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	<title>Arbeitslosigkeit Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Arbeitslosigkeit Archives</title>
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		<title>Leben in der Hauptstadt von Tadschikistan: Günstig für ‚Expats‘, teuer für Einheimische</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rshakibaie]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Dec 2020 08:22:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im internationalen Vergleich ist das Leben in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe sehr g&#xFC;nstig. Angesichts ihrer Lebenshaltungskosten gilt das jedoch nicht f&#xFC;r Einheimische. Von Jahr zu Jahr sinken lokale Einkommen, w&#xE4;hrend die Ausgaben stetig steigen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im internationalen Vergleich&nbsp;ist das Leben in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe sehr günstig. Angesichts ihrer Lebenshaltungskosten gilt das jedoch nicht für Einheimische. Von Jahr zu Jahr sinken lokale Einkommen, während die Ausgaben stetig steigen. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der folgende Artikel erschien am 25. November&nbsp;<a href="https://www.ozodi.org/a/zindagi-dar-dushanbe-garon-baroi-khudiho/30968122.html">im tadschikischen Original auf Radioi Ozodi</a>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Liste der ‚teuersten‘ Städte der Welt des britischen Magazins The Economist rangieren&nbsp;zwei zentralasiatische Städte weit unten:&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>. Die&nbsp;<a href="https://www.economist.com/graphic-detail/2020/11/18/where-are-the-worlds-most-expensive-cities">am 18. November veröffentlichte Studie</a>&nbsp;vergleicht weltweit 130 Städte unter dem Gesichtspunkt eines Warenkorbs von 138 Produkten und Dienstleistungen.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Vergleichen der Vorjahre wurde&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>&nbsp;dieses Jahr nicht in die Rangliste aufgenommen. Bei der Betrachtung alternativer Statistiken, die sich auf die Lebenshaltungskosten ausländischer ArbeitnehmerInnen (<a href="https://www.migazin.de/2019/03/29/ueber-hierarchische-worte-oder-afrikanische-migranten-und-europaeische-expats/">kontroverserweise auch ‚Expats‘ genannt</a>, Anm. d. Ü.) in verschiedenen Ländern konzentrieren, sind die Preise in Duschanbe wesentlich niedriger als in Almaty und Taschkent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa der Webseite&nbsp;<a href="https://www.expatistan.com/cost-of-living">Expatistan</a>&nbsp;zufolge sind die Lebenshaltungskosten in Duschanbe 28 Prozent niedriger als in Taschkent und 34 Prozent niedriger als in Almaty. Ähnliche Werte geben auch weitere Quellen an. Wie die Liste des Economist setzen sich diese Angaben aus dem Vergleich der Kosten eines Warenkorbs von Produkten und Dienstleistungen zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem solcher Vergleiche ist jedoch, dass sie auf ausländische ArbeitnehmerInnen zugeschnitten sind, deren Jahreseinkommen von über 10.000 US-Dollar jedoch nicht repräsentativ für die Lokalbevölkerungen sind. Für Einheimische selbst sind die Berichte über das angeblich so günstige Leben in der tadschikischen Hauptstadt darum überaus erstaunlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es braucht Glück und eine gute Arbeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Numon Saidow ist Journalist und unterrichtet seit mehreren Jahren an einer Duschanbiner Universität. Mit nur einem einzigen Gehalt könnte er lediglich einen Teil seiner laufenden Ausgaben decken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn Sie Glück haben und eine gute Arbeit bekommen, können Sie alle Ihre Lebenshaltungskosten decken. Wenn Sie aber in einer staatlichen Behörde arbeiten, wird der Kauf eines Hauses oder eines Autos immer ein Wunschdenken bleiben. Sie müssten zwei oder drei Anstellungen haben, um eine Immobilie kaufen zu können“</em>, berichtet Saidow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seiner Ansicht nach hat sich die Hauptstadt Duschanbe stark gewandelt, aber Probleme wie mit dem Verkehrswesen, dem Zugang zu heißem Wasser oder Stromausfälle seien nach wie vor nicht gelöst – von einer Verbesserung der Situation lasse sich nicht sprechen.