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	<title>Austrocknung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Austrocknung Archives</title>
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	<item>
		<title>Das „Aralsee-Syndrom“ – Warum schrumpft das Kaspische Meer?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 May 2025 08:06:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die hohen Einnahmen aus der Kohlenwasserstoffproduktion und der Schifffahrt erkl&#xE4;ren weitgehend, warum die Anrainerstaaten es nicht eilig haben, Umweltprobleme zu l&#xF6;sen. Das Ignorieren von Umweltsch&#xE4;den kann jedoch sehr kostspielig sein, und sei es nur, weil ein weiteres Absinken des Pegels des Kaspischen Meeres sowohl die Transportindustrie als auch die Kohlenwasserstofff&#xF6;rderung gef&#xE4;hrdet. Das Kaspische Meer, das [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die hohen Einnahmen aus der Kohlenwasserstoffproduktion und der Schifffahrt erklären weitgehend, warum die Anrainerstaaten es nicht eilig haben, Umweltprobleme zu lösen. Das Ignorieren von Umweltschäden kann jedoch sehr kostspielig sein, und sei es nur, weil ein weiteres Absinken des Pegels des Kaspischen Meeres sowohl die Transportindustrie als auch die Kohlenwasserstoffförderung gefährdet.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kaspische Meer, das größte Binnengewässer der Welt, schrumpft Jahr für Jahr. Der Wasserspiegel begann 1995 zu sinken, und im Zeitraum 2006-2024 <a href="https://sciencecast.org/casts/6509d4vykim7">sank</a> er um zwei weitere Meter auf einen <a href="https://www.kazhydromet.kz/en/post/2421">Rekordwert</a> von 29 Metern unter dem Niveau der Weltmeere. Expert:innen <a href="https://www.nature.com/articles/s43247-023-01017-8">sagen voraus</a>, dass der Wasserspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere 9 bis 18 Meter <a href="https://www.cacianalyst.org/publications/analytical-articles/item/13769-decreasing-water-levels-in-the-caspian-sea-causes-and-implications.html">sinken</a> wird, wodurch sich die Meeresfläche um etwa ein Viertel verringern wird.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Problem wird durch viele Faktoren <a href="https://beda.media/articles/caspian-sea">verursacht</a>, darunter die Regulierung der Flussläufe, die Entsalzung und die Verschmutzung durch Kohlenwasserstoffe. Die Hauptursache ist jedoch die globale Erwärmung. Sie führt normalerweise zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Das Kaspische Meer ist jedoch ein geschlossener Wasserkörper, der von Flüssen gespeist wird, so dass der gegenteilige Effekt eintritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durchschnittliche jährliche Lufttemperatur an der Wasseroberfläche ist zwischen 1979 und 2015 um etwa ein Grad <a href="https://news.agu.org/press-release/caspian-sea-evaporating-as-temperatures-rise-study-finds/">gestiegen</a>. Zusammen mit der Änderung der Windrichtung hat dies die Wasserverdunstung deutlich erhöht und in der Folge ein dauerhaftes Absinken des Meeresspiegels <a href="https://unepdhi.org/caspian-sea-fluctuations-and-climate-change-coordinated-research-is-needed-to-understand-how-climate-change-is-impacting-caspian-sea-levels-working-paper/">ausgelöst</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verschmutzung und Austrocknung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Austrocknung bedroht das gesamte Kaspische Meer. Als erstes wird jedoch der flache nordöstliche Sektor Kasachstans betroffen sein, wo die Schifffahrt entwickelt ist und Mineralien aktiv abgebaut werden. Die gesamten kaspischen Vorkommen <a href="https://www.eia.gov/international/analysis/regions-of-interest/Caspian_Sea">belaufen</a> sich auf 48 Milliarden Barrel Öl und 292 Billionen Kubikmeter Gas. Der <a href="https://www.eia.gov/international/content/analysis/regions_of_interest/Caspian_Sea/archive/pdf/caspian_sea_2013.pdf">Anteil</a> Kasachstans beträgt 31,2 Milliarden Barrel und 104 Billionen Kubikmeter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Global Gateway: Die EU investiert in den Transkaspischen Korridor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im kasachischen Teil des Kaspischen Meeres gibt es zwei große Ölfelder – <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tengiz">Tengiz</a> an Land und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschagan">Kaschagan</a> vor der Küste. Bei der Förderung, die gemeinsam mit ausländischen Unternehmen durchgeführt wird, kommt es immer wieder zu Umweltverstößen. Gleichzeitig funktionieren die Mechanismen, die die Einhaltung der gesetzlichen Normen Kasachstans und der gesamten Region sicherstellen (das Rahmenübereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Kaspischen Meeres und seine Protokolle), in dem Land nicht gut. So bleiben Schäden am Kaspischen Meer weitgehend ungestraft. Die Nichteinhaltung von Umweltnormen führt zu übermäßigen Treibhausgasemissionen und beschleunigt den Rückgang des Wasserspiegels weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Kasachstan <a href="https://silkadv.com/en/content/caspian-sea-kazakhstan">entfallen</a> 29 Prozent der gesamten kaspischen Küstenlinie. Zwischen 2001 und 2022 ist die Fläche des nordöstlichen Teils des Kaspischen Meeres um 39 Prozent geschrumpft und die Küstenlinie ist um 37,25 Kilometer zurückgegangen. Wenn der Wasserspiegel um weitere 10 Meter sinkt, wird die Entfernung zwischen der Küstenlinie und den Küstensiedlungen im nordöstlichen Teil einen Rekordwert von 89 Kilometer <a href="https://sciencecast.org/casts/6509d4vykim7">erreichen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Ursache für die Verschmutzung des nordöstlichen Teils des Kaspischen Meeres ist die Schifffahrt, die weltweit für 2,2 Prozent der gesamten anthropogenen Kohlendioxidemissionen <a href="https://www.scirp.org/journal/paperinformation?paperid=97769">verantwortlich</a> ist. Darüber hinaus wird die Umwelt regelmäßig durch auslaufende Kraftstoffe verschmutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-kaspische-meer-im-ausnahmezustand/">Das Kaspische Meer im Ausnahmezustand</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr werden etwa 15 Millionen Tonnen Öl durch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtau</a> und<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quryq"> Quryq</a>, die wichtigsten Häfen für die Schifffahrt im nordöstlichen Teil des Kaspischen Meeres, <a href="https://www.researchgate.net/publication/384328479_Oil_pollution_near_the_ports_of_Aktau_Kuryk_and_Ersai_the_Caspian_Sea_Satellite_and_in-situ_data">transportiert</a>, und diese Zahl steigt weiter an. Offiziell wurden im Zeitraum 2013-2022 in der unmittelbaren Umgebung der Häfen 15 Ölunfälle registriert, doch unabhängige Untersuchungen zeigen, dass die Zahl dieser Fälle um ein Vielfaches höher liegt. Nach Ansicht von Expert:innen ist die Schifffahrt zur Hauptquelle der Ölverschmutzung in diesem Teil des Kaspischen Meeres geworden. Die Form der Ölverschmutzungen lässt vermuten, dass sie durch Ballastwasser oder Abfälle von Schiffen verursacht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wichtiger Faktor ist dabei die starke Zunahme des Güterverkehrs auf der transkaspischen internationalen Transportroute, die auch als Mittlerer Korridor bezeichnet wird. Chinesische Produkte werden mit der Eisenbahn nach Aktau transportiert, dort auf Schiffe umgeladen und nach Baku transportiert, um von dort aus über Georgien oder die Türkei nach Europa zu gelangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die kaspische Route als Alternative zum nördlichen Korridor</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedeutung der kaspischen Route hat seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine drastisch zugenommen, da sie eine Alternative zum nördlichen Korridor darstellt, der durch Russland verläuft. Die Weltbank <a href="https://www.worldbank.org/en/region/eca/publication/middle-trade-and-transport-corridor">schätzt</a>, dass das Frachtaufkommen auf dem mittleren Korridor bis 2030 11 Millionen Tonnen erreichen könnte, von denen vier Millionen durch das Kaspische Meer transportiert werden müssen. Dies wird zu einem weiteren Anstieg der Kohlendioxidemissionen und folglich der Wasserverdunstung führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/die-gruende-fuer-das-robbensterben-im-kaspischen-meer/">Die Gründe für das Robbensterben im Kaspischen Meer</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig wird der mittlere Korridor <a