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	<title>Bauprojekt Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Bauprojekt Archives</title>
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		<title>Sowjetische Kinos in Ostkasachstan</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jan 2026 06:42:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Bauprojekt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den Vorkriegsjahren begann man in Ostkasachstan mit dem Bau von Kinos, von denen einige typisch und andere einzigartig waren. Der Heimatforscher Artem Smirnov erz&#xE4;hlt von ihrer Entstehung und ihrem weiteren Schicksal. In erster Linie wurden Kinos in den damals wichtigsten Industriezentren der jeweiligen Region gebaut. In der Region Ostkasachstan war dies in den 1930er [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In den Vorkriegsjahren begann man in Ostkasachstan mit dem Bau von Kinos, von denen einige typisch und andere einzigartig waren. Der Heimatforscher Artem Smirnov erzählt von ihrer Entstehung und ihrem weiteren Schicksal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In erster Linie wurden Kinos in den damals wichtigsten Industriezentren der jeweiligen Region gebaut. In der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ostkasachstan">Ostkasachstan</a> war dies in den 1930er Jahren die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ridder">Ridder</a>. Mit der Inbetriebnahme des <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A3%D0%BB%D1%8C%D0%B1%D0%B8%D0%BD%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D0%93%D0%AD%D0%A1">Ulbinskaia-Wasserkraftwerks</a>, einer Anreicherungsfabrik und einer Bleifabrik sowie der Fertigstellung des Eisenbahnbaus schritt die industrielle Entwicklung der alten Bergbausiedlung mit Riesenschritten voran.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Meilenstein der Kinokultur: Das moderne Lichtspielhaus von Ridder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Ersatz für die um das Industriegelände herum entstandene Altstadt waren Viertel der Neustadt vorgesehen, die südwestlich des bestehenden Wohngebiets auf einem Plateau in der Nähe des Berges Matrenin Sokolok geplant waren. Noch in den Vorkriegsjahren, lange vor dem neu gegründeten regionalen Zentrum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Ust-Kamenogorsk</a>, entstanden in Ridder die ersten vierstöckigen Häuser. Diese Häuser wurden am Anfang der heutigen Prospekte Nezavisimosti und Gagarin in einem Stadtteil namens Novostroika gebaut. Viel früher als in anderen Städten der Region wurde hier auch ein Kino gebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/das-kinotheater-heimat-filme-haben-wir-nur-zuschauer-nicht/">Das Kinotheater „Heimat“: Filme haben wir, nur Zuschauer nicht</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 21. September 1939 wurde in Ridder, im Stadtteil Novostroika, ein modernes Kino eröffnet. Das Gebäude verfügte über einen Kinosaal mit 500 Plätzen, einen Buffetbereich und einen Lesesaal, außerdem war ein Bereich für ein Jazzorchester vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Entwurf des Kinos stammt vom Architekten <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%B0%D0%BB%D0%BC%D1%8B%D0%BA%D0%BE%D0%B2,_%D0%92%D0%B8%D0%BA%D1%82%D0%BE%D1%80_%D0%9F%D0%B5%D1%82%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87">Viktor Petrovitş Kalmykov</a> – in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre der führende Spezialist für die Planung und den Bau von Kinos in der Sowjetunion.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Architektur und Nachnutzung des <em>„Kinos auf der Neubausiedlung“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt des Kinos mit 500 Plätzen war sowohl hinsichtlich seines Aussehens als auch seines Charakters fortschrittlich. Der Architekt war einer der ersten, der das Konzept eines neuen Typs von Veranstaltungsort für Filmvorführungen und kulturelle Freizeitaktivitäten vorschlug. Ähnliche Kinos entstanden in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Karaganda</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qysylorda">Kyzylorda</a>, einige weitere in verschiedenen Städten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Sozialistische_F%C3%B6derative_Sowjetrepublik">RSFSR</a> [Anm. d. Red.: Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik].</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Den Einwohner:innen von Ridder, seit 1941 Leninogorsk, war das Gebäude als <em>„Kino auf der Neubausiedlung”</em> bekannt. Offiziell erhielt es den Namen des Parteifunktionärs <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lasar_Moissejewitsch_Kaganowitsch">Lazar Kaganovitsch</a>. 1957 wurde das Kino zu Ehren des Dichters <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Wladimirowitsch_Majakowski">Vladimir Maiakovski</a> umbenannt. Danach hieß es <em>„Kino Maiakovski“</em> und befand sich in Leninogorsk, Prospekt Lenina 6 (heute Ridder, Prospekt Nezavisimosti).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1998 wurde das Gebäude an Privatpersonen verkauft und umgebaut, heute befindet sich dort ein Minimarkt. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes ist jedoch erhalten geblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ust-Kamenogorsk: Verzögerungen und der klassische Stil</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was das regionale Zentrum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Ust-Kamenogorsk</a> betrifft, so wurde die Bevölkerung der Stadt viele Jahre lang von einem einzigen Kino aus der Zeit vor der Revolution versorgt – dem <em>„Oktyabr“</em>, ursprünglich <em>„Echo“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während in Ridder vor Beginn des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Gro%C3%9Fen_Vaterl%C3%A4ndischen_Krieges_der_Sowjetunion">Großen Vaterländischen Krieges</a> zumindest ein Teil des Neuen Stadtviertels fertiggestellt werden konnte, wurde in Ust-Kamenogorsk sogar die Renovierung des alten Kinogebäudes verschoben, ganz zu schweigen vom Bau eines neuen Gebäudes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goskino">Ministerium für Kinematografie</a> plante für 1952 den Bau eines Kinos in Ust-Kamenogorsk. Dazu musste man sich jedoch an die höchsten Instanzen wenden: Der einzige Generalunternehmer in Ust-Kamenogorsk in jenen Jahren, der Trust <em>„Altaisvinetsstroi“</em>, war nicht daran interessiert, Arbeiten an einem Kulturprojekt zu übernehmen. Die Stadt- und Regionalverwaltung konnte erreichen, dass sich der Trust verpflichtete, mit den Arbeiten an einem Musterkino zu beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Bau wurde ein Grundstück unweit des Stadtzentrums ausgewählt, an der Krasnooktyabrskaia-Straße – heute Prospekt Auezov, an der Kreuzung mit der Maxim-Gorki-Straße. Als Grundlage diente ein in der UdSSR weit verbreiteter Entwurf für ein Kino im bewusst <em>„klassischen”</em> Stil, dessen Architektin, <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D1%80%D0%BE%D0%B4,_%D0%97%D0%BE%D1%8F_%D0%9E%D1%81%D0%B8%D0%BF%D0%BE%D0%B2%D0%BD%D0%B0">Zoia Osipovna Brod</a>, an den Staatlichen Architekturwerkstätten beim Ministerrat der UdSSR war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1953 berichteten die regionalen Zeitungen: Der Bau des Kinos mit 360 Plätzen, das bald unter dem Namen <em>„Vostok”</em> bekannt wurde, wurde vorzeitig abgeschlossen, wobei sich das Team der neu gegründeten Baufirma <em>„Kultbytstroi”</em> des Trusts <em>„Altaisvinetsstroi”</em> besonders hervorgetan hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein tragischer Zwischenfall: Der Deckeneinsturz im „Vostok“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch schon bald wurde das Kino auf traurige Weise <em>„berühmt”</em>. Am 9. September 1954 stürzte die Decke des Zuschauer:innen-Raums ein. Dies geschah weniger als ein Jahr nach der Fertigstellung des Gebäudes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/oeskemen-leben-mit-dem-smog/">Öskemen: Leben mit dem Smog</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner:innen der Stadt erinnern sich: Dieser Vorfall wurde sogar im Physikunterricht der Oberstufe als typisches Beispiel für das Phänomen der Resonanz behandelt. Auslöser war ein Ventilator, der nach Ende der Filmvorführung eingeschaltet wurde, um den Saal zu lüften. Die Vibrationen des Ventilators übertrugen sich auf die Deckenbalken, was zum Einsturz führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Untersuchungskommission stellte fest: Die Deckenkonstruktionen wurden im Mai 1953 von <em>„Kultbytstroi“</em> montiert und installiert, wobei das Material auf persönliche Anweisung des Bauleiters ohne jegliche Berechnungen und Abstimmungen ausgetauscht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glücklicherweise wurde bei dem Vorfall niemand verletzt, es entstand lediglich ein Sachschaden in Höhe von 45.000 Rubel (ca. 500 €).