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	<title>Ehe Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Polygamie in Zentralasien: Zwischen Recht und Realität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 13:40:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein Skandal vergangenen Sommer eröffnete einmal mehr die Debatte um Polygamie in zentralasiatischen Gesellschaften – und um die Vereinbarung von illegalen Ehen mit mehreren Frauen. Dies nahm Radio Azattyq zum Anlass zu ergründen, warum die Praxis der „zweiten Frauen” in den Ländern Zentralasiens trotz formeller Verbote nach wie vor weit verbreitet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni, kurz vor der parlamentarischen Sommerpause, stimmten die Abgeordneten des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> (Parlament Kirgistans, Anm. d. Übers.) für Änderungen im Strafgesetzbuch, darunter auch die Aufhebung des Artikels, der eine strafrechtliche Verfolgung von Polygamie vorsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die breite Öffentlichkeit erfuhr davon erst im August, als Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> das Dokument mit Einwänden an das Parlament zurückgab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Polygamie verletzt die Würde von Frauen und Mädchen, verletzt ihr Recht auf Gleichberechtigung und Schutz in der Familie, hat schwerwiegende Folgen, einschließlich materieller Entbehrungen und Verletzung von Vermögensinteressen, und schadet Kindern und ihrem Wohlergehen“</em>, hieß es in einer Erklärung der Präsidialverwaltung zu diesem Thema.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Versuch, die Polygamie in Kirgistan zu legalisieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Dschaparow und seine Verwaltung sprachen sich gegen die Abschaffung der Strafe für Polygamie aus, sondern auch die Generalstaatsanwaltschaft, die Ombudsstelle und andere staatliche Stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Seiten der Abgeordneten wurden Rechtfertigungen laut. Einige erklärten, dass sie die Legalisierung der Polygamie nicht diskutiert und nicht dafür gestimmt hätten, sondern dass die Änderung erst nach der Abstimmung in das Dokument „eingeschlichen” sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit ist Polygamie in Kirgistan weiterhin strafbar. Artikel 176 des Strafgesetzbuches von Kirgistan verbietet das Zusammenleben eines Mannes mit zwei oder mehr Frauen „unter gemeinsamer Haushaltsführung”. Ein Verstoß wird mit gemeinnütziger Arbeit, Strafarbeit oder einer Geldstrafe geahndet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch trotz des formellen Verbots ist Polygamie in Kirgistan keine Seltenheit, auch nicht unter den bekannten Persönlichkeiten des Landes. Im Jahr 2017 gab der ehemalige Großmufti Tschubak Dschalilow <a href="https://kaktus.media/doc/366768_mvd:_dela_ne_bydet_poka_jena_chybak_ajy_ne_podast_zaiavlenie.html">öffentlich zu</a>, eine zweite Frau geheiratet zu haben. Der Geschäftsmann Askar Salymbekow, Eigentümer des Marktes „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dordoi-Basar">Dordoj</a>“, sprach offen über seine „Doppelehe“. Selbst der ehemalige Ombudsmann Tursunbaj Bakir uulu rechtfertigte die Polygamie wiederholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/polygamie-in-kirgistan-ehemaliger-mufti-lost-polemik-aus/">Polygamie in Kirgistan: ehemaliger Mufti löst Polemik aus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn die Frau krank ist oder keine Kinder bekommen kann, warum sollte man sich dann scheiden lassen? Mit ihrer Zustimmung kann man eine weitere Frau heiraten. Diese wird nicht nur deine Frau sein, sondern auch die Schwester deiner Frau”</em>, sagte Bakir uulu <a href="https://rus.azattyk.org/a/27243501.html">in einem Interview</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal werden Fälle von Polygamie unter Politikern bekannt. Der ehemalige Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> war während seiner Amtszeit von 2005 bis 2010 offiziell mit Tatjana Bakijewa verheiratet, die ihn als First Lady begleitete. <a href="https://rus.azattyq.org/a/Kurmanbek_Bakiev_/2020490.html">Wie sich herausstellte</a>, zog er jedoch gleichzeitig Kinder mit seiner zweiten „Ehefrau“, Nuzgul Tolomuschewa, groß. Mit ihr verließ er das Land nach dem Sturz seines Regimes und ging nach Belarus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Verstöße gelangen in der Regel nicht bis zur Polizei und erst recht nicht vor Gericht, meinen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten. Es gibt keine bekannten Fälle von Bestrafungen nach Artikel 176 und „erste Ehefrauen” wenden sich äußerst selten an die Strafverfolgungsbehörden, wenn sie erfahren, dass ihr Mann eine zweite oder sogar dritte „Ehefrau” hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> tätigen Menschenrechtsaktivistin Muchajoo Abduraupowa wenden sich jedoch regelmäßig Dutzende von Frauen, die unter Polygamie leiden, privat an sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Mann vergnügt sich zuerst mit der einen, dann mit der anderen, sein Vermögen bleibt ihm erhalten. Sie schließen eine muslimische Ehe und widerrufen diese dann bei der Polizei. Sie verstecken sich hinter der Religion, helfen aber in Wirklichkeit keiner der beiden Frauen. Oder es kommt vor, dass sich die Beziehung zur ersten Frau verschlechtert hat und die Männer alles für die zweite Frau tun, während sie die erste vor die Tür setzen“</em>, erzählt Abduraupowa.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Streben nach materiellem Wohlstand und rechtlose Kinder</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt keine offiziellen Statistiken darüber, wie verbreitet Polygamie in Zentralasien ist. De jure erkennen alle fünf Länder nur eine Ehe an – die im Standesamt geschlossene. Die zweite und alle weiteren „Ehen“ entstehen in der Regel nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ehe">Nikah</a>, einer muslimischen religiösen Zeremonie, die nicht als rechtmäßig gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan ist Polygamie, wie auch im benachbarten Kirgistan, gesetzlich verboten. Das Zusammenleben mit zwei oder mehreren Frauen „unter gemeinsamer Haushaltsführung” wird mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren geahndet. In der Praxis wird Polygamie jedoch auch in Usbekistan offen praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bahodir Elibaev, ein 43-jähriger Englischlehrer in einem Bezirk der Region Fergana in Usbekistan, lebt seit 13 Jahren offen mit zwei Frauen zusammen. Mit Mavzhuda hat er eine offizielle Ehe geschlossen, mit der zweiten Frau, Yulduz, eine Nikah-Ehe. Elibaev behauptet, dass er und seine „Ehefrauen” sich „bewusst” und im Einvernehmen aller Beteiligten für die Polygamie entschieden hätten: <em>„Ich verstehe, dass es für meine Frauen nicht leicht ist. Nicht jede Frau möchte ihren Mann mit einer anderen teilen. Aber auch für mich ist es nicht leicht. Ich muss beide gleich behandeln und beide Familien gleich versorgen.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Elibaev hat fünf Kinder von beiden Frauen. Die beiden sehen sich fast nie und haben keinen Kontakt miteinander. Die offizielle Ehefrau Mavzhuda sagt, dass ihr die Entscheidung, die zweite Familie ihres Mannes zu akzeptieren, nicht leicht gefallen sei: <em>„Ich mag die zweite Frau meines Mannes nicht. Wer würde sie schon mögen? Aber ich liebe meinen Mann. Er kümmert sich um mich und die Kinder und hat in unserer Familie eine solche Atmosphäre geschaffen, dass ich nicht das Gefühl habe, dass er noch eine andere Frau hat. Deshalb habe ich meine Ehe nicht zerstört.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/usbekistan-bekaempft-polygamie/">Usbekistan bekämpft Polygamie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite „Frau“ Yulduz sagt, dass sie <em>„nichts zu beanstanden“</em> habe. Gleichzeitig gibt sie zu, dass sie sich wünschen würde, dass die Polygamie in Usbekistan legalisiert würde: <em>„Das Gesetz besagt, dass ein Mann nicht mit mehreren Frauen unter einem Dach leben darf. Wir leben getrennt. Die erste Frau hat ihr eigenes Haus, und ich habe meines. Ich beschwere mich nicht, mein Mann versorgt mich mit allem Notwendigen, behandelt beide Frauen fair und hat unsere Kinder offiziell anerkannt. Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass es in Usbekistan für zweite Frauen erlaubt wäre, ihre Ehe über das Standesamt legalisieren zu lassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es in Usbekistan nicht wenige solcher Familien gibt, lässt sich indirekt daran erkennen, dass die Behörden wiederholt versucht haben, den Kampf gegen die Polygamie zu verschärfen. Im Jahr 2017 drohte Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> Imamen, die Nikahs ohne Heiratsurkunde durchführen, mit Geldstrafen. Damals erklärte er, dass die meisten solcher Fälle in der Hauptstadt Taschkent registriert würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 2023 unterzeichnete Mirziyoyev ein Gesetz, das die Strafen für die Propagierung von Polygamie und die Durchführung von Nikah ohne staatliche Registrierung verschärfte. In der Praxis jedoch etabliert sich die Polygamie zunehmend als „Norm“, die nicht nur von Männern, sondern auch von vielen Frauen freiwillig akzeptiert wird, erzählt eine usbekische Menschenrechtsaktivistin, die anonym bleiben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/gebunden-durch-tradition-das-stille-leiden-der-schwiegertoechter-in-usbekistan/">Gebunden durch Tradition: Das stille Leiden der Schwiegertöchter in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin fügt jedoch hinzu, dass Mädchen, die eine solche „Ehe“ eingehen, einen wichtigen rechtlichen Aspekt vergessen: <em>„Junge Frauen, die Zweitfrauen werden wollen, begründen ihren Wunsch damit, dass Männer ihnen ein Auto oder ein Haus kaufen. Zweitfrauen sind von der Pflicht befreit, sich um die Eltern und Verwandten ihres Mannes zu kümmern. Aber in ihrem Streben nach materiellen Gütern vergessen sie die andere Seite der Medaille. Kinder, die in inoffiziellen Ehen geboren werden, sind gesetzlich überhaupt nicht geschützt. Wenn der Mann die Beziehung beendet, werden ihre Kinder jeglicher Sozialhilfe in Form von Unterhalt beraubt, ganz zu schweigen vom Erbrecht“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen der Arbeitsmigration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 27-jährige Mehrangez aus Tadschikistan weiß aus eigener Erfahrung um die rechtliche Schutzlosigkeit nicht nur von Kindern, die in einer inoffiziellen Ehe geboren wurden, sondern auch von „zweiten Frauen“. In Tadschikistan ist Polygamie ebenfalls offiziell verboten. In Wirklichkeit leben Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Frauen in religiösen Ehen, die rechtlich nicht anerkannt sind, sodass sie weder Anspruch auf Vermögen noch auf Unterhalt oder staatlichen Schutz haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor drei Jahren lernte Mehrangez während einer schmerzhaften Scheidung einen verheirateten Mann kennen, der neun Jahre älter war als sie. Er versicherte ihr, dass er sie nicht verlassen würde, und bat sie, ihn in einer religiösen Zeremonie zu heiraten und ihm einen Sohn zu gebären – in seiner offiziellen Ehe hatte er vier Töchter.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir haben ein Nikah geschlossen, danach mietete er eine Wohnung für mich und blieb ein- bis zweimal pro Woche bei mir“</em>, erzählt Mehrangez. <em>„Ein Jahr nach der Geburt unseres Sohnes kaufte er eine Zweizimmerwohnung am Stadtrand von Duschanbe. Er liess sie auf seinen Namen überschreiben, erklärte sich aber bereit, die Vaterschaft anzuerkennen und gab dem Kind seinen Nachnamen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Zeit begann sich seine Einstellung zu Mehrangez zu ändern: <em>„Er begann zu sagen, ich sei eine schlechte Ehefrau. Wenn ich nicht nachgiebig bin, droht er mir, mich rauszuwerfen und meinen Sohn mitzunehmen. Damit erpresst er mich ständig.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie im siebten periodischen Bericht Tadschikistans, der 2024 dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau vorgelegt wurde, festgestellt wird, haben die Gerichte des Landes von 2019 bis 2022 etwa 375 Fälle über Polygamie verhandelt und Hunderte von Urteilen ausgesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/mit-17-jahren-zwei-fehlgeburten-und-eine-scheidung-wie-fruehe-heirat-das-leben-von-maedchen-in-zentralasien-zerstoeren-kann/">„Mit 17 Jahren zwei Fehlgeburten und eine Scheidung“: Wie frühe Heirat das Leben von Mädchen in Zentralasien zerstören kann</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Expertinnen und Experten sind jedoch überzeugt, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs sind. Das tatsächliche Ausmaß des Problems lässt sich kaum einschätzen, da die Beteiligten alles tun, um eine öffentliche Bekanntmachung zu vermeiden: Männer aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung oder dem Zerfall ihrer offiziellen Familie, Frauen aus Mangel an anderen Möglichkeiten, ihren sozialen Status zu festigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Frauen stimmen einer Ehe zu, um ihren akzeptablen sozialen Status ohne Verurteilung durch die Gemeinschaft zu bewahren, meist wenn sie geschieden oder alleinstehend sind, oder um ihren wirtschaftlichen Wohlstand zu verbessern“</em>, vermutet Nargis Saidowa, Leiterin der Nichtregierungsorganisation „Gender und Entwicklung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation wird durch die massive Arbeitsmigration noch verschärft. <em>„Oft heiraten Männer in Tadschikistan in ihrer Heimat, bekommen zwei oder drei Kinder und verlassen diese Familien dann, um ins Ausland zu gehen, und heiraten dort erneut“</em>, sagt der tadschikische Journalist Siroschiddin Tolipow.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es kommt nicht selten vor, dass Männer, die migriert sind, den Kontakt zu ihren Familien abbrechen, ihnen keine finanzielle Unterstützung mehr zukommen lassen und die Frauen mit ihren Problemen allein lassen“</em>, fügt Gender-Expertin Saidowa hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland/">Über ausgesetzte Kinder zentralasiatischer MigrantInnen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der seltenen Fälle, der große Aufmerksamkeit erregte, war der Fall von Parwiz Dawlatow, dem Leiter einer Abteilung von „Megafon-Tadschikistan“. Vor vier Jahren schlug seine offizielle Ehefrau seine &#8222;zweite Frau“ zu Tode. Das Gericht befand Dawlatow in mehreren Punkten für schuldig, darunter Polygamie, und seine Frau wegen versuchten Mordes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Gulnora Beknazarowa, Direktorin des Forschungszentrums „Zerkalo“, führt die zunehmende Patriarchalisierung der Gesellschaft zu einem Wertewandel: Für viele Frauen bleibt die Familie die einzige Überlebensquelle, und jede Form der Ehe erscheint ihnen akzeptabel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Soziale Ungleichheit und die Folgen der Arbeitsmigration tragen weiterhin zur Aufrechterhaltung der Praxis der Polygamie bei. Die Gesellschaft muss die stattfindenden Veränderungen aufmerksam beobachten. Diese Transformation kann unvorhersehbare Folgen haben. Beispielsweise beobachten wir immer häufiger, dass Männer nach einer Scheidung ihre eigenen Kinder scheinbar nicht mehr sehen wollen. Mit dem Ende der Ehe endet auch ihre Vaterschaft. Und vielleicht denken einige Frauen gerade deshalb in ihrer Verzweiflung, dass niemand außer ihnen ihre Kinder braucht. Daraus resultieren Tragödien, in denen Mütter sich das Leben nehmen und ihre Kinder mit in den Tod reißen. Diese Prozesse müssen dringend und ernsthaft untersucht werden“</em>, meint Beknazarowa und verweist dabei auf die zunehmenden Fälle von Kindermord und Selbstmord unter Frauen in Tadschikistan.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Wir brauchen ein System, das die Rechte aller Beteiligten schützt, insbesondere der Schwächsten“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 30-jährige Kasachin Arujan (Name geändert, Anm. d. Aut.) hat keine Nikah geschlossen und sich geweigert, die zweite Familie ihres Mannes zu akzeptieren. Sie ist die Tochter eines Mannes, der zwei Familien hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arujan erfuhr davon, als sie in der dritten Klasse war: <em>„Meine Mutter erfuhr davon und erzählte es uns. Dabei handelte es sich um die beste Freundin meiner Mutter. Mein Vater lebte in zwei Haushalten, das dauerte etwa 12 Jahre. Dabei versorgte mein Vater beide Familien vollständig. In der einen Familie gab es einen Sohn und eine Tochter, ihre Kinder aus erster Ehe. Wir waren acht Kinder, und ich bin die Älteste. Meine Mutter hat diese Situation schwer ertragen. Obwohl ich noch ein Kind war, habe ich gesehen, wie schwer es für sie war. Irgendwann hat sie sich damit abgefunden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Arujan glaubt, dass ihre Mutter aus mehreren Gründen beschlossen hatte, sich nicht scheiden zu lassen: <em>„Vielleicht liebte sie Papa zu sehr oder tat es den Kindern zuliebe. Und Mama konnte nirgendwo hingehen. Sie ist Kasachin aus Russland, ihre ganze Verwandtschaft lebte dort; in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Taraz</a> (im südlichen Kasachstan, Anm. d. Übers.) hatte sie niemanden. Papas Verwandte waren natürlich nicht einverstanden, aber da Papa das älteste Kind in der Familie war, konnte sich niemand gegen ihn stellen. Und er ist ein ziemlich wohlhabender Mann, vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Allmählich begannen beide Familien, miteinander zu kommunizieren: <em>„Sie kamen zu uns zu Besuch, das galt als normal. Ich habe diese Zeit fast nicht miterlebt, da ich nach Beginn meines Studiums von Taras weggezogen bin. Jetzt bin ich verheiratet, und wenn man mich nach Polygamie fragt, kann ich sagen, dass ich kategorisch dagegen bin. Ich erinnere mich an alles, was meine Mutter durchgemacht hat. Wenn ich mich an diese Situation erinnere, wird mir immer noch unwohl.