&nbsp;<em>„Außerdem wird es immer schwieriger Arbeit zu finden, da sich der Privatsektor in einer tiefen Krise befindet“,&nbsp;</em>erklärt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-tadschikistan-seit-15-jahren-strom-spart-die-geschichte-der-landesweiten-stromausfaelle/">Wie Tadschikistan seit 15 Jahren Strom ‚spart‘ – die Geschichte der Landesweiten Stromausfälle</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit beträgt der monatliche Mindestlohn in Tadschikistan 400 Somoni (umgerechnet weniger als 40 US-Dollar), das Durchschnittsgehalt 1406 Somoni (etwa 125 US-Dollar). Eine durchschnittliche Rente im Land beträgt 303 Somoni (etwa 27 US-Dollar).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der&nbsp;Kaufpreis eines Hauses ist offiziellen Angaben zufolge seit Ausbruch des&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-ist-das-zentralasiatische-land-mit-den-meisten-corona-toten/">Coronavirus</a>&nbsp;auf 360 US-Dollar pro Quadratmeter gestiegen. Dieser Wert ist zwar niedriger als in anderen Hauptstädten der Region, aber angesichts des geringen Einkommens der lokalen Bevölkerung bleibt der Kauf eines Eigenheims für viele ein unerreichbarer Traum. Ausnahmen bilden diejenigen, die entweder ein Unternehmen besitzen oder für eine ausländische Organisation arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Vor- und Nachteile des Lebens in der Stadt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Firdaws beispielsweise arbeitet im Finanzsektor für eine in Duschanbe ansässige internationale Organisation. In zehn Jahren Arbeit hat er es geschafft, sowohl ein Haus als auch ein Auto zu kaufen – doch auch er gibt zu, dass seine Kaufkraft von Jahr zu Jahr abnimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für lokale Verhältnisse ist mein Gehalt sehr hoch und liegt bei etwas über 1000 US-Dollar. Gab ich früher noch 12 bis 15 Prozent für Lebensmittel aus, sind es inzwischen 40 Prozent meines Gehalts. Selbstverständlich werde ich jetzt andere Ausgaben begrenzen müssen“</em>, erzählt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/arbeitslosigkeit-armut-und-missbrauch-das-leben-der-frauen-in-den-entlegenen-gebieten-tadschikistans/">Arbeitslosigkeit, Armut und Missbrauch: Das Leben der Frauen in den entlegenen Gebieten Tadschikistans</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Firdaws betrachtet die Stabilität, die das Leben in Duschanbe bietet, als größten Vorteil &#8211; das niedrige Niveau der Zivilgesellschaft als größten Nachteil der Stadt.&nbsp;<em>„Einerseits verändert sich die Stadt zum Besseren, es entstehen Hochhäuser, Alphabetisierungszentren, neue und schöne Gebäude – andererseits gibt es in der Bevölkerung nur sehr wenig städtische Kultur. Vielleicht ist dies aber auch nur ein vorübergehender Prozess“</em>, sagt Firdaws.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziellen Angaben zufolge liegt die Urbanisierungsrate in Tadschikistan seit Mitte der neunziger Jahre bei 27 Prozent. Zum Vergleich: Im benachbarten Kirgisistan sind es 36 Prozent, in Usbekistan 36,6 Prozent, in Turkmenistan 50,8 Prozent und in Kasachstan 53,2 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wahlen-in-tadschikistan-emomali-rahmon-bleibt-praesident/">Wahl in Tadschikistan: Emomali Rahmon bleibt Präsident</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">ExpertInnen&nbsp;führen dies darauf zurück, dass das Leben in Tadschikistans Städten, einschließlich der Hauptstadt, schwieriger geworden sei. Unter anderem aufgrund der Arbeitslosigkeit und der Wohnungsnot sei das Leben in Duschanbe nicht sehr attraktiv. Die Menschen ziehen ihre Dörfer vor, wo sie Land besitzen und eine Zukunft für ihr Leben sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Wirtschaftsexperte&nbsp;Pairaw&nbsp;Tschorschanbijew&nbsp;erklärt, dass die Lebenshaltungskosten in Duschanbe zwar tatsächlich niedriger als in anderen Hauptstädten sind, dies allerdings auch ein Hinweis auf das Ausmaß der städtischen Armut sei.&nbsp;<em>„Der Markt entspricht immer der Kaufkraft der Menschen. Je höher die Kaufkraft der Menschen ist, desto höher ist das Preisniveau – und umgekehrt. Wenn wohlhabendere Länder hochwertige chinesische Produkte importieren, werden wir in Tadschikistan die billigeren Produkte importieren. Dies bedeutet, dass unsere Bevölkerung keine teuren Produkte kaufen kann“</em>, analysiert Tschorschanbijew.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Laut unserem Gesprächspartner kann auch die Zu- und Abwanderungsrate ein Indikator für den Lebensstandard eines Ortes sein. <em>„Alle, die dazu in der Lage waren, verließen die Stadt bereits“</em>, sagt Tschorschanbijew gegenüber Radioi Ozodi.