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	<title>Atomenergie Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 04 Feb 2024 15:33:53 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Atomenergie Archives</title>
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		<title>Kasachstan plant Referendum über den Bau eines Atomkraftwerks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Sep 2023 10:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Pr&#xE4;sident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum &#xFC;ber den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angek&#xFC;ndigt. Angesichts der zweitgr&#xF6;&#xDF;ten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten &#x2013; der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. In seiner Rede an die Nation hat Kasachstans Präsident Qasym-Jomart Toqaev ein Referendum über den Bau des ersten Atomkraftwerks in Kasachstan angekündigt. Angesichts der zweitgrößten Uranreserven der Welt und der seit Jahren zunehmenden Energieknappheit erscheint die Nutzung von Kernenergie notwendig. Diese ist aber nicht unumstritten – der lange Schatten von 40 Jahren sowjetischer Atomtests auf kasachstanischem Boden wiegt immer noch schwer.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kernenergie rückt in den Fokus der kasachstanischen Politik. In seiner Rede an die Nation, die Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> vor den beiden Kammern des Parlaments hielt, sprach er von der Organisation eines nationalen Referendums über den Bau eines Atomkraftwerks. Dies berichtet <a href="https://rus.azattyq.org/a/32574082.html">Radio Azattyq</a>, der kasachstanische Dienst von Radio Free Europe. Zum jetzigen Zeitpunkt sind weder das Datum des Referendums noch genaue Fragestellung bekannt, aber die Wahlkommission <a href="https://kapital.kz/gosudarstvo/118843/v-tsik-gotovy-k-provedeniyu-referenduma-po-voprosu-stroitel-stva-aes.html">erklärte</a>, dass eine Durchführung noch im Jahr 2023 möglich sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Standort des künftigen Kernkraftwerks wäre das Dorf Úlken am Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-Sees</a> – ein Ort, der alle praktischen Voraussetzungen für eine solche Anlage zu erfüllen scheint. Nach dem <a href="https://online.zakon.kz/Document/?doc_id=35049151&amp;pos=3;-109#pos=3;-109">kasachstanischen Kernenergiegesetz</a> ist für den Bau eines Kernkraftwerks eine lokale Genehmigung erforderlich.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Akimat [Regionalverwaltung, Anm. d. Ü.] des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiets Almaty</a> habe bereits mit öffentlichen Diskussionen begonnen, berichtet das Energieministerium. Zehn Tage vor der Rede des Staatsoberhauptes hatten die Einwohner:innen von Úlken Anspruch auf Konsultationen und öffentliche Treffen, um die Herausforderungen der zivilen Atomkraft vor ihrer Haustür zu diskutieren, berichtet <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs.">Radio Free Europe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-atomkraftwerk-im-wuestensand/">Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Februar 2023 wurde in den sozialen Medien eine <a href="https://alash.online/1544-ulken.html">Petition</a> für den Bau des Kernkraftwerks im Namen der Bewohner:innen von Úlken veröffentlicht. <em>„Wenn wir in den kommenden Jahren nicht mit dem Bau eines Kernkraftwerks beginnen, werden wir mit einem gravierenden Energiemangel und in der Folge mit Stromausfällen, Mangel an Wärme und Licht, Produktionsausfällen und anderen Problemen konfrontiert sein. Das kann nicht zugelassen werden“</em>, heißt es darin. Aber die öffentliche Meinung in Kasachstan ist nicht so einhellig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Atomkraft für das größte Uran produzierende Land</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Strommangel in Kasachstan ist das Hauptargument der Befürworter eines Atomkraftwerks. Im vergangenen Winter herrschte in der nordkasachstanischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ekibastus">Ekibastuz</a> zehn Tage lang <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">Ausnahmezustand</a>, nachdem bei -30 Grad Außentemperatur die Fernwärme ausgefallen war. Die Erinnerung daran ist in der Bevölkerung noch sehr lebendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Regierung unterstützt dieses Argument und fügt hinzu, dass das Land der weltweit führende Produzent von Uran sei – dem Erz, das zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken verwendet wird. Kasachstan ist für 35,6 Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich und verfügt über 11,8 Prozent der Reserven. Seine jährliche Produktion von mehreren zehntausend Tonnen trägt jedoch bisher nicht zur Stromversorgung des Landes bei.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schmerzhafte Erinnerung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage der Wasserkühlungsmethoden, Streitigkeiten mit China über die gemeinsame Nutzung des den Balqash-See speisenden Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a> und der Rückgang des Wasserpegels im See lassen die Anwohner:innen jedoch einen neuen Atomunfall in Kasachstan befürchten. Auch wenn die meisten Expert:innen versichern, dass dies unwahrscheinlich sei, bestehen bei einem Teil der Bevölkerung Zweifel, wie eine Reportage von <a href="https://www.rferl.org/a/kazakhstan-nuclear-power-plant-debate-construction/32563042.html#:~:text=ULKEN%2C%20Kazakhstan%20%2D%2D%20Plans%20are,supply%20Kazakhstan's%20soaring%20energy%20needs">Radio Free Europe</a> aus Úlken selbst zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Toqaev räumt in seiner Rede ein: <em>„Viele Bürger und einige Experten sind besorgt über die Sicherheit von Kernkraftwerken. Dies ist angesichts des tragischen Erbes des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk"><em>Atomtestgeländes Semipalatinsk</em></a><em> verständlich.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/">Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1949 bis 1989 wurden auf dem Testgelände im Osten des Landes mindestens 456 Atomtests zur Entwicklung der ersten sowjetischen Atombombe durchgeführt. Die beeinträchtigt bis heute sowohl die regionale Ökologie als auch die Gesundheit mehrerer Generationen von Anwohner:innen. Das tragische Erbe des Atomtestgeländes Semipalatinsk, aber auch von Tschernobyl und Fukushima kommt der kasachstanischen Bevölkerung sofort in den Sinn. Aus diesem Grund organisierten Aktivist:innen im August Demonstrationen gegen den Bau des Kernkraftwerks, so das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">Vlast</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erneuerbare Energien als Alternative?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz immer häufiger auftretender Energieengpässe plädieren einige Expert:innen nicht für die Atomkraft, sondern für erneuerbare Energien. Aset Nauryzbaev, ehemaliger Präsident von Kasachstans wichtigstem Stromnetzbetreiber KEGOC, <a href="https://liter.kz/borba-za-protiv-aes-kto-v-itoge-pobedit-1693914516/">glaubt</a>, dass es <em>„billiger und sicherer ist, den wachsenden Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken“.</em> Energie würde dadurch für die Bevölkerung günstiger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom Marat Abdurahmanov <a href="https://vlast.kz/novosti/56337-obsestvenniki-vystupili-protiv-stroitelstva-aes-v-almatinskoj-oblasti.html">ist der Meinung</a>, dass es wirtschaftlich vorteilhafter wäre, anstelle eines Atomkraftwerks Solaranlagen und Windkrafträder zu bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein vieldiskutiertes Thema</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussionen über den Bau eines Kernkraftwerks am Balqash-See, das den experimentellen BN-350-Reaktor in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> ersetzen soll, werden schon seit einiger Zeit geführt. Dieser Prototyp eines Kernreaktors feierte letztes Jahr <a href="https://kz.kursiv.media/2022-09-22/promyshlennyj-reaktor-bn-350-v-aktau-nahoditsya-na-etape-vyvoda-iz-ekspluatacii/">sein 50-jähriges Jubiläum</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Inbetriebnahme des ersten Blocks war für 2005 geplant, wurde aber aufgrund des Misstrauens der Bevölkerung immer wieder verschoben. 2019, im Jahr seiner ersten Wahl zum Präsidenten, versicherte Qassym-Jomart Toqaev, dass der Bau eines Atomkraftwerks auf seiner Agenda stehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/was-laeuft-falsch-mit-der-oekologie-in-kasachstan/">Was läuft falsch mit der Ökologie in Kasachstan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Chancen stehen gut, dass in diesem Jahr offiziell mit dem Bau des ersten Kernkraftwerks begonnen wird. In einem Kommentar auf <a href="https://vlast.kz/opinions/56424-proizvodstvo-soglasia.html">Vlast</a> erklärt Dmitri Mazorenko, dass die Regierung ihre Kommunikation rund um das Referendum und die Vorteile der Kernenergie intensiviert. Influencer:innen würden sogar dazu gedrängt, Inhalte im Internet zu verbreiten, um die Notwendigkeit eines Kernkraftwerks zu untermauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten für den Bau des Atomkraftwerks würden sich auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar belaufen, berichtet das kasachstanische Nachrichtenportal <a href="https://kz.kursiv.media/2023-07-21/zhnb-rosatomkazatompromnuclearstation/">Kursiv</a>. Die endgültige Summe werde aber erst bekannt gegeben, wenn klar ist, wer den Zuschlag bekommt. Als Favorit gilt der russische Konzern Rosatom. Ein zweites Atomkraftwerk könnte übrigens in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurtschatow_(Kasachstan)">Kurchatov</a>, einer Stadt im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_(Gebiet)">Gebiet Abaı</a> im Nordosten des Landes, gebaut werden. Dies gab ein Vertreter des Energieministeriums während einer Informationsveranstaltung im Jahr 2022 bekannt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lou Desmoutiers, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/kazakhstan-construction-centrale-nucleaire-soumise-au-referendum/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Atomsektor Kasachstans auf Expansionskurs</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-atomsektor-kasachstans-auf-expansionskurs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tdacunha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jun 2022 01:49:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Energieexport]]></category>
		<category><![CDATA[Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Uranabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan verf&#xFC;gt &#xFC;ber einen rohstoffreichen Boden, vor allem auch &#xFC;ber Uranvorkommen. Da wieder mehr L&#xE4;nder Investitionen in den Atomsektor in Betracht ziehen, er&#xF6;ffnen sich f&#xFC;r das zentralasiatische Land neue M&#xF6;glichkeiten. Novastan beleuchtet den Zustand des Sektors und seine Wachstumsm&#xF6;glichkeiten. V or dem Hintergrund von Russlands Krieg in der Ukraine sind viele europ&#xE4;ische L&#xE4;nder bem&#xFC;ht, ihre [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan verfügt über einen rohstoffreichen Boden, vor allem auch über Uranvorkommen. Da wieder mehr Länder Investitionen in den Atomsektor in Betracht ziehen, eröffnen sich für das zentralasiatische Land neue Möglichkeiten. Novastan beleuchtet den Zustand des Sektors und seine Wachstumsmöglichkeiten.</strong> V</p>



<p class="wp-block-paragraph">or dem Hintergrund von Russlands Krieg in der Ukraine sind viele europäische Länder bemüht, ihre Energieabhängigkeit von Moskau zu verringern. Zwar ist die zivile Kernenergie derzeit nicht Teil der westlichen Sanktionspakete, doch haben Staaten und Unternehmen Initiativen ergriffen, um sich vom russischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosatom">Rosatom</a>-Konzern zu lösen. Am 1. März gab der schwedische Energieversorger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vattenfall">Vattenfall</a><a href="https://group.vattenfall.com/press-and-media/newsroom/2022/vattenfall-stands-by-ukraine">bekannt</a>, er werde keine Lieferungen von russischem Kernbrennstoff für seine Kraftwerke mehr annehmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Finnland erklärte hingegen die Beendung des gemeinsamen Projekts zum Bau eines Kraftwerks am Standort Fennovoima, berichtet <a href="https://svenska.yle.fi/a/7-10013647">das finnische Medium yle</a>. Gleichzeitig sehen <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/atomkraft-iaea-prognose-2050-101.html">einige Länder</a> in der Kernenergie eine Hilfe zum Übergang zu erneuerbaren Energien und eine Sicherung der Unabhängigkeit von Exporteuren fossiler Energieträger. So kündigte der britische Premierminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Johnson">Boris Johnson</a> am 21. März an, den Anteil der Kernenergie am britischen Energiemix von 16 auf 25 Prozent <a href="https://www.theguardian.com/environment/2022/mar/21/johnson-announces-aim-for-uk-to-get-25-of-energy-from-nuclear-power">erhöhen zu wollen</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit importiert der europäische Markt laut dem <a href="https://www.energymonitor.ai/sectors/power/weekly-data-russian-uranium-supply-chains">Think-Tank Energy Monitor</a> 95 Prozent seines Urans. Einige Analysten sehen in dieser Dynamik eine Chance für den Atomsektor in Kasachstan. So schrieb die Zeitschrift <a href="https://thediplomat.com/2022/04/european-energy-security-an-opportunity-for-kazakhstans-uranium-industry/">The Diplomat</a> Anfang April: „<em>Kasachstan hat das Potenzial, ein größerer Uranlieferant für Europa zu werden und so zur Energiesicherheit beizutragen und sich als ein zuverlässiger Handels- und Energiepartner zu zeigen</em>.