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	<title>Design Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Design Archives</title>
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		<title>Amalia Aibusheva im Porträt: Beats, Design und Feminismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akozhakhmetova]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Feb 2022 22:05:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Beats]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Amalia Aibusheva ist eine 23-j&#xE4;hrige Soundproduzentin und Designerin aus Taschkent. Sie schreibt Songs, schreibt Beats, malt zentralasiatische Quarkkugeln auf dem Computer, und diesen Herbst gab sie ein Konzert im Mahalla-Komitee in der Altstadt. Au&#xDF;erdem w&#xFC;nscht sie sich, dass Usbekistan als sch&#xF6;n, und &#x201E;nicht auf poppige Art und Weise&#x201C; auftritt. Das folgende Portr&#xE4;t erschien im russischsprachigen [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/amalia-aibusheva-im-portraet-beats-design-und-feminismus/">Amalia Aibusheva im Porträt: Beats, Design und Feminismus</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Amalia Aibusheva ist eine 23-jährige Soundproduzentin und Designerin aus Taschkent. Sie schreibt Songs, schreibt Beats, malt zentralasiatische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschk">Quarkkugeln</a> auf dem Computer, und diesen Herbst gab sie ein Konzert im Mahalla-Komitee in der Altstadt. Außerdem wünscht sie sich, dass Usbekistan als schön, und „nicht auf poppige Art und Weise“ auftritt. Das folgende Porträt erschien im russischsprachigen Original bei <a href="https://sarpa.media/amalia">Sarpa</a> – wir übersetzen mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Amalia Aibusheva: Soundproduzentin, Designerin, Feministin</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Meine gesamte musikalische Ausbildung bestand aus 3-4 Monaten Gitarrenunterricht in Navoi. Ich lebte dort, bis ich 11 Jahre alt war, ein weiteres Jahr in Samarkand und zwei in Jizzakh. Erst als ich 13 war, zogen wir nach Taschkent. Dieses Jahr habe ich mein Studium an der Universität Singapur abgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musik war eigentlich schon immer da. Meine Mutter spielt Klavier. Meine Großmutter singt. Mein Großvater spielte Gitarre. Aber meine Familie hat mich nie unter Druck gesetzt, Musik zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sobald ich mit der Musik begann, brachten mir meine Eltern ein Keyboard mit. Meine Mutter mag meine Musik sehr. Sie hat meine Songs in der Arbeit gespielt, ihre KollegInnen und ihr Chef mochten sie, und ein Freund von mir und ich haben auf ihrer Firmenfeier Musik gespielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/ein-kulinarischer-ort-in-taschkent-der-chigatay-basar/">Ein kulinarischer Ort in Taschkent: Der Chigitay-Basar</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe vor zwei Jahren angefangen, Musik zu schreiben. Ich arbeite mit FL Studio. In der Welt der Tonproduktion wird es als ein Tool für Dummköpfe angesehen, aber es erfüllt alle meine Anforderungen. Während des Studiums habe ich versucht, mir keine Tutorial-Videos anzuschauen und alles selbst zu lernen, weil mein Bruder mir gesagt hat, dass es auf Youtube eine Menge Mist gibt. Bei den Keyboards habe ich selbst herausgefunden, wie die Sachen funktionieren. Ich habe gerade verstanden, wie Oktaven und Akkorde funktionieren und wie sie gespielt werden sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann keine Noten lesen, aber ich weiß, wo sie auf der Tastatur liegen. Ich habe einen Screensaver auf meinem Laptop-Desktop, der eine Akkordfolge darstellt. Ich füge den Beats auch gerne alle möglichen Aufnahmen von meinem Recorder hinzu.</p>



<figure class="wp-block-image"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="200" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-29200" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-2048x1365.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.49.53-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h5 class="wp-block-heading"><b>Beats und Geldverdienen mit Leuten aus Amerika</b></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Ich habe angefangen, Beats zu machen, nur so zum Spaß für meine Freunde, und sie haben dann meine Beats auf einen Kanal gepostet. Ich habe die Posts dann geteilt, sobald ich etwas Längeres geschafft habe zu schreiben, das nicht 30 Sekunden lang war. </span><a href="https://www.instagram.com/pinkhousx/">Josef</a><span lang="de-AT"> hat mir auch sehr dabei geholfen, herauszufinden, wie man Beats verkauft. Jetzt gibt mir die Musik eine Möglichkeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ich mache meine Beats so wie ich sie mir vorstelle, dann stelle ich sie auf YouTube wo man sie kaufen kann, wenn er oder sie will.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir gefällt diese Freiheit, und ich arbeite gerne mit ausländischen Kunden zusammen, weil sie mich als Künstlerin respektieren. Aber in Usbekistan muss man für jeden So‘m mit einer Bearbeitung bezahlen. Die Exklusivrechte kosten bei mir, je nach Art, etwa 150-300 Dollar, aber ich habe noch nichts davon verkauft.
<iframe title="[sold] &quot;nostalgy&quot; lana del rey type beat sad orchestra guitar" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/8MYi0mHRIxs?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verdiene jetzt etwa 100 Dollar im Monat mit meinen Beats. Leute aus entwickelten Ländern, in denen geistiges Eigentum geschützt ist, kaufen sie öfter. Es ist gut, dass sie nicht wissen, wie die Situation in unserem Land ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den USA gehen die Leute anders mit geistigem Eigentum um: Sie kaufen für 500 Dollar Programme, die wir kostenlos herunterladen, und zahlen mir für die Verwendung meiner Musik bei ihren Auftritten. In Amerika hat jeder große Angst, gegen das Gesetz zu verstoßen.
<iframe title="[free for profit] &quot;still need you&quot; lana del rey type beat emotional trap guitar" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/YiBE3Z7PfxI?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><b>Konzert in der Mahalla</b></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Ich hatte bereits die Erfahrung, in der Galerie des &#8218;139 Documentary Center aufzutreten&#8216;, und mein Freund Diyor schlug vor, eine Live-Performance ohne Publikum aufzunehmen. Ich sagte, wenn ich eine Live-Show machen wolle, müsse sie unter freiem Himmel und in der Altstadt, der Mahalla, stattfinden, damit sie authentisch sei. Ich habe mich mit Nastya Galimova in Verbindung gesetzt, weil sie alle Orte in der Altstadt kannte. Und sie half mir dabei, meine Beweggründe aufzuschreiben.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten damit zeigen, dass man für Musik keinen besonderen Ort oder Bezirk braucht. Dass man auch in der Altstadt etwas machen kann und dass es nicht so eine Aufteilung gibt: hier sind die Leute aus dem Zentrum und hier sind die Leute aus der Altstadt.