&nbsp;<em>„Die verbliebenen Personen haben entweder keinen Landsitz, oder sind regierungsnah</em>.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach offiziellen Angaben wächst die Bevölkerung Tadschikistans jährlich um 2,1 Prozent. Jedes Jahr treten 180.000 bis 200.000 ArbeitnehmerInnen  in den Arbeitsmarkt ein. Schätzungen zufolge wandern jedes Jahr mehr als eine Million Menschen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit aus Tadschikistan nach Russland ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/russlands-reize-schwinden-fur-tadschikische-migranten/">„Russlands Reize schwinden für tadschikische Migranten“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Russische&nbsp;Behörden&nbsp;schätzen, dass es in Russland mehr als&nbsp;eine&nbsp;Million tadschikische MigrantInnen gibt. Tadschikische Statistiken widersprechen diesen Zahlen jedoch und sprechen von weniger als 500.000 Menschen. Laut den Behörden in Duschanbe sei die Migrationsrate nach Russland rückläufig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dem tadschikischen Präsidenten unterstehende&nbsp;Statistikausschuss gibt an, dass die städtische Bevölkerung Tadschikistans im Jahr 2000 26,7 Prozent und die ländliche Bevölkerung 73,3 Prozent betrug. Diese Werte hätten sich innerhalb von fast 20 Jahren kaum verändert. Im Jahr 2019 wurde der Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung auf 26,3 Prozent und der der auf dem Land lebenden auf 73,7 Prozent beziffert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Chursand Churramow für <a href="https://www.ozodi.org/a/zindagi-dar-dushanbe-garon-baroi-khudiho/30968122.html">Radioi Ozodi</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Tadschikischen von Robin Shakibaie</strong></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Eine Tour durch Ak-Talaa: Verbrechen, Tod und Sühne (5/6)</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-verbrechen-tod-und-suhne-56/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[esquilin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2017 11:32:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Alkoholismus]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nadine Boller, geb&#xFC;rtige Schweizerin, ist Dokumentarfilmerin mit einer Liebe f&#xFC;r Kirgistan. Ihr letzter Film &#x201E;Erkinai &#x2013; die Halbnomadin&#x201C; wurde auf Kika, dem deutschen Kinderkanal, gesendet. F&#xFC;r ihre neuesten Recherchen verbrachte sie mit ihrer kirgisischen Freundin Mahabat ein paar Tage in deren Heimatdorf Ak-Talaa, im Zentrum Kirgistans gelegen. In ihrer sechs-teiligen Serie gibt Nadine einen sehr [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Nadine Boller, gebürtige Schweizerin, ist Dokumentarfilmerin mit einer Liebe für Kirgistan. Ihr letzter Film <a href="http://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung98234.html">&#8222;Erkinai &#8211; die Halbnomadin</a>&#8220; wurde auf Kika, dem deutschen Kinderkanal, gesendet. Für ihre neuesten Recherchen verbrachte sie mit ihrer kirgisischen Freundin Mahabat ein paar Tage in deren Heimatdorf <a href="http://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung98234.html">Ak-Talaa,</a> im Zentrum Kirgistans gelegen. In ihrer sechs-teiligen Serie gibt Nadine einen sehr persönlichen Einblick in die Kultur und Geschichte des kleinen Dorfes und lässt uns hautnah dabei sein. Heute geht es um Verbrechen und wie Sühne funktioniert auf dem kirgisischen Land&#8230;<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Teil 1: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-teil-i-mairamgul-eje-ihre-familie-und-die-liebe-religion/">Mairamgül Eje, ihre Familie und die liebe Religion</a></strong><br />
<strong>Teil 2: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-maraimbek-gulzat-und-der-brautraub-26/">Maraimbek, Gülzat und der Brautraub</a><br />
</strong><strong>Teil 3: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-was-das-eurohaus-mit-korruption-zu-tun-hat-36/">Was das Eurohaus mit Korruption zu tun hat</a></strong><br />
<strong>Teil 4: <a href="https://wp.me/p7YpFQ-1Yb">Die Lebensrealität im Dorf</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Nachrichten erreichen uns, das der Sohn der ehemaligen Mathelehrerin von Mahabat eine alte Frau überfahren hat. Natürlich müssen wir sie besuchen gehen. Auf dem Weg zum Haus von Mahabats Mathelehrerin kommt uns ein älterer Herr mit Kalpak (traditioneller Filzhut für Männer, Anm. der Redaktion) entgegen. Er heißt Kenjebek. Begeistert hält er uns an und grüßt Mahabat als wäre sie auf Staatsbesuch. <em>„Schon lange möchte ich ein Buch über Sie und ihr Leben schreiben! Sie haben so viel erreicht und Ak-Talaa nie in Stich gelassen!“,</em> sagt er erfreut. Nach einem höflichen Gespräch, viel Händeschütteln und ein paar Fotos lässt er uns weiterziehen.</p>
