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	<title>Panorama Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Panorama Archives</title>
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		<title>Nader Schah Afschar und Irans Einfluss auf Zentralasien vor 300 Jahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 19:18:48 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fragt man nach dem heutigen Einfluss des Iran auf Zentralasien, fällt die Antwort nüchtern aus: Er ist gering. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Iran und den USA wirkt dabei als zusätzlicher Hemmfaktor. Auch das Erbe der historischen persischen Kultur ist zunehmend in den Hintergrund gerückt und spielt im Alltag der Menschen in Zentralasien kaum noch eine Rolle. Vor rund 300 Jahren stellte sich die Lage jedoch völlig anders dar. Damals stand Zentralasien kurz davor, Teil des Afschariden-Reichs zu werden. Die zentralasiatischen Staatsgebilde von Buchara und Chiwa wären fast gar zur persischen Provinz geworden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage spielt der Iran für die Staaten Zentralasiens keine besondere Rolle mehr. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teheran">Teheran </a>hat erstaunlich wenig Einfluss auf Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan – und das, obwohl die geografische Nähe eigentlich einen größeren Einfluss erwarten lässt. Auch der Handel und die Diplomatie mit dem Iran erhalten wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen ist der Iran ein Durchgangshub für die chinesische Handelspolitik. So war es aber nicht immer. Blickt man etwa 300 Jahre zurück, ins Jahr 1740, so hätte der persische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nader_Schah">Nader Schah Afschar</a> mit seiner 100 000-köpfigen Armee beinahe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmien</a> – heutzutage wichtige Regionen Usbekistans – zu seinen Vasallenstaaten gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nader Schah Afschar aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Afschariden">Afschariden</a>-Dynastie, der sich vom mittellosen Hirten zum Eroberer Indiens und Bezwinger der Osmanen hochgearbeitet hatte, führte das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich">Perserreich</a> zu seiner früheren Größe aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safawiden">Safawiden</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> zurück. Nicht nur wegen seines plötzlichen Todes, gelang es dem Schah nicht, in Zentralasien Fuß zu fassen. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete erwies sich als so schwer zu beherrschen, dass der persische Herrscher weder die Zeit noch die Ressourcen hatte, sie in sein Reich zu integrieren. Dieser Feldzug [von 1740] war der letzte glanzvolle Höhepunkt der iranischen Macht in der Region. Mit der Ermordung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schah">Schahs</a> versank Persien in eine Ära des Chaos und verschaffte den zentralasiatischen Staaten Zeit für das Entstehen von neuen Herrscherdynastien.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Reich das von Krieg lebte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende der 1730er Jahre vollendete Nader Schah Afschar die politische Vereinigung des Iran, indem er Gebiete mit überwiegend persischer Bevölkerung zurückeroberte, die in den 1720er Jahren im Zuge der afghanischen und osmanischen Invasionen verloren gegangen waren. Wichtige Provinzen kamen wieder unter einheitliche Kontrolle, doch die Wiederherstellung der Zentralgewalt war mit hohen Kosten verbunden. Ein Jahrzehnt der Besetzung durch afghanische und türkische Truppen hatte das Land verwüstet: Städte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfahan">Isfahan</a>, das seinen Status als Hauptstadt verloren hatte, standen halb leer, und die ländlichen Gebiete waren teils entvölkert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-tschagataiden-brueder-die-die-steppe-zaehmen-wollten/"><strong>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wirtschaftliche Niedergang, der bereits unter den Safawiden eingesetzt hatte, entwickelte sich zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die landwirtschaftliche Produktion in den persischen Schlüsselregionen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fars">Fars</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a>, halbierte sich oder ging sogar noch stärker zurück: Es mangelte an Arbeitskraft für die Bewässerungssysteme und Kanäle, Bauern flohen vor den plündernden Truppen in die Berge. Das Handwerk in den persischen Handelszentren kam praktisch zum Erliegen. Der Karawanenhandel wiederum ging um etwa zwei Drittel zurück und der Seidenexport ins Osmanische Reich und nach Russland halbierte sich. […] Dies wirkte sich auf die Steuereinnahmen aus, die zunehmend sanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Umständen wurde die Armee des Schah mit einer Gesamtstärke von über 150.000 Mann im Grunde genommen zum einzigen Stabilitätsfaktor des Staates, der die Loyalität des Feudaladels garantierte. Der Unterhalt einer derart zahlreichen Streitmacht stellte jedoch eine schwere Belastung für die Staatskasse dar, zumal die persische Armee zu ihrer Zeit zu den fortschrittlichsten in Asien zählte. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/fotoreise-durch-turkestan-ethnographischen-fotografien-des-19-und-20-jahrhunderts/"><strong>Fotoreise durch Turkestan: Ethnographische Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Truppen regelmäßig Sold zu zahlen, erforderte allerdings ständige Einnahmen in die Staatskasse. Dies konnte die ruinierte Wirtschaft des persischen Reiches kaum gewährleisten Das Reich suchte deshalb nach neuen Einnahmequellen und hoffte auf erfolgreiche Gebietseroberungen: Tatsächlich brachte der Feldzug nach Indien im Frühjahr 1739 kolossale Kriegsbeute ein. […] Die wichtigsten Schätze des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich">Mogulreichs</a> wurden erbeutet, darunter wertvolle Edelsteine und Diamanten, Elefanten mit goldenem Geschirr, Tonnen von Elfenbein und indischen Stoffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hälfte der Beute floss in die Armee und die Flotte, unter anderem für den Kauf von Kanonen und Schießpulver bei den Niederländern. Der Rest diente der Befestigung von Chorasan als Brückenkopf für den Vorstoß nach Zentralasien. Denn, wie der Hofhistoriker Nadir Muhammad Kazim damals schrieb: <em>„Unter dem Einfluss seines unstillbaren Eroberungsdrangs hatte der siegreiche Herrscher bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass er nach der Eroberung Indiens die Eroberung</em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Eroberung_Turkestans"><em> </em><em>Turkestans</em></a><em> in Angriff nehmen würde.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chaos jenseits des Amudarja</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Iran wurde die politische Macht zunehmend konsolidiert. Demgegenüber herrschten in Zentralasien Kämpfe und Macht und Ressourcen verschiedener Stammesverbände und Feudalherren vor. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Chiwa</a> befanden sich kasachische Nomadenstämme (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCz">Jüz</a>), die nach dem Tod von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tauke_Khan">Tauke-Khan</a> in eine Phase innerer Unruhen geraten waren. Die Destabilisierung, begleitet von ständigen Überfällen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarisches_Khanat">Dschungaren</a>, verwandelte die unter den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden </a>blühende Region in ein Schlachtfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Buchara stand <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> aus der Dynastie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden </a>(auch: Astrachaniden), der seit 1711 formal regierte, unter der Kontrolle von Regenten, die weder den äußeren noch den inneren Herausforderungen gewachsen waren. In den 1720er Jahren fielen Kasachen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakstan">Karakalpaken</a> und Kirgisen über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a> (auch: Mawara’annahr) her, die ihrerseits von den Dschungaren aus dem Osten bedrängt wurden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage eines Zeitgenossen geschah nach ihrem Einfall Folgendes: <em>„Die einst so wunderschöne Region Buchara war so verarmt, dass sie auch später, als diese Katastrophe vorbei war und viele Jahre in Frieden vergangen waren, nie wieder so blühend wurde wie früher.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khan"> Khan</a> [Abulfeiz] hatte die Kontrolle über die Randgebiete verloren. Das Sagen hatten die eingewanderten Stämme und lokale Dynastien. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangiten</a> und Kungraten bemühten sich fast jedes Jahr darum, die Kontrolle über die Zentralregierung zu erlangen. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> wurde von den<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oiraten"> Oiraten </a>erobert. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch">Balkh</a> spalteten sich ab, und in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qo%CA%BBqon">Kokand</a> hatte der dortige herrschende Stamm bereits einen eigenen Staat gegründet. Die Wirtschaft des Khanats brach zusammen – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serafschan">Serafschan-Tal</a> litt unter ständigen Dürren, die Bewässerungsarbeiten wurden aufgegeben, und der Seidenhandel mit Russland ging aufgrund der Expansion der Dschungaren um die Hälfte zurück. Die bucharische Armee jener Zeit bestand aus verstreuten Truppen nomadischer Stämme und taugte allenfalls für Überfälle auf die Nachbarn, aber keineswegs für einen richtigen Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution/"><strong>Der Fall von Buchara und das Schicksal der Tadschik:innen: War es eine Revolution?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der traurigen Lage im Khanat zeugen insbesondere die Aufzeichnungen des im russischen Dienst stehenden Italieners Florio Beneveni, der sich von 1721 bis 1723 im Auftrag des russischen Zaren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_der_Gro%C3%9Fe">Peter I.</a> in Transoxanien aufhielt. Der Reisende berichtet: <em>„Die Stadt [Buchara] war so sehr an Proviant und anderen Vorräten verarmt, dass das einfache Volk gezwungen war, seine Kinder zu verkaufen, um sich davon zu ernähren, während andere vor Hunger starben. Der Khan [Abulfeiz] selbst verlor mehr als die Hälfte seiner Kamele, Pferde und sonstigen Viehbestände und litt unter einem solchen Mangel an Proviant, da er sich scheute, Boten in seine Dörfer zu schicken, damit die restlichen Kamele nicht in die Hände der Usbeken fielen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Khanat von Chiwa unter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilbars">Ilbars II.</a> (regierte dort seit 1728) befand sich dank seiner günstigen Lage in einer etwas besseren Position. Die Einfälle der Dschungaren erreichten sie zwar nicht vollständig, doch waren die lokalen Gemeinschaften aufgrund ständiger Überfälle der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenen">Turkmenen</a> und Kämpfe zwischen Stämmen ebenfalls vollständig zersplittert. Die Kanäle der Chiwa-Oase verfielen, einzelne Gebiete fielen gänzlich aus dem Einflussbereich der Zentralmacht heraus. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Buchara verfügte Chiwa jedoch trotz innerer Probleme über eine kampfstarke Armee. Sowohl Ilbars II. als auch sein Vorgänger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shir_Ghazi_Khan">Shir Ghazi Khan</a> [Khan des Khanats Chiwa – Anm. der Red. von Novastan] plünderten regelmäßig sowohl die Gebiete Bucharas als auch die Randgebiete des persischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde genommen dienten diese Überfälle als formeller Vorwand für den Einmarsch Nader Schah Afschars in Zentralasien. Eine <a href="https://archive.org/details/dli.ernet.1439/page/177/mode/2up">britische Quelle</a> aus dem Jahr 1938 begründete den Feldzug der Perser gegen Buchara und Chiwa wie folgt: Die Perser wussten das Fehlen politischer Einheit in der Region für ihren Vorteil zu nutzen. Nader Schah Afschar wollte seine Macht auf die lokalen Khanate auszudehnen und die nördlichen Grenzen von Khorasan, die ständig von usbekischen und turkmenischen Stämmen verwüstet wurden, absichern. Gerichtet war das Unterfangen aber auch gegen die mögliche Ausdehnung des Russischen Zarenreiches, insbesondere in Chiwa.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Zentralasien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem also die Truppen von Ilbars II. in den Jahren 1734–1735 einen weiteren Überfall auf Choresmien unternommen hatten, nutzte Nader Schah Afschar die Feindseligkeiten zwischen den Turkmenen, die das Rückgrat der Armee von Chiwa bildeten, und ihren Nachbarn – den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurden">Kurden</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kadscharen">Kadscharen</a> – aus, um die persische Grenzstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> zu unterwerfen und sie anschließend zu einem strategischen Hauptstützpunkt für Operationen im Norden und Osten auszubauen. Um seine Position in der Region zu festigen und deren Wirtschaft wiederzubeleben, ordnete der Schah an, alle, die sich ihm angeschlossen und unterworfen hatten, anschließend in ihre Heimat zurückzuschicken. [Dort sollten sie eine neue, ihm treue Ordnung erschaffen – Anm. der Red. von Novastan]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Hofhistoriker Muhammad Kazim zitiert folgende Worte Nadirs, die er an seine Soldaten gerichtet haben soll: <em>„An meiner Seite habt ihr euer Leben geopfert, eure Pflicht standhaft und aufrichtig erfüllt und eine wunderbare Treue bewiesen – jenseits aller Maßstäbe. In Anerkennung eurer Verdienste und eurer Freundschaft gegenüber unserer Dynastie schenke ich auch euch meine Gunst. Um euch vor weiteren Unglücksfällen in diesen unbekannten Ländern zu bewahren, schicke ich euch in eure geliebte Heimat, damit ihr dort, sobald ihr angekommen seid, als Erstes für die nötige Ordnung sorgt und euch um das Wohlergehen dieses Landes kümmert.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Feldzug gegen Indien</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp zwei Jahre später, im Jahr 1737, brach Nader Schah Afschar zum weiteren Feldzug an die Grenzen Indiens auf. Währenddessen erhielt er von seinem Sohn und Thronfolger Reza Kuli Mirza, der Statthalter in Chorasan geworden war, die Nachricht, dass in Chiwa eine neue Elite das Ruder ergriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des persischen Historikers <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> aus dem 18. Jahrhundert: <em>„Ilbars-chan, der Herrscher von Choresmien, hielt, nachdem er von dem Feldzug Seiner Majestät nach Indien erfahren hatte, das Schlachtfeld für geräumt und stellte eine große Streitmacht aus Usbeken und choresmischen Turkmenen auf.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reza Kuli Mirza wiederum sorgte unterdessen auf Befehl seines Vaters für Ordnung in der benachbarten Region<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balch_(Provinz)"> Balkh</a>. Mit seiner Überwachung wurde Nadirs alter Mitstreiter, der Feldherr <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tahmasp_Khan_Jalayer">Tahmasp Khan Jalayer</a>, betraut. Nachdem sie den Auftrag des Schahs erfüllt hatten, überquerten Reza Kuli Mirza und sein Mentor den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, zerschlugen die schwachen Posten von Buchara und zogen weiter nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>. Dort regierte ein Oberhaupt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mangit">Mangyten</a> namens Ataliq Hakim-bi, einer der einflussreichsten Würdenträger des Khanats, der von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abu_al-Fayz_Khan">Abulfeiz-Khan</a> nach einem weiteren Streit zwischen den Stämmen aus Buchara verbannt worden war. Nachdem sie die strategische Initiative ergriffen hatten, besiegten die persischen Truppen die Armee von Ataliq Hakim-bi bei Qarshi und belagerten anschließend die Festung selbst. […]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan von Buchara, Abulfeiz-Khan, eilte den Belagerten mit einem großen Heer zu Hilfe. Doch die Perser schlugen ihn in der entscheidenden Schlacht. Bezeichnenderweise bat der Khan auf seinem Weg nach Qarshi Ilbars II. um militärische Unterstützung. Die Armee von Chiwa traf allerdings zu spät ein. Die Bucharier flohen bereits vom Schlachtfeld. Als Ilbars davon erfuhr, beschloss er, das nun schutzlos gewordene Buchara einzunehmen, verzichtete jedoch schließlich aufgrund der Nähe der Perser auf diesen Plan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Erfolge von Reza Kuli-Mirza wurde der weitere Feldzug am rechten Ufer des Flusses Amudarja auf Befehl von Nader Schah Afschar gestoppt. Der Schah, der sich auf einen groß angelegten Einmarsch in Indien vorbereitete, war besorgt über den langwierigen Konflikt in Transoxanien und eine mögliche Niederlage seines Thronfolgers Reza Kuli Mirza.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historiker nennen verschiedene Gründe für seine Entscheidung, den Feldzug [ins heutige Zentralasien] abzubrechen: die hohen Verluste der Perser in den bisherigen Kämpfen und die Herausforderung, Kriege an zwei Fronten zu führen. Der Schah entschied sich, vorübergehend Neutralität gegenüber Buchara zu wahren. Die Truppen von Reza Kuli Mirza hoben die Belagerung von Qarshi auf und zogen sich zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schachmatt für Buchara</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1740, nachdem er die Staatskasse mit Beute aus Indien gefüllt hatte, führte Nader Schah Afschar eine 100.000 Mann starke Armee zum Amudarja. […] Abulfeiz-Khan, der erkannte, dass er der Armee Nader Schah Afschars nichts entgegenzusetzen hatte, beauftragte den Anführer der Mangyten, Hakim-bi, mit den Persern zu verhandeln. Wie im Buch des bucharischen Historikers Muhammad Wafa-i Kerminegi vermerkt wird, sah der Fürst, der seit langem mit dem Khan verfeindet war und dessen Rache fürchtete, in Nader Schah Afschars Einfall eine Chance, das Kräfteverhältnis in Buchara grundlegend zu verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten des Historikers Mirza Muhammad Abdalazim Sami Bustani aus dem späteren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emirat_Buchara">Emirat Bukhara</a> aus dem 19. Jahrhundert: <em>„Atalyq Hakim-bi, der die ungebührlichen Handlungen des Khans satt hatte und von dessen unwürdigem Verhalten bedrückt war, suchte aus Angst vor der Hinrichtung ständig nach einer günstigen Gelegenheit. Die Ankunft von Nader Schah Afschars empfand er als Gnade des Himmels, schrieb dem Schah sogleich einen freundlichen und herzlichen Brief und bekundete seine Bereitschaft, ihm zu gehorchen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Brief sandte der Anführer der Mangyten seinen Sohn mit kostbaren Geschenken und einer Einladung nach Buchara zu Nader Schah Afschar. Dieser nahm den Gast wohlwollend auf und verschaffte ihm einen Platz in seinem Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/der-letzte-kasachische-khan-leben-und-tod-von-kenesary-qasymuly/"><strong>Der letzte kasachische Khan: Leben und Tod von Kenesary Qasymūly</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst Anfang September überquerte der Schah mit seinen Hauptstreitkräften bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> (dem heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Turkmenabad</a>) den Amudarja. Der verängstigte Abulfeiz-Khan entsandte Ataliq Hakim-Bi persönlich zum Schah. Bei einer Audienz bei Nader Schah Afschar schilderte er diesem offen die innere Krise des Khanats und bekundete seine persönliche Treue, wofür er vom Schah weitreichende Befugnisse als dessen Vertreter in Buchara erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt weigerte sich Ataliq Hakim-bi jedoch, den Khan zu treffen, und verschanzte sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir-Arab-Madrasa">Mir-Arab-Madrasa</a>. Über seine Anhänger begann er, Verwaltungsfunktionen an sich zu reißen und das Volk auf seine Seite zu ziehen. Dies steigerte seine Popularität sprunghaft, wurde am Hof jedoch als Auflehnung gewertet. Das Umfeld des Khans entwickelte einen Plan, den Ataliq Hakim-bi unter dem Deckmantel von Verhandlungen zu entführen und hinzurichten, doch dieser Plan scheiterte, und Abulfeiz-Khan war gezwungen, sich selbst zu Nader Schah Afschar zu begeben, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi">Mirza Mehdi Khan Astarabadi</a> schreibt: <em>„Zusammen mit Ataliq Hakim-bi, den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hodscha"><em>Hodschas</em></a><em> [den Adeligen – Anm. der Red. von Novastan] sowie den Stammesführern, den Feldherren, den Würdenträgern und dem gesamten Volk trat er ‚durch die Tür der Unterwerfung‘ ein, in der Hoffnung auf die Gnade des Schahs.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-veroeffentlicht-bilder-von-der-oeffnung-des-grabes-von-amir-temur/"><strong>Usbekistan veröffentlicht Bilder von der Öffnung des Grabes von Amir Temur</strong></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abulfeyi-Khan überreichte dem Schah wertvolle Geschenke, zu denen laut dem iranischen Historiker Ahmad Panoh Simnoni „vier Spiegel von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Timur</a>“ und „das Gold von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a>“ gehörten. In Folge des Treffens wurde Nader Schah Afschar als Oberherr des Khanats von Buchara ernannt, Abulfeiz-Khan wurde als nomineller Vasallenherrscher beibehalten, die tatsächliche Macht wurde jedoch an Ataliq Hakim-bi übertragen. […] Die Khan-Besitzungen am linken Ufer des Amudarja fielen an die Perser. Somit führte der Feldzug zur Errichtung eines Protektorats unter iranischer Hand und zum faktischen Ende der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschaniden">Dschaniden-Dynastie</a>, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Buchara regiert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> marschierte Nader Schah Afschars Heer kampflos ein. Aus der verblassten Hauptstadt des einstigen Reiches von Amir Timur, dem der Schah großen Respekt entgegenbrachte, verschleppten die Perser zahlreiche Artefakte aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuriden</a>, darunter die verzierten Türen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bibichonim-Moschee">Bibichonim-Moschee</a>, Gold, Silber und Edelsteine sowie den Großteil der in der Stadt verbliebenen Architekten, Künstler und Gelehrten. Samarkand wurde endgültig zum Schatten seiner früheren Pracht. Der Legende nach hatte Nader Schah Afschar vor, das Grabmal Amir Timurs, das aus schwarzem Nephrit gemacht war, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maschhad">Maschhad</a> zu bringen, um damit sein zukünftiges Grabmal zu schmücken. Doch unheilvolle Vorzeichen ließen ihn es sich anders überlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chiwa zeigt die Zähne</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während seines Aufenthalts in Buchara sandte Nader Schah Afschar seine Gesandten zu Ilbars II., damit dieser sich ihm als Vasall unterwerfe, und forderte zugleich die Auslieferung der turkmenischen Anführer, die Überfälle auf persische Gebiete verübten. Der Khan von Chiwa wies jedoch alle Forderungen des Schahs zurück und ließ dessen Gesandte hinrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu seinem Konrahenten aus Buchara bereitete sich Ilbars ernsthaft auf den Krieg vor und mobilisierte alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die erste große Schlacht gegen die Perser fand im Oktober 1740 in der Gegend von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkmenabat">Tschardschou</a> statt. Der Schah führte persönlich ein Regiment ausgewählter Kavallerie an, das die Reihen des Gegners durchbrach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Worten von Mirza Mehdi Khan Astarabadi: <em>„In einem gnadenlosen Angriff wurden sie [die Choresmier] besiegt und ergriffen die Flucht. Die Armee des Schahs nahm die Verfolgung auf. Bei vielen von ihnen ‚entbrannten die Reisigzweige und Dornen des irdischen Daseins durch die Hitze des funkelnden Schwertes‘, viele wurden von der Schlinge des Feindes umschlungen. Sowohl geköpfte Leichen als auch lebende Gefangene lagen in großer Zahl zu Füßen seiner Majestät.