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	<title>Turkmenistan Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 18 Jun 2026 13:10:21 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Turkmenistan Archives</title>
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		<title>„Ich brauchte nur einen Reisepass“: Zentralasiatische Kriegsgefangene in der Ukraine zwischen Loyalität und Reue</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 10:46:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>B&#xFC;rger aus Zentralasien stellen den gr&#xF6;&#xDF;ten Anteil ausl&#xE4;ndischer K&#xE4;mpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkr&#xE4;ften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien f&#xFC;r Moskau zu einer Quelle besonders anf&#xE4;lliger Rekruten geworden sind. Im Hof einer Milit&#xE4;rstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Bürger aus Zentralasien stellen den größten Anteil ausländischer Kämpfer in der russischen Armee. Novastan hat mehrere von ihnen, die von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen wurden, aufgesucht. Ihre Berichte verdeutlichen, wie Migranten aus Zentralasien für Moskau zu einer Quelle besonders anfälliger Rekruten geworden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hof einer Militärstrafanstalt in der Region Lviv im Westen der Ukraine schreiten Dutzende von Gefangenen schweigend zum Speisesaal. An den Wänden um sie herum hängen Porträts von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Romanowitsch">Daniel von Galizien</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera">Stepan Bandera</a> und anderen ukrainischen Nationalisten. Im größten Kriegsgefangenenlager des Landes sind alle Beschriftungen und Befehle auf Ukrainisch verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bei uns läuft alles gut, sie sind ruhig, es gibt keine Schlägereien“</em>, erzählt ein Wachmann. Vor seinen Augen betreten die Gefangenen die Kantine zum Mittagessen. Ihre Gesichter sind verschlossen. Einige Häftlinge haben bereits vier Jahre im Lager verbracht. Vor allem weist ein Großteil von ihnen deutlich asiatische Gesichtszüge auf. Bei einigen handelt es sich um Russen aus sibirischen Republiken wie Burjatien und Jakutien, wo die Einberufungsquoten besonders hoch sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="771" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-44844" style="aspect-ratio:1.3281519161785866;width:1024px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-1024x771.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi-768x579.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/Kantine-des-Kriegsgefangenen-Camps-am-15-April-2026-Foto-Driss-Rejichi.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kantine des Kriegsgefangenen-Camps am 15. April 2026. Foto: Driss Rejichi</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Viele andere sind Soldaten aus den fünf ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. <em>„Die meisten Ausländer, die ich in der russischen Armee gesehen habe, kamen von dort“</em>, erklärt Chuschbacht Perusalijew. Im Frühjahr 2024 unterzeichnete der 47-jährige Tadschike einen Vertrag, um in der russischen Armee zu dienen. <em>„Man sagte mir: ‚Du wirst nicht an der Front sein, nichts dergleichen, du wirst einfach in einem Lager arbeiten‘ … Also habe ich zugestimmt“</em>, erinnert sich der Mann mit rasiertem Kopf und Bart. Eine Lüge: Wenige Wochen später wurde der Tadschike von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen, nachdem er bei einem Frontalangriff im Gebiet Donezk verwundet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weit vor den 1.400 Männern aus afrikanischen Ländern oder den 200 indischen Staatsbürgern, die seit Kriegsbeginn von der russischen Armee rekrutiert wurden, sollen laut den im April 2026 von der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene veröffentlichten Daten bereits mehr als 12.000 Soldaten aus Zentralasien an der „militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine teilgenommen haben. Mehr als die Hälfte der ausländischen Kämpfer, die für Russland kämpfen, stammen somit aus dieser Region.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angesichts von Razzien und Ausweisungen: das Versprechen eines Passes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zentralasiatischen Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, befanden sich im Gefängnis von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mykolajiw">Mykolajiv</a> und waren bereits vor 2022 in Russland. <em>„Die Rekrutierungsbemühungen, die sich an Ausländer richten, konzentrieren sich auf Arbeitsmigranten und Häftlinge, die eine Freiheitsstrafe verbüßen“</em>, betont ein Offizier der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Iljas, ein kirgistanischer Staatsbürger und Getränkehändler, der seit 2007 in Moskau lebt, unterzeichnete seinen Vertrag im April 2025. <em>„Mir wurde bei der Rekrutierung nicht direkt die Staatsbürgerschaft versprochen, aber ich wusste, dass ich später die Möglichkeit haben würde, sie zu erhalten“</em>, erklärt der Vierzigjährige.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2024 unterzeichnete Wladimir Putin ein Dekret, das es ermöglichte, bestimmten Ausländern, die in der Armee gedient hatten, insbesondere während der „militärischen Sonderoperation“, die Staatsbürgerschaft zu gewähren. Die Zahl der Ausländer, die davon profitiert haben, ist nach wie vor unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ukraine berichten die zentralasiatischen Gefangenen übereinstimmend, dass sie nach einer kurzen Ausbildung an die Front geschickt wurden, was zu hohen Verlusten führte. <em>„Wir rückten auf ein Dorf vor, und schon auf dem Weg dorthin tauchten Drohnen auf und begannen, uns anzugreifen“</em>, erinnert sich Iljas, der knapp entkommen konnte und anschließend gefangen genommen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chuschbacht wurde seinerseits bei einem Artillerieangriff verwundet, als er auf die ukrainischen Linien vorrückte: <em>„Die Hälfte der Gruppe fiel sofort, alle 200 [russischer Militärcode für Tote, Anm. d. Red.]“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Familienvater, dessen Frau und Kinder noch immer in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rjasan">Rjasan</a>, 200 Kilometer südöstlich von Moskau, leben, beschreibt, wie <em>„unmittelbar nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall“</em> im März 2024 ein Klima der Angst herrschte. Der von tadschikistanischen Staatsbürgern verübte und vom Islamischen Staat Khorasan beanspruchte Terroranschlag forderte mehr als 149 Todesopfer und führte zu einer Verschärfung der Lebensbedingungen für Migrierte aus Zentralasien in Russland. Laut Chuschbacht kam es häufig zu <em>„Razzien gegen Tadschiken“</em>, bei denen den Migranten <em>„sofort die Abschiebung mit Einreiseverbot“</em> auferlegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Angst verzichtete der Mann darauf, seinen abgelaufenen Pass verlängern zu lassen, aus Furcht, auf dem Weg zur Botschaft in Moskau festgenommen zu werden. <em>„Schließlich kontrollierten Spezialeinheiten der Polizei die Baustelle, auf der ich arbeitete“</em>, erklärt der Migrant, dem daraufhin die Staatsbürgerschaft versprochen wurde, wenn er sich der Armee anschließe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es stimmt, dass Tadschiken nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall stärker ins Visier genommen wurden als andere Gruppen aus Zentralasien“</em>, betont Caress Schenk, Professorin für Politikwissenschaft an der Nazarbaev-Universität in Astana. Nach Angaben der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene sind Tadschiken mit mehr als 3.400 Rekruten die zweitgrößte Nationalität in der russischen Armee, hinter etwa 4.800 Usbeken und 2.400 Kasachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/">Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schenk weist jedoch darauf hin, dass in Russland <em>„die Maßnahmen zur Migrationskontrolle, Razzien und der Druck, zum Militär zu gehen, stark von der aktuellen Lage abhängen“</em>. Seit Kriegsbeginn konnten je nach Kontext auch andere Bevölkerungsgruppen ins Visier geraten. <em>„Manchmal gerät jede Person mit asiatischen Gesichtszügen unter Verdacht“</em>, bemerkt die Forscherin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit November 2025 müssen bestimmte in Russland lebende Ausländer einen Vertrag über den Eintritt in die Armee vorlegen, wenn sie die russische Staatsbürgerschaft oder eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten wollen. Zu Beginn des Jahrzehnts machten Zentralasiaten jedoch mehr als 40 Prozent der in Russland lebenden Migranten aus und sind daher am stärksten von diesen neuen Maßnahmen betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erklären alle von Novastan befragten Gefangenen, ihren Vertrag freiwillig unterzeichnet zu haben, um einen russischen Pass zu erhalten, doch betont Schenk auch, dass der zunehmende administrative Druck <em>„eher darauf abzielt, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Migranten einzuschränken, als ihnen echte Wahlmöglichkeiten zu bieten.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ideologisch gefährdete Migranten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der prekären administrativen Lage stützt sich die russische Armee bei ihren Mobilisierungsbemühungen auch auf mögliche ideologische Affinitäten der zentralasiatischen Migranten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich wollte in Russland leben. Um die Staatsbürgerschaft zu erlangen, auf die ich meiner Meinung nach Anspruch hatte, musste ich also dem Vaterland dienen“</em>, erklärt der 38-jährige Jasur Islamov in einem gleichgültigen Ton. Nach anderthalb Jahren in der Armee wird ihm im März 2025 endlich der Pass versprochen, sofern er an der Front bleibt. Jasur wird jedoch wenige Wochen später gefangen genommen, nachdem er bei einem Angriff von einer Drohne verwundet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/situation-zentralasiatischer-migrierter-in-russland-verschlechtert-sich/">Situation zentralasiatischer Migrierter in Russland verschlechtert sich</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu den Berichten anderer Ausländer, die zu Kriegsgefangenen wurden, wie beispielsweise Männer aus Afrika, haben Iljas, Jasur oder Chuschbacht nicht versucht, sich freiwillig zu ergeben oder zu desertieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese unterschiedlichen Verhaltensweisen im Kampf zu erklären, stellt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene fest, dass bestimmte Schichten der Migrantenbevölkerung <em>„russischsprachige Menschen sind, die in den 1970er oder 1980er Jahren in der UdSSR geboren wurden“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Novastan befragten Gefangenen betonen ebenfalls, dass sie nach Russland zurückkehren wollen, in der Hoffnung, an einem Gefangenenaustausch teilzunehmen. <em>„Wir haben keinerlei Einwände gegen den Austausch von Bürgern aus zentralasiatischen Ländern“</em>, erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene. Unter den rund 7.000 bereits ausgetauschten russischen Soldaten bildeten Staatsangehörige aus Zentralasien jedoch eine sehr kleine Minderheit und betrafen nur Einzelfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die direkte Frage nach ihren Erfahrungen mit Rassismus in Russland vor oder während ihres Dienstes versichern die Kriegsgefangenen, mit denen Novastan gesprochen hat, alle, dass sie nie damit konfrontiert worden seien. Sie sind zudem zuversichtlich, dass sie sich nach ihrer Haft mit einem Reisepass wieder in die russische Gesellschaft integrieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Stellen Sie sich vor: Ich habe mein Leben riskiert, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, und nun soll ich in mein Land zurückgeschickt werden, obwohl ich dort nichts mehr habe? Das wäre ein großer Verrat“</em>, sagt Jasur mit scharfer Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/warum-spricht-usbekistan-china-und-russland-sein-beileid-aus-aber-niemals-der-ukraine/">Warum spricht Usbekistan China und Russland sein Beileid aus, aber niemals der Ukraine?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kriegsgefangenen haben jedoch bereits Enttäuschungen auf ihrem Weg als Migranten in Russland erlebt. Iljas, der seit Jahren mit einer Russin verheiratet ist, erzählt nüchtern, dass er <em>„vor langer Zeit die Staatsbürgerschaft beantragt und die Unterlagen eingereicht habe, aber sie wurde mir verweigert“</em>. Jasur gibt seinerseits bitter zu, <em>„nicht einmal das Geld aus dem Vertrag erhalten zu haben“</em>, da ihm von den achtzehn Monaten, die er in der Armee verbracht hat, nur zwei Monatsrenten ausgezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich glaube, es braucht Jahre und verschiedene Formen der Bewusstseinsbildung, um verinnerlichte Diskriminierungen abzubauen“</em>, erklärt Schenk und erinnert daran, dass in der sowjetischen Vorstellungswelt Rassismus ausschließlich mit dem Westblock und dem Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Berufung auf die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Konventionen">Genfer Konventionen</a> erklärt die ukrainische Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene, dass die Zentralasiaten wie alle anderen behandelt werden. Im Hof trainieren einige gemeinsam mit russischen Mitgefangenen an den Krafttrainingsgeräten des Lagers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir hätten nie gedacht, dass wir hier landen würden“</em>, beklagt sich schließlich Jasur. Als man ihn daran erinnert, dass er sich in voller Kenntnis der Sachlage verpflichtet hat, wird der Häftling gereizt: <em>„Sie reden, als hätte ich extra unterschrieben, um Menschen zu töten… Ich brauchte einfach nur einen Ort zum Leben und einen Pass, um zu arbeiten und meine Familie zu ernähren.“</em> Nach einer Pause fügt er bedauernd hinzu: <em>„Ich sage nicht, dass wir das Richtige getan haben. Jeder macht Fehler. Jeder.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Driss Rejichi, Sonderkorrespondent in der Ukraine für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/guerre-en-ukraine/j-avais-juste-besoin-d-un-passeport-en-ukraine-les-prisonniers-de-guerre-d-asie-centrale-entre-loyaute-et-regrets/">Französischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="(max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 06:24:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bem&#xFC;hungen zur Bek&#xE4;mpfung der Folgen der globalen Erw&#xE4;rmung. Als erste gro&#xDF;e Plattform f&#xFC;r die Entwicklung koordinierter L&#xF6;sungen auf regionaler Ebene brachte der Regional Ecological Summit (RES)&#xA0;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen f&#xFC;r zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Regional Ecological Summit, der vom 22. bis 24. April 2026 in Astana stattfand, ist Teil der fortgesetzten zentralasiatischen Bemühungen zur Bekämpfung der Folgen der globalen Erwärmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als erste große Plattform für die Entwicklung koordinierter Lösungen auf regionaler Ebene brachte der <a>Regional Ecological Summit (RES)</a>&nbsp;Expert:innen, internationale Organisationen und Regierungsvertreter:innen für zwei Tage Diskussionen und Verhandlungen zusammen. Organisiert wurde der Gipfel vom <a>kasachstanischen</a>&nbsp;Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen in Partnerschaft mit der UNO. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Staaten, da sowohl natürliche Ressourcen als auch ökologische Katastrophen grenzüberschreitender Natur seien.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende der Konferenz wurde von den zentralasiatischen Staatschefs eine Erklärung zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Unter dem Titel <em>„Ökologische Solidarität Zentralasiens“</em> legt dieses Dokument eine gemeinsame regionale Position zu den größten Umweltproblemen der Region fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für Zentralasien ist der Klimawandel keine Zukunftsprojektion mehr“,</em> erklärte der kasachstanische Umweltminister <a>Jerlan Nysanbaev</a>&nbsp;. <em>„Er ist ein Faktor, der direkt unsere Wasser- und Energieressourcen betrifft, aber auch Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Gesundheit.