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	<title>Behinderung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 01 Sep 2025 22:14:20 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Behinderung Archives</title>
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		<title>Die Entwicklung der usbekischen Gebärdensprache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 22:11:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Linguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 20.000 geh&#xF6;rlose und schwerh&#xF6;rige B&#xFC;rger*innen z&#xE4;hlte der Geh&#xF6;rlosenverband Usbekistans im Jahr 2022. Leider war die Geb&#xE4;rdensprache lange Zeit in der &#xD6;ffentlichkeit wenig bekannt, und die M&#xF6;glichkeiten f&#xFC;r Geh&#xF6;rlose waren begrenzt. HOOK erz&#xE4;hlt die Entstehungsgeschichte der usbekischen Geb&#xE4;rdensprache, ihren aktuellen Stand, ihre Unterschiede zu anderen Geb&#xE4;rdensprachen sowie die Probleme und Erfolge in der Barrierefreiheit. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mehr als 20.000 gehörlose und schwerhörige Bürger*innen zählte der Gehörlosenverband Usbekistans im Jahr 2022. Leider war die Gebärdensprache lange Zeit in der Öffentlichkeit wenig bekannt, und die Möglichkeiten für Gehörlose waren begrenzt. HOOK erzählt die Entstehungsgeschichte der usbekischen Gebärdensprache, ihren aktuellen Stand, ihre Unterschiede zu anderen Gebärdensprachen sowie die Probleme und Erfolge in der Barrierefreiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die usbekische Gebärdensprache (UGS) entstand auf der Grundlage der russischen Gebärdensprache, die während der Sowjetzeit in usbekischen Internaten unterrichtet wurde. Lange Zeit war sie darum ein Dialekt der russischen Sprache, ergänzt durch Gebärden, in denen sich die usbekische Kultur widerspiegelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 20. Jahrhundert erfolgte der Unterricht in speziellen Schulen, in denen häufig Lehrer aus anderen Republiken tätig waren. Mit der Zeit entstanden in der Gehörlosengemeinschaft eigene Gebärden, um lokale Gegebenheiten zu bezeichnen. So begann die UGS, eigenständige Merkmale anzunehmen, obwohl sie bis zum Ende des 20. Jahrhunderts keinen offiziellen Status hatte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach der Unabhängigkeit 1991 begann Usbekistan, das kyrillische&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fingeralphabet">Fingeralphabet</a>&nbsp;durch ein lateinisches zu ersetzen. Als die Schulen 1997 mit dem Unterricht des neuen Alphabets begonnen, hatte die ältere Generation Schwierigkeiten, sich der neuen Praxis anzupassen. Dies führte zu einer Kluft zwischen den Generationen der Gehörlosen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Lage verbessert sich</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Heute erhalten Menschen mit Behinderungen, darunter auch Gehörlose, in Usbekistan mehr Aufmerksamkeit. Nach der&nbsp;<a href="https://www.esf.de/portal/DE/ESF-Plus-2021-2027/Behindertenrechtskonvention/inhalt.html">Ratifizierung</a>&nbsp;der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Jahr 2021 hat der Staat die Gebärdensprache als offizielles Kommunikationsmittel anerkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 verabschiedete der Präsident einen Beschluss zur Entwicklung der usbekischen Gebärdensprache und der Brailleschrift. Das für Juni 2024 gesetzte Ziel lautete: die Aufwertung des Status der usbekischen Gebärdensprache sowie die Entwicklung eines Wörterbuchs, von Lehrbüchern und Didaktik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2023 bieten Schulen und Weiterbildungszentren Kurse in UGS und Braille-Schrift für Gehörlose, aber auch ihre Angehörige, Lehrer und Sozialarbeiter an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings bestehen weiterhin ernsthafte Probleme, allen voran ein akuter Mangel an qualifizierten Gebärdensprachdolmetschern. In Taschkent und Umgebung kommen auf 5000 Gehörlose lediglich zehn Dolmetscher, in anderen Regionen ist die Situation ähnlich. Zudem treffen Gehörlose bei der Arbeitssuche auf Vorurteile:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ihre Gemeinschaft ist ziemlich isoliert. Viele glauben, Menschen mit Hörbeeinträchtigungen seien lern- oder arbeitsunfähig. Das ist ein Klischee. In unserem Hub dagegen sind sie willkommen– sie tragen Implantate und unterscheiden sich in keiner Weise von den anderen. Es ist eine Frage der Aufklärung“,</em>&nbsp;erklärt Tatjana An, Projektmanagerin für Inklusion und Sozialschutz beim usbekischen Präsidenten.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die internationale Gebärdensprache</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die UGS ist der russischen Gebärdensprache (RGS) weiterhin sehr ähnlich: Viele Gebärden sind identisch, und die Unterschiede betreffen hauptsächlich kulturelle Begriffe, zum Beispiel die Namen nationaler Gerichte oder Personennamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Alltag verwendet die UGS ein zweihändiges Fingeralphabet auf der Grundlage des kyrillischen Alphabets, das mit dem in der RGS verwendeten identisch ist. In den 1950er bis 1970er Jahren sorgte das Projekt <em>Gestuno</em> des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltverband_der_Geh%C3%B6rlosen">Weltverbands der Gehörlosen</a> für Aufsehen: Sie versuchten, eine universelle Gebärdensprache zu entwickeln. Der Versuch scheiterte, doch überblieb ein vereinfachtes Kommunikationssystem für Gehörlose – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/International_Sign">International Sign</a> (IS) – ein heute viel genutztes Instrument bei internationalen Veranstaltungen. Tatjana An berichtet darüber:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die internationale Gebärdensprache unterscheidet sich stark von der lokalen. Obwohl sie nicht streng auf der englischen Gebärdensprache basiert, sind viele Gebärden aus dieser entlehnt. Die Hauptvoraussetzung für unseren Kurs ist die Kenntnis einer beliebigen Gebärdensprache und Grundkenntnisse in Englisch, aber das ist nicht zwingend erforderlich. Die Schüler sind mit ihren Fortschritten zufrieden: Sie lernen, wie eine Geste in der lokalen und in der internationalen Sprache aussieht. Kürzlich gab es ein Treffen mit einer Delegation aus Südkorea. Dort haben wir gesehen, wie gehörlose Menschen über einen