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	<title>Usbekistan Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Usbekistan Archives</title>
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		<title>Nader Schah Afschar und Irans Einfluss auf Zentralasien vor 300 Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 19:18:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fragt man nach dem heutigen Einfluss des Iran auf Zentralasien, fällt die Antwort nüchtern aus: Er ist gering. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Iran und den USA wirkt dabei als zusätzlicher Hemmfaktor. Auch das Erbe der historischen persischen Kultur ist zunehmend in den Hintergrund gerückt und spielt im Alltag der Menschen in Zentralasien kaum noch eine Rolle. Vor rund 300 Jahren stellte sich die Lage jedoch völlig anders dar. Damals stand Zentralasien kurz davor, Teil des Afschariden-Reichs zu werden. Die zentralasiatischen Staatsgebilde von Buchara und Chiwa wären fast gar zur persischen Provinz geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage spielt der Iran für die Staaten Zentralasiens keine besondere Rolle mehr. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teheran">Teheran </a>hat erstaunlich wenig Einfluss auf Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan – und das, obwohl die geografische Nähe eigentlich einen größeren Einfluss erwarten lässt. Auch der Handel und die Diplomatie mit dem Iran erhalten wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen ist der Iran ein Durchgangshub für die chinesische Handelspolitik. So war es aber nicht immer. Blickt man etwa 300 Jahre zurück, ins Jahr 1740, so hätte der persische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nader_Schah">Nader Schah Afschar</a> mit seiner 100 000-köpfigen Armee beinahe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> – heutzutage wichtige Regionen Usbekistans – zu seinen Vasallenstaaten gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nader Schah Afschar aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afschariden">Afschariden</a>-Dynastie, der sich vom mittellosen Hirten zum Eroberer Indiens und Bezwinger der Osmanen hochgearbeitet hatte, führte das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich">Perserreich</a> zu seiner früheren Größe aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safawiden">Safawiden</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> zurück. Nicht nur wegen seines plötzlichen Todes, gelang es dem Schah nicht, in Zentralasien Fuß zu fassen. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete erwies sich als so schwer zu beherrschen, dass der persische Herrscher weder die Zeit noch die Ressourcen hatte, sie in sein Reich zu integrieren. Dieser Feldzug [von 1740] war der letzte glanzvolle Höhepunkt der iranischen Macht in der Region. Mit der Ermordung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schah">Schahs</a> versank Persien in eine Ära des Chaos und verschaffte den zentralasiatischen Staaten Zeit für das Entstehen von neuen Herrscherdynastien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Reich das von Krieg lebte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende der 1730er Jahre vollendete Nader Schah Afschar die politische Vereinigung des Iran, indem er Gebiete mit überwiegend persischer Bevölkerung zurückeroberte, die in den 1720er Jahren im Zuge der afghanischen und osmanischen Invasionen verloren gegangen waren. Wichtige Provinzen kamen wieder unter einheitliche Kontrolle, doch die Wiederherstellung der Zentralgewalt war mit hohen Kosten verbunden. Ein Jahrzehnt der Besetzung durch afghanische und türkische Truppen hatte das Land verwüstet: Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfahan">Isfahan</a>, das seinen Status als Hauptstadt verloren hatte, standen halb leer, und die ländlichen Gebiete waren teils entvölkert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-tschagataiden-brueder-die-die-steppe-zaehmen-wollten/"><strong>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wirtschaftliche Niedergang, der bereits unter den Safawiden eingesetzt hatte, entwickelte sich zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die landwirtschaftliche Produktion in den persischen Schlüsselregionen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fars">Fars</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>, halbierte sich oder ging sogar noch stärker zurück: Es mangelte an Arbeitskraft für die Bewässerungssysteme und Kanäle, Bauern flohen vor den plündernden Truppen in die Berge. Das Handwerk in den persischen Handelszentren kam praktisch zum Erliegen. Der Karawanenhandel wiederum ging um etwa zwei Drittel zurück und der Seidenexport ins Osmanische Reich und nach Russland halbierte sich. […] Dies wirkte sich auf die Steuereinnahmen aus, die zunehmend sanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Umständen wurde die Armee des Schah mit einer Gesamtstärke von über 150.000 Mann im Grunde genommen zum einzigen Stabilitätsfaktor des Staates, der die Loyalität des Feudaladels garantierte. Der Unterhalt einer derart zahlreichen Streitmacht stellte jedoch eine schwere Belastung für die Staatskasse dar, zumal die persische Armee zu ihrer Zeit zu den fortschrittlichsten in Asien zählte. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/fotoreise-durch-turkestan-ethnographischen-fotografien-des-19-und-20-jahrhunderts/"><strong>Fotoreise durch Turkestan: Ethnographische Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Truppen regelmäßig Sold zu zahlen, erforderte allerdings ständige Einnahmen in die Staatskasse. Dies konnte die ruinierte Wirtschaft des persischen Reiches kaum gewährleisten Das Reich suchte deshalb nach neuen Einnahmequellen und hoffte auf erfolgreiche Gebietseroberungen: Tatsächlich brachte der Feldzug nach Indien im Frühjahr 1739 kolossale Kriegsbeute ein. […] Die wichtigsten Schätze des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich">Mogulreichs</a> wurden erbeutet, darunter wertvolle Edelsteine und Diamanten, Elefanten mit goldenem Geschirr, Tonnen von Elfenbein und indischen Stoffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hälfte der Beute floss in die Armee und die Flotte, unter anderem für den Kauf von Kanonen und Schießpulver bei den Niederländern. Der Rest diente der Befestigung von Chorasan als Brückenkopf für den Vorstoß nach Zentralasien. Denn, wie der Hofhistoriker Nadir Muhammad Kazim damals schrieb: <em>„Unter dem Einfluss seines unstillbaren Eroberungsdrangs hatte der siegreiche Herrscher bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass er nach der Eroberung Indiens die Eroberung</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Eroberung_Turkestans"><em> </em><em>Turkestans</em></a><em> in Angriff nehmen würde.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chaos jenseits des Amudarja</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Iran wurde die politische Macht zunehmend konsolidiert. Demgegenüber herrschten in Zentralasien Kämpfe und Macht und Ressourcen verschiedener Stammesverbände und Feudalherren vor. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Chiwa</a> befanden sich kasachische Nomadenstämme (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCz">Jüz</a>), die nach dem Tod von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tauke_Khan">Tauke-Khan</a> in eine Phase innerer Unruhen geraten waren. Die Destabilisierung, begleitet von ständigen Überfällen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarisches_Khanat">Dschungaren</a>, verwandelte die unter den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden </a>blühende Region in ein Schlachtfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Buchara stand <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> aus der Dynastie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden </a>(auch: Astrachaniden), der seit 1711 formal regierte, unter der Kontrolle von Regenten, die weder den äußeren noch den inneren Herausforderungen gewachsen waren. In den 1720er Jahren fielen Kasachen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakstan">Karakalpaken</a> und Kirgisen über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a> (auch: Mawara’annahr) her, die ihrerseits von den Dschungaren aus dem Osten bedrängt wurden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage eines Zeitgenossen geschah nach ihrem Einfall Folgendes: <em>„Die einst so wunderschöne Region Buchara war so verarmt, dass sie auch später, als diese Katastrophe vorbei war und viele Jahre in Frieden vergangen waren, nie wieder so blühend wurde wie früher.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khan"> Khan</a> [Abulfeiz] hatte die Kontrolle über die Randgebiete verloren. Das Sagen hatten die eingewanderten Stämme und lokale Dynastien. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangiten</a> und Kungraten bemühten sich fast jedes Jahr darum, die Kontrolle über die Zentralregierung zu erlangen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> wurde von den<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oiraten"> Oiraten </a>erobert. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch">Balkh</a> spalteten sich ab, und in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> hatte der dortige herrschende Stamm bereits einen eigenen Staat gegründet. Die Wirtschaft des Khanats brach zusammen – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschan">Serafschan-Tal</a> litt unter ständigen Dürren, die Bewässerungsarbeiten wurden aufgegeben, und der Seidenhandel mit Russland ging aufgrund der Expansion der Dschungaren um die Hälfte zurück. Die bucharische Armee jener Zeit bestand aus verstreuten Truppen nomadischer Stämme und taugte allenfalls für Überfälle auf die Nachbarn, aber keineswegs für einen richtigen Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution/"><strong>Der Fall von Buchara und das Schicksal der Tadschik:innen: War es eine Revolution?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der traurigen Lage im Khanat zeugen insbesondere die Aufzeichnungen des im russischen Dienst stehenden Italieners Florio Beneveni, der sich von 1721 bis 1723 im Auftrag des russischen Zaren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_der_Gro%C3%9Fe">Peter I.</a> in Transoxanien aufhielt. Der Reisende berichtet: <em>„Die Stadt [Buchara] war so sehr an Proviant und anderen Vorräten verarmt, dass das einfache Volk gezwungen war, seine Kinder zu verkaufen, um sich davon zu ernähren, während andere vor Hunger starben. Der Khan [Abulfeiz] selbst verlor mehr als die Hälfte seiner Kamele, Pferde und sonstigen Viehbestände und litt unter einem solchen Mangel an Proviant, da er sich scheute, Boten in seine Dörfer zu schicken, damit die restlichen Kamele nicht in die Hände der Usbeken fielen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Khanat von Chiwa unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilbars">Ilbars II.</a> (regierte dort seit 1728) befand sich dank seiner günstigen Lage in einer etwas besseren Position. Die Einfälle der Dschungaren erreichten sie zwar nicht vollständig, doch waren die lokalen Gemeinschaften aufgrund ständiger Überfälle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenen">Turkmenen</a> und Kämpfe zwischen Stämmen ebenfalls vollständig zersplittert. Die Kanäle der Chiwa-Oase verfielen, einzelne Gebiete fielen gänzlich aus dem Einflussbereich der Zentralmacht heraus. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Buchara verfügte Chiwa jedoch trotz innerer Probleme über eine kampfstarke Armee. Sowohl Ilbars II. als auch sein Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shir_Ghazi_Khan">Shir Ghazi Khan</a> [Khan des Khanats Chiwa – Anm. der Red. von Novastan] plünderten regelmäßig sowohl die Gebiete Bucharas als auch die Randgebiete des persischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde genommen dienten diese Überfälle als formeller Vorwand für den Einmarsch Nader Schah Afschars in Zentralasien. Eine <a href="https://archive.org/details/dli.ernet.1439/page/177/mode/2up">britische Quelle</a> aus dem Jahr 1938 begründete den Feldzug der Perser gegen Buchara und Chiwa wie folgt: Die Perser wussten das Fehlen politischer Einheit in der Region für ihren Vorteil zu nutzen. Nader Schah Afschar wollte seine Macht auf die lokalen Khanate auszudehnen und die nördlichen Grenzen von Khorasan, die ständig von usbekischen und turkmenischen Stämmen verwüstet wurden, absichern. Gerichtet war das Unterfangen aber auch gegen die mögliche Ausdehnung des Russischen Zarenreiches, insbesondere in Chiwa.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem also die Truppen von Ilbars II. in den Jahren 1734–1735 einen weiteren Überfall auf Choresmien unternommen hatten, nutzte Nader Schah Afschar die Feindseligkeiten zwischen den Turkmenen, die das Rückgrat der Armee von Chiwa bildeten, und ihren Nachbarn – den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurden">Kurden</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kadscharen">Kadscharen</a> – aus, um die persische Grenzstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> zu unterwerfen und sie anschließend zu einem strategischen Hauptstützpunkt für Operationen im Norden und Osten auszubauen. Um seine Position in der Region zu festigen und deren Wirtschaft wiederzubeleben, ordnete der Schah an, alle, die sich ihm angeschlossen und unterworfen hatten, anschließend in ihre Heimat zurückzuschicken. [Dort sollten sie eine neue, ihm treue Ordnung erschaffen – Anm. der Red. von Novastan]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Hofhistoriker Muhammad Kazim zitiert folgende Worte Nadirs, die er an seine Soldaten gerichtet haben soll: <em>„An meiner Seite habt ihr euer Leben geopfert, eure Pflicht standhaft und aufrichtig erfüllt und eine wunderbare Treue bewiesen – jenseits aller Maßstäbe. In Anerkennung eurer Verdienste und eurer Freundschaft gegenüber unserer Dynastie schenke ich auch euch meine Gunst. Um euch vor weiteren Unglücksfällen in diesen unbekannten Ländern zu bewahren, schicke ich euch in eure geliebte Heimat, damit ihr dort, sobald ihr angekommen seid, als Erstes für die nötige Ordnung sorgt und euch um das Wohlergehen dieses Landes kümmert.