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	<title>Altai Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Altai Archives</title>
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		<title>Altaische Kasachen: Das verlorene Volk in Sibirien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kunduzzh]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Nov 2017 14:23:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Altai]]></category>
		<category><![CDATA[Aussiedler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die sibirische Republik Altai zeichnet eine besondere Vielfalt aus: Hier gibt es hohe Berge, sanft daher pl&#xE4;tschernde Fl&#xFC;sse und glitzernde Seen. Eine Reise durch die russische Region f&#xFC;hrt durch verschiedene Klimazonen &#x2013; und auch Kulturen. Im Interview erz&#xE4;hlt eine Angeh&#xF6;rige der kasachischen Minderheit dort &#xFC;ber ihr Leben als Aussiedlerin. Kosch-Agatsch befindet sich ganz im S&#xFC;den [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die sibirische Republik Altai zeichnet eine besondere Vielfalt aus: Hier gibt es hohe Berge, sanft daher plätschernde Flüsse und glitzernde Seen. Eine Reise durch die russische Region führt durch verschiedene Klimazonen – und auch Kulturen. Im Interview erzählt eine Angehörige der kasachischen Minderheit dort über ihr Leben als Aussiedlerin.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosch-Agatsch">Kosch-Agatsch</a> befindet sich ganz im Süden des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Altai">Altai </a>und grenzt an die Mongolei, Kasachstan und China. Während in anderen Teilen der Republik hohe Laub- und Nadelbäume das Landschafsbild prägen, beginnt hier die Steppe. Kein einziger Baum wächst hier, die Umgebung erinnert an eine Küste, nur ohne Meer. Wie lebt es sich unter so ungewöhnlichen landschaftlichen und klimatischen Bedingungen?</p>
<p style="text-align: justify">In der Region leben hauptsächlich Kasachen, verteilt auf die Gemeinden Kosch-Agatsch, Tobeler, Schana-Aul und Zhasator. Doch wie kamen sie dorthin und aus welchem Grund sind sie geblieben?</p>
<p style="text-align: justify">Antworten liefert das „Museum der altaischen Kasachen“ im Dorf Schana-Aul. Es zeigt die Besonderheiten der Kultur und Traditionen dieser Volksminderheit –Besucher des Museums können etwa eine kasachische Jurte betreten und nationale Trachten bestaunen.</p>
<figure id="attachment_11346" aria-describedby="caption-attachment-11346" style="width: 1680px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-11346" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen.jpg" alt="Museum Schana-Aul" width="1680" height="1120" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen.jpg 1680w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/03_KunduzKasachen-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><figcaption id="caption-attachment-11346" class="wp-caption-text">Im Inneren des Regionalmuseums von Schana-Aul</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Um mehr über das Alltagsleben dieses Volkes zu erfahren, sprach unsere Autorin mit einer Mitarbeiterin des Museums. Sie ist selbst Kasachin, hat drei Kinder und arbeitet als Ausstellungsführerin dort.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie kam es dazu, dass sich so viele Kasachen in Kosch-Agatsch ansiedelten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das geschah in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Kasachen, wie auch andere <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkv%C3%B6lker">Turkvölker</a>, lebten als Nomaden. Die Hauptbeschäftigung dieses Volkes war die Viehzucht. Doch die Gebiete in Ostkasachstan waren kaum geeignet, um das Vieh zu weiden. Daher wollten die Nomaden aus Ostkasachstan umsiedeln.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-altai-ursprung-der-kirgisischen-kultur/">Der Altai – Ursprung der kirgisischen Kultur?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Und so baten einige kasachische Großfamilien die Oberhäupter altaischer Familien, die im Süden der heutigen Republik Altai lebten, um Land. Die altaischen Familien gaben etwas von ihrem Land an die Kasachen ab, sodass diese ihr Vieh weiden und selbst dort leben konnten. Seit dieser Zeit sind unsere Vorfahren hier und werden die „Kasachen der Tschuja-Steppe&#8220; genannt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt versucht, nach Kasachstan zurückzuziehen? </strong></p>
<p style="text-align: justify">In den 1990er Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, gab es eine große Welle an Umsiedlungen altaischer Kasachen nach Kasachstan. Als ich ein Kind war, hat meine Familie auch zwei Jahre dort gelebt, ist dann aber wieder zurück in die Heimat Altai gekommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was war der Grund dafür? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Altai ist unsere Heimat, hier fühlen wir uns zu Hause, diese Region ist uns näher als Kasachstan.</p>