“ </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kasachstans reiche Ressourcen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Das größte Land Zentralasiens liefert heute laut der Finanzgruppe <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-01-05/turmoil-in-uranium-rich-kazakhstan-threatens-to-elevate-prices">Bloomberg</a> 40 Prozent des weltweiten Rohurans und verfügt laut der Datenbank <a href="https://www.energymonitor.ai/sectors/power/weekly-data-russian-uranium-supply-chains">Global data mining</a> nach Australien über die zweitgrößten bekannten Uranreserven. Der Sektor wird von dem mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen <a href="https://kazatomprom.kz/en">Kazatomprom</a> dominiert. Dieses lieferte allein im Jahr 2021 24 Prozent des weltweit gehandelten Urans und stützt sich dabei auf ein Netz von 26 Lagerstätten, so das kasachstanische Medium <a href="https://www.kazinform.kz/ru/kazatomprom-zarabotal-220-mlrd-tenge-za-proshlyy-god_a3912131">Kazinform</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch einige ausländische Konzerne sind in Kasachstan im Bergbau tätig. Dies gilt insbesondere für das französische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orano">Orano</a>, das Mehrheitsaktionär an den Standorten <a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Mine_d%27uranium_de_Muyunkum">Moıynqum</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tortkuduk">Tórtqudyq</a> ist. Das Wachstum des Sektors in Kasachstan lässt sich vor allem durch seine niedrigen Förderkosten erklären. Wie der französische Forscher Teva Meyer in einem Beitrag für The Conversation erklärt, hat „<em>der Preisrückgang</em> [des Urans] seit 2011 […] <em>die Aufmerksamkeit wieder auf einige wenige Länder gelenkt, die über diese Ressource zu geringen Kosten verfügen</em>.“ </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Hinzu kommen weitere Faktoren, wie ausländischen Direktinvestitionen (FDI), dem Standort des Landes, aber auch einem gewissen staatlichen Engagement, das darauf abzielt, die Kernenergie langfristig für den heimischen Bedarf zu nutzen, wie es in einer <a href="https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan.aspx">Mitteilung</a> der World Nuclear Association heißt. Das kasachstanische Medium <a href="https://vlast.kz/novosti/46893-bolee-poloviny-kazahstancev-vystupaut-protiv-stroitelstva-aes-opros.html">Vlast</a> erinnert in diesem Zusammenhang an die starke Zurückhaltung der Bevölkerung, die durch eine düstere Vergangenheit sowjetischer Experimente mit militärischer Atomkraft geprägt ist.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Europa als wichtiger Partner</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Der europäische Markt nimmt für den kasachstanischen Atomsektor einen bedeutenden Platz ein. Kazatomprom, das von Novastan kontaktiert wurde, erinnert daran, dass „<em>wir Urankonzentrat verkaufen, um die Nachfrage mehrerer Kraftwerksbetreiber in ganz Europa zu befriedigen</em>“, und erklärt, dass „<em>im Jahr 2021 Kunden aus dem europäischen Markt auf konsolidierter Basis 25 Prozent unserer Verkäufe ausmachen</em>“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf europäischer Seite bleiben Niger (20,3 Prozent) und Russland (20,2 Prozent) die wichtigsten Exporteure, Kasachstan (19,2 Prozent) steht nach den <a href="https://www.energymonitor.ai/sectors/power/weekly-data-russian-uranium-supply-chains">Eurostat-Daten</a> für 2020 an dritter Stelle. Ein Wachstumsspielraum für Nur-Sultan ist also vorhanden, während die kasachstanischen Minen seit der Pandemie immer noch mit 80 Prozent ihrer Kapazität arbeiten und, wie das Fachmedium <a href="https://www.world-nuclear-news.org/Articles/Uranium-miners-ready-to-meet-market-needs%2C-WNFC-he">World Nuclear News</a> berichtet, die Eröffnung der weltgrößten Uranmine mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uranbergbau#L%C3%B6sungsbergbau">Lösungsbergbau</a> geplant ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine ungewisse Konjunktur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Bisher sind die <a href="https://www.kazatomprom.kz/en/media/view/kazatomprom_2021_financial_results">Finanzmitteilungen</a> von Kazatomprom davon ausgegangen, dass die Aktivitäten des Konzerns von Ereignissen wie die <a href="novastan.org/de/tag/proteste-in-kasachstan-2022/">Proteste in Kasachstan</a> im Januar und der Russische Krieg in der Ukraine kaum beeinflusst wurden. Die Branche konzentriere sich vielmehr darauf, ihre Erholung nach der Pandemie fortzusetzen, während der schrumpfende Handel zwei Jahre lang die Lieferketten beeinträchtigt und zu Materialengpässen geführt hatte, betont <a href="https://www.kazinform.kz/ru/kazatomprom-zarabotal-220-mlrd-tenge-za-proshlyy-god_a3912131">Kazinform</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Abwertung des Tenge gegenüber dem US-Dollar hilft dem kasachstanischen Atomkonzern dabei. Wie ein Vertreter von Kazatomprom betont, erkennt der Konzern aber die Unsicherheit der nächsten Monate und arbeitet an alternativen Routen für die Uranversorgung Europas, die Russland über das Kaspische Meer und dann über das Mittelmeer umgehen könnten, so <a href="https://www.world-nuclear-news.org/Articles/Uranium-miners-ready-to-meet-market-needs%2C-WNFC-he">World Nuclear News</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese instabile Situation verhindert nicht die Vertiefung mancher Kooperationen. Am 8. April besuchten Vertreter des französischen Konzerns Orano den Sitz von Kazatomprom in Nur-Sultan, informiert die <a href="https://www.kazatomprom.kz/en/media/view/predstaviteli_kazatomproma_vstretilis_s_rukovodstvom_kompanii_orano">Pressestelle</a> des kasachstanischen Konzerns. Auf Anfrage von Novastan gab das französische Unternehmen an, dass das Treffen dazu diente, den Plan für den Bau einer neuen Mine am Standort Tórtqudyq voranzutreiben, die von dem Unternehmen Katco betrieben werden sollte, dessen Hauptaktionär Orano ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Sektor mit komplexen Produktionsketten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Kasachstan verfügt über die Ressourcen und die Dynamik, um von einem möglichen Wachstum der Kernenergie vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Situation zu profitieren. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Herstellung von Brennstoff für ein Kernkraftwerk ein komplexer Prozess ist. Der Abbau von Uran ist nur der erste Schritt, dem eine Anreicherung in Uran-235 und die Herstellung des eigentlichen Treibstoffs folgen muss, so ein Artikel in <a href="https://theconversation.com/russias-energy-clout-doesnt-just-come-from-oil-and-gas-its-also-a-key-nuclear-supplier-179444">The Conversation</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Schritte erfordern technologische Mittel und die Einhaltung umfangreicher Vorschriften, um die internationale Sicherheit zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang erklärt die Kazatomprom-Gruppe gegenüber Novastan: „<em>Derzeit konzentriert sich unsere Strategie auf den profitabelsten Teil des Kernbrennstoffkreislaufs, nämlich den Abbau von Erz vor Ort. Wir haben jedoch auch Zugang zu der Technologie, die es uns ermöglicht, in andere Phasen des Herstellungszyklus zu expandieren</em>“. Daher „<em>können wir Partnerschaften in diesen Bereichen in Europa oder anderswo in Betracht ziehen, je nachdem, wie sich der Markt entwickelt</em>“. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.energymonitor.ai/sectors/power/weekly-data-russian-uranium-supply-chains">Energy Monitor</a> erinnert daran, dass Russland über die weltweit größten Anreicherungskapazitäten (35 Prozent) verfügt. Außerdem profitiere es von der technologischen Abhängigkeit der osteuropäischen Länder – insbesondere die Tschechischen Republik und Ungarn, deren Kraftwerke nach sowjetischem Vorbild gebaut wurden, um seinen Brennstoff dorthin zu exportieren. Für viele europäische Länder ist der Import von kasachstanischem Rohuran daher keine Lösung, die unmittelbar zu einer energiepolitischen Unabhängigkeit führen würde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Frankreich hingegen verfügt über Anreicherungskapazitäten und eine Reaktortechnologie, von der die europäischen Länder profitieren können. Diese Modelle sind bereits in Kasachstan angesiedelt, wie Kazatomprom Novastan gegenüber in Erinnerung ruft und betont, dass die seit November 2021 angesiedelte Anlage in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Óskemen</a>, die ausschließlich für den chinesischen Markt Nuklearbrennstoff herstellt, „für Brennstoffbündel der Bauart AFA 3G des französischen Unternehmens Framatome vorgesehen und lizenziert ist“. Ein Weg zur Vertiefung der kasachstanisch-europäischen Beziehungen ist geebnet. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Tiago da Cunha
Journalist für </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/le-nucleaire-kazakh-en-recherche-dopportunites/"><strong>Novastan France</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/le-nucleaire-kazakh-en-recherche-dopportunites/">Französischen</a> von Florian Coppenrath</strong>  </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"> <p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Ein Atomkraftwerk im Wüstensand?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2022 16:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Beh&#xF6;rden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung &#xDA;lken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf Living Asia. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Die [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende Dezember 2021 wurde bekannt gegeben, dass Kasachstans Behörden entschieden haben, wo das geplante Atomkraftwerk gebaut werden soll. Die Wahl fiel auf die Siedlung Úlken am Ufer des Balqash-Sees. Viele offene Fragen bleiben aber bestehen. Der folgende Artikel erschien am 26. Januar 2022 auf </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Living Asia</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für die Entscheidung sind hinreichend bekannt. Es sind die Nähe des Atomkraftwerks (AKW) zur demografisch und wirtschaftlich gesättigten Region des Landes, das heißt zu zahlreichen Stromverbraucher:innen, sowie die Verfügbarkeit von Wasserressourcen, die für den Betrieb des Kernkraftwerks und dessen Kühlsystems erforderlich sind. Die Öffentlichkeit befürchtete sofort, dass das Atomkraftwerk eine Verschmutzung des einzigartigen Sees verursachen könnte. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Eine Reihe von Expert:innen versuchte unmittelbar diese Befürchtungen zu zerstreuen und argumentierte, dass moderne Technologien zur Wasserkühlung von AKWs geschlossener Natur seien. Das Austreten radioaktiver Elemente außerhalb des Anlagenkreislaufs sei ausgeschlossen. Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass dies bei einem stabilen Betriebszustand die wahrscheinlichste Option ist, obwohl das Problem natürlich zu ernst ist und einer weiteren Diskussion bedarf. Aber die Idee, am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balchaschsee">Balqash-See</a> ein AKW zu bauen, hat noch andere Aspekte. Einer davon ist der künftige Betrieb des Kraftwerks angesichts eines möglichen Absinkens des Wasserspiegels im See. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kann-sich-das-schicksal-des-aralsees-am-balqash-wiederholen/"><strong>Kann sich das Schicksal des Aralsees am Balqash wiederholen? </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Regime für die Nutzung der Wasserressourcen grenzüberschreitender Flüsse war schon immer ein schwieriges Thema in den Beziehungen zwischen Kasachstan und China. Kasachstanische Ökolog:innen haben dieses Problem seit Mitte der 1990er Jahre angesprochen, aber bis heute ist es nicht gelöst. Bereits 1998 schrieb die unabhängige Nachrichtenagentur Asia Press: <em>„Auf Seite des Nachbarn werden die Flüsse, die in China entspringen und dann nach Kasachstan fließen, mit chinesischer Rationalität und Größenordnung angegangen. Dies gilt vor allem für den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)"><em>Ili</em></a><em>, der in den immer seichter werdenden Balqash-See mündet.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Kaum Wasser aus China</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Der Fluss Ili entspringt in China und fließt dann von Süden her in den westlichen Teil des Balqash-Sees. Er macht etwa 80 Prozent des Zuflussmenge in den See aus. Etwa 44 Prozent des Einzugsgebiets liegen auf chinesischer Seite. Die Versandung des Balqash ist ein bekanntes Problem, über das viel geredet wird. Es muss aber betont werden, dass dies nicht erst gestern begonnen hat: Die Versandung begann mit der Errichtung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qapschaghai-Talsperre">Qapchaģaı-Stausees</a> im Jahr 1970, um dort den Betrieb eines Wasserkraftwerks sicherzustellen. Seitdem ist das Volumen des Sees um etwa zwei Kubikkilometer geschrumpft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit den 2000er Jahren hat China jedoch zunehmend begonnen, den Rückgang der Wassermengen zu beeinflussen. Für China ist die Entwicklung der Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> eine der Prioritäten der staatlichen Politik. Dies schließt auch das demografische Wachstum von Xinjiang ein und impliziert somit auch zwangsläufig die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung des Agrarsektors unter den natürlichen und klimatischen Bedingungen der Region erfordert viel Wasser. Dieses wird den Flüssen entnommen, die weiter nach Kasachstan fließen, insbesondere dem Ili und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch">Irtysch</a>. Gleiches gilt für eine andere führende Industrie in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang – die Ölförderung. Dadurch gelangt immer weniger Wasser in den Balqash-See. Pekings Aktivitäten und Pläne, die indirekt, aber stark auf die Zukunft des Balqash einwirken, bleiben weiterhin bestehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser/"><strong>Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Herausforderung für den Balqash ist der Klimawandel. <em>„Das gesamte Wasser, das in den See gelangt, verdunstet. In dieser Hinsicht kann die erwartete weitere Erwärmung des Klimas zu einer anschließenden Abflachung führen“</em>, heißt es in dem von mehreren russischen Experten veröffentlichten Artikel <a href="https://ecogosfond.kz/wp-content/uploads/2021/01/CA.D.366-Transgranichnye-reki-Kazahstana-i-Kitaja.pdf">Grenzüberschreitende Flüsse Kasachstans und Chinas</a>. Die Autoren stellen auch fest, dass angesichts der Probleme mit dem Wasservolumen des Sees Kasachstan bereits 2007 China das Angebot unterbreitete, einen zehnjährigen Vorzugsvertrag für die Lieferung von Nahrungsmitteln im Austausch für die Aufrechterhaltung des Zuflussmenge in den Balqash-See abzuschließen. Peking stimmte aber nicht zu – eine charakteristische Reaktion. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Alles in allem lässt sich nicht leugnen, dass über den Balqash ökologische Bedrohungen schweben, die zu einer ernsthaften Abnahme des Wasservolumens und zur Änderung der Uferlinie führen können. Ist es möglich, die Situation zu ändern? Wirkliche Chancen sind noch nicht sichtbar. Dies führt zur zweiten Frage: Wieso plant man den Bau eines Atomkraftwerks unter solchen Bedingungen, wenn eines der Hauptargumente dafür mit dem Wasser des Sees zusammenhängt, das zum Kühlen der Reaktoren notwendig ist? Kein Wasser – kein Atomkraftwerk?