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Indien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp zwei Jahre später, im Jahr 1737, brach Nader Schah Afschar zum weiteren Feldzug an die Grenzen Indiens auf. Währenddessen erhielt er von seinem Sohn und Thronfolger Reza Kuli Mirza, der Statthalter in Chorasan geworden war, die Nachricht, dass in Chiwa eine neue Elite das Ruder ergriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des persischen Historikers <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> aus dem 18. Jahrhundert: <em>„Ilbars-chan, der Herrscher von Choresmien, hielt, nachdem er von dem Feldzug Seiner Majestät nach Indien erfahren hatte, das Schlachtfeld für geräumt und stellte eine große Streitmacht aus Usbeken und choresmischen Turkmenen auf.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reza Kuli Mirza wiederum sorgte unterdessen auf Befehl seines Vaters für Ordnung in der benachbarten Region<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)"> Balkh</a>. Mit seiner Überwachung wurde Nadirs alter Mitstreiter, der Feldherr <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tahmasp_Khan_Jalayer">Tahmasp Khan Jalayer</a>, betraut. Nachdem sie den Auftrag des Schahs erfüllt hatten, überquerten Reza Kuli Mirza und sein Mentor den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, zerschlugen die schwachen Posten von Buchara und zogen weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>. Dort regierte ein Oberhaupt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangyten</a> namens Ataliq Hakim-bi, einer der einflussreichsten Würdenträger des Khanats, der von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> nach einem weiteren Streit zwischen den Stämmen aus Buchara verbannt worden war. Nachdem sie die strategische Initiative ergriffen hatten, besiegten die persischen Truppen die Armee von Ataliq Hakim-bi bei Qarshi und belagerten anschließend die Festung selbst. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan von Buchara, Abulfeiz-Khan, eilte den Belagerten mit einem großen Heer zu Hilfe. Doch die Perser schlugen ihn in der entscheidenden Schlacht. Bezeichnenderweise bat der Khan auf seinem Weg nach Qarshi Ilbars II. um militärische Unterstützung. Die Armee von Chiwa traf allerdings zu spät ein. Die Bucharier flohen bereits vom Schlachtfeld. Als Ilbars davon erfuhr, beschloss er, das nun schutzlos gewordene Buchara einzunehmen, verzichtete jedoch schließlich aufgrund der Nähe der Perser auf diesen Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Erfolge von Reza Kuli-Mirza wurde der weitere Feldzug am rechten Ufer des Flusses Amudarja auf Befehl von Nader Schah Afschar gestoppt. Der Schah, der sich auf einen groß angelegten Einmarsch in Indien vorbereitete, war besorgt über den langwierigen Konflikt in Transoxanien und eine mögliche Niederlage seines Thronfolgers Reza Kuli Mirza.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historiker nennen verschiedene Gründe für seine Entscheidung, den Feldzug [ins heutige Zentralasien] abzubrechen: die hohen Verluste der Perser in den bisherigen Kämpfen und die Herausforderung, Kriege an zwei Fronten zu führen. Der Schah entschied sich, vorübergehend Neutralität gegenüber Buchara zu wahren. Die Truppen von Reza Kuli Mirza hoben die Belagerung von Qarshi auf und zogen sich zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schachmatt für Buchara</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1740, nachdem er die Staatskasse mit Beute aus Indien gefüllt hatte, führte Nader Schah Afschar eine 100.000 Mann starke Armee zum Amudarja. […] Abulfeiz-Khan, der erkannte, dass er der Armee Nader Schah Afschars nichts entgegenzusetzen hatte, beauftragte den Anführer der Mangyten, Hakim-bi, mit den Persern zu verhandeln. Wie im Buch des bucharischen Historikers Muhammad Wafa-i Kerminegi vermerkt wird, sah der Fürst, der seit langem mit dem Khan verfeindet war und dessen Rache fürchtete, in Nader Schah Afschars Einfall eine Chance, das Kräfteverhältnis in Buchara grundlegend zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des Historikers Mirza Muhammad Abdalazim Sami Bustani aus dem späteren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat Bukhara</a> aus dem 19. Jahrhundert: <em>„Atalyq Hakim-bi, der die ungebührlichen Handlungen des Khans satt hatte und von dessen unwürdigem Verhalten bedrückt war, suchte aus Angst vor der Hinrichtung ständig nach einer günstigen Gelegenheit. Die Ankunft von Nader Schah Afschars empfand er als Gnade des Himmels, schrieb dem Schah sogleich einen freundlichen und herzlichen Brief und bekundete seine Bereitschaft, ihm zu gehorchen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Brief sandte der Anführer der Mangyten seinen Sohn mit kostbaren Geschenken und einer Einladung nach Buchara zu Nader Schah Afschar. Dieser nahm den Gast wohlwollend auf und verschaffte ihm einen Platz in seinem Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-letzte-kasachische-khan-leben-und-tod-von-kenesary-qasymuly/"><strong>Der letzte kasachische Khan: Leben und Tod von Kenesary Qasymūly</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst Anfang September überquerte der Schah mit seinen Hauptstreitkräften bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> (dem heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Turkmenabad</a>) den Amudarja. Der verängstigte Abulfeiz-Khan entsandte Ataliq Hakim-Bi persönlich zum Schah. Bei einer Audienz bei Nader Schah Afschar schilderte er diesem offen die innere Krise des Khanats und bekundete seine persönliche Treue, wofür er vom Schah weitreichende Befugnisse als dessen Vertreter in Buchara erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt weigerte sich Ataliq Hakim-bi jedoch, den Khan zu treffen, und verschanzte sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir-Arab-Madrasa">Mir-Arab-Madrasa</a>. Über seine Anhänger begann er, Verwaltungsfunktionen an sich zu reißen und das Volk auf seine Seite zu ziehen. Dies steigerte seine Popularität sprunghaft, wurde am Hof jedoch als Auflehnung gewertet. Das Umfeld des Khans entwickelte einen Plan, den Ataliq Hakim-bi unter dem Deckmantel von Verhandlungen zu entführen und hinzurichten, doch dieser Plan scheiterte, und Abulfeiz-Khan war gezwungen, sich selbst zu Nader Schah Afschar zu begeben, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> schreibt: <em>„Zusammen mit Ataliq Hakim-bi, den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hodscha"><em>Hodschas</em></a><em> [den Adeligen – Anm. der Red. von Novastan] sowie den Stammesführern, den Feldherren, den Würdenträgern und dem gesamten Volk trat er ‚durch die Tür der Unterwerfung‘ ein, in der Hoffnung auf die Gnade des Schahs.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-veroeffentlicht-bilder-von-der-oeffnung-des-grabes-von-amir-temur/"><strong>Usbekistan veröffentlicht Bilder von der Öffnung des Grabes von Amir Temur</strong></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abulfeyi-Khan überreichte dem Schah wertvolle Geschenke, zu denen laut dem iranischen Historiker Ahmad Panoh Simnoni „vier Spiegel von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Timur</a>“ und „das Gold von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a>“ gehörten. In Folge des Treffens wurde Nader Schah Afschar als Oberherr des Khanats von Buchara ernannt, Abulfeiz-Khan wurde als nomineller Vasallenherrscher beibehalten, die tatsächliche Macht wurde jedoch an Ataliq Hakim-bi übertragen. […] Die Khan-Besitzungen am linken Ufer des Amudarja fielen an die Perser. Somit führte der Feldzug zur Errichtung eines Protektorats unter iranischer Hand und zum faktischen Ende der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden-Dynastie</a>, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Buchara regiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> marschierte Nader Schah Afschars Heer kampflos ein. Aus der verblassten Hauptstadt des einstigen Reiches von Amir Timur, dem der Schah großen Respekt entgegenbrachte, verschleppten die Perser zahlreiche Artefakte aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden</a>, darunter die verzierten Türen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bibichonim-Moschee">Bibichonim-Moschee</a>, Gold, Silber und Edelsteine sowie den Großteil der in der Stadt verbliebenen Architekten, Künstler und Gelehrten. Samarkand wurde endgültig zum Schatten seiner früheren Pracht. Der Legende nach hatte Nader Schah Afschar vor, das Grabmal Amir Timurs, das aus schwarzem Nephrit gemacht war, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> zu bringen, um damit sein zukünftiges Grabmal zu schmücken. Doch unheilvolle Vorzeichen ließen ihn es sich anders überlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chiwa zeigt die Zähne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während seines Aufenthalts in Buchara sandte Nader Schah Afschar seine Gesandten zu Ilbars II., damit dieser sich ihm als Vasall unterwerfe, und forderte zugleich die Auslieferung der turkmenischen Anführer, die Überfälle auf persische Gebiete verübten. Der Khan von Chiwa wies jedoch alle Forderungen des Schahs zurück und ließ dessen Gesandte hinrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu seinem Konrahenten aus Buchara bereitete sich Ilbars ernsthaft auf den Krieg vor und mobilisierte alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die erste große Schlacht gegen die Perser fand im Oktober 1740 in der Gegend von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> statt. Der Schah führte persönlich ein Regiment ausgewählter Kavallerie an, das die Reihen des Gegners durchbrach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten von Mirza Mehdi Khan Astarabadi: <em>„In einem gnadenlosen Angriff wurden sie [die Choresmier] besiegt und ergriffen die Flucht. Die Armee des Schahs nahm die Verfolgung auf. Bei vielen von ihnen ‚entbrannten die Reisigzweige und Dornen des irdischen Daseins durch die Hitze des funkelnden Schwertes‘, viele wurden von der Schlinge des Feindes umschlungen. Sowohl geköpfte Leichen als auch lebende Gefangene lagen in großer Zahl zu Füßen seiner Majestät.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Schlacht fand bei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pitnak">Pitnak</a> an der südlichen Grenze der Oase Choresmiens statt. Der Khan von Chiwa stellte ein 60.000 Mann starkes Heer auf, das sich aus turkmenischen (Jomuden) und usbekischen Truppen zusammensetzte. Unter dem Ansturm des zahlenmäßig überlegenen Gegners ordnete Ilbars seine Kampfformationen wiederholt neu und startete Gegenangriffe, erlitt jedoch jedes Mal eine Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich zog sich der Khan zurück […]. Von den Persern belagert, wehrte er eine Zeit lang alle Angriffe des Feindes ab, musste sich aber schließlich ergeben. Nadir ordnete an, sowohl Ilbars selbst als auch zwei Dutzend seiner Vertrauten hinzurichten. Einigen Quellen zufolge wurden ihnen die Köpfe abgeschlagen, anderen zufolge befahl der Schah, der die Rache an seinen Gesandten noch nicht vergessen hatte, die Gefangenen lebendig zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zwischen-aralsee-und-kaspischem-meer-geschichte-und-archaeologie-turkmenistans/"><strong>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Archäologie Turkmenistans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend zog Nader Schah Afschar feierlich in Chiwa ein und befreite 30.000 iranische und einige russische Sklaven aus der Knechtschaft […]. Plünderungen und Raubzüge unter seinen Kriegern unterband der Schah streng und bemühte sich im Allgemeinen auf jede erdenkliche Weise, die lokalen Völker für sich zu gewinnen […].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage von Muhammad Kazim: <em>„Nader Schah Afschar zeigte seine königliche Fürsorge für die Gefangenen, verlieh ihnen Belohnungen, umschmeichelte und begünstigte sie, stärkte sie durch seine königliche Gunst und entließ sie gnädig, damit sie zu ihren Nomadenlagern zurückkehren und unter den Jomuden Ruhe stiften könnten, indem er ihnen Hoffnung durch den Hinweis auf die Gnade und Gunst des Schahs gab.