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	<title>Panorama Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Oct 2026 19:28:57 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Panorama Archives</title>
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		<title>Tadschikistan: Aus welchen Ländern kommen die Tourist:innen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2026 19:16:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
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		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>J&#xE4;hrlich bereisen etwa 1,8 Millionen Tourist:innen Tadschikistan, davon stammen 91 Prozent aus L&#xE4;ndern der ehmaligen Sowjetunion. Warum kommen nach wie vor nur wenige Reisende aus anderen Regionen? Unser Partnermedium Fergana News ist dieser Frage nachgegangen und hat ich die Statistiken genauer angeschaut. 2025 besuchten fast 1,8 Millionen ausl&#xE4;ndische Tourist:innen Tadschikistan. Lediglich 149.900 von ihnen stammten [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jährlich bereisen etwa 1,8 Millionen Tourist:innen Tadschikistan, davon stammen 91 Prozent aus Ländern der ehmaligen Sowjetunion. Warum kommen nach wie vor nur wenige Reisende aus anderen Regionen? Unser Partnermedium Fergana News ist dieser Frage nachgegangen und hat ich die Statistiken genauer angeschaut.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2025 besuchten fast 1,8 Millionen ausländische Tourist:innen Tadschikistan. Lediglich 149.900 von ihnen stammten jedoch aus Ländern außerhalb der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>-Region. Dies geht aus Daten des tadschikischen Statistikamtes hervor. Auf diese <a href="https://www.stat.tj/ru/v-2025-godu-bolee-21-milliona-inostranczev-posetili-tadzhikistan/">Daten</a> verwiesen die Behörden im Rahmen verschiedener Veranstaltungen, die Ende September in Duschanbe stattfanden: der Sitzung des Rates für Tourismus der GUS-Staaten, der Tourismusmesse <a href="https://dite.tj/">DITE-2026</a> sowie einem Forum zur nachhaltigen Entwicklung von Städten und Regionen. Dort erörterten mehr als 115 Unternehmen und Organisationen Themen wie Reiserouten, Investitionen und die Vermarktung der GUS-Staaten auf ausländischen Märkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der internationale Tourismus in Tadschikistan wächst schnell. Die Einreise für viele Länder wurde vereinfacht, Straßen und Hotels werden gebaut, und zwischen Duschanbe und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a> wurde vor Kurzem wieder eine regelmäßige Flugverbindung aufgenommen. Doch schaut man sich die Gesamtzahl der Reisenden genauer an, fällt auf, dass über 91 Prozent der Besucher:innen aus den GUS-Staaten stammen – allen voran aus Usbekistan und Russland. Reisende aus Europa, Nordamerika und Ostasien – die eigentliche Zielgruppe für den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fan-Gebirge">Fan-Gebirge</a> und das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachandarja">Wachan</a>-Tal – machten hingegen nur einen kleinen Anteil aus.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dabei mangelt es dem Land keineswegs an Sehenswürdigkeiten: der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_Highway">Pamir-Highway</a>, die Siebentausender, die Seen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saressee">Sares</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iskanderkul">Iskanderkul</a>, das Wachan-Tal, das Fan-Gebirge, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandschakent">Pandschakent</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarasm">Sarasm</a>. Doch es gibt Probleme, die das Wachstum des Tourismus einschränken: Dazu zählen der Straßenzustand, Lawinen und Schlammlawinen, eine lückenhafte Mobilfunkabdeckung, eine eingeschränkte medizinische Versorgung und mangelhafte Rettungsdienste sowie Reisewarnungen von Seiten der USA und Großbritanniens.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kaum Fernreisende</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2025 reisten etwa 2,1 Millionen ausländische Staatsangehörige in Tadschikistan ein, wovon 1,78 Millionen in der Statistik als Tourist:innen erfasst wurden. 1,63 Millionen kamen aus den GUS-Staaten, 149.900 aus dem übrigen Ausland – das entspricht etwa 8,4 Prozent der Tourist:innen. Allein aus Usbekistan kamen mehr als 1,1 Millionen Menschen, weitere bedeutende Besucherströme stammten aus Russland, Kirgistan und Kasachstan. Unter den Ländern außerhalb der GUS führt China mit 42.200, gefolgt von Afghanistan (18.700), dem Iran (14.500) und den USA (mehr als 13.000). Aus Deutschland kamen etwas mehr als 8.000 Menschen, aus Japan etwa 4.400, aus Italien 4.100, aus Frankreich 3.700 und aus Großbritannien rund 3.000.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einschränkend kommt hinzu, dass der Begriff „Tourist:in“ in der Statistik weiter gefasst wird als im landläufigen Verständnis, bei dem man etwa an Urlauber:innen in den Bergen denkt. Gemäß der Methodik der Welttourismusorganisation zählen dazu Besucher:innen, die außerhalb ihres gewohnten Umfelds übernachten – sei es aus privaten, geschäftlichen, Erholungs- oder anderen Gründen –, sofern sie nicht bei einem Arbeitgeber vor Ort beschäftigt sind. Daher haben keineswegs alle der 1,8 Millionen Menschen Ausflüge gebucht oder den Pamir-Highway bereist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten Halbjahr 2026 zeigt sich in Bezug auf die Herkunftsländer ein unverändertes Bild: Von den 889.400 Tourist:innen stammten lediglich 82.500 – also etwa 9 Prozent – aus weiter entfernten Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"><strong>Die Sackgasse – Leben am Pamir Highway</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Einreisebestimmungen betrifft, existiert für den Großteil der potenziellen Zielgruppe die Visahürde nicht mehr. Seit 2022 können Staatsangehörige mehrerer Dutzend Länder bis zu 30 Tage visumfrei in Tadschikistan bleiben. Für alle anderen steht ein elektronisches Visum zur Verfügung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonome Provinz Berg-Badachschan</a> ist zudem eine gesonderte Genehmigung erforderlich, die 20 US-Dollar kostet. Die Einnahmen aus dem Besucherstrom sind bislang noch bescheiden: Registrierte Unternehmen der Branche verzeichneten 2025 einen Umsatz von rund 798 Millionen Somoni (etwa 86,5 Millionen US-Dollar). Die tatsächlichen Einnahmen durch den Tourismus liegen dabei jedoch höher, da die Statistik nicht sämtliche Ausgaben der Ausländer für Transport, Verpflegung und private Unterkünfte erfasst. Zudem bedeutet ein Anstieg der Einreisezahlen für sich genommen noch nicht, dass sich daraus bereits eine nennenswerte Tourismusindustrie entwickelt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Attraktive Berge mit schwierigen Reisebedingungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der attraktivste Vorteil Tadschikistans ist zugleich seine größte Herausforderung. Das Land besticht vor allem durch seine Berge, doch ein Großteil der Infrastruktur konzentriert sich auf Duschanbe und die größeren Städte. Von den rund 190 registrierten Unternehmen der Branche hat fast die Hälfte ihren Sitz in der Hauptstadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar weitere Dutzend befinden sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a> und etwa dreißig im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan – obwohl gerade der hier gelegene Pamir im Ausland am bekanntesten ist. Es gibt zwar mehr als 200 Hotels im Land, doch spezialisierte touristische Anlagen sind deutlich seltener.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden räumen ein, dass Straßen instandgesetzt, Campingplätze und Serviceeinrichtungen geschaffen, Reiseleiter:innen ausgebildet und die Kommunikationsanbindung in schwer zugänglichen Regionen sichergestellt werden müssen. In der Stadt bedeutet ein Mangel daran Unannehmlichkeiten, im Hochgebirge wird er zu einer Sicherheitsfrage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/kleiner-reisefuehrer-durch-berg-badachschan/">Kleiner Reiseführer durch Berg-Badachschan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2026 stürzte der 22-jährige Russe Igor Bayer beim Abstieg von dem in einer Höhe von über 4000 Metern gelegenen Pass Turamis-1 ab und zog sich Verletzungen an Kopf und Beinen zu. Aufgrund schlechten Wetters konnte kein Hubschrauber starten, sodass er erst nach mehreren Tagen geborgen werden konnte. Ein weiterer Russe brach sich im September 2025 im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschankette">Serafschan-Gebirge</a> ein Bein; die Rettungskräfte benötigten etwa zwei Tage, um zu ihm zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Vorfälle kommen sowohl in den Alpen als auch im Himalaya vor. Der Unterschied liegt in der Infrastruktur: Dort gibt es Lawinenwarnungen, professionelle Bergführer:innen, Versicherungen und eine schnelle Evakuierung. In Tadschikistan sind die Entfernungen größer, Ortschaften seltener, auf manchen Routen gibt es keinen Mobilfunkempfang, und der Einsatz von Hubschraubern hängt von Wetterbedingungen und technischer Verfügbarkeit ab. Die Behörden sind dabei ein Hilfssystem aufzubauen: Es gibt eine Notruf-Hotline, und bei Einsätzen arbeiten der Ausschuss für Notsituationen, die Touristenpolizei, Grenzschutz und das Außenministerium zusammen. In einem der letzten Berichtszeiträume war in mehr als 200 Fällen Hilfe für ausländische Staatsangehörige erforderlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Natur spielt eine Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 wurden im Land 741 natürliche Notfallereignisse registriert: 508 Lawinenabgänge, 123 Murenabgänge, 27 Steinschläge, 10 Erdrutsche und 26 Erdbeben. 12 Menschen kamen ums Leben, darunter zwei bei Lawinenabgängen im Bezirk Warsob. Im Februar 2023 forderte eine Lawinenserie etwa 20 Menschenleben – allein in Chorugh starben 13 Personen; zudem wurden Häuser zerstört, Straßen blockiert und Hunderte von Bewohnenden evakuiert. Für Reisende bedeutet dies, dass die Route von der Jahreszeit und dem Zustand der einzigen verfügbaren Straße abhängt: Murenabgänge oder Steinschläge können diese für mehrere Tage unpassierbar machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Westliche Regierungen mahnen zur Vorsicht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. September 2026 aktualisierte das US-Außenministerium seine Reisehinweise für Tadschikistan. Für das Land insgesamt gilt weiterhin die Sicherheitsstufe 2 („erhöhte Vorsicht geboten“); dabei wird auf die Gefahr durch Terrorismus, nicht entschärfte Minen sowie die eingeschränkten Möglichkeiten zur Unterstützung von US-Staatsangehörigen mit doppelter Staatsbürgerschaft hingewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Grenze zu Afghanistan sowie für Berg-Badachschan gilt die Sicherheitsstufe 3: US-Bürger:innen wird geraten, die Notwendigkeit einer Reise zu überdenken. Im Fall von Berg-Badachschan wird als Grund die Möglichkeit bewaffneter Konflikte genannt. Das Dokument weist zudem auf schlechte Straßenverhältnisse, die Höhenkrankheit und Lawinengefahr hin und merkt an, dass die medizinische Notfallversorgung außerhalb von Duschanbe deutlich schlechter ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Großbritannien rät seinen Bürger:innen generell nicht von Reisen nach Tadschikistan ab, warnt jedoch ausdrücklich vor der Lage in der Autonomen Region Berg-Badachschan sowie an der afghanischen Grenze und weist auf die Risiken bei Wanderungen in abgelegenen Gebieten hin. Die Kapazitäten für Bergrettungseinsätze seien begrenzt – teilweise leisten Freiwillige Hilfe. Und in Hochgebirgslagen könne eine Evakuierung aufgrund von Wetterbedingungen unter Umständen unmöglich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/die-geheimnisse-der-seen-im-pamir/">Die Geheimnisse der Seen im Pamir</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2026 rückte das Thema Sicherheit erneut in den Fokus. Während einer bewaffneten Auseinandersetzung auf der afghanischen Seite überquerte eine Kugel den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pjandsch</a> und tötete eine tadschikische Zivilistin. Für die meisten Reisenden bleiben solche Vorfälle zwar Ausnahmen, doch entsprechende Warnhinweise beeinflussen die Entscheidungen von Tourist:innen, die Tätigkeit ausländischer Reiseveranstalter sowie die Versicherungsbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bleibt Berg-Badachschan – eine der wichtigsten internationalen „Marken“ des Landes – zugleich der am schwierigsten zu bereisende Teil Tadschikistans: Es ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich, ein Großteil der Strecke führt durch hochalpines Gelände, die Rettungslogistik ist nur eingeschränkt verfügbar, und viele beliebte Routen verlaufen direkt entlang der Grenze zu Afghanistan.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Anbindung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erreichbarkeit entlegener Regionen verbessert sich dabei schrittweise. Am 27. September <a href="https://fergana.agency/articles/149750/?country=tj&amp;_gl=1*1qer7iy*_ga*MjEyNjE2ODI4OC4xNzc3NDg4MjQ5*_ga_W6BGJZBV09*czE3OTI2MDMzMDIkbzkkZzAkdDE3OTI2MDM2NDYkajU3JGwwJGgw">reiste</a> Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> nach Chorugh – an Bord eines neuen Flugzeugs des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Let_L-410">Typs L-410 NG</a> der Fluggesellschaft Shohin Airlines. Die Maschine bietet Platz für 19 Passagiere und ist speziell für kurze Start- und Landebahnen sowie für Flugplätze in Hochgebirgslagen konzipiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die offiziellen Medien der Republik bezeichneten dieses Ereignis als Wiederaufnahme der regelmäßigen Passagierverbindung zwischen Duschanbe und Chorugh. Zwar wird der Pamir aufgrund der geringen Kapazität des Flugzeugs gewiss kein Massenziel werden, doch da die Straßenverbindung nach Chorugh stark von der Witterung sowie von Schlammströmen und Lawinen abhängt, stellt eine regelmäßige Flugverbindung eine deutliche Erleichterung für die An- und Abreise dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/eine-der-schoensten-strassen-der-welt-der-pamir-highway-wird-80/">Eine der schönsten Straßen der Welt: Der Pamir-Highway wird 80</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Straßenverbindungen verändern sich. Nach Angaben der Behörden der Autonomen Provinz Berg-Badachschan dauert die Fahrt von Duschanbe nach Chorugh heute 8 bis 10 Stunden – in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit in den 1990er Jahren waren dafür noch mehr als drei Tage erforderlich. In der Region wurden rund 190 Kilometer Straße sowie Dutzende Brücken saniert. Im Jahr 2025 wurde bei Barsem ein 3,4 Kilometer langer Streckenabschnitt eröffnet, der rund 550 Meter an Lawinenschutzgalerien umfasst. Weitere Arbeiten finden derzeit auf der Strecke Kalai-Chumb – Wandsch – Ruschan statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September wurde zudem eine Route von Duschanbe nach Rogun und zurück vorgestellt, die einen Besuch des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rogun-Staudamm">Wasserkraftwerks Rogun</a> sowie von Naturattraktionen in der Umgebung des künftigen Stausees beinhaltet. Für den Zeitraum 2027–2031 wurde ein Programm zur Förderung des Binnentourismus verabschiedet, und bei Treffen im September in Duschanbe wurden länderübergreifende Routen erörtert, die mehrere GUS-Staaten und Länder Zentralasiens einbeziehen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/149829/">Russischen</a> von Robin Roth</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine junge Designerin aus Chudschand verbindet Tradition mit Moderne</title>
		<link>https://novastan.org/de/panorama/eine-junge-designerin-aus-chudschand-verbindet-tradition-mit-moderne/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2026 19:09:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Designerin]]></category>