<blockquote class="instagram-media" data-instgrm-captioned data-instgrm-permalink="https://www.instagram.com/p/CUxa-jmtwgI/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" data-instgrm-version="14" style=" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:500px; min-width:326px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);"><div style="padding:16px;"> <a href="https://www.instagram.com/p/CUxa-jmtwgI/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" background:#FFFFFF; line-height:0; padding:0 0; text-align:center; text-decoration:none; width:100%;" target="_blank"> <div style=" display: flex; flex-direction: row; align-items: center;"> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 40px; margin-right: 14px; width: 40px;"></div> <div style="display: flex; flex-direction: column; flex-grow: 1; justify-content: center;"> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; margin-bottom: 6px; width: 100px;"></div> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; width: 60px;"></div></div></div><div style="padding: 19% 0;"></div> <div style="display:block; height:50px; margin:0 auto 12px; width:50px;"><svg width="50px" height="50px" viewBox="0 0 60 60" version="1.1" xmlns="https://www.w3.org/2000/svg" xmlns:xlink="https://www.w3.org/1999/xlink"><g stroke="none" stroke-width="1" fill="none" fill-rule="evenodd"><g transform="translate(-511.000000, -20.000000)" fill="#000000"><g><path d="M556.869,30.41 C554.814,30.41 553.148,32.076 553.148,34.131 C553.148,36.186 554.814,37.852 556.869,37.852 C558.924,37.852 560.59,36.186 560.59,34.131 C560.59,32.076 558.924,30.41 556.869,30.41 M541,60.657 C535.114,60.657 530.342,55.887 530.342,50 C530.342,44.114 535.114,39.342 541,39.342 C546.887,39.342 551.658,44.114 551.658,50 C551.658,55.887 546.887,60.657 541,60.657 M541,33.886 C532.1,33.886 524.886,41.1 524.886,50 C524.886,58.899 532.1,66.113 541,66.113 C549.9,66.113 557.115,58.899 557.115,50 C557.115,41.1 549.9,33.886 541,33.886 M565.378,62.101 C565.244,65.022 564.756,66.606 564.346,67.663 C563.803,69.06 563.154,70.057 562.106,71.106 C561.058,72.155 560.06,72.803 558.662,73.347 C557.607,73.757 556.021,74.244 553.102,74.378 C549.944,74.521 548.997,74.552 541,74.552 C533.003,74.552 532.056,74.521 528.898,74.378 C525.979,74.244 524.393,73.757 523.338,73.347 C521.94,72.803 520.942,72.155 519.894,71.106 C518.846,70.057 518.197,69.06 517.654,67.663 C517.244,66.606 516.755,65.022 516.623,62.101 C516.479,58.943 516.448,57.996 516.448,50 C516.448,42.003 516.479,41.056 516.623,37.899 C516.755,34.978 517.244,33.391 517.654,32.338 C518.197,30.938 518.846,29.942 519.894,28.894 C520.942,27.846 521.94,27.196 523.338,26.654 C524.393,26.244 525.979,25.756 528.898,25.623 C532.057,25.479 533.004,25.448 541,25.448 C548.997,25.448 549.943,25.479 553.102,25.623 C556.021,25.756 557.607,26.244 558.662,26.654 C560.06,27.196 561.058,27.846 562.106,28.894 C563.154,29.942 563.803,30.938 564.346,32.338 C564.756,33.391 565.244,34.978 565.378,37.899 C565.522,41.056 565.552,42.003 565.552,50 C565.552,57.996 565.522,58.943 565.378,62.101 M570.82,37.631 C570.674,34.438 570.167,32.258 569.425,30.349 C568.659,28.377 567.633,26.702 565.965,25.035 C564.297,23.368 562.623,22.342 560.652,21.575 C558.743,20.834 556.562,20.326 553.369,20.18 C550.169,20.033 549.148,20 541,20 C532.853,20 531.831,20.033 528.631,20.18 C525.438,20.326 523.257,20.834 521.349,21.575 C519.376,22.342 517.703,23.368 516.035,25.035 C514.368,26.702 513.342,28.377 512.574,30.349 C511.834,32.258 511.326,34.438 511.181,37.631 C511.035,40.831 511,41.851 511,50 C511,58.147 511.035,59.17 511.181,62.369 C511.326,65.562 511.834,67.743 512.574,69.651 C513.342,71.625 514.368,73.296 516.035,74.965 C517.703,76.634 519.376,77.658 521.349,78.425 C523.257,79.167 525.438,79.673 528.631,79.82 C531.831,79.965 532.853,80.001 541,80.001 C549.148,80.001 550.169,79.965 553.369,79.82 C556.562,79.673 558.743,79.167 560.652,78.425 C562.623,77.658 564.297,76.634 565.965,74.965 C567.633,73.296 568.659,71.625 569.425,69.651 C570.167,67.743 570.674,65.562 570.82,62.369 C570.966,59.17 571,58.147 571,50 C571,41.851 570.966,40.831 570.82,37.631"></path></g></g></g></svg></div><div style="padding-top: 8px;"> <div style=" color:#3897f0; 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overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;"><a href="https://www.instagram.com/p/CUxa-jmtwgI/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none;" target="_blank">A post shared by Amalia Aybusheva (@whatischaos)</a></p></div></blockquote><script async src="//platform.instagram.com/en_US/embeds.js"></script>
</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gingen spazieren und Nastya führte uns zu einem Ort in der Nähe eines Kanals und einer Moschee. Und irgendwie hatten wir die Idee, dass es cool wäre, hier ein Konzert zu geben. Noch am selben Tag wandten wir uns an das Mahalla-Komitee &#8211; es stellte sich heraus, dass dies ihr Sommerplatz ist, auf dem sie alle möglichen Themen beim Teetrinken diskutieren. Wir fragten sie, wie viel die Location kosten würde und bezahlten sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Wir haben Lera und Nodir eingeladen, aufzutreten. Atabayev Artem hat uns sehr geholfen &#8211; er hat uns kostenlos mit Ton und Licht versorgt. Am Anfang waren wir sehr ehrgeizig. Wir dachten, wir laden die Medien ein, stellen eine Band zusammen und veranstalten eine &#8218;Bombenshow&#8216;. Aber dann, als uns die Komplexität all der Ideen, die wir uns ausgedacht hatten, verwirrte, erinnerten wir uns daran, dass wir einfach nur ein Konzert machen wollten und beschlossen, es simpel zu halten.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Das Mahalla-Komitee gab uns Teppiche und Schals. Kinder aus der Mahalla begleiteten uns bei der Vorbereitung des Konzerts und bei der Aufführung. Auch ihre Eltern kamen, und es war sogar jemand vom Mahalla-Komitee selbst anwesend.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen würden; wir dachten, dass etwa 15 unserer engsten Freunde kommen würden, nur um uns zu unterstützen. Die Altstadt, die Straße, die Kälte &#8211; wer würde überhaupt kommen? Wir haben das aus Spaß gemacht, aber am Ende war nicht genug Platz für alle.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><b>Kunst und nationale Symbole in Paint zeichnen</b></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, wie man im Internet Geld verdienen kann. Zuerst habe ich mich durch alle möglichen Phishing-Themen gewühlt, Werbung für ein paar Cent angeschaut und sogar versucht, ein Hacker zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Vor etwa fünf Jahren hatte ich einen wandte ich mich dem Design zu. Dann hatte ich einen Burn-Out, weil ich sehr lange Zeit nur die Wünsche der Kunden erfüllt habe und nicht das getan habe, was mir gefiel. Es hat mich geärgert, dass da keine Kreativität drin war. Und dann war ich irgendwann müde von Illustrationen, von allem Visuellen.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Die meisten Bilder, die ich jetzt auf Instagram poste, sind auf dem Computer entstanden. Ich zeichne mit der Maus und es kommt schief heraus, aber das gefällt mir. Das ist etwas ganz Eigenes für mich.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">In meiner Kunst gibt es viele nationale Themen, denn ich bin ja hier in Usbekistan geboren. Ich liebe unsere Kultur. Ich bin daran interessiert, das zu tun, was man hier macht. Ich möchte nicht das machen, was man in Europa oder anderswo macht. Ich möchte hier etwas Spezielles erkunden.</span>
<blockquote class="instagram-media" data-instgrm-captioned data-instgrm-permalink="https://www.instagram.com/p/BxsBltGlMbH/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" data-instgrm-version="14" style=" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:500px; min-width:326px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);"><div style="padding:16px;"> <a href="https://www.instagram.com/p/BxsBltGlMbH/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" background:#FFFFFF; line-height:0; padding:0 0; text-align:center; text-decoration:none; width:100%;" target="_blank"> <div style=" display: flex; flex-direction: row; align-items: center;"> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 40px; margin-right: 14px; width: 40px;"></div> <div style="display: flex; flex-direction: column; flex-grow: 1; justify-content: center;"> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; margin-bottom: 6px; width: 100px;"></div> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; width: 60px;"></div></div></div><div style="padding: 19% 0;"></div> <div style="display:block; height:50px; margin:0 auto 12px; width:50px;"><svg width="50px" height="50px" viewBox="0 0 60 60" version="1.1" xmlns="https://www.w3.org/2000/svg" xmlns:xlink="https://www.w3.org/1999/xlink"><g stroke="none" stroke-width="1" fill="none" fill-rule="evenodd"><g transform="translate(-511.000000, -20.000000)" fill="#000000"><g><path d="M556.869,30.41 C554.814,30.41 553.148,32.076 553.148,34.131 C553.148,36.186 554.814,37.852 556.869,37.852 C558.924,37.852 560.59,36.186 560.59,34.131 C560.59,32.076 558.924,30.41 556.869,30.41 M541,60.657 C535.114,60.657 530.342,55.887 530.342,50 C530.342,44.114 535.114,39.342 541,39.342 C546.887,39.342 