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	<title>vanessag, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>vanessag, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Wohnen zwischen Eis und Himmel &#8211; Wie zwei kirgisische Wanderer auf 3330 Höhenmeter überleben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berge]]></category>
		<category><![CDATA[Bergsteigen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ratsek-H&#xFC;tte im kirgisischen Ala Archa Nationalpark liegt auf 3330m, meistens unter tiefem Schnee versteckt. Einige Kletterer wohnen trotzdem immer wieder dort - Aber wie und warum?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Die Ratsek Hütte im Ala Archa Nationalpark ist schon im Sommer einen harten Aufstieg von der Zivilisation entfernt: Wer das Camp auf 3330m erreichen will, muss nach einer Autofahrt noch weitere 1200 Höhenmeter und sieben Kilometer steiles Geländer zurücklegen. Doch im April liegt Schnee. Die Tour ist noch um einiges anstrengender. Viktor und Sergei, zwei kletterbegeisterte junge Männer aus Bischkek, wagen es trotzdem und verbringen zwei Wochen in Schnee und Eis. Warum sie das tun und wie sie dort leben, erzählen die beiden Kletterer Novastan.org. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/ratsek_hutte1.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Schritt. Pause. Schritt. Pause.</p>
<p style="text-align: justify">Der Weg nach oben ist lang und schweißtreibend. Die Schuhe versinken im Tiefschnee, das Eis bietet keinen Halt. Von oben brennt die Sonne. Die weiße Schneedecke reflektiert die Hitze erbarmungslos zurück in die Gesichter der Wanderer.</p>
<p style="text-align: justify">Noch ein Schritt. Noch eine Pause.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„It means the end of the pushing“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein paar qualvolle Minuten später dann endlich: ein Ende. Zwischen Felsen und wolkenumspielten Gipfeln steht ein Schild: „Konez tolkanija“. „It means the end of the pushing,“ erklärt eine Wanderin.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/ratsek_hutte3.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Wenige hundert Meter weiter steht eine kleine, schiefe Hütte mitten in einem Meer aus blendendem Weiß. Um die Hütte sind kleine Kabinen aufgestellt, sie scheinen unbewohnt. Eine Tür öffnet sich: „Chai? Tee?,“ fragt ein gut gebräunter Mann freundlich.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Ich wohne hier“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Mann ist Viktor und sein Tee ist mehr als willkommen. Auf einem kleinen Gaskocher erhitzt der 25-Jährige etwas Wasser aus dem nah gelegenen Fluss und verteilt den heißen Tee an die erschöpften Abenteurer um ihn. „Ich wohne hier“, erklärt Viktor. Als Antwort auf die entsetzen Blicke, fügt er lachend hinzu: „Aber nur für zwei Wochen.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/viktor_sergei.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Viktor ist nicht alleine in der gut versteckten Hütte: Sergei, ein Gleichgesinnter, leistet ihm Gesellschaft. Die beiden sind Kletterer und trainieren auf der Ratsek-Hütte im Ala Archa Park für höhere Berge wie den Pik Lenin (7134m) im Süden Kirgistans.</p>
<p style="text-align: justify">Die Gipfel in dem Nationalpark, nur 40km von Bischkek entfernt, eignen sich perfekt für ein Klettertraining. Rund um die Ratsek Hütte gibt es mehrere Touren, manche davon auf Berge knapp unter 5000m hoch. Der Schnee und das Eis, die im April noch die Felsen bedecken, erschaffen ähnliche Konditionen wie am Pik Lenin.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/ratsek_hutte2.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Eis in der Nacht</strong></p>
<p style="text-align: justify">„Wir kommen so ziemlich jedes Jahr hier her“, erzählt Viktor. „Ein paar Dinge, so wie unsere Gasflaschen, bringen wir schon im Herbst auf die Hütte. Aber unsere Ausrüstung kommt erst im Frühling mit.“ Das allein erntet eine Runde von bewundernden <em>Ohhs</em>: die Propangasflaschen in der Kabine wiegen jeweils mehr als 20kg, die Rucksäcke der beiden Kletterer jeweils 30kg.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/ratsek_hut.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Ihr Unternehmen ist nichts für Ungeübte. Um so gut wie möglich auf den Berg vorbereitet zu sein, trainieren Viktor und Sergei an der Akademie für Körperkultur und Sport in Bischkek. Sie sind schwere Gewichte und schroffe Bedingungen gewohnt: „Jetzt ist es vergleichsweise warm, die Sonne scheint. Aber über Nacht kann hier schon mal alles mit zwei Zentimetern Eis zufrieren“, sagt Sergei. Viktor nickt zustimmend. „Eigentlich jede Nacht“, fügt er hinzu.</p>
<p style="text-align: justify">In dieser Jahreszeit sind die beiden die einzigen, die auf der Ratsek-Hütte übernachten. Kommt überhaupt jemand außer Kletter-Enthusiasten, sind es meistens Wanderer auf Tagestouren. Im Sommer ändert sich dies jedoch – die Hütte ist ein beliebtes Ausflugsziel und bietet genug Schlafplätze für größere Gruppen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ratseks Übungen und ein Abschied</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ursprünglich spielte Tourismus aber keine Rolle – die Hütte wurde im zweiten Weltkrieg von einem Mann namens, Achtung Überraschung, Ratsek gebaut. Auch er benutzte sie zu Trainingszwecken – allerdings militärischer Natur.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1159/ratsek_hutte5.jpeg" alt="Ratsek Hütte Ala Archa Wandern Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Langsam ziehen Wolken auf, das grelle Weiß macht einem milchigen Grau Platz. Die Tageswanderer machen sich langsam wieder auf den Weg nach unten. Vor dem Abschied schenkt eine Wanderin den beiden Kletterern noch eine Portion mitgebrachtes Plov. Eine willkommene Abwechslung. „Wir essen hier vorwiegend Konserven“, lacht Viktor.</p>
<p style="text-align: justify">Dann geht es wieder los. Langsam schlängelt sich die Wandergruppe auf dem steilen Hang nach unten.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Schritt. Eine Pause. Ein Schritt. Eine Pause.</p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Vanessa Graf<br />
Landesredakteurin Kirgistan</strong></em></p>
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		<title>Der Kampf um Bäume in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anrainer in Usbekistan setzten sich gegen das F&#xE4;llen von B&#xE4;umen in Usbekistan ein. Das Thema ist schon seit Langem eine gro&#xDF;e Streitquelle.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Das Fällen von Bäumen ist in Usbekistan eine große Streitquelle. Viele Bürger melden sich nun zu Wort, um die Situation zu klären.   </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Dem Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Naturschutz der Republik Usbekistan wurde eine Petition zur Rettung der Bäume vorgelegt. Sie umfasst insgesamt fast 4000 Unterstützungserklärungen, von denen alleine 3500 in nur einer Woche gesammelt wurden.</p>
<p style="text-align: justify">Den Kommentaren in den sozialen Netzwerken zufolge widerspricht diese Petition jedoch dem Gesetz über Anträge von natürlichen und juristischen Personen. Artikel 6 sieht vor, dass „im Falle eines Antrags einer natürlichen Person der volle Name sowie Informationen über den Wohnort“ angegeben werden müssen. Wenn es sich um eine Online-Petition handelt, ist eine elektronische Signaturprüfung erforderlich.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 600px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1139/unnamed_1.jpeg" alt="Taschkent Usbekistan Bäume Fällungen" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Petition wurde ins Leben gerufen, weil sich die Fällungen zu vermehren scheinen. Außerdem schrieb die Website Olam.uz – jetzt geschlossen – schon 2012, dass die Experten der ökologischen Bewegung Usbekistans, einer vom Staat abhängigen Organisation, die Akkurgan Straße in Taschkent besucht hätten, nachdem sie über die Fällung von vier Bäumen erfahren hatten. Laut Meinung der Experten war das Holz der Bäume gesund und weder von Schädlingen noch von Parasiten beschädigt. Die Experten informierten daraufhin das Komitee für Naturschutz. Die Institution antwortete, dass die Erlaubnis für die Fällung der Bäume nie ausgestellt wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Bäume fällen – warum eigentlich?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Journalistin Natalia Shoulepina, die sich auf Umweltfragen spezialisiert, schrieb in einem ihrer Artikel: „Im März 2012 besichtigten wir, gemeinsam mit einigen Entomologen und einer Mitarbeiterin des Komitees für Umweltschutz, ein paar Straßen in Taschkent. Die Mitarbeiterin des Komitees behauptete, dass alle Bäume gefällt werden sollten, weil sie angeblich beschädigt seien. Die Entomologen waren aber anderer Meinung: man sollte die Bäume untersuchen, erforschen und danach behandeln. Nur vier oder fünf Personen arbeiteten in der Abteilung zum Schutz der Biodiversität &#8211; ein Grund, der angegeben wurde, um der Hauptstadt Angst zu machen.&#8220; Im Fall der Bäume in der Akkurgan Straße war es unmöglich herauszufinden, wer beteiligt war. Manchmal sind solche Fällungen illegal. 2014 zum Beispiel veröffentlichte die Website uzreport.uz Fotos von Bäumen, die in der Region Taschkent gefällt worden waren. Die Verantwortlichen dieser Fällungen wurden mit einem Bußgeld bestraft.</p>
<p style="text-align: justify">Warum sind manche dazu bereit, das Gesetz zu brechen, um Bäume zu fällen? Die Hypothese der usbekischen Zeitung „Noviy Vek“ ist, dass es möglich sei, gewissen Reichtum durch den Verkauf von gesundem Holz zu erlangen. Das Holz wird meist zum Möbelbau verwendet.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 600px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1139/unnamed_2.jpeg" alt="Taschkent Usbekistan Bäume Fällungen" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Fällung in Massen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut Anhor.uz könnte die Anzahl der gefällten Bäume beachtlich sein. Die Informations-Websiten listen die Fällungen an verschiedenen Orten. Im November 2014 berichtete Uz24.uz zum Beispiel die Fällung von Platanen an der Nukus Straße, rund um die Schule Nr.7 in Taschkent. Die Behörden beteuerten hierzu, dass alles ordnungsgemäß durchgeführt worden sei.</p>
<p style="text-align: justify">In jüngerer Zeit, am 27. Januar 2016, gaben mehrere Medien und soziale Netzwerke an, dass es weitere Fällungen am Boulevard Moustakillik geben sollte. Im Dezember 2015 waren es die Gassen neben der Kosmonavty Metrostation sowie jene nahe des Kinos Alisher Navoi. In allen drei Fällen bestätigte das Komitee für Naturschutz, dass sich alles im legalen Bereich abspielte &#8211; nur beschädigte Bäume seien gefällt worden. „Es sind nicht die Wilderer, die Bäume fällen. Es sind die Instandhaltungsabteilung des Distrikts, die Bewässerungsverwaltung und andere Organisationen, die hier am Werk sind“, sagte ein Vertreter des Komitees für Naturschutz. „Wir fällen keine gesunden Bäume, sondern nur jene, die Unfälle provozieren könnten oder von xylophagen Insekten infiziert sind.“</p>