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Schlacht fand bei <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pitnak">Pitnak</a> an der südlichen Grenze der Oase Choresmiens statt. Der Khan von Chiwa stellte ein 60.000 Mann starkes Heer auf, das sich aus turkmenischen (Jomuden) und usbekischen Truppen zusammensetzte. Unter dem Ansturm des zahlenmäßig überlegenen Gegners ordnete Ilbars seine Kampfformationen wiederholt neu und startete Gegenangriffe, erlitt jedoch jedes Mal eine Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich zog sich der Khan zurück […]. Von den Persern belagert, wehrte er eine Zeit lang alle Angriffe des Feindes ab, musste sich aber schließlich ergeben. Nadir ordnete an, sowohl Ilbars selbst als auch zwei Dutzend seiner Vertrauten hinzurichten. Einigen Quellen zufolge wurden ihnen die Köpfe abgeschlagen, anderen zufolge befahl der Schah, der die Rache an seinen Gesandten noch nicht vergessen hatte, die Gefangenen lebendig zu begraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zwischen-aralsee-und-kaspischem-meer-geschichte-und-archaeologie-turkmenistans/"><strong>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Archäologie Turkmenistans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend zog Nader Schah Afschar feierlich in Chiwa ein und befreite 30.000 iranische und einige russische Sklaven aus der Knechtschaft […]. Plünderungen und Raubzüge unter seinen Kriegern unterband der Schah streng und bemühte sich im Allgemeinen auf jede erdenkliche Weise, die lokalen Völker für sich zu gewinnen […].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Aussage von Muhammad Kazim: <em>„Nader Schah Afschar zeigte seine königliche Fürsorge für die Gefangenen, verlieh ihnen Belohnungen, umschmeichelte und begünstigte sie, stärkte sie durch seine königliche Gunst und entließ sie gnädig, damit sie zu ihren Nomadenlagern zurückkehren und unter den Jomuden Ruhe stiften könnten, indem er ihnen Hoffnung durch den Hinweis auf die Gnade und Gunst des Schahs gab.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Statthalter in Chiwa ernannte der Schah einen Verwandten von Abulfeiz-Khan namens Tahir-Khan. Dem Khanat wurden Tributzahlungen sowie die Verpflichtung auferlegt, Hilfstruppen für die Armee des Schahs zu stellen. Nachdem er eine persische Garnison in der Stadt zurückgelassen hatte, kehrte der Schah nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a> zurück. Doch schon bald erhob der Adel von Chiwa einen Aufstand, Tahir-Khan wurde getötet und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nuraly_Khan">Nuraly-Khan</a>, der Sohn des kasachischen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abul_Khair_Khan">Abul Khair-Khan</a>, wurde auf den Thron gesetzt. Er regierte nur wenige Monate, bis die von Nader Schah Afschar entsandte Armee in Chiwa die Ordnung wiederherstellte und eine weitere Marionette der Perser zum Khan ernannte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Ende der Ära Nader Schah Afschars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Feldzug von 1740, der unmittelbar auf die Eroberung Indiens folgte, markierte den Höhepunkt der iranischen Expansion und einen historischen Wendepunkt: Nie zuvor und nie danach dehnten persische Dynastien ihre Grenzen so weit nach Osten aus. Dennoch gelang es dem Schah nicht, die Grundlagen für die Verwaltung der eroberten Gebiete zu schaffen und die Khanate vollständig in sein Reich zu integrieren. Die weiteren Kriege des Schahs, die fast bis zu seinem Tod im Jahr 1747 geführt wurden, endeten bestenfalls ergebnislos und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von administrativen und wirtschaftlichen Reformen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Seine Versuche, Schiiten und Sunniten zu versöhnen, blieben erfolglos. Unmittelbar nachdem der Nader Schah Afschar von Aufständischen umgebracht worden war, brach sein Reich zusammen, und der einzige seiner Söhne, der das Werk seines Vaters wahrscheinlich erfolgreich hätte fortsetzen können war bereits 1741 auf Befehl Nader Schah Afschars von der Thronfolge ausgeschlossen worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev/"><strong>Zentralasien durch die Linse von…Behzod Boltayev</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ataliq Hakim-bi, der die Herrschaft über Buchara innehatte, verstarb im Jahr 1743. Sein Sohn, der seine Ausbildung bei Nadir Schah Afschar absolviert hatte, vollendete das Werk seines Vaters und gründete die neue Herrscherdynastie der Mangyten. Ähnlich verhielt es sich in Chiwa: Kurz nach dem Tod des Schahs wurden seine Statthalter gestürzt und getötet, und eine lokale Dynastie, die Kungrat, kam an die Macht und festigte die Unabhängigkeit des Khanats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kurzzeitige iranische Herrschaft hat mit Blick in die Geschichte auf paradoxe Weise das politische Feld geräumt. Der Adel in Zentralasien konnte dank dem Niedergang Nader Schah Afschars lokal neue Herrscherdynastien begründen und relativ stabile Staaten schaffen, die bis 1920 an der Macht blieben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Pjotr Bologow für Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/145069/">Russischen</a> (gekürzt) von Berenika Zeller</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Gefangen im ewigen Revolutionszyklus? Erinnerungen an Kirgistan im April 2010</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 18:50:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Aprilrevolution]]></category>
		<category><![CDATA[Kurmanbek Bakijew]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Rosa Otunbajewa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 7. April 2010 fand in Bischkek die zweite von drei Revolutionen in der j&#xFC;ngeren Geschichte Kirgistans statt. Die Massenproteste entz&#xFC;ndeten sich an der hohen Korruption, der Konzentration von Macht in den H&#xE4;nden der Familie des Pr&#xE4;sidenten Kurmanbek Bakijew und dem niedrigen Lebensstandard. Azattyq Asia hat nun Teilnehmer und Beobachter der Aprilproteste gefragt, was sie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 7. April 2010 fand in Bischkek die zweite von drei Revolutionen in der jüngeren Geschichte Kirgistans statt. Die Massenproteste entzündeten sich an der hohen Korruption, der Konzentration von Macht in den Händen der Familie des Präsidenten Kurmanbek Bakijew und dem niedrigen Lebensstandard. Azattyq Asia hat nun Teilnehmer und Beobachter der Aprilproteste gefragt, was sie über das Blutvergießen und die Revolutionen denken, die das Land jüngst so oft durchlebt hat.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Volk hatte sich der Zorn auf das Regime von Bakijew aufgestaut. Wir wollten das Weiße Haus umzingeln und rufen „Nieder mit Bakijew“</em>, erinnert sich 16 Jahre später der Journalist Turat Akimow an die Proteste, an denen er damals selbst teilgenommen hatte. Das Weiße Haus, in den 1980er-Jahren als Parteizentrale der Kommunistischen Partei errichtet, ist das wichtigste Regierungsgebäude Kirgistans und beherbergte 2010 unter anderem das Büro des Präsidenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Proteste, die am 7. April 2010 das Zentrum von Bischkek erfasst hatte, mündeten im Sturm auf das Regierungsgebäude. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf die Menschenmenge und gaben tödliche Schüsse ab. Der Granit des Hauptplatzes der Hauptstadt färbte sich in knallroter Farbe. Nach offiziellen Angaben starben an diesem Tag 84 Menschen und mehr als eineinhalbtausend wurden verletzt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dabei war der damalige Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanbek_Bakijew">Kurmanbek Bakijew</a> selbst infolge einer anderen Revolution, der Tulpenrevolution 2005, an die Macht gekommen und hatte versprochen, die Fehler des ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Askar_Akajew">Askar Akajew</a> nicht zu wiederholen. Dieser war fünf Jahre zuvor wegen Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch gestützt worden. Doch in den fünf Jahren unter Kurmanbek Bakijew entwickelte sich ein System von Familien- und Klanstrukturen und der Ermordung Andersdenkender. Korruption wurde omnipräsent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Auslöser der Proteste wurde dann schließlich die Erhöhung der kommunalen Abgaben. Hinzu kam die Festnahme von Oppositionspolitiker:innen, welche gefordert hatten, die Preiserhöhung auf Strom und das Heizen zurückzunehmen, die politischen Verfolgungen einzustellen und die staatliche Agentur für Investitionen abzuschaffen, an deren Spitze Maksim Bakijew, der Sohn des Präsidenten, stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews/">Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Präsidentschaft Kurmanbek Bakijews</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Alles hatte sich aufgestaut… Unter Bakijew kam es zu vielen Auftragsmorden: Die Leute wurden einfach umgebracht, manche verbrannte man, manche wurden aus hohen Gebäuden gestoßen. Es gab noch einige andere Anlässe, etwa die Einführung einer Mobilfunkgebühr von 0,6 Som und so weiter“</em>, erzählt der Journalist Akimow.&nbsp; <em>„Das Wichtigste für uns war, dass die politischen Gefangenen freigelassen wurden: </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96m%C3%BCrbek_Tekebajew"><em>[Ömürbek] Tekebajew</em></a><em>, </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Temir_Sarijew"><em>[Temir] Sarijew</em></a><em> und andere, die am Tag zuvor festgenommen worden waren.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Hoffnung und Neuanfang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Turat Akimow erinnert sich, dass die Leute, die sich mit ihm bei den Protesten befanden, damals glaubten, dass ihr Handeln zu greifbaren Ergebnissen für die Gesellschaft führen würde. <em>„Wir waren naiv und glaubten, dass wenn diese Leute wieder freikommen und Bakijew gehen würde, ein wirklicher Durchbruch für Reform stattfinden würde“</em>, berichtet der Teilnehmer und Augenzeuge der Proteste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-auf-dem-weg-zur-rehabilitation-der-ex-praesidenten/">Kirgistan: Auf dem Weg zur Rehabilitation der Ex-Präsidenten?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende wurde Bakijew gestürzt. Er flüchtete in sein Heimatdorf im Süden des Landes, von wo aus wiederum er über Kasachstan nach Belarus ausreiste. Dort lebt er bis heute mit seiner Familie. In Kirgistan dagegen verurteilte man ihn in einer Reihen von Anklagepunkten zu lebenslanger Haft, darunter auch wegen der tödlichen Schüsse auf die Demonstrant:innen. Später aber verringerte man die Strafe auf 30 Jahre auf Bewährung. Dabei schob man die Regelung vor, dass über 60-Jährige nicht mehr die Höchststrafe erhalten könnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum kam es zur Revolution 2010?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die treibende Kraft hinter den Protesten von 2010 war eine Gruppe oppositioneller Eliten, welche in diesem Moment ihre eigene Aktion planten“</em>, analysiert der Politologe Medet Tjulegenow. <em>„Ich glaube, dass die Festnahme dieser Führungsfiguren zum Trigger wurde: die Mobilisierung ihrer Anhänger ging über in die Mobilisierung für die Proteste. Ich würde nicht sagen, dass die Bevölkerung in Massen, zu Zehntausenden, auf die Straßen geströmt ist. Vielmehr reichten jene Gruppen, die die Anhänger der inhaftierten Oppositionsanhänger mobilisieren konnten, damit Bakijew floh.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die vorherrschende Proteststimmung führte dazu, dass das herrschende Regime von so gut wie niemandem mehr unterstützt wurde. Es gelang der Regierung nicht, die eigenen Kräfte zu ihrem Schutz zu mobilisieren. Am Ende zeigte sich, dass das Regime nicht viele loyale Anhänger besaß. Oft stürzt ein Regime nicht, weil die Opposition zu stark ist, sondern weil es zu wenige gibt, die sich für seine Verteidigung einsetzen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe Emil Dschurajew spricht dagegen über die zivilgesellschaftlichen Gründe des Protests. Seiner Meinung nach kochte die aufgestaute Energie über, die man durch Verbote von Protesten und der Festnahme der Oppositionsführer:innen zu bremsen versucht hatte. Sie entlud sich in den tragischen Ereignissen: <em>„Am Ende bildete die politische Situation die Grundlage für all das.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Bis 2010 erreichten der Autoritarismus und die antidemokratische Politik unter Bakijew ihr größtes Ausmaß, sodass die Mobilisierung des Volkes in einem solchen Maßstab oder einem solchen Sinn wie es im April 2010 geschah, äußerst schwierig und praktisch unmöglich geworden war. Aber genau deshalb organisierten sich die Menschen und gingen auf die Straße, so unerwartet für die Regierung, gerade deshalb, weil es ihnen verboten war. Das war ein unmittelbarer Protest gegen das Regime, gerade dagegen, dass dieses begann, die noch verbliebenen Wege, Unzufriedenheit und Kritik zu äußern, unter Druck zu setzen und zu verbieten. Es war also gerade das so ungerechte und die bürgerlichen Freiheiten unterdrückende autoritäre Regime, das, neben den konkreteren wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen, für viele im Volk den Anstoß zu den Massenprotesten gab“, </em>so Dschurajew.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom Präsidialsystem zum parlamentarischen System und zurück</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Übergangsregierung, die Bakijew ablöste, stand schwierigen Herausforderungen gegenüber, darunter blutigen ethnischen Konflikten im Süden des Landes. Im Juni 2010 kam es dann zu einem Verfassungsreferendum, durch das Kirgistan eine parlamentarische Republik wurde. Die Führung des Landes übernahm erstmals eine Präsidentin, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Otunbajewa">Rosa Otunbajewa</a>. Im Oktober kam es schließlich zu Parlamentswahlen und nach schwierigen Verhandlungen wurde eine Regierung gebildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sah das neue System als den Versuch an, die Machtkonzentration zu senken, der Wiederholung autoritärer Szenarien vorzubeugen und Stabilität zu schaffen. Jahre später jedoch heben Experten hervor, dass die Schlüsselprobleme weiterhin bestanden und bestehen. Die Protesten 2020 zeigten, dass das politische System nach wie vor anfällig für Krisen und plötzlichen Protesten blieb. Damals trat im Verlauf von Kundgebungen nach der Wahl Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sooronbai_Dscheenbekow">Sooronbaj Dscheenbekow</a> zurück und der aus dem Gefängnis befreite <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, der als politischer Gefangener galt, kam an die Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verfassungsreferendum 2021 markierte dann die Rückkehr zum Präsidialsystem. Der Präsident erhielt umfangreiche Vollmachten, darunter das Recht, die Zusammensetzung der Regierung und die Leiter der Regionen zu bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-waehlt-sadyr-dschaparow-und-entscheidet-sich-fuer-eine-praesidialregierung/">Kirgistan wählt Sadyr Dschaparow und entscheidet sich für eine Präsidialregierung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn im vergangenen Jahrzehnt Kirgistan in den Rankings internationaler Organisationen noch als „Inselchen der Demokratie“ umgeben von autoritären Nachbarn genannt wurde, zählt das Land in den letzten Jahren nun bei <a href="https://freedomhouse.org/country/kyrgyzstan/freedom-world/2025">Freedom House</a> wieder als „unfrei“ und <a href="https://www.hrw.org/world-report/2026/country-chapters/kyrgyzstan">Human Rights Watch unterstrich</a>, dass der Staat die Rechte der Bürger auf Information, Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung erheblich einschränkt und Kritiker ebenso wie unabhängige Journalisten verfolgt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Rückfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Politologe Medet Tjulegenow schätzt, dass die Rückkehr zum früheren System mit der Erschöpfung der Gesellschaft durch die permanenten Krisen und spontanen Protesten zusammenhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ja, in der Tat, wir sind zurückgefallen, und zwar sogar ziemlich stark. Die aktuelle Regierung profitiert vom passenden Moment: Die Leute sind all der Turbulenzen, Proteste und Revolutionen müde geworden. Auch die aktuelle Regierung ist vor den Hintergrund von Protesten an die Macht gekommen, aber ihr politisches Fundament hat sie auf dem Versprechen aufgebaut, das Chaos zu beenden. Die Logik geht so: „Eine harte, starke Hand wird alles richten, lasst und also die neue Verfassung einführen.“ Dieser Ansatz unterscheidet sich fundamental von dem, was 2010 geplant war. Damals sah man die Herausforderung in der Dezentralisierung, aber jetzt hat sich die Situation um 180 Grad gedreht“</em>, sagt Tjulegenow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Turat Akimow, der Teilnehmer der Proteste 2010 in Bischkek, konstatiert, dass sich die Hoffnungen der Demonstranten auf schnelle und tiefgreifende Reformen nicht erfüllt haben und das politische System sich wieder und wieder zum bekannten Modell zurückentwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir dachten, dass wenn wir Bakijews Regime mit den Leuten auswechseln, die viele Jahre, schon seit der Zeit Akajew, über Meinungs- und Gedankenfreiheit, wirtschaftliche Freiheit und Gleichheit gesprochen haben, dass wir dadurch für all diese Ziele eine wirkliche Grundlage schaffen würden. Wir haben geglaubt, dass wenn es uns gelingt, alle gefangenen Oppositionsführer:innen aus den Gefängnissen freizubekommen und Bakijew flieht, es ein sehr gutes politisches System werden würde. Aber am Ende kam es so, dass sich die Übergangsregierung als schwach erwiesen hat und niemand von ihnen ein ernsthaftes Regierungssystem anzubieten hatte“</em>, bilanziert Akimow.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gefangen im Revolutionszyklus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Emil Dschurajew argumentiert, dass sich Kirgistan auch 16 Jahre nach den Aprilprotesten und 21 Jahre nach der Tulpenrevolution immer noch in einem Prozess der politischen Entwicklung und des Reifens befindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Jetzt, in der Rückschau, sagen die Krigistaner:innen wahrscheinlich, dass die Revolution keine Früchte getragen und ihre Ziele nicht erreicht hat. Wahrscheinlich bleibt Kirgistan bis heute in einem Prozess des politischen Wachsens und Reifens. Betrachtet man es aus einer längeren Perspektive, dann ist es tatsächlich so, dass sich Kirgistan als Staat zyklisch entwickelt: von den Wirren 1990-1991 bis 2005, 2010 und 2020. Und wohl oder übel geht ein jeder dieser Zyklen mit sowohl menschlichen als auch institutionellen und wirtschaftlichen Verlusten und Opfern einher“</em>, sagt Dschurajew.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zwischen-nationalpopulismus-und-neoliberalismus-die-aktuellen-entwicklungen-in-kirgistan-aus-sicht-globaler-politischer-trends/">Zwischen Nationalpopulismus und Neoliberalismus – Die aktuellen Entwicklungen in Kirgistan aus Sicht globaler politischer Trends</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dieses Muster bleibt bestehen und wir können nicht sagen, dass wir es nach 2010 geschafft haben, aus diesen Revolutionen auszubrechen, dass wir diese Etappen oder Herausforderungen der Entwicklung hinter uns gelassen haben. Insbesondere dann, wenn man heute auf das Geschehen blickt, auf das, was wir in den vergangenen Monaten fast täglich erlebt haben, kommt einem vieles bekannt vor. Die Übel bei der Entwicklung und beim Regieren, die wir vor 2010 gesehen haben, treten auch heute wieder auf. Deshalb stehen die Regierung und die herrschenden Eliten vor einer sehr großen Aufgabe: wie und auf welche Weise können wir aus diesen Zyklen ausbrechen, aus der ständigen Wiederholung der Fehler, die uns zu solchen Wendepunkten wie in den Jahren 2010 und 2020 geführt haben.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Symbole der neuen, alten Ordnung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. April findet in Bischkek jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung beim Denkmal für die Verstorbenen von 2020 statt. Dieses befindet sich neben dem Weißen Haus. Um das Gebäude herum gibt es den Zaun nicht mehr, den die Demonstrierenden damals zu durchbrechen versucht hatten. Die Anlage wurde 2020 nach der dritten Revolution in der jüngeren Geschichte des Landes abgebaut. Die Regierung versuchte so die Botschaft zu vermitteln, dass es zwischen der Staatsführung und dem Volk keine Mauern gäbe. Beim Abriss des Zauns erhielten die Initiatoren der Idee zwei Abschnitte, an die sie Gedenktafeln befestigten, in die die Namen der im Zuge der Aprilrevolution verstorbenen eingemeißelt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nicht nur den Zaun gibt es nicht mehr beim Weißen Haus, auch das Büro des Präsidenten befindet sich nicht mehr in dem Gebäude, das im Verlauf aller drei Revolutionen gestürmt worden war. Schon das zweite Jahr arbeitet das Staatsoberhaupt nun in einem Gebäude, das sich in einem anderen Teil von Bischkek befindet. Im Umkreis eines halben Kilometers von diesem „Yntymak Ordo“, dem „Palast der Einigkeit“, ist es verboten, neue Gebäude zu errichten. Und im Umkreis von einem Kilometer darf kein Gebäude mehr höher als 10 Meter gebaut werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyq Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.azattyqasia.org/a/33725823.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Simon Schulz</strong></p>