“ </em>Daher sei die Klimapolitik nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern auch eine Frage der <em>„wirtschaftlichen Resilienz, regionalen Sicherheit und Qualität der öffentlichen Verwaltung“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenbildung und Bedarf an Wiederaufforstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten behandelten Punkte war die zunehmende Wüstenbildung in der Region, die die Wasserressourcen drastisch reduziert. Wie der Vorsitzende des usbekistanischen Komitees für Ökologie und Klimawandel, Aziz Abduhakimov, betonte, verwandeln sich in Zentralasien wissenschaftlichen Schätzungen zufolge jede Minute neun Quadratmeter Land in Wüste. Dies betrifft große zentralasiatische Seen, deren Wasserstand kontinuierlich sinkt, insbesondere das Kaspisches Meer und den Aralsee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Fläche ausgetrockneter Meeresböden, die sich Kasachstan im Norden und Usbekistan im Süden teilen, umfasst heute rund 6 Millionen Hektar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/heuschrecken-bekaempfung-die-herausforderungen-in-zentralasiatischen-laendern/">Heuschrecken-Bekämpfung: Die Herausforderungen in zentralasiatischen Ländern</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge wird die Wasserversorgung unberechenbarer, was den Zugang zu Wasser erschwert. Um diesem Problem zu begegnen, sieht die Erklärung von Astana die Entwicklung neuer datengestützter Technologien vor, die auf Oberflächen- und Grundwasserdaten basieren und eine vorausschauende Wasserbewirtschaftung ermöglichen sollen, etwa durch die Digitalisierung von Kanälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Priorität besteht nicht mehr darin, die Wasserversorgung zu erhöhen, sondern die Effizienz ihrer Nutzung zu verbessern“</em>, erklärte der kasachstanische Vizeminister für Wasserressourcen und Bewässerung, Talgat Momyşev. Die Regierung subventioniere derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten solcher wassersparenden Technologien, was einen <em>„grundlegenden Wandel hin zu einer rationalen und wirtschaftlich sinnvollen Wasserbewirtschaftung“ </em>darstelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="http://?">Wie der Kokaral-Damm in Kasachstan den Aralsee wiederbeleben will</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde auf dem Gipfel eine neue Initiative Kasachstans verabschiedet: der <em>„Grüne Schild Zentralasiens</em>“, ein umfangreiches Wiederaufforstungsprojekt. Der Aufbau von Waldnetzen ist in der Region nicht neu, insbesondere in Kasachstan, wo seit 1997 ein 102.000 Hektar großer Waldgürtel um die Hauptstadt Astana angelegt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Umweltminister Nysanbaev zeige dies, dass <em>„selbst in zuvor für Waldökosysteme ungeeigneten Gebieten die Wiederherstellung von Ökosystemen möglich ist, wenn sie auf Wissenschaft, vorausschauender Planung und professionellem Forstwissen basiert“</em>. Der kasachstanische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> wies zudem darauf hin, dass Kasachstan in den letzten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Bäume gepflanzt habe und dass <a href="http://?">36 Prozent</a> des kasachstanischen Teils des Aralsees durch ökologische Maßnahmen wiederhergestellt worden seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein bewusstes Bedürfnis nach Zusammenarbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Gipfel wurden weitere Maßnahmen angekündigt, um die Luftqualität zu verbessern, die Biodiversität zu erhalten, die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, chemische Abfälle zu verwalten, Plastikverschmutzung zu bekämpfen und ökologische Innovationen in Zentralasien zu fördern. Besonders betont wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. <em>„All diese Herausforderungen sind ihrer Natur nach grenzüberschreitend und erfordern gemeinsame politische Entscheidungen und Investitionen“</em>, betonte der Präsident der COP29 und Klimabeauftragte Aserbaidschans, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mukhtar_Babayev">Mukhtar Babayev</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/vereinte-nationen-kuendigen-duerre-fuer-zentralasien-an/">Vereinte Nationen kündigen Dürre für Zentralasien an</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ schlug Kasachstan zudem die Schaffung einer internationalen Wasserorganisation innerhalb der UNO vor, allerdings ohne konkreten Finanzierungsplan. Außerdem forderten die zentralasiatischen Staaten stärkere internationale finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihrer Umweltprobleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt abzuwarten, ob die Länder ihre Interessen und Ressourcen koordinieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Gipfel von Astana hat zumindest eine neue Erzählung im Kampf gegen den Klimawandel vorgeschlagen – mit dem Bewusstsein, dass geteilte Risiken zu gemeinsamen Lösungen werden können.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eloise Thompson für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/environnement/a-astana-un-sommet-sur-les-defis-environnementaux-specifiques-a-l-asie-centrale/">Französischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien/">Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 07:22:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatl&#xE4;nder besucht haben. Sie f&#xFC;hren dies auf ihre Religion zur&#xFC;ck. Die russischen Beh&#xF6;rden s&#xE4;hen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr. &#x201E;Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.&#x201C; Die Kirgistanerin Adschar (Name ge&#xE4;ndert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zur&#xFC;ck, nachdem sie zehn Jahre in Russland [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Tausende von Zentralasiat:innen erhalten Einreiseverbote nach Russland, nachdem sie ihre Heimatländer besucht haben. Sie führen dies auf ihre Religion zurück. Die russischen Behörden sähen in praktizierenden Muslimen pauschal eine Gefahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Wir wurden gezwungen, das Kopftuch abzunehmen.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirgistanerin Adschar (Name geändert) kehrte im vergangenen Jahr in ihre Heimat zurück, nachdem sie zehn Jahre in Russland gearbeitet hatte. Sie trägt aus religiösen Gründen ein Kopftuch. Während ihrer Zeit in Russland war ihr Aussehen des Öfteren Anlass für Polizeikontrollen, erinnert sich Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich einmal von der Arbeit nach Hause ging, wurde ich in der Metro von Polizisten herausgezogen. Sie kontrollierten mein Handy. Darauf hatte ich Fotos von Hidschab tragenden Frauen sowie von mir. Ich wurde auf das örtliche Polizeirevier gebracht. Dort wurden andere und ich eingeschüchtert, indem uns mit der Ausweisung aus Russland gedroht wurde. Uns wurde alles Geld, das wir bei uns hatten, abgenommen. Man nannte uns eine Kontoverbindung und sagte uns: „Überweist hier das Geld hin“. Dann wurden uns Pässe und Dokumente abgenommen und wir wurden zum Geldautomaten geschickt. Die, die kein Geld hatten, liehen sich welches von Bekannten. Wir überwiesen es und brachten die Quittungen zu den Polizisten. Neben mir ist das noch weiteren Frauen aus Kirgistan passiert“, erzählt Adschar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auch am Arbeitsplatz wurde wegen des Kopftuchs Druck ausgeübt, berichtet Adschar. Die Kirgistanerin war in einer Konditorei angestellt. Die Chefs drohten, den Lohn nicht zu bezahlen und sie zu entlassen, wenn sie das Kopftuch nicht abnehme. „Ich habe das Kopftuch damals abgenommen und bereue es jetzt“, sagt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ihre Verwandte, ebenfalls praktizierende Muslime, seien diskriminiert worden. Ihrem Onkel wurde die Einreise am Flughafen untersagt und er wurde zurückgeschickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er wurde am Flughafen in Gewahrsam genommen und sein Handy wurde durchsucht. Dabei fanden sie Videoaufnahmen des bedeutenden kirgisischen Predigers Tschubak adschy Dschalilov. Aus diesem Grund und wegen seines langen Bartes haben sie ihn abgeschoben. Für meinen Onkel war das nicht angenehm, er hat sich große Sorgen gemacht. In Moskau kann man mehr Geld verdienen als zu Hause in Kirgistan“, erzählt Adschar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-und-kirgistan-mit-unterschiedlichen-reaktionen-auf-verschaerfte-lage-von-arbeitsmigrantinnen-in-russland/">Tadschikistan und Kirgistan mit unterschiedlichen Reaktionen auf verschärfte Lage von Arbeitsmigrant:innen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Russland hat die Islamophobie seit dem Anschlag auf die Crocus City Hall bei Moskau 2024 zugenommen. Die Behörden machen Tadschiken für den blutigen Anschlag verantwortlich, die der IS-Untergruppe „Wilajat Korosan“ angehören sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Anschlag begannen die Sicherheitsbehörden Razzien in Unternehmen und Hostels, wo Arbeitsmigrant:innen aus Zentralasien arbeiten und leben. Verhaftungen wurden unter Gewaltanwendung und Erniedrigungen vollzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben eine Umfrage zur Diskriminierung und Rechtsverletzungen gegenüber Migranten durchgeführt. An ihr nahmen ca. 200 Menschen teil. 80 Prozent von ihnen gaben an, mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert worden zu sein. Dabei geht es um gängige russische Beleidigungen gegenüber Zentralasiaten, z.B. <em>tschurka</em> und <em>tschornyj</em> (letzteres bedeutet so viel wie <em>Schwarzer</em> – Anm. d. Übers.), Vorwürfe wie „Ihr sprecht kein Russisch“ und eine generelle Behandlung als Mensch zweiter Klasse. Solche Verunglimpfungen sind ein offenes Geheimnis. So etwas gab es auch früher schon, aber in letzter Zeit hat es besonders zugenommen“, berichtet Rachat Scheraly, Mitarbeiter einer Stiftung, die sich für die Rechte von zentralasiatischen Arbeitsmigrant:innen in Russland einsetzt. Er unterstreicht, dass insbesondere offen religiöse Migrant:innen Druck ausgesetzt seien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Viele mussten ihre Bärte abschneiden“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eldijar Esenbek uulu hat zwölf Jahre in Russland gearbeitet. Bei jeder Einreise sei er am Flughafen zu seinen religiösen Überzeugungen befragt worden, so der Kirgistaner.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/">Die schwierige Situation tadschikischer Arbeitsmigranten in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du bei der Passkontrolle an der Reihe bist, sagen sie: „Warten Sie bitte“, dann kommen Beamten in Uniform. Sie werden nicht handgreiflich, aber sie bringen einen in einen gesonderten Raum und stellen unterschiedliche Fragen: „Hörst du die Predigten von Tschubak adschy?“, „Welchem Maddhab (Strömung im Islam – Anm. d. Übers.) gehörst du an?“. Ich habe gesagt, dass ich Hanafit bin. Da haben sie mir das Wort verdreht und gefragt „Seid ihr nicht Terroristen?“. Manchmal wurde ich zwei oder drei Stunden festgehalten. Es kamen verschiedene Beamten, die immer die gleichen Fragen stellten. Am Ende ließen sie mich gehen. Ich gewöhnte mich daran“, so erzählt Eldijar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren habe der Druck zugenommen, berichtet er. Die Sicherheitsbehörden suchten Moscheen und Gebeträume von Migrant:innen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiatische-arbeitende-nach-streik-in-russland-entlassen/">Zentralasiatische Arbeitende nach Streik in Russland entlassen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da gab es so eine Datscha in der Stadt Ljuberzy bei Moskau. Kirgisen und Usbeken sind da zum Freitagsgebet hingegangen. Als wir einmal da waren, wurde das Gelände von maskierten Polizisten mit Sturmgewehren umstellt. Alle mussten sich in einer Reihe aufstellen. Russländische Staatsbürger wurden abgeführt und von den Bürgern der anderen GUS-Staaten separiert. Ich sagte damals einem Moscheediener, dass meine Dokumente nicht in Ordnung seien, und er brachte mich durch den Hintereingang raus“, erzählt er weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 wurde Eldijar verhaftet und ins Migrationszentrum nach Sacharowo bei Moskau gebracht. Dort verbrachte er 29 Tage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefängnis. In einer Zelle sind 10 bis 15 Personen. Essen geben sie nicht ausreichend, es wird grammweise abgewogen. Essen von Verwandten wird nicht angenommen. Da gibt es lange Zellenblöcke. In einem Block sind 300 bis 400 Personen untergebracht. Nach draußen führen sie einen für eine Stunde am Tag. Als wir dort einsaßen, hörten wir von einer Kirgisin, die dort eine Fehlgeburt hatte. Sie wurde nicht ins Krankenhaus gebracht. Man wird dort sehr grob behandelt, beschimpft und geschlagen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er gibt an, dass er sich in Sacharowo den Bart abrasieren musste: „Dort wurde vielen der Bart abrasiert. Ich habe gesehen, wie sie sie geschlagen haben und die meisten haben Angst bekommen und ihn sich selbst abgeschnitten. Wir wurden tagelang kameraüberwacht.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Luisa kam das erste Mal mit 15 Jahren nach Russland. Als sie älter wurde, heiratete sie dort und bekam Kinder. Sie war gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Familie ausgewandert und reiste ab und an nach Kirgistan. Als sie 2023 von Bischkek aus nach Russland flog, wurde ihr am Flughafen mitgeteilt, dass gegen sie ein lebenslanges Einreiseverbot verhängt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/auf-der-flucht-kirgisische-gastarbeiter-in-russland/">Auf der Flucht – Kirgisische Gastarbeiter in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wurde zur unerwünschten Person erklärt. Den Grund nannten sie nicht. Ich war gemeldet und hatte keine Vorstrafen. Als sie mir sagten, dass ich ein lebenslanges Einreiseverbot hätte, war ich wie gelähmt“, erzählt Luisa. „Ich las das Dokument wieder und wieder durch. Um mich herum waren andere Leute in der gleichen Situation wie ich. Sie haben geweint. Als ich sie gesehen habe, habe ich meine Kräfte zusammengenommen, mich beruhigt und mir gesagt, dass ich jetzt in mein eigenes Land Kirgistan zurückfahre. Warum sollte ich weinen. Aber damals schien es mir so, als sei mein Leben plötzlich stehen geblieben“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-arbeitsgenehmigungen-fuer-migrantinnen-in-russland-koennten-bald-deutlich-teurer-werden/">Die Arbeitsgenehmigungen für Migrant:innen in Russland könnten bald deutlich teurer werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Familienmitglieder standen nicht auf der Liste. Nur Luisa wurde abgeschoben. Ihrem Mann, ihren Eltern und ihrer Tochter wurden keine Beschränkungen auferlegt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Manche sagten, dass sei wegen religiöser Videos. Wir wurden dort kontrolliert und befragt. Ich habe alle Videos gelöscht. Vielleicht war es, weil ich sie erst vor kurzem gelöscht hatte. Vielleicht war der Grund auch ein anderer, ich weiß es nicht. Man bekommt den Grund nicht genannt. Da waren noch zwei oder drei andere mit mir. Denen haben sie fünf oder zehn Jahre Einreiseverbot gegeben. Lebenslang nur mir“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause in Kirgistan hat Luisa sich ein kleines Geschäft aufgebaut und verkauft Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Heute bin ich der Meinung, dass das ein Geschenk Gottes war. Uns wurde eine Tür versperrt und eine neue geöffnet. Jetzt habe ich ein Geschäft, wenn auch kein großes, aber ich habe es. Davon leben wir jetzt“, fasst sie zusammen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Beschränkungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Russland hat seine Einwanderungsgesetze 2024 und 2025 verschärft. Seit Februar 2025 gibt es ein Register, in dem das Innenministerium Ausländer:innen vermerkt, die gegen die Einwanderungsgesetze verstoßen und somit ihr Aufenthaltsrecht verloren haben. Wenn man in dem Register landet, darf man automatisch nicht mehr arbeiten und keine Immobilienverträge mehr abschließen, keine Ehe mehr schließen, kein Konto mehr eröffnen, keinen Führerschein mehr erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt raten wir Menschen, die nach Russland ausreisen wollen, vorher ihre Telefone „zu säubern“, d. h. alle Telegramkanäle und Chats bei Whatsapp zu löschen und Accounts bei Instagram auf religiöse Inhalte hin zu überprüfen und solchen zu entfolgen. „Kontrolliert alles noch einmal, bevor ihr nach Russland fahrt.“ In Russland gibt es immer mehr Razzien und wenn auf einem Handy irgendeine religiöse Chatgruppe gefunden wird, wird die betroffene Person sofort in Gewahrsam genommen“, berichtet Rachat Scheraly.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/mehr-russische-paesse-weniger-arbeitsmigrantinnen-zentralasiatische-migration-nach-russland-im-jahr-2020/">Mehr russische Pässe, weniger ArbeitsmigrantInnen: Zentralasiatische Migration nach Russland im Jahr 2020</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Daten des kirgistanischen Arbeitsministeriums zufolge lebten im Dezember 2025 fast 800.000 Kirgistaner:innen im Ausland (was ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2020 darstellt, als mehr als eine Million im Ausland arbeiteten). Mit 341.000 ist die Gruppe in Russland die größte. Jedoch arbeiten immer weniger Kirgistaner:innen dort. So lebten dort Ende 2025 37.000 weniger als noch zu Beginn des Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschärfung der russländischen Einwanderungspolitik geht währenddessen unvermindert weiter. Im Februar 2026 wurde ein Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht, nachdem es in Zukunft verboten sein soll, in Mehrfamilienhäusern und nicht dafür ausdrücklich vorgesehenen Nicht-Wohnhäusern, Gebete und andere religiöse Zeremonien abzuhalten. In der Wohnung „den eigenen Glauben praktizieren“ dürfen nur dort gemeldete Personen. Die Initiator:innen, 67 Abgeordnete, begründen ihren Vorschlag damit, dass Gebete in Mehrfamilienhäusern „die Rechte und gesetzlich verankerten Interessen der Nachbarn stören“. Der stellvertretende Parlamentssprecher Pjotr Tolstoj erklärte zudem, dass Mehrfamilienhäuser ein „Ort der Ruhe“ seien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyk Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzt für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