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Statthalter in Chiwa ernannte der Schah einen Verwandten von Abulfeiz-Khan namens Tahir-Khan. Dem Khanat wurden Tributzahlungen sowie die Verpflichtung auferlegt, Hilfstruppen für die Armee des Schahs zu stellen. Nachdem er eine persische Garnison in der Stadt zurückgelassen hatte, kehrte der Schah nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a> zurück. Doch schon bald erhob der Adel von Chiwa einen Aufstand, Tahir-Khan wurde getötet und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nuraly_Khan">Nuraly-Khan</a>, der Sohn des kasachischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abul_Khair_Khan">Abul Khair-Khan</a>, wurde auf den Thron gesetzt. Er regierte nur wenige Monate, bis die von Nader Schah Afschar entsandte Armee in Chiwa die Ordnung wiederherstellte und eine weitere Marionette der Perser zum Khan ernannte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ende der Ära Nader Schah Afschars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Feldzug von 1740, der unmittelbar auf die Eroberung Indiens folgte, markierte den Höhepunkt der iranischen Expansion und einen historischen Wendepunkt: Nie zuvor und nie danach dehnten persische Dynastien ihre Grenzen so weit nach Osten aus. Dennoch gelang es dem Schah nicht, die Grundlagen für die Verwaltung der eroberten Gebiete zu schaffen und die Khanate vollständig in sein Reich zu integrieren. Die weiteren Kriege des Schahs, die fast bis zu seinem Tod im Jahr 1747 geführt wurden, endeten bestenfalls ergebnislos und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von administrativen und wirtschaftlichen Reformen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Seine Versuche, Schiiten und Sunniten zu versöhnen, blieben erfolglos. Unmittelbar nachdem der Nader Schah Afschar von Aufständischen umgebracht worden war, brach sein Reich zusammen, und der einzige seiner Söhne, der das Werk seines Vaters wahrscheinlich erfolgreich hätte fortsetzen können war bereits 1741 auf Befehl Nader Schah Afschars von der Thronfolge ausgeschlossen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev/"><strong>Zentralasien durch die Linse von…Behzod Boltayev</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ataliq Hakim-bi, der die Herrschaft über Buchara innehatte, verstarb im Jahr 1743. Sein Sohn, der seine Ausbildung bei Nadir Schah Afschar absolviert hatte, vollendete das Werk seines Vaters und gründete die neue Herrscherdynastie der Mangyten. Ähnlich verhielt es sich in Chiwa: Kurz nach dem Tod des Schahs wurden seine Statthalter gestürzt und getötet, und eine lokale Dynastie, die Kungrat, kam an die Macht und festigte die Unabhängigkeit des Khanats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kurzzeitige iranische Herrschaft hat mit Blick in die Geschichte auf paradoxe Weise das politische Feld geräumt. Der Adel in Zentralasien konnte dank dem Niedergang Nader Schah Afschars lokal neue Herrscherdynastien begründen und relativ stabile Staaten schaffen, die bis 1920 an der Macht blieben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Pjotr Bologow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/145069/">Russischen</a> (gekürzt) von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Große Nachbarn, große Ambitionen: Russland, China und der Iran und ihr Einfluss in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 18:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 28. April haben sich die Verteidigungsminister der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) zu einem Gipfel in Bischkek getroffen. Dabei bot sich nicht nur f&#xFC;r die russischen und chinesischen Verteidigungsminister die Chance, ihren Anspruch auf Einfluss in Zentralasien zu best&#xE4;tigen, Auch der Iran nutzte die M&#xF6;glichkeit, sich als neuen sicherheitspolitischer Akteur in der Region zu [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 28. April haben sich die Verteidigungsminister der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) zu einem Gipfel in Bischkek getroffen. Dabei bot sich nicht nur für die russischen und chinesischen Verteidigungsminister die Chance, ihren Anspruch auf Einfluss in Zentralasien zu bestätigen, Auch der Iran nutzte die Möglichkeit, sich als neuen sicherheitspolitischer Akteur in der Region zu präsentieren.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Schlüsselregion sowohl für Russland als auch für China ist Zentralasien schon lange hin- und hergerissen zwischen äußeren Akteuren. Vor diesem Hintergrund fand im April in Bischkek der Gipfel der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a> statt, der von Russland und China dominierten Sicherheitsorganisation mit inzwischen zehn Mitgliedsstaaten. Diese Gelegenheit haben der russische und der chinesische Verteidigungsminister genutzt, um ihren Ambitionen in die Region zu bekräftigen und dabei implizit den amerikanischen und europäischen Einfluss zu kritisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Russlands und Chinas Militärdominanz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Wir beobachten aufmerksam die Versuche auswärtiger Akteure, sich eine militärische und logistische Präsenz in Zentralasien zu sichern. Wir betrachten dies als inakzeptabel.&#8220;</em> <a href="https://ria.ru/20260428/rossija-2089373281.html?in=l">erklärte</a> der russische Verteidigungsminister Andrej Belousow trocken. Er bekräftigte damit, dass Russland jede militärische Partnerschaft zwischen einem Land, das nicht der SOZ angehört, und einem Land Zentralasiens ablehne. Die russische Regierung befürchtet bereits jetzt einen zu großen Einfluss des Auslands im Kaukasus und in Zentralasien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Afghanistan bleibt weiter instabil. Das Land bleibt die wichtigste Quelle für transnationale Kriminalität und Terrorismus&#8220;</em>, fügte Belousow hinzu. Russland hatte bereits zuvor das von den Taliban regierte Land als größte Bedrohung für ein anderes Sicherheitsbündnis, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)</a>, bezeichnet. Die OVKS, ein von Russland dominierter Zusammenschluss einiger Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, kündigte an, <a href="https://novastan.org/fr/decryptage/lotsc-lance-un-programme-de-livraison-darmes-au-tadjikistan/">militärisches Material in Afghanistans Nachbarland Tadschikistan zu liefern</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/riskante-zusammenarbeit-mit-china/"><strong>Riskante Zusammenarbeit mit China</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;Als Vorbild für den Multilateralismus muss die SOZ mit Vehemenz die internationale Ordnung und miteinander Fairness und Gerechtigkeit verteidigen. Es ihre Aufgabe, gemeinsam Sicherheitszusammenarbeit zu fördern, die Quellen von Chaos und Konflikten durch eine gemeinsame Entwicklung zu eliminieren, und zur „Stärke der SOZ“ für nachhaltigen Frieden beizutragen“,</em> <a href="https://english.news.cn/20260429/4feda14118b649278a996feae66233d1/c.html">erklärte</a> deutlich nüchterner der chinesische Verteidigungsminister. Über diese Worte hinaus hüteten sich chinesische Regierungsvertreter:innen – ganz im Einklang mit ihrer Doktrin der diplomatischen Neutralität – vor jeder weiteren Verschärfung im Dialog. Sie schlossen sich damit der russischen Position einer rein regional definierten Sicherheit und Verteidigung an.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Iran als regionaler Sicherheitsakteur in Zentralasien?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Iran, selbst erst seit 2023 Mitglied der SOZ, zeigte sein Interesse, in Zentralasien eine stärkere Position zu entwickeln. <em>&#8222;Die Islamische Republik Iran ist bereit, ihre Fähigkeiten in den Bereichen Bewaffnung und Verteidigung mit unabhängigen Ländern zu teilen, insbesondere mit den Mitgliedsstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit&#8220;</em>, <a href="https://en.mehrnews.com/news/244046/SCO-symbol-of-desire-of-nations-to-pass-through-unipolarity">erklärte</a> der stellvertretende Verteidigungsminister <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Reza_Talaei-Nik">Reza Talaei-Nik</a>. <em>&#8222;Teheran ist bereit, seine Erfahrung aus der Konfrontation mit den Vereinigten Staaten mit den anderen Staaten der SOZ zu teilen&#8220;</em>, verdeutlichte er das Ziel des Irans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land versucht, Kapital aus seinem Widerstand im Krieg gegen die USA und Israel seit dem 28. Februar zu schlagen. In Zentralasien scheint das möglich, ist doch von den zentralasiatischen Staaten bislang nur Tadschikistan ein militärischer Partner des Irans. In dem Land soll sich seit 2022 angeblich eine <a href="https://www.rferl.org/a/iran-drones-tajikistan-afghanistan-kyrgyzstan/31865830.html">Fabrik für die Montage von iranischen Ababil-2 Dronen</a> befinden. Von dieser militärischen Infrastruktur findet sich jedoch, <a href="https://www.rferl.org/a/iran-tajikistan-drone-factory-mystery-/33719984.html">wie es Radio Free Europe im März berichtete</a>, bislang keine Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/von-teheran-nach-duschanbe-tadschikistan-und-iran-verstaerken-bilaterale-zusammenarbeit/"><strong>Von Teheran nach Duschanbe: Tadschikistan und Iran verstärken bilaterale Zusammenarbeit</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorkriegssituation war für den Iran also wenig aussichtsreich für eine offizielle Annäherung mit den Staaten Zentralasiens. Mit seinen Erfahrungen in der Luftabwehr, den Angriffen mit unbemannten Dronen sowie der asymmetrische Seekriegsführung, die auf einer &#8222;Moskito-Flotte&#8220; aus Schnellbooten beruht, versucht der Iran dagegen nun bei den Ländern Zentralasiens zu profitieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie weiter mit der multivektoriellen Außenpolitik?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gipfel in Bischkek zeigt damit klar die Herausforderungen, denen die multivektorielle Außenpolitik der zentralasiatischen Staaten ausgesetzt ist, an der diese jedoch vehement festhalten. Trotz ihrer Bestrebungen um gute Beziehungen mit allen internationalen Organisationen gewinnt ihre Einbindung in von Russland und China dominierten Institutionen die Oberhand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Möglichkeiten der zentralasiatischen Länder sind beschränkt. Eine Annäherung mit dem Iran würde zu amerikanischen und israelischen Sanktionen führen und auch die Europäische Union sanktioniert den Iran. Zudem könnte jede Partnerschaft als Versuch gesehen werden, Russland, das weiter seinen Krieg gegen die Ukraine führt, mit zivilen oder militärischen Gütern zu beliefern. Das Risiko, dass die Europäische Union ihre zukünftigen Sanktionspakete erweitern und verschärfen könnte, ist in diesem Szenario nicht ausgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-europaeische-union-ueberdenkt-ihre-zentralasien-strategie/"><strong>Die Europäische Union überdenkt ihre Zentralasien-Strategie</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einstufung Afghanistans als vorrangige Bedrohung für die SOZ und die andauernde Krise im Nahen Osten verstärken also die sicherheitspolitische Abhängigkeit, während die Alternativen zunehmend schwinden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/russie-chine-iran-reaffirment-leurs-ambitions-sur-lasie-centrale-lors-dun-sommet-de-bichkek/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Simon Schulz</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Usbekistan will regionaler Wirtschaftshub werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 19:14:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Investitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Juni 2026 hat Usbekistan das f&#xFC;nfte &#x201E;Tashkent International Investment Forum&#x201C; ausgerichtet &#x2013; ein j&#xE4;hrlicher Treffpunkt, um internationale Investor:innen in das zentralasiatische Land zu locken. Zahlreiche franz&#xF6;sische Firmen, insbesondere in den Sektoren Energie, Infrastruktur, Industrie und &#xF6;kologischer Wandel, nahmen daran teil. Seit dem 16. Juni erinnern die Alleen des Central Asian Expo Centers wahrhaft an [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Juni 2026 hat Usbekistan das fünfte „Tashkent International Investment Forum“ ausgerichtet &#8211; ein jährlicher Treffpunkt, um internationale Investor:innen in das zentralasiatische Land zu locken. Zahlreiche französische Firmen, insbesondere in den Sektoren Energie, Infrastruktur, Industrie und ökologischer Wandel, nahmen daran teil.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 16. Juni erinnern die Alleen des Central Asian Expo Centers wahrhaft an einen Ameisenhaufen. Es herrscht geschäftiges Treiben: Industrievertreter:innen, Geschäftsleiter:innen, Investor:innen sowie politische Verantwortliche kommen dort im weitläufigen, 23m² Messekomplex ohne Unterlass zusammen. Das Gebäude im Herzen der usbekischen Hauptstadt empfängt dieses Jahr mehrere Tausend Teilnehmende aus hunderten Ländern zum „Tashkent International Investment Forum“ (TIIF) – ein Schaufenster der Ambitionen Usbekistans, das gut versteht, sich als regionales Investitionszentrum in Zentralasien zu profilieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 39-jährige Baxtiyor Karimov hat die Geschäftsreise aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Qashqadaryo">Qashqadaryo</a>, einer im Süden Usbekistans gelegenen Provinz (usb. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilaya">Viloyat</a>, Anm. d. Red.), angetreten. Er ist seit sechs Jahren Vize-Gouverneur des Distrikts Kitab und hat sich während der drei Messetage das Ziel gesetzt, Kontakte mit internationalen Unternehmen anzubahnen, um Projekte in seiner Region zu entwickeln.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist sehr wichtig für uns, diese Unternehmen zu treffen. Das eröffnet uns die Perspektive, neue Geschäfte zu machen und Partnerschaften mit ausländischen Firmen aufzubauen.“ </em>erläutert Karimov<em>. „Ich habe zum Beispiel mit Personen diskutiert, die in der Filiale der französischen Firma Saint-Gobain in Kasachstan arbeiten. Des Weiteren habe ich mit Mitgliedern der Agence française de développement (AFD, Französische Entwicklungsagentur) über Projekte in unserer Region gesprochen. Die Region Qashqadaryo ist reich an Mineralen, landwirtschaftlichen Ressourcen und Kohlenwasserstoff.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Veranstaltung wird als wichtigste Investitionsplattform des Landes sowie als eine der wichtigsten Zentralasiens präsentiert. <em>„Wir sind Zentralasiens größter Markt“</em>, hebt Mels Ochilov hervor, ein dem Ministerium für Investitionen, Industrie und Handel von Usbekistan beigeordnete Abteilungsleiter. 