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	<title>Biographie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Neun Fakten über den tadschikischen Präsidenten Emomalii Rachmon</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Nov 2017 15:45:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Emomalii Rachmon ist de facto seit November 1992 Staatschef von Tadschikistan. In den 25 Jahren Amtszeit sind jedoch &#xE4;u&#xDF;erst wenig Informationen &#xFC;ber sein Privatleben ans Licht gekommen. Er gibt selten Interviews, auch Personen aus seinem Umfeld halten sich bedeckt. Das Internetmagazin Open Asia Online hat verschiedene Fakten zu Rachmon gesammelt, die wir mit freundlicher Genehmigung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Emomalii Rachmon ist de facto seit November 1992 Staatschef von Tadschikistan. In den 25 Jahren Amtszeit sind jedoch äußerst wenig Informationen über sein Privatleben ans Licht gekommen. Er gibt selten Interviews, auch Personen aus seinem Umfeld halten sich bedeckt. Das Internetmagazin <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/9-faktov-o-prezidente-tadzhikistana/">Open Asia Online</a> hat verschiedene Fakten zu Rachmon gesammelt, die wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übersetzen. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt in Tadschikistan einen zunehmenden Personenkult um den dortigen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomalii Rachmon</a>. So sind Journalisten zum Beispiel verpflichtet, ihn mit seinem vollständigen Titel als „Begründer des Friedens und der Nationalen Einheit – Führer der Nation“ zu nennen. Obwohl er in Tadschikistan allgegenwärtig ist, ist nur wenig über seine Person bekannt. Neun Fakten, die nur wenige wissen:</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der kinderreichste Präsident</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Präsident Tadschikistans ist unter den Staatschefs der ehemaligen Sowjetunion der kinderreichste. Er hat neun Kinder: sieben Töchter und zwei Söhne. Alle Töchter Rachmons sind erfolgreich, die meist von ihnen arbeiten im öffentlichen Sektor. Der ältere Sohn <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/praesidentensohn-rustam-emomali-offiziell-zum-buergermeister-der-hauptstadt-duschanbe-ernannt/">Rustam Emomalii</a> ist Bürgermeister von Duschanbe, der jüngere, Somon, geboren 1999, studiert an einer der tadschikischen Hochschule.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/von-17-zentralasiatischen-prinzessinnen/">Von 17 zentralasiatischen Prinzessinnen</a> </strong></p>
<figure id="attachment_10271" aria-describedby="caption-attachment-10271" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-10271 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-7-Töchter-des-Rachmon.jpg" alt="Rachmon Familie Tadschikistan Präsident Tochter" width="800" height="470" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-7-Töchter-des-Rachmon.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-7-Töchter-des-Rachmon-300x176.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/08/Die-7-Töchter-des-Rachmon-768x451.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-10271" class="wp-caption-text">Emommalii Rachmon und seine Großfamilie</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Über die Ehefrau des tadschikischen Präsidenten Asismo Asadullajewa ist fast nichts bekannt. Sie ist ein seltener Gast auf Empfängen und begleitet ihren Mann fast nie bei seinen Auslandsreisen.</p>
<p><strong>Emomalii Rachmon, ehemals Rachmonow</strong></p>
<p>Bis 2007 hieß Rachmon offiziell Emomalii Scharipowitsch Rachmonow. Er <a href="http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/afet/dv/201/201106/20110606_emomalii_rahmon_v_en.pdf">änderte seinen Nachnamen</a> danach in Rachmon, wie er im Zuge einer Rede vor der intellektuellen Elite des Landes am Vorabend des Nouruz -Festes mitteilte.</p>
<p>Laut eigener Aussage „<em>müssen die Tadschiken zu ihren kulturellen Wurzeln zurückkehren und ihre tadschikischen Namen tragen.</em>“</p>
