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	<title>Drogen Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Razzien in Bischkek: Wenn die Polizei zur Party kommt</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2024 09:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bischkek ist es in den letzten Wochen zu Drogen-Razzien in mehreren Bars gekommen. Unter anderem betroffen: die Ailan-Bar, ein Wahrzeichen des Bischkeker Undergrounds. Seitdem Kirgistans Pr&#xE4;sident Sadyr Dschaparow an der Macht ist, schwindet die Freiheit der jungen Kirgis:innen: Orte des Bischkeker Underground sind immer wieder von Razzien der Polizei betroffen. So wurden laut dem [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Bischkek ist es in den letzten Wochen zu Drogen-Razzien in mehreren Bars gekommen.</strong> <strong>Unter anderem betroffen: die Ailan-Bar, ein Wahrzeichen des Bischkeker Undergrounds.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem Kirgistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> an der Macht ist, schwindet die Freiheit der jungen Kirgis:innen: Orte des Bischkeker Underground sind immer wieder von Razzien der Polizei betroffen. So wurden laut dem kirgisischen Nachrichtenportal <a href="https://24.kg/english/233687__Anti-smoking_raids_continue_in_Bishkek/">24.kg</a> im Mai 2022 zehn Bars und Clubs im Zuge der Politik des Rauchverbots im öffentlichen Raum kontrolliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt kam es zu einer weiteren Welle von Razzien: Wie <a href="https://24.kg/vlast/291869_vlasti_kyirgyizstana_ozabochenyi_situatsiey_snarkotikami_kommentariy_glavyi_gknb/">24.kg</a> berichtete, verkündete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschibek_Taschijew">Kamtschybek Taschijew</a>, Chef des Inlandsgeheimdienstes, dass es an der Zeit sei, <em>„dem Handel mit Drogen und denjenigen, die sie verbreiten oder konsumieren, den Krieg zu erklären.“</em> In der Nacht vom 13. auf den 14. April fiel die <a href="https://www.instagram.com/ailan.bar/">Ailan-Bar</a> in Bischkek einer dieser Razzien zum Opfer.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir haben damit gerechnet, weil ähnliche Razzien bereits in anderen Clubs stattgefunden hatten“</em>, erklärt Tschingis, der Manager der Bar, gegenüber Novastan. Allen Befragten zufolge wurden viele andere Bars, in denen sich Nachtschwärmer:innen zum Tanzen und Singen treffen, stark kontrolliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein junger Mann, der bei der Razzia anwesend war, äußert gegenüber Novastan die Ansicht, dass <em>„die Regierung gegen liberale Positionen, gegen pro-westliche Jugendliche und gegen die Kultur der Rave-Partys ist, genauso wie sie junge Drogenkonsumenten ablehnt, die lange wach bleiben.“ </em>Tatsächlich wurde die Ailan-Bar äußerst akribisch nach Drogen durchsucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Razzia mitten in der Nacht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war gegen 1 Uhr morgens, als Sascha (Name von der Redaktion geändert), der gerade Musik auflegte, 20 bewaffnete Menschen in Camouflage ins Lokal kommen sah. Bevor er begreifen konnte, was geschah, wurde er bereits zu Boden geworfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tom (Name geändert) war mit Freunden vor der Bar, als die Polizei ihn festnahm. Als er die Stimmen hörte, fing er an zu lachen. Aber er begriff schnell, wer diese Leute waren, die ihn zwangen, in die Bar zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/so-ueber-lebt-der-underground-in-almaty/"><strong>So (über-)lebt der Underground in Almaty</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei wollte so viele Menschen wie möglich kontrollieren: Alle, die sich auf der Terrasse befanden, mussten in den Keller zurückkehren, auch diejenigen, die gerade angekommen waren oder in Richtung Bar gingen. Drinnen wurden die Mädchen und Jungen in zwei Gruppen aufgeteilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Drogen gesucht</strong> &#8230;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mädchen waren in einem Hinterzimmer und die Jungen vor der Bar. <em>„Es war eine ganz andere Atmosphäre. Im Raum gab es Mädchen, die mit der Polizei scherzten“</em>, erklärt Adina (Name geändert), eine andere Zeugin. <em>„Als eine Polizistin meine Tasche durchsuchte, fand sie eine Packung Ketchup und lachte. Einige Mädchen fragten die Polizisten, wie sie die Aufnahmeprüfung für die Polizei absolvieren könnten und ob sie sie anschließend nach Hause fahren würden“</em>, so Adina weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo sich die Jungs befanden, ging es allerdings ernster zu. <em>„Wir verbrachten 20 Minuten auf dem Betonboden. [Der Polizist] schrie mich an: Beweg dich nicht! Dreh nicht den Kopf! Hände hinter dem Rücken! Zum Glück wurde niemand verletzt, aber sie haben uns getreten, wenn wir uns zu viel bewegten“</em>, erinnert sich Sascha.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-metal-boom-in-bischkek-ein-kirgisischer-musikpionier-im-portraet/"><strong>Der Metal-Boom in Bischkek: ein kirgisischer Musikpionier im Porträt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bewaffneten Polizisten hatten außerdem zwei Hunde dabei, um nach Drogen zu suchen. Vor Ort wurde nichts gefunden, aber die Angestellten der Bar und diejenigen, die sich weigerten, die Anordnungen zu befolgen, wurden zur Untersuchung ins Labor geschickt. Bei Tom, der sich kürzlich einer Hüftoperation unterzogen hatte, wurden Schmerzmittel beschlagnahmt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… und nicht gefunden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Später in dieser Nacht wurden diejenigen, die nicht ins Labor geschickt wurden, schließlich freigelassen. Laut Tschingis „<em>haben sie keine Drogen gefunden, wohl aber sogenannte Gebrauchsspuren, etwa eine selbstgebaute Bong, bei der es sich eigentlich nur um eine Flasche Wasser und eine leere Zigarette ohne Tabak handelte. Diese physischen Beweise reichten aus, um uns während der Ermittlungen weiterhin festzuhalten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Razzia zu nichts führte, musste die Party beendet werden. Die bewaffneten Männer versuchten, das Mischpult zu zerstören, indem sie Eis darauflegten. Als sie die Reproduktion von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Matisse">Henri Matisses</a> Gemälde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tanz_(Gemälde)">Der Tanz</a> an den Wänden sahen, bezeichneten sie das Gemälde als <em>„satanisch“</em>. Dieses Werk ist jedoch nur das Emblem der Bar.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Treffpunkt des Undergrounds</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Instagram veröffentlichte der <a href="https://www.instagram.com/ailan.bar/">Account der Ailan-Bar</a> ein Bild des Gemäldes und erklärte seine Bedeutung: <em>„Dieses Gemälde von Henri Matisse heißt „Der Tanz.“ Es ist die Grundlage des Logos unserer Bar und unser Symbol. Es ist kein Symbol für Satanismus oder Kulte, wie viele Leute außerhalb unserer Eirichtung vielleicht denken. […] Das Gemälde spricht vom tiefen Wunsch der Menschen, sich miteinander zu verbinden, zu tanzen und in die Musik einzutauchen. Und unsere Bar ist genau dieser Raum.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/einen-sound-fuer-bischkek-erschaffen-den-zawisimosti-vom-bischkeker-musikerduo-wtoroj-ka/"><strong>„Einen Sound für Bischkek erschaffen“ – „Den‘ Zawisimosti“ vom Bischkeker Musikerduo Wtoroj Ka</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich ist der Ort ein heimlicher Orientierungspunkt für alle, die gerne feiern, egal ob Kirgis:in oder Ausländer:in, jung oder alt. Es ist ein versteckter Ort, ohne Zeichen oder Schilder, ohne Adresse, der nur durch Mundpropaganda gefunden werden kann. Drogen sind verboten und Personen, die die Bar sichtbar betrunken betreten wollen, werden automatisch abgewiesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Weitermachen trotz Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tom organisiert Partys wie diese. Obwohl ihn die Razzia schwer getroffen hat, denkt er nicht daran aufzuhören. Einer seiner Freunde sagt: <em>„Wir organisieren einfach gerne Abende, die zur Entwicklung des Tourismus beitragen könnten. Es wäre großartig, die Festivals und die Kultur des Landes hervorzuheben. Wir spielen oft elektronische Remixe von kirgisischer Musik. Touristen möchten nicht nur wandern, sondern auch die Hauptstadt besuchen.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jetzt, da einige Orte der Underground-Kultur Opfer von Razzien werden, ist es schwieriger, zusammenzukommen. Die Ailan-Bar blieb während der Ermittlungen geschlossen, öffnete jedoch am 26. April wieder. Tschingis ist überzeugt: <em>„Egal wie groß der Druck auch sein mag, wir werden weiterhin das tun, was wir lieben.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mélanie Bourinet für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/raids-dans-les-bars-de-bichkek-quand-la-police-sinvite-a-la-fete/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Die Geopolitik des Drogenhandels: Als das Opium Zentralasien regierte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2020 06:42:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor hundert Jahren florierte der Opiumhandel zwischen Russen, Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Uiguren. Ein Wirtschaftszweig, den das Russische Reich erfolglos zu kontrollieren versuchte und der zu endlosen Streitigkeiten, Konflikten und Vertreibungen der Bev&#xF6;lkerung gef&#xFC;hrt hat. