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	<title>Almaty Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 May 2026 21:25:15 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Almaty Archives</title>
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		<title>„Sich Feministin zu nennen, ist schon Protest“ – Frauen-Punkbands in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 21:25:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Punkrock]]></category>
		<category><![CDATA[Underground]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Underground-Szene von Almaty umfasst Dutzende Bands, die in verschiedenen Genres spielen. Anl&#xE4;sslich des Weltfrauentages am 8. M&#xE4;rz sprach &#x201E;The Village&#x201C; mit &#x201E;Krasnyetschulki&#x201C; (Rotestr&#xFC;mpfe&#x201C;) und &#x201E;Jane Doe&#x201C; &#x2013; zwei reinen Frauenbands, die Punk und Riot Grrrl spielen. Die Musiker:innen sprachen &#xFC;ber ihre Musik, Geschlechterstereotypen in der Musik und den 8.M&#xE4;rz. Yulia, S&#xE4;ngerin und Gitarristin von [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Underground-Szene von Almaty umfasst Dutzende Bands, die in verschiedenen Genres spielen. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März sprach „The Village“ mit „Krasnyetschulki“ (Rotestrümpfe“) und „Jane Doe“ – zwei reinen Frauenbands, die Punk und Riot Grrrl spielen. Die Musiker:innen sprachen über ihre Musik, Geschlechterstereotypen in der Musik und den 8.März.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Yulia, Sängerin und Gitarristin von „Krasnyetschulki“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich war Riot Grrrl (ein Genre der feministischen Punkmusik – Anm. The Village) anfangs ein Weg, die Bühne zu betreten, und – bis zu einem gewissen Grad – ein Akt der Provokation. Sich selbst als Feministin zu bezeichnen, ist an sich schon eine Form des Protests. Vor vier Jahren, als die Band gegründet wurde, fühlte sich dies noch weitaus akuter an als heute – vor den aufsehenerregenden, tragischen Ereignissen wie etwa dem Fall Saltanat (gemeint ist der Fall von Saltanat Nukenova, die 2023 von ihrem Mann, dem ehemaligen Wirtschaftsminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quandyq_Bischimbajew">Qandyq Bişimbaev</a> brutal ermordet wurde, Anm. d. Ü.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist zudem eine recht einfache Möglichkeit, in die Musik einzusteigen – selbst dann, wenn man kein Instrument perfekt beherrscht. Dieses Genre ist frei von starren Zwängen – einschließlich der Anforderung an eine Beherrschung auf professionellem Niveau. Die wichtigsten Elemente sind Energie und Drive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war ein Teenager mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich hatte eigene Komplexe und reichlich Groll gegen die Welt um mich herum. Ich wollte gehört werden – und ich fand einen Weg, dies durch eine Punkband zu erreichen. Es war schwer vorherzusagen, wie die Leute auf unser Manifest reagieren würden. Im Großen und Ganzen wurden wir herzlich aufgenommen; wenngleich es gelegentlich Momente des Missverständnisses und des Spotts gab, handelte es sich dabei doch um Einzelfälle, die sich hinter unserem Rücken abspielten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In vier Jahren hat mir nicht ein einziger Mensch je etwas Negatives über unsere Band ins Gesicht gesagt. Über ein Mädchen zu singen, das ein anderes Mädchen liebt, <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-verbietet-lgbt-propaganda/">ist heute illegal</a> – und das zeigt, wie leicht grundlegende Menschenrechte verloren gehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir schaffen vielfältige Musik und vermitteln eine Bandbreite an Themen. Musik spiegelt die Realität wider, und die Realität formt die Musik. Natürlich sind Politik und Musik miteinander verflochten; doch manchmal möchte man durch die Musik schlichtweg dem Trubel entfliehen, anstatt in ihn einzutauchen – und auch das ist vollkommen normal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grenze zwischen Musik und Aktivismus verläuft dort, wo ein Risiko besteht. Dies bedeutet nicht zwangsläufig Geld- oder Haftstrafen; das Risiko kann auch gesellschaftlicher Natur sein. So etwa bei einer jungen Frau, die davon singt, eine andere Frau zu lieben – etwas, das heute zwar illegal sein mag, in der Vergangenheit jedoch vor allem gesellschaftliche Konsequenzen nach sich zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/feministische-medien-in-kasachstan-was-veraendern-sie/">Feministische Medien in Kasachstan: Was verändern sie?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt übrigens eindrucksvoll, wie leicht fundamentale Menschenrechte verloren gehen können. Apropos: Im Jahr 2023 organisierten Pyosa und ich ein Konzert, dessen Erlös wir an SVET spendeten – eine Stiftung, die sich der Bekämpfung von Gewalt widmet. Wir nahmen dabei 250.000 Tenge (458 Euro) ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist ein Tag des Gedenkens und der Dankbarkeit gegenüber all jenen Frauen, die für das kämpfen mussten, was uns heute als Selbstverständlichkeit erscheint – Bildung, das Recht auf Arbeit und alle verfassungsmäßigen Freiheiten. Er ist eine jährliche Mahnung daran, dass dies nicht immer so war und dass der Verlust dieser Rechte leichter geschieht, als es scheint – wie es beispielsweise im Iran der Fall war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blumen schmälern die Verdienste unserer Großmütter keineswegs – ganz im Gegenteil sogar: Sie schaffen eine festliche Atmosphäre um sie herum. Schließlich ist dies keineswegs ein Trauertag. In zehn Jahren möchte ich am 8. März Kundgebungen und Umzüge sehen, für die keine <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstan-kampf-um-feministischen-marsch-am-8-maerz/">Genehmigungen erforderlich sind</a>. Und ich möchte Feierlichkeiten erleben – erfüllt von Blumen, Liebe und Dankbarkeit gegenüber all jenen, die für unsere Gegenwart gekämpft haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pyosa, Schlagzeugerin von „Krasnyetschulki“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Band wurde im Jahr 2022 geboren. Damals wurden wir von der Wut über die Ungerechtigkeit der Welt angetrieben – einem Gefühl, das man gerade dann am schärfsten empfindet, wenn man seine rosarote Brille ablegt: der Protest der Jugend. Viele meiner Songs ruhten auf zwei Säulen, die unserem Projekt dazu verhalfen, sich zu etwas Größerem zu entwickeln. Und natürlich die Inspiration – jene Quelle, aus der neue Songs, Skizzen, Ideen und Gedanken entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Aufgabe von großer Verantwortung, denn anfangs fiel es schwer, sich nicht dem Einfluss jener zu beugen, die die Haltung vermittelten, es handele sich hierbei lediglich um ein „bloßes Herumalbern von Mädchen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aktivistinnen-in-kasachstan-bei-uns-ist-es-schlimmer-eine-feministin-zu-sein-als-ein-dieb-oder-ein-gewalttaeter/">Aktivist:innen in Kasachstan: „Bei uns ist es schlimmer eine Feministin zu sein, als ein Dieb oder ein Gewalttäter“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem mussten wir den Erwartungen der Gemeinschaft gerecht werden – schließlich war die Gruppe ursprünglich auf der Grundlage eines spezifischen Konzepts gegründet worden und nicht bloß als musikalisches Projekt, das nur so lange Bestand haben sollte, bis wir das Erwachsenenalter erreichten. Künstlerinnen mit einem selbstbewussten Stil werden abgewertet und beschuldigt, unfeminin, unattraktiv oder grob zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für jene, die Musik in „Mädchen-Musik“ und „ernsthafte Musik“ unterteilen, wird genau jenes geschlechtsspezifische Ungleichgewicht innerhalb der Musikindustrie als Beleg dafür wahrgenommen, dass Frauen weder zu Professionalität noch zur Schaffung ernsthafter Musik fähig seien. Treten jedoch Künstlerinnen mit einem selbstbewussteren Stil in Erscheinung, werden sie umgehend abgewertet – man wirft ihnen vor, nicht feminin und stattdessen unattraktiv oder grob zu sein; und für viele Menschen in der heutigen Welt kann dies zu einem echten Problem werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/so-ueber-lebt-der-underground-in-almaty/">So (über-)lebt der Underground in Almaty</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen Zuhörer, der Niedlichkeit erwartet, wird es zur Katastrophe, wenn die Vortragende nicht hinreichend charmant ist. Wer Provokation erwartet, wird enttäuscht sein, ruhige Worte zu hören. Und diejenigen, die Professionalität suchen, legen oft eine ungerechtfertigt hohe Messlatte an – allein aufgrund des Geschlechts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist jedes kreative Unterfangen und jede Kunstform eine Sublimierung oder Katharsis empfundener Emotionen; daher ist jede Kunst – in dem einen oder anderen Maße – eine Form des Aktivismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist ein Tag, an dem jede Frau – und sei es auch nur für ein paar Stunden – innere Freiheit erlangen kann: sich losreißen aus dem endlosen Abgrund von Erwartungen, Verpflichtungen und vorgeschriebenen Rollen, um sich wahrhaft authentisch und frei zu fühlen. Es ist ein Tag, an dem die modernen Erben der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten">Suffragetten</a> ihre Stimmen erheben – nicht durch Brandstiftungen und Molotowcocktails, sondern durch Manifeste, Kundgebungen und Reden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lina, Gitarristin und Back-Sängerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Sängerin Ksenia hat sich den Band-Namen ausgedacht. In Amerika werden unbekannte Frauen als „Jane Doe“ bezeichnet. Wir hatten das Gefühl, dass dieser Name die Botschaft, die wir der Gesellschaft vermitteln möchten, treffend widerspiegelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schädel in unserem Logo ist ein Verweis auf diesen Begriff – den einer unbekannten verstorbenen Frau. Unter diesem Namen treten wir auf, und genau davon handeln größtenteils unsere Lieder. Oder wir schreiben Songs über „True Crime“, wie etwa „Lavanda Doe“ oder „Jane Doe 121 El Dorado“. Zudem erzählen wir die Geschichten von Frauen, die Opfer gewaltsamer, tödlicher Verbrechen wurden. Selbst wenn ihre Identität bekannt ist, vergisst die Gesellschaft schnell, was geschehen ist – so wie im Fall von Aızat Jumanova (die im Dezember 2025 – vermutlich von ihrem Ehemann – <a href="https://news.rambler.ru/incidents/55800247-ubili-na-glazah-dvuhletney-dochki-chto-sluchilos-s-ayzat-zhumanovoy/">ermordet wurde</a>, Anm.d. Ü.).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Logo abgebildete historische Perücke symbolisiert den Matilda-Effekt – die systematische geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen in der Wissenschaft sowie die Zuschreibung wissenschaftlicher Arbeiten und Errungenschaften, die ursprünglich von Frauen erbracht wurden, an Männer. Zu jenen, die darunter litten, zählten beispielsweise <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Anna_Mozart">Maria Anna Mozart</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin">Rosalind Franklin</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Camille_Claudel">Camille Claudel</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-wenn-frauen-eine-stimme-fordern/">Usbekistan: Wenn Frauen eine Stimme fordern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Maul des Hundes – eine klaffende, zum Angriff bereite Fratze – dient als Verweis auf den Kampf gegen Femizid, Ungerechtigkeit und all ihre Erscheinungsformen. Wir werden von dem Wunsch angetrieben, die Ungerechtigkeit aufzudecken, der junge Frauen ausgesetzt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollten Frauenrechte und Freiheit fördern – und ich war davon überzeugt, dass niemand dies besser bewerkstelligen könnte als die Frauen selbst. Die aktuelle Besetzung der Gruppe zu finden, war keine leichte Aufgabe. Wir suchten lange nach Mitgliedern und zogen dabei – prinzipiell – keine männlichen Kandidaten in Betracht. Viele Leute durchliefen unsere Band, blieben jedoch nicht lange.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infolgedessen konnten wir uns auf nichts Konkretes festlegen – insbesondere nicht darauf, welches musikalische Genre wir künftig einschlagen sollten. Aus genau diesen Gründen dauerte es auch lange, bis wir einen Namen gefunden hatten. Mir scheint, dass Punk am besten zu uns passt, weil er eine Rebellion ist, die auf Ehrlichkeit und Aggression aufbaut. Deshalb passen unsere Texte perfekt zu diesem Sound.