<p style="text-align: justify">Mittlerweile fielen auch einige Bäume aufgrund des Schnees. Natalia Shoulepine schlägt den Anwohnern Taschkents eine Petition, adressiert an die Regierung des Landes, vor – nicht online, sondern dieses Mal auf Papier. Dieser Aufruf, der bis jetzt von ungefähr 50 Personen unterzeichnet wurde, ist nicht der einzige seiner Art. Sreda.uz zum Beispiel berichtete von einer Anwohnerin in Taschkent, die sich direkt an das Komitee für Naturschutz richtete, um eine Erklärung der Fällungen zu erhalten. Als Reaktion darauf wurde ihr gesagt, dass nur die Bäume, die eine Gefahr für die Bewohner oder Gebäude darstellen, gefällt würden. Laut der Webiste Gazeta.uz wird das Komitee für Umweltschutz demnächst beginnen, neue Bäume zu pflanzen.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><em><strong>Dana Oparina, Journalistin für Novastan.org in Taschkent</strong></em></p>
<p style="text-align: right"><strong><em>Aus dem Französischen übersetzt von Vanessa Graf</em></strong></p>
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		<item>
		<title>Kirgisische Produkte erhalten bevorzugten Zugang zum EU-Markt</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-produkte-erhalten-bevorzugten-zugang-zum-eu-markt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Feb 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Durch das Allgemeine Pr&#xE4;ferenzsystem darf jetzt auch mit kirgisischen Produkten zollfrei in der EU gehandelt werden.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Das Allgemeine Präferenzsystem (<a href="http://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/development/generalised-scheme-of-preferences/index_en.htm">GSP+</a>) ermöglicht nun auch Kirgistan, sich auf dem europäischen Markt zu behaupten.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Europäische Union (EU) hat dem kirgisischen Staat <a href="http://eeas.europa.eu/delegations/kyrgyzstan/documents/press_corner/news2016/news160202_en.pdf">das Allgemeine Präferenzsystem (GSP+) eröffnet</a>, welches kirgisischen Produkten zollfreien Zugang zum EU-Markt ermöglicht. Weltweit haben bisher 14 Entwicklungsländer diesen Status genossen. „Das APS bietet ausländischen Investoren und internationalen Partnern der Kirgisischen Republik Vorteile, denn es erlaubt ihnen, in unserem Land zu produzieren und Export zu günstigen Bedingungen in die EU zu betreiben“, sagt Talant Sultanov, der Direktor des Nationalen Instituts für strategische Studien der Kirgisischen Republik (NISS), ein Think-Tank, der sich auf öffentliche Politik spezialisiert.</p>
<p style="text-align: justify">Anleger profitieren von einem günstigen Geschäftsklima und guten Investitionsbedingungen. Tatsächlich verfügt Kirgistan über eine liberale Wirtschaftsgesetzgebung, die niedrigsten Steuern in der Region und einen freien Kapitalfluss. Hinzu kommen gut ausgebildete Arbeitskräfte, sowie niedrige Produktionskosten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Der kirgisische Trumpf </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Kirgistan weist verschiedene Vorteile auf, wie zum Beispiel die Befreiung von der Umsatzsteuer für Exporteure. Es ist einfach, ein Unternehmen zu gründen – so einfach, dass die Weltbank laut einem Bericht von <em><a href="http://www.doingbusiness.org/rankings">Doing Business</a> </em>das Land Kirgistan im Bereich „Leichtigkeit der Unternehmensgründung“ weltweit auf Platz 35 (von 189) einstuft.</p>
<p style="text-align: justify">Dieses günstige Investitionsklima wird von vielen Rating-Agenturen, darunter auch Moody’s und Standard &amp; Poor’s, bestätigt, die dem Land eine Bonität von B2 und B zuschreiben, mit dem Hinweis „stabil“ in Bezug auf mögliche Zukunftsperspektiven. Dies gilt ebenso für die Mongolei und ähnelt außerdem in gewisser Hinsicht einigen europäischen Ländern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Investitionsmöglichkeiten</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen Jahr erhöhten die internationalen Partner ihren Anteil an Investitionen in Kirgistan um etwas mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr.</p>
<p style="text-align: justify">Kirgistan trat als erstes Land der ehemaligen Sowjetunion der WTO (Welthandelsorganisation) bei und galt daher lange als großer Umschlagsplatz für den regionalen Handel. Es liegt geographisch zwischen einigen der größten Verbrauchermärkte der Welt, wie etwa China, Indien, Iran und Russland. Darüber hinaus benötigen Staatsangehörige von fast fünfzig Ländern kein Visum, um nach Kirgistan einzureisen, was neue wirtschaftliche und kulturelle Möglichkeiten eröffnet.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong><em>Alina Ugai, Journalistin für Novastan.org</em></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong><em>Aus dem Französischen übersetzt von Vanessa Graf</em></strong><br />
<strong><em>Regional-Redakteurin für Kirgistan</em></strong></p>
<p style="text-align: right">
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			</item>
		<item>
		<title>Die Giraffe und der Affe &#8211; Eine Kunstausstellung in Bischkek</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/die-giraffe-und-der-affe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Autismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ausstellung &#34;Schenke dein L&#228;cheln&#34; des Vereins &#34;Ruka v Ruke&#34; zeigte Anfang des Jahres Kunstwerke autistischer Kinder in Bischkek, Kirgistan.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Das obrige Bild und viele mehr konnte man auf der Ausstellung „Schenke dein Lächeln“ im Museum für Kunst G. Aitiev in Bischkek vom 19. Januar bis zum 4. Februar sehen. Dank der Initiative vom öffentlichen Verein „Ruka v Ruke“ („Hand in Hand“) konnten junge Kinder mit Diagnose Autismus ihre Gefühle, Gedanken und Emotionen durch ihre Bilder ausdrücken. Die Besucher der Ausstellung konnten die Bilder aussuchen, die ihnen gut gefielen, und für einen akzeptablen Preis nach Hause nehmen.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Hauptidee dieser Veranstaltung war es, den Besuchern Informationen über Autismus zu vermitteln. Denn dieser Begriff ist in Kirgisistan kaum bekannt und die Diagnose Autismus ist im Gesundheitssystem fast gar nicht erforscht. Mangelnde Kenntnisse über Autismus führen zu Missverständnissen in der Gesellschaft  und stellen große Herausforderungen für Familienmitglieder der Autisten dar. So wurden den Besuchern des Museums auf der Ausstellung Broschüren mit detaillierten Informationen über Autismus zur Verfügung gestellt.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/a_2.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan.org: <a href="https://novastan.org/articles/autismus-bei-kindern-in-kirgistan-fehlt-es-an-fachkrften">Autismus bei Kindern &#8211; In Kirgistan fehlt es an Fachkräften</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">In persönlichen Gesprächen haben Nargiza K., eine der Organisatorinnen der Ausstellung, und die Eltern der Teilnehmer Aiday I. und Cholpon M. von ihren Eindrücken der vergangenen Veranstaltung, ihren Sorgen und Hoffnungen und ihren Erfahrungen mit Autismus erzählt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Nargiza, wie viele Kinder mit Autismus haben an der Ausstellung „Schenke dein Lächeln“ teilgenommen? Wie können Sie die Reaktion der Kinder auf die Veranstaltung beschreiben</em></strong><em>?</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>NK:</strong> An der Ausstellung haben 14 autistische Kinder teilgenommen und es wurden insgesamt 200 Bilder vorgestellt. 90 davon sind Bilder von autistischen Kindern, den Rest haben uns die Kinder aus einem anderen Kunstverein, dem Kunstverein „DI“, als Unterstützung zur Verfügung gestellt. Zum Ende der Ausstellung wurde knapp die Hälfte der Bilder verkauft. Das gesammelte Geld wird für Literatur, Schulungen für unsere Spezialisten und Arbeitsmittel für Kinder verwendet.</p>
<p style="text-align: justify">Die Reaktion der Kinder kann ich als positiv bewerten. Es war sehr lustig, dass einige Kinder zuerst verweigert hatten, ihre Bilder beizusteuern. Aber als sie im Museum ihre eigenen Bilder sahen, freuten sie sich und einige von ihnen brachten sogar am nächsten Tag noch mehr Bilder mit. Kinder mit Autismus können sich leider nicht immer verbal ausdrücken. Sie haben eine eigene Wahrnehmung der Außenwelt und Kommunikationsstörungen. Sie können nicht erklären, was sie fühlen, warum sie dieses oder jenes Bild gemalt haben. Umar zum Beispiel, einer unserer Künstler-Stars, mischt gerne Farben und entdeckt so immer neue Farbtöne. Beim Malen lächelt er in der Regel. Wenn er gut gelaunt ist, verwendet er fröhliche Farben, wenn er aber dunkle Farben benutzt, kann man schon erkennen, dass er traurig ist. Oder Ilias &#8211; er zeigt gerne seine Bilder und erzählt, was darauf gezeichnet ist. Besonderes mag er die Helden aus den Disney Zeichentrickfilmen.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 386px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/o_1.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>AD: Wie hoch war das Interesse seitens der Bürger, welche Einstellung hatten sie zum Thema Autismus?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>NK: </strong>Wir haben öfters Anrufe von Interessenten bekommen, die nicht nur über die Ausstellung, sondern auch über Aktivitäten von „Ruka v Ruke“ gefragt haben. Es war unser Traum, eine solche Ausstellung im Hauptmuseum des Landes zu organisieren. Die Administration des Museums hat uns sogar seine Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Medien haben viel über uns berichtet.</p>
