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	<title>Auswanderung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Auswanderung Archives</title>
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		<title>Wollen denn alle schlauen Köpfe Kasachstan verlassen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antong]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2025 19:10:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ausland]]></category>
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		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer Umfrage zufolge spielt jeder f&#xFC;nfte Befragte in Kasachstan mit dem Gedanken, permanent oder vor&#xFC;bergehend ins Ausland zu gehen. Der Begriff &#x201E;Braindrain&#x201C; meint eine hohe Abwanderung von qualifizierten Fachkr&#xE4;ften und Verlust von Humankapital; doch erzeugt das Wortbild wom&#xF6;glich mehr Pathos, als er die Wirklichkeit widerspiegelt. Steht dem Land tats&#xE4;chlich eine Krise im Arbeitsmarkt bevor? In [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einer Umfrage zufolge spielt jeder fünfte Befragte in Kasachstan mit dem Gedanken, permanent oder vorübergehend ins Ausland zu gehen. Der Begriff „Braindrain“ meint eine hohe Abwanderung von qualifizierten Fachkräften und Verlust von Humankapital; doch erzeugt das Wortbild womöglich mehr Pathos, als er die Wirklichkeit widerspiegelt. Steht dem Land tatsächlich eine Krise im Arbeitsmarkt bevor?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Journalismus-Netzwerk MediaNet und der Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht eine <a href="https://demos.kz/poll-one-in-five-kazakh-citizens-considers-emigrating/?lang=en">Umfrage</a> die Einstellung der Befragten bezüglich möglicher Auswanderungspläne und -motive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Ergebnissen zufolge würde jeder fünfte Befragte in Betracht ziehen ins Ausland zu gehen, wovon 6,9 Prozent es in den nächsten 2 bis 3 Jahren beabsichtigen, das Land zu verlassen und 5,6 Prozent es aus persönlichen Gründen nicht können. Darunter fallen auch einige wenige, die einen Umzug unter bestimmten Voraussetzungen erwägen würden. In der Gruppe der 30-jährigen Befragten ist der Wunsch nach einem Neuanfang im Ausland besonders groß: &nbsp;Sogar jeder Zehnte gibt an, eine Aussiedlung innerhalb von 2 bis 3 Jahren anzustreben.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Zahlen schließen auf den ersten Blick auf einen pauschal hohen Auswanderungswillen der Bevölkerung, wobei sich die Zahlen in den einzelnen Altersgruppen unterscheiden. Nicht überraschend tendieren eher jüngere Menschen dazu, ihr Glück im Ausland zu suchen, doch gibt die Umfrage nicht her, ob der Aufenthalt dauerhaft oder kurzweilig bezweckt ist. Eine allgemeingültige Quintessenz der Umfrage lässt sich unter diesen Voraussetzungen nicht finden. Viel eher ist eine auf die einzelnen Bedürfnisse differenziert betrachtete Perspektive angebracht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mannigfaltige Motive</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Hauptgründen äußerte ein Viertel der Befragten den Wunsch nach höheren Löhnen, fast gleich viel nennen mangelnde Perspektiven für sich und ihre Kinder im Land und den Wunsch nach einem besseren Arbeitsplatz (14 Prozent). Für junge Menschen seien Motive wie Ausbildungsmöglichkeiten und Selbstentfaltung ausschlaggebend, wohingegen in den mittleren und höheren Altersgruppen deutlich häufiger Unzufriedenheit im eigenen Land ausschlaggebend sind. Nur für 0,6 Prozent der Befragten ist der Wunsch nach der Rückkehr zur „historischen Heimat“ ein Beweggrund.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-der-krieg-in-der-ukraine-die-auswanderung-von-russinnen-aus-kasachstan-nach-russland-beeinflusst/"><strong>Wie der Krieg in der Ukraine die Auswanderung von Russ:innen aus Kasachstan beeinflusst</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es zu einer großen Auswanderungswelle aus Kasachstan. Eine 2020 veröffentlichte <a href="https://kazakhstan.unfpa.org/sites/default/files/pub-pdf/UNFPA_FullReport_Eng_Final_0.pdf">Statistik</a> verzeichnet allein zwischen 1999 und 2001 einen beachtlichen Bevölkerungsverlust aufgrund hoher Emigrationszahlen (ca. 100.000 Ausgewanderte pro Jahr) und einer vergleichsweise niedrigen natürlichen Bevölkerungsentwicklung (ca. 70.000 Geburten pro Jahr), also der Differenz zwischen der Geburten- und Sterberate. Allein zwischen 2004 und 2011 stieg die Anzahl der Einwanderer nach Kasachstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://stat.gov.kz/en/industries/social-statistics/demography/publications/157661/">Offizielle Zahlen der Agentur für Statistik der Republik Kasachstan</a> deuten sogar auf einen positiven Trend in den vergangenen Jahren hin; 2024 seien doppelt so viele Menschen nach Kasachstan migriert als es verließen. Der Grund dafür war