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	<title>Arbeitsmigranten Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Arbeitsmigranten Archives</title>
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		<title>„Ich brauchte nur einen Reisepass“: Zentralasiatische Kriegsgefangene in der Ukraine zwischen Loyalität und Reue</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 10:46:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>B&#xFC;rger aus Zentralasien stellen den gr&#xF6;&#xDF;ten Anteil ausl&#xE4;ndischer K&#xE4;mpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkr&#xE4;ften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien f&#xFC;r Moskau zu einer Quelle besonders anf&#xE4;lliger Rekruten geworden sind. Im Hof einer Milit&#xE4;rstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bürger aus Zentralasien stellen den größten Anteil ausländischer Kämpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien für Moskau zu einer Quelle besonders anfälliger Rekruten geworden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hof einer Militärstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine schreiten Dutzende von Gefangenen schweigend zum Speisesaal. An den Wänden um sie herum hängen Porträts von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Romanowitsch">Daniel von Galizien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera">Stepan Bandera</a> und anderen ukrainischen Nationalisten. Im größten Kriegsgefangenenlager des Landes sind alle Beschriftungen und Befehle auf Ukrainisch verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bei uns läuft alles gut, sie sind ruhig, es gibt keine Schlägereien“</em>, erzählt ein Wachmann. Vor seinen Augen betreten die Gefangenen die Kantine zum Mittagessen. Ihre Gesichter sind verschlossen. Einige Häftlinge haben bereits vier Jahre im Lager verbracht. Vor allem weist ein Großteil von ihnen deutlich asiatische Gesichtszüge auf. Bei einigen handelt es sich um Russen aus sibirischen Republiken wie Burjatien und Jakutien, wo die Einberufungsquoten besonders hoch sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-44844" style="aspect-ratio:1.3281519161785866;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-768x579.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kantine des Kriegsgefangenen-Camps am 15. April 2026. Foto: Driss Rejichi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viele andere sind Soldaten aus den fünf ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. <em>„Die meisten Ausländer, die ich in der russischen Armee gesehen habe, kamen von dort“</em>, erklärt Chuschbacht Perusalijew. Im Frühjahr 2024 unterzeichnete der 47-jährige Tadschike einen Vertrag, um in der russischen Armee zu dienen. <em>„Man sagte mir: ‚Du wirst nicht an der Front sein, nichts dergleichen, du wirst einfach in einem Lager arbeiten‘ … Also habe ich zugestimmt“</em>, erinnert sich der Mann mit rasiertem Kopf und Bart. Eine Lüge: Wenige Wochen später wurde der Tadschike von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen, nachdem er bei einem Frontalangriff im Gebiet Donezk verwundet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weit vor den 1.400 Männern aus afrikanischen Ländern oder den 200 indischen Staatsbürgern, die seit Kriegsbeginn von der russischen Armee rekrutiert wurden, sollen laut den im April 2026 von der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene veröffentlichten Daten bereits mehr als 12.000 Soldaten aus Zentralasien an der „militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine teilgenommen haben. Mehr als die Hälfte der ausländischen Kämpfer, die für Russland kämpfen, stammen somit aus dieser Region.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angesichts von Razzien und Ausweisungen: das Versprechen eines Passes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zentralasiatischen Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, befanden sich im Gefängnis von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mykolajiw">Mykolajiv</a> und waren bereits vor 2022 in Russland. <em>„Die Rekrutierungsbemühungen, die sich an Ausländer richten, konzentrieren sich auf Arbeitsmigranten und Häftlinge, die eine Freiheitsstrafe verbüßen“</em>, betont ein Offizier der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Iljas, ein kirgistanischer Staatsbürger und Getränkehändler, der seit 2007 in Moskau lebt, unterzeichnete seinen Vertrag im April 2025. <em>„Mir wurde bei der Rekrutierung nicht direkt die Staatsbürgerschaft versprochen, aber ich wusste, dass ich später die Möglichkeit haben würde, sie zu erhalten“</em>, erklärt der Vierzigjährige.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2024 unterzeichnete Wladimir Putin ein Dekret, das es ermöglichte, bestimmten Ausländern, die in der Armee gedient hatten, insbesondere während der „militärischen Sonderoperation“, die Staatsbürgerschaft zu gewähren. Die Zahl der Ausländer, die davon profitiert haben, ist nach wie vor unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ukraine berichten die zentralasiatischen Gefangenen übereinstimmend, dass sie nach einer kurzen Ausbildung an die Front geschickt wurden, was zu hohen Verlusten führte. <em>„Wir rückten auf ein Dorf vor, und schon auf dem Weg dorthin tauchten Drohnen auf und begannen, uns anzugreifen“</em>, erinnert sich Iljas, der knapp entkommen konnte und anschließend gefangen genommen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chuschbacht wurde seinerseits bei einem Artillerieangriff verwundet, als er auf die ukrainischen Linien vorrückte: <em>„Die Hälfte der Gruppe fiel sofort, alle 200 [russischer Militärcode für Tote, Anm. d. Red.]“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Familienvater, dessen Frau und Kinder noch immer in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rjasan">Rjasan</a>, 200 Kilometer südöstlich von Moskau, leben, beschreibt, wie <em>„unmittelbar nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall“</em> im März 2024 ein Klima der Angst herrschte. Der von tadschikistanischen Staatsbürgern verübte und vom Islamischen Staat Khorasan beanspruchte Terroranschlag forderte mehr als 149 Todesopfer und führte zu einer Verschärfung der Lebensbedingungen für Migrierte aus Zentralasien in Russland. Laut Chuschbacht kam es häufig zu <em>„Razzien gegen Tadschiken“</em>, bei denen den Migranten <em>„sofort die Abschiebung mit Einreiseverbot“</em> auferlegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Angst verzichtete der Mann darauf, seinen abgelaufenen Pass verlängern zu lassen, aus Furcht, auf dem Weg zur Botschaft in Moskau festgenommen zu werden. <em>„Schließlich kontrollierten Spezialeinheiten der Polizei die Baustelle, auf der ich arbeitete“</em>, erklärt der Migrant, dem daraufhin die Staatsbürgerschaft versprochen wurde, wenn er sich der Armee anschließe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es stimmt, dass Tadschiken nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall stärker ins Visier genommen wurden als andere Gruppen aus Zentralasien“</em>, betont Caress Schenk, Professorin für Politikwissenschaft an der Nazarbaev-Universität in Astana. Nach Angaben der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene sind Tadschiken mit mehr als 3.400 Rekruten die zweitgrößte Nationalität in der russischen Armee, hinter etwa 4.800 Usbeken und 2.400 Kasachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/">Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schenk weist jedoch darauf hin, dass in Russland <em>„die Maßnahmen zur Migrationskontrolle, Razzien und der Druck, zum Militär zu gehen, stark von der aktuellen Lage abhängen“</em>. Seit Kriegsbeginn konnten je nach Kontext auch andere Bevölkerungsgruppen ins Visier geraten. <em>„Manchmal gerät jede Person mit asiatischen Gesichtszügen unter Verdacht“</em>, bemerkt die Forscherin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit November 2025 müssen bestimmte in Russland lebende Ausländer einen Vertrag über den Eintritt in die Armee vorlegen, wenn sie die russische Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten wollen. Zu Beginn des Jahrzehnts machten Zentralasiaten jedoch mehr als 40 Prozent der in Russland lebenden Migranten aus und sind daher am stärksten von diesen neuen Maßnahmen betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erklären alle von Novastan befragten Gefangenen, ihren Vertrag freiwillig unterzeichnet zu haben, um einen russischen Pass zu erhalten, doch betont Schenk auch, dass der zunehmende administrative Druck <em>„eher darauf abzielt, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Migranten einzuschränken, als ihnen echte Wahlmöglichkeiten zu bieten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ideologisch gefährdete Migranten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der prekären administrativen Lage stützt sich die russische Armee bei ihren Mobilisierungsbemühungen auch auf mögliche ideologische Affinitäten der zentralasiatischen Migranten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich wollte in Russland leben. Um die Staatsbürgerschaft zu erlangen, auf die ich meiner Meinung nach Anspruch hatte, musste ich also dem Vaterland dienen“</em>, erklärt der 38-jährige Jasur Islamov in einem gleichgültigen Ton. Nach anderthalb Jahren in der Armee wird ihm im März 2025 endlich der Pass versprochen, sofern er an der Front bleibt. Jasur wird jedoch wenige Wochen später gefangen genommen, nachdem er bei einem Angriff von einer Drohne verwundet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/">Situation zentralasiatischer Migrierter in Russland verschlechtert sich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Berichten anderer Ausländer, die zu Kriegsgefangenen wurden, wie beispielsweise Männer aus Afrika, haben Iljas, Jasur oder Chuschbacht nicht versucht, sich freiwillig zu ergeben oder zu desertieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese unterschiedlichen Verhaltensweisen im Kampf zu erklären, stellt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene fest, dass bestimmte Schichten der Migrantenbevölkerung <em>„russischsprachige Menschen sind, die in den 1970er oder 1980er Jahren in der UdSSR geboren wurden“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Novastan befragten Gefangenen betonen ebenfalls, dass sie nach Russland zurückkehren wollen, in der Hoffnung, an einem Gefangenenaustausch teilzunehmen. <em>„Wir haben keinerlei Einwände gegen den Austausch von Bürgern aus zentralasiatischen Ländern“</em>, erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene. Unter den rund 7.000 bereits ausgetauschten russischen Soldaten bildeten Staatsangehörige aus Zentralasien jedoch eine sehr kleine Minderheit und betrafen nur Einzelfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die direkte Frage nach ihren Erfahrungen mit Rassismus in Russland vor oder während ihres Dienstes versichern die Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, alle, dass sie nie damit konfrontiert worden seien. Sie sind zudem zuversichtlich, dass sie sich nach ihrer Haft mit einem Reisepass wieder in die russische Gesellschaft integrieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Stellen Sie sich vor: Ich habe mein Leben riskiert, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, und nun soll ich in mein Land zurückgeschickt werden, obwohl ich dort nichts mehr habe? Das wäre ein großer Verrat“</em>, sagt Jasur mit scharfer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-spricht-usbekistan-china-und-russland-sein-beileid-aus-aber-niemals-der-ukraine/">Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kriegsgefangenen haben jedoch bereits Enttäuschungen auf ihrem Weg als Migranten in Russland erlebt. Iljas, der seit Jahren mit einer Russin verheiratet ist, erzählt nüchtern, dass er <em>„vor langer Zeit die Staatsbürgerschaft beantragt und die Unterlagen eingereicht habe, aber sie wurde mir verweigert“</em>. Jasur gibt seinerseits bitter zu, <em>„nicht einmal das Geld aus dem Vertrag erhalten zu haben“</em>, da ihm von den achtzehn Monaten, die er in der Armee verbracht hat, nur zwei Monatsrenten ausgezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich glaube, es braucht Jahre und verschiedene Formen der Bewusstseinsbildung, um verinnerlichte Diskriminierungen abzubauen“</em>, erklärt Schenk und erinnert daran, dass in der sowjetischen Vorstellungswelt Rassismus ausschließlich mit dem Westblock und dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Berufung auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Konventionen">Genfer Konventionen</a> erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene, dass die Zentralasiaten wie alle anderen behandelt werden. Im Hof trainieren einige gemeinsam mit russischen Mitgefangenen an den Krafttrainingsgeräten des Lagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hätten nie gedacht, dass wir hier landen würden“</em>, beklagt sich schließlich Jasur. Als man ihn daran erinnert, dass er sich in voller Kenntnis der Sachlage verpflichtet hat, wird der Häftling gereizt: <em>„Sie reden, als hätte ich extra unterschrieben, um Menschen zu töten… Ich brauchte einfach nur einen Ort zum Leben und einen Pass, um zu arbeiten und meine Familie zu ernähren.“</em> Nach einer Pause fügt er bedauernd hinzu: <em>„Ich sage nicht, dass wir das Richtige getan haben. Jeder macht Fehler. Jeder.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Driss Rejichi, Sonderkorrespondent in der Ukraine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/guerre-en-ukraine/j-avais-juste-besoin-d-un-passeport-en-ukraine-les-prisonniers-de-guerre-d-asie-centrale-entre-loyaute-et-regrets/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ich-brauchte-nur-einen-reisepass-zentralasiatische-kriegsgefangene-in-der-ukraine-zwischen-loyalitaet-und-reue/">„Ich brauchte nur einen Reisepass“: Zentralasiatische Kriegsgefangene in der Ukraine zwischen Loyalität und Reue</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rferl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 07:22:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdenfeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatl&#xE4;nder besucht haben. Sie f&#xFC;hren dies auf ihre Religion zur&#xFC;ck. Die russischen Beh&#xF6;rden s&#xE4;hen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr. &#x201E;Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.