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original bei&#xA0;Fergana News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Im 19. Jahrhundert [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor hundert Jahren florierte der Opiumhandel zwischen Russen, Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Uiguren. Ein Wirtschaftszweig, den das Russische Reich erfolglos zu kontrollieren versuchte und der zu endlosen Streitigkeiten, Konflikten und Vertreibungen der Bevölkerung geführt hat. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original bei&nbsp;<a href="https://fergana.ru/articles/115915/">Fergana News</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 19. Jahrhundert wurde die Agrarkolonie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenstromland">Semiretschje</a> in der Nähe des Sees&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssykk%C3%B6l">Yssykköl</a>&nbsp;und des Forts Wernij (das 1921 zu&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Almaty&amp;oldid=201589710">Almaty</a>&nbsp;werden sollte) nicht nur dem Weizenanbau gewidmet. Im heutigen Grenzgebiet der Staaten Kasachstan und Kirgistan wurden auch tausende Hektar Mohn gepflanzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kam es zu dieser Drogenwirtschaft? Welchen Einfluss hatten die Konflikte mit China und die darauf folgende Massenmigration von&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dunganen">Dunganen</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uiguren">Uiguren</a>&nbsp;ins&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generalgouvernement_Turkestan">russischee Generalgouvernement Turkestan</a>? Wie haben die Beamten des Zaren davon profitiert und warum überlebte dieser Handel den Ersten Weltkrieg nicht? Der italienische Historiker Niccolò Pianciola, der an der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lingnan_University">Lingnan-Universität</a>&nbsp;in Hongkong lehrt, hat sich mit all diesen Fragen befasst. Seine Studie „<em>Illegal Markets and The Formation of a Central Asian Borderland: The Turkestan–Xinjiang opium trade (1881-1917)“</em>, wurde im Journal&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Modern_Asian_Studies"><em>Modern Asian Studies</em></a>&nbsp;veröffentlicht.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Experten spielten Grenzen eine überwiegende Rolle. Sie sind nicht einfach nur Striche auf einer Landkarte, sondern ihr wohnen ganz eigene Mechanismen inne, die Menschen beiderseits einer Grenze miteinander verbinden. Im Zentralasien des 19. Jahrhunderts stand Opium im Mittelpunkt dieses Spielbretts: Die Militärbehörden in Semiretschje hielten den Drogenhandel bewusst aufrecht. Er wurde weder offiziell genehmigt, noch vollständig verboten. Auf diese Weise konnte sowohl die lokale Wirtschaft gestärkt, als auch gute Beziehungen zum chinesischen Reich unterhalten werden. Die Behörden in Wernij und St. Petersburg wussten lange Zeit nichts vom zentralasiatischen Drogenhandel, da die sich füllenden Taschen der russischen Grenzbeamten keinen Anlass zur Berichterstattung gaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><a href="https://novastan.org/de/fact/zentralasien-liegt-mitten-auf-einer-der-grosten-drogenrouten-zwischen-afghanistan-und-russland/?noredirect=de_DE"><strong>Zentralasien liegt mitten auf einer der größten Drogenrouten zwischen Afghanistan und Russland</strong></a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der florierende Handel dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an, als Zar Nikolaus II. versuchte, ein staatliches Opiummonopol zu errichten, um seine Armee mit Morphium zu versorgen. Dieses Geschäft hielt jedoch den Kriegshandlungen und den innenpolitischen Problemen von 1916 und 1917 nicht stand. 1916 griffen Dunganen und Kirgisen die slawischen Siedler aus Wut über den staatlichen Einfluss auf ihre Geschäfte an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufstand in der Provinz Ili</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unterhielt das russische Reich im Gegensatz zu den Briten offiziell keinen Opiumhandel mit China. Der Handel in der Grenzstadt&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kjachta">Kjachta</a>&nbsp;zur heutigen Mongolei beruhte hauptsächlich auf Tee und Baumwolle. Während andere europäische Staaten in den Opiumkriegen aktiv waren, unterstützten die russischen Behörden die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qing-Dynastie">Qing-Dynastie</a>&nbsp;(1644-1912) in ihrem Kampf gegen den Drogenhandel. Im Gegensatz dazu untergrub das zentralasiatische&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Khanat Kokand</a>&nbsp;die zaristische Außenpolitik und handelte mit der chinesischen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gansu">Provinz Gansu</a> mit Opium. Von dort aus wurden das Opium ins Innere des russischen Reiches transportiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="965" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en.png" alt="" class="wp-image-23072" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en.png 965w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en-300x187.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Turkestan_1900-en-768x478.png 768w" sizes="(max-width: 965px) 100vw, 965px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren 1860-1870 kam es im chinesisch regierten Ostturkestan (dem heutigen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang</a>) zu Aufständen. Die muslimischen Turkvölker und Dunganen rebellierten gegen die strauchelnde Qin-Dynastie. Es wurden gleichzeitig auch Zusammenstöße selbst zwischen Turkvölkern und Dunganen beobachtet. Das kurzlebige, von Emir&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jakub_Bek">Jakub Bek</a>&nbsp;regierte Königreich&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jetti-Schahr">Jetti-Schahr</a>&nbsp;(1865-1878) wurde zu dieser Zeit im Gebiet des heutigen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaxgar_(Stadt)">Kaschgar</a>&nbsp;gegründet. Der Feldzug des chinesischen Generals&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zuo_Zongtang">Zuo Zongtang</a>&nbsp;beendete schließlich die Autonomiebestrebungen der Muslime im Westen Chinas. Um den chinesischen Truppen zu entkommen, flohen Tausende ins russische Westturkestan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige suchten Zuflucht im&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Ferganatal</a>, andere ließen sich in Semiretschje nieder. General Zuo Zongtang setzte nach den Konflikten und dem Bevölkerungsschwund eine ambitionierte Politik zur Wiederbelebung der Wirtschaft der westlichen Provinzen Chinas an: Reparaturen der Bewässerungsinfrastruktur, Vertreibung chinesischer Siedler, Entwicklung der Seidenproduktion und Kontrolle des Mohnanbaus. Der Erfolg dieser Strategie war uneinheitlich, da Opium entweder aus dem russischen Turkestan oder aus&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschmir">Kaschmir</a>&nbsp;und Indien in die Region importiert wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="500" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso.jpeg" alt="" class="wp-image-23071" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso-300x188.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Tso-768x480.jpeg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>via Bibliothèque Numérique Mondiale</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die chinesische Kontrolle über Xinjiang hatte zur Folge, dass es zwischen China und dem Russischen Reich keine natürliche Barrieren mehr gab. Das Zarenreich nutzte diese Entwicklung und besetzte die Provinz Ili, einen wichtigen strategischen Punkt in der fruchtbaren Region zwischen Kaschgar und der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarei">Dsungarei</a>. Der Anstoß dieser Besetzung liegt bei den Lokalbehörden; dem Generalgouverneur von Turkestan,&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Petrowitsch_von_Kaufmann">Konstantin von Kaufmann</a>, und dem Militärgouverneur von Semiretschje, Gerasim Kolpakowskij.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ansicht Niccolò Pianciolas nach wollte St. Petersburg vor allem eine Verstimmung mit Peking vermeiden und den lukrativen Opiumhandel damit beenden. Der von Schulden geplagte Gouverneur von Kaufman sagte jedoch, die Opiumproduktion sei ein effektiver Weg, um die Kassen wieder aufzufüllen. Die annektierten Gebiete wurden tatsächlich unter seine direkte Kontrolle gestellt. In der Provinz Ili wurden 32 Quadratkilometer für den Mohnanbau genutzt. Gouverneur Kolpakowskij bat Konstantin von Kaufmann persönlich um die Genehmigung, wie die Briten Opium in die südlichen Provinzen Chinas zu exportieren. Im Gegenzug wurde Silbererz nach Zentralasien eingeführt. 1881 wurde das Treiben des Gouverneurs gestoppt, als 80 Prozent der Provinz Ili an China&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Treaty_of_Saint_Petersburg_(1881)">abgetreten</a>&nbsp;und der Opiumhandel in der Region verboten wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Migranten und das Opium</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte fängt hier gerade erst an. Das Russische Reich wurde von vielen Dunganen und Tarantschis (Uiguren aus der Provinz Ili) bewohnt, deren Umsiedlung von staatlichen Behörden unterstützt wurde. Ihre Wirtschaft war nach wie vor auf das benachbarte Xinjiang ausgerichtet, das durch eine zunehmend bewachte Grenze von Semiretschje getrennt war. In der Region entstand eine grenzüberschreitende Wirtschaft, betont Niccolò Pianciola.