551.658,44.114 551.658,50 C551.658,55.887 546.887,60.657 541,60.657 M541,33.886 C532.1,33.886 524.886,41.1 524.886,50 C524.886,58.899 532.1,66.113 541,66.113 C549.9,66.113 557.115,58.899 557.115,50 C557.115,41.1 549.9,33.886 541,33.886 M565.378,62.101 C565.244,65.022 564.756,66.606 564.346,67.663 C563.803,69.06 563.154,70.057 562.106,71.106 C561.058,72.155 560.06,72.803 558.662,73.347 C557.607,73.757 556.021,74.244 553.102,74.378 C549.944,74.521 548.997,74.552 541,74.552 C533.003,74.552 532.056,74.521 528.898,74.378 C525.979,74.244 524.393,73.757 523.338,73.347 C521.94,72.803 520.942,72.155 519.894,71.106 C518.846,70.057 518.197,69.06 517.654,67.663 C517.244,66.606 516.755,65.022 516.623,62.101 C516.479,58.943 516.448,57.996 516.448,50 C516.448,42.003 516.479,41.056 516.623,37.899 C516.755,34.978 517.244,33.391 517.654,32.338 C518.197,30.938 518.846,29.942 519.894,28.894 C520.942,27.846 521.94,27.196 523.338,26.654 C524.393,26.244 525.979,25.756 528.898,25.623 C532.057,25.479 533.004,25.448 541,25.448 C548.997,25.448 549.943,25.479 553.102,25.623 C556.021,25.756 557.607,26.244 558.662,26.654 C560.06,27.196 561.058,27.846 562.106,28.894 C563.154,29.942 563.803,30.938 564.346,32.338 C564.756,33.391 565.244,34.978 565.378,37.899 C565.522,41.056 565.552,42.003 565.552,50 C565.552,57.996 565.522,58.943 565.378,62.101 M570.82,37.631 C570.674,34.438 570.167,32.258 569.425,30.349 C568.659,28.377 567.633,26.702 565.965,25.035 C564.297,23.368 562.623,22.342 560.652,21.575 C558.743,20.834 556.562,20.326 553.369,20.18 C550.169,20.033 549.148,20 541,20 C532.853,20 531.831,20.033 528.631,20.18 C525.438,20.326 523.257,20.834 521.349,21.575 C519.376,22.342 517.703,23.368 516.035,25.035 C514.368,26.702 513.342,28.377 512.574,30.349 C511.834,32.258 511.326,34.438 511.181,37.631 C511.035,40.831 511,41.851 511,50 C511,58.147 511.035,59.17 511.181,62.369 C511.326,65.562 511.834,67.743 512.574,69.651 C513.342,71.625 514.368,73.296 516.035,74.965 C517.703,76.634 519.376,77.658 521.349,78.425 C523.257,79.167 525.438,79.673 528.631,79.82 C531.831,79.965 532.853,80.001 541,80.001 C549.148,80.001 550.169,79.965 553.369,79.82 C556.562,79.673 558.743,79.167 560.652,78.425 C562.623,77.658 564.297,76.634 565.965,74.965 C567.633,73.296 568.659,71.625 569.425,69.651 C570.167,67.743 570.674,65.562 570.82,62.369 C570.966,59.17 571,58.147 571,50 C571,41.851 570.966,40.831 570.82,37.631"></path></g></g></g></svg></div><div style="padding-top: 8px;"> <div style=" color:#3897f0; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:550; line-height:18px;">View this post on Instagram</div></div><div style="padding: 12.5% 0;"></div> <div style="display: flex; flex-direction: row; margin-bottom: 14px; align-items: center;"><div> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(0px) translateY(7px);"></div> <div style="background-color: #F4F4F4; height: 12.5px; transform: rotate(-45deg) translateX(3px) translateY(1px); width: 12.5px; flex-grow: 0; margin-right: 14px; margin-left: 2px;"></div> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(9px) translateY(-18px);"></div></div><div style="margin-left: 8px;"> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 20px; width: 20px;"></div> <div style=" width: 0; height: 0; border-top: 2px solid transparent; border-left: 6px solid #f4f4f4; border-bottom: 2px solid transparent; 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overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;"><a href="https://www.instagram.com/p/BxsBltGlMbH/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none;" target="_blank">A post shared by Amalia Aybusheva (@chaosiswhat)</a></p></div></blockquote><script async src="//platform.instagram.com/en_US/embeds.js"></script>
</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben viel unentdecktes Bildmaterial und eine reiche visuelle Komponente aus der Vergangenheit. Und es wird noch nicht genutzt oder ist noch kein Mainstream.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Ich mag die usbekischen Nationalsymbole, die wir haben &#8211; den Tiger zum Beispiel Was solche nationalen Sachen angeht, sind machen das meine Kolleginnen <a href="https://www.instagram.com/x.x.x.s.t.a.n/">Jana</a> und <a href="https://www.instagram.com/sofiaseitkhalil/">Sofa</a> wirklich cool und setzen sie gut ein. Es gefällt mir sehr, dass sie das wahre Usbekistan sehen. Sie können es schön zeigen, aber nicht auf eine poppige Art und Weise, nicht durch Klischees à la Khan-Atlas-Seide.</span></p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="144" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-300x144.jpg" alt="" class="wp-image-29199" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-300x144.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-1024x493.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-768x369.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-1536x739.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-2048x985.jpg 2048w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-28-um-22.46.54-1300x625.jpg 1300w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Eine Hommage an den Feminismus und ein persönlicher Song übers Verknalltsein</b></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Ich fin an, aus Spaß Songs zu schreiben &#8211; doch dann dachte ich, warum nicht über meine Erfahrungen schreiben? Es wurde für mich zu einem Mittel, um mich auszudrücken. Und ich begann zu überlegen &#8211; was habe ich von meinen Traumata und Schmerzen?</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Ich erinnerte mich daran, dass ich als Kind die Geschlechterrolle eines Mädchens nicht wirklich mochte. Es hat mich geärgert, wenn mir gesagt wurde, dass ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten muss, wenn ich ein Mädchen bin. Etwas Besonderes anziehen, sich öfter mit Mädchen unterhalten. Alle möglichen Gummibänder, Küchengeräte, Schule, Töchter und Mütter spielen. Ich mochte diese Spiele gar nicht. Ich dachte: „Was soll&#8217;s, wir werden erwachsen und machen das alles wieder durch!“</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">Der Song &#8218;<a href="https://t.me/frommyroom/113">Ты же девочка</a>&#8218; (dt.:&#8216;</span><span lang="de-AT"><i>Du bist ja ein Mädchen&#8216;</i></span><span lang="de-AT">, Anm. d. Ü.) ist also eine echte Hommage an den Feminismus, aber als ich ihn schrieb, wusste ich überhaupt nichts darüber. Und jetzt höre ich dieses Lied und ich glaube, ich wurde Feministin, bevor es zum Mainstream wurde.</span></p>



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<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">In meinem Lied &#8218;<a href="https://t.me/frommyroom/115">Living in the chaos</a>&#8218; (dt. &#8218;Im Chaos leben&#8216;, Anm. d. R.) geht es darum, wie unorganisiert ich bin. Die Bedeutung der Lieder ist mir egal. Für mich ist es wichtiger, eine Art von Energie, eine Stimmung zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><span lang="de-AT">&#8218;<a href="https://t.me/frommyroom/113">Back to the Roots</a>&#8218; (dt.: &#8218;Zurück zu den Wurzeln&#8216;, Anm. d. R.) ist wahrscheinlich einer meiner persönlichsten Songs. Es geht um eine Person. Und es gibt viele Anspielungen darin, die nur ich verstehe. Ich hatte mich verknallt, es war aber nicht gegenseitig, also habe ich beschlossen, einen Song darüber zu schreiben. Ich saß da und dachte darüber nach, wie ich mich fühlte, und das habe ich dann geschrieben. Durch die Musik vermittle ich Gefühle und die Texte sind sekundär, um die Musik zu ergänzen. Die Musik ist der Background für meine Erfahrungen. Wenn ich einen Song schreibe, fühle ich mich viel besser.</span></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><span lang="de-AT">Schirin Josipowa für </span><a href="https://sarpa.media/amalia">Sarpa</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Gera Kozhakhmetova</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Die Entstehungsgeschichte des kirgisischen Som</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Apr 2017 04:11:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Som]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kirgistan war die erste zentralasiatische Republik, die nach dem Ende der Sowjetunion eine eigene W&#xE4;hrung einf&#xFC;hrte. The Open Asia hat Dmitryj Lisogorow, den Designer der&#xA0; ersten Som-Scheine und des ersten kirgisischen Passes getroffen. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. In Kirgistan diskutiert man momentan &#xFC;ber den Entwurf des zuk&#xFC;nftigen biometrischen Passes [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Kirgistan war die erste zentralasiatische Republik, die nach dem Ende der Sowjetunion eine eigene Währung einführte. The Open Asia hat Dmitryj Lisogorow, den Designer der  ersten Som-Scheine und des ersten kirgisischen Passes getroffen. Wir übersetzen <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/dmitriy-lysogorov-dizayner-narisovavshiy-somy-i-kyrgyzskiy-pasport/">den Artikel</a> mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan diskutiert man momentan über den Entwurf des <a href="https://ru.sputnik.kg/infographics/20160617/1026655117.html">zukünftigen biometrischen Passes</a> und erst vor kurzem hat die kirgisische Nationalbank modifizierte 1000, 200, 100 und 50 Som Geldscheine in Umlauf gebracht. Auch ein grafisches Symbol für den Som, die kirgisische Währung, wurde nun definiert.</p>