<p style="text-align: justify">Auch die Präsidentengattin Raisa Atambaeva besuchte die Ausstellung und überreichte dem Verein „Ruka v Ruke“ ein Zertifikat über ein Million Som als Unterstützung im Namen des Präsidenten. Es hat uns natürlich sehr gefreut, dass wir so große Aufmerksamkeit gewonnen haben. Wir glauben, das ist ein großer Fortschritt für uns.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 343px;width: 500px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/a_1.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>AD:  Autistische Kinder benötigen spezielle Arbeitsmittel und angepasste Spielzeuge für ihre Therapie. Wie beschaffen Sie diese Arbeitsmittel?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>NK:</strong> Wir arbeiten ständig daran. Die Kinder müssen immer wieder neue Fertigkeiten erwerben und wir versuchen, benötigte Arbeitsmittel anhand spezieller Literatur zu entwickeln. Da man solche direkt in den Geschäften nicht beschaffen kann, kaufen wir einzelne Bestandteile und stellen die benötigten Gegenstände selber zusammen. Die meiste Literatur, die wir hier verwenden, kommt aus dem Ausland. Wir haben sie auf Kirgisisch und Russisch übersetzen lassen. Wir versuchen möglichst viel Anschauungsmaterial und Lernmittel für Eltern vorzubereiten. Es ist auch wichtig, sie den Familien aus weiter entfernten, ländlichen Regionen Kirgisistans zugänglich zu machen.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 704px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/t_1.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p><img decoding="async" style="height: 772px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/p_2.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" src="//localhost/Users/Vanessa/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image007.jpg" /><strong><em>AD: Aiday, Sie sind Mutter der 7-jährigen Rabiga, die auch an dieser Ausstellung teilnahm und die Besucher mit ihrer Serie von Giraffen-Bildern begeisterte. Können Sie uns Ihre Geschichte erzählen? </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>AI: </strong>Als wir von ihrer Diagnose erfuhren, waren wir natürlich schockiert. Ich erwartete wie jede andere Mutter, dass mein Kind erfolgreich und glücklich sein wird. Wenn man aber versteht, dass die Diagnose für das ganze Leben ist, ist es sehr schwierig, das zu akzeptieren. Es gab viele Tränen, sogar Depression. Zuerst wusste ich nicht, womit ich anfangen sollte. Rabiga hatte manchmal hysterische Anfälle und mit der Zeit vergaß sie auch einige Wörter, die sie früher benutzt hatte. Mir war aber bewusst, dass Rabiga nur mich hatte und wenn ich nichts unternehmen würde, würde es meiner Tochter nichts Gutes tun.</p>
<p style="text-align: justify">Damals gab es kaum Spezialisten und man konnte keine pädagogische Therapie bekommen. Ich fing an, viel zu lesen. Als ich andere Eltern in ähnlicher Situation traf, verstand ich, dass man sich für sein eigenes Kind nicht zu schämen braucht. Ich versuchte früher, Kontakte mit anderen zu vermeiden, da die Gesellschaft leider „andere“ Menschen nicht versteht. Viele Kindergärten und Schulen verweigern es, autistische Kinder aufzunehmen, wobei einige autistische Kinder in Begleitung von Tutoren durchaus in der Lage sind, eine öffentliche Schule zu besuchen. Man sollte daher mit voller Kraft weiter an der Erhöhung der Sensibilität zu diesem Thema arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>AD: Aiday, Sie sind eine der Gründerinnen des Vereins „Ruka v Ruke“, und arbeiten auch neben Ihrem aktiven Engagement dort, sowie an der Betreuung Ihres Kindes. Welchen Schwierigkeiten begegneten Sie bei der Gründung der Organisation und was waren wichtige Erfolge?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>AI:</strong> Am Anfang war es sehr schwer. 2012 wurde der Verein „Ruka v Ruke“ durch eine Initiative von Eltern gegründet. Es gab damals nur fünf Eltern. In Kirgisistan fehlte eine grundlegende Basis, es gab keine speziellen Einrichtungen für autistische Kinder. Man musste von Null anfangen. Es war schwierig, Räume zu finden, sehr zeitaufwändig, Termine bei Staatsbeamten zu bekommen. Wir mussten die Programme selbst erarbeiten und nach finanziellen Förderungen suchen. Danach fing die Realisationsphase des Projekts an, Eltern führten neben ihren Berufsleben selbst diese Projekte und setzten sich voll für den Verein ein. Zusammen mit Volontären aus Japan und den USA haben wir international praktizierte Methoden eingeführt. Einmal pro Woche besuchte ein Schäferhund unser Zentrum.</p>
<p style="text-align: justify">Ab Herbst 2014 lief ein zehnmonatiges Projekt für Kinder mit schwerem Autismus, dass vom Ministerium für Sozialleistungen finanziert wurde. 15 Kinder wurden durch geschulte Spezialisten von zu Hause aus betreut und acht von ihnen konnten nach diesen Behandlungen eine Schule besuchen. Wir überstanden alle diese Schwierigkeiten und erreichten erste Erfolge, da wir verstanden haben, dass wir nur dann stark sind, wenn wir vereint sind.</p>
<p><img decoding="async" src="//localhost/Users/Vanessa/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image008.jpg" /><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/o_2.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify">2014 startete noch ein Pilot-Projekt in der staatlichen Schule Nr. 34 für Behinderte mit finanzieller Unterstützung von Soros Fond in Kirgisistan, Bischkek Petroleum (Raumreparatur) und UNISEF. Sechs autistische Kinder gingen zur Schule, wo ihre eigenen Eltern ihnen als Tutoren zur Seite standen. Die Kinder sind besonders in den ersten Jahren auf Tutoren angewiesen, da sie in ihrer Wahrnehmung ganz abwesend sein können, sie können sich nicht lange konzentrieren. Seit Herbst 2015 besuchen 18 Kinder diese Schule und meine Tochter geht schon in die zweite Klasse. Wir sind auch sehr froh, dass die Schule Nr. 34 bereit war, unser Projekt zu unterstützen. Dieses Projekt läuft aber im nächsten Jahr ab und wir müssen überlegen, wie wir weiter vorgehen.</p>
<p><strong><img decoding="async" src="//localhost/Users/Vanessa/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image009.jpg" /><img decoding="async" style="height: 579px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/g.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>AD: Welche persönlichen Eindrücke haben Sie von der Ausstellung „Schenke dein Lächeln“ und wie hat Rabiga sie wahrgenommen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>AI</strong>: Schon die Tatsache, dass in Bischkek eine solche Ausstellung stattfand, bereitet uns große Freude. Durch diese Veranstaltung wollten wir zeigen, dass Autisten auch normale Menschen sind wie wir. Sie können zeichnen, malen, die Schule besuchen, neue Fähigkeiten erlernen.</p>
<p style="text-align: justify">Meine Tochter zum Beispiel liebt Giraffen und malt in letzter Zeit nur sie gerne. Auf der Ausstellung, als wir an ihren Bilder vorbeigingen, sagte sie: „Oi, Giraffe“. Es hat sie gefreut, dass sie ihre Giraffen gesehen hat. In ihren Bildern drückt sie ihre Gefühle durch verschiedene Zustände der Giraffen aus: es gibt Bilder wie „die Giraffe und der Affe„, „Giraffe schläft, „Giraffe hat Halsschmerzen“, „Mutter Giraffe“, „Kind Giraffe“, usw. Wir sind sehr froh, dass diese Ausstellung stattgefunden hat.</p>
<p><strong><em>AD: Was würden Sie den Eltern raten, die gerade über die Diagnose ihres Kindes erfahren haben? </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>AI:</strong> Ich wünsche ihnen viel Kraft. Das Leben wird in vor und nach der Diagnose aufgeteilt. Eltern müssen aber verstehen, dass sie für ihre Kinder die einzige Unterstützung sind und ihnen eine Chance für Veränderungen geben können. Es ist auch sehr wichtig, frühestmöglich mit notwendigen Maßnahmen anzufangen. Man darf keine Zeit verlieren, weil je früher Behandlungen vorgenommen werden, desto höher sind die Chancen auf Verbesserungen.</p>
<p><img decoding="async" src="//localhost/Users/Vanessa/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image010.jpg" /><img decoding="async" style="height: 600px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/om.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>AD: Cholpon, was können Sie von dieser Veranstaltung erzählen? Sind Sie zufrieden, was hat Ihnen gut gefallen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>CM:</strong> Diese Ausstellung ist die beste Möglichkeit zu zeigen, dass es Menschen mit reicher Innenwelt gibt, die aber von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Man akzeptiert, dass es gute und schlechte, warmherzige und aggressive Leute gibt. Warum können wir nicht akzeptieren, dass es auch Menschen mit Autismus gibt? Nur durch solche Veranstaltungen und öffentliche Aktionen können wir den Menschen die Botschaft geben, dass wir auch ihre Besonderheiten akzeptieren müssen.</p>
<p style="text-align: justify">Der Besuch vom Apparat des Präsidenten gibt uns die Hoffnung, dass wir auch von Gesundheits– und Bildungsministerium Beachtung finden können. Vielleicht wird es auf Staatsebene Änderungen für Autisten geben.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 775px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/i_2.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p><strong><em>AD: Cholpon, können Sie uns über Ihren Sohn, Ilias, erzählen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>CM</strong>: Mein Sohn ist 15 Jahre alt. Die Diagnose Autismus wurde erst in Moskau, als Ilias fünf war, gestellt. Dort wurden auch Behandlungen für Verhaltenskorrektur durchgeführt. (später erhielt Ilias in den Vereinigten Staaten die genauere Diagnose „Autistic-like“, die ihn als Person identifiziert, die viele Anzeichen von Autismus aufweist, aber deren Erkrankung nicht ausgeprägt ist, Anm. d. Red.). Wir lebten sieben Jahre in Almaty, Kasachstan, als mein Mann dort arbeitete. Wir hofften, dort eine spezielle Schule für Ilias zu finden. Leider aber nahm uns die kasachische Schule für Kinder mit Autismus nicht auf. Unser Sohn besuchte dann dort fünf Jahre eine private Schule. Wir hatten Glück, dass die Lehrerin Verständnis hatte und unseren Sohn aufnahm und gut betreute. Ilias hat sich sehr viel Mühe gegeben, die Erwartungen an ihn zu erfüllen.</p>
<p style="text-align: justify">Als wir wegen der Arbeit meines Mannes in Malaysia wohnten, besuchte unsere ältere Tochter die Schule dort und in ihrer Klasse war ein Kind mit Down-Syndrom. Das Kind wurde von den anderen Klassenkameraden gleich behandelt. Damals fiel es mir auf, dass dort auch unter kleinen Kindern Geduld gegenüber „besonderen“ Kindern geprägt war.</p>
<p style="text-align: justify">In Bischkek ist es für autistische Kinder sogar schwer, in Sport- oder Kunstvereine aufgenommen zu werden. Alles, was der Verein „Ruka v Ruke“ erreicht hat, war nur dank der Mühe von Eltern möglich. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder auch zur Schule gehen und mit anderen Kindern in Kontakt treten können. Wir können sie nicht die ganze Zeit zu Hause einsperren. Wenn sie aber zur Schule gehen, verstehen sie, dass man in der Gesellschaft Verhaltensregeln einhalten muss. Sie verstehen, dass man im Unterricht am Schreibtisch bleiben soll. Sie lernen, dass es Wochentage gibt und sie die Schule besuchen müssen. Dort konzentrieren sie sich auf konkrete Inhalte.</p>
<p style="text-align: justify">Häufig verstehen sie nicht, wenn der Lehrer mit ihnen spricht, dann helfen die Tutoren ihnen dabei. Das alles kann zu Fortschritten bei ihnen führen. Wir Eltern müssen aber zurzeit für alles kämpfen, für alles zahlen und Aufmerksamkeit „kaufen“. Wir erleben jeden Tag den Stress, wenn wir uns mit Kindern an öffentlichen Orten befinden, weil wir uns dort unwohl fühlen. Das kommt alles von einem Informationsmangel darüber, was Autismus ist.</p>