der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, aufgrund dessen viele Menschen aus GUS-Staaten, wie Russland, der Ukraine und Belarus, <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">vor Krieg, Einberufung oder politischer Verfolgung flohen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sorgen und Träume der jungen Bevölkerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist vor allem die jüngere Generation, die sich nach einem Leben im Ausland sehnt. Bildungsinstitutionen im Inland haben einerseits keinen allzu guten Ruf, aufgrund hoher Universitätsgebühren und vermeintlich schlechterer Qualität der Ausbildung. Gleichzeitig locken Universitäten im Ausland mit niedrigeren Kosten, höheren Stipendien und Möglichkeiten der beruflichen Spezialisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage ist unter den jüngeren Altersgruppen berechtigt: Wie sehen ihre Zukunftspläne konkret aus? Schaut man auf die teilweise marode Infrastruktur Kasachstans und die drohenden Probleme unter anderem in der <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-bevoelkerung-leidet-unter-wassermangel/">Wassersicherheit</a> und beim <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-klimawandel-und-hochwasser-ist-kasachstan-gewappnet-fuer-neue-katastrophen/">Katastrophenschutz</a>, braucht Kasachstan qualifizierte Fachkräfte mehr denn je, um das Leben der im Durchschnitt sehr jungen Bevölkerung sicher und zukunftsorientiert zu machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kausalität mit Vorsicht zu genießen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einen drohenden „Braindrain“ sah <a href="https://thediplomat.com/2024/08/causes-and-consequences-of-kazakhstans-brain-drain/">The Diplomat</a> &nbsp;vergangenen August mit Verweis auf Daten des Nationalen Statistikamts kritisch. Obwohl die absolute Zahl der Auswanderungen steigt, sei dies nicht gleichbedeutend mit dem permanenten Auswanderungswillen einzelner Individuen oder Gruppen im Land. Nimmt man nämlich Studierende und Familien ins Visier, bleibt unklar, ob sie tatsächlich vorhaben, im Ausland zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch eine größere Anzahl an Menschen im Land, die mit der aktuellen Situation unzufrieden ist. In Personenportraits und Leserkommentaren, wie sie vor einiger Zeit das Online-Medium <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/asking-question/31241-kuda-i-pochemu-uezzhayut-molodye-kazahstantsy">The Village</a> aufgeführt hat, wird auf ein korruptes Bildungssystem angespielt. Weiterhin wird sich die Situation auf dem Land und in kleineren Ortschaften aufgrund von Populationsschwund zuspitzen, wie auch in Großstädten wie Almaty oder Astana aufgrund von Überbevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-im-fluss-das-neue-themenheft-der-zeitschrift-osteuropa/"><strong>Zentralasien im Fluss: Das neue Themenheft der Zeitschrift „Osteuropa“</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ball liegt bei der Politik. Maßnahmen, um öffentliche Einrichtungen transparent und bevölkerungsorientiert auszurichten, müssen angegangen und das Vertrauen der jungen Menschen Kasachstans wiederhergestellt werden. Andernfalls könnte sich die Anzahl derjenigen, die das Land verlassen möchten oder tatsächlich verlassen, noch weiter zuspitzen. Auf unabsehbare Zeit wird der Ukraine-Krieg enden, sich die Situation in Belarus, der Ukraine und der Russischen Föderation bessern, und die nach Kasachstan eingewanderten Fachkräfte womöglich zurückgehen. Es ist ein Spiel mit der Zeit, das sich die Republik Kasachstan nicht leisten kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das weite Bild sehen: Einordnung und Zusammenfassung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht einfach, eine Antwort nach dem Prinzip „One size fits all“ zu finden. Dementsprechend sind großflächige Gegenmaßnahmen durch die kasachstanische Regierung schwer vorstellbar: Unterschiedliche Gruppen, ob demografisch oder sozioökonomisch getrennt, haben unterschiedliche Bedürfnisse. Zum Beispiel würde eine Reform des Bildungswesens Schülern und Studenten zugutekommen, doch würden etwaige Steuerausgaben anderen Bevölkerungsschichten nur indirekt helfen und womöglich zusätzlich belasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/immer-mehr-zentralasiatische-staatsangehoerige-machen-sich-auf-in-die-vereinigten-staaten/"><strong>Immer mehr zentralasiatische Staatsangehörige machen sich auf in die Vereinigten Staaten</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig macht man es sich womöglich zu einfach, wenn man einzelne Migrationsmotive isoliert voneinander betrachtet und auf ganze Gruppen anwendet. Push- und Pull-Faktoren sind in diesem Zusammenhang für das induktive Verständnis weniger hilfreich, da sie das komplexe Zusammenspiel von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren ausblenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursache dafür, dass mehr Menschen das Land verlassen wollen, sind vielschichtig. Die Zahlen lassen sich nicht mit einem Zensus der (Un-)Zufriedenheit der Bevölkerung gleichsetzen. Globalisierungstendenzen und der Ausbau des Mittelstandes sind nur zwei Faktoren, die es Menschen einfacher macht, sich zu informieren und den tatsächlichen Schritt zu wagen, das Land zu verlassen oder vorher Erfahrungen im Ausland zu sammeln.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Anton Genza für Novastan</strong></p>
