Menschen die einfache Wahrheit nicht verstehen, dass jede Sprache nicht aus Respekt für sie, sondern aus eigenem Bedürfnis gelernt wird? UsbekInnen und TadschikInnen streben nicht danach das Russische zu beherrschen, weil sie die russische Kultur verehren, sondern weil sie die Sprache zum Überleben brauchen, wenn sie zur Arbeit nach Russland fahren und vielleicht sogar dort bleiben. Natürlich wäre es hervorragend, wenn in unserem Land alle die Staatssprache könnten, aber dafür muss sie wirklich benötigt werden. Damit sollten sich die KasachInnen beschäftigen und ihre intellektuellen Kräfte und zumindest etwas Begeisterung darauf verwenden.</p>
<p style="text-align: justify;">Überhaupt ließ sich in letzter Zeit oft hören, dass die VertreterInnen der Diasporen die kasachische Sprache und das kasachische Volk achten sollen. Aber, meine Lieben, Respekt verlangt man nicht und man zwingt nicht zu ihm – man strebt danach ihn zu verdienen. Und nach derartigen Pogromen und einer Welle der Fremdenfeindlichkeit werden wir KasachInnen nicht den Respekt der ethnischen Minderheiten erlangen. Es ist etwas anderes, die Einhaltung der Gesetze zu verlangen, die in diesem Land gelten. Aber das betrifft alle, unabhängig von der Nationalität.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der „Ruf nach Blut“ und doppelte Standards</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Achten Sie darauf: An allen lauten interethnischen Konflikten in unserem Land ist die Titularnation beteiligt. Haben Sie gehört, dass ein Streit – selbst einer mit tragischem Ausgang – zwischen KoreanerInnen und UsbekInnen oder zwischen RussInnen und UigurInnen zu einem ethnischen Konflikt eskaliert wäre? Wohl kaum. Aber wenn wir KasachInnen mit VertreterInnen einer Minderheit aneinandergeraten und jemand mit dem Messer sticht, führt dies schon fast obligatorisch zu dem Ruf „Die Unsrigen werden geschlagen!“ und es folgen Massendemonstrationen oder Unruhen. Erinnern Sie sich an die Ereignisse in <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Казахско-чеченский_конфликт_в_Алматинской_области">Malovodnoe</a> [<em>ein kasachisch-tschetschenischer Konflikt im Jahr 2007 mit 9 Toten, Anm. d Red.]</em>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraģandy</a> [<em>in der Neujahrsnacht 2019, Anm. d. Red</em>.] und so weiter – und jetzt im Bezirk Qordaı. Sogar einem Streit mit tödlichem Ausgang, der sich in der Bar „Chukotka“ in Almaty ereignete, versuchte einer unserer Nationalpatrioten einen ethnischen Anstrich zu verpassen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Noch eine Besonderheit. Wenn ein junger Kasache einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aksakal">Aksakal</a> beleidigt oder gar schlägt, dann werden wir ihn natürlich zurechtweisen, aber niemand, außer vielleicht die Verwandten des Alten, werden eine „Vendetta“ fordern. Aber wenn die Tat von einem Vertreter einer anderen Nationalität begangen wird, braucht man auf die Vorwürfe der Respektlosigkeit gegenüber dem kasachischen Volk und auf Rufe nach Rache nicht lange zu warten. Noch ein Beispiel: Jeder erinnert sich an die Geschichte des kasachischen Jungen aus dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Südkasachstan">Gebiet Südkasachstan</a>, der von kasachischen Jugendlichen vergewaltigt wurde. Wer von den NationalpatriotInnen forderte die Eltern oder Verwandten dieser Jugendlichen, die das Leben eines Kindes zerstört haben, zur Verantwortung zu ziehen oder gar aus dem Dorf zu treiben? Niemand. Zehn Jahre zuvor ereignete sich ebenfalls im Gebiet Südkasachstan im Dorf Maıatas ein ähnlicher Vorfall. Ein kurdischer Teenager wurde verdächtigt, einen kasachischen Jungen verhöhnt zu haben, was zu Pogromen und zur Flucht fast aller kurdischen Familien aus dem Aul führte. Darüber hinaus haben VertreterInnen dieser Diaspora auch in den benachbarten Gebieten gelitten. Derartige Fälle kann man noch viele anführen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/liebe-gaeste-wie-fuehlen-sich-die-koreaner-in-kasachstan/"><strong>„Liebe Gäste“ – Wie fühlen sich die Koreaner in Kasachstan?