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	<title>Balqash Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 27 Apr 2025 16:32:41 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Balqash Archives</title>
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	<item>
		<title>Die Rückkehr des Tigers: Weiterer Schritt zum Aufbau einer Population in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Apr 2025 16:32:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Artenvielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Auswilderung]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Tiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan m&#xF6;chte seine Tigerpopulation wiederherstellen. Im Rahmen des Projekts werden nun drei oder vier Exemplare aus Russland ins Land geholt. Kasachstans Minister f&#xFC;r Umwelt und nat&#xFC;rliche Ressourcen, Erlan Nysanbaev, hat mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr Tiger aus den Niederlanden ins Land gebracht worden seien. Die Gro&#xDF;katzen werden in Gehegen im Ili-Balqash-Reservat gehalten. &#x201E;Ich m&#xF6;chte sagen, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan möchte seine Tigerpopulation wiederherstellen. Im Rahmen des Projekts werden nun drei oder vier Exemplare aus Russland ins Land geholt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstans Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen, Erlan Nysanbaev, hat mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr Tiger aus den Niederlanden ins Land gebracht worden seien. Die Großkatzen werden in Gehegen im Ili-Balqash-Reservat gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich möchte sagen, dass es ihnen sehr gut geht. Darüber hinaus haben wir den Medien und über soziale Netzwerke mitgeteilt, dass wir bereits Hinweise auf eine Paarung haben. Wir hoffen, bis Ende des Jahres Nachwuchs zu bekommen. Im Februar fand im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung ein Treffen mit russischen Kollegen statt. Eine Gruppe von Tigerspezialisten aus Russland ist gekommen: Wir haben ihnen die Infrastruktur gezeigt, die für die Tiger vorbereitet wird, die wir aus Russland beziehen wollen“</em>, wird Nysanbayev von <a href="https://www.inform.kz/ru/eshe-neskolkih-turanskih-tigrov-privezut-v-kazahstan-iz-rossii-2a1218">Kazinform</a> zitiert.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr <a href="https://www.inform.kz/ru/kogda-v-kazahstan-zavezut-amurskih-tigrov-iz-rossii-e8e2d8">plant</a> das Ministerium, drei oder vier weitere Tiger anzusiedeln. <em>„Auf diese Weise werden wir mit der groß angelegten Umsetzung des Projekts zur Einführung des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspischer_Tiger"><em>Turantigers</em></a><em> beginnen. Wir diskutieren noch über die Fristen. Auf jeden Fall ist das gegenseitige Verständnis gut“</em>, fügte der Minister hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein ehrgeiziges Projekt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die <a href="https://kazpravda.kz/n/vozvrashchenie-turanskogo-vlastelina/">Kasachstanskaja Prawda</a> darlegt, kündigte Kasachstan im Jahr 2010 auf einem internationalen Forum in St. Petersburg die Absicht an, wieder Tiger auszuwildern. Dank der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/WWF">World Wide Fund for Nature (WWF)</a> und Kasachstan wurden zwei Tiger vom niederländischen Raubtier-Spezialzentrum Landgoed Hoenderdaell Zoo in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Paulowna">Anna Paulowna</a> in das am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> gelegene staatliche Naturschutzgebiet Ili-Balqash <a href="https://www.inform.kz/ru/amurskih-tigrov-privezli-v-kazahstan-iz-niderlandov-53cd14">geliefert</a>. Dies war ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Ökosystems und zur Rückkehr der Artenvielfalt. Das Programm wird vom Ausschuss für Forstwirtschaft und Wildtiere des kasachstanischen Umweltministeriums und mit Unterstützung des WWF und des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/rueckkehr-tiger-am-balqash-see/"><strong>Wie am Balqash-See die Rückkehr des Tigers vorbereitet wird</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2025 sollen gemäß einer Vereinbarung mit Russland drei bis vier wilde Tiger nach Kasachstan gebracht werden. Diese werden in Gefangenschaft leben, doch man geht davon aus, dass ihre Nachkommen wieder zu wilden Tigern werden und nach über 70 Jahren wieder ins Kasachstans Wildnis zurückkehren werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kaspischer Tiger, Amurtiger, Turantiger: Was ist der Unterschied?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) oder Turantiger war eine Unterart des Tigers, die seit den 1970er Jahren als ausgestorben gilt. Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirischer_Tiger">Amurtiger</a> oder Sibirische Tiger (Panthera tigris altaica) ist in Russlands Fernem Osten beheimatet. Ob es sich um unterschiedliche Unterarten handelt oder ob alle „Festland-Tiger“ als eine Unterart zu behandeln sind, ist immer wieder <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tiger-in-asien-gibt-es-sechs-unterarten-a-1235399.html">Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen</a>. Die Namen „Amurtiger“ und „Turantiger“ werden derzeit von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) eher als geografische Populationen denn als separate Tierunterarten <a href="https://www.inform.kz/ru/amurskih-tigrov-privezli-v-kazahstan-iz-niderlandov-53cd14">betrachtet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß dieser Sichtweise gelten die Tiger der Amur-Population, die nach Kasachstan gebracht wurden und dort eine stabile Population gebildet haben, aufgrund ihrer territorialen Merkmale automatisch als Tiger der Turan-Population.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Samad Alizade für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/tigres-de-la-caspienne-bientot-amenes-kazakhstan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan: Ein Referendum über die Nutzung ziviler Atomkraft</title>
		<link>https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstan-ein-referendum-ueber-die-nutzung-ziviler-atomkraft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Eléonore Darasse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 14:51:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Ülken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit f&#xFC;hrende Uranproduzent versucht, seine Abh&#xE4;ngigkeit von Kohle zu verringern. Das Referendum &#xFC;ber den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev am 2. September w&#xE4;hrend seiner j&#xE4;hrlichen Rede zur Lage [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird Kasachstan ein Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks abhalten. Der weltweit führende Uranproduzent versucht, seine Abhängigkeit von Kohle zu verringern.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan findet am 6. Oktober statt. Dies gab Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> am 2. September während seiner jährlichen <a href="https://akorda.kz/ru/poslanie-glavy-gosudarstva-kasym-zhomarta-tokaeva-narodu-kazahstana-spravedlivyy-kazahstan-zakon-i-poryadok-ekonomicheskiy-rost-obshchestvennyy-optimizm-285014">Rede</a> zur Lage der Nation bekannt. Die Möglichkeit, Atome zur Stromerzeugung in Kasachstan zu nutzen, wurde von Toqaev im Juni 2019, wenige Tage nach seinem Amtsantritt als Präsident, erstmals ins Spiel gebracht. Bei dieser Gelegenheit sei auch die Möglichkeit eines Referendums zur Lösung der Frage erwähnt worden, berichtete damals das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-ob-aes-esli-ponadobitsya-provedem-referendum-371061/">Tengrinews</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wirtschaftliche Entwicklung ist ohne eine stabile Energieversorgung nicht möglich. Deshalb habe ich darum gebeten, die Frage des Baus eines Kernkraftwerks zu untersuchen. Es gibt derzeit eine breite Debatte und es werden unterschiedliche Standpunkte geäußert“</em>, erklärte Toqaev im Juni dieses Jahres während einer <a href="https://akorda.kz/ru/vystuplenie-prezidenta-kasym-zhomarta-tokaeva-na-torzhestvennoy-ceremonii-po-sluchayu-nagrazhdeniya-rabotnikov-smi-275430">Rede</a> bei einer Preisverleihung für Medienschaffende. <em>„Das Land verfügt über große Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Kernenergie. Es ist wichtig, diese richtig und effizient zu nutzen. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage wird vom Volk getroffen“</em>, fuhr er fort.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Sind Sie mit dem Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan einverstanden?“</em> Dies ist laut <a href="https://akorda.kz/ru/o-provedenii-6-oktyabrya-2024-goda-respublikanskogo-referenduma-282222">Präsidialerlass</a> vom 2. September die Frage, die der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. September organisierte die Zentrale Referendumskommission Kasachstans (ORK) eine Pressekonferenz, um die Modalitäten für die Organisation der Abstimmung vorzustellen. Dies berichtete <a href="https://www.azattyq.org/a/33104102.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Mehr als 10.000 Wahllokale, davon 78 im Ausland, werden von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein, um den mehr als 12 Millionen Wahlberechtigten gerecht zu werden. Die Organisation des Referendums werde umgerechnet 28 Millionen Euro kosten, teilte die ORK mit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoher Strombedarf</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Nutzung ziviler Kernenergie möchte Kasachstan seinen Energiemix diversifizieren und so die eigene Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, aber auch die Luftverschmutzung durch CO2-Emissionen verringern. Es geht auch darum, eine stabile Versorgung zu gewährleisten, da die Nachfrage nach Strom steigt. Dies ist Folge des Bevölkerungswachstum, einer dynamischen Wirtschaft, sowie des energieintensiven <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/aufraeumen-nach-ftx-kasachstan-strebt-regulierung-der-kryptobranche-an/">Krypto-Minings</a>, welches in Kasachstan floriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einer Regierungssitzung im August erinnerte Energieminister Almasadam Sätqaliev daran, dass die Stromproduktion in Kasachstan immer noch mit 66 Prozent größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt. Und obwohl der Sektor der erneuerbaren Energien mit einem Anteil von rund 6 Prozent wächst, was insbesondere auf das Ziel der CO2-Neutralität bis 2060 zurückzuführen ist, gebe es <a href="https://primeminister.kz/ru/news/asatkaliev-na-sovremennom-etape-alternativy-aes-net-28990">laut Sätqaliev</a> <em>„derzeit keine Alternative zu Kernkraftwerken“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Internationale Finanzinstitutionen weigern sich, in den Bau von Kohlekraftwerken zu investieren. Unsere Gasressourcen sind begrenzt. Erneuerbare Energien können aufgrund ihrer Abhängigkeit von natürlichen und klimatischen Bedingungen keine zuverlässige Stromerzeugung gewährleisten“</em>, begründet der Minister den Spannungsbogen zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Klimanotstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/entwicklung-erneuerbarer-energien-in-kasachstan-ein-interview-mit-ainur-sospanova/"><strong>Entwicklung erneuerbarer Energien in Kasachstan – ein Interview mit Ainur Sospanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zentralasien, einer Region fernab aller Meere, herrscht kontinentales Klima. Der Sommer ist heiß und der Winter kalt und lang. Diese Bedingungen führen zu Spitzen im Stromverbrauch. Berechnungen zufolge wird die Stromproduktion in Kasachstan bis 2035 voraussichtlich auf weniger als 135 Milliarden Kilowattstunden sinken. Nach Prognosen des Ministeriums soll der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum jedoch bis zu 152,4 Milliarden Kilowattstunden erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist schnelles Handeln geboten, zumal Kasachstan wie die gesamte Region bereits regelmäßig <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/?noredirect=de-DE">mit Engpässen konfrontiert</a> ist. Falls es eine entsprechende Mehrheit im Referendum gibt, soll das Atomkraftwerk Berechnungen zufolge bis 2035 circa <a href="https://www.inform.kz/ru/planiruemaya-k-stroitel-stvu-aes-zakroet-do-12-energopotrebleniya-k-2035-godu_a4067119/">12 Prozent</a> des Verbrauchs decken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nukleares Erbe</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befürworter:innen argumentieren, dass Kasachstan alle günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung der Kernenergie erfülle. Vor allem der Brennstoff Uran ist im Land reichlich vorhanden. Nach Angaben der <a href="https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan#:~:text=In%202022%2C%20Kazakhstan%20produced%2043,fuel%20rather%20than%20just%20uranium.">World Nuclear Association</a> wurden im Jahr 2022 43 Prozent des weltweiten Urans in Kasachstan gefördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land wurde als Sitz der <a href="https://www.iaea.org/topics/iaea-low-enriched-uranium-bank">Bank für niedrig angereichertes Uran (LEU)</a> der <a href="https://www.iaea.org/">Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)</a> ausgewählt. Die Anlage befindet sich im metallurgischen Werk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulba_(Unternehmen)">Ulba</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Öskemen">Öskemen</a> und hat die Aufgabe, eine sichere und stabile Versorgung zu gewährleisten, indem den Mitgliedstaaten der IAEA bis zu 90 Tonnen schwach angereichertes Uran zur Verfügung gestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/politologin-togjan-qasenova-solange-es-atomwaffen-gibt-werden-wir-alle-deren-geiseln-sein/"><strong>Politologin Togjan Qasenova: „Solange es Atomwaffen gibt, werden wir alle deren Geiseln sein“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat Kasachstan auch ein schweres nukleares Erbe zu tragen: Auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> im Nordosten der damaligen Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik testete die Sowjetunion im August 1949 ihre erste Atombombe. Zwischen 1949 und 1989 wurden rund 476 Atomtests durchgeführt und somit mindestens 1,3 Millionen Menschen in den umliegenden Gebieten der Strahlung ausgesetzt, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/45360-zonu-adernoj-bezopasnosti-sozdadut-na-semipalatinskom-poligone.html">Vlast</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Unabhängigkeit erbte Kasachstan das viertgrößte Atomwaffenarsenal der Welt, welches es im April 1995 an die Russische Föderation <a href="https://www.nti.org/analysis/articles/kazakhstan-nuclear-disarmament/">übertrug</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Besorgte öffentliche Meinung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Umfragen zeigen ein gewisses öffentliches Interesse. In einer am 22. August veröffentlichten Umfrage des <a href="https://kisi.kz/ru/glavnaya/">Kasachstanischen Instituts für Strategische Studien</a> (KISS), die vom 7. bis 18. August telefonisch unter 1.200 Personen ab 18 Jahren durchgeführt wurde, sprachen sich 53,1 Prozent der Befragten für den Bau eines Atomkraftwerks in Kasachstan aus. 42,6 Prozent der Befragten äußerten ihre Absicht, am Referendum teilzunehmen, und 51 Prozent hielten sich für ausreichend informiert, um ihre Wahl treffen zu können, berichtet die <a href="https://astanatimes.com/2024/08/slight-majority-favor-construction-of-nuclear-power-plant-in-kazakhstan-survey-finds/">Astana Times</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine am 20. September veröffentlichte Umfrage, die dieses Mal vom KISS unter 8.000 Menschen durchgeführt wurde, zeigt, dass 59,2 Prozent der Befragten den Wunsch äußern, am Referendum teilzunehmen, wie die <a href="https://astanatimes.com/2024/09/survey-reveals-strong-public-interest-in-nuclear-power-plant-referendum/">Astana Times</a> schreibt. Die Mehrheit der Befragten sprach sich für das Projekt aus, 38 Prozent der Befragten befürworteten dies uneingeschränkt, weitere 21,6 Prozent tendieren zu einer Befürwortung. 