&#x201C; Die Kirgistanerin Adschar (Name ge&#xE4;ndert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zur&#xFC;ck, nachdem sie zehn Jahre in Russland [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatländer besucht haben. Sie führen dies auf ihre Religion zurück. Die russischen Behörden sähen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirgistanerin Adschar (Name geändert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zurück, nachdem sie zehn Jahre in Russland gearbeitet hatte. Sie trägt aus religiösen Gründen ein Kopftuch. Während ihrer Zeit in Russland war ihr Aussehen des Öfteren Anlass für Polizeikontrollen, erinnert sich Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich einmal von der Arbeit nach Hause ging, wurde ich in der Metro von Polizisten herausgezogen. Sie kontrollierten mein Handy. Darauf hatte ich Fotos von Hidschab tragenden Frauen sowie von mir. Ich wurde auf das örtliche Polizeirevier gebracht. Dort wurden andere und ich eingeschüchtert, indem uns mit der Ausweisung aus Russland gedroht wurde. Uns wurde alles Geld, das wir bei uns hatten, abgenommen. Man nannte uns eine Kontoverbindung und sagte uns: „Überweist hier das Geld hin“. Dann wurden uns Pässe und Dokumente abgenommen und wir wurden zum Geldautomaten geschickt. Die, die kein Geld hatten, liehen sich welches von Bekannten. Wir überwiesen es und brachten die Quittungen zu den Polizisten. Neben mir ist das noch weiteren Frauen aus Kirgistan passiert“, erzählt Adschar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auch am Arbeitsplatz wurde wegen des Kopftuchs Druck ausgeübt, berichtet Adschar. Die Kirgistanerin war in einer Konditorei angestellt. Die Chefs drohten, den Lohn nicht zu bezahlen und sie zu entlassen, wenn sie das Kopftuch nicht abnehme. „Ich habe das Kopftuch damals abgenommen und bereue es jetzt“, sagt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ihre Verwandte, ebenfalls praktizierende Muslime, seien diskriminiert worden. Ihrem Onkel wurde die Einreise am Flughafen untersagt und er wurde zurückgeschickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er wurde am Flughafen in Gewahrsam genommen und sein Handy wurde durchsucht. Dabei fanden sie Videoaufnahmen des bedeutenden kirgisischen Predigers Tschubak adschy Dschalilov. Aus diesem Grund und wegen seines langen Bartes haben sie ihn abgeschoben. Für meinen Onkel war das nicht angenehm, er hat sich große Sorgen gemacht. In Moskau kann man mehr Geld verdienen als zu Hause in Kirgistan“, erzählt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-und-kirgistan-mit-unterschiedlichen-reaktionen-auf-verschaerfte-lage-von-arbeitsmigrantinnen-in-russland/">Tadschikistan und Kirgistan mit unterschiedlichen Reaktionen auf verschärfte Lage von Arbeitsmigrant:innen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Russland hat die Islamophobie seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall bei Moskau 2024 zugenommen. Die Behörden machen Tadschiken für den blutigen Anschlag verantwortlich, die der IS-Untergruppe „Wilajat Korosan“ angehören sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Anschlag begannen die Sicherheitsbehörden Razzien in Unternehmen und Hostels, wo Arbeitsmigrant:innen aus Zentralasien arbeiten und leben. Verhaftungen wurden unter Gewaltanwendung und Erniedrigungen vollzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben eine Umfrage zur Diskriminierung und Rechtsverletzungen gegenüber Migranten durchgeführt. An ihr nahmen ca. 200 Menschen teil. 80 Prozent von ihnen gaben an, mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert worden zu sein. Dabei geht es um gängige russische Beleidigungen gegenüber Zentralasiaten, z.B. <em>tschurka</em> und <em>tschornyj</em> (letzteres bedeutet so viel wie <em>Schwarzer</em> – Anm. d. Übers.), Vorwürfe wie „Ihr sprecht kein Russisch“ und eine generelle Behandlung als Mensch zweiter Klasse. Solche Verunglimpfungen sind ein offenes Geheimnis. So etwas gab es auch früher schon, aber in letzter Zeit hat es besonders zugenommen“, berichtet Rachat Scheraly, Mitarbeiter einer Stiftung, die sich für die Rechte von zentralasiatischen Arbeitsmigrant:innen in Russland einsetzt. Er unterstreicht, dass insbesondere offen religiöse Migrant:innen Druck ausgesetzt seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Viele mussten ihre Bärte abschneiden“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eldijar Esenbek uulu hat zwölf Jahre in Russland gearbeitet. Bei jeder Einreise sei er am Flughafen zu seinen religiösen Überzeugungen befragt worden, so der Kirgistaner.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du bei der Passkontrolle an der Reihe bist, sagen sie: „Warten Sie bitte“, dann kommen Beamten in Uniform. Sie werden nicht handgreiflich, aber sie bringen einen in einen gesonderten Raum und stellen unterschiedliche Fragen: „Hörst du die Predigten von Tschubak adschy?“, „Welchem Maddhab (Strömung im Islam – Anm. d. Übers.) gehörst du an?“. Ich habe gesagt, dass ich Hanafit bin. Da haben sie mir das Wort verdreht und gefragt „Seid ihr nicht Terroristen?“. Manchmal wurde ich zwei oder drei Stunden festgehalten. Es kamen verschiedene Beamten, die immer die gleichen Fragen stellten. Am Ende ließen sie mich gehen. Ich gewöhnte mich daran“, so erzählt Eldijar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren habe der Druck zugenommen, berichtet er. Die Sicherheitsbehörden suchten Moscheen und Gebeträume von Migrant:innen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/">Zentralasiatische Arbeitende nach Streik in Russland entlassen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da gab es so eine Datscha in der Stadt Ljuberzy bei Moskau. Kirgisen und Usbeken sind da zum Freitagsgebet hingegangen. Als wir einmal da waren, wurde das Gelände von maskierten Polizisten mit Sturmgewehren umstellt. Alle mussten sich in einer Reihe aufstellen. Russländische Staatsbürger wurden abgeführt und von den Bürgern der anderen GUS-Staaten separiert. Ich sagte damals einem Moscheediener, dass meine Dokumente nicht in Ordnung seien, und er brachte mich durch den Hintereingang raus“, erzählt er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 wurde Eldijar verhaftet und ins Migrationszentrum nach Sacharowo bei Moskau gebracht. Dort verbrachte er 29 Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefängnis. In einer Zelle sind 10 bis 15 Personen. Essen geben sie nicht ausreichend, es wird grammweise abgewogen. Essen von Verwandten wird nicht angenommen. Da gibt es lange Zellenblöcke. In einem Block sind 300 bis 400 Personen untergebracht. Nach draußen führen sie einen für eine Stunde am Tag. Als wir dort einsaßen, hörten wir von einer Kirgisin, die dort eine Fehlgeburt hatte. Sie wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Man wird dort sehr grob behandelt, beschimpft und geschlagen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er gibt an, dass er sich in Sacharowo den Bart abrasieren musste: „Dort wurde vielen der Bart abrasiert. Ich habe gesehen, wie sie sie geschlagen haben und die meisten haben Angst bekommen und ihn sich selbst abgeschnitten. Wir wurden tagelang kameraüberwacht.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Luisa kam das erste Mal mit 15 Jahren nach Russland. Als sie älter wurde, heiratete sie dort und bekam Kinder. Sie war gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Familie ausgewandert und reiste ab und an nach Kirgistan. Als sie 2023 von Bischkek aus nach Russland flog, wurde ihr am Flughafen mitgeteilt, dass gegen sie ein lebenslanges Einreiseverbot verhängt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/auf-der-flucht-kirgisische-gastarbeiter-in-russland/">Auf der Flucht – Kirgisische Gastarbeiter in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt. Den Grund nannten sie nicht. Ich war gemeldet und hatte keine Vorstrafen. Als sie mir sagten, dass ich ein lebenslanges Einreiseverbot hätte, war ich wie gelähmt“, erzählt Luisa. „Ich las das Dokument wieder und wieder durch. Um mich herum waren andere Leute in der gleichen Situation wie ich. Sie haben geweint. Als ich sie gesehen habe, habe ich meine Kräfte zusammengenommen, mich beruhigt und mir gesagt, dass ich jetzt in mein eigenes Land Kirgistan zurückfahre. Warum sollte ich weinen. Aber damals schien es mir so, als sei mein Leben plötzlich stehen geblieben“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-arbeitsgenehmigungen-fuer-migrantinnen-in-russland-koennten-bald-deutlich-teurer-werden/">Die Arbeitsgenehmigungen für Migrant:innen in Russland könnten bald deutlich teurer werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Familienmitglieder standen nicht auf der Liste. Nur Luisa wurde abgeschoben. Ihrem Mann, ihren Eltern und ihrer Tochter wurden keine Beschränkungen auferlegt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Manche sagten, dass sei wegen religiöser Videos. Wir wurden dort kontrolliert und befragt. Ich habe alle Videos gelöscht. Vielleicht war es, weil ich sie erst vor kurzem gelöscht hatte. Vielleicht war der Grund auch ein anderer, ich weiß es nicht. Man bekommt den Grund nicht genannt. Da waren noch zwei oder drei andere mit mir. Denen haben sie fünf oder zehn Jahre Einreiseverbot gegeben. Lebenslang nur mir“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause in Kirgistan hat Luisa sich ein kleines Geschäft aufgebaut und verkauft Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heute bin ich der Meinung, dass das ein Geschenk Gottes war. Uns wurde eine Tür versperrt und eine neue geöffnet. Jetzt habe ich ein Geschäft, wenn auch kein großes, aber ich habe es. Davon leben wir jetzt“, fasst sie zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Beschränkungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Russland hat seine Einwanderungsgesetze 2024 und 2025 verschärft. Seit Februar 2025 gibt es ein Register, in dem das Innenministerium Ausländer:innen vermerkt, die gegen die Einwanderungsgesetze verstoßen und somit ihr Aufenthaltsrecht verloren haben. Wenn man in dem Register landet, darf man automatisch nicht mehr arbeiten und keine Immobilienverträge mehr abschließen, keine Ehe mehr schließen, kein Konto mehr eröffnen, keinen Führerschein mehr erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt raten wir Menschen, die nach Russland ausreisen wollen, vorher ihre Telefone „zu säubern“, d. h. alle Telegramkanäle und Chats bei Whatsapp zu löschen und Accounts bei Instagram auf religiöse Inhalte hin zu überprüfen und solchen zu entfolgen. „Kontrolliert alles noch einmal, bevor ihr nach Russland fahrt.“ In Russland gibt es immer mehr Razzien und wenn auf einem Handy irgendeine religiöse Chatgruppe gefunden wird, wird die betroffene Person sofort in Gewahrsam genommen“, berichtet Rachat Scheraly.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mehr-russische-paesse-weniger-arbeitsmigrantinnen-zentralasiatische-migration-nach-russland-im-jahr-2020/">Mehr russische Pässe, weniger ArbeitsmigrantInnen: Zentralasiatische Migration nach Russland im Jahr 2020</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daten des kirgistanischen Arbeitsministeriums zufolge lebten im Dezember 2025 fast 800.000 Kirgistaner:innen im Ausland (was ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2020 darstellt, als mehr als eine Million im Ausland arbeiteten). Mit 341.000 ist die Gruppe in Russland die größte. Jedoch arbeiten immer weniger Kirgistaner:innen dort. So lebten dort Ende 2025 37.000 weniger als noch zu Beginn des Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschärfung der russländischen Einwanderungspolitik geht währenddessen unvermindert weiter. Im Februar 2026 wurde ein Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht, nachdem es in Zukunft verboten sein soll, in Mehrfamilienhäusern und nicht dafür ausdrücklich vorgesehenen Nicht-Wohnhäusern, Gebete und andere religiöse Zeremonien abzuhalten. In der Wohnung „den eigenen Glauben praktizieren“ dürfen nur dort gemeldete Personen. Die Initiator:innen, 67 Abgeordnete, begründen ihren Vorschlag damit, dass Gebete in Mehrfamilienhäusern „die Rechte und gesetzlich verankerten Interessen der Nachbarn stören“. Der stellvertretende Parlamentssprecher Pjotr Tolstoj erklärte zudem, dass Mehrfamilienhäuser ein „Ort der Ruhe“ seien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyk Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cabarasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Apr 2024 17:59:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[IS]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Marat Mamadjschoew, Redakteur beim Institute for War and Peace Reporting (IWPR), diskutiert die Hintergr&#xFC;nde der j&#xFC;ngsten Ereignisse rund um den Terroranschlag in Moskau vom 22. M&#xE4;rz 2024. Er weist auf die Gefahr zunehmender nationalistischer Tendenzen in der russischen Gesellschaft sowie kollektiver Schuldzuweisungen hin und erkl&#xE4;rt die Dringlichkeit f&#xFC;r die tadschikische Regierung, Zivilgesellschaft und Arbeitsmigrant:innen, nach [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Marat Mamadjschoew, Redakteur beim Institute for War and Peace Reporting (IWPR), diskutiert die Hintergründe der jüngsten Ereignisse rund um den Terroranschlag in Moskau vom 22. März 2024. Er weist auf die Gefahr zunehmender nationalistischer Tendenzen in der russischen Gesellschaft sowie kollektiver Schuldzuweisungen hin und erklärt die Dringlichkeit für die tadschikische Regierung, Zivilgesellschaft und Arbeitsmigrant:innen, nach Alternativen zum russischen Arbeitsmarkt zu suchen. Auch in Tadschikistan selbst müsse im Bildungsbereich und in der psychologischen Arbeit angesetzt werden, um junge Menschen für den Umgang mit radikalen Ideologien zu sensibilisieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschik:innen verlieren mit Russland einen Ort, der für viele von ihnen jahrelang ein Arbeitsplatz war. Schon in den vergangenen Jahren hat sich die Lage für die Migrant:innen zunehmend verschlechtert, der Terroranschlag bei Moskau hat diese Situation jedoch erheblich zugespitzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moskauer Vorort [<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krasnogorsk">Krasnogorsk</a>, Anm. d. Red.] ereignete sich am 22. März der größte Terroranschlag auf russischem Boden der letzten Jahre. Vor einem Konzert der Rockband „Picnic“, drangen am Abend mehrere bewaffnete Männer in das Unterhaltungszentrum „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Crocus_City_Hall">Crocus City Hall</a>“ ein und schossen auf die Besucher:innen. Im Anschluss legten die Täter ein Feuer. Medienberichten <a href="https://www.gazeta.ru/social/news/2024/03/24/22622971.shtml">zufolge</a> riefen sie während des Angriffs Drohungen in tadschikischer Sprache. Anschließend flüchteten die vier Angreifer ungehindert in einem weißen Renault vom Tatort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin verhafteten russische Sicherheitskräfte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Brjansk">im Gebiet Brjansk</a> vier tadschikische Staatsangehörige in einem identischen Fahrzeug, unter dem Vorwurf, einen Terroranschlag verübt zu haben. Es ist unklar, wie die vier Männer fast 400 Kilometer durch zahlreiche Verkehrskontrollpunkte durch das ganze <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Kaluga">Gebiet Kaluga</a> fliehen <a href="https://twitter.com/agents_media/status/1772341317961502987">konnten</a>. Quellen des [Wirtschaftsmediums] RBC <a href="https://www.rbc.ru/society/24/03/2024/65feb1cc9a794700bc1389f1">behaupten</a>, dass sie die ganze Zeit von Sondereinheiten verfolgt wurden – es sei wichtig gewesen, die Route der Terroristen zu verfolgen und die Initiant:innen des Anschlags zu identifizieren. Der Bericht lässt jedoch die Frage offen, warum die Verhaftung so schwerfällig <a href="https://iz.ru/1671663/2024-03-25/operupolnomochennyi-rasskazal-o-zaderzhanii-terroristov-iz-krokusa-pod-brianskom">verlief</a>, wo doch zwei Passagiere aus dem Auto in den Wald fliehen konnten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das Gericht verurteilte die Festgenommenen zu zwei Monaten Haft. Bis zum 30. März <a href="https://www.currenttime.tv/a/postradavshie-terakt-krokus/32884345.html">stieg</a> die Zahl der Todesopfer auf 144. Die meisten der Opfer verstarben durch das von den Tätern gelegte Feuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum 28. März wurden elf Personen im Zusammenhang mit dem Terroranschlag <a href="https://asiaplustj.info/news/tajikistan/laworder/20240328/v-tadzhikistane-vseh-rodstvennikov-fariduna-shamsiddina-zabrali-sestru-iz-rossii-deportirovali">verhaftet</a>. Im