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zere-asylbek-meine-geschichte-wurde-politisch/">Zere Asylbek: “Meine Geschichte wurde politisch”</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entstehung eines jeden Songs ist eine gemeinschaftliche Leistung, an der alle Mitglieder beteiligt sind. Vom Verfassen der Texte bis hin zur Ausgestaltung der Instrumentierung helfen wir einander, bringen Ideen ein und leisten Unterstützung. Unsere vielleicht größte Herausforderung bestand darin, dass wir alle unterschiedliche musikalische Genres bevorzugen – weshalb es nicht einfach war, zu einer gemeinsamen Vision zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb eines Monats schrieben wir drei oder vier eigene Songs und spielten ein paar Cover-Versionen. Ich nehme an, dies wurde von Adrenalin und dem starken Wunsch angetrieben, uns voll und ganz in ein gemeinsames Ziel einzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist uns wichtig, jene zu unterstützen, die mit Ungerechtigkeit, Stereotypen oder gesellschaftlichem Druck konfrontiert sind. Unsere Lieder sind ein Protest gegen Diskriminierung und Gewalt – eine Quelle der Unterstützung und Solidarität. Wir möchten junge Frauen dazu inspirieren, mutig zu sein, keine Angst davor zu haben, „Nein“ zu sagen, ihre Grenzen zu verteidigen und an ihre eigene Stärke zu glauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Wir werden von dem Wunsch inspiriert, den Menschen zu sagen, dass Verbrechen gegen Frauen nach wie vor geschehen – und zu vermitteln, dass dies falsch ist und nicht so sein sollte. Fast jede Frau war schon einmal damit konfrontiert, dass ihre Leistungen herabgewürdigt, ausgelöscht oder vergessen wurden – Dinge, die schlichtweg nicht vergessen werden dürfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ksenia, Sängerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mir scheint, dass sich jede Frau in dem Namen „Jane Doe“ wiederfinden kann – ich selbst, meine Freundinnen und unsere Zuhörerinnen. Fast jede von uns stand schon einmal in Situationen, in denen ihre Leistungen heruntergespielt wurden oder in denen Dinge, die schlichtweg nicht vergessen werden dürfen, getilgt oder übersehen wurden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Aziza, Bassistin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verfüge über keine formale musikalische Ausbildung, bin mir jedoch sicher, dass sich meine Herangehensweise an die Arbeit an Songs von der akademischen unterscheidet. Wir kennen keine starren Grenzen oder Regeln – keine strikten Gebote und Verbote. Und genau das erzeugt eine gewisse Punk-Attitüde. Gleichzeitig gehen wir bei der Klangqualität niemals Kompromisse ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 8. März ist mein Lieblingsfeiertag. Seine Bedeutung ist für mich denkbar einfach – Emanzipation. Und das ist großartig. In gewissem Sinne ist es wie der Unabhängigkeitstag für das ganze Volk. Normalerweise feiere ich ihn nicht. Früher jedoch habe ich oft bunte, aufwendige Plakate gestaltet und bin mit meinen Freunden zu Underground-Veranstaltungen gegangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zoya, Schlagzeugerin von „Jane Doe“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir positionieren uns als die Stimme jener, die nicht mehr gehört werden können. Wir thematisieren Verbrechen, die an Frauen begangen werden, indem wir wahre Geschichten aufgreifen und darüber schreiben, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ist der 8. März mit Tulpen verbunden. Doch was sein Wesen betrifft, so ist er in erster Linie ein Symbol für den Kampf um Frauenrechte. Genau deshalb gaben wir unser Debüt am 8. März – es war symbolisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder findet ihr im </em><a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/people/43797-nazyvat-sebya-feministkoy-uzhe-samo-po-sebe-protest"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/people/people/43797-nazyvat-sebya-feministkoy-uzhe-samo-po-sebe-protest">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Der Tempel unter freiem Himmel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 04:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Altyn-Emel]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein St&#xFC;ck weiter entlang der Stra&#xDF;e sto&#xDF;en Sie auf die Felszeichnungen von Tamgaly-Tas. Diese befinden sich am Ufer des Flusses Ili, am Rande des Nationalparks Altyn-Emel, 120 km n&#xF6;rdlich von Almaty. Sie wurden im 17. Jahrhundert von tibetischen M&#xF6;nchen angefertigt, zu einer Zeit, als diese Region Kasachstans von den Dsungaren beherrscht wurde. Tamgaly-Tas ist der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Stück weiter entlang der Straße stoßen Sie auf die Felszeichnungen von Tamgaly-Tas. Diese befinden sich am Ufer des Flusses <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ili_(Fluss)">Ili</a></strong>, am Rande des <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Altyn-Emel-Nationalpark">Nationalparks Altyn-Emel,</a></strong> 120 km nördlich von Almaty. Sie wurden im 17. Jahrhundert von tibetischen Mönchen angefertigt, zu einer Zeit, als diese Region Kasachstans von den Dsungaren beherrscht wurde. Tamgaly-Tas ist der Name, den die Kasachen der Stätte nach der Vertreibung des Dsungaren-Khanats aus den kasachischen Gebieten gaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto : Ana Muñoz Macías</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p></p>
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		<item>
		<title>Qairat Almaty in der Champions League: Was bleibt?</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qairat-almaty-in-der-champions-league-was-bleibt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 21:24:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Champions League]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Qairat]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl sieglos geblieben, profitiert der Fu&#xDF;ballclub Qairat Almaty nachhaltig von seiner Teilnahme an der Champions League. Dank Finanzstrategie, internationaler Pr&#xE4;senz und Spielerentwicklung schreitet der Wandel im kasachstanischen Fu&#xDF;ball weiter voran. Am 29. Januar fand ein f&#xFC;r den kasachstanischen Fu&#xDF;ball prestigetr&#xE4;chtiges Spiel statt. Qairat Almaty traf in Gro&#xDF;britannien auf den legend&#xE4;ren Londoner Club Arsenal. Die Gruppenphase [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Obwohl sieglos geblieben, profitiert der Fußballclub Qairat Almaty nachhaltig von seiner Teilnahme an der Champions League. Dank Finanzstrategie, internationaler Präsenz und Spielerentwicklung schreitet der Wandel im kasachstanischen Fußball weiter voran.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. Januar fand ein für den kasachstanischen Fußball prestigeträchtiges Spiel statt. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/FK_Qairat_Almaty">Qairat Almaty</a> traf in Großbritannien auf den legendären Londoner Club Arsenal. Die Gruppenphase des prestigeträchtigsten und umkämpftesten Turniers der Welt, an dem die besten Vereine Europas teilnehmen, endete mit einer knappen 2:3-Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn Qairat, die einzige kasachstanische Mannschaft im Wettbewerb, nicht mit sportlichen Ergebnissen glänzen konnte und den letzten Platz in der Tabelle belegte, eröffnet die erste Teilnahme des Clubs an der Champions League dennoch vielversprechende Entwicklungsperspektiven für Kasachstans Fußball.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sich Qairat Almaty erst <a href="https://tengrisport.kz/tnsport/kazahstan-lige-chempionov-kayrat-sotvoril-istoriyu-glazah-579108/">über die Playoffs</a> gegen Celtic Glasgow qualifiziert hatte, galt das Team in der Ligaphase als Außenseiter. Diese Einschätzung spiegelt sich in der enttäuschenden Abschlussbilanz wider: kein Sieg, ein Unentschieden gegen den zypriotischen Verein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paphos_FC">Paphos FC</a> und sieben Niederlagen. Insgesamt erhielt der Verein damit nur einen Punkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der <a href="https://de.uefa.com/uefachampionsleague/news/0268-121595334c02-9effd6533519-1000--neues-format-fur-die-champions-league-ab-2024-alle-infos/">Reform von 2024</a> spielen alle Teams in einer einzigen Liga mit acht Spieltagen (vorher sechs). Qairat ist der erste Vertreter Kasachstans, der dieses neue Format erlebt. Wie schon das Spiel gegen Arsenal hinterließ auch die gesamte Europapokal-Saison einen bitteren Nachgeschmack, geprägt von mehreren knappen Niederlagen gegen Klubs wie Olympiakos Piräus, FC Kopenhagen und Inter Mailand.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Europa: eine bewusste Strategie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Qairats Qualifikation für die Champions League ist vor allem das Ergebnis einer langfristigen Entwicklungsstrategie für den kasachstanischen Fußball, die maßgeblich durch UEFA-Fördergelder unterstützt wurde. Auf den ersten Blick mag die Teilnahme überraschen: Mehr als 3.000 Kilometer vom Herzen Europas entfernt, ist der Verein aus Almaty das östlichste Team im Wettbewerb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Initiative des Geschäftsmanns <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rachat_%C3%84lijew">Rahat Äliev</a>, damals Präsident des nationalen Fußballverbandes, trat Kasachstan im April 2002 der UEFA bei und leitete gemeinsam mit der AFC (Asiatische Fußballkonferenz), der UEFA und der FIFA (Internationaler Fußballverband) den Prozess zur Orchestrierung des Übergangs ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entscheidung wurde damals als strategisch kluge Wahl für die Entwicklung des nationalen Fußballs angesehen, da sie mehr Aufmerksamkeit und höhere Preisgelder versprach. Tatsächlich verdiente der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/FK_Astana">FC Astana</a>, der 2016 als letztes kasachstanisches Team die Gruppenphase der Champions League erreichte, satte <a href="https://editorial.uefa.com/resources/0233-0e69fca3db22-460a32670969-1000/uefa_champions_league_2015_16_distribution_financiere.pdf">17,3 Millionen Euro</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/frauenfussball-in-kasachstan-fussballerinnen-im-interview/"><strong>Frauenfußball in Kasachstan: Fußballerinnen im Interview</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Summe wurde von der UEFA an den Verein ausgeschüttet, ohne dass er einen einzigen Sieg oder eine Qualifikation für die nächste Runde erzielte. Das zeigt, dass das Wirtschaftsmodell nicht von Ergebnissen abhängt, die mit denen anderer europäischer Mannschaften vergleichbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut <a href="https://tengrisport.kz/tnsport/skolko-kayrat-zarabotal-v-lige-chempionov-2025-2026-591408/">Tengri Sport</a> erhielt Qairat Almaty dieses Jahr allein für die Teilnahme 21,2 Millionen Euro. Das Medium hebt hervor, dass diese Einnahmen höher sind als der Gesamtwert des Kaders. Dies verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den potenziellen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben und dem aktuellen Leistungsniveau der Spieler. Gleichzeitig unterstreicht dies aber auch die Relevanz der kasachstanischen Strategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings geht die Europa-Strategie mit komplexeren Qualifikationswegen in internationalen Wettbewerben einher. So belegt Kasachstan im UEFA-Ranking 2026 lediglich <a href="https://fr.uefa.com/nationalassociations/uefarankings/country/?year=2026">Platz 37</a> unter den europäischen Ligen. Dies zwingt die Vereine, komplizierte Qualifikationsrunden zu durchlaufen, um an den größten kontinentalen Klubwettbewerben teilnehmen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/das-madchen-das-fusball-spielt-uber-eine-kirgisische-nationalspielerin/"><strong>Das Mädchen, das Fußball spielt – Über eine kirgisische Nationalspielerin</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe gilt für die Nationalmannschaft. Kasachstan befindet sich in kontinentalen und interkontinentalen Wettbewerben im Nachteil. Usbekistan beispielsweise nimmt diesen Sommer zum ersten Mal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. Die Qualifikation scheint für Kasachstan unmöglich – angesichts der extremen Leistungsdichte in Europa im Vergleich zu Asien. Dennoch weisen beide Mannschaften ein ähnliches Niveau auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Katalysator der Begeisterung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der jüngste Aufstieg des kasachstanischen Fußballs verdeutlicht eindrucksvoll die positiven Auswirkungen, die Spitzenleistungen und internationale Aufmerksamkeit haben können. Die Teilnahme an großen Wettbewerben und die Spiele gegen globale Fußballgiganten, wie beispielsweise die Partie in Almaty gegen Real Madrid, gehen weit über ein reines Sportereignis hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Spiele stellen symbolische Siege dar und wirken als starke Katalysatoren für die Begeisterung der Bevölkerung, sowohl unter den Fans als auch unter den Sponsoren des Vereins. <em>„Immer mehr Kinder werden in Fußballschulen geschickt. Im ganzen Land hat es einen regelrechten Boom gegeben. Heute haben wir rund zweitausend Kinder in unserer Akademie und den Zweigstellen des Vereins“</em>, erklärt Vereinslegende Qūralbek Ordabaev gegenüber <a href="https://www.azattyqasia.org/a/mir-teper-znaet-chto-est-takoy-klub-i-takoy-gorod-almaty-chto-stoit-za-uspehom-kayrata-v-lige-chempionov/33644292.html">Radio Azattyq</a>. Er erklärt, dass Qairats Spielstil dazu beiträgt, ein breites Interesse am Fußball zu wecken, was den Trainern Hoffnung auf die Ankunft junger Talente und die Entdeckung neuer Stars gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/einbuergerung-auslaendischer-athletinnen-ein-beitrag-zum-kasachstanischen-sport/"><strong>Einbürgerung ausländischer Athlet:innen: Ein Beitrag zum kasachstanischen Sport?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://astanatimes.com/2025/02/young-kazakh-football-talent-to-join-londons-chelsea-in-record-transfer/">Rekordtransfer</a> von Dastan Satpaev zu Chelsea im Jahr 2025 verkörpert diese Entwicklung: Der Wechsel des bei Qairat ausgebildeten Talents zu einem Weltklasseklub sendet ein starkes Signal – sowohl an junge kasachstanische Spieler als auch an Investoren. Er beweist, dass Kasachstans Fußball mittlerweile als glaubwürdige Talentschmiede gilt und stärkt damit seine Attraktivität, Legitimität und kulturelle Bedeutung im Land.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Renaud Le Gall Rousset für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/non-classe/que-retenir-de-la-campagne-du-fc-kairat-dalmaty-en-ligue-des-champions/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Der Große See von Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2026 04:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[See von Almaty]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liegt der gro&#xDF;e See von Almaty mit seinem azurblauen Wasser und seinen Kiefernw&#xE4;ldern, ein nat&#xFC;rliches Alpensee-Reservoir 15 km s&#xFC;dlich von Almaty in Kasachstan.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eingebettet inmitten der Berge auf einer Höhe von 2511 Metern liegt <strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Big_Almaty_Lake">der Große See von Almaty</a></strong> mit seinem azurblauen Wasser und seinen Kiefernwäldern – ein natürliches Alpensee-Reservoir 15 Kilometer südlich von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a></strong> in <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachstan">Kasachstan</a></strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2023 ist die Straße zum See aus Umweltgründen für den Autoverkehr gesperrt. Dennoch ist er zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar; die 10 Kilometer lange Wanderung bietet herrliche Ausblicke.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto: Marie Clémino</strong>, Frankreich</p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale von Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 15:30:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kathedrale]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale ist das gr&#xF6;&#xDF;te orthodoxe Geb&#xE4;ude (56 Meter hoch), das vollst&#xE4;ndig aus Holz gebaut wurde, und das zweitgr&#xF6;&#xDF;te der Welt. Dank ihrer Architektur &#xFC;berstand sie das Erdbeben von 1911, nur vier Jahre nach ihrer Errichtung, unbeschadet. Mit ihrem schiffsf&#xF6;rmigen Grundriss &#xE4;hnelt diese Kathedrale stark den russischen und moskauer Kirchen. Sie befindet sich jedoch in [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die<strong> Christi-Himmelfahrt-Kathedrale </strong>ist das größte orthodoxe Gebäude (56 Meter hoch), das vollständig aus Holz gebaut wurde, und das zweitgrößte der Welt. Dank ihrer Architektur überstand sie das Erdbeben von 1911, nur vier Jahre nach ihrer Errichtung, unbeschadet. Mit ihrem schiffsförmigen Grundriss ähnelt diese Kathedrale stark den russischen und moskauer Kirchen. Sie befindet sich jedoch in der Großstadt <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a></strong>, im äußersten Süden Kasachstans. Die leuchtenden Farben der Fassade und der Kuppeln werden durch das Grün des umliegenden <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Wassiljewitsch_Panfilow">Panfilow</a></strong>-Parks noch verstärkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Crédit : Marie Clémino</strong> (Frankreich)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p></p>