15,8 Prozent der Befragten gaben an, gegen die Anlage zu sein, und 9,1 Prozent erklärten, sie seien noch unentschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-herausforderungen-auf-dem-weg-hin-zu-mehr-erneuerbaren-energien/"><strong>Kirgistan: Herausforderungen auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Befragten gaben an, dass sie hauptsächlich (49,5 Prozent) wegen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit besorgt seien. Umweltbedenken folgen dicht dahinter (42,9 Prozent) und 22,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich Sorgen über Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge machen. Darüber hinaus geben 18,6 Prozent der Befragten an, dass sie sich Gedanken über die Beseitigung radioaktiver Abfälle machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.azattyq.org/a/33085187.html">Radio Azattyq</a> berichtet seinerseits, dass Gegner:innen des Projekts mehrfach daran gehindert wurden, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, welche in rund zwanzig Städten im ganzen Land organisiert wurden. <em>„Propaganda, keine Debatte“</em>, meinen Aktivist:innen. Sie prangern an, dass die Diskussionen nur die Vorteile des Atomkraftwerks hervorheben. In Almaty hatte ein Hotel, in dem im September ein Treffen von Gegner:innen des Projekts stattfinden sollte, die Veranstaltung einige Tage zuvor <a href="https://rus.azattyq.org/a/33118892.html">abgesagt</a>. Die offizielle Begründung: Das Hotel sei geschlossen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragen ohne Antwort</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Falle einer Annahme des Referendums bestehen keine Zweifel über den Standort, an dem das Kraftwerk errichtet werden soll. Das Dorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ülken">Ülken</a> am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqaş-Sees</a>, dem größten See des Landes, wurde von den kasachstanischen Behörden öffentlich ausgewiesen. Der Bau der Anlage, deren Kosten laut dem usbekischen Nachrichtenportal <a href="https://daryo.uz/en/lUrD0JxF">Daryo</a> auf 10 bis 12 Milliarden Dollar (zwischen 8 und 10 Milliarden Euro) geschätzt werden, könnte ein Jahrzehnt dauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Partnerland, das Kasachstan beim Bau dieses Kraftwerks unterstützen soll, herrscht jedoch Unklarheit. Sofern es keine Überraschung gibt, wird es China, Südkorea, Frankreich oder Russland werden. Gerüchten zufolge dürfte das russische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Agentur_für_Atomenergie_Russlands">Rosatom</a> den Zuschlag am wahrscheinlichsten erhalten. Dieser Punkt ist in Kasachstan nicht spannungsfrei, da die ehemalige Schutzmacht bereits das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmodrom_Baikonur">Kosmodrom Baikonur</a> betreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/"><strong>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aset Nauryzbaev, Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Leiter von Kasachstans Stromnetzagentur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/KEGOC">KEGOC</a>, sieht in einem von Russland gebauter Reaktor ein Angriff auf Kasachstans Multi-Vektoren-Außenpolitik. Astana hat es sich zur Aufgabe gemacht, sicherzustellen, dass die diplomatischen Beziehungen mit den Nachbarn Russland und China ausgewogen sind, sodass keiner von beiden einen Einfluss ausübt, der seine politischen Entscheidungen beeinflussen könnte. <em>„Durch den Bau eines eigenen Atomkraftwerks hier kann Russland Kasachstan in seinem Einflussbereich halten. Sie werden sicherlich Druckmittel einsetzen, wenn es nötig ist“</em>, erklärte Nauryzbaev gegenüber <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-to-hold-referendum-on-building-nuclear-power-plant">Eurasianet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welches Unternehmen für den Bau der Anlage ausgewählt wurde, werde nach dem Referendum bekannt gegeben, erklärten die Behörden lediglich, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Finanzierungsmodalitäten der Anlage (öffentliche Mittel, private Investitionen, internationale Kredite) wurden nicht besprochen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléonore Darasse für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/kazakhs-appeles-prononcer-recours-nucleaire-civil/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kasachstan plant Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Sep 2023 10:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
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		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Qasym-Jomart Toqaev]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum &#xFC;ber den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angek&#xFC;ndigt. Angesichts der zweitgr&#xF6;&#xDF;ten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten &#x2013; der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum über den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angekündigt. Angesichts der zweitgrößten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten – der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests auf kasachstanischem Boden wiegt immer noch schwer.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kernenergie rückt in den Fokus der kasachstanischen Politik. In seiner Rede an die Nation, die Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> vor den beiden Kammern des Parlaments hielt, sprach er von der Organisation eines nationalen Referendums über den Bau eines Atomkraftwerks. Dies berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/32574082.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Zum jetzigen Zeitpunkt sind weder das Datum des Referendums noch genaue Fragestellung bekannt, aber die Wahlkommission <a href="https://kapital.kz/gosudarstvo/118843/v-tsik-gotovy-k-provedeniyu-referenduma-po-voprosu-stroitel-stva-aes.html">erklärte</a>, dass eine Durchführung noch im Jahr 2023 möglich sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Standort des künftigen Kernkraftwerks wäre das Dorf Úlken am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a> – ein Ort, der alle praktischen Voraussetzungen für eine solche Anlage zu erfüllen scheint. Nach dem <a href="https://online.zakon.kz/Document/?doc_id=35049151&amp;pos=3;-109#pos=3;-109">kasachstanischen Kernenergiegesetz</a> ist für den Bau eines Kernkraftwerks eine lokale Genehmigung erforderlich.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Akimat [Regionalverwaltung, Anm. d. Ü.] des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiets Almaty</a> habe bereits mit öffentlichen Diskussionen begonnen, berichtet das Energieministerium. Zehn Tage vor der Rede des Staatsoberhauptes hatten die Einwohner:innen von Úlken Anspruch auf Konsultationen und öffentliche Treffen, um die Herausforderungen der zivilen Atomkraft vor ihrer Haustür zu diskutieren, berichtet <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs.">Radio Free Europe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/">Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Februar 2023 wurde in den sozialen Medien eine <a href="https://alash.online/1544-ulken.html">Petition</a> für den Bau des Kernkraftwerks im Namen der Bewohner:innen von Úlken veröffentlicht. <em>„Wenn wir in den kommenden Jahren nicht mit dem Bau eines Kernkraftwerks beginnen, werden wir mit einem gravierenden Energiemangel und in der Folge mit Stromausfällen, Mangel an Wärme und Licht, Produktionsausfällen und anderen Problemen konfrontiert sein. Das kann nicht zugelassen werden“</em>, heißt es darin. Aber die öffentliche Meinung in Kasachstan ist nicht so einhellig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Atomkraft für das größte Uran produzierende Land</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Strommangel in Kasachstan ist das Hauptargument der Befürworter eines Atomkraftwerks. Im vergangenen Winter herrschte in der nordkasachstanischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ekibastus">Ekibastuz</a> zehn Tage lang <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">Ausnahmezustand</a>, nachdem bei -30 Grad Außentemperatur die Fernwärme ausgefallen war. Die Erinnerung daran ist in der Bevölkerung noch sehr lebendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Regierung unterstützt dieses Argument und fügt hinzu, dass das Land der weltweit führende Produzent von Uran sei – dem Erz, das zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken verwendet wird. Kasachstan ist für 35,6 Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich und verfügt über 11,8 Prozent der Reserven. Seine jährliche Produktion von mehreren zehntausend Tonnen trägt jedoch bisher nicht zur Stromversorgung des Landes bei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schmerzhafte Erinnerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage der Wasserkühlungsmethoden, Streitigkeiten mit China über die gemeinsame Nutzung des den Balqash-See speisenden Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> und der Rückgang des Wasserpegels im See lassen die Anwohner:innen jedoch einen neuen Atomunfall in Kasachstan befürchten. Auch wenn die meisten Expert:innen versichern, dass dies unwahrscheinlich sei, bestehen bei einem Teil der Bevölkerung Zweifel, wie eine Reportage von <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs">Radio Free Europe</a> aus Úlken selbst zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Toqaev räumt in seiner Rede ein: <em>„Viele Bürger und einige Experten sind besorgt über die Sicherheit von Kernkraftwerken. Dies ist angesichts des tragischen Erbes des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk"><em>Atomtestgeländes Semipalatinsk</em></a><em> verständlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/">Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1949 bis 1989 wurden auf dem Testgelände im Osten des Landes mindestens 456 Atomtests zur Entwicklung der ersten sowjetischen Atombombe durchgeführt. Die beeinträchtigt bis heute sowohl die regionale Ökologie als auch die Gesundheit mehrerer Generationen von Anwohner:innen. Das tragische Erbe des Atomtestgeländes Semipalatinsk, aber auch von Tschernobyl und Fukushima kommt der kasachstanischen Bevölkerung sofort in den Sinn. Aus diesem Grund organisierten Aktivist:innen im August Demonstrationen gegen den Bau des Kernkraftwerks, so das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">Vlast</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erneuerbare Energien als Alternative?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz immer häufiger auftretender Energieengpässe plädieren einige Expert:innen nicht für die Atomkraft, sondern für erneuerbare Energien. Aset Nauryzbaev, ehemaliger Präsident von Kasachstans wichtigstem Stromnetzbetreiber KEGOC, <a href="https://liter.kz/borba-za-protiv-aes-kto-v-itoge-pobedit-1693914516/">glaubt</a>, dass es <em>„billiger und sicherer ist, den wachsenden Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken“.</em> Energie würde dadurch für die Bevölkerung günstiger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom Marat Abdurahmanov <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">ist der Meinung</a>, dass es wirtschaftlich vorteilhafter wäre, anstelle eines Atomkraftwerks Solaranlagen und Windkrafträder zu bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein vieldiskutiertes Thema</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussionen über den Bau eines Kernkraftwerks am Balqash-See, das den experimentellen BN-350-Reaktor in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> ersetzen soll, werden schon seit einiger Zeit geführt. Dieser Prototyp eines Kernreaktors feierte letztes Jahr <a href="https://kz.kursiv.media/2022-09-22/promyshlennyj-reaktor-bn-350-v-aktau-nahoditsya-na-etape-vyvoda-iz-ekspluatacii/">sein 50-jähriges Jubiläum</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Inbetriebnahme des ersten Blocks war für 2005 geplant, wurde aber aufgrund des Misstrauens der Bevölkerung immer wieder verschoben. 2019, im Jahr seiner ersten Wahl zum Präsidenten, versicherte Qassym-Jomart Toqaev, dass der Bau eines Atomkraftwerks auf seiner Agenda stehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Chancen stehen gut, dass in diesem Jahr offiziell mit dem Bau des ersten Kernkraftwerks begonnen wird. In einem Kommentar auf <a href="https://vlast.kz/opinions/56424-proizvodstvo-soglasia.html">Vlast</a> erklärt Dmitri Mazorenko, dass die Regierung ihre Kommunikation rund um das Referendum und die Vorteile der Kernenergie intensiviert. Influencer:innen würden sogar dazu gedrängt, Inhalte im Internet zu verbreiten, um die Notwendigkeit eines Kernkraftwerks zu untermauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten für den Bau des Atomkraftwerks würden sich auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar belaufen, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://kz.kursiv.media/2023-07-21/zhnb-rosatomkazatompromnuclearstation/">Kursiv</a>. Die endgültige Summe werde aber erst bekannt gegeben, wenn klar ist, wer den Zuschlag bekommt. Als Favorit gilt der russische Konzern Rosatom. Ein zweites Atomkraftwerk könnte übrigens in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurtschatow_(Kasachstan)">Kurchatov</a>, einer Stadt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_(Gebiet)">Gebiet Abaı</a> im Nordosten des Landes, gebaut werden. Dies gab ein Vertreter des Energieministeriums während einer Informationsveranstaltung im Jahr 2022 bekannt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lou Desmoutiers, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/kazakhstan-construction-centrale-nucleaire-soumise-au-referendum/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<item>