<p><figure id="attachment_7602" aria-describedby="caption-attachment-7602" style="width: 4272px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-7602" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min.jpg" alt="Kenjebek" width="4272" height="2848" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min.jpg 4272w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Kenjebek-min-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 4272px) 100vw, 4272px" /><figcaption id="caption-attachment-7602" class="wp-caption-text">Kenjebek</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Beim Weggehen flüstert Mahabat mir zu: „<em>Dieser Typ saß acht Jahre im Gefängnis. Er hat in seinen jungen Jahren ein Mädchen vergewaltigt, erwürgt und danach begraben. Aber zu seinem Pech war sie nur bewusstlos und stieg wieder aus dem Grab heraus. Er wurde angezeigt und landete in einem sowjetischen Knast.</em>“ Ich weiß nicht, was mich mehr beunruhigt hat: seine Geschichte oder die Beiläufigkeit, mit der Mahabat sie erzählt hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ostalgie und Alkoholismus bei Gula Edsches Kiosk</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bevor wir bei Dschumagül Edsche aufkreuzen, müssen wir noch in einen der drei Dorfkiosks gehen, um ein kleines Geschenk zu kaufen. Es ist nämlich Teil der Tradition, einer trauernden Familie etwas mitzubringen. Vor dem Kiosk sitzen drei Herren aufgereiht auf einem Bänkchen, alle geschätzt zwischen fünfundvierzig und fünfundfünfzig Jahre alt. Es ist drei Uhr nachmittags und sie sind alle sichtbar betrunken. Als ich den Fotoapparat zum Knipsen hochhalte, winkt der in der Mitte mit beiden Armen hektisch verneinend hin und her und stört dabei das hart erarbeitete Gleichgewicht der anderen zwei.</p>
<p><figure id="attachment_7405" aria-describedby="caption-attachment-7405" style="width: 2958px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="wp-image-7405 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot.jpg" alt="Ein Kurzer Wodka geht immer" width="2958" height="1969" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot.jpg 2958w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot-1300x865.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Wodka-Shot-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 2958px) 100vw, 2958px" /><figcaption id="caption-attachment-7405" class="wp-caption-text">Ein kurzer Wodka geht immer</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify"><em>„Keine Fotos machen! Es ist beschämend, dicht zu sein!“</em> Dafür sitzen sie aber ziemlich zentral auf der Dorfschaubühne, denke ich nur. Mahabat nennt mir ihre Namen: Azamat, Kanybek und Maksat.<em> „Na? Habt ihr nichts zu tun?“</em>, lacht Mahabat. „<em>Naja, wir könnten die Felder bearbeiten, aber das machen unsere Söhne schon. Also bearbeiten wir lieber diese Flasche Arak“,</em> lallt Kanybek fröhlich. <em>„Und sonst gibt’s keine Arbeit?“</em>, hakt Mahabat nach. <em>„Nicht seit der Sowjetunion“,</em> murmelt Azamat.</p>
<p style="text-align: justify">In einem interessanten aber eher ineffizienten Gespräch mit den drei Rotnasen wird klar, dass eine gewisse Nostalgie der Sowjetzeiten gegenüber besteht. Alles war besser damals, sagen sie. „<em>Es gab genügend Arbeit für alle, wir hatten Geld, gute Straßen und einen Busfahrplan</em>“, schwärmt Azamat. <em>„Das Trostgeschenk der Sowjetunion ist der Wodka.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest mehr auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wodka-und-wirtschaftsunion/">Wodka und Wirtschaftsunion</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist nicht gelogen. Als wir in Gula Edsches Kiosk eintreten, fällt mir gleich auf, dass sechs verschiedene Wodkaflaschen auf dem Regal stehen, es aber nur eine Sorte Tee im Angebot gibt. Poppige Namen wie „OK“, „ZERO“ und „Kalaschnikow“ sind auf den Etiketten zu lesen. Aber was meine Augenbrauen noch viel mehr in die Höhe zieht, sind die Preise: Die billigste Flasche kostet 110 Som (ungefähr 1.50 Euro) und wer einen Shot to-go möchte, kann sich einen Deziliter für 22 Som (35 Cent) im Joghurtbecher-Format erwerben. Kein Wunder, dass die  Langeweile mit Alkohol totgeschlagen wird. „I<em>ch hätte gerne ein Päckchen Tee“</em>, entscheidet sich Mahabat. „<em>Das macht 80 Som“</em>, sagt Gula Edsche.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Dschumagül Edsche und das geschlachtete Pferd</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als wir bei Dschumagül Edsche in den Hof hineinlaufen, muss die alte Frau erst mal ganz nahe an uns herantreten und die Augen zukneifen, bevor sie ausruft: „<em>Ach! Du bist Mahabat! So lieb von dir, dass du gekommen bist!“</em> Beim Tschai mit unserem geschenkten Tee erzählt uns Dschumagül Edsche, wie ihr Sohn den Unfall verursacht hat.</p>