<p>„<em>In verschiedenen Dokumenten, darunter auch internationalen, lauten mein Vor- und Zuname unterschiedlich, und daher möchte ich gerne, dass man mich Emomalii Rachmon nennt, nach meinem verstorbenen Vater</em>“, sagte seinerzeit der Präsident.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Matrose</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der spätere Staatschef Tadschikistans leistete von 1971-1974 seinen Wehrdienst im Rang eines Matrosen auf dem Pazifik. Vor fünf Jahren <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/pyat-podarkov-dlya-rakhmona/">schenkte</a> der russische Präsident Wladimir Putin seinem tadschikischen Kollegen zum 60. Geburtstag seinen alten Wehrpass, noch auf den Namen Rachmonow ausgestellt. Den Pass hatte man in den Archiven des Verteidigungsministeriums gefunden.</p>
<figure id="attachment_11512" aria-describedby="caption-attachment-11512" style="width: 560px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11512 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/ce0b376a51b1a1c2cad2c00da1e4047f.jpg" alt="Emomalii Rachmon Jugend Matrose" width="560" height="360" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/ce0b376a51b1a1c2cad2c00da1e4047f.jpg 560w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/ce0b376a51b1a1c2cad2c00da1e4047f-300x193.jpg 300w" sizes="(max-width: 560px) 100vw, 560px" /><figcaption id="caption-attachment-11512" class="wp-caption-text">Emomalii Rachmon als Matrose und heutzutage</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Karrierebeginn als Elektriker</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Alter von 17 Jahren begann Rachmon in der Käsefabrik von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qurghonteppa">Kurgan Tjube</a> seine berufliche Laufbahn als Elektriker. Zuvor hatte er die Technische Berufsschule Nr. 40 in Kalininabad (heute <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sarband,_Tajikistan">Sarband</a>, eine Stadt 110 Kilometer von Duschanbe entfernt) absolviert. Es folgten der Wehrdienst und ein Abschluss der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Tadschikischen Nationaluniversität im Fernstudium.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Tadschikistan – der unvergessliche Horror des Bürgerkriegs</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Von 1987 bis 1992 war Rachmon Direktor der Sowchose „Lenin“ im Bezirk Dangarinski und wurde 1992 zum Vorsitzenden des Obersten Sowjets Tadschikistans gewählt. Zwei Jahre später wurde Rachmon Präsident des Landes. Er erhielt bei der Wahl 59 % der abgegebenen Stimmen und überflügelte damit seinen Kontrahenten Abdulmalik Abdulladschanow, für den 34 % der Wähler stimmten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Rachmon überlebte einen Mordanschlag</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1997 wurde in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a>, im Norden Tadschikistans, <a href="https://1997-2001.state.gov/briefings/statements/970430b.html">ein Anschlag</a> auf den Präsidenten Tadschikistans verübt. Der Staatschef und einige seiner Begleiter wurden verletzt, darunter der damalige Innenminister Jakub Salimov. 2012 beschrieb dieser in einem <a href="http://www.asiaplus.tj/ru/news/yakub-salimov-mezhdu-prisyagoi-i-predatelstvom">Interview</a> mit „Asia-Plus“ den Vorfall:</p>
<p style="text-align: justify"><em> </em>„<em>Dieser Mann warf die Granate ganz plötzlich, sie landete einen Meter vom Präsidenten entfernt auf dem Boden. Der Staatschef war in ein lebhaftes Gespräch verwickelt und bemerkte nichts. Ich trat mit dem rechten Fuß nach der Granate, stellte mich vor den Präsidenten und warf ihn zu Boden. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall und Schüsse fielen. Nach einigen Sekunden hob ich den Präsidenten auf, legte meinen linken Arm um seinen Hals und schleifte ihn in Richtung Kulturpalast. Vier Offiziere, die bei mir waren, umringten uns und führten uns weg. Der Präsident hinkte, er war am Fuß verletzt.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Dieses Interview führte Salimow aus dem Gefängnis heraus. Er wurde 2003 auf Ersuchen der tadschikischen Behörden in Russland verhaftet und nach Duschanbe <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/kogo-rossiya-sdaet-tadzhikistanu/">ausgeliefert</a>. Im April 2005 wurde er wegen Landesverrats zu 15 Jahren Freiheitsstrafe <a href="https://www.rferl.org/a/1058667.html">verurteilt</a> und erst 2016 im Zuge einer Amnestie <a href="http://www.eurasianet.org/node/79316">freigelassen</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Nach dem Interview berichteten tadschikische Zeitungen, dass in Wirklichkeit nicht Samilov, sondern ein Leibwächter Rachmonow das Leben gerettet hat.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Der Sportfan Emomalii Rachmon</strong></p>