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit etwa 10 Jahren, sagt Arujan, lebt ihr Vater mit seiner rechtmäßigen Ehefrau zusammen. Aber seine früheren Entscheidungen haben sich auf alle Kinder ausgewirkt. <em>„Meine Brüder zum Beispiel können ihren Frauen sagen: ‚Unser Vater hatte auch eine zweite Familie, also ist das in Ordnung. Die Leute leben damit, und nichts passiert.&#8216; Das heißt, dieselbe Situation wiederholt sich praktisch. Es ist gut, dass meine Mutter sich in diesem Fall nicht zurückzieht, sondern mit ihren Söhnen spricht und ihnen erklärt, dass man so etwas nicht tun darf“</em>, erzählt Arujan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kasachstan ist Polygamie nicht strafbar (die entsprechende Vorschrift wurde bereits 1991 aufgehoben), aber eine zweite Ehe kann nicht offiziell registriert werden – das Standesamt lehnt dies ab, wenn der Ehemann oder die Ehefrau bereits verheiratet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise bekennt sich der Staat zur Monogamie, greift aber faktisch nicht in informelle Partnerschaften ein, meint die kasachische Expertin für Genderfragen, Aıgerim Kusaınyqyzy: <em>„Es entsteht eine Art ‚Grauzone‘. Formal ist es nicht verboten, aber es gibt auch keinen Schutz durch den Staat.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-die-menschen-in-kasachstan-inzwischen-seltener-heiraten/">Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kusaınyqyzy ist überzeugt, dass das Problem der Polygamie in Zentralasien akut ist und einer gründlichen Untersuchung und Neubewertung bedarf. <em>„Es geht nicht nur um eine einfache Verschärfung der Strafen, sondern um eine umfassende Reform, die auf den tatsächlichen Schutz der Rechte von Frauen und Kindern abzielt. Das derzeitige System funktioniert nicht, da Fälle schwer aufzudecken und zu beweisen sind. In Kirgistan muss beispielsweise die ‚gemeinsame Haushaltsführung&#8216; nachgewiesen werden – dies lässt sich selten vor Gericht beweisen. Auch in Tadschikistan sind die Formulierungen in den Gesetzen vage. Die Strafverfolgungsbehörden selbst räumen ein, dass es rechtlich schwierig ist, zwischen einer ‚zweiten Frau&#8216; und einer Lebensgefährtin zu unterscheiden“</em>, ordnet die Expertin ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf das gesetzliche Verbot der Polygamie räumt Kusaınyqyzy ein, dass dieses Phänomen nicht vollständig beseitigt werden kann, hält es jedoch für durchaus realistisch, es einzudämmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die strafrechtliche Verfolgung muss sich auf den tatsächlichen Schaden konzentrieren – Zwang, Gewalt, Betrug mit schwerwiegenden Folgen. Die Feststellung der Vaterschaft muss vereinfacht werden, es müssen klare Kriterien für den Nachweis einer tatsächlichen Ehe eingeführt werden: gemeinsame Kinder, Vermögen, Schulden – und das Recht auf Unterhalt in einer solchen Ehe muss gewährleistet werden. Es müssen reale Statistiken erhoben und mit dem allgemeinen Kampf gegen Gewalt gegen Frauen verknüpft werden. Der Punkt ist, dass einfache Verbote nicht funktionieren. Es braucht ein System, das die Rechte aller Beteiligten schützt, insbesondere der Schwächsten – Frauen und Kinder in nicht registrierten Partnerschaften“</em>, schließt Kusaınyqyzy.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Gulja Hadjaeva und Nargiz Hamrabaeva für Radio Azattyq</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://rus.azattyq.org/a/ya-ne-lyublyu-vtoruyu-zhenu-moego-muzha-poligamiya-v-tsentralnoy-azii-zakon-i-realnost/33524689.html">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 06:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Scheidung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. F&#xFC;r das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allm&#xE4;hlich zu &#xE4;ndern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan &#xFC;ber ihre Einstellung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. Für das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allmählich zu ändern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan über ihre Einstellung zur Familiengründung und ihre wichtigsten Werte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Trends</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Rolle der Familie in vielen Ländern weltweit verändert. Während früher in traditionellen Gesellschaften Großfamilien, in denen mehrere Generationen zusammenlebten, üblich waren, sind heute Kernfamilien, die nur aus Eltern und Kindern bestehen, häufiger anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts stellten amerikanische Soziolog:innen fest, dass die Institution der Ehe allmählich ihren Status als formale Tradition verliert und zunehmend individuelle Interessen widerspiegelt. Die Menschen dachten damals mehr über persönliche Ziele, Bildung und Selbstverwirklichung nach – und nicht nur über familiäre Umstände.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Prozesse fanden auch in Europa statt. In den 1960er Jahren begann dort der sogenannte zweite demografische Wandel – die Geburtenrate, die nach dem Krieg vorübergehend gestiegen war, begann zu sinken, und die Gesellschaft begann, alternative Familienformen gelassen zu akzeptieren. Im 21. Jahrhundert begann sich dieser Trend auch auf andere Staaten wie China auszuweiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Globale Veränderungen zeigen sich auch in Kasachstan. Bereits heute ist für viele Menschen in Kasachstan eine formalisierte Ehe keine zwingende Voraussetzung mehr für ihr Glück. Die einen streben zunächst nach einer Karriere und finanzieller Unabhängigkeit, andere entscheiden sich für ein gemeinsames Leben ohne offizielle Registrierung, und wieder andere halten die Ehe einfach nicht für einen wichtigen Teil ihres Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weniger Ehen und weniger Scheidungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Kamila Kovıazina ist die Heiratsrate in Kasachstan in den letzten fünf Jahren von 6,87 auf 6,13 pro tausend Einwohnende gesunken. Allerdings spiegelt dieser Indikator nicht immer genau die sozialen Trends wider, da er von der Anzahl der Menschen verschiedener Generationen beeinflusst wird, beispielsweise von Kindern und älteren Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generation, die in den 1990er Jahren geboren wurde, ist weniger zahlreich als die Generation der 2000er Jahre. Dies erklärt die Statistik: Ein Teil der jungen Menschen hat einfach noch nicht das Alter erreicht, um eine Familie zu gründen, und manche der früheren Generation schieben diesen Schritt hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Kovıazina jedoch feststellt, gibt es einen deutlicheren Trend, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: das steigende Durchschnittsalter bei der ersten Heirat. Immer mehr junge Menschen halten es für wichtig, zuerst eine Ausbildung zu absolvieren, einen Beruf zu erlernen, eine Karriere aufzubauen und finanzielle Stabilität zu erlangen und erst dann eine Familie zu gründen. Laut der Soziologin spiegelt dies globale Prozesse wider: Die Lebenserwartung steigt, die Lebenszyklen verlängern sich, weshalb die Entscheidung zur Heirat wohlüberlegter und nicht mehr so übereilt getroffen wird wie früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/leichte-unterhaltung-mit-meine-kasachische-hochzeit/">Leichte Unterhaltung mit „Meine kasachische Hochzeit“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind auch die Scheidungen in der offiziellen Statistik zurückgegangen – von 2020 bis 2024 sank die Scheidungsrate um 21 Prozent (2,02 pro tausend Einwohnende). Expert:innen betonen jedoch, dass diese Statistik nicht das vollständige Bild widerspiegelt – die Erfassung erfolgt nur auf der Grundlage von Daten der Standesämter, ohne gerichtliche Entscheidungen über die Auflösung von Ehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Forschungsunternehmens Petrelli Previtera für März 2024 liegt Kasachstan bei der Zahl der Scheidungen weltweit an zweiter Stelle, nur hinter den Malediven. Internationale Berechnungen ergeben eine Scheidungsrate von 4,6 pro Tausend Einwohnende – deutlich höher als in den nationalen Statistiken angegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer vom Institut für gleiche Rechte und Chancen durchgeführten Umfrage verbinden 61 Prozent der Kasachstaner:innen Scheidungen mit der Einmischung von Verwandten in das Familienleben. Weitere 41 Prozent der Befragten geben einen Rückgang moralischer Beschränkungen an, und ein Viertel nennt die Einfachheit des Scheidungsprozesses. Als weitere Faktoren werden traditionelle Einstellungen genannt, darunter die strenge Aufteilung der Geschlechterrollen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Jugend und die standesamtliche Trauung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstellung zur Ehe verändert sich nicht nur in Zahlen. Expert:innen stellen fest, dass sie für junge Menschen zwar keine formale Notwendigkeit mehr darstellt, aber dennoch ein bedeutender Schritt bleibt. Nach Angaben der Friedrich-Ebert-Stiftung betrachten fast 65 Prozent der jungen Kasachstaner:innen die Ehe als einen wichtigen Lebensabschnitt und nur 8 Prozent halten sie für nicht obligatorisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei spielen „traditionelle Werte” nach wie vor eine wichtige Rolle. So halten fast die Hälfte der Befragten die Jungfräulichkeit des Partners vor der Ehe für einen wichtigen Faktor bei der Wahl des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Auch der Einfluss der Verwandten ist nach wie vor stark: 57,1 Prozent der Befragten berücksichtigen deren Meinung bei ihrer Entscheidung über die Eheschließung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ansichten zur Ehe unterscheiden sich auch zwischen Stadt- und Landbevölkerung. In Großstädten ist das Zusammenleben ohne Registrierung mittlerweile eher üblich, während in Dörfern konservativere Ansichten vorherrschen. Vor allem junge Frauen spüren diesen Druck: Oftmals drängen ihre Eltern sie zur Heirat, weil sie befürchten, dass sie sonst keine Familie gründen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansichten junger Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit zwei Frauen aus Kasachstan gesprochen, die ohne offizielle Registrierung zusammenleben. Eine von ihnen, Anar aus Almaty, lernte ihren Partner über gemeinsame Freunde kennen und ist seit vier Jahren mit ihm zusammen. Mit der Zeit wurde die Beziehung ernst, und die Entscheidung, zusammenzuziehen, fiel ganz natürlich, ohne Druck und Formalitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paar interessierte sich besonders dafür, wie sie im Alltag miteinander auskommen, sich gegenseitig unterstützen und Vertrauen aufbauen würden. Für sie ist Familie nicht nur eine formelle Institution, sondern tägliche Fürsorge und Respekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hatten es nicht eilig, zu heiraten, sondern wollten zuerst sehen, wie wir im Alltag zurechtkommen“</em>, erzählt Anar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fehlende offizielle Registrierung bringt jedoch manchmal Schwierigkeiten mit sich. Es ist nicht immer möglich, den Partner im Krankenhaus zu besuchen oder Dokumente auszustellen, für die ein Nachweis des Familienstands erforderlich ist. Hinzu kommt der Druck von Verwandten und Bekannten, die regelmäßig fragen, warum das Paar noch nicht geheiratet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar merkt an, dass diese Umstände das Paar allmählich dazu bringen, über eine Hochzeit nachzudenken. An erster Stelle stehen für sie jedoch nach wie vor Vertrauen, Unterstützung und die tägliche Fürsorge füreinander – die Formalität ist notwendig, um alltägliche und rechtliche Fragen zu klären und den Druck von außen zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-toi-als-wichtiger-wirtschaftsfaktor-in-kasachstan/">Die Toı als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna aus Karaganda hingegen sieht die Ehe mit Vorsicht. Sie war noch nie verheiratet und ist derzeit mit niemandem liiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe es nicht eilig zu heiraten, weil ich zu viele Geschichten über häusliche Gewalt gehört habe. Meine Schwestern sind nach ihrer Hochzeit wie erloschen, ihr Leben ist eingeschränkt. Die Erwartungen der Familie und der Gesellschaft nehmen ihnen ihre Freiheit. Ich glaube an die Liebe und die Familie, aber für mich ist es wichtig, mich sicher zu fühlen“</em>, erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna gibt zu, dass sie Druck von ihren Verwandten spürt. Diese deuten oft an, dass es Zeit wäre, zu heiraten. Die junge Frau ist jedoch der Meinung, dass sie nicht bereit ist, sich zu binden, solange sie nicht den Mann gefunden hat, dem sie ohne Angst vertrauen kann. Sie hat nichts gegen die Ehe – aber es wird ihre eigene Entscheidung sein und kein Schritt, der von den Erwartungen der Familie oder der Gesellschaft diktiert wird. Für Janna ist es wichtig, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Bis dahin zieht sie das Single-Leben einer Beziehung ohne Respekt und Sicherheit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Soziologin Kamila Kovıazina prognostiziert, wird sich der Trend zu weniger Eheschließungen in Zukunft wahrscheinlich fortsetzen. Moderne Männer und Frauen haben mehr Wahlmöglichkeiten. Sie entscheiden selbst, ob sie heiraten, Kinder bekommen, welche Karriere sie einschlagen und wo sie leben möchten. Die Ehe ist nicht mehr eine zwingende Voraussetzung für das Leben, sondern nur noch eine von vielen möglichen Optionen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aıgerim Erbolova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/41923-moi-sestry-posle-svadby-slovno-potuhli-a-ih-zhizn-stala-ogranichennoy">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Usbekistan bekämpft Polygamie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:29:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
		<category><![CDATA[Zweitfrau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 31. Oktober 2023 unterzeichnete der Pr&#xE4;sident Usbekistans, Shavkat Mirziyoyev, ein Gesetz zur &#xC4;nderung des Strafgesetzbuchs und des Gesetzes &#xFC;ber die Verwaltungszust&#xE4;ndigkeit, mit dem die Bef&#xFC;rwortung von Polygamie und religi&#xF6;ser Eheschlie&#xDF;ung (nikah) ohne offizielle Registrierung bei den staatlichen Beh&#xF6;rden unter Strafe gestellt wird. Polygamie ist in den letzten Jahren in Usbekistan zu einem hei&#xDF;en Thema [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 31. Oktober 2023 unterzeichnete der Präsident Usbekistans, Shavkat Mirziyoyev, ein Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Gesetzes über die Verwaltungszuständigkeit, mit dem die Befürwortung von Polygamie und religiöser Eheschließung (<em>nikah</em>) ohne offizielle Registrierung bei den staatlichen Behörden unter Strafe gestellt wird.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Polygamie ist in den letzten Jahren in Usbekistan zu einem heißen Thema geworden, insbesondere nachdem usbekische Blogger:innen skandalöse Videos in sozialen Netzwerken veröffentlicht hatten, in denen sie für Polygamie warben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bloggerin schenkt Ehemann eine zweite Frau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein solcher Skandal war ein Video der beliebten Insta-Bloggerin Gulzoda Abdullaeva. Sie zeigt in einem Video, wie sie ihrem Mann zu ihrem Hochzeitstag scherzhaft <a href="https://t.me/digestuz/21647">eine zweite Frau schenkt</a>. Die als zweite Braut verkleidete Schauspielerin befand sich in einer Geschenkschachtel, die Abdullaeva vor ihrem Mann öffnete. Abdullaevas Community reagierte vor allem negativ auf das Video, da es Bigamie fördere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der öffentlichkeitswirksamen Resonanz in den sozialen Netzwerken wurden die Strafverfolgungsbehörden auf Abdullaeva aufmerksam. Die Bloggerin selbst postete ein Video auf ihrer Seite, in dem sie erklärte, dass es sich bei dem Video um einen Scherz handelte und ihre Follower an die Verantwortung des Landes für die Polygamie erinnerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/trotz-verbot-polygamie-bleibt-in-usbekistan-verbreitet/"> Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Usbekistan verbreitet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls viral ging der Beitrag eines Usbeken, der in einem Video ein Auto im Wert von 170‘000 Dollar zeigt, das er <a href="https://uznews.uz/posts/66317">seiner zweiten Frau schenken will</a>. Anstelle eines Kennzeichens trägt das Auto ein Schild mit der Aufschrift „02 Hotinimga“ (Usbekisch für „für seine zweite Frau“).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Polygamie offiziell verboten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht von Nargis Kosimova, Forscherin und Medienexpertin, beeinflussen solche Posts die Vorstellung von Ehe bei jungen Mädchen stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell ist Polygamie in dem Land verboten und steht unter Strafe. Nach Artikel 126 („Polygamie“) des usbekistanischen Strafgesetzbuchs wird Polygamie, d. h. das Zusammenleben mit zwei oder mehr Frauen auf der Grundlage eines gemeinsamen Haushalts, mit einer Geldstrafe, Strafarbeit oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Trotz des offiziellen Verbots werden solche Ehen in der Gesellschaft als normal empfunden und oft romantisiert. Beobachtenden zufolge ist Polygamie in Usbekistan in den letzten Jahren alltäglich geworden. Die Folgen solcher Ehen sind jedoch oft traurig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zebos Geschichte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist die Geschichte von Zebo Shukurova, 35, aus Taschkent, die seit 10 Jahren mit einem Mann verheiratet ist, der zwei Ehefrauen hat. Als erste Frau hat sie ihrem Mann jedoch selbst die Erlaubnis gegeben, eine zweite Ehe einzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erzählt, dass ihr Mann nach sechs Jahren Ehe eines Tages an ihrem Arbeitsplatz vorbeikam und ihre Kollegin traf, während er auf seine Frau wartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Mädchen war 20 Jahre alt. Ich habe dem keine Beachtung geschenkt. Ein paar Wochen später erfuhr ich von meinen Kolleginnen, dass mein Ehemann mit diesem Mädchen zusammen ist. Ich war am Boden zerstört, beschloss aber, mich zusammenzureißen und mit ihm zu reden. Mein Mann hat die heimlichen Treffen mit einer anderen Frau nicht einmal geleugnet. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich wollte auf keinen Fall meine Familie verlieren, indem ich mich scheiden lasse. Da habe ich ihm gesagt, dass es mir nichts ausmachen würde, wenn er sie zur Frau nehmen würde. Ich bat sie nur darum, getrennt zu leben. Zwei Monate später schlossen sie den Bund der Ehe“</em>, erinnert sich Shukurova.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/polygamie-in-kirgistan-ehemaliger-mufti-lost-polemik-aus/"> Polygamie in Kirgistan: ehemaliger Mufti löst Polemik aus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz all ihrer Bemühungen gelang es ihr jedoch nicht, die Ehe zu retten. Nachdem die zweite Frau ein Kind zur Welt gebracht hatte, wurde sie eifersüchtig auf Zebo und bestand darauf, dass er sich von ihr scheiden ließ. Stattdessen schlug der Ehemann vor, in einem Haus zu leben. Das gemeinsame Leben der beiden Familien in einem Haus funktionierte nicht und Zebos Ehemann warf sie einen Monat, nachdem die zweite Frau eingezogen war, hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich erkannte, dass ich dumm gewesen war. Bei dem Versuch, die Ehe zu retten und meinem Ex-Mann zu gefallen, habe ich mich selbst gedemütigt. Jetzt haben wir ein Scheidungsverfahren laufen. Er versucht, mir unseren Sohn und das Haus wegzunehmen, das wir während der Ehe mit einer Hypothek gekauft haben. Nur zwei Menschen können in Liebe und Harmonie leben. Davon habe ich mich aus eigener Erfahrung überzeugt“</em>, erzählt Shukurova.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein strukturelles Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zebo ist nicht das erste Opfer von Polygamie in Usbekistan, so die in Taschkent ansässige Rechtsanwältin Ekaterina Denisova. Es gibt keine offiziellen Statistiken zu Zweit- und Mehr-Ehen in Usbekistan, da das Gesetz dies nicht zulässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Solche Ehen werden jedoch in der Gesellschaft ganz normal wahrgenommen und oft romantisiert“</em>, sagte die Rechtsanwältin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Männer in Usbekistan rechtfertigen Polygamie und sagen, dass der Islam ihnen erlaubt, bis zu vier Frauen zu haben. Auch einige Frauen unterstützen diesen Trend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Forscherin Kosimova stellt fest, dass in Usbekistan ein Trend zu beobachten ist: Junge Mädchen wollen bewusst als zweite Frau heiraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/">„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Laut Umfragen gibt es in Usbekistan viele Mädchen, die davon träumen, eine Zweitfrau zu werden. Das ist sehr traurig. Sie erklären diesen Wunsch mit der Tatsache, dass Zweitfrauen in der Ehe Anspruch auf ein Auto und ein Haus haben und von den Pflichten der Hausarbeit und der Pflege der Eltern ihres Mannes befreit sind“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihrer Meinung nach vergessen die Mädchen bei ihrem Streben nach materiellen Vorteilen jedoch die andere Seite der Medaille. Kinder, die in solchen Ehen geboren werden, haben keinerlei sozialen Schutz. Ein Mann kann die Beziehung zu einer solchen Frau jederzeit beenden und sie wiederum hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe in Form von Unterhaltszahlungen oder Beihilfen für den Unterhalt ihrer Kinder. Ganz zu schweigen von den fehlenden Eigentumsrechten für das Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe sehr viele Situationen erlebt, in denen in solchen Ehen, wenn Kinder geboren werden, der Mann das Kind nicht unter seinem Nachnamen annimmt. Meistens werden die Kinder auf den Namen des Bruders oder des Vaters der Frau eingetragen, was den leiblichen Vater von jeglicher Verantwortung für das Kind in der Zukunft entbindet. Eine solche Ehe kann in der Zukunft zu einem großen Problem für die Frau werden“</em>, erzählt sie weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zweitehen im Ausland</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Fälle, so Kosimova, haben die Regierung dazu veranlasst, neue Änderungen am Strafgesetzbuch und am Gesetz über die Verwaltungshaftung vorzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekische Männer schließen Ehen mit Zweitfrauen nicht nur in Usbekistan, sondern auch außerhalb des Landes. Wenn sie das Land verlassen, um Geld zu verdienen, beginnen sie eine Lebensgemeinschaft mit einer Frau in einem anderen Land. Die Familien in Usbekistan werden ohne ausreichende finanzielle Unterstützung zurückgelassen. Wenn der Mann nicht nach Hause zurückkehren will, kann die Schwiegertochter einfach aus dem Haus geworfen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Problem ist ein Teufelskreis. Zuerst wollen sie den Mädchen keine Ausbildung geben und rechtfertigen dies damit, dass sie heiraten und zu Hause bleiben werden. Viele heiraten jung und verschulden sich, um eine üppige Hochzeit zu veranstalten. Die Schwiegereltern schicken ihren Sohn zum Arbeiten in ein anderes Land, wo der Mann in einer zivilen Ehe eine Familie gründet, während die Schwiegertochter zu Hause bleibt, wo sie für die Erziehung der Kinder und den Haushalt verantwortlich ist“</em>, so Kosimova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist der Meinung, dass dieser Teufelskreis nur durchbrochen werden kann, indem junge Menschen von der Schulzeit an erzogen werden: <em>„Eine gute Bildung, sowohl konventionell als auch religiös, kann die Situation verbessern. Vielleicht wird dann jedes Mädchen und jeder Junge, der eine inoffizielle Ehe eingeht, vorausdenken und sich der Konsequenzen bewusst sein.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Happy End?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zebo Shukurova, die in einer offiziellen Ehe Opfer der Polygamie wurde, zieht ihren Sohn allein auf und arbeitet weiter an ihrer Karriere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich hatte Glück. Bereits vor meiner Heirat hatte ich einen Beruf, von dem ich jetzt meinen Sohn und mich ernähren kann. Ich bin eine erfolgreiche Visagistin in Taschkent. Selbst Geld zu verdienen ist schwer, aber es ist viel besser, als von einem Mann abhängig zu sein und eine schlechte Einstellung zu mir selbst zu ertragen. Der größte Fehler, den junge Mädchen machen können, ist, übertriebenen Versprechungen Glauben zu schenken und einer inoffiziellen Ehe zuzustimmen“</em>, meint sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den sozialen Medien sind die Gesetzesänderungen zu Polygamie wohlwollend aufgenommen worden. Die Zeit wird zeigen, wie sich das Gesetz nun auswirkt und ob es die Situation in Bezug auf Polygamie und inoffizielle Ehen in dem Land verändern wird. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Elina Beknazarova für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="/Users/mh23l754/Downloads/Am%2031.%20Oktober%202023%20unterzeichnete%20der%20Präsident%20Usbekistans,%20Shavkat%20Mirziyoyev,%20ein%20Gesetz%20zur%20Änderung%20des%20Strafgesetzbuchs%20und%20des%20Gesetzes%20über%20die%20Verwaltungszuständigkeit,%20mit%20dem%20die%20Befürwortung%20von%20Polygamie%20und%20religiöser%20Eheschließung%20(nikah)%20ohne%20offizielle%20Registrierung%20bei%20den%20staatlichen%20Behörden%20unter%20Strafe%20gestellt%20wird.">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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		<title>Ehe im Interesse des Staates &#8211; Rezension einer Broschüre für Ehefrauen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[juliat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2020 11:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend Kasachstan &#xFC;ber die Entwicklung der Gleichstellung der Geschlechter berichtet, erhalten dutzende von Projekten, die zur Unterdr&#xFC;ckung der Frauen in der Ehe beitragen, finanzielle Unterst&#xFC;tzung aus dem Staatshaushalt. Darunter das Projekt des Sozialfonds Zentrum f&#xFC;r integrierte Unterst&#xFC;tzung von Familien: Familienakademie, das die Institution Familie und deren Werte st&#xE4;rken will. A&#x131;sulu To&#x131;shibekova hat sich deren Brosch&#xFC;re [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Während Kasachstan über die Entwicklung der Gleichstellung der Geschlechter berichtet, erhalten dutzende von Projekten, die zur Unterdrückung der Frauen in der Ehe beitragen, finanzielle Unterstützung aus dem Staatshaushalt. Darunter das Projekt des Sozialfonds <em>Zentrum für integrierte Unterstützung von Familien</em>: <em>Familienakademie, </em>das die Institution Familie und deren Werte stärken will. Aısulu Toıshibekova hat sich deren Broschüre angeschaut und geriet dabei in Rage. Ihre Analyse für </strong><strong><a href="https://vlast.kz/books/39799-brak-v-interesah-gosudarstva.html">Vlast.kz</a></strong><strong> übernehmen wir mit freundlicher Genehmigung.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist eine weitere Gehirnwäsche für junge Frauen: Die Broschüre <a href="https://zhetysu.gov.kz/ru/for-your-info/brak-delo-khitroe-.html?fbclid=IwAR1s-8R8qT2jbswaLvZ5Y9Di2M6-hCmS8LA_IHnyLgFnlLIDB4UmpnFJHGQ">„Ehe- eine knifflige Angelegenheit. Wählen Sie ihren Partner fürs Leben!“</a> von Madina Baıbolova. Sie wurde mithilfe staatlicher Gelder herausgegeben und auf der offiziellen Seite des Landes platziert, wo sie ihre Sichtweise zur Ehe und Familie anbietet, und die damit zusammenhängende Rolle und Verantwortung der Frau (welche laut der Broschüre riesig ist).&nbsp; Die Botschaft ist an junge Frauen gerichtet, <em>„welche ihre zweite Hälfte finden und eine starke Familie aufbauen möchten, sowie an alle, die allgemeine Fragen zum Thema Ehe und Familie haben.“</em> Was auch immer in dem Vorwort steht, es ist vollkommen offensichtlich, dass die Autorin sich ausschließlich mit einer Position an die Mädchen richtet, die besagt, was sie zu tun haben, um in eine erfolgreiche Ehe einzusteigen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Ich muss dabei erwähnen: Die Broschüre besagt, dass die Ehe nicht das Ziel des ganzen Lebens sein sollte und sich nach der sprichwörtlichen Alterszensur <em>„die Uhr tickt schon“</em> orientieren sollte. Dennoch würde deren Inhalt kaum einer Kritik aus feministischer Perspektive standhalten. Und hier sind die Gründe dafür.</p>