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Das heißt, bezüglich der „StammesgenossInnen“ zeigen wir eine gewisse Nachsicht, während wir „Fremden“ sogar für Verbrechen von einzelnen eine Kollektivschuld zuschreiben. Das nennt man doppelte Standards. Genau dies ist der Fall, wenn man fordert, dass der junge Dungane, der gegen den Aksakal die Hand gehoben hat, mit voller Härte des Gesetzes bestraft werde, und zur gleichen Zeit jene, die loszogen um unbeteiligte DorfbewohnerInnen zu töten und deren Häuser zu verwüsten, nicht in der Verantwortung sieht. Das Argument „Sie haben zuerst angefangen&#8220; kann man nicht anders als kindisch nennen – so verhalten sich Kleinkinder.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Nationalismus, der nur durch den „Ruf nach Blut“ angetrieben wird, der auf doppelten Standards und rechtlichem Nihilismus basiert, kann a priori nicht aufgeklärt, zivilisiert und konstruktiv sein. Ich hoffe, dass wir KasachInnen, die dies verstehen, viel mehr sind als diejenigen, die sich bewusst oder unbewusst in eine nationalistische Rage getrieben haben.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Je</strong><strong>ńis Ba</strong><strong>ıhoja für </strong><a href="https://camonitor.kz/34178-nash-domoroschennyy-nacionalizm-bessmyslennyy-i-besposchadnyy.html"><strong>Central Asia Monitor</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Zusammenstöße im Süden Kasachstans: interethnischer Konflikt oder Mafiastreit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[juliat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2020 09:37:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Duganen]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Mafia]]></category>
		<category><![CDATA[Minderheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund tausend KasachInnen sollen an Zusammenst&#xF6;&#xDF;en beteiligt gewesen sein, die sich in ein Progrom gegen die muslimische Minderheit der Duganen verwandelt h&#xE4;tten. Die Ereignisse stehen zurzeit im Mittelpunkt heftiger Debatten, da sie mafi&#xF6;se Urspr&#xFC;nge gehabt haben k&#xF6;nnten. In der Nacht vom 7. Februar kam es im S&#xFC;den Kasachstans, im Gebiet Schambyl nahe der kirgisischen Grenze, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Rund tausend </strong><strong>KasachInnen sollen</strong><strong> an Zusammenstößen beteiligt gewesen sein, die sich in ein Progrom gegen die muslimische Minderheit der Duganen verwandelt hätten. Die Ereignisse stehen zurzeit im Mittelpunkt heftiger Debatten, da sie mafiöse Ursprünge gehabt haben könnten.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht vom 7. Februar kam es im Süden Kasachstans, im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schambyl_(Gebiet)">Schambyl </a>nahe der kirgisischen Grenze, zu Zusammenstößen zwischen Duganen und Kasachen. Schauplatz der Zusammenstöße wurden die Dörfer Masanchi, Karakemer, Sortobe und Auchatty. Die ethnische Minderheit der Duganen bezeichnet die Vorfälle als Progrom. Über den Ursprung der Ereignisse wird zurzeit heftig debattiert.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zehn-tote-bei-interethnischem-konflikt-in-kasachstan/">Zehn Tote bei interethnischem Konflikt in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach offiziellen Angaben, sollen fast Tausend Kasachen in die Dörfer eingedrungen sein und Menschen angegriffen haben. Nach <a href="https://24.kg/proisshestvija/143564_konflikt_vmasanchi_vtorgovom_tsentre_obnarujili_obgorevshee_telo/">jüngsten Angaben</a> verloren dabei 11 Einwohner des Dorfes Masanchi ihr Leben, darunter zehn Duganen und ein Kasache. Laut dem <a href="https://fergana.ru/articles/114964/">russischen Nachrichtenmedium Fergana News</a> seien um die dreißig Häuser und dreißig Geschäfte von den Angreifern zerstört worden bevor die Polizei eintreffen konnte, um die Ordnung wieder herzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gerüchte um den Ursprung der Ereignisse</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit den Zusammenstößen haben sich zahlreiche Gerüchte über deren Hintergründe verbreitet. Manche glauben, es hätte mit einer Auseinandersetzung zwischen einem duganischen Fahrer und einem älteren kasachischen Mann begonnen. Ersterer soll den Kasachen geschlagen haben, woraufhin seine Freunde sich rächten. Das ist im Moment auch die offizielle Version der Regierung.</p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Telegramm Kanal <a href="https://telete.in/s/kurbannordon">Central Asian Brief</a> gaben Vertreter der Duganen an, dass es bei dem Streit um einen sexuellen Übergriff von Seiten eines betrunkenen Kasachen auf eine junge Duganin handelte. Darüber hinaus wird spekuliert, dass ein Kasache sich in einen Streit zwischen jungen Uiguren und Duganen eingemischt habe. Letztere hätten sich dann gegen ihn gewendet und getötet, was zur heftigen Reaktion der Angreifer auf Masanchi geführt hätte.</p>