		<title>Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[masamedia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Aug 2023 19:02:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan ist ein Land mit einem riesigen Gebiet. Seine Fl&#xE4;che ist mit der Westeuropas vergleichbar. Die Landschaft ist sehr divers: Es gibt W&#xFC;sten, Steppen, Berge und W&#xE4;lder. Trotz der unvergleichlichen Sch&#xF6;nheit der kasachstanischen Landschaften gibt es im Land verschiedene Umweltprobleme, die sich nicht nur negativ auf die &#xD6;kologie, sondern auch negativ auf die Menschen auswirken. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan ist ein Land mit einem riesigen Gebiet. Seine Fläche ist mit der Westeuropas vergleichbar. Die Landschaft ist sehr divers: Es gibt Wüsten, Steppen, Berge und Wälder. Trotz der unvergleichlichen Schönheit der kasachstanischen Landschaften gibt es im Land verschiedene Umweltprobleme, die sich nicht nur negativ auf die Ökologie, sondern auch negativ auf die Menschen auswirken.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Austrocknung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsees</a> bis hin zu den Gebieten, die <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ich-wuerde-luegen-wenn-ich-sagen-wuerde-dass-ich-mir-eine-atomwaffenfreie-welt-vorstellen-kann-ein-interview-mit-togjan-qasenova/">durch Atomtests verseucht</a> sind, haben viele von Kasachstans Umweltproblemen ihren <a href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1742-6596/1860/1/012020">Anfang</a> in der Zeit genommen, als das heutige Staatsgebiet noch Teil der Sowjetunion war. Viele der damals angestoßenen Umweltkatastrophen wurden vor der Bevölkerung geheim gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land sieht sich aber auch mit neuen Umweltproblemen konfrontiert. Dazu gehört die Verschmutzung des Kaspischen Meeres oder die zunehmende Verlandung des <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/">Balqash-Sees</a>. Diese und ähnliche Probleme müssen dringend gelöst werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ausmaß der Luftverschmutzung in kasachstanischen Städten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß dem Schweizer Programm &#8222;Air Visual&#8220; belegt Kasachstan <a href="https://www.iqair.com/world-most-polluted-countries">Platz 40</a> der Länder mit der schmutzigsten Luft weltweit. Die durchschnittliche Konzentration von festen Mikropartikeln in der Luft ist fast fünf Mal so hoch wie der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Standard.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation spiegelt sich beispielhaft in der kasachstanischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraģandy</a> wider. Im Jahr 2022 war sie mit einem Air Quality Index (AQI – Luftqualitätsindex) von 163 die am stärksten verschmutzte Stadt des Landes. Als sauber wird Luft verstanden, die einen AQI zwischen null und 50 hat. Ein AQI von 163 bedeutet, dass die Auswirkungen der Luftverschmutzung für die Menschen spürbar sind. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. So war die Luft in <a href="https://www.iqair.com/ru/kazakhstan">Shu</a>, eine Stadt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schambyl_(Gebiet)">Gebiet Jambyl</a>, mit einem AQI von 6 am saubersten in ganz Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Feinstaub ist ein weiteres Problem. Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, können die biologischen Barrieren des menschlichen Körpers passieren. Sie schädigen sowohl die Lungen als auch das Herz-Kreislauf-System. Gemäss <a href="https://elorda.info/ru/sotsium/18422-1654002356">Angaben</a> der WHO verursacht von solchen Partikeln verschmutzte Luft weltweit jedes Jahr 4,2 Millionen vorzeitige Todesfälle. Davon entfallen ungefähr 10.000 auf Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-luft-die-kasachstan-atmet/"><strong>Die Luft, die Kasachstan atmet</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2021 wurden in Kasachstan jedoch Verbesserungen in der Luftqualität verzeichnet. Die Luft in verschiedenen kasachstanischen Städten wurde nicht mehr als &#8222;sehr schlecht&#8220;, sondern nur noch als &#8222;schlecht&#8220; bewertet. Außerdem ist die Luftqualität in Kasachstan im Vergleich zu Armenien, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan besser. In Turkmenistan ist sie ähnlich hoch wie in Kasachstan, wohingegen die Luftqualität in Russland doppelt so gut ist wie in Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem bleibt die <a href="https://www.energyprom.kz/ru/a/monitoring/ekologiya-bolshih-gorodov-gody-idut-luchshe-ne-stanovitsya">Luftverschmutzung</a>, insbesondere in Kasachstans Städten, ein großes Problem. So wiesen 2021 etwa 30 Städte, darunter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyraý</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temirtau">Temirtaý</a> hohe oder sehr hohe Schadstoffwerte auf. Beobachtende kommen zum Schluss, dass sich die Luftqualität in den letzten fünf Jahren in vielen Städten nicht wesentlich verändert habe.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lösungsansätze im Kampf gegen die Luftverschmutzung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zentrale Verursacher von Luftverschmutzung und insbesondere von Feinstaub, sind in den großen Ballungszentren unter anderem die Wärmekraftwerke. Der Ausschuss für die Regulierung und Kontrolle der Umwelt, der direkt dem kasachstanischen Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen unterstellt ist, weist außerdem darauf hin, dass private Häuser mit Ofenheizung maßgeblich zu den hohen Schadstoffwerten in der Luft beitragen würden. Verschiedene Expert:innen betonen, dass die Umstellung auf Gasheizungen zur Verbesserung der Situation beitragen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2020 erklärte Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a>, dass das Land bis 2060 die &#8222;<a href="https://www.undp.org/ru/kazakhstan/stories/на-пути-к-чистому-воздуху-борьба-с-загрязнением-воздушного-бассейна-для-здоровья-людей-и-планеты">CO2-Neutralität</a>&#8220; erreichen will. Das kasachstanische Umweltgesetz verpflichtet Industrieunternehmen seither, Technologien einzusetzen, die die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Die Gesetzgebung sieht außerdem vor, dass diejenigen Unternehmen die für die Luftverschmutzung verantwortlich sind, den betroffenen Haushalten vor Ort eine Entschädigung zahlen müssen. Diese Zahlungen sollten zur Verbesserung der Umweltsituation genutzt werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die neue Umweltgesetzgebung ist jedoch nicht frei von Schlupflöchern. Die kasachstanische Liste mit den besten verfügbaren Techniken (BVT-Liste) entspricht beispielsweise nicht vollständig der europäischen BVT-Liste. Die kasachstanische Liste sei <em>&#8222;lokalen Bedingungen&#8220;</em> angepasst. Es sei denkbar, dass große Unternehmen diese aufgeweichten Bedingungen für sich nutzen würden und Kasachstan für <em>&#8222;viele weitere Jahre schmutzige Luft atmen&#8220;</em> müsse, sagt <a href="https://elorda.info/ru/sotsium/18422-1654002356">Aıymgul Kerimraı</a>, leitende Forscherin der staatlichen Universität Kasachstans.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Austrocknung des Aralsees</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere <a href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1742-6596/1860/1/012020">Forschende</a> unterschiedlicher kasachstanischer Universitäten gehen davon aus, dass das anhaltende Schrumpfen des Aralsees und die Versteppung der angrenzenden Gebiete zum vollständigen Verschwinden des Gewässers führen könnten. Zentraler Grund dafür ist die übermässige Wasserentnahme aus Flüssen, die den Aralsee speisen. Dieses Wasser endet für landwirtschaftliche Zwecke auf umliegenden Feldern. Die Wassermenge des Aralsees hat sich so seit 1980 bereits um das 15-fache verringert. Als Folge davon teilte sich der Aralsee bereits im Jahr 1989 in zwei eigenständige Wasserkörper – den kleinen, nördlichen Aralsee und den grossen, südlichen Aralsee. Diese Teilung dauert bis heute an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-aralsee-gestern-heute-morgen/"><strong>Der Aralsee: gestern, heute, morgen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wasseroberfläche des Aralsees ist infolgedessen um mehr als einen Drittel geschrumpft. An einigen Stellen ist der Wasserstand um 90 Meter zurückgegangen und das Wasservolumen hat sich insgesamt um 60 Prozent verringert. Das wiederum hat zu einem 2,5-fachen Anstieg des Salzgehalts im Aralsee geführt und in der Folge zum Aussterben verschiedener dort ansässiger Tierarten. Eine weitere Folge der Austrocknung ist die enorme Staubentwicklung, die heute vom Gebiet des Aralsees ausgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschlechterung dieses ökologischen Systems hat zu einer Verschärfung des bereits stark kontinental geprägten Klimas in der Region geführt. Das von den Folgen der Austrocknung des Aralsees betroffene Gebiet erstreckt sich über 180 Millionen Hektar. Das ist mehr als 66 Prozent der Fläche Kasachstans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausbreitung von Staub und Salz wirkt sich aber nicht nur negativ auf die Umwelt, sondern auch auf die Gesundheit der in der Aralsee-Region lebenden Menschen aus. Die Zahl der Augen- und Atemwegserkrankungen ist gestiegen. Auch andere Krankheiten wie Anämie, Diabetes oder Krebserkrankungen haben in den betroffenen Gebieten zugenommen. Nierensteinerkrankungen sind in Folge der mangelnden Qualität des Trinkwassers in der Region keine Seltenheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kann der Aralsee gerettet werden?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstanische Wissenschaftler:innen sind zum Schluss gekommen, dass der Aralsee zwar nicht vollständig gerettet, aber zumindest vor weiterer Austrocknung bewahrt werden könnte. Dazu müsste die für die Bewässerung von Feldern abgezweigte Wassermenge deutlich reduziert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die weitere Austrocknung des Aralsees zu verhindern, führt Kasachstan zusammen mit den Vereinigten Staaten und Frankreich Programme zur Verbesserung der Situation rund um den Aralsee durch. Zu den Massnahmen gehört etwa die Regulierung und Kontrolle der Zuflüsse, sowie der Bau von Dämmen und Wasserkraftwerken. Um die Situation der ansässigen Bevölkerung zu verbessern, wurden Wasserleitungen wiederaufgebaut und instandgesetzt, Pump- und Stromaggregate ersetzt, Entsalzungsanlagen aufgestellt und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis 2008 war der <a href="https://www.inform.kz/ru/aral-skoe-more-ekologicheskaya-katastrofa-i-puti-ee-resheniya_a4047614">Salzgehalt</a> des Kleinen Aralsees von 23 ppm (parts per million – Teile pro Million) auf 17 ppm gesunken. Im Jahr 2023 verzeichneten Beobachtende gar einen Wert von weniger als 10 ppm. Die Fläche des Aralsees wuchs auf 3100 Quadratmeter und die Wasserreserven stiegen um das 2,5-fache, das heisst auf 27 Kubikkilometer. Außerdem haben sich die Populationen der Fischarten erhöht und die Fischerei hat sich erholt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Radioaktive Abfälle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1949 bis 1989 wurden auf dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgel%C3%A4nde_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> mindestens 456 <a href="https://tengrinews.kz/mixnews/kak-seychas-jivut-lyudi-vozle-semipalatinskogo-poligona-446142/">Atomtests</a> durchgeführt. Die Gesamtleistung der Tests übersteigt die Leistung der Atombombe, die 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde um das 2500-fache. In den Gebieten, die an das Testgelände angrenzen, gibt es ungefähr 85 Siedlungen mit fast 72.000 Einwohner:innen. Das gesamte Atomwaffentestgelände, das mehr als 18.000 Quadratkilometer umfasst, ist inzwischen als ökologisches <a href="https://bizmedia.kz/2022/06/24/kakie-ekologicheskie-problemy-kazahstana/">Katastrophengebiet</a> anerkannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1991 wurde das Testgelände Semipalatinsk durch einen Erlass des kasachstanischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> geschlossen. Diese Entscheidung wurde nicht zuletzt von der Anti-Atomkraft-Bewegung &#8222;Nevada-Semipalatinsk&#8220; beeinflusst. Zwischen 1996 und 2012 verwandelten die Behörden Kasachstans, Russlands und der Vereinigten Staaten das Testgelände schließlich in eine <a href="https://www.washingtonpost.com/opinions/safeguarding-nuclear-materials-is-a-job-that-remains-unfinished/2013/08/20/55ead548-099a-11e3-b87c-476db8ac34cd_story.html">Deponie</a> für radioaktive Substanzen. Hunderte Kilogramm Plutonium, die lange auf dem Testgelände herumlagen, wurden vergraben. Damit sollte verhindert werden, dass das Plutonium in die Hände von Terroristen gerät.