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Kinderkino zum Handelsstandort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1965 war das Kino in der Krasnooktyabrskaia-Straße 47 als Kinderkino <em>„Orlenok“</em> bekannt – unter diesem Namen war es etwa 30 Jahre lang in Betrieb. Genau hier konnten viele der älteren Einwohner:innen von Ust-Kamenogorsk als Kinder zum ersten Mal Kinofilme und Zeichentrickfilme sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Beginn der 90er Jahre und dem Niedergang des regionalen Kinonetzwerks wurden die Vorführungen eingestellt. Mitte der 90er Jahre gab es Versuche, das Kinogebäude wieder seiner ursprünglichen Nutzung zuzuführen, doch schließlich wurde es 1999 verkauft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infolgedessen wurde das ehemalige Kino <em>„Orlenok”</em> zunächst als Nachtclub und später als Wettbüro bekannt. Heute beherbergt das Gebäude verschiedene Handelsunternehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zyrianovsk und Schemonaicha: Regionale Eigenentwürfe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kino <em>„Vostok“</em>, auch bekannt als <em>„Orlenok“</em>, wurde nach einem bekannten Standardentwurf gebaut. Im Gegensatz dazu entstanden im gleichen Zeitraum in zwei Ortschaften der Region Ostkasachstan Gebäude, die sich durch ihre architektonische Gestaltung auszeichneten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1949 wandte sich die regionale Kinobehörde an das Planungsbüro <em>„Oblproekt“</em> in Ust-Kamenogorsk: Es sollte ein neues Kino gebaut werden. So wurden bereits im August 1949 die Entwürfe für ein Kino mit 300 Plätzen für <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D0%BB%D1%82%D0%B0%D0%B9_(%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%B4,_%D0%9A%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D1%85%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD)">Zyrianovsk</a> und <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A8%D0%B5%D0%BC%D0%BE%D0%BD%D0%B0%D0%B8%D1%85%D0%B0">Schemonaicha</a> vorbereitet. Die Autor:innen des Projekts waren die Architekt:innen Gennadi Nikolaievitsch Alekseiev und Tamara Nikolaevna Vinogradova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise stellte die Autorin auf der Zeichnung der Hauptfassade Plakate der 1949 beliebten <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D1%87%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%BB%D0%B8%D0%B2%D1%8B%D0%B9_%D1%80%D0%B5%D0%B9%D1%81">Filmkomödie <em>„Glückliche Reise”</em></a> dar.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gemeinsame Pläne und bauliche Besonderheiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau des neuen Kulturgebäudes in Schemonaicha war bereits in den Vorkriegsjahren geplant, jedoch beschränkte sich das Vorhaben lediglich auf die Errichtung des Fundaments. Da laut Auftrag des Kunden – der Kinobehörde – beide Gebäude nach einem einheitlichen Entwurf gebaut werden sollten, wurden die Abmessungen des alten Fundaments auf das neu zu errichtende Kino in Zyrianovsk (heute Altai) übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/weibliches-kino-aus-zentralasien/">Weibliches Kino aus Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Zuschauer:innen-Raum, dem Kassenbereich, dem Foyer und den Technikräumen wurden in den Entwürfen auch die Unterbringung einer Snackbar und eines Clubraums berücksichtigt. Der Entwurf sah drei Varianten für die Seitenfassaden vor: mit kleinen Fenstern, mit großen Fenstern und ohne Fenster. Tatsächlich wurde in beiden Ortschaften die Variante ohne Fenster im Zuschauer:innen-Raum umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wandmaterial beider Gebäude war laut Projekt Schlackenbeton, im Gegensatz zu anderen Backsteingebäuden. Diese Wahl war für Shemonaikha besonders relevant, da Backsteine Mangelware waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise schlug der Leiter der Abteilung für Kinofilmverbreitung des Bezirks Zyrianovo, I. Loktev, im selben Jahr 1949 ein eigenes Projekt für ein Freizeitgebäude vor. Neben einem Kinosaal, einem Lesesaal und einem Foyer vergaß der Beamte nicht, auch sein eigenes Arbeitszimmer in den Entwurf aufzunehmen. Offensichtlich wurde diese Variante nicht angenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die regionale Architekturabteilung lehnte auch den ursprünglichen Entwurf des Masterplans für das Kino in Zyrianovsk ab, der 1949 von <em>„Oblproekt“</em> erstellt worden war. Tatsächlich