<figure id="attachment_11513" aria-describedby="caption-attachment-11513" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11513 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/a5328fb4c1407ddb552689d5f1674d98.jpg" alt="Emomalii Rachmon Ski Sport" width="1024" height="682" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/a5328fb4c1407ddb552689d5f1674d98.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/a5328fb4c1407ddb552689d5f1674d98-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/a5328fb4c1407ddb552689d5f1674d98-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/a5328fb4c1407ddb552689d5f1674d98-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11513" class="wp-caption-text">Emomalii Rachmon beim Skifahren im Wintersportzentrum „Safed-Dara“ im Dezember 2016</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">„<em>In seiner Freizeit spielt er sogar ganz gut [Tennis]. Auf dem Gipfel in Kasachstan besiegte er sogar den usbekischen Präsidenten Islam Karimov, der schon seit langem Tennis spielt. Ebenso spielt er passabel Volleyball und Fußball</em>“, erzählte der ehemalige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Barchulo Radschabalijew einmal vor Journalisten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Rachmon war schon zweimal in der Kaaba</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bereits zweimal gewährt man dem tadschikischen Präsidenten Einlass in die Kaaba, erstmalig 2005 auf Einladung des saudi-arabischen Königs, ein zweites Mal im Jahr 2016.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/25-jahre-unabhngigkeit-tadschikistans-komplizierte-geschichte/">25 Jahre Unabhängigkeit – Tadschikistans komplizierte Geschichte</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haddsch">Haddsch</a> (Pilgerfahrt nach Mekka) hat Emomil Rachmon schon viermal absolviert. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er mit seiner Frau, den Kindern und näheren Verwandten eine „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmra">kleinen Haddsch</a>“ absolvierte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Rachmon kann Trump beim Händeschütteln besiegen</strong></p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=eTb_he4oSLo</p>
<p style="text-align: justify">Mit seinen berüchtigten Händedruck scheiterte der US-Amerikanische Präsisent Donald Trump bei Rachmon. Beim diesjährigen Treffen der beiden Staatsoberhäupter in Saudi-Arabien gelang es Rachmon, Trumps Händedruck standzuhalten und ihn sogar leicht auf seine Seite zu ziehen. Der Fall erregte auch in der <a href="https://www.huffingtonpost.com/entry/donald-trump-handshake-tajikistan_us_592535f8e4b0ec129d308cbe">internationalen Presse</a> aufsehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Rachmon ist offiziell „Führer der Nation“  </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2015 wurde in Tadschikistan das Gesetz „über den Begründer des Friedens und der Nationalen Einheit – Führer der Nation“ verabschiedet. Dem Führer der Nation, in der Person von Rachmon, werden eine reihe Privilegien zuerkannt. So hat er beispielsweise das Recht, sich nach Ausscheiden aus dem Amt weiterhin an die Bevölkerung zu wenden, an wichtigen staatlichen Veranstaltungen teilzunehmen und bei ihnen das Wort zu ergreifen.</p>
<p style="text-align: justify">Für alle Handlungen, insbesondere Maßnahmen zum Wohle des Landes, wird dem Führer der Nation Immunität garantiert. Er darf nicht festgenommen, inhaftiert oder verhört werden. Ebenso sind sein Vermögen, Immobilien sowie das seiner Verwandten unantastbar.</p>
<p style="text-align: justify">Auch nach seiner Präsidentschaft wird Rachmond, aufgrund seines Titels, seine eigene Dienstvilla in der Hauptstadt und in seinem Heimatort behalten und zusammen mit seiner Familie lebenslänglich unter dem Schutz der staatlichen Sicherheitsorgane stehen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Lilija Gajsina<br />