2025 versammelte das TIIF mehr als 8000 Teilnehmende und mündete in der Unterzeichnung von Abkommen im Wert von über 30 Milliarden US-Dollar.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Einrichtung eines internationalen Finanzzentrums</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu seinem fünften Jubiläum will das Forum noch weiter gehen. Gemäß dem Communiqué des Ministeriums für Investitionen, Industrie und Handel von Usbekistan sind dieses Jahr <em>„mehr als 160 Abkommen in einer Höhe von fast 43 Milliarden US-Dollar</em> (37,5 Milliarden Euro) <em>unterzeichnet worden“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einrichtung eines internationalen Finanzzentrums in Taschkent (TIFC) ist mit großem Pomp verkündet worden. Dieses soll sehr günstige steuerliche Rahmenbedingungen bieten, um sowohl Banken, Investmentfonds, aber auch globale Finanzgesellschaften anzulocken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner offiziellen Rede auf dem Forum brachte der Usbekistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> Digitalisierungsprojekte und die Fortsetzung der Arbeiten zum Internationalen Zentrum digitaler Technologien von Usbekistan zur Sprache. <em>„Unsere Hauptaufgabe ist es, das Leben aller Bevölkerungsgruppen durch den flächendeckenden Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Bildung, im öffentlichen Dienst und in Geschäftsprozessen zu verbessern“</em>, erklärte der usbekische Präsident. Er bekräftigte ebenso, dass sein Land bereit sei, <em>„Initiativen in den Sektoren der New Economy voll zu unterstützen“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Frankreich ist einer unserer größten Partner“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehreren Jahren kommt in Usbekistan eine Modernisierungspolitik in Gang. Ihr hauptsächliches Ziel: ausländische Investitionen anlocken, den Privatsektor entwickeln und seine Integration in die internationalen Wertschöpfungsketten stärken. Die Behörden heben zudem das sich verbessernde Geschäftsumfeld, ein umfassendes Privatisierungsprogramm sowie die strategische geographische Lage an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die großen Diskussionsthemen des diesjährigen Forums drehen sich rund um Energiewende, Infrastruktur, Logistik, die verarbeitende Industrie, kritische Mineralien und die Digitalwirtschaft. <em>„Usbekistan ist ein sich entwickelnder Markt und alle diese Sektoren müssen berücksichtigt werden“</em>, erklärt Mels Ochilov. „<em>Zum Beispiel im Digitalsektor ist die Digitalisierung einer der Schlüsselaspekte der Produktionskapazität, da sie es erlaubt, die diese zu analysieren. Im Technologiebereich ist Frankreich einer unserer größten Partner im Bergbau- und Energiesektor. Wir freuen uns, mit französischen Firmen zusammenzuarbeiten, um Zugang zu ihren Spitzentechnologien zu haben und davon zu profitieren.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/great-deals-kasachstan-und-usbekistan-schliessen-wirtschaftsabkommen-in-new-york/">„Great Deals“: Kasachstan und Usbekistan schließen Wirtschaftsabkommen in New-York</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die regionale Anbindung ist ebenso eine Priorität für das Land, denn <em>„das TIIF spielt eine wichtige Rolle für die regionale Wirtschaftsintegration: Es bietet Akteur:innen aus Zentralasien, aus dem südlichen Kaukasus und der Türkei, des Nahen Ostens, und sogar darüber hinaus, aus Europa und Asien mit der starken Beteiligung von China und Süd-Korea, die besonders gute Möglichkeit, ihre Partnerschaften zu entwickeln.“</em>, unterstreicht Olivier Grandvoinet, Büroleiter der französischen Entwicklungsagentur AFD in Taschkent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wichtiger Platz wird ebenso den Diskussionen rund um Transportkorridore und Energieaustausch eingeräumt. <em>„Dies illustriert die Ambition Usbekistans, sich als wirtschaftliche Schnittstelle zwischen Europa und Asien zu positionieren“</em>, fügt Grandvoinet hinzu. <em>„Schließlich ist das TIIF ein Treffpunkt für die usbekischen Behörden und die internationalen Entwicklungspartner:innen geworden. Dies ist insbesondere dieses Jahr aufgrund zahlreicher Veranstaltungen rund um europäische Akteur:innen wie der Europäischen Kommission, der Europäischen Investmentbank und der Europäischen Entwicklungsbank sichtbar.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Gelegenheit für französische Unternehmen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für große Unternehmen wird Usbekistan von nun an als Eingangstor zu ganz Zentralasien wahrgenommen. <em>„Unser Handelsvolumen mit Usbekistan beläuft sich auf rund 730 Millionen Euro, und wir verzeichnen einen Handelsüberschuss von 270 Millionen Euro zu unseren Gunsten.“</em>, bemerkt Walid Fouque, französischer Botschafter in Usbekistan. <em>„Wir möchten zur Diversifizierung der Partnerschaften mit diesem Land beitragen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Kontext bringen französische Firmen zahlreiche Vorteile mit. Aufgrund ihrer Präsenz in den Sektoren Energie, Transport, Stadtinfrastruktur, Dienstleistungen sowie Landwirtschaft profitieren sie von einem vorteilhaften Image, das an ihre technologische Expertise und ihr technologisches Know-How geknüpft ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/wirtschaftliche-annaeherung-zwischen-singapur-und-usbekistan/">Wirtschaftliche Annäherung zwischen Singapur und Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>“Die Landwirtschaft in Usbekistan stellt eine große Herausforderung dar.“</em>, erklärt Usbekistans Landwirtschaftsminister Ibrohim Abduraxmonov. “<em>Bei landwirtschaftlichen Technologien haben wir eine Kooperation im Bereich der Mechanisierung mit der französischen Firma KUHN</em> (eine Filiale der Schweizer Unternehmensgruppe Bucher Industries, Anm. d. Red.) <em>laufen. Wir möchten voll von der französischen Erfahrung in diesem Bereich profitieren.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>“In all diesen Bereichen setzen wir Projekte mit den </em><em>Usbek:innen um”, unterstreicht der Botschafter Frankreichs in Usbekistan und verweist auf die Unternehmensgruppe Voltalia oder EDF, die im Land Bauvorhaben durchführen.</em>“ Dies trifft auch auf die französische Firma TotalEnergies zu, die Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien in Usbekistan durchführt, <em>“denn es gibt noch zahlreiche Wachstumschancen aufgrund des steigenden Strombedarfs, der Entwicklung der Transportinfrastruktur für Strom und der Vorteile dieser Region für Erneuerbare Energien. Usbekistan profitiert von ausgezeichneten Wind- und Sonnenenergiepotenzialen und verfügt über umfangreiche Flächenressourcen.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>S</em>uez, Airbus, Saint-Gobain, Michelin, Orano… <em>“Alle großen französischen Unternehmen positionieren sich derzeit in Usbekistan.”</em>, fügt er hinzu. Das TIIF stellt für diese daher eine Gelegenheit dar, ihre Position auf einem stark wachsenden Markt mit fast 38 Millionen Einwohner:innen zu stärken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Test für die Attraktivität des Landes</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von den Investitionsankündigungen ist das TIIF 2026 ein Praxistest für die Fähigkeit Usbekistans, das Vertrauen internationaler Investor:innen aufrechtzuerhalten. <em>“Die heikelste Übung besteht darin, wirtschaftliche Beziehungen mit Russland aufrechtzuerhalten, die nach wie vor essentiell für die Zahlungsbilanz des Landes sind, insbesondere aufgrund der hohen Überweisungen von in Russland tätigen Arbeitnehmer:innen. Dabei soll jedoch vermieden werden, in eine allzu offensichtliche Zwickmühle hinsichtlich der westlichen Sanktionen gegen Russland zu geraten.“</em>, erklärt Julien Vercueil, Wirtschaftsprofessor am INALCO (Nationales Institut für orientalische Sprachen und Kulturen) und dessen Vize-Direktor für Wertschöpfung und ökologische Verantwortung. “<em>In diesem instabilen Kontext ist die Vorhersehbarkeit der Politik entscheidend für den Vertrauensaufbau bei ausländischen Unternehmen.”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die usbekische Regierung ist das Ziel klar: die Reformen, die seit einigen Jahren unternommen werden, in konkrete Projekte umwandeln. <em>“Eine große strukturelle Herausforderung für das Land”</em>, konstatiert Olivier Grandvoinet, Leiter des Taschkenter Büros der französischen Entwicklungsagentur AFD., das in Zukunft <em>“ausreichend Arbeitsplätze für eine junge und stark wachsende Bevölkerung schaffen muss.”</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Louise Simondet, Korrespondentin für Novastan in Usbekistan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/louzbekistan-affirme-son-ambition-de-devenir-un-carrefour-economique-regional/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Cornelia Steinigen</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Ich brauchte nur einen Reisepass“: Zentralasiatische Kriegsgefangene in der Ukraine zwischen Loyalität und Reue</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 10:46:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>B&#xFC;rger aus Zentralasien stellen den gr&#xF6;&#xDF;ten Anteil ausl&#xE4;ndischer K&#xE4;mpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkr&#xE4;ften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien f&#xFC;r Moskau zu einer Quelle besonders anf&#xE4;lliger Rekruten geworden sind. Im Hof einer Milit&#xE4;rstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bürger aus Zentralasien stellen den größten Anteil ausländischer Kämpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien für Moskau zu einer Quelle besonders anfälliger Rekruten geworden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hof einer Militärstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine schreiten Dutzende von Gefangenen schweigend zum Speisesaal. An den Wänden um sie herum hängen Porträts von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Romanowitsch">Daniel von Galizien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera">Stepan Bandera</a> und anderen ukrainischen Nationalisten. Im größten Kriegsgefangenenlager des Landes sind alle Beschriftungen und Befehle auf Ukrainisch verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bei uns läuft alles gut, sie sind ruhig, es gibt keine Schlägereien“</em>, erzählt ein Wachmann. Vor seinen Augen betreten die Gefangenen die Kantine zum Mittagessen. Ihre Gesichter sind verschlossen. Einige Häftlinge haben bereits vier Jahre im Lager verbracht. Vor allem weist ein Großteil von ihnen deutlich asiatische Gesichtszüge auf. Bei einigen handelt es sich um Russen aus sibirischen Republiken wie Burjatien und Jakutien, wo die Einberufungsquoten besonders hoch sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-44844" style="aspect-ratio:1.3281519161785866;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-768x579.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kantine des Kriegsgefangenen-Camps am 15. April 2026. Foto: Driss Rejichi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viele andere sind Soldaten aus den fünf ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. <em>„Die meisten Ausländer, die ich in der russischen Armee gesehen habe, kamen von dort“</em>, erklärt Chuschbacht Perusalijew. Im Frühjahr 2024 unterzeichnete der 47-jährige Tadschike einen Vertrag, um in der russischen Armee zu dienen. <em>„Man sagte mir: ‚Du wirst nicht an der Front sein, nichts dergleichen, du wirst einfach in einem Lager arbeiten‘ … Also habe ich zugestimmt“</em>, erinnert sich der Mann mit rasiertem Kopf und Bart. Eine Lüge: Wenige Wochen später wurde der Tadschike von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen, nachdem er bei einem Frontalangriff im Gebiet Donezk verwundet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weit vor den 1.400 Männern aus afrikanischen Ländern oder den 200 indischen Staatsbürgern, die seit Kriegsbeginn von der russischen Armee rekrutiert wurden, sollen laut den im April 2026 von der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene veröffentlichten Daten bereits mehr als 12.000 Soldaten aus Zentralasien an der „militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine teilgenommen haben. Mehr als die Hälfte der ausländischen Kämpfer, die für Russland kämpfen, stammen somit aus dieser Region.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angesichts von Razzien und Ausweisungen: das Versprechen eines Passes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zentralasiatischen Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, befanden sich im Gefängnis von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mykolajiw">Mykolajiv</a> und waren bereits vor 2022 in Russland. <em>„Die Rekrutierungsbemühungen, die sich an Ausländer richten, konzentrieren sich auf Arbeitsmigranten und Häftlinge, die eine Freiheitsstrafe verbüßen“</em>, betont ein Offizier der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Iljas, ein kirgistanischer Staatsbürger und Getränkehändler, der seit 2007 in Moskau lebt, unterzeichnete seinen Vertrag im April 2025. <em>„Mir wurde bei der Rekrutierung nicht direkt die Staatsbürgerschaft versprochen, aber ich wusste, dass ich später die Möglichkeit haben würde, sie zu erhalten“</em>, erklärt der Vierzigjährige.