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		<title>Taschkent vs. Almaty – die Geschichte zweier Städte erzählt anhand ihrer Gebäude</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Nov 2025 05:48:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Alma-Ata]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Modernismus]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Almaty und Taschkent sind die beiden gr&#xF6;&#xDF;ten St&#xE4;dte Zentralasiens. Trotz vieler Parallelen hat die Architektur der beiden St&#xE4;dte ein recht unterschiedliches urbanes Lebensgef&#xFC;hl entstehen lassen. Hook wagt den Vergleich. Almaty und Taschkent liegen Hunderte von Kilometern voneinander entfernt und haben unterschiedliche Schicksale. Dennoch begegnen sie sich in der Geschichte fast als Nachbarn und sprechen dieselbe [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Almaty und Taschkent sind die beiden größten Städte Zentralasiens. Trotz vieler Parallelen hat die Architektur der beiden Städte ein recht unterschiedliches urbanes Lebensgefühl entstehen lassen. Hook wagt den Vergleich.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> liegen Hunderte von Kilometern voneinander entfernt und haben unterschiedliche Schicksale. Dennoch begegnen sie sich in der Geschichte fast als Nachbarn und sprechen dieselbe Sprache – die Sprache der Architektur. Taschkent ist eine tausendjährige Stadt, die an der Kreuzung von Handelsrouten wuchs und in der die Jahrhunderte die Ziegel der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Madrasa">Medresen</a> und die Lehmwände der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mahalla_(Stadtviertel)">Mahallas</a> geformt haben. Almaty hingegen ist vergleichsweise jung: Seine Gründung im 19. Jahrhundert als Militärfestung Werny war eher ein politischer Akt als das organische Wachstum einer alten Siedlung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Altersunterschied ist mehr als reines Zahlenwerk. Er prägt die Architektur: Während in Taschkent Ost und West aufeinandertreffen, herrschte in Almaty zunächst ein regelmäßiges Raster und ein „weißes Blatt“ bei der Gestaltung vor. Spätere Erdbeben, die Industrialisierung, Kriege und der Zusammenbruch von Imperien – all dies prägte das Erscheinungsbild der beiden Städte kontinuierlich und hinterließ Spuren der Zeit an ihren Fassaden und Straßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vergleich von Taschkent und Almaty ist wie das Lesen zweier paralleler Texte. Der eine beginnt lange vor der Entstehung des Russischen Reiches und trägt die reiche Erinnerung an den Osten in sich; der andere entsteht plötzlich, wie eine Zeile, die mit der festen Hand der Kolonialmacht geschrieben wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Zeit vor der Revolution</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Taschkent 1865 vom Russischen Reich annektiert wurde, hatte es bereits den Rhythmus seiner alten Viertel angenommen. In der Altstadt liefen die engen Gassen wie ineinander verschlungene Bewässerungsgräben auf Medresen, Moscheen und Basare zu. Die Häuser waren aus Lehm gebaut – Material, das sich im heißen Klima seit Jahrhunderten bewährt hatte. Dicke Mauern hielten die Luft kühl, und Innenhöfe spendeten Schatten und Ruhe. Die Fassaden waren selten zur Straße ausgerichtet; das Leben konzentrierte sich in den Innenhöfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu-Taschkent ist der europäische Teil der Stadt, der angrenzend an das alte Taschkent entstand. Im Gegensatz zu den informellen Straßen der Mahallas wurde die neue Bebauung nach einem radial-zentralen Plan angelegt: Die Straßen liefen auf dem Hauptplatz zusammen. Diese Planungslogik verlieh der Stadt eine neue Achse und einen neuen Maßstab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Architektur dieses Stadtteils hatte einen kolonialen Charakter: Sie kombinierte russische und europäische Formen mit der Verwendung lokaler Materialien und Techniken. Die Wohngebäude waren meist ein- oder zweistöckig, hatten aber dicke Wände und hohe Decken zum Schutz vor der Hitze. Die Fassaden waren mit eklektischen Elementen russischer und usbekischer Architektur verziert. Das Ergebnis war ein einzigartiger Hybrid: eine „russische Stadt“ in Zentralasien, jedoch mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Ästhetik und ihrem eigenen Charakter.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Das alte und das neue Taschkent werden durch den Anchor-Kanal getrennt, der zu einer städtischen und kulturellen Grenze wurde. Diese Grenze ist noch heute spürbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Stelle des späteren Alma-Ata (wir verwenden diesen Ortsnamen im Zusammenhang mit den jeweiligen historischen Namen der Stadt, Anm. Hook) befand sich im Mittelalter eine Stadt namens Almata, die an die Seidenstraße angeschlossen war, aber im 19. Jahrhundert verschwunden war. 1854 wurde hier die Festung Sailiskoje gegründet, die bald in Werny umbenannt wurde. Dies war ein politischer Schachzug: die Festigung der zaristischen Macht in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenstromland">Semiretschje</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/"><strong>Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grundriss war von Anfang an rechteckig: ein klares Straßenraster mit gleich großen Blöcken. Die ersten Gebäude waren aus Stein gebaut, doch nach den verheerenden Erdbeben von 1887 und 1911 setzten sich Holzhäuser durch, die in der Erdbebenzone stabiler waren. Die Architektur orientierte sich an russischen Provinzmodellen: geschnitzte Fensterrahmen, Mezzanine, Kuppelkirchen und eklektische öffentliche Gebäude. Die Straßen waren von Bewässerungsgräben und Bäumen gesäumt, was Werny Ende des 19. Jahrhunderts den Ruf einer „grünen Stadt“ einbrachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders als Taschkent, wo zwei Kulturen nebeneinander existierten, war Werny architektonisch homogen: ein russisches Militär- und Verwaltungszentrum ohne jahrhundertealte östliche Traditionen. Das kühlere Klima ermöglichte es, auf massive Lehmwände zu verzichten, wodurch die Gebäude heller und optisch „nördlicher“ wirkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der beiden Städte trennte sich also bereits im 19. Jahrhundert – und diese Weggabelung ist noch heute in ihren Straßen sichtbar. So wurden die beiden unterschiedlichen Visionen – radial und rechteckig, kulturell gemischt und relativ homogen – zu mehr als bloßen Plänen des 19. Jahrhunderts. Sie wurden zum genetischen Code der Architektur und bestimmten, wie die beiden Städte im 20. Jahrhundert und darüber hinaus wachsen und sich entwickeln würden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von der Avantgarde zur Repräsentation</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Jahrzehnte nach der Revolution begannen in Alma-Ata und Taschkent unter einem neuen Vorzeichen: Die Behörden strebten nach Ordnung, Massenwohnungen und der Schaffung von Verwaltungszentren. Auf den ersten Blick schienen sich die Städte parallel zu entwickeln. Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass ihre architektonischen Entwicklungen voneinander abwichen. Besonders deutlich tritt dies Mitte des Jahrhunderts hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alma-Ata begann die 1920er und 1930er Jahre mit einem unerwarteten avantgardistischen Geist. Die Stadt erhielt eine Reihe von Gebäuden im Geiste des Konstruktivismus: strenge geometrische Volumen, Fensterbänder und offene Grundrisse. Das von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moissei_Jakowlewitsch_Ginsburg">Mossej Ginsburg</a> entworfene Regierungsgebäude der Kasachischen SSR gibt den Ton an: Es handelt sich um eine rationale, zukunftsweisende Architektur, die gleichzeitig die Erdbebengefahr der Region berücksichtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt. Sieg und neue ideologische Ziele verlangten nach Monumentalität und symbolischer Repräsentation. Symmetrische Fassaden, Kolonnaden und Gesimse tauchten in der Architektur zunehmend auf. Doch Alma-Atas Charakter blieb zurückhaltend: Kasachische Ornamente wurden, wie Intonationen, zart in Gittern, Bändern und Friesen eingefügt. Das Hauptvolumen blieb streng und „nördlich“, und nationale Motive betonten lediglich die Masse des Gebäudes, ohne sie aufzulösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/mit-dem-architectural-guide-almaty-die-stadt-entdecken/"><strong>Mit dem „Architectural Guide Almaty“ die Stadt entdecken</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Taschkent war die Avantgarde nur von kurzer Dauer. Mitte der 1930er Jahre vollzog sich in der Stadt eine rasche Hinwendung zur klassischen Architektur. Hier nahm der Kanon „national in der Form, sozialistisch im Inhalt“ Gestalt an, und in der Architektur bedeutete dies vor allem eines: Monumentalität gepaart mit dekorativem Reichtum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paradebeispiel ist das Alisher-Navoiy-Theater. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Wiktorowitsch_Schtschussew">Alexej Schtschussew</a> schuf eine monumentale Komposition, doch der Innenraum wird zu einer Enzyklopädie usbekischen Kunsthandwerks: Marmor, Schnitzereien, Ornamente, wobei jedes Foyer auf eine bestimmte Region verweist. Taschkenter Gebäude aus dieser Zeit sind leicht zu erkennen: Bögen, Kuppeln und gemustertes Gitterwerk verwandeln den Stil des sowjetischen Empires in ein „Schaufenster des Ostens“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Materialien und Dekorationstechniken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen Alma-Ata und Taschkent zeigt sich besonders in der Verwendung von Materialien und Dekor. In Taschkenter Gebäuden aus den 1930er bis 1950er Jahren ist Ornamentik mehr als nur Dekoration, sie ist Teil der Bausprache. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gantsch">Gantsch</a> und Steinmetzarbeiten verwandeln Innenräume in ganze Musterwelten: Säulen und Bögen lösen sich in einem ornamentalen Teppich auf, der Raum wirkt festlich, „bühnenhaft“. Jedes Gebäude scheint die reichen Handwerkstraditionen der Region zu präsentieren und sie in einem einheitlichen, repräsentativen Programm für die Hauptstadt zu vereinen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="602" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Alisher_Navoi_Opera_and_Ballet_Theatre_Tashkent-1024x602.jpg" alt="" class="wp-image-43212" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Alisher_Navoi_Opera_and_Ballet_Theatre_Tashkent-1024x602.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Alisher_Navoi_Opera_and_Ballet_Theatre_Tashkent-300x177.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Alisher_Navoi_Opera_and_Ballet_Theatre_Tashkent-768x452.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Alisher_Navoi_Opera_and_Ballet_Theatre_Tashkent.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Alisher-Navoiy-Theater, Photo: Bgag/Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Alma-Ata verfolgt einen anderen Ansatz. Hier „verdeckt“ die Ornamentik nicht das Volumen, sondern ist in dessen Geometrie eingewoben. Kasachische Motive betonen die strenge Tektonik des Gebäudes, statt sie zu ersetzen. Masse, Symmetrie und Kolonnade werden zuerst gelesen, erst dann das Muster. Dadurch wirkt der nationale Code subtiler: eher wie ein Akzent denn wie ein Hauptthema.