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	<title>Aids Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Aids Archives</title>
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		<title>Wie HIV-positive Frauen in Tadschikistan diskriminiert werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Dec 2023 09:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frauen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, geh&#xF6;ren zu den am st&#xE4;rksten diskriminierten Gruppen in Tadschikistan. Sie werden von der gesamten Gesellschaft gemieden, auch von ihren engsten Verwandten. Obwohl diese Frauen in den meisten F&#xE4;llen kein Gesundheitsrisiko f&#xFC;r andere darstellen, haben sie Schwierigkeiten, einen festen Arbeitsplatz zu finden und erhalten keine medizinische Versorgung. Anl&#xE4;sslich der [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Frauen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, gehören zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in Tadschikistan. Sie werden von der gesamten Gesellschaft gemieden, auch von ihren engsten Verwandten. Obwohl diese Frauen in den meisten Fällen kein Gesundheitsrisiko für andere darstellen, haben sie Schwierigkeiten, einen festen Arbeitsplatz zu finden und erhalten keine medizinische Versorgung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Anlässlich der internationalen Kampagne „16 Tage Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt“ hat Asia-Plus ein besonderes Projekt gestartet, bei dem Frauen aus Tadschikistan über die Diskriminierung sprechen, der sie ausgesetzt sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tadschikistan gibt es <a href="https://fpc.org.uk/%D0%BF%D1%80%D0%B0%D0%B2%D0%B0-%D1%87%D0%B5%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D0%B5%D0%BA%D0%B0-%D0%B2-%D0%BE%D1%82%D0%BD%D0%BE%D1%88%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B8-%D0%BB%D1%8E%D0%B4%D0%B5%D0%B9-%D0%B6%D0%B8%D0%B2%D1%83/">eine Reihe</a> von Gesetzen und Dokumenten, die direkt oder indirekt die Diskriminierung von Menschen mit HIV verhindern sollen. Im vergangenen Jahr wurde <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20220628/v-tadzhikistane-prinyali-zakon-protiv-vseh-form-diskriminatsii">ein weiteres Gesetz</a> &#8222;zur Förderung der Gleichberechtigung und Bekämpfung jeglicher Diskriminierung&#8220; verabschiedet. Zur Freude der Menschenrechtsaktivist:innen wurde darin das Konzept der &#8222;indirekten Diskriminierung&#8220; eingeführt, mit dem die gefährdeten Gruppen in Tadschikistan am häufigsten konfrontiert sind. Frauen mit HIV hilft diese wichtige Beschreibung im Gesetz jedoch nicht, denn sie sind die Gruppe, die im Alltag direkt diskriminiert wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Diskriminierung trotz Therapie</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Obwohl HIV im alltäglichen Zusammenleben nicht übertragen wird und die moderne antiretrovirale Therapie (ART) die Viruslast minimiert, wird eine HIV-infizierte Frau auf Schritt und Tritt diskriminiert, vor allem in der Familie. Sobald bekannt wird, dass sie HIV-positiv ist, schränken die Verwandten den Kontakt zu ihr ein und meiden sie. Mit der Zeit wird sie überall dort gemieden werden, wo ihre Erkrankung bekannt wird“</em>, sagt Tachmina Chajdarowa, Leiterin des Netzwerks HIV-positiver Frauen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Seltsamerweise, so Chajdarowa, klagen HIV-positive Frauen oft über Diskriminierung durch medizinisches Personal: in Zahnarztpraxen, der Chirurgie, der Gynäkologie etc. Die Ärzte weigern sich, Frauen mit HIV zu helfen, weshalb diese über Bekannte professionelle und geschulte Fachärzt:innen finden müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die moderne Medizin hat alle Risiken eliminiert: HIV ist heute eine chronische Krankheit wie Diabetes mellitus. Frauen mit HIV können dank einer adäquaten ART-Therapie und medizinischer Betreuung gesunde Kinder zur Welt bringen. Doch selbst Mediziner:innen verfügen oft nicht über aktuelle Informationen“</em>, erklärt