href="https://www.worldbank.org/en/region/eca/publication/middle-trade-and-transport-corridor">hauptsächlich</a> für kasachische Exporte genutzt. Und das Unternehmen Tengizchevroil, das das Tengiz-Feld erschließt, wird für 2024 8,4 Milliarden Dollar in die kasachische Staatskasse <a href="https://www.tengizchevroil.com/company">einzahlen</a>. Die extrem hohen Einnahmen aus der Kohlenwasserstoffförderung und der Schifffahrt erklären weitgehend, warum die Anrainerstaaten Umweltprobleme nur langsam angehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ignorieren von Umweltschäden kann jedoch sehr kostspielig sein, schon allein deshalb, weil ein weiteres Absinken des Pegels des Kaspischen Meeres sowohl die Transportindustrie als auch die Kohlenwasserstoffproduktion bedrohen wird.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aida Amangeldina für Carnegie Endowment</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2025/03/caspian-environment-crisis?lang=ru&amp;center=russia-eurasia">Russischen</a> von Irina Radu</strong></p>



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		<title>Ausgetrockneter Aralsee: Von der Wüste zum Wald</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 21:01:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aralsee]]></category>
		<category><![CDATA[Austrocknung]]></category>
		<category><![CDATA[Fotoreportage]]></category>
		<category><![CDATA[Ökosystem]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>
		<category><![CDATA[Wüste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einst war der Aralsee als das &#x201E;Meer der Inseln&#x201C; bekannt. Dann wurde er verw&#xFC;stet. Jetzt entsteht am Seeboden ein neues &#xD6;kosystem. Eine Fotoreportage von Ekaterina Venkina. Der Ort, von dem es &#x201E;kein Zur&#xFC;ck mehr gibt,&#x201C; ist blass. Der Himmel h&#xE4;ngt tief &#xFC;ber den endlosen aschgrauen Sandd&#xFC;nen. Er neigt sich &#xFC;ber staubige Beifu&#xDF;str&#xE4;ucher und Kropfgazellen, die [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einst war der Aralsee als das &#8222;Meer der Inseln&#8220; bekannt. Dann wurde er verwüstet. Jetzt entsteht am Seeboden ein neues Ökosystem.</strong> <strong>Eine Fotoreportage von Ekaterina Venkina.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort, von dem es &#8222;kein Zurück mehr gibt,&#8220; ist blass. Der Himmel hängt tief über den endlosen aschgrauen Sanddünen. Er neigt sich über staubige Beifußsträucher und Kropfgazellen, die so scheu sind, dass sie schneller verschwinden, als man sie sieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Barsakelmes – so heißt der Ort, von dem es &#8222;kein Zurück mehr gibt&#8220;. Der Name stammt aus dem Kasachischen und <a href="https://www.kulturaustausch.de/ausgaben/ausgabe-iii-2022/wir-koennen-den-aralsee-nicht-wiederherstellen/">bedeutet:</a> Wenn du hingehst, kommst du nicht wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher war Barsakelmes eine Insel. Früher, <a href="https://aral.uz/en/crisis/">das ist noch kein halbes Jahrhundert her</a>. Sie lag im nördlichen Teil des Aralsees, umgeben von Salzwasser, in dem <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10317995/">über 20 Fischarten</a> lebten. Dann kam die Transformation: Das Gewässer wurde zu einem ariden Gebiet. Jetzt wandelt es sich wieder, diesmal in ein neues Ökosystem.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In den 1970er Jahren begann der Salzwassersee, auch Binnenmeer genannt, zu schrumpfen. Die beiden großen Flüsse Amudarja und Syrdarja, <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_91404884/oeko-katastrophe-der-verzweifelte-kampf-um-die-rettung-des-aralsees.html">die ihn speisten,</a> wurden in Reis- und Baumwollfelder umgeleitet. Dies führte zu einer beispiellosen Umweltkatastrophe: <a href="http://www.aralconference.uz/en/about_aral/">Mehr als die Hälfte</a> der genetischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren ging verloren. Wo einst die Wellen plätscherten, entstand das Aralkum, eine der jüngsten Wüsten der Welt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Das Meer ist hier völlig ausgetrocknet. Aber die ganze Insel ist wie eine Samenbank&#8220;, sagt Zaureş Alimbetova, 58. Rund 13 Jahre lang leitete sie als Direktorin das Naturschutzgebiet Barsakelmes. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gruene-transition-in-zentralasien-unterstuetzung-durch-europaeische-entwicklungszusammenarbeit/">Grüne Transition in Zentralasien – Unterstützung durch europäische Entwicklungszusammenarbeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alimbetova hat miterlebt, wie sich hier das Meer in eine Ödnis verwandelt hat. Gemeinsam mit anderen Umweltexperten versucht sie nun, in dieser desolaten Gegend einen neuen grünen Lebensraum zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel ist es, Sandstürme einzudämmen und die biologische Widerstandskraft zu erhöhen. Inzwischen arbeitet sie für einen gemeinnützigen Verein und unterstützt das Projekt <a href="https://www.usaid.gov/kazakhstan/press-releases/apr-11-2024-usg-celebrates-oasis-project-restore-aral-sea-ecosystem">&#8222;Oase&#8220;,</a> das den Meeresboden bepflanzt. Eine echte Herausforderung bei Sommertemperaturen von über 40 Grad Celsius und einer Bodenversalzung von teilweise mehr als 40 Gramm pro Liter.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-41489" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild1-3-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Barsakelmes war einst die zweitgrößte Insel im Aralsee. (Quelle: E. Venkina)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Barsakelmes kennt Alimbetova jeden Zweig. Heute ist die ehemalige Insel eine mehr als 70 Kilometer weite Mondlandschaft, bewachsen mit Tamarisken – mittelgroßen, rosa blühenden Sträuchern – und Saxaul-Büschen. Mittendrin stehen ein paar verlassene Häuser und ein Hinweisschild im sowjetischen Stil mit den Namen seltener Tierarten. Der Weg dorthin ist beschwerlich. Die Räder eines alten, klapprigen UAZ, eines geländegängigen Minibusses im sowjetischen Stil, versinken im Sand als wäre es ein Sumpf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Saxaul-Samen landeten auf dem dürren Seeboden, und die Triebe breiteten sich schnell aus,&#8220; sagt Alimbetova. Die kleinen, buschigen Saxaul-Bäume sind einheimisch und daher an den kargen Boden und das raue Wüstenklima angepasst. Mit ihren tiefen Wurzeln können sie rund vier Tonnen Sand festhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was in Barsakelmes auf natürliche Weise geschah, weil es dort viel Sand und Samen gab, ist an anderen Stellen des Aralsees nicht der Fall. Dort ist der Boden zu salzig und es gibt kaum Erde. Kilometerlang erstrecken sich kahle, unbewachsene Strecken mit knallweißen Salzstreifen, Tierkadavern und Muscheln. Der Aralsee wird hier nie wiederkommen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-41492" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild2-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Das Reservat ist bekannt als das Land der Kulane, der Wildesel.&nbsp;(Quelle: E. Venkina)</strong></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Als der See sich zurückzog&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Stadt Aral (auf russisch: Aralsk), rund 170 Kilometer von Barsakelmes entfernt, hat sich das Meer zurückgezogen. Doch die einstige Hafenstadt zeugt noch immer von ihrer maritimen Vergangenheit. Blaue Anker zieren die Straßenlaternen. Auf einem verfallenen Laden steht &#8222;Balyk&#8220; (&#8222;Fisch&#8220;).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulmira, Mitte 50, früher Lehrerin, heute Hausfrau, schwärmt von den lebhaften Erzählungen ihrer Mutter. Sie muss das Meer noch gesehen haben. &#8222;In den Ferien gab es Ausflüge mit dem Motorschiff. Zur Hochzeit wurde eine Kreuzfahrt auf dem Meer organisiert, eine Seereise&#8220;, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Wasser zurückging, liefen viele Schiffe auf Grund und saßen fest. Der 41-jährige Serik Düısenbaev sah ihre korrodierten, leblosen Rümpfe. Sie sahen aus wie riesige rostige Schatten ihrer selbst. &#8222;In der Butakow-Bucht waren es sechs&#8220;, sagt Düısenbaev, der als Englisch sprechender Fahrer arbeitet und in Aral lebt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-41493" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild3-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Blick auf die Butakow-Bucht. (Quelle: E. Venkina)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bucht wurde um 1848 vom russischen Admiral <a href="https://ras.jes.su/history/s207987840010361-6-1-en">Alexej Butakow erforscht</a> und nach ihm benannt. Sie liegt 75 Kilometer westlich von der Stadt Aral. Einst war sie eine mehrwasserige Schifffahrtsstraße. Heute erstreckt sie sich kilometerweit als graue Ödnis, in der die blauen Wellen nur am Horizont auf den blassen Himmel treffen. Ihre Wasserfläche ist von West nach Ost von rund 40 Kilometern vor dem Rückzug des Meeres auf etwa 23 Kilometer im Jahr 2020 <a href="https://silkadv.com/en/content/zaliv-butakova-na-malom-arale">geschrumpft.