<p><strong><em>AD: Was würden Sie den Eltern empfehlen, deren Kinder auch unter Autismus leiden?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">CM: In erster Linie müssen beide Elternteile Verständnis haben und nicht zulassen, dass ihre Familie zerbricht. Häufig trennen sich Eltern, weil es eine schockierende Erkenntnis ist. Man sollte versuchen, eine Lösung zu finden. Mein Mann zum Beispiel hat mich sehr unterstützt. Wir haben gelernt, mit dieser Diagnose weiter zu leben und uns über Alltagkleinigkeiten zu freuen: unser Sohn erfreut uns mit seinen Erfolgen in der Schule, kann selber manchmal sein Zimmer aufräumen.</p>
<p style="text-align: justify">Wenn wir überlegen, was wir überstanden haben und was uns noch erwartet, ist es nicht einfach. Gott aber gibt denjenigen Schwierigkeiten, die in der Lage sind, sie zu bekämpfen. Ich wünsche Eltern viel Geduld und Kraft. Es ist auch sehr wichtig, eine gute finanzielle Basis zu haben, weil für die Behandlung der autistischen Kinder hohe Kosten zu tragen sind, die der Durchschnittsbürger Kirgisistans kaum tragen kann. Wir müssen aber verstehen, dass ein Kind ein Geschenk ist und wir es schätzen müssen.</p>
<p><img decoding="async" src="//localhost/Users/Vanessa/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image012.jpg" /><img decoding="async" style="height: 439px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1101/k_2.jpeg" alt="Ausstellung Autismus Kinder" /></p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Interview: Anara Dzhumashova<br />
<strong>Text: </strong>Cholpon Dzhumashova</strong></em></p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Redaktion: Vanessa Graf</strong></em></p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: justify"><em>Die Autorin möchte den Eltern große Bewunderung für Ihre großartigen Ergebnisse, die sie in den letzten Jahren erreicht haben, ausdrücken. Wir wünschen ihnen viel Erfolg bei weiteren Projekten und hoffen, dass in Kirgisistan die größten Probleme wie der Mangel an Spezialisten oder fehlende Einrichtungen für autistische Menschen bald gelöst werden.  </em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Redaktion von Novastan.org möchte die Leser auf die Möglichkeit für Spenden für den Öffentlichen Verein „Ruka v Ruke“ aufmerksam machen. Unter dem folgenden Link gibt es weitere Informationen über die mögliche Arten, zu spenden: <a href="http://autism.kg/?page_id=14">http://autism.kg/?page_id=14</a></em></p>
<p><!-- Begin MailChimp Signup Form --></p>
<p><!--End mc_embed_signup--></p>
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		<title>China und Kirgistan: Der böse Nachbar?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Feb 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>China z&#xE4;hlt zu Kirgistans wichtigsten Handelspartnern, doch die kirgisische Bev&#xF6;lkerung begegnet dem Nachbarn mit Misstrauen und Vorsicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Eine 858km lange Grenze trennt China von Kirgistan, drei Grenzübergänge brechen die Barrieren aus hohen Bergen und verschneiten Kämmen und hunderte von Lastwägen nehmen regelmäßig die schwere Fahrt in Kauf, um chinesische Produkte nach Zentralasien einzuführen. China zählt zu Kirgistans wichtigsten Handelspartnern, doch trotzdem: Ein großer</em></strong> <strong><em>Teil der </em></strong><strong><em>kirgisischen Bevölkerung begegnet seinem großen Nachbarn mit Misstrauen und Argwohn.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut dem <a href="http://atlas.media.mit.edu/en/profile/country/kgz/"><em>Observatory of Economic Complexity</em></a><em> (2013) </em>ist China Herkunftsland für 34% von Kirgistans Importen, für einen Gesamtwert von 2.48 Milliarden US-Dollar. Das sind 500 Millionen mehr als aus Russland kamen. Trotz der vielen Möglichkeiten für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Intensivierung bilateraler Beziehungen hält Kirgistan seinen östlichen Nachbarn auf Abstand und nähert sich stattdessen zunehmend Russland, nicht zuletzt durch seinen Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EEU). Auch die kirgisische Bevölkerung steht China mit großem Misstrauen gegenüber.</p>
<p><strong>Es war einmal&#8230;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie viele Analysen Zentralasiens beginnt auch diese <em>nach dem Fall der Sowjetunion</em>, Allzweck-Einleitung für Forschung im postsowjetischen Raum. Sie beschreibt den Moment kirgisischer Unabhängigkeit, mit dem das kleine Bergland auf dem Radar chinesischer Außenpolitik erschien. Diese konzentrierte sich in den ersten Jahren nach vorwiegend auf sicherheitsbedingte Probleme, wie das der umstrittenen Grenzen, weitete sich aber schnell auch auf wirtschaftliche Themengebiete aus. Heute ist China der größte Investor in den Bereichen der Infrastruktur und des Handels in Kirgistan.</p>
<p style="text-align: justify">Die chinesische Außenpolitik basiert vor allem auf den <em>Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz</em>, die 1954 entwickelt wurden. Sie bestehen aus dem gegenseitigen Respekt für territoriale Integrität, dem Verzicht auf Aggression, dem Nicht-Eingreifen in die inneren Angelegenheiten anderer Länder, Gleichberechtigung sowie gegenseitigem Nutzen, und friedlicher Koexistenz. China verspricht damit, keine Hegemonie zu entwickeln und in seiner Außenpolitik stets gegenseitiges Interesse im Vordergrund zu halten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1093/tian_shan_2.jpeg" alt="Tian Shan China Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Die regionale Entwicklung und Stabilisierung Zentralasiens hat demnach keine Expansion der Landesgrenzen oder des politischen Einflusses zum Ziel, sondern vielmehr <a href="http://www.isn.ethz.ch/Digital-Library/Publications/Detail/?lng=en&amp;id=172938">die Vermeidung eines <em>Spillover-</em>Effekts</a> im Falle lokaler Unruhen oder Aufstände. „Wenn Leute an Chinas Einfluss in der Region denken, denken sie meistens an die vielen Investitionen – aber es ist auch wichtig, diese mit den politischen Ereignissen zu verbinden“, bestätigt William Beacom, Gastwissenschaftler am <em>Central Asian Studies Institute </em>der Amerikanischen Universität Zentralasiens (AUCA) und Sachs Global Forscher an der Princeton Universität, im Interview mit Novastan.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan.org: </strong><strong><a href="https://novastan.org/articles/ich-komme-aus-xinjiang">Ich komme aus Xinjiang</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Gerade die zwei kirgisischen Revolutionen 2005 und 2010 wurden von China mit Besorgnis beobachtet. Das an Kirgistan grenzende uigurische autonome Gebiet Xinjiang ist eines der größten Sorgenkinder. Umschwungsstimmung in Kirgistan könnte aus chinesicher Sicht leicht über die Berge schwappen und die Uiguren mitreißen. Mit wirtschaftlichen Fördergeldern und Infrastruktur-Projekten versucht die chinesische Regierung daher, die Entwicklung Kirgistans zu stabilisieren und somit durch wirtschaftliche Sicherheit auch eine solche politische zu schaffen.</p>
<p><strong>Chinesische Immigration und gegenseitige Abhängigkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die vielen Fördermittel, die über die Grenze der beiden Länder fließen, bringen nicht nur <a href="http://thediplomat.com/2016/01/can-china-fix-central-asias-soviet-rail-legacy/">neue Zugschienen</a> und moderne Gebäude mit sich, sondern vermehrt auch chinesische Einwanderer, die auf lokalen Märkten Arbeit finden. Die chinesische Regierung <a href="https://digital.lib.washington.edu/researchworks/handle/1773/23547?show=full">unterstützt</a> diese Entwicklung mit einer Liberalisierung der Wirtschaftstätigkeit und anderen favorablen Bedingungen. Da die Fördergelder meistens nicht an strenge wirtschaftliche, politische oder auch soziale Konditionen gebunden sind (wie so oft der Fall mit ihren russischen, US-amerikanischen oder unionseuropäischen Äquivalenten), bietet die chinesische Unterstützung eine willkommene Alternative für die kirgisische Regierung.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Beacom kommen die chinesischen Fördermittel meist in Form eines Darlehens nach Kirgistan – mit Garantie auf Rückzahlung. Die stark verschuldete chinesische Regierung ist auf eine solche Form der Geldgewinnung angewiesen, genauso sehr wie Kirgistan auf die finanzielle Unterstützung: &#8222;Kirgistan, von allen zentralasiatischen Staaten, ist am begierigsten darauf, chinesische Schulden übernehmen.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1093/oshski_bazaar.jpeg" alt="Bazaar Markt Bishkek Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">China rechnet damit, das investierte Geld mit Zinsen zurückbezahlt zu bekommen – und wenn nicht, kann es nicht schaden, dass die meisten Förderdarlehen mit Sicherheiten unterlegt sind. „Es wird vermutet, dass jeder Kredit mit einer Art Sicherheit verbunden ist – Land, um genau zu sein. Dies könnte auch teils erklären, warum China bei der Beilegung des kirgisisch-chinesischen Grenzstreits so viel Land für sich beanspruchen könnte“, erläutert Beacom eine der gängigen Theorien.</p>
<p><strong>Von Ablehnung und Zukunftsängsten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Gegenteil zur kirgisischen Regierung ist die Bevölkerung jedoch größtenteils gegen jede Form chinesischer Einmischung in heimische Angelegenheiten. China engagiert sich für die Entwicklung der kulturellen und zwischenmenschlichen Beziehungen, so wurden in den letzten Jahren drei Confucius-Institute und vier Klassenräume <a href="http://english.hanban.org/node_10971.htm">eröffnet</a>. Trotzdem sind misstrauen und Vorsicht weit verbreitet und der Großteil des Engagements bleibt <a href="http://kms2.isn.ethz.ch/serviceengine/Files/RESSpecNet/105548/ichaptersection_singledocument/5F53D93A-5163-44A5-8353-B685FFE1775D/en/05_icmk20090279-91.pdf">auf staatlicher Ebene</a> hängen.</p>
<p style="text-align: justify">In Zeiten wachsenden Nationalismus finden chinesische Investitionen in dem Bergstaat weniger und weniger Halt, sowie auch chinesische Migranten mit zunehmender Feindlichkeit zu kämpfen haben. Einheimische sehen die Einwanderer zunehmend als Bedrohung am Arbeitsmarkt. Investitionen der chinesischen Regierung agieren somit schnell nur auf Basis einer politischen Lizenz – keineswegs jedoch einer sozialen.</p>
<p style="text-align: justify">Laut dem angehenden Politologen und Wissenschaftler <a href="https://src.auca.kg/images/stories/files/Kyrgyz-China%20Relations.pdf">Samuel C. Ide</a> können kirgisische Meinungen über den chinesischen Nachbarn in drei grobe Tendenzen aufgeteilt werden- die allgemeine Meinung hängt somit davon ab, welche Position Kirgistan in Zentralasien einnimmt; welche Beziehungen Kirgistan mit außenstehenden Ländern unterhält; und inwieweit der kirgisische Nationalismus das Verhalten und die Meinungen der Bevölkerung prägt. Unter diesen Einflüssen kämpfen kirgisische Souveränität und Nationalstolz in ständiger Wiederholung gegen Vorteile und Risiken chinesischer Investitionen an.</p>