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		<title>Iran-Krieg: Was sind die Folgen für Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 15:57:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die am 28. Februar von Israel und den USA gegen den Iran gestartete Offensive hatte rasch Auswirkungen bis nach Zentralasien, wo Staaten nun mit wirtschaftlichen, diplomatischen und humanit&#xE4;ren Verwerfungen zu k&#xE4;mpfen haben. Turkmenistan hat sich als Schl&#xFC;sselakteur bei der Steuerung von Migrationsbewegungen herausgestellt. Der nach dem zw&#xF6;lft&#xE4;gigen Krieg vereinbarte, br&#xFC;chige Frieden hielt nur acht Monate. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die am 28. Februar von Israel und den USA gegen den Iran gestartete Offensive hatte rasch Auswirkungen bis nach Zentralasien, wo Staaten nun mit wirtschaftlichen, diplomatischen und humanitären Verwerfungen zu kämpfen haben. Turkmenistan hat sich als Schlüsselakteur bei der Steuerung von Migrationsbewegungen herausgestellt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Israelisch-iranischer_Krieg_2025">zwölftägigen Krieg</a> vereinbarte, brüchige Frieden hielt nur acht Monate. Mit dem Angriff Israels und der USA auf die Islamische Republik Iran am 28. Februar sind die Spannungen im Nahen Osten erneut eskaliert. Die Auswirkungen griffen rasch über das Territorium Irans hinaus und betrafen mehrere Staaten des Nahen Ostens sowie Aserbaidschan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Zentralasien haben diese Entwicklungen unmittelbare Folgen. Die Unterbrechung der Handelsrouten, die die Region mit iranischen Häfen verbinden, und die nahezu vollständige Schließung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fe_von_Hormus">Straße von Hormus</a> schwächen den wirtschaftlichen Austausch.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Zentralasiatische Staatsangehörige, die sich im Iran aufhalten, stellen die zentralasiatischen Regierungen vor humanitäre und diplomatische Herausforderungen. Turkmenistan nimmt in dem Kontext eine Sonderstellung ein, da es als einziger zentralasiatischer Staat eine direkte Grenze zum Iran besitzt, die sich über fast 1.148 Kilometer entlang des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kopet-Dag">Kopet-Dag-Gebirges</a> erstreckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Turkmenistan als Korridor für Evakuierungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in den ersten Tagen des Konflikts öffnete Aşgabat seine Grenzübergänge für ausländische Staatsangehörige und wich damit von den üblicherweise strengen Einreisebestimmungen ab. Wie das turkmenische Nachrichtenportal <a href="https://orient.tm/en/post/96601/turkmenistan-opens-transit-corridor-foreign-citizens-exiting-iran">Orient.tm</a> berichtet, wurde am Grenzübergang <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sarahs">Sarahs</a>, dem wichtigsten Transitpunkt zwischen beiden Ländern, ein Korridor für Evakuierungen eingerichtet. Angesichts des Zustroms von ausländischen Staatsangehörigen, die den Iran verlassen wollten, öffneten die turkmenischen Behörden anschließend vier weitere Übergänge. Laut <a href="https://turkmenistan.mid.ru/ru/press-centre/posolstvo_soobshchaet/dopolnitelnaya_informatsiya_o_vyezde_iz_irana_cherez_turkmenistan/">Angaben</a> der russischen Botschaft in Turkmenistan betrifft dies Artyk – Lotfabad, Gaudan – Bajgiran, Akyayla – Incheh Burun und Altyn Asyr – Incheh Burun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan entsandte diplomatisches Personal und Dienstfahrzeuge über turkmenisches Gebiet zum Grenzübergang Sarahs. Am 4. März wurden so laut der usbekischen Nachrichtenagentur <a href="https://daryo.uz/en/2026/03/04/uzbekistan-repatriates-13-citizens-from-iran-via-turkmenistan">Daryo</a> 13 usbekische Staatsangehörige aus dem Iran zurückgeführt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image.jpeg" alt="" class="wp-image-44273" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image.jpeg 900w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Nationen haben diesen Weg beschritten. Laut <a href="https://www.koreatimes.co.kr/foreignaffairs/20260303/23-koreans-evacuated-from-iran-to-turkmenistan">The Korea Times</a> überquerten am 3. März 23 südkoreanische Staatsangehörige die iranisch-turkmenische Grenze in zwei von der Botschaft in Teheran gecharterten Bussen. Der chinesische Nachrichtensender <a href="https://news.cgtn.com/news/2026-03-06/VHJhbnNjcmlwdDg5NDQ3/index.html">CGTN</a> berichtet, dass insgesamt 400 Personen aus 17 Nationen, darunter 200 Chinesen, über die iranische Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> nach Turkmenistan gelangten. Das Ausbleiben intensiver Bombardierungen im Nordosten Irans erleichtert zwar die Einreise ausländischer Staatsangehöriger, diese bleiben jedoch weiterhin der instabilen Internetverbindung ausgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies versetzt Turkmenistan in eine ungewöhnliche Rolle. Als einer der am strengsten abgeschotteten Staaten der Welt hat sich Aşgabat entschieden, sein Territorium für Ströme zu öffnen, die es üblicherweise drakonisch kontrolliert – ein Zeichen von geopolitischem Pragmatismus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Schwächung der zentralasiatischen Handelsrouten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zu diesen Evakuierungen beeinträchtigt der Konflikt die Handelsrouten durch den Iran massiv. Die <a href="https://jamestown.org/turkmenistan-becoming-regional-railway-hub/">Eisenbahnverbindung Russland-Kasachstan-Turkmenistan-Iran</a> spielt zwar für den Handel mit Zentralasien nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch ist sie eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen, die Zentralasien mit den iranischen Häfen am Persischen Golf verbindet. Seit Beginn des Konflikts ist sie stark beeinträchtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus haben die Spannungen rund um die Straße von Hormus laut der <a href="https://timesca.com/iran-war-highlights-central-asias-vulnerable-southern-trade-corridors/">Times of Central Asia</a> zu einem sprunghaften Anstieg der Kriegsversicherungsprämien geführt. Dies veranlasste mehrere Schifffahrtsunternehmen dazu, ihre Aktivitäten in der Region einzuschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen sind in Turkmenistan am deutlichsten spürbar. Satellitenbilder vom 27. Februar zeigten am Grenzübergang Sarahs eine lange Schlange von Lastwagen, die am turkmenischen Zollposten festsaßen. Dieser Verkehr ist nun bereits seit dem 1. März weitgehend eingestellt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="650" height="508" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image.png" alt="" class="wp-image-44272" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image.png 650w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/03/image-300x234.png 300w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grenzübergang Sarahs am 27. Februar und am 1. März, Photo: Planet Labs</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Folge sind auf den Märkten der Hauptstadt und der Grenzregionen die Preise explodiert: Hühnerfleisch verteuerte sich von 40 auf 90 Manat (von 9,80 Euro auf 22 Euro) pro Kilogramm, der Kilopreis für Tomaten verdoppelte sich von 10 auf 20 Manat (von 2,50 Euro auf 4,90 Euro) und jener für Kartoffeln hat sich fast verdreifacht, berichtet <a href="https://en.fergana.agency/news/146298/">Fergana News</a>. Für die Bevölkerung, deren Durchschnittsgehalt bei rund 2.500 Manat (614 Euro zum offiziellen Wechselkurs) liegt, sind die Auswirkungen gravierend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Usbekistan ist betroffen, wenn auch weniger direkt. Iran gehört zu den wichtigsten Lieferanten von Milchprodukten und deckt schätzungsweise acht bis zehn Prozent des Importmarktes ab. Ein usbekischer Händler iranischer Milchprodukte in Samarkand erklärte gegenüber <a href="https://www.rferl.org/a/iran-war-economy-central-asia-turkmenistan/33695124.html">Radio Free Europe</a>, seine Lager leerten sich rapide, da die üblicherweise täglich 15 Lkw-Lieferungen über Turkmenistan ausblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kirgistan ist die Lage noch kritischer, berichtet <a href="https://timesca.com/middle-east-conflict-disrupts-logistics-routes-for-deliveries-to-kyrgyzstan/">The Times of Central Asia</a>. Ein erheblicher Anteil der Waren aus den USA, Europa und dem Nahen Osten wird über den iranischen Hafen Bandar Abbas in das zentralasiatische Land geliefert. Die Kämpfe zwischen Pakistan und Afghanistan erschweren die Situation zusätzlich, da auch die von kirgisischen Logistikunternehmen aktiv genutzte Route vom Hafen von Karatschi über Afghanistan blockiert ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kasachstan profitiert am Ölmarkt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Öl ist der Rohstoff, der am stärksten vom Konflikt im Iran betroffen ist. Kasachstan, der wichtigste zentralasiatische Exporteur des „schwarzen Goldes“, kann daher kurzfristig von dem Anstieg des Ölpreises profitieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-us-militaeroperation-in-venezuela-und-ihre-folgen-fuer-kasachstans-oelmarkt/">Die US-Militäroperation in Venezuela und ihre Folgen für Kasachstans Ölmarkt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der unterbrochenen Handelswege richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den „Mittleren Korridor“, der Zentralasien über das Kaspische Meer, Aserbaidschan, Georgien und die Türkei mit Europa verbindet. Obwohl das Frachtaufkommen seit 2022 deutlich gestiegen ist, besteht auf der Route weiterhin ein Engpass, unter anderem durch die begrenzte Schifffahrtskapazität auf dem Kaspischen Meer und die Überlastung der kasachstanischen Häfen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aqtau</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quryq">Quryq</a>. Der Konflikt im Iran zwingt Zentralasien daher, verstärkt nach alternativen Handelsrouten zu suchen, ohne jedoch eine unmittelbare Lösung für die anhaltenden Störungen zu bieten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unklare Aussichten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Verschärfung des Konflikts stehen die zentralasiatischen Staaten vor strategischen Entscheidungen, deren Konturen weiterhin unklar sind. Keine Regierung der Region hat sich öffentlich positioniert. Alle wahren stattdessen eine vorsichtige Neutralität, die der Doktrin ihrer mehrdimensionalen Diplomatie entstammt. Doch diese Neutralität verschleiert Schwachstellen, die mit jeder neuen Eskalation offengelegt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sangesur-korridor-neue-chancen-fuer-zentralasien/">Sangesur-Korridor: Neue Chancen für Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Unbekannte ist die Dauer des Konflikts. Ein kurzer Krieg würde überschaubare wirtschaftliche Folgen mit vorübergehenden Handelsstörungen und Preisanstiegen sowie mit einer kurzfristigen Umstrukturierung der Logistikströme hinterlassen. Ein langwieriger Konflikt hingegen würde eine dauerhafte Umstrukturierung der Handelsrouten nach sich ziehen. Es besteht die Gefahr, dass die zentralasiatischen Staaten gezwungen sein werden, zwischen ihren Wirtschaftspartnerschaften mit Iran und den Anforderungen potenziell verschärfter US-Sanktionen zu wählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich offenbart der Konflikt weniger einen Bruch als vielmehr eine Eskalation. Die zentralasiatischen Staaten wissen seit Jahren, dass ihre Abhängigkeit von den südlichen Handelskorridoren eine strukturelle Schwachstelle darstellt. Angesichts der Sanktionen gegen den nördlichen Nachbarn Russland bieten sich aber wenige Alternativen. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob diese Staaten ihre Handelsrouten tatsächlich diversifizieren können – und nicht nur ihre Absicht dazu erklären.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/decryptage/quelles-sont-les-repercussions-de-la-guerre-en-iran-pour-l-asie-centrale/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Turkmenistan verbreitet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 22:15:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