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umsiedlung der Migranten in weit entfernte Orte war für viele nicht angenehm. Viele Dunganen weigerten sich, in den ihnen zugewiesenen Dörfern&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tokmok">Tokmok</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Prschewalsk</a>&nbsp;zu leben, und stahlen sich sich zurück in die Grenzgebiete, von wo aus sie Überfälle gegen Chinesen starteten. Die Angriffe führten dazu, dass mehr als die Hälfte der örtlichen Gefängnisbevölkerung Dunganen waren. Im Laufe der Zeit haben sie sich wohl oder übel mit ihrer neuen Lebensweise abgefunden und nach Anraten der Behörden begonnen, Gemüse und Weizen anzubauen und von Semiretschje nach Westchina zu exportieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Opium kehrte damit zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bereits 1879 wurden im heutigen kirgisischen&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Bezirk Yssykköl</a>&nbsp;wieder viele Hektar Mohn gepflanzt. Semiretschje wurde schnell zur Hauptquelle von Opium für Xinjiang, wo sich der Preis infolge der Wirtschaftspolitik von General Zuo Zongtang inzwischen verzehnfachte. In den Bezirken <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Prschewalsk</a>&nbsp;(heute Karakol, Anm. d. Red.) und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scharkent">Jarkent</a>&nbsp;wuchs die Produktion von Opium erheblich. Die Dunganen vertrieben&nbsp;&nbsp;teils auch die Tarantschi aus den fruchtbaren Gebieten am&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Grenzfluss Ili</a>, um dort den rentablen Mohn an Stelle von Reis anzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/franzoesisch-usbekisches-unternehmen-soll-in-usbekistan-nutzhanf-anbauen/"><strong>Französisch-usbekisches Unternehmen soll in Usbekistan Nutzhanf anbauen</strong></a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mohnanbau und der lukrative Opiumhandel wurden durch die Untätigkeit der russischen Behörden ermöglicht. Das Fehlen von Kosaken, zur Patrouille an der 1.600 Kilometer lange Grenze zu China, ist nicht der einzige Grund. Niccolò Pianciola weist darauf hin, dass die lokalen Behörden dieses Geschäft stillschweigend ignoriert haben. Während die russischen Zollbestimmungen von 1881 die Einfuhr von Opiaten untersagten, gab es keine Ausfuhrbestimmungen. Es gab auch kein Gesetz, das den Mohnanbau und die Opiumproduktion in Semiretschje verbot. Zwar war der&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Treaty_of_Saint_Petersburg_(1881)">russisch-chinesische Grenzvertrag</a>&nbsp;von 1881 noch in Kraft, und ein Rundschreiben des Generalgouverneurs aus dem Jahr 1883 erlaubte nur Personen mit besonderer Konzession den Handel „giftiger und berauschender Stoffe“  – aber selbst bei einer eindeutigen Rechtslage fehlten schlicht die nötigen Zoll- und Grenzbeamten (der Zoll von Prschewalsk hatte bis 1914 nur sechs Beamte), um den Opiumhandel zu unterbinden. Der Großteil der Lieferungen wurden von Kirgisen getätigt. Sarten und Chinesen passierten nicht durch Prschewalsk, sondern durch die Provinz Ili.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der formellen Verbote wurde der Opiumhandel von chinesischen Händlern gefördert. Sie gewährten den Dunganen und Uiguren von Semiretschje nicht nur Kredite, sondern sie mieteten auch Land in Turkestan und ließen es von Saisonarbeitern aus Xinjiang kultivieren. Es scheint offensichtlich, dass die lokalen chinesischen Behörden davon wussten und ihr Provisionen einzogen. Erst 1906-1907 unterzeichnete das Qing-Reich eine Reihe von Verträgen, mit denen der Opiumanbau mit den westlichen Mächten bekämpft werden sollte. Der chinesische Kampf gegen die Drogen schien Früchte zu tragen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="500" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium.jpeg" alt="" class="wp-image-23070" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium.jpeg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium-300x188.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/4-Bar-Opium-768x480.jpeg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwarzimporte aus dem russischen Reich gingen jedoch weiter.  Kasachen und Kirgisen liefen den Dunganen bald den Rang beim Schmuggel ab. Das Weiden ihrer Herden in Grenznähe diente als Vorwand für den Warenhandel. Es waren zudem russische und ukrainische Bauern, die infolge&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Arkadjewitsch_Stolypin">Pjotr Stolypins</a>&nbsp;Agrarreformen zugewandert waren und sich nun am Drogenhandel beteiligten. 1911 produzierten allein zwei russische Dörfer in der Nähe von Prschewalsk nicht weniger als 2,53 Tonnen Opium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinhai-Revolution">chinesische Revolution von 1911</a>&nbsp;die Qing-Dynastie stürzte und Chaos an der Grenze zu Russland verursachte, florierte das Geschäft in Semiretschje weiter. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs beschreiben Zeugen Mohnfelder, soweit das Auge um Prschewalsk sehen konnte. Die erwirtschafteten Gewinne bereicherten allerdings nur die bereits Wohlhabenden. Die normale Bevölkerung, der Getreide und damit billiges Brot entzogen waren, litt unter den Folgen des Opiumhandels.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine ungeschickte Monopolisierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Kriegsbeginn importierte das Russische Reich zwischen acht und achtzehn Tonnen Opium pro Jahr für seine Pharmaindustrie. Dieser Import versiegte jedoch, da der Hauptexporteur das Osmanische Reich war, das dem Reich den Krieg erklärte. Unterdessen stieg der Preis für opiumhaltige Schmerzmittel wie Morphium, das für Millionen Verwundete an der Front benötigt wurde, sprunghaft an. Die russischen Behörden versuchen nun, Opium aus Indien und Persien zu importieren, was den Mengenbedarf allerdings nicht deckte. Die Aufmerksamkeit der Regierung konzentrierte sich nun auf Semiretschje, wo die Unterdrückung der Mohnproduktion in der Zwischenzeit zunahm und sich die Geldstrafen vervielfachten.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">1916 versuchten die Behörden, die Größe der für den Mohnanbau bestimmten Anbaufläche zu schätzen und Lizenzen zu erteilen. Im Bezirk Prschewalsk wurden über 3.250 Hektar genehmigt, 500 im Bezirk Jarkent und 200 im Bezirk Pischpek (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bischkek">Bischkek</a>, Anm. d. Red.). In der Realität verreinahmte der Mohn jedoch zwischen 6.000 bis 35.000 Hektar Land in Semiretschje, dessen Kultivierung sich weitgehend der staatlichen Kontrolle entzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;</strong><strong><u><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nicht-kirgistan-sondern-schmuggelstan/"><strong>„Nicht Kirgistan, sondern Schmuggelstan“ – über Schwarzhandel und Korruption im Land</strong></a></u></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Exporte nach China zu verhindern, wurden in jedem Distrikt Inspektoren ernannt, die von der polizeilichen Reiterstaffel unterstützt wurden und über spezielle Labors verfügten. Für jedes Hektar Land gab es einen festgelegten Produktionswert für eine von der Regierung erworbene Summe. Die Preise wurden gemäß dem Morphingehalt bestimmt, der in den Laboren ermittelt wurde. Diese Monopolstrategie war jedoch zum Scheitern verurteilt: In China wurden unabhängig vom Morphingehalt 40 Rubel pro Pfund Opium gezahlt, während der staatliche Preis zwischen 7 und 15 Rubel betrug. Die Bauern begannen daher, das geerntete Opium dem Staat vorzuenthalten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="512" height="380" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly.jpg" alt="" class="wp-image-23069" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly.jpg 512w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/08/Women_smoking_opium_in_China_circa_1900_-_Collectors_Weekly-300x223.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption>via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1916 begann der Aufstand der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Basmatschi">Basmatschi</a>, der ursprünglich durch eine allgemeine Mobilisierung von Muslimen in der Region ausgelöst wurde. In Semiretchje fanden die Kämpfe besonders stark im Bezirk Prschewalsk statt. Laut Niccolò Pianciola kann die Brutalität der Ereignisse weitgehend durch die Bedeutung des Opiumhandels erklärt werden. Der Versuch der russischen Behörden, die Grenze zu schließen und die Produktion zu kontrollieren, erzürnte die Dunganen, Kirgisen und Tarantschis und ließ sie rebellieren. Das Vorgehen der Regierung war unerbittlich und viele Dunganen in Prschewalsk wurden getötet oder gezwungen, nach China zu fliehen. Auf der Flucht vor den Pogromen wanderten Hunderttausende Kasachen, Kirgisen, Dunganen und Tarantschis nach Xinjiang aus. Der Opiumhandel in der Region brach damit zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan :&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien/?noredirect=de_DE">Highway to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Niccolò Pianciola unterstreicht die Bedeutung der Grenze für die opiumgetriebene Wirtschaft in Semiretschje Einmal schützte sie Dunganen und Tarantschis vor den Repressionen des chinesischen Reichs, ein anderes Mal ermöglichte sie ihnen den Güterverkehr. Dieses System bewies, dass der Markt damals die Politik übertraf: Das Angebot aus Turkestan und die Nachfrage in Xinjiang und im Inneren Chinas zwangen die russischen und chinesischen Behörden, diesen Handel zu billigen und sogar zu persönlichen Zwecken auszunutzen. Der Übergang ins 20. Jahrhundert veränderte die Situation beidseits des Flusses Ili und staatliche Autoritäten gewannen schließlich die Oberhand über Wirtschaft und Gesundheitsschutz.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Artjom Kosmarskij,&nbsp;Journalist für <a href="https://fergana.site/articles/115915/">Fergana News</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt von Robin Shakibaie</strong></p>