<p style="text-align: justify">Das alles beweist, dass Kirgistan weiter an der Definierung seiner staatlichen Symbole arbeitet. Wie jede Änderung sind natürlich auch diese nicht unumstritten.</p>
<p style="text-align: justify">Ein passender Moment, also, um einen Blick auf die Geschichte zu werfen: Wie verlief die Arbeit an den ersten Entwürfen der kirgisischen Währung? Worum ging es in den Streitigkeiten um die erste Version des kirgisischen Passes? Dmitrij Lysogorow, grafischer Designer, Maler und Fotograf hat sowohl die erste Soms als auch den ersten kirgisischen Pass entworfen. „Open Asia online“ hat ihn getroffen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die erste zentralasiatische Währung </strong></p>
<p style="text-align: justify">Als Kirgistan 1993 den Som einführte, gehörte es zu den ersten postsowjetischen Ländern mit einer eigenen Währung. Alle anderen zentralasiatischen Länder nutzten zu der Zeit noch den Rubel. Die Vorbereitungen für den Schritt begannen gleich nach der Unabhängigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Im Jahr 1991 waren mein Geschäftspartner Anatolij Zyganok und ich zur Nationalbank eingeladen</em>“, erinnert sich Dmitrij Lysogorow. „Der Vorsitzende, <em>Kemelbek Nanajew, bot uns an, die nationale Währung zu entwerfen. Als Honorar versprach er uns ein Auto oder eine Wohnung. Wir haben weder das eine, noch das andere jemals bekommen, aber die Arbeit war natürlich auch so für uns von großem Interesse</em>“.</p>
<p><figure id="attachment_8595" aria-describedby="caption-attachment-8595" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8595" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-1024x683.jpg" alt="Dmitrij Lysogorow" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8595" class="wp-caption-text">Der Designer Dmitrij Lysogorow</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Den Som zu designen war nicht nur interessant, sonder auch extrem schwierig. In Kirgistan gab es Anfang der 1990er keine Spezialisten auf dem Gebiet und natürlich auch keine Erfahrungswerte. Die Designer konnten auch nicht schnell nach Informationen „googeln“ oder ausländische Experten anschreiben, weil Kirgistan noch nicht ans Internet angeschlossen war.</p>
<p style="text-align: justify">Weder die Nationalbank noch die Grafikspezialisten nutzten damals Computer. „<em>Man musste die Information Stück für Stück sammeln. Die erste Dienstreise ging nach Litauen, das bereits eine eigene Währung hatte. Aber der dortige Künstler konnte uns nichts besonderes sagen. Er hat uns nur vor seinem Fehler ermahnt, erst die Beamten und dann die Designer über die Arbeitsschritte zu informieren.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Das ließ sich natürlich auch in Kirgistan nicht vermeiden. Die Beamten beschlossen, die ersten Geldscheine in der Türkei zu drücken. Dort wurden überaus günstige Bedingungen geboten.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Anatolij und ich reisten mit einer kirgisischen Delegation nach Ankara, um uns mit dem Design und dem Druck von Geldscheinen vertraut zu machen. Wir wurden sehr gut empfangen. Aber meine Kollegen und ich waren überracht und etwas enttäuscht, dass der ganze Prozess dort manuell ablief</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Aber wen interessiert die Meinung des Designers, wenn die Entscheidung schon auf höchster Ebene gefällt ist?</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Während unseres Aufenthalts in Ankara wurde der türkische Tag der Republik im Hotel „Scheraton“ gefeiert. Dort war auch eine große kirgisische Delegation unter der Leitung des Präsidenten Askar Akajew anwesend. Dort haben wir ihn auch getroffen. Wir teiltem Akajew unseren Zweifel ehrlich mit. Er antwortete: ‚Was soll man machen, die erste Geldscheine sollen auf höhstem Niveau hergestellt werden. Wir müssen nach England</em>“, erinnert sich Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wettrennen mit Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: justify">In Großbritannien machten sich die Designer mit mit dem ganzen Prozess des Gelddrucks vertraut. Dann begann die eigentliche Arbeit. Man informierte sie, dass sie innerhalb von drei Tagen die ersten Skizzen eines „provisorischen Som“ vorstellen sollten.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Man sagte uns, das es sehr wichtig sei. Wir sollten unsere Nachbarn überholen, damit war natürlich Kasachstan gemeint. Anatolij und ich warfen ein Los: Ich sollte an den Som arbeiten und er an den Tijins</em> (Die Unterteilung des Som. Die ersten Tijins waren aus Papier, Anm. d. Red.)“</p>
<p style="text-align: justify">Die ersten Geldscheine, die 1993 gedruckt wurden, unterschieden nur durch ihren Wert und ihre Farbe voneinander.</p>
<p><figure id="attachment_8594" aria-describedby="caption-attachment-8594" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8594" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-1024x768.jpg" alt="Design Kirgistan Währung Som" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8594" class="wp-caption-text">Skizzen der ersten kirgisischen Som</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ehrlich gesagt gefielen mir die gedruckten Somsscheine gar nicht. Ich machte die Skizzen mit Buntstiften und viele Details wurden beim Druck nicht berücksichtigt. Auch die Papierqualität ließ sehr zu wünschen übrig. Einmal hat meine Frau eine meiner Hosen mit den neuen Scheinen gewaschen: Die Farbe war weggewischt. Ihre wirtschaftliche und wahrscheinlich auch politische Rolle haben die ersten Somscheine aber erfüllt</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unbekannter „Drucker“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Lysogorow und sein Kollege Zyganok arbeiteten weiter am Design der eigentlichen Somscheine.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;<em>Ohne Computer war die Arbeit sehr aufwändig. Wir haben jedes Detail der zukünftigen Scheine mit Gouache gemalt, mit dem Zoom fotografiert und dann ausgeschnitten, um der Gesamtkompisition einzelne grafische Elemente hinzuzufügen</em>.&#8220; Lysogorows Frau und sein Sohn mussten ihm manchmal dabei helfen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Ich arbeitete mit Pigmentdruck. Das ist ganz einfach, aber sehr aufwändig. Am Ende kommt ein optimales Bild dabei raus. Die Engländer fragten uns, welchen Drucker wir nutzten. Wir versuchten ihnen zu verstehen zu geben, dass wir ganz von Hand arbeiteten. Sie glaubten aber uns nicht</em>“, erinnert sich der Designer lachend. „<em>Mehrere Kommissionen arbeiteten am Som. Anatolij und ich waren nur für das Design verantwortlich. Man sagte uns lediglich, wen oder was die Scheine abbilden sollen. Auf dem Zehn-Som Schein sollte zum Beispiel ursprüglich der Schauspieler </em><a href="http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Muratbek+Ryskulov"><em>Muratbek Ryskulow</em></a><em> abgebildet sein.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Auch hier hat das Los über der Arbeitsverteilung entschieden: Ich arbeitete an 1, 10, 20 Soms. Anatolij, jeweils, an 5, 50, 100</em>“, fügt Lysogorow hinzu. „<em>Der Zehn-Som Schein ist übrigens auch dadurch interessant, dass die Rückseite wegen des Personenwechsel von mir ausgearbeitet wurde und die Vorderseite von Anatolij Zyganok.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Die ersten Skizzen zeigten die Designer den Parlamentsabgeordneten, aber es gab dazu so viele Meinungen wie Abgeordnete. Um Zeit zu sparen, entschloss sich der Vorsitzende der Nationalbank, nicht mehr um die Absegnung des Parlaments zu bitten. Er schickte die Skizzen an ein Design Büro in den Niederlanden, das sehr davon angetan war. Auch dem Präsidenten Akaej wurden sie vorgelegt.</p>
<p><figure id="attachment_8592" aria-describedby="caption-attachment-8592" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-1024x768.jpg" alt="Kirgistan Währung Som" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8592" class="wp-caption-text">Entwürfe für die Som-Scheine mit kyrillischen und lateinischen Schriftzeichen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Einige Skizzen trugen Inschriften mit lateinischen Buchstaben. Damals erwog Kirgistan, nach dem Modell von Usbekistan auf die kyrillische Schrift zu verzichten. Man enschloss sich aber letztendlich, nichts zu riskieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Neuntausend Som für die Ausarbeitung der nationalen Währung.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach getaner Arbeit erhielten die Designer weder ein Auto, noch eine Wohnung. Sie wurden in frisch gedruckten Som bezaht: „<em>Jeder von uns hat neuntausend Som bekommen. Wir haben sie sofort in Dollar umgetauscht, damalt waren das ungefähr viertausend US Dollar. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Som verlor sehr schnell an Wert</em>.“</p>