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den sechs Schiffen, die hier gestrandet waren, ist nun nur noch ein verrostetes Vorderdeck übrig geblieben. &#8222;Alle anderen wurden zersägt und zur Wiederverwendung nach China verkauft,&#8220; so Düısenbaev. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Grünes Freiluftlabor am Meeresgrund</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren, in denen sie das Reservat Barsakelmes leitete, hat Alimbetova ihre Fähigkeit, sicher aufzutreten, nahezu zur Perfektion entwickelt. In einem stark von Männern dominierten Umfeld setzte sie sich als Powerfrau durch. Mit der gleichen Souveränität bewegt sie sich nun über das abgelegene Öko-Testgelände. &#8222;Wir haben hier auf dem Meeresboden quasi ein wissenschaftliches Freiluftlabor&#8220;, sagt sie. In der &#8222;Oase&#8220; werden die Saxaul-Setzlinge aufgezogen und ausgepflanzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einer Fläche von <a href="https://kz.usembassy.gov/usg-celebrates-oasis-project-to-restore-aral-sea-ecosystem/">500 Hektar,</a> rund 120 Kilometer von Aral entfernt und mitten in der Aralkum-Wüste gelegen, ist die Anlage spartanisch karg. Es gibt hier ein schlichtes Basislager, eine Baumschule hinter einem grauen Schilfzaun und einen Bohrbrunnen. Neben einem blauen Traktor steht ein orangefarbener Wassertank.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/der-aralsee-heute-nur-kleinere-pfuetzen-ein-interview-mit-dem-oekologen-yusup-kamalov/">Der Aralsee heute: Nur „kleinere Pfützen“ – Ein Interview mit dem Ökologen Yusup Kamalov</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;500 Meter tief mussten wir bohren. Hier gab es viel blaugrünen Lehm&#8220;, sagt Projektmitarbeiter Paluaniiaz Pirniiazov. Fünf Monate lang, von Februar bis Juni 2023, wurde in der Wüste gegraben. Schließlich stieß man unter dem Meeresbett auf Grundwasser, eine wichtige Ressource bei der Bepflanzung des salzigen Bodens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2021 und 2024 wurden mehr als 125.000 Saxaul-Sträucher auf dem Gelände gepflanzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-41494" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild4-rotated.jpg 2016w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Auf dem Testgelände &#8222;Oase&#8220; (Quelle: E. Venkina)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Arbeitszyklus folgt dem Rhythmus der Natur. Im Oktober und November werden die geflügelten Früchte mit den winzigen, 1,5 Millimeter großen Samen geerntet. Die Samen können dann granuliert und bis zur Aussaat sicher gelagert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pflanzung der Setzlinge erfolgt in mehreren Schritten. Im Dezember und Januar werden Furchen gezogen, um den Sand aufzufangen. Übersteigt der Bodensalzgehalt 40 Gramm pro Liter, können die Wurzeln &#8222;verbrennen&#8220;. Zu ihrem Schutz wird ein Sandpolster aufgeschüttet. Die Setzlinge werden erst im März gepflanzt, wenn sie sich noch im Winterschlaf befinden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-haushalten-die-zentralasiatischen-laender-mit-ihren-wasserressourcen/">Wie haushalten die zentralasiatischen Länder mit ihren Wasserressourcen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verfahren ist akribisch und mühsam. Manche Bäumchen werden mit ihren Wurzeln in speziellen Säcken transportiert. Andere werden mit einem Hydrogel behandelt. Das Gel besteht aus Polymerketten, die das Wasser an den Wurzeln halten. Alles, um die Überlebenschancen zu erhöhen. &#8222;Es ist immer Versuch und Irrtum&#8220;, so Alimbetova.