		<category><![CDATA[Fashion]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tracht]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schachina Olimzade ist Modedesignerin aus Chudschand in Tadschikistan. In ihrer Deb&#xFC;tkollektion macht sie tadschikische Tradition f&#xFC;r den modernen Alltag tragbar. Foto: Your.tj </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Debütkollektion QASHANG vereint <a href="https://www.instagram.com/shahina.olimzade">Schachina Olimzade</a> tadschikische Muster mit moderner Ästhetik. Ihr Ziel: tadschikische Mode auf internationale Laufstege zu bringen. Im Interview mit <a href="https://your.tj/neformalnaja-tadzhichka-kak-dizajner-iz-hudzhanda-pereosmyslivaet-nacionalnuju-odezhdu/">Your.tj</a> spricht die junge Designerin aus Chudschand über ihre Laufbahn, die Gründung ihrer eigenen Modemarke „Besar“ und ihre Vision für tadschikische Tracht und Mode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die 20-jährige Modedesignerin aus Chudschand ist Kleidung eine Sprache, mit der man über Kultur, Charakter und die eigene Identität sprechen kann. Ihre Kollektion QASHANG präsentiert die tadschikische Kleidung nicht als reine Festtracht, sondern als Inspirationsquelle für moderne Alltagskleidung. Ihre Ästhetik beschreibt Olimzade als das Bild einer „nonkonformen Tadschikin“, einer jungen Frau, die keine Angst hat zu experimentieren, dabei aber die Verbindung zu ihren Wurzeln nicht verliert.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von Puppenkleidung bis zur eigenen Marke</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits seit ihrer Kindheit interessiert sich Schachina Olimzade für Design. Sie bastelte gern, und ihre Großmutter brachte ihr im Alter von fünf oder sechs Jahren das Nähen bei. Später entwickelte sich aus der Leidenschaft ein ernsthaftes berufliches Interesse.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Als ich 12 bis 14 Jahre alt war habe ich meine alten Klamotten umgestaltet und mit Handstichen Kleider für meine Nichte genäht, ohne irgendwelche Regeln zu kennen, oder Schnittmuster und ohne überhaupt eine Nähmaschine zu besitzen. Diese Kleidungsstücke waren durchaus tragbar“</em>, erzählt Olimzade.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs hatte Schachina eine eher stereotype Vorstellung vom Beruf einer Schneiderin. <em>„Ich hatte Angst, dass ich zu Hause Kleider für einen Hungerlohn nähen würde“,</em> gibt Olimzade zu. Ihre Mutter half ihr, diesen Beruf mit anderen Augen zu sehen, und zeigte ihr die Werke des tadschikischen Modedesigners Umed Kutschkaliyew und der Modedesignerin Nafissa Imranowa, die für Schachina bis heute wichtige Vorbilder sind. So war die junge Frau umgestimmt: <em>„Für mich waren es die beiden, die die Mythen über den Beruf widerlegt und mich inspiriert haben, Designerin zu werden.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Distanz ändert Stil</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Olimzade gibt zu, dass sie traditionelle tadschikische Kleidung bis zu ihrem 18. Lebensjahr für veraltet hielt. Die Fülle an Pailletten und dekorativen Elementen auf luxuriösen Stoffen verband sie mit festlichen Anlässen – im Alltag schienen sie keinen Platz zu haben. Olimzades eigener Stil entwickelte sich, nachdem sie nach Russland gezogen war und ihr Studium an der Staatlichen Universität für Industrietechnologie und Design in Sankt Petersburg aufgenommen hatte. Während sie ihre Kultur zuvor als Teil des Alltags wahrgenommen hatte, betrachtete die junge Frau sie während des Studiums mit neuen Augen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Sehnsucht nach der Heimat, der Kultur und dem Land ließen mich die Schönheit jener unserer Traditionen vermissen, die nicht in Museen, sondern direkt neben uns lebendig sind: in Stoffen und Stickereien, auf den Straßen und in der Mentalität“,</em> so Olimzade. <em>„Genau deswegen habe ich in Sankt Petersburg angefangen mehr traditionelle Muster in meine Alltagskleidung zu integrieren. Später wurde mir klar, dass ich den kulturellen Code meines Landes in meine zukünftige Modemarke einbringen möchte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/mode-mit-sinn-eine-karakalpakische-junge-designerin-widmet-ihre-neue-kollektion-dem-aralsee/">Mode mit Sinn: Eine karakalpakische junge Designerin widmet ihre neue Kollektion dem Aralsee</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schachina begann, sich mit der Geschichte der tadschikischen Tracht zu beschäftigen. Ihrer Meinung nach besteht eine der Aufgaben moderner Designer darin, zu zeigen, dass sich traditionelle Elemente nahtlos in Alltagskleidung einfügen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Hinter jeder Silhouette, jedem Stoff, jedem Ornament und jedem Schnitt steckt Geschichte, Symbolik und das Handwerk mehrerer Generationen. Da sehe ich kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine riesige Inspirationsquelle.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">„<strong>Nonkonforme Tadschikin“ ist keine Beleidigung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Olimzade bezeichnet sich selbst als „nonkonforme Tadschikin“, was für sie eng mit der Ausdrucksfreiheit verbunden ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Russischen sagt man salopp ‚nefor‘, was wörtlich ‚informell‘, nonkonform bedeutet. Jugendliche verwenden dieses Wort oft gegenüber denjenigen, die auffallen; generell wird es negativ wahrgenommen. Als ich selbst anfing, mich durch meine Kleidung auszudrücken, verband ich dieses Wort mit meinem Bild. Ich habe beschlossen, dass genau darin meine Einzigartigkeit liegt, und empfinde es nicht als Beleidigung. Es bedeutet, dass ich keine Angst habe, anders auszusehen, als man es von mir erwartet.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich mag Schichten, dunkle Farben, weite Silhouetten und ein bisschen Grunge in meinen Outfits. Dabei bleibe ich aber Tadschikin. Ich liebe meine Kultur, lasse mich von ihr inspirieren und habe überhaupt keine Angst davor, sie in meine Ästhetik zu integrieren“</em>, so Olimzade.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine moderne Tadschikin müsse nicht jeden Tag traditionelle Kleidung tragen, um die Verbindung zur eigenen Kultur zu bewahren, so die Designerin.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Meiner Meinung nach kann eine moderne Tadschikin ganz unterschiedlich aussehen: traditionell, minimalistisch, experimentell. Ich glaube, die Verbindung zur Kultur ist unabhängig davon, ob man jeden Tag Atlas oder</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Adras"><em>Adras</em></a> <em>[traditionelles Gewebe aus Seide und Baumwolle – Anm. d. Ü.] trägt. Man kann die Verbindung durch den Respekt zu den eigenen Wurzeln, durch Sprache, Traditionen und durch moderne Kleidung mit Elementen nationaler Kultur aufrechterhalten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Designerin hat eine ziemlich konkrete Vorstellung von ihrem Publikum. <em>„Wahrscheinlich ähnelt meine Zielgruppe sehr mir selbst. Es sind Menschen, die sich früher nicht in traditioneller Kleidung sehen konnten, aber mit der Zeit die Schönheit ihrer eigenen Kultur für sich entdeckt haben. (…) Für mich soll Kleidung den Menschen nicht nur schmücken, sondern ihm helfen, seine eigene Geschichte zu erzählen“</em>, betont die Protagonistin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Stur und schön</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Debütkollektion QASHANG hat Olimzade 2025 auf dem Laufsteg des Wettbewerbs „Admiralnadel“ in Sankt Petersburg vorgestellt und damit das Finale erreicht. Der Name der Kollektion hat mehrere Bedeutungen:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Altpersischen bedeutet ‚qashang‘ Schönheit, aber im Chudschander-Dialekt wird es oft in Bezug auf eigensinnige, sture Mädchen verwendet. In dieser Kollektion habe ich versucht, das Bild einer jungen Frau zu vermitteln, die keine Angst hat, sich selbst auszudrücken, sich kühn kleidet, dabei aber nicht vergisst, wer sie ist und welcher Kultur sie angehört. Und ich glaube, das Wort ‚qashang‘ verkörpert genau das Bild dieser jungen Frau, die zwar eigensinnig ist, aber gleichzeitig Respekt vor ihrem kulturellen Erbe hat und dessen Schönheit durch ihre Kleidung widerspiegelt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Olimzade ist es wichtig, die traditionellen Muster nicht nur auf die moderne Kleidung zu übertragen, sondern sie neu zu interpretieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich kopiere die Tracht nicht. Mich interessiert ihre neue Interpretation. Ich benutze einzelne Elemente, so etwa Stoffe, Ornamente, Silhouetten oder Techniken, setze sie aber in einen modernen Kontext. Dadurch bleibt die Kleidung relevant und man will sie auch im Alltag tragen, nicht nur an Festtagen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bild des Tages:</strong> <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/eine-suzani-stickerin-in-buchara/">Eine Suzani-Stickerin in Buchara</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen besonderen Platz in Olimzades Werk nehmen Adras, Suzani [mit Seiden- oder Wollstickereien verzierte Baumwollstoff <em>–</em> Anm.d.Ü.] und traditionelle Ornamente ein. <em>„Ich mag es, mich mit Geometrie und Symbolen auseinanderzusetzen, insbesondere inspiriert mich die Philosophie der Handarbeit, bei der jedes Detail seine eigene Geschichte hat.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre eigene Modemarke „<a href="https://www.instagram.com/ss.besar?vrfl=aWlzN3hrMWN4ODU5">Besar</a>“ hat Olimzade vor relativ kurzer Zeit aufgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„‚Besar‘ auf Tadschikisch bedeutet wörtlich ‚kopflos‘, ‚waghalsig‘. Für mich bedeutet es nicht Leichtsinnigkeit oder Unvernunft, sondern den Mut, über die Grenzen des Gewöhnlichen hinauszugehen, zu experimentieren und den eigenen Weg zu gehen, selbst wenn er anderen komisch erscheint.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von Tajikistan Fashion Week bis zum Praktikum in China</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr wurde Schachina Olimzade zur Tajikistan Fashion Week, der wichtigsten Modeveranstaltung des Landes, eingeladen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, wie aktiv sich die Modeindustrie in Tadschikistan entwickelt. Nach der Fashion Week bin ich noch fester davon überzeugt, dass ich mich in dieser Branche weiterentwickeln möchte und tadschikisches Design sowohl hier, als auch auf internationalen Bühnen präsentieren möchte“,</em> teilt die Designerin mit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/chiffon-traditionelle-stoffe-und-franzosische-spitze-die-modewoche-in-duschanbe/">Chiffon, traditionelle Stoffe und französische Spitze – die Modewoche in Duschanbe</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teilnahme an der Branchenveranstaltung eröffnete Olimzade eine weitere Möglichkeit: ein Berufspraktikum in China. In erster Linie erhofft sie sich, dort praktische Kenntnisse zu erwerben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich interessiere mich dafür, moderne Produktionstechnologien, Arbeitsabläufe, neue Materialien und Designansätze zu erlernen. Ich möchte nicht nur Inspiration zurückbringen, sondern auch praktische Erfahrungen, die ich in meinen Projekten nutzen kann“</em>, sagt die junge Designerin.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nächstes Kapitel: Simurgh&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der nächsten Kollektionen könnte das Projekt „Simurgh“ sein. Darin geht es um eine persische Legende über einen mythischen Vogel. Die Designerin möchte diese Geschichte in einer modernen Sprache erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Für mich ist dies nicht nur ein mythisches Bild. Dies ist eine Geschichte über den inneren Weg des Menschen, die Suche nach sich selbst, die Bewältigung von Angst und die Erkenntnis der eigenen Macht. Ich will diese Geschichte in der Sprache der modernen Mode erzählen und dabei tadschikische Kultur, Handwerk und aktuelles Design zusammenbringen. Genau diese Idee wird die Basis meiner künftigen Kollektion bilden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Olimzade ist überzeugt: <em>„Die nationale Identität kann zu einem starken Wettbewerbsvorteil werden, wenn man sie in einer zeitgemäßen Sprache präsentiert. Dann wird die Marke nicht nur im Inland, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus interessant sein.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Your.tj</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><b>Aus dem </b><a style="font-weight: bold" href="https://your.tj/neformalnaja-tadzhichka-kak-dizajner-iz-hudzhanda-pereosmyslivaet-nacionalnuju-odezhdu/">Russische</a><strong><a href="https://your.tj/neformalnaja-tadzhichka-kak-dizajner-iz-hudzhanda-pereosmyslivaet-nacionalnuju-odezhdu/">n</a> von Aizere Malaisarova</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Nader Schah Afschar und Irans Einfluss auf Zentralasien vor 300 Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 19:18:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fragt man nach dem heutigen Einfluss des Iran auf Zentralasien, fällt die Antwort nüchtern aus: Er ist gering. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Iran und den USA wirkt dabei als zusätzlicher Hemmfaktor. Auch das Erbe der historischen persischen Kultur ist zunehmend in den Hintergrund gerückt und spielt im Alltag der Menschen in Zentralasien kaum noch eine Rolle. Vor rund 300 Jahren stellte sich die Lage jedoch völlig anders dar. Damals stand Zentralasien kurz davor, Teil des Afschariden-Reichs zu werden. Die zentralasiatischen Staatsgebilde von Buchara und Chiwa wären fast gar zur persischen Provinz geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage spielt der Iran für die Staaten Zentralasiens keine besondere Rolle mehr. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teheran">Teheran </a>hat erstaunlich wenig Einfluss auf Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan – und das, obwohl die geografische Nähe eigentlich einen größeren Einfluss erwarten lässt. Auch der Handel und die Diplomatie mit dem Iran erhalten wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen ist der Iran ein Durchgangshub für die chinesische Handelspolitik. So war es aber nicht immer. Blickt man etwa 300 Jahre zurück, ins Jahr 1740, so hätte der persische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nader_Schah">Nader Schah Afschar</a> mit seiner 100 000-köpfigen Armee beinahe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> – heutzutage wichtige Regionen Usbekistans – zu seinen Vasallenstaaten gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nader Schah Afschar aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afschariden">Afschariden</a>-Dynastie, der sich vom mittellosen Hirten zum Eroberer Indiens und Bezwinger der Osmanen hochgearbeitet hatte, führte das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich">Perserreich</a> zu seiner früheren Größe aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safawiden">Safawiden</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> zurück. Nicht nur wegen seines plötzlichen Todes, gelang es dem Schah nicht, in Zentralasien Fuß zu fassen. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete erwies sich als so schwer zu beherrschen, dass der persische Herrscher weder die Zeit noch die Ressourcen hatte, sie in sein Reich zu integrieren. Dieser Feldzug [von 1740] war der letzte glanzvolle Höhepunkt der iranischen Macht in der Region. Mit der Ermordung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schah">Schahs</a> versank Persien in eine Ära des Chaos und verschaffte den zentralasiatischen Staaten Zeit für das Entstehen von neuen Herrscherdynastien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Reich das von Krieg lebte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende der 1730er Jahre vollendete Nader Schah Afschar die politische Vereinigung des Iran, indem er Gebiete mit überwiegend persischer Bevölkerung zurückeroberte, die in den 1720er Jahren im Zuge der afghanischen und osmanischen Invasionen verloren gegangen waren. Wichtige Provinzen kamen wieder unter einheitliche Kontrolle, doch die Wiederherstellung der Zentralgewalt war mit hohen Kosten verbunden. Ein Jahrzehnt der Besetzung durch afghanische und türkische Truppen hatte das Land verwüstet: Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfahan">Isfahan</a>, das seinen Status als Hauptstadt verloren hatte, standen halb leer, und die ländlichen Gebiete waren teils entvölkert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-tschagataiden-brueder-die-die-steppe-zaehmen-wollten/"><strong>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wirtschaftliche Niedergang, der bereits unter den Safawiden eingesetzt hatte, entwickelte sich zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die landwirtschaftliche Produktion in den persischen Schlüsselregionen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fars">Fars</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>, halbierte sich oder ging sogar noch stärker zurück: Es mangelte an Arbeitskraft für die Bewässerungssysteme und Kanäle, Bauern flohen vor den plündernden Truppen in die Berge. Das Handwerk in den persischen Handelszentren kam praktisch zum Erliegen. Der Karawanenhandel wiederum ging um etwa zwei Drittel zurück und der Seidenexport ins Osmanische Reich und nach Russland halbierte sich. […] Dies wirkte sich auf die Steuereinnahmen aus, die zunehmend sanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Umständen wurde die Armee des Schah mit einer Gesamtstärke von über 150.000 Mann im Grunde genommen zum einzigen Stabilitätsfaktor des Staates, der die Loyalität des Feudaladels garantierte. Der Unterhalt einer derart zahlreichen Streitmacht stellte jedoch eine schwere Belastung für die Staatskasse dar, zumal die persische Armee zu ihrer Zeit zu den fortschrittlichsten in Asien zählte. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/fotoreise-durch-turkestan-ethnographischen-fotografien-des-19-und-20-jahrhunderts/"><strong>Fotoreise durch Turkestan: Ethnographische Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Truppen regelmäßig Sold zu zahlen, erforderte allerdings ständige Einnahmen in die Staatskasse. Dies konnte die ruinierte Wirtschaft des persischen Reiches kaum gewährleisten Das Reich suchte deshalb nach neuen Einnahmequellen und hoffte auf erfolgreiche Gebietseroberungen: Tatsächlich brachte der Feldzug nach Indien im Frühjahr 1739 kolossale Kriegsbeute ein. […] Die wichtigsten Schätze des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich">Mogulreichs</a> wurden erbeutet, darunter wertvolle Edelsteine und Diamanten, Elefanten mit goldenem Geschirr, Tonnen von Elfenbein und indischen Stoffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hälfte der Beute floss in die Armee und die Flotte, unter anderem für den Kauf von Kanonen und Schießpulver bei den Niederländern. Der Rest diente der Befestigung von Chorasan als Brückenkopf für den Vorstoß nach Zentralasien. Denn, wie der Hofhistoriker Nadir Muhammad Kazim damals schrieb: <em>„Unter dem Einfluss seines unstillbaren Eroberungsdrangs hatte der siegreiche Herrscher bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass er nach der Eroberung Indiens die Eroberung</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Eroberung_Turkestans"><em> </em><em>Turkestans</em></a><em> in Angriff nehmen würde.