<a href="http://theopenasia.net/articles/detail/9-faktov-o-prezidente-tadzhikistana/">Open Asia Online</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Joachim Schaller</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Erinnerungen an den tadschikischen Bürgerkrieg: „Das Leben geht weiter, so oder so&#8230;“  (3/3)</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/erinnerungen-an-den-tadschikischen-burgerkrieg-das-leben-geht-weiter-so-oder-so-33/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jun 2017 10:26:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikischer Bürgerkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das&#xA0;tadschikische Nachrichtenportal Asia Plus&#xA0;hat Erz&#xE4;hlungen aus dem Alltag der Tadschiken w&#xE4;hrend des B&#xFC;rgerkriegs gesammelt, der vor 20 Jahren zu Ende ging. Wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Infolge umstrittener Pr&#xE4;sidentschaftswahlen kam es im Mai 1992 in Tadschikistan zu Ausschreitungen, die in einen&#xA0;B&#xFC;rgerkrieg&#xA0;eskalierten. Es stehen sich zwei Lager gegen&#xFC;ber: auf der einen Seite die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Das </strong></em><strong><em><a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/society/20170617/lyudi-grazhdanskoi-voini-chem-nam-zapomnilis-strashnie-90-e">tadschikische Nachrichtenportal Asia Plus</a></em></strong><em><strong> hat Erzählungen aus dem Alltag der Tadschiken während des Bürgerkriegs gesammelt, der vor 20 Jahren zu Ende ging. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Infolge umstrittener Präsidentschaftswahlen kam es im Mai 1992 in Tadschikistan zu Ausschreitungen, die in einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Bürgerkrieg</a> eskalierten. Es stehen sich zwei Lager gegenüber: auf der einen Seite die Kommunisten, die von der Regierung unterstützt wurden, auf der anderen eine Oppositionskoalition, angeführt von der Partei der Islamischen Wiedergeburt, die seit 2015 verboten ist.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-unvergessliche-horror-des-burgerkriegs/">Tadschikistan  &#8211; Der unvergessliche Horror des Bürgerkriegs</a> </strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Oppositionskoalition bestand hauptsächlich aus Tadschiken aus dem Pamir und aus der Gharm-Region, der ursprünglich politische Konflikt bekommt so darüber hinaus eine starke regionale und ethnische Dimension. Die Friedensverträge, die am 27. Juni 1997 unterzeichnet wurden, sahen eine Quote von 30 Prozent innerhalb der Regierung für die Opposition vor. Noch mehrere Monate nach der Unterzeichnung wurde die Hauptstadt Duschanbe von während des Bürgerkriegs gegründeten Milizen und Mafias kontrolliert. Der tadschikische Bürgerkrieg dauerte von Mai 1992 bis Juni 1997 und forderte 50 bis 100.000 Todesopfer.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Zwanzig Jahre nach den Friedensverträgen veröffentlicht Asia Plus Erzählungen aus dem Alltag der Menschen, der trotz des Krieges irgendwie weiterging. Diese verschiedenen Erzählungen liefern ebenso viele Perspektiven auf die Realität des Krieges.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>In zwei weiteren Teilen erinnerten sich die <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/erinnerungen-an-den-burgerkrieg-die-redakteurin-sebo-tadschibajewa-13/">Redakteurinnen Sebo Tadschibajewa</a> und <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/erinnerungen-an-den-tadschikischen-burgerkrieg-der-krieg-begann-mit-den-containern-23/">Lilija Gajsina</a>.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Korrespondentin Manischa Kurbanowa </strong></p>
<p style="text-align: justify">&#8222;Ich beendete gerade mein Studium, als der Krieg begann. Lange suchte ich eine Arbeit in einer Redaktion, aber niemand wollte mich einstellen: Viele Zeitungen erschienen nicht mehr. Schließlich wurde ich Sekretärin im staatlichen Arbeitsamt.</p>
<figure id="attachment_9554" aria-describedby="caption-attachment-9554" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-9554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466496_Rally_on_Shakhidon_square-1024x685.jpg" alt="Demonstrationen Tadschikistan Bürgerkrieg" width="1024" height="685" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466496_Rally_on_Shakhidon_square.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466496_Rally_on_Shakhidon_square-300x201.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466496_Rally_on_Shakhidon_square-768x514.