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Living Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://livingasia.online/2022/01/26/atomnaya-stancziya/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Erbe von Taboschar – Über den Uranabbau in Tadschikistan und seine Folgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aziz Rustamov]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2022 15:16:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Atombombe]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Dehmoj]]></category>
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		<category><![CDATA[Radioaktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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		<category><![CDATA[Taboschar]]></category>
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		<category><![CDATA[Uran]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan hat die Rekultivierung offener Uranr&#xFC;ckst&#xE4;nde aus Sowjetzeiten begonnen. F&#xFC;r den vollst&#xE4;ndigen R&#xFC;ckbau aller Abf&#xE4;lle werden nach inoffiziellen Angaben etwa 55 Millionen US-Dollar ben&#xF6;tigt werden. Die russische Atomenergiegesellschaft &#x201E;Rosatom&#x201C; m&#xF6;chte im ersten Quartal 2022 mit der Rekultivierung von offenen Uran-Abraumhalden sowie dem Industriegel&#xE4;nde der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in Istiqlol (bis 2012 Taboschar) im Norden Tadschikistans [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Tadschikistan hat die Rekultivierung offener Uranrückstände aus Sowjetzeiten begonnen. Für den vollständigen Rückbau aller Abfälle werden nach inoffiziellen Angaben etwa 55 Millionen US-Dollar benötigt werden.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Atomenergiegesellschaft „Rosatom“ möchte im ersten Quartal 2022 mit der Rekultivierung von offenen Uran-Abraumhalden sowie dem Industriegelände der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Istiqlol">Istiqlol</a> (bis 2012 Taboschar) im Norden Tadschikistans beginnen. Dies erklärte Nikolaj Spasskij, Rostatoms stellvertretender Generaldirektor für internationale Angelegenheiten, laut Angaben der russischen Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/ekonomika/12907807?utm_source=yxnews&amp;utm_medium=desktop&amp;utm_referrer=https%3A%2F%2Fyandex.ru%2Fnews%2Fsearch%3Ftext%3D">TASS</a> am 11. November 2021 in einer Rede vor dem Rat der Regierungschefs der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>-Staaten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Sanierung radioaktiver Absetzbecken und Abraumhalden hatte die GUS-Kommission für die friedliche Nutzung der Atomenergie das zwischenstaatliche Zielprogramm „Rekultivierung der vom Uranbergbau betroffenen Gebiete 2013-2023“ <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/centralasia/20210920/kazahstan-i-uzbekistan-nahodyatsya-v-pyaterke-mirovih-liderov-po-proizvodstvu-urana">verabschiedet</a>. Die finanzielle Hauptlast des circa 13 Millionen Euro schweren Programms trägt Russland mit 75 Prozent. Den verbliebenen Anteil tragen Kasachstan (15 Prozent), Tadschikistan (5 Prozent) und Kirgistan (5 Prozent). </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf den Fortschritt dieses Programms stellte Spasskij fest, dass <em>„das geplante Fertigstellungsdatum gemäß dem genehmigten Programm sowohl für Kirgistan als auch für Tadschikistan Ende 2023 ist“</em>. Mit Bezug auf Tadschikistan betonte er, dass <em>„hier die Aufgabe darin besteht, die Abraumhalden und das Industriegelände der ehemaligen Uranaufarbeitungsanlage in der Nähe der Stadt Istiqlol zurekultivieren. Die technischen Lösungen sind vollständig ausgearbeitet, jetzt schließen wir die Wettbewerbsverfahren ab. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten ein bis zwei Monaten einen Vertrag unterzeichnen werden und wir im ersten Quartal 2022 mit der Arbeit beginnen können.&#8220;</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Eine teure Sanierung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Entsorgung aller radioaktiven Abfälle in Tadschikistan wird große finanzielle Ressourcen erfordern, über die der Staatshaushalt nicht verfügt. Das Land hofft auf finanzielle Hilfe von internationalen Organisationen und Geberländern und bewegt sich daher Schritt für Schritt auf die vollständige Neutralisierung der Uranrückstände zu. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die OSZE, die Europäische Union, die Internationale Atomenergiebehörde, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Bank_f%C3%BCr_Wiederaufbau_und_Entwicklung">EBWE</a>) und andere Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um entsprechende Projekte zu finanzieren. Laut der Website des wissenschaftlichen Journals <a href="https://www.atomic-energy.ru/news/2019/12/11/99939">Atomic Energy 2.0</a> ratifizierte die Maschlisi Namojandagon, das Unterhaus des tadschikischen Parlaments, im Dezember 2019 eine Vereinbarung mit der EBWE über die Gewährung eines unentgeltlichen Zuschusses in Höhe von 33 Millionen Euro. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Diese Mittel werden verwendet, um die Uranrückstände in Dehmoj und Taboschar im Norden Tadschikistans – in der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd"><em>Provinz Sughd</em></a><em> – zu neutralisieren“</em>, erklärte der damalige Minister für Industrie und neue Technologien, Sarobiddin Faisullosoda, vor den Abgeordneten. Der Rückbau der Uranhalden erfolgt im Rahmen des <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">Nationalen Konzepts der Republik Tadschikistan für die Sanierung von Rückständen aus Uranerzverarbeitungsabfällen für 2014-2024</a>, das Anfang August 2014 von der tadschikischen Regierung beschlossen wurde. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Wie alles begann</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Istiqlol (bis 2012 Taboschar) liegt 45 Kilometer von der Provinzhauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a> entfernt. Zu Sowjetzeit lebten in der geschlossenen Stadt mehr als 25.000 Menschen. Heute sind es 12.000. Die Uranlagerstätte Taboschar wurde 1926 <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">entdeckt</a>. Zwischen 1944 und 1965 wurde hier aktiv Erz abgebaut.