		<category><![CDATA[Zweitfrau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-&#xF6;konomische Kontext sind die Hauptursachen. Laut einer im Dezember von Radio Free Europe ver&#xF6;ffentlichten Recherche ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Obwohl Polygamie seit 2018 verboten ist, ist sie in der turkmenischen Gesellschaft weiterhin tief verwurzelt. Die Bedeutung der Tradition und der sozio-ökonomische Kontext sind die Hauptursachen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut einer im Dezember von Radio Free Europe veröffentlichten <a href="https://www.instagram.com/p/DR6h6_6gbtK/?img_index=1">Recherche</a> ist Polygamie in Turkmenistan weit verbreitet. Sie gilt als neue Norm im Alltag der Turkmen:innen. Allerdings hat das turkmenische Parlament 2018 ein Gesetz verabschiedet, das die Polygamie verbietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Quellen von Radio Free Europe zufolge ist Polygamie immer häufiger geworden, insbesondere unter Geschäftsleuten und Beamten. Diese Männer haben mehrere Ehefrauen, eine offiziell und weitere durch religiöse oder inoffizielle Vereinbarungen. Unter dem Sowjetregime war Polygamie bereits verboten und wurde mit bis zu zwei Jahren Arbeitslager bestraft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Last der Tradition</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tradition wird als einer der Gründe für dieses Phänomen benannt. &nbsp;Diese Begründung gab Turkmenistans erster Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saparmyrat_Ny%C3%BDazow">Saparmyrat Nyyazow</a> 1999, um Polygamie zu legalisieren. Er sprach insbesondere von der Notwendigkeit, „<em>lokale Gebräuche und alte Traditionen zu respektieren“</em>, ohne die Legalisierung jedoch offiziell umzusetzen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Polygamie ist ein fester Bestandteil der turkmenischen Kultur, ob es uns gefällt oder nicht. Sie ist ein Element der nationalen Identität“</em>, erklärt Aynabat Yaylymova, Leiterin der <a href="https://progres.online/">Progres Foundation</a>, einer auf Menschenrechte in Turkmenistan spezialisierten, in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation, gegenüber Novastan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Traditionelle Praktiken, die einst als ‚rückständig‘ und ‚frauenerniedrigend‘ galten (einschließlich Polygamie, Anm. d. Red.), tauchen wieder auf und werden durch die Untätigkeit und das Schweigen des Staates begünstigt“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Soziale Akzeptanz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Yaylymova befürworte ein Teil der turkmenischen Bevölkerung die Polygamie als Reaktion auf die Versuche der Behörden, sie während der Sowjetzeit zu verbieten. <em>„Zu Sowjetzeiten galt diese Praxis den Turkmenen als archaisch und entwürdigend für die Geschlechterbeziehungen. […] Die neue postsowjetische Generation der Turkmenen ist mit der Akzeptanz oder Normalisierung dieser Beziehungsform aufgewachsen. Es könnte deutlich mehr Akzeptanz für diese Praxis geben“</em>, erklärt die Expertin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thema Polygamie ist in Turkmenistan jedoch weiterhin ein Tabu. <em>„Die Mehrheit der Bevölkerung betrachtet es als Privatsache, ähnlich wie häusliche Gewalt oder Abtreibung. Man spricht nicht gern offen darüber, zumal Polygamie unter Strafe steht. Das Thema wird selten öffentlich diskutiert“</em>, so Yaylymova.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sozio-ökonomische Faktoren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Praxis der Polygamie wird auch durch die sozio-ökonomischen Gegebenheiten des Landes begünstigt. Laut der Recherche von Radio Free Europe akzeptieren turkmenische Familien aus Gründen wirtschaftlicher Notlage mitunter die Verheiratung ihrer Töchter als Zweit- oder Drittfrau. Denn für arme Familien ist es schwierig, eine Hochzeit zu organisieren, da die Mitgift sehr hoch ausfallen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele dieser polygamen Beziehungen basieren auf religiösen Eheschließungen. Dies verhindert allerdings, dass die Frauen und ihre Kinder rechtlichen Schutz erhalten. Weitere zu berücksichtigende Faktoren sind familiärer Druck, Unfruchtbarkeit, die Stigmatisierung unverheirateter Frauen und arbeitsbedingte Migration.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwierige Umstände für Frauen und Kinder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aynabat Yaylymova bietet die ultrakonservative Frauenpolitik der turkmenischen Regierung einen fruchtbaren Boden für die Polygamie. <em>„Häusliche Gewalt wurde entkriminalisiert, und die Frist für einen Schwangerschaftsabbruch wurde von zwölf auf fünf Wochen verkürzt. Es ist schwierig geworden, sich scheiden zu lassen und eine gewalttätige Familie zu verlassen“</em>, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Und wenn man Indikatoren wie den sich verschlechternden Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildung und reproduktiver Gesundheitsversorgung, die zunehmende Armut und Ungleichheit sowie die verstärkte Arbeitsmigration berücksichtigt, ergibt sich diese explosive Mischung“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/polygamie-in-zentralasien-zwischen-recht-und-realitaet/"><strong>Polygamie in Zentralasien: Zwischen Recht und Realität</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenische Männer, die zur Arbeit ins Ausland gehen, gründen dort oft Zweitfamilien und lassen ihre Familien in Turkmenistan vernachlässigt und in Armut zurück. Yaylymova ist überzeugt, dass Kinder in polygamen Beziehungen am meisten leiden, da das turkmenische Zivilrecht die religiöse Ehe nicht anerkennt. <em>„Daher fällt es ihnen schwer zu verstehen, wie schutzlos sie werden, wenn der Familienvater sie verlässt“</em>, so die Expertin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Machtsymbol einflussreicher Männer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits ist die Forscherin der Ansicht, dass Polygamie ein <em>„Symbol des sozialen Status [und] der Macht in einer patriarchalischen Gesellschaft“</em> ist. <em>„Es ist eine Art der Behauptung: Ich habe die Mittel und die Ressourcen, und ich kann tun, was ich will, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen“</em>, meint Yaylymova.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie weist aber auch darauf hin, dass einige Frauen, insbesondere alleinerziehende Mütter und Witwen, den Wunsch hegen, die zweite oder dritte Partnerin eines Mannes zu sein. Ihrer Ansicht nach sehen sie dies als eine Möglichkeit, <em>„die umständlichen zivilrechtlichen Verfahren zu umgehen“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/baeibise-und-toqal-erste-und-zweite-ehefrau-in-kasachstan/"><strong>Bäıbişe und Toqal: erste und zweite Ehefrau in Kasachstan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der zunehmende Konsum und die hohen Ansprüche an ein besseres Leben machen die Vorstellung, die Zweitfrau eines Mannes zu sein, der ihr einen angemessenen Lebensstandard bieten und ihre Bedürfnisse befriedigen kann, attraktiv. Offiziell ist es schön, Ehefrau und Mutter zu sein, aber inoffiziell scheint es einfacher zu sein, mit einem reichen und einflussreichen Mann zusammenzuleben“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Leugnung durch die Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Polygamie laut Verfassung und internationalen Verpflichtungen illegal ist, leugnen die turkmenischen Behörden deren Existenz und meiden es, die damit verbundenen Probleme öffentlich anzusprechen. Daher wird sie im Verborgenen praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aynabat Yaylymova sieht darin eine institutionelle und administrative Schwäche des Staates. <em>„Es gibt zwar ein Gesetz, aber keine Durchführungsrichtlinien, keine Finanzierung, keine Umsetzung, keine Evaluierung. Es ist ein systemisches Versagen“</em>, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ich-hatte-nur-ein-ziel-bei-ihm-zu-sein-kirgisische-zweitfrauen-erzahlen/"><strong>„Ich hatte nur ein Ziel – bei ihm zu sein“ – Kirgisische Zweitfrauen erzählen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Die Leugnung entspricht der Weltanschauung der Regierung. Sie dient ihren Interessen. Sie läuft darauf hinaus, einem Mann zu sagen, dass er in seiner Familie tun und lassen kann, was er will. […] Der Staat setzt Männer aber auch dadurch unter Druck, dass er von ihnen erwartet, die Ernährer der Familie zu sein“</em>, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie sind Gesetze in Turkmenistan lediglich eine Formsache. <em>„Die turkmenische Gesellschaft weiß nicht, wie dieses Gesetz angewendet und umgesetzt wird und welche Position die Regierung zu dieser Praxis und diesem tief verwurzelten kulturellen Problem vertritt. […] Viele Aspekte des turkmenischen Lebens entziehen sich jeglicher rechtlichen Grundlage.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>William Onkur für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/turkmenistan/malgre-son-interdiction-la-polygamie-reste-repandue-au-turkmenistan/"><strong>Französischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Ins Leere gelaufen: Ist das gemeinsame turksprachige Alphabet daran gescheitert, den türkischen Einfluss in Zentralasien zu stärken?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 13:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Alphabet]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[OTS]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr ist vergangen, seitdem die Organisation der Turkstaaten die Einf&#xFC;hrung eines gemeinsamen turksprachigen Alphabets beschlossen hat, das in allen Mitgliedstaaten verwendet werden sollte. Unter dem Vorwand der St&#xE4;rkung der turksprachigen Einheit hat Ankara die Initiative vorangetrieben, um die zentralasiatischen Staaten st&#xE4;rker in seinen politischen Einflussbereich zu ziehen. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel, fehlender politischer Anreize [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Jahr ist vergangen, seitdem die Organisation der Turkstaaten die Einführung eines gemeinsamen turksprachigen Alphabets beschlossen hat, das in allen Mitgliedstaaten verwendet werden sollte. Unter dem Vorwand der Stärkung der turksprachigen Einheit hat Ankara die Initiative vorangetrieben, um die zentralasiatischen Staaten stärker in seinen politischen Einflussbereich zu ziehen. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel, fehlender politischer Anreize und bestehender Sprachpolitik haben die zentralasiatischen Staaten das gemeinsame Alphabet jedoch weitgehend ignoriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2024 gab die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_Turkstaaten">Organisation der Turkstaaten</a> (OTS) der Weltöffentlichkeit die Schaffung eines gemeinsamen <a href="https://astanatimes.com/2024/09/turkic-states-revive-latin-based-alphabet-to-preserve-linguistic-heritage/">turksprachigen Alphabets mit 34 Buchstaben</a> bekannt, das auf dem lateinischen Alphabet basiert und von allen Mitgliedstaaten schriftlich bestätigt wurde. Die von der Türkei angeführte Initiative ist seit der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 in Arbeit. Ein Jahr nach der Ankündigung des gemeinsamen Alphabets ist die erhoffte Resonanz im zentralasiatischen Raum jedoch bislang ausgeblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das vorgeschlagene Alphabet ist Teil einer größeren regionalen Debatte über die politische Zukunft der zentralasiatischen Sprachen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begannen viele der neuen unabhängigen Republiken mit der Umstellung ihrer Sprachen von der kyrillischen auf die lateinische Schrift. In Zentralasien ist die Entscheidung für die Umstellung auf die lateinische Schrift jedoch auch drei Jahrzehnte später noch immer Gegenstand heftiger Debatten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Türkei hat unter der expansionistischen Außenpolitik von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdoğan">Recep Tayyip Erdoğan</a> eine führende Rolle bei der OTS-Initiative zur Entwicklung eines turksprachigen Alphabets übernommen. Die Türkei führte 1928 im Rahmen ihrer Modernisierungsreformen in der frühen Unabhängigkeitsphase <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/oct/25/turkey-switches-from-arabic-script-to-latin-alphabet-1928">erstmals die lateinische Schrift ein</a>. Indem sie die zentralasiatischen Staaten zu einem vergleichbaren Prozess ermutigt, verfolgt sie zugleich das Ziel, ihre Position als dominantes Zentrum der turksprachigen Welt zu festigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bislang hat Erdoğans Plan nicht viele starke Verbündete in der politischen Elite Zentralasiens gefunden. Die meisten Staaten der Region sind nach wie vor in nationale Debatten über die postsowjetische Zukunft ihrer Amtssprachen verstrickt, weshalb die zentralasiatischen Regierungen kaum Bereitschaft zeigen, einen so tiefgreifenden sprachpolitischen Wandel auf internationaler Ebene mitzutragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konkurrenz um den Status als „Mittelmacht“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Ankündigung der OTS zeigen sich die regionalen Schwergewichte Kasachstan und Usbekistan weiterhin zurückhaltend gegenüber der Einführung des gemeinsamen turksprachigen Alphabets innerhalb ihrer Landesgrenzen. Laut Nargiza Muratalieva, einer in Bischkek ansässigen Politikwissenschaftlerin, „<em>ist Kasachstan nicht bereit, seine Führungsrolle in Zentralasien zu teilen, da es versucht, sich als Mittelmacht zu profilieren</em>“. Kasachstan hat die Jahrzehnte nach dem Ende der Sowjetunion damit verbracht, die politische Macht in Zentralasien innerhalb seiner eigenen Grenzen zu zentralisieren, um sich sowohl in der Region als auch in der internationalen Gemeinschaft einen angesehenen <a href="https://rsaa.org.uk/blog/kazakhstans-new-middle-power-myth/">Status als „Mittelmacht“</a> zu sichern. Usbekistan, das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens und dem BIP nach das zweitgrößte, <a href="https://timesca.com/how-kazakhstan-and-uzbekistan-anchor-a-strategic-middle-power-hub-in-central-asia/">verfolgt vergleichbare Ziele</a>. Beide Länder deuten das von Ankara vorangetriebene OTS-Alphabet als Machtinstrument und als Gefahr für ihre eigenen nationalen Zielsetzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/gemeinsames-lateinisches-alphabet-fuer-alle-turksprachen/">Gemeinsames lateinisches Alphabet für alle Turksprachen?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan und Usbekistan haben zwar bisher das gemeinsame Alphabet nicht übernommen, setzen jedoch jeweils <a href="https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/21582440221138820">eigene nationale Pläne</a> um, um die Schriften ihrer Amtssprachen von Kyrillisch auf Latein umzustellen. In beiden Fällen hat die politische Führung die Schwierigkeit dieser Aufgabe unterschätzt, da die Initiativen viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich erwartet. Derzeit befinden sich beide Staaten in einer Übergangsphase, in der beide Schriften nebeneinander verwendet werden. Kritiker:innen bemängeln, dass dieser Zustand sprachpolitischer Stagnation sowohl die Bevölkerung verunsichert als auch die staatliche Verwaltung erheblich belastet. <a href="https://thediplomat.com/2024/09/the-latinization-of-kazakhstan-language-modernization-and-geopolitics/">The Diplomat berichtet</a>, dass der Haushaltsplan für Kasachstans Lateinisierungsprogramm 2018 auf 664 Millionen US-Dollar veranschlagt wurde, was etwa 39 Prozent des kasachischen BIP für dieses Jahr entspricht. Die Schwierigkeiten, mit denen Kasachstan und Usbekistan bei der Einführung der lateinischen Schrift konfrontiert waren, haben dazu geführt, dass keine der beiden Regierungen bereit scheint, in das OTS-Alphabet als drittes System zu investieren. Selbst Turkmenistan, der Staat, der die Verwendung des Kyrillischen in den 1990er Jahren <a href="https://jordanrussiacenter.org/blog/evolution-of-latinization-movement-among-turkic-states-from-sovietization-to-nationalization">erfolgreich abgeschafft</a> hat, sträubt sich weiterhin gegen den OTS-Plan. Weitgehend von der Außenwelt abgeschottet und ausländischen Einflüssen gegenüber abgeneigt, bietet das OTS-Alphabet Aschgabat nur wenige Vorteile.