Dolmetscher für internationale Gebärdensprache miteinander kommuniziert haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die heutige IS ist eine lebendige Mischung aus Pantomime, ikonischen Gebärden und Entlehnungen mit einem begrenzten Wortschatz und einer einfachen Grammatik. Im Gegensatz zur usbekischen Gebärdensprache findet die IS im Alltag keine Anwendung, hat keine Muttersprachler und ist frei nationaler Kulturspezifika. Es ist ein Hilfsmittel – eine Art&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Esperanto">Esperanto</a>&nbsp;der Gebärdenwelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nationale Besonderheiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit existieren etwa 300 Gebärdensprachen, von denen jede auf natürliche Weise in einer bestimmten Gemeinschaft von Gehörlosen entstanden ist, oft unabhängig von anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gebärdensprachen sind keine visuellen Versionen von gesprochenen Sprachen. Viel mehr stellen sie eigenständige linguistische Systeme dar, die durch generationsübergreifende Weitergabe, kulturelle Einflüsse und kommunikative Bedürfnisse entstehen. In einem Land kann es mehrere Gebärdensprachen geben, und in verschiedenen Ländern können völlig unterschiedliche Systeme existieren, selbst wenn sie eine gemeinsame gesprochene Sprache haben. In&nbsp;<a href="https://youtu.be/rkFyC3fgCN8">Deutschland</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://youtu.be/yAzZpv3iOqk">Österreich</a>&nbsp;spricht man beispielsweise Deutsch, die Gebärdensprachen sind jedoch unterschiedlich. Südafrika hingegen zählt 11 gesprochene Sprachen, jedoch nur eine einzige Gebärdensprache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kontakte zwischen Gebärdensprachen sind oft geschichtlich bedingt. In postsowjetischen Ländern wie Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan ähneln sich die Gebärdensprachen allesamt aufgrund des gemeinsamen russischen Erbes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zentralasiaten verstehen sich untereinander sehr gut. Der einzige Unterschied besteht in der Satzstruktur. Das Usbekische stellt das Subjekt wie in der gesprochenen Sprache an den Anfang, während das Russische dies freier handhabt“,</em>&nbsp;so Tatjana An.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb eines Landes kann es auch regionale Dialekte geben. Diese sprachliche Autonomie lässt sich durch die historische Isolation der Gehörlosengemeinschaften erklären: Vor dem Internet und globalen Verbindungen hatten sie selten Kontakt miteinander. Jede Gebärdensprache entwickelte sich als Antwort auf die Bedürfnisse einer bestimmten Gemeinschaft und wurde zum Ausdruck ihrer kulturellen Identität. Deshalb sind Gehörlose auf der ganzen Welt stolz auf ihre Sprache(n).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ausbildung von Gebärdensprachdolmetschern</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan gewinnt der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers allmählich an Status und Unterstützung. Lange Zeit übernahmen Kinder gehörloser Eltern (<a href="https://www.geco-koeln.de/coda-koda">CODA</a>) oder Lehrer an Sonderschulen die Rolle des Dolmetschers, teils auch passionierte Gebärdensprachenlerner. Ein Ausbildungssystem für Dolmetscher fehlte jedoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„An einigen Hochschulen gibt es Studiengänge mit Inhalten zu Gehörlosenpädagogik und Gebärdensprachdolmetschen, insbesondere am Außenstandort der russischen&nbsp;</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Staatliche_P%C3%A4dagogische_Herzen-Universit%C3%A4t_St._Petersburg"><em>Herzen-Universität</em></a><em>&nbsp;in Taschkent. In unserem Internationalen Inklusionszentrum haben wir einen Jahrgang für internationale Gebärdensprache – den ersten in Usbekistan. Wir erhielten 52 Bewerbungen für den Kurs, obwohl nur 12 Plätze verfügbar waren. Dort werden sowohl Menschen mit Hörbehinderung ausgebildet als auch Dolmetscher, die die lokale Gebärdensprache beherrschen,“&nbsp;</em>berichtet Tatjana An.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber bieten Weiterbildungszentren sowie der Gehörlosenverband Usbekistans Kurse der lokalen Gespräche für Hörende an, darunter auch zur Ausbildung von Dolmetschern – nicht nur in der Hauptstadt, auch in anderen Regionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar sind die Grundlagen des Gebärdensprachdolmetschens in den Lehrplänen der Fachbereiche für Sonderpädagogik an pädagogischen Hochschulen enthalten. Angehende Gehörlosenpädagogen lernen dort Gebärdensprache, Unterrichtsmethoden und psychologische Besonderheiten und einige Absolventen werden auch Dolmetscher. Ein speziell auf die Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher zugeschnittenes universitäres Programm gibt es allerdings noch nicht – im Gegensatz zu Ländern wie Russland, den USA oder Europa, wo es vollwertige Ausbildungen zum Gebärdensprachdolmetscher bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der besagte Beschluss von 2022 verpflichtet Mitarbeiter, die in staatlichen Behörden mit Bürgeranfragen befasst sind, Kurse in Gebärdensprache zu absolvieren. Jedes Ministerium und jede Behörde hat den Auftrag, mindestens einen Mitarbeiter in Gebärdensprache zu schulen, um Besuchern mit Hörbehinderung zur Seite zu stehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatjana An sieht den Westen in diesem Feld als Vorbild: <em>„Warum sind Gebärdensprachdolmetscher bei uns nicht so gut ausgebildet wie Ländern, wo sie sogar Konzerte verdolmetschen? Zum einen fehlt es an einem Bewusstsein dafür: Bei uns hält man es oft für Geldverschwendung oder schlicht nicht für nötig, Gebärdensprachdolmetscher einzuladen. Zum anderen geizen wir zu sehr mit Emotionen: Unsere Dolmetscher zeigen Gebärden in der Regel nur formal. Eine junge Frau, die bei einem Konzert von Ariana Grande dolmetschte, tat dies mit Emotionen, was sehr wichtig ist. Internationale Dolmetscher sind meist viel ausdrucksstärker.