<figure id="attachment_11348" aria-describedby="caption-attachment-11348" style="width: 1680px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11348" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen.jpg" alt="Interviewsituation Museum Schana-Aul" width="1680" height="2190" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen.jpg 1680w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen-230x300.jpg 230w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen-768x1001.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen-786x1024.jpg 786w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/02_KunduzKasachen-1300x1695.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /><figcaption id="caption-attachment-11348" class="wp-caption-text">Unsere Autorin im Gespräch mit einer Museumsangestellten</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Und wie war die Beziehung der Kasachen in Kasachstan zu Ihnen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sie bezeichneten uns als Altaier. Und die Kasachen aus der Mongolei nannten sie Mongolen. Es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen uns.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Unterschiede sind das?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Man kann sagen, dass die Kasachen in Kasachstan schon russifiziert wurden – also in mancher Hinsicht zu Russen geworden sind. Das heißt, dass sie den Traditionen und Bräuchen unserer Vorfahren nicht mehr so folgen wie wir im Altai es noch tun. Wir bereiten auch jetzt noch traditionelle Speisen zu: bei uns steht immer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baursaki">Baursaki</a> (Fettgebäck, Anm. d. Autorin) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschk">Kurt</a> (getrockneter, säuerlicher Käse, ebd.) auf dem Esstisch.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Womit beschäftigt sich Ihr Volk heutzutage?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Hier im Dorf Schana-Aul gibt es 800 Familien und 70 bis 80 von ihnen gehen im Sommer in die Berge, um das Vieh zu weiden. Die anderen arbeiten in der Dorfverwaltung, in der Schule, im Kindergarten. Aber die Arbeitslosigkeit ist hoch.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Probleme gibt es noch in der Region?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist so, dass unser Trinkwasser mit dem Auto geholt wird, weil wir keine Brunnen haben. Wir haben uns schon daran gewöhnt. Wegen der Trockenheit wächst hier nichts und deshalb werden die meisten Lebensmittel außer Fleisch und Milchprodukte gekauft.</p>
<figure id="attachment_11349" aria-describedby="caption-attachment-11349" style="width: 1620px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11349" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия.jpg" alt="Kosch-Agatsch Dorf Landschaft" width="1620" height="1080" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия.jpg 1620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/IMG_1546-Копировать-копия-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1620px) 100vw, 1620px" /><figcaption id="caption-attachment-11349" class="wp-caption-text">Die Region um Kosch-Agatsch ist landschaftlich beeindruckend, aber nicht gerade fruchtbar</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Was macht man, um die eigene Sprache zu bewahren?</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Schule wird zweimal in der Woche Kasachisch unterrichtet. So wird diese Sprache nicht vergessen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie leben hier schon lange mit ihren Nachbarn, den Altaiern. Welche Beziehung haben Sie zu ihnen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Natürlich haben wir sehr enge Kontakte mit Altaiern. Unsere Söhne und Töchter heiraten Altaier und auch Russen. Das ist ganz normal.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was die jüngere Generation betrifft, gibt es viele Jugendliche im Bezirk Kosch-Agatsch?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ehrlich gesagt leben viele junge Leute aus der Region in anderen Städten wie Gorno-Altaisk, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nowosibirsk">Nowosibirsk</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tomsk">Tomsk</a>. Sie arbeiten oder studieren dort. Sehr wenige kommen wieder zurück, um hier zu arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Und Sie, würden Sie mit Ihrer Familie in eine andere Stadt umziehen, um ein besseres Leben zu haben?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nein, ganz sicher nicht. Das ist meine Heimat und alles gefällt mir hier, obwohl das Leben schwer ist. Ich habe mich daran gewöhnt und will nicht umziehen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Kunduz Zhyrgalbekova</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Autorin für Novastan</strong></p>
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		<title>Der Altai – Ursprung der kirgisischen Kultur?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julius Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Aug 2017 17:17:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Altai]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Herkunft]]></category>
		<category><![CDATA[Jenissei]]></category>