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		<title>Kleiner Reiseführer durch Berg-Badachschan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 18:25:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Murghob]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir]]></category>
		<category><![CDATA[Pamir Highway]]></category>
		<category><![CDATA[Pik Lenin]]></category>
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		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist fl&#xE4;chenm&#xE4;&#xDF;ig die gr&#xF6;&#xDF;te Region Tadschikistans. Sie ist eine majest&#xE4;tische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen &#x201E;Hotspots&#x201C; Berg-Badachschans vor. Berg-Badachschan ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielf&#xE4;ltigen Landschaften der Bezirke Darwos, Wandsch, Ruschon, Ischkoschim und Murghob [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autonome Provinz Berg-Badachschan ist flächenmäßig die größte Region Tadschikistans. Sie ist eine majestätische Landschaft, in der sich mit dem Pamir eines der bedeutendsten Gebirgssysteme der Erde befindet. Unser Partnermedium Asia-Plus stellt die wichtigsten touristischen „Hotspots“ Berg-Badachschans vor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> ist ein einzigartiges geografisches Mosaik: Die vielfältigen Landschaften der Bezirke <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Darvoz_District">Darwos</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vanj_District">Wandsch</a>, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rushon_District">Ruschon</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischkoschim">Ischkoschim</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a> können selbst den erfahrensten Reisenden in Staunen versetzen. Abenteurer:innen, Outdoor-Begeisterte und Bergliebhaber:innen gleichermaßen kommen in den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, um schneebedeckte Gipfel und außergewöhnliche Seen zu bestaunen, die klare Bergluft zu atmen und die wahre Stille der Natur zu erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan fasziniert nicht nur durch seine natürliche Schönheit, sondern auch durch seine ethnische Vielfalt. In jedem Bezirk sind Gemeinschaften mit einzigartigen Sprachen und uralten Traditionen zu Hause, und die Gastfreundschaft der einheimischen Bergbevölkerung wärmt Reisende besser als die heißeste Sonne. Hier sind die Orte in der Region, die man unbedingt besuchen sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Pamir-Highway</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir beginnen mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_Highway">Pamir-Highway</a> – der Lebensader der Region und einer ihrer wichtigsten Attraktionen. Er zählt zu den landschaftlich reizvollsten und zugleich extremsten Fernstraßen der Welt und schlängelt sich durch Täler und Schluchten, durch „Marslandschaften“ und Gebirgswüsten. Im Jahr 2020 wurde der Pamir-Highway zu einer der zehn schönsten Straßen der Welt gekürt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway/"><strong>Die Sackgasse – Leben am Pamir Highway</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Pamir-Highway wird die rund 700 Kilometer lange Straße bezeichnet, die von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh">Chorugh</a>, der Hauptstadt der Provinz, bis nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osch">Osch</a> in Kirgistan verläuft. Es gibt jedoch auch das Konzept des „Großen Pamir-Highways“ mit einer Länge von etwa 1.300 Kilometern; dieser beginnt in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a>, führt über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kulob">Kulob</a> zum Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pjandsch</a> und folgt dessen Verlauf über Chorugh bis nach Osch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Fahrt auf dieser Straße ist für viele Roadtrip-Fans ein lang gehegter Traum. Die Route führt durch Höhenlagen von 900 Metern bis hinauf zum höchsten Punkt auf 4.655 Metern am Chuschang-Pass (Ak-Baital-Pass). Stundenlange Fahrten über steinige Pisten und kurvenreiche Serpentinen erfordern zwar Ausdauer, doch das Erlebnis lohnt sich – dank der einzigartigen Atmosphäre echten Abenteuers und der Gelegenheit, in eine atemberaubende Berglandschaft einzutauchen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg" alt="" class="wp-image-45009" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/M41-IMPASSE_NOVASTAN_MATTAUDIFFRET_SELECTION-1-1024x683-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auf dem Pamir Highway, Photo: © 2023 Matthieu Audiffret</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für Berg-Badachschan gelten besondere Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen. Ausländer:innen benötigen für einen Besuch der Region eine Sondergenehmigung. Diese kann man bei der Beantragung eines E-Visums auf <a href="https://www.evisa.tj/index.evisa.html#/apply">evisa.tj</a> erhalten, indem man die Option „GBAO permit“ auswählt. Der Service kostet zusätzlich zur Visumgebühr 20 US-Dollar. Wer bereits über ein Visum verfügt oder aus einem von der Visumpflicht befreiten Land stammt, kann die Genehmigung beim Pass- und Registrierungsdienst des tadschikischen Innenministeriums in Duschanbe oder Chorugh beantragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Karon – das „Machu Picchu des Pamir“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tor zu Berg-Badachschan ist der Bezirk Darwos, dessen Name sinngemäß „Tor“ bedeutet. Nur wenige Kilometer vom Bezirkszentrum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qalai_Chumb">Qalai Chumb</a> entfernt liegt Karon – eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit. Die auf 2.000 Metern Höhe gelegene antike Stadt wird oft als das „Machu Picchu Tadschikistans“ bezeichnet.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Karon wurde erst im Jahr 2012 entdeckt. Wie ihr peruanisches Pendant ist auch Karon von Geheimnissen umgeben. Die vor rund 4.000 Jahren gegründete Stadt verfügte über eine hochentwickelte Infrastruktur: Man entdeckte dort Feuertempel, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">zoroastrische</a> Heiligtümer, eine Sternwarte und sogar ein riesiges Polo-Stadion, das Platz für 10.000 Zuschauer bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 15. Jahrhundert kam das Leben hier jedoch abrupt zum Erliegen: Die Einwohner:innen verließen ihre Häuser auf geordnete Weise und nahmen all ihr Hab und Gut mit – die Gründe dafür bleiben bis heute ein Rätsel. Wer durch die gepflasterten Gassen von Karon schlendert, kann nicht anders, als die handwerkliche Kunst jener Baumeister zu bewundern, die an einem derart unzugänglichen Ort eine bedeutende Stadt errichteten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Chorugh – das Herz der Region und sein botanischer Garten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Chorugh, die Hauptstadt Berg-Badachschans, zieht Besucher:innen mit unverwechselbarer Kultur, der gemütlichen Atmosphäre engen Gassen und dem Rauschen des Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gunt">Gunt</a> an. Die Fahrt dorthin von Duschanbe aus dauert etwa 12 bis 13 Stunden. Die Stadt verfügt über einen Flughafen, doch Flüge von der Hauptstadt aus finden aufgrund des unberechenbaren Gebirgswetters nur unregelmäßig statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Kultur der Berg-Badachschans wirklich zu erleben, sollte man ein traditionelles Pamir-Haus – ein sogenanntes Chid – besuchen. Die Architektur des Hauses ist tief symbolträchtig: Es hat ein Flachdach mit einem vierstufigen Oberlicht (Tschorchona), das die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser versinnbildlicht. Außerdem verfügt es über fünf Säulen, die für Schlüsselfiguren des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten">Ismailismus</a> stehen. Auf diese Weise verbindet das Haus zoroastrische und islamische spirituelle Traditionen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45008" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/View_of_Khorog_from_the_Botanical_Gardens.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick vom Botanischen Garten auf Chorugh, Photo: Zack Knowles via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pamirische Botanische Garten – der höchstgelege im postsowjetischen Raum – erstreckt sich oberhalb der Stadt auf einer Höhe von über 2.300 Metern. Hier sind Tausende von Pflanzenarten aus allen Kontinenten versammelt. Die Terrassen des Gartens bieten einen atemberaubenden Panoramablick auf die gesamte Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Chorog lohnt sich auch ein Besuch des Museums für Geschichte und Heimatkunde. Zu den Exponaten gehört ein antikes Klavier, das russische Soldaten 1914 von Osch aus von Hand über Gebirgspässe trugen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Festungen Kach-Kacha und Jamtschun: Wächter der Seidenstraße</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 15 Kilometer von der Siedlung Ischkoschim entfernt befindet sich eines der historischen Wahrzeichen der Region: die Festung Kach-Kacha. Die sich über eine Fläche von 700 mal 220 Metern erstreckende Festung thront auf einem Hügel im Tal des Flusses Pjandsch und stammt aus der Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kuschana">Kuschan</a>-Reiches (1.–2. Jahrhundert). Der Legende nach verdankt sie ihren Namen dem damaligen lokalen Herrscher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aus Lehmziegeln errichtete Anlage Kach-Kacha umfasst rund 50 runde und quadratische Türme. Obwohl von dieser gewaltigen Festung nur noch Ruinen erhalten sind, lassen sie erkennen, dass es sich einst um eine imposante Befestigungsanlage handelte. Heute dient der östliche Teil der Festung als Grenzposten: der Zugang ist hier beschränkt, und das Fotografieren ist streng untersagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auf einer Höhe von 3000 Metern gelegene Festung Jamtschun bietet einen noch imposanteren Anblick. Sie wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründet – also noch vor Kach-Kacha – und gilt als Meisterwerk antiker Ingenieurskunst. Um sie zu erreichen, muss man von der Hauptstraße abbiegen und einen Serpentinenweg hinaufsteigen. Von ihren Mauern aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf das Tal.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45007" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1021-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jamtschun, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einst erstreckte sich die Festung über gewaltige 75 Hektar, doch lediglich die obere Bastion ist bis heute erhalten geblieben. Auch wenn der Zahn der Zeit allmählich an den Steintürmen nagt und raue Winde die Zinnen abtragen, bleibt Jamtschun ein lebendiges Zeugnis der Geschichte der Seidenstraße, das aus 400 Metern Höhe still auf das Tal hinabblickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere imposante Festung – Qalai-Wamar – befindet sich im Bezirk Ruschon, ebenfalls direkt am Ufer des Pjandsch. Qalai-Wamar liegt auf einer Ebene an der Mündung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bartang">Bartang</a> in den Pjandsch, unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan. Im Gegensatz zu vielen anderen Ruinen im Pamir ist Qalai-Wamar bemerkenswert gut erhalten; die Mauern stehen noch heute.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die buddhistische Stupa von Wrang</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachandarja">Wachan</a>-Tal ist die buddhistische Stupa, die auf einem Felsvorsprung nahe dem Dorf Wrang thront. Dieses Monument der antiken Seidenstraße liegt auf einer Höhe von 2.805 Metern, etwa 90 Kilometer von Ischkoschim entfernt. Der Weg dorthin führt entlang des Pjandsch und vorbei an Festungen aus der Zeit der Kuschana sowie an zoroastrischen Heiligtümern, wodurch der Reisende unmittelbar in die jahrhundertealte Geschichte der Region eintaucht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-45006" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa-1536x1024.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Vrang_Stupa.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Stupa von Wrang, Photo: Kondephy via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Architektur dieses religiösen Bauwerks ist einzigartig im Pamir: Es handelt sich um eine Stufenpyramide aus fünf rechteckigen Ebenen, die optisch an eine Himmelsleiter erinnert. Die Tempelplattform bietet einen Panoramablick auf das Tal, in dem sich – wie auf einer Landkarte ausgebreitet – die tadschikischen und afghanischen Dörfer auf beiden Seiten des Flusses deutlich abzeichnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Heilquellen Garm Tschaschma und Bibi Fatima</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Pamir gibt es eine Fülle heißer Quellen; die bekannteste unter ihnen ist Garm Tschaschma – das bedeutendste balneologische Zentrum der Region. Der gleichnamige Kurort liegt 35 Kilometer von Chorugh entfernt auf einer Höhe von 2.842 Metern. Die Quelle ist berühmt für ihre strahlend weißen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travertin">Travertin</a>-Kaskaden, die sich im Laufe von Jahrtausenden gebildet haben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg" alt="" class="wp-image-45005" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/IMG_1104-min-scaled-1-768x576-1-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Garm Tschaschma, Photo: Paulinon Vanackere/Novastan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wasser hier ist reich an Schwefel, Silizium und Magnesium und eignet sich daher hervorragend zur Behandlung von Herz-Kreislauf-, Haut- und Gelenkerkrankungen. Garm Tschaschma heilt nicht nur den Körper, sondern bietet auch ästhetischen Genuss. Eine moderne Infrastruktur, einschließlich Hotels und Restaurants, sorgt zu jeder Jahreszeit für einen angenehmen Aufenthalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/in-den-heissen-quellen-des-pamirs/"><strong>In den heißen Quellen des Pamirs</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tief im Wachan-Tal, nahe der Festung Jamtschun, befindet sich eine weitere legendäre Quelle: Bibi Fatima. Hier sprudelt kristallklares Wasser direkt aus Felsspalten hervor. Einheimische und Pilger:innen verehren diesen Ort als heilig und bringen ihn mit der Tochter des Propheten Mohammed in Verbindung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Bartang-Tal: Auf der Suche nach unberührter Schönheit</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bartang-Tal ist ein Reiseziel für alle, die das authentische, unberührte Pamir-Gebirge suchen. Auf einer Höhe von bis zu 3.500 Metern zwischen den Gebirgszügen Jasgulam und Ruschon eingebettet, erstreckt sich das Tal vom Zentrum des Bezirks Ruschon bis zur Grenze nach Murghob. Der Bartang – ein rechter Nebenfluss des Pjandsch – entspringt am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Saressee">Saressee</a> und durchzieht das gesamte Tal von Ost nach West.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einheimische Bevölkerung bewahrt sich eine traditionelle Lebensweise und gibt die Weisheit ihrer Vorfahren von Generation zu Generation weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/langar-steinzeitliche-petroglyphen-im-pamir/"><strong>Langar – steinzeitliche Petroglyphen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strecke nach Bartang gilt als eine der anspruchsvollsten im Pamir: Die schmale Straße, die das Tal mit dem Pamir-Highway verbindet, ist aufgrund von Lawinen, Steinschlägen, Schlammlawinen oder Hochwasser häufig gesperrt. Doch gerade hier – fernab der Zivilisation – lässt sich eine tiefe Verbundenheit mit der Natur wahrhaft erleben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Saressee</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der berühmte Saressee – bekannt als der „schlafende Drache“ Zentralasiens – liegt ebenfalls an der Grenze zwischen den Bezirken Ruschon und Murghob in Berg-Badachschan. Dieser einzigartige See entstand im Jahr 1911 nach einem schweren Erdbeben, das einen gewaltigen Felssturz auslöste. Dieser bildete den Usoj-Damm und staute den Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murghob</a> auf. Der See erstreckt sich über eine Länge von bis zu 70 Kilometern und erreicht eine maximale Tiefe von 500 Metern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-geheimnisse-der-seen-im-pamir/"><strong>Die Geheimnisse der Seen im Pamir</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straße endet im Dorf Bartschidew, von dort aus man etwa 9 bis 10 Stunden lang am Fluss Murghob entlangwandern und dabei steile Anstiege bewältigen muss, um den See zu erreichen. Die Wanderung zum gewaltigen Usoj-Damm und der Anblick des tiefblauen Wassers des Saressees gehören zu den tiefgreifendsten Erlebnissen, die die Wildnis einem Menschen vermitteln kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: Für einen Besuch des Saressees ist neben einer Einreisegenehmigung für Berg-Badachschan auch die Zustimmung des tadschikischen Komitees für Notsituationen erforderlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Östlicher Pamir: Das fantastische Murghob</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der östliche Pamir empfängt Reisende mit wahrhaft außerirdisch anmutenden Landschaften. Der Bezirk Murghob ist eine Welt aus kalten Seen, kargen Hochebenen und einer Stille, die man körperlich spüren kann. Hier, auf einer Höhe von über 3.500 Metern, hat man das Gefühl, der Himmel sei näher gerückt und die Luft klarer geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wahres Juwel der Region ist der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakul_(Tadschikistan)">Karakul</a> – der größte See Tadschikistans, dessen Name „Schwarzer See“ bedeutet. Er liegt in einem Krater, der durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist. Sein salzhaltiges Wasser wechselt die Farbe von Azurblau bis hin zu einem tiefen Blauschwarz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/"><strong>Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghab in Tadschikistan</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso prächtig sind die benachbarten Süßwasserseen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jaschilkul">Jaschilkul</a> („Grüner See“) und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bulunkul">Bulunkul</a>, die für ihre spiegelglatten Oberflächen und ihren Forellenreichtum bekannt sind. Und an der Grenze der Bezirke Ischkoschim und Murghob liegt der See <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zorkulsee">Sorkul</a>, die Quelle des Pamir-Flusses – eines der Quellflüsse des mächtigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptort des Bezirks ist Murghob, die höchstgelegene Siedlung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a> (3.600 m). Ein Besuch des örtlichen Basars – der in Schiffscontainern untergebracht ist – ist ein Muss; dort findet man alles, von Ersatzteilen bis hin zu Produkten aus Yakwolle. In der Umgebung kann man uralte Felszeichnungen entdecken, den lokalen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumys">Kumys</a> probieren, echte Yaks sehen und sich fühlen, als wäre man am Ende der Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-45004" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan-1536x1152.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Mercado_de_la_ciudad_de_Murghob_Tajikistan.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Markt in Murghob, Photo: Papouten via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schorbulak-Observatorium befindet sich bei Murghob auf einer Höhe von 4.350 Metern und gilt als eine der höchstgelegenen astronomischen Stationen der Welt. Einst diente dieses Observatorium als Außenposten für die Erforschung des Weltraums und der Infrarotstrahlung – ein Standort, der aufgrund seiner außergewöhnlich klaren und trockenen Luft gewählt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Station ist derzeit außer Betrieb und besteht aus einem Komplex verlassener Gebäude sowie alten Teleskopen. Trotz ihres verwahrlosten Zustands lohnt sich die Anreise aufgrund der mystischen Atmosphäre und der unglaublichen Aussicht auf die 7.000 Meter hohen Gipfel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Muztagata">Muztagh Ata</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kongur">Kongur</a> in der chinesischen Region <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bergsteigen im Pamir: Nur die Sterne sind höher</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Bergsteiger:innen stellt der Pamir die ultimative Herausforderung dar. Die Region beherbergt drei legendäre Siebentausender: den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ismail_Samani">Pik Ismoil Somoni</a> (7.495 m), den Pik Lenin (7.134 m – in Tadschikistan heute als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ibn_Sina">Pik ibn-Sina</a> bekannt) und den Pik Korschenewskaja (7.105 m – heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Osodij">Pik Ozodi</a>) sowie zahlreiche weitere Gipfel, die sich über 6.000 Meter über dem Meeresspiegel erheben. Es ist eine Welt extremer Höhen, die nicht nur körperliche Kraft und Ausdauer, sondern auch enormen Mut erfordert.