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/ich-wuerde-luegen-wenn-ich-sagen-wuerde-dass-ich-mir-eine-atomwaffenfreie-welt-vorstellen-kann-ein-interview-mit-togjan-qasenova/"><strong>„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir eine atomwaffenfreie Welt vorstellen kann“ – ein Interview mit Togjan Qasenova</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der gesamten Zeit wurden jedoch riesige Mengen radioaktiver Stoffe in Atmosphäre, Wasser und Boden freigesetzt, die die Umwelt in der Region bis heute stark beeinträchtigen. Die Atomtests führten nicht nur zur Schädigung von Flora und Fauna, sondern auch zu vielen gesundheitlichen Problemen bei der ansässigen Bevölkerung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gesundheitliche Risiken und Folgen für die Bevölkerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">2022 wurde eine umfassende Umweltstudie über das gesamte Deponiegebiet abgeschlossen. Gemäß Energieminister Nurlan Noģaev sollte diese Untersuchung den radioökologischen Zustand des gesamten Testgeländes untersuchen. Die Behörden haben im Anschluss damit begonnen die Folgen der Atomtests zu beseitigen und die am stärksten kontaminierten Gebiete zu sanieren. Außerdem ist der Bau eines speziellen Lagers für radioaktive Abfälle geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht von Umweltschützer:innen ist es jedoch unmöglich und unzweckmäßig, das Testgelände vollständig zu sanieren. Sie wollen lieber den Zugang zu besonders kontaminierten Gebieten beschränken. Trotz verschiedener Bemühungen hat das Parlament den Gesetzesentwurf &#8222;Über die nukleare Sicherheitszone Semipalatinsk&#8220; bisher <a href="https://liter.kz/stekliannye-kosti-slepota-i-rak-kak-zhivut-kazakhstantsy-postradavshie-ot-iadernykh-ispytanii-1661747672/">nicht verabschiedet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zusammenhang mit dem Testgelände Semipalatinsk soll außerdem erwähnt sein, dass Russland bis heute mehrere <a href="https://masa.media/ru/site/chto-rossiya-arenduet-v-kazakhstane">Testgelände</a> zu verschiedenen Zwecken in Kasachstan pachtet. Diese Testgelände haben nicht selten negative Auswirkungen auf die Ökologie Kasachstans.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verschmutzung des Kaspischen Meeres</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan teilt sich das Kaspische Meer mit Russland, Turkmenistan, Aserbaidschan und Iran. Die Fläche des Kaspischen Meeres beträgt fast 400.000 Quadratkilometer und ist somit größer als die Fläche Japans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren haben die anthropogenen (menschengemachten) Aktivitäten rund um das Kaspische Meer die Gefahr einer Verschlechterung des Wasserkörpers &#8211; bis hin zur vollständigen Zerstörung des Biosystems &#8211; erhöht. Seit 1990 haben die <a href="https://cyberleninka.ru/article/n/aktualnye-ekologicheskie-problemy-vodnyh-ekosistem-kazahstana">Anrainerstaaten</a> des Kaspischen Meeres 4,5 Tonnen schädliche Biogene, 28 Tonnen Schwimmkörper, 27 Tonnen Sulfat und etwa 3 Tonnen Chloride ins Meer eingeleitet. Der Anteil Kasachstans an dieser Verschmutzung beträgt 21 Prozent der Gesamtmenge.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/"><strong>Das Kaspische Meer im Ausnahmezustand</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Der Großteil aller Schadstoffe im Gewässer befindet sich im Norden des Kaspischen Meeres. Von kasachstanischer Seite gelangen diese Stoffe durch den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ural_(Fluss)">Ural </a>ins Wasser. Die Konzentration von Schwermetallionen übersteigt den zulässigen Wert um das vier bis 12-fache. Das Land leitet auch chemische Düngemittel ins Kaspische Meer und fördert dort Öl. Beides stellt eine bedeutende Verschmutzungsquelle dar. Die Ökologie des Kaspischen Meeres wird nicht zuletzt durch die Schifffahrt beeinträchtigt. Kraftstofflecks führen zur Verschmutzung durch Öl- und synthetikhaltigem Waschwasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Verschmutzung des Kaspischen Meeres verursachen bereits jetzt enorme ökologische und wirtschaftliche Verluste. Verschiedene Wissenschaftler:innen sprechen sich dafür aus, dass die <a href="https://cyberleninka.ru/article/n/aktualnye-ekologicheskie-problemy-vodnyh-ekosistem-kazahstana">Maßnahmen</a> zur Rettung des Kaspischen Meeres von den Anrainerstaaten gemeinsam ausgearbeitet werden müssen. Es braucht Systeme für die Beseitigung von Ölverschmutzung, Abfälle aus Raffinerien müssten gereinigt und ordnungsgemäß gelagert, die Wilderei bekämpft und Umweltschutzzonen eingerichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan sollte ausserdem mit Kirgistan und Usbekistan zusammenarbeiten, damit das Kaspische Meer nicht durch grenzüberschreitende Flüsse verschmutzt wird. Ein Mangel an Partnerschaft hingegen, wird die Situation unweigerlich verschlechtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kasachstanische Präsident hat das Gesetz zum Schutz des kaspischen Meeres erst 2021 <a href="https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/12819393">ratifiziert</a>, obwohl das zugrundeliegende Protokoll bereits im Jahr 2012 unterzeichnet wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Katastrophe am Balqash-See</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Balqash-See liegt im Südosten Kasachstans auf dem Gebiet der Gebiete <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Almaty</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy_(Gebiet)">Qaraģandy</a>, Jambyl und Jetysý. Dieser abflusslose Wasserkörper nimmt mehr als 18.000 Quadratkilometer ein. Das Einzugsgebiet rund um den Balqash-See beträgt etwa 400.000 Quadratkilometer. Das entspricht der Fläche Großbritanniens, Dänemarks, der Schweiz und Belgiens zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umweltschützer:innen <a href="https://evolvelium.com/ecology/ekologicheskie-problemy-kazahstana/">berichten</a>, dass dem Balqash-See eine Katastrophe in Form einer starken Verflachung droht. Der Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> fließt durch China und Kasachstan und ist für den Balqash der wichtigste Zufluss. Die Zuflussmenge durch den Ili wird jedoch von Jahr zu Jahr geringer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Bulat Esekin, einem der Entwickler des kasachstanischen Gewässerschutzgesetztes und Koordinator der regionalen Expert:innenplattform für Wasserressourcen und Klimawandel in Zentralasien, fand 2020 in Almaty ein Forum zum Balqash statt, bei dem eine Reihe von Materialien und Berichten zur Rettung des Sees vorgestellt wurden. Gemäß Esekin müsse Kasachstan zur Rettung des Balqash-Sees in erster Linie mit China zusammenarbeiten. Verhandlungen seien bisher nicht effektiv gewesen, <a href="https://rus.azattyq-ruhy.kz/interview/42487-pochemu-balkhash-na-grani-katastrofy">räumt</a> der Experte ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Esekin weist darauf hin, dass die Aufrechterhaltung des derzeitigen Zustands des Balqash-Sees einen Mindestdurchfluss aus China von zwölf Kubikkilometern Wasser pro Jahr erfordere. Der Durchfluss wurde jedoch auf 8 Kubikkilometer reduziert. Wissenschaftler:innen aus Oxford stimmen mit Esekins Einschätzung überein. Zur Rettung des Sees müsste China die Wassermenge, die es für die Landwirtschaft aus den Zuflüssen des Balqash abzweigt, drastisch <a href="https://www.mdpi.com/2073-4441/13/5/615">reduzieren</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit bemühen sich die kasachstanischen Behörden, den Wasserstand des Sees bei 341 Metern zu halten. Sie führen aber keine begleitenden Massnahmen durch, beklagt Esekin. Die Gebiete würden das Wasser des Sees zudem weiterhin nutzen, ohne sich um die erklärten Schutzziele zu kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Balqash zu retten, müsste laut Esekin das kasachstanische Wassermanagementsystem angepasst werden und Umweltziele müssten Vorrang vor behördlichen Programmen haben. Der Experte sagt voraus, dass das Fehlen einer Lösung bald zur Trennung des Sees in zwei Teile und langfristig zu seinem Verschwinden führen wird.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mansur Habarov für Masa Media</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>aus dem </strong><a href="https://masa.media/ru/site/chto-ne-tak-s-ekologiey-kazakhstana"><strong>Russischen</strong></a><strong> (gekürzt) von Elena Boss</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 16:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Beh&#xF6;rden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung &#xDA;lken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf Living Asia. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Behörden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung Úlken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Living Asia</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für die Entscheidung sind hinreichend bekannt. Es sind die Nähe des Atomkraftwerks (AKW) zur demografisch und wirtschaftlich gesättigten Region des Landes, das heißt zu zahlreichen Stromverbraucher:innen, sowie die Verfügbarkeit von Wasserressourcen, die für den Betrieb des Kernkraftwerks und dessen Kühlsystems erforderlich sind. Die Öffentlichkeit befürchtete sofort, dass das Atomkraftwerk eine Verschmutzung des einzigartigen Sees verursachen könnte. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Eine Reihe von Expert:innen versuchte unmittelbar diese Befürchtungen zu zerstreuen und argumentierte, dass moderne Technologien zur Wasserkühlung von AKWs geschlossener Natur seien. Das Austreten radioaktiver Elemente außerhalb des Anlagenkreislaufs sei ausgeschlossen. Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass dies bei einem stabilen Betriebszustand die wahrscheinlichste Option ist, obwohl das Problem natürlich zu ernst ist und einer weiteren Diskussion bedarf. Aber die Idee, am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> ein AKW zu bauen, hat noch andere Aspekte. Einer davon ist der künftige Betrieb des Kraftwerks angesichts eines möglichen Absinkens des Wasserspiegels im See. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen? </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Regime für die Nutzung der Wasserressourcen grenzüberschreitender Flüsse war schon immer ein schwieriges Thema in den Beziehungen zwischen Kasachstan und China. Kasachstanische Ökolog:innen haben dieses Problem seit Mitte der 1990er Jahre angesprochen, aber bis heute ist es nicht gelöst. Bereits 1998 schrieb die unabhängige Nachrichtenagentur Asia Press: <em>„Auf Seite des Nachbarn werden die Flüsse, die in China entspringen und dann nach Kasachstan fließen, mit chinesischer Rationalität und Größenordnung angegangen. Dies gilt vor allem für den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)"><em>Ili</em></a><em>, der in den immer seichter werdenden Balqash-See mündet.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Kaum Wasser aus China</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Der Fluss Ili entspringt in China und fließt dann von Süden her in den westlichen Teil des Balqash-Sees. Er macht etwa 80 Prozent des Zuflussmenge in den See aus. Etwa 44 Prozent des Einzugsgebiets liegen auf chinesischer Seite. Die Versandung des Balqash ist ein bekanntes Problem, über das viel geredet wird. Es muss aber betont werden, dass dies nicht erst gestern begonnen hat: Die Versandung begann mit der Errichtung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qapschaghai-Talsperre">Qapchaģaı-Stausees</a> im Jahr 1970, um dort den Betrieb eines Wasserkraftwerks sicherzustellen. Seitdem ist das Volumen des Sees um etwa zwei Kubikkilometer geschrumpft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit den 2000er Jahren hat China jedoch zunehmend begonnen, den Rückgang der Wassermengen zu beeinflussen. Für China ist die Entwicklung der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> eine der Prioritäten der staatlichen Politik. Dies schließt auch das demografische Wachstum von Xinjiang ein und impliziert somit auch zwangsläufig die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung des Agrarsektors unter den natürlichen und klimatischen Bedingungen der Region erfordert viel Wasser. Dieses wird den Flüssen entnommen, die weiter nach Kasachstan fließen, insbesondere dem Ili und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch">Irtysch</a>. Gleiches gilt für eine andere führende Industrie in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang – die Ölförderung. Dadurch gelangt immer weniger Wasser in den Balqash-See. Pekings Aktivitäten und Pläne, die indirekt, aber stark auf die Zukunft des Balqash einwirken, bleiben weiterhin bestehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser/"><strong>Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Herausforderung für den Balqash ist der Klimawandel. <em>„Das gesamte Wasser, das in den See gelangt, verdunstet. In dieser Hinsicht kann die erwartete weitere Erwärmung des Klimas zu einer anschließenden Abflachung führen“</em>, heißt es in dem von mehreren russischen Experten veröffentlichten Artikel <a href="https://ecogosfond.kz/wp-content/uploads/2021/01/CA.D.366-Transgranichnye-reki-Kazahstana-i-Kitaja.pdf">Grenzüberschreitende Flüsse Kasachstans und Chinas</a>. Die Autoren stellen auch fest, dass angesichts der Probleme mit dem Wasservolumen des Sees Kasachstan bereits 2007 China das Angebot unterbreitete, einen zehnjährigen Vorzugsvertrag für die Lieferung von Nahrungsmitteln im Austausch für die Aufrechterhaltung des Zuflussmenge in den Balqash-See abzuschließen. Peking stimmte aber nicht zu – eine charakteristische Reaktion. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Alles in allem lässt sich nicht leugnen, dass über den Balqash ökologische Bedrohungen schweben, die zu einer ernsthaften Abnahme des Wasservolumens und zur Änderung der Uferlinie führen können. Ist es möglich, die Situation zu ändern? Wirkliche Chancen sind noch nicht sichtbar. Dies führt zur zweiten Frage: Wieso plant man den Bau eines Atomkraftwerks unter solchen Bedingungen, wenn eines der Hauptargumente dafür mit dem Wasser des Sees zusammenhängt, das zum Kühlen der Reaktoren notwendig ist? Kein Wasser – kein Atomkraftwerk?