<p><strong>Der Platz Kirgistans in Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als einzige dieser drei Tendenzen trägt die Position Kirgistans innerhalb Zentralasiens <em>positiv</em> zum Stimmungsbild bei. Dank der direkten Grenze zu China und den relativ lockeren Zollregelungen wurde Kirgistan nach dem Fall der Sowjetunion schnell zu einer Art Korridor für chinesische Produkte auf dem Weg nach Zentralasien, vor allem nach Usbekistan. Das war nicht immer so – in Sowjetzeiten wurde China als politischer Feind instrumentalisiert, insbesondere während des chinesisch-sowjetischen Zerwürfnisses der späten 1950er bis 1980er.</p>
<p><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1093/fullsizerender_1.jpeg" alt="Schützengräben Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach der ersten Zusammenkunft der Shanghai-5 (China, Kirgistan, Kasachstan, Russland und Tadschikistan) im Jahr 1996 und der Lösung der Grenzprobleme zwischen Kirgistan und China 1999 bestand jedoch schließlich die Möglichkeit einer intensiveren Partnerschaft. 2001 wurde die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SZO) gegründet, der Handel begann zu blühen, und Kirgistan nahm seine Stellung als Korridor nach Zentralasien ein.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan.org: </strong><strong><a href="https://novastan.org/articles/zentralasien-region-der-konkurrierenden-regionalen-organisationen">Zentralasien, Region der konkurrierenden regionalen Organisationen?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut aktuellen Schätzungen werden heutzutage 75% aller chinesischen Importe nach Kirgistan in Drittländer weiter exportiert. Dieser Landweg spielt einerseits der chinesischen Regierung in die Hände, die ihre Export- und vor allem auch Importwege diversifizieren möchte. Außerdem bedeutet der Beitritt Kirgistans zur Welthandelsorganisation (<em>World Trade Organisation, WTO</em>) 1998 als damals erstes und einziges Land in Zentralasien eine Erleichterung der Handelsbedingungen und gewisse Vorteile im Weiterexport der Waren, zumal auch China Teil der internationalen Organisation ist. Der Beitritt der anderen zentralasiatischer Länder (mit Ausnahme Usbekistans und Turkmenistans) zur WTO, sowie Kirgistans erhöhte Zolltarife durch den Beitritt zur EEU, verringerten die bevorzugte Position Kirgistans in Zentralasien.</p>
<p><strong>Kirgistan und die Welt – unter dem Einfluss von Giganten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht nur China interessiert sich für das kleine Land in Zentralasien. Besonders Russland stärkt seine Beziehungen mit Kirgistan beständig. Die neue Wirtschaftsunion, eine lange, gemeinsame Geschichte, das Erbe jahrzehntelanger sowjetischer Propaganda, sowie kulturelle und linguistische Nähe erleichtern dem nördlichen Giganten die Arbeit. Die mehrheit der kirgisischen Bevölkerung zieht eine Annäherung an Russland jener an China vor, Russland wird viel häufiger als Wohltäter wahrgenommen als sein südliches Gegenstück. Laut <a href="http://www.iri.org/sites/default/files/wysiwyg/2015-09-25_survey_of_kyrgyz_public_opinion_july_22-31_2015.pdf">der letzten Umfrage</a> des International Republican Institute sieht jeweils etwa ein Drittel der  kirgisischen Bevölkerung China als einen Partner und eine Bedrohung. Gegenüber Russland liegen die Werte bei jeweils 96 Prozent und einem Prozent.</p>
<p><strong>Der kirgisische Nationalismus</strong></p>
<p style="text-align: justify">Letztlich beeinflusst auch der kirgisische Nationalismus stark die allgemeine Meinung über China. Kirgistan erlebt einen noch nie dagewesenen Aufschwung von Nationalismus, besonders seit den Ereignissen 2010 und dem Umsturz der Bakiev-Regierung. Der starke Nationalstolz zeigt sich unter anderem in häufigen Debatten über Kirgisisch als allgemeine Unterrichtssprache (jetzt oftmals noch Russisch), <a href="http://www.nzz.ch/international/ein-dummer-witz-mit-politischen-folgen-1.18672934">regelmäßige Spannungen</a> rund um „Kumtor“, die größte Goldmine des Landes, die von einer kanadischen Firma betrieben wird, Ausbeutung nationaler Symbole wie der kirgisische Held Manas oder lokaler Küche, und auch in lebhaften Diskussionen über die Rolle des Islams in Kirgistan. Inmitten der vielen Ethnizitäten und Volksgruppen Kirgistans ist dieser Nationalismus besonders explosionsgefährdet.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 426px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1093/3531251583_4bc74b39c6_o.jpeg" alt="Manas Kirgistan Volksheld" /></p>
<p style="text-align: justify">Dieser Nationalismus zeigt sich auf zwei Arten: Einerseits existiert die Idee, dass China eine Gefahr für die Zukunft Kirgistans darstellt und angehalten werden muss. Andererseits sehen viele die Investitionen als förderlich, da auch die Wahrung nationaler Souveränität ein wichtiges Prinzip der chinesischen Aussenpolitik ist. . Oftmals überwiegt jedoch die erste Ansichtsweise. Die chinesischen <em>Fünf Prinzipien</em> mussten außerdem in den letzten Jahren mit Interessenskonflikten kämpfen: „Auf jeden Fall gab es in den letzten zehn Jahren große Spannungen in der chinesischen Außenpolitik – sowie Chinas Interesse am und im Ausland wächst, wächst auch die Spannung zwischen der Aufrechterhaltung der nationalen Souveränität fremder Länder und Chinas eigenem Interesse“, erklärt Beacom.</p>
<p style="text-align: justify">In den letzten Jahren entwickelten sich eine exzessive Paranoia und auch Verschwörungstheorien. So gibt es zum Beispiel die Idee, dass die chinesische Regierung absichtlich Männer nach Kirgistan schickt, um kirgisische Frauen zu heiraten, um so langsam, nach und nach, das Land zu erobern – von innen. China wird nicht nur als akute Gefahrenquelle angesehen, sondern auch als verheerende Gewalt über die Zukunft.</p>
<p><strong>Die Zukunft: ein chinesisches Kirgistan?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Doch auch wenn viele Angst vor einer chinesischen Übernahme haben – die chinesische Expansion ins Ausland steht dennoch vier wichtigen Schranken gegenüber. Erstens ist die chinesische Migration in Entwicklungsländer als ein Kurzzeit-Phänomen anzusehen. „Chinesische Migranten folgen ihrem Geschäft – das ist eine sehr wirtschaftliche Entscheidung“, erklärt Beacom. Meist ist ihre Auswanderung das Resultat einer abrupten Veränderung in ihrem heimischen Arbeitsmarkt und die Beschäftigung in den umliegenden Ländern, darunter auch Kirgistan, soll Abhilfe verschaffen. Die chinesische Regierung arbeitet außerdem schrittweise an besseren Integrationsmechanismen für interne Migration – eine Maßnahme, die den Umzug ins Ausland noch weiter verringern sollte.</p>
<p style="text-align: justify">Zweitens spielt der Empfang in den jeweiligen Zielländern eine wichtige Rolle. Nationalismus, Angst und Misstrauen, so wie es in Kirgistan der Fall ist, hindern weiteren Zufluss. Eine weitere Barriere für chinesische Migration liegt in der zukünftigen Entwicklung der Volksrepublik China verborgen. Da Migration und Investition zwei voneinander abhängige Erscheinungen sind, setzt eine kontinuierliche chinesische Einwanderung voraus, dass auch die Investitionen nicht abbrechen. Unendliche (wirtschaftliche) Möglichkeiten sind also die Grundvoraussetzung – eine unrealistische Vision der Zukunft. Hinzu kommt, dass chinesische Wirtschaftsprojekte im Ausland noch jung sind – es wäre nicht das erste Mal, dass manche von ihnen schlussendlich in einem typischen <em>Boom-and-Bust-Cycle </em>zum Stillstand kommen.</p>
<p style="text-align: justify">Nicht zuletzt spielt auch die politische Situation in Kirgistan eine wichtige Rolle. Wie viel Instabilität und Unruhen ertragen chinesische Investitionen? Eventuelle Aufstände oder politische Unruhen bleiben außerhalb der chinesischen Reichweite. Angesichts solcher Passivität des Staates sind chinesische Investoren dazu gezwungen, zwischen wirtschaftlichem Ertrag und potenziellem Risiko abzuwiegen, dessen Abwesenheit die chinesische Regierung ihren Staatsangehörigen nicht garantieren kann – oder will.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Vanessa Graf<br />
Landesdirektorin der Redaktion<br />
Bischkek, Kirgistan</strong></p>
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		<title>Ich komme aus Xinjiang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uigurische Region]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein sehr pers&#xF6;nlicher Text von Kurbanjan Semet, der den Kampf der Uiguren f&#xFC;r Ver&#xE4;nderung dokumentiert.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Kurbanjan Semet ist ein uigurischer Kameramann aus Xinjiang, der uigurischen Region im Nordwesten der Volksrepublik China, die zum zentralasiatischen Kulturbereicht zählt. Vorwiegend muslimisch geprägt und ethnisch außerhalb der chinesischen Mehrheit, fällt die Region häufig Verfolgungen der chinesischen Behörden zum Opfer. Nicht zuletzt deshalb leidet Xinjiang unter dem Ruf, ein gefährliches Gebiet zu sein. In Zusammenarbeit mit der französischen Zeitschrift <em><a href="http://oghouz.org/accueil.html">Regard sur les Ouighour-e-s</a></em> (Blick auf die UigurInnen), veröffentlicht Novastan diesen sehr persönlichen Text von Kurbanjan Semet, der den persönlichen Kampf der Uiguren für Veränderungen in seiner Heimat dokumentiert.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Xinjiang liegt im Westen Chinas, sein Gebiet macht ein Sechstel der Gesamtfläche des Landes aus. Zwanzig Millionen Menschen leben dort, darunter dreizehn ethnische Minderheiten, die alle nach ihren eigenen Traditionen, ihrer eigenen Kultur leben. In diesem Land, wo verschiedenen Einwohner nebeneinander leben und sich teilweise einander angleichen, entstand eine neue Zivilisation, deren Seele sich klar von der der anderen chinesischen Regionen unterscheidet.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist eines der wenigen Gebiete in China, die es geschafft haben, das geographische Bild der Vergangenheit zu erhalten. Für die meisten Bewohner Zentralchinas bleibt Xinjiang dennoch mysteriös und unbekannt. Die Medien vermitteln zahlreiche Klischees – Wüste, Armut, aber auch saftige Früchte, Gesang und Tänze. In Wirklichkeit ist nur sehr wenig über die Menschen dieser Region bekannt – vor allem, da die Presse in den letzten Jahren vorwiegend über eine kleine Anzahl von Terroranschlägen berichtete.</p>