<p><strong><em>„Männer, von Natur aus Jäger</em>&#8230;&#8220;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jede Seite der Broschüre behandelt ein eigenes Thema darüber, wie Frauen sich auf die Ehe vorbereiten können. Demnach muss ein Mädchen eine ganze Liste an Kriterien erfüllen, um der Liebe eines Mannes würdig zu sein und heiraten zu können. Die Leserin wird sofort gefragt, was sie in eine Ehe mitbringen kann, und es als eine Analogie zur Arbeitsvermittlung zu sehen. Menschliche Eigenschaften, wie etwa Weisheit, Fürsorglichkeit und Güte seien dabei stets zu kultivieren, während Unreife, Unartigkeit und Egoismus von vorn herein zu bekämpfen seien.</p>
<p style="text-align: justify">Zur zweiten Kategorie gehören laut der Autorin die Millenials <em>[junge Generation, um die Jahrtausendwende geboren. Also heute 15-30-Jährige, Anm. d. Red.], </em>welche sie für eine verwöhnte und selbstverliebte Generation hält, die sich nicht um andere kümmert. Damit nivelliert Baıbolova deren Glauben an sich selbst und an die unbegrenzten Möglichkeiten, die vor ihr liegen. &nbsp;<em>„Die Leute haben es verlernt, die Rechte der anderen zu respektieren, während sie weiterhin fordern, selbst respektiert und verstanden zu werden,“ </em>schreibt Baıbolova in einer Broschüre, in der sie selbst Frauen vorschreibt, wer sie zu sein hätten. Die Broschüre stellt sich als einseitig heraus und nur einer Seite nützend: natürlich jener der Männer und deren Eltern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wo-die-rosen-wachsen-ein-interview-mit-almagul-menlibaeva/">Wo die Rosen wachsen – ein Interview mit Almagul Menlibaeva</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach ihrem Bericht über die Millenials, fällt die Autorin ein unerfreuliches Urteil: <em>„Statistiken über das Ende von Ehen fallen besonders traurig unter jungen Absolventen renommierter Universitäten aus, deren Eltern alles für sie getan haben, jedoch vergessen haben, ihnen zu erklären, dass sie nicht im Zentrum des Universums stehen.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Das eigentlich Traurige ist aber nicht die Erfahrung dieser jungen Menschen, die sich für eine Scheidung entscheiden, sondern, dass die Autorin jungen Mädchen einredet, sie müssten alles erdulden und sich vor ihren Ambitionen fürchten, und stattdessen versuchen, eine bessere Ehefrau zu werden. Im Verlauf der neunzehn Seiten über die Kelin (Braut im ersten Ehejahr, Anm. d. Red.) zeichnet Madina Baıbolova ein Bild von sphärischen Männern im Vakuum, um die sich jedes Mädchen wie um ein Ideal bemühen muss, und welchen es natürlich in allem genügen muss.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/gulshara-abdiqaliqova-wird-erste-gouverneurin-in-kasachstan/">Gulshara Ábdiqaliqova wird erste Gouverneurin in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Und was wäre eine Gehirnwäsche ohne dabei das Thema der Weiblichkeit und Zärtlichkeit sowie esoterisches Geplänkel über die Energie des Männlichen und Weiblichen? All das findet man hier im Überfluss. Zum Beispiel: Wenn ihr die Tür zu euch hin öffnet, ohne dabei zu warten, dass es ein Mann für euch tut, dann seid ihr nicht weiblich genug; Männer fühlen diese Energie, denn sie sind der Jäger, Frauen hingegen nicht: <em>„Männer, von Natur aus Jäger, bemerken die Frau, bevor sie sie bemerkt. Das gibt ihnen die Fähigkeit, schnell zu bewerten, wie die Frau sich im Leben verhält (wie sie aussieht, spricht, sich anzieht, welche Menschen ihr nahestehen). Gefällt ihm nicht, was er sieht, so offenbart er sich nicht in ihrem Energiefeld, und umgeht es unentdeckt. Denn ein guter Mann bewahrt sein Glück für diejenige auf, die ihn glücklich machen kann. Erinnert euch stets daran!“</em></p>
<p><strong>Ehe als ein ungleiches Tauschgeschäft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mit ihrer Absurdität löste die Broschüre einen Sturm an negativen Emotionen aus. Die Broschüre ist im Jahr 2020 nicht mehr aktuell (genauso wenig wie in den letzten Jahrzehnten), denn das Wesen familiärer Beziehungen zwischen Frauen und Männern wird hier auf Handelsbeziehungen mit Tauschcharakter reduziert, in denen die Frau immer die niedrigere Position gegenüber dem Mann einnimmt. Der erniedrigende Ton, mit dem die Autorin jungen Mädchen lehrt, wie sie sich ihrem Mann anpassen können, trifft unseren Alltag. Ihr wisst das, so wie ihr wisst, dass zwei und zwei, vier ergibt. Entsprich den Vorgaben, arbeite an dir, setz dich durch, sei angenehm und geduldig- nur so wirst du dein Recht auf Liebe erhalten. Und wenn ihr mit diesen Dingen Erfolg habt, dann beginnt euer persönlicher Lauf um die sieben Kreise der feministischen Hölle erst, denn ist die Ehe erst mal abgeschlossen, muss die Frau für zwei arbeiten: weich sein, geduldig sein, sexuell sein, immer bezaubernd aussehen und bereit sein, die Ideen des Ehemannes zu bewundern, und dabei mit offenem Herzen und Seele auf seine Verwandten warten, auch um zwei Uhr Nachts.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-erstmals-feministische-kundgebung-genehmigt/">Kasachstan: erstmals feministische Kundgebung genehmigt</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Madina Baıbolova schreibt allen Ernstes, Mädchen sollen dem Mann zuliebe ihre professionellen Ambitionen vergessen und stattdessen als Freelancer tätig sein, um weniger zu arbeiten und mehr Zeit dem Haushalt zu widmen: <em>„Die optimale Option für Ehefrauen ist es heutzutage, als Freelancer über das Internet zu arbeiten, im Instagram-Geschäft, in der Beratung, und sonstige Arbeiten, die einen flexiblen Zeitplan erlauben. So kann der Ehemann zu einer Frau nachhause kehren, die voller Vorfreude auf ihn gewartet und das Essen zubereitet hat, und nicht zu einem Kameraden, der ebenso erst vom Schlachtfeld zurückgekehrt ist.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Sowohl durch die Blume als auch direkt erklärt die Autorin jungen Mädchen, dass eine Scheidung schlecht ist, denn die Ehe soll einmalig sein und für immer bestehen. Solche Moralpredigten sind beliebt im Land, aus diesem Grund erhält man dafür ordentliche Zuschüsse aus den Staatskassen. Ich erinnere an den Sozialfond <em>Zentrum für integrierte Unterstützung von Familien</em>: <em>Familienakademie, </em>welcher nicht nur diese, sondern auch andere Broschüren hervorbrachte. Die <em>Union der Krisenzentren Kasachstans </em>erhielt ebenso eine <a href="https://cisc.kz/ru/materials/478">Finanzierung im Wert von rund 300 Mio. Tenge</a> (rund 663.000 Euro<em>)</em>, für die Eröffnung eines psychologischen Zentrums, das Ehepaare vor der Scheidung noch umlenken und zur Versöhnung bringen soll. Das Ziel des Projekts: Scheidungsraten nach unten bringen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aktivistinnen-in-kasachstan-bei-uns-ist-es-schlimmer-eine-feministin-zu-sein-als-ein-dieb-oder-ein-gewalttaeter/">AktivistInnen in Kasachstan: „Bei uns ist es schlimmer eine Feministin zu sein, als ein Dieb oder ein Gewalttäter“</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Scheidung ist kein Selbstzweck und eingetragene Ehen kein Indikator für eine gute Politik, doch der Staat sieht das anders und widerspricht sich selbst – was auf dem Papier steht, ist das eine, und was im wahren Leben passiert, eine ganz andere Sache. In offiziellen Dokumenten, zum Beispiel dem <a href="http://www.akorda.kz/ru/npa-nacionalnoi-komissii">Konzept der Familien-und Geschlechterpolitik der Republik Kasachstan bis 2030</a> steht, dass die zunehmende Gleichstellung zum Wachstum der Verantwortung aller Familienmitglieder <em>„im häuslichen, wirtschaftlichen, moralischen und Sicherheitsbereich“</em> beiträgt. Das heißt, durch dieselben Rechte für alle und eine ausgeglichene Verantwortung, können alle Familienmitglieder ausgewogenere Entscheidungen treffen, welche respektiert werden müssen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie.</p>