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://hook.report/2025/07/sign-language/">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Feb 2024 12:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weltweit sind Frauen mit Behinderungen 1,5- bis 10-mal so h&#xE4;ufig von physischer und sexualisierter Gewalt betroffen wie Frauen ohne Behinderungen. Zahlreiche Menschenrechte bleiben ihnen verwehrt, so ist der Zugang zu Bildung und medizinischer Grundversorgung stark erschwert. Die Mehrheit der Frauen mit Behinderungen in Tadschikistan sieht sich von Geburt an Diskriminierung gegen&#xFC;ber, wenn ihre Familien die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weltweit sind Frauen mit Behinderungen 1,5- bis 10-mal so häufig von physischer und sexualisierter Gewalt betroffen wie Frauen ohne Behinderungen. Zahlreiche Menschenrechte bleiben ihnen verwehrt, so ist der Zugang zu Bildung und medizinischer Grundversorgung stark erschwert.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheit der Frauen mit Behinderungen in Tadschikistan sieht sich von Geburt an Diskriminierung gegenüber, wenn ihre Familien die Entscheidung treffen, den Mädchen keine Bildung zukommen zu lassen, sondern sie daheim vor den Augen der Nachbar:innen zu verstecken. Diese Art von Bevormundung erfahren Frauen mit Behinderungen oft ihr ganzes Leben, häufig mit traurigem Ende.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Vor einigen Jahren besuchte Sitora Kurbonowa, Aktivistin und Leiterin der NGO „<a href="https://www.facebook.com/SafoiKonibodom/?locale=ru_RU">Safoi Konibodom</a>“, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt, für einen Ultraschall eine der Entbindungskliniken Duschanbe. Jedoch war es ihr nicht möglich, selbst hineinzukommen. Die marmorne Eingangsrampe war im falschen Winkel erbaut, sodass eine Nutzung im Rollstuhl nicht möglich war. Dies ist bei der Mehrheit öffentlicher Einrichtungen in Duschanbe der Fall. Sitora musste deshalb vier Männer um Hilfe bitten, die sie letztendlich ins Untersuchungszimmer trugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Als ich das medizinische Personal fragte, wie oft Frauen im Rollstuhl ihre Praxis besuchen, erfuhr ich, dass dies innerhalb von zwei Jahren nur einmal passiert war. Und das ist nicht verwunderlich, für Frauen mit Behinderungen sind die allermeisten Einrichtungen in unserem Land unzugänglich</em>“, sagt Sitora.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-muetter-von-kindern-mit-down-syndrom-in-tadschikistan-diskriminiert-werden/"><strong>Wie Mütter von Kindern mit Down-Syndrom in Tadschikistan diskriminiert werden</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf Jahre nach diesem Vorfall nahm sie an der Studie „Menschen mit Behinderungen: Barrieren für ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ teil. Allerdings hatte sich in dieser Zeit die Situation wenig geändert. Menschen mit Behinderungen sind in Tadschikistan aus vielen wichtigen Teilen des sozialen Lebens ausgeschlossen. Dies betrifft zweifellos alle Menschen mit Behinderungen, sowohl Frauen als auch Männer. Frauen mit Behinderungen müssen allerdings nicht nur mit diesen allgemeinen, sondern auch mit genderspezifischen Problemen kämpfen. Beispielsweise bleiben ihnen häufig ihre sexuellen und reproduktiven Rechte verwehrt, sie werden Opfer von sexuellem Missbrauch oder Zwangssterilisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der UN ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit Behinderungen von Familienmitgliedern oder Betreuer:innen körperlich oder sexuell missbraucht werden, 1,5- bis 10-mal höher als bei Frauen ohne Behinderungen. Darüber hinaus leben laut <a href="https://www.unwomen.org/en/digital-library/publications/2018/12/the-empowerment-of-women-and-girls-with-disabilities">Statistik von UN Women</a> 19,2 Prozent der Frauen mit einer Behinderung, also eine von fünf. Bei den Männern liegt die Quote mit 12 Prozent deutlich niedriger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Frauen mit Behinderung sind von der frühesten Kindheit an einer mehrfachen Diskriminierung ausgesetzt. Zum einen aufgrund ihres Geschlechts, zum anderen aufgrund von körperlichen Aspekten. Gerade diese Gruppe ist am häufigsten von häuslicher Gewalt betroffen, hat keinen Zugang zu Bildung und grundlegenden Menschenrechten, wie reproduktiver und sexueller Gesundheit</em>“, erzählt Saida Inojatowa, Leiterin der „<a href="https://ishtirok.tj/">Liga der Frauen mit Behinderungen Ischtirok</a>“ (Anm. d. Red.: Ischtirok – Tadschikisch für „Teilhabe“).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Grundsätzlich andere Herangehensweise gegenüber Jungen mit Behinderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sitora ist der Meinung, dass eine Frau mit Behinderung vor allem innerhalb der eigenen Familie diskriminiert wird: „<em>Wenn die Angehörigen der Meinung sind, dass sich die Situation niemals ändern wird, dann hört die Familie auf, ihre Ressourcen und Energie für das Mädchen mit Behinderung aufzuwenden. Die Fürsorge für sie beschränkt sich lediglich auf Essen und Kleidung</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erhält keinen Zugang zu Bildung, und solange die Eltern am Leben sind, lebt sie in ihrem Haus. Nach dem Tod der Eltern wird eine Frau mit Behinderung meistens in eine spezielle Einrichtung gesteckt, in der sie unter traurigen Umständen bis ans Ende ihrer Tage lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/menschen-mit-behinderung-die-unsichtbaren-kirgistans/"><strong>Menschen mit Behinderung – Die Unsichtbaren Kirgistans</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenüber Jungen mit Behinderungen ist die Herangehensweise eine andere: die Familie gibt sich Mühe, ihm einen Beruf beizubringen und einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Für einen jungen Mann mit Behinderung wird immer versucht, eine Braut zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Dabei kann die Braut auch eine junge Frau ohne Behinderung sein, aber beispielsweise aus einer armen Familie. Und dann liegt die Sorge um den Ehemann auf ihren Schultern</em>“, so Sitora.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweite Statistiken bestätigen Sitoras Ausführungen: laut Daten der UN liegt die Beschäftigungsquote von Frauen mit Behinderung bei lediglich 19,6 Prozent, während sie sich bei Männern mit Behinderung auf 52,8 Prozent beläuft. Dieses Gefälle in der Beschäftigung zwischen Männern und Frauen wird unter anderem durch mangelnde schulische und Berufsausbildung bedingt. Darüber hinaus wirkt sich die langjährige Diskriminierungserfahrung negativ auf das Selbstbewusstsein von Frauen mit Behinderungen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir treffen tagtäglich Frauen mit Behinderungen, die keinerlei Übung darin haben, mit anderen Leuten zu kommunizieren, sich nicht selbst vorstellen können, die ein so geringes Selbstwertgefühl haben, dass sie sich nicht trauen, wichtige Entscheidungen in ihrem Leben zu treffen, selbst wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. All dies sind Folgen der Diskriminierung, der die Frauen über Jahre ausgesetzt sind</em>“, sagt Saida.