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Sand verschluckt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was passiert, wenn der ehemalige Meeresboden nicht ausreichend bepflanzt wird, zeigen Fischerdörfer wie Aqbasty, Aqespe und Kulandy. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Aqespe, nahe der Butakow-Bucht, haben die kriechenden Sanddünen fast alle Bewohner vertrieben. Bis auf die Fensterbänke haben sie die Häuser weggefressen. Heute ist Aqespe ein Geisterdorf. Fast alle sind in das 1,5 bis 2 Kilometer entfernte Neu Aqespe gezogen, das auf festerem Boden errichtet wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir ziehen auch bald um. Wir haben gerade ein neues Haus gebaut&#8220;, sagt Aıbek, einer der Dorfbewohner. Er ist einer der wenigen, die im alten Aqespe noch geblieben sind. Sein Grundstück wirkt wie ein buntes Riff im staubigen Meer der verlassenen Gebäude. Im Hinterhof baumelt eine rote Schaukel. Eine gelbe Puppe liegt verlassen neben einem Motorrad der in den 70er beliebten Marke &#8222;IZH Planeta&#8220;. Auf die Frage, ob er keine Angst habe, mit seiner Familie allein an diesem trostlosen Ort zu leben, antwortet Aıbek etwas fatalistisch: &#8222;Wir sind daran gewöhnt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Aqbasty und Kulandy ist die Lage prekär, die Wüste rückt immer näher.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-41495" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/02/Bild5.jpg 2016w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Im Geisterdorf Akespe (Quelle: E. Venkina)</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aralsee, einst der <a href="https://www.britannica.com/place/Aral-Sea">viertgrößte Binnensee</a> der Welt, hat in den letzten 50 Jahren 90 Prozent <a href="https://www.jpl.nasa.gov/news/nasa-data-find-some-hope-for-water-in-aral-sea-basin/">seines Wassers verloren.</a> Die Entstehung <a href="https://www.usaid.gov/sites/default/files/2023-05/USAID_Letter_Fact%20Sheet_Template%202023_ERAS%20II_RU_1.pdf">der 62.000 Quadratkilometer großen</a> Aralkum-Wüste hat sogar das lokale Klima verändert. Es wurde kontinentaler, die Temperaturen in den ohnehin brütend heißen Sommern <a href="https://www.geopoliticalmonitor.com/shrinking-aral-sea-an-invisible-environmental-crisis/">stiegen um zwei Grad.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Marat Narbaev <a href="https://kazaral.org/o-nas/nasha-komanda/">vom Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees</a> ist überzeugt: Die lokalen Gemeinschaften müssen durch &#8222;grüne Gürtel&#8220; besser vor den prekären Klimabedingungen geschützt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Immer wieder wird uns gesagt: Unsere Dörfer versinken im Sand, die Gräber unserer Vorfahren werden von den Dünen verschluckt&#8220;, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative müsse aber bei den lokalen Behörden liegen. Die Akimaten (Stadtverwaltungen) müssten auf die Probleme aufmerksam machen und Geld für die Saxaul-Pflanzungen auftreiben, so Narbaev. Außerdem sei es notwendig, die Bevölkerung stärker in die Pflanzaktionen einzubeziehen. Für viele ist der Saxaul immer noch der Baum, mit dem man beim Grillen Feuer macht, weil das Holz beim Verbrennen viel Wärme abgibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/frankreich-in-kasachstans-atomprojekt-chancen-fuer-die-multivektorpolitik/">Frankreich in Kasachstans Atomprojekt: Chancen für die Multivektorpolitik</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor drei Jahren stellte das Umweltministerium <a href="https://orman.gharysh.kz/en/">eine interaktive Karte</a> über die Pflanzung von zwei Milliarden Bäumen vor. Sie zeigt, wo Samen gesät und wo Setzlinge gepflanzt wurden. &#8222;Jetzt kann man live mitverfolgen, wie es in den einzelnen Gemeinden vorangeht.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wüstenbildung in Zentralasien wird in den nächsten Jahren aufgrund des Klimawandels voraussichtlich weiter zunehmen. <a href="https://www.adb.org/sites/default/files/linked-documents/53120-001-ssa.pdf">Schätzungen zufolge</a> werden die Wasserressourcen im Syrdarja-Becken bis 2050 um 5% und im Amudarja-Becken um bis zu 15% zurückgehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon heute ist der Syrdarja bei Qysylorda im Süden Kasachstans von sandigen Landzungen eingeschnitten. Das Wasser ist flach, die Ufer mit Schilf bewachsen. Es wird deutlich: Der Aralsee steht vor weiteren Metamorphosen. Saxaul-Oasen in der Wüste zu pflanzen, scheint ein Wettlauf gegen die Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Recherche für diesen Artikel wurde ermöglicht und unterstützt durch das Pulitzer Center.