<p style="text-align: justify">Eine dunkle Wahrheit, die ein schlechtes Bild dieser Provinz zeichnete und ihren Ruf schwächte. Mittlerweile ruft die Nennung des Namens der uighurischen Region Angst in der Öffentlichkeit hervor und deren Einwohner werden gemieden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Uiguren, Botschafter ihrer Kultur in China</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die uigurischen Einwohner fühlen sich als Vertreter dieser Region, wenn sie sie verlassen, denn außerhalb Xinjiangs werden sie plötzlich zur „Minderheit“. In der Region ist es jedem möglich, man selbst zu sein und sein Leben zu leben. Doch sobald die Bewohner ihre heimische Region verlassen und sich in anderen Provinzen niederlassen werden sie automatisch zu Vertretern ihrer Volksgruppe und Region und beginnen damit, einer echten Minderheit zu ähneln: ein Volk, das „eigen“ ist im Bezug auf den Phänotyp, die Sprache, die Lebensweise und die religiöse Überzeugung, zieht viele Probleme auf sich.</p>
<p style="text-align: justify">Der Mensch ist ein Produkt der Gesellschaft, in der er lebt: einerseits ist er nicht in der Lage, die Zwänge dieser Gesellschaft zu überwinden, andererseits ist er aktiv an ihrer Entwicklung beteiligt. Dieser Prozess führt stets zu Problemen, aber nur wenige Menschen werden davon zu Extremen getrieben – die meisten reagieren mit Solidaritätsbeweisen. Es gibt aus der uigurischen Region stammende Menschen, die trotz der symbolhaften Entfremdung aus ihrem Geburtsland weder die Flucht, noch den Extremismus wählten. Stets in einem persönlichen Kampf lieben sie weiterhin das Leben und bleiben ihrem Beruf und ihrer Position treu.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/1ahmatjan.jpeg" alt="Ich bin Uigure" /></p>
<p style="text-align: justify">Sie können auch ein gewisses Gefühl von Erfolg erreichen, und einige werden sogar Pioniere auf ihrem Gebiet. Doch auch wenn sie lange außerhalb der uigurischen Region leben, können sich die Ureinwohner der Provinz nie vollständig von ihr loslösen. Der Geist, die Seele dieser Region hinterließ einen bleibenden Eindruck: Sie gab ihnen einen distinkten, eigenen Charakter und eine einzigartige Lebenserfahrung. Die Uiguren-Region erweiterte außerdem den Horizont ihrer Bewohner auf einzigartige Weise. Jeder Einwohner ist ein Pinselstrich im Bild des Xinjiang. Auch beim Verlassen der Region hört niemand damit auf, an sie zu denken und zu sorgen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Mein Name ist Kurbandschan Semet, ich komme aus Xinjiang und ich bin 32 Jahre alt“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mein Name ist Kurbanjan Semet, ich komme aus Xinjiang und bin 32 Jahre alt. Seit acht Jahren lebe ich in Peking. Ich bin Kameramann für China Central Television (CCTV) und arbeite gleichzeitig als freiberuflicher Fotograf. Ich komme aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotan_(Stadt)">der Stadt Hotan</a> in Xinjiang. Mein Vater ist schon seit 30 Jahren Jadehändler. Was er uns, seinen vier Kindern, beigebracht hat, ist die Wichtigkeit, uns zu bilden und zu reisen. Vor 1998 verstand ich kaum Chinesisch. Als ich an einer berufsbildenden Schule im chinesischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bortala_(Stadt)">Bezirk Bortala</a> studierte, um die Sprache zu lernen, bat ich darum, mit Han-Studenten zu wohnen – die ethnische Mehrheit in China.</p>
<p style="text-align: justify">Während des Studiums kaufte ich mir eine Kamera als Geburtstagsgeschenk. Das war der Moment, in dem ich begann, mich für die Fotografie zu interessieren. Am Anfang schoss ich Porträts von Studenten an meiner Schule. Während der Ferien kehrte ich entweder nach Hotan zurück oder bereiste Xinjiang und fotografierte dort verschiedene Landschaften. Später sah ich, dass meine Bilder vielen Menschen gefielen und beschloss, noch bessere Fotos zu machen, um sie meinem Umfeld zu zeigen.</p>
<p style="text-align: justify">Nach meinem Studium war mein Vater plötzlich gezwungen, unser Haus zu verlassen, da sein Geschäft sich in ernsten Schwierigkeiten befand. Während seiner Abwesenheit, die vier Jahre dauern sollte, kümmerte ich mich um die Familie. Ich schickte meinen kleinen Bruder und meine kleine Schwester jeden Tag in die Schule. Während dieser Zeit verkaufte ich Jade und anderes auf der Straße, ja, ich verkaufte sogar Kebabs, hörte aber nie damit auf, nach meinem Vater zu suchen. In dieser Zeit traf ich ein Han-Pärchen, Meng Xiaocheng und Li Xiaodong: Beide machten Dokumentarfilme für CCTV und würden meine zukünftige Karriere entscheidend beeinflussen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mein Pate, der Dokumentarfilmer </strong></p>
<p style="text-align: justify">Meng Xiaocheng liebte Jade, ich gab ihm oft schöne Steine. Er wusste, dass ich die Fotografie liebte, also brachte auch er mir regelmäßig eine Schachtel Film. Wir hatten eine tiefe Zuneigung füreinander, ähnlich derer, die einen Sohn an seinen Vater bindet. Als er von der Situation meiner Familie erfuhr, half er mir sehr. Nach vier Jahren erhielten mein kleiner Bruder und meine kleine Schwester ihr Abschlusszeugnis und wurden unabhängig. Zur gleichen Zeit fand ich endlich meinen Vater, wenn auch in einem Zustand großer Bedrängnis, und brachte ihn nach Hause. So konnten wir das Vertrauen in unsere Familie und unsere Existenz wiederfinden.</p>
<p style="text-align: justify">Nachdem ich ihm deutlich erklärt hatte, was während seiner Abwesenheit zu Hause und auch außerhalb passiert war, eröffnete ich ihm, dass ich Fotografie studieren und Dokumentarfilme drehen wollte. Seit diesem Tag danke ich Allah, dass er die Ruhe und den Frieden meines Vaters segne. Ich empfinde so viel Bewunderung und Dankbarkeit für ihn, vor allem auch dafür, dass er mich dazu ermutigte, die Hoffnung im Leben nicht zu verlieren. Es war seine Offenheit meiner Wahl gegenüber die mir am meisten Respekt gebietet. Als er mich mit dem Pärchen Meng Xiaocheng losziehen ließ, sagte er: „Behandle Herrn Meng so, wie du deinen Vater behandelst“. So wurde Meng Xiaocheng mein Pate.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Liebe zu Xinjiang in Filmen und Fotos</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2005 folgte ich meinem Paten und seiner Frau zur Herstellung eines Dokumentarfilms – <em><a href="http://www.bundpic.com/2008/01/2543.shtml">Der Gesang der Wälder</a></em>.  Mehr als ein Jahr lang lebte und aß ich mit den beiden, und beide beeindruckten mich zutiefst. Dank einer Empfehlung von Meng Xiaocheng konnte ich 2006 mein Studium in Beijing, an der Universität für Kommunikation beginnen. Ich war nur ein freier Zuhörer, aber ich wollte unbedingt diese großartige Chance nutzen, die mich von morgens bis abends jeden Tag beschäftigte. Während dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft von fast allen Professoren, da ich alle ihre Kurse besuchte, und oft sogar mehrmals denselben Kurs belegte. In einer fortschrittlichen Universität verhindert die Herkunft eines Studenten nicht sein Studium – und so eine Universität war die Universität für Kommunikation Chinas, die alle meine Bemühungen und Studienleistungen anerkannte.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/14shayidon.jpeg" alt="Ich bin Uigure 4" /></p>
<p style="text-align: justify">Während des zweiten Semesters, das im Winter stattfand, organisierte ich eine Reise und führte sechs Han-Studenten nach Qara Tagh, einem Ortsteil von Hotan. Es ist eines der am schwierigsten zugänglichen Dörfer der uigurischen Region: Um es zu erreichen, mussten wir 12 Stunden auf dem Rücken eines Esels in Kauf nehmen. Es gibt dort weder Trinkwasser noch Strom. Keiner der tausend Einwohner von Qara Tagh spricht oder versteht Chinesisch, aber meine sechs Kameraden verstanden sich trotzdem sehr gut mit ihnen.</p>
<p style="text-align: justify">Ich erkannte, dass Sprache manchmal kein Hindernis darstellt, und dass ein Lächeln den Abstand zwischen Menschen verringern kann. Meine Kameraden und ich drehten einen Dokumentarfilm namens <em><a href="http://www.tudou.com/programs/view/V_0latOSEpc/">Qara Tagh Xatirisi (Erinnerung an Qara Tagh)</a></em> auf der Grundlage unserer Erfahrungen. Dieser Film gewann mehrere Auszeichnungen in verschiedenen nationalen Wettbewerben. Danach zeigte ich meine Fotografien vom Xinjiang an den Universitäten von Tsinghua und von Peking, sowie an der Chinesischen Volksuniversität. Durch diese Ausstellungen erfuhren viele Menschen über die Region und konnten dadurch auch die Uiguren besser verstehen. Darüber hinaus inspirierten meine Fotos viele meiner Freunde zu einer anhaltenden Liebe zur Region.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>2009 – eine unerklärliche Wende für Xinjiang</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mir scheint, dass Konflikte nicht aus Fehlverhalten, sondern aus Missverständnissen entstehen. Seit unserer Reise spendeten mehr als 27 chinesische Universitäten Bücher an das Dorf Qara Tagh. Ein Internet-User schenkte Qara Tagh einen Solargenerator, nachdem er unseren Film sah; Studenten aus anderen Regionen Chinas schickten Kleidung, Taschen und ähnliches. Es ist unvorstellbar, dass nur ein Jahr später ein Ereignis wie jenes am <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/July_2009_%C3%9Cr%C3%BCmqi_riots">5. Juli 2009</a> in Xinjiang passieren konnte! Es scheint, dass alles über Nacht passierte. Die Menschen sprechen von Xinjiang jetzt mit Angst in ihrer Stimme. Freunde, die damals mit Ungeduld eine Reise in die Region planten, scheinen jetzt nicht mehr fahren zu wollen. Ich versuche immer noch, den Grund für diese Änderung in der Einstellung der Chinesen zu verstehen.</p>
<p style="text-align: justify">2009 trat ich dem Team des CCTV bei und arbeitete als Kameramann für die Sendung „<em>Zeugnis</em>“. Damals begann ich auch, eine Fotoausstellung Beijing zu planen. 2011 fand meine Ausstellung schließlich im Pekinger Nationalmuseum statt, unter dem Titel „<em>Am Fuße des Kundun: Umwerfendes Hotan“</em>. In den sieben Tagen der Ausstellung kamen mehr als 15.000 Besucher, jeden Tag kamen begeisterte Gäste. Ich erinnere mich an eine Frau, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen kam – sie brachte mir Lagman (ein Traditionelles Nudelgericht der uigurischen Region, Anm. d. Red.) und sagte: „Junger Mann, Sie haben gute Arbeit geleistet!“ Ich war sehr berührt. Ich begann zu denken, dass dieses Mal meine Bemühungen den Menschen helfen würden, ihre Meinung über Xinjiang zu ändern – aber das, was gleich darauf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Hotan_attack">in Hotan passierte</a>, reduzierte meine Hoffnungen auf ein Nichts.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Individuum gegen die Vorurteile </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich war wie erschlagen von diesem beklagenswerten Ereignis, das alle meine Bemühungen vergeblich zu machen schien. Bis 2013, vom <em>Gesang der Wälder</em> abgesehen, arbeitete ich an mehreren dokumentarischen Dreharbeiten, einschließlich der <em>Olympischen Spiele in Peking, Wenchuan</em>: <em>Überlebende nach einem Jahr</em>, <em>Die Seidenstraße: Eine wiederholte Reise,</em> die zweite Staffel der kulinarischen Dokumentation <em>China über den Palästen</em>,  <em>Die Welt der Mode</em>, usw. Ich denke, meine Arbeit gut gemacht zu haben, und während dieser Zeit brachten mich wertvolle Lernmöglichkeiten zum nachdenken.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 600px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/6nafisa2.jpeg" alt="Ich bin Uigure 2" /></p>