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		<title>Fördert der Drogenhandel den Terrorismus in Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 May 2019 06:48:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Inwieweit sind Drogenhandel und Terrorismus miteinander verbunden? Diesbez&#xFC;glich gibt es sehr gegens&#xE4;tzliche Sichtweisen. US-Geheimdienste sehen im Drogenhandel&#xA0; die Hauptfinanzierungsquelle von Terrororganisationen, WissenschaftlerInnen verweisen hingegen auf die prinzipiell verschiedenen Organisationsformen (und Ziele) von TerroristInnen und Drogenh&#xE4;ndlerInnen. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Fergana-News. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Die amerikanischen PolitilogInnen [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Inwieweit sind Drogenhandel und Terrorismus miteinander verbunden? Diesbezüglich gibt es sehr gegensätzliche Sichtweisen. US-Geheimdienste sehen im Drogenhandel  die Hauptfinanzierungsquelle von Terrororganisationen, WissenschaftlerInnen verweisen hingegen auf die prinzipiell verschiedenen Organisationsformen (und Ziele) von TerroristInnen und DrogenhändlerInnen. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf </strong><a href="https://fergana.agency/articles/106174/"><strong>Fergana-News</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die amerikanischen PolitilogInnen Maria Omelicheva und Lawrence Markowitz haben sich entschlossen einen ungewöhnlichen Weg zu gehen. Sie untersuchen den Einfluss des Transitverkehrs afghanischer Opiate auf terroristische Aktivitäten in Zentralasien, indem sie sich auf regionale Statistiken und Daten von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geoinformationssystem">Geoinformationssystemen</a> stützen. Ihre Studie „Does Drug Trafficking Impact Terrorism? Afghan Opioids an Terrorist Violance in Central Asia“ veröffentlichten die WissenschaftlerInnen im Journal „<a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/1057610X.2018.1434039">Conflict &amp; Terrorism</a>“.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Regel beschäftigen sich Terrororganisationen nicht zielgerichtet mit Drogenhandel, sondern bringen das Business auf „ihrem“ Territorium unter Kontrolle. Beispiele hierfür sind die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hisbollah">Hisbollah</a> und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taliban">Taliban</a>, die Gebiete eroberten, in denen seit Jahrzehnten Pflanzen kultiviert wurden, welche zur Drogenherstellung geeignet sind. In den 2000er Jahren entstand ein internationales Netzwerk zu deren Verbreitung, welches vollkommen autonom von den politischen Ideen der TerroristInnen agierte. Der Drogenhandel „verführt“ die TerroristInnen durch die hohen Einkünfte bei verhältnismäßig geringem Risiko. Das bei diesem Geschäft eingenommene Geld kann dann für den Kauf von Waffen, die Ausbildung von Rekruten, Propaganda und andere Dinge ausgegeben werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien/"><strong>Highway to Heroin – vom Drogenhandel und neuen Konsum in Zentralasien</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Selten ist die „umgekehrte“ Situation der Fall, wenn Drogenbarone zum Terror gegenüber VertreterInnen der Staatsmacht übergehen, da diese ihr Geschäftsmodell bedroht – wie in Mexiko. Des Weiteren existieren strategische Bündnisse zwischen TerroristInnen und DrogenhändlerInnen: erste sichern die Handelsrouten und letztere erlauben es, ihre Logistik für die Vorbereitung von Attentaten zu nutzen. Dennoch sind die indirekten Effekte des Drogenhandels am stärksten ausgeprägt. In Regionen, in denen Drogen hergestellt werden, werden diese auch gewöhnlich konsumiert. Der Staat verwendet gewaltige Ressourcen im Kampf gegen dieses Übel, woran oft die Bildung, das Gesundheitssystem und die wirtschaftliche Entwicklung der „gefährlichen“ Regionen leiden. Dies treibt die erboste und arme Bevölkerung in die Arme der ExtremistInnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu dem gleichen Effekt führt Gewaltanwendung von Seiten der Sicherheitsapparate, welche den Drogenanbau ausrotten wollen. Letzten Endes nimmt der Aufwand an Kraft und Ressourcen, der gegen den Drogenhandel betrieben wird, den Sicherheitsbehörden die Möglichkeit effektiv radikale Gruppen zu bekämpfen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Drogenhandel und Terrorismus kartographiert</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Soweit die allgemeinen Überlegungen angesichts der weltweiten Situation. Doch wie steht es um die Verbindung zwischen Drogenhandel und Terrorismus in Zentralasien? Nach Meinung der WissenschaftlerInnen ist diese Region besonders interessant, da ihre Staaten im Transitkorridor zwischen Afghanistan und Russland beziehungsweise Europa liegen und so verzerrenden Faktoren wie Herstellung und Verbrauch keine Rolle spielen.</p>
<p style="text-align: justify;">Afghanistan ist der weltweit größte Produzent von Opium (90 Prozent, wobei vor Ort nur ein Prozent verbraucht wird). Ein Viertel bis ein Drittel des Opiums und Heroins wird über die sogenannte nördliche Route transportiert – über Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgistan nach Kasachstan und weiter nach Russland und Europa. Labors zur Herstellung von Heroin gibt es in der Region nicht (zumindest ist den Sicherheitsbehörden nichts davon bekannt).</p>
<p style="text-align: justify;">Zu Sowjetzeiten wurde um den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssykk%C3%B6l">Issykköl</a> herum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmohn">Schlafmohn</a> zu medizinischen Zwecken kultiviert, aber seit 1974 ist auch dies verboten. Natürlich werden in bestimmten Gebieten (vor allem im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tsch%C3%BCi_(Fluss)">Tschui</a>-Tal) Marihuana angebaut, aber dies wird in erster Linie vor Ort konsumiert und spielt keine wesentliche Rolle beim Drogenhandel.</p>
<p><figure id="attachment_17085" aria-describedby="caption-attachment-17085" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17085" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/7cb4db8c-2806-4347-9f2b-c207e9aaecb6.jpeg" alt="Eine Mohnplantage in Afghanistan" width="496" height="330" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/7cb4db8c-2806-4347-9f2b-c207e9aaecb6.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/7cb4db8c-2806-4347-9f2b-c207e9aaecb6-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/7cb4db8c-2806-4347-9f2b-c207e9aaecb6-128x86.jpeg 128w" sizes="auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-17085" class="wp-caption-text">Eine Mohnplantage in Afghanistan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Die WissenschaftlerInnen erstellten eine Karte aller bekannten Fälle von Drogenkonfiszierungen und Terroranschlägen in Zentralasien und erhielten so ein Instrument um die gegenseitigen Verbindungen dieser Phänomene aufzuklären. Dabei arbeiteten sie nicht auf Ebene der ganzen Staaten, sondern deren einzelner Regionen, denn auf gesamtstaatlicher Ebene gleichen sich die einzelnen Indikatoren gewöhnlich an und die regionale Spezifik verwässert.</p>
<p style="text-align: justify;">Die terroristische Aktivität wurde anhand dreier Indikatoren gemessen: die Anzahl der auf dem entsprechenden Gebiet innerhalb eines Jahres begangenen Terrorakte, die Gesamtzahl der Opfer dieser Attentate und ein spezieller Terror-Index, der vom australischen <a href="http://economicsandpeace.org/">Institut für Wirtschaft und Frieden</a> entwickelt wurde und den Einfluss extremistischer Aktivitäten auf die Bevölkerung misst. Als Indikator für den Drogenhandel diente die Menge des in dem bestimmten Gebiet innerhalb eines Jahres konfiszierten Opiums und Heroins. Die Daten stammen aus der Datenbank des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCro_der_Vereinten_Nationen_f%C3%BCr_Drogen-_und_Verbrechensbek%C3%A4mpfung">Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC)</a>, die mit Informationen von den Mitgliedsländern, Interpol und den Außenstellen des UNODC gespeist wird. Anschließend wurden die Daten kartographisch visualisiert.</p>