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2024 unterzeichnete Wladimir Putin ein Dekret, das es ermöglichte, bestimmten Ausländern, die in der Armee gedient hatten, insbesondere während der „militärischen Sonderoperation“, die Staatsbürgerschaft zu gewähren. Die Zahl der Ausländer, die davon profitiert haben, ist nach wie vor unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ukraine berichten die zentralasiatischen Gefangenen übereinstimmend, dass sie nach einer kurzen Ausbildung an die Front geschickt wurden, was zu hohen Verlusten führte. <em>„Wir rückten auf ein Dorf vor, und schon auf dem Weg dorthin tauchten Drohnen auf und begannen, uns anzugreifen“</em>, erinnert sich Iljas, der knapp entkommen konnte und anschließend gefangen genommen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chuschbacht wurde seinerseits bei einem Artillerieangriff verwundet, als er auf die ukrainischen Linien vorrückte: <em>„Die Hälfte der Gruppe fiel sofort, alle 200 [russischer Militärcode für Tote, Anm. d. Red.]“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Familienvater, dessen Frau und Kinder noch immer in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rjasan">Rjasan</a>, 200 Kilometer südöstlich von Moskau, leben, beschreibt, wie <em>„unmittelbar nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall“</em> im März 2024 ein Klima der Angst herrschte. Der von tadschikistanischen Staatsbürgern verübte und vom Islamischen Staat Khorasan beanspruchte Terroranschlag forderte mehr als 149 Todesopfer und führte zu einer Verschärfung der Lebensbedingungen für Migrierte aus Zentralasien in Russland. Laut Chuschbacht kam es häufig zu <em>„Razzien gegen Tadschiken“</em>, bei denen den Migranten <em>„sofort die Abschiebung mit Einreiseverbot“</em> auferlegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Angst verzichtete der Mann darauf, seinen abgelaufenen Pass verlängern zu lassen, aus Furcht, auf dem Weg zur Botschaft in Moskau festgenommen zu werden. <em>„Schließlich kontrollierten Spezialeinheiten der Polizei die Baustelle, auf der ich arbeitete“</em>, erklärt der Migrant, dem daraufhin die Staatsbürgerschaft versprochen wurde, wenn er sich der Armee anschließe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es stimmt, dass Tadschiken nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall stärker ins Visier genommen wurden als andere Gruppen aus Zentralasien“</em>, betont Caress Schenk, Professorin für Politikwissenschaft an der Nazarbaev-Universität in Astana. Nach Angaben der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene sind Tadschiken mit mehr als 3.400 Rekruten die zweitgrößte Nationalität in der russischen Armee, hinter etwa 4.800 Usbeken und 2.400 Kasachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/">Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schenk weist jedoch darauf hin, dass in Russland <em>„die Maßnahmen zur Migrationskontrolle, Razzien und der Druck, zum Militär zu gehen, stark von der aktuellen Lage abhängen“</em>. Seit Kriegsbeginn konnten je nach Kontext auch andere Bevölkerungsgruppen ins Visier geraten. <em>„Manchmal gerät jede Person mit asiatischen Gesichtszügen unter Verdacht“</em>, bemerkt die Forscherin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit November 2025 müssen bestimmte in Russland lebende Ausländer einen Vertrag über den Eintritt in die Armee vorlegen, wenn sie die russische Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten wollen. Zu Beginn des Jahrzehnts machten Zentralasiaten jedoch mehr als 40 Prozent der in Russland lebenden Migranten aus und sind daher am stärksten von diesen neuen Maßnahmen betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erklären alle von Novastan befragten Gefangenen, ihren Vertrag freiwillig unterzeichnet zu haben, um einen russischen Pass zu erhalten, doch betont Schenk auch, dass der zunehmende administrative Druck <em>„eher darauf abzielt, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Migranten einzuschränken, als ihnen echte Wahlmöglichkeiten zu bieten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ideologisch gefährdete Migranten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der prekären administrativen Lage stützt sich die russische Armee bei ihren Mobilisierungsbemühungen auch auf mögliche ideologische Affinitäten der zentralasiatischen Migranten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich wollte in Russland leben. Um die Staatsbürgerschaft zu erlangen, auf die ich meiner Meinung nach Anspruch hatte, musste ich also dem Vaterland dienen“</em>, erklärt der 38-jährige Jasur Islamov in einem gleichgültigen Ton. Nach anderthalb Jahren in der Armee wird ihm im März 2025 endlich der Pass versprochen, sofern er an der Front bleibt. Jasur wird jedoch wenige Wochen später gefangen genommen, nachdem er bei einem Angriff von einer Drohne verwundet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/">Situation zentralasiatischer Migrierter in Russland verschlechtert sich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Berichten anderer Ausländer, die zu Kriegsgefangenen wurden, wie beispielsweise Männer aus Afrika, haben Iljas, Jasur oder Chuschbacht nicht versucht, sich freiwillig zu ergeben oder zu desertieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese unterschiedlichen Verhaltensweisen im Kampf zu erklären, stellt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene fest, dass bestimmte Schichten der Migrantenbevölkerung <em>„russischsprachige Menschen sind, die in den 1970er oder 1980er Jahren in der UdSSR geboren wurden“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Novastan befragten Gefangenen betonen ebenfalls, dass sie nach Russland zurückkehren wollen, in der Hoffnung, an einem Gefangenenaustausch teilzunehmen. <em>„Wir haben keinerlei Einwände gegen den Austausch von Bürgern aus zentralasiatischen Ländern“</em>, erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene. Unter den rund 7.000 bereits ausgetauschten russischen Soldaten bildeten Staatsangehörige aus Zentralasien jedoch eine sehr kleine Minderheit und betrafen nur Einzelfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die direkte Frage nach ihren Erfahrungen mit Rassismus in Russland vor oder während ihres Dienstes versichern die Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, alle, dass sie nie damit konfrontiert worden seien. Sie sind zudem zuversichtlich, dass sie sich nach ihrer Haft mit einem Reisepass wieder in die russische Gesellschaft integrieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Stellen Sie sich vor: Ich habe mein Leben riskiert, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, und nun soll ich in mein Land zurückgeschickt werden, obwohl ich dort nichts mehr habe? Das wäre ein großer Verrat“</em>, sagt Jasur mit scharfer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-spricht-usbekistan-china-und-russland-sein-beileid-aus-aber-niemals-der-ukraine/">Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kriegsgefangenen haben jedoch bereits Enttäuschungen auf ihrem Weg als Migranten in Russland erlebt. Iljas, der seit Jahren mit einer Russin verheiratet ist, erzählt nüchtern, dass er <em>„vor langer Zeit die Staatsbürgerschaft beantragt und die Unterlagen eingereicht habe, aber sie wurde mir verweigert“</em>. Jasur gibt seinerseits bitter zu, <em>„nicht einmal das Geld aus dem Vertrag erhalten zu haben“</em>, da ihm von den achtzehn Monaten, die er in der Armee verbracht hat, nur zwei Monatsrenten ausgezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich glaube, es braucht Jahre und verschiedene Formen der Bewusstseinsbildung, um verinnerlichte Diskriminierungen abzubauen“</em>, erklärt Schenk und erinnert daran, dass in der sowjetischen Vorstellungswelt Rassismus ausschließlich mit dem Westblock und dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Berufung auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Konventionen">Genfer Konventionen</a> erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene, dass die Zentralasiaten wie alle anderen behandelt werden. Im Hof trainieren einige gemeinsam mit russischen Mitgefangenen an den Krafttrainingsgeräten des Lagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hätten nie gedacht, dass wir hier landen würden“</em>, beklagt sich schließlich Jasur. Als man ihn daran erinnert, dass er sich in voller Kenntnis der Sachlage verpflichtet hat, wird der Häftling gereizt: <em>„Sie reden, als hätte ich extra unterschrieben, um Menschen zu töten… Ich brauchte einfach nur einen Ort zum Leben und einen Pass, um zu arbeiten und meine Familie zu ernähren.“</em> Nach einer Pause fügt er bedauernd hinzu: <em>„Ich sage nicht, dass wir das Richtige getan haben. Jeder macht Fehler. Jeder.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Driss Rejichi, Sonderkorrespondent in der Ukraine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/guerre-en-ukraine/j-avais-juste-besoin-d-un-passeport-en-ukraine-les-prisonniers-de-guerre-d-asie-centrale-entre-loyaute-et-regrets/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 18:32:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Beileidsbekundung]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer wieder bekundet Usbekistans Pr&#xE4;sident Shavkat Mirziyoyev sein Beileid, wenn sich Trag&#xF6;dien in Russland oder China ereignen. Bei ukrainischen Opfern ist dies aber nicht der Fall. Alles Kalk&#xFC;l, sagt Daniil Kislov, Chefredakteur unseres Partnermediums Fergana News, in einem Kommentar. Am 6. Mai 2026 &#xFC;bermittelte Usbekistans Pr&#xE4;sident Shavkat Mirziyoyev umgehend sein Beileid an den Pr&#xE4;sidenten der [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Immer wieder bekundet Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev sein Beileid, wenn sich Tragödien in Russland oder China ereignen. Bei ukrainischen Opfern ist dies aber nicht der Fall. Alles Kalkül, sagt Daniil Kislov, Chefredakteur unseres Partnermediums Fergana News, in einem Kommentar.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Mai 2026 <a href="https://t.me/shmirziyoyev/33307">übermittelte</a> Usbekistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> umgehend sein Beileid an den Präsidenten der Volksrepublik China, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a>. Anlass war eine Explosion in einer Feuerwerksfabrik in der Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hunan">Hunan</a>, bei der 26 Menschen ums Leben kamen und mehr als 60 verletzt wurden. Diese Geste ist vollkommen verständlich: In einem Land, das nach wie vor zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Usbekistans zählt, hatte sich eine technische Tragödie ereignet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Standard-Diplomatie – ohne politische Risiken. Doch genau an jenem Tag – dem 6. Mai 2026 – griffen russische Drohnen <a href="https://www.aljazeera.com/video/newsfeed/2026/5/6/russian-drone-hits-kindergarten-in-ukraine">einen Kindergarten</a> im Zentrum der ukrainischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sumy">Sumy</a> an. Zwei Mitarbeiterinnen der Einrichtung kamen dabei ums Leben, zwei weitere Zivilist:innen wurden verletzt. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Kinder im Gebäude; dennoch bildete allein die Tatsache eines Angriffs auf eine Einrichtung der Kinderinfrastruktur ein weiteres Glied in der langen Kette von Angriffen auf ukrainische Städte – Attacken, bei denen seit nunmehr über vier Jahren Zivilist:innen, darunter auch Kinder, ihr Leben verlieren.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Und kein einziges Wort wurde vom offiziellen Taschkent an die Ukraine gerichtet – weder Beileidsbekundungen an das ukrainische Volk noch auch nur eine formelle Anteilnahme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum diese Selektivität? Weil sich Usbekistans erklärte Neutralität in der Praxis als äußerst bedingt erweist. Moskau bleibt Taschkents „Seniorpartner“ im postsowjetischen Raum: Millionen usbekischer Arbeitsmigrant:innen sind in Russland beschäftigt, und ihre Rücküberweisungen sind für die Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung. Zudem bestehen traditionell starke Bindungen zwischen den beiden Ländern – in den Bereichen Energie, Logistik und regionale Sicherheit. All dies schafft in der Realität eine Abhängigkeit Usbekistans von Russland – eine Tatsache, die sich nicht ignorieren lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/soft-power-mit-vorgehaltener-waffe-was-steckt-hinter-sergej-kirijenkos-besuch-in-usbekistan/">Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies bedeutet, dass jede öffentliche Sympathiebekundung für Opfer russischer Aggression vom Kreml als unfreundliche Geste wahrgenommen wird. Und die derzeitige Führung Usbekistans zieht es vor, ihre Beziehungen zu Moskau nicht aufs Spiel zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig – und das ist hoch anzurechnen – bekräftigt Usbekistan konsequent seine Anerkennung der territorialen Integrität der Ukraine, erkennt die selbsternannten „Donetsker Volksrepublik“ und „Luhansker Volksrepublik“ nicht an und setzt sich für friedliche Verhandlungen ein. Dies ist eine ausgewogene und im Großen und Ganzen korrekte Haltung. Doch wenn es um konkrete menschliche Tragödien geht – insbesondere um Kinder, die infolge dieser Aggression getötet oder verstümmelt wurden, herrscht ohrenbetäubendes Schweigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein pragmatisches Kalkül</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist keine Neutralität in ihrer Reinform. Es handelt sich vielmehr um ein pragmatisches Kalkül, bei dem Menschenleben in der Ukraine im Vergleich zu den Opfern in China als „drittrangig“ behandelt werden. Eine solche Logik ist aus der Perspektive der Realpolitik eines Kleinstaates, der zwischen Großmächten eingeklemmt ist, durchaus nachvollziehbar. Dennoch offenbart sie zugleich die Grenzen dieser Politik: Wenn es um universelle humanitäre Grundsätze geht, entscheidet sich Taschkent für das Schweigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wahrhaft unabhängige Außenpolitik erfordert nicht nur die Weigerung, militärischen Bündnissen beizutreten, sondern auch moralische Konsequenz. Solange diese fehlt, bleibt das Gerede von „Ausgewogenheit“ lediglich eine bequeme Tarnung für die Unwilligkeit, die Beziehungen zu Moskau aufs Spiel zu setzen – selbst aus offensichtlichsten humanitären Gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-ukraine-ist-meine-heimat-geworden-zentralasiaten-helfen-einem-land-im-krieg/">„Die Ukraine ist meine Heimat geworden“: Zentralasiat:innen helfen einem Land im Krieg</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Punkt ist erwähnenswert: Wir haben in offenen Quellen keinerlei öffentliche Kondolenzbekundungen des usbekischen Präsidenten an die Ukraine – oder an die Opfer russischer Angriffe auf deren Territorium – verzeichnet. Das umgekehrte Bild ist jedoch aufschlussreich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mirziyoyev hat der russischen Seite wiederholt und ausdrücklich sein Beileid ausgesprochen: im Dezember 2024 – persönlich gegenüber Putin <a href="https://www.rbc.ru/rbcfreenews/67645c249a7947c0ffca3b08?utm_referrer=https%3A%2F%2Ffergana.news%2F">nach dem <u>Tod</u></a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_Anatoljewitsch_Kirillow">General Kirillow</a>, wobei er den Vorfall als <em>„niederträchtigen Terrorakt“</em> verurteilte; <a href="https://www.vedomosti.ru/politics/news/2024/03/23/1027567-uzbekistana">nach dem <u>Terroranschlag in der Crocus City Hall</u></a> im März 2024; sowie <a href="https://www.rbc.ru/rbcfreenews/66797ace9a7947e20a7d45ed">nach den Anschlägen in Dagestan</a> im Juni 2024. Im Dezember 2025 ging Mirziyoyev sogar so weit, gegenüber Putin seine <em>„Empörung“</em> über einen ukrainischen Drohnenangriff auf die Residenz des russischen Präsidenten zum Ausdruck zu bringen, und bezeichnete diesen als <em>„rücksichtslose Terrorakte des Kiewer Regimes“</em>.