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chaos jenseits des Amudarja</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Iran wurde die politische Macht zunehmend konsolidiert. Demgegenüber herrschten in Zentralasien Kämpfe und Macht und Ressourcen verschiedener Stammesverbände und Feudalherren vor. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Chiwa</a> befanden sich kasachische Nomadenstämme (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCz">Jüz</a>), die nach dem Tod von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tauke_Khan">Tauke-Khan</a> in eine Phase innerer Unruhen geraten waren. Die Destabilisierung, begleitet von ständigen Überfällen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarisches_Khanat">Dschungaren</a>, verwandelte die unter den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden </a>blühende Region in ein Schlachtfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Buchara stand <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> aus der Dynastie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden </a>(auch: Astrachaniden), der seit 1711 formal regierte, unter der Kontrolle von Regenten, die weder den äußeren noch den inneren Herausforderungen gewachsen waren. In den 1720er Jahren fielen Kasachen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakstan">Karakalpaken</a> und Kirgisen über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a> (auch: Mawara’annahr) her, die ihrerseits von den Dschungaren aus dem Osten bedrängt wurden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage eines Zeitgenossen geschah nach ihrem Einfall Folgendes: <em>„Die einst so wunderschöne Region Buchara war so verarmt, dass sie auch später, als diese Katastrophe vorbei war und viele Jahre in Frieden vergangen waren, nie wieder so blühend wurde wie früher.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khan"> Khan</a> [Abulfeiz] hatte die Kontrolle über die Randgebiete verloren. Das Sagen hatten die eingewanderten Stämme und lokale Dynastien. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangiten</a> und Kungraten bemühten sich fast jedes Jahr darum, die Kontrolle über die Zentralregierung zu erlangen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> wurde von den<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oiraten"> Oiraten </a>erobert. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch">Balkh</a> spalteten sich ab, und in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> hatte der dortige herrschende Stamm bereits einen eigenen Staat gegründet. Die Wirtschaft des Khanats brach zusammen – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschan">Serafschan-Tal</a> litt unter ständigen Dürren, die Bewässerungsarbeiten wurden aufgegeben, und der Seidenhandel mit Russland ging aufgrund der Expansion der Dschungaren um die Hälfte zurück. Die bucharische Armee jener Zeit bestand aus verstreuten Truppen nomadischer Stämme und taugte allenfalls für Überfälle auf die Nachbarn, aber keineswegs für einen richtigen Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution/"><strong>Der Fall von Buchara und das Schicksal der Tadschik:innen: War es eine Revolution?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der traurigen Lage im Khanat zeugen insbesondere die Aufzeichnungen des im russischen Dienst stehenden Italieners Florio Beneveni, der sich von 1721 bis 1723 im Auftrag des russischen Zaren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_der_Gro%C3%9Fe">Peter I.</a> in Transoxanien aufhielt. Der Reisende berichtet: <em>„Die Stadt [Buchara] war so sehr an Proviant und anderen Vorräten verarmt, dass das einfache Volk gezwungen war, seine Kinder zu verkaufen, um sich davon zu ernähren, während andere vor Hunger starben. Der Khan [Abulfeiz] selbst verlor mehr als die Hälfte seiner Kamele, Pferde und sonstigen Viehbestände und litt unter einem solchen Mangel an Proviant, da er sich scheute, Boten in seine Dörfer zu schicken, damit die restlichen Kamele nicht in die Hände der Usbeken fielen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Khanat von Chiwa unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilbars">Ilbars II.</a> (regierte dort seit 1728) befand sich dank seiner günstigen Lage in einer etwas besseren Position. Die Einfälle der Dschungaren erreichten sie zwar nicht vollständig, doch waren die lokalen Gemeinschaften aufgrund ständiger Überfälle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenen">Turkmenen</a> und Kämpfe zwischen Stämmen ebenfalls vollständig zersplittert. Die Kanäle der Chiwa-Oase verfielen, einzelne Gebiete fielen gänzlich aus dem Einflussbereich der Zentralmacht heraus. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Buchara verfügte Chiwa jedoch trotz innerer Probleme über eine kampfstarke Armee. Sowohl Ilbars II. als auch sein Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shir_Ghazi_Khan">Shir Ghazi Khan</a> [Khan des Khanats Chiwa – Anm. der Red. von Novastan] plünderten regelmäßig sowohl die Gebiete Bucharas als auch die Randgebiete des persischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde genommen dienten diese Überfälle als formeller Vorwand für den Einmarsch Nader Schah Afschars in Zentralasien. Eine <a href="https://archive.org/details/dli.ernet.1439/page/177/mode/2up">britische Quelle</a> aus dem Jahr 1938 begründete den Feldzug der Perser gegen Buchara und Chiwa wie folgt: Die Perser wussten das Fehlen politischer Einheit in der Region für ihren Vorteil zu nutzen. Nader Schah Afschar wollte seine Macht auf die lokalen Khanate auszudehnen und die nördlichen Grenzen von Khorasan, die ständig von usbekischen und turkmenischen Stämmen verwüstet wurden, absichern. Gerichtet war das Unterfangen aber auch gegen die mögliche Ausdehnung des Russischen Zarenreiches, insbesondere in Chiwa.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem also die Truppen von Ilbars II. in den Jahren 1734–1735 einen weiteren Überfall auf Choresmien unternommen hatten, nutzte Nader Schah Afschar die Feindseligkeiten zwischen den Turkmenen, die das Rückgrat der Armee von Chiwa bildeten, und ihren Nachbarn – den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurden">Kurden</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kadscharen">Kadscharen</a> – aus, um die persische Grenzstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> zu unterwerfen und sie anschließend zu einem strategischen Hauptstützpunkt für Operationen im Norden und Osten auszubauen. Um seine Position in der Region zu festigen und deren Wirtschaft wiederzubeleben, ordnete der Schah an, alle, die sich ihm angeschlossen und unterworfen hatten, anschließend in ihre Heimat zurückzuschicken. [Dort sollten sie eine neue, ihm treue Ordnung erschaffen – Anm. der Red. von Novastan]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Hofhistoriker Muhammad Kazim zitiert folgende Worte Nadirs, die er an seine Soldaten gerichtet haben soll: <em>„An meiner Seite habt ihr euer Leben geopfert, eure Pflicht standhaft und aufrichtig erfüllt und eine wunderbare Treue bewiesen – jenseits aller Maßstäbe. In Anerkennung eurer Verdienste und eurer Freundschaft gegenüber unserer Dynastie schenke ich auch euch meine Gunst. Um euch vor weiteren Unglücksfällen in diesen unbekannten Ländern zu bewahren, schicke ich euch in eure geliebte Heimat, damit ihr dort, sobald ihr angekommen seid, als Erstes für die nötige Ordnung sorgt und euch um das Wohlergehen dieses Landes kümmert.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Indien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp zwei Jahre später, im Jahr 1737, brach Nader Schah Afschar zum weiteren Feldzug an die Grenzen Indiens auf. Währenddessen erhielt er von seinem Sohn und Thronfolger Reza Kuli Mirza, der Statthalter in Chorasan geworden war, die Nachricht, dass in Chiwa eine neue Elite das Ruder ergriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des persischen Historikers <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> aus dem 18. Jahrhundert: <em>„Ilbars-chan, der Herrscher von Choresmien, hielt, nachdem er von dem Feldzug Seiner Majestät nach Indien erfahren hatte, das Schlachtfeld für geräumt und stellte eine große Streitmacht aus Usbeken und choresmischen Turkmenen auf.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reza Kuli Mirza wiederum sorgte unterdessen auf Befehl seines Vaters für Ordnung in der benachbarten Region<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)"> Balkh</a>. Mit seiner Überwachung wurde Nadirs alter Mitstreiter, der Feldherr <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tahmasp_Khan_Jalayer">Tahmasp Khan Jalayer</a>, betraut. Nachdem sie den Auftrag des Schahs erfüllt hatten, überquerten Reza Kuli Mirza und sein Mentor den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, zerschlugen die schwachen Posten von Buchara und zogen weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>. Dort regierte ein Oberhaupt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangyten</a> namens Ataliq Hakim-bi, einer der einflussreichsten Würdenträger des Khanats, der von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> nach einem weiteren Streit zwischen den Stämmen aus Buchara verbannt worden war. Nachdem sie die strategische Initiative ergriffen hatten, besiegten die persischen Truppen die Armee von Ataliq Hakim-bi bei Qarshi und belagerten anschließend die Festung selbst. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan von Buchara, Abulfeiz-Khan, eilte den Belagerten mit einem großen Heer zu Hilfe. Doch die Perser schlugen ihn in der entscheidenden Schlacht. Bezeichnenderweise bat der Khan auf seinem Weg nach Qarshi Ilbars II. um militärische Unterstützung. Die Armee von Chiwa traf allerdings zu spät ein. Die Bucharier flohen bereits vom Schlachtfeld. Als Ilbars davon erfuhr, beschloss er, das nun schutzlos gewordene Buchara einzunehmen, verzichtete jedoch schließlich aufgrund der Nähe der Perser auf diesen Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Erfolge von Reza Kuli-Mirza wurde der weitere Feldzug am rechten Ufer des Flusses Amudarja auf Befehl von Nader Schah Afschar gestoppt. Der Schah, der sich auf einen groß angelegten Einmarsch in Indien vorbereitete, war besorgt über den langwierigen Konflikt in Transoxanien und eine mögliche Niederlage seines Thronfolgers Reza Kuli Mirza.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historiker nennen verschiedene Gründe für seine Entscheidung, den Feldzug [ins heutige Zentralasien] abzubrechen: die hohen Verluste der Perser in den bisherigen Kämpfen und die Herausforderung, Kriege an zwei Fronten zu führen. Der Schah entschied sich, vorübergehend Neutralität gegenüber Buchara zu wahren. Die Truppen von Reza Kuli Mirza hoben die Belagerung von Qarshi auf und zogen sich zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schachmatt für Buchara</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1740, nachdem er die Staatskasse mit Beute aus Indien gefüllt hatte, führte Nader Schah Afschar eine 100.000 Mann starke Armee zum Amudarja. […] Abulfeiz-Khan, der erkannte, dass er der Armee Nader Schah Afschars nichts entgegenzusetzen hatte, beauftragte den Anführer der Mangyten, Hakim-bi, mit den Persern zu verhandeln. Wie im Buch des bucharischen Historikers Muhammad Wafa-i Kerminegi vermerkt wird, sah der Fürst, der seit langem mit dem Khan verfeindet war und dessen Rache fürchtete, in Nader Schah Afschars Einfall eine Chance, das Kräfteverhältnis in Buchara grundlegend zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des Historikers Mirza Muhammad Abdalazim Sami Bustani aus dem späteren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat Bukhara</a> aus dem 19. Jahrhundert: <em>„Atalyq Hakim-bi, der die ungebührlichen Handlungen des Khans satt hatte und von dessen unwürdigem Verhalten bedrückt war, suchte aus Angst vor der Hinrichtung ständig nach einer günstigen Gelegenheit. Die Ankunft von Nader Schah Afschars empfand er als Gnade des Himmels, schrieb dem Schah sogleich einen freundlichen und herzlichen Brief und bekundete seine Bereitschaft, ihm zu gehorchen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Brief sandte der Anführer der Mangyten seinen Sohn mit kostbaren Geschenken und einer Einladung nach Buchara zu Nader Schah Afschar. Dieser nahm den Gast wohlwollend auf und verschaffte ihm einen Platz in seinem Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-letzte-kasachische-khan-leben-und-tod-von-kenesary-qasymuly/"><strong>Der letzte kasachische Khan: Leben und Tod von Kenesary Qasymūly</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst Anfang September überquerte der Schah mit seinen Hauptstreitkräften bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> (dem heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Turkmenabad</a>) den Amudarja. Der verängstigte Abulfeiz-Khan entsandte Ataliq Hakim-Bi persönlich zum Schah. Bei einer Audienz bei Nader Schah Afschar schilderte er diesem offen die innere Krise des Khanats und bekundete seine persönliche Treue, wofür er vom Schah weitreichende Befugnisse als dessen Vertreter in Buchara erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt weigerte sich Ataliq Hakim-bi jedoch, den Khan zu treffen, und verschanzte sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir-Arab-Madrasa">Mir-Arab-Madrasa</a>. Über seine Anhänger begann er, Verwaltungsfunktionen an sich zu reißen und das Volk auf seine Seite zu ziehen. Dies steigerte seine Popularität sprunghaft, wurde am Hof jedoch als Auflehnung gewertet. Das Umfeld des Khans entwickelte einen Plan, den Ataliq Hakim-bi unter dem Deckmantel von Verhandlungen zu entführen und hinzurichten, doch dieser Plan scheiterte, und Abulfeiz-Khan war gezwungen, sich selbst zu Nader Schah Afschar zu begeben, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> schreibt: <em>„Zusammen mit Ataliq Hakim-bi, den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hodscha"><em>Hodschas</em></a><em> [den Adeligen – Anm. der Red. von Novastan] sowie den Stammesführern, den Feldherren, den Würdenträgern und dem gesamten Volk trat er ‚durch die Tür der Unterwerfung‘ ein, in der Hoffnung auf die Gnade des Schahs.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-veroeffentlicht-bilder-von-der-oeffnung-des-grabes-von-amir-temur/"><strong>Usbekistan veröffentlicht Bilder von der Öffnung des Grabes von Amir Temur</strong></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abulfeyi-Khan überreichte dem Schah wertvolle Geschenke, zu denen laut dem iranischen Historiker Ahmad Panoh Simnoni „vier Spiegel von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Timur</a>“ und „das Gold von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a>“ gehörten. In Folge des Treffens wurde Nader Schah Afschar als Oberherr des Khanats von Buchara ernannt, Abulfeiz-Khan wurde als nomineller Vasallenherrscher beibehalten, die tatsächliche Macht wurde jedoch an Ataliq Hakim-bi übertragen. […] Die Khan-Besitzungen am linken Ufer des Amudarja fielen an die Perser. Somit führte der Feldzug zur Errichtung eines Protektorats unter iranischer Hand und zum faktischen Ende der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden-Dynastie</a>, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Buchara regiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> marschierte Nader Schah Afschars Heer kampflos ein. Aus der verblassten Hauptstadt des einstigen Reiches von Amir Timur, dem der Schah großen Respekt entgegenbrachte, verschleppten die Perser zahlreiche Artefakte aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden</a>, darunter die verzierten Türen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bibichonim-Moschee">Bibichonim-Moschee</a>, Gold, Silber und Edelsteine sowie den Großteil der in der Stadt verbliebenen Architekten, Künstler und Gelehrten. Samarkand wurde endgültig zum Schatten seiner früheren Pracht. Der Legende nach hatte Nader Schah Afschar vor, das Grabmal Amir Timurs, das aus schwarzem Nephrit gemacht war, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> zu bringen, um damit sein zukünftiges Grabmal zu schmücken. Doch unheilvolle Vorzeichen ließen ihn es sich anders überlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chiwa zeigt die Zähne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während seines Aufenthalts in Buchara sandte Nader Schah Afschar seine Gesandten zu Ilbars II., damit dieser sich ihm als Vasall unterwerfe, und forderte zugleich die Auslieferung der turkmenischen Anführer, die Überfälle auf persische Gebiete verübten. Der Khan von Chiwa wies jedoch alle Forderungen des Schahs zurück und ließ dessen Gesandte hinrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu seinem Konrahenten aus Buchara bereitete sich Ilbars ernsthaft auf den Krieg vor und mobilisierte alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die erste große Schlacht gegen die Perser fand im Oktober 1740 in der Gegend von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> statt. Der Schah führte persönlich ein Regiment ausgewählter Kavallerie an, das die Reihen des Gegners durchbrach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten von Mirza Mehdi Khan Astarabadi: <em>„In einem gnadenlosen Angriff wurden sie [die Choresmier] besiegt und ergriffen die Flucht. Die Armee des Schahs nahm die Verfolgung auf. Bei vielen von ihnen ‚entbrannten die Reisigzweige und Dornen des irdischen Daseins durch die Hitze des funkelnden Schwertes‘, viele wurden von der Schlinge des Feindes umschlungen. Sowohl geköpfte Leichen als auch lebende Gefangene lagen in großer Zahl zu Füßen seiner Majestät.