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466496_Rally_on_Shakhidon_square-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-9554" class="wp-caption-text">Demonstrationen in Duschanbe in Mai 1992</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Ende November trafen die Kämpfer von Sangak Safarow in die Stadt ein. In der Vorstadt kämpften die Divisionen von Safarali Kendschajew. Eines morgens kam mir eine Gruppe Männer aus der Nachbarschaft entgegen, als ich gerade aus meiner Wohnung herauskam. Sie waren verwundert, fragten mich, wo ich hinginge. „Zur Arbeit“, antwortete ich gelassen. Plötzlich schrie der Älteste der Gruppe: „Bist du verrückt geworden, oder was?! Schaust du kein Fernsehen? Hörst du nicht, wie dort geschossen wird?“ Ich ärgerte mich darüber sehr, denn ich durfte auf keinen Fall zu spät zur Arbeit kommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie in einem Film</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der städtische Nahverkehr funktionierte nur unregelmäßig und ich ging zu Fuß zur Arbeit, über Schleichwege durch die Vorstadtviertel.</p>
<p style="text-align: justify">In der Nähe von dort, wo ich wohnte, im Safarschon-Viertel, wurden Wohnungen mit Granatenwerfern zerstört. Die Jungs unseres Innenhofs stiegen auf die Dächer, um das Geschehen gut zu beobachten und uns genau erläutern zu können. Wir gewöhnten uns irgendwie an den ganzen Lärm.</p>
<p style="text-align: justify">Einmal beobachtete ich selbst aus dem Fenster in der siebten Etage einen Kampf: Ein Uniformierter rannte vor zwei Kämpfern weg, alle schossen. Die Realität kam uns nicht echt vor, als würden wir uns einen Film anschauen. Selbst als ich bei den Mülleimern beim Haus die Leiche eines Mannes sah, in eine Decke gewickelt und in Telefonkabeln gebunden, konnte ich nicht glauben, dass es echt war.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mein Viertel „dem Erdboden gleich gemacht“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Einmal ging ich von der Arbeit zur Karabolo-Haltestelle, der Bus fuhr aber nicht. Eine Menschengruppe ging zu Fuß los und ich mit ihnen. Plötzlich sagte einer: „Der Bus 25 fährt auch nicht, heute wurde das Viertel in der Richtung zerbombt und dem Erdboden gleichgemacht.“</p>
<p style="text-align: justify">Sie hatten also mein Viertel „dem Erdboden gleichgemacht“. Und mein Mann, der zu der Zeit Doktorand war, war zuhause. Vom Münztelefon aus konnte ich ihn nicht erreichen. Ich lief die Straße entlang und schrie laut. Zum Glück haben sich meine schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt.</p>
<p style="text-align: justify">Noch eine Geschichte: Die Großmutter meines Mannes und zwei seiner Cousinen lebten für eine gewisse Zeit lang bei uns. Kaum fingen die Schießereien an, stürzte sie sich auf ein Bündel mit ihren Klamotten anstatt, dass sie ihre Enkel beschützte. Das hat mich damals sehr überrascht. Als unser Haus ein weiteres Mal von zwei Seiten beschossen wurde, stiegen wir mit der Oma und den Mädchen aus der siebten Etage herunter und gingen zu Fuß zum Haus an der Perwyj Sowjetskij-Straße zu unseren Verwandten.</p>
<p style="text-align: justify">Der Weg war lang. Irgendwo beim Busbahnhof, als sogar ein Vorbeifahrender Traktor mit Anhänger keinen Halt machte, um uns aufzunehmen, blieb unsere Oma stehen. Sie konnte ihre Tasche nicht weiter tragen. Ich schimpfte laut, man müsse jetzt ans Leben denken und nicht  irgendein Zeug herumtragen. Die Oma antwortete mir unter Tränen: „<em>Doch das sind nicht irgendwelche Klamotten. Das ist mein Leichentuch, sollte ich plötzlich auf dem Weg sterben.</em>“ Bis heute schäme ich mich vor dieser Frau, die schon nicht mehr von dieser Welt ist.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe so viele Erinnerungen an den Krieg, dass sich die Bilder in meinem Kopf so aneinanderreihen. Das schrecklichste dabei ist, wie die Ereignisse des Krieges sich auf die Psyche eines Menschen einwirken, wie sie ihn verändern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gefühllos und Herzlos</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ende 1992, als Mengen an Flüchtlingen aus dem Süden des Landes in die Hauptstadt flohen, wurde im Arbeitsministerium eine Zentralverwaltung für Flüchtlinge und Zwangsumgesiedelte gegründet. Ich arbeitete dort im Sekretariat des Direktoren Chimat Dawlatow, schrieb und verteilte Bescheinigungen, die Dutzenden Angehörigen ethnischer Minderheiten, also Russen, Tataren, Deutschen, dabei halfen, das Land zu verlassen und einen Flüchtlingsstatus zu erhalten.</p>