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		<title>Kirgistan: „Der Tod der orthodoxen Kirche ist nicht unvermeidlich“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Arnaud Enderlin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Aug 2018 02:36:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Auswanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Orthodoxie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl die russisch-orthodoxe Kirche hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl an zweiter Stelle der Religionen in Kirgisistan und in Zentralasien steht, bleibt ihr Alltag gr&#xF6;&#xDF;tenteils unbekannt, und dies trotz der historischen Verkn&#xFC;pfung der zentralasiatischen L&#xE4;nder mit Russland. Novastan interviewte Vater Aleksei, Priester an der Kathedrale der heiligen Auferstehung in Bischkek. Die russisch-orthodoxe Kirche stellt heute die zweitmeistvertretene Religion [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Obwohl die russisch-orthodoxe Kirche hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl an zweiter Stelle der Religionen in Kirgisistan und in Zentralasien steht, bleibt ihr Alltag größtenteils unbekannt, und dies trotz der historischen Verknüpfung der zentralasiatischen Länder mit Russland. Novastan interviewte Vater Aleksei, Priester an der Kathedrale der heiligen Auferstehung in Bischkek.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die russisch-orthodoxe Kirche stellt heute die zweitmeistvertretene Religion in Zentralasien dar. Diese Gemeinschaft geht auf die historische Beziehung der Region mit Russland zurück. Trotz dem alarmierenden Rückgang der Mitgliederzahlen seit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zerfall_der_Sowjetunion">Zusammenbruch der UdSSR</a> 1991 ist die Konfession in den Medien kaum thematisiert.</p>
<p style="text-align: justify">Wo ist heutzutage der Platz der orthodoxen Kirche in Kirgistan und ferner in Zentralasien? Dieser Frage ist Novastan in einem Interview mit Vater Aleksei, Priester an der <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%92%D0%BE%D1%81%D0%BA%D1%80%D0%B5%D1%81%D0%B5%D0%BD%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D1%81%D0%BE%D0%B1%D0%BE%D1%80_(%D0%91%D0%B8%D1%88%D0%BA%D0%B5%D0%BA)">Kathedrale der heiligen Auferstehung</a> im Herzen Bischkeks, nachgegangen. Hier spricht der Geistliche über die aktuelle Lage der Religionsgemeinschaft.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Novastan: Vater Aleksei, wie schätzen Sie die Situation der orthodoxen Kirche in Kirgistan insbesondere und in Zentralasien insgesamt ein?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vater Aleksei:</strong>  Die russisch-orthodoxe Kirche in Kirgistan ist dem <a href="https://mospat.ru/en/">Patriarchat von Moskau</a> untergeordnet. Heutzutage ist das Land unabhängig, war aber lange Teil zuerst des russischen Reichs, danach der UdSSR. Aus diesem Grund ist das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum">orthodoxe Christentum</a> heute historisch und demographisch gesehen die zweite Religion nach dem Islam in Zentralasien. Moskau übt keine direkte Kontrolle auf die hiesige Kirche aus, unterhält aber enge Verbindungen zu dieser. Das Patriarchat interveniert in das religiöse Leben des Landes nicht und nimmt Rücksicht auf dessen Unabhängigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">Die Orthodoxie existiert auf dem heutigen kirgisischen Territorium <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Russian_conquest_of_Central_Asia">seit 150 Jahren</a>. Damals waren unter den Russen, die vom Reich in die Region entsandt wurden, auch geistliche Missionare. Trotz widriger Umstände hat sich die Missionierungsarbeit schließlich in der Sowjetzeit fortgesetzt.</p>