Noch während des Zweiten Weltkriegs stellte sich die oberste Führung der UdSSR die Aufgabe, eine eigene Atombombe zu entwickeln und herzustellen. Mitte Mai 1945 wurde durch einen Erlass des Staatsverteidigungskomitees der UdSSR in Leninabad (heute Chudschand) das „Bergbau- und Chemiekombinat Nr. 6“ zur Gewinnung und Verarbeitung von Uranerzen gegründet.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29036 size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="806" height="403" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола.jpg" alt="Istiqlol Uranerz" class="wp-image-29036" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола.jpg 806w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола-300x150.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Остатки-неотработанной-руды-г.-Истиклола-768x384.jpg 768w" sizes="(max-width: 806px) 100vw, 806px" /><figcaption class="wp-element-caption">Reste von Uranerz in Istiqlol. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Laut dem Physiker Hotam Murtasajew wurden in jenen Jahren bis zu 90 Prozent aller Abbau-, Transport- und Verarbeitungsvorgänge manuell durchgeführt. <em>„Für den schnellsten Transport von Erz zum Beispiel in der Lagerstätte </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mailuusuu"><em>Mailuusuu</em></a><em> wurde mangels mechanischer Methode ein origineller Weg gefunden &#8211; das Erz wurde auf Eseln transportiert. […] Als der Akademiker Dmitrij Schtscherbakow einmal diese &#8222;Shuttle&#8220;-Reisen der in der Atomindustrie arbeitenden Esel beobachtete, sagte er: Es liegt nicht in meiner Hand, aber ich würde den Eseln ein Denkmal errichten&#8220;</em>, <a href="https://ia-centr.ru/publications/smert-v-nasledstvo-pochemu-v-tadzhikistane-ne-mogut-zakhoronit-sovetskie-uranovye-otkhody/">berichtet</a> der Physiker. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bis Ende 1947 verarbeitete das Kombinat Nr. 6 in Nordtadschikistan 176.600 Tonnen Uranerz und produzierte 66 Tonnen Uran. 1953 erreichte das Verarbeitungsvolumen eine Million Tonnen Erz pro Jahr, aus denen mehr als 400 Tonnen Uran produziert wurden. Am 29. August 1949 wurde auf dem </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgel%C3%A4nde_Semipalatinsk"><em>Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</em></a><em> die erste sowjetische Atombombe mit einer Kapazität von 22 Kilotonnen getestet. Bei seiner Herstellung wurde Uran verwendet, das im Norden Tadschikistans abgebaut wurde“</em>, so Murtasajew weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/semipalatinsker-testgelaende-das-atomare-erbe-der-sowjetunion-in-kasachstan/"><strong>Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan </strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die lokale Ressourcen reichten nicht aus, also wurde das Erz auch aus anderen Ländern Zentralasiens, Europas und sogar Afrikas gebracht. Im Wettrüsten stellte sich die Führung der UdSSR die Aufgabe, mit den Vereinigten Staaten Schritt zu halten. Die sich schnell entwickelnde sowjetische Nuklearindustrie verlangte immer mehr Uran. Ende der 1980er Jahre ging die Uranproduktion in Tadschikistan zurück und wurde nach dem Zusammenbruch der Union vollständig eingestellt.“, </em>schließt der Professor. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Umstrukturierung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Produktion von Urankonzentrat <a href="http://sng-atom.com/sites/default/files/NK%20505.pdf">begann</a> in Tadschikistan bereits 1944 in einer Pilotanlage in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghafurow">Gafurow</a>. Anschließend wurden auf dem Gebiet von Sughd sechs weitere Anlagen zur Gewinnung von Uranoxid gebaut. Von diesen Anlagen blieb Ende der 60er Jahre eine große Fabrik in der Stadt Tschkalowsk (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buston_(Ghafurow)">Buston</a>) übrig, die nach einem Umbau in den 80er Jahren Pro Jahr bis zu 1 Million Tonnen Erz verarbeitete und etwa 2.000 Tonnen Uranoxid produzierte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So wurden in fast 50 Jahren etwa 100.000 Tonnen Urankonzentrat produziert, wodurch sich auf dem Territorium von 6 Bezirken der Povinz Sughd mehr als 55 Millionen Tonnen Abfall mit einer Gesamtaktivität von mehr als 6,5 Tausend <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Curie_(Einheit)">Curie</a> ansammelten. Diese Abfälle werden in 10 Abraumhalden beziehungsweise Absatzbecken mit einer Gesamtfläche von 180 Hektar konzentriert, die sich in dicht besiedelten Gebieten sowie im Oberlauf von Nebenflüssen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Syrdarja">Syrdarja</a> befinden. </p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29035 size-full"><img decoding="async" width="806" height="403" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом..jpg" alt="Uranminen Tadschikistan" class="wp-image-29035" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом..jpg 806w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом.-300x150.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/Оставшийся-штольни-урановых-шахт.-Здесь-добывали-уран-руным-способом.-768x384.jpg 768w" sizes="(max-width: 806px) 100vw, 806px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verbleibende Stollen von Uranminen in Tadschikistan. Hier wurde Uran manuell abgebaut. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Wie aus der <a href="http://www.adlia.tj/show_doc.fwx?Rgn=122290">Präambel</a> des nationalen Konzepts für die Sanierung von Uranrückständen hervorgeht, wurde 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Lieferung von Uranerz aus dem Ausland eingestellt. In der Folge mussten mehrere Einheiten des Staatsunternehmens „Seltene Metalle Tadschikistans&#8220;, welche sich mit der Verarbeitung von Uran beschäftigten, praktisch Ihre Arbeit einstellen. Mittlerweile ist die gesamte Infrastruktur des Unternehmens auf die Produktion von Konsumgütern umgestellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis heute befinden sich die Uranrückstände [sogenannte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tailings">Tailings</a>, Anm. d. Red.] und das Abraumgestein in Istiqlol in einer Entfernung von 500 Metern bis 4 Kilometer zur Stadt. Der Komplex besteht aus einem Tagebau, demontierten Industriegebäuden und drei Halden, die nach der Säureextraktion mehr als 15 Millionen Tonnen Uranerz-Abfälle enthalten. Etwa 7,6 Millionen Tonnen Uranabfälle aus vier hydrometallurgischen Anlagen wurden hier auf einer Fläche von 54 Hektar verteilt. Angesehen von den Minen befindet sich in der Nähe von Istiqlol ein überfluteter Steinbruch, dessen bis zu 50 Meter tiefes Wasser durch die Abfälle aus der Aufbereitungsanlage verseucht ist. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Das Absatzbecken Dehmoj</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Eine der gefährlichsten Deponien für radioaktive Abfälle ist das Absatzbecken Dehmoj. Das Objekt mit einer Fläche von 90 Hektar wurde in den Jahren 1963-1993 durchgehend befüllt. Es befindet sich im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ghafurov_District">Bezirk Gafurow</a> auf einer Höhe von 485 Metern über dem Meeresspiegel und ist 1,5 Kilometer vom Dorf Gosion und 10 Kilometer von Chudschand entfernt. 36 Millionen Tonnen Tailings aus der Uranproduktion, 500.000 außerbilanzielles Uranerz und 5,7 Millionen Tonnen Abfall aus der Verarbeitung vanadiumhaltiger Rohstoffe wurden hier angesammelt. Die chemische Zusammensetzung besteht aus Sulfaten, Carbonaten, Nitraten.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-29034 size-full"><img decoding="async" width="800" height="561" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2.jpg" alt="Im Absetzbecken von Dehmoj" class="wp-image-29034" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2-300x210.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/02/nuclear2-768x539.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Im Absetzbecken von Dehmoj. Von den Wasserrohren und der Pantonen-Brücke für diese Rohre bleibt nur noch Altmetall. Foto: Aziz Rustamov</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> In den Jahren 2015-2017 wurde aus den Budgets der Provinz Sughd, der Städte Chudschand und Buston sowie des Bezirks Gafurow ein Betrag von 113.600 US-Dollar für die Sanierung von Dehmoj zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln wurden etwa 16 Hektar der Anlage mit einer 50 bis 100 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt, wodurch die Ausbreitung von radioaktivem Staub um ein Vielfaches reduziert werden konnte. Dann wurde aufgrund der Finanzkrise die Zuweisung von Geldern ausgesetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der für Wissenschaft und Ökologie zuständige stellvertretende Direktor des Unternehmens „Seltene Metalle Tadschikistans“, Mirsoschokir Hodschijon, erklärt das Sachverständige verschiedene Gefährdungsfaktoren identifizieren konnten, die vom Absatzbecken Dehmoj ausgehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dies sind radioaktive Stoffe, die Bestandteil von Staub und Aerosolen sind, aber auch Radongas und radioaktive Strahlung. Die schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper ergibt sich aus der Luftverschmutzung mit Radon, der Verwendung von mit Lebensmitteln kontaminierten Produkten sowie daraus, dass Menschen der Strahlung ausgesetzt sind, wenn sie sich in Zonen und Gebieten mit radioaktiver Wirkung befinden“</em>, erklärte Hodschijon im Jahr 2019 auf Anfrage des Autors. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Gesundheitliche Folgen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Im Jahr 2004 wurden in Istiqlol gleich drei Kinder <a href="http://www.caresd.net/site.html?text_search">mit Missbildungen geboren</a> – ein beispielloser Fall in der Geschichte der Stadt und des ganzen Landes. Bei zwei von ihnen diagnostizierten die Ärzt:innen eine Rückenmarkshernie und beim dritten eine ösophagotrachealen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fistel">Fistel</a> [zwischen Luft- und Speiseröhre, Anm. d. Red.]. Alle drei starben am Tag ihrer Geburt. Eltern und Ärzt:innen waren fassungslos. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ist auch bei den Einwohner:innen von Gosion in der Nähe des Absatzbeckens Dehmoj zu beobachten. Laut Mirkamol Domullojew, Arzt am Gesundheitszentrum von Gosion, werden jährlich dreißig oder mehr Menschen mit onkologischen Erkrankungen unter den Anwohner:innen registriert. Darüber hinaus lasse sich eine Zunahme von Patienten mit Leukämie beobachten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meiner Meinung nach sind die zunehmenden Fälle dieser Krankheiten mit der Urandeponie verbunden, von der sich ständig Staub ausbreitet, der eine erhöhte Strahlung trägt. Derzeit ist diese Halde teilweise mit Sand bedeckt. Die Bedrohung durch sie bleibt jedoch bestehen“</em>, stellt der Arzt fest. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/unter-verschluss-gehalten-atomverseucht-die-stadt-istiklol-unter-dem-deckmantel-der-galoschen/"><strong>Unter Verschluss gehalten, atomverseucht: Die Stadt Istiklol „unter dem Deckmantel“ der Galoschen</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Muhabbat, eine Einwohnerin des Dorfes, stellt fest, dass hier nicht nur Menschen oft krank werden, sondern auch Flora und Fauna. <em>„Die Früchte vieler Bäume, wie Aprikosen, Granatäpfel, Trauben, fallen ab, bevor sie reif sind. Die Blätter der Bäume sind ständig mit Staub und Schmutz bedeckt. Dies sind sicher die &#8222;Früchte&#8220; der herrenlosen Urandeponie, die wenige Kilometer vom Dorf entfernt liegt“</em>, klagt Muhabbat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ingenieurswissenschaftler Safar Rasykow schreibt in seinem Buch „Uranlagerstätten in Tadschikistan“ („Урановые месторождения Таджикистана“), dass die chemische Toxizität von Uran, insbesondere in seinen hochlöslichen Verbindungen, für lebende Organismen schädlich ist. Bei Aufnahme über die Atemwege und den Magen-Darm-Trakt lagern sich Uranverbindungen in Knochen, Nieren, Leber, Lunge und Lymphknoten ab und verursachen akute und chronische Erkrankungen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ausscheiden von Uran aus dem Körper verläuft extrem langsam. Über einen Zeitraum von 70 bis 140 Tagen werden nicht mehr als 50 Prozent der in den Körper gelangten Menge ausgeschieden. Nicht weniger gefährlich für alle Lebewesen ist die Eigenschaft der Radioaktivität, die Uran und seinen Verbindungen innewohnt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Direkte und indirekte Strahlungseinwirkungen bewirken verschiedenartige Störungen der Vitalaktivität von Zellen, Geweben, Organen und dem lebenden Organismus insgesamt. Ionisierende Strahlung hingegen kann eine Veränderung jener Zellen bewirken, die den Code der Erbinformation tragen. Dies wiederum führt zu Anomalien und Mutationen bei den Nachkommen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Berge an nutzlosem Abfall</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Laut dem Direktor der Agentur für Nuklear- und Strahlensicherheit der tadschikischen Akademie der Wissenschaften, Ulmas Mirsaidow, enthält der radioaktive Abfall, der sich in den Halden und Absatzbecken Nordtadschikistans ansammelt, einen geringen Gehalt an Uran und Radium. Er ist praktisch nutzlos.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die an der Gewinnung und Verarbeitung von Uran beteiligten Unternehmen unterlagen der Geheimhaltung und Informationen über Bergbau- und Verarbeitungstechnologien wurden nicht erhalten. Oft wurden die Anforderungen der Strahlenschutznormen ausgeblendet oder nicht erfüllt, da die Produktionssteigerung von vorrangiger Bedeutung war. Zu Lasten der Sicherheit“</em>, zitiert <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/opinion/20111007/uranovoe-nasledstvo">Asia-Plus</a> die Worte des Wissenschaftlers. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Das Land braucht etwa 55 Millionen US-Dollar, um die Halden in einen angemesseneren Zustand zu bringen. Wir müssen den Müll vergraben und dann anfangen, diese riesigen Gebiete für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. In den verlassenen Minen gibt es praktisch kein Uran mehr, und die Strahlung kommt allein vom Radium&#8220;</em>, erklärte Mirsaidow gegenüber der <a href="https://www.bbc.com/russian/international/2012/12/121218_tajikistan_uranium">BBC</a>. <em>Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass Leninabad der ehemalige Name Duschanbes sei. Tatsächlich handelt es sich aber um Chudschand. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aziz Rustamov für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong> </p>