<p style="text-align: justify">Ich filmte eine Menge schöner Landschaften, sowie die Bräuche in Xinjiang. Allerdings machte ich auch schlechte Erfahrungen während der Arbeit an diesen Panoramen und Traditionen, die den Menschen ein gutes Bild dieser Region vermitteln sollen. Letztes Jahr, bei einem Besuch in New York, sah ich eine große Anzahl von Ausstellungen und bemerkte, dass das, was uns am meisten berührt, alltägliche Menschen und einfache Gegenstände des Alltags sind. Es passiert oft, dass ein Ereignis Vorurteile gegenüber einer bestimmten Gruppe verursacht. Um diese Vorurteile richtigzustellen, kann man sich nicht nur auf typische Objekte stützen, die eine Kultur vertreten sollen – es benötigt auch etwas intimeres. Die saftigen Früchte Xinjiangs, die Gesänge und die Tänze der Einwohner bieten nur einen zerbrechlichen Eindruck und ziehen die Blicke nur für einen kurzen Moment auf sich. Wenn sich jedoch ein Mitglied einer ethnischen Gruppe, einer traditionellen Kultur, als deren Vertreter präsentiert – das kann andere bewegen.</p>
<p style="text-align: justify">Das Individuum ist nicht schwach: Wie ein Schmetterlingseffekt kann eine individuelle Tat einen mächtigen Strom erzeugen und es ist genau das, um was ich mich zu kümmern habe. Darüber sollte ich Dokumentationen erschaffen. Wenn das Verhalten einer kleinen Gruppe von Personen reicht, ein Bild der Gesellschaft, aus der sie stammt, zu schaffen, kann eine positive Handlung der Mehrheit dieser Gesellschaft logischerweise dieses Bild erheblich verbessern. Heute sind jene Leute, die aus dem Xinjiang stammen und im Rest Chinas arbeiten am ehesten dazu fähig, die vorherrschende Meinung über die Menschen dieser Region zu verändern. Wir müssen unseren Ruf mit Gewissenhaftigkeit ändern. Diese Gedanken haben mich sehr ermutigt und ich begann Ende letzten Jahres die Arbeit am Projekt <em><a href="http://german.people.com.cn/209051/8594814.html">Ich komme aus Xinjiang</a></em>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Gewalt verstehen und Konflikte lösen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Während der Vorbereitung auf dieses Foto-Essay und der Forschungen dazu kam es zu weiteren gewalttätigen Ereignissen oder sogar Terrorakten in China. Jedes Mal, wenn ein solches Ereignis eintritt, verurteile ich die widerlichen Taten und teile mein Beileid mit den Familien der Opfer – unabhängig von der Herkunft oder dem Glauben des Kriminellen. Das Thema der Sicherheit betrifft mich als gewöhnlicher Bürger, vor allem nach den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_im_Bahnhof_Kunming">Geschehnissen in Kunming</a>, die mir große Angst machten. Für mich ist es wichtig zu verstehen, warum Gewalt auftrifft und wie Konflikte gelöst werden können – was auch immer das Ziel des Täters sein mag. Die Verantwortung liegt bei der Gesellschaft als Ganzes und nicht bei einer bestimmten Gruppe, die den Taten alleine gegenüberstehen muss.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/11.jpeg" alt="Ich bin Uigure 3" /></p>
<p style="text-align: justify">Seit zwei Jahren sehe ich in vielen Kommentaren im Internet, dass die Menschen sich nicht mehr um die Schönheit der Landschaften in Xinjiang kümmern. Sie haben angefangen, sich über die Region zu informieren, über die Menschen, die dort leben, und darüber, was sie tun. Sie versuchen vielleicht zu verstehen, welche Probleme einige Einzelpersonen zur Gewalt geführt haben könnten. Für junge Uiguren ist es schwierig, Arbeit zu finden: Sie fühlen sich ihrer Möglichkeiten beraubt. Einige wurden materialistisch, andere extrem abhängig von ihren Eltern. So wurden junge Menschen passiv und viele von ihnen sind dazu verdammt, die geistige Leere, an der sie leiden, mit extremistischen religiösen Ideen zu füllen. Sie sind nicht mehr dazu bereit, sich viel Mühe zu machen oder hart zu arbeiten. Cyber-Gewalt, wenn auch nutzlos und virtuell, ermöglicht es ihnen, sich ohne Einschränkungen auszudrücken und stellt eine Art von indirekter Bestätigung ihrer selbst dar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Ich komme aus Xinjiang“, ein umfassendes Thema</strong></p>
<p style="text-align: justify">Plötzlich wurde mir klar, dass das Thema „Ich komme aus Xinjiang“ sowohl Einzelpersonen als auch die Gesellschaft, die sie formen, begeistern könnte. Diese Reportage trägt keine religiöse oder politische Botschaft mit sich: Sie erzählt ganz einfach von den banalen, bescheidenen und bewegenden Dingen der Einwohner aus Ost-Turkestan. Ich entschied mich für eine einfache und realistische Kameraeinstellung, sodass das Publikum die kraftvolle Energie, die direkt und beständig vom Bild und der Lebensgeschichte des Helden oder der Heldin ausgeht, spüren kann. Ich setze mich hiermit bescheiden gegen die negativen Konnotation des Ausdrucks „die Menschen aus Xinjiang“ ein. Ich möchte gerne möglichst vielen ermöglichen, ein ehrliches und auch der Wirklichkeit entsprechendes Wissen über die Region aufzubauen. Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach, dass sich die Leser von der Geschichte inspirieren und darüber nachdenken, welcher der beste Weg wäre, andere zu verstehen, mit Menschen zu kommunizieren.</p>
<p style="text-align: justify">Die Menschheit braucht universelle Liebe für den Fortschritt. Was ich mir wünsche ist, diese mächtige universelle Liebe in die Herzen der Leute zu bringen. Bevor ich an dem Projekt „Ich komme aus Xinjiang“ zu arbeiten begann, hatte ich schon ein Dutzend Leute fotografiert. Danach beschleunigte ich meine Suche nach Zeugen, die an meinem Projekt teilnehmen könnten. Ich suchte nach Personen, die im chinesischen Inland wohnen und aus der uigurischen Region stammen. Als ich mit ihnen redete und ihr Leben und ihre Arbeit entdeckte, schien es mir, als wäre ich ebenfalls gerade dabei, eine Bestandsaufnahme meiner eigenen Erfahrungen zu erstellen. Als ich ihnen zuhörte, wie sie ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Träume für die Zukunft beschrieben, begann auch ich damit, über mein Leben nachzudenken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Über hundert Fotoserien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich nahm über hundert Fotoserien auf und schrieb ebenso viele Lebensgeschichten aus Xinjiang nieder. Die Teilnehmer leben und arbeiten in verschiedenen Bereichen, haben nichts gemeinsam, außer dieses Label: Es sind „Leute aus Xinjiang“. Unter ihnen: Ayim Eziz, eine Uigurin, und ihre Tochter Arzigül; ein anderes uigurisches Kind, Irfan, das in  Beijing geboren wurde und 8 Jahre alt ist; der Besitzer eines der ersten Restaurants, das begann, die uigurische Küche der Region in andere chinesisches Provinzen zu exportieren und somit eine echte Sparte schuf. Qurbanjan erbte derweil das Familiengeschäft im Jadehandel; Alimjan ist ein Geschäftsmann in Peking; Nefise ist Rechtsanwältin, ursprünglich aus Shanghai, und studierte in den Vereinigten Staaten; Toxtixan verkauft Toast in der Niujie Straße; Ehmetjan Mutellip ist Angestellter in einem sehr bekannten, großen Unternehmen. Dann sind da noch Adil und Ershat, die bald mit der Universität abschließen werden und vor großen Schwierigkeiten in der Jobsuche in Xinjiang stehen, und Perhat, der seinen Doktortitel erwarb, anerkannte Künstler auf nationaler und internationaler Ebene, Designer, eine Bar-Sängerin, eine Spezialistin arabischer Tänze&#8230; Sie alle kommen aus verschiedenen ethnischen Gruppen in Xinjiang.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/16bostaniya.jpeg" alt="Ich bin Uigure 6" /></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt auch eine junge Uigurin, die in einer Han-Familie aufwuchs; ein Han-Chinese, der von einer uigurischen Familie aufgezogen wurde; ein Uguiren-Offizier und seine Frau, ursprünglich aus Shanghai, die immer noch ihre große Liebe ausleben (40 Jahre Ehe schienen für sie nur einen Tag gedauert zu haben); und dann noch ein junges Mädchen, halb uigurisch, halb Han, die von ihrem Geliebten spricht – einem Han.</p>
<p style="text-align: justify">Während ich mit jedem und jeder sprach, ihnen und ihren Träumen von einem Leben in China zuhörte, begann ich plötzlich zu denken, dass das Thema „Ich komme aus Xinjiang“ einen tiefergründigen Inhalt offenbaren könnte als ich zuvor angenommen hatte, einen Inhalt, den ich jetzt als eine der besten Ausdrucksformen des Menschlichen anerkenne, ein Ausdruck, der weder durch religiöse, noch durch rassistische Vorurteile verfälscht wird.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bewegende Geschichten </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Kraft, die durch die Geschichten dieser Helden und Heldinnen verbreitet wird, wühlte mich auf. Als ich den Erzählungen zuhörte hatte ich den Eindruck, mich mit jeder Person zu identifizieren. Die Menschlichkeit, die aus den Herzen eines jeden und einer jeden derer, die ich fotografieren durfte, strömte, führte mich dazu, zuzugeben, dass ich selbst noch sehr weit von meinem Ziel entfernt bin. Alle erinnerten mich an meine 30 Jahre Glück und auch an harte Zeiten. Diese Erfahrung vertiefte meine Liebe zur Fotografie: ich bin jetzt noch entschlossener, mich zu verbessern, zu perfektionieren.</p>
<p style="text-align: justify">Das Erlebnis brachte mich auch dazu, meine Heimatstadt, mein Volk und meine Heimat zu lieben. Die eindrucksvolle Menschlichkeit der Befragten machte mich nicht zu zuversichtlich, was die Wahl des Themas der Fotoreportage betrifft, sondern stimulierte und ermutigte mich auch, diese Untersuchung weiter zu vertiefen und zu verfolgen. Ich selbst habe auch einen Traum: dass meine Fotoserie „Ich komme aus Xinjiang“ Aufmerksamkeit auf sich zieht und es den Menschen ermöglicht, ihre Beziehungen zueinander zu überdenken. Ich hoffe, dass mein Buch „Ich komme aus Xinjiang“ erfolgreich veröffentlicht wird. Ich würde außerdem gerne einen Dokumentarfilm drehen, wofür mir vor allem noch die nötige Finanzierung fehlt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1085/15ezherjan_2.jpeg" alt="Ich bin Uigure 5" /></p>