<p style="text-align: justify;">Neben den Schlüsselvariablen beziehen die ForscherInnen einige sozioökonomische, demographische und topographische Faktoren mit ein, wobei sie sich auf staatliche Statistiken stützen. Kindersterblichkeit, Jugendarbeitslosigkeit und die Anzahl an Öl- und Gasquellen wurden als indirekte Indikatoren für das regionale Entwicklungsniveau herangezogen, die Anzahl der Studierenden als Indikator für Bildungsmöglichkeiten. Der Gesamtumfang des (auf Straßen transportierten) Warenverkehrs deutet auf die Entwicklung der Infrastruktur der Region hin und der Abstand zur Grenze und die Anzahl der Grenzübertritte tritt als Risikofaktor in Bezug auf Drogenhandel in Erscheinung.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Heroin und Terror</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Und was zeigt die Statistik? Die größte Menge an Opiaten (2000-2334 Kilogramm) wurde im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Surxondaryo">Suchandarja</a> in Usbekistan konfisziert. Diese grenzt direkt an die afghanische Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)">Balch</a>, die nicht nur für ihre Laboratorien zur Heroin-Herstellung bekannt ist, sondern auch für den Drogentransit aus anderen Regionen des Landes. Insgesamt wurde das meiste Heroin im Süden Tadschikistans beschlagnahmt (Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chatlon">Chatlon</a> und das Autonome Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a>). Dort wurde Drogen in dem einen oder anderen Umfang in fast allen Bezirken sichergestellt. Terrorakte fanden hingegen in den Grenzregionen sowie in den Hauptstädten Tadschikistans und Kirgistans statt – ebenso an der turkmenisch-afghanischen Grenze, im Westen Kasachstans und in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Um die Bindungskraft zwischen Drogenhandel und Terrorismus zu messen, verwendeten die WissenschaftlerInnen die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Poisson_regression">negative binomische Regression</a> – ein generalisiertes Linienmodell, in den die abhängige Variable Terrorismus anhand der Anzahl an Terrorakten und Opfern bewertet wurde. Alles in allem erscheint die Menge konfiszierter Opiate als bedeutender Faktor, der die Zahl der Terroropfer beeinflusst: je mehr Opiate in einem Gebiet beschlagnahmt wurden, desto mehr Opfer. Die Anzahl der Terroranschläge scheint hingegen davon nicht beeinflusst.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/afghanistan-eine-herausforderung-fur-zentralasien/"><strong>Afghanistan – eine Herausforderung für Zentralasien</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Bei Heroin ändert sich das Bild: Der Heroinhandel ist unmittelbar mir der Häufigkeit von Terrorakten verbunden. Die WissenschaftlerInnen weisen darauf hin, dass der Einfluss eines Faktors auf den anderen  nicht immer hoch ist. Die Häufigkeit der Anschläge erhöht sich deutlich von 1,15 bei 500 Kilogramm beschlagnahmten Heroins pro Gebiet und Jahr auf 3,75 je 600 Kilogramm. Der durchschnittliche Wert liegt aber in Zentralasien bei 48,2 Kilogramm pro Gebiet und Jahr und Orte an denen 500 Kilogramm erreicht werden, sind selten.</p>
<p style="text-align: justify;">Was die sozioökonomischen Variablen betrifft, kamen die WissenschaftlerInnen zu einem auf den ersten Blick paradoxen Schluss: in Gebieten mit hoher Kindersterblichkeit sind die terroristischen Aktivitäten gering und dort, wo die Bevölkerung von höheren Bildungsmöglichkeiten profitiert, hingegen hoch! Möglicherweise wiederholen sich in Zentralasien die Erfahrungen aus Palästina und dem Libanon: der Hisbollah und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamas">Hamas</a> schließen sich laut Statistiken vor allem Menschen aus gebildeten und finanziell abgesicherten Familien an. Der Entwicklungsstand der Infrastruktur und der Zugang zu Jobs im Staatssektor – all das erweist sich als wichtiger Faktor der Stabilisierung, welche vor Extremismus „rettet“.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Verbindungen nicht offensichtlich</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Statistik sowie die Kartierung erlauben allgemeine Rückschlüsse über die gegenseitigen Beziehungen zwischen Drogenhandel und Terrorismus zu ziehen, aber sie erklären nicht die konkreten Mechanismen der Beeinflussung. Deswegen betrachteten die WissenschaftlerInnen alle zwischen 2008 und 2016 in Zentralasien begangenen Terroranschläge und untersuchten welche Regelmäßigkeiten erscheinen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die erste Gruppe von Terroranschlägen bilden das Selbstmordattentat auf die chinesische Botschaft 2016,zu dem sich die Islamische Bewegung Ost-Turkestans bekannte, sowie die Anschläge auf Milizposten und andere Objekte in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xonobod">Chanabad</a>  und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andijon">Andischan</a> 2009, die von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Dschihad-Union">Islamischen Dschihad-Union</a> begangen wurden. Es ist bekannt, dass beide Terrororganisationen Geld mit Drogenhandel verdienen. Die Islamische Dschihad-Union wurde damit zum Erben der Islamischen Bewegung Usbekistans (IDU), von der sie sich Anfang der 2000er Jahre abgespalten hatte. Die IDU war in den 90er Jahren der wichtigste Importeur afghanischer Opiate.</p>
<p><figure id="attachment_17086" aria-describedby="caption-attachment-17086" style="width: 496px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17086" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/b059daf1-86cc-4b08-b577-1d8277d5e2e8.jpeg" alt="Die Bestände eines Drogenlabors werden verbrannt" width="496" height="519" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/b059daf1-86cc-4b08-b577-1d8277d5e2e8.jpeg 496w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/05/b059daf1-86cc-4b08-b577-1d8277d5e2e8-287x300.jpeg 287w" sizes="auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px" /><figcaption id="caption-attachment-17086" class="wp-caption-text">Die Vernichtung eines Drogenlabors in Afghanistan</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">Eine zweite Gruppe bilden Vorfälle, bei denen lokale Eliten, die Einkommen aus Drogentransit beziehen, mitwirkten. Konflikte zwischen diesen lokalen Eliten und der Zentralmacht führten nicht selten zu Terrorismus. Nach Meinung der WissenschaftlerInnen gibt Tadschikistan hierfür ein gutes Beispiel &#8211;  insbesondere die Terroranschläge in Duschanbe und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahdat">Wachdat</a> im September 2015 und die Liquidierung von Mirso Sijow im Rahme der Anti-Drogen-Operation „Mohn-2009“.</p>
<p style="text-align: justify;">Die letzte Gruppe von Terroranschlägen ist überhaupt nicht mit Drogen verbunden. Sie umfasst die Ereignisse im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Tsch%C3%BCi">Tschui</a> in Kirgistan. Obwohl die Region für ihren vor der Staatsmacht erfolgreich versteckten Marihuana-Anbau bekannt ist, geschahen die Terroranschläge hier gemäß den WissenschaftlerInnen aus vollkommen anderen Gründen.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles in allem sind sich die WissenschaftlerInnen sicher, dass es einen (wenn auch geringen) Einfluss des Drogenhandels auf den Terrorismus in Zentralasien gibt. Dabei ist dieser Effekt beim Heroin deutlicher ausgeprägter als bei Opiaten. Wichtiger erscheint den ForscherInnen aber, dass sie charakteristische &#8222;rote Fahnen&#8220; identifiziert haben &#8211; Bezirke, die sowohl für Drogenhandel als auch für Extremismus anfällig sind. Dies sind Bezirke, in denen die Infrastruktur und das Gesundheitssystem schwach entwickelt sind, in denen es mehr Männer als Frauen gibt und in denen die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist. Diese Bezirke liegen nah an den Grenzen und an Gebieten, in denen die Herstellung und der Transit von Drogen verbreitet sind.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Artjom Kosmarskij für </strong><a href="https://fergana.agency/articles/106174/"><strong>Fergana-News</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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		<title>Highway to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[juliat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jan 2018 11:35:37 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Zentralasien wird oft mit der Seidenstraße in Verbindung gebracht, diese berühmten Antiken Handelsrouten, auf denen Waren aus aller Welt  vom Okzident in den Orient und umgekehrt flossen. Kulturen tauschten sich aus, Wissen wurde weitergegeben. Der Stoff, der heute durch die zentralasiatischen Republiken fließt, besteht allerdings nicht aus Seide, sondern primär aus Opiaten, als Droge bekannt unter Heroin. Und auch vom Westen her finden neuerdings chemische Substanzen ihren Weg in die alte Seidenstraße.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im 5. Jh. vor Christus feilschten und handelten am Drehkreuz zwischen Europa und Asien Händler, ruhten sich Kamele aus und zogen weiter, reisten Intellektuelle aus aller Welt. Seide, Gold, Wolle und Silber wurden auf dem damals noch längsten Transportnetzweg vom Fernen Osten in den Westen transportiert. <a href="https://novastan.org/de/fact/seidenstrasse/">Man nannte</a> die Routen, die durch die heutigen fünf zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan führten, Seidenstraße.</p>