Laufe der Woche wurden in Tadschikistan neun Einwohner:innen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wahdat">Wahdat</a> unter dem Verdacht <a href="https://rus.ozodi.org/a/32882774.html">festgenommen</a>, Verbindungen zu den Personen zu haben, die des Terroranschlags in Moskau beschuldigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach der Festnahme verbreiteten russische Sicherheitskräfte ein Video, das eine beispiellos brutale Folter zeigt. Einem der Verdächtigen wird ein Ohr abgeschnitten und er wird <a href="https://www.currenttime.tv/a/demonstratsiya-pytok-i-nochnye-aresty-kogo-obvinyayut-v-sovershenii-terakta-v-krokus-siti-holl/32875557.htm">gezwungen</a>, es zu essen. Auf einem anderen Video ist zu sehen, wie einem Verdächtigen ein Elektroschock verpasst wird, vermutlich <a href="https://novayagazeta.eu/articles/2024/03/22/v-podmoskovnom-kontsertnom-zale-krokus-siti-kholl-proizoshla-strelba-po-dannym-smi-est-pogibshie-i-ranenye">indem</a> ein Gerät an seine Genitalien angeschlossen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/"><strong>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sind zwei Wochen vergangen, ohne dass Maßnahmen gegen die Folterpraktiken der Ordnungskräfte ergriffen wurden. Dies, obwohl die Menschenrechtskommissarin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tatjana_Nikolajewna_Moskalkowa">Tatjana Moskalkowa</a> von der Unzulässigkeit der Anwendung von Folter <a href="https://www.rbc.ru/politics/28/03/2024/66048ab69a79473116a4afed">gesprochen</a> hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht des 24. März <a href="https://www.rbc.ru/politics/29/03/2024/6604580a9a7947d71c50a528">verbreiteten</a> Telegram-Kanäle, die mit der in Tadschikistan und anderen Ländern der Region verbotenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Terrororganisation)">Terrororganisation IS</a> in Verbindung stehen, ein Video, das <em>„aus der ersten Person“</em> gefilmt wurde. Es zeigt Terroristen mit unkenntlich gemachten Gesichtern, die im Foyer des Gebäudes auf Menschen schießen. Sie tragen die gleiche Kleidung wie die Schützen in der Konzerthalle. Anzumerken ist, dass der Bruder eines der Festgenommenen von Tadschikistan wegen des Verdachts der Zugehörigkeit zu IS zur Fahndung ausgeschrieben <a href="https://rus.ozodi.org/a/32881440.html">war</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In wessen Auftrag wurde der Terroranschlag verübt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach dem Terroranschlag in Russland wurde die Version verbreitet, die Ukraine habe den Terroranschlag organisiert. Diese Behauptung kann nicht ernst genommen werden, da die russische Seite bis heute keine glaubwürdigen Fakten vorgelegt hat. Zudem ist zu bezweifeln, dass die Ukraine, die auf internationale Hilfe angewiesen ist, einen derart brutalen Terrorakt begehen und damit ihre internationalen Beziehungen belasten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russische Propagandist:innen suchen nach einer <em>„ukrainischen Spur“</em> und fragen sich dabei,<em> „wer profitiert“</em> von diesem Anschlag. Ihre Spekulationen gehen oft zu weit. Legt man solche Hintergründe zugrunde, wäre nicht die Ukraine, sondern der russische Präsident Wladimir Putin der Hauptprofiteur der tragischen Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen sind Putins Popularitätswerte <a href="https://actualcomment.ru/sotsiologi-fiksiruyut-rekordnyy-reyting-putina-posle-vyborov-prezidenta-2403291127.html">sprunghaft</a> angestiegen. Auch wenn man die Ergebnisse von Meinungsumfragen in einer autoritären Diktatur mit einer gewissen Skepsis betrachten muss, so ist doch ein gewisser Anstieg der Umfragewerte nicht zu verkennen. Es wäre nicht das erste Mal, dass willkürliche Terroranschläge dazu <a href="https://novayagazeta.eu/articles/2024/03/25/25-let-sderzhannogo-molchaniia">beitragen</a>, Putins Popularität zu steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum anderen hat der Terroranschlag dazu geführt, dass für die Behörden unangenehme Themen auf der Nachrichtenagenda in den Hintergrund gerückt sind. Die jüngsten Präsidentschaftswahlen und Fragen der Legitimität Putins werden online nicht mehr diskutiert. Auch die vierzig Tage seit des Todes des Oppositionellen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Anatoljewitsch_Nawalny">Alexej Nawalnys</a> haben nicht mehr die gleiche Resonanz hervorgerufen wie <a href="https://meduza.io/feature/2024/02/18/smert-navalnogo-potryasla-mir-posmotrite-kak-vyglyadyat-pervye-polosy-gazet-po-vsey-planete-i-ne-tolko-na-zapade">zuvor</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/bis-zum-bitteren-ende-wie-die-junge-familie-eines-tadschikischen-musikers-teil-des-is-ablegers-wilayat-chorasan-wurde/"><strong>Bis zum bitteren Ende: Wie die junge Familie eines tadschikischen Musikers Teil des IS-Ablegers Wilayat Chorasan wurde</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohl zum ersten Mal seit Beginn der russischen Aggression in der Ukraine rufen die Neuigkeiten [des Terrorangriffs – Anm. d. Red.] aus der Russischen Föderation weltweit <a href="https://www.dw.com/ru/es-i-ssa-v-den-traura-skorbat-po-pogibsim-v-krokus-siti-holle/a-68655814">Anteilnahme</a> und Mitgefühl statt Wut und Fassungslosigkeit hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb müssen die Fakten betrachtet werden, nicht die verschiedenen Vermutungen. Diese Fakten, die heute vorliegen, besagen, dass der Terroranschlag höchstwahrscheinlich von Anhängern des IS unter Duldung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/FSB_(Geheimdienst)">russischen Innengeheimdienstes</a> und anderer russischer Sicherheitsbehörden verübt wurde, die es den Schützen ermöglichten, sich irgendwo Waffen zu besorgen, diese an den Ort der Versammlung zu bringen und dann vom Tatort zu fliehen. Für die Version des IS spricht vor allem die bereits erwähnte Videoaufnahme der Schützen am Tatort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider haben die russischen Ermittlungsbehörden vorrangigen Zugang zu den Fakten. Dadurch wird das ohnehin geringe Vertrauen in das russische Strafverfolgungssystem noch weiter untergraben. Das Verfahren findet aus unbekannten Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit <a href="https://www.kommersant.ru/doc/6593267">statt</a>, und die Ermittlungsbehörden äußern sich nicht zu den zahlreichen <a href="https://rus.ozodi.org/a/32882464.html">Widersprüchen</a> und <a href="https://meduza.io/feature/2024/03/26/10-voprosov-na-kotorye-spustya-tri-dnya-posle-terakta-v-krokuse-net-otvetov">Merkwürdigkeiten</a> in der offiziellen Version des Terroranschlags.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Geständnisse der Inhaftierten, die offensichtlich unter schwerer Folter zustande gekommen sind, können kaum ernst genommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Behörden werden nun versuchen, aus dieser Situation den größtmöglichen Nutzen zu ziehen, um ihre Position weiter zu stärken. Kurzfristig dürften sie die Hauptprofiteure bleiben. Die Situation kann sich aber auch drastisch ändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Diaspora nach Terroranschlag unter Druck</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lebensbedingungen der tadschikischen Migrant:innen in Russland haben sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert, insbesondere nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Infolge des Terroranschlags hat sich der Druck auf die Migrant:innenen nochmals erhöht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wladimir Putin hat am 26. März die Generalstaatsanwaltschaft <a href="https://tass.ru/obschestvo/20360537">angewiesen</a>, an der Entwicklung präventiver Maßnahmen im Migrationsbereich zu arbeiten, berichtete die russische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/TASS">Nachrichtenagentur TASS</a>. Laut Putin beunruhige die Situation in diesem Bereich Millionen russischer Bürger:innen und müsse unter Kontrolle gebracht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am selben Tag beauftragte der Sprecher der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duma">Staatsduma</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wjatscheslaw_Wiktorowitsch_Wolodin">Wyatscheslaw Wolodin</a>, eine interfraktionelle Arbeitsgruppe einzurichten, die die Gesetzgebung analysieren und sich vorrangig mit der Migrationspolitik befassen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der vergangenen Wochen hat die Polizei in mehreren russischen Städten massenweise Wohnungsdurchsuchungen bei Migrant:innen durchgeführt. Allein in St. Petersburg ordneten Gerichte die Abschiebung von mehr als 400 Migrant:innen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/immer-mehr-zentralasiatische-staatsangehoerige-machen-sich-auf-in-die-vereinigten-staaten/"><strong>Immer mehr zentralasiatische Staatsangehörige machen sich auf in die Vereinigten Staaten</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschenrechtsaktivistin <a href="https://www.amnesty.de/mitmachen/erfolg/russland-valentina-chupik-usbekische-menschenrechtlerin-frei-2021-10-05">Walentina Tschupik</a>, die kostenlos in Russland arbeitende Migrant:innen berät, <a href="https://mediazona.ca/news/2024/03/25/migrant">berichtete</a> gegenüber Mediazona, dass sie in den ersten zwei Tagen nach dem Terroranschlag mehr als 2.500 Anrufe von in Russland lebenden ausländischen Staatsbürger:innen erhalten habe. Mehr als die Hälfte der Anrufe betrafen polizeiliche Durchsuchungen und rechtswidrige Festnahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Terroranschlag berichteten Migrant:innen über die Zunahme von Übergriffen auf sie. Laut Medienberichten setzten Unbekannte in der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blagoweschtschensk">Blagoweschtschensk</a> im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Amur">Gebiet Amur</a> einen Pavillon von Tadschik:innen in Brand. Gleichzeitig erklärte die Stadtverwaltung, der Vorfall sei offenbar <em>„aus nationalistischen Motiven“</em> geschehen. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaluga">Kaluga</a> griff eine Gruppe nicht identifizierter Männer drei Migranten aus Tadschikistan an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berichten zufolge weigern sich zahlreiche Personen in verschiedenen Regionen Russlands, ein Taxi zu besteigen, wenn sie erfahren, dass der Fahrer aus Tadschikistan stammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts dieser Meldungen hat die Botschaft von Tadschikistan in Russland ihre Staatsangehörigen <a href="https://www.facebook.com/tajembassy.ru">aufgefordert</a>, wenn möglich für eine bestimmte Zeit nicht an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tadschikische Ministerium für Arbeit, Migration und Beschäftigungspolitik hat nach dem Terroranschlag einen Rückgang der Zahl der Arbeitsmigrant:innen aus Russland verzeichnet, sagte die stellvertretende Arbeitsministerin der Republik, <a href="https://old.asiaplustj.info/en/news/tajikistan/society/20240402/we-need-to-fight-terror-attack-masterminds-not-labor-migrants-says-tajik-official">Schachnoza Nodiri</a>, gegenüber <a href="https://tass.ru/obschestvo/20398153">TASS</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schachnoza Nodiri wies darauf hin, dass tadschikische Bürger:innen schikaniert würden und dass das Arbeitsministerium in Russland nach dem Terroranschlag Drohbriefe erhalten habe. Unter den tadschikischen Bürger:innen herrsche <em>„Panik, viele wollen das Land verlassen“,</em> und die Zahl der Ausreisenden übersteige die der Einreisenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-erst-ueber-bildung-und-arbeit-nachdenken-dann-ueber-dekolonisierung/"><strong>Tadschikistan: Erst über Bildung und Arbeit nachdenken, dann über Dekolonisierung</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ministerium geht aber davon aus, dass die Abwanderung nur vorübergehend ist und sich wieder einstellt. Die Bevölkerung wird angehalten, nicht auf provokative Botschaften im Internet zu reagieren, die darauf abzielen, Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen zu schüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Bericht geht hervor, dass sich die Mehrheit der tadschikischen Migrant:innen, die im Ausland Arbeit suchen, für Russland entscheidet. Nach Angaben des tadschikischen Arbeitsministeriums gingen mehr als 627.000 der 652.000 Arbeitsmigrant:innen in die Russische Föderation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vertreter von Fluggesellschaften in Duschanbe <a href="https://rus.ozodi.org/a/32880842.html">äußerten</a> gegenüber den Medien, dass die Zahl derer, die ein Ticket nach Russland kaufen wollten, in der vergangenen Woche deutlich zurückgegangen sei, während die Zahl derer, die von Russland nach Tadschikistan abgeschoben wurden, zugenommen habe. Auch die Zahl derjenigen, die auf dem Landweg nach Russland reisen wollen, sei zurückgegangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Arbeit nach Russland? Oder in den Krieg?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der kollektiven Bestrafung der Migrant:innen für den Terroranschlag wollen die russischen Behörden vor allem bei den Neubürger:innen einen Schuldkomplex erzeugen und <a href="https://novayagazeta.eu/articles/2024/03/26/sprosili-pochemu-mne-ne-siditsia-v-moem-kishlake">verheimlichen</a> nicht, dass sie die Migrant:innen für ihre Interessen brauchen. Eine zweite Mobilisierungswelle in Russland ist fast <a href="https://www.bbc.com/russian/articles/c4nvxd54931o">unvermeidlich</a>. Die Migrant:innen sollen eine der wichtigsten Nachschubquellen für die russische Armee bei ihren blutigen Angriffen in der Ukraine sein. Und allem Anschein nach wird es Teile der russischen Gesellschaft nicht stören, wenn nicht sie, sondern die <a href="https://longreads.cabar.asia/mobilization_ru">neuen</a> Bürger:innen in den Krieg <a href="https://www.dw.com/ru/v-gosdume-predlozili-podnat-prizyvnoj-vozrast-dla-migrantov-grazdan-rf/a-68151924">ziehen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Migrant:innen sind in Russland immer weniger erwünscht. Dies geht aus Äußerungen einflussreicher Akteure hervor. Spätestens seit der russische Generalstaatsanwalt <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Igor_Krasnov">Igor Krasnow</a>‚ am 26. März <a href="https://t.me/rian_ru/238254">erklärte</a>, dass die Zahl der von Migrant:innen in Russland begangenen Straftaten im Jahr 2023 um 75 Prozent gestiegen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/russlands-armee-braucht-tadschikische-migranten-mehr-denn-je/"><strong>Russlands Armee braucht tadschikische Migranten mehr denn je</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das anklagende Pathos der russischen Behörden gegenüber Migrant:innen ist widersprüchlich, bevorzugt der russische Staat doch Kriminelle. So hat Russland in den letzten Jahren zahlreiche Mörder, Vergewaltiger und Pädophile in den Krieg <a href="https://www.currenttime.tv/a/osuzhdennyy-za-ubiystvo-uchastnik-svo-hodit-po-shkolam/32856979.html">entsandt</a>. Nach dem Terroranschlag wurden Mitglieder der für ihre Brutalität bekannten <a href="https://kuban.rbc.ru/krasnodar/freenews/6602fe1d9a79471751c64781">Zapkow-Bande</a> amnestiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für tadschikische Migrant:innen, die inzwischen russische Staatsbürger:innen geworden sind, wächst auf jeden Fall die Gefahr, in Putins Krieg in der Ukraine <a href="https://www.currenttime.tv/a/putin-ukraina-voyna/32379021.html">hineingezogen</a> zu werden, obwohl ihnen dieser Konflikt fremd ist. Diese Bedrohung gilt langfristig, da Putins Krieg mit der Ukraine auf unabsehbare Zeit andauern wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Terroranschlag hat die Fremdenfeindlichkeit in der russischen Gesellschaft dramatisch zugenommen. Es kann von Rassismus gesprochen werden, da Menschen nicht-slawischen Aussehens zunehmend ins Visier genommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Rat an die Zivilgesellschaft und die Behörden in Tadschikistan und anderen Ländern der Region lautet daher: Es ist notwendig, Migrant:innen stärker für die Gefahren des Krieges zu sensibilisieren, damit sie nicht im Krieg ihr Leben verlieren oder mit Verletzungen und Behinderungen zurückkehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Propaganda des Kremls, die nichts mit [freiem &#8211; Anm. d. Red.] Journalismus zu tun hat, muss hinterfragt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diejenigen, die nach Russland gehen (wollen), sollten wissen, wie tückisch das Prinzip der Kollektivschuld ist. Eigentlich ist jede:r für sich selbst verantwortlich. [Aber bei der Kollektivschuld leiden die Menschen, die sich nicht erklären können. Diese Gefahr besteht für die Zentralasien:innen, die im Narrativ des russischen Nationalismus kollektiv für den Terroranschlag verurteilt werden &#8211; Anm. d. Red.].