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Schlacht fand bei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pitnak">Pitnak</a> an der südlichen Grenze der Oase Choresmiens statt. Der Khan von Chiwa stellte ein 60.000 Mann starkes Heer auf, das sich aus turkmenischen (Jomuden) und usbekischen Truppen zusammensetzte. Unter dem Ansturm des zahlenmäßig überlegenen Gegners ordnete Ilbars seine Kampfformationen wiederholt neu und startete Gegenangriffe, erlitt jedoch jedes Mal eine Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich zog sich der Khan zurück […]. Von den Persern belagert, wehrte er eine Zeit lang alle Angriffe des Feindes ab, musste sich aber schließlich ergeben. Nadir ordnete an, sowohl Ilbars selbst als auch zwei Dutzend seiner Vertrauten hinzurichten. Einigen Quellen zufolge wurden ihnen die Köpfe abgeschlagen, anderen zufolge befahl der Schah, der die Rache an seinen Gesandten noch nicht vergessen hatte, die Gefangenen lebendig zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zwischen-aralsee-und-kaspischem-meer-geschichte-und-archaeologie-turkmenistans/"><strong>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Archäologie Turkmenistans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend zog Nader Schah Afschar feierlich in Chiwa ein und befreite 30.000 iranische und einige russische Sklaven aus der Knechtschaft […]. Plünderungen und Raubzüge unter seinen Kriegern unterband der Schah streng und bemühte sich im Allgemeinen auf jede erdenkliche Weise, die lokalen Völker für sich zu gewinnen […].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage von Muhammad Kazim: <em>„Nader Schah Afschar zeigte seine königliche Fürsorge für die Gefangenen, verlieh ihnen Belohnungen, umschmeichelte und begünstigte sie, stärkte sie durch seine königliche Gunst und entließ sie gnädig, damit sie zu ihren Nomadenlagern zurückkehren und unter den Jomuden Ruhe stiften könnten, indem er ihnen Hoffnung durch den Hinweis auf die Gnade und Gunst des Schahs gab.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Statthalter in Chiwa ernannte der Schah einen Verwandten von Abulfeiz-Khan namens Tahir-Khan. Dem Khanat wurden Tributzahlungen sowie die Verpflichtung auferlegt, Hilfstruppen für die Armee des Schahs zu stellen. Nachdem er eine persische Garnison in der Stadt zurückgelassen hatte, kehrte der Schah nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a> zurück. Doch schon bald erhob der Adel von Chiwa einen Aufstand, Tahir-Khan wurde getötet und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nuraly_Khan">Nuraly-Khan</a>, der Sohn des kasachischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abul_Khair_Khan">Abul Khair-Khan</a>, wurde auf den Thron gesetzt. Er regierte nur wenige Monate, bis die von Nader Schah Afschar entsandte Armee in Chiwa die Ordnung wiederherstellte und eine weitere Marionette der Perser zum Khan ernannte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ende der Ära Nader Schah Afschars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Feldzug von 1740, der unmittelbar auf die Eroberung Indiens folgte, markierte den Höhepunkt der iranischen Expansion und einen historischen Wendepunkt: Nie zuvor und nie danach dehnten persische Dynastien ihre Grenzen so weit nach Osten aus. Dennoch gelang es dem Schah nicht, die Grundlagen für die Verwaltung der eroberten Gebiete zu schaffen und die Khanate vollständig in sein Reich zu integrieren. Die weiteren Kriege des Schahs, die fast bis zu seinem Tod im Jahr 1747 geführt wurden, endeten bestenfalls ergebnislos und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von administrativen und wirtschaftlichen Reformen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Seine Versuche, Schiiten und Sunniten zu versöhnen, blieben erfolglos. Unmittelbar nachdem der Nader Schah Afschar von Aufständischen umgebracht worden war, brach sein Reich zusammen, und der einzige seiner Söhne, der das Werk seines Vaters wahrscheinlich erfolgreich hätte fortsetzen können war bereits 1741 auf Befehl Nader Schah Afschars von der Thronfolge ausgeschlossen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev/"><strong>Zentralasien durch die Linse von…Behzod Boltayev</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ataliq Hakim-bi, der die Herrschaft über Buchara innehatte, verstarb im Jahr 1743. Sein Sohn, der seine Ausbildung bei Nadir Schah Afschar absolviert hatte, vollendete das Werk seines Vaters und gründete die neue Herrscherdynastie der Mangyten. Ähnlich verhielt es sich in Chiwa: Kurz nach dem Tod des Schahs wurden seine Statthalter gestürzt und getötet, und eine lokale Dynastie, die Kungrat, kam an die Macht und festigte die Unabhängigkeit des Khanats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kurzzeitige iranische Herrschaft hat mit Blick in die Geschichte auf paradoxe Weise das politische Feld geräumt. Der Adel in Zentralasien konnte dank dem Niedergang Nader Schah Afschars lokal neue Herrscherdynastien begründen und relativ stabile Staaten schaffen, die bis 1920 an der Macht blieben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Pjotr Bologow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/145069/">Russischen</a> (gekürzt) von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Gefangen im ewigen Revolutionszyklus? Erinnerungen an Kirgistan im April 2010</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 18:50:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Aprilrevolution]]></category>
		<category><![CDATA[Kurmanbek Bakijew]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Rosa Otunbajewa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 7. April 2010 fand in Bischkek die zweite von drei Revolutionen in der j&#xFC;ngeren Geschichte Kirgistans statt. Die Massenproteste entz&#xFC;ndeten sich an der hohen Korruption, der Konzentration von Macht in den H&#xE4;nden der Familie des Pr&#xE4;sidenten Kurmanbek Bakijew und dem niedrigen Lebensstandard. Azattyq Asia hat nun Teilnehmer und Beobachter der Aprilproteste gefragt, was sie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 7. April 2010 fand in Bischkek die zweite von drei Revolutionen in der jüngeren Geschichte Kirgistans statt. Die Massenproteste entzündeten sich an der hohen Korruption, der Konzentration von Macht in den Händen der Familie des Präsidenten Kurmanbek Bakijew und dem niedrigen Lebensstandard. Azattyq Asia hat nun Teilnehmer und Beobachter der Aprilproteste gefragt, was sie über das Blutvergießen und die Revolutionen denken, die das Land jüngst so oft durchlebt hat.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Volk hatte sich der Zorn auf das Regime von Bakijew aufgestaut. Wir wollten das Weiße Haus umzingeln und rufen „Nieder mit Bakijew“</em>, erinnert sich 16 Jahre später der Journalist Turat Akimow an die Proteste, an denen er damals selbst teilgenommen hatte. Das Weiße Haus, in den 1980er-Jahren als Parteizentrale der Kommunistischen Partei errichtet, ist das wichtigste Regierungsgebäude Kirgistans und beherbergte 2010 unter anderem das Büro des Präsidenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Proteste, die am 7. April 2010 das Zentrum von Bischkek erfasst hatte, mündeten im Sturm auf das Regierungsgebäude. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf die Menschenmenge und gaben tödliche Schüsse ab. Der Granit des Hauptplatzes der Hauptstadt färbte sich in knallroter Farbe. Nach offiziellen Angaben starben an diesem Tag 84 Menschen und mehr als eineinhalbtausend wurden verletzt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dabei war der damalige Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> selbst infolge einer anderen Revolution, der Tulpenrevolution 2005, an die Macht gekommen und hatte versprochen, die Fehler des ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Askar_Akajew">Askar Akajew</a> nicht zu wiederholen. Dieser war fünf Jahre zuvor wegen Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch gestützt worden. Doch in den fünf Jahren unter Kurmanbek Bakijew entwickelte sich ein System von Familien- und Klanstrukturen und der Ermordung Andersdenkender. Korruption wurde omnipräsent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Auslöser der Proteste wurde dann schließlich die Erhöhung der kommunalen Abgaben. Hinzu kam die Festnahme von Oppositionspolitiker:innen, welche gefordert hatten, die Preiserhöhung auf Strom und das Heizen zurückzunehmen, die politischen Verfolgungen einzustellen und die staatliche Agentur für Investitionen abzuschaffen, an deren Spitze Maksim Bakijew, der Sohn des Präsidenten, stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/">Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Präsidentschaft Kurmanbek Bakijews</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Alles hatte sich aufgestaut… Unter Bakijew kam es zu vielen Auftragsmorden: Die Leute wurden einfach umgebracht, manche verbrannte man, manche wurden aus hohen Gebäuden gestoßen. Es gab noch einige andere Anlässe, etwa die Einführung einer Mobilfunkgebühr von 0,6 Som und so weiter“</em>, erzählt der Journalist Akimow.&nbsp; <em>„Das Wichtigste für uns war, dass die politischen Gefangenen freigelassen wurden: </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96m%C3%BCrbek_Tekebajew"><em>[Ömürbek] Tekebajew</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temir_Sarijew"><em>[Temir] Sarijew</em></a><em> und andere, die am Tag zuvor festgenommen worden waren.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoffnung und Neuanfang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Turat Akimow erinnert sich, dass die Leute, die sich mit ihm bei den Protesten befanden, damals glaubten, dass ihr Handeln zu greifbaren Ergebnissen für die Gesellschaft führen würde. <em>„Wir waren naiv und glaubten, dass wenn diese Leute wieder freikommen und Bakijew gehen würde, ein wirklicher Durchbruch für Reform stattfinden würde“</em>, berichtet der Teilnehmer und Augenzeuge der Proteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-auf-dem-weg-zur-rehabilitation-der-ex-praesidenten/">Kirgistan: Auf dem Weg zur Rehabilitation der Ex-Präsidenten?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende wurde Bakijew gestürzt. Er flüchtete in sein Heimatdorf im Süden des Landes, von wo aus wiederum er über Kasachstan nach Belarus ausreiste. Dort lebt er bis heute mit seiner Familie. In Kirgistan dagegen verurteilte man ihn in einer Reihen von Anklagepunkten zu lebenslanger Haft, darunter auch wegen der tödlichen Schüsse auf die Demonstrant:innen. Später aber verringerte man die Strafe auf 30 Jahre auf Bewährung. Dabei schob man die Regelung vor, dass über 60-Jährige nicht mehr die Höchststrafe erhalten könnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum kam es zur Revolution 2010?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die treibende Kraft hinter den Protesten von 2010 war eine Gruppe oppositioneller Eliten, welche in diesem Moment ihre eigene Aktion planten“</em>, analysiert der Politologe Medet Tjulegenow. <em>„Ich glaube, dass die Festnahme dieser Führungsfiguren zum Trigger wurde: die Mobilisierung ihrer Anhänger ging über in die Mobilisierung für die Proteste. Ich würde nicht sagen, dass die Bevölkerung in Massen, zu Zehntausenden, auf die Straßen geströmt ist. Vielmehr reichten jene Gruppen, die die Anhänger der inhaftierten Oppositionsanhänger mobilisieren konnten, damit Bakijew floh.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die vorherrschende Proteststimmung führte dazu, dass das herrschende Regime von so gut wie niemandem mehr unterstützt wurde. Es gelang der Regierung nicht, die eigenen Kräfte zu ihrem Schutz zu mobilisieren. Am Ende zeigte sich, dass das Regime nicht viele loyale Anhänger besaß. Oft stürzt ein Regime nicht, weil die Opposition zu stark ist, sondern weil es zu wenige gibt, die sich für seine Verteidigung einsetzen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe Emil Dschurajew spricht dagegen über die zivilgesellschaftlichen Gründe des Protests. Seiner Meinung nach kochte die aufgestaute Energie über, die man durch Verbote von Protesten und der Festnahme der Oppositionsführer:innen zu bremsen versucht hatte. Sie entlud sich in den tragischen Ereignissen: <em>„Am Ende bildete die politische Situation die Grundlage für all das.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bis 2010 erreichten der Autoritarismus und die antidemokratische Politik unter Bakijew ihr größtes Ausmaß, sodass die Mobilisierung des Volkes in einem solchen Maßstab oder einem solchen Sinn wie es im April 2010 geschah, äußerst schwierig und praktisch unmöglich geworden war. Aber genau deshalb organisierten sich die Menschen und gingen auf die Straße, so unerwartet für die Regierung, gerade deshalb, weil es ihnen verboten war. Das war ein unmittelbarer Protest gegen das Regime, gerade dagegen, dass dieses begann, die noch verbliebenen Wege, Unzufriedenheit und Kritik zu äußern, unter Druck zu setzen und zu verbieten. Es war also gerade das so ungerechte und die bürgerlichen Freiheiten unterdrückende autoritäre Regime, das, neben den konkreteren wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen, für viele im Volk den Anstoß zu den Massenprotesten gab“, </em>so Dschurajew.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Präsidialsystem zum parlamentarischen System und zurück</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Übergangsregierung, die Bakijew ablöste, stand schwierigen Herausforderungen gegenüber, darunter blutigen ethnischen Konflikten im Süden des Landes. Im Juni 2010 kam es dann zu einem Verfassungsreferendum, durch das Kirgistan eine parlamentarische Republik wurde. Die Führung des Landes übernahm erstmals eine Präsidentin, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Otunbajewa">Rosa Otunbajewa</a>. Im Oktober kam es schließlich zu Parlamentswahlen und nach schwierigen Verhandlungen wurde eine Regierung gebildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sah das neue System als den Versuch an, die Machtkonzentration zu senken, der Wiederholung autoritärer Szenarien vorzubeugen und Stabilität zu schaffen. Jahre später jedoch heben Experten hervor, dass die Schlüsselprobleme weiterhin bestanden und bestehen. Die Protesten 2020 zeigten, dass das politische System nach wie vor anfällig für Krisen und plötzlichen Protesten blieb. Damals trat im Verlauf von Kundgebungen nach der Wahl Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sooronbai_Dscheenbekow">Sooronbaj Dscheenbekow</a> zurück und der aus dem Gefängnis befreite <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, der als politischer Gefangener galt, kam an die Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verfassungsreferendum 2021 markierte dann die Rückkehr zum Präsidialsystem. Der Präsident erhielt umfangreiche Vollmachten, darunter das Recht, die Zusammensetzung der Regierung und die Leiter der Regionen zu bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-waehlt-sadyr-dschaparow-und-entscheidet-sich-fuer-eine-praesidialregierung/">Kirgistan wählt Sadyr Dschaparow und entscheidet sich für eine Präsidialregierung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn im vergangenen Jahrzehnt Kirgistan in den Rankings internationaler Organisationen noch als „Inselchen der Demokratie“ umgeben von autoritären Nachbarn genannt wurde, zählt das Land in den letzten Jahren nun bei <a href="https://freedomhouse.org/country/kyrgyzstan/freedom-world/2025">Freedom House</a> wieder als „unfrei“ und <a href="https://www.hrw.org/world-report/2026/country-chapters/kyrgyzstan">Human Rights Watch unterstrich</a>, dass der Staat die Rechte der Bürger auf Information, Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung erheblich einschränkt und Kritiker ebenso wie unabhängige Journalisten verfolgt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Rückfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe Medet Tjulegenow schätzt, dass die Rückkehr zum früheren System mit der Erschöpfung der Gesellschaft durch die permanenten Krisen und spontanen Protesten zusammenhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ja, in der Tat, wir sind zurückgefallen, und zwar sogar ziemlich stark. Die aktuelle Regierung profitiert vom passenden Moment: Die Leute sind all der Turbulenzen, Proteste und Revolutionen müde geworden. Auch die aktuelle Regierung ist vor den Hintergrund von Protesten an die Macht gekommen, aber ihr politisches Fundament hat sie auf dem Versprechen aufgebaut, das Chaos zu beenden. Die Logik geht so: „Eine harte, starke Hand wird alles richten, lasst und also die neue Verfassung einführen.“ Dieser Ansatz unterscheidet sich fundamental von dem, was 2010 geplant war. Damals sah man die Herausforderung in der Dezentralisierung, aber jetzt hat sich die Situation um 180 Grad gedreht“</em>, sagt Tjulegenow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Turat Akimow, der Teilnehmer der Proteste 2010 in Bischkek, konstatiert, dass sich die Hoffnungen der Demonstranten auf schnelle und tiefgreifende Reformen nicht erfüllt haben und das politische System sich wieder und wieder zum bekannten Modell zurückentwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir dachten, dass wenn wir Bakijews Regime mit den Leuten auswechseln, die viele Jahre, schon seit der Zeit Akajew, über Meinungs- und Gedankenfreiheit, wirtschaftliche Freiheit und Gleichheit gesprochen haben, dass wir dadurch für all diese Ziele eine wirkliche Grundlage schaffen würden. Wir haben geglaubt, dass wenn es uns gelingt, alle gefangenen Oppositionsführer:innen aus den Gefängnissen freizubekommen und Bakijew flieht, es ein sehr gutes politisches System werden würde. Aber am Ende kam es so, dass sich die Übergangsregierung als schwach erwiesen hat und niemand von ihnen ein ernsthaftes Regierungssystem anzubieten hatte“</em>, bilanziert Akimow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gefangen im Revolutionszyklus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Emil Dschurajew argumentiert, dass sich Kirgistan auch 16 Jahre nach den Aprilprotesten und 21 Jahre nach der Tulpenrevolution immer noch in einem Prozess der politischen Entwicklung und des Reifens befindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jetzt, in der Rückschau, sagen die Krigistaner:innen wahrscheinlich, dass die Revolution keine Früchte getragen und ihre Ziele nicht erreicht hat. Wahrscheinlich bleibt Kirgistan bis heute in einem Prozess des politischen Wachsens und Reifens. Betrachtet man es aus einer längeren Perspektive, dann ist es tatsächlich so, dass sich Kirgistan als Staat zyklisch entwickelt: von den Wirren 1990-1991 bis 2005, 2010 und 2020. Und wohl oder übel geht ein jeder dieser Zyklen mit sowohl menschlichen als auch institutionellen und wirtschaftlichen Verlusten und Opfern einher“</em>, sagt Dschurajew.