wurde das Gebäude im selben Stadtteil, am Ende der Sovetskaia-Straße in der Nähe des Flusses Maslianka, errichtet, jedoch um 180 Grad gegenüber dem zuvor genehmigten Plan gedreht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Schicksal der Kinos <em>„Rodina“</em> und <em>„Zaria“</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kino in Zyrianovsk erhielt den Namen <em>„Rodina“</em> und wurde bis 1953 fertiggestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Masterplan für den Bau des Gebäudes in Schemonaicha blieb unverändert: Das Gebäude wurde im Zentrum des Dorfes auf einem vorhandenen Fundament aus Schotter und Beton entlang der Bazarnaia-Straße (später Tschapaev-Straße, heute Alexander-Kaporin-Straße) gegenüber dem Marktplatz und neben der Ostrovski-Mittelschule errichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So große Bauwerke in Städten und Arbeitersiedlungen wurden in der Regel unter Einbeziehung eines Generalunternehmers errichtet. Dazu gehörten beispielsweise der Trust <em>„Bolschoi Ridder“</em> in den 1930er Jahren und der Trust <em>„Altaisvinetsstroi“ </em>in den 1950er Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau des Kinos in Schemonaicha wurde hingegen von der örtlichen Kinobehörde geleitet – auf wirtschaftliche Weise, nach der Methode des <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D0%BE%D1%80%D1%8C%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B5%D1%82%D0%BE%D0%B4"><em>„Volksbaus”</em></a>. Die ersten Arbeiten begannen 1949, im Laufe des folgenden Jahres wurden die Schlackenbetonwände gegossen. Im Juli 1950 wurde der Bau jedoch eingestellt, und aufgrund aller Änderungen in der Kostenvoranschlagsdokumentation und fehlender Finanzierung wurde der Bau erst 1952 fortgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. August 1953 wurde der Bau des Kinos abgeschlossen und darin eine Parteikonferenz des Bezirks Schemonaicha abgehalten. Damals wurde auch der Vorschlag gemacht, das Kino <em>„Zaria”</em> zu nennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Privatisierung hat auch die Kinosäle von Zyrianovsk und Schemonaicha nicht verschont, aber die Gebäude blieben erhalten. Das Material der Wände – Schlackenbeton – konnte kaum wiederverwendet werden, was man von vielen Gebäuden in der Region Ostkasachstan nicht behaupten kann, die bis auf die Grundmauern abgerissen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/aus-der-blauen-steppe-kommen-wir-ein-schulexperiment-im-kasachischen-hinterland/">Aus der blauen Steppe kommen wir – Ein Schulexperiment im kasachischen Hinterland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kino <em>„Zaria“</em> in Schemonaicha wird als Verkaufsstelle genutzt. Dabei sind noch immer die ursprünglichen architektonischen Details erhalten, die stellenweise durch eine neue Verkleidung verdeckt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kino <em>„Rodina“</em> in der Stadt Altai – im ehemaligen Zyrianovsk – sieht zwar nach Jahrzehnten noch intakt aus, ist aber komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Es befindet sich auf einem privaten, umzäunten Grundstück. Auf Fotos aus dem Jahr 2012 sind noch originale Details des Gebäudes zu sehen. Heute ist das ehemalige Kino neu verputzt und seiner <em>„ursprünglichen“</em> Verzierungen beraubt, auch die Fenster sind ausgetauscht worden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein architektonisches Erbe Ostkasachstans</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">So wurde in der Region Ostkasachstan für den Bau von Kinos ein wenig verbreitetes, fortschrittliches Projekt verwendet, das zudem zeitlich weit zurückliegt – in die Vorkriegsjahre. Außerdem wurde ein weit verbreitetes Projekt im neoklassizistischen Stil verwendet. Schließlich wurde ein völlig einzigartiges Projekt von Architekt:innen aus Ust-Kamenogorsk umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei der Erstellung dieses Textes wurden Materialien aus dem Staatsarchiv der Region Ostkasachstan verwendet.</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Artem Smirnov, Ortskundler, Ust-Kamenogorsk, für Vlast</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/gorod/64018-sovetskie-kinoteatry-vostocnogo-kazahstana.html">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



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		<title>In Kirgistan soll eine neue „Ökostadt“ gebaut werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Jul 2023 11:22:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Asman]]></category>