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Maßstab und städtebaulicher Kontext</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1940er und 1950er Jahren hatten beide Städte die gemeinsame sowjetische Ästhetik des stalinistischen Empire-Stils übernommen: Symmetrie, Kolonnaden, monumentale Plätze. Der Maßstab der Umsetzung dieses Stils war jedoch unterschiedlich. In Taschkent wurde Repräsentation zum Ziel des gesamten Stadtzentrums. Verwaltungsgebäude, Theater und Kulturzentren bildeten ein einheitliches Ensemble, in dem orientalische Ornamente und monumentale Formen die Rolle der Stadt als politisches und kulturelles Zentrum der Region betonten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alma-Ata geht trotz seiner Rolle als Hauptstadt der Kasachischen SSR behutsamer vor. Hier wird der Empire-Stil selektiv umgesetzt: Wichtige Gebäude erhalten Kolonnaden und Gesimse, doch insgesamt bleibt die Stadtstruktur diszipliniert und rational. Das rechteckige Straßenraster und die strenge Logik der Häuserblocks halten die Architektur von übermäßiger Dekorativität fern. Monumentalität ist vorhanden, erreicht aber nicht das Niveau totaler Dekoration wie in Taschkent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 1950er Jahre hatten sich diese Unterschiede bereits zu festen architektonischen Regeln verfestigt. Alma-Ata behielt seine Verbindung zur avantgardistischen Rationalität bei und verwob nationale Motive in seine Details, ohne die Integrität seiner strengen Formen zu beeinträchtigen. Taschkent hingegen verwandelte den Empire-Stil in eine demonstrative Synthese klassischer und orientalischer Ornamentik: Kuppeln, Bögen und geschnitzte Gitter wurden nicht mehr nur zur Ergänzung, sondern zum Kern des architektonischen Bildes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese gegensätzlichen Ansätze legten den Grundstein für die Zukunft. In Almaty konnte sich die Moderne mit ihrer Liebe zur Geometrie und zu klaren Volumen auf dieser Grundlage leicht etablieren. In Taschkent ging das ornamentale Programm ganz natürlich in die Moderne der 1960er- bis 1980er-Jahre über, wo Fassaden weiterhin als „Schaufenster“ der Tradition dienten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Modernismus und spätsowjetische Architektur</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den 1950er Jahren änderte sich die sowjetische Architektur: Der Empire-Stil wich der Moderne. Der neue Stil versprach Schlichtheit und Funktionalität und setzte auf Stahlbeton, Glas und Licht. In Zentralasien manifestierte er sich jedoch anders: In jeder Stadt entwickelte die Moderne ihren eigenen Charakter, geprägt von ihrer Geschichte, ihrem Status und ihrer Umgebung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Taschkent fiel die Wende zur Moderne mit einer Katastrophe zusammen – dem Erdbeben von 1966. Die Stadt musste im Wesentlichen von Grund auf neu aufgebaut werden und übernahm in diesem Moment die Rolle des „östlichen Schaufensters der UdSSR“. Daher auch der große Maßstab: breite Alleen, Platzensembles und grandiose öffentliche Komplexe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den wichtigsten Beispielen zählen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Taschkent">Metro</a> (1970er Jahre, mit Mosaiken und Themenstationen), der Palast der Völkerfreundschaft (1981), die Zentrale Ausstellungshalle (1974), das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Uzbekistan">Hotel Usbekistan</a> (1974), der Zirkus (1969/1976) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorsu-Basar">der Chorsu-Basar</a> (1983). Diese Gebäude zeigen nicht nur ihren dekorativen Reichtum, sondern auch eine Verbindung zum Klima und den überlieferten Bräuchen. So verfügt die Zentrale Ausstellungshalle beispielsweise über eine natürliche Belüftung und eine runde Galerie, die an traditionelle Architekturtechniken der heißen Region erinnert. Das Ergebnis war ein unverwechselbarer Stil der Moderne, durchdrungen von orientalischen Elementen, aber sowohl dekorativ als auch funktional bedeutsam.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="875" height="619" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-126-1.png" alt="" class="wp-image-43216" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-126-1.png 875w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-126-1-300x212.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Screenshot-126-1-768x543.png 768w" sizes="(max-width: 875px) 100vw, 875px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fassade des Hotels Usbekistan, Photo: Robin Roth/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Materialien unterstrichen die Größe des Konzepts: Marmor und Granit, Beton, dekorative Gitter, Mosaike und Stuckornamente. All dies ermöglichte eine Mischung aus Modernität und Tradition, nicht nur in der Form, sondern auch im städtischen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alma-Ata entwickelte sich stetig, ohne Katastrophen, doch mit einer konzentrierten Sammlung hochwertiger modernistischer Gebäude. In Untersuchungen des <a href="https://garagemca.org/en">Garage Museum of Contemporary Art</a> und des Stadtführers „Audiala“ wird die Stadt als „Freilichtmuseum der Moderne“ bezeichnet: Das heutige Almaty verfügt über mehr als sechzig denkmalgeschützte Gebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den wichtigsten Beispielen zählen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Palast_der_Republik_(Almaty)">Palast der Republik</a> (1970), das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Kasachstan">Hotel Kasachstan</a> (1977), das Kino Arman (1968), der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkus_Almaty">Kasachische Staatszirkus</a> (1970), der Palast der Schulkinder (1983), die Arsan-Bäder (1982), die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Medeo">Medeu-Eisbahn</a> sowie Wohnkomplexe wie der Komplex „Drei Bogatyrs“ und ein Netzwerk von Mikrobezirken mit Kinos und Konzertsälen. Das Hotel Kasachstan ist zu einem wahren Symbol der Stadt geworden: ein schlanker Turm mit erdbebensicherem Rahmen und einem ornamentalen „Kronenband“ an der Spitze. Der Palast der Republik verbindet die Monumentalität des Platzes mit der lakonischen Plastizität seiner Fassade.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Almaty_Fountain_2007-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-43210" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Almaty_Fountain_2007-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Almaty_Fountain_2007-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Almaty_Fountain_2007-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/Almaty_Fountain_2007.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Hotel Kasachstan mit seiner ikonischen Krone, Photo: Nikolay Yushnikov/Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein besonderes Merkmal der Almatinsker Moderne ist die Verwendung von Muschelkalk, einem porösen Kalkstein aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangghystau_(Gebiet)">Mañğystau</a>. Dieses Material wurde häufig für die Fassaden- und Innenausstattung verwendet: im Hotel Kasachstan, im Palast der Republik und in vielen Wohngebäuden. Seine warme, schwammartige Textur wurde zu einem der charakteristischen Merkmale der Stadt. In Kombination mit Marmor, Granit und Buntglas verlieh es der Architektur einen lokalen Charakter und passte gut zum nahen Gebirgsklima.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Architektur Alma-Atas blieb intim und rational. Selbst große Gebäude sind in ein Raster integriert, das durch das Relief betont wird. Straßen steigen zu den Bergen hin an und erzeugen einen markanten vertikalen Panoramaeffekt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ingenieurbauwerke als Teil der Moderne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Almatys seismische und bergige Umgebung führte zu einer Vielzahl von technischen Lösungen, die Teil der architektonischen Identität der Stadt wurden. Das markanteste Beispiel ist der Staudamm am Fluss Medeu (1970er Jahre). Dieses grandiose hydraulische Bauwerk schützte die Stadt nicht nur vor Schlammlawinen, sondern wurde auch als in die Landschaft eingebettetes Denkmal wahrgenommen: Eine gestufte Betonmauer in den Bergen wurde zu einem einzigartigen Denkmal ingenieurstechnischer Höchstleistungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Objekte fallen in diese Kategorie: ein System von Schlammlawinen-Dämmen, in das Stadtgefüge integrierte Bewässerungskanäle und die für Almaty charakteristischen Terrassenstraßen. Letztere entstanden dort, wo die Stadt die Hänge zu den Bergen hinaufführte. Die Planer legten die Häuserblöcke stufenweise und dem Gelände folgend an: Jede Ebene wurde zu einer separaten Straßenterrasse mit Wohnhäusern, Schulen und Grünflächen. Dies ermöglichte die Kombination typischer Gebäude aus der Sowjetzeit mit der einzigartigen Landschaft und bot gleichzeitig Panoramablicke, natürliche Entwässerung und Erdbebensicherheit.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/094-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-43209" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/094-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/094-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/094-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/10/094.jpg 1526w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Staudamm vom Eisstadion Medeu aus gesehen, Photo: Robin Roth/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Anders als in Taschkent, wo Kulturkomplexe und die Metro zu den Wahrzeichen der Moderne wurden, spielten in Alma-Ata technische Lösungen eine besondere Rolle – sie verliehen der Architektur einen „heroischen“ Ton und festigten das Bild der Stadt als rational und doch poetisch, eingebettet in die Berglandschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen Alma-Ata und Taschkent zeigt sich auch in der Stadtplanung. In Taschkent wird die Moderne zur Bühne der Repräsentation: Magistralen und architektonische Ensembles sind für Massendemonstrationen, offene Plätze und Paraden konzipiert. Die Stadt strebt nach Horizontalität und Weite und entfaltet sich entlang der Ebene von Alleen und großen Plätzen. Alma-Ata hingegen wird anders wahrgenommen: Seine Moderne bleibt intimer, in die Landschaft „eingebettet“. Hier streckt sich die Architektur den Bergen entgegen, die Straßen steigen an, und die Wahrnehmung wird von Vertikalität und Panoramen bestimmt. Selbst große Gebäude unterbrechen diesen Rhythmus nicht, sondern betonen ihn eher.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rivalität der Hauptstädte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kam der Faktor des unausgesprochenen Wettbewerbs. Zu Sowjetzeiten galten Taschkent und Alma-Ata als die beiden wichtigsten Hauptstädte Zentralasiens, und die Architektur wurde zur Sprache ihres Wettbewerbs. Nach dem Erdbeben von 1966 erhielt Taschkent besondere Mittel und den Auftrag, sich zu präsentieren: Die ersten Metro-Stationen der Region, neue Paläste, Plätze und Museen sollten seinen Status als „Schaufenster des sowjetischen Ostens“ untermauern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alma-Ata reagierte mit seinen eigenen Symbolen: der hoch aufragenden „Krone“ des Hotels Kasachstan, dem Palast der Republik und den Ingenieurbauwerken von Medeu, wo Architektur und Infrastruktur das einheitliche Bild einer Stadt formten, die Gelände und seismische Einflüsse geschickt zu integrieren wusste. So entstanden zwei unterschiedliche Darstellungsebenen: Taschkent vermittelte seine Stärke durch die Größe seiner Ensembles und den „vorbildlichen“ Charakter der neuen Hauptstadt des Ostens, während Alma-Ata seine Stärke durch die Verbindung monumentaler Gebäude mit der Natur und dem städtischen Alltag präsentierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1980er Jahren hatten sich architektonische Trends etabliert. Alma-Ata war zu einer Art Sammlung modernistischer Monumente geworden, in denen rationale Strukturen und zurückhaltende Dekoration ein einheitliches Bild ergeben. Taschkent hingegen war zu einem Vorzeigeobjekt der östlichen Moderne geworden, in der Ornamente und handgefertigte Motive ebenso wichtig waren wie Beton und Glas.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die postsowjetische Zeit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 1991 schlugen Almaty (die Stadt trägt seit 1993 diesen Namen, Anm. d. Ü.) und Taschkent unterschiedliche Wege ein. Doch bevor wir die Unterschiede diskutieren, sollten wir ihre Gemeinsamkeiten betrachten. In beiden Städten entstehen neue Moscheen und Medresen, wodurch islamische Architektur zu einem prägenden Bestandteil des Stadtbildes wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch moderne Typologien entwickeln sich: Geschäftszentren, Einkaufszentren und große Wohngebiete. Globale Prozesse – die Kommerzialisierung der Innenstädte und die Entstehung von Einkaufszentren als neue „Plätze“ – sind in Almaty und Taschkent gleichermaßen spürbar. Dies ist eine Art „Hintergrund“ der postsowjetischen Entwicklung, der diese Städte im Kontext des globalen Urbanismus erkennbar macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-almaty-der-nullerjahre-in-bildern/"><strong>Das Almaty der Nullerjahre in Bildern</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter diesem roten Faden verbergen sich jedoch zwei sehr unterschiedliche Szenarien. Taschkent, das seinen Status als Hauptstadt behält, konzentriert sich auf Großprojekte, neue Cluster und eine Durchgangsstraße. Almaty hingegen, das seine politische Zentralität verloren hat (seit 1997 ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a> die Hauptstadt Kasachstans, Anm. d. Ü.), sucht seine Identität im Alltäglichen – in grüner Infrastruktur, bequemen Wegen und dem „menschlichen Maßstab“ der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gefüge aus Grün und Wasser spiegelt diesen Unterschied deutlich wider. In Almaty bilden Bewässerungsgräben und Plätze durchgehende, kühle Linien, die es den Einwohner:innen ermöglichen, schattige Wege zu Fuß zu erkunden. Hier ist Wasser keine dekorative Kuriosität, sondern Teil des städtischen Alltags. In Taschkent hingegen wird Wasser eher diskret genutzt: in Brunnen, Kanälen und abgelegenen Parks. Es ist eher ein Akzent als ein durchgehender Faden, und der Verkehr wird durch Straßen organisiert, auf denen Autos Vorfahrt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die vertikale Dimension ist anders. Almatys Zentrum ist bewusst auf eine moderate Anzahl von Stockwerken ausgelegt, um den Blick auf die Berge und den sanften Rhythmus der Fassaden zu bewahren. Neue Geschäftszentren und Wohnkomplexe entstehen, ohne die Größe des Zentrums zu beeinträchtigen. Taschkent hingegen entwickelt aktiver Hochhauscluster wie „Tashkent City“ und „Neu-Taschkent“. Die Hauptstadt demonstriert Stärke durch Größe und schafft „Hauptstädte in der Hauptstadt“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Fußgänger:innen- und Fahrradfreundlichkeit hat sich unterschiedlich entwickelt. In Almaty waren die letzten Jahre geprägt von der Ausweitung der Fußgängerzonen, dem Bau von Radwegen und kurzen Verbindungen zwischen den Stadtteilen. Hier ist das städtische Umfeld auf die Bequemlichkeit des täglichen Gehens ausgerichtet. In Taschkent hingegen sind Fußgänger:innen immer noch der Magistrale untergeordnet: Breite Straßen und lange Gehwege lassen das Auto den Hauptakteur bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die nächtliche Beleuchtung verdeutlicht diesen Kontrast. Almaty setzt auf sanfte Akzente: Fassaden, Denkmäler und Boulevards werden beleuchtet, um eine gemütliche, stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen. In Taschkent hingegen dominiert die allgemeine Beleuchtung von Magistralen und großen Plätzen – Architekturbeleuchtung wird punktuell eingesetzt, doch die Logik der Stadt selbst spricht die Sprache der Weitläufigkeit und des lebendiges Stadtbildes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Straßenbild ist dieser Unterschied noch deutlicher. Almaty bewahrt die reiche Struktur seiner Fassaden: warme Mineralien, eine Vielzahl von Fenstern, individuelle Schaufenster und eine Beschilderung im Erdgeschoss schaffen eine lebendige Fassade voller Cafés und Geschäfte. Taschkent hingegen weist eine größere Einheitlichkeit auf: Renovierungen und standardisierte PVC-Systeme glätten das Erscheinungsbild, während standardisierte Einzelhandelslösungen für eine eher monotone Umgebung sorgen. Es gibt jedoch auch einen positiven Effekt: Das Zentrum sieht jetzt ordentlicher aus als zuvor, und die geplanten Renovierungen haben den schäbigen Eindruck gemildert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst solche Details wie Mülleimer und kleine architektonische Formen verdeutlichen den unterschiedlichen Ansatz. In Almaty sind sie allgegenwärtig, auch in Innenhöfen. In Taschkent ist ihre Konzentration im Zentrum stärker ausgeprägt, während sie in den Außenbezirken abnimmt. Dies spiegelt indirekt die Priorität wider: Die Hauptstadt versucht, Schlüsselräume darzustellen, doch alltägliche Details erreichen nicht immer die Außenbezirke.