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zwischen-nationalpopulismus-und-neoliberalismus-die-aktuellen-entwicklungen-in-kirgistan-aus-sicht-globaler-politischer-trends/">Zwischen Nationalpopulismus und Neoliberalismus – Die aktuellen Entwicklungen in Kirgistan aus Sicht globaler politischer Trends</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Muster bleibt bestehen und wir können nicht sagen, dass wir es nach 2010 geschafft haben, aus diesen Revolutionen auszubrechen, dass wir diese Etappen oder Herausforderungen der Entwicklung hinter uns gelassen haben. Insbesondere dann, wenn man heute auf das Geschehen blickt, auf das, was wir in den vergangenen Monaten fast täglich erlebt haben, kommt einem vieles bekannt vor. Die Übel bei der Entwicklung und beim Regieren, die wir vor 2010 gesehen haben, treten auch heute wieder auf. Deshalb stehen die Regierung und die herrschenden Eliten vor einer sehr großen Aufgabe: wie und auf welche Weise können wir aus diesen Zyklen ausbrechen, aus der ständigen Wiederholung der Fehler, die uns zu solchen Wendepunkten wie in den Jahren 2010 und 2020 geführt haben.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Symbole der neuen, alten Ordnung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. April findet in Bischkek jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung beim Denkmal für die Verstorbenen von 2020 statt. Dieses befindet sich neben dem Weißen Haus. Um das Gebäude herum gibt es den Zaun nicht mehr, den die Demonstrierenden damals zu durchbrechen versucht hatten. Die Anlage wurde 2020 nach der dritten Revolution in der jüngeren Geschichte des Landes abgebaut. Die Regierung versuchte so die Botschaft zu vermitteln, dass es zwischen der Staatsführung und dem Volk keine Mauern gäbe. Beim Abriss des Zauns erhielten die Initiatoren der Idee zwei Abschnitte, an die sie Gedenktafeln befestigten, in die die Namen der im Zuge der Aprilrevolution verstorbenen eingemeißelt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nicht nur den Zaun gibt es nicht mehr beim Weißen Haus, auch das Büro des Präsidenten befindet sich nicht mehr in dem Gebäude, das im Verlauf aller drei Revolutionen gestürmt worden war. Schon das zweite Jahr arbeitet das Staatsoberhaupt nun in einem Gebäude, das sich in einem anderen Teil von Bischkek befindet. Im Umkreis eines halben Kilometers von diesem „Yntymak Ordo“, dem „Palast der Einigkeit“, ist es verboten, neue Gebäude zu errichten. Und im Umkreis von einem Kilometer darf kein Gebäude mehr höher als 10 Meter gebaut werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyq Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.azattyqasia.org/a/33725823.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Simon Schulz</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Kleiner Reiseführer durch Berg-Badachschan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 18:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Murghob]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
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		<category><![CDATA[Pik Lenin]]></category>
		<category><![CDATA[Sares]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist fl&#xE4;chenm&#xE4;&#xDF;ig die gr&#xF6;&#xDF;te Region Tadschikistans. Sie ist eine majest&#xE4;tische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen &#x201E;Hotspots&#x201C; Berg-Badachschans vor. Berg-Badachschan ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielf&#xE4;ltigen Landschaften der Bezirke Darwos, Wandsch, Ruschon, Ischkoschim und Murghob [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist flächenmäßig die größte Region Tadschikistans. Sie ist eine majestätische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen „Hotspots“ Berg-Badachschans vor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielfältigen Landschaften der Bezirke <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Darvoz_District">Darwos</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vanj_District">Wandsch</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Ruschon</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischkoschim">Ischkoschim</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a> können selbst den erfahrensten Reisenden in Staunen versetzen. Abenteurer:innen, Outdoor-Begeisterte und Bergliebhaber:innen gleichermaßen kommen in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, um schneebedeckte Gipfel und außergewöhnliche Seen zu bestaunen, die klare Bergluft zu atmen und die wahre Stille der Natur zu erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan fasziniert nicht nur durch seine natürliche Schönheit, sondern auch durch seine ethnische Vielfalt. In jedem Bezirk sind Gemeinschaften mit einzigartigen Sprachen und uralten Traditionen zu Hause, und die Gastfreundschaft der einheimischen Bergbevölkerung wärmt Reisende besser als die heißeste Sonne. Hier sind die Orte in der Region, die man unbedingt besuchen sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Pamir-Highway</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir beginnen mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_Highway">Pamir-Highway</a> – der Lebensader der Region und einer ihrer wichtigsten Attraktionen. Er zählt zu den landschaftlich reizvollsten und zugleich extremsten Fernstraßen der Welt und schlängelt sich durch Täler und Schluchten, durch „Marslandschaften“ und Gebirgswüsten. Im Jahr 2020 wurde der Pamir-Highway zu einer der zehn schönsten Straßen der Welt gekürt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"><strong>Die Sackgasse – Leben am Pamir Highway</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Pamir-Highway wird die rund 700 Kilometer lange Straße bezeichnet, die von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a>, der Hauptstadt der Provinz, bis nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> in Kirgistan verläuft. Es gibt jedoch auch das Konzept des „Großen Pamir-Highways“ mit einer Länge von etwa 1.300 Kilometern; dieser beginnt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>, führt über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulob">Kulob</a> zum Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pjandsch</a> und folgt dessen Verlauf über Chorugh bis nach Osch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Fahrt auf dieser Straße ist für viele Roadtrip-Fans ein lang gehegter Traum. Die Route führt durch Höhenlagen von 900 Metern bis hinauf zum höchsten Punkt auf 4.655 Metern am Chuschang-Pass (Ak-Baital-Pass). Stundenlange Fahrten über steinige Pisten und kurvenreiche Serpentinen erfordern zwar Ausdauer, doch das Erlebnis lohnt sich – dank der einzigartigen Atmosphäre echten Abenteuers und der Gelegenheit, in eine atemberaubende Berglandschaft einzutauchen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg" alt="" class="wp-image-45009" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auf dem Pamir Highway, Photo: © 2023 Matthieu Audiffret</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für Berg-Badachschan gelten besondere Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen. Ausländer:innen benötigen für einen Besuch der Region eine Sondergenehmigung. Diese kann man bei der Beantragung eines E-Visums auf <a href="https://www.evisa.tj/index.evisa.html#/apply">evisa.tj</a> erhalten, indem man die Option „GBAO permit“ auswählt. Der Service kostet zusätzlich zur Visumgebühr 20 US-Dollar. Wer bereits über ein Visum verfügt oder aus einem von der Visumpflicht befreiten Land stammt, kann die Genehmigung beim Pass- und Registrierungsdienst des tadschikischen Innenministeriums in Duschanbe oder Chorugh beantragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Karon – das „Machu Picchu des Pamir“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tor zu Berg-Badachschan ist der Bezirk Darwos, dessen Name sinngemäß „Tor“ bedeutet. Nur wenige Kilometer vom Bezirkszentrum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qalai_Chumb">Qalai Chumb</a> entfernt liegt Karon – eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit. Die auf 2.000 Metern Höhe gelegene antike Stadt wird oft als das „Machu Picchu Tadschikistans“ bezeichnet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Karon wurde erst im Jahr 2012 entdeckt. Wie ihr peruanisches Pendant ist auch Karon von Geheimnissen umgeben. Die vor rund 4.000 Jahren gegründete Stadt verfügte über eine hochentwickelte Infrastruktur: Man entdeckte dort Feuertempel, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">zoroastrische</a> Heiligtümer, eine Sternwarte und sogar ein riesiges Polo-Stadion, das Platz für 10.000 Zuschauer bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 15. Jahrhundert kam das Leben hier jedoch abrupt zum Erliegen: Die Einwohner:innen verließen ihre Häuser auf geordnete Weise und nahmen all ihr Hab und Gut mit – die Gründe dafür bleiben bis heute ein Rätsel. Wer durch die gepflasterten Gassen von Karon schlendert, kann nicht anders, als die handwerkliche Kunst jener Baumeister zu bewundern, die an einem derart unzugänglichen Ort eine bedeutende Stadt errichteten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chorugh – das Herz der Region und sein botanischer Garten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Chorugh, die Hauptstadt Berg-Badachschans, zieht Besucher:innen mit unverwechselbarer Kultur, der gemütlichen Atmosphäre engen Gassen und dem Rauschen des Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gunt">Gunt</a> an. Die Fahrt dorthin von Duschanbe aus dauert etwa 12 bis 13 Stunden. Die Stadt verfügt über einen Flughafen, doch Flüge von der Hauptstadt aus finden aufgrund des unberechenbaren Gebirgswetters nur unregelmäßig statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Kultur der Berg-Badachschans wirklich zu erleben, sollte man ein traditionelles Pamir-Haus – ein sogenanntes Chid – besuchen. Die Architektur des Hauses ist tief symbolträchtig: Es hat ein Flachdach mit einem vierstufigen Oberlicht (Tschorchona), das die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser versinnbildlicht. Außerdem verfügt es über fünf Säulen, die für Schlüsselfiguren des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailismus</a> stehen. Auf diese Weise verbindet das Haus zoroastrische und islamische spirituelle Traditionen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45008" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick vom Botanischen Garten auf Chorugh, Photo: Zack Knowles via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pamirische Botanische Garten – der höchstgelege im postsowjetischen Raum – erstreckt sich oberhalb der Stadt auf einer Höhe von über 2.300 Metern. Hier sind Tausende von Pflanzenarten aus allen Kontinenten versammelt. Die Terrassen des Gartens bieten einen atemberaubenden Panoramablick auf die gesamte Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Chorog lohnt sich auch ein Besuch des Museums für Geschichte und Heimatkunde. Zu den Exponaten gehört ein antikes Klavier, das russische Soldaten 1914 von Osch aus von Hand über Gebirgspässe trugen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Festungen Kach-Kacha und Jamtschun: Wächter der Seidenstraße</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 15 Kilometer von der Siedlung Ischkoschim entfernt befindet sich eines der historischen Wahrzeichen der Region: die Festung Kach-Kacha. Die sich über eine Fläche von 700 mal 220 Metern erstreckende Festung thront auf einem Hügel im Tal des Flusses Pjandsch und stammt aus der Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kuschana">Kuschan</a>-Reiches (1.–2. Jahrhundert). Der Legende nach verdankt sie ihren Namen dem damaligen lokalen Herrscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aus Lehmziegeln errichtete Anlage Kach-Kacha umfasst rund 50 runde und quadratische Türme. Obwohl von dieser gewaltigen Festung nur noch Ruinen erhalten sind, lassen sie erkennen, dass es sich einst um eine imposante Befestigungsanlage handelte. Heute dient der östliche Teil der Festung als Grenzposten: der Zugang ist hier beschränkt, und das Fotografieren ist streng untersagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auf einer Höhe von 3000 Metern gelegene Festung Jamtschun bietet einen noch imposanteren Anblick. Sie wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründet – also noch vor Kach-Kacha – und gilt als Meisterwerk antiker Ingenieurskunst. Um sie zu erreichen, muss man von der Hauptstraße abbiegen und einen Serpentinenweg hinaufsteigen. Von ihren Mauern aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf das Tal.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45007" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jamtschun, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einst erstreckte sich die Festung über gewaltige 75 Hektar, doch lediglich die obere Bastion ist bis heute erhalten geblieben. Auch wenn der Zahn der Zeit allmählich an den Steintürmen nagt und raue Winde die Zinnen abtragen, bleibt Jamtschun ein lebendiges Zeugnis der Geschichte der Seidenstraße, das aus 400 Metern Höhe still auf das Tal hinabblickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere imposante Festung – Qalai-Wamar – befindet sich im Bezirk Ruschon, ebenfalls direkt am Ufer des Pjandsch. Qalai-Wamar liegt auf einer Ebene an der Mündung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bartang">Bartang</a> in den Pjandsch, unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan. Im Gegensatz zu vielen anderen Ruinen im Pamir ist Qalai-Wamar bemerkenswert gut erhalten; die Mauern stehen noch heute.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die buddhistische Stupa von Wrang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachandarja">Wachan</a>-Tal ist die buddhistische Stupa, die auf einem Felsvorsprung nahe dem Dorf Wrang thront. Dieses Monument der antiken Seidenstraße liegt auf einer Höhe von 2.805 Metern, etwa 90 Kilometer von Ischkoschim entfernt. Der Weg dorthin führt entlang des Pjandsch und vorbei an Festungen aus der Zeit der Kuschana sowie an zoroastrischen Heiligtümern, wodurch der Reisende unmittelbar in die jahrhundertealte Geschichte der Region eintaucht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-45006" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Stupa von Wrang, Photo: Kondephy via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Architektur dieses religiösen Bauwerks ist einzigartig im Pamir: Es handelt sich um eine Stufenpyramide aus fünf rechteckigen Ebenen, die optisch an eine Himmelsleiter erinnert. Die Tempelplattform bietet einen Panoramablick auf das Tal, in dem sich – wie auf einer Landkarte ausgebreitet – die tadschikischen und afghanischen Dörfer auf beiden Seiten des Flusses deutlich abzeichnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Heilquellen Garm Tschaschma und Bibi Fatima</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Pamir gibt es eine Fülle heißer Quellen; die bekannteste unter ihnen ist Garm Tschaschma – das bedeutendste balneologische Zentrum der Region. Der gleichnamige Kurort liegt 35 Kilometer von Chorugh entfernt auf einer Höhe von 2.842 Metern. Die Quelle ist berühmt für ihre strahlend weißen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travertin">Travertin</a>-Kaskaden, die sich im Laufe von Jahrtausenden gebildet haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45005" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Garm Tschaschma, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser hier ist reich an Schwefel, Silizium und Magnesium und eignet sich daher hervorragend zur Behandlung von Herz-Kreislauf-, Haut- und Gelenkerkrankungen. Garm Tschaschma heilt nicht nur den Körper, sondern bietet auch ästhetischen Genuss. Eine moderne Infrastruktur, einschließlich Hotels und Restaurants, sorgt zu jeder Jahreszeit für einen angenehmen Aufenthalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/in-den-heissen-quellen-des-pamirs/"><strong>In den heißen Quellen des Pamirs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tief im Wachan-Tal, nahe der Festung Jamtschun, befindet sich eine weitere legendäre Quelle: Bibi Fatima. Hier sprudelt kristallklares Wasser direkt aus Felsspalten hervor. Einheimische und Pilger:innen verehren diesen Ort als heilig und bringen ihn mit der Tochter des Propheten Mohammed in Verbindung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Bartang-Tal: Auf der Suche nach unberührter Schönheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bartang-Tal ist ein Reiseziel für alle, die das authentische, unberührte Pamir-Gebirge suchen. Auf einer Höhe von bis zu 3.500 Metern zwischen den Gebirgszügen Jasgulam und Ruschon eingebettet, erstreckt sich das Tal vom Zentrum des Bezirks Ruschon bis zur Grenze nach Murghob. Der Bartang – ein rechter Nebenfluss des Pjandsch – entspringt am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saressee">Saressee</a> und durchzieht das gesamte Tal von Ost nach West.