		<category><![CDATA[Khan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ursprung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anl&#xE4;sslich des internationalen Forums f&#xFC;r &#x201C;Altaische Zivilisation und V&#xF6;lker der altaischen Sprachfamilie&#x201C; am 20. bis 22. Juli 2017, sprach gezitter.org mit Baktikan Torogeldieva, Doktorin der Politikwissenschaften und Professorin an der kirgisischen pr&#xE4;sidentiellen Akademie f&#xFC;r Staatsverwaltung. Das Altai Gebirge, heute im Grenzgebiet zwischen Russland, Kasachstan, China und der Mongolei, gilt als Ursprungsgebiet der kirgisischen Zivilisation. Die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Anlässlich des internationalen Forums für “Altaische Zivilisation und Völker der altaischen Sprachfamilie“ am 20. bis 22. Juli 2017, sprach <a href="http://www.gezitter.org/interviews/61452_altayskaya_tsivilizatsiya_-_nachalo_kyirgyizskoy_kulturyi/">gezitter.org</a> mit Baktikan Torogeldieva, Doktorin der Politikwissenschaften und Professorin an der <a href="http://www.amp.kg/">kirgisischen präsidentiellen Akademie für Staatsverwaltung</a>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altai">Altai Gebirge</a>, heute im Grenzgebiet zwischen Russland, Kasachstan, China und der Mongolei, gilt als Ursprungsgebiet der kirgisischen Zivilisation. Die ersten historischen Quellen, in denen von &#8222;Kirgisen&#8220; die Rede ist, stammen aus China und verorten dieses Nomadenvolk im Gebiet des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jenissei">Jenissei-Flusses</a>, wobei nicht geklärt ist, ob es eine Verbindung zwischen diesen Kirgisen und den neuzeitigen Kirgisen gibt (1). Das Forum für Altaische Zivilisationen fand auf Initiative des kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew am Issikkölsee statt und versammelte Vertretungen von über 20 Völkern aus 12 verschiedenen Ländern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>gezitter.org: Welche Quellen werden von Wissenschaftlern herangezogen, um die Zivilisation des Altai zu studieren? Sucht man den wahren Ursprung der kirgisischen Mentalität im Altai?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Baktikan Torogeldieva: Angesichts der Globalisierung, durch die sich Ethnien wie nie zuvor vermischen und die internationale Zusammenarbeit einerseits immer enger wird, andererseits auch Konflikte auf internationaler Ebene stärker auftreten, ist es sehr wichtig die Entstehung unserer Kultur zu erforschen. Unsere historischen und kulturellen Wurzeln stehen in engem Zusammenhang mit der Zivilisation des Altai. Viele historische, ethnographische, archäologische, philologische, philosophische und Kultur-Studien sagen, dass dort die Herkunft unserer Weltanschauung liegt.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Der kasachische Philosoph. Sejdachmet Kuttikadam vertritt folgende Hypothese: Materieller und geistiger Reichtum bilden das Grundgerüst der gesellschaftlichen Ordnung im Altai-Tal. Natürlich hatte diese Kombination einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung eines ethnischen Bewusstseins und die Kultur der Kirgisen; genauso wie die Verbindung zwischen dem Kirgisischen Kaganat mit dem Volk des Altai in der Zeit der Besiedlung des Jenissei durch Kirgisen im 8. Jahrhundert.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Spuren der mittelalterlichen Traditionen sind der Nachwelt in Form von Petroglyphen und Gedenksteinen erhalten geblieben. Der russische Wissenschaftler D.V. Tscheremjesni erforschte im Altai turkische Petroglyphen, die militärische Themen behandelten. Er fand heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen der kriegerischen Ideologie der Nomaden und deren Traditionen gibt. Auch andere Wissenschaftler sagen, es habe durch die Epochen ein gemeinsames Bewusstsein für Epen gegeben. Im Weltbild der Kirgisen spielten sagenumwobene Helden eine zentrale Rolle. </em></p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/phanomen-manastschi/">Phänomen Manastschi</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>In den bekannten Versionen des <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-manas-epos-eine-enzyklopdie-kirgisischer-geschichten-und-sitten/">Manas-Epos</a> heißt es, dass die Heimat des Helden Manas im Altai-Gebirge liegt, er aber als er Erwachsen war mit seinem Gefolge ins <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirgisisches_Gebirge">Ala-Too-Gebirge</a> (</em>im Norden des heutigen Kirgistans, Anm. d. Red.<em>) zog. Deshalb ist für die Kirgisen die Bedeutung der Heimat des Helden Manas mit der der Heimat der Vorfahren untrennbar miteinander verknüpft.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Bei der Bildung einer Ethnie und ihrer ethnischen Kultur ist die Frage nach der regionalen Zugehörigkeit ein essentieller Faktor. Eine große Rolle spielen nicht nur die landschaftlichen Charakteristika der Region, sondern auch die klimatischen Bedingungen. Menschen aus bergigen Regionen haben über die Zeit Eigenschaften entwickelt, die ihnen in der rauen Umgebung das Überleben sichern. Die Umweltbedingungen, die am Jenissei und im Altai herrschen, haben die Kirgisen in ihrem Selbst- und Weltbild geprägt. Eine besondere Eigenheit der Kirgisen ist, dass sie stets eine innere Ruhe bewahren. Das macht sie empfänglich für Zusammenschlüsse mit anderen Kulturen.