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Daniil Kislov für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://fergana.news/articles/146682/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-spricht-usbekistan-china-und-russland-sein-beileid-aus-aber-niemals-der-ukraine/">Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#xDC;ber Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung gepr&#xE4;gt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten pr&#xE4;gen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 06:24:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Zusammenarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bem&#xFC;hungen zur Bek&#xE4;mpfung der Folgen der globalen Erw&#xE4;rmung. Als erste gro&#xDF;e Plattform f&#xFC;r die Entwicklung koordinierter L&#xF6;sungen auf regionaler Ebene brachte der Regional Ecological Summit (RES)&#xA0;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen f&#xFC;r zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bemühungen zur Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als erste große Plattform für die Entwicklung koordinierter Lösungen auf regionaler Ebene brachte der <a>Regional Ecological Summit (RES)</a>&nbsp;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen für zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen zusammen. Organisiert wurde der Gipfel vom <a>kasachstanischen</a>&nbsp;Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen in Partnerschaft mit der UNO. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Staaten, da sowohl natürliche Ressourcen als auch ökologische Katastrophen grenzüberschreitender Natur seien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Konferenz wurde von den zentralasiatischen Staatschefs eine Erklärung zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Unter dem Titel <em>„Ökologische Solidarität Zentralasiens“</em> legt dieses Dokument eine gemeinsame regionale Position zu den größten Umweltproblemen der Region fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für Zentralasien ist der Klimawandel keine Zukunftsprojektion mehr“,</em> erklärte der kasachstanische Umweltminister <a>Jerlan Nysanbaev</a>&nbsp;. <em>„Er ist ein Faktor, der direkt unsere Wasser- und Energieressourcen betrifft, aber auch Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Gesundheit.“ </em>Daher sei die Klimapolitik nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern auch eine Frage der <em>„wirtschaftlichen Resilienz, regionalen Sicherheit und Qualität der öffentlichen Verwaltung“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenbildung und Bedarf an Wiederaufforstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten behandelten Punkte war die zunehmende Wüstenbildung in der Region, die die Wasserressourcen drastisch reduziert. Wie der Vorsitzende des usbekistanischen Komitees für Ökologie und Klimawandel, Aziz Abduhakimov, betonte, verwandeln sich in Zentralasien wissenschaftlichen Schätzungen zufolge jede Minute neun Quadratmeter Land in Wüste. Dies betrifft große zentralasiatische Seen, deren Wasserstand kontinuierlich sinkt, insbesondere das Kaspisches Meer und den Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Fläche ausgetrockneter Meeresböden, die sich Kasachstan im Norden und Usbekistan im Süden teilen, umfasst heute rund 6 Millionen Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/heuschrecken-bekaempfung-die-herausforderungen-in-zentralasiatischen-laendern/">Heuschrecken-Bekämpfung: Die Herausforderungen in zentralasiatischen Ländern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge wird die Wasserversorgung unberechenbarer, was den Zugang zu Wasser erschwert. Um diesem Problem zu begegnen, sieht die Erklärung von Astana die Entwicklung neuer datengestützter Technologien vor, die auf Oberflächen- und Grundwasserdaten basieren und eine vorausschauende Wasserbewirtschaftung ermöglichen sollen, etwa durch die Digitalisierung von Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Priorität besteht nicht mehr darin, die Wasserversorgung zu erhöhen, sondern die Effizienz ihrer Nutzung zu verbessern“</em>, erklärte der kasachstanische Vizeminister für Wasserressourcen und Bewässerung, Talgat Momyşev. Die Regierung subventioniere derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten solcher wassersparenden Technologien, was einen <em>„grundlegenden Wandel hin zu einer rationalen und wirtschaftlich sinnvollen Wasserbewirtschaftung“ </em>darstelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde auf dem Gipfel eine neue Initiative Kasachstans verabschiedet: der <em>„Grüne Schild Zentralasiens</em>“, ein umfangreiches Wiederaufforstungsprojekt. Der Aufbau von Waldnetzen ist in der Region nicht neu, insbesondere in Kasachstan, wo seit 1997 ein 102.000 Hektar großer Waldgürtel um die Hauptstadt Astana angelegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Umweltminister Nysanbaev zeige dies, dass <em>„selbst in zuvor für Waldökosysteme ungeeigneten Gebieten die Wiederherstellung von Ökosystemen möglich ist, wenn sie auf Wissenschaft, vorausschauender Planung und professionellem Forstwissen basiert“</em>. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> wies zudem darauf hin, dass Kasachstan in den letzten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Bäume gepflanzt habe und dass <a href="http://?">36 Prozent</a> des kasachstanischen Teils des Aralsees durch ökologische Maßnahmen wiederhergestellt worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bewusstes Bedürfnis nach Zusammenarbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel wurden weitere Maßnahmen angekündigt, um die Luftqualität zu verbessern, die Biodiversität zu erhalten, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, chemische Abfälle zu verwalten, Plastikverschmutzung zu bekämpfen und ökologische Innovationen in Zentralasien zu fördern. Besonders betont wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. <em>„All diese Herausforderungen sind ihrer Natur nach grenzüberschreitend und erfordern gemeinsame politische Entscheidungen und Investitionen“</em>, betonte der Präsident der COP29 und Klimabeauftragte Aserbaidschans, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Babayev">Mukhtar Babayev</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vereinte-nationen-kuendigen-duerre-fuer-zentralasien-an/">Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ schlug Kasachstan zudem die Schaffung einer internationalen Wasserorganisation innerhalb der UNO vor, allerdings ohne konkreten Finanzierungsplan. Außerdem forderten die zentralasiatischen Staaten stärkere internationale finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihrer Umweltprobleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt abzuwarten, ob die Länder ihre Interessen und Ressourcen koordinieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Gipfel von Astana hat zumindest eine neue Erzählung im Kampf gegen den Klimawandel vorgeschlagen – mit dem Bewusstsein, dass geteilte Risiken zu gemeinsamen Lösungen werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloise Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/environnement/a-astana-un-sommet-sur-les-defis-environnementaux-specifiques-a-l-asie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Österreich und Usbekistan schließen Migrationsabkommen</title>
		<link>https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/oesterreich-und-usbekistan-schliessen-migrationsabkommen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 13:27:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Abschiebungen]]></category>
		<category><![CDATA[Karner]]></category>
		<category><![CDATA[Meinl-Reisinger]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Migrationsabkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#xD6;sterreichs Au&#xDF;enministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner sind zu einem offiziellen Besuch nach Zentralasien gereist. In Usbekistan ist dabei ein Migrationsabkommen unterzeichnet worden, das das Anwerben von Fachkr&#xE4;ften, aber auch Abschiebungen &#xFC;ber das zentralasiatische Land erm&#xF6;glicht. &#xD6;sterreichs Au&#xDF;enministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner besuchten am 7. Mai Taschkent. Dort trafen sie Usbekistans Pr&#xE4;sidenten [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner sind zu einem offiziellen Besuch nach Zentralasien gereist. In Usbekistan ist dabei ein Migrationsabkommen unterzeichnet worden, das das Anwerben von Fachkräften, aber auch Abschiebungen über das zentralasiatische Land ermöglicht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Österreichs Außenministerin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Meinl-Reisinger">Beate Meinl-Reisinger</a> und Innenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Karner_(Politiker)">Gerhard Karner</a> besuchten am 7. Mai Taschkent. Dort trafen sie Usbekistans Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> und führten unter anderem Gespräche mit Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baxtiyor_Saidov">Baxtiyor Saidov</a>. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Fragen der Migration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aus einer <a href="https://www.bmeia.gv.at/ministerium/presse/aktuelles/alle/musterjahr/05-1-1/oesterreich-und-usbekistan-vertiefen-partnerschaft-in-wirtschaft-und-migration">Pressemitteilung</a> des österreichischen Außenministeriums hervorgeht, wurde während des Besuchs eine Migrations- und Mobilitätspartnerschaft geschlossen. Das Abkommen soll legale Aufenthalte insbesondere von Fachkräften, Studierenden und Forschenden fördern. Gleichzeitig sehe es <em>„eine vertiefte Zusammenarbeit bei der Rückführung von Personen ohne Aufenthaltsrecht“</em> vor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abschiebung von Drittstaatsangehörigen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich scheint es aber bei diesen „Rückführungen“ weniger um usbekische Staatsangehörige zu gehen als um die Kooperation bei der Abschiebung von Drittstaatsangehörigen, die über Usbekistan nach Österreich gelangt sind. Wie <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000318849/kooperation-bei-abschiebungen-abkommen-mit-usbekistan-soll-am-7-mai-unterzeichnet-werden?ref=niewidget">Der Standard</a> berichtet, wurde beim Ministerrat insbesondere auf die Nachbarschaft Usbekistans zu Afghanistan verwiesen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Gerade bei Rückführungen von Drittstaatsangehörigen, die regionale Zusammenarbeit erfordern, braucht es verlässliche Partner und klare Verfahren. Mit Kooperationen wie dieser mit Usbekistan schaffen wir die notwendigen Rahmenbedingungen, um rechtsstaatliche Entscheidungen konsequent umzusetzen und eine geordnete Migrationspolitik auch in der Praxis umzusetzen“</em>, <a href="https://www.bmi.gv.at/newsda41.html?id=2f6c315358343658736d633d">erklärte</a> Meinl-Reisinger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innenminister Gerhard Karner ergänzte: <em>&#8222;Die konsequente Durchführung von Abschiebungen ist Teil einer harten und gerechten Asylpolitik. Durch das Mobilitätsabkommen mit Usbekistan setzen wir einen weiteren Schritt in diese Richtung. Wir verstärken aber auch die Kooperation durch den Austausch von Expertise im Bereich des Grenzschutzes und beim Erkennen von gefälschten Dokumenten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/auf-offiziellem-besuch-kirgistans-praesident-dschaparow-in-wien-und-berlin/"><strong>Auf offiziellem Besuch: Kirgistans Präsident Dschaparow in Wien und Berlin</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Migrations- und Mobilitätspartnerschaft wurden auch ein Abkommen zur Visabefreiung für Diplomatenpässe sowie ein Zusatzprotokoll zum bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Usbekistan abgeschlossen. Außerdem eröffnete Meinl-Reisinger ein österreichisch-usbekisches Wirtschaftsforum.