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="864" height="648" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg" alt="" class="wp-image-45003" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol.jpg 864w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/07/Pik_Lenin_from_Sary-Mogol-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 864px) 100vw, 864px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf den Pik Lenin (Pik ib-Sina), Photo: Betta27 via Wikimedia Commons</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder Aufstieg im Pamir ist eine ernsthafte, mehrtägige Expedition für all jene, die bereit sind, sich den Elementen zu stellen. Der Weg zu den Gipfeln beginnt in Basislagern, die ausschließlich per Hubschrauber erreichbar sind – wie etwa auf der berühmten Moskwin-Lichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raues Wetter – stürmische Winde, plötzliche Schneestürme und tückische Gletscherspalten – machen den Pamir zu einer Schule des Überlebens. Doch die Belohnung für die Bewältigung dieser Herausforderungen ist der Ausblick vom „Dach der Welt“: Die Wolken liegen weit unter einem, und der Horizont umfasst gleich mehrere gewaltige Gebirgssysteme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/wie-ein-russischer-bergsteiger-neue-pamir-gebirgszuege-entdeckt/"><strong>Wie ein russischer Bergsteiger neue Pamir-Gebirgszüge entdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Berg-Badachschan ist ein Land voller eindrucksvoller Kontraste, in dem eisige Gipfel neben der lebensspendenden Kraft kristallklarer Gewässer aufragen. Der Pamir offenbart sich jedem auf einzigartige Weise und hinterlässt doch stets einen tiefen Eindruck im Herzen all jener, die sich auf diese Reise begeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kontaktdaten von Reiseanbietern befinden sich unter dem </em><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><em>Originalartikel</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/03/pamirskij-trakt-tadzhikskij-machu-pikchu-ispyashchij-drakon-polnyj-putevoditel-po-gornomu-badakhshan/"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/panorama/kleiner-reisefuehrer-durch-berg-badachschan/">Kleiner Reiseführer durch Berg-Badachschan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Die Landproteste 2016 in Kasachstan: ihre Geschichte und Auswirkungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 22:16:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Atyrau]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstrationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor zehn Jahren wurde Kasachstan von Massenprotesten gegen eine von der Regierung geplante Reform erfasst. Diese sah vor, landwirtschaftliche Fl&#xE4;chen zu versteigern und langfristig an Ausl&#xE4;nder:innen zu verpachten. Inmitten der spontanen Demonstrationen und Kundgebungen verh&#xE4;ngten die Beh&#xF6;rden ein Moratorium f&#xFC;r die Umsetzung der geplanten &#xC4;nderungen. Obwohl dieses Moratorium verl&#xE4;ngert wurde, ist die Angelegenheit nach wie [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor zehn Jahren wurde Kasachstan von Massenprotesten gegen eine von der Regierung geplante Reform erfasst. Diese sah vor, landwirtschaftliche Flächen zu versteigern und langfristig an Ausländer:innen zu verpachten. Inmitten der spontanen Demonstrationen und Kundgebungen verhängten die Behörden ein Moratorium für die Umsetzung der geplanten Änderungen. Obwohl dieses Moratorium verlängert wurde, ist die Angelegenheit nach wie vor ungeklärt, erklärt der Bürgerrechtler Max Boqaev – Initiator der Kundgebung von 2016 in Atyrau. Azattyq Asia hat mit ihm gesprochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Nachmittag des 24. April 2016 war der zentrale Platz in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau">Atyrau</a> komplett gefüllt. Männer und Frauen, Jung und Alt, versammelten sich zu einer spontanen Kundgebung, um eine einzige Forderung zu stellen: den Verkauf von Agrarflächen zu verhindern. Es gab weder riesige Transparente noch ein aufgebautes Podium – lediglich einige handgeschriebene Schilder mit Aufschriften wie „Das Schicksal des Landes ist das Schicksal des Staates“ und „Das Land zu verkaufen, heißt die Heimat zu verkaufen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Niemand hatte erwartet, dass so viele Menschen kommen würden. Auch ich hatte nicht damit gerechnet“</em>, erinnert sich der Bürgerrechtler Max Boqaev, einer der Organisatoren der Kundgebung. <em>„Die Menschen gehen auf die Straße, wenn es nötig ist. Und dies war einer dieser Momente.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schrieb auf Facebook über seine Pläne, an jenem Tag zum Platz zu gehen. Boqaev erklärte, die örtliche Verwaltung habe den Protest zwar nicht genehmigt, er habe sich aber dennoch dazu entschlossen, seine Ansichten zu den Änderungen des Bodengesetzes zu äußern – Änderungen, die von der Regierung ausgearbeitet, vom Parlament gebilligt und vom Präsidenten unterzeichnet worden waren. Kurz darauf erhielt der Aktivist eine Vorladung, sich bei der Polizei zu melden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">An jenem Morgen erschien er bei der Polizeidienststelle, und ein Ermittler teilte ihm mit, dass ein Strafverfahren gemäß Artikel 179 des Strafgesetzbuches eingeleitet worden sei: „Propaganda oder öffentliche Aufrufe zur Machtübernahme oder zum Machterhalt sowie die Machtübernahme oder der Machterhalt oder die gewaltsame Änderung der verfassungsmäßigen Ordnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich sagte, ich würde nichts unterschreiben und auf einen Anwalt warten. Sie hielten mich dort mehrere Stunden fest und ließen mich dann gegen 13 Uhr gehen, mit der Begründung, sie hätten keinen Bereitschaftsanwalt finden können“</em>, sagt Boqaev. Er fuhr sofort zum Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich habe Tausende von Menschen gesehen! Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft waren dort! Später dachte ich, dass ich wahrscheinlich freigelassen worden war, weil die Menschen es gefordert hatten. Das gab mir Zuversicht“,</em> sagt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/landproteste-janaoezen-qantar-die-geschichte-der-proteste-kasachstans/"><strong>Landproteste, Jañaözen, Qañtar – Die Geschichte der Proteste Kasachstans</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Er griff zu einem Megafon und verkündete seine Forderungen: die Rücknahme der am 1. Juli in Kraft tretenden Änderungen am Bodengesetz. Der Präsident hatte diese im November 2015 unterzeichnet, und Ende März 2016 kündigte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jerbolat_Dossajew">Erbolat Dosaev</a> – damals Minister für Volkswirtschaft – an, dass 1,7 Millionen Hektar Agrarfläche zur Versteigerung kommen sollten. Die Änderungen betrafen auch die Pachtbedingungen; so wurde die zulässige Pachtdauer für Ausländer:innen von 10 auf 25 Jahre verlängert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„25 Jahre kommen faktisch einem Verkauf gleich. Menschen, die das Land 25 Jahre lang bewirtschaftet haben, hätten sagen können: ‚Das Land gehört uns – wir haben so viel Mühe und Zeit hineingesteckt‘, und sie hätten damit recht gehabt. Und der Pachtvertrag hätte nach 25 Jahren verlängert werden können“</em>, erklärt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gouverneur des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atyrau_(Gebiet)">Gebiets Atyrau</a> traf bei der spontanen Kundgebung ein. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nurlan_Noghajew">Nūrlan Noğaev</a> versprach, die Forderungen an die Regierung in Astana sowie an die Gesetzgeber weiterzuleiten. Die mehrstündige Kundgebung verlief friedlich; es kam weder zu Aggressionen noch zu Schäden an städtischem Eigentum. Anschließend löste sich die Menge auf, und die Menschen gingen nach Hause.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Protestwelle und die Reaktion der Behörden</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Proteste gegen die Landreform weiteten sich auf andere Städte aus: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqt%C3%B6be">Aqtöbe</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei">Semeı</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>. Die Menschen argumentierten, dass der Verkauf von Land die nationale Sicherheit gefährde und das Risiko eines Gebietsverlusts berge. Die Demonstrationen waren von Festnahmen von Teilnehmenden begleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser spontanen Kundgebungen setzte die Regierung eine „Landkommission“ ein und lud Max Boqaev zur Mitarbeit ein. Er lehnte ab. <em>„Ich forderte ein Ende der Verfolgung von Demonstrierenden“</em>, erklärt er. „<em>Zudem empörte es mich, dass die Kommissionsmitglieder nicht gewählt wurden. Die Kommission umfasste mehr als 100 Personen, doch gab es höchstens zehn Vertreter der Zivilgesellschaft. Das bedeutete, dass jede beliebige Entscheidung mit einfacher Mehrheit durchgesetzt werden konnte. Meine Argumente fanden kein Gehör. Viele glaubten damals – und dieser Ansicht schließe ich mich heute an –, dass die Entscheidung zu unserer Verhaftung erst fiel, nachdem ich die Mitarbeit in dieser Kommission abgelehnt hatte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Mai wurden Max Boqaev und Talğat Aıan – ein weiterer Aktivist, der an den Protesten in Atyrau beteiligt war – jeweils zu 15 Tagen Verwaltungshaft verurteilt, weil sie eine von den Behörden nicht genehmigte Kundgebung organisiert hatten. Zuvor hatten sie für den 21. Mai landesweite Proteste zu der Landfrage angekündigt. Im Vorfeld des geplanten Termins wurden mehr als 20 Personen präventiv festgenommen. Am Tag der Proteste wurden Personen festgenommen, die auf öffentlichen Plätzen erschienen; zudem wurde der Internetzugang in Großstädten blockiert und die Websites unabhängiger Medien waren landesweit nicht mehr erreichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwei-busse-voll-leichen-zeuginnen-berichten-ueber-die-ereignisse-von-janaozen/"><strong>„Zwei Busse voll Leichen“ – Zeuginnen berichten über die Ereignisse von Jańaózen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufnahmen von Festnahmen verbreiteten sich weltweit; internationale Nachrichtenagenturen berichteten, dass sich die Proteste gegen die Landreform in Kasachstan ausweiteten und den autoritären Machthaber herausforderten. Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nūrsūltan Nazarbaev</a> – der die Republik bereits seit der Zeit vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion geführt hatte – kündigte ein fünfjähriges Moratorium für die Umsetzung der Gesetzesänderungen an. Dies ließ die Proteste abflauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig lief eine Kampagne gegen Boqaev und Aıan. Nach Ablauf ihrer Verwaltungshaft wurden sie nicht freigelassen. Stattdessen nahm man sie als Verdächtige in Strafverfahren in Gewahrsam.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Sie haben beschlossen, meinen Ruf zu ruinieren“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Boqaev und Aıan wurden wegen „Anstiftung zu sozialer Zwietracht“, „Verbreitung wissentlich falscher Informationen“ und „Verstoßes gegen die Vorschriften für die Abhaltung von Versammlungen“ angeklagt. Im November 2016 wurden sie jeweils zu fünf Jahren Haft <a href="https://www.azattyqasia.org/a/atyrau-ayan-bokaev-prigovor/28143089.html">verurteilt</a>. Die Aktivisten wiesen die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück, und Menschenrechtler:innen nahmen sie in die Liste politischer Gefangener auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Prozesses warf die Anklage den beiden vor, Geld für die Organisation von Kundgebungen erhalten zu haben. Ihr Financier sei der Geschäftsmann Tohtar Tuleşov – Eigentümer einer Brauerei in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Şymkent</a>, am anderen Ende des Landes. Nach Angaben von Ermittlungsbehörden und der Staatsanwaltschaft habe Tuleşov, der später wegen eines versuchten Staatsstreichs zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, gezielt versucht, „Spannungsherde“ zu schaffen. Boqaev und Aıan bestritten, Tuleşov zu kennen oder Gelder von ihm erhalten zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Offenbar beschloss man, die Organisatoren der Proteste zu diskreditieren. Zunächst strahlte man im Fernsehen ein inszeniertes Video aus, das die Übergabe von Geld zeigte – wobei unklar blieb, wer es wem gab – und stellte dies als ausländische Finanzierung dar. Dann kam die Theorie um Tuleşov auf. Ende 2022 rief Tuleşov selbst Talğat [Aıan] an. Er weinte und gestand, uns fälschlicherweise belastet zu haben, weil er sich um seinen Sohn sorgte“</em>, sagt Max Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/vier-jahre-fuer-19-minuten-die-geschichte-von-aigerim-tleujanova-aktivistin-des-qantar/"><strong>Vier Jahre für 19 Minuten: Die Geschichte von Aıgerim Tleujanova, Aktivistin des Qantar</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2018 wurde Talğat Aıan vorzeitig entlassen, nachdem der Rest seiner Haftstrafe in eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit umgewandelt worden war. Boqaev weigerte sich, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen. Er verbüßte seine Strafe vollständig und wurde Anfang Februar 2021 freigelassen. Die Behörden unterstellten Boqaev einer <a href="https://www.azattyqasia.org/a/kazakhstan-sud-nalozhil-noviye-ogranicheniya-na-maksa-bokaeva/31110144.html">administrativen Überwachung</a>, während er selbst die ihm auferlegten Beschränkungen – zu denen unter anderem ein Verbot öffentlicher Aktivitäten sowie der Teilnahme an Kundgebungen oder Debatten gehörte – als rechtswidrig bezeichnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Max Boqaev wurde auf die staatliche „Liste von Personen, die an der Finanzierung von Terrorismus und Extremismus beteiligt sind“, gesetzt – ein Verzeichnis, das Personen aufführt, die auf der Grundlage sogenannter „extremistischer“ Gesetze verurteilt wurden. Human Rights Watch hat erklärt, dass die Aufnahme in diese Liste zu weiteren Rechtsverletzungen sowie zur wirtschaftlichen Blockade der betroffenen Person führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Ich kann keine Bankkonten eröffnen, keine NGO gründen oder ihr beitreten, mich nicht zivilgesellschaftlich engagieren, nicht für ein Amt kandidieren und nicht einmal für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen. Ich kann keine Versicherung abschließen. Das Einzige, was ich derzeit tun kann, ist, eine notariell beglaubigte Vollmacht auszustellen; ich kann jedoch nicht in Immobilienangelegenheiten tätig werden oder Kauf- und Verkaufsgeschäfte abwickeln“</em>, sagt Boqaev. Die Beschränkungen gelten bis 2030.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-jeltoqsan-unruhen-1986-erinnerungen-von-augenzeuginnen/"><strong>Die Jeltoqsan-Unruhen 1986: Erinnerungen von Augenzeug:innen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der geltenden Vorschriften könnte er stattdessen eine Zahlung von 85.000 Tenge [circa 150 Euro] leisten – der Höhe des Mindestlohns. Boqaev hat keine feste Anstellung. <em>„Meine Kollegen verschaffen mir Gelegenheiten, Geld zu verdienen, wann immer sie können, damit ich nicht verhungere. Bei einem meiner jüngsten Aufträge ging es darum, praktische Ratschläge für politische Gefangene zu verfassen“</em>, sagt Boqaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aktivist, dessen Antrag auf Aufhebung der Beschränkungen seiner Bankkonten von den zuständigen staatlichen Behörden zuvor abgelehnt worden war, plant nun, vor das Verfassungsgericht zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Talğat Aıan ist seit 2021 nicht mehr auf dieser Liste aufgeführt. Azattyq Asia konnte ihn nicht kontaktieren. Inoffiziellen Informationen zufolge hat er sich aus dem zivilgesellschaftlichen Engagement zurückgezogen und ist in der Privatwirtschaft tätig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Verlängerung des Moratoriums</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 2021 verlängerten die kasachstanischen Behörden das Moratorium für den Verkauf und die Übertragung von Agrarflächen in Privateigentum um weitere fünf Jahre – bis Ende 2026. Die Aktivist:innen sind der Ansicht, dass die Angelegenheit weiterhin ungeklärt ist. <em>„Leider ist die Sache noch immer nicht vom Tisch“</em>, merkt Boqaev an. <em>„Es wurde zwar ein Moratorium verkündet, aber das Problem ist nicht endgültig gelöst. Die Landfrage befindet sich derzeit in der Schwebe, sodass wir auf der Stelle treten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom Mūhtar Taıjan, der der 2016 von der Regierung eingesetzten Bodenkommission angehörte, ist der Ansicht, dass Astana angesichts der nahenden Frist bei der endgültigen Entscheidung Eile walten lassen muss. <em>„Wenn die Gesetzgebung nicht innerhalb der verbleibenden sechs Monate geändert wird, könnten ab dem 1. Januar 2027 landwirtschaftliche Flächen – die 80 Prozent des kasachstanischen Staatsgebiets ausmachen – in Privateigentum von Einzelpersonen und juristischen Personen übergehen. Dies ist eine Tatsache, die wir nicht außer Acht lassen dürfen. Diese Angelegenheit muss geklärt werden“</em>, erklärt Taıjan.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Azattyq Asia</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.azattyqasia.org/a/zemelnye-mitingi-v-kazahstane-2016-kak-oni-voshli-v-istoriyu-i-pochemu-ih-organizator-schitaet-vopros-nereshennym/33749701.html"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Astanas Hochbahn mit einer Verzögerung von 20 Jahren eingeweiht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jun 2026 15:57:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Astana]]></category>
		<category><![CDATA[Hochbahn]]></category>
		<category><![CDATA[LRT]]></category>
		<category><![CDATA[Nahverkehr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach jahrelangem Warten konnten die Einwohner:innen Astanas endlich die Einweihung der LRT &#x2013; der Hochbahn der kasachstanischen Hauptstadt &#x2013; miterleben. Obwohl das Projekt urspr&#xFC;nglich f&#xFC;r einen fr&#xFC;heren Zeitpunkt geplant war, kam es aufgrund von Korruption und finanziellen Unregelm&#xE4;&#xDF;igkeiten immer wieder zu Verz&#xF6;gerungen. Am 18. Mai ist die erste Metro-Linie von Astana durch Kasachstans Pr&#xE4;sidenten Qasym-Jomart [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach jahrelangem Warten konnten die Einwohner:innen Astanas endlich die Einweihung der LRT – der Hochbahn der kasachstanischen Hauptstadt – miterleben. Obwohl das Projekt ursprünglich für einen früheren Zeitpunkt geplant war, kam es aufgrund von Korruption und finanziellen Unregelmäßigkeiten immer wieder zu Verzögerungen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai ist die erste Metro-Linie von Astana durch Kasachstans Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> und Bürgermeister Qasym Bek <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-zapustil-rabotu-astana-lrt-599394/">eingeweiht</a> worden. Die neue, vollautomatische Bahn – bekannt als LRT (Light Rail Transport) – verbindet nun den östlichen Teil der Stadt mit dem Südosten und führt dabei durch das Stadtzentrum. Es handelt sich um die erste Linie eines umfangreichen Netzes, das im Rahmen eines Modernisierungsprojekts für den städtischen Verkehr in Kasachstans Hauptstadt geplant ist. Der Bau wurde von einem <a href="https://astanatimes.com/2017/05/astana-to-begin-light-rail-system-construction-in-may/">Konsortium chinesischer Unternehmen</a> durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Einweihungsfeier nutzte das Staatsoberhaupt als erster offizieller Fahrgast die Strecke. In dieser Funktion nahm Toqaev symbolisch die Fahrgastkarte mit der Nummer 001 entgegen und fuhr vom internationalen Flughafen zum Nationalmuseum quer durch die Stadt, vorbei am Stadtzentrum und dem markanten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bajterek-Turm">Baıterek-Turm</a>. Der Präsident <a href="https://www.akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-uchastie-v-zapuske-lrt-164655">bekundete seine Absicht</a>, Kasachstans Hauptstadt zu einem bedeutenden eurasischen Verkehrsknotenpunkt auszubauen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Eines der markanten Merkmale dieses Stadtbahn-Systems ist, im Vergleich zu den Netzen in zentralasiatischen Metropolen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, dass es nicht als U-Bahn, sondern oberirdisch errichtet wurde und das Stadtbild somit maßgeblich verändert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mehrheit der Einwohner:innen Astanas freut sich über die Einführung der LRT. „<em>Sie ist wirklich sehr modern, sauber und sicher. Sie ist wie eine U-Bahn“</em>, sagt Arujan, eine junge Einwohnerin der Stadt. <em>„Viele lokale und internationale Influencer haben bereits Videos von Testfahrten in den sozialen Medien gepostet und dabei oft hervorgehoben, wie modern sie ist!“</em>, fügt sie mit einem Anflug von Stolz in der Stimme hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Denkmal der Korruption”</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast zwanzig Jahre lang stand das Projekt, das in den 2000er Jahren während der Präsidentschaft <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaevs</a> lanciert wurde, im Mittelpunkt zahlreicher Kontroversen. Der Bau wurde immer wieder verschoben, gestoppt und – inmitten von Korruptionsvorwürfen sowie Politik- und Finanzskandalen – erneut aufgenommen. In der öffentlichen Wahrnehmung <a href="https://orda.kz/korrupcija-na-tri-bukvy-lrt-v-astane-dolgostroj-kotoryj-nikogda-ne-okupitsja-397619/">erhielt</a> die Hochbahn mit ihren imposanten, T-förmigen Betonkonstruktionen entlang der Hauptverkehrsstraßen rasch den Beinamen „Denkmal der Korruption“ und wurde zum Symbol für die Verschwendung öffentlicher Gelder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Astana Bank, bei der chinesische Darlehen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar hinterlegt waren, ging 2018 in Konkurs. Dies führte dazu, dass ein Großteil der für das Bauvorhaben vorgesehenen Mittel <a href="https://tengrinews.kz/article/tasmagambetova-kulginova-5-akimov-pytalis-resit-vopros-lrt-1232/">eingefroren</a> wurde und verloren ging. In einer Rede im Jahr 2019 <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/tokaev-raskritikoval-proekt-lrt-v-stolice-373862/">kritisierte</a> Präsident Toqaev das Projekt und beklagte die exorbitanten Kosten sowie die damit verbundene Verschwendung öffentlicher Gelder.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="804" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1.jpeg" alt="" class="wp-image-44853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1-300x236.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/06/WhatsApp-Image-2026-06-02-at-10.37.40-1024x804-1-768x603.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bild: Eléa Muresan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 wurden mehrere Personen beschuldigt, Gelder im Zusammenhang mit dem Bau der Bahn veruntreut zu haben. Qanat Sultanbekov, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister von Astana, und Talgat Ardan, ehemaliger Direktor von Astana LRT, wurden 2023 wegen der Veruntreuung von 79 Millionen US-Dollar zu sieben Jahren Haft <a href="https://timesca.com/astana-launches-first-light-rail-transit-service-after-years-of-delay/">verurteilt</a>. Ardan wurde daraufhin im Jahr 2025 in der Türkei festgenommen, jedoch bislang nicht ausgeliefert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mission: Entlastung der Verkehrslage</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ausbau der Hochbahn soll den städtischen Verkehrsfluss verbessern. Bislang stützte sich der öffentliche Nahverkehr in Astana auf ein weit verzweigtes Busnetz <a href="https://cts.gov.kz/ru/business/razvitie-obshchestvennogo-transporta/">mit 78 Linien</a>, die das gesamte Stadtgebiet abdeckten. Dieses System hatte jedoch mit dem dichten Verkehr auf den langen Ausfallstraßen der Hauptstadt zu kämpfen, was zu erheblichen Staus während der Stoßzeiten führte. Die ehemalige Hauptstadt Almaty – nach wie vor ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum – verfügt hingegen seit rund fünfzehn Jahren über eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Almaty">U-Bahn</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/aus-wueste-mach-metropole-wie-sich-astana-in-den-letzten-20-jahren-veraendert-hat/"><strong>Aus Wüste mach Metropole – wie sich Astana in den letzten 20 Jahren verändert hat</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Dass die Bahn in der Höhe fährt, ist praktisch, wenn es Stau gibt und man schnell von einem Ort zum anderen gelangen muss“</em>, erklärt Arujan. <em>„Es wäre toll, wenn es mehr Linien gäbe, aber wir haben keine Ahnung, wie lange das dauern wird – in näherer Zukunft wird das sicher nicht passieren.