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			</item>
		<item>
		<title>Der Rückbau des Kernreaktors BN 350: Russland übernimmt das Kommando, Kasachstan zahlt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Malaurie Le Bail]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Sep 2020 13:51:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt & Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aktau]]></category>
		<category><![CDATA[Aqtaý]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Kernenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Mangistau]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>BN 350, der &#xE4;lteste schnelle Brutreaktor der Welt, wird mit Hilfe des staatlichen russischen Atomunternehmens Rosatom abgebaut. Der R&#xFC;ckbau ist keine leichte Aufgabe, doch die Instandhaltung der Anlage stellt eine finanzielle Belastung f&#xFC;r die lokale Bev&#xF6;lkerung dar. Kasachstan verf&#xFC;gt heute &#xFC;ber einen zivilen Kernreaktor, den BN 350. Dieser 1973 in Betrieb genommene schnelle Brutreaktor (&#x201E;Schneller [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>BN 350, der älteste schnelle Brutreaktor der Welt, wird mit Hilfe des staatlichen russischen Atomunternehmens Rosatom abgebaut. Der Rückbau ist keine leichte Aufgabe, doch die Instandhaltung der Anlage stellt eine finanzielle Belastung für die lokale Bevölkerung dar.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan verfügt heute über einen zivilen Kernreaktor, den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Aqtau">BN 350</a>. Dieser 1973 in Betrieb genommene schnelle Brutreaktor („Schneller Brüter“) mit einer Kapazität von 52 Megawatt (MW) versorgte bis 1999 die Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtaý</a> und ihre Umgebung im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangghystau_(Gebiet)">Mańģystaý</a> in Südwestkasachstan mit Strom. Mit Reaktoren dieser Art ist auch die Produktion von militärisch nutzbarer atomarer Masse möglich.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die Abschaltung des ersten Schnellen Brüters der Welt war eine Herzensangelegenheit des ehemaligen Präsidenten Kasachstans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a>, welcher sich seit der Unabhängigkeit Kasachstans im Jahr 1991 gegen die Verbreitung von Kernwaffen einsetzte. Er wünschte sich eine schnelle Abschaltung des Reaktors und förderte eine friedliche Nutzung der Kernenergie im Dienst der Forschung. Von 1996 bis 2016 wurden mit finanzieller Unterstützung der US-Regierung der Kernbrennstoff und andere Radionuklide vollständig aus dem Reaktor entfernt und in das Endlager auf dem ehemaligen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgelände_Semipalatinsk">Atomwaffentestgelände Semipalatinsk</a> im Osten des Landes verlegt. Nur die Anlagen sind noch vorhanden, doch auch sie sollen im Rahmen des aktuellen Projekts vollständig entfernt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-polygon-von-semipalatinsk-wird-zu-einer-deponie-fuer-nukleare-abfaelle/"><strong>Das Polygon von Semipalatinsk wird zu einer Deponie für nukleare Abfälle</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2017 betreibt die staatliche kasachstanische Atombehörde <a href="https://www.kazatomprom.kz/en">Kazatomprom</a> die Stilllegung der Anlage in drei Schritten. Wie die russische staatliche Nachrichtenagentur <a href="https://ria.ru/20200724/1574868439.html">Ria Novosti</a> berichtete, ist für die kommenden 10 Jahre geplant, die Reaktoranlage in einen Zustand der sicheren Lagerung zu versetzen. In den darauffolgenden 50 Jahren soll eine langfristige sichere Lagerung gewährleistet werden. Die letzte Etappe soll einen teilweisen oder vollständigen Rückbau von Ausrüstung, Gebäuden und Strukturen sowie die Deponierung radioaktiver Abfälle und andere mit dem Rückbau einer solchen Anlage verbundenen Aktivitäten umfassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russisch-kasachstanische Zusammenarbeit in Sachen Atom</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat seit seiner Unabhängigkeit kontinuierlich seine Partnerschaften ausgebaut, um insbesondere die Interaktionen mit seinem großen Nachbarn Russland einzuschränken. Russland hat 1990 den Status der Atommacht geerbt, aber dieser Status wäre nicht ohne Kasachstan, das zu Sowjetzeiten die zentrale Stellung im Nuklearsektor innehatte, erreicht worden. In Kasachstan fanden die militärischen und zivilen Atomtests der Sowjetunion statt, weshalb Kasachstan mit der allerersten nuklearen Ausrüstung der Welt ausgestattet wurde, darunter mit dem Reaktor BN 350.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Website des <a href="https://www.world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/kazakhstan.aspx">Weltverbandes für nukleare Sicherheit</a> zeigt, wurde die russisch-kasachstanische Zusammenarbeit im Nuklearbereich bereits 2006 mit der Unterzeichnung einer Reihe bilateraler Kooperationsvereinbarungen lanciert. Die letzte <a href="https://www.kazatomprom.kz/en/media/view/kazatomprom-i-rosatom-podpisali-memorandum-o-vzaimoponimanii-i-rasshirenii-strategicheskogo">Absichtserklärung</a> aus dem Jahr 2016 steckt den Rahmen für weitere Aktivitäten ab, darunter der Abbau einer Kernanlage, aber auch der Bau eines neuen Reaktors auf kasachstanischem Boden. Die Rolle Russlands bei der Stilllegung des Reaktors BN 350 wäre demnach bereits 2016 festgelegt worden.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus den zuvor zitierten Meldung von Ria Novosti geht hervor, dass <a href="https://rosatom.ru/en/">Rosatom</a> das russische Staatsunternehmen <a href="https://www.tenex.ru/en/">TENEX</a> beauftragt hat, Kasachstan technische Hilfe zu leisten. TENEX, das für den Export und die Verarbeitung von Kernbrennstoffen zuständig ist, hat nach Angaben des kasachstanischen Nachrichtenportals <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/rossiya-pomojet-vyivesti-ekspluatatsii-yadernyiy-reaktor-409413/">Tengrinews</a> daraufhin das <a href="http://ntsc.kz/">Zentrum für die Sicherheit von Kerntechnologie</a> um eine Analyse des rechtlichen Teil der Reaktorstilllegung gebeten. Anhand dessen soll beurteilt werden, ob diese Rechtsgrundlage für die Durchführung der Arbeiten ausreicht. Es gibt jedoch keine Informationen, die darauf hindeuten, dass Kasachstan in den Entscheidungsprozess eingebunden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für beide Seiten ist es an der Zeit Technologien zu finden, die den effizienten Abbau der Reaktoranlagen ermöglichen. Denn wie <a href="https://www.lada.kz/aktau_news/society/page,1,2,82698-rossiyane-obeschayut-vyvesti-iz-ekspluatacii-reaktor-bn-350-soderzhanie-kotorogo-oplachivayut-zhiteli-aktau.html#comment">Lada</a>, ein lokales Nachrichtenportal aus Aqtaý, darlegt, entstehen der Bevölkerung von Mańģystaý allein durch die Instandhaltung von BN 350 seit 10 Jahren horrende Kosten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstans Stromverbraucher tragen die Kosten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Punkt sind sich die kasachstanischen Quellen einig: Der stillgelegte Reaktor ist teuer. Die jährlichen Wartungskosten belaufen sich auf 1,2 Milliarden Tenge (2,4 Millionen Euro) und fließen in die Stromrechnungen der lokalen Bevölkerung ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit sieben Jahren steigen die Stromrechnungen kontinuierlich. Während 2013 der Strompreis in Mańģystaý noch zu den niedrigsten im Land zählte, ist dies heute <a href="https://forbes.kz/process/energetics/v_kegoc_rasskazali_chto_v_2020_godu_tarifyi_na_elektroenergiyu_mogut_vyirasti_na_12/">trotz einer vom Energieministerium gewünschten Tarifdeckelung</a> nicht mehr der Fall. Die Stadt Aqtaý und ihre Umgebung belegen laut dem kasachstanischen Nachrichtenportal <a href="https://kursiv.kz/news/issledovaniya/2018-09/reyting-regionov-kazakhstana-po-dostupnosti-elektroenergii?page=14">Kursiv</a> den zweiten Platz auf der Liste der teuersten Regionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im letzten Jahr war für 2020 ein Anstieg der Stromrechnungen um 12 Prozent in ganz Kasachstan geplant. Die Stadt Aqtaý und ihre Umgebung verzeichnen heute allerdings mit 18,1 Prozent den größten Anstieg im ganzen Land. Wie die untenstehende Grafik zeigt, lag der Preis pro Kilowattstunde in Aqtaý im Jahr 2018 bei 15 Tenge (ca. 3 Cent), während es in den günstigsten Regionen nur 5 Tenge (1 Cent) waren. Die Tariferhöhung wird auch durch höhere Stromimporte erklärt, die jetzt 60 Prozent betragen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="763" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/09/Prix-élec-1024x763.jpg" alt="" class="wp-image-23254" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/09/Prix-élec-1024x763.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/09/Prix-élec-300x224.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/09/Prix-élec-768x573.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/09/Prix-élec.jpg 1116w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Aqtaý hat die zweithöchsten Strompreise des Landes</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstans Behörden wollen die finanziellen Auswirkungen für das Land und die lokale Bevölkerung reduzieren. So ziehen die Behörden eine neue Art der Abschreibung der Wartungskosten von BN 350 in Betracht, ohne sich aber wirklich zu diesem Thema zu äußern. Die Lokalbehörden von Mańģystaý und das Energieministerium erwägen, die Finanzverwaltung des Reaktors BN 350 zu verstaatlichen und an den <a href="https://sk.kz/">Staatsfonds Samruk-Kazyna</a> zu übertragen. Dieser Fonds wird von Kasachstans Behörden als ein Mittel zur Förderung der Volkswirtschaft angesehen und ist laut Angaben von <a href="https://kursiv.kz/news/ekonomika/2020-08/dokhody-kegoc-vyrosli-na-34">Kursiv</a> auch mit 90 Prozent Anteilseigner des nationalen Elektrizitätsunternehmens KEGOC. Es bleibt abzuwarten, ob auf diese Versprechen Taten folgen werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Malaurie Le Bail, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/fin-du-reacteur-nucleaire-bn-350-au-kazakhstan-la-russie-sen-charge-le-kazakhstan-paye/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Französischen</a> von Robin Roth</strong></p>