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Ekaterina Venkina für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Das Kaspische Meer im Ausnahmezustand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 08:20:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aqtaý]]></category>
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		<category><![CDATA[Kaspisches Meer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. &#x201E;&#xD6;kozid&#x201C;, &#x201E;Umweltkatastrophe&#x201C;, &#x201E;n&#xE4;chster Aralsee&#x201C; &#x2013; dies alles sind Ausdr&#xFC;cke, die in den letzten Jahren in Diskussionen um das Kaspische Meer aufkamen. Dessen Pegel sinkt von Jahr zu Jahr, allerdings wird nichts Konkretes zu seiner Rettung unternommen. Eine Austrocknung des Kaspischen Meeres w&#xFC;rde jedoch Anrainerstaaten wie Kasachstan und Turkmenistan teuer zu stehen kommen. Eine Analyse [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. „Ökozid“, „Umweltkatastrophe“, „nächster Aralsee“ – dies alles sind Ausdrücke, die in den letzten Jahren in Diskussionen um das Kaspische Meer aufkamen. Dessen Pegel sinkt von Jahr zu Jahr, allerdings wird nichts Konkretes zu seiner Rettung unternommen. Eine Austrocknung des Kaspischen Meeres würde jedoch Anrainerstaaten wie Kasachstan und Turkmenistan teuer zu stehen kommen. Eine Analyse der Situation eines Binnenmeeres, das es bald nicht mehr geben könnte.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. Juni haben die Behörden von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a>, Kasachstans größter Stadt am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer">Kaspischen Meer</a>, den ökologischen Notstand <a href="https://www.facebook.com/AktauPress/posts/pfbid0WdaudZcpfKVHmJkwTJHPTVB2s71gEKN73eMgG8WWqH6Zui5wY4mBVTHGiiJ7zzhQl">ausgerufen</a>. Dies sei auf den zurückgehenden Wasserstand im größten See der Erde zurückzuführen, berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/32449997.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres erleben besorgniserregende Situationen, beispielsweise Turkmenistan, wo bereits ein erheblicher Rückgang des Pegels gemeldet wurde. <a href="https://rus.azathabar.com/a/32434035.html">Radio Azatlyk</a>, der turkmenische Dienst von Radio Free Europe, berichtete am 29. Mai, dass der Wasserspiegel entlang der Küste Turkmenistans um 35 bis 40 Zentimeter gesunken sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/kasachstans-bevoelkerung-leidet-unter-wassermangel/">Kasachstans Bevölkerung leidet unter Wassermangel</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit vielen Jahren machen Wissenschaftler:innen die Politik auf den besorgniserregenden Rückgang des Wasserspiegels aufmerksam. In der Forschungszeitschrift <a href="https://theconversation.com/the-caspian-sea-is-set-to-fall-by-9-metres-or-more-this-century-an-ecocide-is-imminent-152229">The Conversation</a> begann ein Artikel aus dem Jahr 2020 mit der Vorstellung eines kaspischen Strandes in naher Zukunft: <em>„Stellen Sie sich vor, Sie stehen an der Küste und blicken auf das Meer. Vor Ihnen liegen 100 Meter karger Sand mit sanften Wellen dahinter, der einem Strand bei Ebbe ähnelt. Aber es gibt keine Gezeiten.“</em></p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kaspische Meer ist mit einer Fläche von etwa 371.000 Quadratkilometern der größte See der Erde. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte sein Pegel um bis zu 18 Meter sinken, heißt es in dem wissenschaftlichen Artikel weiter. Das Binnenmeer würde dann mindestens 25 Prozent seiner früheren Fläche verlieren und 93.000 Quadratkilometer Trockenland freilegen &#8211; eine Fläche von der Größe Portugals.