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sicherheitskooperation mit Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftliche Themen standen auch am 5. und 6. Mai im Fokus, als die beiden österreichischen Minister:innen Kasachstan besuchten. Das zentralaisiatische Land ist vor allem im Energiebereich für Österreich von großer Bedeutung: <a href="https://www.bmeia.gv.at/ministerium/presse/aktuelles/alle/musterjahr/05-1-1/schluesselpartner-kasachstan-oesterreich-setzt-auf-energie-und-sicherheitspartnerschaft">Rund 60 Prozent</a> der österreichischen Rohölimporte stammen aus Kasachstan. Doch auch in anderen Sektoren steigt der Warenaustausch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Österreich ist ein zuverlässiger und langjähriger strategischer Partner Kasachstans. Es hat über 3 Milliarden US-Dollar in unsere Wirtschaft investiert, wobei auch der gegenseitige Handel ein Wachstum verzeichnet. […] Österreich ist zweifellos in vielerlei Hinsicht ein hochentwickeltes Land. Genau aus diesem Grund schätzen wir das erreichte Ausmaß unseres Engagements sehr und sind davon überzeugt, dass Kasachstan auch weiterhin eine wichtige Rolle für Sie in der Region spielen wird“</em>, <a href="https://akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-chlenov-pravitelstva-avstrii-644739">erklärte</a> Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> während des Treffens mit seinen österreichischen Gästen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="530" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb.jpg" alt="" class="wp-image-44678" style="width:750px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb.jpg 750w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb-300x212.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Meinl-Reisinger, Toqaev, Karner (v. l. n. r.), Photo: akorda.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Be dem Zusammentreffen zwischen Innenminister Karner und seinem kasachstanischen Amtskollegen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jerschan_S%C3%A4denow">Erjan Sädenov</a> standen die Bekämpfung von illegaler Migration und organisierter Kriminalität sowie das Vorgehen gegen Terrorismus und Extremismus im Fokus. Wie aus einer <a href="https://www.bmi.gv.at/news729a.html?id=5a315a594b48756c3843733d">Pressemitteilung</a> des österreichischen Innenministeriums hervorgeht, einigten sich beide Seiten auf einen engen Erfahrungsaustausch bei der Bekämpfung von organisierter Kriminalität, Extremismus und Terrorismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Migrationsabkommen – ähnlich jenem mit Usbekistan – hatten Österreich und Kasachstan bereits im Vorjahr geschlossen. Das Abkommen, das unter anderem <em>„die Durchbeförderung von Personen, die in ihr Heimatland gebracht werden sollen“</em>, ermöglicht, war wenige Tage zuvor, am 1. Mai, in Kraft getreten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Usbekistan als Abschiebe-Hub?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das nun unterzeichnete Migrationsabkommen zwischen Österreich und Usbekistan stand schon im Vorfeld der Unterzeichnung im Kreuzfeuer der Kritik. <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000318849/kooperation-bei-abschiebungen-abkommen-mit-usbekistan-soll-am-7-mai-unterzeichnet-werden?ref=niewidget">Presseberichten zufolge</a> geht der rechten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitliche_Partei_%C3%96sterreichs">FPÖ</a> der Migrationskurs der österreichischen Bundesregierung nicht weit genug, während die Grünen mehr <em>„Menschlichkeit und Ordnung“</em> einfordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Kommentar für die <a href="https://www.wienerzeitung.at/a/die-schattenseiten-von-migrationsabkommen">Wiener Zeitung</a> kritisiert der austro-afghanische Journalist Emran Feroz <em>„eine brutale Maßnahme gegen nachvollziehbare Fluchtursachen“</em>. Zwar solle das Migrationsabkommen Mobilität erleichtern und Visahürden für usbekische Arbeitskräfte und Studierende erleichtern, doch habe dies einen Preis: <em>„Im Gegenzug muss Usbekistan abgeschobene Geflüchtete aus Österreich aufnehmen. Dies betrifft nicht nur die eigenen Staatsbürger:innen, sondern vor allem Menschen aus dem Nachbarland Afghanistan und anderen Drittstaaten in der Region, die derzeit wieder zunehmend instabiler wird.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/trotz-verfassungsreform-pressezensur-in-usbekistan-dauert-an/"><strong>Trotz Verfassungsreform: Pressezensur in Usbekistan dauert an</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei weist Feroz auch auf die Menschenrechtslage in Usbekistan hin. Das Abkommen sieht er als Teil einer europäischen Asylstrategie, bei der mit autoritären Regimes im Bereich der Sicherheitsorgane eng zusammengearbeitet werde – bis hin zum Aufbau von sogenannten Rückkehrzentren („Return Hubs“) außerhalb der EU.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die meisten „Migrationsabkommen“ sind nämlich neokoloniale Deals, die die Realitäten vor Ort einfach ausblenden, Menschenrechte mit Füßen treten und zugunsten westlicher Regierungen und lokaler autoritärer Strukturen durchgesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Deals – abgesehen von Gewalt und massiven Subventionierungen für fragwürdige Akteure – wenig bewirken“</em>, so Feroz abschließend.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>(K)ein Präzedenzfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Österreich nicht das erste europäische Land, das mit Usbekistan ein Migrationsabkommen abgeschlossen hat.&nbsp; So war <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/">im September 2024</a> während des offiziellen Besuchs des damaligen deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz ein Migrationsabkommen abgeschlossen worden, welches ebenfalls die Zuwanderung usbekischer Fachkräfte, aber auch die Rückkehr abgelehnter Asylsuchender regelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht von diesem Abkommen betroffen waren allerdings Menschen aus Drittstaaten – insbesondere aus Afghanistan.&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/deutschland-verhandelt-ueber-die-abschiebung-afghanischer-asylsuchender-via-usbekistan/">Zuvor</a>&nbsp;war berichtet worden, dass auch die deutsche Bundesregierung mit Usbekistan darüber verhandelt habe, afghanische Asylsuchende über das zentralasiatische Land abzuschieben.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>„Die Ukraine ist meine Heimat geworden“: Zentralasiat:innen helfen einem Land im Krieg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rferl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 21:44:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Charkiw]]></category>
		<category><![CDATA[Humanitäre Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Jurten]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Kyiw]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachische &#x201E;Jurten der Unzerst&#xF6;rbarkeit&#x201C;, usbekischer Plow und humanit&#xE4;re Hilfe von der tadschikischen Diaspora &#x2013; Menschen aus Zentralasien, die in Kyjiw, Charkiw und anderen ukrainischen St&#xE4;dten leben, reichen w&#xE4;hrend des Krieges den Menschen in ihrer N&#xE4;he die Hand. F&#xFC;r viele von ihnen ist die Ukraine &#xFC;ber die Jahre zur Heimat geworden. Sie sehen es als ihre [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachische „Jurten der Unzerstörbarkeit“, usbekischer Plow und humanitäre Hilfe von der tadschikischen Diaspora – Menschen aus Zentralasien, die in Kyjiw, Charkiw und anderen ukrainischen Städten leben, reichen während des Krieges den Menschen in ihrer Nähe die Hand. Für viele von ihnen ist die Ukraine über die Jahre zur Heimat geworden. Sie sehen es als ihre Pflicht an, die Ukrainer:innen zu unterstützen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fleisch, Karotten und Zwiebeln – so lautet Saule Alievas Einkaufsliste für die „Jurte der Unzerstörbarkeit“. Zu Hause schneidet sie die Zutaten noch klein, um am nächsten Morgen daraus Plow zuzubereiten. Dutzende Kiewer:innen stehen Schlange für das warme Mittagessen. Denn aufgrund der in diesem Winter verstärkten russischen Luftangriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine fällt in vielen Mehrfamilienhäusern der ukrainischen Hauptstadt stundenlang der Strom aus und wird die Heizung abgeschaltet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es kommen Leute vorbei: Hier können sie ihre Handys aufladen und sich aufwärmen. Wir servieren kasachischen Tee. Zwei- bis dreimal [pro Woche] kochen wir Plow“, </em>sagt Saule.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Stätte der Unzerstörbarkeit“ im Kyjiwer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schewtschenko-Park_(Kiew)">Schewtschenko-Park</a> wurde wie in so einigen Städten im ersten Kriegsjahr in einer traditionellen Nomadenbehausung eröffnet. Die Konstruktionen und die Einrichtung stellte der kasachische Mäzen und Mitbegründer der Agrarholding <a href="https://www.kustogroup.com/">Kusto Group</a>, Daulet Nurjanov, während Vertreter:innen der kasachischen Diaspora in der Ukraine, wie Saule, die Jurten hochzogen und sich um die Beheizung kümmerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-jurte-der-unzerstoerbarkeit-fuer-die-ukraine/"><strong>Eine „Jurte der Unzerstörbarkeit“ für die Ukraine</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Saule lebt bereits seit 35 Jahren in der Ukraine. Geboren in Aqtöbe, absolvierte sie später das Polytechnische Institut in Tomsk und arbeitete daraufhin als Ingenieurin an einer Flugschule in ihrer Heimat. 1991 zog sie mit gemeinsam mit ihrem Mann in die Ukraine und fand dort, was sie heute ihre zweite Heimat nennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es ist [auch] die Heimat meines Sohnes und meines Mannes. Das Land hat mich aufgenommen, als wäre ich hier geboren. In meinen 35 Jahren in der Ukraine habe ich noch nie jemanden ein böses Wort über mich sagen hören.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Monaten seit dem 24. Februar 2022 halfen Jurten in Butscha, Kyjiw, Mykolajiw, Dnipro, Charkiw, Odessa, Slawjansk und Lwiw Tausenden von Ukrainer:innen. Die Menschen luden ihre Handys, wärmten sich auf und wurden mit Tee und <a href="https://cooking-with-dailyfamilystories.de/kasachische-baursaki-fluffige-teigbaellchen/">Baursaki</a> (kasachischen Berlinern, Anm. d. Ü.) umsorgt. Später, als sich die Energieversorgung im Land stabilisiert hatte, wurden viele Jurten abgebaut und in ein Lager gebracht. Nur in Kyjiw und Dnipro blieben sie stehen und wurden so zum Blickfang im Stadtbild.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Als Russland seine Angriffe auf das ukrainische Stromnetz in diesem Winter jedoch verstärkte, erwuchs die hauptstädtische Jurte erneut zu einem „Ort der Unzerstörbarkeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Unsere Jurte hat sogar eine Ecke für Kinder, wo sie malen und Bücher lesen können“, </em>führt Saule durch die Jurte und zeigt uns eine Kinderzeichnung, auf der eine schöne kasachische Jurte zu sehen ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Die Ukraine hat mir nie etwas Böses angetan“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorsitzende der usbekischen Diaspora in der Ukraine, Shahobiddin Yusupov, lebt in Charkiw, der zweitgrößten Stadt des Landes, die nahe der russischen Grenze liegt. In den ersten Tagen der Invasion standen russische Soldaten vor den Toren Charkiws und drangen schließlich bis in die Stadt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt stand unter täglichem Beschuss, wodurch Tausende von Gebäuden zerstört wurden, und dennoch schlug der Sturmversuch fehl. Im September führten die ukrainischen Streitkräfte eine erfolgreiche Gegenoffensive durch, befreiten den größten Teil der besetzten Region Charkiw und damit auch die Stadt aus der unmittelbaren Bedrohung. Doch die Angriffe auf Charkiw dauern an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-folgen-fuer-zentralasien/"><strong>Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen für Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin hilft bedürftigen Ukrainer:innen schon seit Kriegsbeginn. Er erinnert sich, dass Gerüchte über eine bevorstehende Invasion bereits Anfang Februar 2022 aufkamen. Statt zu fliehen, beschloss Shahobiddin, sich gemeinsam mit seiner Familie vorzubereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Etwa Mitte Februar hörte ich, dass ein Krieg ausbrechen würde. Ich erzählte meinen Kindern davon. Auf unserem kleinen Bauernhof bereiteten wir das Fleisch vor und legten im Keller einen Vorrat an Butter und Mehl an. In der Ukraine hatten die meisten Menschen nicht geglaubt, dass es zu einem Krieg kommen würde, und waren nicht vorbereitet. Deshalb suchten dann so viele unsere Hilfe auf: Soldaten, ältere Menschen und auch Krankenhäuser</em>“, so Yusupov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg entwickelte sich bald zu einem Stellungskrieg. Shahobiddin sagt, dass er jetzt einmal pro Woche Plow verteilt. In den ersten beiden Kriegsjahren kochte er täglich einen riesigen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kazan_(cookware)">Kasan</a> (große Mengen fassender Topf, Anm. d. Ü.), später dreimal pro Woche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Menschen haben sich daran gewöhnt. Es gibt die ersten Kriegskinder: Diejenigen, die zu Beginn des Konflikts geboren wurden, sind mittlerweile vier Jahre alt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin kam 1996 auf Einladung eines Freundes zum Arbeiten in die Ukraine. Das neue Land und die Freundlichkeit seiner Bewohner:innen gefielen ihm, weshalb er beschloss, zu bleiben, und später auch seine Angehörigen nach Charkiw nachzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Lebensunterhalt verdient Yusupovs Familie mit der Zubereitung orientalischer Gerichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zuerst haben wir Fast Food zubereitet, dann Samsa. 