Tachmina Chajdarowa. <em>„Auch lokale Journalist:innen diskriminieren Frauen mit HIV. Die Berichterstattung über Frauen mit HIV enthält oft eine abwertende Sprache. Die Medien verbreiten <a href="https://newreporter.org/2023/03/30/ya-ne-monstr-kak-kazaxstanskie-smi-osveshhayut-temu-vich-spid/">Stereotypen</a>, tragen zur Stigmatisierung bei und erklären der Öffentlichkeit nicht, was HIV eigentlich ist. In der Berichterstattung lokaler Journalist:innen finden sich bis heute Ausdrücke wie &#8218;HIV/AIDS ist die Epidemie des 21. Jahrhunderts&#8216;, <a href="https://rus.ozodi.org/a/29261366.html">&#8218;HIV-Terror&#8216;</a> und andere ähnliche Äußerungen, die nicht der Realität entsprechen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Art einschüchternder Sprache findet sich auch häufig in Berichten über <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20190314/pochemu-v-tadzhikistane-uvelichilos-chislo-ugolovnih-del-za-osoznannoe-zarazhenie-vich-infektsiei">strafrechtliche Verfolgungen</a> (Art.125 des tadschikischen StGB) von HIV-positiven Frauen wieder, die angeblich absichtlich Männer infiziert hätten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriminalisierung und Strafverfolgung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der erste Teil des Artikels 125 des tadschikischen StGB kann auf alle diskordanten (wenn ein:e Partner:in HIV-positiv und der/die andere HIV-negativ ist) Partnerschaften angewendet werden. In diesem Teil heißt es: ‚eine andere Person wissentlich dem Risiko einer HIV-Infektion aussetzen‘, d.h. es geht nicht um die tatsächliche Infektion, sondern um das Risiko einer Infektion. Und jeder HIV-positive Mensch, der eine:n Sexualpartner:in hat, setzt diese:n angeblich dem Risiko einer Infektion aus. Doch das stimmt nicht“</em> ,sagt Chajdarowa: <em>„Wenn jemand eine ART-Therapie macht, sinkt seine/ihre Viruslast, und auch bei ungeschütztem Sex steckt sich der/die Partner:in nicht mit HIV an.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Internationalen Konferenz zur HIV-Forschung, die vom 23. bis 26. Juli in Brisbane, Australien, stattfand, hat die Weltgesundheitsorganisation neue wissenschaftliche und politische Empfehlungen zu HIV vorgelegt. Sie fassen die wichtigsten Grenzwerte für die HIV-Viruslast zusammen. So übertragen HIV-positive Menschen, die unter ART-Therapie eine nicht nachweisbare Viruslast erreicht haben, HIV nicht auf ihre Sexualpartner:innen und haben ein geringes Risiko der vertikalen Übertragung auf ihre Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: Tadschikistan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vertreter-der-taliban-regierung-im-konsulat-in-chorugh-ernannt/">Vertreter der Taliban-Regierung im Konsulat in Chorugh ernannt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele spektakuläre Strafverfahren wurden in Tadschikistan auf der Grundlage des ersten Teils von Art. 125 StGB eingeleitet. Jedoch hat sich in Wirklichkeit keines der vermeintlichen Opfer mit HIV infiziert“</em>, sagt Tachmina Chajdarowa; HIV-positive Frauen seien weitaus häufiger von Diskriminierung betroffen als Männer. Die Gesellschaft geht immer noch davon aus, dass eine HIV-positive Frau eine Frau mit vielen Sexualpartner:innen ist. Statistiken zeigen jedoch, dass nur 1,7 Prozent der HIV-positiven Frauen in Tadschikistan Sexarbeiterinnen sind. Der Rest sind meist Hausfrauen, die sich bei ihren Ehemännern angesteckt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kürzlich kam eine HIV-infizierte Frau zu uns. Sie war verheiratet, hatte ein Kind und wurde von ihrem Mann brutal geschlagen. Selbst während der Schwangerschaft schlug er sie so heftig, dass sie ihr zweites Kind verlor“</em>, erzählt Chajdarowa. <em>„Obwohl ihr Mann sie mit HIV infiziert hatte, gab seine Familie der Frau die Schuld. Die Frau nahm ihr Kind und verließ ihren Ehemann, mietete ein Zimmer und nahm eine Berufstätigkeit auf. Ihr Ex-Mann nahm ihr daraufhin das Kind weg und drohte ihr, die elterlichen Rechte zu entziehen. Sie sei HIV-positiv, habe keine Ausbildung und nur ein geringes Gehalt, von dem sie das Kind nicht ernähren könne.