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie hat die Religion die Weltanschauung der Nomaden beeinflusst?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Religiosität und ideologische Faktoren bildeten die Grundlage des öffentlichen Lebens der Nomaden. Diese Faktoren gaben dem offiziellen Gefüge und dem Handeln der Elite eine Legitimierung. Die nomadische Elite war ein Spiegelbild der politischen Kultur dieser Zeit. Durch den Einfluss der Religion auf die politische Kultur erhielt die nomadische Gesellschaft ein verbindliches Verhaltens- und Wertesystem.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Das Kirgisische Kaganat (</em>Bezeichnung für die Kontrolle des gebiets des früheren uigurischen Kaganats durch die Jenissei-Kirgisen zwischen dem 9. und dem 10. JH, Anm. d. Red (1)<em>) und seine religiöse Elite umfassten einen Großkhan, der wie ein Heiliger verehrt wurde, den Clan, sein Gefolge, Missionare und Schamanen. </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Sie nahmen alle an Ereignissen staatlichen Ausmaßes teil, bei denen man den Großkhan auf einen weißen Filzteppich Platz nehmen ließ und ihm Opfergaben brachte. Im täglichen Leben der Nomaden waren Clanführer und Familienoberhäupter die Würdenträger der verschiedenen Traditionen und Bräuche, die in den Lebenszyklus der Nomaden eingebunden waren. Allerdings blieben ihre Aktivitäten im Rahmen kleinerer Gruppen und der Verwandtschaft. </em><em> </em></p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/vom-mythos-seidenstrasse/">Vom Mythos Seidenstraße</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Zu Beginn des Mittelalters stand der religiöse Faktor des öffentlichen politischen Systems der Nomaden in Zentralasien im engen Zusammenhang mit der Ideologie des Staates. Sie gingen im Tenir-Ata-Kult </em>(entsprechend dem Himmelskult im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tengrismus">Tengrismus</a>, Anm. d. Red.)<em> und anderen gesellschaftlichen Ideen auf. Zusammen mit ihnen entstand, wie die aktuelle Forschung jüngst herausfand, ein schamanisches Gebilde, aus dessen Basis sich das Weltbild der turksprachigen Nomaden der altaischen Zivilisation begründete.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie sagen, dass in Zeremonien etwas Schamanisches spürbar ist. Gab es noch andere solche Bräuche, außer den Opferzeremonien für den Großkhan?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>In diesen Ritualen haben die Schamanen zuerst den Tag bestimmt, der am geeignetsten schien um den Eid an den Großkhan abzulegen. In einem zweiten Schritt legten alle Teilnehmer ihre Hüte und Gürtel ab. Dann baten sie einen Mann, der vorgab der Herrscher zu sein, den Thron zu besteigen. Der wiederum tat so, als würde er den Thron seines Verwandten besteigen wollen, der älter als er selbst ist. Ob des “Zerwürfnisses“, “bat“ das Volk den Großkhan seinen Platz einzunehmen. Damit schwuren alle Teilnehmer dem Großkhan die Treue. Sie hoben daraufhin den Großkhan in seinem Thron empor und setzten ihn auf dem weißen Filzteppich wieder ab. Nun beteten sie zum Himmel, der Großkhan möge aus vollem Herzen dem Volk dienen. Er verbeugt sich neun Mal. Zum Abschluss beteten alle drei Mal die Sonne an. </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Wie hinlänglich bekannt ist, verehrten die Kirgisen auch das Feuer als reinigende Kraft. In diesem Aspekt sind wir anderen Turkvölkern und mongolischen Stämmen in Zentralasien ähnlich.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was ist die Besonderheit der kirgisischen Weltanschauung?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Es gibt ein Merkmal, das die Kultur der Kirgisen besonders macht: Die Weltanschauung der Kirgisen verhält sich zyklisch, wiederholt sich also. Ein Zyklus ist ein Kreis und so spielt dann für die Nomaden das Runde eine wichtige Rolle: Die Erde ist rund, die Sonne und der Mond sind rund, die Jurten sind rund, der Himmel ist ein Halbkreis. Ein Zyklus geht über 60 Jahre. Die Nomaden haben ein zwölfjähriges kalendarisches System und auch die religiösen Traditionen folgen diesem Zyklus. Mit der Geburt eines Kindes fängt ein neuer Lebenszyklus an. Es gibt dann eine Übergangsphase zum zweiten Zyklus. Alle zwölf Jahre kommt ein nächster zwölfjähriger Zyklus, der von verschiedenen Ritualen begleitet wird. </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Heute wird die Erforschung der spirituellen Kultur der Kirgisien im frühen Mittelalter, durch die Analyse der Kunstwerke der Nomaden und ihrer Petroglyphen vorangetrieben.</em></p>
<p style="text-align: right"><a href="http://www.gezitter.org/interviews/61452_altayskaya_tsivilizatsiya_-_nachalo_kyirgyizskoy_kulturyi/"><strong>Zharkinai Ergjeschbaeva</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Julius Bauer</strong></p>
<p style="text-align: left">(1) Siehe: <em>Zentralasien</em> von Jürgen Paul (2012) &#8211; Neue Fischer Weltgeschichte, Band 10</p>
<p dir="ltr" style="text-align: justify">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>.</p>
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