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung, die Zivilgesellschaft und die Migrant:innen müssen alternative Möglichkeiten der Arbeitsmigration voranbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den weiteren notwendigen Maßnahmen gehören eine rigorose Liberalisierung der tadschikischen Wirtschaft und Reformen, die Investor:innen anziehen. Seitens der Behörden muss erkannt werden, dass ein großer Strom an Migrant:innen unvermeidlich aus Russland zurückkehren wird. Für sie müssen dringend Arbeitsplätze geschaffen werden. Andernfalls könnten soziale Spannungen bis hin zur Kriminalität zunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.forbes.ru/biznes/506330-kommersant-uznal-o-snizenii-eksporta-benzina-na-cetvert-v-nacale-goda">Absehbar</a> ist auch ein deutlicher Rückgang der russischen Exporte nach Tadschikistan. Für diese russischen Waren muss Ersatz geschaffen werden. Und das eilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/terroristischer-angriff-in-tadschikistan-die-regierung-versucht-den-angriff-fur-sich-zu-nutzen/"><strong>Terroristischer Angriff in Tadschikistan: „Die Regierung versucht, den Angriff für sich zu nutzen“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Russlands Situation nach dem Einmarsch in die Ukraine zwingt Putin offensichtlich zu einem engeren Bündnis mit nationalistischen und kriminellen Gruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Behörden müssen sich neu aufstellen, auch auf internationaler Ebene. Dabei müssen unter Umständen alte Bündnisse geopfert werden, die ohnehin nur noch schlecht oder gar nicht mehr funktionieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland verliert auch seine Rolle als Sicherheitsgarant in Zentralasien, einschließlich der herrschenden Eliten. Aus dem Staat ist mittlerweile einer entstanden, in dem eine dubiose bewaffnete Gruppe aus Söldnern und Kriminellen Flugzeuge der Streitkräfte <a href="https://meduza.io/feature/2023/06/27/putin-vystupil-pered-voennymi-on-opyat-rasskazal-chto-siloviki-pobedili-prigozhina-a-narod-splotilsya-vokrug-vlasti">abschießen</a> kann und anschließend volle Amnestie genießt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Putin hat die Kontrolle über die Situation verloren, sein Staat das Gewaltmonopol. Das erklärt, warum die Sicherheitskräfte nicht einmal mehr versuchen, die mittelalterlichen Folterungen von Gefangenen zu vertuschen, geschweige denn für ihre Taten bestraft werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb müssen die Länder der Region über ein kollektives Sicherheitskonzept nachdenken und ihre eigenen Armeen reformieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chronik der Terroranschläge, bei denen tadschikische Staatsangehörige als Terroristen genannt werden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren wurden tadschikische Staatsangehörige wiederholt von verschiedenen Ländern beschuldigt, terroristische Anschläge verübt zu haben. Häufig wurde dabei der IS als Initiator genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> hat das Land in den letzten zehn Jahren 6680 Straftaten extremistischer und terroristischer Art aufgedeckt und registriert, darunter 86 Terroranschläge und -versuche, und 11 Terroranschläge und -versuche verhindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/terrorismusverdacht-in-deutschland-anklage-gegen-fuenf-tadschiken/"><strong>Terrorismusverdacht in Deutschland: Anklage gegen fünf Tadschiken</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der aufsehenerregendste Terroranschlag der letzten Jahre in Tadschikistan selbst <a href="https://rus.ozodi.org/a/29422387.html">wurde</a> höchstwahrscheinlich vom IS in Auftrag gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss daher anerkannt werden, dass ein Teil der tadschikischen Jugend anfällig für extremistische Propaganda ist. Hier ist qualifizierte Expertenberatung, auch aus dem Bereich der Pädagogik und Psychologie, gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar ist jedoch, dass die bestehende Ideologie nicht funktioniert. Sie wird von oben entwickelt und nach unten weitergegeben. Deshalb bleiben diese Narrative für viele Menschen unverständlich oder gar fremd, was den Ideologen des Radikalismus in gewisser Weise in die Hände spielt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Marat Mamadschojew für CABAR</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://cabar.asia/ru/terakt-proizoshedshii-v-podmoskove-stavit-tadzhikistan-pered-tyazhelym-vyborom">Russischen</a> von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-terroranschlag-bei-moskau-stellt-tadschikistan-vor-schwierige-entscheidungen/">Der Terroranschlag bei Moskau stellt Tadschikistan vor schwierige Entscheidungen</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Mar 2024 22:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Crocus City Hall]]></category>
		<category><![CDATA[Entschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[IS-K]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ENTSCHL&#xDC;SSELUNG. Der t&#xF6;dliche Anschlag bei Moskau hat f&#xFC;r Schlagzeilen &#xFC;ber die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten &#x201E;Islamischen Staat&#x201C; gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland gef&#xFC;hrt. Am Abend des 22. M&#xE4;rz haben bewaffnete M&#xE4;nner die Konzerthalle &#x201E;Crocus City Hall&#x201C; bei Moskau angegriffen und 140 Menschen get&#xF6;tet. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ENTSCHLÜSSELUNG. Der tödliche Anschlag bei Moskau hat für Schlagzeilen über die Beteiligung von Tadschik:innen in internationalen Terrororganisationen wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ gesorgt. Dies hat unter anderem zu einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit in Russland geführt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 22. März haben bewaffnete Männer die Konzerthalle „Crocus City Hall“ bei Moskau angegriffen und 140 Menschen getötet. Tags darauf wurden elf Personen festgenommen, berichtete die russische Nachrichtenagentur <a href="https://tass.ru/proisshestviya/20320557">TASS</a>. Die vier Männer, denen die Ausführung des Anschlags vorgeworfen wird, sind tadschikische Staatsangehörige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn vieles vorerst im Dunkeln bleibt und die Schuld der Angeklagten nicht bewiesen ist, wurde der Angriff vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ISIS-K">Islamischen Staat &#8211; Khorasan (IS-K)</a> für sich beansprucht, einem IS-Ableger, dem sich viele Tadschik:innen angeschlossen haben. Wie das tadschikische Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240310/emomali-rahmon-virazil-nedovolstvo-mnogokratnim-hadzhem-tadzhikistantsev">Asia-Plus</a> berichtete, hatte Tadschikistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> nur zwei Wochen vor dem Anschlag erklärt: <em>„Laut verfügbaren Daten haben 24 unserer Mitbürger in den letzten drei Jahren in zehn Ländern Terroranschläge begangen.“</em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Angriff in Russland ist auf dessen Intervention in Syrien zurückzuführen, womit es sich in offener Gegnerschaft zum IS positionierte. Die wiederholte Beteiligung von Tadschik:innen bei Angriffen des IS-K wirft Fragen auf, nähert allerdings auch unbegründete Vorstellungen von Tadschikistans Rolle im globalen Terrorismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Russland rekrutiert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://bush.tamu.edu/faculty/elemon/">Edward Lemon</a>, auf Zentralasien spezialisierter Forscher und Präsident der <a href="https://oxussociety.org/">Oxus Society</a>, <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1771532009325633964">erklärt</a>, dass Tadschikistan im Verhältnis zur Einwohner:innen-Zahl den drittgrößten Anteil an Staatsangehörigen hat, die sich den Reihen des IS in Syrien angeschlossen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten tödlichen Angriffe des IS-K, die bisher hauptsächlich auf den Iran, Afghanistan und die Türkei abzielten, wurden von Tadschik:innen verübt, erläutert <a href="https://thediplomat.com/2024/01/unveiling-the-motivations-tajik-iskps-calculated-strikes-on-iran/">The Diplomat</a>. Dies gilt insbesondere für den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschläge_in_Kerman_2024">Anschlag im iranischen Kerman</a>, bei dem im Januar fast 100 Menschen ums Leben kamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-islamistische-radikalisierung-der-zentralasiatischen-jugend-mythos-oder-realitaet/"><strong>Die islamistische Radikalisierung der zentralasiatischen Jugend – Mythos oder Realität?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Tadschikistan jedoch zunehmend als Brutstätte des islamistischen Radikalismus wahrgenommen wird, ist diese Darstellung verkürzt. So <a href="https://daviscenter.fas.harvard.edu/insights/terror-attack-russia-shines-spotlight-isis-k-recruiting-among-central-asians">zeigen Studien</a>, dass die Rekrutierung von Tadschik:innen durch den IS-K hauptsächlich in Russland erfolgt – beziehungsweise unter Menschen, die in Russland gelebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein im ersten Halbjahr 2023 wurden 1,28 Millionen Tadschik:innen von den russischen Migrationsbehörden registriert, darunter mehr als 963.000 in der Arbeitsmigration. Die Zahlen könnten aber tatsächlich höher sein, berichtet das russische Wirtschaftsmedium <a href="https://nsk.rbc.ru/nsk/24/08/2023/64e6c63a9a79471c6e4adea5">RBC</a>. Im Jahr 2022 stammten nach Angaben der <a href="https://blogs.worldbank.org/en/peoplemove/remittances-europe-and-central-asia-post-strong-growth">Weltbank</a> 51 Prozent des BIP von Arbeitsmigrant:innen, was Tadschikistan zum am stärksten von Überweisungen abhängigen Land der Welt macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Motivationen, die oft weit vom radikalen Islam entfernt sind</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese oft prekäre Situation macht sie jedoch anfällig für die Rekrutierung. <a href="https://www.wilsoncenter.org/person/melanie-sadozai">Mélanie Sadozaï</a>, eine auf die tadschikisch-afghanische Grenze spezialisierte Forscherin, erklärt gegenüber Novastan: <em>„Die Gründe, warum diese Personen rekrutiert werden, sind vielfältig: Suche nach einem besseren Leben, Ablehnung des Staates und seiner Institutionen, der Wunsch, den Islam ohne Diskriminierung zu praktizieren, attraktive finanzielle &nbsp;Angebote der Anwerber, Verurteilung des russischen Engagements in Syrien, wo sich der Kern des IS befindet und so weiter.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-sich-so-viele-buerger-tadschikistans-dem-islamischen-staat-anschliessen/"><strong>Warum sich so viele Bürger Tadschikistans dem Islamischen Staat anschließen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind <em>„die Beweggründe also keineswegs mit einer uneingeschränkten Unterstützung des in der IS-Propaganda propagierten radikalen Islamismus verbunden.“</em> In Bezug auf den Anschlag bei Moskau weist Edward Lemon jedoch <a href="https://twitter.com/EdwardLemon3/status/1772797999204221251">darauf hin</a>, dass die mutmaßlichen Terroristen ein ähnliches Profil hätten: Sie seien kürzlich nach Russland ausgewandert und nicht besonders religiös gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf tadschikischem Boden gab es hingegen nur wenige IS-Angriffe, zuletzt einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/islamischer-staat-bekennt-sich-zur-attacke-die-zum-tod-von-4-rad-touristen-in-tadschikistan-fuhrte/">Anschlag auf ausländische Radfahrer:innen 2018</a> und einen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-der-islamische-staat-bekennt-sich-zu-aufstand-in-gefangnis/">Gefängnis-Aufstand in Chudschand 2019</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine vage Definition von Extremismus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beitritt zum IS kann jedoch auch als Reaktion auf die ultrasäkulare tadschikische Politik erfolgen. Extremismusvorwürfe in Tadschikistan richten sich weniger gegen den strengen Islam als gegen jede Form von Handlungen, die der Regierung missfallen: Nicht selten werden Aktivist:innen, Menschenrechtler:innen oder Journalist:innen <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/menschenrechte-in-tadschikistan-interview-mit-der-un-berichterstatterin/">wegen Extremismus verurteilt</a>. Religiöse Praxis wird als politische Opposition interpretiert und unterdrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Mélanie Sadozaï verschärfen die Behörden Tadschikistans <em>„die Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf religiöse Praktiken und potenzielle Rivalen oder Destabilisatoren des bestehenden Regimes, was nur Frustrationen schürt, die die Form von Terroranschlägen annehmen können.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Grenze zu Afghanistan ist weniger durchlässig, als es scheint</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem die Aufmerksamkeit auf Tadschikistan und den IS-K gerichtet ist, wird die gemeinsame Grenze mit Afghanistan, einer Hochburg des IS-K, als potenzieller Korridor für Dschihadist:innen erwähnt. Auch hier betont Mélanie Sadozaï, dass die Unsicherheit entlang der Grenze eine vorgefasste Meinung sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, überqueren keine Bürger Tadschikistans die Grenze in Richtung Afghanistan. Der fehlende Zusammenhang zwischen Terrorismus und dieser Grenze führt dazu, dass sie im September 2023 wieder für grenzüberschreitenden Handel geöffnet wurde“</em>, erklärt Mélanie Sadozaï.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kazan-und-kebab-womit-an-der-tadschikisch-afghanischen-grenze-gehandelt-wird/"><strong>Kazan und Kebab – Womit an der tadschikisch-afghanischen Grenze gehandelt wird</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzelfälle sind nicht auszuschließen – und die Grenze kann auch in die entgegengesetzte Richtung durchlässig sein, insbesondere für <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/foerdert-der-drogenhandel-den-terrorismus-in-zentralasien/">den Drogenhandel</a>. Aber Tadschik:innen, die sich Terrororganisationen anschließen, tun dies in der Regel über Russland. Die Forscherin fasst zusammen: <em>„Der IS-K ist eine multinationale und keine grenzüberschreitende [im wahrsten Sinne des Wortes, Anm. d. Ü.] Terrorgruppe.