<p style="text-align: justify">Es kamen Lastwagen voll mit Flüchtlingen zur neuen Zentrale. Überall Tränen, Gebrüll, Geschiebe… und schreckliche Geschichten. Frauen erzählten, wie sie ihre Kinder in den Fluss schmissen, weil sie keine Kraft mehr hatten, sie zu tragen, und nichts, um sie zu ernähren. Diese Frauen waren vom Krieg zerstört, sie kamen mit herzlosen, gefühllosen Gesichtern zu uns, konnten weder lachen noch weinen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Ich sah zum ersten Mal, wie Männer weinen können“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Irgendwann kamen sechs junge Kinder zu uns, deren Schicksal die ganze Zentrale beschäftigte. Ihre Mutter war auf dem Weg gestorben und ihr Vater schon davor verschwunden. Die Kinder wurden aufgeteilt: Manche wurden von Verwandten aufgenommen, andere ins Waisenhaus geschickt. Nur die Jüngste, ein sechs Monate altes Mädchen, wollte niemand aufnehmen. Eine aserbaidschanische Mitarbeiterin wollte sie unbedingt adoptieren.</p>
<p style="text-align: justify">Während die nötigen Dokumente ausgefüllt wurden, tauchte der Vater wieder auf. Man hatte ihn fast ein halbes Jahr lang in irgendeiner zerstörten Fabrik festgehalten. Er konnte nur durch ein Wunder fliehen und kam auf der Suche nach seiner Familie nach Duschanbe. Er war am Boden zerstört, als er vom Schicksal seiner Frau und seiner Kinder erfuhr. Ich sah dort vielleicht zum ersten Mal, wie Männer weinen können: Als man ihm seine Kinder brachte, darunter das jüngste Töchterchen, brüllte er wie ein verwundetes Tier, umarmte und küsste jedes einzelne.</p>
<figure id="attachment_9555" aria-describedby="caption-attachment-9555" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-9555" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466493_Rally_on_Ozodi_square-1024x689.jpg" alt="Frauen Demonstrarion Duschanbe 1992" width="1024" height="689" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466493_Rally_on_Ozodi_square.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466493_Rally_on_Ozodi_square-300x202.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466493_Rally_on_Ozodi_square-768x517.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/06/RIAN_archive_466493_Rally_on_Ozodi_square-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-9555" class="wp-caption-text">Demonstration auf dem Ozodi-Platz in Duschanbe am 3. Mai 1992</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Der tägliche Kontakt mit der menschlichen Trauer ging auch an mir nicht spurlos vorbei. Auch ich wurde herz- und gefühllos. Als immer neue Flüchtlinge mit ihren tonnenschweren Geschichten kamen, reagierte ich gar nicht mehr. Ich führte meine Arbeit ganz mechanisch aus. Und mein guter und barmherziger Chef Chimmat Dawlatowitsch versuchte, jedem wenigstens mit Geld oder Essen zu helfen, während er selbst in einer kleinen Wohnung lebte und eigentlich auch selbst geflüchtet war.</p>
<p style="text-align: justify">Als Chimmat mich eines Tages wegen meiner Herzlosigkeit ausschimpfte, entgegnete ich, dass ich früher auch eine Andere war. Er gab mir recht: „Du hast recht, meine Kleine. Ich bin auch vor Trauer und Tränen erschöpft. Mir tut auch niemand mehr leid.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Flämmchen Hoffnung</strong></p>
<p style="text-align: justify">…Noch eine letzte Zeile. Ende 1992 erfuhr ich, dass ich ein Kind erwarte. Ich hatte eine unheimliche Begierde nach etwas, das es nicht gab: frische Tomaten. Mein Mann ging durch die Geschäfte, konnte aber nirgends welche finden. Die ganze Wohnung war voll mit eingelegten Tomaten, aber ich wollte unbedingt frische.</p>
<p style="text-align: justify">Im Folgejahr ließen die Menschen im brechend vollen Bus mir mit meinem Bauch ihren Platz frei und mir war das unangenehm. Erst jetzt verstehe ich, dass in den Blicken der Menschen dieser unsteten Zeit, die bei meinem Anblick von ihrem Platz aufsprangen, ein Flämmchen Hoffnung lag: Das Leben geht weiter, so oder so&#8230;&#8220;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Manischa Kurbanowa<br />
<a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/society/20170617/lyudi-grazhdanskoi-voini-chem-nam-zapomnilis-strashnie-90-e">Asia Plus</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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