<p style="text-align: justify">Danach beschäftigte sich Lysogorow nicht mehr mit dem Design der Somscheine: „<em>Einerseits tat es mir Leid, weil ich schon viel Erfahrung und Kenntnisse erworben hatte. Aber es war Zeit für andere große Projekte</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Entstehung des kirgisischen Passes<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2004 führte Kirgistan einen eigenen Pass ein und Lysogorow wurde kontaktiert, um das Design zu erarbeiten. „<em>Erst musste ich das Staatswappen &#8218;korrigieren&#8217;“, gesteht Lysogorow. „Maler, nicht Designer hatten unser Wappen entworfen. Der genehmigte Entwurf war riesig, anderthalb mal anderthalb Meter. Niemand dachte damals daran, dass das Wappen bei einem Kleindruck zu einem Fleck wird, da alle Details zusammenfließen. Besonders bei einer Goldprägung.</em>“</p>
<p><figure id="attachment_8597" aria-describedby="caption-attachment-8597" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8597" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-1024x562.jpg" alt="Pass Kirgistan" width="1024" height="562" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-300x165.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-768x422.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8597" class="wp-caption-text">Der von Lysogorow entworfene kirgisische Pass</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Bei der Bearbeitung des Wappens beging Lysogorow aber einen „schlimmen ideologischen Fehler“: „<em>Heute hört es sich natürlich lustig an. Damals machten die Abgeordneten aber so einen Rummel, dass mir das Lachen verging. Ich hatte die falsche Anzahl an Gipfeln in das Wappen gemalt. Ich hätte nie daran gedacht, die Gipfel zu zahlen, es hätten aber genau sieben sein sollen &#8211; nach der Anzahl der Gebiete</em>“, erinnert sich Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Das englische Unternehmen, dass die Pässe druckte, beging einen weiteren <strong>„</strong>ideologischen<strong>“</strong> Fehler: „<em>Sie wollten die Anzahl der Sicherheitselemente steigern und fügten von sich aus einen schwarzen Steinadler hinzu. Die Abgeordneten sahen das als Sabotageversuch</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Noch etwas Kurioses: Das englische Unternehmen druckte die kirgisische Pässe in einer Filiale in Kenia: „<em>Sie entschieden sich, dass man den asiatischen Skizzen noch ein paar Farben hinzufügen muss. Und man druckte die kirgisischen Pässe mit hellen roten und gelben afrikanischen Motiven. Natürlich wurden diese „Verschönerungen“ abgelehnt</em>.“</p>
<p style="text-align: justify">A Propos: Die Pässe, die heute in Kirgistan im Umlauf sind, entsprechen nicht dem fertigen Design von Lysogorow. „<em>Man bat mich, die Skizzen zur Einsicht zu senden. Danach arbeitete ich noch drei weitere Monate daran und modernisierte den Umschlag. Erst dann erfuhr ich, dass das Dokument schon längst gedruckt wurde: Sie meinten, er wäre auch so schon gut gewesen</em>“, sagt der Designer.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Lysogorow-Dynastie</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch heute arbeitet Lysogorow weiter als Designer. Er wird dabei von seiner Frau unterstützt: „<em>Ich muss schon lange nichts mehr ausschneiden und kleben, sondern arbeite mit einer Software. Meine Frau ist Linguistin, für sie ist es ein Kinderspiel, sich Namen und Mottos für unsere Kunden auszudenken.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Die Ganze Familie arbeitet im Kunstgewerbe. <a href="http://lysogorov.pro/">Alexej Lysogorow</a>, Dmitrij Lysogorows Sohn, ist ein anerkannter Designer. Dmitrijs Bruder Ewgenij ist Grafiker im Textilbereich. Seine Teppiche werden in den kirgisischen Museen ausgestellt. „<em>Keine Ahnung, woher wir diese Lust auf Kunst haben. Mein Vater war beim Militär, meine Mutter Hausfrau</em>. <em>Aber der Bruder meiner Mutter – Pert Kusmitsch Antonenko – war Maler. Ich habe viel von ihm gelernt</em>“, erzählt Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Schon in der Schule wollte er Designer werden, obwohl es damals solch einen Beruf gar nicht gab: „<em>Zuerst war ich auf der hiesigen Kunsthochschule. Dann ging ich zur Armee und im Anschluss nach Leningrad, an die Kunst- und Industriehochschule namens Muchina. Ich hatte erst mit 30 meine Ausbildung im Bereich „industrielle Grafik und Verpackung“ beendet</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-geschichte-des-ersten-designers-der-kirgisischen-ssr/"><strong>Die Geschichte des ersten Designers der kirgisischen SSR</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Dann arbeitete Lysogorow im Gesamtsowjetischen Institut für technische Ästhetik, nach seiner Rückkehr nach Kirgistan in einem Verlag und später in Moskau, wo er seine interessanteste Arbeitserfahrung im Bereich der Werbung für den Außenhandel erwarb. Lysogorow hat nicht nur den Som und den kirgisischen Pass entworfen, sondern auch Etiketten, Verpackungen, Corporate Designs, Logos, Bücher und Postmarken.</p>
<p><figure id="attachment_8596" aria-describedby="caption-attachment-8596" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8596" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-1024x420.jpg" alt="Kunst Dmitrij Lysogorow" width="1024" height="420" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-300x123.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-768x315.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8596" class="wp-caption-text">Weitere Werke von Dmitrij Lysogorow</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das sowjetische Design stand den westlichen Vorbildern in vielerlei Hinsicht nach. Ich hatte aber das Glück, als Student oft Kontakt zu ausländischen Freunden zu haben. Auch später, bei der Arbeit am Som, bin ich viel herumgekommen. Heutzutage ist es aber viel einfacher, an Information zu gelangen. Man sieht das auch am allgemeinen Niveau des Designs im Land. Wir haben immernoch Nachholbedarf, jetzt aber zehn Jahre, nicht 50. Durch die Globalisierung werden die Designer aber bald nur noch an ihrem Talent gemessen, die Grenzen verschwinden</em>“, erzählt Lysogorow. „<em>Aber vielleicht irre ich mich auch</em>“, fügt er mit einem Lächeln hinzu.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Natalja Timirbaewa<br />
<a href="http://theopenasia.net/articles/detail/dmitriy-lysogorov-dizayner-narisovavshiy-somy-i-kyrgyzskiy-pasport/">The Open Asia</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Roman Gushchin</strong></p>
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		<title>Die Geschichte des ersten Designers der kirgisischen SSR</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Jan 2017 12:19:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[UdSSR]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wladimir Krugman, Kirgistans erster Designer, kam in den 1960ern ins Land und verbrachte ganze 18 Jahre dort. Genug Zeit, um mit seiner Arbeit verschiedene Orte der damaligen Sojwetrepublik Kirgisien zu pr&#xE4;gen. Das Internetmagazin Kloop.kg hat den K&#xFC;nstler in Deutschland, wo er heute wohnt, getroffen. Wir &#xFC;bersetzen das Gespr&#xE4;ch mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. In [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Wladimir Krugman, Kirgistans erster Designer, kam in den 1960ern ins Land und verbrachte ganze 18 Jahre dort. Genug Zeit, um mit seiner Arbeit verschiedene Orte der damaligen Sojwetrepublik Kirgisien zu prägen. Das Internetmagazin Kloop.kg hat den Künstler in Deutschland, wo er heute wohnt, getroffen. Wir <a href="http://kloop.kg/blog/2017/01/08/kak-kirgizskaya-ssr-poluchila-svoego-pervogo-dizajnera-a-potom-poteryala/">übersetzen das Gespräch</a> mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Sowjetunion kam der Begriff „Designer“ erst während der Tauwetter-Periode unter Chruschtschow in den Gebrauch. Wladimir Krugman war der erste Designer, der in der Kirgisischen sozialistischen Sowjetrepublik (SSR, hier auch Kirgisien) arbeitete. Der Absolvent der Kunstakademie kam Ende der 1960er aus Leningrad (heute Sankt Petersburg, Anm. d. Red.) nach Kirgistan.</p>
<p style="text-align: justify">Krugman arbeitete am Außenaspekt und der Einrichtung der damals modernsten Cafés und Hotels Kirgistans. Sein berühmtestes Werk ist der bischkeker Springbrunnen „Sonnenfische“.</p>
<p><figure id="attachment_7166" aria-describedby="caption-attachment-7166" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-7166" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/028-ok-1024x658.jpg" alt="Springbrunnen Sonnenfische Bischkek" width="1024" height="658" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/028-ok.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/028-ok-300x193.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/028-ok-768x494.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-7166" class="wp-caption-text">Der Springbrunnen &#8222;Sonnenflische&#8220; in seinen besten Jahren</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Das Leben hat Krugman viel Interessantes gebracht: Er wurde zum KGB zitiert, später vom Künstlerverband wegen seiner zu gewagten Ideen geächtet ehe er schließlich nach Deutschland auswanderte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wladimir Michajlowitsch, erzählen Sie kurz über sich: Wo sind Sie aufgewachsen, wo haben sie Studiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin in Belarus geboren, in Jelsk, einer Kreisstadt der Region Homel. Ich war vier, als der Zweite Weltkrieg begann. Mein Vater zog an die Front, ich wurde mit meiner Mutter in die Region Kurgansk evakuiert. Dort erfuhren wir auch, dass mein Vater gefallen war.</p>