<p style="text-align: justify">Die großen Entdeckungsreisen im 15. Jh. verdrängten Zentralasien als Handelsroute und erschlossen günstigere und schnellere Seewege für den Transport von Waren. Dennoch bildet die Region geografisch weiterhin eine Verbindung zwischen Asien und Europa. Und man hat auch relativ schnell neue Verwendung für den Zentralasien-Korridor gefunden: den sogenannten Heroin Highway.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/vom-mythos-seidenstrasse/">Vom Mythos Seidenstraße</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken liegen an einer der beiden Haupttransportstraßen für Heroin aus Afghanistan, das fast ein Drittel des weltweiten Opiums herstellt. Opium und das daraus hergestellte Heroin wandern auf der sogenannten <em>Nordroute</em> über Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan oder Turkmenistan weiter über Kasachstan nach Russland und Europa.</p>
<p><figure id="attachment_12124" aria-describedby="caption-attachment-12124" style="width: 877px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12124" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Drogenhandel-aus-Asien.jpg" alt="Drogenhandel aus Asien" width="877" height="579" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Drogenhandel-aus-Asien.jpg 877w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Drogenhandel-aus-Asien-300x198.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Drogenhandel-aus-Asien-768x507.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Drogenhandel-aus-Asien-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 877px) 100vw, 877px" /><figcaption id="caption-attachment-12124" class="wp-caption-text">Die asiatischen Handelswege von Heroin</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Das <em>United Nations Office on Drugs and Crime</em> (UNODC) <a href="http://www.unodc.org/documents/wdr/WDR_2010/World_Drug_Report_2010_lo-res.pdf">schätzt</a>, dass jährlich 25 Prozent des afghanischen Opiums und 15 Prozent des afghanischen Heroins allein auf der Nordroute nach Europa geschmuggelt werden. Der Wert dieses Marktes wird auf etwa 13 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt, also dem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von Tadschikistan und Kirgistan.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zentralasien- ein Paradies für Drogenschmuggler</strong></p>
<p style="text-align: justify">Neben der geografischen Lage machen auch politische Rahmenbedingungen Zentralasien zu einem begehrten Drogenkorridor. Im Unterschied zu Lateinamerika bekriegen sich hier keine Drogenbosse und Kartelle untereinander; Kriminalität und Mordfälle in Verbindung mit Drogen sind relativ gering. Der Drogenhandel in Zentralasien ist sehr viel profitabler und weniger riskant, denn die im Drogenhandel tätigen kriminellen Gruppierungen haben ihre Verbindungen bis in die Regierungsspitzen hinauf. Die weit verbreitete Korruption und teils aktive Beteiligung von hohen Beamten erleichtert erheblich den Transport der Substanzen von einem Land zum Nächsten.</p>
<p style="text-align: justify">Seit dem Beitritt Kasachstans und Kirgistans in die <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eurasische-union-wiederbelebung-der-sowjetunion/">Eurasische Union</a> und der damit einhergehenden Erleichterung der Grenzkontrollen wurde der Weg des Heroins nach Russland noch stärker geebnet. Von dort ist es bis Europa nicht mehr weit.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-ferner-nachbar-der-eu/">Zentralasien, ferner Nachbar der Europäischen Union</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das<em> Central Asian Regional Information and Coordination Centre</em> (<a href="http://www.caricc.org/index.php/en/">CARICC</a>) in Kasachstans ehemaliger Hauptstadt Almaty bietet <a href="http://www.caricc.org/index.php/en/authorization2-2/according-to-official-data">offizielle Zahlen</a> der beschlagnahmten Drogen. Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Kasachstan rund 120 kg Heroin beschlagnahmt, in Kirgistan und Usbekistan ca. 50 kg. Beim Opiumschmuggel liegen die Zahlen deutlich höher, in Tadschikistan und Usbekistan etwa zwischen 600 und 800 kg in einem halben Jahr. Allerdings geben die Zahlen keinerlei Aufschluss über die tatsächliche Menge an Drogen, die über die Grenze geschmuggelt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Davon erzählt Ernest Robelló, Experte für Drogenpolitik und -prävention und früherer Mitarbeiter beim UNODC: „<em>Als ich in Jordanien arbeitete, habe ich alle möglichen Arten des Drogenschmuggels gesehen. Drogen wurden nicht nur mit Schiffen und Fahrzeugen transportiert. Man fand Heroin zu Bällen gepresst in Ziegen. Wie soll man solche Grenzen auch kontrollieren? Es ist unmöglich. Daher wird nur ein sehr kleiner Teil der Gesamtmenge entdeckt und beschlagnahmt.“ </em>Die Zahlen sagen wohl viel mehr etwas über die Durchlässigkeit der Grenzen aus, als über die tatsächliche Anzahl der illegal geschmuggelten Substanzen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zentralasien &#8211; eine Region von Narco-Staaten? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn ein Staat einen gewissen Anteil seines BIPs aus dem Drogenhandel bezieht, spricht man von einem Narco-Staat. Kolumbien, Mexico oder Guinea-Bissau haben ein Image als Narco-Staaten. In einigen Quellen wird <a href="https://www.politico.com/magazine/story/2014/02/tajikistan-the-narcostate-103886">auch Tadschikistan so bezeichnet</a>. Das Land teilt eine 1.206 km lange Grenze mit Afghanistan, die sehr durchlässig und schwach kontrolliert ist. Es gilt, neben Usbekistan, als Eingangstor der Nordroute. Jedes Jahr werden tonnenweise Opium über die Grenze geschmuggelt, Quellen geben an, dass 80 Prozent des afghanischen Opiums der Nordroute durch Tadschikistan geschmuggelt werden. Mittlerweile leben ganze tadschikische Dörfer an der Grenze zu Afghanistan vom Drogenschmuggel. Auch hier liegt nahe, dass die kriminellen Netzwerke sich bis in die Regierung erstrecken.</p>
<p><figure id="attachment_12117" aria-describedby="caption-attachment-12117" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12117" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/6127240700_7b0212de32_b.jpg" alt="Drogen und Geld" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/6127240700_7b0212de32_b.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/6127240700_7b0212de32_b-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/6127240700_7b0212de32_b-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/6127240700_7b0212de32_b-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-12117" class="wp-caption-text">Die Drogennetzwerke in Zentralasien reichen bis hoch in die Regierungsebenen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">In Usbekistan herrschen ähnlichen Umstände: Eine gemeinsame Grenze mit Afghanistan, hohe Korruption, unzureichend gesicherte Grenzen. Es kommt hier noch ein geografischer Faktor hinzu: Die wilde, raue Landschaft und die offene Wüste erleichtern es den Schmugglern, unentdeckt die Grenze zu passieren. Usbekisches Grenzterrain steht der Wüstenregion Mexikos und Drogenhochburg lateinamerikanischer Kartelle in nichts nach.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vom Transit zum Konsum</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Wissen über Zentralasien als ein Drogenkorridor, ist relativ weit verbreitet. Die lokalen Regierungen selbst berufen sich darauf, betonen allerdings den Aspekt des Transits. Die Staaten legen Wert darauf, dass es so bleibt, um nicht Aufmerksamkeit auf das eigentliche Problem der Region zu lenken, das besonders in den letzten Jahren verstärkt hervortrat: <em>„Historisch gesehen wird Zentralasien bisher immer als eine Transitregion für Drogen porträtiert, in der die Substanzen vom Ausland importiert, und ins Ausland wieder exportiert werden, aber nicht im Land bleiben. Die Realität aber ist, es gibt einen lokalen Markt in Zentralasien“,</em> daraufhin verweist der Experte Robelló.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/nicht-kirgistan-sondern-schmuggelstan/">&#8222;Nicht Kirgistan, sondern Schmuggelstan&#8220;</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Logik nach muss in Ländern, durch die viele Drogen transportiert werden, auch der Zugang zu solchen Substanzen leichter sein. Eine Umfrage des UNODC von 2007 in Tadschikistan scheint die These zu bestätigen. Demnach gaben 96 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren an, Drogen seien <em>„ziemlich leicht zu besorgen“.</em></p>
<p style="text-align: justify">Auch in Kirgistan wurde ein Zusammenhang zwischen Transit und Konsum festgestellt. Der Großteil des Drogenkonsums konzentriert sich in Bischkek und Osch, zwei Grenzstädte und Haupttransitbereiche, durch die auch ein Großteil des Drogenvolumens in die benachbarten Staaten fließt. Somit beeinflusst die Nähe zu Afghanistan den lokalen Drogenmarkt in Kirgistan direkt.</p>
<p style="text-align: justify">Aber auch innere Faktoren tragen zu erhöhtem Konsum bei, wie etwa Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption. Diese Umstände führen dazu, dass weder ausreichende Maßnahmen für die Grenzkontrolle, noch zur Suchtbehandlung zur Verfügung stehen. Doch wie sieht es mit dem tatsächlichen Drogenkonsum in Zentralasien aus?</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der lokale Markt </strong></p>
<p style="text-align: justify">Außer Turkmenistan, das einen nennenswerten Drogenkonsum im Land bestreitet, stellen die restlichen vier Staaten offizielle Zahlen zum lokalen Drogenkonsum zur Verfügung. Die Statistiken sind allerdings lückenhaft und unzuverlässig, die Methoden fragwürdig. Der Mangel an aktuellen Angaben und verlässlichen Quellen macht es schwer, die tatsächliche Anzahl an Menschen, die Drogen nehmen in Zentralasien zu messen.</p>