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erhaltung des architektonischen Erbes</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schicksal des Kulturerbes in Almaty und Taschkent wird maßgeblich von ihrem Status bestimmt. Taschkent blieb zwar Hauptstadt, stand aber ständig unter dem Druck neuer Projekte und Umbauten. Um ihr Image als „Aushängeschild des Landes“ zu wahren, opferte die Stadt wiederholt die Integrität ihrer modernistischen Bausubstanz. Viele Gebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren gingen verloren und die verbliebenen wurden oft bis zur Unkenntlichkeit rekonstruiert: Neue Verkleidungen und Fassaden veränderten ihre ursprüngliche Formensprache. Die Symbole der Hauptstadt sind noch erkennbar, doch ihre Authentizität wurde durch eine Reihe von Renovierungen und „Modernisierungen“ geschwächt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Almaty hingegen hat mehr bewahrt. Nachdem die Stadt ihren Status als Hauptstadt verloren hatte, entging sie einer Welle von Abrissen und Renovierungen. Dank dessen hat ein Teil der Moderne bis heute überlebt, oft ohne radikale Umbauten, die das Erscheinungsbild verändert hätten. Infolgedessen wird Almaty heute als „Freilichtmuseum der Moderne“ wahrgenommen, in dem die Gebäude als Ganzes und in ihrer ursprünglichen Form zu sehen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In beiden Städten wächst derzeit das Interesse am Erhalt des kulturellen Erbes, allerdings in unterschiedlicher Form. In Taschkent wird die Moderne häufiger durch Ausstellungen, Publikationen und internationale Projekte repräsentiert – sie ist Teil des Images der Hauptstadt. In Almaty hingegen ist die Arbeit am kulturellen Erbe konkreter: Lokale Gemeinden, Forscher:innen und Stadtführer:innen bieten Touren an, erstellen Stadtrundgänge und fördern die „architektonische DNA“ der Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten/"><strong>Architektonisches Versuchslabor Taschkent: Über den Denkmalwert sowjetischer Plattenbauten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Status der Hauptstadt wurde somit zu einem paradoxen Faktor: Taschkent erhielt zwar Ressourcen und Aufmerksamkeit, verlor jedoch einen Teil seines ursprünglichen Erbes, während Almaty mehr davon behielt – nicht absichtlich, sondern weil es keinen dringenden Bedarf an einer Neugestaltung seines Images gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seismizität und Klima sind eine gemeinsame Realität, die architektonische Entscheidungen bis heute prägt. Beide Städte liegen in stark seismisch aktiven Zonen: In Almaty führt dies zu sorgfältiger Berücksichtigung des Geländes, der Versorgungsinfrastruktur (Staudämme, Terrassenstraßen) und der erdbebensicheren Gebäudekonstruktionen. In Taschkent festigte das Erdbeben von 1966 die Tradition verstärkter Strukturen und Fassadenverkleidungen, die sowohl vor Sonne als auch vor Vibrationen schützen. In beiden Fällen diktiert das Klima die architektonischen Techniken: Sonnenschutz, Belüftung und die Schaffung kühler Außenbereiche. Die Lösungen sind jedoch unterschiedlich: Almaty integriert sie in die Grün- und Wasserinfrastruktur und Taschkent in die Dimensionen von Magistralen und öffentlichen Komplexen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich liegt der Unterschied nicht nur in Größe oder Stil. Almaty und Taschkent begegnen denselben Herausforderungen – religiöse Architektur, Geschäftszentren, Einkaufszentren, seismische und klimatische Gegebenheiten. Sie übersetzen diese jedoch in unterschiedliche „Sprachen“. Almaty pflegt das gemächliche Tempo, die Gelassenheit und den Komfort eines Spaziergangs. Taschkent hingegen strebt nach Größe, Clustern und Präsentation, während der Raum für Fußgänger:innen nur langsam zu jenem der Magistrale aufschließt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schlussbetrachtung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Betrachtet man Taschkent und Almaty heute, sind die im 19. Jahrhundert verwurzelten Unterschiede nicht nur in ihren Fassaden und Grundrissen spürbar – sie spiegeln sich wie zwei unterschiedliche urbane Rhythmen wider. Taschkent, das ein Erdbeben überstanden hat und mehrmals neugebaut wurde, scheint es gewohnt zu sein, in Ensembles und Plätzen zu denken. Es spricht die Sprache der Bühne: von Kulturzentren bis zu Geschäftsvierteln, von breiten Alleen bis zu beleuchteten Plätzen. Stets ist ein demonstrativer Ton zu hören – die Hauptstadt muss sich zeigen, überzeugen und beeindrucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Almaty hat einen anderen Rythmus. Die Stadt wuchs in der Nähe der Berge, und ihre Geographie hat ihr eine intime Atmosphäre verliehen: Die Straßen ziehen sich nach oben, der Blick schweift zum Bergrücken, und das Zentrum bewahrt seine bescheidene Größe, wobei der Paradeplatz nicht so wichtig ist wie die schattige Promenade entlang des Bewässerungsgrabens. Hier muss keine Erhabenheit bewiesen werden, die Architektur spricht eher vom Alltäglichen: Bequemlichkeit, Intimität, kleine Schritte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Städte liegen in erdbebengefährdeten Gebieten, und das bringt sie einander näher, als es scheint. In beiden dient die Architektur nicht nur der Form, sondern auch dem Schutz: vor der Sonne, vor Erdbeben, vor den Elementen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/panorama/eine-interaktive-karte-um-das-alter-der-gebaeude-in-taschkent-zu-erfahren/"><strong>Taschkent: Mittels interaktiver Karte in die Stadtgeschichte eintauchen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute treten diese Unterschiede besonders deutlich zutage. Taschkent entwickelt sich zu einem Labor für Vorzeigeprojekte, zu einer Stadt der großen Gesten und neuer „Zentren in der Hauptstadt“. Almaty hingegen wird zu einem Museum der alltäglichen Moderne, wo sich das urbane Gefüge in Details offenbart: einem Schaufenster, einem Baum, einem öffentlichen Garten, einem Abendlicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau darin liegt der Wert ihres Vergleichs. Zusammen offenbaren sie zwei Entwicklungsmodelle, zwei Intonationen derselben Ära. Und vielleicht entsteht gerade in diesem Dialog – zwischen Taschkents „großer Geste“ und Almatys „kleinem Schritt“ – die wahre Architekturgeschichte der Region.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Rushena Seminogova für Hook</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://hook.report/2025/09/almaty-tashkent/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Warum die Menschen in Kasachstan inzwischen seltener heiraten</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 06:20:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. F&#xFC;r das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allm&#xE4;hlich zu &#xE4;ndern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan &#xFC;ber ihre Einstellung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit Anfang 2025 wurden in Kasachstan etwa 22,5 Tausend Ehen geschlossen, was ein Sechstel weniger Ehen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. Für das Land ist dies einer der niedrigsten Werte des letzten Jahrzehnts. Die Einstellung zum Heiraten im Land scheint sich allmählich zu ändern. Expert:innen und junge Menschen aus Kasachstan über ihre Einstellung zur Familiengründung und ihre wichtigsten Werte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Globale Trends</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Rolle der Familie in vielen Ländern weltweit verändert. Während früher in traditionellen Gesellschaften Großfamilien, in denen mehrere Generationen zusammenlebten, üblich waren, sind heute Kernfamilien, die nur aus Eltern und Kindern bestehen, häufiger anzutreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts stellten amerikanische Soziolog:innen fest, dass die Institution der Ehe allmählich ihren Status als formale Tradition verliert und zunehmend individuelle Interessen widerspiegelt. Die Menschen dachten damals mehr über persönliche Ziele, Bildung und Selbstverwirklichung nach – und nicht nur über familiäre Umstände.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Prozesse fanden auch in Europa statt. In den 1960er Jahren begann dort der sogenannte zweite demografische Wandel – die Geburtenrate, die nach dem Krieg vorübergehend gestiegen war, begann zu sinken, und die Gesellschaft begann, alternative Familienformen gelassen zu akzeptieren. Im 21. Jahrhundert begann sich dieser Trend auch auf andere Staaten wie China auszuweiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Globale Veränderungen zeigen sich auch in Kasachstan. Bereits heute ist für viele Menschen in Kasachstan eine formalisierte Ehe keine zwingende Voraussetzung mehr für ihr Glück. Die einen streben zunächst nach einer Karriere und finanzieller Unabhängigkeit, andere entscheiden sich für ein gemeinsames Leben ohne offizielle Registrierung, und wieder andere halten die Ehe einfach nicht für einen wichtigen Teil ihres Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weniger Ehen und weniger Scheidungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Soziologin Kamila Kovıazina ist die Heiratsrate in Kasachstan in den letzten fünf Jahren von 6,87 auf 6,13 pro tausend Einwohnende gesunken. Allerdings spiegelt dieser Indikator nicht immer genau die sozialen Trends wider, da er von der Anzahl der Menschen verschiedener Generationen beeinflusst wird, beispielsweise von Kindern und älteren Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/">Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generation, die in den 1990er Jahren geboren wurde, ist weniger zahlreich als die Generation der 2000er Jahre. Dies erklärt die Statistik: Ein Teil der jungen Menschen hat einfach noch nicht das Alter erreicht, um eine Familie zu gründen, und manche der früheren Generation schieben diesen Schritt hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Kovıazina jedoch feststellt, gibt es einen deutlicheren Trend, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: das steigende Durchschnittsalter bei der ersten Heirat. Immer mehr junge Menschen halten es für wichtig, zuerst eine Ausbildung zu absolvieren, einen Beruf zu erlernen, eine Karriere aufzubauen und finanzielle Stabilität zu erlangen und erst dann eine Familie zu gründen. Laut der Soziologin spiegelt dies globale Prozesse wider: Die Lebenserwartung steigt, die Lebenszyklen verlängern sich, weshalb die Entscheidung zur Heirat wohlüberlegter und nicht mehr so übereilt getroffen wird wie früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/leichte-unterhaltung-mit-meine-kasachische-hochzeit/">Leichte Unterhaltung mit „Meine kasachische Hochzeit“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise sind auch die Scheidungen in der offiziellen Statistik zurückgegangen – von 2020 bis 2024 sank die Scheidungsrate um 21 Prozent (2,02 pro tausend Einwohnende). Expert:innen betonen jedoch, dass diese Statistik nicht das vollständige Bild widerspiegelt – die Erfassung erfolgt nur auf der Grundlage von Daten der Standesämter, ohne gerichtliche Entscheidungen über die Auflösung von Ehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Forschungsunternehmens Petrelli Previtera für März 2024 liegt Kasachstan bei der Zahl der Scheidungen weltweit an zweiter Stelle, nur hinter den Malediven. Internationale Berechnungen ergeben eine Scheidungsrate von 4,6 pro Tausend Einwohnende – deutlich höher als in den nationalen Statistiken angegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer vom Institut für gleiche Rechte und Chancen durchgeführten Umfrage verbinden 61 Prozent der Kasachstaner:innen Scheidungen mit der Einmischung von Verwandten in das Familienleben. Weitere 41 Prozent der Befragten geben einen Rückgang moralischer Beschränkungen an, und ein Viertel nennt die Einfachheit des Scheidungsprozesses. Als weitere Faktoren werden traditionelle Einstellungen genannt, darunter die strenge Aufteilung der Geschlechterrollen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Jugend und die standesamtliche Trauung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstellung zur Ehe verändert sich nicht nur in Zahlen. Expert:innen stellen fest, dass sie für junge Menschen zwar keine formale Notwendigkeit mehr darstellt, aber dennoch ein bedeutender Schritt bleibt. Nach Angaben der Friedrich-Ebert-Stiftung betrachten fast 65 Prozent der jungen Kasachstaner:innen die Ehe als einen wichtigen Lebensabschnitt und nur 8 Prozent halten sie für nicht obligatorisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei spielen „traditionelle Werte” nach wie vor eine wichtige Rolle. So halten fast die Hälfte der Befragten die Jungfräulichkeit des Partners vor der Ehe für einen wichtigen Faktor bei der Wahl des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Auch der Einfluss der Verwandten ist nach