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Living Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Wie am Balqash-See die Rückkehr des Tigers vorbereitet wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Informburo.kz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2021 11:08:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Artenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Tiger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im staatlichen Ili-Balqash-Naturreservat am Ufer des Balqash-Sees werden derzeit wieder Buchara-Hirsche angesiedelt. Diese Tiere sollen in Zukunft den Kaspischen Tigern als Hauptnahrungsmittel dienen, welche ab 2025 im Reservat ausgewildert werden sollen. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im staatlichen Ili-Balqash-Naturreservat am Ufer des Balqash-Sees werden derzeit wieder Buchara-Hirsche angesiedelt. Diese Tiere sollen in Zukunft den Kaspischen Tigern <strong>als Hauptnahrungsmittel dienen</strong>, welche ab 2025 im Reservat ausgewildert werden sollen. Die folgende Reportage von Grigori Bedenko erschien im russischsprachigen Original am 24. November 2020 auf </strong><a href="https://informburo.kz/stati/kak-v-pribalhashe-gotovyatsya-prinimat-pervyh-turanskih-tigrov-reportazh-iz-rezervata.html"><strong>Informburo</strong></a><strong>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sicheldüne">Barchane</a>, endlose <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saxaul">Saxaul</a>-Wälder und salzhaltige Einöde. Stärkste Sturmböen im Winter. Dies ist das Südufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a> &#8211; mit rauem Klima und sehr weit von der Zivilisation entfernt. Vor zwei Jahren wurde hier durch einen Regierungsbeschluss das Ili-Balqash-Reservat geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Naturschutzgebiet mit einer Gesamtfläche von mehr als 415.000 Hektar ist für ein ehrgeiziges Projekt konzipiert. Hier soll der ausgestorbene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspischer_Tiger">Kaspische Tiger</a> wieder zum Leben erweckt werden. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/WWF">World Wildlife Fund (WWF)</a>.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die derzeit wichtigste Aufgabe der ExpertInnen des Reservats ist es, das lokale Ökosystem in der Form wiederherzustellen, in der es vor vielen Jahrhunderten existierte. Es gibt bereits erste Erfolge – die Wiedereinführung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bucharahirsch">Buchara-Hirsches</a>. Diese Tiere sollen die Hauptnahrungsquelle des Kaspischen Tigers werden. Außerdem werden die Tiger Wildschweine, Rehe und kleinere Säugetiere jagen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/">Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Reservat befindet sich im Bezirk Balqash im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiet Almaty</a> in Kasachstan und besteht aus zwei Teilen: dem Abschnitt Balqash mit 356.296 Hektar Gesamtfläche und dem Delta des Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> mit einer Fläche von 58.868 Hektar. Der Ort, an dem das Reservat geschaffen wurde, ist ein äußerst wichtiger natürlicher Naturkomplex. Bis heute ist das Ili-Delta das einzige erhaltene Flussdelta innerhalb Zentralasiens. Die übrigen Deltas (die des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschüi_(Fluss)">Tschüi</a> und anderer große Flüsse) sind durch die globale Wüstenbildung praktisch verschwunden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-25061" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30-1024x681.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/30.jpg 1288w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Der Balqash-See bildet im Norden des Reservats eine natürliche Grenze</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Schutz des Reservats wurden sieben abgelegene Absperrungen geschaffen, an denen 25 InspektorInnen arbeiten. Der nächste große Ort, das Dorf Karoı, ist 80 Kilometer vom ersten Posten entfernt. Die Fauna des Reservats umfasst drei Amphibienarten, 19 Reptilienarten, 298 Vogelarten und 39 Säugetierarten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hirsche als Hauptnahrungsquelle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Jahresende 2020 sollten 50 weitere Buchara-Hirsche auf dem Gebiet des Reservats angesiedelt werden. Frühere Experimente zur Wiederansiedlung dieses seltenen, im Roten Buch der bedrohten Arten aufgeführten Tieres waren erfolgreich. Die Chance für die Wiederbelebung seiner Population am Südufer des Balqash-Sees stehen also gut. Wenn sich der Buchara-Hirsch im Reservat einlebt, werden nach fünf Jahren die ersten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirischer_Tiger">Amurtiger</a> hierhin umgesiedelt, um die ausgestorbene Unterart des Kaspischen Tigers wieder zu Leben zu erwecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-der-bucharahirsch-kehrt-an-den-balchaschsee-zurueck/">Kasachstan: Der Bucharahirsch kehrt an den Balqash-See zurück</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der letzte Hirsch hier war vor 100 bis 120 Jahren. Er ist verschwunden, aber es ist seine Heimat. Wir haben 2018 fünf Hirsche hergebracht. Im Allgemeinen haben sie sich gut eingewöhnt. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich 14 Hirsche hergebracht. In diesem Jahr planen wir, weitere 50 Hirsche zu holen“</em>, sagt der Direktor des Reservats Janibek Jubaniazov.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-25060" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/192.jpg 1288w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Janibek Jubaniazov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Hirsche wurden aus Südkasachstan, aus dem regionalen Naturpark „Syrdarja-Turkistan“, in das Reservat gebracht. Die nächste Gruppe von 14 Exemplaren kam aus einem Jagdgehege in der Nähe von Almaty.</p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Бухарские олени" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/rrl-NXIjFkw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Zeit werden die Hirsche im Reservat in einem speziellen, etwa 200 mal 300 Meter großen Gehege gehalten. Dann werden sie freigelassen. Jedes Exemplar trägt ein Halsband mit einem GPS-Sender. Zunächst bewegten sich die Hirsche laut den Senderdaten um das Gehege. Aber dann wurden sie mehr als hundert Kilometer entfernt entdeckt. Die Weibchen haben bereits Nachwuchs bekommen – zwei Hirsche wurden geboren. In den nächsten vier Jahren ist die Umsiedlung von 200 Buchara-Hirschen in das Ili-Balqash-Reservat geplant.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-25062" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/136.jpg 1288w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Der Eingang zum Gehege</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Buchara-Hirsch ist eine einzigartige Unterart des Rothirschs, die als einzige an das Leben in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tugai">Tugai</a> der trockenen Zone angepasst sind. Als Folge direkter Vernichtung verschwand die Art in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Balqash-Region sowie aus ganz Kasachstan. Heute ist der Buchara-Hirsch in das Internationale Rote Buch und das Rote Buch der Republik Kasachstan eingetragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Tiger werden aus Russland gebracht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Tiger sollen im Jahr 2025 an den Balqash-See kommen. Es ist geplant, sie aus Sibirien und der russischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Region_Primorje">Region Primorje</a> zu importieren. An diesen Orten lebt der Amurtiger, der keine Angst vor Kälte hat. Mehrere Optionen werden berücksichtigt: Entweder werden an Kasachstan Tiger-Waisen übergeben, die ohne Eltern geblieben sind, oder erwachsene Exemplare aus der freien Wildbahn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die endgültige Entscheidung wird zu einem späteren Zeitpunkt getroffen und auf der Erfahrung der Auswilderung von in Gefangenschaft geborenen oder nach dem Verlust der Mutter rehabilitierten Tigerjungen basieren. Solche Experimente werden jetzt im Süden von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferner_Osten_(Föderationskreis)">Russlands Fernen Osten</a> durchgeführt und in Südchina vorbereitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ich-filme-robben-am-ufer-des-kaspischen-meers-ueber-die-umweltaktivistin-asel-baimuqanova/">„Ich filme Robben am Ufer des Kaspischen Meers“ – Über die Umweltaktivistin Ásel Baımuqanova</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn diese Experimente erfolgreich sein werden, werden Tiere aus der Gefangenschaft für die Auswilderung vorbereitet. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird es möglich sein, jährlich zwei oder drei Tiere aus der natürlichen Umgebung im Fernen Osten zu entfernen, ohne dabei die Population zu beeinträchtigen, da in dieser Region jedes Jahr etwa 100 Tiger geboren werden. Diese Phase soll innerhalb von fünf bis sieben Jahren (nach 2025) abgeschlossen werden und die Auswilderung von mindestens 20 Tieren ermöglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An einigen Stellen im Reservat sind die Saxaul-Wälder so dicht, dass sie einem echten Dschungel ähneln. Dies sind ideale Bedingungen für Kaspische Tiger, da diese große Katze aus dem Hinterhalt jagt. Die Frage ist, wie schnell die Anpassung der Tiere an die örtlichen klimatischen Bedingungen von Statten gehen wird &#8211; insbesondere nach der feuchten und spezifischen Taiga am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ussuri">Ussuri</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-25059" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/4411.jpg 1288w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Saxaul-Wälder prägen das Reservat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zuerst werden wir sie im Gehege unterbringen&#8220;</em>, erklärt Janibek Jubaniazov. <em>„Ein spezielles Gehege wird eingerichtet werden. Dort werden sie eine Eingewöhnungsphase durchleben. Wenn wir sehen, dass sie sich angepasst haben, werden sie in die freie Wildbahn entlassen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aussterben durch gezielte Vernichtung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang des 20. Jahrhunderts lebten auf der Erde etwa 100.000 Tiger aus neun Unterarten. Zu Beginn des dritten Jahrtausends waren es nur noch 3500 Tiere, während vier Unterarten mittlerweile ausgestorben sind. Zwei von ihnen – der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Java-Tiger">Java-Tiger</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bali-Tiger">Bali-Tiger</a> lebten auf den Inseln Indonesiens. Als ausgestorben gilt auch der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Südchinesischer_Tiger">Südchinesische Tiger</a>, obwohl möglicherweise einzelne Exemplare bis heute überlebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vierte ausgestorbene Unterart ist der Kaspische Tiger. Er bewohnte einst 13 Länder des Nahen Ostens, Transkaukasiens und Zentralasiens – von der Türkei bis nach Nordwestchina. Wenn man bedenkt, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts weltweit nur 13 Länder gab, in denen Tiger überlebt haben, so hat das Verschwinden dieser Unterart die Anzahl der Länder fast halbiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/bedrohte-tierart-der-kaspische-tiger-in-zentralasien/">Bedrohte Tierart: Der Kaspische Tiger in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viel mehr Kaspische Tiger als alle anderen Tiger, die zu jener Zeit weltweit existierten. Die Tiger waren an die Täler der Flüsse und die Ufer der Seen gebunden, zwischen denen sich die ausgedehnten, unbewohnten Steppen und Wüsten erstreckten. Die Hauptgründe für das Aussterben des Kaspischen Tigers waren die gezielte Vernichtung &#8211; unter anderem durch den Einsatz von Armee-Einheiten, die unkontrollierte Jagd auf Huftiere, die die Hauptnahrungsquelle des Tigers bildeten, und später die Zerstörung des Lebensraums aufgrund zahlreicher Bewässerungsprojekte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="606" height="429" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Panthera_tigris_virgata.jpg" alt="" class="wp-image-25058" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Panthera_tigris_virgata.jpg 606w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Panthera_tigris_virgata-300x212.