<p><strong>Die Scheidungsrate als einziger Erfolgsindikator für den Staat</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Wirklichkeit aber sehen wir eine aktive Politik, die das Vorurteil fördert, dass Frauen die größte Verantwortung für den Zusammenhalt der Familie tragen. Wie kann das vereint werden? Durch die Unterstützung ebenjener Projekte. Anstatt eine echte Gleichstellung der Geschlechter zu entwickeln, werden die Kräfte dafür konzentriert Scheidungen zu vermeiden. Zu den Erfolgsindikatoren des Konzepts gehört es, die Anzahl der aufgelösten Ehen bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent zu verringern. Aber die Anzahl der Scheidungen ist nicht die Wurzel des Problems. Das Problem liegt darin, dass die kasachstanische Gesellschaft die Ehe als eine einfache Möglichkeit sieht, die Gesellschaftsleiter nach oben zu klettern.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Anstatt gleiche Möglichkeiten für beide Geschlechter zu schaffen und Frauen zu helfen, sowohl finanziell als auch sozial weniger von ihren Ehemännern und einer Ehe abzuhängen, gibt der Staat Millionen aus, um Scheidungen zu stigmatisieren und so viele Menschen wie möglich durch die Förderung psychischen Drucks einzuschüchtern. Heute erhalten Organisationen Finanzierungen für Projekte, die Geschlechterstereotype verbreiten und Mädchen Sanftmut vermitteln sowie die Bereitschaft, eine passive und dienstleistungsorientierte Rolle innerhalb einer Familie einzunehmen. Das ist sicherlich nicht das, was ich und tausende von Frauen in ganz Kasachstan im Jahr 2030 sehen wollen und der Staat wird das in Kauf nehmen müssen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Aısulu Toıshibekova für <a href="https://vlast.kz/books/39799-brak-v-interesah-gosudarstva.html">Vlast.kz</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Julia Tappeiner</strong></p>
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<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ehe-im-interesse-des-staates-rezension-einer-broschuere-fuer-ehefrauen/">Ehe im Interesse des Staates &#8211; Rezension einer Broschüre für Ehefrauen</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Usbekistan verbreitet</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/trotz-verbot-polygamie-bleibt-in-usbekistan-verbreitet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2019 18:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Usbekistan ist es M&#xE4;nnern per Gesetz verboten, mehrere Ehefrauen zu haben. Diese Praxis ist jedoch insbesondere in der Region Samarkand noch weit verbreitet, wo mehr als 5 000 F&#xE4;lle gemeldet wurden. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Fergana-News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Im Gebiet Samarkand leben derzeit mehr [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>In Usbekistan ist es Männern per Gesetz verboten, mehrere Ehefrauen zu haben. Diese Praxis ist jedoch insbesondere in der Region Samarkand noch weit verbreitet, wo mehr als 5 000 Fälle gemeldet wurden. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://fergana.news/news/109705/"><strong>Fergana-News</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Samarqand">Gebiet Samarkand</a> leben derzeit mehr als 5 000 Männer, die ohne von ihrer ersten Frau geschieden zu sein, in einer Ehe mit einer zweiten Frau leben. Dies berichtet die lokale Zeitung <a href="http://sv.zarnews.uz/post/sotni-samarkandok-terpyat-nasilie">Samarkandskij Vestnik</a> mit Verweis auf das regionale Frauenkomitee.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/"><strong>„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Nach den usbekischen Gesetzen wird Vielehe mit Strafen im Bereich des 50- bis 100-fachen des Mindestlohns bestraft. Dies entspricht im Jahr 2019 zwischen 11 und 22 Millionen Sum (74 000 bis 148 000 Euro). Auch Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren sind möglich. Im Jahr 2017 verbot Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> den Imamen des Landes, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ehe">Nikah</a> (Eheschließung gemäß der Scharia) durchzuführen, wenn die Paare keine Eheurkunde aus einem Standesamt vorweisen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Viele Männer heiraten jedoch ihre zweite Ehefrau nicht offiziell und lassen sich von der ersten nicht scheiden. Stattdessen leben sie in zwei Häusern. Dies ist einer der Hauptgründe für Familienskandale und die steigende Zahl unglücklicher Familien.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Fälle von Gewalt gegen Frauen </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Zudem leiden derzeit gemäß den Daten des Frauenkomitees 600 Frauen in der Region Samarkand unter ständiger Gewalt und Verhöhnung von Seiten ihrer Ehemänner.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Fall von häuslicher Gewalt, der sich im Frühling in genau dieser Region ereignete, erregte besondere Aufmerksamkeit. Ein Einwohner des Bezirks Bulungur verstümmelte seine Ehefrau, die er erst zwei Woche zuvor geheiratet hatte, und wurde deswegen zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/verordnete-bescheidenheit-usbekistan-schraenkt-hochzeitsfeiern-ein/"><strong>Verordnete Bescheidenheit: Usbekistan schränkt Hochzeitsfeiern ein</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Das Paar heiratete nicht standesamtlich, sondern führte nur in der Moschee die Nikah durch. Der Mann hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht scheiden lassen und war demnach offiziell mit einer anderen Frau verheiratet. Diese verließ ihn aber wegen ständiger Prügel und seiner Alkoholabhängigkeit.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Anfang Mai diesen Jahres hatte das nationale Frauenkomitee einen Gesetzentwurf in die öffentliche Diskussion eingebracht, der Frauen vor Gewalt schützen soll. Bereits im Jahr 2018 wurden landesweit in weniger als drei Monaten mehr als 130 Frauenhäuser eröffnet, um betroffene Frauen vor ihren Ehemännern und deren Angehörigen zu schützen.</p>
<p style="text-align: right;"><a href="https://fergana.news/news/109705/"><strong>Fergana-News</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Heiraten in den Pfeilern der Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2018 05:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Chiwa]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Moschee]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein junges Brautpaar wird in der Dschuma-Moschee (Freitagsmoschee) mitten in Chiwa, Usbekistan, fotografiert. Dieses Geb&#xE4;ude aus dem 16. Jahrhundert zeichnet sich durch seine 218 handgeschnitzten Holzpfeilern aus. Manche davon stammen sogar aus dem 10. Jahrhundert. Hier&#xA0;geht&#x2019;s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><span data-sheets-value="{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Ein junges Brautpaar wird in der Dschuma-Moschee (Freitagsmoschee) mitten in Chiwa, Usbekistan, fotografiert. Dieses Gebäude aus dem 16. Jahrhundert zeichnet sich durch seine 218 handgeschnitzten Holzpfeilern aus. Manche davon stammen sogar aus dem 10. Jahrhundert. &quot;}" data-sheets-userformat="{&quot;2&quot;:769,&quot;3&quot;:[null,0],&quot;11&quot;:4,&quot;12&quot;:0}">Ein junges Brautpaar wird in der Dschuma-Moschee (Freitagsmoschee) mitten in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Chiwa</a>, Usbekistan, fotografiert. Dieses Gebäude aus dem 16. Jahrhundert zeichnet sich durch seine 218 handgeschnitzten Holzpfeilern aus. Manche davon stammen sogar aus dem 10. Jahrhundert.</span></p>
<p><strong><a href="https://novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages.</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mit 15 verheiratet und schwanger – Kinderbräute aus Kirgistan erzählen ihre Geschichten</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/mit-15-verheiratet-und-schwanger-kinderbraute-aus-kirgistan-erzahlen-ihre-geschichten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaktus.media]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Oct 2017 14:55:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenraub]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendliche in Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Zwangsheirat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Verheiratung von minderj&#xE4;hrigen M&#xE4;dchen ist ein gro&#xDF;es Problem in Kirgistan. Die Soziologin Rimma Sultanowa hat an Untersuchungen zur Genderwahrnehmung der Gesellschaft mitgewirkt und mit der Redaktion von kaktus.media &#xFC;ber F&#xE4;lle aus ihrer Feldforschung gesprochen. Den Artikel, der anl&#xE4;sslich des Weltm&#xE4;dchentages erschien, &#xFC;bersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. &#xA0;Der 11. Oktober ist Weltm&#xE4;dchentag. Gl&#xFC;ckliche [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Verheiratung von minderjährigen Mädchen ist ein großes Problem </strong><strong>in Kirgistan. Die Soziologin Rimma Sultanowa hat an Untersuchungen zur Genderwahrnehmung der Gesellschaft mitgewirkt und mit der Redaktion von <a