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der Tatsache, dass tadschikische Frauen auch ohne HIV <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wie-frauen-in-tadschikistan-von-der-justiz-diskriminiert-werden/">häufig von der Justiz benachteiligt werden</a>, ist ungewiss, ob das Gericht diese Ungerechtigkeit in dem obigen Fall erkennt, bei dem der Ehemann Mann versucht, die Erkrankung seiner Ex-Frau zu nutzen, um ihr die elterlichen Rechte zu entziehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20231201/sam-zarazil-no-zhenu-obvinil-zhentshini-s-vich-podvergayutsya-v-tadzhikistane-diskriminatsii"><strong>Asia Plus</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>„Wenn ich damals richtig aufgeklärt worden wäre, hätte ich nicht so viel Zeit verloren“ – Über HIV-Selbsthilfe in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aislu Asan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2023 11:31:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulf&#x131;a Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts &#xFC;ber das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren ber&#xE4;t sie Frauen, die erst k&#xFC;rzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulf&#x131;a spricht &#xFC;ber die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>ZENTRALASIEN SOZIAL. Zulfıa Saparova aus Almaty lebt seit 15 Jahren mit HIV. In den ersten zwei Jahren akzeptierte die dreifache Mutter die Diagnose nicht, weil sie nichts über das Humane Immundefizienz-Virus wusste. Seit drei Jahren berät sie Frauen, die erst kürzlich ihre Diagnose erhalten haben. Zulfıa spricht über die Akzeptanz des HIV-Status, die Vorteile von Peer-Beratung und die Bedeutung von Informationen, damit die Betroffenen nicht verzweifeln oder wertvolle Zeit verlieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zentralasien Sozial“ ist eine Reihe von Artikeln, die im Rahmen des Projekts „Consolidation of CBR structures in Tajikistan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Kazakhstan and further professionalization of social work training using the CBR approach“ entstanden sind. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten und von Caritas Deutschland in Tadschikistan durchgeführten Projektes hat Novastan eine journalistische Fortbildung rund um das Thema soziale Arbeit organisiert.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zulfıa, 53, ist weder drogenabhängig noch eine promiskuitive Frau, wie man in der kasachstanischen Gesellschaft beim Wort <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/HIV">HIV</a> gemeinhin annimmt. Viele Jahre lang hatte sie Schuldgefühle gegenüber ihrem jüngsten Sohn: Das Virus wurde durch das Stillen auf ihn übertragen, als sie sich ihrer Diagnose noch nicht bewusst war. Zulfıa verstand nicht, wo sie sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, leugnete die Diagnose und glaubte an eine Verschwörung in der Pharmaindustrie, die sich an Menschen wie ihr bereichern wollte. Und das alles, weil sie nichts über HIV und Therapiemöglichkeiten wusste, durch welche ein langes und erfülltes Leben möglich ist. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Erst später wurde ihr klar, dass sie sich in einer medizinischen Einrichtung infiziert hatte. Und sie realisierte, dass sie ihrem HIV-positiven Kind zuliebe etwas dagegen unternehmen musste. <em>„Ich habe mich zusammengerissen, weil ich sehen wollte, wie mein Sohn groß wird und zur Schule geht. Ihm zuliebe habe ich eine Therapie begonnen. Aber die Schuldgefühle haben mich nicht verlassen“</em>, erklärt Zulfıa.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hilfe zur Selbsthilfe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Sie erkannte, dass sie nicht nur eine Behandlung brauchte, sondern auch Unterstützung und Kommunikation mit Menschen, die wie sie selbst HIV-positiv waren. Sie wollte verstehen, wie sie mit der Immundefizienz lebten. Deshalb zogen sie und ihr Sohn vom regionalen AIDS-Zentrum in das städtische um, wo es entsprechende Fachleute wie Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen gab. Im Jahr 2015 gründeten Eltern infizierter Kinder eine allgemeine Schulung zum Verständnis von HIV und dem Leben mit der Krankheit; so entstand der Eltern-Chatraum. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir wollten, dass auch unsere Kinder eine Invaliditätsleistung erhalten, unabhängig von zusätzlichen Krankheiten. So wie für die Kinder im Gebiet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdkasachstan">Südkasachstan</a>, wo sich im Jahr 2006 Kinder mit HIV infiziert haben“</em>, erinnert sich Zulfıa. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/rueckkehr-ins-normale-leben-ueber-obdachlosenhilfe-in-astana/">Rückkehr ins normale Leben – Über Obdachlosenhilfe in Astana </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel wurde erreicht, und die Mutter erfuhr danach immer mehr über die Lebensperspektiven ihres Sohnes. Aus dem Sommerlager in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sotschi">Sotschi</a> brachte er eine neue Erkenntnis mit: HIV-positive Menschen können gesunde Kinder bekommen. <em>„Ein Stein fiel mir vom Herzen. Ich dachte, dass er nicht in der Lage sein würde, eine Familie zu gründen. Er wollte keine Kinder haben. Als er zurückkam, hat er alle meine Fragen beantwortet. Ich wollte immer mehr über die Krankheit erfahren, alles Neue kennen lernen“</em>, erzählt die Mutter. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Von der Betroffenen zur Beraterin</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"> Zulfıa nahm aktiv an verschiedenen Schulungen teil. Heute ist sie Beraterin bei der Gemeinschaftsstiftung Peer Plus. Die Mitarbeiter:innen des Zentrums für AIDS-Prävention und -Kontrolle in Almaty vermitteln den Frauen ihre Kontakte, und Zulfıa hilft ihnen, sich selbst zu akzeptieren. Sie erklärt ihnen, wie sie mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Antiretrovirale_Therapie">ARV-Therapie</a> ein erfülltes Leben führen können. Eine von ihnen ist Svetlana (Name geändert). Als Zulfıa sie das erste Mal traf, weigerte sie sich, die Tabletten zu nehmen und bat darum, in Ruhe gelassen zu werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ehemann der Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Als Zulfıa ihr sagte, dass auch sie HIV-positiv und zu einem Gespräch bereit sei, meldete sich die Frau nicht. Drei Monate später besuchten sie und eine Krankenschwester Svetlana erneut. <em>„Wir sagten, wir seien weiterhin bereit für ein Gespräch mit ihr und werden wiederkommen. Schließlich habe ich sie zum Reden gebracht und überredet, sich behandeln zu lassen. Ihr Immunsystem war bereits geschwächt“</em>, erinnert sich die Peer-Beraterin. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/code-103-wie-straftaten-nach-artikel-120-in-usbekistan-tatsaechlich-geahndet-werden/">Code 103 – Wie Straftaten nach Artikel 120 in Usbekistan tatsächlich geahndet werden </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend half sie Svetlana bei der Erstellung der Behandlungsunterlagen. So kam die Frau zur Selbsthilfegruppe der Stiftung, in der Frauen ihre Geschichten erzählten. Jetzt erhält sie nicht nur eine Therapie, sondern spricht auch bei Treffen darüber, wie sie gelernt hat, mit HIV zu leben. Zulfıa bezeichnet sich selbst nicht als Sozialarbeiterin, da sie keine spezielle Ausbildung hat. Sie ist jedoch davon überzeugt, dass Peer-Beratung mit ansprechenden Schulungen und verständlichen Präsentationen der effektivste Weg ist, um die Bevölkerung mit den nötigen Informationen zu versorgen. </p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>HIV – immer noch ein heikles Thema in Kasachstan
</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Jahr 2020 stellten wir Fragen zu den Übertragungswegen von HIV in den Straßen von Almaty. Junge Menschen haben eher korrekt geantwortet, sie sind besser informiert. Doch die ältere Generation bat uns wegzubleiben. Sie sind überzeugt, dass HIV so ansteckend wie eine Grippe ist“</em>, so Zulfıa.