<p style="text-align: justify">Nach dem Krieg kehrten wir nach Jelsk zurück. Ich schloss die Schule ab und wurde zum Militärdienst eingezogen: Ich habe in der Marine gedient, als Bootselektriker. Nach meinem Dienst zog ich nach Leningrad und wurde Student der Energie-Fachhochschule.</p>
<p style="text-align: justify">Ich wollte dort aber keinen Abschluss machen, so kam ich in die Leningrader Fachhochschule für Kunst und Industrie namens Muchina. Zweieinhalb Jahre später schloss ich dort mit Auszeichnung ab, wurde zum Graveur und konnte in die Kunsthochschule eintreten. Dort wählte ich den Lehrstuhl für Design, schaffte die Prüfung und wurde Student der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Saint_Petersburg_Art_and_Industry_Academy">„Muchinka“ Akademie</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie kamen Sie nach Kirgisien? Wieviel Zeit verbrachten Sie dort? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich absolvierte mein Studium an der „Muchinka“ im Jahr 1967, während der sogenannten „Tauwetter-Periode“. Den sowjetischen Bürgern wurden damals einige Freiheiten zugestanden und es entstand Raum für Kritik. Hinter verschlossenen Türen lasen wir Studenten die Verbotenen Werke Solschenitsins, hörten westliche Musik und besuchten das neu geöffnete Café-Saigon auf dem Newskij-Prospekt, wo sich die Jugend traf und Ideen austauschte. Zu waghalsige Ideen für die damalige Zeit.</p>
<p style="text-align: justify">Es endete damit, dass das „Tauwetter“ einfach wieder eingefroren wurde. Wir wurden nach und nach zum KGB bestellt, in das als „großes Haus auf dem Litejn“ bekannten Gebäude, und ausführlich ausgefragt. Das hätte schlecht enden können und ich entschloss mich, Leningrad für ein paar Jahre zu verlassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/103-jhrige-bischkekerin-im-interview/">103-Jährige blickt auf ein bewegtes Jahrhundert zurück</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Universität bot zwei Optionen an: Entweder die kleine usbekische Stadt Urgentsch oder die kirgisische Hauptstadt, in der ich als Lehrer des Kunstakademie arbeiten könnte. Ich wählte Frunse (der damalige Name der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, Anm. d. Red.). Erst dachte ich, ich würde ein paar Jahre dort verbringen. Es wurden volle 18 Jahre.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie bleiben ihnen die Jahre an der Akademie in Erinnerung?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich arbeitete nach dem Prinzip, dass ich für die Studenten ein älterer Kollege bin und mit ihnen Wissen und Erfahrungen austausche. Ich hielt keine Lehrstunden, sondern es gab ein gemeinsames künstlerisches Leben, das sich auch außerhalb der Klassenräume abspielte. Wir hingen die Werke der Studenten an die Wände der Akademie, sie waren ja auch Künstler und sollten sich zeigen. Und die Wände, die davor gähnend leer waren, fingen an, zu leben!</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem lehrte ich den Studenten die künstlerischen Eigenschaften von Kies, Seilen und von Ulmen; ich brachte ihnen bei, in diesen einfachen Objekten Kunstwerke mit ihrer Form, Farbe und Struktur zu sehen. Sie lernten, außergewöhnliche Kompositionen aus gewöhnlichem Material zu schaffen. Dabei vergaßen sie so oft die Zeit, dass manche Mütter extra in die Akademie kamen, um den komischen Lehrer zu sehen, der ihr Kind zur Kunst hinriß.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>In den Augen der Künstlerkollegen traditionellerer Formen wird der Designer oft wie ein Dahergekommener gesehen. Man weiss nicht, was man von ihm erwarten soll. Haben sie ein solches Verhältnis gespürt?  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das habe ich, und zwar ziemlich direkt. Nachdem die Zeitung „Kirgisischer Komsomolets“ geschrieben hatte, dass ein Designer in der Stadt sei, wurde ich zu verschiedenen Firmen eingeladen, um über die Konzeption des Designs zu erzählen. Bei diesen Treffen äußerte ich Ansichten über die Ästhetik der Umgebung, die für viele ungewöhnlich waren. Ich sagte, dass man nichts dekorieren soll, sondern gleich schön schaffen soll.</p>
<p style="text-align: justify">Dadurch stoß ich auf die Feindseligkeit des kirgisischen Künstlerverbandes, denn der von ihm abhängige  Kunstfonds beschäftigte sich vor allem mit Dekoration. Sie wirkten angespannt auf mich.</p>
<p style="text-align: justify">Als ich damals für ein paar Tage nach Leningrad flog und dort meine alte Kunstakademie „Michunka“ besuchte, griff mich mein ehemaliger Lehrstuhlleiter am Ärmel, zog mich in sein Büro und fragte: „Was passiert da in Kirgisien mit dir? Ich erhalten Briefe von  dort, sie wollen wissen, ob Du wirklich hier studiert hast. Hör auf meinen Rat: Komm schnell weg von dort.“</p>
<p style="text-align: justify">Doch ich flog zurück und arbeitete weiter. Ich wagte es sogar, die Werke meiner Studenten auszustellen. Zum großen Missfallen des Künstlerverbandes: Sie meinten, dass nur ihre Mitglieder ein Anrecht darauf hatten, im Haus der Künstler oder im Museum für bildende Kunst auszustellen. Aber  die Studenten der Akademie stellten ihre Originalwerke direkt im Laden oder im Foyer des Dramatheaters aus!</p>
<p style="text-align: justify">Gemeinsam mit den Studenten richteten wir auch das Interieur eines studentischen Club-Cafés ein. Dort wurde alles, von den Türen bis zu den Wänden, von den Studenten realisiert. Die Materialien dafür fanden sie in der Natur: Steine, Wurzeln, usw. Das Café wurde gleich nach seiner Eröffnung zur städtischen Sensation. Es kamen Schauspieler, Schriftsteller, Kinoregisseure und erzählten den Studenten über sich und über ihre Kunst.</p>
<p style="text-align: justify">Letztendlich bat mich die Leitung des Künstlerverbands (der, wie gesagt, nicht die beste Beziehung zu mir pflegte) ein ebensolches Café am Eingang eines Wohnhauses einzurichten. Wir arbeiteten mit den Studenten ganz kostenlos, aus reinem Enthusiasmus. Die jungen Leute hatten ein absolut nicht-kommerzielles Verständnis der künstlerichen Arbeit. Es war für sie eine Möglichkeit, sich auszuprobieren.</p>
<p style="text-align: justify">Auch das zweite Café wurde von der Eröffnung an von Küntlerkreisen besucht. Es schien so, als wäre das Eis gefroren und als würde sich mein Verhältnis zum Künstlerverband bessern. Fehlanzeige: Weder ich noch meine Studenten wurden zur Eröffnung des Cafés eingeladen. Eine solche Ehre wurde uns nicht erteilt.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe viele solche Schläge erlitten. Als Antwort blieb ich Zielstrebig und zeigte, dass ich mich in Kirgisien realisieren kann. Ich war anfangs für ein paar Jahre gekommen, blieb dann noch ein Jahr und noch eins und nach und nach wuchs mein Freundes- und Bekanntenkreis und ich lebte mich in der Stadt ein. So verliefen 18 Jahre.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie viele Jahre lehrten sie an der Akademie?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ganze fünf. In der Zeit schaffte ich es, zusammen mit meinen Studenten und ebenfalls praktisch auf ehrenamtlicher Basis, das Café, das Restaurant und die Bar des kürzlich gebauten Hotel „Kyrgyzstan“ einzurichten (Heute befindet sich in dem entsprechenden Gebäude das Luxushotel „Hyatt“, Anm. d. Red.).</p>
<p><figure id="attachment_7167" aria-describedby="caption-attachment-7167" style="width: 1000px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-7167" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/1362558039_1-14.jpg" alt="Hotel Kyrgyzstan Frunse" width="1000" height="751" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/1362558039_1-14.jpg 1000w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/1362558039_1-14-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/1362558039_1-14-768x577.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/1362558039_1-14-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-7167" class="wp-caption-text">Das Hotel Kyrgyzstan im Jahr 1974</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Für eine so große und komplizierte Arbeit hätte der Künstlerfonds sehr viel Geld verlangt, was die Stadt aber nicht hatte. Nach einer Anordnung des stellevertretenden Vorsitzenden des Ministerrates Mojisejew wurden meine Studenten und ich geschickt.</p>
<p style="text-align: justify">In der Zeit baute ich auch meine Beziehungen zum  republikanischen Architektenverband auf. Beim skizzieren neuer Gebäude wussten die Architekten: Wenn Krugman da rein geht, füllt er die leeren Wände mit neuem Inhalt. So fing ich an, in der Projektabteilung eines großen Bauunternehmens zu arbeiten. Zwei Jahre später wurde mir angeboten, der leitende Künstler der Stadt zu werden. Ich stimmte zu, wusste aber noch nicht, dass das eine Stelle für Prügelknaben war, ohne klare Rechte und Pflichten.</p>
<p style="text-align: justify">Es ging so weit, dass der Instruktor des Gebietskomitees von mir fordern konnte, dass ich ihm Skizzen für irgendeines ihrer Propagandaereignisse male. Ich wollte aber neue künstlerische Konzeptionen erarbeiten, mit den Mitteln des modernen Designs das Lebensumfeld der Menschen neu schaffen: In der Stadt schöne Bänke aufstellen (in Frunse mangelte es an Bänken, auch an unschönen), mich um die Straßenbeleuchtung kümmern, Ladenvitrinen einrichten, an kleinen Formaten arbeiten. Ich war wie in Stücke gerissen.</p>