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirgistan: Die kyrillische Ausnahme</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der feierlichen Enthüllung des neuen turksprachigen Alphabets richteten sich alle Blicke auf Kirgistan. Anlässlich der Einführung des Alphabets<a href="https://www.trtworld.com/article/785e2a4cd17b"> überreichte Erdoğan</a> jeder vertretenen Nation ein Exemplar zweier in das neue Alphabet übersetzter Bücher. Eines der Bücher war ein Roman von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Chinghiz_Aitmatov">Tschingis Aitmatow</a>, einem regional bekannten Autor aus Kirgistan. Erdoğans Wahl war kaum zufällig. Kirgistan ist bis heute der <a href="https://www.rferl.org/a/common-turkic-alphabet-kyrgyz-kazakh-uzbek-turkmen-latin-cyrillic/33137392.html">einzige turksprachige Staat</a>, der nicht einmal versucht hat, seine nationale Schrift von Kyrillisch auf eine andere umzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="Diskussion um Latinisierung des Alphabets">Kirgistan: Diskussion um Latinisierung des Alphabets</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Westliche Analyst:innen führen die fortgesetzte Verwendung des kyrillischen Alphabets in Kirgistan auf die <a href="https://www.rferl.org/a/common-turkic-alphabet-kyrgyz-kazakh-uzbek-turkmen-latin-cyrillic/33137392.html">engen Beziehungen</a> zu Russland zurück, die das Land seit seiner Unabhängigkeit nach dem Ende der Sowjetunion unterhält. Russland betrachtet den zunehmenden Einfluss der Türkei in Zentralasien weitgehend als Bedrohung für seine Stellung in der Region und unternimmt Schritte, um die Macht des Landes in Staaten wie Kirgistan, in denen es noch immer beträchtlichen Einfluss hat, zu schwächen. Muratalieva sieht die Zurückhaltung Kirgisistans, das OTS-Alphabet einzuführen, vor allem in pragmatischen, nicht in politischen Überlegungen begründet. <em>„Die einfachste Erklärung ist der Mangel an finanziellen Mitteln, um dieses Alphabet auf nationaler Ebene einzuführen</em>“, erklärt sie. Obwohl die Türkei die Alphabetinitiative formell vorangetrieben hat, zeigt sie sich bislang zurückhaltend bei der Bereitstellung finanzieller Mittel für OTS-Mitgliedstaaten, die an einer nationalen Umstellung interessiert sind. Der Mangel an verfügbaren Mitteln schränkt die Möglichkeiten finanzschwacher Staaten wie Kirgistan, der kleinsten Volkswirtschaft des OTS-Blocks, erheblich ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, der Präsident Kirgistans, nach seiner Meinung zur sprachlichen Zukunft der kirgisischen Sprache gefragt wurde, erklärte er laut <a href="https://www.rferl.org/a/common-turkic-alphabet-kyrgyz-kazakh-uzbek-turkmen-latin-cyrillic/33137392.html">RadioFreeEurope/RadioLiberty</a>, <em>es sei „zu früh, über die Umstellung der kirgisischen Sprache auf das lateinische Alphabet zu sprechen“. </em>Muratalieva vermutet, dass Japarovs Strategie darin besteht, abzuwarten, wie sich die größeren Nachbarländer Kasachstan und Usbekistan bei ihren jeweiligen Umstellungen auf eine lateinbasierte Schrift entwickeln. <em>„Wenn eines von ihnen Erfolg hat, wird Kirgistan folgen“, </em>vermutet sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aserbaidschan als potenzielles Modell</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Hoffnung für die türkische Macht in Zentralasien ist verloren. Aserbaidschan, dient den postsowjetischen turksprachigen Staaten, die einer Zusammenarbeit mit der Türkei offen gegenüberstehen, als Vorbild und zeigt, wie eine Partnerschaft mit dem türkischen Staat zu einer erfolgreichen Entwicklung führen kann. Die Türkei und Aserbaidschan sind seit der Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion im Jahr 1991 <a href="https://www.mfa.gov.tr/relations-between-turkiye-and-azerbaijan.en.mfa">enge Verbündete</a>. Diese strategische Partnerschaft hat es Aserbaidschan ermöglicht, weitgehend seinen eigenen Weg zu gehen und sich wirtschaftlich wie politisch <a href="https://www.middleeasteye.net/news/why-azerbaijan-russia-relations-are-breaking-point">von Russland abzugrenzen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der ersten Maßnahmen Aserbaidschans nach der Unabhängigkeit war die <a href="https://jordanrussiacenter.org/blog/evolution-of-latinization-movement-among-turkic-states-from-sovietization-to-nationalization">vollständige Umstellung der Landessprache</a> von Kyrillisch auf Latein, ein Ziel, das um die Jahrhundertwende erreicht wurde. Die aserbaidschanische Schrift ist in ihrer heutigen Form eng mit der türkischen Standardschrift und dem neu vorgeschlagenen OTS-Alphabet verwandt. Diese sprachliche Integration zwischen den beiden Nationen hat viele neue Möglichkeiten für <a href="https://turksam.manas.edu.kg/index.php/en/azerbaijan/9597-azerbai-jan-and-turkey-agree-on-key-areas-of-cooperati-on#:~:text=AZERBAİJAN%20AND%20TURKEY%20AGREE%20ON%20KEY%20AREAS%20OF%20COOPERATİON,-10%20September%202025&amp;text=The%20minister%20emphasized%20that%20for,participation%20of%20leading%20energy%20companies.">transnationale Partnerschaften</a> eröffnet, deren Erfolge von den zentralasiatischen Staaten aufmerksam verfolgt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-langsamer-aber-bestimmter-weg-zum-lateinischen-alphabet/">Kasachstans langsamer, aber bestimmter Weg zum lateinischen Alphabet</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sind die zentralasiatischen Staaten <a href="https://dgap.org/en/research/publications/central-asias-shifting-regional-dynamics">zunehmend zurückhaltend gegenüber einer engen Partnerschaft mit Russland</a>. Die regionale Führung befürchtet, dass Russlands geografische Nähe zu ihren Grenzen zu künftigen militärischen Konflikten führen könnte. Die Türkei, die eine Alternative zur russischen Partnerschaft bieten möchte, vermarktet ihre geografische Distanz zu Zentralasien als überzeugende Sicherheitsgarantie. Obwohl die Türkei territoriale Distanz zu potenziellen zentralasiatischen Partnern wahrt, profitiert sie zugleich von der <a href="https://armenianweekly.com/2024/12/31/turkeys-golden-era-in-central-asia-and-the-future-of-the-organization-of-turkic-states/">kulturellen und religiösen Nähe</a> zum gemeinsamen turksprachigen Erbe der Region. Das gemeinsame turksprachige Alphabet ist nur ein Weg, auf dem die Türkei über das gemeinsame turksprachige Erbe Einfluss in Zentralasien gewinnen will. Die türkische Soft Power in Zentralasien ist zwar derzeit noch gering, gewinnt aber stetig an Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Türkei hat deutlich gemacht, dass sie bereit ist, <a href="https://www.duvarenglish.com/turkey-ready-to-add-5-new-letters-to-alphabet-erdogan-says-news-65214">administrative und wirtschaftliche Opfer für die Einführung des neuen Alphabets</a> im eigenen Land zu bringen, zögert aber weiterhin, die finanziellen Belastungen für die Einführung der Schrift in den zentralasiatischen Turkstaaten zu tragen. Da die Türkei nicht bereit ist, sich in die bestehenden sprachpolitischen Konflikte Zentralasiens einzumischen oder Russlands anhaltendem kulturellem Einfluss in der Region direkt entgegenzutreten, stellt sich die Frage: Ist das OTS-Alphabetprojekt gescheitert? Wahrscheinlich ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Joseph Fisher für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/en/politics/dead-in-the-water-has-the-common-turkic-alphabet-failed-to-boost-turkish-influence-in-central-asia/">Englischen</a> von Elisa Berste</strong></p>



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<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Wer entscheidet in Zentralasien, wie Frauen auszusehen haben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 23:36:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>F&#xFC;r &#x201E;Sch&#xF6;nheitsspritzen&#x201C; m&#xFC;sse man im Jenseits Rechenschaft ablegen, erkl&#xE4;rte k&#xFC;rzlich ein tadschikischer Geistlicher. Im benachbarten Turkmenistan droht f&#xFC;r Sch&#xF6;nheitsoperationen keine himmlische Strafe, sondern eine ganz irdische: Passagierinnen mit vergr&#xF6;&#xDF;erten Lippen und verl&#xE4;ngerten Wimpern werden Berichten zufolge nicht auf internationale Fl&#xFC;ge zugelassen. Warum versuchen Geistliche und weltliche Machthaber in den L&#xE4;ndern Zentralasiens, das Aussehen von Frauen [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Für <em>„Schönheitsspritzen“</em> müsse man im Jenseits Rechenschaft ablegen, erklärte kürzlich ein tadschikischer Geistlicher. Im benachbarten Turkmenistan droht für Schönheitsoperationen keine himmlische Strafe, sondern eine ganz irdische: Passagierinnen mit vergrößerten Lippen und verlängerten Wimpern werden Berichten zufolge nicht auf internationale Flüge zugelassen. Warum versuchen Geistliche und weltliche Machthaber in den Ländern Zentralasiens, das Aussehen von Frauen zu kontrollieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nein zu Botox und eng anliegender Kleidung, Ja zu Kleid mit weiten Hosen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorsitzende des Rates der Ulemas [muslimischer Rat, Anm. d. Übers.], <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mufti">Mufti</a> Sajdmukarram Abdulqodirsoda von Tadschikistan, äußerte sich während seiner jüngsten Freitagspredigt scharf über die <em>„Mode“</em> von Botox, Fillern und plastischen Operationen bei Frauen. Das Video seiner Rede, das auf dem YouTube-Kanal des Islamischen Zentrums veröffentlicht wurde, wurde zehntausende Male angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mufti bezeichnete kosmetische Eingriffe als <em>„haram”</em> (im Islam verboten) und forderte die Gläubigen auf, <em>„ihr Verhalten zu verbessern, nicht ihr Aussehen”</em>. Er verurteilte die Begeisterung für<em> „Schönheitsspritzen“ </em>und plastische Operationen und erklärte, dass <em>„der Körper ein von Gott anvertrautes Gut“</em> sei und man für solche Handlungen <em>„im Jenseits Rechenschaft ablegen muss“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Rhetorik steht im Einklang mit umfassenderen staatlichen Beschränkungen: Vor anderthalb Jahren verschärfte Tadschikistan seine Politik in Bezug auf Frauenkleidung. Im Frühjahr 2024 <a href="https://rus.azattyq.org/a/33003844.html">unterzeichnete</a> Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomalij Rahmon</a> Änderungen zum Gesetz <em>„Über die Regulierung von Traditionen, Feierlichkeiten und Ritualen“</em> und verbot damit de facto <em>„die Einfuhr, Werbung und den Verkauf von Kleidung, die nicht der nationalen Kultur entspricht“</em>. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von 7.920 bis 57.600 Somoni (ca. 730 bis 5.300 Euro).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arten von Kleidungsstücken werden im Gesetzestext nicht aufgeführt, aber nach Meinung von Expert:innen fällt unter diese vage Formulierung vor allem Kleidung, die den islamischen Kanonen des Nahen Ostens entspricht. In Tadschikistan ist sogar ein spezieller Begriff für <em>„fremde Kleidung”</em> entstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medien berichteten über Fälle, in denen Frauen mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidsch%C4%81b">Hidschabs</a> nicht in medizinische Einrichtungen gelassen wurden, solange sie ihr Kopftuch nicht <em>„auf tadschikische Art” </em>mit einem Knoten nach hinten gebunden hatten. Manchmal werden auch kurze Röcke und enge Oberteile als <em>„nicht der nationalen Kultur entsprechend”</em> angesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 2024 nahmen Polizeibeamte zwei junge Frauen wegen Veröffentlichungen auf Instagram fest, auf denen sie in kurzen Kleidern posierten, mit der Begründung, dies <em>„verletze die Ehre“</em> tadschikischer Frauen und Mütter. Nach einem <em>„präventiven”</em> Gespräch wurden die Frauen freigelassen, aber ihre Fotos wurden auf der offiziellen Seite der Strafverfolgungsbehörden in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, wobei ihre Gesichter und persönlichen Daten sichtbar blieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte der Rat der Ulemas eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwa</a> gegen <em>„schwarze, eng anliegende und durchsichtige”</em> Kleidung und behauptete, diese sei <em>„unvereinbar mit der nationalen Kultur der Tadschiken”</em>. <em>„Tadschikische Frauen trugen jahrhundertelang Kleidung, die den Anforderungen der Scharia entsprach und lokale Bräuche und Ornamente sowie klimatische Besonderheiten berücksichtigte”</em>, hieß es in der Fatwa. Sogar die religiösen Führer schrieben Frauen also vor, die Nationaltracht zu tragen – ein Kleid mit Hosen und einem Kopftuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später veröffentlichte das Kulturministerium Beispiele für traditionelle Nationaltrachten, die Frauen und Mädchen <em>„empfohlen“</em> werden, und stellte sogar Muster zur Verfügung, wie sie sich <em>„altersgerecht“</em> und den Umständen entsprechend kleiden sollten – sei es im Alltag, bei der Arbeit, bei Festen oder kulturellen Veranstaltungen. Dabei ging es um die <em>„Erhaltung der Kultur”</em>, doch tatsächlich lenken solche Initiativen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft von den wirklichen Problemen ab – Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn der Lebensstandard niedrig ist und die sozialen Probleme zunehmen, wird die Betonung der ‚moralischen Erscheinung‘ zu einem bequemen Instrument für die Machthaber“</em>, argumentiert ein Soziologe aus Duschanbe, der darum gebeten hat, seinen Namen nicht zu nennen. <em>„Es handelt sich um eine Form der sozialen Kontrolle, die unter dem Deckmantel der Sorge um die Moral getarnt ist. Dabei wird die Frage des Aussehens von Frauen zu einem Instrument der ideologischen Einflussnahme, ebenso wie der Kampf gegen <em>‚</em>fremde<em>‘</em> Kleidung.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Strafen und Entlassungen wegen Verstössen gegen die „Ustosy Türkmençilik“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Turkmenistan unterliegt das äußere Erscheinungsbild von Frauen staatlichen Vorschriften. Und die Kontrollen sind viel strenger geworden: Nach dem Amtsantritt von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> im Jahr 2022 (er löste seinen Vater <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> ab) wurden Frauen auffälliges Make-up, helles Färben der Haare, Wimpern- und Nagelverlängerungen sowie Botox-Injektionen verboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2023 nahm die Polizei in der turkmenischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_(Turkmenistan)">Mary</a> zwei Frauen fest und beschuldigte sie, <em>„für Turkmeninnen unangemessene Kleidung” </em>getragen zu haben. Sie wurden zur Polizeistation gebracht und nach mehreren Stunden Verhör wieder freigelassen, <a href="https://rus.azattyq.org/a/32425166.html">berichtete die turkmenische Redaktion von Radio Free Europe/Radio Liberty, Azatlyk</a>. <em>„Sie sind für Turkmeninnen unangemessen gekleidet. Sehen Sie sich ihre Kleider an, ihre Brüste sind zur Schau gestellt“</em>, zitierten Zeug:innen des Vorfalls die Worte der Polizisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Jahr <a href="https://rus.azattyq.org/a/32145480.html">berichtete Azatlyk</a>, dass Frauen wegen ihrer vergrößerten Lippen und verlängerten Wimpern nicht zu internationalen Flügen zugelassen wurden. Mitarbeitende der Flughäfen behaupteten, dass Gesichtserkennungsprogramme sie aufgrund ihres <em>„verzerrten Aussehens nicht erkennen“</em> würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Reaktion auf die internationale Kritik an dem faktischen Verbot kosmetischer Eingriffe erklärte der Abgeordnete Serdar Arazow, dass die Verbote <em>„auf hygienischen Normen beruhen“ </em>und <em>„in keiner Weise mit einer Einschränkung der Rechte von Frauen zusammenhängen“</em>. <em>„Ich glaube, Sie wurden falsch über das Aussehen von Frauen informiert. Wir haben diese Frage unter medizinischen Gesichtspunkten betrachtet. Es wurde eine umfassende Analyse durchgeführt, bei der Aspekte wie mangelnde Hygiene und illegale Arbeit im Bereich der Kosmetik festgestellt wurden“</em>, erklärte Arazow damals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen führen Polizisten Kontrollen auf den Straßen durch und kontrollieren Frauen mit <em>„übermäßigem Make-up”</em> und <em>„unangemessener Kleidung”</em>. Verstöße gegen die <em>„Grundsätze des Türkme</em>n<em>çilik“</em> (eine nicht offiziell definierte Verhaltensnorm, mit deren Hilfe die Behörden Turkmenistans das Aussehen, den Lebensstil und sogar die privaten Gewohnheiten der Bürger:innen kontrollieren und dies mit dem Schutz der<em> „nationalen Identität und Moral“</em> rechtfertigen) werden mit Geldstrafen und dem Verlust des Arbeitsplatzes geahndet. Berichten zufolge haben Dutzende von Frauen ihren Arbeitsplatz bei der nationalen Fluggesellschaft und den Eisenbahnbehörden verloren, angeblich weil sie sich die Lippen vergrößern oder Brustimplantate einsetzen ließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesetzgebung Turkmenistans enthält keine Liste von Kleidung, die für turkmenische Frauen <em>„angemessen” </em>oder <em>„unangemessen” </em>ist und es gibt auch keine bestimmten Regeln für ihr Verhalten in der Öffentlichkeit. Trotzdem verschärfen die Behörden unter dem Vorwand der Aufrechterhaltung der sogenannten <em>„Türkmençilik”</em> von Zeit zu Zeit die bereits jetzt restriktiven Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>„Wie man Frauen unter dem Deckmantel der moralischen Sorge kontrolliert“</em></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rhetorik der Behörden sowohl in Tadschikistan als auch in Turkmenistan verweist auf den Schutz von Traditionen und Moral, aber dient im Wesentlichen dazu, Frauen zu kontrollieren und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn die Regierung oder religiöse Führer über Botox und Kleidung diskutieren, weichen sie Gesprächen über Arbeitslosigkeit, Korruption und Inflation aus. Das ist eine bewährte Taktik“</em>, meint Anora Sadyqowa, Soziologin aus Duschanbe. <em>„Unter dem Vorwand, die Kultur des Staates zu schützen, konstruieren sie die <em>‚</em>ideale Frau&#8216; – gehorsam, bescheiden und ohne Mitspracherecht.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ähnliche Meinung vertritt eine Gender-Aktivistin aus Duschanbe, die anonym bleiben möchte. Ihrer Meinung nach wird in einer Gesellschaft, in der reale sozioökonomische Probleme ungelöst bleiben, die Kontrolle über das Verhalten und das Aussehen von Frauen zu einem bequemen Instrument, um von den tatsächlichen Problemen abzulenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus werfe diese gängige Praxis Fragen zu Doppelmoral und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Bezug auf das Aussehen auf: <em>„Warum richtet sich die Aufmerksamkeit immer nur auf Frauen?