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das rechte Ufer von Astana, das den ältesten Teil der Hauptstadt umfasst, ist noch nicht an die Metro angebunden. Anfang Januar begann die zweite Bauphase, die unter anderem eine Verlängerung bis zur Gemeinde <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Qosshy">Qosşy</a> in den südlichen Vororten Astanas vorsieht. Für die Erweiterung der Metro auf das rechte Ufer des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ischim_(Fluss)">Esil</a> wurde bislang kein konkreter Termin genannt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Eléa Muresan für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://novastan.org/fr/kazakhstan/a-astana-le-tramway-aerien-inaugure-apres-vingt-ans-de-retard/"><strong>Französischen</strong></a> <strong>von Robin Roth</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Die Tschagataiden: Brüder, die die Steppe zähmen wollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2026 16:45:09 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Zentralasien von mongolischen Khanen und deren nomadischer Kultur und Rechtsprechung geprägt. Eine eigenartige Symbiose mit lokalen Eliten bildete sich heraus und die verschiedenen Seiten prägen die Menschen und die Kultur in Zentralasien bis heute. Aus dem Reich der Tschagataiden wurde jedoch nie einen vollwertiger Mongolenstaat; auch vor dem islamischen Einfluss war es nicht gefeit und einige Herrscher und ihre Untertaninnen und Untertanen konvertierten teils berechnend zum Islam. Fergana geht der Frage nach, warum die Mongolenherrscher nie einen vollwertigen Nationalstaat in Zentralasien gegründet haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich drei mongolische Großmächte unter der Führung der Nachkommen Dschingis Khans zu eigenständigen und relativ zentralisierten Staaten entwickelt – das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Reich</a> in China, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilchane">Ilchanat</a> der Hulaguiden in Vorderasien und die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Horde">Goldene Horde</a> mit ihrem Zentrum im unteren Wolga-Gebiet. Nur auf den Gebieten des Tschagatai-Khanats, zu denen der größte Teil Zentralasiens gehörte, herrschte Chaos. Die Khane wurden nacheinander gestürzt und ermordet, die Städte wurden von Kaufleuten regiert, es gab keine einheitliche Währung und der nomadische Adel achtete eifersüchtig darauf, dass keiner der mongolischen Würdenträger es wagte, sich auf dem Land niederzulassen und einen Palast zu errichten.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Kebek">Khan Kebek</a>, dieses System zu durchbrechen. Er verlegte die Hauptstadt nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>, teilte das Land in Bezirke auf und führte eine eigene Währung ein. Sein Bruder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tarmaschirin">Tarmaschirin</a> ging noch weiter: Er lehnte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jassa">Jassa</a> [mongolisches Gesetzbuch des 13./14. Jahrhunderts, Anm. d. Übers.] von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschingis_Khan">Dschingis Khan</a> zugunsten des Islam ab. Beide bezahlten ihre Reformversuche mit dem Leben. Bald darauf zerfiel das Ulus [Reichsgebiet, Anm. d. Übers.], doch auf seinen Trümmern sollte später das Reich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Amir Temurs</a> entstehen – der letzte Staat, dem es gelang, die „Steppe“ mit Hochkultur und der administrativen Macht des islamischen Reiches zu vereinen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ulus, der tatsächlich nie zu einem Staat wurde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1224, kurz vor dem Tod Dschingis Khans, wurde das Mongolische Reich unter seinen Söhnen in Lehensgebiete (Ulus) aufgeteilt. Die Gebiete Zentralasiens – Transoxanien, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jetisu">Jetisu</a> und die Karawanenstädte an den Handelswegen, die China, den Iran und Indien verbanden – fielen dem zweiten Sohn, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a>, zu. Nach mongolischem Brauch ging das Haupterbteil – die angestammten mongolischen Gebiete und der größte Teil der väterlichen Armee – an den jüngsten Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tolui_Khan">Tolui</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft der Mongolen blühten Samarkand, Buchara und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otrar">Otrar</a> dank Handwerk und Handel auf. Doch Tschagatais Hauptlager befand sich in der Steppe, im Tal des Flusses Ili  weit entfernt von den städtischen Zentren. Die unterworfene Bevölkerung lebte in den meisten Fällen nach ihren eigenen Gesetzen, hier und da blieben sogar lokale Dynastien erhalten. Diese Situation kam Tschagatai persönlich durchaus entgegen: Er blieb ein überzeugter Nomade und strebte keine sesshafte Stadtverwaltung an, sondern bevorzugte die traditionelle Steppenherrschaft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png" alt="" class="wp-image-44720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts.png 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Karte-des-Tschagataiischen-Ulus-zu-Ende-des-13.-Jahrhunderts-300x239.png 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte des Tschagataiischen Ulus zu Ende des 13. Jahrhunderts</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Tschagatais Verachtung für das sesshafte Leben bildeten sich die wichtigsten Steuereinnahmen und Handelsströme gerade in den Städten und in den Dörfern auf dem Land. Um die sesshafte Bevölkerung zu verwalten, übertrugen die Mongolen die Steuererhebung und die Verwaltungsaufgaben an Vertreter der lokalen Wirtschaftselite. Es bildete sich jedoch kein einheitliches politisches Zentrum im Ulus heraus. Im Gegensatz zum Yuan-Reich, wo sich die Mongolen auf die chinesische Bürokratie stützten, oder zum Ilchanat, wo sich der nomadische Adel in die persischen Verwaltungspraktiken integrierte, entwickelte sich in Zentralasien ein besonderes Verwaltungsmodell. Indem sie die Städte an lokale Beamte verpachteten, konzentrierten sich die Mongolen auf die Verwaltung der Steppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024/">Turkvölker in der Weltgeschichte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Nomaden also nach dem Jassa Dschingis Khans lebten, folgte die sesshafte Bevölkerung der islamischen Scharia. Formal durften sich die Mongolen nicht in städtische Angelegenheiten einmischen, und die Statthalter nicht in die der Steppe. In der Praxis wurde diese Grenze jedoch ständig überschritten: Die Khane verlangten Geld, die Pächter suchten Einfluss am Hof, die Wesire intrigierten gegen die Noyanen [mongolischer Titel für zivile und militärische Führer, meist adliger Abstammung, Anm. d. Übers.]. Die beiden Ordnungen prallten regelmäßig aufeinander und verursachten Chaos, was zum Hauptleiden des Ulus wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kriege über Kriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Gebiete der Tschagataiden in langwierige Bruderkriege verwickelt. Nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6ngke_Khan">Möngke Khan</a> 1259, dem letzten Herrscher des vereinigten mongolischen Reiches, und dem Krieg um die Vorherrschaft von 1260 bis 1264 wurde das ehemalige Reich Dschingis Khans nicht mehr von einem einzigen Zentrum aus regiert, und das Kräfteverhältnis zwischen den Ulus veränderte sich drastisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation zwischen Tschagataiden Tschingisiden verschärfte sich – vor allem mit dem Urenkel Dschingis Khans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaidu_Khan">Qaidu</a>, der einen bedeutenden Teil der Steppengebiete kontrollierte und einen langwierigen Kampf um den Einfluss in Zentralasien führte. Gleichzeitig verschärften sich an den westlichen und nördlichen Grenzen die Konflikte mit der Goldenen Horde um die Steppengebiete und Handelswege zum Wolga-Gebiet und nach Westsibirien sowie im Südwesten mit dem Ilchanat um die Kontrolle über Khorasan und die Grenzstädte sowie die Karawanenrouten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="727" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg" alt="" class="wp-image-44723" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Begraebnis-von-Tschagatai-300x293.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Begräbnis von Tschagatai, persische Malerei, 14. Jahrhundert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Krieg folgte dem anderen. Samarkand, Buchara, Herat und andere große Zentren wechselten wiederholt den Machthaber und die lokalen Emire waren gezwungen, ständig ihre Verbündeten zu wechseln. Innerhalb von fünfzig Jahren wechselten etwa ein Dutzend Khane an der Spitze des Ulus, doch keiner von ihnen konnte die Macht lange genug halten, um alle regionalen Gruppierungen unter seine Kontrolle zu bringen und eine stabile Herrschaft über die Städte und den Militäradel wiederherzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Battuta, der Mitte des 14. Jahrhunderts Zentralasien bereiste, beschrieb ebenfalls den Verfall und Niedergang, in dem sich die Region nach einem Jahrhundert mongolischer Herrschaft befand: <em>„Moscheen, Medresen und Basare liegen in Trümmern, mit Ausnahme einiger weniger… Heute gibt es dort keinen einzigen Menschen, der sich in der Wissenschaft auskennt, und niemanden, der ihr Beachtung schenkt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zustand befand sich der Ulus zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch Kebek, der als erster Tschagatai-Khan versuchte, das Herrschaftsmodell im Ulus zu ändern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="711" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-44724" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-711x1024.jpeg 711w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta-208x300.jpeg 208w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Ibn-Battuta.jpeg 744w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ibn Battuta, französische Malerei, 19. Jahrhundert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kebek: Feldherr und Reformer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek war der Urururenkel von Dschingis Khan und Sohn des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Duwa">Khans Duwa</a>, der den Ulus von 1282 bis 1307 regierte. Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Steppe in einem Nomadenlager geboren und gehörte einem heidnischen Glauben an, sprach jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Vorfahren bereits einen turksprachigen Dialekt. Vermutlich vermischte sich die herrschende Schicht des Tschagatai-Ulus zu Beginn des 14. Jahrhunderts zunehmend mit der einheimischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1309 wurde Kebek zum Khan ernannt. Doch fast unmittelbar darauf wurde auf Kebeks eigene Initiative hin ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurultai">Kurultai</a> einberufen, der beschloss, die Macht an seinen älteren Bruder Esen-Buke zu übertragen. Kebek fügte sich und befehligte in den folgenden neun Jahren die Armee der Tschagataiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Feldzug gegen das Ilchanat überquerte Kebek den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja</a>, bezwang am Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Bartang)">Murgab</a> die Armee des Statthalters von Khorasan und erreichte Herat. Dort sah er, wie das Reich der Hulaguiden organisiert war – mit einer einheitlichen Silbermünze, Verwaltungsbezirken und einer funktionierenden Bürokratie. Im Tschagatai-Ulus gab es nichts dergleichen. Möglicherweise zu diesem Zeitpunkt reifte bei Kebek die Erkenntnis, dass sich im Tschagatai-Ulus etwas ändern musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/">Quryltaı – Tradition und Zukunft der kasachischen Volksversammlung</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er nach dem Tod seines Bruders Esen-Buka im Jahr 1318 erneut an die Macht kam, beschloss er als Erstes, eine vollwertige Hauptstadt zu schaffen. Kebeks Residenz wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qarshi">Qarshi</a>, das damals den Namen Nasaf trug. Die Wahl des Ortes war bezeichnend: keine Steppe, sondern eine Stadt in Transoxanien, in der Nähe der Handelswege und der wichtigsten Steuerquellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier errichtete Kebek einen Palast – eines der wenigen bekannten Beispiele für eine feste Khan-Residenz in der Region. Der Palast wurde im Zentrum der örtlichen Festung errichtet und gab der Stadt möglicherweise ihren Namen: In der turksprachigen Tradition bedeutete „karshi“ nämlich „Palast“. Überreste dieses Komplexes wurden in Form von massive Mauern, Fußböden und Säulen gefunden. Die bloße Tatsache, dass ein solches Zentrum entstand, bedeutete einen Wandel der Prioritäten – die Macht war nicht mehr nomadisch. Rund um den Palast bildeten sich nach und nach neue Viertel des Adels und Handwerksmärkte, und das Leben des alten Nasaf begann sich in Richtung dieser Residenz zu verlagern. Nach Kebeks Tod verschwand das Gebäude nicht – unter Amir Temur wurde es umgebaut und in eine Moschee umgewandelt, die als Odina bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebeks nächster Schritt betraf die Verwaltung der Gebiete. Die Ländereien des Khans wurden in Bezirke mit fest zugewiesenen Beamten aufgeteilt, die für die Erhebung von Steuern und die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständig waren. Dies ermöglichte es, die Willkür vor Ort einzudämmen und zumindest teilweise die Kontrolle über die Einnahmen zurückzugewinnen, die zuvor in den Taschen der Emire und Zwischenhändler gelandet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die auffälligste Reform des Khans war jedoch die Währungsreform. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren im Tschagatai-Ulus Münzen unterschiedlichen Gewichts und Qualität im Umlauf, die an verschiedenen Orten geprägt worden waren. Dies erschwerte den Zahlungsverkehr und bot Raum für Missbrauch. Kebek führte einen einheitlichen Standard für Silbermünzen ein. Die Prägung erfolgte nach einem einheitlichen Muster, und die Münzen selbst erhielten den Namen „Kebeks“. Die Vereinheitlichung des Geldumlaufs vereinfachte den Handel und stärkte die Position der Zentralmacht: Die Kontrolle über die Münzprägung bedeutete die Kontrolle über einen erheblichen Teil der Wirtschaftsströme.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="369" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg" alt="" class="wp-image-44725" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-von-Khan-Kebek-300x149.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen von Khan Kebek, ausgegraben in Buchara</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu wurden Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft des Ulus ergriffen. Quellen berichten von der Wiederherstellung der Bewässerungssysteme, der Förderung der Landwirtschaft und den Versuchen, Handwerkszentren wiederzubeleben. Für die Machthaber war dies eine Frage des Überlebens: Ohne stabile Einnahmen war es unmöglich, das Heer zu unterhalten und die Loyalität des Adels zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch genau hier stießen Kebeks Reformen auf Widerstand. Die verstärkte Kontrolle über Steuern und Münzwesen schränkte die Handlungsmöglichkeiten derer ein, die es gewohnt waren, eigenständig zu agieren. Die nomadische Elite verlor einen Teil ihrer Einkünfte und ihres Einflusses, während die städtische Oberschicht ihren Handlungsspielraum zwischen den verschiedenen Machtzentren einbüßte. Die Unterstützung des Khans blieb situationsabhängig, und jede Schwächung seiner Position wirkte sich unmittelbar auf die Regierbarkeit der Gebiete aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek behielt den Thron für einen Herrscher aus der Tschagatai-Dynastie relativ lange – ganze acht Jahre. Doch gelang es ihm nicht, das Kräfteverhältnis innerhalb des Ulus vollständig zu verändern. Nach seinem Tod blieben viele der eingeleiteten Maßnahmen in Kraft – vor allem das Währungssystem und die Praxis der Stützung auf die Städte. Ein stabiles Machtmodell bildete sich jedoch nie heraus. Die Kontrolle über die Gebiete hing weiterhin von Vereinbarungen zwischen einflussreichen Adelsgruppen ab und nicht von einer einheitlichen Ordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weg vom Jassa und hin zur Scharia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kebek starb im Jahr 1326 – einigen Quellen zufolge eines natürlichen Todes, anderen zufolge fiel er einer Verschwörung mongolischer Würdenträger zum Opfer. Der Thron ging an seinen Bruder Iltschigidai über, der Buddhisten und Katholiken schützte, jedoch nur sehr kurz regierte und ebenfalls ermordet wurde. Nach der kurzen Regierungszeit eines weiteren Bruders, Durr-Timur, kam schließlich Tarmaschirin an die Macht, der Kebeks Reformen fortsetzte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="744" height="383" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg" alt="" class="wp-image-44726" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins.jpeg 744w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Muenzen-Tarmaschirins-300x154.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px" /><figcaption class="wp-element-caption">Münzen Tarmaschirins, 1331–1332</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter Tarmashirin wurde das von Kebek eingeführte Währungssystem auf das gesamte Gebiet des Ulus ausgeweitet. Neue Münzprägeanstalten wurden in Schangi-Taraz, Otrar und Badachschan eröffnet. Die Münzen wurden mit dem Namen Tarmaschirins und seines Sohnes Sanschar geprägt. Der unter Kebek eingeführte einheitliche Standard funktionierte nun überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Tarmaschirins wichtigste Entscheidung betraf nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie: Der Khan konvertierte zum Islam und nahm den muslimischen Namen Ala ad-Din Muhammad und den Titel Sultan al-Azam – „der Größte Sultan“ – an. Bereits vor der Thronbesteigung Tarmaschirins bekannte sich wohl ein Teil der nomadisch Lebenden zum Islam. Und als der neue Khan seine Untertanen aufrief, sich dem muslimischen Glauben anzuschließen, folgte die überwiegende Mehrheit allmählich diesem Aufruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien/">Religiöse Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Khan ordnete an, täglich fünf öffentliche Gebete zu verrichten, und verbreitete den Islam in allen seinen Herrschaftsgebieten. Vor allem aber ersetzte er die traditionelle Gesetzgebung des Jassa teilweise durch die Scharia. Tatsächlich war die Aufhebung des Jassa strategischer Natur: Ohne diese Gesetzesgrundlage konnte der Khan nicht mehr abgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lehnte sich der Nomadenadel im östlichen Teil des Ulus auf. Den Aufstand führte Tarmaschirins Neffe Buzan an, der von den Feldherren Ostturkestans unterstützt wurde. Tarmaschirin versuchte, nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ghazni">Ghazni</a> im heutigen Afghanistan zu fliehen, wurde 1334 jedoch gefangen genommen und getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod Tarmaschirin markierte für den Tschagatai-Ulus den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Sein westlicher Teil, Transoxanien, blieb unter der Herrschaft des islamisierten Adels. Im Osten, auf dem Gebiet des heutigen Jetisu und Ostturkestans entstand ein neuer Staat – Mogulistan („Land der Mogulen“). Zwar bildete es sich zunächst als Konföderation nomadischer Stämme, die nach dem Jassa lebten, doch schon bald siegten die zum Islam Konvertierten auch hier.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Erbe der Tschagataiden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prozesse, die Kebek und Tarmaschirin in Gang gesetzt hatten, waren nicht mehr aufzuhalten. Der Islam fasste allmählich auch unter der nomadisch lebenden Bevölkerung Fuß und die Idee einer einheitlichen Währung und einer zentralisierten Verwaltung überdauerte ihre Schöpfer. Der Tschagatai-Ulus zerfiel, doch sein Erbe erwies sich als lebensfähiger als das anderer mongolischer Reiche. Gerade in der Zeit der Mongolen bildeten sich die Normen der tschagataischen Sprache heraus – der literarischen Turksprache, in dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mir_%CA%BFAli_Schir_Naw%C4%81%CA%BEi">Alisher Navoiy</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> schrieben. Diese Sprache, die lokale Dialekte und persisches Vokabular in sich vereinte, wurde zum direkten Vorläufer des heutigen Usbekischen und Uigurischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/nawruz-und-der-islam-eine-koexistenz-mit-konflikten/">Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich entstand auf den Trümmern des Tschagatai-Ulus jene Regierungsform, die später von Amir Temur genutzt wurde: ein zentralistischer Staat, der den Islam und die städtische Kultur mit der militärischen Disziplin und der imperialen Ideologie der Steppeneroberer verband. Die Reformen Kebeks und Tarmaschirins konnten den Ulus nicht retten. Doch ohne ihre Versuche, die Freiheit der Nomaden zu zügeln, hätte es wohl weder Amir Temur noch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schaibaniden">Schaibaniden</a> oder das Zentralasien gegeben, wie wir es heute kennen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.agency/articles/146657/">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Nawruz und der Islam: Eine Koexistenz mit Konflikten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Asia Plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 17:22:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erkl&#xE4;rt die Gr&#xFC;nde der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Fr&#xFC;hzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem. Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten &#xFC;ber Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der tadschikische Wissenschaftler Akbar Tursun erklärt die Gründe der Proteste gegen Nawruz. Versuche, das persische Neujahrsfest zu verbieten, gab es seit der Frühzeit des Islam. Gescheitert sind sie aber trotzdem.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der folgende Artikel von Akbar Tursun ist vor zwei Jahren als eine Antwort auf die neueren Debatten über Nawruz und seine Beziehung zur Religion erschienen. Unser Partnermedium Asia-Plus veröffentlichte ihn erneut, da die hier diskutierten Fragen nach wie vor aktuell sind.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für uns Tadschiken symbolisiert Nawruz, als Brücke zwischen sozialen Epochen, nicht nur die Überlebung unserer Urahnen über schwere Zeiten hinweg, sondern auch die Aufbewahrung des historischen Lebens unserer Generation in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anerkennung von Nawruz als Nationalfeiertag nach während der politischen Unabhängigkeit unserer sowjetischen Republik war eine zeitgemäße Maßnahme, ein Mittel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg der historischen Entwicklung und Festigung der tadschikischen Nation im modernen Sinne des Wortes.