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit mit den Taliban</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus arbeitet Duschanbe in bestimmten Sicherheitsfragen mit Kabul zusammen. Afghanistan bleibt Tadschikistans feindseligster Nachbar, insbesondere aufgrund der Präsenz der Terrorgruppe Dschamaat Ansarullah, die aus ethnischen Tadschik:innen besteht, welche Feinde von Duschanbe sind und von den Taliban unterstützt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch andere Terrorgruppen erzwingen den Dialog. <em>„Der IS-K ist ein innenpolitisches Problem für Tadschikistan und für die Taliban, denn die von dieser Gruppe beanspruchten Anschläge untergraben die Glaubwürdigkeit dieser Regime in Bezug auf ihre Fähigkeit, die Sicherheit in ihren Ländern aufrechtzuerhalten“</em>, schließt Mélanie Sadozaï.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Welle der Fremdenfeindlichkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss daher klargestellt werden, dass die tadschikische Bevölkerung in ihrer überwiegenden Mehrheit den IS-K nicht unterstützt. Sowohl in Tadschikistan als auch in Russland würdigten Tadschik:innen die Opfer. In Duschanbe wurde die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Noruz-Feier</a>, die am 24. März stattfinden sollte, <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/power/20240325/karnaval-navruza-proidet-segodnya-v-dushanbe">auf den nächsten Tag verschoben</a>. Der Grund wurde nicht offiziell kommuniziert, lokale Medien interpretierten die Geste jedoch als Reaktion auf die Ankündigung eines nationalen Trauertages in Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Reaktionen reichten nicht aus, um ultranationalistische Strömungen in Russland zu beruhigen. Fake News und rassistische Verschwörungstheorien <a href="https://twitter.com/bahruz_samad/status/1772024022449950811">florieren</a> oder tauchen wieder auf – zum Beispiel die Behauptung eines Völkermords an Russ:innen während des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_Bürgerkrieg">Tadschikischen Bürgerkriegs</a> in den 1990er Jahren. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/"><strong>Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://eurasianet.org/tajik-diaspora-in-russia-living-in-terror-following-crocus-city-massacre">Eurasianet</a> und <a href="https://rus.ozodi.org/a/32876078.html">Radio Ozodi</a> berichteten, haben fremdenfeindliche Taten in Russland in den letzten Tagen so stark zugenommen, dass viele Migrant:innen Angst davor haben, ihre Wohnungen zu verlassen, und manchmal sogar aufhören, zur Arbeit zu gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zunehmende Aggression</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die tadschikische Botschaft, die sich für gewöhnlich <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/?noredirect=de-DE">nicht für die Interessen ihrer Bürger:innen in Russland einsetzt</a>, hat ihren Staatsangehörigen empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Usbekische Bürger:innen wurden außerdem <a href="https://www.centralasian.org/a/32879280.html">aufgefordert</a>, öffentliche Orte zu meiden, während die Kirgis:innen <a href="https://www.reuters.com/world/europe/kyrgyzstan-urges-citizens-limit-travel-russia-2024-03-27/">angehalten sind</a>, jegliche Reisen nach Russland zu meiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In russischen Städten kam es bereits zuvor häufig zu Jagden auf Migrant:innen, doch der Anschlag löste eine weitere Welle aus. Nach Angaben der Menschenrechtlerin <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ULePKWtMtfo">Valentina Tschupik</a> meldeten Zentralasiat:innen in den beiden darauf folgenden Tagen 2.500 Fälle von Aggression, darunter 30 Fälle von Folter. Angesichts von Bildern, auf denen FSB-Agenten die tadschikischen Verdächtigen foltern, scheint körperliche Gewalt gegen Zentralasiat:innen nun völlig legitim zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu gewalttätigen Übergriffen an öffentlichen Orten kam es zu einem massiven Boykott gegen tadschikische Taxifahrer:innen. Andere Zentralasiat:innen sagen, sie seien aus ihren Wohnungen geworfen oder sogar entlassen worden, ohne ihr Gehalt zu erhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Langfristige Folgen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Somit wird die Beteiligung von Tadschiken an dem Anschlag vom 22. März – ob real oder nicht – auf längere Sicht katastrophale Folgen für das Leben der Tadschik:innen in Russland haben. Wie Valentina Tschupik erklärt, wird <em>„unkontrollierbare Migration“</em> dafür verantwortlich gemacht, während Politiker:innen bereits vorschlagen, ein <a href="https://www.kommersant.ru/doc/6593947">Visaregime für Tadschik:innen</a> einzuführen oder sie beim kleinsten Fehler auszuweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland braucht diese Arbeitskräfte und solche Maßnahmen sind unwahrscheinlich, aber Bedrohungen für die Sicherheit von Migrant:innen sind real in einem Kontext, in dem Fremdenfeindlichkeit und Gewalt öffentlich akzeptiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-moskauer-traum/"><strong>Der Moskauer Traum</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es besteht die Befürchtung, dass diese schlechte Presse auch Zentralasiat:innen in Europa betreffen wird. Während die Region in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, gelangt Tadschikistan immer wieder als Brutstätte des religiösen Extremismus in die Presse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiat:innen wird häufig ein Visum für Europa verweigert und bei Asylanträgen kommt es zu Ablehnungen, wobei fabrizierte Extremismusvorwürfe im Herkunftsland – wie <a href="https://novastan.org/fr/europe-et-asie-centrale/citoyen-ouzbek-expulse-france-risques-de-torture/">zuletzt bei einem Fall in Frankreich</a> – eine Rolle spielen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Behörden der europäischen Länder nach den jüngsten Ereignissen in der Lage sein werden, den Kontext zu berücksichtigen und falsche Anschuldigungen von echten zu unterscheiden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Judith Robert für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/attentat-russie-tadjiks-face-a-xenophobie-massive/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-terroranschlag-massive-anfeindungen-gegen-tadschikinnen-in-russland/">Nach Terroranschlag: Massive Anfeindungen gegen Tadschik:innen in Russland</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zentralasiatische Arbeitende nach Streik in Russland entlassen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mtoustou]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Jan 2024 18:14:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Migrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Beh&#xF6;rden in Tadschikistan verurteilten den Streik der Wanderarbeitskr&#xE4;fte in der russischen Fabrik Khimpek. Die Besch&#xE4;ftigten aus Tadschikistan sind ratlos und weisen darauf hin, dass ihre eigenen Beh&#xF6;rden, anstatt sie zu sch&#xFC;tzen, sich daf&#xFC;r entschieden haben, den russischen Arbeitgeber zu unterst&#xFC;tzen. Die Proteste begannen am 15. Januar. In Schachty in der Oblast Rostow, traten tadschikistanische [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Behörden in Tadschikistan verurteilten den Streik der Wanderarbeitskräfte in der russischen Fabrik Khimpek. Die Beschäftigten aus Tadschikistan sind ratlos und weisen darauf hin, dass ihre eigenen Behörden, anstatt sie zu schützen, sich dafür entschieden haben, den russischen Arbeitgeber zu unterstützen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Proteste begannen am 15. Januar. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schachty">Schachty</a> in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Rostow">Oblast Rostow</a>, traten tadschikistanische Beschäftigte der Khimpek-Fabrik in den Streik. Wie <a href="https://rus.ozodi.org/a/32776628.html">Radio Ozodi berichtet</a>, &nbsp;forderten sie Urlaub und eine bereits zugesagte Lohnerhöhung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt ihre Forderungen zu berücksichtigen, entließ sie die Unternehmensleitung. <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20240118/predstavitelstvo-mintruda-tadzhikistana-v-rf-razyasnilo-pochemu-bastovali-tadzhikskie-rabochie-na-zavode-himpek">Laut einem Vertreter</a> des Ministeriums für Arbeit, Migration und Beschäftigung Tadschikistans wurden mehr als 50 Staatsangehörige Tadschikistans und Usbekistans, die zuvor im Vereinigten Königreich gearbeitet hatten, <em>„zu Provokationen angestiftet“</em>. Diese hätten die Arbeitsbedingungen und das Lohnniveau in Russland und im Vereinigten Königreich verglichen und die Beschäftigten zu Streiks angestiftet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Ministeriums waren die Löhne bereits im Vorjahr auf 80.000 bis 85.000 Rubel (821 bis 872 Euro) erhöht worden: Daher habe sich die Leitung des Khimpek-Werks geweigert, die Forderungen der Streikenden zu erfüllen. Nur 25 Personen wurden wieder eingestellt, mit der Auflage, eine solche Aktion nicht zu wiederholen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwischen Versprechungen und Realitäten: Beschäftigte fordern Gerechtigkeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Treffen zwischen Vertretern der tadschikistanischen Diaspora, der Fabrikleitung und einer kleinen Gruppe von Migrierten wurde enthüllt, dass die Arbeiter nie den angegebenen Lohn <a href="https://rus.ozodi.org/a/32781052.html">erhalten hatten</a>. Im vergangenen Dezember wurden ihnen lediglich 49.000 bis 63.000 Rubel (503 bis 646 Euro) gezahlt, was weitaus weniger war als das, was das Khimpek-Management versprochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-arbeitsgenehmigungen-fuer-migrantinnen-in-russland-koennten-bald-deutlich-teurer-werden/">Die Arbeitsgenehmigungen für Migrant:innen in Russland könnten bald deutlich teurer werden</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Migrierten betonten, dass die tadschikistanischen Behörden entgegen den Behauptungen des Arbeitsministeriums eher den russischen Arbeitgeber als die Rechte der Beschäftigten unterstützt hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vertretung des Ministeriums in Russland versuchte, die Situation zu klären, indem sie behauptete, dass <em>„der Arbeitgeber alle seine Verpflichtungen gemäß den mit den Arbeitnehmern geschlossenen Verträgen erfüllt und keine Verstöße begangen habe.“</em> Ihren Angaben zufolge wurden die Provokateure identifiziert und zusammen mit einigen unzufriedenen Arbeitnehmern entlassen, nachdem die Löhne für die erste Hälfte des Januars 2024 ausgezahlt worden waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Arbeitsbedingungen in Frage gestellt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiter beharren jedoch darauf, dass ihre Forderungen angesichts der harten Arbeit in der Khimpek-Fabrik legitim waren. Ein von Radio Ozodi befragter Migrant erklärte, dass viele aufgrund fehlender Alternativen gezwungen waren, weiterzuarbeiten. Diejenigen, die andere Möglichkeiten hatten, haben die Fabrik verlassen und andere erwägen, dasselbe zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation verdeutlicht die <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Herausforderungen</a>, denen sich Wanderarbeitskräfte gegenüberstehen, und unterstreicht die Notwendigkeit eines verstärkten Schutzes ihrer Rechte und Interessen. Unter Druck verurteilten die tadschikistanischen Behörden den Streik und unterstützten den russischen Arbeitgeber, was unter den Arbeitnehmern für Empörung sorgte. Diese sind der Ansicht, dass ihre eigene Regierung sie im Ausland nicht schütze.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Mascha Toustou, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/ouvriers-centrasiatiques-licencies-apres-greve-russie/">Französischen</a></strong><strong> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Russlands Armee braucht tadschikische Migranten mehr denn je</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Romane Haquette]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Jul 2023 16:41:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Mobilisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit der Teilmobilisierung in Russland stockt die russische Regierung ihre Armee mit zahlreichen Arbeitsmigranten aus Zentralasien auf. Versprochen werden bei den Rekrutierungsvertr&#xE4;gen hohe L&#xF6;hne und die russische Staatsb&#xFC;rgerschaft, sofern Einsch&#xFC;chterungen und Manipulation nicht ausreichen. Die Ank&#xFC;ndigung vom 6. Mai, dass ein tadschikisches Bataillon an der Seite der russischen Armee am Krieg in der Ukraine teilnehmen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit der Teilmobilisierung in Russland stockt die russische Regierung ihre Armee mit zahlreichen Arbeitsmigranten aus Zentralasien auf. Versprochen werden bei den Rekrutierungsverträgen hohe Löhne und die russische Staatsbürgerschaft, sofern Einschüchterungen und Manipulation nicht ausreichen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ankündigung vom 6. Mai, dass ein tadschikisches Bataillon an der Seite der russischen Armee am Krieg in der Ukraine teilnehmen soll, hat bei vielen in Russland lebenden Tadschik:innen Besorgnis ausgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem<a href="https://t.me/matveevkomment/4822"> Post auf Telegram</a> entrüstete sich der russische Abgeordnete <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mikhail_Matveyev_(politician)">Michail Matwejew</a> darüber, dass Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft <em>„nicht im Rahmen der Teilmobilmachung einberufen werden“</em>, <a href="https://ura.news/news/1052647394">berichtete die russische Nachrichtenagentur Ura News</a>.