<p><figure style="width: 1975px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" title="Die Kathedrale der heiligen Auferstehung in Bischkek, Kirgistan. Aufgenommen während der Sanierung 2018." src="https://novastan.org/fr/wp-content/uploads/sites/4/2018/08/Bishkek-Cathedral.jpg" alt="Kathedrale Bischkek" width="1975" height="1307" /><figcaption class="wp-caption-text">Die Kathedrale der heiligen Auferstehung in Bischkek, Kirgistan. Aufgenommen während der Sanierung 2018.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt heute 52 Gemeinden in Kirgistan, wovon manche nur zwei bis drei Mitglieder zählen. Die mitgliederstärksten Gemeinden befinden sind sämtlich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Tsch%C3%BCi">Provinz Chuy</a> (<em>um die Hauptstadt Bischkek Anm. d. Red.).</em> Zehn Gemeinden bestehen heute sogar vollständig ohne Mitglieder. Die Kirchenangehörigen sind wegen den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die das Land seit seiner Unabhängigkeit plagen, weggegangen. Die kirgisische sozialistische sowjetische Republik wurde während der UdSSR aus Moskau finanziert. Nach der Unabhängigkeit gab es keine Mittel mehr. Selbst viele Kirgisen verlassen das Land.</p>
<p style="text-align: justify">In der Sowjetzeit lebten viele Nationalitäten miteinander, es gab keine erheblichen Konflikte. Heute ist das größte Problem die Erziehung der Jugend. Junge Menschen müssen lernen, zusammen zu leben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie vertreten die zweitgrößte religiöse Gemeinschaft in der Region. Wie sieht es mit der lokalen Bevölkerung aus? Nimmt diese am Leben der Kirche teil? In Kasachstan zum Beispiel hat sich die orthodoxe Kirche vorgenommen, Gottesdienste in kasachischer Sprache anzubieten. Wäre so etwas auch in Kirgistan denkbar?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie gesagt, liegt der Beginn der Orthodoxie in Zentralasien 150 Jahre zurück. In dieser Zeit hat es ein unausgesprochenes Einvernehmen gegeben, wonach die orthodoxe Kirche sich in erster Linie an die russische Bevölkerung widmen und keine Anhänger in der einheimischen Bevölkerung werben würde. Diese Zurückhaltung wurde hochgeschätzt, und darauf beruht das heutige gute Verhältnis zwischen der orthodoxen Kirche und der Obrigkeit des Islam. Und dies war schon unmittelbar nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 der Fall.</p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan halfen Imame sogar, orthodoxe Kirchen zu restaurieren, denn ihnen war bewusst, wie wenig Mittel zur Verfügung standen. Einen ähnlichen Beistand hat es auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tatarstan">Tatarstan</a>, und generell in Russland gegeben. Jedoch, weil die orthodoxe Konfession als primär an die russische Bevölkerung adressiert verstanden wurde, gibt es nur wenige kirgisische Orthodoxe. Dies hat sich ebenfalls in der Sprachfrage der Liturgie widergespiegelt: Da es kaum orthodoxe Kirgisen gibt, gibt es keine Notwendigkeit für Gottesdienste auf Kirgisisch.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-justizminister-sieht-missionare-als-gefahr-fur-den-religiosen-frieden-im-land/">Usbekistan: Justizminister sieht Missionare als Gefahr für den religiösen Frieden im Land</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Hier muss man von den neuen aus dem Ausland stammenden Bewegungen differenzieren. Die Furcht ist groß, denn man darf diese durchaus als radikal betrachten. Solche Freikirchen und islamistische Strömungen adressieren oft, aufgrund ihrer proteolytischen Ausrichtung, Kirgisen in ihrer Muttersprache. Das Thema beschäftigt die religiösen Behörden, es gab nämlich keine religiös motivierten Konflikte in diesem Teil der UdSSR. Das Problem besteht seit ungefähr zehn Jahren. Die kirgisische Regierung ist heute bemüht, die Situation in den Griff zu bekommen, indem sie eine Organisation einrichtet, welche die unterschiedlichen Religionen zusammenbringt, um gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Inwiefern beeinflussen diese neuen Bewegungen die Arbeit der Orthodoxie?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese protestantischen Kirchen sind in Kirgistan mehr und mehr anwesend. Für die etablierten Religionen stellt das eine neue Situation dar. Ihr Ziel ist es, die Bevölkerung zu evangelisieren. Konvertierte Kirgisen werden jedoch von ihren Landesleute schlecht angesehen. Unter diesen neuen Bewegungen sind <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baptisten">Baptisten</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelikalismus">Evangelikaler</a>, usw. Sie kommen größtenteils aus Europa oder den USA.</p>
<p style="text-align: justify"> Die kirgisische Regierung hat die Sache nicht kommen sehen: in den neunziger Jahren wurden keinerlei Kontrollen auf die Proselytenmacherei ausgeübt. Erst vor etwa zehn Jahren haben die Behörden angefangen, sich der Sache bewusst zu werden. Manchmal wundern sich Ausländer in Kirgistan, manche Prediger zu sehen die in ihrem eigenen Land verfolgt werden, die hier aber in Werbekampagnen erscheinen und sich frei bewegen können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Stellt der Aufstieg extremistischer Islamisten eine Gefahr für die Christen in der Region dar?