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Diese zukunftsorientierte Entscheidung hatte auch einen wichtigen pädagogischen Zweck: Sie war ein wichtiger Schritt zur Gestaltung und Stärkung der Generationen und der Wurzeln im Kontext der historischen und kulturellen Integrität der iranisch-turanischen Zivilisation, einer der ältesten Zivilisationen der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der reichen Bräuche und Traditionen unserer frühen Vergangenheit hat sich der Horizont des tadschikischen Patriotismus erweitert, und die nationale Einheit der Tadschiken erhielt eine besondere historische und spirituelle Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider gibt es unter den persisch- und turksprachigen Geistlichen heute noch Gelehrte, die Nawruz ausschließlich als Fest des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus">Zoroastrismus</a> sehen und gleichzeitig deren Anhänger als Feueranbeter, also Götzenanbeter, und die Feier von Nawruz als „verbotenen“ Ritus für Muslime betrachten. Es ist schade, dass dieses wissenschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich wichtige Thema bis heute keine angemessene akademische Aufmerksamkeit genießt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gründe und Ziele der Proteste gegen Nawruz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist der Grund und das Ziel der aktuellen Proteste gegen Nawruz? Ich halte die Handlungen dieser islamischen Gelehrter nicht für einen Akt der Opposition gegen den Nationalstaat oder eine Art Selbstdarstellung. Deshalb werde ich keine Namen nennen und nicht ins Detail gehen. In der Tat bin ich überzeugt, dass die kritische Stellung dieser neuen Gegner von Nawruz nicht aus den heiligen Quellen des Islam stammt. Ich kritisiere jedoch nicht die religiösen Überzeugungen der Kritiker und halte sie nicht für dogmatisch oder nachahmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zurueck-in-die-zukunft-identitaetspolitik-mal-anders-zarathustra-und-die-politische-dimension-des-nouruz-festes/"><strong>Zurück in die Zukunft – Identitätspolitik mal anders: Zarathustra und die politische Dimension des Nouruz-Festes</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nur mit den Worten des Heiligen Korans: <em>„Warum streitet ihr über etwas, von dem ihr keine Kenntnis habt? Und möge euer Argument in dem, was ihr wisst, richtig sein!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann… wenn wir diese Frage grundsätzlich stellen, stoßen wir unvermeidlich auf eine Quelle der Meinungsverschiedenheit mit dem salafitischen Klerus. Nämlich geht es in diesem Fall um das richtige Verständnis bestimmter Koranverse und prophetischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hadith">Hadithe</a>. Bei ihrer Auslegung spielt der menschliche Faktor keine Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist denn nun der „menschliche Faktor“?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Frage zu beantworten, greife ich auf ein bekanntes Zitat von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschamal_ad-Din_al-Afghani">Dschamaluddin Asadabadi</a> zurück. In einem Gedicht, einer Diskussion mit dem französischen Islamwissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan">Ernest Renan</a> gewidmet, meinte er: <em>„Im Wesen des Islams selbst gibt es keine Mängel. Alle existierende Mängel entspringen daraus, dass wir Muslime sind! “</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Satz erkennen wir, dass Asadabadi zwei miteinander verbundene Begriffe unterscheidet: „Islam“ und „Muslim“. Diese Unterscheidung ist methodologisch sehr relevant. Im Wesentlichen verkörpert der Islam die göttliche Offenbarung durch das Koran und die Überlieferungen des Propheten (der Sunna), und dieser Titel ist eine ewige Wahrheit. Das Muslimsein ist das menschliche Verständnis religiöser Prinzipien und Heiligtümer aufgrund der Auslegung und Interpretation von maßgeblichen Quellen des Islam, darunter Analogien und Konsens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ueber-politik-im-islam-und-integrative-interpretationen-heiliger-texte/"><strong>Über Politik im Islam und integrative Interpretationen heiliger Texte</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen der Religionsgemeinschaft bleiben an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unverändert. Doch die Auslegung und das Verständnis religiöser Prinzipien können im Laufe der Zeit verbessert, korrigiert oder verändert werden. Wenn das nicht so wäre, hätte sich der Islam nicht in verschiedene Strömungen, Sekten und verfeindete Richtungen gespalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Krisensituation kann man mit den Worten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)">Rumis</a> erklären: <em>„Ich bin in meinem Streben nach dem richtigen Verständnis gestorben!“ </em>In Bezug darauf muss eine wissenschaftliche Diskussion zwangsläufig die Wurzel des Problems untersuchen. Wenn wir die eine oder andere islamische Regelung zum „Haram“ („bid’a“ oder „makruh“) im Bezug auf Nawruz betrachten, wird deutlich, dass es neben rein religiösen Argumenten eine Vielzahl eigennütziger oder opportunistischer Überlegungen gab, die ideologisch, politisch und wirtschaftlich gefärbt waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verbote seit über tausend Jahren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir die Zeit des arabischen Kalifats: Im ersten Jahrhundert nach der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hidschra">Hidschra</a> wurde Nawruz als heidnischer Ritus verboten. Doch später fanden die arabischen Kalifen und ihre Ideologen an zwei Dingen Gefallen: Erstens die Tradition, zu Nawruz Geschenke zu machen und anzunehmen, die an den Höfen der persischen Könige besonders verbreitet war. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Chayy%C4%81m">Omar Khayyam</a> beschrieb in seiner Abhandlung „Nawrunama“, die er als eine Art Unterweisung für die Nachkommen des Seldschuken-Sultans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Malik_Schah_I.">Malik-Shah</a> verfasste, ausführlich den Brauch, dem König am Tag des Großen Nawruz Geschenke zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstanden die Kalifen sofort: Statt die Bräuche und Traditionen der Nichtmuslime zu verbieten, war es vorteilhafter, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihre Bräuche und Traditionen beizubehalten, im Austausch gegen die Zahlung einer zusätzlichen Steuer (der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dschizya">Dschizya</a>). Die besondere Bedeutung dieser Religionspolitik lag darin, dass man dadurch, wie ein tadschikisches Sprichwort sagt, sowohl gewinnen als auch nichts verlieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Grund war rein politischer Natur. Der Gelehrte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadriddin_Ainij">Ustod Aini</a> erläuterte ihn am Beispiel des Verhaltens der Manghitumaren-Dynastie, die unter Berücksichtigung der Ratschläge und Empfehlungen der Gelehrten von Buchara regierten: <em>„Unter den Emiren von Buchara hat Emir Musaffar das Nawruz-Fest seiner volkstümlichen Form entzogen und ihm formellen Charakter verliehen. Das tat er nach der Niederlage im Krieg gegen Russland. Nach den Worten ehrlicher alter Männer verlor Emir Musaffar nach der Kriegsniederlage jegliches Ansehen unter dem Volk. Insbesondere, als er die Menschen ausraubte und versuchte, die durch den Krieg leere Staatskasse wieder aufzufüllen, wuchs der Hass des Volkes auf ihn noch mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Deshalb organisierte er überall, wo er sich niederließ, ein Fest (d. h. einen öffentlichen Feiertag) und beschäftigte die Menschen damit, ihn zu beobachten, damit sie die Augen vor seinen unbeliebten Handlungen verschlossen oder keine Zeit hatten, diese zu sehen… Die letzten Emire von Buchara nutzten dieses Fest, um die Menschen lange Zeit mit nutzlosen und schädlichen Dingen zu beschäftigen und so in Frieden für sich selbst zu leben.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-vor-100-jahren-die-bolschewiki-das-emirat-von-buxoro-und-das-khanat-von-xiva-zerstoerten/"><strong>Wie vor 100 Jahren die Bolschewiki das Emirat von Buchara und das Khanat von Xiva zerstörten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Aussagen des Korans und anderer heiliger islamischer Quellen ging die Gier des Klerus manchmal so weit, dass sie sogar das Wort Allahs missachteten. Die Suren Al´-Baqara und Al´-Imran enthalten einen sehr interessanten Hinweis: Einige der früheren Propheten und ihre Anhänger verdrehten willkürlich die Worte Allahs und stellten ihre Verfälschungen als Gebote und Taten Allahs selbst dar; damit versuchten sie immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Zweifellos taten sie dies absichtlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits sind die koranischen Zeugnisse eine heilige Bestätigung der universellen Wahrheit: Die Ausleger des Korans und der Sunna stammen nicht aus dem Geschlecht der Engel; da sie Menschen sind, waren und sind sie nicht vor Verständnislücken und Ungenauigkeiten in der Auslegung sicher. Eben das gilt auch für ihr spirituelles Bild, das ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ebendieses menschlichen Faktors ist. (Vergleichen Sie dies mit den Worten und Taten derer, die im Koran als „Heuchler“ dargestellt werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne ist der Muslim gewissermaßen ein Spiegelbild der Reife der spirituellen Kultur seiner Gesellschaft. Angesichts all dieser allgemeinen Argumente und Überlegungen muss man sich fragen: Womit genau steht die Feier des Nawruz im Widerspruch? Mit den Vorschriften des Islam im Allgemeinen? Oder mit der Auslegung und Interpretation einzelner koranischer Vorschriften? Oder vielleicht mit bestimmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatwa">Fatwas</a>, die einige muslimische Rechtsgelehrte oder Gelehrte unter bestimmten Umständen oder in Bezug auf eine bestimmte Frage verfasst oder schriftlich geäußert haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein einheitlicher Ansatz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der Überlegung ist im Endeffekt, dass es keinen einheitlichen, allumfassenden, grundlegenden islamischen Ansatz zum Nawruz-Fest gibt, den alle Denkschulen, Sekten oder Rechtsschulen (zumindest im Rahmen des geistigen Bereichs der beiden wichtigsten islamischen Denkschulen) als universelle Wahrheit anerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Quelle der heutigen Protesten gegen Nawruz-Feierlichkeiten sind die religiösen Schriften von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Ghaz%C4%81l%C4%AB">al´-Ghazali</a>, einer der einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. In der Geschichte der islamischen Wissenschaft ist al´-Ghazali nicht nur als Autor einer Reihe grundlegender Werke: Der Imam verfügte zudem über ein seltenes kritisches Denken, das sich durch Scharfsinn und Einsicht auszeichnete. So suchte Ghazali beispielsweise in seinem berühmten Werk „Tahafut al-Falasifa“ Spuren von Gotteslästerung und Ketzerei in den Gedanken und Taten seiner Vorgänger und Zeitgenossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den prominenten Denkern, die der Imam scharf kritisierte und verurteilte, gehörte auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna">Ibn Sina</a>: Ghazali verurteilte nicht nur seine Werke, sondern auch seinen Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/avicenna-filmische-biografie-eines-grossen-gelehrten/"><strong>Avicenna – Filmische Biografie eines großen Gelehrten</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imame stammten zwar selbst von den Tadschiken aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Khorasan</a> ab; an manchen Orten lehnten sie jedoch systematisch und sogar fanatisch die wichtigsten Teile des kostbaren Erbes ihrer Vorfahren ab, insbesondere jene, die heute als Perlen der tadschikischen und iranischen Kultur gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So forderte Ghazali in seinem Buch „Die Alchemie des Glücks“ von den Muslimen, insbesondere von der persischsprachigen Gemeinschaft, die Namen und Symbole zweier alter tadschikischer und iranischer Feste – Nawruz und Sada – aus dem Gedächtnis zu löschen: <em>„Das Verwenden von Parolen der Verstorbenen ist verboten und widerspricht dem Gesetz … Nawruz und Sada müssen ausgelöscht werden und niemand darf sie erwähnen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wechselten die Imame vom Bereich der Moral direkt in den Bereich der militanten Ideologie. Ihr Hauptziel war es, die Feierlichkeiten der vorislamischen Feste der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAdscham">Adscham</a> aus Sicht des (vermeintlich) rechtschaffenen Islam offiziell zu verbieten.“</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Akbar Tursun für Asia-Plus</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://asiaplus.news/2026/03/27/iranskie-vlasti-zayavili-o-mobilizaczii-svyshe-odnogo-milliona-rezervistov/"><strong>Russischen</strong></a><strong> (und gekürzt) von Giulia Manca</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Usbekistans Militärdoktrin im Zeitalter der Drohnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 20:54:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen &#xFC;berarbeitet Usbekistan derzeit seine Milit&#xE4;rdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der B&#xFC;ndnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner milit&#xE4;rischen Kapazit&#xE4;ten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien. In seiner Rede vom 13. Januar k&#xFC;ndigte der usbekische Pr&#xE4;sident Shavkat Mirziyoyev einen Quantensprung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der raschen Entwicklung neuer Konfliktformen überarbeitet Usbekistan derzeit seine Militärdoktrin und seine Sicherheitsstruktur. Ohne seine grundlegenden Prinzipien der Bündnisfreiheit aufzugeben, beginnt Taschkent mit einer Umgestaltung seiner militärischen Kapazitäten und setzt dabei auf die Integration von Drohnen, digitalen und neuen Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner <a href="https://president.uz/en/lists/view/8851">Rede vom 13. Januar</a> kündigte der usbekische Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> einen Quantensprung bei der Modernisierung der Streitkräfte und deren Militärdoktrin an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hob der Staatschef <a href="https://asiaplustj.info/en/news/centralasia/20260114/uzbek-president-orders-review-of-the-countrys-defense-doctrine-amid-changing-nature-of-warfare">mehrere Faktoren</a> hervor: die Zunahme regionaler Konflikte, die Untergrabung des Völkerrechts und die Zunahme hybrider Kriege. Konflikte beschränkten sich heute nicht mehr auf konventionelle Auseinandersetzungen zwischen regulären Armeen, sondern umfassten auch die Bereiche Technologie, Cybersicherheit, Information und Industrie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neue Technologien haben alte Richtlinien überholt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehreren Jahren modernisiert Usbekistan schrittweise seine Streitkräfte, indem es gezielt Anschaffungen, industrielle Kooperationen und den Kompetenzaufbau seines Sicherheitsapparats aufeinander abstimmt. Angesichts der instabilen Lage in der Region und der sich wandelnden Formen der Kriegsführung, die heute hybride, technologische und informationelle Züge trägt, scheint Taschkent sein strategisches Denken grundlegend anpassen zu wollen, insbesondere durch die zunehmende Integration von Drohnen und digitalen Systemen in sein Militär.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund erscheinen die aus früheren Jahrzehnten übernommenen Richtlinien zunehmend als wenig geeignet für die heutige Realität. Laut <a href="https://en.fergana.agency/news/144651/">Fergana News</a> ist die derzeitige usbekische Militärdoktrin bereits acht Jahre alt, während das nationale Sicherheitskonzept aus dem Jahr 1997 stammt und im November 1999 vom <a href="https://www.files.ethz.ch/isn/92601/99_Nov.pdf">Conflict Studies Research Centre</a> analysiert wurde. Dies steht in starkem Kontrast zu den rasanten technologischen und strategischen Veränderungen der letzten Jahre.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mirziyoyevs Kernthemen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser strategischen Wende bekräftigt Taschkent seine Grundsätze. Die Bündnisfreiheit bleibt ein zentraler Pfeiler der usbekischen Verteidigungspolitik, genauso wie die Weigerung, formellen Militärbündnissen künftig beizutreten. Damit zeigt das Land den Willen, in einem von der Konkurrenz der Großmächte geprägten regionalen Umfeld ein Höchstmaß an strategischer Autonomie zu bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan bleibt weiterhin nicht so verschlossen wie sein südlicher Nachbar Turkmenistan und beteiligte sich an gemeinsamen Manövern mit zentralasiatischen Ländern, insbesondere an der <a href="https://timesca.com/central-asian-countries-and-azerbaijan-begin-military-exercises-in-kazakhstan/">Übung <u>„Birlestik-2024”</u></a> im Kaspischen Meer vom 9. bis 17. Juli 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-mordversuch-an-ex-pressesprecher-usbekistan-strukturiert-regierungsapparat-um/">Nach Mordversuch an Ex-Pressesprecher: Usbekistan strukturiert Regierungsapparat um</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Neuerung liegt vielmehr in den neuen Schwerpunktbereichen: In seiner Rede betont der Präsident die Integration digitaler Technologien in das Militärkommando, die Entwicklung von präzisen Langstreckenwaffen, die Stärkung der Cyberabwehr sowie den Ausbau der Robotik und unbemannter Systeme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Orientierung geht mit einer strategischen Verlagerung hin zu einem präventiveren und proaktiveren Ansatz in der nationalen Sicherheit einher, insbesondere durch die Zentralisierung der Cybersicherheit und des Schutzes der digitalen militärischen Infrastrukturen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fakten als Antrieb für technologischen Wandel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits jetzt zeigt sich die Entwicklung der usbekischen Doktrin in konkreten industriellen und operativen Entscheidungen. Usbekistan hat mit der Entwicklung oder Integration mehrerer moderner Landplattformen begonnen, darunter die gepanzerten Fahrzeuge <a href="https://www.armyrecognition.com/archives/archives-land-defense/land-defense-2024/uzbek-army-starts-testing-new-locally-made-arslon-8x8-apcs-and-tarlon-m-4x4-armored-vehicles">Arslon 6×6 und 8×8, Tarlon-M 4×4</a>, <a href="https://defindustry.uz/catalog/1/19/qalqon/">Qalqon</a>, <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2024/04/26/aksum/">Aksum</a> sowie die motorisierte Artillerie <a href="https://daryo.uz/en/category/uzbekistan/xaxwi81jz6z9">To’fon</a>, die teils aus gezielten Kooperationen mit ausländischen Partnern hervorgegangen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-tod-des-diktators-und-einsetzendes-tauwetter-ueber-das-letzte-jahrzehnt-in-usbekistan/">Der Tod des Diktators und einsetzendes Tauwetter – Über das letzte Jahrzehnt in Usbekistan</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Hinblick auf Drohnen hat Taschkent mehrere wichtige Meilensteine erreicht: Die Tests und die Inbetriebnahme der <a href="https://militarnyi.com/en/news/first-in-central-asia-uzbekistan-orders-flexrotor-drones-from-airbus/">Flexrotor-Drohnen von Airbus</a> im November 2025 sowie die Entwicklung der militärisch-zivilen Drohne <a href="https://eurasianet.org/uzbekistan-poised-to-produce-its-own-military-drones">Lochin</a> für Aufklärung, Brandbekämpfung und Landwirtschaft verdeutlichen diesen schrittweisen Aufstieg. Die wichtigste Ankündigung bleibt jedoch die Schaffung einer Spezialeinheit von Grenzschutzkräften, die speziell mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bayraktar_TB2">Bayraktar TB2-Drohnen</a> vom Typ MALE (Medium Altitude Long Endurance) ausgerüstet ist. Schließlich wurde laut <a href="https://asiaplustj.info/en/node/356942">Asia-Plus</a> die mit gleichnamigen Drohnen ausgerüstete „Lochin”-Einheit neu organisiert, wobei 100 Drohnen durch verbesserte Waffen ersetzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Somit ist Usbekistan der erste zentralasiatische Staat, der Einheiten für den operativen Einsatz mit bewaffneten Drohnen als integralen Bestandteil seines Sicherheitssystems aufbaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasien-als-neuer-knotenpunkt-fuer-drohnen/">Zentralasien als neuer Knotenpunkt für Drohnen?</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überarbeitung der usbekischen Militärdoktrin stellt keineswegs einen abrupten Bruch dar, sondern ist Teil eines seit mehreren Jahren bestehenden strategischen Plans. Durch die vollständige Integration von Drohnen und Cybertechnologie in sein strategisches Denken stärkt Usbekistan seine regionale Position und erhöht seine Glaubwürdigkeit im zentralasiatischen Kräfteverhältnis, wobei es gleichzeitig die Grundprinzipien beibehält, die seine Sicherheitspolitik seit der Unabhängigkeit prägen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lenny Cabrol Noto für Novastan</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/ouzbekistan/la-doctrine-de-defense-ouzbeke-entre-dans-l-ere-des-drones/">Französischen</a></strong> <strong>von Elisabeth Rudolph</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Frauen in Technologie in Zentralasien durchbrechen Stereotype</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hook.report]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Feb 2026 09:26:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen in Führungspositionen]]></category>