Sie ist der Meinung, dass der Ansatz der HIV-Behandlung selbst die Betroffenen diskriminiert. Warum sollten solche Patient:innen gesondert behandelt werden? Warum wird diese Krankheit nicht so wahrgenommen wie zum Beispiel Diabetes oder Krebs? Nur in den postsowjetischen Ländern bestehen separate AIDS-Zentren, in europäischen sind sie in allgemeinen Krankenhäusern untergebracht.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Im Jahr 2022 werden in Kasachstan über 30.000 Menschen mit HIV leben. Der Anteil von Frauen an neu entdeckten Fällen liegt bei 33 Prozent. Mehr als 3.000 bleiben unbehandelt.

Expert:innen zufolge weiß die Bevölkerung Kasachstans so gut wie nichts über HIV, bis sie direkt mit der Krankheit konfrontiert werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur über Übertragungswege und Vorbeugung zu informieren, sondern auch darüber, dass HIV keine Plage des 21. Jahrhunderts mehr ist, sondern dass es vor allem darum geht, sich selbst zu helfen.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aislu Asan, Kasachstan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Michèle Häfliger</strong> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Kirgistan: Zunahme von HIV-Infektionen – bald eine Epidemie?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Jul 2017 18:19:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Epidemie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsministerium]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kirgistan nehmen die HIV-Neuinfektionen um circa 10% pro Jahr zu. Das berichtet das kirgisische Gesundheitsministerium. Bis zum 1. Juni 2017 waren 7427 HIV-positive Personen erfasst, darunter 7038 kirgisische Staatsb&#xFC;rger, 595 Kinder und 902 Personen, die an Aids erkrankt sind. &#x201E;Der Anteil an HIV-Infektionen in gewissen Gefahrengruppen (unter anderem M&#xE4;nner, die sexuellen Kontakt mit M&#xE4;nnern [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Kirgistan nehmen die HIV-Neuinfektionen um circa 10% pro Jahr zu. Das berichtet das kirgisische Gesundheitsministerium.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum 1. Juni 2017 waren 7427 HIV-positive Personen erfasst, darunter 7038 kirgisische Staatsbürger, 595 Kinder und 902 Personen, die an Aids erkrankt sind.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;</strong>Der Anteil an HIV-Infektionen in gewissen Gefahrengruppen (unter anderem Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben, Gefängnisinsassen oder Drogenabhängige) liegt bei über 5%, was schon die zweite Stufe einer Epidemie darstellt und einen Einfluss auf die Gesamtsituation hat&#8220;, vermeldete der Pressedienst des Ministeriums.</p>
<p style="text-align: justify">Die sexuelle Übertragung des HIV-Virus steigerte sich von 31% Neuinfektionen im Jahr 2011 zu 51% neuer Fälle 2016, immer öfter sind auch Frauen betroffen. Besonders die Altersgruppe der 20- bis 49-Jährigen ist gefährdet.</p>
<p style="text-align: right"><a href="http://zanoza.kg/360516">Zanoza.kg</a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Von der Redaktion aus dem Russischen übersetzt<br />
</strong></p>
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