<p><figure id="attachment_7593" aria-describedby="caption-attachment-7593" style="width: 3088px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-7593" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min.jpg" alt="Mahabat und Jumagül Eje" width="3088" height="2056" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min.jpg 3088w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/Mahabat-und-Jumagül-Eje-min-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 3088px) 100vw, 3088px" /><figcaption id="caption-attachment-7593" class="wp-caption-text">Mahabat und Jumagül Eje</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Dschumagül Edsches Familie ist sofort nach dem Unfall zur Opferfamilie gereist und hat auch gleich als erste Entschuldigung eine Kuh mitgebracht. Nach einer Absprache hat die Opferfamilie entschieden, 300.000 kirgisische Som (etwa 4.200 Euro) als Entschädigung zu verlangen, was für Dorfbewohner ohne Einkommen eine unvorstellbar hohe Summe ist. Dschumagül Edsches Verwandte – nah und sehr fern – müssen also alle zusammen das Geld auftreiben, ansonsten werden sie vor das Gericht zitiert, was eine noch kostspieligere Angelegenheit wäre.</p>
<p><strong>Lest mehr von Nadine auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-mehr-als-ein-filmkapitel/">Kirgistan &#8211; mehr als ein Filmkapitel</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nur ein Teil des Geldes wird bar bezahlt. Mit dem Rest werden die Lebensmittel für die Trauerfeier besorgt, drei Pferde gekauft und geschlachtet. „<em>Das eine Pferd haben wir schon getötet und sind gerade dabei, das Fleisch zu kochen. Wir bringen das ganze Tier in Kartonschachteln heute noch zur Opferfamilie.</em>“ Traditionellerweise wird in Kirgistan am vierzigsten und am einjährigen Todestag nochmals eine Trauerfeier veranstaltet. Für beide Anlässe muss auch Dschumagül Edsches Familie die Kosten übernehmen.</p>
<p><figure id="attachment_7592" aria-describedby="caption-attachment-7592" style="width: 2954px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-7592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd.jpg" alt="Das Pferd ist schon geschlachtet" width="2954" height="1966" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd.jpg 2954w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd-1300x865.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/02/geschlachtetes-Pferd-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 2954px) 100vw, 2954px" /><figcaption id="caption-attachment-7592" class="wp-caption-text">Das Pferd ist schon geschlachtet</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Viel erfreulicher waren die Gespräche mit Dschumagül Edsche über die alten Zeiten, in denen Mahabat noch zu ihr in den Unterricht gegangen ist. „<em>Was ist eigentlich aus Meerkül geworden? Von ihr habe ich gar nichts mehr gehört“</em>, fragt Mahabat. „<em>Ach, die wurde gleich nach der Schule entführt. Nun lebt sie als Nomadin auf der Söök Hochebene dreißig Kilometer außerhalb von Ak-Talaa.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Wie geht es weiter Meerkül, Mahabats Schulfreundin, die jetzt als Nomadin lebt? Hier geht&#8217;s weiter: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-merkuul-und-das-erzwungene-nomadentum-66/">Merküül und das erzwungene Nomadentum.</a><br />
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<p style="text-align: right"><strong>Nadine Boller</strong><br />
<strong>Gastautorin und Dokumentarfilmerin, aktuell mit dem Film <a href="http://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung98234.html">„Erkinai – Die Halbnomadin“</a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-tour-durch-ak-talaa-verbrechen-tod-und-suhne-56/">Eine Tour durch Ak-Talaa: Verbrechen, Tod und Sühne (5/6)</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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