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits <a href="https://rg.ru/2023/01/13/vot-takie-dela.html">vergangenen Januar</a> wurde &nbsp;von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Iwanowitsch_Bastrykin">Alexander Bastrykin</a>, Leiter des russischen Ermittlungskomitees, die Forderung erhoben, zentralasiatische Arbeitsmigranten zunehmend unter Druck zu setzten, sich der Front anzuschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings verbieten Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan ihren Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft, in fremden Kriegen zu kämpfen. Ein Vergehen, das als „Söldnertum“ bezeichnet wird und mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden kann. Der russische Abgeordnete rief daraufhin laut <a href="https://ura.news/news/1052647394">Ura News</a> dazu auf, Änderungen vorzubereiten, um dieses Gesetz zu umgehen. Nach russischem Recht übernehmen neue Staatsbürger:innen alle Verpflichtungen des Militärdienstes, selbst wenn sie diesen bereits in ihrem Heimatland geleistet haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine wichtige Ressource der Mobilisierung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Menschenrechtsaktivistin Valentina Tschupik hält es für unwahrscheinlich, dass ein solches Bataillon entstehen wird. Die Ankündigungen seien in erster Linie ein Mittel, um Druck auf die zentralasiatischen Länder auszuüben. <em>„Sie wollen den Regierungschefs der GUS-Staaten klarmachen, dass sie ihre Bürger in Scharen auf das Schlachtfeld schicken werden, wenn sie Russland auf der internationalen Bühne nicht unterstützen“,</em> sagte sie dem tadschikischen Nachrichtenportal <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20230512/v-rossii-predlagayut-sozdat-tadzhikskii-batalon-kakovi-posledstviya-i-riski-etih-zayavlenii">Asia-Plus</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschiken in Russland sind zahlreichen Einschüchterungsversuchen der russischen Behörden ausgesetzt, um sie zum Eintritt in die Armee zu bewegen. Nach mehr als einem Jahr Krieg in der Ukraine hat Russland mit Verlusten an der Front zu kämpfen. Die Ankündigung einer Teilmobilmachung im September hat viele Bürger zur Auswanderung veranlasst, um der Einberufung zu entgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiatische Arbeitsmigranten sind somit das neue Ziel russischer Rekrutierungsstellen, die die Reihen ihrer Armee auffüllen wollen. <em>„Die russischen militärischen Rekrutierungsbüros können eine so wichtige Mobilisierungsressource nicht ignorieren,“</em> warnte der tadschikische Politologe Parwis Mullodschonow gegenüber <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20230512/v-rossii-predlagayut-sozdat-tadzhikskii-batalon-kakovi-posledstviya-i-riski-etih-zayavlenii">Asia-Plus</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Migration nach Russland steigt weiterhin an</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Instrumentalisierung von Migranten und Flüchtlingen im Kriegsfall ist ein gängiges Phänomen, das auch als „<a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/europe/2022-02-22/when-migrants-become-weapons">refugees as weapons</a>“ bezeichnet wird. Seit dem 15. Mai ermöglicht ein Dekret der russischen Regierung Ausländern, die in der Ukraine kämpfen, die russische Staatsbürgerschaft zu erhalten, berichtet <a href="https://rus.ozodi.org/a/32412646.html">Radio Ozodi</a>, der tadschikische Dienst von Radio Free Europe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz des Krieges und der <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/racisme-ce-que-subissent-les-migrants-centrasiatiques-en-russie/">unrechtmäßigen Behandlung</a>, suchen viele Zentralasiat:innen weiterhin Arbeit in Russland. Im ersten Quartal 2023 kamen 1,3 Millionen Menschen nach Russland, 1,5-mal so viele wie vor einem Jahr. Laut <a href="https://rus.ozodi.org/a/32412646.html">Radio Ozodi</a> stammen 90 Prozent dieser Migrant:innen aus Zentralasien. Wie das Central Asian Bureau for Analytical Reporting (<a href="https://cabar.asia/ru/migratsiya-iz-tadzhikistana-v-rossiyu-bystro-rastet-nesmotrya-na-vojnu">CABAR</a>) berichtete, sei laut russischem Innenministerium die Zahl der Tadschik:innen, die die russische Staatsbürgerschaft erhielten, zwischen 2021 und 2022 um 60 Prozent gestiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/auswirkungen-der-sanktionen-gegen-russland-in-duschanbe-deutlich-spuerbar/?noredirect=de-DE"><strong>Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland in Duschanbe deutlich spürbar</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Tadschik:innen ist [die Migration nach Russland] die einzige Möglichkeit, Arbeit zu finden. Der 28-jährige Ahmad Nasarow reiste kurz vor Bekanntgabe der Mobilmachung nach Russland. <em>„Ich würde gerne in meiner Heimat arbeiten, aber mit einem Lohn von 100 bis 150 US-Dollar [89 bis 133 Euro] kann ich meine Familie nicht ernähren“, </em>erzählt er gegenüber <a href="https://cabar.asia/ru/migratsiya-iz-tadzhikistana-v-rossiyu-bystro-rastet-nesmotrya-na-vojnu">CABAR</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rekrutierungspersonal in Aufnahmezentren für Migrant:innen eingesetzt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2022 berichten <a href="https://rus.ozodi.org/a/32412646.html">Radio Ozodi</a> und <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20230512/v-rossii-predlagayut-sozdat-tadzhikskii-batalon-kakovi-posledstviya-i-riski-etih-zayavlenii">Asia-Plus</a> über verschiedene Taktiken der russischen Regierung, um Migranten für den Krieg zu gewinnen. Strategisch platzierte Rekrutierer:innen verteilen Flugblätter in Moscheen und Migrationszentren, darunter auch im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sacharow-Zentrum">Sacharow-Zentrum</a> in Moskau.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-russland-zentralasiatische-buerger-fuer-den-krieg-in-der-ukraine-anwirbt/?noredirect=de-DE"><strong>Wie Russland zentralasiatische Bürger für den Krieg in der Ukraine anwirbt</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fosildschon Umarow, ein tadschikischer Arbeiter aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nischni_Nowgorod">Nischni Nowgorod</a>, kam zur Registrierung in ein Migrationszentrum, wo ihm eine Mitarbeiterin anbot, für 3.000 US-Dollar (2.671 Euro) im Monat in die Armee einzutreten. <em>„Sie sagte, wenn ich Vertragssoldat würde, bräuchte ich keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis mehr und könnte nach sechs Monaten Militärdienst einen russischen Pass bekommen“,</em> erzählte er <a href="https://www.rferl.org/a/russia-recruits-central-asia-migrants-ukraine-war/32369341.html">Radio Free Europe</a>, bevor er das Angebot ablehnte. Migranten wird sogar angeboten, dass sie sich keiner medizinischen Untersuchung unterziehen müssen, um angeworben zu werden: <em>„Sie müssen nur ein Papier unterschreiben, auf dem steht: ‘Ich bin gesund‘“,</em> erklärte Dschurabek Amonow, ein Aktivist für die Rechte von Migrant:innen in Russland, gegenüber dem US-Medium.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Russische Staatsbürgerschaft als Gegenleistung für Militärdienst</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Straßen und in den Unterkünften der Migranten wird in tadschikischer Sprache mit den gleichen Angeboten geworben. Ein Teil des Lohns der Migranten, die oft nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung haben, fließt in die Bürokratie, um in Russland bleiben zu können. Von den 50 bis 60.000 Rubel (491 bis 590 Euro), die der tadschikische Migrant Nawrus Asisow, monatlich in Moskau verdient, bleiben ihm nach Zahlung der Miete und Aktualisierung seiner Papiere nur 30.000 Rubel (295 Euro), wie er gegenüber <a href="https://rus.ozodi.org/a/32421173.html">Radio Ozodi</a> berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstanische-russinnen-eine-bevoelkerung-die-im-zuge-des-krieges-in-der-ukraine-fluktuiert/"><strong>Kasachstanische Russ:innen: eine Bevölkerung, die im Zuge des Krieges in der Ukraine fluktuiert</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Alexander Kowalenko, einem Experten des ukrainischen Zentrums für Sicherheitsforschung, ist es leicht, Tadschiken für den Einsatz in der Ukraine zu gewinnen. Sie würden alles tun, um ihre Angehörigen zu versorgen, sagte er gegenüber <a href="https://rus.ozodi.org/a/32417211.html">Radio Ozodi</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tadschiken an Ausreise gehindert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einziehung in die Armee erfolgt manchmal noch härter. Der Tadschike Dalerdschon wurde am 4. Mai wegen illegalen Aufenthalts in Russland festgenommen und zunächst zu einer Geldstrafe von 3.000 Rubel (29,50 Euro) sowie einem Ausreisebefehl verurteilt. Schließlich wurde er in eine Militäreinheit geschickt. Dort wurde sein Pass eingezogen. Auf Nachfrage des russischen Medienunternehmens <a href="https://holod.media/2023/06/03/rossijskie-vlasti-reshili-otpravit-inostrancza-na-front-vmesto-deportaczii/">Kholod</a> versicherte Dalerdschon, dass er nie einen Vertrag zum Dienst in der Armee unterschrieben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasien-und-die-drohende-mobilmachung-in-russland/?noredirect=de-DE"><strong>Zentralasien und die drohende Mobilmachung in Russland</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/la-perspective-dune-nouvelle-mobilisation-en-russie-impacte-lasie-centrale/">Bereits im Dezember letzten Jahres</a> wurden kirgisische und tadschikische Migranten an der Ausreise aus Russland gehindert, da sie von den Behörden aufgrund ihrer doppelten Staatsbürgerschaft als mobilisierbar eingestuft wurden. Die Geschichte wiederholte sich am 23. Mai, als Tadschiken an der Ausreise aus Russland gehindert wurden. Laut <a href="https://rus.ozodi.org/a/32426336.html">Radio Ozodi</a> wurden sie mit einer einfachen elektronischen Einberufung vom Büro für militärische Rekrutierung gewarnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Elektronische Einberufungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die kürzlich eingeführten elektronischen Einberufungen machen es schwieriger, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Noch im vergangenen Jahr konnten sich einige Migranten der Einberufung entziehen, weil sie keine gültigen Papiere vorweisen konnten: gefälschte Aufenthaltsgenehmigungen, unterschiedliche offizielle und tatsächliche Postadressen etc. Nun <em>„werden all diese Faktoren keine Rolle mehr spielen und es wird praktisch unmöglich sein, sich der Einberufung zu entziehen“,</em> warnt Parwis Mullodschonow gegenüber <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20230512/v-rossii-predlagayut-sozdat-tadzhikskii-batalon-kakovi-posledstviya-i-riski-etih-zayavlenii">Asia-Plus</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Migranten aus Zentralasien haben sich der russischen Armee angeschlossen, trotz der Warnungen ihrer Heimatbehörden. Diese haben laut <a href="https://rus.ozodi.org/a/32417211.html">Radio Ozodi</a> bereits damit begonnen, eine Liste ihrer „Bürger-Söldner“ zu erstellen. Nach einer Zählung von <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/security/20230512/v-rossii-predlagayut-sozdat-tadzhikskii-batalon-kakovi-posledstviya-i-riski-etih-zayavlenii">Asia-Plus</a> vom Mai dieses Jahres sollen etwa 20 Tadschiken, die an die Front geschickt wurden, bei den Kämpfen in der Ukraine ums Leben gekommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Alexander Kowalenko gibt es zwei Möglichkeiten, die Tadschiken davon abzuhalten, in der Ukraine zu kämpfen. Erstens durch einen „Informationskrieg“. Zweitens sollten die tadschikischen Behörden einen scharfen Protest aussprechen und ihre Bürger gestützt auf das Gesetz daran hindern, an die Front geschickt zu werden, ohne den Zorn Moskaus zu fürchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Proteste sind jedoch nicht leicht durchzusetzen. Mit den <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/world/20230615/mir-za-nedelyu-pochemu-v-rossii-chistyat-trudovoi-rinok-ot-tadzhikov">Massenverhaftungen</a> tadschikischer Migranten im Mai und Juni dieses Jahres hat Moskau wieder einmal demonstriert, dass Tadschikistan wirtschaftlich zu sehr von Russland abhängig ist, um sich politisch gegen Russland zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Romane Haquette, Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/tadjikistan/les-migrants-tadjiks-plus-que-jamais-necessaires-a-larmee-russe/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>Bedürftige Familien werden in Tadschikistan Opfer von Menschenhandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Berenika Zeller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2023 17:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
		<category><![CDATA[Sklaverei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen aus sozial schw&#xE4;cher gestellten und von Gewalt gepr&#xE4;gten Familien werden oftmals zu Opfern von sexuellem Menschenhandel und Zwangsarbeit. Gerade geschiedene Frauen oder Kinder erkrankter Eltern sehen sich gen&#xF6;tigt, nach Russland, in die Vereinigten Arabischen Emirate, in die T&#xFC;rkei oder in den Iran zu migrieren. Nicht selten erhoffen sie sich vor Ort eine anst&#xE4;ndige Arbeit [&#x2026;]</p>
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]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Menschen aus sozial schwächer gestellten und von Gewalt geprägten Familien werden oftmals zu Opfern von sexuellem Menschenhandel und Zwangsarbeit. Gerade geschiedene Frauen oder Kinder erkrankter Eltern sehen sich genötigt, nach Russland, in die Vereinigten Arabischen Emirate, in die Türkei oder in den Iran zu migrieren. Nicht selten erhoffen sie sich vor Ort eine anständige Arbeit mit genug Gehalt. Vor Ort erwartet sie aber ein böses Erwachen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistans Behörden sind besorgt über den Menschenhandel. Menschenrechtsaktivist:innen gehen davon aus, dass es sich bei den Opfern meistens um Mitglieder gefährdeter Familien handelt, die nur über geringe Rechtskenntnisse verfügen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mansura, eine 25-jährige Bewohnerin des Bezirks <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shahrinav">Schahrinaw</a>, versuchte nach der Scheidung von ihrem Mann eine Arbeit zu finden. Über die Sozialen Medien lernte sie eine Frau kennen, die ihr einen Job als Reinigungskraft in Dubai zu einem Gehalt von bis zu 2.000 US-Dollar anbot (der <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20220726/mintruda-srednyaya-zarplata-v-tadzhikistane-sostavlyaet-pochti-1650-somoni">Durchschnittslohn</a> in Tadschikistan beträgt etwa 160 Dollar. – Anm. d. Red. von CABAR). <em>„Das war für mich ein gutes Angebot und ich habe es angenommen. Sie haben für mich einen Pass und ein Visum ausstellen lassen und Tickets gekauft“,</em> erzählt Mansura gegenüber CABAR. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankam, wurde sie in einem Haus untergebracht, in dem bereits vier junge Frauen aus Tadschikistan wohnten. Die ersten zehn Tage arbeitete Mansura wie vereinbart als Putzfrau, doch dann begann man, sie unter jedem erdenklichen Vorwand zu schikanieren. <em>„Sie sagten: ‚Du hast hier nicht gut geputzt, du hast diese Arbeit nicht ordentlich gemacht‘. Unter dieser Behauptung nahmen sie mir meine Papiere weg und zwangen mich zur Prostitution. Sie sagten, ich schulde ihnen Geld und müsse diese Schulden begleichen, weil sie mir einen Reisepass, Visa und Tickets gekauft hätten“,</em> so Mansura. Erst ein Jahr später, nach vielen Beschwerden und Hilfsersuchen, wurde ihr von einem Kunden geholfen, der alle ihre Schulden bezahlte und ihr half, in ihr Heimatland zurückzukehren. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/menschenhandel-die-situation-in-zentralasien-verschlechtert-sich/"><strong>Menschenhandel: Die Situation in Zentralasien verschlechtert sich</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch migrierende Männer sind von Arbeitssklaverei betroffen. So auch Daler, ein 22-jähriger Mann aus dem Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hissor_(Bezirk)">Hissor</a>. Nachdem sein Vater einen Schlaganfall erlitten hatte, sah er sich dazu gezwungen, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jekaterinburg">Jekaterinburg</a> in Russland auszuwandern. Er hatte von Verwandten, die in Russland leben und arbeiten, von einer möglichen Arbeitsstelle erfahren. <em>„Der Sohn des Onkels meiner Mutter hat den Job sehr gerühmt und gesagt, dass der Arbeitsplatz sehr gut ist und die meiste Arbeit dort von Maschinen erledigt wird“,</em> erzählt Daler. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Cousin bezahlte das Flugticket von Duschanbe nach Jekaterinburg und meinte, er würde den Schuldbetrag von Dalers Gehalt abziehen. Bei seiner Ankunft nahm der Cousin ihm seinen Pass unter dem Vorwand ab, dass er Formalitäten erledigen müsse. Am Arbeitsplatz erwartete Daler eine große Enttäuschung. <em>„Es stellte sich heraus, dass es überhaupt keine Maschinen gab. All die harte Arbeit wurde von Hand verrichtet. Wir trugen schwere Lasten verschiedene Stockwerke hoch. Mein Verwandter versprach mir ein Gehalt von 60.000 Rubel (rund 990 US-Dollar), aber auch dieses Versprechen wurde nicht eingehalten.“&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/"><strong>Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der schweren körperlichen Arbeit hat Daler einen Wirbelsäulenbruch erlitten, er wurde aber nicht ins Krankenhaus gebracht, da er keine Papiere hatte. Anfangs erhielt er 20.000 russische Rubel (etwa 330 US-Dollar) für seine Arbeit, doch dann wurde ihm Geld für die Unterbringung abgezogen und Daler erhielt kein Gehalt mehr. Daraufhin rief er einen anderen seiner Cousins namens Faridun an und schilderte seine Situation. <em>„Faridun rief den Verwandten meiner Mutter an, verlangte meinen Pass zurück. Er drohte ihnen, sie sonst bei den Behörden zu melden. Dieser bekam Angst vor der Drohung und gab mir meinen Pass zurück. So kehrte ich unter großen Schwierigkeiten nach Tadschikistan zurück und bin immer noch dabei, die Schulden abzuzahlen,“ </em>so Daler. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des tadschikischen Innenministeriums wurden im vergangenen Halbjahr 53 Fälle von Menschenhandel registriert. Vierzehn Frauen und acht Männer wurden wegen Beteiligung an Menschenhandelsdelikten festgenommen. Nach Artikel 130 Absatz 1 des tadschikischen Strafgesetzbuchs wird die Beteiligung an einer solchen Straftat mit einer Freiheitsstrafe von acht bis zwölf Jahren geahndet. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Situation bezüglich Menschenhandel gibt weiterhin Anlass zur Sorge</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strafverfolgungsbehörden betonen, dass sich die Situation in Tadschikistan im Vergleich zur Situation vor zehn Jahren verbessert habe, aber sie seien nach wie vor besorgt über das Problem des Menschenhandels. Dies erklärte Innenminister Ramason Rahimsoda auf einer Pressekonferenz im Juli 2022. <em>&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Handel von Menschen stellt für Tadschikistan und das tadschikische Volk in der Tat eine große Herausforderung dar. Es wird vieles in diesem Bereich unternommen, aber leider ist das Problem nicht vollständig gelöst</em>“, so der Minister. Er fügte hinzu, dass die Strafverfolgungsbehörden immer wieder Anführer transnationaler organisierter Verbrecherbanden, die Mädchen zur Prostitution nach Dubai und in andere Länder schicken, festnehmen und inhaftieren, dass es aber immer noch viele solcher Fälle gibt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-tadschiken-aussatzige-in-russland/"><strong>Die Tadschiken, Aussätzige in Russland</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß Goibnasar Dawlatbekow, Mitglied der Nichtregierungsorganisation „Femida“, die Opfern von Menschenhandel hilft, wird die NGO jährlich von bis zu 185 Opfern von Arbeitssklaverei um Hilfe gebeten. Die meisten von ihnen verfügen nicht über ausreichende Informationen, sind im In- oder Ausland und nehmen die ihnen empfohlene oder angebotene Stelle an, ohne über die möglichen Risiken nachzudenken. <em>„Die meisten Betroffenen geraten in diese Situation aufgrund ihrer geringen Rechtskenntnisse. Sie wissen nicht, was in Zukunft auf sie zukommen könnte“</em>, erklärt er gegenüber CABAR. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Dawlatbekow ist eines der Probleme der Mangel an Zufluchtsorten und sicheren Unterbringungen für Betroffene von Zwangsarbeit. Derzeit gibt es in Tadschikistan nur ein einziges Zentrum, und das genügt nicht. Bis ins Jahr 2019 gab es zwei Einrichtungen für Opfer von Menschenhandel. Das eine in Duschanbe und das andere in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chudschand">Chudschand</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/femagora-zentralasiatische-feminismen-werden-lauter/"><strong>FemAgora: Zentralasiatische Feminismen werden lauter</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab 2019 wurde die Finanzierung des Schutzraums in Duschanbe eingestellt, da das dazugehörige Projekt abgeschlossen war. Das Zentrum in Chudschand wurde dem Gesundheitsministerium zugewiesen. Im Jahr 2021 richtete Tadschikistan die staatliche Einrichtung „Zentrum für soziale Dienste“ zur Unterstützung der Opfer von Menschenhandel ein. Später änderte sich der Name der Organisation, und sie betreut inzwischen nicht nur Opfer von Zwangsarbeit, sondern auch Opfer häuslicher Gewalt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Heute ist dies die einzige Einrichtung im Land, die Opfern von Menschenhandel hilft. Das reicht natürlich nicht aus, aber vielleicht wird die Regierung in Zukunft auch in anderen Regionen Notunterkünfte einrichten, um den Betroffenen zu helfen“</em>, meint Dawlatbekow. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Opfer kommen tendenziell aus sozial schwachen Familien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Laut Munirachon Achmedowa, einer Anwältin der NGO „Karavan Nadjeschdy“, kommen Opfer von Menschenhandel eher aus sozial schwachen und von Gewalt geprägten Familien. Oft handelt es sich dabei um Frauen, die von ihrem Mann geschieden sind, sich in einer schwierigen Situation befinden und das annehmen müssen, was ihnen angeboten wird.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die meisten glauben, dass sie mit einem guten Job im Ausland eine Menge Geld verdienen können. Auf der Suche nach einem besseren Leben werden diese Menschen zu Opfern von Menschenhandel“</em>, erklärt Achmedowa. Tadschikischen Menschenrechtsaktivist:innen zufolge findet die Ausbeutung von Arbeitskräften vor allem in Russland statt, aber Menschenhändler:innen bringen ihre Opfer auch in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und den Iran, um sie dort sexuell auszubeuten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistans-kampf-gegen-prostitution-trifft-gewoehnliche-buergerinnen/"><strong>Tadschikistans Kampf gegen Prostitution trifft gewöhnliche Bürger:innen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Um die Zahl der Fälle von Zwangsarbeit und Menschenhandel weiter zu verringern, sollten die zuständigen Behörden Sensibilisierungsmaßnahmen, Unterricht an Schulen und an der Akademie des Innenministeriums sowie Seminare und Schulungen für die Bevölkerung durchführen“</em>, findet Achmedowa. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion von CABAR </strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://cabar.asia/ru/zhertvami-torgovli-lyudmi-v-tadzhikistane-stanovyatsya-chleny-uyazvimyh-semej"><strong>Russischen</strong></a> <strong>von Berenika Zeller</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zentralasien und die drohende Mobilmachung in Russland</title>
		<link>https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasien-und-die-drohende-mobilmachung-in-russland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Emma Collet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2023 19:12:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die von Russlands Pr&#xE4;sident Wladimir Putin am 21. September verk&#xFC;ndete Teilmobilmachung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die L&#xE4;nder Zentralasiens. Zentausende von Russen, die nicht in den Krieg gegen die Ukraine ziehen wollten, wurden aufgenommen. Eine zweite offizielle Mobilmachung wird jetzt erwartet, die nicht weniger einschneidend f&#xFC;r die Wirtschaft und die Menschen in Zentralasien sein d&#xFC;rfte als [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die von Russlands Präsident Wladimir Putin am 21. September verkündete Teilmobilmachung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Länder Zentralasiens. Zentausende von Russen, die nicht in den Krieg gegen die Ukraine ziehen wollten, wurden aufgenommen. Eine zweite offizielle Mobilmachung wird jetzt erwartet, die nicht weniger einschneidend für die Wirtschaft und die Menschen in Zentralasien sein dürfte als die erste. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau bestreitet die Vorbereitung einer neuen Mobilmachung. Geheimdienstmitarbeiter:innen sowie russische und ukrainische Expert:innen gehen dennoch davon aus, dass es bald so weit sein könnte. Alexander Bastrykin, Chef des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation, hat am 13. Januar in einem <a href="https://rg.ru/2023/01/13/vot-takie-dela.html">Interview</a> mit der russischen Tageszeitung Rossijskaja Gaseta betont, dass Personen, die in Russland eingebürgert wurden, für den Krieg in der Ukraine rekrutiert werden sollten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb der zentralasiatischen Gemeinschaft in Russland, die aus mehreren Millionen Menschen besteht, hat das Angst geschürt. Laut einer <a href="https://finexpertiza.ru/press-service/researches/2022/trud-migr-max/">Studie</a> von FinExpertiza stieg die Zahl der Arbeitsmigranten in Russland im zweiten Quartal 2022 auf 3,12 Millionen Menschen an. Davon waren rund die Hälfte usbekische und ein Drittel tadschikische Staatsbürger. Die drittgrößte Gruppe kam mit 7,2 Prozent aus Kirgistan. Bastrykin erklärte, dass im ersten Halbjahr 2022 mehr als 60.000 Bürger aus diesen Ländern die russische Staatsbürgerschaft erhalten hätten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/" target="_self" rel="noopener"><strong>Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien</strong></a><strong> </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 2022 wurden viele zentralasiatische Staatsbürger, teils gegen ihren Willen, rekrutiert und in Russlands Krieg in der Ukraine geschickt. Für die prekär beschäftigten Arbeitsmigranten mit befristeten Aufenthaltstiteln aus Zentralasien ist der Erwerb der Staatsbürgerschaft verlockend, der ihnen von den russischen Rekrutierungskräften in Aussicht gestellt wird. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Es gibt bereits Berichte darüber, dass die Behörden versuchen werden, Migranten aus Zentralasien für die Front zu rekrutieren. Laut dem US-amerikanischen Nachrichtensender <a href="https://www.rferl.org/amp/kyrgyz-workers-russian-citizenship-fight-ukraine/32233764.html">Radio Free Europe</a> wurde einigen von ihnen verboten, über die Landesgrenze in ihr Heimatland zurückzukehren. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wie-russland-zentralasiatische-buerger-fuer-den-krieg-in-der-ukraine-anwirbt/"><strong>Wie Russland zentralasiatische Bürger für den Krieg in der Ukraine anwirbt</strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Behörden begründeten das Verbot damit, dass die Männer die russische Staatsbürgerschaft besäßen und deshalb eingezogen werden könnten. Wer keinen russischen Pass besitzt, konnte die Grenze hingegen überqueren. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Länder Zentralasiens bereiten sich auf Fluchtwelle vor</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Einige Länder rechnen mit einem erneuten Andrang von Russ:innen an ihren Grenzen. Das trifft beispielsweise auf <a href="https://www.rferl.org/a/georgia-russian-visas-change/32088182.html">Georgien</a> und Kasachstan zu, die ihre Aufenthaltsbedingungen und -regeln verschärft haben. Früher durften sich Bürger:innen aus einem der Mitgliedsländer der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ohne behördliche Registrierung drei Monate lang in Kasachstan aufhalten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittels Aus- und Wiedereinreise konnten sie ihren Aufenthalt dann direkt um drei weitere Monate verlängern und das immer wieder. Seit dem 27. Januar dieses Jahres müssen sie, wie die kasachstanische Nachrichtenagentur <a href="https://kaztag.kz/ru/news/v-kazakhstane-sobirayutsya-otmenit-vizaran-dlya-immigrantov">KazTAG</a> berichtet, nach Ablauf von 90 Tagen erst einmal weitere 90 Tage abwarten, bevor sie abermals einreisen können. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-ziel-fuer-russinnen-auf-der-flucht/">Kirgistan: Ziel für Russ:innen auf der Flucht</a><strong> </strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Ende November 2022 haben mehr als 400.000 vor der Teilmobilmachung geflohene Russen <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/skolko-rossiyan-nahoditsya-v-kazahstane-484570/">Zuflucht in Kasachstan</a> gefunden. Etwas mehr als 320.000 sind wieder ausgereist. Ungefähr 100.000 sind geblieben. Die verschärften Aufenthaltsregelungen Kasachstans haben auch Einfluss auf die Staatsangehörigen anderer Mitgliedsstaaten der GUS, insbesondere auf kirgisische Migrant:innen, die häufig nach Kasachstan zum Arbeiten kommen, erklärt <a href="https://eurasianet.org/kazakhstan-new-migration-rules-to-hit-russians-fleeing-the-draft">Eurasianet</a>. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Kirgistan könnte damit in Zukunft noch mehr „<em>relokanty</em>“ – wie die Russen genannt werden, die vor der Mobilisierung in andere Länder fliehen – anziehen als bisher, denn für russische Staatsangehörige bestehen hier keine zeitlichen Aufenthaltsbeschränkungen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Emma Collet, Journalistin für Novastan France</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/la-perspective-dune-nouvelle-mobilisation-en-russie-impacte-lasie-centrale/">Französischen</a> von Lucas Kühne</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Warum es für kirgisische Staatsangehörige schwierig ist, im Ausland Arbeit zu finden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kloop]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Nov 2022 18:26:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigration]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Russland ist nach wie vor das beliebteste Ziel kirgisischer Arbeitsmigrant:innen. Vor allem Sprachbarrieren k&#xF6;nnten der Grund sein, warum sich andere L&#xE4;nder weit weniger Beliebtheit erfreuen. Die folgende Analyse erschien im russischsprachigen Original bei Kloop. Wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Seit Jahrzehnten reisen Hunderttausende kirgisische Staatsb&#xFC;rger:innen nach Russland, um dort zu arbeiten. Angesichts [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russland ist nach wie vor das beliebteste Ziel kirgisischer Arbeitsmigrant:innen. Vor allem Sprachbarrieren könnten der Grund sein, warum sich andere Länder weit weniger Beliebtheit erfreuen. Die folgende Analyse erschien im russischsprachigen Original bei <a href="https://kloop.kg/blog/2022/09/30/est-vakansiya-no-ne-dlya-vas-pochemu-kyrgyzstantsam-trudno-najti-rabotu-za-rubezhom/">Kloop</a>. Wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Jahrzehnten reisen Hunderttausende kirgisische Staatsbürger:innen nach Russland, um dort zu arbeiten. Angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, der internationalen Sanktionen und des wirtschaftlichen Niedergangs, versuchen Arbeitssuchende aus Kirgistan nun, andere Wege zu finden. Kloop sammelte und analysierte 1.120 internationale Stellenanzeigen und fand heraus: Es reisen tausendmal weniger Menschen in andere Länder als nach Russland. Eine mögliche Ursache könnte die Sprachbarriere sein. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In welchen Ländern arbeiten kirgisische Staatsangehörige?