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zählt grundlegende Dienstleistungen auf, zu denen Frauen mit Behinderungen keinen Zugang haben: neben medizinischen Einrichtungen auch Schönheitssalons oder Schutzräume für Überlebende häuslicher Gewalt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mangel an Aufklärung über Rechte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sitora weist darauf, dass Zentren für reproduktive Gesundheit inzwischen Frauen mit Behinderungen die Möglichkeit bieten, Ärzt:innen zuhause anzurufen, um sich beraten zu lassen, wobei dieses Angebot bisher wenig genutzt wird. Der Expertin zufolge ist das mangelnde Interesse an Beratungsangebot der Zentren darauf zurückzuführen, dass Frauen mit Behinderungen nicht über ihre reproduktiven Rechte aufgeklärt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Regel erlauben die Familien den Mädchen mit Behinderung den Besuch einer Gynäkologin nicht, weil sie der Meinung sind, dass eine Untersuchung durch eine solche Fachärztin für sie nicht nötig ist. Schließlich soll sie ja niemals Mutter werden…</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-menschen-mit-behinderung-auf-sich-alleine-gestellt/"><strong>Kirgistan: Menschen mit Behinderung auf sich alleine gestellt?</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Bei einem der Trainings zu reproduktiven Rechten rief mich eine der Teilnehmerinnen zur Seite. Unter Tränen berichtete sie, dass ein junger Mann, der ihr sehr gefiel, ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte, ihre Familie ihr aber eine Heirat nicht erlaube. Dies begründete die Familie damit, dass ihr Mann sie in jedem Fall aufgrund ihrer Behinderung verlassen werde, und sie dann zur Familie ihrer Eltern zurückkehre, womöglich sogar schon mit einem Kind. Darüber hinaus begleitet eine Frau mit Behinderung immer die Meinung, dass sie nur Kinder mit Behinderung gebären wird</em>“, erzählt Sitora.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterschiedliche Forschungsergebnisse zeigen, dass Einsamkeit unter Frauen mit Behinderungen kein Einzelfall, sondern ein Trend ist. Beispielsweise führte <a href="https://www.international-alert.org/publications/intersection-disabilities-and-violence-against-women-and-girls-tajikistan/">International Alert</a> im Jahr 2020 eine Analyse in Tadschikistan durch, der zufolge Frauen mit Behinderungen sehr viel häufiger alleinstehend sind als Männer. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit Behinderungen einen Mann ohne Behinderung heiraten, sehr viel geringer, während Männer mit Behinderungen häufig eine Ehefrau ohne Behinderung haben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Redaktion von <a href="https://asiaplustj.info/news/tajikistan/society/20231130/istoriya-chetvertaya-kak-v-tadzhikistane-diskriminiruyut-zhentshin-s-invalidnostyu">Asia-Plus</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Aus dem <a href="https://asiaplustj.info/news/tajikistan/society/20231130/istoriya-chetvertaya-kak-v-tadzhikistane-diskriminiruyut-zhentshin-s-invalidnostyu">Russischen </a>von Marie Schliesser</p>



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		<title>Kirgistan : Menschen mit Behinderung auf sich alleine gestellt?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aijani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Oct 2018 17:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Behinderung sehen sich t&#xE4;glich mit schwerwiegenden Schwierigkeiten konfrontiert. Sowohl eine formelle Anerkennung Ihrer Rechte als auch eine angemessene Hilfe von Seiten der Beh&#xF6;rden stehen noch aus. W&#xE4;hrendessen setzt sich die Zivilgesellschaft in Bewegung. Im Januar 2016 bezifferte das Ministerium f&#xFC;r soziale Entwicklung der Republik Kirgistan die Anzahl der Menschen mit Behinderung im Land [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:left"><strong>Menschen mit Behinderung sehen sich täglich mit schwerwiegenden Schwierigkeiten konfrontiert. Sowohl eine formelle Anerkennung Ihrer Rechte als auch eine angemessene Hilfe von Seiten der Behörden stehen noch aus. </strong><strong>Währendessen setzt sich die Zivilgesellschaft in Bewegung.</strong></p>
<p style="text-align:left">Im Januar 2016 bezifferte das Ministerium für soziale Entwicklung der Republik Kirgistan die Anzahl der Menschen mit Behinderung im Land auf 170 000, von denen 80% arbeitslos seien.</p>
<p style="text-align:left">Zur Zeit sehen sich Menschen mit Behinderung mangels Infrastruktur und Möglichkeiten dazu gezwungen, entweder zuhause zu bleiben, oder in staatlich geführten Institutionen unterzukommen. Vielen von Ihnen ist es nicht möglich, Treppen zu steigen, Straßen zu überqueren und somit, Einkäufe zu erledigen, oder sich an Freizeitaktivitäten zu beteiligen.</p>
<p style="text-align:left"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/menschen-mit-behinderung-die-unsichtbaren-kirgistans/">Menschen mit Behinderung – Die Unsichtbaren Kirgistans</a></strong></p>
<p style="text-align:left">Viele der bestehenden Strukturen sind, trotz Reformanstrengungen, nicht für Menschen mit Behinderung gewappnet, und versuchen außerdem nicht, die bestehenden Probleme zu überwinden. Die meisten Menschen mit Behinderung plagen finanzielle Probleme, Zugansschwierigkeiten zu den öffentlichen Fortbewegungsmitteln, etc… Das größte Problem jedoch stellt die Frage der Beschäftigung.</p>
<p style="text-align:left"><strong>Die Rechte der Menschen mit Behinderung schützen</strong></p>
<p style="text-align:left">Gegenwärtig stehen Menschen mit Behinderung Leistungen in Höhe von 3000 Soms (35 Euro) monatlich zu. Aufgrund dieses geringen Betrags schlagen Experten <a href="http://www.ktrk.kg/post/3511/ru">Änderungen</a> zur Gesetzelage vor. Sie plädieren unter anderem für eine klare Darlenung der Rechte der Menschen mit Behinderung und für einen erleichterten Zugang zu öffentlichen Dienststellen. Notwendig dafür seien Sensibilisierungskampagnen , aber auch erhöhte Mittel.</p>