“</em>, fragt sie. <em>„Gewisse Männer, darunter gerade jene, die in staatlichen Behörden arbeiten, pflegen sich ebenfalls: Sie lassen sich die Nägel machen, färben graue Haare, bekämpfen Haarausfall und lassen sich Haare transplantieren. Aber niemand verurteilt sie dafür. Warum wird ihnen nicht empfohlen, traditionsgemäß <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschapan">Tschapan</a> und Turban zu tragen? Das ist doch auch Teil der nationalen Kultur! Nein, sie tragen Anzüge mit Krawatten, die den Tadschiken  ‚fremd&#8216; sind. Und wenn es um das Aussehen von Frauen geht, fallen sofort Begriffe wie  ‚Sünde&#8216;,  ‚Schande&#8216; oder  ‚fremde Kultur&#8216;. Das ist eine Möglichkeit, Frauen unter dem Deckmantel der Sittenwahrung zu kontrollieren.&#8220;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Verteidigung von „Traditionen“ als regionaler Trend</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Elemente einer solchen Kontrolle lassen sich auch in anderen Ländern Zentralasiens beobachten. In Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan wird keine offene Kritik an kosmetischen Eingriffen geäußert, aber unter dem Vorwand der Bewahrung von <em>„Traditionen“</em> werden zunehmend Beschränkungen hinsichtlich der Kleidung und des Aussehens von Frauen eingeführt. Aus Angst vor einem zunehmenden Einfluss des Islam nutzen säkulare Regierungen häufig das Thema des Aussehens der Bürgerinnen als Instrument der sozialen und ideologischen Kontrolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2025 wurde in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Namangan">Namangan</a> im Osten Usbekistans den Ehefrauen islamischer Geistlicher vorgeschrieben, <a href="https://rus.azattyq.org/a/zhyonam-uzbekskih-imamov-veleli-snyat-hidzhaby-i-nosit-platki-po-mestnym-traditsiyam/33510996.html">Kopftücher nach lokaler Sitte zu tragen</a> – sie hinter dem Kopf zu verknoten und nicht nach arabischem Vorbild. Das Verbot des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Niqab">Niqab</a> (ein langes muslimisches Gewand, das den Körper, die Haare und das Gesicht bedeckt, nur die Augen bleiben frei) wurde in Usbekistan bereits 2023 eingeführt: Die Maßnahme wurde mit der Notwendigkeit begründet, die öffentliche Ordnung und die Arbeit des Videoüberwachungssystems zu gewährleisten. Bei Verstößen droht eine Geldstrafe von 350 bis 700 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kazahstane-zapretili-zakryvayuschuyu-litso-odezhdu-s-chem-svyazano-tabu-i-ne-narushaet-li-ono-svobodu-religii-/33461827.html">unterzeichnete</a> der Präsident Kasachstans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> ein Gesetz, das das Tragen von Kleidung, die das Gesicht bedeckt, in der Öffentlichkeit verbietet. Damit wurde der Niqab verboten. Auf dem nationalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultaı</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyrau</a> im März betonte er: <em>„Anstatt sich in schwarze Gewänder zu hüllen, die das Gesicht verhüllen, ist es viel besser, Kleidung im nationalen Stil zu tragen. Sie ist harmonisch und sieht besonders bei Frauen schön aus.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im benachbarten Kirgistan trat das Niqab-Verbot im Januar 2025 <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kyrgyzstane-zapreschayut-parandzhu-kritiki-preduprezhdayut-chto-eto-mozhet-privesti-k-otchuzhdeniyu-nekotoryh-zhenschin/33295488.html">in Kraft</a>. Ausnahmen gelten nur für Kleidung, die mit der Arbeit oder medizinischen Indikationen zusammenhängt. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von ca. 200 Euro geahndet. Die Abgeordneten des Parlaments <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschogorku_Kengesch">Dschogorku Kengesch</a> begründeten das Verbot mit Sicherheitsaspekten, damit die Gesichter der Menschen zur Identifizierung sichtbar seien. Kritiker:innen wiesen jedoch darauf hin, dass dies die Freiheit der Kleiderwahl <a href="https://rus.azattyq.org/a/v-kyrgyzstane-zapreschayut-parandzhu-kritiki-preduprezhdayut-chto-eto-mozhet-privesti-k-otchuzhdeniyu-nekotoryh-zhenschin/33295488.html">einschränkt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan ist damit das einzige Land in der Region, in dem das Tragen des Hidschabs in Schulen und Büros erlaubt ist. In Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan hingegen ist der Hidschab in Bildungseinrichtungen, staatlichen Einrichtungen und Regierungsgebäuden verboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Berichten der internationalen Organisationen <a href="https://www.hrw.org/ru/world-report/2025/country-chapters/tajikistan?utm_source=chatgpt.com">Human Rights Watch</a>, <a href="https://www.amnesty.org/en/location/europe-and-central-asia/eastern-europe-and-central-asia/turkmenistan/report-turkmenistan/?utm_source=chatgpt.com">Amnesty International</a> und der <a href="//www.uscirf.gov/sites/default/files/Tajikistan.pdf?utm_source=chatgpt.com">US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF)</a> wird schließlich festgehalten, dass die Behörden Zentralasiens unter dem Vorwand der Bekämpfung des Extremismus die Kontrolle über das Aussehen, das Verhalten und die religiösen Praktiken der Bürger:innen verstärken.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Radio Azattyq</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://rus.azattyq.org/a/greh-styd-chuzhdaya-kultura-kto-i-pochemu-v-tsentralnoy-azii-reshaet-kak-nuzhno-vyglyadet-zhenschinam/33582084.html">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>
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		<title>Unser Rückblick: Das Jahr 2025 in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 22:57:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir f&#xFC;r euch zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat. Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Festigung innerzentralasiatischer Beziehungen und Ann&#xE4;herungen an internationale Partner. Innenpolitisch war es hingegen von Repressionen gepr&#xE4;gt: In Kasachstan und Kirgistan sahen sich Journalist:innen und Medienschaffende wachsenden Einschr&#xE4;nkungen der Meinungsfreiheit ausgesetzt, w&#xE4;hrend beide Staaten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir für euch zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Festigung innerzentralasiatischer Beziehungen und Annäherungen an internationale Partner. Innenpolitisch war es hingegen von Repressionen geprägt: In Kasachstan und Kirgistan sahen sich Journalist:innen und Medienschaffende wachsenden Einschränkungen der Meinungsfreiheit ausgesetzt, während beide Staaten Maßnahmen einleiteten oder planten, um den Einfluss ihrer Parlamente zu begrenzen. Ein bedeutender regionaler Erfolg war die Einigung über die lang umstrittenen Grenzen zwischen Kirgistan, Tadschikistan (und Usbekistan). Tadschikistan blieb zudem mit der instabilen südlichen Grenze zu Afghanistan und Migrationsfragen beschäftigt. Usbekistan erzielte wirtschaftliche, diplomatische, sportliche und kulturelle Erfolge, sieht sich zugleich aber gesellschaftlichen Herausforderungen wie geschlechterspezifischer Gewalt gegenüber. Turkmenistan hielt sich weitgehend abgeschottet, öffnete sich jedoch vorsichtig gegenüber internationalen Partnern. Ein Überblick.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kasachstan: Zwischen autoritären Tendenzen und gesellschaftlichem Wandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Qasym Jomart-Toqaev nutzte das Jahr 2025, um Umstrukturierungen im politischen System anzustoßen. In seiner Ansprache an die Nation im September brachte er die Abschaffung des Senats ins Spiel und stellte ein Referendum darüber für 2027 in Aussicht. Dadurch würde Kasachstan zum Einkammersystem. Das Ziel lautet offiziell, den Gesetzgebungsprozess zu beschleunigen und die Rolle des Parlaments zu stärken.&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-praesident-schlaegt-referendum-zur-abschaffung-des-senats-vor/">Expert:innen meinen</a>, dass die Verfassungsänderung darauf abziele, die Macht in den Händen des Präsidenten zu konsolidieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie eng die Grenzen für Kritik bleiben, zeigte sich 2025 besonders deutlich an Fällen rund um Meinungsfreiheit.&nbsp;Der Blogger und Satiriker Temirlan Ensebek, bekannt durch den satirischen Account Qaznews24, wurde im Januar <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wenn-redefreiheit-ein-witz-ist-autor-eines-satirischen-nachrichtenkanals-in-kasachstan-verhaftet/">festgenommen</a> und saß zunächst in Untersuchungshaft.&nbsp;Im April <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/verurteilt-wegen-lustig-fuenf-jahre-haft-fuer-temirlan-ensebek/">verurteilte ihn ein Gericht</a> in Almaty wegen „Aufstachelung zu ethnischem Hass“ zu einer mehrjährigen Strafe, die mit weitreichenden beruflichen und öffentlichen Verboten verbunden ist.&nbsp;Im Juni lehnte ein Gericht zudem seine Rehabilitierung ab und Ensebek musste die Aktivitäten auf seinen Accounts einstellen. Der Fall steht symbolisch für den Druck auf freie Meinungsäußerung, auch vor dem Hintergrund, <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/internationale-resonanz-zum-fall-temirlan-ensebek/">Russland nicht verärgern zu wollen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1013" height="685" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/Qaznews24-muss-aufhoeren.png" alt="" class="wp-image-43775" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/Qaznews24-muss-aufhoeren.png 1013w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/Qaznews24-muss-aufhoeren-300x203.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/Qaznews24-muss-aufhoeren-768x519.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1013px) 100vw, 1013px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Aufgrund des Drucks der Strafverfolgungsbehörden auf Redaktionsmitglieder und neuer Ermittlungsverfahren haben wir beschlossen, unsere Agentur zu schließen. Unter den gegenwärtigen Umständen können wir unsere Arbeit nicht fortsetzen [&#8230;]&#8220; Foto: Screenshot, Instagram Qaznews24</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im gesellschaftspolitischen Bereich waren mehrere Veränderungen zu beobachten. Im Juli reformierte Kasachstan Teile seines Strafgesetzbuches, um Zwangsheirat und Stalking unter Strafe zu stellen.&nbsp;Dies geschah als <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-stellt-zwangsheirat-und-stalking-unter-strafe/">Reaktion auf jahrelangen Druck der Zivilgesellschaft</a>, denn die Zahl der Anklagen ist trotz zahlreicher Beschwerden gering.&nbsp;Gleichzeitig zeichnet sich ein&nbsp; <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-die-menschen-in-kasachstan-inzwischen-seltener-heiraten/">Wertewandel unter jüngeren Menschen</a> ab. 2025 wurden weniger Ehen geschlossen, Werte wie Selbstverwirklichung sind jungen Kasachstaner:innen zunehmend wichtiger und viele haben eine kritischere Haltung gegenüber traditionellen Erwartungen.&nbsp;Jede:r fünfte in dieser Altersgruppe denkt allerdings darüber nach, <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wollen-denn-alle-schlauen-koepfe-kasachstan-verlassen/">Kasachstan zu verlassen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innenpolitisch prägte zudem ein rauer Ton gegenüber vermeintlichen „Sozialschmarotzern“ die Debatte.&nbsp;In einer <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-regierung-will-schuld-fuer-wirtschaftliche-probleme-der-bevoelkerung-zuschieben/">viel beachteten Rede</a> warf Toqaev&nbsp;weiten Teilen der Bevölkerung vor, das Sozialsystem des Landes auszunutzen, und kündigte eine Überarbeitung der Sozialpolitik an. Damit setzt Toqaev ein Narrativ fort, welches bereits sein Vorgänger Nursultan Nazarbaev verwendete – eines, das Verantwortung für Armut und Ungleichheit auf Einzelne schiebt und staatliche Wirtschaftspolitik aus der Schusslinie nimmt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Umweltpolitisch zeigte sich 2025, wie stark Klimafolgen und Energiewende in Kasachstan miteinander kollidieren. Der Winter 2024/25 wurde offiziell als ungewöhnlich warm eingestuft, mit Temperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel. Auch Frühling und Sommer brachten regionale Rekorde.&nbsp;Kasachstans Ziel, <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimaneutral-bis-2060-kasachstans-grosse-energie-vision-auf-dem-pruefstand/">2060 die Klimaneutralität zu erreichen</a>, scheint dabei fragwürdig.&nbsp;Fossile Energieträger nahmen auch 2025 einen hohen Stellenwert für Astana ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außenpolitisch war das vergangene Jahr von der Suche nach Spielräumen zwischen den großen Akteuren geprägt. Beim <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-sind-die-ergebnisse-des-usa-zentralasien-gipfels-in-washington/">USA-Zentralasien-Gipfel</a> im Format C5+1 in Washington&nbsp;im November des vergangenen Jahres standen vor allem Rohstoffe, seltene Erden und große Wirtschaftsabkommen im Mittelpunkt.&nbsp;Wenige Wochen später folgte ein weiteres Signal in Richtung USA. Kasachstan erklärte seine Bereitschaft, dem von Washington getragenen <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-beitritt-zu-den-abraham-abkommen-wird-sich-washingtons-geste-auszahlen/">Abraham-Abkommen über die Kooperation mit Israel beizutreten</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch regionale Kooperationen gewannen 2025 weiter an Gewicht.&nbsp;Beim <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-ist-die-bilanz-des-treffens-der-staatschefs-zentralasiens-in-taschkent/">siebten Konsultativtreffen der zentralasiatischen Staatschefs</a> am 16. November in Taschkent&nbsp;stand nicht mehr nur politische Annäherung, sondern vor allem praktische Zusammenarbeit auf der Agenda. Diskutiert wurden unter anderem Wasserversorgungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Kulturdiplomatie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso wurde 2025 abermals deutlich, wie stark Russlands Krieg gegen die Ukraine <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/leider-hat-sich-kasachstans-wirtschaft-nicht-angepasst/">Kasachstans Wirtschaft seit 2022 verändert hat</a>, etwa durch Inflationsdruck, Tenge-Schwankungen und eine neu organisierte Logistik im Handel mit Russland. Nach wie vor steht für Astana die Frage im Zentrum,&nbsp;wie Kasachstan <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/zentralasiatische-staaten-vermehrt-im-fokus-westlicher-laender/">seinen Kurs zwischen Kooperation und Sanktionsdruck</a> austariert, während der Westen strenger auf mögliche Sanktionsumgehungen durch Geschäfte mit Dual-Use-Gütern blickt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirgistan: Grenzen gezogen, Freiheiten beschnitten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein außenpolitischer Meilenstein prägte den Beginn des Jahres: Im März 2025 unterzeichneten die Präsidenten Kirgistans und Tadschikistans in Bischkek <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grenzen-wieder-offen-kirgistan-und-tadschikistan-besiegeln-historisches-abkommen/">ein historisches Grenzabkommen</a>, das jahrzehntelange Konflikte über die <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ein-historischer-tag-kirgistan-und-tadschikistan-unterzeichnen-grenzabkommen/">rund 970 Kilometer lange Grenze</a> beendete. Neben der exakten Festlegung des Grenzverlaufs wurden Vereinbarungen zu Wasser- und Energieanlagen sowie zum Bau und zur Nutzung grenzüberschreitender Straßen getroffen. Außerdem sind Umsiedlungen von Grenzbewohner:innen geplant, deren Häuser nun auf dem Staatsgebiet des Nachbarlandes liegen, um zukünftige Konflikte im sensiblen Ferganatal zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Kirgistan außenpolitisch Fortschritte erzielte, zeigte sich innenpolitisch ein deutlich anderes Bild. Im Laufe des Jahres verschärfte sich die Lage für unabhängige Medien. Ein Gericht stufte mehrere Medienportale, darunter Kloop, Temirow Live und Ait Ait Dese, <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/angriff-auf-die-pressefreiheit-kirgisische-medienportale-als-extremistisch-eingestuft/">als extremistisch ein</a><strong>, </strong>und <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwei-ehemalige-mitarbeiter-von-kloop-in-kirgistan-verurteilt/">zwei ehemalige Mitarbeiter von Kloop</a> wurden wegen „Anstiftung zu Unruhen“ zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Journalist:innen und Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Entscheidungen als politisch motiviert und weisen auf Verstöße gegen das Recht auf ein faires Verfahren hin. Die wiederholten Maßnahmen verdeutlichen, dass kritische Berichterstattung unter Präsident Sadyr Dschaparow zunehmend erschwert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch institutionell blieb das Jahr nicht ohne Zäsur. Im November fanden <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-steckt-hinter-den-vorgezogenen-parlamentswahlen-in-kirgistan/">in Kirgistan vorgezogene Parlamentswahlen</a> statt. Das Parlament hatte sich zuvor selbst aufgelöst, offiziell wegen der drohenden Überschneidung von Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Beobachter:innen vermuten jedoch eine strategische Vorbereitung auf Machtverschiebungen innerhalb der Staatsführung, da das neue Mehrheitswahlsystem größere Parteien begünstigt und den Einfluss der Exekutive stärkt. Kritiker:innen werteten dies unter anderem als weiteren Bedeutungsverlust parlamentarischer Kontrolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu positionierte sich Kirgistan auf internationaler Bühne als geopolitisch bedeutsames Land: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/neue-seidenstrasse-taiwan-eisenbahn-sadyr-dschaparow-auf-offiziellem-besuch-in-china/">Anfang Februar besuchte Präsident Dschaparow China</a>, traf Xi Jinping und unterzeichnete Abkommen im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative. Dabei standen Infrastrukturprojekte wie die China-Kirgistan-Usbekistan-Eisenbahn und Handelsabkommen im Fokus, die den wirtschaftlichen Austausch und technologischen Fortschritt fördern. <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-europa-buhlt-in-samarkand-um-rohstoffe/">Zugleich nahm Kirgistan am EU-Zentralasien-Gipfel in Samarkand teil</a>, bei dem ein 12-Milliarden-Euro-Investitionspaket im Rahmen der Global-Gateway-Initiative angekündigt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz wirtschaftlicher und diplomatischer Initiativen blieben Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit auch 2025 eine Herausforderung in Kirgistan. <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/polygamie-in-zentralasien-zwischen-recht-und-realitaet/">Polygamie ist dort zwar formal verboten</a>, wird jedoch inoffiziell über religiöse Nikah-Zeremonien praktiziert, wodurch Frauen und Kinder häufig rechtlos bleiben. Etwa 30 Prozent der Kinder übernehmen zudem <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-unsichtbare-gewalt-jedes-dritte-kind-in-kirgistan-uebernimmt-die-rolle-eines-erwachsenen/">frühzeitig Verantwortung für Geschwister oder kranke Familienmitglieder </a>&nbsp;– ein Phänomen, das „Parentifizierung“ genannt wird und als Form emotionaler Gewalt gilt. Fachleute warnen, dass diese Belastungen langfristige negative Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Selbstwertgefühl und Beziehungsfähigkeit der Kinder haben können. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="678" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/kuenstlicher-Gletscher-1024x678.jpg" alt="" class="wp-image-43796" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/kuenstlicher-Gletscher-1024x678.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/kuenstlicher-Gletscher-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/kuenstlicher-Gletscher-768x509.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/01/kuenstlicher-Gletscher.jpg 1478w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Künstliche Gletscher sollen in Kirgistan für nachhaltige Wasserquellen sorgen. Foto: ©FAO/Evgeniy Pechurin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Umwelt- und Klimafragen rückten in diesem Jahr vermehrt ins öffentliche Bewusstsein. <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/klimawandel-bedroht-leben-in-hochgebirgsdoerfern-zentralasiens/">Schmelzende Gletscher bilden instabile Gletscherseen</a><strong>, </strong>die ganze Hochgebirgsdörfer gefährden und Überschwemmungen oder Schlammlawinen verursachen können. Um dem entgegenzuwirken, startete Kirgistan gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kuenstliche-gletscher-in-kirgistan-gegen-die-folgen-des-klimawandels/">ein Projekt zum Bau künstlicher Gletscher</a>,<strong> </strong>die Wasser für Haushalte, Viehherden und Felder speichern. Diese innovativen Anlagen zeigen, wie traditionelles Wissen und moderne Technik kombiniert werden können, um die Resilienz der Bevölkerung zu stärken und die Folgen der globalen Erwärmung zu mildern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tadschikistan: Annäherungen nach außen, Spannungen im Inneren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch für Tadschikistan stellt das im Frühjahr 2025 unterzeichnete Grenzabkommen mit Kirgistan ein zentrales Ereignis dar, das bisher die Grenzregion weitgehend befriedet. Kurz darauf bekannte sich auf dem <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-ferganatal-gipfel-von-chudschand-eine-historische-premiere/">Ferganatal-Gipfel auch Usbekistan</a> zu einer engeren regionalen Zusammenarbeit mit Tadschikistan und Kirgistan – ein bemerkenswerter Schritt, war doch auch Usbekistan in der Vergangenheit immer wieder in Grenzkonflikte mit beiden Ländern verwickelt. Weitaus unruhiger bleibt hingegen Tadschikistans südliche Grenze zu Afghanistan, die seit der Machtübernahme der Taliban weiterhin als <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/schuesse-an-mehreren-grenzen-ein-test-fuer-die-stabilitaet-der-region/">instabil</a> gilt. Nichtsdestotrotz schieben tadschikische Behörden immer wieder afghanische Staatsangehörige ab – darunter auch Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus – vielfach unter rechtlich und humanitär höchst fragwürdigen Umständen. Gleichzeitig gab es zum Ende des Jahres Anzeichen für eine <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/toedliche-angriffe-auf-chinesische-arbeiter-an-tadschikistans-suedlicher-grenze/">Annäherung der beiden Nachbarstaaten</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/Image.jpeg" alt="" class="wp-image-42061" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/Image.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/Image-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/04/Image-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shavkat Mirziyoyev, Emomali Rahmon und Sadyr Dschaparow beim Gipfel in Chudschand. Foto: president.tj</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Über den regionalen Kontext hinaus brachten vor allem internationale Entwicklungen Veränderungen mit sich. Insbesondere der Amtsantritt Donald Trumps hatte spürbare Auswirkungen: Auf der einen Seite <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-beinahe-schliessung-von-usaid-in-zentralasien-welche-folgen-hat-sie-fuer-die-region/">brach die durch USAID geleistete Entwicklungshilfe weg</a>, von der auch mehrere Projekte in Tadschikistan betroffen waren. Auf der anderen Seite rückte die Region durch den <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-sind-die-ergebnisse-des-usa-zentralasien-gipfels-in-washington/">USA-Zentralasien-Gipfel in Washington</a> erneut in den Fokus amerikanischer Außenpolitik. Weder dort noch bei den anderen internationalen Gipfeltreffen mit der <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/eu-zentralasien-gipfel-europa-buhlt-in-samarkand-um-rohstoffe/">EU</a>, <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zweiter-china-zentralasien-gipfel-ein-reigen-an-handelsabkommen/">China</a> und <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/gipfel-in-duschanbe-zentralasiens-staatschefs-treffen-wladimir-putin/">Russland</a> gelang es Tadschikistan jedoch, als eines der wirtschaftsschwächsten Länder der Region größere wirtschaftliche Vereinbarungen zu erzielen.<br><br>Große politische und mediale Aufmerksamkeit erfuhren dagegen im Ausland lebende tadschikische Staatsangehörige. In Russland sind Arbeitsmigrant:innen nach dem Anschlag auf die Moskauer Crocus Cityhall im Jahr 2024 weiterhin zunehmender <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/die-bedingungen-fuer-migrantinnen-aus-zentralasien-verschaerfen-sich-weiter/">Diskriminierung und wachsendem Rassismus ausgesetzt</a>. Gleichzeitig häufen sich Fälle umstrittener <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-die-eu-tadschikistanische-oppositionelle-abschiebt/">Abschiebungen tadschikischer Oppositioneller aus EU-Staaten</a> in ihr Herkunftsland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Inneren des Landes wiederum zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Einerseits formiert sich an einigen Stellen eine engagierte Zivilgesellschaft, die sich insbesondere für <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/nieder-mit-der-gleichgueltigkeit-in-duschanbe-trifft-umweltaktivismus-auf-kunst/">Umwelt</a>&#8211; un <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/social-media-trend-in-tadschikistan-wie-frauen-gegen-stereotype-kaempfen/">Gleichstellung</a>sfragen einsetzt. Andererseits entzieht sich die politische Führung mit einer erneut unfreien <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikisches-parlament-nimmt-nach-umstrittenen-wahlen-seine-arbeit-auf/">Parlamentswahl ohne echte Opposition</a> weiterhin demokratischen Prinzipien. In der Hauptstadt Duschanbe steht zudem die rasch wachsende Stadtbevölkerung vor zunehmenden infrastrukturellen Herausforderungen. Um dem <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wege-durchs-verkehrschaos-zentralasiens-kampf-mit-dem-urbanen-oeffentlichen-nahverkehr/">täglichen Verkehrschaos</a> entgegenzuwirken, das zu Stoßzeiten regelmäßig im Stillstand mündet, treibt Tadschikistan in Kooperation mit koreanischen Bauunternehmen die <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/duschanbe-plant-bau-einer-u-bahn/">Planung einer U-Bahn weiter voran</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Turkmenistan: Zensur nach innen, Öffnung nach Außen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Turkmenistan bekam im Juni ungewohnte internationale Aufmerksamkeit, als die US-Administration unter Donald Trump per Dekret ein <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-im-visier-amerikanischer-reiserestriktionen/">vollständiges Einreiseverbot</a> gegen Staatsangehörige von zwölf Ländern verhängte – darunter Turkmenistan. Doch warum Turkmenistan? Ein nicht unwesentlicher Anteil der turkmenischen Staatsangehörigen, die mit einem Touristen- oder Geschäftsvisum die Vereinigten Staaten besucht hatten, hätten das Land nicht rechtzeitig verlassen, heißt es in der Begründung. Turkmenistan selbst hingegen scheint sich zumindest in kleinen Schritten internationalen Gästen zu öffnen und führte im <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-plant-einfuehrung-von-e-visa/">April ein elektronisches Visaverfahren</a> ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/hacker-1944688_1280-1-1024x682-1.jpg" alt="Internet Symbolbild" class="wp-image-32520" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/hacker-1944688_1280-1-1024x682-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/hacker-1944688_1280-1-1024x682-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/04/hacker-1944688_1280-1-1024x682-1-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">In Turkmenistan schlagen Beamte Profit aus Internetzensur Foto: Symbolbild: Darwin Laganzon/ Pixabay</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb des Landes kann allerdings von Öffnung keine Rede sein: Die Internetnutzung innerhalb des zentralasiatischen Landes wird immer weiter eingeschränkt, weite Teile des Netzes sind für Turkmen:innen unzugänglich. Neu ist hingegen, dass die Behörden versuchen, <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistan-zieht-profit-aus-der-internetzensur/">daraus Profit zu schlagen</a>. Wer sich Zugang über eine „weiße Liste“ beschaffen möchte, muss exorbitant hohe Preise zahlen. Fast schon amüsant wirkt angesichts dessen, wie Turkmenistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> – übrigens wie auch einige seiner zentralasiatischen Amtskollegen – <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/photoshop-fuer-den-praesidenten-wie-zentralasiens-staatschefs-juenger-groesser-und-gluecklicher-werden/">Photoshop nutzen</a>, um stets vorteilhaft in Erscheinung zu treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf internationaler Ebene mischt Berdimuhamedow regelmäßig mit, insbesondere wenn die Großen der Welt zu den so genannten „C5+1“-Formaten laden, also Gipfeltreffen mit den Staatschefs der fünf zentralasiatischen Länder. Am 6. November hat US-Präsident Trump zum insgesamt zweiten <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-sind-die-ergebnisse-des-usa-zentralasien-gipfels-in-washington/">US-Zentralasien-Gipfel</a> geladen und damit die Region wieder in den Fokus der Vereinigten Staaten gerückt. Dabei wurden etliche Wirtschaftsabkommen mit den Ländern Zentralasiens geschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Spannungen kam es hingegen beim <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zwischen-ost-und-west-spannungen-in-der-organisation-der-turkstaaten/">Gipfeltreffen der Organisation der Turkstaaten (OTS)</a> im Mai. Grund dafür war, dass Kasachstan, Usbekistan und auch Turkmenistan <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/zentralasiatische-staaten-erkennen-nordzypern-an-rueckschlag-fuer-die-tuerkei/">die Republik Zypern anerkannt</a> und gleichzeitig die Türkische Republik Nordzypern als illegale Einheit betrachtet hatten – sehr zum Missfallen Ankaras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem zentralasieninternen <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/was-ist-die-bilanz-des-treffens-der-staatschefs-zentralasiens-in-taschkent/">Gipfel</a>, zu dem die fünf Präsidenten im November in Taschkent zusammenkamen, konnten sie sich über Zuwachs freuen: auch Aserbaidschans Staatsoberhaupt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/İlham_Əliyev">Ilham Aliyev</a> war als geladener Gast zugegen. Kein Zufall, denn durch die Einrichtung des <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sangesur-korridor-neue-chancen-fuer-zentralasien/">Sangesur-Korridors</a>, der Aserbaidschan mit seiner <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autonome_Republik_Nachitschewan">Exklave Nachitschewan</a> verbindet, erhoffen sich auch die Regierungen Zentralasiens einen wirtschaftlichen Aufschwung entlang des <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-transkaspische-route-eine-reale-chance-zur-umgehung-russlands/">Mittleren Korridors</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Usbekistan: Ein Jahr voller Meilensteine: Gas, Gipfel, Goldmedaillen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entdeckung eines neuen <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/neues-gasfeld-in-6500-meter-tiefe-in-usbekistan-entdeckt/">Gasfelds in 6.500 Metern Tiefe auf dem Ustyurt-Plateau</a> sorgte für Aufsehen und weckte Hoffnungen auf einen Durchbruch im Energiesektor. Dieses Feld könnte die Exportkapazitäten merklich steigern und Usbekistan unabhängiger von etablierten Lieferanten machen. Gleichzeitig gibt es kritische Stimmen wegen der großen Tiefe, in der das Gas liegt, der damit verbundenen technischen Herausforderungen sowie möglicher negativer Umweltauswirkungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außenpolitisch profitierte Usbekistan wie seine Nachbarländer von den regionalen und internationalen Abkommen. Am Rande des Jahresgipfels der Vereinten Nationen schloss Präsident Shavkat Mirziyoyev ein bemerkenswertes Wirtschaftsabkommen über 8 Milliarden US-Dollar zwischen der nationalen usbekischen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways und Boeing ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Erfolge konnte Usbekistan im Bereich des Sports verzeichnen. Bei der Boxweltmeisterschaft in Liverpool belegte das usbekische Team beim Medaillenspiegel den zweiten Platz. Von den insgesamt 18 Athlet:innen gewannen 11 eine Medaille, davon sechs Mal Gold. Ein Beispiel für die anhaltende Beliebtheit des Schachspiels im postsowjetischen Zentralasien ist <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/schach-eine-sowjetische-leidenschaft-und-in-zentralasien-nach-wie-vor-praesent/">Schach-Talent Javohir Sindarov</a>. Er holte im November den Weltcup in Goa und ist damit der bisher jüngste Gewinner dieses Turniers – ein Symbol für usbekischen Aufstieg im Sport.