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Extremistische islamische Gruppierungen sind für alle eine Gefahr, sei es für die Regierung, die Bevölkerung, oder auch den traditionellen Islam selbst. Die Regierung hat darauf sehr spät reagiert. Erst vor anderthalb Jahr sind sie sich der Gefahr bewusst geworden. Es sind vor allem junge Menschen, die angeworben werden, um in Syrien Krieg zu führen. In allen Ländern Zentralasiens haben die Regierungen sichergestellt, dass Rückkehrer statt verhaftet rehabilitiert und der Gesellschaft wieder eingegliedert werden, mit dem Ziel, ihr Verhalten analysieren zu können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/islam-und-politik-bleibt-zentralasien-sakular/">Islam und Politik: Bleibt Zentralasien säkular?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der traditionelle Islam versucht um jeden Preis, die Gesellschaft in ihren Werten zu schützen. Seien Anführer sind höchstbemüht, die religiöse Erziehung zu regeln. Es wurden viele Medressen (<em>Koranschulen, Anm. d. Red.</em>) gebaut. Wenn man diese kontrollieren kann, dann stellen sie keine Gefahr dar, denn Radikalismus beruht auf Ignoranz. Die islamischen Behörden im Land versuchen, Jugendliche zu erziehen, nicht damit sie zu religiösen Anführern werden, sondern um ihnen den altherkömmlichen Platz des Islam in Zentralasien beizubringen. Es gibt sogar eine spezielle Organisation namens „Imane“, die sich um die Ausbildung junger Imame kümmert. Sie ist im Rahmen des präsidialen Programms zur Förderung des Unterrichts in kirgisischen Kleindörfern gegründet worden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>An welchen Projekten beteiligt sich die orthodoxe Kirche in Kirgistan? Gibt es eine Zusammenarbeit mit der Regierung?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt eine Regierungsstruktur namens Regierungskommission für die religiöse Frage, eine Art Religions-Ministerium, das die Regierung mit den religiösen Organisationen in Verbindung setzt. Der Staat und diese Kommission arbeiten eng miteinander. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen Veranstaltungen sportlicher und kultureller Art, manchmal sogar Aufräumaktionen auf den Straßen. Nicht-Orthodoxen werden zu religiösen Festen eingeladen. Die Kirche versucht außerdem mit den Medien zu kooperieren. Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sooronbai_Dscheenbekow">kirgisische Präsident</a> beglückwünscht offiziell zu den wichtigsten Festen wie Ostern oder Weihnachten (<em>wird am 7 Januar gefeiert Anm. d. Red.</em>). Jeden 9. Mai, zelebrieren Kirche und Staat gemeinsam den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_des_Sieges">Tag des Sieges</a>.</p>
<p><figure style="width: 2454px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" title="Die Kathedrale der heiligen Dreifaltigkeit in Karakol im Osten Kirgistans. Aufgenommen 2018." src="https://novastan.org/fr/wp-content/uploads/sites/4/2018/08/Cathedral-Karakol.jpg" alt="Kathedrale Karakol" width="2454" height="1398" /><figcaption class="wp-caption-text">Die Kathedrale der heiligen Dreifaltigkeit in Karakol im Osten Kirgistans. Aufgenommen 2018.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Ist jedoch die Feier religiöser Natur, so muss sie innerhalb der Wände einer Kirche stattfinden. Andernfalls könnte es zu Missverständnissen durch die anderen Religionen führen. Der öffentliche Raum ist säkular. Seit 2017 beteuert die Regierung den Platz des Islam innerhalb eines laizistischen Landes. Unter anderem, wie eine friedliche Entwicklung des Islam in ebenunserer Gesellschaft stattfinden kann. Die Behörden tun alles, um zu beweisen, dass trotz der Entwicklung des Islam, der Staat nicht religiös werden wird.</p>
<p style="text-align: justify">Seit der Unabhängigkeit 1991 hat die orthodoxe Kirche in Kirgistan eine sehr wichtige Rolle inne. Die Regierung hat sie administrativ immer unterstützt, auch wenn es finanziell nicht immer möglich war. Es ist zum Beispiel vorgekommen, dass keine Steuer auf die Materialien zum Wiederaufbau von Kirchen erhoben wurden. Die Regierung sagt, dass die Gläubigen der orthodoxen Kirche fester Bestandteil der Gesellschaft sind. Es gibt eine offizielle Anerkennung von Seiten des Staates.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie geht der orthodoxe Glaube an die Jugend hinüber?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sechs Prozent der kirgisischen Bevölkerung stellen Slaven, zwei Prozent bekennen sich zum orthodoxen Glauben. Dementsprechend ist die Zahl der jungen Menschen in der Kirche sehr gering. Die Kirche unterstützt eine kleine Struktur, die sich der Arbeit mit Jugendlichen widmet. In fünf öffentlichen Schulen wird der orthodoxe Glauben neben dem regulären Betrieb unterrichtet. Diese Schulen sind jedoch jeweils einer bestimmten Kirche zugeordnet. Sie werden nicht nur von Russen besucht, sondern unterrichten zahlreiche usbekische und kirgisische Schüler.