		<category><![CDATA[Bauprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[Ökostadt]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebau]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Yssykkölsee]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kirgistan soll am Yssykk&#xF6;lsee eine neue &#x201E;intelligente Stadt&#x201C; entstehen, um die touristische Entwicklung voranzutreiben. Doch dieses gro&#xDF;e und teure Bauprojekt st&#xF6;&#xDF;t auf gro&#xDF;e Herausforderungen, und ist bei weitem nicht unumstritten. Am 30. Juni wurde der Grundstein f&#xFC;r die futuristische Stadt &#x201E;Asman&#x201C; (kirgisisch f&#xFC;r Himmel) gelegt und somit ein Bauprojekt eingeleitet, das in Kirgistan schon [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Kirgistan soll am Yssykkölsee eine neue „intelligente Stadt“ entstehen, um die touristische Entwicklung voranzutreiben. Doch dieses große und teure Bauprojekt stößt auf große Herausforderungen, und ist bei weitem nicht unumstritten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. Juni wurde der Grundstein für die futuristische Stadt „Asman“ (kirgisisch für Himmel) gelegt und somit ein Bauprojekt eingeleitet, das in Kirgistan schon lange für Gesprächsstoff sorgt. Die zukünftige Stadt liegt an der Nordküste des Yssykkölsees, etwa 20 km östlich von der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balyktschy">Balyktschy</a>. Den Behörden zufolge soll sie innerhalb eines Jahrzehnts gebaut werden und die Baukosten – geschätzt knapp 18 Milliarden Euro – von privaten Investoren übernommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Konzept für „Asman“ wurde erstmals im Juli 2021 <a href="https://24.kg/vlast/200069_svyisotyi_budet_vyiglyadet_kak_komuz_naissyik-kule_postroyat_gorod_buduschego/">vorgestellt</a>: eine futuristisch anmutenden „Ökostadt“ oder auch „intelligenten Stadt“ in einem Land, das unter der globalen Erwärmung und der Umweltverschmutzung besonders stark leidet. „<em>Bei der Planung, der Entwicklung und dem Nachdenken über jedes Detail der Infrastruktur werden wir sorgfältig auf die Einhaltung von Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsstandards achten</em>“, zitiert das kirgisische Medium <a href="Bei%20der%20Planung,%20der%20Entwicklung%20und%20dem%20Nachdenken%20über%20jedes%20Detail%20der%20Infrastruktur%20werden%20wir%20sorgfältig%20auf%20die%20Einhaltung%20von%20Umweltschutz-%20und%20Nachhaltigkeitsstandards%20achten">Vesti.kg</a> den Staatspräsidenten <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/sadyr-dschaparow-der-volksfluesterer/">Sadyr Dschaparow</a> bei der Grundsteinlegung. „<em>Wir werden die weltweit besten Praktiken in den Bereichen Wasserressourcenmanagement, Abfallentsorgung und Heizsysteme übernehmen</em>“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt soll eine Fläche von über 4&nbsp;000 Hektar einnehmen, den Tourismus fördern, und als neues Finanzzentrum die Hauptstadt Bischkek entlasten. Zuvor müssen sich die für den Bau verantwortlichen kirgisischen Behörden jedoch großen Herausforderungen stellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Den Tourismus und die Wirtschaft fördern</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner Rede merkte Dschaparow weiter an, dass der Bau einer innovativen Stadt am Ufer des Yssykkölsees Kirgistan zu einem Wirtschafts- und Tourismuszentrum machen werde. „<em>Wenn diese Stadt voll ausgelastet ist und Kumtör</em> <em>die Wirtschaft unseres Landes als Ganzes antreibt, dann wird diese Stadt in Zukunft ebenso eine wirtschaftliche Lokomotive für unseren Staat sein</em>&#8222;, zitiert ihn das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://economist.kg/novosti/2023/06/30/gorod-asman-kak-i-kumtor-budiet-prinosit-pribyl-v-obshchii-biudzhiet-strany-sadyr-zhaparov/">Economist.kg</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/aalam-ordo-eine-kirgisische-utopie/">Aalam Ordo – eine kirgisische Utopie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kumtör, die größte Goldmine des Landes, befindet sich in der Nähe des gegenüberliegenden Seeufers. Ihre umstrittenen <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-kumtoer-goldmine-verstaatlicht/">Nationalisierung</a> im April 2022 war ein besonderes politisches Anliegen des 2020 an die Macht gelangten Präsidenten, welcher selbst aus der Region Yssykköl stammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt soll laut dem