		<category><![CDATA[IT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Laut WomenTech Network waren etwa 35 Prozent Frauen im Jahr 2025 im Technologiebereich t&#xE4;tig. Trotz dieses Wachstums gibt es bei der Einstellung von Mitarbeitern geschlechtsspezifische Vorurteile. Es ist allgemein bekannt, dass vor 50 Jahren die ersten Programmierer Frauen waren, aber heute hat sich das Klischee etabliert, dass dieser Beruf nicht f&#xFC;r Frauen geeignet sei. Doch [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Laut WomenTech Network waren etwa 35 Prozent Frauen im Jahr 2025 im Technologiebereich tätig. Trotz dieses Wachstums gibt es bei der Einstellung von Mitarbeitern geschlechtsspezifische Vorurteile. Es ist allgemein bekannt, dass vor 50 Jahren die ersten Programmierer Frauen waren, aber heute hat sich das Klischee etabliert, dass dieser Beruf nicht für Frauen geeignet sei. Doch die vorliegenden Geschichten beweisen das Gegenteil – zusammen mit dem Team von IDEA Central Asia sprach Hook im Rahmen des Go Viral-Programms mit Frauen aus der IT-Branche in Zentralasien darüber, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind und was sie erreicht haben. Hier sind Frauen aus der IT-Branche, die erfolgreich sind</strong>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Natalya Klimenko</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hat einen Bachelor-Abschluss in englischer und deutscher Philologie und studierte an der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Karakalpak_State_University">Karakalpakischen Staatlichen Universität</a> in Nukus, Usbekistan. Sie gründete das EdTech-Startups Stemio und sammelte bereits 8 Jahre Erfahrung im Management, Geschäftsentwicklung und der Umsetzung von IT-Projekten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="713" height="713" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko1.jpg" alt="" class="wp-image-44069" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko1.jpg 713w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko1-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko1-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Weg in die IT war nicht geplant, sondern das Ergebnis vieler zufälliger Begegnungen und Chancen. Obwohl sie Geisteswissenschaften studierte, kam sie über Start-up-Veranstaltungen an der Inha University zunächst in die Telekommunikation, später ins Marketing und schließlich ins digitale Marketing. Durch ihr wachsendes Netzwerk in der Start-up- und IT-Szene engagierte sie sich als Mentorin bei der Technovation Challenge, erreichte das Finale und nahm 2017 am internationalen TechWomen-Programm teil, das ihr ein Praktikum bei BigCommerce im Silicon Valley ermöglichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 2017 bis 2023 war sie beim Start-up BILLZ tätig, wo sie für Business Development und Vertrieb verantwortlich war und neue Märkte in Usbekistan, Kasachstan und weiteren Ländern erschloss. Heute entwickelt sie ihr eigenes Start-up Stemio, ein Online-Ökosystem für Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren zur Förderung von MINT-Kompetenzen. Zudem initiierte sie gemeinsam mit Partnern und mit Unterstützung des UNDP den Accelerator StartCamp, der Unternehmerinnen gezielt in Marketing und Vertrieb schult.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz vieler bestehender Stereotypen wurde sie selten mit Vorurteilen konfrontiert. Ihr berufliches Umfeld sei fortschrittlich und unterstützend gegenüber weiblichen Führungskräften. Eine prägende Ausnahme erlebte sie jedoch im Gespräch mit einem potenziellen Investor, der davon ausging, sie finanziere ihr Start-up mit dem Geld ihrer Familie oder ihres Mannes – ohne in Betracht zu ziehen, dass sie selbst investiert. Tatsächlich baute sie ihr Projekt von Beginn an mit eigenen Mitteln auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angetrieben wird sie von ihrer Leidenschaft für Technologie und Unternehmertum sowie von einer klaren Vision: ein eigenes Produkt zu schaffen, das das Bildungssystem nicht nur in Usbekistan, sondern auch international verändert. Selbst in schwierigen Phasen geben ihr der Glaube an diese Vision und das Wissen, dass andere diesen Weg erfolgreich gegangen sind, die Kraft weiterzumachen. Langfristig verfolgt sie zudem einen sehr persönlichen Traum – eines Tages ins All zu fliegen und die Erde von oben zu sehen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Klimenko beschreibt ihr Umfeld als unterstützend, und in ihrem Team arbeiten mehr Frauen als Männer. Zwar übernehmen zunehmend Frauen Führungsrollen in Start-ups und der IT-Branche, doch es besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Besonders fehle es an Rückhalt aus dem privaten Umfeld sowie an systemischer Unterstützung durch Staat und Unternehmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44070" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Natalya-Klimenko3.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ermutigt junge Frauen, früh praktische Erfahrungen zu sammeln, an Programmen, Hackathons und Praktika teilzunehmen und vorhandene kostenlose Lernangebote zu nutzen. Künftig möchte sie selbst Initiativen starten, um mehr Mädchen und Frauen für IT und MINT zu begeistern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ne-kyltan-wie-digitalisierung-die-kirgisische-sprache-veraendert/"><strong>“Ne kyltan?” – Wie Digitalisierung die kirgisische Sprache verändert</strong></a><strong></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Botagoz Kassabek</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unternehmerin, Mitinhaberin und Mitglied des Kuratoriums des öffentlichen Fonds „Alma“, außerdem nebenberuflich unabhängige Direktorin im Vorstand nationaler Unternehmen Kasachstans: AO TEF, AO GIS-Zentrum Kasachstans.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="459" height="459" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Botagoz-Kassabek1.jpg" alt="" class="wp-image-44071" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Botagoz-Kassabek1.jpg 459w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Botagoz-Kassabek1-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Botagoz-Kassabek1-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 459px) 100vw, 459px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hat über 15 Jahre Erfahrung in führenden IT-Unternehmen Kasachstans sowie in internationalen, quasi-staatlichen Strukturen. Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit hält sie Gastvorlesungen an Universitäten, moderiert IT-Foren und ist als Partnerin und Mitorganisatorin in der Tech-Community aktiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Weg in die IT schlug sie bereits in der Schulzeit ein, studierte Informatik und später Rechtswissenschaften und bildet sich bis heute regelmäßig an internationalen Spitzenuniversitäten weiter. Trotz familiärer Unterstützung war sie mit Stereotypen konfrontiert, ist jedoch überzeugt, dass Frauen mit ihren analytischen und organisatorischen Fähigkeiten entscheidend zum Erfolg von Unternehmen beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Frauen in Führungs- und Aufsichtsgremien weiterhin unterrepräsentiert sind, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Ihrer Ansicht nach braucht es vor allem hochwertige Plattformen, Eigeninitiative und Engagement. Wichtig für Frauen: lernen, Verantwortung übernehmen und kontinuierlich arbeiten – der Einstieg in die IT sei möglich für jede, die bereit sei, sich anzustrengen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/wer-entscheidet-in-zentralasien-wie-frauen-auszusehen-haben/"><strong>Wer entscheidet in Zentralasien, wie Frauen auszusehen haben?</strong></a><strong></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Renata Axmetzyanova</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">hat einen Bachelor-Abschluss in Informationstechnologie an der Amity University Taschkent und ist Frontend-Entwicklerin im Homeoffice bei Karve Digital.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="830" height="830" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-1.jpg" alt="" class="wp-image-44072" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-1.jpg 830w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-1-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-1-150x150.jpg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-1-768x768.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schon seit ihrer Kindheit faszinierten Renata Computer – sie wollte verstehen, wie sie funktionieren, und selbst Produkte schaffen, statt sie nur zu nutzen. Ihren Weg in die IT fand sie jedoch nicht sofort: Zunächst arbeitete sie im Personalwesen und in der IT-Rekrutierung, bevor sie bewusst den Wechsel auf die technische Seite vollzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie studierte Informationstechnologie an der Amity University Taschkent, sammelte erste Praxiserfahrungen durch ehrenamtliche Mitarbeit, eigene Projekte und Experimente und wechselte schließlich in die Frontend-Entwicklung bei Karve Digital. Dort arbeitet sie heute an internationalen Projekten für Kunden wie NIO UAE, Trivandi und Geely UAE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr frühes Interesse an Technologie wurde von Familie und Freundeskreis stets unterstützt – viele davon lernte sie bereits im Studium kennen, wo eine gemeinsame Begeisterung für Programmierung und Technologie verband.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44073" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-2.jpg 1758w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Usbekistan ist es für Frauen generell schwieriger, einen Job zu finden, nicht nur in der IT-Branche. Bei Vorstellungsgesprächen wurde sie oft nicht so sehr zu ihren Fähigkeiten befragt, sondern eher zu persönlichen Themen wie Familienstand, Kinderwunsch und den Beziehungsstatus. Das zeigt sofort, dass Arbeitgeber manchmal nicht an der Professionalität zweifeln, sondern daran, wie lange eine Frau in ihrem Beruf „bleiben wird”. Das ist natürlich demotivierend, aber mit der Zeit versteht man, dass der einzige Weg, Stereotypen zu durchbrechen, darin besteht, Ergebnisse zu zeigen und zu beweisen, dass man aufgrund seiner Arbeit wertvoll ist und nicht aufgrund seiner persönlichen Umstände.</p>



<p class="wp-block-paragraph">IT bedeutet für Renata Freiheit. Programmierer sind nicht nur auf den Code beschränkt: Sie können Entwickler sein, sich aber auch in den Bereichen Management, Personalbeschaffung, Design und Kommunikation versuchen. Dieser Bereich bietet die Möglichkeit, Rollen zu wechseln, verschiedene Bereiche zu kombinieren und das zu finden, was einem am meisten liegt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44074" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Renata-Axmetzyanova-3.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Heute arbeitet sie in einem professionellen und respektvollen Umfeld, in dem Leistung wichtiger ist als Geschlecht. Zwar sind Frauen in IT-Teams weiterhin unterrepräsentiert, doch der Fokus auf Kompetenzen nimmt zu – im Gegensatz zu ihrer früheren Erfahrung im Recruiting, wo Sexismus und irrelevante Anforderungen an Kandidatinnen häufiger waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihrer Ansicht nach fehlt es Frauen in der IT vor allem an Unterstützung und sichtbaren Vorbildern. Sie ermutigt dazu, ohne Angst klein anzufangen, praktische Erfahrungen zu sammeln und aktiv Netzwerke aufzubauen – etwa durch Seminare, Hackathons und Inkubatoren. Mentoring, Fragenstellen und der Austausch innerhalb der Community seien entscheidend für einen erfolgreichen Einstieg in die Branche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/social-media-trend-in-tadschikistan-wie-frauen-gegen-stereotype-kaempfen/"><strong>Social Media Trend in Tadschikistan: Wie Frauen gegen Stereotype kämpfen</strong></a><strong></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Juldyz Saulebekova</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachische Top-Managerin und Technologieführerin, bekannt als Leiterin der Almaty Air Initiative, die Technologien, Daten, künstliche Intelligenz und kreative Kommunikation nutzt und Gesetzesinitiativen zur Verbesserung der Luftqualität in Almaty unterstützt. Master of Science in Angewandter Statistik und Data Mining, University of St. Andrews, Großbritannien.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="250" height="250" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova1.jpg" alt="" class="wp-image-44075" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova1.jpg 250w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova1-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Juldyzwar als operative Direktorin bei führenden internationalen Unternehmen wie Binance, Yandex und Uber tätig. 2016 startete sie Uber in Kasachstan, skalierte den Dienst Yandex Taxi auf ausländische Märkte und leitete den Start der ersten lizenzierten Kryptobörse Binance Kazakhstan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie unterstützt die Entwicklung einer Meritokratie und einer geschlechtsunabhängigen Führung, die auf innerer Stärke und Kompetenzen basiert. Zudem ist sie Autorin des Telegram-Kanals „Izyaschnoe liderstvo” (Anmutige Führung) – über Führung, Karriere und persönlichen Einfluss, Befürworterin eines gesunden Lebensstils und Mutter von zwei Söhnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre berufliche Reise in die IT begann bei der Versicherungsgesellschaft London-Almaty, wo sie als Analystin erstmals erlebte, wie Technologie Geschäftsprozesse grundlegend verändern kann. Die Einführung einer Oracle-basierten Software automatisierte manuelle Abläufe, reduzierte Fehler und machte Systeme skalierbar – ein Schlüsselmoment, der ihr das transformative Potenzial von Technologie vor Augen führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend studierte sie an der University of St. Andrews maschinelles Lernen, neuronale Netze, Data Mining und statistische Modellierung. Bereits zu einer Zeit, als Big Data und künstliche Intelligenz noch Zukunftsthemen waren, erkannte sie, dass Daten und Technologien die zentrale Rolle der kommenden Jahre spielen würden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44076" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova2.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Studium in Data Mining an der University of St. Andrews sorgte in der Familie zunächst für Missverständnisse – einige hielten es für Bergbau, später wurde ihre Arbeit in der Blockchain-Branche bei Binance mit dem „Bitcoin-Mining“ gleichgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgewachsen in einem Umfeld, in dem Frauen in Führungspositionen selbstverständlich waren, erlebte sie stets familiäre Unterstützung. Ihre Karriere wurde ruhig, aber mit Stolz begleitet – ihr Mann bezeichnet ihren beruflichen Erfolg scherzhaft als gemeinsame Teamleistung der Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als größtes Hindernis für Frauen sieht sie weniger berufliche als kulturelle Stereotype. Übermäßige Bescheidenheit schade der Karriere: Wer vorankommen wolle, müsse an sich glauben, eigene Ideen vertreten, Initiative zeigen und aktiv Chancen ergreifen – dafür seien innere Freiheit und Selbstvertrauen entscheidend.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44077" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova3.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schon früh lernte sie, gesellschaftliche Erwartungen zu hinterfragen: Selbst ihre Mutter, trotz eigener Führungsrolle, sorgte sich, dass Offenheit und Durchsetzungsstärke ihrem Privatleben schaden könnten. Heute ist sie überzeugt, dass sich Karriere und Familie sehr gut vereinbaren lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als hinderlich empfindet sie weniger geschlechtsspezifische als kulturelle und branchenspezifische Stereotype. Ihr Wechsel von Blockchain zur Ökologie stieß auf Unverständnis – dabei zeigt sie mit der Almaty Air Initiative, dass Umwelt- und Hightech-Themen zusammengehören und künstliche Intelligenz sowie Datenanalyse zentrale Werkzeuge nachhaltiger Entwicklung sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesundheit steht für sie an erster Stelle, denn ohne sie verlieren Karriere und Technologie an Bedeutung. Arbeit versteht sie als Mittel, die Welt aktiv mitzugestalten. Nach einer beruflichen Pause aus familiären Gründen half ihr die Rückkehr ins Berufsleben, Selbstvertrauen und Sinn wiederzufinden. Für echte innere Harmonie, sagt sie, brauche eine Frau neben Familie auch Raum zur Selbstverwirklichung – in Beruf und Kreativität.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44078" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Juldyz-Saulebekova4.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen beruflichen Kontexten ist sie nach wie vor die einzige Frau im Raum – ein Spiegel der Geschlechterungleichgewichte in IT, Politik und großen Unternehmen. Daran hat sie sich gewöhnt und nutzt die Zusammenarbeit mit überwiegend männlichen Führungskräften bewusst als Lernquelle. Ihre Erkenntnisse gibt sie gezielt an andere Frauen weiter, unter anderem über persönliche Gespräche und ihren Telegram-Kanal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen „Kampf der Geschlechter“ lehnt sie ab. Ihrer Ansicht nach ergänzen sich männliche und weibliche Führungsstile. Frauen zeichnen sich besonders im operativen Management durch Anpassungsfähigkeit, Multitasking, Prozessverständnis und Empathie aus. In dieser Verbindung von Entschlossenheit und Menschlichkeit sieht sie die Führungsqualität, die die heutige Welt braucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe sechs universelle Karriereprinzipien für Frauen, die ich im Laufe meiner langjährigen Arbeit entwickelt habe. Dabei spielt der Bereich keine Rolle – sei es IT oder ein anderer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Always be hustling – seien Sie stets aktiv. Ihre Karriere ist ein Projekt, das Energie, Aufmerksamkeit und Strategie erfordert. Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen jemand eine Chance bietet – suchen oder schaffen Sie sie sich selbst. Sehen Sie ein Problem? Schlagen Sie eine Lösung vor. Niemand will eine schwierige Aufgabe übernehmen? Übernehmen Sie sie selbst. Haben Sie keine Angst vor Veränderungen: Die besten Karrieremöglichkeiten entstehen gerade in Zeiten des Chaos und des Wandels. Wenn eine Tür geschlossen ist, suchen Sie eine andere.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Seien Sie bereit für Chancen, bevor sie sich bieten. Träumen Sie von einem eigenen Unternehmen – warten Sie nicht, bis Sie zehn Bücher gelesen oder einen MBA erworben haben. Beginnen Sie schon jetzt, sich weiterzubilden. Möchten Sie Top-Managerin eines internationalen Unternehmens werden – lernen Sie Englisch, entwickeln Sie Soft Skills, Verhandlungsgeschick und rhetorische Fähigkeiten – auch wenn Sie derzeit an der Rezeption sitzen.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Selbstreflexion ist unerlässlich. Wenn Sie das Gefühl haben, in einem bestimmten Bereich kein Glück zu haben, bemerken Sie möglicherweise einfach ein sich wiederholendes Muster nicht. Das ist Unempfindlichkeit gegenüber wichtigen Signalen: Entweder wiederholen Sie alte Fehler oder Sie sehen die Möglichkeiten in Ihrer Nähe nicht. Eine nicht gelernte Lektion kehrt immer wieder zurück – mit neuen Menschen oder in neuer Form.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Menschen fördern Menschen. Networking und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, sind oft wichtiger als Kompetenzen, also machen Sie sich sichtbar. Denken Sie daran: Eine Beförderung ist eine Vorauszahlung für Ihr Potenzial und keine Belohnung für Ihre Vergangenheit. In vielen Unternehmen ist die Unternehmenskultur immer noch um männliche Formate wie Fußball und Wasserpfeife herum aufgebaut. Frauen haben dort oft einfach keinen Platz. Aber das ist kein Grund, sich zurückzuziehen – schaffen Sie Ihre eigenen Kommunikationsformate, Ihre eigenen Communities, in denen sich Chancen ergeben.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Executive Presence. Selbstbewusstsein, klare Sprache und ein einheitliches Image prägen die Wahrnehmung von Führungsqualitäten. Ihr Ruf ist Ihr wichtigstes Kapital. Und er wird über Jahre hinweg aufgebaut.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>• Bauen Sie sich eine Stütze auf – innerlich und äußerlich. Werden Sie zu einer Patriotin Ihrer selbst. Erlauben Sie sich, Fehler zu machen, aber verlieren Sie nicht den Glauben an sich selbst. Sichern Sie sich die Unterstützung Ihrer Familie und versuchen Sie nicht, alles alleine zu schultern. Eine Karriere alleine ist viel schwieriger.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/des-frauentag/"><strong>Der Frauentag</strong></a><strong></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Jenis Izmaganbet</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Veturi Venture Studio, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Germany</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="506" height="506" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet1.jpg" alt="" class="wp-image-44079" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet1.jpg 506w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet1-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet1-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 506px) 100vw, 506px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Jenis stammt aus der kleinen kasachstanischen Ölstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aqtau">Aktau</a> und zog direkt nach dem Schulabschluss nach Europa. Dort studierte sie in Deutschland, Spanien und Polen und startete nach ihrem Bachelor ihre Karriere in der Zentrale der Bosch GmbH in Stuttgart. Die Arbeit in einem internationalen Technologiekonzern setzte für sie hohe professionelle Maßstäbe, zugleich wuchs jedoch der Wunsch, nicht nur Teil eines etablierten Systems zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus persönlicher Motivation und dem Interesse am sich entwickelnden kasachstanischen Markt kehrte sie 2017 in ihre Heimat zurück und wurde Teil des ersten Teams des Technoparks Astana Hub. Mit diesem Projekt begann ihre nachhaltige Begeisterung für IT-Start-ups und das unternehmerische Ökosystem.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44080" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet2.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Lange Zeit konnten ihre Eltern ihren beruflichen Weg nicht nachvollziehen und hätten sie lieber auf einer klassischen Karriereleiter gesehen, etwa in der Ölindustrie. Sie selbst versucht jedoch, sich nicht auf Stereotype oder Hindernisse zu fokussieren, auch wenn die globalen Zahlen deutlich zeigen, dass Gründerinnen weiterhin stark unterfinanziert sind. Diese Ungleichgewichte erklärt sie mit historischen und kulturellen Faktoren – zugleich sieht sie sich und andere Unternehmerinnen in Kasachstan als erste Welle, die den Markt aktiv verändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aufbau von IT-Start-ups ist heute ihr zentrales Tätigkeitsfeld. Angetrieben wird sie vom Glauben an sich selbst und an die Kraft von Technologie, langfristig Branchen und Menschen positiv zu beeinflussen. Diese Vision und ihre Ambitionen, internationale Projekte umzusetzen, geben für sie klar die Richtung vor.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="580" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3-1024x580.jpg" alt="" class="wp-image-44081" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3-1024x580.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3-300x170.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3-768x435.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3-1536x870.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/02/Jenis-Izmaganbet3.jpg 1890w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Weibliche Führungskräfte schließen sich derzeit zusammen und bündeln ihre Kräfte, was sehr erfreulich ist. Auch immer mehr Männer unterstützen und erkennen die Bedeutung von Unternehmerinnen in der Marktwirtschaft Kasachstans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich wünsche mir mehr Selbstvertrauen und Zuversicht für jede Frau in ihrer beruflichen Entwicklung. Ich würde empfehlen, geplante Ideen so schnell wie möglich auszuprobieren. 