<p><figure id="attachment_15342" aria-describedby="caption-attachment-15342" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-15342" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/B.jpg" alt="Mann sitz in Rollstuhl behtelt" width="1024" height="684" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/B.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/B-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/B-768x513.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/B-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15342" class="wp-caption-text">Ein Mann in einem Rollstuhl in den Straßen von Bischkek</figcaption></figure></p>
<p style="text-align:left">Bereits zu diesem Zweck legte Dastan Bekechew, einziges Mitglied mit Sehbehinderung des kirgisischen Parlaments 2013 einen <a href="https://kloop.kg/blog/2013/02/25/spravedlivo-li-platit-za-otkaz-nanimat-invalidov/">Gesetzentwurf</a> vor, mit dem Zweck, Arbeitgeber dazu zu zwingen Geld zu spenden, sollten sie in ihrer Belegschaft keine Menschen mit Behinderung anstellen.</p>
<p style="text-align:left">Das Parlament lehnte mit der Unterstützung des Finanzministeriums und der gesamten Regierung das Projekt jedoch ab, mit der Begründung, eine „<i>neue Gebühren-Art</i>“ verhindern zu wollen.</p>
<p style="text-align:left">Für Dastan Bekechew wurde die Ablehnung durch das Finanzministerium von der Weigerung der kirgisischen Entrepreneure motiviert. „<i>Es handelt sich hier um neue Art der Besteurung von Geschäftsleute. Talentierte behinderte Menschen können eine Arbeit finden, ohne dafür auf den Staat angewiesen zu sein</i>“, so Iskender Tschartschaiew, Finanzexperte beim kirgisischen Unternehmen <a href="https://www.facebook.com/pages/biz/%D0%9E%D1%81%D0%9E%D0%9E-%D0%90%D0%B7%D0%B8%D1%8F-%D0%93%D0%BE%D0%BB%D0%B4-504191463289114/">Asia Gold</a>.</p>
<p style="text-align:left"><strong>Ein Abkommen wurde unterschrieben, jedoch nie ratifiziert</strong></p>
<p style="text-align:left">Dabei ist Kirgistan Unterzeichner des <a href="https://www.behindertenbeauftragte.de/SharedDocs/Publikationen/UN_Konvention_deutsch.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2">Übereinkommens der Vereinten Nationen </a><a href="https://www.behindertenbeauftragte.de/SharedDocs/Publikationen/UN_Konvention_deutsch.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2">über die Rechte von Menschen mit Behinderung</a>, mit dem Ziel, das Recht auf eine Teilnahme am zivilen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kutlurellen Leben der Menschen mit Behinderung zu gewährleisten, und jegliche Form der Diskriminierung gegen ebendiese zu tilgen, sie zu schützen und sie in ihren Menschenrechte und Grundrechte zu verteidigen.</p>
<p><figure id="attachment_15345" aria-describedby="caption-attachment-15345" style="width: 1300px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15345" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C.jpg" alt="Bischkek Demo Behinderte Rechte" width="1300" height="861" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C-300x199.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C-768x509.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C-1024x678.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/C-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1300px) 100vw, 1300px" /><figcaption id="caption-attachment-15345" class="wp-caption-text">Eine Demonstration für die Rechte der Menschen mit Behinderung fand in Bischkek statt.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align:left">Mit dieser Unterschrift zeugt das Land von seinem Interesse an dem Abkommen, und äußert seinen Willen, dieses Abkommen zu respektieren. Nichtsdestotrotz sind angegebene Normen schlichte Richtlinien und sind nicht verpflichtend.</p>
<p style="text-align:left">Um diese Normen anzuwenden, bedürft es, da Dokument juristisch zu verfassen. Dafür muss der Text ratifiziert werden, was mit sich führt, die Vorgaben in die Gesetzgebung des Landes aufnehmen zu müssen.</p>
<p style="text-align:left"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/mit-behinderung-auf-der-buhne/">Mit Behinderung auf der Bühne</a></strong></p>
<p style="text-align:left">Das Übereinkommen ist weltweit am 3. Mai 2008 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbereinkommen_%C3%BCber_die_Rechte_von_Menschen_mit_Behinderungen">in Kraft getreten</a>. Kirgistan hat es 2011 unterschrieben, jedoch bis heute nicht ratifiziert. „<i>Fast hätten wir das Ziel erreicht. Aber jedes Mal, wird die Ratifizierung verschoben. Manchmal, weil die Regierung umgebildet wird. Oft, weil sie die Frage schlicht nicht begreifen.“, </i>bedauert <a href="https://24.kg/obschestvo/69976_pochemu_kyirgyizstan_neratifitsiruet_konventsiyu_opravah_invalidov/">Tolkunbek Issakow</a>, Präsident der öffentlichen Stiftung zur juristischen Assistenz Menschen mit Behinderung Kirgistans. Und weiter: „<i>Man kommt nicht um eine finanzielle Anstrengung um, um das Übereinkommen umzusetzen. Die Verachtung des Textes kann zu Sanktionen führen. Dies ermutigt Politiker nicht dazu, weiter zu gehen.“ </i></p>
<p style="text-align:left">Das Ministerium für soziale Entwicklung hat, in Zusammenarbeit mit Aktivisten der Zivilgesellschaft und Experten, die Gesamtsumme, die zur Anwendung des Übereinkommens notwendig wäre, berechnet, und kommt zu dem Schluss, dass <a href="https://rus.azattyk.org/a/27838730.html">6,6 Milliarden Soms</a> (83 Millionen Euro) notwendig wären. Mit den 23 Milliarden (288 Millionen Euro), die für das soziale Wohnen in Kirgistan aufkommen, muss die Regierung mit Ausgaben in Höhe von 30 Milliarden Soms (375 Millionen Eur) rechnen.</p>
<p style="text-align:left">Die Ratifizierung des Übereinkommens durch das kirgisische Parlament setzt also eine Freigebung dieser Gelder voraus. Hier auch fehlt es sowohl an Geld, als auch an politischem Willen.</p>
<p style="text-align:left"><strong>Angesichts der Untätigkeit der Behörden übernimmt die Zivilgesellschaft</strong></p>
<p style="text-align:left">Die Zivilgesellschaft wartete jedoch nicht darauf, dass Regierung und Behörden Kirgistans agierte, um sich in Gang zu setzen. Unterschiedliche Initiativen wurden seit der Unabhängigkeit ins Leben gerufen.</p>