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Schüler sind nicht zwangsweise orthodox, vielmehr sind sie auf der Suche nach qualitativ hochwertigem Unterricht, insbesondere der russischen Sprache, denn Russisch wird in den öffentlichen Schulen in der Provinz sehr schlecht beigebracht. Diesen finden sie in unseren Schulen. Das wissen ihre Eltern, genau so wie sie auch wissen, wie wichtig Russisch ist. In diesen Schulen sprechen die Schüler sogar unter sich Russisch. Diese Schulen gibt es in Bischkek, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakol">Karakol</a>, sowie in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalalabat">Dschalalabat</a>. Besonders im Süden des Landes fehlt es an gutem Russisch-Unterricht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Rolle nimmt die orthodoxe Kirche in den Beziehungen zwischen Russland und Kirgistan ein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Besuch des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyrill_I.">Patriarchen Kyrill</a> 2017 galt nicht nur den religiösen Behörden. Er traf sich auch mit dem Premierminister, Mitgliedern der Regierung sowie des Parlaments. Der Besuch fand auf Einladung der Regierung statt und symbolisierte damit ihr Interesse, mit dem orthodoxen Klerus, ferner mit den russischen Behörden, zu kooperieren. Hier geht es aber vielmehr um die Wirtschaft: Kirgistan ist reich an Bodenschätze, die Mangels Mittel unerschlossen bleiben. Das weckt das russische Interesse.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russland-zentralasiatische-migranten-als-pruegelknaben/">Russland: Zentralasiatische Migranten als Prügelknaben</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine größere Anteilnahme Russlands würde es der kirgisischen Regierung erlauben, auf chinesische Investitionen zu verzichten. Es besteht durchaus eine spezifisch religiöse Frage, hier sehen wir jedoch, dass es genauso viel um Wirtschaft geht. Auswanderung, insbesondere die wirtschaftliche Auswanderung von Kirgistan in Richtung Russland ist sehr stark. Der Einfluss der orthodoxen Kirche ist aufgrund dieser übereinstimmenden Interesse höchstbedeutend. Auch wenn sie nicht Teil des Staatapparats ist. Aber die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist in ihrem Eigenen Interesse.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Beispiel: in den neunziger Jahren  sollte in Dschalalabat eine Uranprodutkionsstätte schließen. Dank ihrem Weiterbestehen konnte eine aufkeimende Auswanderungsbewegung gestoppt, und somit die lokale orthodoxe Gemeinschaft gerettet werden. Eine Kirche wurde seitdem dort sogar gebaut. Dies zeigt, dass die Gleichung Auswanderung gleich Tod der orthodoxen Kirche nicht unvermeidlich ist. Auch hier bedeuten mehr Russen mehr Gläubige.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Und im übrigen Zentralasien?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Situation ist im übrigen Zentralasien ganz anders. In Tadschikistan flüchteten die Russen aufgrund des anhaltenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Bürgerkrieges (1992-1997)</a>. Es bestehen noch einige wenige Gemeinden. <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Emomalii_Rahmon">Präsident Rachmon</a> will um jeden Preis die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Russians_in_Tajikistan">russische Bevölkerung</a> in Tadschikistan retten. Damit sie bleibt, bekommt sie also ein bisschen Unterstützung.</p>
<p style="text-align: justify">Turkmenistan ist ein verschlossenes Land. Es gibt dort einige Kirchen, an die zehn. In Usbekistan ist es sehr unterschiedlich: Taschkent zählt mehr <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Russians_in_Uzbekistan">Russen</a> als der Rest des Landes. Da gibt es eine russische Schule und ein Priesterseminar. Es gibt zwei drei Städte wo es früher gar keine Usbeken gab, also ist die Situation je nach Region sehr unterschiedlich. Die Auswanderung ist dort auch sehr stark, ebenfalls aus ökonomischen Gründen. Die russische Sprache ist in Usbekistan kaum vertreten.</p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan gibt es viele unterschiedliche Völker, während die usbekische Bevölkerung einheitlicher ist. Unter den etwa hundert Gemeinden zählen manche nur um die zehn Mitglieder. Russen dort sprechen gut Usbekisch. Um in Kirgistan arbeiten zu können, fehlt es nicht an Sprachkenntnisse, sondern um Möglichkeiten. Diejenigen die hier bleiben sind nicht die talentierten. Die Talentierten verlassen das Land, wenn sie können.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Arnaud Enderlin</strong><br />
<strong>Chefredakteur von Novastan in Bischkek</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Karl Haddad</strong><br />
<strong>Redakteur für Novastan auf Französisch in Bischkek</strong></p>