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		<title>Semipalatinsker Testgelände: Das atomare Erbe der Sowjetunion in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Svenja Petersen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Sep 2019 11:45:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Semipalatinsk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jahrzehnte nach der Einstellung der Atomwaffentests versuchen die Forscher immer noch, die Auswirkungen der Strahlung auf die &#xF6;ffentliche Gesundheit bei Semipalatinsk zu erforschen. Dieser Artikel ist im russischen Original im Online-Magazin The Steppe erschienen, Novastan &#xFC;bersetzt ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Umwindete Lenin-Statuen s&#xE4;umen nach wie vor die Parkanlagen der Stadt Semei, im Nordosten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Jahrzehnte nach der Einstellung der Atomwaffentests versuchen die Forscher immer noch, die Auswirkungen der Strahlung auf die öffentliche Gesundheit bei Semipalatinsk zu erforschen. Dieser Artikel ist im russischen Original im Online-Magazin <a href="https://the-steppe.com/gorod/semipalatinskiy-poligon-yadernoe-eho-sssr-v-kazahstane?fbclid=IwAR1ZAgsu_p2bzCwDTZBvInjPA-m_DCk4G8zzt2qnkMe5K-wvfSj80mn-4sc">The Steppe</a> erschienen, Novastan übersetzt ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Umwindete Lenin-Statuen säumen nach wie vor die Parkanlagen der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semei</a>, im Nordosten Kasachstans. Die Straßen von Semei sind voller Backsteinhäuser und zerklüfteter Fußgängerwege &#8211; ein Erbe des ehemaligen Regimes. All dies ist mit bloßem Auge zu sehen, aber andere Spuren der Vergangenheit sind schwerer zu sehen, berichtet <a href="https://www.nature.com/articles/d41586-019-01034-8">Nature.com</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Die Geschichte der Stadt und die DNA ihrer Bewohner umfasst das Erbe des Kalten Krieges. Das etwa 150 km westlich vom einstigen Semipalatinsk gelegene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffentestgel%C3%A4nde_Semipalatinsk">Testgelände Semipalatinsk</a> war die Basis, auf der die Sowjetunion ihr Atomwaffenarsenal errichtete.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die lange Geschichte des Testgeländes Semipalatinsk</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zwischen 1949 und 1963 verwandelte die Sowjetunion ein etwa 19 Kilometer langes Grundstück in ein Testgelände, wo sie mehr als 110 Atomtests durchführte. Vieles, was über die gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlung bekannt ist, wurde durch Forschung ermittelt und dargelegt. Zum Beispiel die Folgen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki">Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki</a> oder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl">Atomkatastrophe von Tschernobyl</a>. Wissenschaftler haben viel über die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf Menschen und Umwelt herausfinden können. Diese Studien haben jedoch wenig Hinweise darauf hervorgebracht, dass die Auswirkungen von Strahlung von Generation zu Generation übertragen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Seit Jahrzehnten sind die Menschen in der Nähe des Standorts des Atomwaffengeländes nicht nur akuten Ausbrüchen, sondern auch konstanten niedrigen Strahlendosen ausgesetzt. Kasachische Forscher sammeln nun Daten über diejenigen, die die Explosionen überlebt haben, sowie über ihre Kinder und Enkelkinder. Die Folgen der Exposition zu radioaktiven Stoffen sind nicht immer offensichtlich und nicht immer leicht zu verfolgen: Ausbrüche erhöhen das Krebsrisiko, und es besteht die Möglichkeit, dass die Auswirkungen der Strahlung auf das Herz-Kreislauf-System von Generation zu Generation übertragen werden könnten.</p>
<p style="text-align: justify">Trotz der Untersuchung der Auswirkungen auf die Gesundheit müssen Forscher in Kasachstan auch die Angst überwinden, die die Bewohner der Fallout-Zone befallen hat. Die Anwohner geben den Tests die Schuld für eine Vielzahl von Problemen. Das Bewusstsein furchtbaren Nachwirkungen ausgesetzt zu sein prägt die Familien, die auf die medizinische Versorgung der Regierung angewiesen sind. Modernste Gentechnik kann dabei helfen. „Das Testgelände war eine große Tragödie“, sagt heute Talgat Muldagalijew, stellvertretender Direktor des <a href="http://www.istc.int/en/institute/9725">Radiation Medicine and Ecology Research Institute in Semeij</a>, „aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben und diese untersuchen.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Tödliche Auswirkungen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 12. August 1953 spielte Valentina Nikontschik auf der Straße, als sie eine ohrenbetäubende Explosion hörte und dann ohnmächtig wurde. Sie erlebte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Joe_4">die erste Explosion einer Atomwaffe der zweiten Generation</a> &#8211; einer thermonuklearen Vorrichtung. Eine solche Bombe entspricht 400 Kilotonnen TNT, und somit mehr als der 25-fachen Kapazität einer Bombe, die auf Hiroshima abgeworfen wurde. <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/1953_Soviet_nuclear_tests">Der Atomtest von 1953</a> gilt als der zerstörerischste Test an diesem Standort, was die Strahlenbelastung angeht.</p>
<p style="text-align: justify">Bis dahin hatte die sowjetische Armee in dieser Einrichtung bereits seit vier Jahren Tests durchgeführt. Die Armee warf Bomben aus Flugzeugen ab, um die Auswirkungen von Explosionen auf Gebäude, Brücken, Fahrzeuge und Vieh zu untersuchen. Aber sie waren sich entweder nicht bewusst oder waren gleichgültig gegenüber der Tatsache, dass die Winde, die in der Steppe wehen, die Strahlung in benachbarte Siedlungen tragen könnten.</p>
<p style="text-align: justify">1963 unterzeichneten Vertreter der Sowjetunion den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_%C3%BCber_das_Verbot_von_Kernwaffenversuchen_in_der_Atmosph%C3%A4re,_im_Weltraum_und_unter_Wasser">Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser</a>, der die Bodenerprobung beendete. Unterirdische Tests, die bis 1989 dauerten, trugen zu bestimmten Strahlenrisiken bei. Die Tests, die aber am Boden in den ersten 14 Jahren des Bestehens des Standorts, ausgeführt wurden, gelten als die gefährlichsten in Bezug auf die akute Strahlenbelastung. Die absorbierte Strahlendosis wird in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gray">Gray (Gy)</a> gemessen, und eine hohe Strahlendosis ab etwa 1 Gy reicht aus, um Zellen und Gewebe zu töten. Menschen, die einer höheren Dosis ausgesetzt waren, leiden oft unter Erbrechen, Durchfall oder Blutungen. Abhängig vom Grad der Bestrahlung und des Zelltods können Menschen innerhalb von Stunden oder Wochen, nachdem sie den Strahlen ausgesetzt waren, sterben.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/uberreste-der-sowjetischen-industrie-in-zentralasien/">Überreste der sowjetischen Industrie in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Im August 1956 wurden mehr als 600 Einwohner der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96skemen">Stadt Ust-Kamenogorsk</a>, etwa 400 km östlich des Testgeländes, nach einem Bodentest in Semipalatinsk, mit extrem erhöhter Strahlung in ein Krankenhaus gebracht. Es gibt keine Aufzeichnung darüber, wie viele Menschen daran gestorben sind. Strahlung beeinflusst auch die Zellteilung, dies ist insbesondere bei der Entwicklung eines Fötus ein zu beachtender Faktor. Frauen in der Nähe des strahlenexponierten Ortes gebaren deutlich öfter Kinder mit genetischen Krankheiten, einschließlich des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Down-Syndrom">Down-Syndroms</a> und angeborener Fehlbildungen. Aber für einige mag sich der Effekt erst nach Jahren zeigen. Dies war bei Nikontschik der Fall. Jahre nach der Explosion entdeckte sie, dass sie Herz- und Schilddrüsenprobleme hatte. Sie und ihre Ärzte glauben, dass diese mit den Tests verbunden sind. „Als ich ein Kind war, dachten wir nicht darüber nach, wie dieses Ereignis unsere Gesundheit beeinflussen könnte“, sagte sie.</p>
<p><figure id="attachment_17764" aria-describedby="caption-attachment-17764" style="width: 1600px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17764" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004.jpg" alt="Fabrik Semey Kasachstan Bild des tages" width="1600" height="1067" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004.jpg 1600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/For-Novastan-Tien-Tran-004-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><figcaption id="caption-attachment-17764" class="wp-caption-text">Schornsteine der Fabriken der Stadt Semey.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Nach den Versuchen vom August 1956, die unter den Bewohnern von Ust-Kamenogorsk zu Strahlenkrankheiten führten, richtete das sowjetische Militär eine geheime medizinische Station ein, um den Bedürftigen zu helfen. Diese Station war aber auch als Ort für die Sammlung medizinischer Daten über die strahlenexponierten Personen gedacht. Um dies jedoch zu verbergen, schuf die Armee die anti-Brucellose Gesundheitsfürsorgestelle Nr. 4, die die eigentlichen Gründe der Erkrankung der Patienten als eine angebliche bakterielle Krankheit maskierte, die von Nutztieren übertragen wird. Diejenigen, die einen Arzt aufsuchten, wurden untersucht, erhielten aber nie eine wahrheitsgemäße Diagnose.</p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1991 schickten Moskauer Beamte einen Sonderausschuss in die Region, um eine Ambulanz zu eröffnen. Einige Datensätze wurden vernichtet. Andere Verschlussakten wurden an Moskau zurückgegeben. Auch heute noch wissen die Forscher nicht, was in diesen Aufzeichnungen stand. Das Gesundheitszentrum Nr. 4 wurde in das <a href="http://www.tuman-off.ru/">Forschungsinstitut für Strahlenmedizin und Ökologie (NIIRME)</a> umbenannt, das die restlichen klassifizierten Patientendaten übernahm. Zusätzlich zu den epidemiologischen Studien über die Auswirkungen von Strahlung auf die menschliche Gesundheit verfügt NIIRME über eine kleine Klinik für die Behandlung von Menschen, deren Familienangehörige von der radioaktiven Strahlung betroffen waren.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/fact/kasachstan-ist-auch-weltweit-einer-der-vorreiter-der-nuklearen-entwaffnung/"><strong>Kasachstan Uranproduzent</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Seit vielen Jahren sind diejenigen, die medizinische Hilfe von der Gesundheitsfürsorgestelle Nr. 4 oder der NIIRME in Anspruch nehmen, in das staatliche Ärzteverzeichnis eingetragen, das den Gesundheitszustand von Menschen überwacht, die Opfer der Strahlung wurden. Dort wurden Betroffene nach deren Generation und Strahlendosis gruppiert. Obwohl das Register nicht alle Opfer umfasste, zählte es mehr als 351.000 Menschen über drei Generationen von Opfern hinweg. Fast ein Drittel von ihnen starb, viele wanderten aus, oder das Institut verlor den Kontakt zu ihnen. Aber laut Muldagalijew stehen seit 1962 rund 10.000 Menschen unter ständiger medizinischer Überwachung. Forscher sehen das Register als eine wichtige und relativ unerforschte Ressource, die langfristig die noch unetdeckte Folgen der Strahlenbelastung aufdecken kann.</p>
<p style="text-align: justify">Ende der 90er Jahre reisten kasachische Forscher nach Beskaragai, einer Stadt am Rande einer stark bestrahlten Deponie. Sie nahmen Blutproben von 40 Familien, von denen jede über drei Generationen hinweg betroffen war und schickten sie an den Humangenetiker Juri Durbrow von der <a href="https://le.ac.uk/">Universität Leicester</a>. Juri Dubrow ist auf die Untersuchung des Einflusses von Umweltfaktoren auf Embryonen und DANN spezialisiert. Er war daran interessiert die Vererbung von Mutationen von einer Generation an die nächste zu erforschen.</p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2002 berichteten Dubrow und seine Kollegen, dass die Keimbahnmutation bei denjenigen, die einer direkten Bestrahlung ausgesetzt waren, fast doppelt so hoch war wie bei der Kontrollgruppe. Die Auswirkungen setzten sich in den folgenden Generationen fort, die aber selbst nicht direkt von den Explosionen betroffen waren. Ihre Kinder hatten Keimbahnmutationen, die bis zu 50 Prozent höher waren als in der Kontrollgruppe. Dubrow glaubt, dass, wenn Forscher ein Mutationsmuster bei den Nachkommen exponierter Eltern etablieren, langfristige, intergenerationelle Gesundheitsrisiken antizipiert werden können. „Das ist die nächste Herausforderung. Wir glauben, dass Methoden wie die Sequenzierung der nächsten Generation uns echte Informationen über die Auswirkungen menschlicher Mutationen liefern können“, behauptet Dubrow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das wichtigste zusammengefasst</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong>Als Zhanar Mukhamedzhanova 19 Jahre alt wurde, begann sie sich bei der Arbeit schwach zu fühlen. Es kam ihr seltsam vor, denn ihre Arbeit war nicht arbeitsintensiv. Daraufhin wurde sie in der Regionalklinik in Semei untersucht. Ihr Blutdruck war über 160, was für medizinische Verhältnisse ziemlich hoch ist. Obwohl Mukhamedzhanowa den größten Teil ihres Erwachsenenlebens in der Stadt verbrachte, hat sie ihre ersten Lebensjahre im Bezirk Abai verbracht, der von einem der größten und belastetsten Atomtests betroffen war.</p>
<p style="text-align: justify">Ihre beiden Eltern waren Zeugen der Atomtests: Ihr Vater starb mit 41 Jahren an einem Schlaganfall und ihre Mutter mit 70 Jahren an einer Herzerkrankung. Die ältere Schwester hat hohen Blutdruck und ihre jüngere Schwester hat eine Herzinsuffizienz.</p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen November entdeckten Ljudmila Piwina und ihre Kollegen von der <a href="https://semeymedicaluniversity.kz/en">Staatlichen Medizinischen Universität Semei</a>, dass eine anhaltende niedrig dosierte Strahlenbelastung zu Herz-Kreislauf-Problemen führen kann, wie zum Beispiel zu Bluthochdruck. Sie analysierten den Gesundheitszustand von etwa 1.800 Menschen, darunter Überlebende von Atomtests der zweiten und dritten Generation. Als sie sich auf Menschen konzentrierten, deren Eltern zwischen 1949 und 1989 in exponierten Gebieten lebten, fanden sie heraus, dass das Risiko von Bluthochdruck mit der Menge der Strahlung, die sie erlitten, zunahm.</p>