<p style="text-align: justify">Ich muss sagen, dass ich von den Stadtbehörden fast immer unterstützt wurde, nur unter den Küntlerkollegen traf ich auf vollkommenes Unverständnis. In meiner Erinnerung ist der Künstlerverband eine verschlossene Organisation, dessen Mitglieder von gut bezahlten Aufträgen leben. Sie konnten sich mit mir, dessen künstlerische Konzeptionen aus dem Rahmen ihres Verständnisses von Rolle und Platz des Künsters in der Gesellschaft fiel, abfinden. Der Konflikt mit ihnen war für mich unlösbar. Ich verließ also meinen „hohen“ Posten und musste mein Brot wieder selber verdienen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lassen sie uns über den Springbrunnen „Sonnenfische“ reden. Warum wurde es ein Springbrunnen und nicht zum Beispiel ein schönes Schild an einer Fassade, was damals zeitgenößig und günstiger war? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Springbrunnen war nicht mein erstes Werk in Kirgisien. In der Stadt Osch wurde unter der Brücke über den Fluss Ak-Buura eine Bierschenke gebaut, dessen Interieur ganz von mir erdacht war: Die Fassade bedeckte ich mit Kies, so dass es aussah, wie ein steinerner kirgisischer „Ala-Kijis“ Teppich; Die Möbel, die Lampen, die Untergestelle, sogar die Bierkrüge, alles wurde nach meinen Skizzen realisiert.</p>
<p style="text-align: justify">Mir wurde in Osch auch angeboten, eine Kymys-Bar einzurichten. Die Idee an sich war gut, die schöne Architektur des Gebäudes gefiel mir auch und ich schaffte es, es entsprechend zu entwerfen, innen wie außen. Es gab viele weitere Objekte dieser Art, nicht nur in der Stadt, sondern auch in abgelegenen Dörfern: In Pokrowka im Süden des Issikköls, im Dorf Lenin-Dschol in der oscher Umgebung&#8230;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Prinzip sollte eine solche Arbeit ja gut bezahlt sein… </strong></p>
<p style="text-align: justify">Genauer: Sie hätte gut bezahlt sein sollen. Aber nicht in meinem Fall. Ich war eben kein Mitglied des Künstlerverbands Kirgisiens. Ich versuchte ein paar Mal, Mitglied zu werden, wurde aber jedes Mal abgewiesen. Dann mischte sich Moskau ein und nahm mich über Kirgisien hinweg in den Künstlerverband der UdSSR auf.</p>
<p style="text-align: justify">Ich war auch kein Mitglied des Küntlerfonds, über den alle entgeltlichen Aufträge liefen. Bei dem Objekt in Osch und auch bei ein paar weiteren wurde ich deshalb als Arbeiter gezählt und dementsprechend bezahlt. Doch das kümmerte mich nicht allzu sehr, ich wollte meine künstlerichen Gedanken, derer ich damals voll war, realisiert sehen.</p>
<p style="text-align: justify">Für ebendiesen Arbeitergehalt entwarf ich in einem Gebäude im Zentrum von Osch eine bunte Mosaik im Relief, die eine Taube darstellt. Es wurde später „Glücksvogel“ genannt.</p>
<p><figure id="attachment_7168" aria-describedby="caption-attachment-7168" style="width: 668px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-7168" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/13043685_10208671182992755_2556600098767424423_n.jpg" alt="Glücksvogel Osch" width="668" height="736" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/13043685_10208671182992755_2556600098767424423_n.jpg 668w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/13043685_10208671182992755_2556600098767424423_n-272x300.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 668px) 100vw, 668px" /><figcaption id="caption-attachment-7168" class="wp-caption-text">Der &#8222;Glücksvogel&#8220; in Osch heute</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Vor kurzem fand ich im Internet ein Farbfoto von diesem Werk und freute mich: Meine Taube lebt, sie wurde auf ihre Art zu einem Symbol, so wie auch der Springbrunnen „Sonnenfische“ in Frunse zum Symbol werden konnte. Übrigens: Der Springbrunnen in Frunse wurde mit bunter Smalte gemacht, die Taube in Osch aber mit bunten Fliesen, die ich selber in der Porzellanfabrik in Kuwasaj vorbereitete.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gehen wir zum Springbrunnen über. Wie entstand die Idee seiner Realisierung und wie wurde der Bauort ausgewählt?</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Frunse arbeitete damals der herausragende Architekt Askar Isajew, dem das neun-Etagen Wohnhaus an der Sowjetskajastraße zu verdanken ist. Ich bot ihm an, vor diesem Gebäude einen Springbrunnen zu bauen und er willigte ein.</p>
<p style="text-align: justify">Der Ort ist sonnig, wie die Stadt, und bot sich gut an, um ein Mikroklima zu schaffen, in dem sich Kinder und Erwachsene wohlfühlen konnten. Unter den Bauarbeitern waren zwei meiner ehemaligen Studenten. Ich war der Autor des Projektes und der Skizzen und stach selbst auch die Smalte aus und klebte sie an.</p>
<p style="text-align: justify">Auch das Projekt lief auch nicht ohne Konflikte. Der künstleriche Rat des Künstlerverbands konnte nicht akzeptieren, dass ein Dritter (in ihren Augen war ich für immer so einer) von der Stadt einen solchen Auftrag erhält. Uns wurden Hindernisse aller Art in den Weg gestellt, sie versuchten uns die auch so schon knappen Mittel zu streichen. Bei dem Versuch, mich mit den Kollegen des Künstlerverbands zu einigen, lud ich sie dazu ein, sich meine Werke anzusehen: Der Springbrunnen, das Café „Dolon“, das Kindercafé. Aber als Antwort kam nur spöttisches Lächeln und Sarkasmus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>War das der Grund dafür, dass sie Kirgisien verließen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">In gewisser Hinsicht, ja. Den entscheidenden Schlag dazu steckte ich im Jahr 1986 ein, als ich 50 wurde. Der Künstlerverband Kirgisiens hat dieses Datum einfach ignoriert, sie haben mir, der immerhin 18 Jahre in der Republik als ihr Kollege gelebt und gearbeitet hatte, noch nicht einmal einen offiziellen Glückwunsch geschickt. Nachdem ich verstanden hatte, dass ich meine künstlerichen Ideen in Kirgisien nicht mehr weiterentwickeln konnte, entschied ich mich, nach Leningrad zurückzukehren</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Seitdem ist viel Zeit vergangen, aber bis heute sehen viele Einwohner Bischkeks ihren Springbrunnen als Verschönerung der Stadt. Zählten Sie auf so eine Reaktion, als Sie den Brunnen realisierten?  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nein, ich  zählte auf die Einwohner, die zu meiner Zeit dort waren. Als ich dann viele Jahre später, bereits in Deutschland, hörte, dass der Springbrunnen von Dreck bedeckt herumsteht, dass ihn anscheinend niemand mehr braucht. Danach habe ich ganz mich bemüht, ihn zu vergessen.</p>
<p style="text-align: justify">Heute, in der Höhe meines Alters (ich bin schon über 80), freue ich mich, dass einige Bürger Bischkek den Springbrunnen nicht gleichgültig sehen und den neuen Bürgermeister (ein junger Mann, wie ich hörte) dazu aufgefordert haben, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Und er hat auf sie gehört. Mir wurde ein Video geschickt, in dem Arbeiter den Springbrunnen zur Restaurierung vorbereiten und reinigen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Smalte ist an manchen stellen abgefallen, sie muss wiederhergestellt werden. Ich weiss nicht, wo sie neue finden werden aber mir scheint, dass das heute nicht so schwer ist, wie zu meiner Zeit. Ich bin den Stadtbehörden sehr dankbar dafür, dass sie den Springbrunnen reparieren und restaurieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zu ihrem Leben in Deutschland: Warum zogen sie dorthin und was machen sie dort ? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Hier habe ich als Maler eine zweite künstlerische Laufbahn begonnen. Während der Perestrojka, als das Land auseinanderfiel, war es nicht mehr möglich, an Interieurs und ästhetischen Räumen zu arbeiten. Ich musste irgendwie Geld verdienen und wandt mich so der Malerei zu.</p>
<p style="text-align: justify">Ich stellte meine kubistischen Bilder über die gorbatschjower Perestrojka in dem einziger Leningrader Kunstsalon und in der Galerie „Zerkalo“ („Spiegel“) aus. Der Direktor der Galerie war der berühmte Kunstexperte Jurij Modestowitsch Gogolitsyn. Er nahm meine Bilder sehr enthusiastisch an und verkaufte sie gut. Es stelle sich heraus, dass die meisten meiner Arbeiten von Touristen aus 37 verschiedenen Ländern aufgekauft wurden.</p>
<p style="text-align: justify">Nachdem ich mit einer Austellung meiner Werke in Genua einen großen Erfolg erzielte, bot man mir an, in Italien zu arbeiten. Aber ich zog ein Angebot aus Deutschland vor: Ein deutscher Bauherr und Mäzen sah meine kirgisischen Interieurs auf Bildern und lud mich nach Nürnberg ein. Dort atmete ich zum ersten Mal vollen Herzens die Luft der Freiheit. Ich spürte ein ganz anderes Verhältnis mir gegenüber.</p>
<p style="text-align: justify">Deutschland ist ein sauberes, gepflegtes, elegantes, unheimlich schönes Land. Ich lebe nun schon 22 Jahre in dem wunderschönen kleinen Städtchen Fürth. Die Stadt hat etwas mehr als 100 000 Einwohner aber dafür jedes Jahr bis zu 200 Kunstaustellungen (damals in Frunse gab es für eine halbe Million Einwohner kaum zehn Austellungen pro Jahr).</p>