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		<title>Tadschikistan &#8211; immer mehr staatliche Kontrolle bei Auslandsstudien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Oct 2017 05:02:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Unternehmen Multikid sollte im April eine internationale Bildungsmesse organisieren. Diese wurde kurzfristig von den Beh&#xF6;rden untersagt. Das ist kein Einzelfall: Es scheint ein systematisches Verbot privater Zentren zu geben, die tadschikischen Studierenden zum Auslandsstudium verhelfen. Folgender Artikel wurde von Novastan &#xFC;bersetzt und erschien im Original auf Asia Plus. Als die Polizisten die Teilnehmer der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Das Unternehmen Multikid sollte im April eine internationale Bildungsmesse organisieren. Diese wurde kurzfristig von den Behörden untersagt. Das ist kein Einzelfall: Es scheint ein systematisches Verbot privater Zentren zu geben, die tadschikischen Studierenden zum Auslandsstudium verhelfen. Folgender Artikel wurde von Novastan übersetzt und erschien im Original auf </strong><a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/society/20170406/obrazovanie-za-rubezhom-tolko-pod-prismotrom-vlastei"><strong>Asia Plus</strong></a><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als die Polizisten die Teilnehmer der internationalen Bildungsmesse von Multikid in Duschanbe vetrieben, haben viele Leser das erst garnicht geglaubt. Einer kommentierte sogar, es sei wohl ein Aprilscherz.</p>
<p style="text-align: justify">Aber es war kein Scherz.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein offizielles Ereignis</strong></p>
<p style="text-align: justify">&#8222;<em>Zur Ausstellung kamen Studierende aus allen Regionen Tadschikistans mit ihren Eltern und auch ausländische Gäste. Die Polizisten haben sie aus der Messe gejagt, Video- und Fotomaterial wurde zerstört</em>&#8222;, schrieb Mansura Dschurajewa, die Direktorin von Multikid, auf ihrer Facebook-Seite. Laut Dschuraewa haben die Polizisten die Teilnehmer auf die grobste Art und Weise vertrieben und den Besuchern erzählt, dass diese Firmen betrügen und die Studierenden nicht nach Europa schicken, sondern nach Syrien.</p>
<p style="text-align: justify">Dabei waren viele offizielle Gäste dabei: mintunter zehn Vertreter ausländischer Universitäten, der Berater des Präsidenten für soziale Fragen, der stellvertretende Bürgermeister der Hauptstadt, der stellvertretende Außenminister, der Präsident der Föderation der UNESCO-Vereine (Multikid ist ein Mitglied), die US-Botschafterin Elizabeth Millard und viele andere.</p>
<p style="text-align: justify">Multikid organisiert solche Messen seit 2015. Dieses Jahr sollte sie in Duschanbe und Chudschand stattfinden, in beiden Städten wurde die Veranstaltung abgesagt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;Die Bildungsausstellung wurde illegal organisiert&#8220;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Vorfall verursachte eine breite gesellschaftliche Resonanz. Auf Facebook-Seiten und Nachrichtenportalen wurde er heiß diskutiert.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Kommentar von offizieller Seite kam erst am 3. April und nach zahlreichen Anrufen der Redaktion von Asia Plus bei den zuständigen Behörden.</p>
<p><figure id="attachment_11154" aria-describedby="caption-attachment-11154" style="width: 622px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-11154 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj_-e1508302636267.jpg" alt="Multikid Bildungsorganisation" width="622" height="374" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj_-e1508302636267.jpg 622w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj_-e1508302636267-300x180.jpg 300w" sizes="(max-width: 622px) 100vw, 622px" /><figcaption id="caption-attachment-11154" class="wp-caption-text">Ein Werbeplakat für die Bildungsmesse von Multikid</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Zunächst berichtete das Innenministerium, dass die Organisatoren keine Erlaubnis für die Messe hatten. Weiter hieß es von Seiten des Bildungsministerium: „<em>seit ein paar Jahren arbeiten einige Organisationen ohne Zulassungsunterlagen an der Ausbildung von in ausländischen Bildungseinrichtungen. Sie senden tadschikische Staatsbürger zum Studieren ins Ausland zu studieren und arbeiten mit ausländischen Organisationen zusammen. Unter ihnen ist auch das Bildungszentrum Multikid</em>“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest außerdem auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-das-internet-bald-unter-staatlicher-kontrolle/">Tadschikistan: Das Internet bald unter staatlicher Kontrolle?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Bildungsminister Nurissin Said ergänzte einen Tag später: &#8222;Als der Sohn von Mansura Dschurajewa zum Ministerium kam und sagte, dass sie eine Bildungsmesse organisieren möchten, antworteten wir, es sei illegal. Sie haben sie dennoch organisiert. Das Bildungszentrum Multikid schickte nicht einmal eine Einladung an das Ministerium&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Wir hatten Zulassungsunterlagen“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Vertreter von Multikid gaben an, dass sie die notwendigen Genehmigungsdokumente hatten. Diese Dokumente wurden der Redaktion der AP zur Verfügung gestellt: Es handelt sich um ein Schreiben der Stadtverwaltung über die Zustimmung des Bürgermeisters, unterzeichnet vom ersten stellvertretenden Bürgermeister der Hauptstadt Mawsuma Muini.</p>