<p><figure id="attachment_17298" aria-describedby="caption-attachment-17298" style="width: 1500px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17298" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008.jpg" alt="Semei Kasachstan Semipalatinsk Winter" width="1500" height="1000" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008.jpg 1500w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/06/Novastan-008-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px" /><figcaption id="caption-attachment-17298" class="wp-caption-text">Eine Frau läuft durch die Straßen von Semei in Kasachstan.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Bei einer längeren niedrigen Bestrahlungsdosis häufen die Zellen Mutationen an, weil sie ständig versuchen, die durch ihre DNA verursachten Schäden zu reparieren. Der ehemalige Strahlenepidemiologe Bernd Groscher stellt fest, dass es wichtig sei, die Bevölkerung, die verschiedenen Arten von Strahlung ausgesetzt wurde, zu untersuchen, um das Ausmaß der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit vollständig zu erforschen. Wenn es in Kasachstan ein Register gäbe, wäre es ein großer Fehler, dieses nicht zu analysieren, sagte Grosche.</p>
<p style="text-align: justify">Kari Kitachara, Epidemiologin an der Krebsabteilung des <a href="https://www.uicc.org/membership/kazakh-institute-oncology-and-radiology">nationalen Krebsinstituts</a>, untersucht die Auswirkungen der Strahlung auf die Gesundheit von medizinischen Strahlungstechnikern, die besser in der Lage sind, die Strahlenbelastung zu überwachen. Andere untersuchen die gesundheitlichen Auswirkungen auf Arbeiter, die Uran abbauen oder im Bereich der Atomkraft tätig sind, da diese seit langem einer niedrigen Strahlendosis ausgesetzt sind.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistans-erstes-atomkraftwerk-soll-zwei-zusaetzliche-reaktoren-bekommen/">Usbekistans erstes Atomkraftwerk soll zwei zusätzliche Reaktoren bekommen</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine der größten Herausforderungen bei der Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen von radioaktiver Strahlung ist, dass es oft schwierig ist, ein bestimmtes Problem allein durch Strahlung zu erklären, sagt Julia Semenowa, ebenfalls Forscherin an der Staatlichen Medizinischen Universität von Semei. Sie untersucht insbesondere die Auswirkungen von facettenreichen Tests auf die Entstehung von Krebs. Da Krebs und Bluthochdruck häufige Krankheiten sind, können Gruppenstudien helfen, herauszufinden, welche Faktoren zu ihrer Entwicklung beitragen können. Semenowa und ihre Kollegen planen, das Register für epidemiologische Studien zu nutzen, um den Zusammenhang zwischen Strahlung und Krankheit besser zu verstehen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Forscher, die die Bevölkerung der Teststandorte untersuchen, wissen jedoch noch nicht genau, inwieweit langfristige und geringe Strahlung die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können. Umso mehr Zeit vergeht, desto schwieriger ist es, die Auswirkungen von Strahlung von anderen Umweltfaktoren zu trennen. „Jede Katastrophe hat einen Anfang und ein Ende“, sagte Muldagalijew, „aber im Falle von Strahlung ist dieses Ende unbekannt.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong><strong>Unsichtbares Erbe</strong></p>
<p style="text-align: justify">Fröhliche Autoreifenskulpturen begrüßen die Besucher des zweistöckigen Kinderheims, das in einem Wohnstadtteil von Semei versteckt liegt. Im zweiten Stock befinden sich Räume mit creme- und orangefarbenen Wänden, die „Sonnenzimmer“ genannt werden. Im Inneren rollt sich ein dreijähriger Junge namens Arthur auf dem Boden und setzt sich langsam auf einen Stuhl &#8211; er hatte schon drei korrigierende Operationen, die es ihm ermöglichten wieder zu laufen. Sein älterer Bruder, geboren mit Hydrozephalie (ein Überschuss an Flüssigkeit in seinem Gehirn, der seinen Kopf vergrößert), wohnte lange Zeit im selben Waisenhaus, wurde aber inzwischen verlegt. In einer Wiege liegt die zweijährige Maria, die weder laufen, krabbern oder sitzen kann. Sie erstickt fast, wenn sie weint. Die Pflegerinnen wissen nicht genau, was mit ihr los ist und ob sie bis ins Erwachsenenalter überleben wird.</p>
<p style="text-align: justify">Kinder mit Behinderungen, die diese Einrichtung und andere Einrichtungen in der Region durchlaufen haben, sind ein klares Erbe des Atomwaffentestgeländes. Laut Raikhan Smagulow, einem Lehrer im Waisenhaus, sind viele der acht Kinder, die im November im „Sonnenzimmer“ waren, in verstrahlten Dörfern aufgewachsen. Einige Ärzte empfahlen sogar, dass strahlenexponierte Erwachsene darauf verzichten sollten, Kinder zu gebären. Es gibt jedoch wenig Beweise und viele Diskussionen darüber, ob die Strahlenbelastung in der Vergangenheit zur Entwicklung angeborener schwerer Krankheiten beigetragen hat. Diese Frage, wie viele andere Fragen, versucht die Forschung zu ergründen, aber es wird nach wie vor schwer sein, diese zu beantworten, sagt Muldagalijew.</p>
<p style="text-align: justify">Für viele Menschen in der Region sind diese Folgen wahrscheinlich weniger sichtbar als bei angeborenen Behinderungen. Aber sie können heimtückischer und beunruhigender sein.</p>
<p style="text-align: justify">Anstatt dafür bekannt zu sein, dass die Stadt der Geburtsort einiger berühmter kasachischer Dichter und Künstler war, ist Semei nun vor allem für seine dunkle Vergangenheit bekannt. „Die Stadt ist gebrandmarkt“, sagt Simbat Abdykarimowa, Neurologin im Waisenhaus. „Wir wollen stolz auf unsere Stadt sein, da wir hier leben, aber viele internationale Journalisten kommen nur hierher um über das Testgelände zu berichten. Wir versuchen zu vermeiden, dass wir nur dafür bekannt sind.“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Zarina Muchametalijewa für </strong><a href="https://the-steppe.com/gorod/semipalatinskiy-poligon-yadernoe-eho-sssr-v-kazahstane?fbclid=IwAR1ZAgsu_p2bzCwDTZBvInjPA-m_DCk4G8zzt2qnkMe5K-wvfSj80mn-4sc"><strong>The Steppe<br />
</strong></a><br />
<strong>Aus dem Russischen von Svenja Petersen</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Newsletter: Demokratischer Wandel – &#8222;Ein schmerzhafter Prozess&#8220; für die Länder Zentralasiens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julius Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jul 2019 16:16:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[spionage]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Zentralasien durch die Woche &#x2013; herzlich willkommen in unserem w&#xF6;chentlichen Newsletter! Wir vom deutschen Redaktionsteam freuen uns jederzeit &#xFC;ber eure Reklamationen, Artikelideen oder Anregungen an:&#xA0;redaktion@novastan.org&#xA0; Viel Spa&#xDF; beim Lesen! Euer Julius Artikel der Woche &#x201E;Ein schmerzhafter Prozess&#x201C; &#x2013; Federica Mogherini &#xFC;ber Reformen, Festnahmen und B&#xFC;rgerrechte in Zentralasien Im Anschluss an das EU-Zentralasien-Forum in Bischkek [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td1" valign="top">
<p class="p1"><span class="s1"><b>Mit Zentralasien durch die Woche – herzlich willkommen in unserem wöchentlichen Newsletter!</b></span></p>
<p class="p3"><span class="s1">Wir vom deutschen Redaktionsteam freuen uns jederzeit über eure Reklamationen, Artikelideen oder Anregungen an: <a href="mailto:redaktion@novastan.org"><span class="s2">redaktion@novastan.org</span></a></span><span class="s1"> </span></p>
<p class="p4"><span class="s1">Viel Spaß beim Lesen!</span></p>
<p class="p4"><span class="s1">Euer Julius</span></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h1>Artikel der Woche</h1>
<p><figure id="attachment_17676" aria-describedby="caption-attachment-17676" style="width: 1135px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-17676" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/photo5265197286181415830.jpg" alt="Gruppenfoto mit Frederica Mogherini und den zentralasiatischen Außenministern in Bischkek" width="1135" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/photo5265197286181415830.jpg 1135w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/photo5265197286181415830-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/photo5265197286181415830-768x433.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/photo5265197286181415830-1024x577.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1135px) 100vw, 1135px" /><figcaption id="caption-attachment-17676" class="wp-caption-text">Frederica Mogherini sprach mit den zentralasiatischen Außenministern über Reformen und Bürgerrechte.</figcaption></figure></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td1" valign="top">
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1"><a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=06fddd7459&amp;e=fae1c46b4f"><b>„Ein schmerzhafter Prozess“ – Federica Mogherini über Reformen, Festnahmen und Bürgerrechte in Zentralasien</b></a></span></p>
<p class="p3" style="text-align: left"><span class="s2">Im Anschluss an das <b>EU-Zentralasien-Forum</b> in <b>Bischkek</b> sprach die Hohe Vertreterin der EU für <b>Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini </b>im <b>Interview mit Radio Azattyk </b>darüber, <b>welche Fragen</b> mit den <b>Außenministern der Region diskutiert</b> wurden. Darüber hinaus <b>kommentierte</b> sie die massenhaften <b>Festnahmen in Kasachstan</b> vom 6. Juli 2019.</span></p>
<p class="p5" style="text-align: left"><span class="s2"><b>Mehr zum Thema:</b></span></p>
<ul class="ul1">
<li class="li6" style="text-align: left"><span class="s3"><a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=9fff3cbdc0&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s4">Mogherini: Die Neue Seidenstraße ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte</span></a></span></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-17767" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Wirtschaft-Small.jpg" alt="" width="800" height="100" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Wirtschaft-Small.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Wirtschaft-Small-300x38.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Wirtschaft-Small-768x96.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td1" valign="top">
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1"><a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=07bf6840a3&amp;e=fae1c46b4f"><b>Usbekistans erstes Atomkraftwerk soll zwei zusätzliche Reaktoren bekommen</b></a></span></p>
<p class="p3" style="text-align: left"><span class="s2">Kurz nachdem <b>Taschkent</b> mit dem <b>Bau</b> seines <b>ersten Atomkraftwerks </b>angefangen hat, werden <b>zwei weitere Reaktoren</b> auf dem selben Gelände ins Auge gefasst. So soll der <b>Energiebedarf</b> des Landes <b>gedeckt</b> werden. Wichtige <b>ökologische und geopolitische Fragen</b> bleiben allerdings <b>offen</b>.</span></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-17579" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Presse-Small.jpg" alt="" width="800" height="100" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Presse-Small.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Presse-Small-300x38.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/07/Presse-Small-768x96.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td1" valign="top">
<table class="t1" width="600.0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td2" valign="top">
<table class="t1" width="600.0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td class="td3" valign="top">
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1">&#8222;Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan – Die <b>Staaten Zentralasiens</b> befinden sich in einer Phase des tiefgreifenden <b>Umbruchs</b>. Doch <b>Europa verliert </b>in dieser Region den <b>Anschluss</b>&#8222;, schreibt <a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=e0e617b083&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s2">cicero.de</span></a>.</span></p>
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1">&#8222;<b>Internet-Nutzer </b>in <b>Kasachstan</b> müssen ein <b>staatliches Spionage-Zertifikat installieren</b>. Die lokalen <b>Internet Service Provider</b> sind zu dieser Maßnahme <b>gezwungen</b>.&#8220;, schreibt <a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=50fa757de5&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s2">heise.de</span></a>.</span></p>
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1">Auch <a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=5b783d1ea9&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s2">netzpolitik.org</span></a> berichtet vom <b>Spionage-Zertifikat</b>, titelt: &#8222;<b>Kasachstan</b> <b>zwingt Nutzer</b> zur <b>Installation</b> von <b>Überwachungszertifikat</b>&#8222;</span></p>