80 Prozent Sicherheit bei einer Entscheidung sind besser als etwas, das später mit 90 Prozent Sicherheit unternommen wird. 100 Prozent Sicherheit wird es nie geben. Später wird die Hypothese höchstwahrscheinlich nicht funktionieren und die Chance wird verpasst sein. Beginnen Sie mit kleinen Projekten und steigen Sie gleichzeitig in das VC-Ökosystem ein. Haben Sie keine Angst vor Versuch und Irrtum – das gehört dazu“, sagt Jenis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die IT-Branche war nie eine typisch männliche Domäne, und in den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr Frauen für eine Karriere in der Informationstechnologie. Frauen, die in die Technologiebranche kommen, bringen neue Ansätze, Liebe zum Detail und Mut zum Experimentieren mit. Jede von ihnen beweist, dass Kompetenz kein Geschlecht hat. Und trotz aller Stereotypen zeigen unsere Heldinnen mit ihrem Beispiel, dass Professionalität und Liebe zum Beruf der Motor sein können, um Träume zu verwirklichen, und dass die Branche selbst offener und gerechter wird.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Sara Derbishova</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Hook Report</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Eine Stimme ohne Grenzen: ein kasachischer Tenor in der europäischen Tradition</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nurgulzh]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 13:35:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachische Musizierende: auf den Spuren des europäischen Erbes]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der f&#xFC;hrende Solist der &#x201E;Astana Opera&#x201C; Medet Chotabayev, ist Tenor, dessen beruflicher Werdegang die kasachische Gesangsschule, die italienische Operntradition und die Erfahrung gro&#xDF;er internationaler Theater verbindet. Im Interview spricht er nicht nur &#xFC;ber seine pers&#xF6;nliche Biografie, sondern auch &#xFC;ber die Unterschiede zwischen den Opernsystemen Europas und Kasachstans, die Rolle der B&#xFC;hne bei der Entwicklung eines [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der führende Solist der „Astana Opera“ Medet Chotabayev, ist Tenor, dessen beruflicher Werdegang die kasachische Gesangsschule, die italienische Operntradition und die Erfahrung großer internationaler Theater verbindet. Im Interview spricht er nicht nur über seine persönliche Biografie, sondern auch über die Unterschiede zwischen den Opernsystemen Europas und Kasachstans, die Rolle der Bühne bei der Entwicklung eines Sängers und darüber, wie kasachstanische Künstler:innen heute außerhalb ihres Landes klingen und wahrgenommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Artikel ist Teil der Interviewreihe </em><a href="https://novastan.org/de/tag/kasachische-musizierende-auf-den-spuren-des-europaeischen-erbes/"><em>Kasachische Musizierende: auf den Spuren des europäischen Erbes</em></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Medet Chotabayev ist Absolvent des Musikcolleges in Semeı, des Konservatoriums in Almaty und der Internationalen Gesangsakademie, die nach Renata Tebaldi und Mario del Monaco aus Italien benannt wurde.&nbsp; Für die Stärkung der kulturellen Beziehungen zwischen Kasachstan und Italien erhielt Chotabayev die höchste italienische Auszeichnung für Ausländer:innen – den „Orden des Sterns von Italien“. Außerdem wurde ihm für seinen Beitrag zur Entwicklung der Kultur und Kunst des Landes der staatliche Titel „Verdiente Persönlichkeit Kasachstans“ verliehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nurgul Adambayeva für Novastan: Medet, erzählen Sie uns etwas über den Beginn Ihrer künstlerischen Laufbahn: Wie sind Sie zur Musik, zur Oper gekommen? War das eine bewusste Entscheidung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chotabayev: Ich besuchte bis zur 9. Klasse eine normale Mittelschule und in meiner Familie gab es keine professionellen Musiker:innen. Meine Mutter arbeitete in einem Fleischverarbeitungsbetrieb, mein Vater in einem Maschinenbauwerk. Aber meine Mutter war von Natur aus sehr musikalisch: Sie sang im Chor und spielte nach Gehör Klavier, ohne Noten zu kennen. Ich glaube, diese innere Musikalität habe ich von ihr geerbt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe seit meiner Kindheit gesungen, aber nicht auf der Bühne, sondern einfach zu Hause, auf der Straße, im Dorf. Im Sommer wurde ich aufs Land geschickt. Dort sangen alle – Hirt:innen, Verwandte, Nachbar:innen. Aber niemand hätte gedacht, dass ich das später einmal professionell machen würde, nicht einmal ich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/die-orgel-zwischen-zwei-welten-eine-kasachische-geschichte-eines-europaeischen-instruments/"><strong>Die Orgel zwischen zwei Welten: eine kasachische Geschichte eines europäischen Instruments</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schule war ich ein durchschnittlicher Schüler. Ich wurde nicht in die zehnte Klasse aufgenommen und musste mich dringend entscheiden, wie es weitergehen sollte. Ein Freund schlug mir vor, zum Gesangsunterricht zu gehen – einfach um zu sehen, ob ich singen kann. Dort erfuhr ich zum ersten Mal, dass es eine Musikhochschule gibt, an der man auch ohne Grundkenntnisse studieren kann. Meine Entscheidung, an diese Hochschule zu gehen, war für meine ganze Familie eine große Überraschung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie verlief die Aufnahmeprüfung am Musikcollege in Semipalatinsk (heute </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Semei"><strong>Seme</strong><strong>ı</strong></a><strong>)?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schon anekdotisch. Ich hatte den Tag der Aufnahmeprüfung vergessen und war auf‘s Land gefahren. Ich kam in letzter Minute an, hatte nicht einmal Zeit, mich umzuziehen – ich ging in Jogginghose und Flip-Flops hin! Ich kannte nur ein paar Schlager, was für die Aufnahme an einer Musikhochschule nicht besonders seriös wirkte. Die anderen Bewerber:innen und die Kommission konnten sich kaum das Lachen verkneifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich wusste, dass ich um jeden Preis an diese Hochschule kommen musste. Als das Vorsingen begann, gab ich mein Bestes – und die Lehrer:innen hörten meine Stimme. Und so wurde ich angenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das heißt, Ihre musikalische Laufbahn begann erst nach der 9. Klasse, im Alter von 15 Jahren?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja. Und gerade im Musikcollege begann meine Laufbahn in der Oper. Obwohl ich anfangs dachte, dass ich mich völlig falsch entschieden hatte: Ich mochte keine Oper und wollte Popmusik singen. Aber ich wollte das College nicht abbrechen – schließlich hatte ich selbst diesen Weg gewählt und wollte beweisen, dass meine Entscheidung richtig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, der größte Verdienst gebührt meinem Lehrer – Nurlan Kusherov. Dieser Pädagoge hat die Gabe, in Menschen Selbstvertrauen zu wecken. Unter seinen Schüler:innen sind viele Preisträger:innen nationaler Wettbewerbe und Solisten:innen staatlicher Theater. Nurlan Kusherov unterrichtet bis heute erfolgreich am selben Musikcollege in Semeı.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im zweiten Ausbildungsjahr belegte ich den zweiten Platz bei einem landesweiten Wettbewerb. Da wurde mir klar: Das ist kein Zufall.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Konnten Sie anschließend problemlos ins Konservatorium in Almaty aufgenommen werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, Preisträger:innen von Wettbewerben wurden damals automatisch aufgenommen. Aber ich habe es geschafft, meine Unterlagen einen Tag zu spät einzureichen. Und dann geschah etwas Unglaubliches: Ich kam zu Beken Zhilisbayev <em>[sowjetischer und kasachstanischer Sänger, Träger des Titels „Volkskünstler der Kasachischen SSR“, Anm. d. Autorin]</em>– einer Legende der kasachstanischen Gesangsschule. Er kannte mich nicht, aber er glaubte an mich und fuhr mich persönlich zu dem Konservatorium. Dank ihm wurde ich aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben auch in Italien studiert. Erzählen Sie uns, wie Sie dorthin gekommen sind?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits während meines Studiums am Konservatorium in Almaty trat ich häufig auf, nahm an Konzerten teil, und schließlich schickte mich der „Degdar“-Fonds <em>[kasachstanischer humanitärer Fonds, der sich für wohltätige und kulturelle Bildungsaktivitäten einsetzt, gegründet 2001, Anm. d. Aut.] </em>für ein zweijähriges Studium nach Italien. Ich habe mein Studium dort und in Almaty kombiniert, bin zum Ablegen der Prüfungen nach Kasachstan gekommen und dann wieder nach Italien zurückgefahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lernte bei Mario Melani <em>[ein herausragender italienischer Solist und weltbekannter Pädagoge mit einer Opernbaritonstimme, Anm. d. Autorin]</em>. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein älterer Mann, ein echter Maestro der alten Schule. So tauchte ich in eine andere Gesangstradition ein. Mit mir studierten Studenten:innen aus Korea, Armenien, Georgien, Russland, der Ukraine – aus der ganzen Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt war ich einer der ersten aus Kasachstan an dieser Akademie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie war diese Erfahrung und was war während Ihrer Ausbildung in Europa am schwierigsten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht der Gesang an sich. Das Schwierigste war, mich in die Tradition und Sprache einzufinden: den Stil, die Aussprache, die Gewohnheiten der italienischen Schule zu verstehen – Dinge, die man nicht nur aus den Noten lernen kann. In Italien stieß ich auf die Tradition der Aufführung: <em>„So wird historisch gesungen“</em>, auch wenn es in den Noten formal anders steht. Daran musste ich mich erst gewöhnen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte weder Englisch noch Italienisch. Vor der Abreise versuchte ich sogar, mich davor zu drücken: Ich hatte Angst – meine erste Auslandsreise, gleich für zwei Jahre. Aber ich bin gefahren. Und nach einem halben Jahr sprach ich Italienisch. Ich ging in Abendschulen für Ausländer:innen, lernte unterwegs zur Akademie Vokabeln und wandte sie sofort im Alltag an. Als sich mir die Sprache „öffnete“, war es, als hätte sich mir eine zweite Welt eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort habe ich verstanden, dass die italienische Sprache für Opernsänger:innen Teil seines oder ihres Instruments ist, fast wie die Stimme. Englisch ist natürlich auch wichtig, aber eher als „geschäftliches“ Kommunikationsmittel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie unterschied sich Ihre Ausbildung an der italienischen Akademie von der Ausbildung am Konservatorium in Kasachstan?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Konservatorium bot ein breites Spektrum: Solfeggio, Harmonie, Polyphonie, Musikgeschichte, Musikliteratur, Schauspielkunst – all das war Teil der Ausbildung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Italien gibt es sowohl Konservatorien als auch Akademien, und das Ausbildungssystem ist etwas anders aufgebaut. Für mich war entscheidend, dass es an der italienischen Akademie jeden Tag nur Gesangsunterricht gab und fast keine allgemeinen, breit gefächerten musiktheoretischen Themen. Vollständige Konzentration auf das Fachgebiet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einige Musiker:innen haben den Unterschied zwischen der strengen postsowjetischen Ausbildung und der liberaleren europäischen Musikausbildung hervorgehoben. Haben Sie das auch so empfunden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, das habe ich nicht empfunden. Bei mir verlief alles schrittweise: Das Musikcollege in Semeı bildete meine Stimme aus, das Konservatorium in Almaty entwickelte sie weiter, Italien vermittelte mir die Sprache, den Stil und das Umfeld von Wettbewerben. Möglicherweise sind solche Unterschiede bei Instrumentalist:innen stärker spürbar, aber in meiner Gesangskarriere kann ich nicht sagen, dass dies entscheidend war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was hat Ihnen Ihrer Meinung nach die Ausbildung in Kasachstan gebracht? Vor allem, als Sie sich unter internationalen Sängern:innen an einer europäischen Schule befanden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Italien sagte man mir direkt: <em>„Sie sind stimmlich sehr gut ausgebildet.“</em> Ich habe an Konzerten teilgenommen, bei denen Sänger:innen nationale Werke aufführten, und auch kasachische Lieder – von Abaı <em>[kasachischer Dichter, Denker, Aufklärer, Übersetzer und Komponist des 19. Jahrhunderts, Anm. d. Autorin]</em> – habe ich dort gesungen. Und daran, wie ich aufgenommen wurde, habe ich verstanden: Die Grundlage, die ich in Kasachstan erhalten habe, war stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Kasachstan wird oft angenommen, dass ein ausländisches Diplom automatisch Türen öffnet. Haben Sie das gespürt, als Sie nach Hause zurückgekehrt sind?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube nicht, dass es nur daran liegt. In der Musik hört man trotzdem, wie jemand singt. Wenn es gefällt, hört man zu. Wenn nicht, hilft kein Diplom. Bei mir hat sich vieles einfach so ergeben, wie es sich ergeben hat: Meine Aufgabe war es, pünktlich zu arbeiten und zu singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie verlief Ihr Weg nach dem Abschluss der Akademie und des Konservatoriums?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war ich im Theater in der Position eines „Handlangers”. Das ist ein normaler Start für junge Sänger:innen – so steigt man ins Theaterleben ein. Dann wurde ich Praktikant, und erst nach einiger Zeit wurde ich Solist am staatlichen Opern- und Balletttheater in Almaty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2013 begann die Auswahl für das neue Theater „Astana Opera“ auf Wettbewerbsbasis. Ich kam nach Astana, um „mein Glück zu versuchen“ – und seit 2013 lebe und arbeite ich hier. Damals war ich allein, aber jetzt trete ich gemeinsam mit meiner Frau Galina Cheplakova auf – sie ist ebenfalls Solistin unseres Theaters, stammt aber aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ufa_(Stadt)">Ufa</a>, Baschkortostan [Republik innerhalb Russlands, Anm. d. Autorin].</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auch sie hat eine Vorliebe für kasachische Musik entwickelt: Sie singt nun ebenfalls kasachische Lieder bei Konzerten, zum Beispiel eine Partie in der Nationaloper „Qys Jibek“ [lyrisches kasachisches Epos, benannt nach seiner Heldin, übersetzt „Seidenmädchen“; Drama über die Liebe von Jibek und Tölegen, oft als „kasachisches Romeo und Julia“ bezeichnet, Anm. d. Aut.], nachdem sie an ihrer Aussprache gearbeitet hat – unser Publikum hat sie sehr herzlich aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sind Sie mit kasachischem Repertoire in Europa aufgetreten? Wie wird es dort vom Publikum aufgenommen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das europäische Publikum reagiert sehr positiv auf kasachische Musik, weil sie neu und unerwartet komplex ist: Viele kasachische Lieder sind hinsichtlich ihrer Dramatik und vokalen Komplexität mit Opernarien vergleichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe zum Beispiel an Tourneen mit dem Folkloreensemble „Turan“ teilgenommen [Ensemble, das traditionelle kasachische Musik mit modernen Klängen verbindet, gegründet 2008, Anm. d. Autorin]. Wir waren in der Schweiz, in Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern. Ich habe sowohl Weltklassiker als auch kasachische Werke gesungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Spüren Sie überhaupt einen Unterschied zwischen dem europäischen und dem kasachischen Publikum?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Italien wird die Oper als Teil der Alltagskultur geliebt. Sogar bei der Passkontrolle wurde ich interessiert gefragt: <em>„Sind Sie Tenor? Welche Arien singen Sie?“</em> Der Grenzbeamte kannte sich sehr gut mit dem Opernrepertoire aus, weil sein Großvater ebenfalls Tenor war. Das ist Teil des kulturellen Codes in Italien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kasachstan wächst das Interesse: In Astana habe ich gesehen, wie sich der Saal im Laufe der Jahre allmählich immer mehr füllte. In Almaty ist das Publikum anspruchsvoller und „hörender“, dort ist die Tradition des ständigen Konzertlebens stärker ausgeprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Unterschiede haben Sie bei Ihrer Arbeit im Ausland im Vergleich zu Ihren Erfahrungen in Kasachstan festgestellt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Europa gibt es ein anderes Arbeitsmodell: Theater arbeiten auf Vertragsbasis. Solist:innen kommen aus aller Welt für eine bestimmte Produktion – fünf bis sieben Vorstellungen – und reisen dann wieder ab. Das Theater beginnt sofort mit den Vorbereitungen für die nächste Oper mit einer neuen Besetzung. Bei uns gibt es ein Repertoire-System: eine feste Truppe, ein monatliches Gehalt, Stabilität für den Opernsänger:innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber egal, woher man kommt – es gibt immer etwas, wonach man streben kann. Im Operngesang gibt es keine Grenzen. Ich bin 44 Jahre alt und zweifle immer noch (an mir), arbeite an meiner Technik, achte auf meine Stimme. Die Stimme ist ein Instrument: Wenn sie krank wird, kann die Vorstellung ausfallen. Deshalb ist es eine Kunst, ständig an sich selbst zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben mit europäischen Dirigent:innen zusammengearbeitet. Was hat Sie bei der Zusammenarbeit mit ihnen am meisten beeindruckt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab einen Fall beim Verdi-Wettbewerb in der italienischen Stadt Busseto. Nach dem Vorsingen wurde mir die Wahl angeboten: entweder weiter am Wettbewerb teilzunehmen oder sofort an der Inszenierung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Luisa_Miller">Oper „Luisa Miller“</a> mit Gastspielen in Italien mitzuwirken. Ich entschied mich für die Inszenierung. Wir arbeiteten mit Meister:innen aus der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teatro_alla_Scala">La Scala</a>, mit Leo Nucci.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-klang-der-realitaet-eine-geigerin-aus-kasachstan-zwischen-heimischer-schule-und-europaeischem-massstab/"><strong>Der Klang der Realität: Eine Geigerin aus Kasachstan zwischen heimischer Schule und europäischem Maßstab</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bei einer Probe sagte mir der Dirigent: <em>„Kazako, schau mich nicht an – ich folge dir.“</em> Für einen Sänger:in ist das ein äußerst seltener Moment. Das Orchester folgte dem Atem des Solisten. In diesem Moment glaubte ich wirklich an mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben Sie ein ähnliches Gefühl bei kasachstanischen Dirigenten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gefühl kommt eher selten vor. Aber ja, zum Beispiel bei Alan Buribayev. Er ist ein sehr einfühlsamer Dirigent, mit dem man gut zusammenarbeiten kann. Wenn der Dirigent mit dem Sänger, der Sängerin „atmet“, entfaltet sich die Stimme auf andere Weise.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kommen viele junge Sänger:innen zur Oper, wählen sie diesen Beruf in Kasachstan?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja. In Kasachstan gibt es viele talentierte junge Stimmen. Sehr viele. Wenn man heute die sozialen Netzwerke öffnet, tauchen ständig neue Namen, neue Sänger:innen auf, nicht nur bei uns, sondern weltweit. Kürzlich war ich bei einem Konzert junger Künstler:innen in Almaty – alle waren stimmgewaltig, alle waren gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es gibt also keinen Mangel an Sängerinnen und Sängern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist unterschiedlich. Manchmal fehlen bestimmte Stimmen – zum Beispiel dramatische Tenöre oder Bässe. Aber insgesamt ist das Potenzial vorhanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was fehlt Ihrer Meinung nach Kasachstan bei der Entwicklung der Opernkunst?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An Repertoire und Auftrittshäufigkeit. Ein Opernsänger wächst auf der Bühne, in seiner Rolle. Wenn man nur ein- oder zweimal im Jahr singt, entwickelt man sich nicht weiter. Man muss neue Stücke inszenieren, das Repertoire erweitern, insbesondere die Weltklassiker. Wir haben die Stimmen – sie brauchen nur eine Bühne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie sieht das Repertoire der „Astana Opera“ heute aus?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt die kasachische Oper – und die muss unbedingt weiterentwickelt werden. Es gibt italienische und russische Klassiker: Verdi, Puccini, Tschajkowskij. Wir müssen beide Wege gehen: die nationale Oper bewahren und gleichzeitig Teil der internationalen Opernwelt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es bei uns eine voreingenommene Haltung: Wenn man kein Solist ist, bedeutet das, dass man „noch nicht weit genug ist“?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nicht ganz richtig. Auf der ganzen Welt gibt es verschiedene Wege. Manche beginnen im Chor und werden später Solisten:innen. Andere wiederum wechseln mit der Zeit in den Chor. Alles hängt vom Alter, der Stimmlage und der Bereitschaft ab. Wir veranstalten regelmäßig Vorsingen – und wenn die Stimme gefragt ist, bekommt der Künstler, die Künstlerin die Chance, Solist zu werden, wenn er oder sie das möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es Ihrer Meinung nach eine besondere „kasachstanische” vokale Identität?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde sagen: Wir unterscheiden uns oft durch unsere Klangfarbe. Ich habe schon oft gehört: <em>„Wenn man die Augen schließt, klingt es, als würde ein Italiener singen.“</em> Und dann noch die sprachliche Flexibilität. Sprachen fallen uns leicht, oft ohne Akzent. Das ist ein großer Vorteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher, wenn ich neue Leute kennenlernte, versuchten sie zu „erraten“: China? Korea? Japan? Am Ende sagte ich dann: Kasachstan. Und dann kamen die Fragen – wo liegt das, ich zeigte es auf der Karte. Das ist heute nicht mehr so. Heute kennt man sowohl Kasachstan als auch Astana. Das ist vor allem dem Sport und der Kultur zu verdanken, darunter auch der Musik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und wie definieren Sie persönlich Ihre künstlerische Identität?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin ein kasachstanischer Opernsänger. Ich bin hier geboren. Ich liebe die Bühne, das Publikum, die Oper. Mein Leben besteht aus Proben, Rollen, Aufführungen. Sogar meine Kinder singen zu Hause schon meine Arien. Ich weiß noch nicht, was sie einmal werden, aber das wird ihre Entscheidung sein.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Nurgul Adambayeva für Novastan</strong></p>
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