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="544" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/the-song-sustxotin-1024x544.jpg" alt="" class="wp-image-42194" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/the-song-sustxotin-1024x544.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/the-song-sustxotin-300x159.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/the-song-sustxotin-768x408.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/the-song-sustxotin.jpg 1290w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Szene aus &#8222;Sustxotin&#8220; (The Song). Foto: goEast-Filmfetival</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf kultureller Ebene erlangte Usbekistan internationale Anerkennung, etwa beim goEast-Filmfestival in Wiesbaden. Dort feierte <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/patriarchale-gewalt-filmisch-erzaehlen-ein-interview-mit-husnora-rozmatova/">Husnora Rozmatovas</a> „<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">The Song Sustxotin</a>“ Europapremiere und wurde doppelt ausgezeichnet. Der Film beleuchtet patriarchale Gewalt und verknüpft diese mit weiteren gesellschaftlichen Tabuthemen in Usbekistan. Damit leistet Rozmatova einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/gebunden-durch-tradition-das-stille-leiden-der-schwiegertoechter-in-usbekistan/">geschlechterspezifischer Gewalt gegen Frauen in Usbekistan</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterhin <a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-durch-die-linse-von-kamila-rustambekova/">porträtierte Novastan</a> die Filmemacherin und Fotografin <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vom-objekt-zum-subjekt-modelle-vor-kamila-rustambekovas-kamera/">Kamila Rustambekova</a>, eine aufstrebende Künstlerin, die in ihren Arbeiten den Alltag zwischen Tradition und Moderne sowie Migration und Identität in den Blick nimmt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Novastan</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie jedes Jahr berichtete Novastan.org ausgiebig über politische, wirtschaftliche, soziale, Umwelt- und gesellschaftliche Themen – und viele mehr. Wir sind stolz, unserer Lesendenschaft stetig mehr Eigenproduktionen wie Reportagen, Analysen und Rezensionen aus eigener Feder zu bieten. Neben der Erneuerung unserer Website, bei der wir einige Features im Laufe des Jahres verbesserten, erstrahlt nun auch unser wöchentlicher Montags-Newsletter in neuem Glanz. Auch im neuen Jahr werden wir weiter daran arbeiten unsere Inhalte noch ansprechender und informativer gestalten und Zentralasien dadurch unserem Zielpublikum und darüber hinaus näherbringen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Redaktion entwickelt konstant neuen Ideen – Ihr dürft Euch also auf gewohnt informative und spannende News sowie weitere Features freuen. Besonders glücklich schätzen wir uns, auch im vergangenen Jahr redaktionellen Zuwachs erhalten zu haben und sind auch weiteri´hin auf der <a href="https://novastan.org/de/mitmachen/">Suche nach Freiwilligen</a> – bei Interesse erwarten wir gerne Eure Nachricht an <a href="mailto:redaktion@novastan.org">redaktion@novastan.org</a>. Neben regelmässigen Redaktionstreffen planen wir im Mai 2026 den nächsten Novastan-Kongress in Berlin, bei dem sich alle Novastan-Redaktionen (Deutsch, Französisch und Englisch) zu einem Ideenaustausch über die Weiterentwicklung des Projektstreffen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="940" height="788" data-id="41709" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/03/IMG_6660.png" alt="" class="wp-image-41709" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/03/IMG_6660.png 940w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/03/IMG_6660-300x251.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/03/IMG_6660-768x644.png 768w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nowruz Edition </figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="983" height="1024" data-id="42933" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-983x1024.jpg" alt="" class="wp-image-42933" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-983x1024.jpg 983w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-288x300.jpg 288w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-768x800.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-1475x1536.jpg 1475w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/09/Tanish-Bilish-Porti-1966x2048.jpg 1966w" sizes="auto, (max-width: 983px) 100vw, 983px" /><figcaption class="wp-element-caption">TΛNIŞ-BILIШ ПОРТӢ </figcaption></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der regulären redaktionellen Arbeit organisierte unser Verein Novastan e.V. im letzten Jahr wie gewohnt einige Veranstaltungen für Zentralasien-Interessierte – dieses Mal zwei „<em>Dance with the Stans</em>“-Partys, eine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/dance-with-the-stans-nowruz-edition-2/"><em>Nowruz Edition</em></a> mit Kurzfilm-Screening und als zehnte (!) Ausgabe von DwtS die <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/dance-with-the-stans-t%CE%BBnis-bili%D1%88-%D0%BF%D0%BE%D1%80%D1%82%D3%A3/">TΛNIŞ-BILIШ ПОРТӢ</a> (Tanisch-Bilisch-Party) mit der kasachstanischen Stand-Up-Komikerin Dinara Kerey. Für Plov und feinste Hits aus Zentralasien war dabei selbstverständlich wie immer gesorgt. Auch einige thematische Stammtische mit interessanten Gästen fanden in Berlin statt – ein Format, das wir auch 2026 weiterführen wollen. Im Januar diesen Jahres wird die nächste Mitgliederversammlung von Novastan e.V. stattfinden und wie immer hoffen wir auf wertvolles Feedback unserer Mitglieder und des <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/die-neuen-gesichter-von-novastan-e-v/">Aufsichtsrates</a>. Du möchtest auch Mitglied werden und Novastan e.V. unterstützen? Dann melde Dich bei <a href="mailto:verein@novastan.org">verein@novastan.org</a>!</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://novastan.org/de/author/hjakunin/">Heinrich Jakunin</a>, <a href="https://novastan.org/de/author/margareteb/">Margaret Bullich</a>, <a href="https://novastan.org/de/author/juliusb/">Julius Bauer</a>, <a href="https://novastan.org/de/author/robinroth/">Robin Roth</a>, <a href="https://novastan.org/de/author/mkhamidov/">Mahkam Hamid</a> und <a href="https://novastan.org/de/author/mhaefliger/">Michèle Häfliger</a> für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Sangesur-Korridor: Neue Chancen für Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 15:36:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der geplante Sangesur-Korridor im S&#xFC;dkaukasus k&#xF6;nnte die Handelswege zwischen Asien und Europa grundlegend ver&#xE4;ndern. Zentralasien erhofft sich wirtschaftliche Vorteile, doch geopolitische Rivalit&#xE4;ten und politische Risiken werfen Fragen auf. Im kirgisischen Bergdorf Kosch-D&#xF6;b&#xF6; auf &#xFC;ber 2.200 Metern H&#xF6;he erinnert wenig an gro&#xDF;e Weltpolitik. Doch genau hier entstehen Br&#xFC;cken und Tunnel f&#xFC;r eine neue Eisenbahnlinie, die China [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der geplante Sangesur-Korridor im Südkaukasus könnte die Handelswege zwischen Asien und Europa grundlegend verändern. Zentralasien erhofft sich wirtschaftliche Vorteile, doch geopolitische Rivalitäten und politische Risiken werfen Fragen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im kirgisischen Bergdorf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kosh-D%C3%B6b%C3%B6,_Ak-Talaa">Kosch-Döbö</a> auf über 2.200 Metern Höhe erinnert wenig an große Weltpolitik. Doch genau hier entstehen Brücken und Tunnel für eine neue Eisenbahnlinie, die China mit Kirgistan verbinden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wir haben schon viele ihrer Wörter gelernt</em>“, erzählt der Dorfbewohner Isabek Dschusupow über seine chinesischen Kollegen. Die Baustelle bringe Arbeit und Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zehntausend Kilometer weiter westlich, in New York, erklärte Usbekistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> bei Gesprächen mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Trump">Donald Trump</a>, wie wichtig eine stabile Lage im Südkaukasus für Zentralasien sei. Dabei ging es unter anderem um ein großes Projekt: den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sangesur-Korridor">Sangesur-Korridor</a>, eine fast 40 Kilometer lange Route, die die geopolitische Landkarte Eurasiens neu ordnen könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein neuer Korridor mit globaler Bedeutung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Korridor soll Aserbaidschan mit seiner Exklave <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autonome_Republik_Nachitschewan">Nachitschewan</a> über armenisches Territorium verbinden. Aserbaidschans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%B0lham_%C6%8Fliyev">Ilham Alijew</a> und Armeniens Premierminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nikol_Paschinjan">Nikol Paschinjan</a> einigten sich im August in Washington auf das Projekt, vermittelt von den USA und ohne Beteiligung Russlands.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der 43 Kilometer lange Abschnitt trägt offiziell den Namen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Zangezur_corridor#Trump_Route_for_International_Peace_and_Prosperity_(2025)">&#8222;Trump Route for International Peace and Prosperity&#8220; (TRIPP)</a>. Er soll von den USA verwaltet werden und eine Eisenbahn, Öl- und Gaspipelines sowie Glasfaserleitungen umfassen. Armenien hat den Vereinigten Staaten für 99 Jahre das exklusive Entwicklungsrecht zugesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/10-gipfeltreffen-der-organisation-der-turkstaaten-neue-wege-der-zusammenarbeit-sind-gefragt/">10. Gipfeltreffen der Organisation der Turkstaaten: Neue Wege der Zusammenarbeit sind gefragt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">TRIPP ist nicht nur ein regionales Infrastrukturprojekt. Es könnte die Mittlere (Transkaspische) Route, also die Verbindung zwischen China, Zentralasien, dem Südkaukasus und der Türkei, erheblich attraktiver machen. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine meiden viele Unternehmen den Nordkorridor, der über Russland verläuft. Die Mittlere Route gewinnt dadurch an Bedeutung. Der Politikwissenschaftler <a href="https://www.asiapacific.ca/author/nicola-p-contessi">Nicola Contessi</a> erklärt: „<em>Ich sehe die Türkei als den großen Gewinner, der sich hinter den Kulissen versteckt.</em>“ TRIPP stärke die Achse Ankara–Baku und die Bedeutung <a href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/tuerkei-313/77033/ideologische-grundlagen-und-verfassungsrahmen/">panturkischer</a> Verbindungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zentralasiens Erwartungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Staaten setzen große Hoffnungen in das Projekt. Usbekistan, Kasachstan, Turkmenistan, Kirgistan und Tadschikistan könnten dadurch schneller und günstiger auf den europäischen Markt gelangen. Die Transportkosten würden sinken, Lieferketten zuverlässiger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Treffen im turkmenischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Awaza">Awaza</a> diskutierten Mirziyoyev und seine Amtskollegen aus Aserbaidschan und Turkmenistan über die Anbindung an TRIPP. Die neue Eisenbahnlinie, die derzeit in Kosch-Döbö entsteht, könnte künftig den Weg nach Europa verkürzen. Die Politikwissenschaftlerin <a href="https://carnegieendowment.org/people/assel-tutumlu?lang=en">Asel Tutumlu</a> betont: „<em>Es geht nicht nur um den Transit von Waren nach Europa oder China. Zentralasien kann eigene regionale Wirtschaftszentren entwickeln und seine Industrie besser an globale Märkte anbinden.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wohin-fuehrt-die-neue-seidenstrasse-ueber-die-chancen-und-risiken-von-one-belt-one-road/">Wohin führt die Neue Seidenstraße? Über die Chancen und Risiken von „One Belt, One Road“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien könnte zudem von der Ausfuhr von Öl und Gas profitieren. Turkmenistan und Kasachstan suchen schon lange nach Alternativen zu russischen Pipelines. Seit 2022 blockierte Moskau mehrfach den Betrieb des Kaspischen Pipeline-Konsortiums, durch das Kasachstan einen Großteil seines Öls exportiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Geopolitische Gewinner und Verlierer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Korridor ist nicht nur ein Wirtschaftsprojekt, sondern ein geopolitisches Statement. Die USA wären erstmals dauerhaft als Sicherheits- und Wirtschaftsmacht im Südkaukasus präsent. Russland hingegen hätte seinen traditionellen Einfluss eingebüßt. Der russische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sergei_Wiktorowitsch_Lawrow#:~:text=Sergei%20Wiktorowitsch%20Lawrow%20(russisch%20%D0%A1%D0%B5%D1%80%D0%B3%D0%B5%CC%81%D0%B9,der%20Au%C3%9Fenminister%20der%20Russischen%20F%C3%B6deration">Außenminister Sergej Lawrow</a> reagierte kühl: „<em>Man muss abwarten, wie es funktioniert. Wenn nichts darauf folgt, bleibt es einfach nur ein Strohfeuer.</em>“ Auch Iran zeigt deutliche Ablehnung. Teheran hatte eigene Pläne für einen alternativen Transportweg – den <a href="https://www.cacianalyst.org/publications/analytical-articles/item/13788-is-the-aras-corridor-an-alternative-to-zangezur?.html">Aras-Korridor</a> – verfolgt. Doch mit TRIPP würde dieser überflüssig.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nicola Contessi erklärt: „<em>Russland und Iran werden zu unbeteiligten Akteuren. Gleichzeitig wächst der Einfluss der Türkei und der USA.</em>“ Für die Türkei steht viel auf dem Spiel. Ankara sieht im Korridor nicht nur wirtschaftliche, sondern auch identitätsstiftende Chancen für die „türkische Welt“. Eine Pipelineverbindung über Sangesur würde den Zugang zu zentralasiatischen Energieressourcen erleichtern. China wiederum betrachtet das Projekt als Ergänzung seiner Initiative <a href="https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/D_China_Asien-Neue_Seidenstrasse.pdf">„One Belt, One Road“</a>. Der Sangesur-Korridor könnte die Mittlere Route beschleunigen und stabilisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Risiken und Unsicherheiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher existiert TRIPP nur auf dem Papier. Sein Erfolg hängt von der politischen Lage im Südkaukasus ab. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Armenisch-aserbaidschanisches_Friedensabkommen">Armeniens Ratifizierung eines Friedensvertrags mit Aserbaidschan</a> ist an Verfassungsänderungen geknüpft – ein politisch heikles Thema. 2026 finden in Armenien Wahlen statt, Paschinjans Zustimmung in der Bevölkerung ist jedoch niedrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/welche-auswirkungen-wird-trumps-amtsantritt-auf-zentralasien-haben/">Welche Auswirkungen wird Trumps Amtsantritt auf Zentralasien haben?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verzögerungen beim Bau oder bei der Finanzierung sind ebenfalls wahrscheinlich. Paschinjan sagte Ende September: „<em>Die Route bleibt auf der Tagesordnung. Wir kommen langsam voran, aber wir bleiben nicht stehen.</em>“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoffnung in Kosch-Döbö</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während sich geopolitische Machtzentren verschieben, wartet das Dorf Kosch-Döbö auf seine Chance. Die Fahrt dorthin ist beschwerlich: Fast die Hälfte des Weges ist eine holprige Schotterstraße, und der Ort liegt 530 Kilometer von Bischkek entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Menschen hier sehen im Bahnbau eine seltene Zukunftsperspektive. Manas Nasirow, ein Anwohner des Dorfes, meint: „<em>In ein Dorf, das man kaum mit dem Auto erreicht, wird bald ein Zug kommen. Das gibt den Menschen Hoffnung</em>.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Ein Beitrag von Radio Azattyk</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://rus.azattyq.org/a/zangezurskiy-koridor-chto-mozhet-dat-tsentralnoy-azii-/33546719.html">Russischen</a> von Margaret Bullich</strong></p>
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