<p class="p1" style="text-align: left"><span class="s1">Die <a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=0f0f0759f2&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s2">Neue Zürcher Zeitung</span></a>: &#8222;Nachdem <b>22 Länder</b> in einem<b> Brief Chinas Politik in Xinjiang kritisiert </b>haben, <b>loben 37 andere Staaten Pekings Politik</b>. Was bedeutet der ungewöhnliche Briefwechsel im <b>Uno-Menschenrechtsrat</b>?&#8220;</span></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong><span class="s1">Für den Newsletter per Mail könnt ihr Euch <a href="https://novastan.us4.list-manage.com/track/click?u=6a15a2256d412b041fdec39e8&amp;id=7d3ab0b513&amp;e=fae1c46b4f"><span class="s2">hier </span></a>anmelden. Den bekommt ihr dann jede Woche zugesandt. </span></strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Usbekistans erstes Atomkraftwerk soll zwei zusätzliche Reaktoren bekommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Agathe Guy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2019 16:54:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Rosatom]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurz nachdem Taschkent mit dem Bau seines ersten Atomkraftwerks angefangen hat, werden zwei weitere Reaktoren auf dem selben Gel&#xE4;nde ins Auge gefasst. So soll der Energiebedarf des Landes gedeckt werden. Wichtige &#xF6;kologische und geopolitische Fragen bleiben allerdings offen. Das erste Atomkraftwerk Usbekistans soll k&#xFC;nftig nicht nur zwei sondern vier Reaktoren besitzen. Der Bau von zwei [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1"><b>Kurz nachdem Taschkent mit dem Bau seines ersten Atomkraftwerks angefangen hat, werden zwei weitere Reaktoren auf dem selben Gelände ins Auge gefasst. So soll der Energiebedarf des Landes gedeckt werden. Wichtige ökologische und geopolitische Fragen bleiben allerdings offen. </b></span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Das erste Atomkraftwerk Usbekistans soll künftig nicht nur zwei sondern vier Reaktoren besitzen. Der Bau von zwei zusätzlichen Reaktoren wurde am 10. Juli 2019 durch Energieminister <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Султанов,_Алишер_Саидаббасович">Alischer Sultanow</a> in einem Interview mit dem usbekischen Medium <a href="https://kun.uz/ru/70312696">Kun.uz</a> angekündigt. “Der Standort des Kraftwerks ermöglicht den Bau von insgesamt vier Reaktoren”, erklärte er. </span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Die geplante Anlage soll vier Reaktoren des Typs VVEP-1200 der dritten Generation mit je einer Kapazität von 1200 Megawatt (MW) besitzen. Der erste Reaktor soll bis 2028 einsatzbereit sein, die Fertigstellung des zweiten wird gegen 2030 erwartet. Diesen beiden Blöcken sollen zwei zusätzliche Blöcke folgen. </span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Zuvor wurde ein Kooperationsvertrag zur zivilen Nutzung von nuklearer Energie zwischen Taschkent und Moskau unterzeichnet, der im April 2018 in Kraft getreten ist. Dieses Abkommen hat es der russischen Agentur für Atomenergie Rosatom erlaubt <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2019/07/01/uzatom/">geologische Tests</a> in der <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Фаришский_район">Region Farisch</a> durchzuführen, unweit des <a href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Тузкан">Tuzkansees</a>, wo das Kraftwerk gebaut werden soll. Dieser Vertrag mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar soll es Usbekistan erlauben, seine Energiesicherheit und Autonomie zu sichern.</span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1"><b>Veraltete Infrastrukturen </b></span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Das Land verzeichnet eine konstant steigende Nachfrage nach Energie, die sich <a href="https://kun.uz/ru/70312696">bis 2030 verdoppeln</a> soll. Das jährliche Energiedefizit des Landes könnte so auf bis zu 48 Milliarden Kilowatt steigen. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge könnte das neue Atomkraftwerk 14 bis 18 Prozent des nationalen Energiebedarfs decken.</span></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-wird-zu-einem-der-grosten-uran-lieferanten-der-usa/">Usbekistan wird zu einem der größten Uran-Lieferanten der USA</a></strong></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Trotz großer Uranvorkommen wurde Atomenergie in Usbekistan bisher nicht genutzt. Die Wirtschaft des zentralasiatischen Staates ist vor allem stark vom Gas abhängig, sowohl was den Eigenverbrauch angeht, als auch <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-exportiert-20-prozent-des-im-land-geforderten-gases/">im Bezug auf seine Exporte</a>. Taschkent versucht nun, verstärkt alternative Energiequellen auszubauen, wie zum Beispiel <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/unter-der-usbekischen-sonne-wie-usbekistan-versucht-alternative-energiequellen-zu-entwickeln/">Solarenergie</a> oder Kohlekraftwerke. Derzeit kann keine stabile Energieversorgung gewährleistet werden. Die Infrastruktur, und vor allem die Stromleitungen, sind in einem solch schlechten Zustand, dass es zu großen Energieverlusten kommt. </span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1"><b>Offene Fragen zum Umweltschutz </b></span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Durch seine Lage am Ufer des Tuzkansees kann das Kraftwerk mit Kühlwasser versorgt werden. Allerdings gibt es Befürchtungen zu den Auswirkungen auf die Umwelt. Der Generaldirektor der neu gegründeten Atombehörde Uzatom Jurabek Mirzamahmudow, ging bereits auf die Bedenken der Bevölkerung ein, indem er erklärte, dass das Atomkraftwerk nicht mehr Wasser verbrauchen wird, als ein herkömmliches Kraftwerk. Darüber hinaus versicherte er, dass das Abwasser des Kraftwerks weder die Biodiversität des Sees noch den Tourismus in der Region <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2019/06/28/tuzkan/">negativ beeinflussen</a> werde. </span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Außerdem beruft sich Uzatom darauf, dass ein baugleicher Reaktor bereits 2016 in Russland im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Nowoworonesch">Atomkraftwerk Nowoworonesch</a> installiert wurde. In den letzten drei Jahren habe es russischen Angaben zufolge keinerlei Störfälle gegeben. Die von Rosatom benutzte Technologie sei darüber hinaus <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2019/06/28/npp/">in Finnland zertifiziert</a> worden.</span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1"><b>Ein strategisches Abkommen für Russland</b></span></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Obwohl nach offiziellen Angaben eine Reihe an internationalen Unternehmen für den Bau der Reaktoren in Betracht gezogen wurden, fiel die Wahl schnell auf das russische Staatsunternehmen Rosatom. Das amerikanische Unternehmen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Westinghouse_Electric_Company">Westinghouse Electric</a> wurde aufgrund von finanziellen Bedenken nicht mehr in Betracht gezogen. Außerdem ging man davon aus, dass die Genehmigung für den Bau zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Chinesische und französische Unternehmen erschienen Uzatom entweder zu jung oder zu wenig erfahren, was die benötigten Technologien angeht. Schließlich hatten die Verspätungen beim Bau eines Atomkraftwerks in den Vereinigten Arabischen Emiraten dazu geführt, dass auch ein koreanischer Anbieter zugunsten des russischen Unternehmens ausgeschieden ist. Die Zusammenarbeit mit Rosatom habe darüber hinaus den Vorteil, dass es <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2019/06/28/npp/">keine größeren sprachlichen Schwierigkeiten geben werde </a>und der Bau aufgrund der engen Beziehungen zwischen Moskau und Taschkent schnell vorangetrieben werden könne.</span></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ist-die-zukunft-usbekistans-pro-russisch-die-ergebnisse-des-putin-besuchs-im-land/">Ist die Zukunft Usbekistans pro-russisch? Die Ergebnisse des Putin-Besuchs im Land</a></strong></p>
<p class="p1" style="text-align: justify"><span class="s1">Usbekistan riskiert mit diesem Projekt allerdings auch, seine Abhängigkeit von Russland zu verstärken, das bereits jetzt nach China der zweitwichtigste Handelspartner des Landes ist. Der Bau des Kraftwerks soll etwa <a href="https://kun.uz/ru/09742638">8.000 Arbeitsplätze schaffen</a> und der laufende Betrieb 2.000 Menschen beschäftigen. Rosatom soll darüber hinaus auch einen Teil der Versorgungsinfrastruktur finanzieren und die usbekischen Arbeitskräfte ausbilden. Für Taschkent bedeutet das auch massive Schulden bei dem russischen Staatsunternehmen.</span></p>
<p class="p3" style="text-align: right"><span class="s1"><b>Agathe Guy<br />
Redakteurin bei Novastan </b></span></p>
<p class="p3" style="text-align: right"><span class="s1"><b>Aus dem Französischen übersetzt und ergänzt von Charlotte Dietrich</b></span></p>
<p style="text-align: justify">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Usbekistan wird zu einem der größten Uran-Lieferanten der USA</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Sep 2018 07:53:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[Uran]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Laut dem Staatlichen Statistikkomitee hat Usbekistan im ersten Halbjahr 2018 Uran im Wert von 106 Millionen US-Dollar (92,1 Millionen Euro) exportiert. Einer der Hauptabnehmer sind die USA, wobei diese in den Uranimporten eine Bedrohung sehen k&#xF6;nnten. Die folgende Meldung erscheint zuerst beim Nachrichtenportal Spot. Wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Usbekistan hat im [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Laut dem </strong><a href="https://stat.uz/ru/press-tsentr/novosti-komiteta/4599-vneshnetorgovyj-oborot-respubliki-uzbekistan-za-yanvar-iyul-2018-goda"><strong>Staatlichen Statistikkomitee </strong></a><strong> hat Usbekistan im ersten Halbjahr 2018 Uran im Wert von 106 Millionen US-Dollar (92,1 Millionen Euro) exportiert. Einer der Hauptabnehmer sind die USA, wobei diese in den Uranimporten eine Bedrohung sehen könnten. Die folgende Meldung erscheint zuerst beim Nachrichtenportal </strong><a href="https://www.spot.uz/ru/2018/08/13/uranium/?utm_source=push&amp;utm_medium=facebook"><strong>Spot</strong></a><strong>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Usbekistan hat im Zeitraum Januar &#8211; Juni 2018 Uran im Wert von 106 Millionen US-Dollar (USD) exportiert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum macht dies 94,7 Prozent aus. Der Export von chemischen Erzeugnissen umfasste Waren im Wert von 530 Millionen USD und wuchs somit um 104 Prozent. Davon verbucht der Export in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>-Länder 219 Millionen USD, Waren im Wert von 311 Millionen USD gingen in andere Länder, wobei diese nicht näher genannt werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-rolle-erneuerbarer-energien-in-zentralasien/"><strong>Die Rolle erneuerbarer Energien in Zentralasien</strong></a></p>
<p style="text-align: justify;">Im Jahr 2017 hat Usbekistan 2,15 Millionen Pfund Triuranoctoxid (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uran(V,VI)-oxid">U3O8</a>) an die USA geliefert und sich somit auf Platz 5 der wichtigsten Uranlieferanten der USA positioniert. Washingtons wichtigster Partner im Urangeschäft ist Kanada (14,05 Millionen Pfund), vor Australien (8,13 Millionen Pfund), Russland (7,07 Millionen Pfund) und Kasachstan (4,64 Millionen Pfund).</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Usbekistan einer der günstigsten Uranlieferanten der Welt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mit einem durchschnittlichen Preis von 37,7 USD (32,5 Euro) für ein Pfund U3O8 zählt Usbekistan zu den günstigsten Uran-Lieferanten der Welt. Lediglich Russland bietet mit 31,5 USD (27,1 Euro) pro Pfund noch niedrigere Preise. Kasachstan verkauft zum Beispiel für 38,3 USD (33 Euro), Kanada für 40,6 USD (35 Euro) und Australien für 42,4 USD (36,5 Euro).</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Situation ruft Misstrauen in den USA hervor, wo man das usbekische Uran als eine Bedrohung empfinden könnte. Im Juli kündigte das US-Handelsministerium an zu überprüfen, ob die Uranimporte die Sicherheit des Landes bedrohen. Der Großteil der amerikanischen Uranimporte stammt aus Ländern, in denen dieser Sektor staatlich gefördert wird (Russland, Kasachstan, Usbekistan, China). Dies könnte zu Risiken in Bezug auf die Verteidigungsbereitschaft und Beschäftigungssituation in den USA führen.</p>
<p style="text-align: right;"><a href="https://www.spot.uz/ru/2018/08/13/uranium/?utm_source=push&amp;utm_medium=facebook"><strong>Spot.uz</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Französischen von Robin Roth</strong></p>
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