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Klimaerwärmung und menschliche Einflüsse</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rückgang des Pegels im Kaspischen Meer sei auf eine Kombination aus dem Klimawandel und der sinkenden Zuflussmenge aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga">Wolga</a> zurückzuführen, erklärt Kasachstans Umweltministerin Zulfiıa Suleımenova gegenüber dem Nachrichtenportal <a href="https://ulysmedia.kz/news/17024-ministr-ekologii-otvetila-pochemu-meleet-kaspiiskoe-more/">Ulys</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klimawandel ist in der Tat ein sehr gewichtiger Faktor. Laut Wissenschaftler:innen des <a href="https://earthobservatory.nasa.gov/images/150452/the-caspian-seas-shrinking-coastline">NASA Earth Observatory</a> könnte der Pegel des Kaspischen Meeres aufgrund der globalen Erwärmung bis zum Jahr 2100 um weitere 8 bis 30 Meter sinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ich-filme-robben-am-ufer-des-kaspischen-meers-ueber-die-umweltaktivistin-asel-baimuqanova/"><strong>„Ich filme Robben am Ufer des Kaspischen Meers“ – Über die Umweltaktivistin Ásel Baımuqanova</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Nutzung von Wasser für menschliche Aktivitäten ist zu berücksichtigen, da sie zu einem zusätzlichen Rückgang des Meeresspiegels um sieben Meter führen würde. Die Anrainerstaaten haben im Laufe der Jahre Meerwasserentsalzungsanlagen für landwirtschaftliche oder industrielle Projekte gebaut, und sie beabsichtigen, damit fortzufahren: Laut dem aserbaidschanischen Nachrichtenportal <a href="https://www.azernews.az/business/200587.html">Azernews</a> baut Aserbaidschan derzeit eine solche Anlage, und auch der Iran <a href="https://www.tehrantimes.com/news/431723/Be-on-the-horns-of-a-dilemma-Water-transfer-from-Caspian-Sea">erwägt</a> dies. Kasachstan <a href="https://invest.gov.kz/media-center/business-economics-finance/25705/">plant</a> ganze neun Anlagen zu bauen. Wie <a href="https://forbes.kz/economy/energy-subsoil/kak_v_kazahstane_realizuyut_proekt_po_proizvodstvu_zelenogo_vodoroda_stoimostyu_50_mlrd/">Forbes.kz</a> berichtet, soll unter anderem für die Wasserstoffanlage der schwedisch-deutschen Svevind-Gruppe Wasser gewonnen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Meer von strategischer Bedeutung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings erweist sich das Kaspische Meer von strategischem Interesse und stellt somit eine unschätzbare Ressource für die zentralasiatischen Länder dar. So verfolgt die Europäische Union die <a href="https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_21_6433">Global Gateway-Strategie</a>, deren Ziel es ist, die Energie- und Verkehrsverbindungen nach Europa zu fördern. Zu diesem Zweck steht ein Gesamtpaket von 300 Milliarden Euro zur Verfügung. Der <a href="https://www.geopoliticalmonitor.com/kazakhstan-azerbaijan-the-axis-of-the-middle-corridor/">mittlere Korridor</a>, der Kasachstan über das Kaspische Meer mit Aserbaidschan verbindet und dann an Europa anschließt, würde diese Investitionen benötigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan und Turkmenistan haben in den letzten Jahren riesige neue Häfen am Kaspischen Meer gebaut, die benötigt werden, um die Ost-West-Handelsrouten zwischen China und Europa zu entwickeln. Derselbe Prozess vollzieht sich auch in anderen Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres, in Aserbaidschan und dem Iran: Dort entstehen neue Häfen und mit ihnen auch Städte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ernsthafte Konsequenzen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Küstenstädte wie Aqtaý haben sich parallel zum Ausbau des Hafens entwickelt und sind auch heute vom Seehandel abhängig. Doch wenn der Wasserstand sinkt, können die Schiffe die Kais nicht mehr erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kaspische Meer bildet die Grundlage der wichtigen kommerziellen Fischerei, liefert Wasser für die Landwirtschaft und bietet Erholungs- und Arbeitsmöglichkeiten für die in der Nähe lebenden Menschen. In seinen Gewässern leben auch mehrere gefährdete Arten, darunter die vom Aussterben bedrohten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspische_Robbe">Kaspischen Robben</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/la-mer-caspienne-en-etat-durgence/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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