<p style="text-align: justify">Dabei muss auch zwischen den Arten von Drogen unterschieden werden. Am meisten wird in Zentralasien weiterhin Cannabis und Heroin konsumiert. Die Anzahl von Konsumenten des Letzteren (per Injektion) liegt bei 25.000 in Kirgistan und Tadschikistan, bei 80.000 in Usbekistan und bei 117.000 in Kasachstan. Dies geht aus dem <em><a href="https://www.hri.global/global-state-of-harm-reduction-reports">Global State of Harm Reduction Report</a></em> von 2016 hervor. In Deutschland hingegen sind etwa 150.000 Menschen Opiatabhängig, allerdings ist die Bevölkerungsanzahl im Gegensatz zu Kasachstan und Usbekistan etwa 3-mal so hoch, im Vergleich zu Tadschikistan und Usbekistan ungefähr 10-mal höher.</p>
<p style="text-align: justify">Spitzenreiter unter den Rauschgiften bleibt weiterhin Cannabis. Und so manch ein Hanf-Fan würde die Zentralasiaten für ihr Gras beneiden. In Kirgistan und Kasachstan wächst die Pflanze wild und kann überall gefunden werden. Vor einigen Jahren wurde in den Medien <a href="https://yvision.kz/post/504155">eine Polemik laut</a> über die wild wachsenden Hanfpflanzen, die in Kasachstans Hauptstadt Astana sogar auf Verkehrsinseln wuchern. Das Thema tauchte eine Weile in den Medien auf, geändert hat sich aber nichts. Man spaziert im Sommer weiterhin an frischen Hanfpflänzchen die Hauptpromenade entlang.</p>
<p><figure id="attachment_12118" aria-describedby="caption-attachment-12118" style="width: 1000px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12118" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/8264024164_d1ccd6d5d6_k.jpg" alt="Cannabis am Straßenrand" width="1000" height="667" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/8264024164_d1ccd6d5d6_k.jpg 1000w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/8264024164_d1ccd6d5d6_k-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/8264024164_d1ccd6d5d6_k-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/8264024164_d1ccd6d5d6_k-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-12118" class="wp-caption-text">In manchen zentralasiatischen Städten wächst hanf gleich am Straßenrand</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Ein berühmter Ort für den Hanfanbau ist die legendäre <em><a href="https://lenta.ru/articles/2013/06/17/weed/">Tschuiskaja-Dolina</a></em>, ein Cannabis- Feld auf kasachisch-kirgisischem Grenzterritorium und das Größte der Region. Laut Daten misst das Tschüi-Feld um die 130.000 Hektar (im Jahr 2013. Mittlerweile könnte es aufgrund des Klimas und Dürre geschrumpft sein). Aus den davon <em>drogentauglichen </em>Pflanzen lassen sich jährlich 5.000-6.000 Tonnen Haschisch herstellen. Versuche der Autoritäten, die Felder zu vernichten oder sie auf „neutralen“ Hanf ohne psychoaktive Substanzen umzupflanzen sind bisher misslungen. Es bleibt daher nichts, als darauf zu warten, dass der <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/welche-folgen-hat-der-klimawandel-fuer-kirgistan/">Klimawandel</a> und die <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-wasser-fehlt-kirgistan-vor-der-energiekrise/">Wasserknappheit</a> der Region das Tschüi-Feld irgendwann von selbst vernichten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Geisterfahrer am Heroin Highway</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Situation ist heute mit Sowjetzeiten nicht mehr zu vergleichen. Der Zugang zu Drogen ist viel einfacher geworden. Durch das Internet kannst du heute jegliche Droge ganz einfach online kaufen</em>“, so der Drogenexperte Robelló. Aber nicht nur das Internet, auch die neuen Arten von Drogen und damit einhergehend veränderte Herstellungsweisen erleichtern die Produktion und den Absatz von Drogen in Zentralasien. Seit einigen Jahren warnen Experten vor vermehrtem Konsum neuer Arten von Drogen in der Region. Und diesmal stammen sie nicht aus Afghanistan, sondern aus dem Westen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Rede ist von synthetischen Drogen, wie Ecstasy zum Beispiel. <em>„Diese chemischen Substanzen ahmen psychoaktive Effekte von Cannabis, Heroin oder Kokain nach, werden allerdings in Laboren hergestellt</em>. <em>Das heißt, du brauchst nur eine Küche um Tausende solcher Pillen herzustellen, keine riesigen Felder für den Anbau der Pflanzen</em>“, meint Robelló.</p>
<p style="text-align: justify">Die Drogen werden in Europa, Russland oder China hergestellt und im Internet verkauft. Seit einigen Jahren tauchen diese chemischen Substanzen auch vermehrt in Zentralasien auf. Offizielle Daten zeigen, dass in den letzten sieben Jahren in Kasachstan das Volumen der beschlagnahmten synthetischen Drogen von 165 kg auf 22 Tonnen gestiegen ist. Insbesondere an Grenzregionen zu Russland steigt die Popularität synthetischer Drogen. Dies deutet auf den russisch-europäischen Ursprung hin und den entgegengesetzten Drogenfluss vom Westen nach Zentralasien. Der Geisterfahrer am Heroin Highway heißt Ecstasy, Spice oder Crystal Meth.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Neue Generation &#8211; Neue Trends</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dieser neue Trend wächst besonders unter jungen Leuten in Ballungszentren. Sie gehören zur ersten Generation, die aufgrund der Globalisierung mit <em>europäischen</em> Tendenzen in Berührung kommt und beginnt, Nachtclubs und Raves nach <em>westlichem</em> Vorbild zu besuchen – eben mit allem, was dazu gehört, weiß auch der Experte: <em>„Es sind vor allem junge Leute in großen Städten. Einige waren in Europa und haben dort das Nachtleben kennen gelernt. Und wir in Europa konsumieren viele Drogen. Wirklich viele.“ </em>Der moderne Party- und Drogenkult aus Europa hält sozusagen Einzug in Almaty, Bischkek und Co.</p>
<p><figure id="attachment_12119" aria-describedby="caption-attachment-12119" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12119" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Party-szene.jpg" alt="Partyszene in Russland" width="800" height="533" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Party-szene.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Party-szene-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Party-szene-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/Party-szene-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-12119" class="wp-caption-text">Westliche Partykultur ist auch in Zentralasien angekommen.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Genaue Quellen und Hintergründe dieser neuen Tendenzen sind noch nicht in ausreichendem Maße verfügbar. Laut Robelló bilden diese neuen synthetischen Drogen ein zusätzliches „<em>legales Vakuum“</em>, da Hersteller dieser Pillen konstant die chemischen Verbindungen ändern, um den Nachweis illegaler Substanzen zu erschweren. Es ist daher fast unmöglich mit der Dynamik der Drogenherstellung Schritt zu halten. Viel größere Probleme erzeugt in Zentralasien allerdings die aus Pflanzen gewonnene Droge Heroin.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Einsatz von Opiaten zur Bekämpfung von Aids</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die häufigste gesundheitliche Nebenwirkung des Heroinkonsums ist das HIV-Virus. Früher wurden auf der Seidenstraße bereits viele Krankheiten übertragen. Jahrtausende später, scheint dieses Problem den Heroin Highway erneut einzuholen.</p>
<p style="text-align: justify">Aus dem <em>Global State of Harm Reduction </em>Bericht von 2016 geht hervor, dass Zentralasien zu den wenigen Regionen der Welt zählt, wo HIV-Infizierungen unter Menschen, die Drogen konsumieren, <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-zunahme-von-hiv-infektionen-bald-eine-epidemie/">stark ansteigen</a>. Diese Situation ist allerdings nicht auf erhöhten Konsum zurückzuführen, ärgert sich Robelló: <em>“Die Tatsache, dass es unter Drogenkonsumenten höhere HIV-Raten gibt, bedeutet nicht, dass mehr Menschen Drogen nehmen. Es bedeutet, dass es einfach weniger Ressourcen und Therapieprogramme gibt, die den Menschen helfen, insbesondere faktenfundierte Therapieansätze, welche in Europa maßgeblich die HIV Rate verringert haben. Europa ist hier ein großartiges Beispiel. Zwar konsumieren Patienten weiterhin Opiate. Aber bei uns gibt es Methadon, das heißt, viele spritzen die Opiate nicht mehr, sondern nehmen sie oral ein.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Das Opiat „Methadon“ ist ein Heroinersatz und wird bei der Heroin-Ersatztherapie angewandt, einer medizinischen Suchtherapie, die nachweislich die Gesundheit der Betroffenen verbessert. Während ein abhängiger Mensch vier bis fünf Mal täglich Heroin spritzen muss, hält Methadon 24 oder gar 36 Stunden und erleichtert somit den Entzug. Außerdem nehmen die Patienten Methadon oral ein, anstatt durch Spritzen, was das Risiko einer HIV Infizierung enorm reduziert. Diese gesundheitsorientierte Drogenpolitik hat in Europa zu einer drastischen Verringerung drogenverursachter HIV Infektionen geführt und wird daher in allen Ländern der EU angeboten. Von den 150.000 Heroinabhängigen in Deutschland, <a href="https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/methadon/-/id=660374/did=19263174/nid=660374/7qlql/index.html">werden etwa 77.000 mit dem Ersatzstoff Methadon versorgt</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der schwierige Zugang zu Methadon Ersatztherapien in Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Studien haben ergeben, dass Methadon nicht nur der Gesundheit nutzt, sondern auch den Drogenkonsum verringert und somit vielen Suchtpatienten eine Rückkehr in den Alltag ermöglicht. Und trotzdem, Turkmenistan und Usbekistan verbieten die Therapie entgegen ihrer nachweislichen positiven Effekte in der Suchtbekämpfung und trotz der ausdrücklichen Empfehlungen der Vereinten Nationen. In Kirgistan, Kasachstan und Tadschikistan gibt es die Methadon- Ersatztherapie zwar, allerdings steht sie in Tadschikistan und Kirgistan laut Studien des Global State of Harm Reduction Reports nur rund fünf Prozent der Betroffenen zur Verfügung, in Kasachstan nur einem Prozent.</p>