wie vor stark: 57,1 Prozent der Befragten berücksichtigen deren Meinung bei ihrer Entscheidung über die Eheschließung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ansichten zur Ehe unterscheiden sich auch zwischen Stadt- und Landbevölkerung. In Großstädten ist das Zusammenleben ohne Registrierung mittlerweile eher üblich, während in Dörfern konservativere Ansichten vorherrschen. Vor allem junge Frauen spüren diesen Druck: Oftmals drängen ihre Eltern sie zur Heirat, weil sie befürchten, dass sie sonst keine Familie gründen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ansichten junger Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben mit zwei Frauen aus Kasachstan gesprochen, die ohne offizielle Registrierung zusammenleben. Eine von ihnen, Anar aus Almaty, lernte ihren Partner über gemeinsame Freunde kennen und ist seit vier Jahren mit ihm zusammen. Mit der Zeit wurde die Beziehung ernst, und die Entscheidung, zusammenzuziehen, fiel ganz natürlich, ohne Druck und Formalitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Paar interessierte sich besonders dafür, wie sie im Alltag miteinander auskommen, sich gegenseitig unterstützen und Vertrauen aufbauen würden. Für sie ist Familie nicht nur eine formelle Institution, sondern tägliche Fürsorge und Respekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hatten es nicht eilig, zu heiraten, sondern wollten zuerst sehen, wie wir im Alltag zurechtkommen“</em>, erzählt Anar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fehlende offizielle Registrierung bringt jedoch manchmal Schwierigkeiten mit sich. Es ist nicht immer möglich, den Partner im Krankenhaus zu besuchen oder Dokumente auszustellen, für die ein Nachweis des Familienstands erforderlich ist. Hinzu kommt der Druck von Verwandten und Bekannten, die regelmäßig fragen, warum das Paar noch nicht geheiratet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anar merkt an, dass diese Umstände das Paar allmählich dazu bringen, über eine Hochzeit nachzudenken. An erster Stelle stehen für sie jedoch nach wie vor Vertrauen, Unterstützung und die tägliche Fürsorge füreinander – die Formalität ist notwendig, um alltägliche und rechtliche Fragen zu klären und den Druck von außen zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-toi-als-wichtiger-wirtschaftsfaktor-in-kasachstan/">Die Toı als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna aus Karaganda hingegen sieht die Ehe mit Vorsicht. Sie war noch nie verheiratet und ist derzeit mit niemandem liiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe es nicht eilig zu heiraten, weil ich zu viele Geschichten über häusliche Gewalt gehört habe. Meine Schwestern sind nach ihrer Hochzeit wie erloschen, ihr Leben ist eingeschränkt. Die Erwartungen der Familie und der Gesellschaft nehmen ihnen ihre Freiheit. Ich glaube an die Liebe und die Familie, aber für mich ist es wichtig, mich sicher zu fühlen“</em>, erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Janna gibt zu, dass sie Druck von ihren Verwandten spürt. Diese deuten oft an, dass es Zeit wäre, zu heiraten. Die junge Frau ist jedoch der Meinung, dass sie nicht bereit ist, sich zu binden, solange sie nicht den Mann gefunden hat, dem sie ohne Angst vertrauen kann. Sie hat nichts gegen die Ehe – aber es wird ihre eigene Entscheidung sein und kein Schritt, der von den Erwartungen der Familie oder der Gesellschaft diktiert wird. Für Janna ist es wichtig, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Bis dahin zieht sie das Single-Leben einer Beziehung ohne Respekt und Sicherheit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Soziologin Kamila Kovıazina prognostiziert, wird sich der Trend zu weniger Eheschließungen in Zukunft wahrscheinlich fortsetzen. Moderne Männer und Frauen haben mehr Wahlmöglichkeiten. Sie entscheiden selbst, ob sie heiraten, Kinder bekommen, welche Karriere sie einschlagen und wo sie leben möchten. Die Ehe ist nicht mehr eine zwingende Voraussetzung für das Leben, sondern nur noch eine von vielen möglichen Optionen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aıgerim Erbolova für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/situation/41923-moi-sestry-posle-svadby-slovno-potuhli-a-ih-zhizn-stala-ogranichennoy">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Mit dem „Architectural Guide Almaty“ die Stadt entdecken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Jul 2025 19:16:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturführer]]></category>
		<category><![CDATA[Edda Schlager]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem im Mai bei &#x201E;DOM publishers&#x201C; erschienenen &#x201E;Architectural Guide Almaty&#x201C; f&#xFC;hrt die Journalistin Edda Schlager durch die Architekturgeschichte von Kasachstans Wirtschaftsmetropole. Eine Rezension. Almaty, Kasachstans s&#xFC;dliche Metropole und ehemalige Hauptstadt, ist in erster Linie f&#xFC;r seine Lage am &#xDC;bergang der Steppe ins Hochgebirge und damit einhergehend als Tor ins Tian-Shan bekannt. Dabei hat die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit dem im Mai bei „DOM publishers“ erschienenen „Architectural Guide Almaty“ führt die Journalistin Edda Schlager durch die Architekturgeschichte von Kasachstans Wirtschaftsmetropole. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, Kasachstans südliche Metropole und ehemalige Hauptstadt, ist in erster Linie für seine Lage am Übergang der Steppe ins Hochgebirge und damit einhergehend als Tor ins <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan</a> bekannt. Dabei hat die offiziell rund zwei Millionen Einwohner:innen zählende Stadt, die vielleicht nicht unbedingt zu den schönsten, wohl aber zu den interessantesten Zentralasiens gehört, ein vielseitiges architektonisches Erbe, das es näher kennenzulernen gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Aufgabe hat sich der auf Architekturbücher spezialisierte Berliner Verlag „DOM publishers“ angenommen, indem er den Ende Mai erschienenen „Architectural Guide Almaty“ vorlegt. In dem Bewusstsein, dass ein Buch über Almaty mehr eine Nische bedient, als dass die Stadt an einer der touristischen Hauptrouten läge, erschien dass Werk in englischer Sprache, um so seine Reichweite zu erhöhen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Autorin Edda Schlager, Verfasserin des ebenfalls bei „DOM publishers“ erschienenen „Architekturführer Duschanbe“, ist sicherlich zu den versiertesten westlichen Kenner:innen Almatys zu zählen. Die freie Journalistin lebte zwei Dekaden in der Stadt und berichtete von hier aus für verschiedene deutsche Medien. Dabei erlebte sie die – nicht nur städtebaulichen – Umbrüche, die das heutige Bild der Stadt mitprägen „on the ground“. Erfahrungen, die dem Buch an vielen Stellen zugutekommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fundierte Einführung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast die Hälfte des 360 Seiten starken Buches entfallen auf die Einleitung, wobei es sich hierbei eigentlich um eine Sammlung einführender Texte handelt, die die Lesenden mit architekturellen, städtebaulichen und stadthistorischen Besonderheiten Almatys vertraut machen. Lediglich der erste dieser Texte, in dem Schlager in erfrischend persönlicher Weise darlegt, wie sie selbst zur „Almatinka“ – also Einwohnerin Almatys – wurde, stellt demnach eine Einleitung im eigentlichen Sinn dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im darauffolgenden Kapitel führt die Autorin kompakt durch die Geschichte der 1855 als russisches Militärfort gegründeten und 1867 unter dem Namen Wernyj ausgebauten Stadt. Verheerende Erdbeben 1887 und 1911 sind dafür verantwortlich, dass aus jenen frühen Jahren der Stadt wenig Bausubstanz erhalten blieb. Der Aufstieg der mittlerweile zu Alma-Ata umbenannten Stadt zur Hauptstadt der Kasachischen SSR 1936 prägte ebenso das architektonische Erbe der Stadt, um nur einen weiteren Meilenstein der Stadtgeschichte zu nennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/"><strong>Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da dieses Wissen um die Stadtgeschichte für ein Verständnis der städtebaulichen Prozesse unerlässlich ist, sollte dieses Kapitel unbedingt gelesen werden. Historische Fotografien und Stadtpläne, die den Text untermalen, tragen nicht unwesentlich zu diesem Verständnis bei. Bei den weiteren Texten, die teils von Schlager selbst, teils von Gastautorinnen verfasst wurden, sei es den individuellen Interessen der Lesenden überlassen, welche man lesen und welche überblättern möchte. Ein persönlicher Lesetipp sind dabei die Kapitel zur Fassadenkunst und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Almaty">Metro</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>115 Objekte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hauptteil, der gut die zweite Hälfte des Buches ausmacht, stellt die Autorin 115 Objekte in einzelnen, in der Länge variierenden Texten vor. Jeder dieser Texte wird von Angaben zu Adressen, Architekt:innen und Baujahr eingeleitet und mindestens mit einem Bild illustriert. Zwar würde man sich zu manchem Objekt großformatigere und vor allem mehr Fotos wünschen. Da es sich aber nicht um einen Bildband, sondern um einen kompakten und gut transportablen Reiseführer handelt, ist es leicht, darüber hinwegzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/unwichtige-architektur-warum-almaty-seine-sowjetischen-haltestellen-erhalten-muss/"><strong>“Unwichtige Architektur”: Warum Almaty seine sowjetischen Haltestellen erhalten muss</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sortierung der Bauwerke erfolgt dabei in fünf Abschnitten, von denen sich jeder einer Epoche oder Strömung widmet. Wer eine Einteilung nach geographischen Aspekten bevorzugen würde, kommt dennoch auf seine Kosten. Karten am Ende des Buches, in denen alle Objekte verzeichnet sind, machen es möglich, die Stadt quartiersweise zu erkunden. Darüber hinaus ist jeder einzelne Text mit einem QR-Code versehen, der auf die jeweiligen Koordinaten des Objekts in Google Maps führt und somit die Orientierung während einer Stadterkundung erleichtert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bauwerke aus fünf Epochen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Abschnitt behandelt Bauwerke aus der Zarenzeit. Neben der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Christi-Himmelfahrt-Kathedrale_(Almaty)">Christi-Himmelfahrt-Kathedrale</a> sind es vor allem vereinzelte Kaufmannshäuser, die das letzte große Erdbeben von 1911 überstanden haben. Der zweite, ebenfalls aufgrund der geringen Anzahl erhaltener Gebäude recht schmale Abschnitt widmet sich dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Architektur)">Konstruktivismus</a>. Neben den für diese Strömung typischen Gebäuden wie etwa der Hauptpost hebt die Autorin erfreulicherweise auch jene hervor, die renoviert statt restauriert wurden und somit von ihrem konstruktivistischen Äußeren wenig bewahrt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ein weiteres Kapitel zur „stalinistischen Architektur“ mit ihren teils neo-klassizistischen Prachtbauten folgt der umfangreichste Abschnitt zum „Sowjetischen Modernismus“ – einer Strömung, die das Stadtbild Almatys wie keine andere prägt.&nbsp; Dieses Kapitel umfasst einige der ikonischsten Bauwerke der Stadt, wie etwas das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Kasachstan">Hotel Kasachstan</a> oder die Eisschnelllaufbahn von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Medeo">Medeu</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-almaty-der-nullerjahre-in-bildern/"><strong>Das Almaty der Nullerjahre in Bildern</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Abschnitt wendet sich Schlager dann dem „Kasachischen Modernismus“ zu, also jenen Bauwerken, die seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 entstanden sind. Hier profitiert das Buch erheblich von der profilierten Kenntnis der Autorin, die weite Teile der geschilderten städtebaulichen Transformation vor Ort miterlebt hat. Als erfahrene Journalistin legt sie dabei auch ein Augenmerk auf jene Objekte, die nicht frei von Kontroversen sind – wie etwa den das Bergparnorama verstellenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nurly_Tau">Nurly-Tau-Komplex</a> oder das inmitten eines Nationalparks auf dem 3200 Meter hohen Talgar-Pass gelegene „Tenur Eco Hotel“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Transformationsprozesse noch nicht abgeschlossen sind, verdeutlicht sich daran, dass auch das neue Flughafenterminal oder das „Almaty Museum of Arts“ – beide erst im vergangenen Jahr fertiggestellt – in das Buch aufgenommen wurden. Von einigen der Architekturbüros zur Verfügung gestellte Querschnitte und Projektionen gewähren darüber hinaus tiefere Einblicke in modernes urbanes Bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Längst überfällig</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem „Architectural Guide Almaty“ führt Edda Schlager kenntnisreich und kurzweilig durch 170-Jährige Architekturgeschichte von Kasachstans südlicher Metropole. Dabei stellt sie eine bemerkenswert breite Palette an Bauwerken vor, die von Sakralbauten über öffentliche Gebäude, Sport- und Kulturstätten, bis hin zu Wohnkomplexen, Bahnhöfen, dem Flughafen und dem Fernsehturm reicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ist ein Buch entstanden, das im handlichen Format ein detailliertes Bild des heutigen Almaty mit all seinen architekturellen Facetten zeichnet und das – der Nische zum Trotz – längst überfällig war. Ein Buch, das vor allem Lust macht, Almaty (neu) zu entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Edda Schlager: Architectural Guide Almaty, 360 Seiten, DOM publishers, ISBN 978-3-86922-727-6 , Berlin 2025</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Fragen der Kulturen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jun 2025 04:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetische Architektur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Region Almaty ist dieses Kulturhaus aus der Sowjetzeit ein gef&#xE4;hrdetes Juwel. Erdar und Akmaral, seine engagierten W&#xE4;chter, k&#xFC;mmern sich um seinen Garten und seine Geschichte. Sie erz&#xE4;hlen uns die Geschichte ihres einst wohlhabenden Dorfes, das ein gro&#xDF;er Maisproduzent f&#xFC;r die UdSSR war. Die Leidenschaft des Paares ist sp&#xFC;rbar: Erdar posiert stolz, als wolle [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In der Region<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)"> <strong>Almaty </strong></a>ist dieses Kulturhaus aus der <strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/unwichtige-architektur-warum-almaty-seine-sowjetischen-haltestellen-erhalten-muss/?noredirect=de-DE">Sowjetzeit </a></strong>ein gefährdetes Juwel. Erdar und Akmaral, seine engagierten Wächter, kümmern sich um seinen Garten und seine Geschichte. Sie erzählen uns die Geschichte ihres einst wohlhabenden Dorfes, das ein großer Maisproduzent für die UdSSR war. Die Leidenschaft des Paares ist spürbar: Erdar posiert stolz, als wolle er sagen: „Ohne uns wäre das alles verschwunden“; Akmaral zögert nicht, uns die zerklüfteten Innenräume zu zeigen, in denen vor nicht allzu langer Zeit das Theater Aufführungen beherbergte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Foto : Tommaso Aguzzi</strong> (<strong><a href="https://www.instagram.com/tomaguzzi/?hl=fr">@tomaguzzi,</a></strong> Italien)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><p><a style="color: #f57d20; text-decoration: underline;" href="https://www.novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages. Sie können einige davon kaufen und zu Hause empfangen: <span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://novastan.org/de/novastan-ev/du-kannst-das-bild-des-tages-von-novastan-auch-kaufen/">hier ist die Liste</a></span>! Wenn Sie Ihr Bild nicht in der Liste finden, schicken Sie uns eine E-Mail an <span style="text-decoration: underline;"><a href="mailto:photo@novastan.org">photo@novastan.org</a></span>.