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px" /><figcaption>Ein Kaspischer Tiger im Berliner Zoo (1899)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative, die Tiger aus Fernost an den Balqash-See umzusiedeln, kam vom WWF. Zytogenetische Studien hatten ergeben, dass eine große Ähnlichkeit zwischen den Unterarten Kaspischer und Amurtiger besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund, warum für die Wiederbelebung des Kaspischen Tigers die Wahl auf Kasachstan fiel, ist die Tatsache, dass in fast allen Ländern Asiens, in denen er einst lebte, keine weiträumig unbesiedelten Flächen mehr existieren. Es lohnt sich, die Länder aufzulisten: Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Iran, Kirgistan, China (der Kaspische Tiger lebte hier auf dem Gebiet des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang</a>), Tadschikistan, Turkmenistan und die Türkei. Für Afghanistan und den Irak führte der WWF keine Analysen durch, da die komplizierte innenpolitische Situation in diesen Ländern die Realisierung eines solchen Programms unmöglich macht.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Als Ergebnis der Untersuchungen wurden innerhalb seines ehemaligen Verbreitungsgebiets zwei mögliche Areale für die Wiederbelebung des Kaspischen ausgemacht. Eine Variante war die Gegend um den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsee</a> in Usbekistan, wo sich beobachten lässt, dass der entblößte Boden mit Tugai überwuchert. Die zweite Option war das Areal am Balqash-See.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich die Tiger in den ersten Jahren nach ihrer Umsiedlung am Balqash-See einleben, wird das Projekt der Rückkehr des Kaspischen Tigers fortgesetzt. In etwa 50 Jahren, so prognostizieren ZoologInnen, werden bereits 150 bis 180 Kaspische Tiger auf dem Territorium Kasachstans leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder gibt es im </em><a href="https://informburo.kz/stati/kak-v-pribalhashe-gotovyatsya-prinimat-pervyh-turanskih-tigrov-reportazh-iz-rezervata.html"><em>Originalartikel</em></a><em> auf Informburo.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Grigori Bedenko für Informburo</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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			</item>
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		<title>Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2020 00:40:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wasserfrage ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Kasachstan und China. Neue Wasserkraftwerke in China und eine verschwenderische Wassernutzung in Kasachstan befeuern eine mittlerweile handfeste Krise. Folgender Artikel basiert auf einer Analyse von Geopolitical Monitor und erschien in russischer Sprache bei CAA-Network, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktionen. Die Wasserfrage ist eines der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die Wasserfrage ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Kasachstan und China. Neue Wasserkraftwerke in China und eine verschwenderische Wassernutzung in Kasachstan befeuern eine mittlerweile handfeste Krise. Folgender Artikel basiert auf einer Analyse von <a href="https://www.geopoliticalmonitor.com/glacier-watch-china-kazakhstan-water-conflict-and-the-lake-balkhash-basin/">Geopolitical Monitor</a> und erschien in russischer Sprache bei <a href="https://caa-network.org/archives/19316?fbclid=IwAR1lwrpo-DOXlkRsf1wqKtQM0B1r3zodwk7s_Zk6Qr01uvKeC-8yHGdrw28&amp;__cf_chl_jschl_tk__=0c788a3ae1ed51a8149bcb8b75cd1a14f0cd6384-1588547211-0-Ac64FeQ9wqb79zA3TbahxKWvHTyF6MG4_nIJ0NcSXBUbhOJKBBSd_rWarPON_yNLtBO2YSvlZ0K6KzszpCFcTUwp9fg4xqoBSphHRV2vH-i-lfTyVo-NsLzPQAPR_PQF1ePBB5DXjrokdpFvYw66qoY5VWT5Uvaqx4BustVhay-bsB4A_lnqcLDU1s5Z3xGMRrfgv_ZlsSFQ87Lt96fMCmWRhwMrh6yDLh3DKpXIU04BMzklZzmkI3o3WnvtNZog2vKbkvyW4WfhN3VlvQxMmg9WcMSMimpPGZLA2OhD0ljNQMAPzBq67ci4sCjtB8kVy9cVhBef63SbLgl0hmMCQ1HXIPpRFvnh3K-cY2PeoTJNVNqQGnhllsaYAoD7fG83RQ">CAA-Network</a></strong><strong>, wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktionen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Wasserfrage ist eines der am wenigsten regulierten Probleme zwischen China und Kasachstan. Die Volksrepublik baut fortschreitend Wasserwerke an den Oberläufen der Grenzflüsse zu Kasachstan und erhöht somit die Wasserabnahme, was zur Verschlechterung der Wasserqualität u.a. in den Flüssen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch">Irtysch</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Talas_(Fluss)">Talas</a> führt. Dies stört das natürliche Gleichgewicht in den Seen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saissansee">Saısan</a>. Angesichts des Klimawandels, der schnellen Gletscherschmelze und des verschwenderischen Umgangs mit Wasser in Kasachstan, droht dieses Problem zu einer Krise auszuwachsen.</p>
<p style="text-align: justify">In einem ausführlichen Artikel weist <a href="https://www.geopoliticalmonitor.com/glacier-watch-china-kazakhstan-water-conflict-and-the-lake-balkhash-basin/">Geopolitical Monitor</a> konkret auf die zunehmenden Gletscherschmelzen im Tian-Shan-Gebirge hin, was zu einer deutlichen Verringerung der Wasservorräte in den aus China entspringenden kasachischen Grenzflüssen führe.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gletscher speisen Ströme</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die meisten großen Flusssysteme wie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mekong">Mekong</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Indus">Indus</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jangtsekiang">Jangtsekiang</a> speisen sich aus Gletschern. Gegenwärtig schmelzen diese Gletscher aufgrund des Klimawandels in großem Ausmaß, was die Bewässerungssysteme, Energieerzeugung und Trinkwasserreserven in einigen der am dichtesten besiedelten Regionen des Planeten bedroht. Dabei verläuft die Gletscherschmelze verschiedenartig ab. In manchen Fällen wirkt sich das Schrumpfen des Gletschers kaum auf die Vorräte der Flüsse aus, während in anderen Fällen das System der örtlichen Wasserversorgung stark gestört wird, besonders wenn die Versorgungssysteme veraltet sind und ineffiziente Technologien verwendet werden.</p>
<p style="text-align: justify">Das Konzept der „maximalen Ausgabe an Wasserreserven“ veranschaulicht die akute Gletscherschmelze. Abhängig davon, wie sehr sich die Gesamtmasse des Gletschers verringert, entstehen während der Tauperiode Wasservorräte an der Oberfläche. Wenn diese Oberflächenvorräte jedoch ihr Maximum erreicht haben, folgt ein finaler und praktisch unumkehrbarer Vorgang. Der schrumpfende Gletscher immer weniger Schmelzwasser abgeben, was wiederum die saisonale Verfügbarkeit von Süßwasser in den von ihm ausgehenden Flüssen beeinflusst. Jeder Gletscher besitzt eine individuelle Wasserspeicherschwelle ab dem dieser Prozess eintritt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine Studie, veröffentlicht in <a href="https://www.nature.com/articles/s41558-017-0049-x.epdf?referrer_access_token=4Ervz7wqXKS1dWoayWbHN9RgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P5cVgyM6j6TU1jwYEKuBeIqaZjsta1OJDb4YMCRcKZYHrn1PddgWKld8dnbLky8ui2j73jnykP_XF0fKDP8qyfbVlrhvGeClxK6eiIbbIVROWaivJ7Ejrfeo2hIEjlYlyA6M8BmtqOd-0DmEF3_Gz9pHsXLsjQvkf1e3S1Xlw5JNaykIuL74dh60GhMO3_3Bch47x67ZiIzDK8ll7oAeZPfGUMM_OM1jQy3iyqkyQD66K7gQEKSbSWggWulBZHEVo%3D&amp;tracking_referrer=www.scientificamerican.com">Nature Climate Change</a>, besagt, dass&nbsp; 45 Prozent der gletschergespeisten Flussbetten weltweit, diesen Punkt bereits passiert haben. Dies treffe etwa auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brahmaputra">Brahmaputra</a>-Quellen im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Himalaya">Himalaya</a>-Gebirge zu. Prognosen besagen in diesem Sinne auch, dass 22 Prozent der Flussbetten sich bis 2050 noch ausweiten werden, zum Beispiel die des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ganges">Ganges</a> und des oberen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Indus">Indus</a>, deren jeweiliges Maximum bis 2050 und 2070 erwartet wird.</p>
<p style="text-align: justify">Die Gefahr einer Gletscherschmelze kann nur schwer unabhängig vom jeweiligen Gesamtbild betrachtet werden. Die Wassersysteme der ganzen Welt leiden inzwischen unter menschlichen Einflüssen wie des Dammbaus, der Bewässerung und der Wasserversorgung für kommunale oder industrielle Zwecke. Zweifellos wird die Gletscherschmelze diese Probleme vertiefen. Wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Dramatisches Beispiel: Der Balqash-See</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Einzugsgebiet des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a> liegt zwischen Kasachstan und China und wird von einem Flusssystem gespeist, das seinen Lauf hoch oben in den chinesischen Gletschern des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan-Gebirges</a> nimmt. Die Studie von <a href="https://www.nature.com/articles/s41558-017-0049-x.epdf?referrer_access_token=4Ervz7wqXKS1dWoayWbHN9RgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P5cVgyM6j6TU1jwYEKuBeIqaZjsta1OJDb4YMCRcKZYHrn1PddgWKld8dnbLky8ui2j73jnykP_XF0fKDP8qyfbVlrhvGeClxK6eiIbbIVROWaivJ7Ejrfeo2hIEjlYlyA6M8BmtqOd-0DmEF3_Gz9pHsXLsjQvkf1e3S1Xlw5JNaykIuL74dh60GhMO3_3Bch47x67ZiIzDK8ll7oAeZPfGUMM_OM1jQy3iyqkyQD66K7gQEKSbSWggWulBZHEVo%3D&amp;tracking_referrer=www.scientificamerican.com">Natur Climate Change</a> nennt den Balqash als von &nbsp;Gletscherschmelzen besonders bedroht. So erwarte man, dass seine Wasservorräte wegen des Schrumpfens der Gletscher künftig um mindestens zehn Prozent sinken werden. Forschungen besagen, dass das Maximum der Ausgaben an Wasserreserven der meisten Gletscher des Tian Shan noch nicht erreicht sei, dies aber in den kommenden 20 Jahren zu erwarten ist.</p>
<p style="text-align: justify">Seit den 1960er Jahren schwindet der Balqash-See mit seiner ursprünglichen Fläche von rund 16.000 Quadratkilometern zunehmend. Die Ursachen sind menschengemacht. Der See versandet, sein Wasser wird immer salziger. Der Wasserspiegel des Balqash sinkt bereits so schnell, dass viele sein Schicksal mit dem des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsees</a> vergleichen. Etwa 80 Prozent des Balqash-Wassers bringt aus dem Südosten der Fluss Ili, der damit eines der größten Feuchtgebiete Zentralasiens formt. Der Ili entspringt in China, wo er aber große künstliche Barrieren überwinden muss, bevor er nach Kasachstan fließt.</p>
<p style="text-align: justify">Die grenzüberschreitenden Flüsse Zentralasiens wie der Ili, Irtysch und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> sind immer wieder Gegenstand internationaler Wasserkonflikte. Gerade diese drei Flüsse sind die wichtigsten Süßwasserquellen Kasachstans. Allein bereits im Ili ist aber in den letzten 20 Jahren ein starker Rückgang der Reserven verzeichnet worden: Von 17,8 auf 12,7 Kubikkilometer Wasser im Jahr.</p>
<p style="text-align: justify">Die Landwirtschaft hauptschuldig für die sinkenden Wasserpegel. Der Anbau im trockenen Klima Zentralasiens benötigt gut funktionierende Bewässerungssysteme. Viele sind jedoch noch zu Sowjetzeiten erbaut und aus heutiger Sicht ineffizient und verschwenderisch. Einer Schätzung nach ist die Landwirtschaft verantwortlich für 89 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs in Kasachstan. Das übertrifft deutlich die Zahlen europäischer Staaten, in denen der Anteil gerade einmal bei 58 Prozent liegt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-2030-wie-steht-es-um-das-wassermanagement/">Zentralasien 2030: Wie steht es um das Wassermanagement?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Auf der kasachischen Seite der Grenze wurden im Jahr 1969 für den Fluss Ili die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qapschaghai-Talsperre">Qapschaghai- Talsperre</a> errichtet, um die landwirtschaftlichen Nutzung 400.000 Hektar Land für den wasserintensiven Reisanbau zu versorgen. Der Staudamm füllte sich nur langsam, über 20 Jahre hinweg. Zeitgleich fiel der Wasserspiegel des Balqash-Sees um zwei Meter und versandete fortlaufend. Daher wurde die Sperre des Qapschaghai in den 80er Jahren vorerst ausgesetzt. Letztlich blieb der Wasserstand der Talsperre niedriger als geplant.</p>