<p style="text-align: justify">Die größte Herausforderung für die Bereitstellung solcher Therapien ist die fehlende Akzeptanz und Bereitschaft von Regierungen. Das Therapieangebot richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Patienten, da Sucht noch nicht als Krankheit anerkannt wird, sondern als ein Verbrechen, und Methadon-Therapien dementsprechend als Tolerierung von Drogen. Aus diesem Grund fehlt es an ausreichendem Zugang zu Therapieangeboten, Ersatzmitteln, und Präventionsstellen. Auch gibt es keine legislativen Rahmenbedingungen für eine gesundheitsorientierte Drogenpolitik.</p>
<p style="text-align: justify">Dies spiegelt sich im Umgang mit Suchtpatienten in der Öffentlichkeit wieder. Es gibt etwa ein Registrierungssystem für Betroffene, das eigentlich Behandlungszwecken dienen sollte, jedoch häufig dazu benutzt wird, die Suchtkranken unter Kontrolle zu halten für die <em>öffentliche Sicherheit</em>. Aus diesem Grund hat eine Registrierung oft schwerwiegende Folgen für die Betroffenen: Sie erhalten keinen Arbeitsplatz mehr für bestimmte Stellen, ihnen wird der Führerschein verweigert und es gibt sogar Berichte über Belästigungen von der Polizei. Aus diesem Grund verweigern Viele die Aufnahme in das Register und nehmen dafür in Kauf, keiner Behandlung unterzogen werden zu können. Auch von Präventionsstellen für Suchtkranke und deren Familien wird häufig nicht Gebrauch gemacht, aus Angst vor den Konsequenzen.</p>
<p><figure id="attachment_12120" aria-describedby="caption-attachment-12120" style="width: 2048px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12120" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k.jpg" alt="Nadel Drogen Kirgistan" width="2048" height="1365" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/01/9514691057_6c6c75c8c1_k-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-12120" class="wp-caption-text">Drogenpolitik in Zentralasien ist vor allem Sicherheitspolitik</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Sucht &#8211; ein Tabu</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für den Großteil der Bevölkerung gelten Drogen weiterhin als Tabu. Dieses Thema geht einher mit <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/hausliche-gewalt-in-kasachstan-ein-tabuthema-wird-angegangen/">häuslicher Gewalt</a> oder Alkoholismus. Darüber redet man nicht. Zwischen <em>leichten</em> Drogen wie Marihuana und <em>harten</em> Drogen wie Heroin wird nicht immer ein Unterschied gemacht, erklärt Robelló: „<em>Zur Zeit der Sowjetunion galt Cannabis als „böse“. Diese Meinung ändert sich nun besonders unter jungen Leuten. Für die ältere Generation allerdings, die noch in der Sowjetunion lebte und aufwuchs, gilt Marihuana als Droge und damit als Tabu.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Der Grad an Alkoholismus heute ist zwar nicht mit der Zeit der UdSSR zu vergleichen. Dennoch ist auch diese Sucht ein verbreitetes Phänomen und zeigt neue Entwicklungen auf. Zum Beispiel wächst krankhafter Alkoholkonsum besonders bei jungen Frauen. Der Druck auf sie ist groß, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Familien- und Haushaltsbetreuung als Mutter, der Rolle als gute Ehefrau und Schwiegertochter und gleichzeitig der Bewältigung des modernen Arbeitslebens. Platz für ein Scheitern bleibt nicht, bestätigt auch der Drogenexperte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Rolle von NGOs </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und internationale Organisationen spielen in der Prävention, Aufklärung und Bekämpfung von Drogensucht eine wichtige Rolle. Sie setzten sich für moderne Therapieformen für Suchtpatienten in Zentralasien ein. Allerdings haben es NGOs in der Region schwer, da ihre Rolle, unter anderem auch bei der Prävention und Reduktion von Drogensucht und dem Umgang mit Suchtpatienten, von den Regierungen nicht anerkannt, und daher wenig unterstützt wird.</p>
<p style="text-align: justify">In Kasachstan wurden 2008 zwar erstmals Methadontherapien als ein Pilotprojekt vom <em><a href="https://www.theglobalfund.org/en/portfolio/country/?loc=KAZ&amp;k=cee65577-bd1c-4508-9205-3972358d659f">Global Fund</a></em> gestartet, einem essentiellen internationalen Geldgeber im Bereich der HIV Prävention. Mittlerweile hat das Gesundheitsministerium Methadon als Therapie akzeptiert und offiziell anerkannt. Allerdings ist das Innenministerium weiterhin dagegen und auch in Behörden und Sicherheitsapparaten mangelt es nicht an Methadon-Gegnern. Wiederum ist hier das Motto: „<em>Wenn eine Droge, egal ob für medizinische Zwecke, erst einmal erlaubt wird, dann wächst die allgemeine Toleranz gegenüber solcher Substanzen</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Krieg gegen die Drogen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Durch seine Arbeit mit dem <em>Central Asia Drug Action Programme</em> (<a href="http://cadap-eu.org/">CADAP</a>) der Europäischen Union in Kirgistan, kennt Robelló den zentralasiatischen Ansatz im Umgang mit Drogen: <em>„Das Drogenphänomen wird immer noch als ein Verbrechen, als nationales Sicherheitsproblem wahrgenommen, nicht als öffentliches Gesundheitsanliegen. Aus diesem Grund kooperieren internationale Programme wie etwa CADAP mit dem Innenministerium, nicht mit dem Gesundheitsministerium. Weil es als ein Sicherheitsproblem eingestuft ist.“ </em></p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-kirgisischen-gefngnisse-zufluchtsort-fur-schwerkriminelle/">Die kirgisischen Gefängnisse &#8211; Zufluchtsort für Schwerkriminelle?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese <em>Kriminalisierung</em> des Drogenkonsums war früher in Europa ebenso üblich. Dort gab es in den 60 und 70er Jahren erhebliche Probleme, als die Substanzen neu am Markt auftauchten und es noch keine Strategie im Umgang damit gab. Nach jahrelanger Erfahrung hat Europa allerdings eine Strategie entwickelt. In den 80er Jahren erfolgte  eine Kehrtwende, vom Sicherheitsansatz, zum sogenannten<em> Harm Reduction- </em>Model. Dieser Ansatz versucht, durch verschiedene Strategien die negativen Konsequenzen, die auf den Konsum von Drogen zurückzuführen sind, zu reduzieren. <em>„Früher war das Ziel im Kampf gegen Drogen: totale Abstinenz. Bis man verstanden hat, dass es nicht wirkt, als Leute weiter an HIV starben. So ist man vom Sicherheitsansatz zum Ansatz der Schadensbegrenzung übergegangen. Denn man hat erkannt, dass man Drogen nicht ganz abschaffen kann“, </em>sagt Robelló.</p>
<p style="text-align: justify">Der wachsende Einfluss Russlands auf Zentralasien nährt allerdings die Kriminalisierung der Drogenpolitik in Zentralasien und erhält sie aufrecht. Denn Russland verfolgt Drogenkonsum sehr scharf, und gilt gleichzeitig als Sicherheitsgarant für Zentralasien. Da die allgemeine Instabilität der Region zur Erhöhung von Drogenkriminalität führt, wird das Phänomen häufig auch in Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung gebracht. Ob tatsächlich ein Zusammenhang in Zentralasien besteht, wie es z.B. in Afghanistan der Fall ist, kann noch nicht gesagt werden. Es führt aber zur Schlussfolgerung des Problems als ein Sicherheitsanliegen und lässt so den Einfluss Russlands  in diesem Bereich steigen. Auch die schwindenden Rechte für NGOs und deren strengen Kontrollen erschweren eine gesundheitsorientierte Präventions- und Therapiearbeit sowie den Harm Reduction- Ansatz.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Dem Wandel voraus</strong></p>
<p style="text-align: justify">Obwohl die wachsende Nachfrage an Ecstasy und Co. in Städten wie Almaty oder Bischkek die Ausmaße Europas noch nicht erreicht hat, ist es eine Entwicklung, die mit der voranschreitenden Globalisierung nicht lange auf sich warten lassen wird. Der moderne Drogen Highway wird seinen Teil dazu beitragen, dass die Partydrogen ihren Weg in lokale Nachtszenerien finden. Besonders gefährlich wird die Drogenszene dann, wenn der korrekte Umgang damit und das Wissen über die Hintergründe und Risiken fehlen. Der beste Schutz ist immer noch Aufklärung. Je eher die zentralasiatischen Regierungen einen modernen und offeneren Ansatz zulassen, desto eher können negative Folgen verhindert und vermindert werden. Denn wie Ernest Robelló, einer, der sich seit seinem Studium mit dem Thema befasst, sagt: <em>„eine Welt ohne Drogen gibt es nicht“.</em> Wohl aber eine Welt, die sie unter Kontrolle hat und mit den Folgen besser umgehen kann.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Julia Tappeiner<br />
Novastan.org</strong></p>
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		<title>&#8222;Tal der Wunder&#8220;</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2015 11:45:05 +0000</pubDate>
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