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Hauptzielländer neben Russland sind nach Angaben des kirgisischen Informations- und Beratungszentrums für Migration, die Türkei, die Länder am Persischen Golf (Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Oman, Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait), Osteuropa (Polen, Tschechische Republik, Bulgarien, Litauen, Lettland, Slowakei, Kroatien) und Deutschland. Seit 2016 sind private Arbeitsvermittlungsagenturen in Kirgistan tätig, über die kirgisische Staatsbürger:innen im Ausland arbeiten können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Agenturen schließen legale Beschäftigungsverhältnisse mit den Arbeitnehmer:innen. Für ihre Tätigkeit benötigen sie eine Lizenz, die jährlich erneuert werden muss, sonst ist die Geschäftsaktivität und das vermittelte Arbeitsverhältnis illegal. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle privaten Arbeitsvermittlungsagenturen bewerben ihre offenen Stellen in sozialen Netzwerken – primär auf Facebook und Instagram. Die vollständige Liste der Stellenanzeigen, die von Kloop ausgewertet wurden, ist <a href="https://migrant.kg/ru/services/employment-agency/">hier</a> einsehbar. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In welchen Branchen sind die offenen Stellen angesiedelt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Als wichtigste Beschäftigungsbereiche gelten der Dienstleistungssektor, das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und der Güterverkehr. Daneben gibt es auch eine kleine Anzahl von Anzeigen für hochbezahlte Jobs &#8211; diese Kategorie umfasst Führungskräfte, Krankenpfleger:innen und IT-Fachkräfte. Ihr Anteil betrug in der durchgeführten Auswertung lediglich drei Prozent.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Führungskräfte werden hauptsächlich für Restaurants, Hotels und Geschäfte in der Golfregion gesucht. Die Anforderungen für diese Stellen sind entsprechend hoch:&nbsp; Englischkenntnisse, Hochschulbildung und Berufserfahrung werden zwingend vorausgesetzt.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mit welchen Gehältern können Bewerber:innen aus Kirgistan rechnen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> In den europäischen Ländern werden technische Fachkräfte, insbesondere IT-Spezialist:innen, gesucht. Auch für diese Stellen spielen die Ausbildung und Berufserfahrung eine große Rolle, das Wichtigste sind aber sehr gute Englischkenntnisse. Das Gehalt ist dafür sehr gut, zwischen 1000 und 5000 US-Dollar pro Monat sind der Standard. Viele Firmen bieten außerdem die Möglichkeit der Remote Work an. Arbeitnehmer:innen sind also nicht an das Firmenbüro gebunden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von Vertretern der Wohlfahrtsverbände werden Bewerber:innen aus Kirgistan jedoch oft schon in der Anfangsphase des Auswahlverfahrens wegen ihrer unzureichenden Sprachkenntnisse abgelehnt. Medizinisches Personal wird vor allem in den Golfstaaten und in Deutschland gesucht. Die Arbeitsbedingungen in den Golfstaaten sind gut: Neben einer Unterkunft wird auch ein Fahrdienst für den Arbeitsweg bereitgestellt. Die Gehälter für Pflegepersonal beginnen bei 2.000 US-Dollar pro Monat. Deutsche Arbeitgeber:innen bieten ähnliche Bedingungen, gute Deutschkenntnisse sind allerdings eine zwingende Voraussetzung. Pflegekräfte können hier mit Gehältern ab 2.000 Euro rechnen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Allgemeinen sind die Anforderungen an ausländische Arbeitnehmer:innen in Deutschland höher als in anderen Ländern. Auch für ungelernte Hilfstätigkeiten, die keine besonderen Qualifikationen erfordern, müssen Bewerber:innen beispielsweise mindestens über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Daneben werden körperliche Belastbarkeit und eine Bescheinigung verlangt, dass sie weder an HIV/AIDS erkrankt noch vorbestraft sind. Wer eine besser bezahlte Stelle anstrebt, muss über Sprachkenntnisse verfügen, die mindestens auf dem Niveau B1 oder B2 liegen. Darüber hinaus verlangen Arbeitgeber:innen einen Hochschulabschluss und Bewerber:innen müssen mehrstufige Bewerbungsverfahren mit Vorstellungsgesprächen durchlaufen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie viele Arbeitnehmer:innen vermitteln die Agenturen pro Jahr?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Nach Angaben des Informations- und Beratungszentrums gingen 2019 7.400 Menschen über private Arbeitsvermittler:innen auf Arbeitssuche. Im Pandemiejahr 2020 waren es dagegen nur insgesamt 239 Personen. Seit 2021 hat sich die Situation entspannt: 2022 sind in den ersten sieben Monaten des Jahres bereits mehr als 4.000 Arbeitnehmer:innen ins Ausland gegangen. Bis Ende des Jahres wird die Abwanderungsrate das Vorkrisenniveau übertreffen, erklärt Scherbolot Askarbek uulu, Leiter des kirgisischen Verbands der privaten Arbeitsvermittler:innen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das sind nur die offiziellen Statistiken. Die tatsächliche Zahl der im Ausland beschäftigten kirgisischen Staatsbürger:innen ist doppelt so hoch &#8211; etwa 12.000 bis 15.000 pro Jahr, schätzt Askarbek uulu. Einige Agenturen geben bewusst niedrigere Zahlen an, um Steuern zu sparen. In manchen Fällen bieten die privaten Arbeitsagenturen ihre Dienste auch kostenfrei an, beispielsweise für Verwandte oder Bekannte, so der Leiter der Vereinigung. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mehr-russische-paesse-weniger-arbeitsmigrantinnen-zentralasiatische-migration-nach-russland-im-jahr-2020/">Mehr russische Pässe, weniger ArbeitsmigrantInnen: Zentralasiatische Migration nach Russland im Jahr 2020</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber selbst diese Zahlen sind nicht vergleichbar mit dem Strom von Migranten nach Russland: 2021 reiste etwa eine Million kirgisischer Staatsbürger:innen dorthin aus, fast 90 Prozent von ihnen nannten &#8222;Arbeit&#8220; als Grund für ihren Aufenthalt. Auch die Expert:innen aus privaten Arbeitsvermittlungsagenturen betonen, dass Sprachkenntnisse einer der wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Ziellandes sind. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Sprache sollte man sprechen, um einen Job im Ausland zu finden?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Die Analyse der Stellenanzeigen und eine Umfrage bei Personalvermittlungsagenturen ergaben, dass Türkisch-, Russisch- und Englischkenntnisse auf dem Markt in etwa gleich stark gefragt sind: Türkisch wird in 24 Prozent aller Anzeigen erwähnt, Russisch in 23 Prozent und Englisch in 22 Prozent. Kenntnisse der Landessprache werden für Jobs in den Bereichen Dienstleistung und Verkauf oder bei der Bewerbung um qualifizierte Stellen benötigt. Ohne Sprachkenntnisse ist es in 18 Prozent der Fälle möglich, einen Arbeitsplatz vor allem in ungelernten Berufen wie Spülhilfe, Hausmeister:in, Reinigungskraft und Gärtner:in zu finden.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

In den übrigen 31 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen wurde mehr als eine Sprache angegeben: Englisch/Türkisch in acht Prozent der Fälle, Deutsch/Türkisch in zwei Prozent, Russisch/Türkisch in zwei Prozent und Russisch/Englisch in einem Prozent der Anzeigen.

<em>Diagramme zu den Statistiken findet ihr im Originalartikel</em><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Alina Kasmalijewa und Dilde Schatanowa für Kloop</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://kloop.kg/blog/2022/09/30/est-vakansiya-no-ne-dlya-vas-pochemu-kyrgyzstantsam-trudno-najti-rabotu-za-rubezhom/">Russischen</a> von Ramona Bleimhofer</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Wie Russland zentralasiatische Bürger für den Krieg in der Ukraine anwirbt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Oct 2022 08:53:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Armee]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Rekrutierung]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit der Teilmobilisierung in Russland haben sich viele zentralasiatische Migranten der russischen Armee angeschlossen. Entgegen den Empfehlungen der konsularischen Beh&#xF6;rden ihrer L&#xE4;nder ziehen sie in Russlands Krieg in der Ukraine. Am 21. September hat Russlands Pr&#xE4;sident Wladimir Putin die Mobilisierung von 300.000 Reservisten angek&#xFC;ndigt, die aus einem Pool von 25 Millionen potenziellen K&#xE4;mpfern einberufen werden. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit der Teilmobilisierung in Russland haben sich viele zentralasiatische Migranten der russischen Armee angeschlossen. Entgegen den Empfehlungen der konsularischen Behörden ihrer Länder ziehen sie in Russlands Krieg in der Ukraine.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 21. September hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Mobilisierung von <a href="https://www.reuters.com/world/europe/what-does-vladimir-putins-partial-mobilisation-mean-russias-military-machine-2022-09-21/">300.000 Reservisten</a> angekündigt, die aus einem Pool von 25 Millionen potenziellen Kämpfern einberufen werden. Einige davon sind Saisonarbeiter und prekär beschäftigte Migranten aus Zentralasien. 2013 wurde in Russland das föderale Gesetz „Über die Wehrpflicht und den Wehrdienst“ überarbeitet, sodass es jeden jungen Menschen, der die russische Staatsbürgerschaft erhält, zum Militärdienst verpflichtet – auch wenn er diesen bereits in seinem Herkunftsland geleistet hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das kirgisische Nachrichtenportal <a href="https://kaktus.media/doc/467512_v_rossii_trydovyh_migrantov_hotiat_otpravliat_na_voyny.html">Kaktus</a> berichtet, finden darüber hinaus seit dem 21. September Rekrutierungen zentralasiatischer Migranten im Migrationszentrum Sacharowo bei Moskau statt. Dies markiert einen Wendepunkt im Krieg, da die Regierung nicht einmal mehr ihren Wunsch verbirgt, <a href="http://duma.gov.ru/news/55276/">Ausländer zu rekrutieren</a>, um die Reihen der Armee zu erweitern. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Es liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele zentralasiatische Bürger für den Kampf in der Ukraine rekrutiert wurden. Laut <a href="https://rus.azattyq.org/a/russian-military-eyes-central-asian-recruits-amid-mobilization-drive/32047456.html">Radio Azattyq</a>, dem kasachstanischen Zweig von Radio Free Europe, stammt aber die überwiegende Mehrheit der zentralasiatischen Migranten aus drei Ländern: Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hohe Gehälter und russische Pässe als Köder</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Russische Rekrutierungskräfte wollen Migranten aus Zentralasien mobilisieren, indem sie ihnen ein höheres Gehalt und den Erwerb der Staatsbürgerschaft versprechen. In anderen Fällen werden von den Behörden Ausflüchte organisiert. <em>„Sie sagten uns, dass in </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cherson"><em>Cherson</em></a><em> viel gebaut wird und dass wir dorthin müssen. Und dass wir mit Gehältern von 220.000 Rubel (3.612 Euro) rechnen könnten“</em>, sagte ein Zeuge gegenüber <a href="https://eurasianet.org/central-asians-targeted-in-russias-desperate-mobilization-drive">Eurasianet</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Einige aus unserer Gruppe sind gegangen, aber es stellte sich heraus, dass sie mitgenommen wurden, um zu kämpfen.“</em> Die Verlockung von Gewinn und der Erwerb der Staatsbürgerschaft ist ein wirksames Instrument der Manipulation. Der Einsatz von Migranten und Flüchtlingen im Kriegsfall ist laut einem Artikel des amerikanischen Fachjournals <a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/europe/2022-02-22/when-migrants-become-weapons">Foreign Affairs</a> ein weit verbreitetes Phänomen. Deren Leben wird dabei für das Kriegsziel aufs Spiel gesetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/"><strong>Die Folgen der russischen Mobilmachung für Zentralasien </strong></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Menschenrechtsaktivistin Valentina Tschupik sprach in einem Interview mit dem zentralasiatischen Nachrichtenportal <a href="https://cabar.asia/ru/vyhodtsy-iz-stran-tsentralnoj-azii-uchastvuyut-v-vojne-v-ukraine">CABAR</a> über ihre Erfahrungen mit tadschikischen Migranten. Laut Tschupik  geben viele von ihnen an, zahlreiche anonyme Anrufe von Vertretern der Justiz erhalten zu haben, bei denen man ihnen anbot, sich der russischen Armee anzuschließen, und so innerhalb von drei Monaten die russische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Außerdem sagte einer der Befragten, dass einige seiner Freunde und Verwandten beschlossen hätten, in der Armee zu dienen, um mehr Geld zu verdienen und ihren Familien zu Hause zu helfen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch schon vor der Teilmobilisierung wurden Bürger zentralasiatischer Herkunft oder Nationalität rekrutiert. Tatsächlich enthüllt die Untersuchung von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hUqTsYIecPI">MediaHub</a>, dass bestimmte Plattformen, die von Usbekistan aus Arbeitsplätze im Sicherheitsbereich in Russland anboten, die Arbeiter direkt zu einer Militärbasis schickten, die von der privaten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_Wagner">Gruppe Wagner</a> kontrolliert wird. Diese russische Söldnergruppe wird in verschiedenen Kriegen weltweit eingesetzt und auch im Krieg in der Ukraine hat sich deren Beteiligung bewährt. Die <a href="https://nv.ua/ukr/ukraine/events/cherez-velichezni-vtrati-v-ukrajini-rf-verbuye-naymanciv-iz-centralnoji-aziji-novini-ukrajini-50263715.html?fs=e&amp;s=cl">ukrainischen Sicherheitsdienste</a> sprechen von <em>„zentralasiatischen Rekrutierungskampagnen für Söldner“</em>, die seit Kriegsbeginn organisiert werden. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Die Botschaften reagieren</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die Botschaften von Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan, <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">rufen ihre Bürger auf</a>, sich nicht in den Krieg in der Ukraine einzumischen. Sie berufen sich darauf, dass es sich dabei nach den Gesetzen des jeweiligen Landes um eine Straftat handelt.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Das Risiko eingezogen zu werden ist besonders hoch für junge Männer aus Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan, die die russische Staatsangehörigkeit erworben haben. Mit einer <a href="https://www.researchgate.net/publication/46473734_Long-Term_Population_Statistics_for_Russia_1867-2002">Diaspora</a> von 650.000 Kasach:innen, 1,9 Millionen Usbek:innen und 104.000 Kirgis:innen in Russland (Stand: 2002) könnte die Zwangsrekrutierung unter arbeitsfähigen Männern aus diesen Gruppen durchgeführt werden.

Für turkmenische, tadschikische und usbekische Staatsbürger kann die Beteiligung an einem ausländischen Konflikt zu einer Inhaftierung führen, wenn sie anschließend nach Hause zurückkehren. Besonders davon betroffen sind die <a href="https://www.rferl.org/a/tajikistan-russia-exodus-migration-brain-drain/31700293.html">1,2 Millionen tadschikischen Arbeitsmigranten</a> (Stand: 2021) in Russland.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Matthieu Petrov, Redakteur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/politique/comment-la-russie-recrute-des-citoyens-centrasiatiques-pour-la-guerre-en-ukraine/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong> </p>



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