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einheimische Bevölkerung bewahrt sich eine traditionelle Lebensweise und gibt die Weisheit ihrer Vorfahren von Generation zu Generation weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/langar-steinzeitliche-petroglyphen-im-pamir/"><strong>Langar – steinzeitliche Petroglyphen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strecke nach Bartang gilt als eine der anspruchsvollsten im Pamir: Die schmale Straße, die das Tal mit dem Pamir-Highway verbindet, ist aufgrund von Lawinen, Steinschlägen, Schlammlawinen oder Hochwasser häufig gesperrt. Doch gerade hier – fernab der Zivilisation – lässt sich eine tiefe Verbundenheit mit der Natur wahrhaft erleben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Saressee</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der berühmte Saressee – bekannt als der „schlafende Drache“ Zentralasiens – liegt ebenfalls an der Grenze zwischen den Bezirken Ruschon und Murghob in Berg-Badachschan. Dieser einzigartige See entstand im Jahr 1911 nach einem schweren Erdbeben, das einen gewaltigen Felssturz auslöste. Dieser bildete den Usoj-Damm und staute den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murghob</a> auf. Der See erstreckt sich über eine Länge von bis zu 70 Kilometern und erreicht eine maximale Tiefe von 500 Metern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-geheimnisse-der-seen-im-pamir/"><strong>Die Geheimnisse der Seen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straße endet im Dorf Bartschidew, von dort aus man etwa 9 bis 10 Stunden lang am Fluss Murghob entlangwandern und dabei steile Anstiege bewältigen muss, um den See zu erreichen. Die Wanderung zum gewaltigen Usoj-Damm und der Anblick des tiefblauen Wassers des Saressees gehören zu den tiefgreifendsten Erlebnissen, die die Wildnis einem Menschen vermitteln kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für einen Besuch des Saressees ist neben einer Einreisegenehmigung für Berg-Badachschan auch die Zustimmung des tadschikischen Komitees für Notsituationen erforderlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Östlicher Pamir: Das fantastische Murghob</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der östliche Pamir empfängt Reisende mit wahrhaft außerirdisch anmutenden Landschaften. Der Bezirk Murghob ist eine Welt aus kalten Seen, kargen Hochebenen und einer Stille, die man körperlich spüren kann. Hier, auf einer Höhe von über 3.500 Metern, hat man das Gefühl, der Himmel sei näher gerückt und die Luft klarer geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wahres Juwel der Region ist der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakul_(Tadschikistan)">Karakul</a> – der größte See Tadschikistans, dessen Name „Schwarzer See“ bedeutet. Er liegt in einem Krater, der durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist. Sein salzhaltiges Wasser wechselt die Farbe von Azurblau bis hin zu einem tiefen Blauschwarz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/"><strong>Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghab in Tadschikistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso prächtig sind die benachbarten Süßwasserseen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jaschilkul">Jaschilkul</a> („Grüner See“) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bulunkul">Bulunkul</a>, die für ihre spiegelglatten Oberflächen und ihren Forellenreichtum bekannt sind. Und an der Grenze der Bezirke Ischkoschim und Murghob liegt der See <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zorkulsee">Sorkul</a>, die Quelle des Pamir-Flusses – eines der Quellflüsse des mächtigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptort des Bezirks ist Murghob, die höchstgelegene Siedlung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a> (3.600 m). Ein Besuch des örtlichen Basars – der in Schiffscontainern untergebracht ist – ist ein Muss; dort findet man alles, von Ersatzteilen bis hin zu Produkten aus Yakwolle. In der Umgebung kann man uralte Felszeichnungen entdecken, den lokalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumys">Kumys</a> probieren, echte Yaks sehen und sich fühlen, als wäre man am Ende der Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45004" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Markt in Murghob, Photo: Papouten via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schorbulak-Observatorium befindet sich bei Murghob auf einer Höhe von 4.350 Metern und gilt als eine der höchstgelegenen astronomischen Stationen der Welt. Einst diente dieses Observatorium als Außenposten für die Erforschung des Weltraums und der Infrarotstrahlung – ein Standort, der aufgrund seiner außergewöhnlich klaren und trockenen Luft gewählt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Station ist derzeit außer Betrieb und besteht aus einem Komplex verlassener Gebäude sowie alten Teleskopen. Trotz ihres verwahrlosten Zustands lohnt sich die Anreise aufgrund der mystischen Atmosphäre und der unglaublichen Aussicht auf die 7.000 Meter hohen Gipfel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Muztagata">Muztagh Ata</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kongur">Kongur</a> in der chinesischen Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bergsteigen im Pamir: Nur die Sterne sind höher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Bergsteiger:innen stellt der Pamir die ultimative Herausforderung dar. Die Region beherbergt drei legendäre Siebentausender: den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ismail_Samani">Pik Ismoil Somoni</a> (7.495 m), den Pik Lenin (7.134 m – in Tadschikistan heute als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ibn_Sina">Pik ibn-Sina</a> bekannt) und den Pik Korschenewskaja (7.105 m – heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Osodij">Pik Ozodi</a>) sowie zahlreiche weitere Gipfel, die sich über 6.000 Meter über dem Meeresspiegel erheben. Es ist eine Welt extremer Höhen, die nicht nur körperliche Kraft und Ausdauer, sondern auch enormen Mut erfordert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="864" height="648" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg" alt="" class="wp-image-45003" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg 864w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 864px) 100vw, 864px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf den Pik Lenin (Pik ib-Sina), Photo: Betta27 via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder Aufstieg im Pamir ist eine ernsthafte, mehrtägige Expedition für all jene, die bereit sind, sich den Elementen zu stellen. Der Weg zu den Gipfeln beginnt in Basislagern, die ausschließlich per Hubschrauber erreichbar sind – wie etwa auf der berühmten Moskwin-Lichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raues Wetter – stürmische Winde, plötzliche Schneestürme und tückische Gletscherspalten – machen den Pamir zu einer Schule des Überlebens. Doch die Belohnung für die Bewältigung dieser Herausforderungen ist der Ausblick vom „Dach der Welt“: Die Wolken liegen weit unter einem, und der Horizont umfasst gleich mehrere gewaltige Gebirgssysteme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-ein-russischer-bergsteiger-neue-pamir-gebirgszuege-entdeckt/"><strong>Wie ein russischer Bergsteiger neue Pamir-Gebirgszüge entdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan ist ein Land voller eindrucksvoller Kontraste, in dem eisige Gipfel neben der lebensspendenden Kraft kristallklarer Gewässer aufragen. Der Pamir offenbart sich jedem auf einzigartige Weise und hinterlässt doch stets einen tiefen Eindruck im Herzen all jener, die sich auf diese Reise begeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kontaktdaten von Reiseanbietern befinden sich unter dem </em><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Die Landproteste 2016 in Kasachstan: ihre Geschichte und Auswirkungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 22:16:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Atyrau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor zehn Jahren wurde Kasachstan von Massenprotesten gegen eine von der Regierung geplante Reform erfasst. Diese sah vor, landwirtschaftliche Fl&#xE4;chen zu versteigern und langfristig an Ausl&#xE4;nder:innen zu verpachten. Inmitten der spontanen Demonstrationen und Kundgebungen verh&#xE4;ngten die Beh&#xF6;rden ein Moratorium f&#xFC;r die Umsetzung der geplanten &#xC4;nderungen. Obwohl dieses Moratorium verl&#xE4;ngert wurde, ist die Angelegenheit nach wie [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor zehn Jahren wurde Kasachstan von Massenprotesten gegen eine von der Regierung geplante Reform erfasst. Diese sah vor, landwirtschaftliche Flächen zu versteigern und langfristig an Ausländer:innen zu verpachten. Inmitten der spontanen Demonstrationen und Kundgebungen verhängten die Behörden ein Moratorium für die Umsetzung der geplanten Änderungen. Obwohl dieses Moratorium verlängert wurde, ist die Angelegenheit nach wie vor ungeklärt, erklärt der Bürgerrechtler Max Boqaev – Initiator der Kundgebung von 2016 in Atyrau. Azattyq Asia hat mit ihm gesprochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Nachmittag des 24. April 2016 war der zentrale Platz in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyrau</a> komplett gefüllt. Männer und Frauen, Jung und Alt, versammelten sich zu einer spontanen Kundgebung, um eine einzige Forderung zu stellen: den Verkauf von Agrarflächen zu verhindern. Es gab weder riesige Transparente noch ein aufgebautes Podium – lediglich einige handgeschriebene Schilder mit Aufschriften wie „Das Schicksal des Landes ist das Schicksal des Staates“ und „Das Land zu verkaufen, heißt die Heimat zu verkaufen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Niemand hatte erwartet, dass so viele Menschen kommen würden. Auch ich hatte nicht damit gerechnet“</em>, erinnert sich der Bürgerrechtler Max Boqaev, einer der Organisatoren der Kundgebung. <em>„Die Menschen gehen auf die Straße, wenn es nötig ist. Und dies war einer dieser Momente.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schrieb auf Facebook über seine Pläne, an jenem Tag zum Platz zu gehen. Boqaev erklärte, die örtliche Verwaltung habe den Protest zwar nicht genehmigt, er habe sich aber dennoch dazu entschlossen, seine Ansichten zu den Änderungen des Bodengesetzes zu äußern – Änderungen, die von der Regierung ausgearbeitet, vom Parlament gebilligt und vom Präsidenten unterzeichnet worden waren. Kurz darauf erhielt der Aktivist eine Vorladung, sich bei der Polizei zu melden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">An jenem Morgen erschien er bei der Polizeidienststelle, und ein Ermittler teilte ihm mit, dass ein Strafverfahren gemäß Artikel 179 des Strafgesetzbuches eingeleitet worden sei: „Propaganda oder öffentliche Aufrufe zur Machtübernahme oder zum Machterhalt sowie die Machtübernahme oder der Machterhalt oder die gewaltsame Änderung der verfassungsmäßigen Ordnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich sagte, ich würde nichts unterschreiben und auf einen Anwalt warten. Sie hielten mich dort mehrere Stunden fest und ließen mich dann gegen 13 Uhr gehen, mit der Begründung, sie hätten keinen Bereitschaftsanwalt finden können“</em>, sagt Boqaev. Er fuhr sofort zum Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe Tausende von Menschen gesehen! Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft waren dort! Später dachte ich, dass ich wahrscheinlich freigelassen worden war, weil die Menschen es gefordert hatten. Das gab mir Zuversicht“,</em> sagt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/landproteste-janaoezen-qantar-die-geschichte-der-proteste-kasachstans/"><strong>Landproteste, Jañaözen, Qañtar – Die Geschichte der Proteste Kasachstans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er griff zu einem Megafon und verkündete seine Forderungen: die Rücknahme der am 1. Juli in Kraft tretenden Änderungen am Bodengesetz. Der Präsident hatte diese im November 2015 unterzeichnet, und Ende März 2016 kündigte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jerbolat_Dossajew">Erbolat Dosaev</a> – damals Minister für Volkswirtschaft – an, dass 1,7 Millionen Hektar Agrarfläche zur Versteigerung kommen sollten. Die Änderungen betrafen auch die Pachtbedingungen; so wurde die zulässige Pachtdauer für Ausländer:innen von 10 auf 25 Jahre verlängert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„25 Jahre kommen faktisch einem Verkauf gleich. Menschen, die das Land 25 Jahre lang bewirtschaftet haben, hätten sagen können: ‚Das Land gehört uns – wir haben so viel Mühe und Zeit hineingesteckt‘, und sie hätten damit recht gehabt. Und der Pachtvertrag hätte nach 25 Jahren verlängert werden können“</em>, erklärt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gouverneur des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau_(Gebiet)">Gebiets Atyrau</a> traf bei der spontanen Kundgebung ein. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nurlan_Noghajew">Nūrlan Noğaev</a> versprach, die Forderungen an die Regierung in Astana sowie an die Gesetzgeber weiterzuleiten. Die mehrstündige Kundgebung verlief friedlich; es kam weder zu Aggressionen noch zu Schäden an städtischem Eigentum. Anschließend löste sich die Menge auf, und die Menschen gingen nach Hause.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Protestwelle und die Reaktion der Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Proteste gegen die Landreform weiteten sich auf andere Städte aus: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtöbe</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>. Die Menschen argumentierten, dass der Verkauf von Land die nationale Sicherheit gefährde und das Risiko eines Gebietsverlusts berge. Die Demonstrationen waren von Festnahmen von Teilnehmenden begleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser spontanen Kundgebungen setzte die Regierung eine „Landkommission“ ein und lud Max Boqaev zur Mitarbeit ein. Er lehnte ab. <em>„Ich forderte ein Ende der Verfolgung von Demonstrierenden“</em>, erklärt er. „<em>Zudem empörte es mich, dass die Kommissionsmitglieder nicht gewählt wurden. Die Kommission umfasste mehr als 100 Personen, doch gab es höchstens zehn Vertreter der Zivilgesellschaft. Das bedeutete, dass jede beliebige Entscheidung mit einfacher Mehrheit durchgesetzt werden konnte. Meine Argumente fanden kein Gehör. Viele glaubten damals – und dieser Ansicht schließe ich mich heute an –, dass die Entscheidung zu unserer Verhaftung erst fiel, nachdem ich die Mitarbeit in dieser Kommission abgelehnt hatte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Mai wurden Max Boqaev und Talğat Aıan – ein weiterer Aktivist, der an den Protesten in Atyrau beteiligt war – jeweils zu 15 Tagen Verwaltungshaft verurteilt, weil sie eine von den Behörden nicht genehmigte Kundgebung organisiert hatten. Zuvor hatten sie für den 21. Mai landesweite Proteste zu der Landfrage angekündigt. Im Vorfeld des geplanten Termins wurden mehr als 20 Personen präventiv festgenommen. Am Tag der Proteste wurden Personen festgenommen, die auf öffentlichen Plätzen erschienen; zudem wurde der Internetzugang in Großstädten blockiert und die Websites unabhängiger Medien waren landesweit nicht mehr erreichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwei-busse-voll-leichen-zeuginnen-berichten-ueber-die-ereignisse-von-janaozen/"><strong>„Zwei Busse voll Leichen“ – Zeuginnen berichten über die Ereignisse von Jańaózen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufnahmen von Festnahmen verbreiteten sich weltweit; internationale Nachrichtenagenturen berichteten, dass sich die Proteste gegen die Landreform in Kasachstan ausweiteten und den autoritären Machthaber herausforderten. Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nūrsūltan Nazarbaev</a> – der die Republik bereits seit der Zeit vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion geführt hatte – kündigte ein fünfjähriges Moratorium für die Umsetzung der Gesetzesänderungen an. Dies ließ die Proteste abflauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig lief eine Kampagne gegen Boqaev und Aıan. Nach Ablauf ihrer Verwaltungshaft wurden sie nicht freigelassen. Stattdessen nahm man sie als Verdächtige in Strafverfahren in Gewahrsam.