<p><figure id="attachment_7162" aria-describedby="caption-attachment-7162" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-7162" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1-1024x683.jpg" alt="Wladimir Krugman" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/01/Krugman-7-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-7162" class="wp-caption-text">Wladimir Krugman</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Hier bin ich ein freier Künstler: Ich habe ein eigenes Atelier und genieße den Respekt und die Anerkennung meiner Künstlerkollegen. Auch meine Werke finden Anerkennung und haben sich bisher in über 40 Länder verkauft. Ich in ganz Deutschland ausgestellt, von Fürth bis Berlin, außerdem in Zürich, in Paris, Brüssel und Salzburg. Dafür muss ich ständig experimentieren, immer etwas Neues in mir entdecken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Stellen wir uns mal vor ich bin Künstler und finde mich in höherem Alter in einem Fremden Land auf. Kann ich hier erfolgreich werden? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es geht, wenn sie sich in die neue Kultur integrieren können. Es ist egal, in welchen Land sie landen, solange sie ein russischer, kirgisischer, ukrainischer oder anderer Künstler bleiben kann man ihnen vielleicht etwas abkaufen, aber für das westliche Auge bleiben sie ein exotisches Element.</p>
<p style="text-align: justify">Wie sie natürlich wissen gab es in der UdSSR ein System verschiedener Titel: Volkskünstler oder –dichter, Volks- oder ausgezeichneter Schauspieler. Mit einem solchen Titel war einem ein guter Platz in der Gesellschaft sicher, man brauchte sich nicht besonders um seine künstlerische Reife zu sorgen. Hier ist so etwas nicht möglich.</p>
<p style="text-align: justify">Die meisten Zuschauer im Westen sind ästhetisch gut gebildet. Wenn ein Künstler nicht neue Wege sucht, sich von alten Dingen befreit, findet er kaum Erfolg.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Würden sie gerne das heutige Bischkek mit eigenen Augen sehen ? Und sind sie um ihre kirgisische Zeit nicht mehr nostalgisch ? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Manchmal träume ich von Bischkek, oder vom ehemligen Frunse, genauer gesagt. Ebenso wie das ganze Kirgisien. Die Träume sind unterschiedlich: Einmal gind ich durch die Bischkeker Straßen, suchte die Krasnooktjabrsaja-Straße („Roter Oktober“) ohne sie zu finden, erkannte die Stadt nicht mehr.</p>
<p style="text-align: justify">Ich bereue nicht, einen Teil meines Lebens dort verbracht zu haben. Das ist ein Teil meines künstlerischen Schicksals. Was dort passiert ist, wie es passiert ist, das ist alles Vergangenheit. Aber ich habe in dem Land Freundschaften geschlossen, wenn auch wenige. Über sie kann ich mit Puschkin sagen: Manche sind fort und andere fern („иных уж нет, а те далече“ im Original, aus Eugen Onegin, Anm. d. Red.).</p>
<p style="text-align: justify">Es gab dort herausragende Leute: Die Journalisten Leonid Djadjutschenko und Wilora Aktschurina, die Architekten Gennadij Kutateladze und Rafkat Machamadijew, die Künstler Lidija Iljinoj, Gapar Ajtijew und Ewgenij Kusowkin (diese drei Mitglieder des kirgisischen Künstlerverbands gaben mir schriftliche Empfehlungen zum Eintritt in den Verband, aber ihre Unterstützung war nicht ausreichend).</p>
<p style="text-align: justify">Gesund und munter, wenn auch fern sind meine zwei alten Frunser Freunde Walerij Sandler und Alexandr Barschaj, beide Journalisten. Der erste ist schon lange in Amerika, der zweite in Israel.</p>
<p style="text-align: justify">Nach Bischkek fliegen? Das wäre nicht schlecht, aber in meinem Alter ist das nicht ganz einfach. Früher reiste ich relativ aktiv, aber mein Gesundheitszustand macht Langstreckenflüge problematisch.</p>
<p style="text-align: justify">Meine Antwort auf die Frage zur Nostalgie wird kurz: Ich war früher nicht nostalgisch und auch nicht heute. Denn ich bin hier in meiner Kunst, in meiner Arbeit erfüllt und ständig gefordert.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Walerij Sandler und Metin Dschumagulow<br />
für Kloop.kg</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Jumagul Sarieva, Designerin zwischen Vergangenheit und Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek kreiert Jumagul Sarieva Kleidung f&#xFC;r jedermann, in der sich Tradition und Moderne widerspiegeln.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, versucht Designerin Jumagul Sarievea mit ihrer Kleidung für jedermann Vergangenheit und Gegenwart zu vereinen. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Was ist Individualität? Was ist Patriotismus? Würde jeder die Bedeutung dieser Wörter kennen, wäre es möglich, sie zu vereinen? Falls Charakter eine wichtige Eigenschaft der Personalität ist, ist es die Präsentation seiner selbst umso mehr. Mit dieser Einstellung arbeitet die Leiterin und Designerin des Ateliers <a href="http://www.centralasianhandicraft.org/peoplecrafts.php/ru/chapan-hand-made-studio-by-jumagul-sarieva/960"><em>Chapan</em></a>, Jumagul Sarieva, stets festhaltend an ihrem patriotischen Geist.</p>
<p style="text-align: justify">„Meine Inspiration ist die Zufriedenheit des Kunden“, bestätigt die in Bischkek arbeitende Designerin.</p>
<p style="text-align: justify">Die in Kirgistan lebenden Völker trugen den <em>Chapan</em>, einen Anzug, vor ungefähr 700 Jahren. Als Nationaltracht Kirgistans ist er ist einzigartig und originell, so wie die Gesamtheit der zentralasiatischen Trachten. Zugegebenerweise ist diese Art von Kleidung für die Kirgisen mittlerweile veraltet. Die Öffentlichkeit sucht vielmehr nach etwas Neuem, Einzigartigem. Dennoch hat jedes Kleidungsstück seinen Ursprung. Jumagul Sarieve versteht es, Idealismus und Patriotismus einem modernen Stil anzunähern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Eine facettenreiche Sicht auf Mode </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ihre Sicht auf Mode ist sehr facettenreich. Jeder Designer und jede Designerin versucht, Perfektion zu erlangen, alle auf einem schwierigen Weg. Seit ihrer Kindheit lebt Jumagul von Skizzen; sie liebte es, Ornamente zu zeichnen, beobachtete und lernte die Kunst des Nähens von ihrer Mutter, während sie bereits ihren zukünftigen Werdegang ausarbeitete. Sie nahm die Uniformen ihrer Schulkameraden auseinander und nähte sie wieder zusammen, verschönerte sie, denn sie mochte es nicht, die Standard-Uniform zu tragen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 399px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1027/11749249_10207097462011703_682159410_n.jpeg" alt="Jumagul Sarieva" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach ihrer Schulzeit begann Jumagul ein Studium am Institut für Ingenieurswesen und Konstruktion in Bischkek. Das Institut, ein sowjetisches Wahrzeichen, versammelte Jugendliche, die gemeinsam in verschiedenen Fachbereichen studierten. Gleichzeitig arbeitete sie an der Entwicklung des Komosol, der Organisation der Kommunistischen Jugend, gab Zeichenunterricht, und nahm an mehreren Ausschreibungen teil. Anschließend, immer noch zu Sowjetzeiten, zog Jumagul nach Moskau, arbeitete und lebte dort. Sie beteiligte sich aktiv an Ausschreibungen und nähte posthum ein Kleid für Kaiserin Katherina II (1729 – 1796).</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Ein Stil für beide Geschlechter </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Jumagul Sarievas Stil ist einzigartig: er ist nicht nur für junge Mädchen entworfen, sondern auch für junge Männer, ältere Personen und sogar Kinder. Die meisten ihrer Kleider sind für die Herbst- und Wintersaison gedacht, und werden gerne von den Stars des Showbusiness in Bischkek getragen, wie zum Beispiel von der Pop-Sängerin Kanykey.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1027/interieur.jpeg" alt="Männermode Jumagul Sarieva" /></p>
<p style="text-align: justify">Jumagul Sarieva fühlte sich schon immer zur Geschichte ihrer Kleidung und dessen Entwicklung hingezogen. Die Designerin will verhindern, dass das kirgisische Volk seine Wurzeln und traditionelle Kleidung vergisst. Um dieses Ziel zu erreichen, zeigt sie Altes in neuen Variationen. In letzter Zeit setzte das Atelier <em>Chapan </em>viele Projekte um. Es gewann zweimal hintereinander den Preis der Fashion Week der Stadt Bischkek, zwischen 1984 und 1986. Die Kollektionen mit den Namen „Birkenmeer“ und „Frühling“ erlaubten es dem Atelier, eine Einladung zur Ausschreibung „Die Welt Russlands“ im September 2013 bei Vyatcheslav Mikhailovitch Zaitsev zu erlangen, wo es einen großen Preis erhielt.</p>
<p style="text-align: justify">Anschließend wurde die Kollektion „Birkenmeer“ in Japan präsentiert, und „Frühling“ in Istanbul. Diese beiden Kollektionen wurden in den Vereinigten Staaten, in Baku (Aserbaidschan), und in Südkorea ausgestellt. Es ist ein Erfolg, der sich nicht leugnen lässt, über Jahre hinweg, in denen Tradition in Modernität integriert wird.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Aliya Ahmatova</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Übersetzung: Vanessa Graf</strong></p>
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