zentralasiatischen Medium <a href="https://cabar.asia/ru/kyrgyzstan-asman-gorod-budushhego-ili-illyuzij">Cabar</a> zwischen 500.000 und 700.000 Einwohner bekommen und über eine Infrastruktur für Unternehmen, Gesundheits- und Geschäftszentren, Stadien, High-Tech-Parks sowie Finanz- und Kreditinstitute verfügen. Eine wahre Metropole an den Ufern des Yssykkölsees, die aus der Luft betrachtet dem nationalen Musikinstrument, dem Komuz, ähneln wird. &nbsp;&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aufs grüne Setzen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Präsidenten soll die gesamte städtische Infrastruktur in Asman mithilfe modernster Technologien entwickelt werden, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Schaffung von Grünflächen zu minimieren. So soll etwa ein ausgewogenes System der Abfallwirtschaft eingeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Produktionsinfrastruktur soll auf High-Tech-Entwicklungen mit extensiver Nutzung alternativer Energiequellen, optimalem Ressourcenverbrauch, umweltfreundlichen Verkehrsmitteln sowie der Einhaltung der Prinzipien einer grünen Wirtschaft basieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Misstrauen und Bedenken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das futuristische Projekt auf dem Papier verlockend klingt, sind viele Beobachter skeptisch. Die analytische Zeitschrift Cabar stellt fest, dass seit der Unabhängigkeit der Kirgisischen Republik keine groß angelegte Anlage gebaut wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatasächlich entsprechen die 20 Milliarden US-Dollar, die für den Bau der Stadt benötigt werden, dem 14-fachen des jährlichen Volumens aller Anlageinvestitionen in der Republik. Es ist auch 4,5-mal mehr, als Kirgistan in den 26 Jahren der Entwicklung der Kumtör-Goldmine an Investitionen aus Kanada, dem Heimatland ihres vorherigen Betreibers Centerra Gold, erhalten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich ist auch der Zeitplan sehr vage gehalten. Auf dem <a href="https://www.instagram.com/asman_ecocity/">Instagram-Account</a> dieser „Ökostadt“ ist seit dem Frühjahr 2022 nichts Neues mehr veröffentlicht worden. Nur einige Posts kündigen den „baldigen“ Bau der Stadt an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wer wird’s bezahlen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Finanzierung dieses gigantischen Projekts wirft zahlreiche Fragen auf. 24.kg <a href="https://24.kg/vlast/230415_stroitelstvo_asmana_vbishkek_pribyili_predstaviteli_frantsuzskih_kompaniy/">berichtete</a>, dass 2021 eine erste Ankündigung gegenüber Journalisten gemacht wurde, dass ein französisches Unternehmen der Hauptinvestor von Asman sein würde, ohne dass diese Erklärung weiterverfolgt wurde. Auch der Abgeordnete Ravchan Sabirow hatte Journalisten gegenüber erklärt, dass der Bau im März 2022 beginnen würde, ohne dass ein Stein gesetzt worden wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/in-turkmenistan-ist-die-arkadag-manie-in-vollem-gange/">In Turkmenistan ist die Arkadag-Manie in vollem Gange</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ruslan Akmatalijew, Autor des Projekts, sagte in einem Interview mit <a href="https://economist.kg/vlast/2023/06/29/untitled-18/">Economist.kg</a>, dass das koreanische Unternehmen Promise Land der erste Investor sein würde, der mit dem Bau von Anlagen in Asman beginnt. „<em>Wir haben bereits einen Vertrag über mehr als eine Milliarde US-Dollar</em> (890 Millionen Euro) <em>unterzeichnet und sie sind bereit, bis zu 10 Milliarden US-Dollar zu investieren</em>,“ erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cabar stellt fest, dass von keinen weiteren interessierten Geschäftsleuten die Rede ist. Auch ist unklar, wie Investitionen in den Stadtbau anders als durch spätere Immobiliengeschäfte rentabilisiert werden können, so <a href="https://economist.kg/ekonomika/2023/07/05/asman-i-arkadagh-sravnieniie-umnykh-ghorodov-tsientralnoi-azii/">Economist.kg</a>. Die Tatsache, dass die Projektleiter des Bauprojekts in den letzten zwei Jahren mehrmals ausgetauscht wurden, stellt keine Stabilität für den reibungslosen Ablauf dar. So könnte die „Ökostadt“ Asman lange noch ein Traumschloss bleiben. &nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet<br>Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Französischen von Florian Coppenrath</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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