1997 haben wir den Leuten gezeigt, wie man Samsa mit Hackfleisch zubereitet. Es folgte unser erstes ein Café, dann ein Restaurant und später ein Hotel. Seit nunmehr 30 Jahren sind wir im Dienstleistungsbereich tätig“</em>, so der Usbeke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shahobiddin sieht es als seine Pflicht an, den Ukrainer:innen in schwierigen Zeiten zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich hier verbracht, habe meine Kinder aufwachsen und heiraten sehen. Sogar meine Eltern wurden hier beigesetzt. Die Ukraine hat mir nie etwas Böses angetan. Nach Kriegsbeginn sind nur noch wenige Migrant:innen aus Zentralasien in der Ukraine geblieben. Hauptsächlich diejenigen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und Familien gegründet haben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ohne-unnoetigen-laerm-wer-hilft-ukrainerinnen-in-usbekistan-und-aus-welchen-gruenden/"><strong>Ohne unnötigen Lärm: Wer hilft Ukrainer:innen in Usbekistan und aus welchen Gründen?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kirgistaner Talaj Sary, der seit vielen Jahren in der Ukraine lebt, fügt hinzu, dass die Menschen mit der Zeit wieder zurückkehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als der Krieg begann, begann die Botschaft [Kirgistans], ihre Bürger:innen zu evakuieren – nicht alle, aber knapp 90 Prozent. Mit der Zeit kehrten zwar diejenigen, die hier einer Arbeit nachgingen, nach und nach zurück. Trotzdem sind es jetzt weniger als vor dem Krieg.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Menschen aus Tadschikistan reichen den Ukrainer:innen eine helfende Hand. Tadschikische Arbeitsmigrant:innen, die in europäischen Ländern arbeiten, sammeln Geld und Sachspenden und schicken diese an die tadschikische Diaspora in der Ukraine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kleidung kommt auf diese Weise Bedürftigen zu und von dem Geld lassen sich warme Mahlzeiten zubereiten. Diese werden auf Wunsch des <a href="https://www.spiegel.de/ausland/kyjiw-ukraine-vitali-klitschko-raet-buergern-von-kyjiw-zum-verlassen-der-stadt-a-a753a7e7-9dae-4b77-958b-eb6ffb61bcb3">Kyjiwer Bürgermeisters Vitali Klitschko</a> an die Beschäftigten im Energiesektor der Stadt weitergegeben, berichtet der in Litauen lebende Tadschikistaner Ilchom Jokubow<strong>:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Ukraine hat Tadschikistaner:innen aufgenommen, insbesondere solche, die in ihrem Land Probleme mit dem herrschenden Regime haben. [Wir erinnern uns], dass auch die einfachen Bürger:innen der Ukraine den Bürger:innen Tadschikistans umfassende Unterstützung gewährt haben. Die Haltung der Bevölkerung [gegenüber den Tadschiken] war immer freundlich. Heute durchlebt das ukrainische Volk leider schwerste Zeiten, wie Kälte, Stromausfälle und vor allem einen ungerechten Krieg. Wir betrachten es als Pflicht, unter diesen Umständen Unterstützung zu leisten, als Antwort auf all das Gute, das die ukrainische Regierung und dieses Volk für sie getan haben.“</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Abdulla Zhusupaliev für Radio Free Europe/Radio Liberty</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.azattyqasia.org/a/ukraina-stala-moey-rodinoy-kak-vyhodtsy-iz-tsentralnoy-azii-pomogayut-strane-otrazhayuschey-voen/33683359.html">Russischen</a> von Arthur Siavash Klischat</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 18:44:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aussenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Roskomnadzor]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Saida Mirziyoyeva]]></category>
		<category><![CDATA[Sergej Kirijenko]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
		<category><![CDATA[Siegespark]]></category>
		<category><![CDATA[Soft Power]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
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		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Verhandlungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste stellvertretende Leiter der Pr&#xE4;sidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gew&#xF6;hnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer &#xF6;ffentlich diskutierte Angelegenheiten geht. Offiziell klang alles sehr [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/soft-power-mit-vorgehaltener-waffe-was-steckt-hinter-sergej-kirijenkos-besuch-in-usbekistan/">Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der erste stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Russlands, Sergej Kirijenko, ist am 15. April nicht ohne Grund nach Taschkent geflogen. Wenn ein solch wichtiger Vertreter der Kreml-Verwaltung nach Usbekistan reist und nicht etwa ein gewöhnlicher Minister oder Vizepremier, bedeutet dies stets, dass es um ernste und nicht immer öffentlich diskutierte Angelegenheiten geht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Offiziell klang alles sehr harmonisch: Man sprach über den Anstieg des Warenumsatzes, große gemeinsame Projekte und kulturelle Beziehungen. Bezeichnenderweise begann der Besuch nicht mit Verhandlungen, sondern mit einem Besuch im <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Victory_Park,_Tashkent">Siegespark</a> in Taschkent, wo die russische Delegation Blumen am Denkmal „Oda stojkosti“ (Russisch für „Ode an die Standhaftigkeit“) niederlegte und das „Museum des Ruhmes“ besuchte. Die Symbolik ist klar: Das gemeinsame historische Gedächtnis ist ein weiteres Instrument der Einflussnahme, und Kirijenko versteht es, damit umzugehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtiger Mann in Moskau</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wladilenowitsch_Kirijenko">Sergej Kirijenko</a> ist in Moskau nicht nur für die Innenpolitik im traditionellen Sinne zuständig. Seit 2022 ist gerade er der wichtigste ideologische Kurator der „neuen Gebiete“ – der von Russland besetzten ukrainischen Regionen. Er reiste persönlich nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mariupol">Mariupol</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cherson">Cherson</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melitopol">Melitopol</a>, um sich dort mit dem zu befassen, was der Kreml als „Integration“ bezeichnet: die Ernennung loyaler Beamter, der Aufbau von Verwaltungsstrukturen, die Durchsetzung russischer Bildungs- und Ideologiestandards.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich wurden Videoaufnahmen veröffentlicht, die Kirijenko bei einem Rundgang durch die von Russland „befreite“ und vollständig zerstörte ukrainische Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Myrnohrad">Mirnograd</a> [ukr. Myrnohrad, Anm. d. Übers.] zeigen – mit einem Sturmgewehr in der Hand. Für einen Beamten seines Ranges ist dies eine demonstrative Geste: Ich bin nicht nur ein Verwalter, ich bin Teil dieses Krieges. Genau deshalb werden seine Besuche in den post-sowjetischen Hauptstädten ganz anders wahrgenommen als die Reisen gewöhnlicher Diplomaten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatte der Besuch in Taschkent mehrere wichtige Ziele.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens will Moskau herausfinden, inwieweit Usbekistan noch „auf seiner Seite“ steht. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev </a>verfolgt tatsächlich eine eigenständige Politik und balanciert meisterhaft zwischen Russland, China, der Türkei und dem Westen: Vor einem Jahr fand in Samarkand der Gipfel zwischen Zentralasien und der Europäische Union statt, erst kürzlich empfing Mirziyoyev erfolgreich den türkischen Staatschef, und kurz vor Kirijenkos Ankunft führte die älteste Tochter des usbekistanischen Präsidenten und zugleich Leiterin seiner Verwaltung, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saida_Mirziyoyeva">Saida Mirziyoyeva</a>, eine Reihe erfolgreicher Treffen und Verhandlungen auf höchster Ebene in den USA durch, wo sie den amerikanisch-usbekischen Wirtschaftsrat <a href="https://fergana.news/news/146458/">ins Leben rief</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/saida-mirziyoyeva-die-praesidententochter-und-ihr-kometenhafter-aufstieg/">Saida Mirziyoyeva – Die Präsidententochter und ihr kometenhafter Aufstieg</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch heute ist es für den Kreml wichtig, dass Taschkent nicht zu weit aus der Reihe tanzt. Und Kirijenko gehört zu den Menschen, die auf sanfte, aber deutliche Weise daran erinnern können: „Wir sehen alles.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg" alt="" class="wp-image-44533" style="aspect-ratio:1.5014777647948312;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/04/Foto-UzA-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsident Usbekistans Shavkat Mirziyoyev und die Leiterin seiner Verwaltung, Saida Mirziyoyeva, beim Treffen mit Sergej Kirijenko. Foto: UzA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens ging es sicherlich um konkrete industrielle Zusammenarbeit und darum, wie Russland Usbekistan unter den Bedingungen der Sanktionen weiterhin nutzen kann – als günstigen Standort für Produktion und Umgehungsmechanismen. Der Mechanismus für Parallelimporte in Russland wurde bis Ende 2026 verlängert, und die zentralasiatischen Routen bleiben dafür von grundlegender Bedeutung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Soft Power für Usbekistan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und drittens ist da noch das für Kirijenko traditionelle Thema – „Soft Power“: Bildung, Jugend, Kultur, die russische Sprache. Das ist keine Abstraktion: Gleich am Tag ihrer Ankunft besuchte die russische Delegation die Taschkenter Zweigstelle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Forschungsuniversit%C3%A4t_f%C3%BCr_Kerntechnik_%E2%80%9EMIFI%E2%80%9C">Moskauer Nuklearuniversität MIFI</a>, wo sie sich mit Studierenden traf. Am Vortag fand dort die Präsentation des von Russland organisierten Internationalen Jugendfestivals 2026 statt, zu der sich etwa 300 Physikstudierende zusammenfanden. In Usbekistan gibt es einen sehr hohen Anteil an jungen Menschen, und für Moskau ist es von Vorteil, wenn diese weiterhin ihren Blick auf Russland richten und nicht nur auf Ankara oder Washington.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Interesse überschneidet sich unmittelbar mit dem Thema der Arbeitsmigration, das Mirziyoyev und Kirijenko bei ihrem Treffen wahrscheinlich ebenfalls angesprochen haben. Ebenso wie Fragen der kollektiven Sicherheit sowie die Vorbereitungen für Putins bevorstehenden Besuch in Usbekistan. Zuletzt war der russische Präsident im Mai 2024 in Taschkent, und die Frage nach dem nächsten Besuch steht offensichtlich auf der Tagesordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Taschkent in Moskaus Fängen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde außerdem über eine <em>„Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen digitale Technologien und Informationspolitik, Entwicklung der Massenmedien und zivilgesellschaftlicher Initiativen“</em> <a href="https://uza.uz/ru/posts/prezident-uzbekistana-prinyal-delegaciyu-rossii_845186">gesprochen</a>. Die Formulierung klingt neutral und sogar fortschrittlich – doch dahinter verbirgt sich ein ganz konkretes russisches Modell. Immerhin wurde in Russland bis 2026 eines der strengsten Systeme staatlicher digitaler Kontrolle aufgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deraler_Dienst_f%C3%BCr_die_Aufsicht_im_Bereich_der_Kommunikation,_Informationstechnologie_und_Massenkommunikation">Roskomnadzor</a>, das seit 2019 im Rahmen des Gesetzes über das „souveräne Runet“ [russisches staatlich kontrolliertes Internet, Anm. d. Übers.] Befugnisse erhalten hat, verfügt heute über die technischen Möglichkeiten, den russischen Teil des Internets vollständig vom globalen Netz zu isolieren – und führte bereits solche Experimente durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/usbekistans-militaerdoktrin-im-zeitalter-der-drohnen/">Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet das in Bezug auf Kirijenkos Besuch in Taschkent? Vermutlich schlägt er dieses Modell – in dem die digitale Umgebung und der Medienraum nicht der Information, sondern der Steuerung dienen – der usbekistanischen Regierung als Vorbild für die „Zusammenarbeit“ vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit war der Besuch aus Russland nicht einfach nur ein „Arbeitstreffen“. Es war eine klassische Kreml-Inspektion und eine Bestimmung der Lage – durch einen Mann, der sich nicht nur mit politischen Strategien, sondern auch mit der direkten Verwaltung der „neuen“ russischen Gebiete befasst. Kirijenko wollte sehen, inwieweit Usbekistan noch immer im russischen Einflussbereich liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was getan werden muss, damit Usbekistan so lange wie möglich in diesem Bereich verbleibt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Daniil Kislow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/146543/">Russischen</a> (leicht gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/soft-power-mit-vorgehaltener-waffe-was-steckt-hinter-sergej-kirijenkos-besuch-in-usbekistan/">Soft Power mit vorgehaltener Waffe: Was steckt hinter Sergej Kirijenkos Besuch in Usbekistan?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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