<p style="text-align: justify">Eine andere Version betrifft direkt die Polizei. Diese hätte den duganischen Fahrer verfolgt, woraufhin sich der Fahrer in einem Haus seiner Gemeinschaft versteckte hatte. Nachdem diese die Ordnungskräfte nicht eintreten ließen, hätten diese mit einem Angriff reagiert.</p>
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<p style="text-align: justify"><strong>50 Personen verhaftet</strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://24.kg/proisshestvija/143564_konflikt_vmasanchi_vtorgovom_tsentre_obnarujili_obgorevshee_telo/">Bisher</a> wurden 50 Menschen von den kasachstanischen Autoritäten verhaftet, während die Suche nach Beteiligten weitergeht. Die Verhaftungen berufen sich auf Artikel 99 (Totschlag), 272 (Organisation und Teilnahme an Ausschreitungen) und 293 (Hooliganismus) des kasachstanischen Strafgesetzes. Bislang wurden 25 Strafverfahren eingeleitet; die Identität der Angeklagten bleibt anonym.</p>
<p style="text-align: justify">Die Medien sprechen offiziell von einem „Unfall“ &#8211; Vertreter der Duganen hingegen benutzen den Begriff „Pogrom“. Die kasachischen Autoritäten scheinen das Thema mit größter Sorgfalt  zu behandeln. Der kasachstanische Vizepremierminister Berdibek Saparaev übernahm die Führung der Kommission, die sich mit der Entwicklung des Pogroms auseinandersetzt und wurde zum Gouverneur der Region erklärt, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Hinter den Gerüchten könnten jedoch weitaus tiefgründigere Interessen liegen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein krimineller Konflikt?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Politologe Yuri Buluktaev gab gegenüber dem kasachischen <a href="https://365info.kz/2020/02/pogromy-v-masanchi-mogli-byt-splanirovany-ekspert">Medium 365info.kz</a> an, dass das Pogrom zweifelslos geplant gewesen sei. Es seien 54 Molotovcocktails beschlagnahmt worden, wofür es laut Buluktaev einer vorherigen Planung bedürft hätte. Auch Bewohner zweifeln an den Gerüchten über spontane Gewaltausbrüche, da es sich laut ihnen bei den Angreifern nicht nur um Menschen aus dem Dorf und der Umgebung handelte.</p>
<p style="text-align: justify">Laut der Theorie des Politologen Aıdos Sarym, seien die Angriffe auf kriminelle Gründe zurückzuführen. Er erklärt, dass es sich bei der betroffenen Region um ein Grenzgebiet handele, in dem Drogenschmuggel einen großen Teil der lokalen Wirtschaft ausmache. Die kirgisische Tageszeitung <a href="https://www.vb.kg/doc/385313_kordayskiy_konflikt_organizoval_krimavtoritet_serik_golova.html">Wetschernij Bischkek</a> geht sogar noch weiter und führt die Zusammenstöße auf die Verhaftung eines der mächtigsten Kriminellen der Region, Serik Golova, zurück. Sogar der Direktor der Vereinigung der Dunganen in Kasachstan, Huseı Daýrov, der zuerst von Pogromen sprach, erkennt die Rolle an, die kriminelle Elemente in den Ereignissen gespielt haben könnten.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Agathe Guy, </strong><strong>Redakteurin für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Julia Tappeiner</strong></p>
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		<title>Zehn Tote bei interethnischem Konflikt in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Feb 2020 14:58:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Dunganen]]></category>
		<category><![CDATA[ethnischer Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Interethnische Beziehungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zehn Menschen, darunter ein Polizeibeamter, sind bei einem interethnischen Konflikt im S&#xFC;den Kasachstans get&#xF6;tet worden. KasachInnen sollen dabei Angeh&#xF6;rige der ethnischen Minderheit der DunganInnen angegriffen haben. W&#xE4;hrend eines interethnischer Konflikts im S&#xFC;den Kasachstans sind zehn Personen get&#xF6;tet und mehr als 40 verletzt worden. Acht der Get&#xF6;teten verloren unmittelbar vor Ort ihr Leben, zwei weitere Opfer [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Zehn Menschen, darunter ein Polizeibeamter, sind bei einem interethnischen Konflikt im Süden Kasachstans getötet worden. KasachInnen sollen dabei Angehörige der ethnischen Minderheit der DunganInnen angegriffen haben.