<p><figure id="attachment_15346" aria-describedby="caption-attachment-15346" style="width: 1300px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-15346" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/D.jpg" alt="Hotze Gvulot Assoziation Kirghizstan" width="1300" height="731" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/D.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/D-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/D-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/10/D-1024x576.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1300px) 100vw, 1300px" /><figcaption id="caption-attachment-15346" class="wp-caption-text">Hotze Gwulot ist eine israelische Assoziation, die sich für Menschen mit Behinderung in Kirgistan engagiert</figcaption></figure></p>
<p style="text-align:left">Zum Beispiel wurde die israelische Assoziation <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/le-kirghizstan-en-fauteuil-roulant/">Hotze Gvulot</a> im Sommer 2017 gegründet, mit dem klaren Ziel: überall in Kirgistan zu reisen, und denen den es fehlt, einen Rollstuhl zur Verfügung zu stellen.</p>
<p style="text-align:left">Da der offensichtliche Mangel an Mittel, sich auf das Leben Menschen mit Behinderung in Kirgistan dramatisch auswirkt, kommt eine solche Initiative für ebendiese sehr gelegen.</p>
<p style="text-align:left">Außerdem wurde in September 2017 in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek eine Demo veranstaltet, zu der circa 300 Demonstranten sich beteiligten. Diese forderten unter anderem die Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Ein internationaler Text der sich nicht nur symbolisch, sondern auch konkret auf das Alltagslebens der Menschen mit Behinderung in Kirgistan auswirken kann.</p>
<p style="text-align:right"><strong>Aijan Igemberdiewa</strong><br />
<strong>Journalistin für Novastan in Bischkek</strong></p>
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		<title>Menschen mit Behinderung &#8211; Die Unsichtbaren Kirgistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ainazs]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Nov 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bischkek sind kaum Menschen mit Behinderung zu sehen. Generell ist die Unterst&#252;tzung f&#252;r sie mangelhaft und liegt vor allem in der Hand der Zivilgesellschaft. Ein Kommentar zu den &#34;Unsichbaren Kirgistans&#34;.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Bischkek sind kaum Menschen mit Behinderung auf den Straßen zu sehen. Nur ab und an trifft man einen oder zwei, dann vorwiegend aber als Bettler am Straßenrand. Was sind die Gründe und Ursachen dafür? Wie unterscheiden sich Stadt und Land im Umgang mit Menschen mit Behinderung? Und was wird getan, um sie besser in die Gesellschaft einzugliedern? Ein Kommentar von Ainaz Sulaimanova. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Thema Integration von Menschen mit Behinderung ist in der kirgisischen Presse gerade recht präsent: Seit Neuestem hat Bischkek <u><a class="western" href="http://www.24kg.org/community/187454-v-bishkeke-rasskazhut-ob-uspexe-pervogo-detskogo.html">einen Kindergarten</a></u> speziell für Kinder mit Down-Syndrom und Anfang Oktober wurde der Bau des ersten Spielplatzes für Kinder mit Behinderung <u><a class="western" href="http://ca-news.org/news:1126118/">eingeleitet</a><a class="western" href="http://ca-news.org/news:1126118/">.</a></u> Zwar sind dies wichtige erste Maßnahmen, doch Behinderung ist in der Gesellschaft Kirgistans nach wie vor ein Tabu-Thema.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abseits der Gesellschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Stadtbild Bischkeks sind Menschen mit Behinderung kaum wahrnehmbar, anders verhält es sich in den Dörfern auf dem Land. In Kyzyl-Asker zum Beispiel, in der Region Dschalal-Abad im Süden des Landes, findet man im öffentlichen Raum durchaus Menschen mit Hör- oder Sehschädigungen, ebenso wie mit zerebralen Bewegungsstörungen, zu denen auch Kinderlähmung zählt.</p>
<p style="text-align: justify">Meist werden die Betroffenen ins Dorfleben mit eingebunden, hüten Vieh und ernten Baumwolle mit den anderen. Doch auch wenn das Zusammenleben dort sichtbarer als in den Städten ist, passiert es nicht selten, dass sich Dorfbewohner über sie lustig machen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was macht der Staat</strong><strong> (nicht)? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Abteilung für soziale Fürsorge des Ministeriums für Arbeit und Soziales bietet bestimmte Hilfeleistungen an, wie zum Beispiel eine monatliche Beihilfe bis zum 18. Lebensjahr. Außerdem gibt es Rehabilitationszentren, die im staatlichen Auftrag soziale Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung erbringen. <u><a class="western" href="http://www.mlsp.kg/index.php/ru/otchety-po-kollichestvennym-dannym-o-semyakh-i-detyakh-nakhodyashchikhsya-v-trudnoj-zhiznennoj-situatsii">Laut einem Bericht </a></u>des Ministeriums erhielten im Jahr 2012 25.346 Kinder mit Behinderung eine solche soziale Beihilfe. Im darauffolgenden Jahr stieg diese Zahl auf 26.672 an.</p>
<p style="text-align: justify">Dazu gibt es in Kirgisistan 104 Kinderheime, in denen auch Kinder mit Behinderungen wohnen. Allein in einem davon wohnen 257 Kinder, die teils von ihren Eltern verlassen wurden. Doch die Nachfrage nach solchen Plätze ist größer als das, was geboten wird.</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiteres Problem ist die Infrastruktur. Es ist fast unmöglich, sich mit einem Rollstuhl in der Stadt frei zu bewegen. Die Transportmittel und viele öffentlichen Gebäude sind nicht barrierefrei, und dazu kommen die mangelhaften Zustände der Straßen und viele Treppen. Hörgeschädigte sehen sich einem erschwerten Zugang zur Information konfrontiert. In den nationalen TV-Kanälen werden die Nachrichten nicht in Gebärdensprache gedolmetscht. Vor zehn Jahren gab es eine solche Übersetzung noch, die heute bestenfalls mit Untertiteln ersetzt wird.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 398px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/774/behinderung_bild_2.jpeg" alt="Straße in Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">Hinter der Diskriminierung steht ein gesellschaftliches Problem:</p>