</p></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Jeltoqsan-Unruhen 1986: Erinnerungen von Augenzeug:innen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Feb 2025 13:52:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die blutig niedergeschlagenen Jeltoqsan-Proteste am 17. und 18. Dezember 1986 sind ein wichtiger Erinnerungsort in der jüngeren Geschichte Kasachstans. Bis heute sind die Ereignisse kaum aufgearbeitet, die Zahl der Toten liegt im Dunkeln. Anlässlich des Jahrestages hat „The Village“ Erinnerungen von Augenzeug:innen zusammengestellt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor fast 40 Jahren, am 17. und 18. Dezember 1986, protestierte die Jugend Kasachstans. Sie war empört über die Ernennung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gennadi_Wassiljewitsch_Kolbin">Gennadi Kolbin</a> zum Oberhaupt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachische_Sozialistische_Sowjetrepublik">Kasachischen SSR</a> – eines Mannes, der noch nie in Kasachstan gelebt hatte. Für die jahrelang stagnierende Sowjetunion war dieser Protest ein einzigartiges Ereignis. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scheltoksan-Unruhen">Dezember-Unruhen</a> [Jeltoqsan ist das kasachische Wort für Dezember, Anm. d. Ü.] in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a> kündigten den Zusammenbruch der UdSSR an: Bald begannen überall in der Union Kundgebungen und Streiks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hat dies die Menschen in Kasachstan nicht vor der Brutalität des Regimes bewahrt. Die Sicherheitskräfte unterdrückten den Protest und Teilnehmende waren Repressionen ausgesetzt. Genaue Daten zur Zahl der Toten und Verletzten gibt es noch nicht. Offiziell starben nur zwei Menschen – der Demonstrant Erbol Sipataev sowie Sergei Savitski, ein Bürgerwehrmann, der die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Miliz_(Polizei)">Miliz</a> unterstützte. Nach verschiedenen Schätzungen könnten aber in Wirklichkeit bis zu 170 Menschen gestorben sein. In einigen Fällen geschah dies erst nach den Protesten: Beispielsweise starb Qairat Rysqulbekov, der zu Unrecht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, während seiner Überstellung unter ungeklärten Umständen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Wir [die Redaktion von „The Village, Anm. d. Ü] wollen die Jeltoqsan-Ereignisse verstehen und haben deshalb beschlossen, zwei Auffassungen der Ereignisse zu vergleichen: das Bild der Beamten bei Parteiversammlungen und das Bild, das normale Menschen auf der Straße sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Schreiben des Materials haben wir die Sammlung „Jeltoqsan. 1986. Dokumentarische Chronik“, zusammengestellt von Berik Abdigaliuly, ausgewertet. Wir haben uns auch auf die Ergebnisse der Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Shakhanov">Mūhtar Şahanov</a> und auf die von Arken Uaq gesammelten Zeugenaussagen gestützt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Sicht der Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Genossen! Bürger der Stadt </em><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/"><em>Alma-Ata</em></a><em>! Viele von Ihnen haben in diesen Tagen beispiellose, sozial gefährliche Handlungen junger Rowdys erlebt, die von nationalistischen Elementen provoziert wurden. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt kommt es zu böswilligen Verstößen gegen die öffentliche Ordnung, Beleidigungen und Gewalt gegen Unschuldige, zu Pogromen, Raubüberfällen und Brandstiftungen. Diese schädlichen Handlungen werden unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen begangen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Kasachstans, das Präsidium des Obersten Rates der Kasachischen SSR und der Ministerrat der Republik appellieren an Sie, Bürger der Hauptstadt, alle möglichen Maßnahmen zur Normalisierung der Lage in der Stadt zu ergreifen. Wir glauben, dass kein einziger Mensch, der die Ehre Alma-Atas schätzt, der Wiederherstellung der Ordnung und der Unterdrückung der Aktionen wütender Hooligans gleichgültig gegenüberstehen wird.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wir sind zuversichtlich, dass die Arbeiterklasse, die arbeitende Intelligenz und die studentische Jugend der Stadt Alma-Ata hohe moralische und politische Qualitäten an den Tag legen und den besten Traditionen der Partei und des sowjetischen Volkes würdig sein werden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwei-busse-voll-leichen-zeuginnen-berichten-ueber-die-ereignisse-von-janaozen/"><strong>„Zwei Busse voll Leichen“ – Zeuginnen berichten über die Ereignisse von Jańaózen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Aufruf wurde im Dezember 1986 von wichtigen Regierungsstellen der Kasachischen SSR veröffentlicht. Sie reagierten damit auf Massenproteste junger Menschen, die über die Ernennung Gennadi Kolbins zum Oberhaupt der Kasachischen SSR empört waren. Der Aufruf wurde von allen wichtigen Beamten der damaligen Zeit unterstützt – einer von ihnen war <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a>, damals Vorsitzender des Ministerrats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch einzelne Beamte kritisierten die protestierende Jugend auf das Schärfste. So bezeichnete der ehemalige Chef des kasachischen KGB, <a>Zaqaş Qamalidıenov</a>, sie als <em>„eine massiv nationalistische Masse, wahnsinnig geworden durch Drogen und Alkohol“</em>, und der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Rates, Salamat Mūqaşev, sagte, dass <em>„Gerüchte über mutmaßliche Opfer unter den Studenten und Jugendliche eine provokative Fiktion“ </em>seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nazarbaev, der spätere Präsident Kasachstans, überredete die Demonstrierenden, ihren Protest aufzulösen, und nannte sie später <em>„extremistische Jugend“</em> und <em>„einen sozial ungesunden Teil der studentischen Jugend“</em>. Er erklärte auch: <em>„Welche tragischen Ereignisse? Das wahre Rowdytum ereignete sich am 18. [Dezember 1986].“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt war die Reaktion der Behörden umfassend und hart. Sonderanweisungen wurden an alle Regierungsbehörden gesendet – vom Innenministerium und dem KGB bis hin zu Universitäten und Fabriken. Ihre Führungskräfte mussten sofort reagieren: Besprechungen mit Mitarbeitern abhalten, „<em>Nationalismus“</em> unter den Untergebenen unterdrücken, Aufklärungsarbeit mit Jugendlichen leisten, Aufgaben und Trupps organisieren, <em>„Disziplin und Ordnung“</em> herstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-schwere-erbe-von-schanaosen/"><strong>Das schwere Erbe von Jańaózen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wurden auch die Redner:innen gewaltsam unterdrückt. Daran waren sowohl die Miliz als auch die Armee beteiligt. Sie nahmen mehr als 8500 Menschen fest. Infolgedessen stellten die Behörden rund 900 Demonstranten vor Gericht, verurteilten 99 Personen zu unterschiedlichen Haftstrafen und über 600 wurden von Universitäten verwiesen oder von ihren Arbeitsplätzen entlassen. Offiziell wurden nur zwei Tote anerkannt – ein Demonstrant und ein Bürgerwehrmann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Jahren änderte sich die Interpretation der Ereignisse nicht. Erst 1989 wurde unter der Leitung von Mūhtar Şahanov eine Sonderkommission eingesetzt, die eine Untersuchung der Ereignisse und den Freispruch der unschuldig verurteilten jungen Menschen forderte. Und ein paar Jahre später änderte auch Nursultan Nazarbaev seine Meinung: Er habe erkannt, dass die Demonstranten Recht gehabt hätten, und sei deshalb <em>„mit ihnen an der Spitze der Kolonne“</em> gegangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Sicht der Menschen auf der Straße</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Kasachstaner! Kasachen, Russen, Menschen anderer Nationalitäten! Das Leben zeigt, dass es zwischen uns keine ethnischen Gegensätze gibt. Ehrliche Menschen ALLER NATIONALITÄTEN erinnern sich voller Schmerz an die letzten Tage in sieben Regionen Kasachstans, als der engstirnige Schurke Kolbin zwei Tage lang mit hasserfülltem Blick anordnete, dass kasachische Studenten mit Polizeiknüppeln geschlagen werden sollten. Die Blüte der zukünftigen Intelligenz &#8211; 2.000 Studenten wurden in Kerker geworfen. Sie wurden als Hooligans, Alkoholiker und Drogenabhängige gebrandmarkt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Offensichtliche Verleumdung! Die Menschen glaubten aufrichtig an die demagogischen Reden Gorbatschows, der behauptete, die Grundlage der </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika"><em>Perestroika</em></a><em> sei die offene Äußerung der eigenen Meinung. Die Menschen trugen Lenin-Porträts mit sich. Ihr einziger Wunsch war es, den von oben aufgezwungenen Kolbin loszuwerden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hat Kasachstan heute nicht das Recht, seine eigenen talentierten Führer in der Person von Qamalidıenov, Miroschchin und anderen zu nominieren, unabhängig von der Nationalität? Warum brauchen wir Gorbatschows Handlanger? Denn jetzt werden sie noch intensiver Fleisch, Wolle, Milch und Industrierohstoffe für den Bedarf der Moskauer Führer abpumpen – nicht für das russische Volk, nicht für die Arbeiter und Kollektivbauern!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-nimmer-endende-januar-in-kasachstan/"><strong>Der nimmer endende Januar in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist der Text zweier Flugblätter, die der Doktor der medizinischen Wissenschaften Irek Dauranov einige Tage nach den Jeltoqsan-Ereignissen veröffentlichte. Er war Augenzeugen der Auflösung der Proteste – vor seinen Augen wurden junge Menschen mit Wasser übergossen und mit Schlagstöcken geschlagen. Laut Dauranov versuchten einige Demonstranten, durch einen Eisenzaun zu fliehen, aber auch auf der anderen Seite warteten Sicherheitskräfte auf sie. Dadurch sei die Jugend auf beiden Seiten <em>„ausgeprügelt worden wie ein alter Teppich“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf stürmten bis zu zehn Menschen in das Haus des Wissenschaftlers. Er wurde verhaftet und mehrere Monate lang in einer Untersuchungshaftanstalt des KGB festgehalten, wobei ihm der Besuch seiner Familie verweigert und die Herausgabe von lebensnotwendigen Gütern verweigert wurde. Dauranov wurde angedeutet, dass er seine Familie und seinen Sohn nie wieder sehen würde. Da keine Beweis für ein Verbrechen vorlagen, ließen die Behörden ihn frei. Sie zwangen ihn aber, einen reumütigen Zeitungsartikel zu schreiben, und organisierten Schikanen am Arbeitsplatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irek Dauranov war nicht der einzige zufällige Zeuge der Dezember-Ereignisse. Die Jeltoqsan-Untersuchungskommission befragte Hunderte Anwohner:innen rund um den Platz der Republik. Die Mehrheit der Befragten bestätigte, dass die Demonstrationen, die am 17. Dezember begannen, friedlich verliefen – die Teilnehmenden sangen Lieder, hielten Porträts Lenins und Parolen wie <em>„Redefreiheit“</em>, „<em>Es lebe Lenins nationale Politik</em>“ und <em>„Jede Nation hat ihren Führer“</em>. Viele Zeugen dachten sogar, dass auf dem Platz eine Art Feier stattfand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Demonstrierenden forderten, dass [der von Kolbin abgelöste, Anm. d. Ü.] <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dinmuchamed_Qonajew">Dinmūhamed Qonaev</a> und prominente Beamte ihnen Rede und Antwort stehen: Sie wollten eine Erklärung bekommen, warum eine Person „von außen“ zum Ersten Sekretär des Landes ernannt wurde. Nach und nach füllte sich der Platz mit neuen Demonstrierenden und Polizisten. Die Sicherheitskräfte wiederum forderten die jungen Menschen auf, sich zu zerstreuen. Kurz darauf begann das gewaltsame Vorgehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>M. Z. Idrisov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am Morgen des 17. Dezember 1986 kam ich zur Arbeit. Unser Bürofenster zeigte auf den Platz. Dort versammelten sich etwa 2.000-3.000 Menschen. Einige trugen Slogans und Plakate. Einer davon lautete: „Lenin ideasy jasasyn!“ [„Lasst Lenins Idee wirken!“]. Die Polizei blockierte die Satpaev-Straße. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich etwa 10.000 versammelt. Die Versammelten forderten etwas. Gegen 18 Uhr sprach der Innenminister vom Podium aus. Er forderte die Menge auf, sich zu zerstreuen, andernfalls drohte er, sie mit Gewalt aufzulösen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>10–15 Minuten später griffen Soldaten mit Helmen und Schilden mit Schlagstöcken die unbewaffnete Menge an. Die Menschen begannen zu fliehen und gleichzeitig zum Schutz Bäume zu brechen und den Putz von den Häusern abzublättern. Den ganzen Tag über liefen russische Bürgerwehr-Jungs mit den Milizionären. Sie waren mit etwa einem Meter langen Stäben bewaffnet, mit denen sie gnadenlos auf die Demonstranten einschlugen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>M. A. Zvontsov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe keine rechtswidrigen Handlungen seitens der Versammelten gesehen. Am Abend versammelten sich organisierte Gruppen junger Leute auf dem Platz. Aus der Menge waren Rufe zu hören, die die Entscheidung des Plenums verurteilten, und es gab Parolen mit ähnlichem Inhalt. Auf dem Podium saßen Vertreter der Behörden, die beharrlich die Räumung des Platzes forderten und vor Gewaltanwendung warnten. Die Situation blieb jedoch einigermaßen ruhig, außer dass die Miliz von Zeit zu Zeit zwei bis drei Personen (meist Mädchen) aus der Menge schnappte und abführte.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Irgendwann griffen Feuerwehrautos die Menschenmenge mit Wasserwerfern an. Von diesem Moment an begannen die Unruhen. Die Menge warf Autos um und zündete sie an. Sie warf Steine </em><em>​​auf Soldaten und versuchte, das Geb</em><em>äude des Zentralkomitees zu st</em><em>ürmen. Die Kadetten waren mit Pionierschaufeln bewaffnet.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>I. A. Bolbramski</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bevor die Truppen eintrafen, verlief die Demonstration friedlich. Die Truppen stellten sich über die gesamte Breite der Straße auf und begannen, die Menge zurückzudrängen. Ein Militäroffizier, dessen Rang unklar war und dessen Schultergurte bedeckt waren, gab den Befehl und die Soldaten gingen los, um Menschen zu schlagen. Die Demonstranten legten sich hin und die Soldaten schlugen mit Stöcken und Pionierschaufeln auf sie ein. Liegende sollten nicht geschlagen werden, das ist meine Meinung. Und Frauen sollten auch nicht geschlagen werden. Ich war im Ausland, habe Demonstrationen gesehen und weiß, dass Menschen, die ihre Hand heben, nicht geschlagen werden. Es gab keinen Widerstand der Demonstranten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Zeugen berichteten, dass die Situation auf dem Platz bis zum Eingreifen der Polizei ruhig blieb. Gleichzeitig fielen von Anfang an verdächtige Personen unter den Demonstrierenden auf: Sie riefen dazu auf, Russen zu verprügeln und die Fenster von Häusern einzuschlagen. Sie selbst warfen Autos um und brannten sie nieder. Die Mehrheit der Demonstrierenden folgte diesen Aufrufen nicht. Die Polizei nahm die Provokateure jedoch nicht fest, wie die Autoren der Umfrage anmerken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wir-wurden-gefoltert-obwohl-wir-verwundet-waren-die-geschichte-von-sayat-adilbeuly/"><strong>„Wir wurden gefoltert, obwohl wir verwundet waren“ – Die Geschichte von Sayat Adilbekuly</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die gewaltsame Auflösung begann, sammelten die Jugendlichen Stöcke und Eisbrocken, um sich zu verteidigen. Es kam zu Zusammenstößen, bei denen Soldaten und Milizionäre mit Schlagstöcken auf sie einschlugen. Und mit Einbruch der Dunkelheit kamen die Feuerwehrautos zum Einsatz: In einer frostigen Dezembernacht begannen sie, kaltes Wasser über die Demonstranten zu gießen. Auf dem Asphalt bildete sich schnell Eis, sodass sie stürzten und verletzt wurden. Sie versuchten zu fliehen, wurden aber weiterhin verfolgt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>E. S. Aıtjanova</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In der Nacht nahmen die Ereignisse einen unheimlichen Charakter an. Die Kinder wurden mit Schlagstöcken die Furmanov-Straße […] lang getrieben. Zwischen 23 und 24 Uhr kamen Autos mit Hunden an, ich habe 15 oder 16 gezählt. Soldaten oder Milizionäre, ich weiß nicht – sie waren in Ziviluniform und stürmten durch die Eingänge, Keller, Dachböden und hielten bei jeder Tür an.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>M. Sabitov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am Abend des 17. Dezember trieb man die Demonstranten mit Feuerwehrautos auseinander. Aber die Demonstranten zündeten ein Auto an, weil es nicht mehr wert war als ihr Leben. Die Jungs und Mädels liefen nass und vereist in der Dezemberkälte über den Platz. Viele Menschen wurden geschlagen. Die Soldaten haben Schaufeln in den Händen, die Bürgerwehr hat Eisenstöcke mit Gummi an der Außenseite und die Polizei hat Schlagstöcke. Ich sah, wie ein Polizist einem Mann auf den Kopf schlug, der sofort anfing zu bluten. Die Henker zerrten ihn zum Bus. Zu diesem Zeitpunkt kam ein junges Mädchen angerannt und stürzte sich auf ihn. Die Henker schlugen und traten sie, danach zerrten sie beide zum Bus.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>S. J. Şarikbaev</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am nächsten Morgen [18. Dezember] riegelten Truppen mit Knüppeln und Schilden den Platz ab. Zwischen 10 und 11 Uhr schlug man [den Demonstrierenden] vor, die Versammlung aufzulösen. Doch die Versammelten forderten, dass Regierungsmitglieder zu ihnen kommen sollten. Als Reaktion darauf begannen die Truppen sie zurückzudrängen. Es kam zu einer Schlägerei. Der Befehl ertönte und die Truppen setzten Schlagstöcke ein. Die Jugendlichen warfen Steine. Gepanzerte Fahrzeuge fuhren vor. Diese Auseinandersetzung dauerte etwa eine Stunde. Die Soldaten schlugen diejenigen, die sie einholten, mit Schlagstöcken auf die Köpfe. Bei den Läden „Bereke“ und „Golovnye Ubory“ wurden sie zusammengedrängt. Sie fielen aus einer Höhe von zwei bis drei Metern. Die heranstürmenden Soldaten zerrten sie in ihre Autos, und diejenigen, die fliehen wollten, wurden mit Schlagstöcken geschlagen und getreten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Familie Uşkempirov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mädchen wurden an den Haaren gezogen und geschlagen. Eine Gruppe Mädchen versteckte sich im vierten und dritten Stock auf den Balkonen (dort gibt es separate Durchgänge). Die Soldaten, die sie eingeholt hatten, schlugen sie und warfen sie vom Balkon. Wir haben gesehen, wie sie sich Arme und Beine gebrochen haben. Mit großen Schäferhunden durchsuchten sie überall die Eingänge.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Proteste gingen am 18. Dezember weiter. Sicherheitskräfte zerstreuten die Demonstranten und jagten sie durch Eingänge und Gassen. Sie griffen auch wahllos Menschen an, die sich auf der Straße befanden – so wurde beispielsweise der Sekretär des Parteibüros Alibek Urinbaev geschlagen, als er am Abend des 17. Dezember mit seiner Frau spazieren ging. Er wurde am Kopf getroffen, zur Polizei gebracht und später aus der Partei ausgeschlossen und degradiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>V. E. Kulikov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich war zusammen mit dem Lehrstuhlleiter Jambaev im Wohnheim [des Kasachischen Landwirtschaftsinstituts], als sie an die Tür klopften. Das waren Leute in Armeeuniformen mit Schilden und Schlagstöcken. Jambaev öffnete die Tür <em>leicht</em></em> <em>und erklärte ihnen, dass im Wohnheim alles ruhig sei. Der Kommandeur gab jedoch an, dass sie aus den Fenstern der oberen Stockwerke mit Flaschen beworfen worden seien, und verlangte, sie hereinzulassen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Als Jambaev dem nicht Folge leistete, schlugen sie ihn mit einem Schlagstock auf den Kopf und verschafften sich Zugang zum Wohnheim. Dann drang Militär in die oberen Stockwerke ein. Einige der Studenten wurden geschlagen und beschuldigt, Flaschen geworfen zu haben. Ich habe versucht, mich an den Offizier zu wenden. Er sagte mir, ich solle mich nicht einmischen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>K. A. Jambaev</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Soldaten, angeführt von einem Offizier, stürmten in den Raum und begannen, die Studenten mit Schlagstöcken zu schlagen. Uns Kasachen wurden beleidigende und demütigende Worte entgegengeschleudert. Soldaten mit Helmen, Schilden und Gummiknüppeln, in voller Kampfmontur, rannten in Gruppen über die Etagen des Wohnheims. Aufforderungen von Lehrern, Schüler nicht zu schlagen und der Willkür ein Ende zu setzen, halfen nicht. Vier Studenten kamen auf mich zu, von Soldaten geschlagen und schwer verletzt.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Adikova</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am 18. Dezember 1986 sahen mein Freund und ich durch das Fenster meiner Wohnung ein schreckliches Bild. Zwei Frauen – eine ältere, offenbar eine Mutter, und eine jüngere, eine Tochter – gingen die Baiseitov-Straße hinauf. Sie wurden von einem Militärangehörigen angehalten. Plötzlich schwingt der Soldat seinen Schlagstock und schlägt der jungen Frau mit aller Kraft auf den Kopf. Ihre Mutter schrie und verteidigte sie. Auch sie schlug er mit einem Schlagstock, doch sie fiel durch den Schlag nicht um und die junge Frau lag auf dem Boden im Schnee. Er packte sie und zerrte sie mit so großer Kraft die Treppe hinauf, dass er ihr den Mantel zerriss.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Soldaten näherten sich. Es war unmöglich, das ruhig zu betrachten, und mein Freund und ich rannten raus, auf sie zu und fingen an zu schreien. Dann näherte sich ein Soldat mit einer Pelzmütze, sagte etwas, und das Militär zog ab und ließ das Opfer regungslos am Boden liegen.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>N. Jusupbekov</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am 18. Dezember 1986 kehrte ich nach der Arbeit ins Wohnheim zurück. Gegen 21:00 Uhr durchkämmten Soldaten das Gebiet mit Hunden und nahmen kasachische Jugendliche fest. Mädchen und Jungen rannten unter dem Fenster des Wohnheims entlang. Sie wurden von Soldaten mit Hunden verfolgt. Es war dunkel. Man konnte nicht sehen, wie sie festgenommen wurden, aber man konnte die schrecklichen, herzzerreißenden Schreie der Mädchen hören.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Festgenommenen wurden in Haftanstalten gebracht, wo sie von der Staatsanwaltschaft, dem KGB und der Polizei verhört wurden. Bereits 1987 kamen Strafsachen im Zusammenhang mit den Protesten massenhaft vor Gericht. Auch administrative Aspekte wurden berücksichtigt. Die Behörden verlangten von den Sicherheitskräften Effizienz, und eine der Richter:innen sagte später, sie sei mündlich angewiesen worden, ausschließlich Haft anzuordnen und keine der Festgenommenen zu milderen Strafen zu verurteilen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abdulhamit Aledekeev, Staatsanwalt in einem der Fälle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Diese Fälle wurden mit einer anklagenden Tendenz, hastig und routinemäßig untersucht, ohne die Umstände der Ereignisse zu spezifizieren, die sich direkt auf bestimmte Personen bezogen, welche strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Daher wurde die Anklage wahllos und in allgemeiner Form erhoben. All dies war das Ergebnis des damaligen Drucks der Führungsebene der Staatsanwaltschaft der Republik und des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kasachstans.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dies führten zu einer falschen Einstufung der Straftaten einzelner Personen, die strafrechtlich zur Verantwortung gezogen und rechtswidrig verurteilt wurden. Strafsachen wurden auf der Grundlage einer dem Fall beigefügten allgemeinen Bescheinigung untersucht, die von A.D. Myznikov (stellvertrender Staatsanwalt der Kasachischen SSR, Anm. The Village) unterzeichnet und in Kopie ausgestellt wurde. […] Darüber hinaus wurden Menschen, die nichts mit diesen Ereignissen zu tun hatten, massenhaft illegal festgenommen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-behoerden-wiederholen-die-vergangenheit-kasachstanische-menschenrechtlerinnen-ueber-die-aufarbeitung-der-januar-ereignisse/"><strong>„Die Behörden wiederholen die Vergangenheit“ – Kasachstanische Menschenrechtler:innen über die Aufarbeitung der Januar-Ereignisse</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von der Kommission befragten Zeugen glaubten, dass die Behörden viele Möglichkeiten gehabt hätten, Gewalt zu verhindern – insbesondere, wenn Gennadi Kolbin, der neue Erste Sekretär, in einen Dialog mit der Jugend getreten wäre und ihre Forderungen besprochen hätte. Außerdem bestritten viele russischsprachige Zeugen empört, dass die Demonstrationen nationalistisch motiviert waren. Sie wiesen darauf hin, dass es während der Proteste keinerlei nationalistische Äußerungen von Seiten der Jugendlichen gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist immer noch schwer zu sagen, welcher Beamte die größte Verantwortung für die blutige Niederschlagung der Demonstrationen trägt. Die kasachische Nomenklatura schob – wie Zaqaş Qamalidıenov – die gesamte Schuld auf Kolbin selbst, sein Gefolge und Vertreter des Kremls. Auch Moskauer Beamte wie Innenminister Wlassow wiesen die Vorwürfe zurück: Entscheidungen seien ihrer Meinung nach <em>„vor Ort“</em> getroffen worden. Allerdings machten sie dafür auch Kolbin verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst wenn kasachstanische Beamte wie Nursultan Nazarbaev und Salamat Mūqaşev tatsächlich von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen waren, protestierten sie in keiner Weise dagegen. <em>„Keiner von ihnen protestierte gegen das rechtswidrige Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden, gegen deren Überschreitung ihrer Befugnisse“</em>, fasste die Kommission die abschließende Bewertung der Ereignisse von 1986 zusammen. Die Mitglieder der Kommission stellten außerdem fest, dass die Führer der Republik <em>„aktiv zur Umsetzung aller getroffenen Entscheidungen beigetragen“</em> hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weitere Bilder von den Jeltoqsan-Ereignissen findet ihr im Original-Artikel.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Nikita Shamstudinov für The Village</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.the-village-kz.com/village/city/ustory/38735-sobytiya-zhelto-sana-glazami-ochevidtsev"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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