href="http://kaktus.media/doc/364451_otdali_zamyj_v_15_let_chtoby_ne_perejivat._realnye_istorii_unyh_jen.html"><em>kaktus.media</em></a> über Fälle aus ihrer Feldforschung gesprochen. Den Artikel, der anlässlich des Weltmädchentages erschien, übersetzen wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Der 11. Oktober ist Weltmädchentag. Glückliche Eltern beglückwünschen ihre Töchter und sagen ihnen, dass sie die besten, klügsten und schönsten sind. Eingerichtet wurde der Tag aber zu dem Zweck, um  Aufmerksamkeit auf soziale Probleme und Ungerechtigkeiten zu legen, die Mädchen in der ganzen Welt aufgrund ihres Geschlechtes erfahren. Hierzu zählen das Fehlen von Bildungsmöglichkeiten, vollwertiger Ernährung und medizinischer Hilfe, aber auch Probleme wie Diskriminierung und Gewalt sowie Zwangsverheiratung im Kindesalter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"> <strong>Vom Kinderheim in die Ehe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Geschichte handelt von einer jungen Frau, die im Kinderheim aufwuchs. Nennen wir sie Alina. Warum sie ins Kinderheim kam, weiß sie nicht. An Ihre Eltern kann sie sich nicht erinnern und alle ihre Kindheitserinnerungen sind lediglich mit dem Heim verbunden. Im Alter von 14-15 Jahren dachte sie über ihre Zukunft nach, darüber was &nbsp;aus ihr werden soll, wenn die Zeit gekommen ist, das Kinderheim zu verlassen. Alina beschloss, dass die beste Lösung ihrer Probleme eine Heirat sei. Dies würde ihr nicht nur eine Familie sondern auch ein Dach über dem Kopf geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr bald lernte die 15-jährige Alina einen 28-jährigen Mann kennen, der&nbsp; bereits beim zweiten Treffen um ihre Hand anhielt. Adilet (Name ebenfalls geändert) sagte, dass es sich nach muslimischem Brauchtum nicht ziemt, wenn Braut und Bräutigam sich mehr als drei Mal treffen. Voller Hoffnungen und Träume stimmte Alina zu und zog zu ihm ins Dorf. Mit 16 gebar sie das erste&nbsp; Kind und war gleich darauf wieder schwanger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt – zwei Jahre nach der Hochzeit – versteht Alina, dass sie ihre Probleme nicht lösen konnte. Eine echte Familie hat sie nicht gewonnen. Vielmehr schlägt sie der Mann und die Schwiegermutter kontrolliert Alinas Leben vollständig, bestimmt sogar, was sie zu essen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Adilet verbirgt noch nicht einmal, dass er Alina geheiratet hat, weil sie aus einem Kinderheim kommt. „Es es ist angenehm Mädchen aus dem Kinderheim zu heiraten. Sie haben keine Verwandten, die ihnen Rückhalt geben. Man muss niemandem Kalym („Ablösegeld“ an die Eltern der Braut, Anm. d. Ü.) zahlen. Sie sind ungebildet. Sie kann man leichter lenken“, sagte er UN-Vertreter*innen, die die Untersuchung durchführten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alina würde gerne ihren Mann verlassen. Aber wohin? Bald wird ihr zweites Kind geboren. Außerdem hat sie weder Bildung noch das Wissen sich alleine zurechtzufinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><em>„</em>Ich wollte nicht minderjährig aussehen<em>“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als ich mich erstmals mit Aziz traf, war ich in der neunten Klasse und er hatte die Schule schon beendet“,</em> erzählt Altynaj (Name geändert). <em>„In unserem Dorf waren alle Mädchen in ihn verliebt. Er ist groß, spielt Gitarre und seine Eltern sind reich. Und er hatte ein Auge auf mich geworfen. Warum weiß ich nicht.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich versuchte all die Zeit, nicht wie eine Minderjährige auszusehen. Dazu tat ich, was Aziz wollte. Als ich schwanger war, sagte er, dass er mich heiraten würde. Aber dann sagte er, dass er nach Bischkek fährt, um Geld zu verdienen. Seine Anrufe wurden immer seltener und dann sagte er, dass ich mein Leben lebe und er seines.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Meine Eltern wollten, dass ich abtreibe, doch die Ärzte sagten, es sei schon zu spät sei. Deswegen gingen wir zu Verwandten in einem entfernten Dorf, wo ich meine Tochter gebar. Jetzt ist sie 12 Jahre alt. Sie glaubt, dass ich ihre Schwester bin. Meine Eltern haben sie wie ihre Tochter aufgezogen. Mit 25 habe ich einen Witwer mit drei Kindern geheiratet. Es ist gut, dass er mich geheiratet hat. Mittlerweile haben wir noch zwei Kinder bekommen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-9366"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1200" height="900" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame.jpg" alt="Arslanbob Kirgistan Ballspiel" class="wp-image-9366" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame.jpg 1200w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/Arslanbob-Ballgame-800x600.jpg 800w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nicht allen Mädchen in Kirgistan ist eine unbeschwerte Jugend vergönnt</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Minderjährige gelten als gehorsame Ehefrauen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Protagonistin unserer nächsten Geschichte wurde im Alter von 15 Jahren vermittelt. Wir nennen sie Aselja. Es begann damit, dass ein 27-jähriger Mann keine Partnerin fürs gemeinsame Leben finden konnte. Seine Eltern wandten sich mit der Bitte um Hilfe an die älteste Schwiegertochter Ainur (Name geändert). Die nahm sich der Sache gewissenhaft an, fuhr nach Bischkek und schaute sich dort die Nachbarin ihrer Bekannten an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mädchen arbeitete als Tellerwäscherin in einem Bischkeker Café. Ihre Eltern hatten die Entscheidung getroffen sie zu verheiraten, was sie damit erklärten, dass sie sehr beunruhigt waren, wenn die Tochter spät abends von der Arbeit heimkehre. Es wäre besser, wenn eine neue Familie die Verantwortung für sie übernehme und für ihre Sicherheit sorge.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-maraimbek-gulzat-und-der-brautraub-26/" target="_self" rel="noopener"><strong>Maraimbek, Gülzat und der Brautraub</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 16 war Aselja bereits schwanger, unter den Bekannte in ihrem Umfeld wunderte sich niemand. Im Gegenteil: Aseljas Schwiegermutter sagte, dass es sehr angenehm sei ein Mädchen in dem jungen Alter zur Frau zu nehmen: <em>„Sie ist klein und gehorsam. Man kann sie erziehen, wie man&nbsp; es will.“</em> Lediglich der jüngere Bruder des Ehemannes – der 22-jährige Ataj – sagte, dass es nicht richtig sei, minderjährige Mädchen zur Frau zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig sind es gerade Frauen, die während des Brautraubs für den Bräutigam Partei ergreifen und die geraubten Mädchen überzeugen in der Familie zu bleiben. Sie (meistens die älteren Schwiegertöchter) überprüfen zur Hochzeit die Jungfräulichkeit der Mädchen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die frühe Verheiratung und ihre gesellschaftlichen Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mindestalter für eine Heirat liegt in Kirgistan offiziell bei 18 Jahren. Nur in besonderen Fällen haben die Behörden das Recht, für die Heirat von Jugendlichen ab 16 Jahren die Erlaubnis zu erteilen. So sieht es das Gesetz vor. Dennoch heiraten mehr als 12 Prozent der Frauen in Kirgistan, bevor sie die Volljährigkeit erreicht haben. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen, insbesondere da die neuen „Familien“ die Hochzeit oft nicht den Staatsorganen melden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders viele minderjährige Bräute gibt es in den Dörfern und abgelegenen Regionen. Die Eltern fördern die Eheschließungen ihrer Töchter schon im Kindheitsalter, da sie hoffen, dass es ihnen finanziellen und sozialen Nutzen bringt und gleichzeitig Last von der Familie nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund für die wachsende Zahl an minderjährigen Bräuten ist die Armut in der Bevölkerung. Andererseits spielen auch Traditionen ihre Rolle. Frühe Eheschließungen waren charakteristisch für das Kirgistan des 19. Jahrhunderts. Entsprechend der Daten der Volkszählung von 1897 waren 35 Prozent aller 15- bis 16-jährigen Mädchen verheiratet, in der Altersgruppe 20-24 Jahre waren quasi alle Frauen in einer Ehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kampf gegen die frühen Ehen begann in der Sowjetunion, als&nbsp; die Mehrheit der jungen Mädchen anfing, im Bildungssystem zu arbeiten. Mit dem Zerfall der Union und der damit einhergehenden Verarmung kehrte das Phänomen der Zwangsehen zurück und wurde typisch für Kirgistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwangsehen gelten als Menschenrechtsverletzung, da so die normale Entwicklung der Mädchen gestört und ihre soziale Isolierung gefördert wird. Frauen, die zu früh eine Ehe eingehen, bleiben häufig ohne höhere Bildung. Außerdem werden sie statisch häufig Opfer von Gewalt in der Familie. Und sie haben ein höheres Risiko bei der Geburt ihrer Kinder zu sterben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Im Original erschienen auf <a href="http://kaktus.media/doc/364451_otdali_zamyj_v_15_let_chtoby_ne_perejivat._realnye_istorii_unyh_jen.html">kaktus.media</a></strong></p>



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