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sie haben beschlossen, meinen Ruf zu ruinieren“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Boqaev und Aıan wurden wegen „Anstiftung zu sozialer Zwietracht“, „Verbreitung wissentlich falscher Informationen“ und „Verstoßes gegen die Vorschriften für die Abhaltung von Versammlungen“ angeklagt. Im November 2016 wurden sie jeweils zu fünf Jahren Haft <a href="https://www.azattyqasia.org/a/atyrau-ayan-bokaev-prigovor/28143089.html">verurteilt</a>. Die Aktivisten wiesen die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück, und Menschenrechtler:innen nahmen sie in die Liste politischer Gefangener auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Prozesses warf die Anklage den beiden vor, Geld für die Organisation von Kundgebungen erhalten zu haben. Ihr Financier sei der Geschäftsmann Tohtar Tuleşov – Eigentümer einer Brauerei in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Şymkent</a>, am anderen Ende des Landes. Nach Angaben von Ermittlungsbehörden und der Staatsanwaltschaft habe Tuleşov, der später wegen eines versuchten Staatsstreichs zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, gezielt versucht, „Spannungsherde“ zu schaffen. Boqaev und Aıan bestritten, Tuleşov zu kennen oder Gelder von ihm erhalten zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Offenbar beschloss man, die Organisatoren der Proteste zu diskreditieren. Zunächst strahlte man im Fernsehen ein inszeniertes Video aus, das die Übergabe von Geld zeigte – wobei unklar blieb, wer es wem gab – und stellte dies als ausländische Finanzierung dar. Dann kam die Theorie um Tuleşov auf. Ende 2022 rief Tuleşov selbst Talğat [Aıan] an. Er weinte und gestand, uns fälschlicherweise belastet zu haben, weil er sich um seinen Sohn sorgte“</em>, sagt Max Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/vier-jahre-fuer-19-minuten-die-geschichte-von-aigerim-tleujanova-aktivistin-des-qantar/"><strong>Vier Jahre für 19 Minuten: Die Geschichte von Aıgerim Tleujanova, Aktivistin des Qantar</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2018 wurde Talğat Aıan vorzeitig entlassen, nachdem der Rest seiner Haftstrafe in eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit umgewandelt worden war. Boqaev weigerte sich, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen. Er verbüßte seine Strafe vollständig und wurde Anfang Februar 2021 freigelassen. Die Behörden unterstellten Boqaev einer <a href="https://www.azattyqasia.org/a/kazakhstan-sud-nalozhil-noviye-ogranicheniya-na-maksa-bokaeva/31110144.html">administrativen Überwachung</a>, während er selbst die ihm auferlegten Beschränkungen – zu denen unter anderem ein Verbot öffentlicher Aktivitäten sowie der Teilnahme an Kundgebungen oder Debatten gehörte – als rechtswidrig bezeichnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Max Boqaev wurde auf die staatliche „Liste von Personen, die an der Finanzierung von Terrorismus und Extremismus beteiligt sind“, gesetzt – ein Verzeichnis, das Personen aufführt, die auf der Grundlage sogenannter „extremistischer“ Gesetze verurteilt wurden. Human Rights Watch hat erklärt, dass die Aufnahme in diese Liste zu weiteren Rechtsverletzungen sowie zur wirtschaftlichen Blockade der betroffenen Person führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich kann keine Bankkonten eröffnen, keine NGO gründen oder ihr beitreten, mich nicht zivilgesellschaftlich engagieren, nicht für ein Amt kandidieren und nicht einmal für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen. Ich kann keine Versicherung abschließen. Das Einzige, was ich derzeit tun kann, ist, eine notariell beglaubigte Vollmacht auszustellen; ich kann jedoch nicht in Immobilienangelegenheiten tätig werden oder Kauf- und Verkaufsgeschäfte abwickeln“</em>, sagt Boqaev. Die Beschränkungen gelten bis 2030.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-jeltoqsan-unruhen-1986-erinnerungen-von-augenzeuginnen/"><strong>Die Jeltoqsan-Unruhen 1986: Erinnerungen von Augenzeug:innen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der geltenden Vorschriften könnte er stattdessen eine Zahlung von 85.000 Tenge [circa 150 Euro] leisten – der Höhe des Mindestlohns. Boqaev hat keine feste Anstellung. <em>„Meine Kollegen verschaffen mir Gelegenheiten, Geld zu verdienen, wann immer sie können, damit ich nicht verhungere. Bei einem meiner jüngsten Aufträge ging es darum, praktische Ratschläge für politische Gefangene zu verfassen“</em>, sagt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aktivist, dessen Antrag auf Aufhebung der Beschränkungen seiner Bankkonten von den zuständigen staatlichen Behörden zuvor abgelehnt worden war, plant nun, vor das Verfassungsgericht zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Talğat Aıan ist seit 2021 nicht mehr auf dieser Liste aufgeführt. Azattyq Asia konnte ihn nicht kontaktieren. Inoffiziellen Informationen zufolge hat er sich aus dem zivilgesellschaftlichen Engagement zurückgezogen und ist in der Privatwirtschaft tätig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Verlängerung des Moratoriums</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 2021 verlängerten die kasachstanischen Behörden das Moratorium für den Verkauf und die Übertragung von Agrarflächen in Privateigentum um weitere fünf Jahre – bis Ende 2026. Die Aktivist:innen sind der Ansicht, dass die Angelegenheit weiterhin ungeklärt ist. <em>„Leider ist die Sache noch immer nicht vom Tisch“</em>, merkt Boqaev an. <em>„Es wurde zwar ein Moratorium verkündet, aber das Problem ist nicht endgültig gelöst. Die Landfrage befindet sich derzeit in der Schwebe, sodass wir auf der Stelle treten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom Mūhtar Taıjan, der der 2016 von der Regierung eingesetzten Bodenkommission angehörte, ist der Ansicht, dass Astana angesichts der nahenden Frist bei der endgültigen Entscheidung Eile walten lassen muss. <em>„Wenn die Gesetzgebung nicht innerhalb der verbleibenden sechs Monate geändert wird, könnten ab dem 1. Januar 2027 landwirtschaftliche Flächen – die 80 Prozent des kasachstanischen Staatsgebiets ausmachen – in Privateigentum von Einzelpersonen und juristischen Personen übergehen. Dies ist eine Tatsache, die wir nicht außer Acht lassen dürfen. Diese Angelegenheit muss geklärt werden“</em>, erklärt Taıjan.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyq Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.azattyqasia.org/a/zemelnye-mitingi-v-kazahstane-2016-kak-oni-voshli-v-istoriyu-i-pochemu-ih-organizator-schitaet-vopros-nereshennym/33749701.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Astanas Hochbahn mit einer Verzögerung von 20 Jahren eingeweiht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jun 2026 15:57:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Astana]]></category>
		<category><![CDATA[Hochbahn]]></category>
		<category><![CDATA[LRT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach jahrelangem Warten konnten die Einwohner:innen Astanas endlich die Einweihung der LRT &#x2013; der Hochbahn der kasachstanischen Hauptstadt &#x2013; miterleben. Obwohl das Projekt urspr&#xFC;nglich f&#xFC;r einen fr&#xFC;heren Zeitpunkt geplant war, kam es aufgrund von Korruption und finanziellen Unregelm&#xE4;&#xDF;igkeiten immer wieder zu Verz&#xF6;gerungen. Am 18. Mai ist die erste Metro-Linie von Astana durch Kasachstans Pr&#xE4;sidenten Qasym-Jomart [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach jahrelangem Warten konnten die Einwohner:innen Astanas endlich die Einweihung der LRT – der Hochbahn der kasachstanischen Hauptstadt – miterleben. Obwohl das Projekt ursprünglich für einen früheren Zeitpunkt geplant war, kam es aufgrund von Korruption und finanziellen Unregelmäßigkeiten immer wieder zu Verzögerungen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai ist die erste Metro-Linie von Astana durch Kasachstans Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> und Bürgermeister Qasym Bek <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-zapustil-rabotu-astana-lrt-599394/">eingeweiht</a> worden. Die neue, vollautomatische Bahn – bekannt als LRT (Light Rail Transport) – verbindet nun den östlichen Teil der Stadt mit dem Südosten und führt dabei durch das Stadtzentrum. Es handelt sich um die erste Linie eines umfangreichen Netzes, das im Rahmen eines Modernisierungsprojekts für den städtischen Verkehr in Kasachstans Hauptstadt geplant ist. Der Bau wurde von einem <a href="https://astanatimes.com/2017/05/astana-to-begin-light-rail-system-construction-in-may/">Konsortium chinesischer Unternehmen</a> durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Einweihungsfeier nutzte das Staatsoberhaupt als erster offizieller Fahrgast die Strecke. In dieser Funktion nahm Toqaev symbolisch die Fahrgastkarte mit der Nummer 001 entgegen und fuhr vom internationalen Flughafen zum Nationalmuseum quer durch die Stadt, vorbei am Stadtzentrum und dem markanten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bajterek-Turm">Baıterek-Turm</a>. Der Präsident <a href="https://www.akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-uchastie-v-zapuske-lrt-164655">bekundete seine Absicht</a>, Kasachstans Hauptstadt zu einem bedeutenden eurasischen Verkehrsknotenpunkt auszubauen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Eines der markanten Merkmale dieses Stadtbahn-Systems ist, im Vergleich zu den Netzen in zentralasiatischen Metropolen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, dass es nicht als U-Bahn, sondern oberirdisch errichtet wurde und das Stadtbild somit maßgeblich verändert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheit der Einwohner:innen Astanas freut sich über die Einführung der LRT. „<em>Sie ist wirklich sehr modern, sauber und sicher. Sie ist wie eine U-Bahn“</em>, sagt Arujan, eine junge Einwohnerin der Stadt. <em>„Viele lokale und internationale Influencer haben bereits Videos von Testfahrten in den sozialen Medien gepostet und dabei oft hervorgehoben, wie modern sie ist!“</em>, fügt sie mit einem Anflug von Stolz in der Stimme hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Denkmal der Korruption”</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast zwanzig Jahre lang stand das Projekt, das in den 2000er Jahren während der Präsidentschaft <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaevs</a> lanciert wurde, im Mittelpunkt zahlreicher Kontroversen. Der Bau wurde immer wieder verschoben, gestoppt und – inmitten von Korruptionsvorwürfen sowie Politik- und Finanzskandalen – erneut aufgenommen. In der öffentlichen Wahrnehmung <a href="https://orda.kz/korrupcija-na-tri-bukvy-lrt-v-astane-dolgostroj-kotoryj-nikogda-ne-okupitsja-397619/">erhielt</a> die Hochbahn mit ihren imposanten, T-förmigen Betonkonstruktionen entlang der Hauptverkehrsstraßen rasch den Beinamen „Denkmal der Korruption“ und wurde zum Symbol für die Verschwendung öffentlicher Gelder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Astana Bank, bei der chinesische Darlehen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar hinterlegt waren, ging 2018 in Konkurs. Dies führte dazu, dass ein Großteil der für das Bauvorhaben vorgesehenen Mittel <a href="https://tengrinews.kz/article/tasmagambetova-kulginova-5-akimov-pytalis-resit-vopros-lrt-1232/">eingefroren</a> wurde und verloren ging. In einer Rede im Jahr 2019 <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-raskritikoval-proekt-lrt-v-stolice-373862/">kritisierte</a> Präsident Toqaev das Projekt und beklagte die exorbitanten Kosten sowie die damit verbundene Verschwendung öffentlicher Gelder.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="804" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1.jpeg" alt="" class="wp-image-44853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1-300x236.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1-768x603.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bild: Eléa Muresan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 wurden mehrere Personen beschuldigt, Gelder im Zusammenhang mit dem Bau der Bahn veruntreut zu haben. Qanat Sultanbekov, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von Astana, und Talgat Ardan, ehemaliger Direktor von Astana LRT, wurden 2023 wegen der Veruntreuung von 79 Millionen US-Dollar zu sieben Jahren Haft <a href="https://timesca.com/astana-launches-first-light-rail-transit-service-after-years-of-delay/">verurteilt</a>. Ardan wurde daraufhin im Jahr 2025 in der Türkei festgenommen, jedoch bislang nicht ausgeliefert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mission: Entlastung der Verkehrslage</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ausbau der Hochbahn soll den städtischen Verkehrsfluss verbessern. Bislang stützte sich der öffentliche Nahverkehr in Astana auf ein weit verzweigtes Busnetz <a href="https://cts.gov.kz/ru/business/razvitie-obshchestvennogo-transporta/">mit 78 Linien</a>, die das gesamte Stadtgebiet abdeckten. Dieses System hatte jedoch mit dem dichten Verkehr auf den langen Ausfallstraßen der Hauptstadt zu kämpfen, was zu erheblichen Staus während der Stoßzeiten führte. Die ehemalige Hauptstadt Almaty – nach wie vor ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum – verfügt hingegen seit rund fünfzehn Jahren über eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Almaty">U-Bahn</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aus-wueste-mach-metropole-wie-sich-astana-in-den-letzten-20-jahren-veraendert-hat/"><strong>Aus Wüste mach Metropole – wie sich Astana in den letzten 20 Jahren verändert hat</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dass die Bahn in der Höhe fährt, ist praktisch, wenn es Stau gibt und man schnell von einem Ort zum anderen gelangen muss“</em>, erklärt Arujan. <em>„Es wäre toll, wenn es mehr Linien gäbe, aber wir haben keine Ahnung, wie lange das dauern wird – in näherer Zukunft wird das sicher nicht passieren.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das rechte Ufer von Astana, das den ältesten Teil der Hauptstadt umfasst, ist noch nicht an die Metro angebunden. Anfang Januar begann die zweite Bauphase, die unter anderem eine Verlängerung bis zur Gemeinde <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Qosshy">Qosşy</a> in den südlichen Vororten Astanas vorsieht. Für die Erweiterung der Metro auf das rechte Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischim_(Fluss)">Esil</a> wurde bislang kein konkreter Termin genannt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléa Muresan für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/a-astana-le-tramway-aerien-inaugure-apres-vingt-ans-de-retard/"><strong>Französischen</strong></a> <strong>von Robin Roth</strong></p>



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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Tschagatai-Khanat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#xDC;ber Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung gepr&#xE4;gt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten pr&#xE4;gen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 17:22:01 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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		<category><![CDATA[Nouruz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erkl&#xE4;rt die Gr&#xFC;nde der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Fr&#xFC;hzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem. Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten &#xFC;ber Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erklärt die Gründe der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Frühzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten über Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. Unser Partnermedium Asia-Plus veröffentlichte ihn erneut, da die hier diskutierten Fragen nach wie vor aktuell sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für uns Tadschiken symbolisiert Nawruz, als Brücke zwischen sozialen Epochen, nicht nur die Überlebung unserer Urahnen über schwere Zeiten hinweg, sondern auch die Aufbewahrung des historischen Lebens unserer Generation in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anerkennung von Nawruz als Nationalfeiertag nach während der politischen Unabhängigkeit unserer sowjetischen Republik war eine zeitgemäße Maßnahme, ein Mittel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg der historischen Entwicklung und Festigung der tadschikischen Nation im modernen Sinne des Wortes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese zukunftsorientierte Entscheidung hatte auch einen wichtigen pädagogischen Zweck: Sie war ein wichtiger Schritt zur Gestaltung und Stärkung der Generationen und der Wurzeln im Kontext der historischen und kulturellen Integrität der iranisch-turanischen Zivilisation, einer der ältesten Zivilisationen der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der reichen Bräuche und Traditionen unserer frühen Vergangenheit hat sich der Horizont des tadschikischen Patriotismus erweitert, und die nationale Einheit der Tadschiken erhielt eine besondere historische und spirituelle Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider gibt es unter den persisch- und turksprachigen Geistlichen heute noch Gelehrte, die Nawruz ausschließlich als Fest des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> sehen und gleichzeitig deren Anhänger als Feueranbeter, also Götzenanbeter, und die Feier von Nawruz als „verbotenen“ Ritus für Muslime betrachten. Es ist schade, dass dieses wissenschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich wichtige Thema bis heute keine angemessene akademische Aufmerksamkeit genießt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gründe und Ziele der Proteste gegen Nawruz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist der Grund und das Ziel der aktuellen Proteste gegen Nawruz? Ich halte die Handlungen dieser islamischen Gelehrter nicht für einen Akt der Opposition gegen den Nationalstaat oder eine Art Selbstdarstellung. Deshalb werde ich keine Namen nennen und nicht ins Detail gehen. In der Tat bin ich überzeugt, dass die kritische Stellung dieser neuen Gegner von Nawruz nicht aus den heiligen Quellen des Islam stammt. Ich kritisiere jedoch nicht die religiösen Überzeugungen der Kritiker und halte sie nicht für dogmatisch oder nachahmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nur mit den Worten des Heiligen Korans: <em>„Warum streitet ihr über etwas, von dem ihr keine Kenntnis habt? Und möge euer Argument in dem, was ihr wisst, richtig sein!