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Während eines interethnischer Konflikts im Süden Kasachstans sind zehn Personen getötet und mehr als 40 verletzt worden. Acht der Getöteten verloren unmittelbar vor Ort ihr Leben, <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/kordayskiy-konflikt-gibel-10-chelovek-podtverdilo-mvd-390991/">zwei weitere Opfer</a> erlagen in der Nacht zum 9. Februar ihren Verletzungen. Der Vorfall ereignete sich in dem Dorf Masanchi, nicht weit vom Grenzübergang <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qordai">Qordai</a> zwischen Kasachstan und Kirgistan. Wie das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://kaztag.kz/ru/news/vosem-chelovek-pogibli-40-chelovek-poluchili-raneniya-pri-konflikte-v-zhambylskoy-oblasti-mvd-video">KazTag</a> berichtete, sprach Hýseı Daýrov, der Vorsitzende der Assoziation der DunganInnen Kasachstans, von einem Pogrom gegenüber seiner ethnischen Gemeinschaft.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Nach offiziellen Angaben griffen am Abend des 7. Februar über 300 Menschen aus den umliegenden Dörfern die BewohnerInnen des Dorfes Masanchi an, bei denen es sich mehrheitlich um <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dunganen">DunganInnen</a> – eine muslimische Volksgruppe chinesischer Herkunft – handelt. Mehr als 30 Häuser, 15 Läden und 23 Autos wurden beschädigt, wie das kasachstanische Onlinemedium <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/30-domov-postradali-v-rezultate-sobyitiy-v-masanchi-390920/">Tengrinews</a> berichtet. Nach Angaben des <a href="https://fergana.ru/news/114922/">kirgisischen Grenzdienstes</a> überqueren viele kasachstanische DunganInnen die Grenze nach Kirgisistan, um dort Sicherheit zu suchen. Die dunganische Gemeinschaft Kirgistans ist größer als jene Kasachstans.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>47 Personen festgenommen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bisher wurden 47 Personen verhaftet und zwei Jagdgewehre von den kasachstanischen Behörden beschlagnahmt. Es ist jedoch nicht klar, warum genau der Konflikt ausbrach. Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qassym-Jomart Toqaev</a> sagte auf einer <a href="https://tengrinews.kz/news/zayavlenie-tokaeva-po-sobyitiyam-v-kordayskom-rayone-video-390915/">Pressekonferenz</a>, die angesichts des Konflikts anberaumt wurde, dass er durch verschiedene Videos, die zu Hass und Gewalt aufstacheln, verursacht wurde, und dass die Verantwortlichen hart bestraft werden würden.</p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben des <a href="https://informburo.kz/novosti/chp-v-kordayskom-rayone-press-konferenciya-tekstovaya-translyaciya-.html">Innenministeriums</a> sei der Konflikt auf Provokateure zurückzuführen, <em>„die einen privaten Konflikt auf eine interethnische Ebene gehoben haben“</em>, wobei zunächst nicht erläutert wurde, welcher Art diese Provokationen gewesen seien und welche Gründe für die Angriffe auf die dunganische Gemeinschaft bestanden haben sollen.</p>
<p style="text-align: justify">Am Morgen des 9. Februar <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/nazvana-prichina-kordayskogo-konflikta-390996/">erklärte</a> dann der stellvertretende Innenminister Alekseı Kalaıchidi, dass es am 5. Februar zu einem Konflikt im Straßenverkehr gekommen sei, bei dem es darum ging, wer wem die Vorfahrt genommen habe. Gemäß seinen Worten sei das Ausmaß des Konflikts gewachsen, nachdem in den sozialen Netzwerken Aufrufe zu destruktiven Handlungen auftauchten.</p>
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<p style="text-align: justify">Die DunganInnen sind ein muslimisches Volk ethnisch chinesischer Herkunft, das hauptsächlich in Zentralasien und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> sowie in benachbarten chinesischen Provinzen lebt. Die dunganische Gemeinschaft Kasachstans zählt etwa 50 000 Personen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion </strong></p>
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<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zehn-tote-bei-interethnischem-konflikt-in-kasachstan/">Zehn Tote bei interethnischem Konflikt in Kasachstan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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