<p style="text-align: justify">Viele Menschen in Bischkek stecken noch im Schwarz-Weiß-Denken fest. Für sie gibt es entweder reich oder arm, Mann oder Frau, gesund oder ungesund. Gefördert werden nur die Erstgenannten. Menschen mit Behinderung entsprechen nicht den Erwartungen von privilegierten Menschen. Viele Menschen in Kirgisistan nehmen Behinderungen als Fehler wahr. Aus diesem Denken entspringen der Hass, die Vernachlässigung und die Diskriminierung, die den Betroffenen oft gegenübertreten. Der gesellschaftliche Druck bringt sogar einige Eltern dazu, ihre behinderten Kinder zu verstecken und darüber zu schweigen. Besonders betroffene Beamte versuchen ihre Kinder zuhause zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Hilfe aus der Zivilgesellschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Großteil der Unterstützung kommt von Nichtregierungsorganisationen. Besonders aktiv sind der lokale <u><a class="western" href="http://kelechek.kg/ru/about/">Verband der Eltern von Kindern mit Behinderung</a></u> (ARDI) und die gesellschaftliche Vereinigung von Frauen mit Behinderung <u><a class="western" href="http://disability.to.kg/organizacii/nazik-kiz">‘Nazik kyz‘ – Zartes Fräulein</a></u>. Letztere organisiert zum Beispiel Modeschauen von selbst designten Kleidern. Mehrere der Hilfsorganisationen, Stiftungen und Vereine in Bischkek werden aus dem Ausland initiiert, finanziert und betrieben, so wie das <u><a class="western" href="https://de-de.facebook.com/pages/Unterstützer-von-Ümüt-Nadjeshda/210700822300758">Rehabilitationszentrum Nadjeschda</a></u><u> </u>oder die <u><a class="western" href="http://www.stiftung-zuversicht-fuer-kinder.org/content/sites/internet/stiftung-kinderhilfe/de/home/unsere-projekte/spaltenzentrum-bischkek.html">Stiftung Zuversicht für Kinder.</a></u></p>
<p style="text-align: justify">Eine ‚Happyend-Geschichte‘ über Jugendliche mit Behinderung bietet das Beispiel des Sozialdorfes ‘Manas’. Dieses Dorf befindet sich 60 km westlich von Bischkek im Ort Murake und wurde 2004 gegründet. Zuerst wurde ein Haus mit Gemüsegarten gebaut. Seitdem hat das Projekt vielseitige Unterstützung bekommen und wird allmählich erweitert. 2007 wurde mit Hilfe einer Spende ein zusätzliches Grundstück gekauft, auf dem eine Holz- und Filzwerkstätte errichtet wurden. Mittlerweile gibt es zwei Häuser, in denen momentan insgesamt 18 Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung wohnen. Es gibt vier Sozialarbeiter, die als Bezugspersonen fungieren. Sie führen ein relativ aktives Leben. Sie züchten Vieh, bauen Gemüse an, produzieren Filzprodukte und verdienen dadurch ihren Lebensunterhalt.</p>
<p style="text-align: justify">Die Fortsetzung dieser Geschichte findet im Gebäude des Dramatheaters in Bischkek statt. Dort treten die „Manas“-Bewohner als Hauptakteure des <u><a class="western" href="http://www.dkk-verein.com/?page_id=2314">Projekts „Heroes“</a></u> auf, das vom Theater Thikwa in Berlin und dem Deutsch-Kirgisischen Kulturverein geleitet wird. Damit soll die Zusammenarbeit von professionellen Schauspielern und Amateurschauspielern mit Behinderung gefördert werden. Ihr Ziel sei es, eine andere Wahrnehmung der Behinderung zu ermöglichen, und die Bühne sei das beste Instrument dazu, sind die Initiatoren überzeugt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie über ähnliche Projekte in Usbekistan: </strong><u><a class="western" href="http://francekoul.com/articles/mit-behinderung-auf-der-buhne"><strong>Mit Behinderung auf der Bühne</strong></a></u></p>
<p style="text-align: justify">Die weit verbreitete Behindertenfeindlichkeit und der Mangel an Inklusion ins soziale Leben führt dazu, dass Menschen mit Beeinträchtigung im Alltag unsichtbar werden. Beispiele wie das Sozialdorf ‚Manas’ oder auch der geplante Spielplatz ändern diese Einstellung in der Gesellschaft. Behinderte Menschen sind kein ‚Klotz am Bein’ sondern gleichberechtigte und arbeitsfähige Menschen. Akzeptanz und Einbindung von behinderten Menschen sind erste Schritte zu mehr Sichtbarkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Ainaz Sulaimanowa </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Ann-Kathrin Rothermel &amp; Daniela Neubacher</strong></p>
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		<title>Mit Behinderung auf der Bühne</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/mit-behinderung-auf-der-buhne/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[dana]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Oct 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Theater Lizo in Taschkent ist eines der ersten in Zentralasien, das Menschen mit Behinderungen integriert. Reportage.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">„Fünf, sechs, sieben. Erhebt euch. Atmet tief in den Brustkorb und konzentriert euch.“ Mit diesen Worten beginnt jede Probe des Theaters <em>Lizo</em> in Taschkent (Usbekistan).</p>
<p style="text-align: justify">Oksana, blind, kommt in einem Postauto an und betritt den Raum mithilfe eines Langstocks. Eine Tür öffnet sich und langsame, entspannende Musik ist zu hören. 15 Personen liegen dort auf dem gefliesten Fußboden, machen eine Übung nach der anderen. „Ihr seid Raketen, große Raketen“, sagt Liliya Pavlovna Sevastyanova dabei zu ihren Schauspielern. Liliya, eine zierliche und fragile Frau von 55 Jahren, ist Gründerin und Direktion des Theaters. Und es ist kein Theater wie jedes andere. Es ist das erste Theater Zentralasiens, das Menschen mit Behinderungen integriert.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/764/1.jpeg" alt="Lizo Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">1982 gegründet, bestand es als Theater für modernen Tanz bis 2000. Doch für Liliya Pavlovna blieben in dieser Zeit bestimmte Fragen unbeantwortet. Vor allem eine Erinnerung ging ihr dabei immer wieder durch den Kopf. Sie war fünf oder sechs Jahre alt und ider Großvater ihrer damals besten Freundin war körperlich behindert. Er hatte seine Beine im Krieg verloren. Seitdem verließ er das Bett nicht mehr, war immobil, inaktiv, sozusagen erstarrt.</p>