<p style="text-align: justify">Auf chinesischer Seite betrug die aus dem Ili und seinen Zuflüssen aus der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang gespeiste bewässerte Landwirtschaft Ende der 80er Jahre noch 300.000 Hektar. Seither dehnte sich diese Anbaufläche im Zuge des wirtschaftlichen Booms in China &#8211; unter dem politischen Motto „Eroberung des Westens“ &#8211; weiter aus und hatte Zwangsumsiedlungen zur Folge. Laut einer <a href="https://www.abacademies.org/articles/is-iliirtysh-rivers-a-casualty-of-kazakhstanchina-relations-7304.html">Schätzung</a> wuchs die bewirtschaftete Landfläche von etwa 700.000 Hektar im Jahr 2004 auf 1,3 Millionen Hektar im Jahr 2014. In einer Studie von <a href="https://www.mdpi.com/2073-4441/10/11/1650/htm">Sabir Nurtasin</a> betrug der Wasserverbrauch in den 2000er Jahren auf chinesischer Seite 38 Prozent und auf kasachischer Seite 62 Prozent des Gesamtvolumens. Bis zum Jahr 2014 stiegen diese Anteile Chinas aufgrund der wachsenden Energienachfrage der Wirtschaft Xinjiangs auf 57 Prozent. Diese Tendenz hat sich seitdem sicherlich weiter fortgesetzt.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: Kirgistan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-wie-die-frauen-das-fliesende-wasser-zuruck-nach-an-oston-brachten/">Wie die Frauen das fließende Wasser zurück nach An Oston brachten</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Dämme und Kraftwerke sind dabei ein wichtiger Faktor, der die Wasserknappheit des Flusses Ili und des Balqash-Sees verursachen. Das bereits erwähnte Wasserkraftwerk von Qapschaghai, gelegen auf kasachischem Gebiet, erzeugt eine Leistung von etwa 364 Megawatt. Dabei stammen nur 11 Prozent der gesamten Stromproduktion des Landes aus Wasserkraftwerken. Die meisten davon befinden sich am Irtysch. Die Regierung Kasachstans plant derweil eine Reihe kleinerer Wasserkraftwerke in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schambyl_(Gebiet)">Zhambyl</a> unweit des Balqash-Sees &#8211; obwohl die sinkenden Wasservorräte langfristig ihre Wirtschaftlichkeit gefährden.</p>
<p style="text-align: justify">In China sind bereits an den Flüssen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tekes_(Fluss)">Tekes</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Künes_(Fluss)">Künes</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakax_(Fluss)">Karakax</a> weitere Wasserkraftwerke entstanden. Alle drei Flüsse speisen sich aus Gletschern des Tian-Shan-Gebirges und fließen in den Ili ab. Xinjiang ist Chinas Zentrum für Kohlekraft, allein das Kraftwerk bei Yining (Gulja) erzeugt mehr Energie als das Wasserkraftwerk Qapschaghai und benötigt riesige Mengen Wasser aus dem Ili. Letztlich ist also auch die große Wassernachfrage der Kohleindustrie verantwortlich für das Austrocknen der Böden großer Teile des Nordwestens Chinas.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Düstere Aussichten für Kasachstan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die oben beschriebene Wasserfrage ist schon jetzt ein großes politisches Problem in Kasachstan und China. Darüber hinaus wird die Gletscherschmelze im Tian-Shan-Gebirge den Wasserstrom in den kommenden Jahrzehnten um mehr als zehn Prozent senken. Angesichts des unerbittlichen Klimawandels werden die Gletscher in den Bergen verschwinden und nicht mehr wiederherzustellen sein. Letztlich werden die Länder der Region gezwungen sein, künftig mit deutlich weniger Wasserressourcen auszukommen.</p>
<p style="text-align: justify">China befindet sich in der potentiellen Krise am Seebecken Balqash noch in einer günstigeren Lage. Das Land kontrolliert den oberen Lauf der Flüsse, die den Ili und den Balqash-See mit Wasser versorgen. Was auch immer die Regierung Chinas entscheidet, wie die Frage nach dem zentralasiatischen Wasser gehandhabt wird &#8211; Kasachstan wird die Folgen spüren. China kann außerdem aufgrund seines wirtschaftlichen Gewichts und seiner überlegenen militärischen Macht unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Verhandlungen mit Kasachstan nehmen.</p>
<p style="text-align: justify">Die jahrelangen bilateralen Verhandlungen zwischen den zwei Ländern haben bislang gerade einmal dazu geführt, dass China seine hydrologischen Daten veröffentlicht. Außerdem ist ein Abkommen über die Wasserverteilung des kleineren Flusses Horgos geschlossen worden. Der Fluss ist verhältnismäßig wenig umstritten und außerdem eng mit den Projekten der Initiative <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">One Belt, One Road</a> und dem Binnenhafen Horgos verbunden. Konkret einigten sich beide Seiten darauf, im Interesse einer gemeinsamen Wirtschaftszone, zusammen einen Damm zu bauen. Die Umsetzung des Abkommens ist allerdings noch strittig. Nach Zeugenaussagen von Landwirten im Gebiet Almaty hat China seit der Unterzeichnung des Abkommens seine Wasserabnahme um ein Vielfaches erhöht, sodass Tausende Hektar an bestellten Maisfeldern unter Dürre und Wassermangel leiden.</p>
<p style="text-align: justify">Das Gemeinschaftsprojekt am Horgos ist eher die Ausnahme als die Regel. Peking verweigert die Unterzeichnung jeglicher bindender, internationaler Abkommen über eine gemeinsame Wassernutzung: Sei es zum Oberlauf des Mekong, Brahmaputra oder Irtysch. Das betrifft ebenso den Ili.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-kaspische-meer-am-scheideweg/">Das Kaspische Meer am Scheideweg</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Da bisher sämtliche Offerten an China abgeschmettert wurden, ist die Neuausrichtung der internationalen Wasserpolitik zu einer der Prioritäten der Regierung Kasachstans geworden. Ein echter Fortschritt in dieser Richtung kann allerdings erst dann erzielt werden, wenn die veralteten Abwasserrichtlinien und Agrarpraktiken überarbeitet werden.</p>
<p style="text-align: justify">Verschiedene internationale Stiftungen unterstützen Kasachstans Bemühungen mit dem Ziel, bis zum Jahr 2030 bis zu 9,1 Milliarden Kubikmeter Wasser einzusparen. Helfen sollen dabei neue Methoden in der Landwirtschaft, der industriellen und kommunalen Wassernutzung. Allerdings können auch jene neuen Ansätze nicht unbedingt alle Probleme lösen. Besonders schwierig erscheint dies angesichts der fehlenden internationalen Absprachen zwischen den betroffenen Staaten. Selbst wenn Kasachstan erfolgreich wassersparende Technologien einführt und so eine effizientere Wassernutzung erreicht, verhindert das nicht die drohende Wasserkrise. Viel hängt hierbei auch von China ab.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Viele Gletscher, die den Balqash-See speisen, sind noch weit entfernt vom Erschöpfen ihrer Wasserreserven. Aber schon in den nächsten Jahrzehnten wird sich das ändern und ihre Oberflächenvorräte werden schrumpfen. Wenn bis dahin keine bindenden Regelungen zum Wasserverbrauch eingeführt werden, werden sich die Unstimmigkeiten zwischen Kasachstan und China verdichten &#8211; ein Kampf, den Nursultan kaum gewinnen kann.</p>
<p style="text-align: right"><a href="https://caa-network.org/archives/19316?fbclid=IwAR1lwrpo-DOXlkRsf1wqKtQM0B1r3zodwk7s_Zk6Qr01uvKeC-8yHGdrw28&amp;__cf_chl_jschl_tk__=0c788a3ae1ed51a8149bcb8b75cd1a14f0cd6384-1588547211-0-Ac64FeQ9wqb79zA3TbahxKWvHTyF6MG4_nIJ0NcSXBUbhOJKBBSd_rWarPON_yNLtBO2YSvlZ0K6KzszpCFcTUwp9fg4xqoBSphHRV2vH-i-lfTyVo-NsLzPQAPR_PQF1ePBB5DXjrokdpFvYw66qoY5VWT5Uvaqx4BustVhay-bsB4A_lnqcLDU1s5Z3xGMRrfgv_ZlsSFQ87Lt96fMCmWRhwMrh6yDLh3DKpXIU04BMzklZzmkI3o3WnvtNZog2vKbkvyW4WfhN3VlvQxMmg9WcMSMimpPGZLA2OhD0ljNQMAPzBq67ci4sCjtB8kVy9cVhBef63SbLgl0hmMCQ1HXIPpRFvnh3K-cY2PeoTJNVNqQGnhllsaYAoD7fG83RQ"><strong>CAA-Network</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>
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		<title>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2020 12:09:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balchasch]]></category>
		<category><![CDATA[Balchaschsee]]></category>
		<category><![CDATA[Balqash]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserkonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Balqash mit seiner S&#xFC;&#xDF;wasser- und Salzwasserh&#xE4;lfte ist ein einzigartiger See in Zentralkasachstan. Durch geringere Zuflussmengen droht aber auch ihm das Schicksal des Aralsees. &#xDC;ber dieses und weitere Wasserprobleme in Zentralasien diskutierten ExpertInnen auf einer Konferenz in Almaty. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf Forbes.kz. Wir &#xFC;bernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Der Balqash mit seiner Süßwasser- und Salzwasserhälfte ist ein einzigartiger See in Zentralkasachstan. Durch geringere Zuflussmengen droht aber auch ihm das Schicksal des Aralsees. Über dieses und weitere Wasserprobleme in Zentralasien diskutierten ExpertInnen auf einer Konferenz in Almaty. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf <a href="https://forbes.kz/process/balhash_mojet_povtorit_sudbu_arala/">Forbes.kz</a>. Wir übernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Vergesst das Öl – denkt an das Wasser“</em>, sagte 1962 US-Präsident John F. Kennedy. Eben zu jener Zeit, Anfang der 60er Jahre, begann das Verschwinden des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee">Aralsees</a> und die Region spürte, wie sehr JFK recht hatte. Und bis heute verschärft sich das Problem. In nicht allzu ferner Zukunft könnte sich das Schicksal des Aralsees am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash</a> wiederholen. Davor warnten ExpertInnen im Rahmen einer Konferenz zu Problemen der Wasserverteilung in Zentralasien. Die Rettung des Sees wird zig Milliarden US-Dollar kosten.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Fonds zur Rettung des Aralsees haben WissenschaftlerInnen aus Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Turkmenistan zum Forum „Innovative Ansätze für das nachhaltige Wassermanagement Zentralasiens“ nach Almaty eingeladen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify;">Die Umweltkatastrophe, die am Aralsee durch die irrationale Nutzung von Wasserressourcen hervorgerufen wurde, hat gravierende Folgen für 10 Millionen Menschen &#8211; nicht nur in den Anrainerstaaten Kasachstan und Usbekistan, sondern auch in den Nachbarländern. Wüstenbildung, Rückgang von Weideflächen, das Versalzen von Böden und andere Probleme haben die traditionellen Beschäftigungen der lokalen Bevölkerung unmöglich gemacht oder zumindest erschwert. Dies gilt insbesondere für den Fischfang.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Am Aralsee sind 44 Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen, während es in der gesamten Region 13,8 Prozent sind“</em>, erläuterte Firuz Ibrohimov, technischer Berater des UNDP in Kasachstan. <em>„Männer im erwerbsfähigen Alter sind in Arbeitsmigration involviert. Diese Einkommensquelle ist weder sicher noch stabil. Darüber hinaus wirken sich die Auswirkungen von Staubstürmen, Unterernährung und verminderter Trinkwasserqualität negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Inzidenz von Anämie ist um 30 Prozent höher als der Durchschnitt der Region. Bei Asthma ist sie doppelt so hoch, bei hämatologischen Erkrankungen 2,5-mal und bei Tuberkulose 4-mal höher. All dies hat sich auf die Lebenserwartung der Bevölkerung der Aral-Region ausgewirkt“</em>, erklärte Ibrohimov weiter.