<p style="text-align: justify">Darüber hinaus hat Kommitee für Jugend, Sport und Tourismus die Bildungsmesse genehmigt, was durch ein offizielles Schreiben bestätigt ist.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;<em>Es ist nicht klar, welche Art von Erlaubnis man vom Bildungsministerium brauchte? Tatsache ist, dass eine solche Genehmigung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist</em>“, so der Anwalt der Firma &#8222;Himoya&#8220; Navruz Odinaew. Die Erlaubnis der Stadtverwaltung sei ausreichend für die Durchführung der Messe.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vom Bildungszentrum zur GmbH</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Firma Multikid existiert seit 2001 und ist als Sprachschule in Duschanbe sehr bekannt. Allerdings bietet sie schon seit dem vergangenen Jahr keine Kurse mehr an und existiert auch nicht mehr als Sprachzentrum, sondern seit 2016 als GmbH.</p>
<p><figure id="attachment_11155" aria-describedby="caption-attachment-11155" style="width: 622px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11155 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj-2-e1508302598368.jpg" alt="" width="622" height="382" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj-2-e1508302598368.jpg 622w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/10/multikid.tj-2-e1508302598368-300x184.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px" /><figcaption id="caption-attachment-11155" class="wp-caption-text">2016 wechselte Multikid seinen Status vom Bildungsträger zur GmbH</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">In den Statuten von Multikid steht, dass die Organisation sich mit Beratungstätigkeiten zum Studium im Ausland, dem Verkauf von Flugtickets und der Übersetzung von Dokumenten befasst. Zuvor hatten sie von der stellvertretenden Justizministerin Chakima Mirsaizoda die Bestätigung erhalten, dass keine Lizens für die Dienstleistungsangebote der Organisation erforderlich ist.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Multikid ist durch sein neues Tätigkeitsfeld keine Bildungseinrichtung und benötigt tatsächlich keine Lizenz</em>“, erklärt der Anwalt Odinaew.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;Kommen Sie zu unserem legalen Zentrum für internationale Programme&#8220;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Später wurde aus Kommentaren des Bildungsministeriums bekannt, dass die Regierung ein staatliches  „Zentrum für internationale Programme“ eröffnet hat, um Auslandsstudien tadschikischer Bürger besser zu kontrolieren.</p>
<p style="text-align: justify">Später informierte der Bildungsminister Nuriddin Said, dass diese Agentur im vergangenen Jahr 4876 Studierende aus Tadschikistan zum Studium ins Ausland schickte. Einige von ihnen wurden dafür vom Staat gefördert, andere sind Stipendiaten des Präsidentenstipendiums <em>Durahshandagon </em>und die restlichen gehen auf eigene Kosten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest außerdem auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/aus-den-augen-aus-dem-sinn/">Aus den Augen, aus dem Sinn</a></p>
<p style="text-align: justify">Private Unternehmen wie Multikid, die Studenten zum Auslandsstudium verholfen, gibt es seit 2013 immer weniger.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Seit 2013 haben wir mehr als 25 solche Organisationen geschlossen</em>“, sagte der Bildungsminister Said. „<em>Es blieb Multikid, dass nun auch geschlossen wird, und noch ein weiteres, dessen Namen Sie bald erfahren, wenn wir es auch schließen</em>“.</p>
<p style="text-align: justify">Obwohl Auslandsstudien in Tadschikistan sehr gefragt sind und das Land erfahrenen Fachkräfte gut gebrauchen kann, gibt es oft Probleme für Studierende, die im Ausland studieren.</p>
<p style="text-align: justify">Vor sieben Jahren hatte Dawlat Nasriew, der ehemalige Leiter der Nachrichtenabteilung des Außenministeriums erklärt, dass es illegal ist, wenn ein Student selbständig einen Studienplatz findet und zum Studieren ins Ausland geht. Zugegebenermaßen galt das nur für religiöse Studiengänge. Vielleicht aber bald auch für alle üblichen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Lilija Gajsina und Mawsuna Abdullojewa</strong><strong><br />
<a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/society/20170406/obrazovanie-za-rubezhom-tolko-pod-prismotrom-vlastei">Asia-Plus</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Sobira Majidova</strong></p>
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