<p style="text-align: justify">„Wir haben seinen Anblick gemieden und wussten nicht, wie wir mit ihm umgehen sollten“, erzählt Liliya nach der Probe. „Außer Verwirrung hat er bei mir nichts ausgelöst. Er war vollkommen allein und schrie immer irgendetwas. Er wollte Zigaretten, aber die Ärzte hatten ihm verboten, zu rauchen. Mir war klar, dass diese Situation in gewisser Weise ungerecht war. Ich wusste, dass es in meiner Stadt Menschen mit Behinderung gab, aber so was blieb verborgen, in Dunkelheit und Trostlosigkeit.“ Eine in Zentralasien, wo Menschen mit Behinderung meist unsichtbar bleiben, oft geteilte Erfahrung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Theater, fast wie jedes andere</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das <em>Lizo</em> hat keine eigenen Räume für die Aufführungen seiner Stücke. Sie finden deshalb im Russischen Dramatischen Theater oder im Theater der Jugend, Ilkhom, statt. Bis vor kurzem musste es sogar noch Miete für einen Proberaum zahlen. Mittlerweile hat sich das geändert und es wurden barrierefreie Räume gefunden.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/764/2.jpeg" alt="Theater Lizo" /></p>
<p style="text-align: justify">Heute beginnen hinter den Kulissen die Proben für ein neues Stück, welches „Das eingebildete Porträt“ heißen wird. Liliya fordert die Schauspieler dazu auf, über das Thema Liebe nachzudenken. Auf ihren Reflexionen und Improvisationen soll das Stück basieren. In der Zwischenzeit hält die Direktorin die einzigartigen Erfahrungen der Lizäer – wie sie sich nennen – in ein paar Bildern fest.</p>
<p style="text-align: justify">„Die Liebe umfasst alles, sie leidet, erduldet und vergibt. Und erstrebt dabei nichts für sich selbst“, zitiert Liliya das Evangelium. „Yurochka, sieh in dich hinein, nicht zu deiner Seite, denn in dir existiert etwas sehr spannendes – deine Seele.“ Yurochka gibt sein bestes. Er hat das Downsyndrom.</p>
<p style="text-align: justify">Hier arbeitet jeder auf seine Weise. Liliya lobt den einen, tadelt den anderen. Das hat seinen Grund. Sie glaubt, dass Bewegungen nicht erfunden, sondern geboren werden. „Wenn jemand vor der Aufführung ausfällt, können wir ihn nicht ersetzen. Denn wir simulieren das nicht. Wir spielen niemanden, sondern improvisieren jedes Mal.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/764/3.jpeg" alt="Theater Lizo Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Neben ungefähr 40 Schauspielern mit Behinderung helfen um die 20 Freiwillige bei der Umsetzung der Stücke: sie kümmern sich um die Requisiten, heißen das Publikum willkommen und assistieren den Schauspielern. Shaknoza Babasadykova bereitet die Kostüme für den Tag der Aufführung vor. „Ich gestehe, ich weine. Ich weine jedes Mal. Es ist schwer zu erklären, dass man Leute wie mich nicht leicht zum Weinen bringt.“</p>
<p style="text-align: justify">Alexandra Plotnikova hat Erb-Rott-Muskeldystrophie, eine Muskelerkrankung, und ist seit sieben Jahren beim Theater. „Ich bin zum Theater gegangen, um an meiner Kondition zu arbeiten und habe gelernt, zu fliegen. Dank unseres Trainings spüre ich meinen Körper besser – ich habe ihn erst richtig kennen gelernt. Mehr als einmal habe ich die Behauptung einiger Ärzte widerlegt, die meinten, man könne meinen Zustand nicht verbessern.“</p>
<p style="text-align: justify">Alexandra studiert an einer Niederlassung der Moskau Staatlichen Universität in Taschkent. Sie wird Psychologin. Ihre Freundin und Klassenkameradin, Shaknoza Babasdykova, gesteht, dass sie sich nicht mehr daran erinnern kann, wie Alexandra früher war. „Ich erinnere mich an das letzte Mal, dass wir Sashka angezogen haben: Während meine Freundin sie ausgezogen hat, habe ich ihre Schuhe mit Baumwolle gefüllt, da sie ihr zu groß sind. Das ist immer lustig. Sashka [Alexandra] ist wie eine Puppe, sie kann sich nicht bewegen und wenn wir sie loslassen, fällt sie. Die Kulissen sind sehr eng, wirklich schmal, und dort sollte man dann die Perücken wechseln &#8211; aber dann verliert jemand seinen Hut&#8230; Das kostet uns eine Menge Energie.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Barrierefreie Gebäude sind in Zentralasien selten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Liliya fährt fort, die Geschichte der Geburt des Theaters zu erzählen. In den 1990ern kam sie das erste Mal nach Frankreich. Sie saß auf einer Bank und sah eine Gruppe von Personen vorbeigehen, die an zerebraler Kinderlähmung litten. „Der letzte in der Gruppe blieb stehen, kam zu mir und fing an, mit mir zu sprechen. Ich wusste nicht, wie ich mit ihm kommunizieren sollte.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/764/4.jpeg" alt="Theater Lizo Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">In Zentralasien sind Behinderungen noch immer eine sensible Frage, die kaum diskutiert wird. Die <a href="http://www.eurasianet.org/node/66087">Menschenrechtsberichte</a> für Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan gehen davon aus, dass 2011 mehre tausend Kinder aufgrund einer körperlichen Behinderung nicht eingeschult wurden. Einige Initiativen gibt es, wie der Laden „KoldoShop“ in Bischkek, in dem auch Produkte verkauft werden, die speziell für Menschen mit Behinderung hergestellt wurden. Und vor kurzem wurde, ebenfalls in Bischkek, ein <a href="http://www.24kg.org/community/187454-v-bishkeke-rasskazhut-ob-uspexe-pervogo-detskogo.html">Spielplatz</a> für Kinder mit physischen Beeinträchtigungen eröffnet . Doch dies sind eher Einzelfälle, als die Regel. Seitens des Staates besteht durchaus der Wille, etwas an der Situation zu ändern: es bestehen bereits einige Gesetze, die Menschen mit Behinderung sozialen Schutz gewähren. Doch diese müssen auch umgesetzt werden. Für die Angehörigen bleiben Kinder mit Behinderung eine Bürde, derer sich viele schämen, solange sich die Mentalität in der Gesellschaft nicht ändert.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/764/5.jpeg" alt="Theater Lizo Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Nachdem sie ihnen den Weg von der Entfremdung zur Liebe gezeigt hat, versucht Liliya den Leuten beizubringen, eine Person nicht mit ihrem Körper gleichzusetzen. Der Zuschauer geht diesen Weg, der für sie so lang war, innerhalb weniger Stunden einer Aufführung. „Ich konzentriere mich sehr oft auf mich selbst, mein Leben und meine Probleme“, gibt Ruslan Ergashev zu, Schauspieler des <em>Lizo</em> wie auch des Ilkhom. „Dies hier ist eine kleine Insel: du kommst und verstehst, dass andere es schwerer haben als du. Und dass sie trotzdem die Kraft haben, zu kommen und ihre Arbeit zu machen.“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Dana Oparina</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französichen übersetzt von Luisa Podsadny</strong>
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