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/warum-der-aralsee-nicht-das-einzige-umweltproblem-usbekistans-ist/">Warum der Aralsee nicht das einzige Umweltproblem Usbekistans ist</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Problem wird durch den sich entwickelnden Klimawandel und die erwartete Abnahme des Wasserstandes der Flüsse verschärft. Die Prognose des Hydrometeorologischen Instituts Usbekistans (Uzgidrometa) besagt, dass bis zum Jahr 2050 der Wasserstand des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a> um 10 bis 15 Prozent und der des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> um 2 bis 5 Prozent zurückgehen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Das wichtigste Element der Anpassung an sich verändernde Bedingungen ist die Verbesserung der Nachhaltigkeit der Landwirtschaft durch die Einführung moderner ressourcenschonender Bewässerungssysteme. Auch der Schutz der Wasserressourcen und wirksame Maßnahmen zur Regulierung des Wasserverbrauchs sind notwendig.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Niedriger Wasserstand</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings befinden sich nicht alle Karten auf der Hand jener Länder, die unter der ökologischen Krise leiden. So hängt Kasachstan derzeit davon ab, wie gefüllt die aus China kommenden Flüsse sein Territorium erreichen. WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 die gesamte Wassermenge in Kasachstans Flüssen 81,6 Kubikkilometer beträgt und, dass sich diese allerdings bis 2030 auf 72,4 Kubikkilometer verringern wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Situation wird durch die Tatsache verschärft, dass China kein Abkommen über die Nutzung grenzüberschreitender Flüsse unterzeichnet hat. So wird es im Fall von Problemen schwierig sein, mit dem Nachbarn zu Lösungen zu kommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/grenzueberschreitende-fluesse-verhandlungen-zwischen-kasachstan-und-china-fuehren-zu-spannungen/">Grenzüberschreitende Flüsse: Verhandlungen zwischen Kasachstan und China führen zu Spannungen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>„Die Fläche des bewässerten Ackerlandes in China nimmt ständig zu und ist nur in den letzten Jahren um 2 Millionen Hektar gewachsen“</em>, erzählt Anatolij Rjabzow, Direktor des Instituts Kazgiprovodhoz. <em>„Aus dem Fluss </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)"><em>Ili</em></a><em> werden von China derzeit nahezu eine Million Hektar direkt entnommen. In Kasachstan macht sich das schon bemerkbar. Und der Ili macht 80 Prozent des Zuflusses in den Balqash aus. Daher sprechen wir davon, dass unserem einzigartigen See perspektivisch das gleiche Schicksal wie dem Aralsee droht. Ja, derzeit arbeitet eine gemeinsame kasachstanisch-chinesische Kommission, die diese Frage kontrolliert. Alle sind daran interessiert den Balqash zu erhalten, das müssen wir unseren Nachbarn zugestehen. Vielmehr tadeln sie uns: Warum verschwenden wir irrational Wasser?“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Während in Kasachstan immer noch auf Furchen gegossen wird, nutzt China moderne Bewässerungstechniken, um zu sparen. Darüber hinaus sind im Gegensatz zu Kasachstan die Hauptkanäle in China mit Platten ausgekleidet. Aus diesem Grund liegt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wirkungsgrad">Wirkungsgrad</a> der Kanäle in Kasachstan bei 65 Prozent und in China bei 85 Prozent.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Mit Sparen allein ist nichts zu retten</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im Übrigen wies Dinara Ziganshina, stellvertretende Direktorin des Zwischenstaatliches Wasserkoordinationszentrum für Zentralasien in Taschkent, darauf hin, dass das Problem nur vorübergehend durch das Einsparen von Wasser gelöst werden kann. Bis 2050 werden die Reserven aufgebraucht sein. Zwei Faktoren verschärfen die Situation: einerseits der geringere Wasserstand, anderseits das Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende höhere Wasserverbrauch. Es wird erwartet, dass die Bevölkerung der Region bis 2040 auf 8 bis 10 Millionen Menschen anwachsen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Deswegen erinnerte Ziganshina an die Vorschläge, das Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dawydow-Plan">Sibaral-Kanals</a> wiederaufzunehmen, an dem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gearbeitet wurde, bevor man es dann aber aufgab. Grund dafür waren Befürchtungen von UmweltschützerInnen, dass die Wasserentnahme den Unterlauf des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ob">Ob</a> vor allem in Niedrigwasserjahren drastisch schwächen würde. Derzeit vertreten WissenschaftlerInnen jedoch einen anderen Standpunkt. Tatsache ist, dass der Klimawandel dagegen den Wasserstand der sibirischen Flüsse erhöht. Nach Schätzung von Professor Wiktor I. Kusin (Sibirische Abteilung der Akademie der Wissenschaften) wird bis 2050 die der Abfluss von Ob und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jenissei">Jenissej</a> in die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karasee">Karasee</a> um etwa 100 Kubikkilometer pro Jahr zunehmen.</p>
<p><figure id="attachment_20335" aria-describedby="caption-attachment-20335" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20335" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/35112058_7cbb1d6c92_o.jpg" alt="Landschaft am Balqash" width="800" height="600" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/35112058_7cbb1d6c92_o.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/35112058_7cbb1d6c92_o-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/03/35112058_7cbb1d6c92_o-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-20335" class="wp-caption-text">Der Balqash ist der größte See Kasachstans</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify;">In diesem Zusammenhang äußerten UmweltschützerInnen dagegen Interesse an den Plänen, einen Teil des Wassers umzuleiten. So glaubt der britische Professor John Nissen, dass die Ableitung von 60 Kubikkilometern Wasser aus den sibirischen Flüsse den Anstieg des Arktischen Ozeans um sechs Zentimeter verringern wird, was das Schmelzen des arktischen Eises stoppen könnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die 1983 entwickelte Machbarkeitsstudie des Sibaral-Kanals sah eine Länge von 2550 Kilometer, eine Breite von 150 bis 300 Metern und eine Tiefe von 15 Metern vor. Mehr als 27 Kubikkilometer pro Jahr sollten so umgeleitet werden. ExpertInnen weisen aber auf die Notwendigkeit hin, die Machbarkeitsstudie sowohl hinsichtlich der technischen Parameter als auch der Kosten des Projekts zu überarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Weltweite Erfahrungswerte</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In der weltweiten Praxis ist es weit verbreitet, Flusswasser aus den am meisten gesicherten Regionen in jene mit Wassermangel umzuleiten. Solche Projekte gibt es in China, Indien, den USA, Russland und anderen Ländern.</p>
<p style="text-align: justify;">Erinnert sei hierbei an den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserkanal">Großen Kanal</a> in China, der die Flüsse <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gelber_Fluss">Huanghe</a> (Gelber Fluss) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jangtsekiang">Jangtsekiang</a> miteinander verbindet. Es handelt sich um eine der ältesten hydrotechnischen Einrichtungen der Welt. Die Bauarbeiten begannen im 6. Jahrhundert v. Chr. und dauerten 2000 Jahre. Heute ist er eine der wichtigsten inneren Arterien Chinas, indem er die Häfen von Shanghai und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tianjin">Tianjin</a> miteinander verbindet.</p>
<p style="text-align: justify;">Und auch in Kasachstan gibt es ein solches Beispiel &#8211; den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch-Qaraghandy-Kanal">Irtysch-Qaraģandy-Kanal</a>, der die Frage der Wasserversorgung in Zentralkasachstan gelöst hat. Der Kanal wurde 1974 eingeweiht und hat eine Länge von 458 Kilometern. Neben der Trinkwasserversorgung ermöglichte er die Gründung einer ganzen Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben, die sich auf die bewässerte Landwirtschaft auf Äckern direkt am Kanal spezialisiert haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Übrigen meinen ExpertInnen, dass es möglich wäre, die Wasserentnahme aus dem Irtysch zu erhöhen und den Kanal zu einem „Transkasachstanischen Kanal“ zu verlängern. Eine Version schlägt vor, den Kanal für den Transport von Wasser aus den sibirischen Flüssen in die Einzugsgebiete von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tobol">Tobol</a> und Syrdarja zu nutzen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ein Zweigkanal in die Hauptstadt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eine besondere Rolle bei der Realisierung des Projekts könnte einem Zweigkanal nach Nur-Sultan zu Teil werden. <em>„Der Bau eines Abflusses vom Sátbaev-Kanal (dem Irtysch-Qara</em><em>ģandy-Kanal, Anm. d. Ü.) nach Nur-Sultan wird zurzeit schon besprochen“</em>, berichtet Anatolij Rjabzow. <em>„Als Ausgangspunkt wird der Bereich um die Siedlung Shiderti vorgeschlagen, die Länge soll 340 Kilometer entlang der Pawlodarer Trasse betragen. Am Endpunkt, in der Nähe der Hauptstadt, soll ein Stausee entstehen. Davon soll dann ein Zweig zur Kläranlage der Stadt und einer zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischim_(Fluss)">Ischim</a> führen, um diesen zu speisen“</em>, erklärt der Experte weiter.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Projektkonzept wurde vom Institut Kazgiprovodhoz in mehreren Varianten vorbereitet. Zum ersten Mal wurde es der Regierung im Jahr 2008 präsentiert, ohne allerdings Interesse zu wecken. Im Jahr 2014 wurde die Frage wieder aufgeworfen und mit mehr Aufmerksamkeit bedacht, da vor dem Hintergrund der Entwicklung der Hauptstadt die Frage der Wasserversorgung akuter geworden ist.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien/">Die fünf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em> „Jetzt geht es nicht nur um die Trinkwasserversorgung von Nur-Sultan, sondern um die der ganzen Agglomeration“</em>, merkte Anatolij Rjabzow an, <em>„Wasser ist auch notwendig für die Bewässerung von Ackerland, auf dem Gemüse angebaut wird, und für die Bewässerung von Grünflächen rund um die Stadt und so weiter. Vor kurzem war ich im Ausschuss für Wasserressourcen, traf mich mit dem stellvertretenden Minister für Umwelt, Geologie und Naturressourcen der Republik Kasachstan Sergej Gromov. Uns wurde aufmerksam zugehört.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">Die Umsetzung der Pläne lässt jedoch auf sich warten. Die ExpertInnen des Instituts Kazgiprovodhoz bieten drei Varianten der Verlegung des „Transkasachstanischen Kanals“ an – mit einer Länge von 1438, 2287 oder 3124 Kilometern. Die Baukosten betragen entsprechend der Länge 14,4 Milliarden Euro, 21,5 Milliarden Euro oder 28,2 Milliarden Euro. Das Wasservolumen, das über die Strecke transportiert werden soll, beläuft sich in allen drei Varianten auf 4,1 Kubikkilometer pro Jahr.</p>
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<p style="text-align: justify;">Die Kosten für Wasser würden sich &#8211; unter Berücksichtigung der Betriebskosten &#8211; für die Bevölkerung auf etwa 0,30 US-Dollar pro Kubikmeter belaufen. Es wird veranschlagt, dass einer Person pro Tag ein Kubikmeter zur Verfügung steht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die ExpertInnen haben nun gesprochen, jetzt liegt es an der Politik. Interesse an dem Projekt hat nicht nur Kasachstan, sondern auch Russland, das sich um die Wasserversorgung seiner Grenzgebiete kümmert, aber auch China, Usbekistan und alle anderen Länder Zentralasiens. Im Falle einer Entscheidung über die gemeinsame Finanzierung des „Transkasachstanischen Kanals“ wird seiner Umsetzung nichts im Wege stehen.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><a href="https://forbes.kz/process/balhash_mojet_povtorit_sudbu_arala/">Forbes.kz</a></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>
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