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann… wenn wir diese Frage grundsätzlich stellen, stoßen wir unvermeidlich auf eine Quelle der Meinungsverschiedenheit mit dem salafitischen Klerus. Nämlich geht es in diesem Fall um das richtige Verständnis bestimmter Koranverse und prophetischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>. Bei ihrer Auslegung spielt der menschliche Faktor keine Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist denn nun der „menschliche Faktor“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Frage zu beantworten, greife ich auf ein bekanntes Zitat von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamal_ad-Din_al-Afghani">Dschamaluddin Asadabadi</a> zurück. In einem Gedicht, einer Diskussion mit dem französischen Islamwissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan">Ernest Renan</a> gewidmet, meinte er: <em>„Im Wesen des Islams selbst gibt es keine Mängel. Alle existierende Mängel entspringen daraus, dass wir Muslime sind! “</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Satz erkennen wir, dass Asadabadi zwei miteinander verbundene Begriffe unterscheidet: „Islam“ und „Muslim“. Diese Unterscheidung ist methodologisch sehr relevant. Im Wesentlichen verkörpert der Islam die göttliche Offenbarung durch das Koran und die Überlieferungen des Propheten (der Sunna), und dieser Titel ist eine ewige Wahrheit. Das Muslimsein ist das menschliche Verständnis religiöser Prinzipien und Heiligtümer aufgrund der Auslegung und Interpretation von maßgeblichen Quellen des Islam, darunter Analogien und Konsens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/"><strong>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen der Religionsgemeinschaft bleiben an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unverändert. Doch die Auslegung und das Verständnis religiöser Prinzipien können im Laufe der Zeit verbessert, korrigiert oder verändert werden. Wenn das nicht so wäre, hätte sich der Islam nicht in verschiedene Strömungen, Sekten und verfeindete Richtungen gespalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Krisensituation kann man mit den Worten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)">Rumis</a> erklären: <em>„Ich bin in meinem Streben nach dem richtigen Verständnis gestorben!“ </em>In Bezug darauf muss eine wissenschaftliche Diskussion zwangsläufig die Wurzel des Problems untersuchen. Wenn wir die eine oder andere islamische Regelung zum „Haram“ („bid’a“ oder „makruh“) im Bezug auf Nawruz betrachten, wird deutlich, dass es neben rein religiösen Argumenten eine Vielzahl eigennütziger oder opportunistischer Überlegungen gab, die ideologisch, politisch und wirtschaftlich gefärbt waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbote seit über tausend Jahren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir die Zeit des arabischen Kalifats: Im ersten Jahrhundert nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra">Hidschra</a> wurde Nawruz als heidnischer Ritus verboten. Doch später fanden die arabischen Kalifen und ihre Ideologen an zwei Dingen Gefallen: Erstens die Tradition, zu Nawruz Geschenke zu machen und anzunehmen, die an den Höfen der persischen Könige besonders verbreitet war. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Khayyam</a> beschrieb in seiner Abhandlung „Nawrunama“, die er als eine Art Unterweisung für die Nachkommen des Seldschuken-Sultans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Malik_Schah_I.">Malik-Shah</a> verfasste, ausführlich den Brauch, dem König am Tag des Großen Nawruz Geschenke zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstanden die Kalifen sofort: Statt die Bräuche und Traditionen der Nichtmuslime zu verbieten, war es vorteilhafter, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihre Bräuche und Traditionen beizubehalten, im Austausch gegen die Zahlung einer zusätzlichen Steuer (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschizya">Dschizya</a>). Die besondere Bedeutung dieser Religionspolitik lag darin, dass man dadurch, wie ein tadschikisches Sprichwort sagt, sowohl gewinnen als auch nichts verlieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Grund war rein politischer Natur. Der Gelehrte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadriddin_Ainij">Ustod Aini</a> erläuterte ihn am Beispiel des Verhaltens der Manghitumaren-Dynastie, die unter Berücksichtigung der Ratschläge und Empfehlungen der Gelehrten von Buchara regierten: <em>„Unter den Emiren von Buchara hat Emir Musaffar das Nawruz-Fest seiner volkstümlichen Form entzogen und ihm formellen Charakter verliehen. Das tat er nach der Niederlage im Krieg gegen Russland. Nach den Worten ehrlicher alter Männer verlor Emir Musaffar nach der Kriegsniederlage jegliches Ansehen unter dem Volk. Insbesondere, als er die Menschen ausraubte und versuchte, die durch den Krieg leere Staatskasse wieder aufzufüllen, wuchs der Hass des Volkes auf ihn noch mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Deshalb organisierte er überall, wo er sich niederließ, ein Fest (d. h. einen öffentlichen Feiertag) und beschäftigte die Menschen damit, ihn zu beobachten, damit sie die Augen vor seinen unbeliebten Handlungen verschlossen oder keine Zeit hatten, diese zu sehen… Die letzten Emire von Buchara nutzten dieses Fest, um die Menschen lange Zeit mit nutzlosen und schädlichen Dingen zu beschäftigen und so in Frieden für sich selbst zu leben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aussagen des Korans und anderer heiliger islamischer Quellen ging die Gier des Klerus manchmal so weit, dass sie sogar das Wort Allahs missachteten. Die Suren Al´-Baqara und Al´-Imran enthalten einen sehr interessanten Hinweis: Einige der früheren Propheten und ihre Anhänger verdrehten willkürlich die Worte Allahs und stellten ihre Verfälschungen als Gebote und Taten Allahs selbst dar; damit versuchten sie immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Zweifellos taten sie dies absichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits sind die koranischen Zeugnisse eine heilige Bestätigung der universellen Wahrheit: Die Ausleger des Korans und der Sunna stammen nicht aus dem Geschlecht der Engel; da sie Menschen sind, waren und sind sie nicht vor Verständnislücken und Ungenauigkeiten in der Auslegung sicher. Eben das gilt auch für ihr spirituelles Bild, das ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ebendieses menschlichen Faktors ist. (Vergleichen Sie dies mit den Worten und Taten derer, die im Koran als „Heuchler“ dargestellt werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne ist der Muslim gewissermaßen ein Spiegelbild der Reife der spirituellen Kultur seiner Gesellschaft. Angesichts all dieser allgemeinen Argumente und Überlegungen muss man sich fragen: Womit genau steht die Feier des Nawruz im Widerspruch? Mit den Vorschriften des Islam im Allgemeinen? Oder mit der Auslegung und Interpretation einzelner koranischer Vorschriften? Oder vielleicht mit bestimmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a>, die einige muslimische Rechtsgelehrte oder Gelehrte unter bestimmten Umständen oder in Bezug auf eine bestimmte Frage verfasst oder schriftlich geäußert haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein einheitlicher Ansatz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Überlegung ist im Endeffekt, dass es keinen einheitlichen, allumfassenden, grundlegenden islamischen Ansatz zum Nawruz-Fest gibt, den alle Denkschulen, Sekten oder Rechtsschulen (zumindest im Rahmen des geistigen Bereichs der beiden wichtigsten islamischen Denkschulen) als universelle Wahrheit anerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle der heutigen Protesten gegen Nawruz-Feierlichkeiten sind die religiösen Schriften von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB">al´-Ghazali</a>, einer der einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. In der Geschichte der islamischen Wissenschaft ist al´-Ghazali nicht nur als Autor einer Reihe grundlegender Werke: Der Imam verfügte zudem über ein seltenes kritisches Denken, das sich durch Scharfsinn und Einsicht auszeichnete. So suchte Ghazali beispielsweise in seinem berühmten Werk „Tahafut al-Falasifa“ Spuren von Gotteslästerung und Ketzerei in den Gedanken und Taten seiner Vorgänger und Zeitgenossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den prominenten Denkern, die der Imam scharf kritisierte und verurteilte, gehörte auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Ibn Sina</a>: Ghazali verurteilte nicht nur seine Werke, sondern auch seinen Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/avicenna-filmische-biografie-eines-grossen-gelehrten/"><strong>Avicenna – Filmische Biografie eines großen Gelehrten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imame stammten zwar selbst von den Tadschiken aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Khorasan</a> ab; an manchen Orten lehnten sie jedoch systematisch und sogar fanatisch die wichtigsten Teile des kostbaren Erbes ihrer Vorfahren ab, insbesondere jene, die heute als Perlen der tadschikischen und iranischen Kultur gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So forderte Ghazali in seinem Buch „Die Alchemie des Glücks“ von den Muslimen, insbesondere von der persischsprachigen Gemeinschaft, die Namen und Symbole zweier alter tadschikischer und iranischer Feste – Nawruz und Sada – aus dem Gedächtnis zu löschen: <em>„Das Verwenden von Parolen der Verstorbenen ist verboten und widerspricht dem Gesetz … Nawruz und Sada müssen ausgelöscht werden und niemand darf sie erwähnen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten die Imame vom Bereich der Moral direkt in den Bereich der militanten Ideologie. Ihr Hauptziel war es, die Feierlichkeiten der vorislamischen Feste der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAdscham">Adscham</a> aus Sicht des (vermeintlich) rechtschaffenen Islam offiziell zu verbieten.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbar Tursun für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/27/iranskie-vlasti-zayavili-o-mobilizaczii-svyshe-odnogo-milliona-rezervistov/"><strong>Russischen</strong></a><strong> (und gekürzt) von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 20:54:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Doktrin]]></category>
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		<category><![CDATA[Militär]]></category>
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		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
		<category><![CDATA[Verteidigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen &#xFC;berarbeitet Usbekistan derzeit seine Milit&#xE4;rdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der B&#xFC;ndnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner milit&#xE4;rischen Kapazit&#xE4;ten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien. In seiner Rede vom 13. Januar k&#xFC;ndigte der usbekische Pr&#xE4;sident Shavkat Mirziyoyev einen Quantensprung [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen überarbeitet Usbekistan derzeit seine Militärdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der Bündnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner militärischen Kapazitäten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner <a href="https://president.uz/en/lists/view/8851">Rede vom 13. Januar</a> kündigte der usbekische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> einen Quantensprung bei der Modernisierung der Streitkräfte und deren Militärdoktrin an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hob der Staatschef <a href="https://asiaplustj.info/en/news/centralasia/20260114/uzbek-president-orders-review-of-the-countrys-defense-doctrine-amid-changing-nature-of-warfare">mehrere Faktoren</a> hervor: die Zunahme regionaler Konflikte, die Untergrabung des Völkerrechts und die Zunahme hybrider Kriege. Konflikte beschränkten sich heute nicht mehr auf konventionelle Auseinandersetzungen zwischen regulären Armeen, sondern umfassten auch die Bereiche Technologie, Cybersicherheit, Information und Industrie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Technologien haben alte Richtlinien überholt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehreren Jahren modernisiert Usbekistan schrittweise seine Streitkräfte, indem es gezielt Anschaffungen, industrielle Kooperationen und den Kompetenzaufbau seines Sicherheitsapparats aufeinander abstimmt. Angesichts der instabilen Lage in der Region und der sich wandelnden Formen der Kriegsführung, die heute hybride, technologische und informationelle Züge trägt, scheint Taschkent sein strategisches Denken grundlegend anpassen zu wollen, insbesondere durch die zunehmende Integration von Drohnen und digitalen Systemen in sein Militär.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund erscheinen die aus früheren Jahrzehnten übernommenen Richtlinien zunehmend als wenig geeignet für die heutige Realität. Laut <a href="https://en.fergana.agency/news/144651/">Fergana News</a> ist die derzeitige usbekische Militärdoktrin bereits acht Jahre alt, während das nationale Sicherheitskonzept aus dem Jahr 1997 stammt und im November 1999 vom <a href="https://www.files.ethz.ch/isn/92601/99_Nov.pdf">Conflict Studies Research Centre</a> analysiert wurde. Dies steht in starkem Kontrast zu den rasanten technologischen und strategischen Veränderungen der letzten Jahre.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mirziyoyevs Kernthemen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser strategischen Wende bekräftigt Taschkent seine Grundsätze. Die Bündnisfreiheit bleibt ein zentraler Pfeiler der usbekischen Verteidigungspolitik, genauso wie die Weigerung, formellen Militärbündnissen künftig beizutreten. Damit zeigt das Land den Willen, in einem von der Konkurrenz der Großmächte geprägten regionalen Umfeld ein Höchstmaß an strategischer Autonomie zu bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan bleibt weiterhin nicht so verschlossen wie sein südlicher Nachbar Turkmenistan und beteiligte sich an gemeinsamen Manövern mit zentralasiatischen Ländern, insbesondere an der <a href="https://timesca.com/central-asian-countries-and-azerbaijan-begin-military-exercises-in-kazakhstan/">Übung <u>„Birlestik-2024”</u></a> im Kaspischen Meer vom 9. bis 17. Juli 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-mordversuch-an-ex-pressesprecher-usbekistan-strukturiert-regierungsapparat-um/">Nach Mordversuch an Ex-Pressesprecher: Usbekistan strukturiert Regierungsapparat um</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Neuerung liegt vielmehr in den neuen Schwerpunktbereichen: In seiner Rede betont der Präsident die Integration digitaler Technologien in das Militärkommando, die Entwicklung von präzisen Langstreckenwaffen, die Stärkung der Cyberabwehr sowie den Ausbau der Robotik und unbemannter Systeme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Orientierung geht mit einer strategischen Verlagerung hin zu einem präventiveren und proaktiveren Ansatz in der nationalen Sicherheit einher, insbesondere durch die Zentralisierung der Cybersicherheit und des Schutzes der digitalen militärischen Infrastrukturen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fakten als Antrieb für technologischen Wandel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits jetzt zeigt sich die Entwicklung der usbekischen Doktrin in konkreten industriellen und operativen Entscheidungen. Usbekistan hat mit der Entwicklung oder Integration mehrerer moderner Landplattformen begonnen, darunter die gepanzerten Fahrzeuge <a href="https://www.armyrecognition.com/archives/archives-land-defense/land-defense-2024/uzbek-army-starts-testing-new-locally-made-arslon-8x8-apcs-and-tarlon-m-4x4-armored-vehicles">Arslon 6×6 und 8×8, Tarlon-M 4×4</a>, <a href="https://defindustry.uz/catalog/1/19/qalqon/">Qalqon</a>, <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2024/04/26/aksum/">Aksum</a> sowie die motorisierte Artillerie <a href="https://daryo.uz/en/category/uzbekistan/xaxwi81jz6z9">To’fon</a>, die teils aus gezielten Kooperationen mit ausländischen Partnern hervorgegangen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-tod-des-diktators-und-einsetzendes-tauwetter-ueber-das-letzte-jahrzehnt-in-usbekistan/">Der Tod des Diktators und einsetzendes Tauwetter – Über das letzte Jahrzehnt in Usbekistan</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Hinblick auf Drohnen hat Taschkent mehrere wichtige Meilensteine erreicht: Die Tests und die Inbetriebnahme der <a href="https://militarnyi.com/en/news/first-in-central-asia-uzbekistan-orders-flexrotor-drones-from-airbus/">Flexrotor-Drohnen von Airbus</a> im November 2025 sowie die Entwicklung der militärisch-zivilen Drohne <a href="https://eurasianet.org/uzbekistan-poised-to-produce-its-own-military-drones">Lochin</a> für Aufklärung, Brandbekämpfung und Landwirtschaft verdeutlichen diesen schrittweisen Aufstieg. Die wichtigste Ankündigung bleibt jedoch die Schaffung einer Spezialeinheit von Grenzschutzkräften, die speziell mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bayraktar_TB2">Bayraktar TB2-Drohnen</a> vom Typ MALE (Medium Altitude Long Endurance) ausgerüstet ist. Schließlich wurde laut <a href="https://asiaplustj.info/en/node/356942">Asia-Plus</a> die mit gleichnamigen Drohnen ausgerüstete „Lochin”-Einheit neu organisiert, wobei 100 Drohnen durch verbesserte Waffen ersetzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Somit ist Usbekistan der erste zentralasiatische Staat, der Einheiten für den operativen Einsatz mit bewaffneten Drohnen als integralen Bestandteil seines Sicherheitssystems aufbaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasien-als-neuer-knotenpunkt-fuer-drohnen/">Zentralasien als neuer Knotenpunkt für Drohnen?</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überarbeitung der usbekischen Militärdoktrin stellt keineswegs einen abrupten Bruch dar, sondern ist Teil eines seit mehreren Jahren bestehenden strategischen Plans. Durch die vollständige Integration von Drohnen und Cybertechnologie in sein strategisches Denken stärkt Usbekistan seine regionale Position und erhöht seine Glaubwürdigkeit im zentralasiatischen Kräfteverhältnis, wobei es gleichzeitig die Grundprinzipien beibehält, die seine Sicherheitspolitik seit der Unabhängigkeit prägen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/la-doctrine-de-defense-ouzbeke-entre-dans-l-ere-des-drones/">Französischen</a></strong> <strong>von Elisabeth Rudolph</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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