<p style="text-align: justify">Im April 2014 wurde das Thema meiner Fotoreportage auf mehreren Webseiten verbreitet und erhielt eine sehr enthusiastische Reaktion des Publikums. Eine wachsende Zahl von Menschen ist am Projekt interessiert und unterstützt es, vor allem meine Landsleute aus Xinjiang, die jetzt im Rest Chinas leben. Einige haben mich kontaktiert, nachdem sie von dem Projekt im Internet erfuhren, damit auch ihre Lebensgeschichten in China verbreitet werden. Diese Geschichten sind so aussagekräftig, und die fotografierten Personen erwiesen mir ein solches Vertrauen, dass es mich inspirierte und ermutigte, weiterzumachen. Kürzlich trat das Projekt in seine letzte Phase ein: Ich ließ alles stehen und liegen, um mich ganz dieser Arbeit zu widmen. Drei Monate lang reiste ich in zwanzig Städte, kontaktierte und besuchte mehr als fünfhundert Personen, und sammelte schließlich mehr als hundert Interviews. Ich gab alle meine Ersparnisse dafür aus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Xinjiang besser verstehen – durch individuelle Geschichten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich muss daher meine Fotoreportage bald beenden. „Ich komme aus Xinjiang“ zielt nur auf das allgemeine Interesse, ich arbeite ohne wirtschaftliches Ziel. Auch wenn das Budget sehr begrenzt ist, werde ich es nie aufgeben. Ich bin ständig bemüht, mich anzustrengen und alle meine Hoffnungen in die Durchführung dieses Projekts zu stecken.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Fotoreportage beabsichtig nicht, aus den fotografierten Personen Stars zu machen. Ich hoffe jedoch, dass Sie durch diese Geschichten von einfachen Menschen aus Xinjiang das Volk dieser Region besser verstehen lernen. Ich wünsche mir, dass die Menschen ihre Beziehungen zueinander überdenken und die harmonische Entwicklung der Gesellschaft fördern. Ich möchte, dass die Kraft der Beispiele derer, die dafür kämpfen, ihre Ziele zu erreichen, alle Jungen inspiriert, insbesondere jene aus Xinjiang. Ich möchte die Jugend gerne dazu ermutigen, sich nicht zu beklagen, nicht nachzulassen, Extreme zu verweigern, ihnen Mut zusprechen, es zu wagen, ihre Grenzen zu testen. Mehr Aufwand erlaubt auch mehr Möglichkeit: Habt den Mut zur Veränderung.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Für eine angenehmere Leseerfahrung empfehlen wir Euch, die Bilder im Vollbildmodus zu betrachten, indem Sie auf den Button oben rechts klicken:</em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Kurbanjan Semet<br />
Iskandar Ding et Muhammed Ali Abdurusul</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem französischen Übersetzt von Vanessa Graf</strong></p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: justify">Die Fotoreportage von Kurbanjan Semet, die hier teilweise präsentiert wird, wurde in China als Buch veröffentlich: Heute wird es als Stimme der Uiguren in China angesehen und mit Förderung der chinesischen Behörden stark mediatisiert.</p>
<p style="text-align: justify">Aber der Ruf der Reihe „Ich komme aus Xinjiang“ hat die chinesischen Grenzen bei weitem überschritten. In den USA, wo diese Fotoreportage großen Einfluss erlangte, erschien nicht nur eine Ausgabe des Buchs in übersetzter Fassung (Mai 2015), sondern Kurbanjan Semet wurde auch vom ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter empfangen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die kirgisischen Gefängnisse – Zufluchtsort für Schwerkriminelle?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Dec 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trotz vieler Bem&#xFC;hungen schafft es die kirgisische Regierung nicht, ihre Gef&#xE4;ngnisse zu reformieren.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Trotz vieler Bemühungen schafft es die kirgisische Regierung nicht, ihre Gefängnisse zu reformieren. Die Gefängnisse, die noch zu Sowjetzeiten erbaut wurden, beherbergen heute hoch organisierte Gefangene, die nicht davor zurückschrecken, Unruhen zu provozieren, sobald die Behörden ihre Haftbedingungen in Frage stellen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht vom 19. Oktober <a href="http://www.rferl.org/content/kyrgyzstan-another-fugitive-captured/27320452.html">gelang neun Insassen</a> einer kirgisischen Haftanstalt der Ausbruch. Auf ihrer Flucht töteten sie drei Wächter und verletzten einen weiteren kritisch, der seinen Verletzungen später erlag. Mittlerweile wurden alle Flüchtenden von den kirgisischen Sicherheitskräften entweder getötet oder festgenommen. Am 20. November wurde der Direktor des Gefängnisses der geflüchteten Insassen in seiner Zelle <a href="http://www.rferl.org/content/kyrgyz-prison-warden-hanged-jailbreak/27377683.html">erhängt aufgefunden</a>. Der Mann war zuvor im Zusammenhang mit der Untersuchung des Ausbruchs festgenommen worden.</p>
<p style="text-align: justify">Diese dramatischen Ereignisse, die in Kirgistan stark mediatisiert wurden, lässt die Kontroverse über die Leistung des Gefängnissystems des Landes wieder aufflammen. Im Gegensatz zu westlichen Gefängnissen lassen die kirgisischen Anstalten den Gefängnissen große Freiheit, die in offenen Räumen, ohne Einzelzellen, ausgelebt werden können. <a href="https://fu-berlin.academia.edu/GavinSlade">Gavin Slade</a>, ein Forscher an der Freien Universität Berlin, hat sich des Themas angenommen. Novastan.org sprach mit ihm auf einer Konferenz in Paris, die von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für Zentralasien organisiert wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gefängnisse „à la Gulag“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gavin Slade vergleicht die Auswirkungen der Gefängnisreformen auf organisierte Kriminalität in drei verschiedenen Ländern der Sowjetunion: Litauen, Georgien und Kirgistan. Diese beiden Themen, die selten im selben Rahmen diskutiert werden, sind immer noch tief in der Logik der Regierungen der Regierung der ehemaligen Sowjetunion verankert.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1053/prison_image2.jpeg" alt="Gefängnis Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach dem Fall der Sowjetunion begannen die neuen politischen Behörden drastische Reformen, so auch im Gefängnissystem. Diese Notwendigkeit einer Gefängnisreform stammt von der Tatsache, dass es zunehmend schwieriger wurde, kriminelle Gruppen, die in Gefängnissen entstanden, zu bekämpfen. Gefängnisstrukturen „à la Gulag“ unterstützen die Bildung einer hartnäckigen Subkultur Gefangener noch zusätzlich.</p>
<p style="text-align: justify">Der kasachische Abgeordnete Schakip Asanow sieht die Quelle dieser Subkultur in den Gulag-ähnlichen Strukturen, die auf großen Innenhöfen und Schlafsälen für 50 bis 100 Personen basieren. Ein solcher Aufbau ermöglicht es den Gefangenen, selbst das Gefängnis zu steuern. Gavin Slade schließt daraus, dass das einzige Gegenmittel für diese Machtkrise ist, auf Einzelhaft umzusteigen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Verschlechterung der Gefängnisstrukturen nach dem Ende der UdSSR</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gavin Slades Forschung zeigt, dass die kirgisischen Gefängnisstrukturen sich nach dem Fall der Sowjetunion verschlechtert haben. Die Insassen schufen die Barrieren zwischen den Höfen ab, sodass der für die Koordinierung eines Widerstands gegenüber der Reformen nötige Austausch und die Kommunikation unter Gefangenen erleichtert wurden. Die kirgisischen Gefängnisse wurden tatsächlich Schauplatz mehrerer Aufstände anlässlich jedes Versuchs einer Reform. Im Jahr 2012 nähten sich mehrere hundert Insassen die <a href="http://www.bbc.com/news/world-asia-16722757">Lippen zusammen</a>, als Zeichen ihres Protests gegen eine Reform, die sie als weitere Verschlechterung ihrer ohnehin schon schwierigen Lebensbedingungen wahrgenommen hatten.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Gavin Slade gibt es noch andere Faktoren, die diesen Widerstand stärken. Die kirgisischen Gefängnisse sind nicht gleichmäßig im Land verteilt, sondern konzentrieren sich in einer einzigen Region: in Chui, im Norden Kirgistans.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 378px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1053/prison_image_3.png" alt="Gefängnis Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Zehn von elf Gefängnissen befinden sich in dieser Region; die meisten von ihnen sind sogar durch nur eine einzige Bahnlinie verbunden. Dies erleichtert die Koordinierung einer Protestbewegung unter den Gefangenen. Darüber hinaus gibt es nur ein Krankenhaus für kranke Insassen. Mit Rückgriff auf Korruption kann jeder Gefangener das Krankenhaus besuchen. Es ist gleichzeitig auch ein Ort der Begegnung für mögliche Austausche zwischen den Gefängnissen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gefängnis Nr. 1, ein kriminelles Koordinierungszentrum</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein weiterer strategischer Ort ist das Gefängnis Nr. 1, oder SIZO Nr. 1 (für <em>Sledstwennyj Isoljator</em>, Untersuchungshaft), eine von der kriminellen Elite Kirgistans geleitete Koordinationsstelle. Während eines Gefangenentransportes, oder bei Ankunft von Neulingen, werden die Insassen zuerst in das SIZO Nr. 1 überführt, bevor sie von der besagten kriminellen Elite auf die anderen Gefängnisse verteilt werden.</p>
<p style="text-align: justify">Auch die Gruppenbildung wird durch das Untersuchungsgefängnis Nr. 1 gesteuert. Generell neigen Gruppen dazu, sich nach Religions- oder ethnischer Zugehörigkeit zu bilden. Im Gefängnis hingegen ist es die kriminelle Elite, die diese Faktoren durchmischt. Dies trägt dazu bei, die Ordnung aufrechtzuerhalten, ein einziges Machtzentrum zu sichern, und Konflikte zwischen den Gruppen zu vermeiden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die kriminelle Elite stützt Gefangene</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gavin Slade versucht außerdem zu verstehen, warum die Gefangenen diese kriminelle Elite des Gefängnisses unterstützen und warum sie sich der Haft-Subkultur freiwillig unterwerfen.</p>
<p style="text-align: justify">Den ersten Ergebnissen seiner Forschung zufolge, in der er kirgisische, litauische und georgische Gefängnisse vergleicht, scheint der Hauptgrund eine Frage der Legitimität zu sein. Die von der kirgisischen Regierung erbrachten Sozialleistungen sind dürftig. 2006 wurde den Gefängnissen zum Beispiel ein Budget von 11.250$ für die Renovierung der Gebäude erteilt. Nach Aussagen der Gefangenen (von Gavin Slade zitiert) wurden nur 2% für die Sanierung verwendet.</p>
<p style="text-align: justify">Auch das Essen wird vor allem durch den sogenannten „obshak“, ein Fonds aus Sammlungen von Gefangenen, zur Verfügung gestellt. Das Essen wird vor allem durch diese Sammlung finanziert, deren Hauptquelle die monatlichen Zahlungen <a href="http://rus.azattyk.mobi/a/27120109.html">in Höhe von 400 Som</a> (5.30 Euro) sind, die jeder Gefangene einzahlt. Die Unterwerfung unter die kriminelle Elite garantiert ein stabileres Umfeld. Die Regeln sind klar abgesteckt, was dazu beiträgt, eine gewisse Unschärfe, oft gleichbedeutend mit Gewalt, zu vermeiden. So fürchten Insassen weniger Gewalt oder sozialen Druck, vor allem an einem Ort, wo es kein Verstecken gibt.</p>
<p style="text-align: justify">Der letzte Grund für diese Unterstützung der Gefangenen einer von der kriminellen Elite erschaffenen Ordnung ist die Kultur der Strafe. Die Einzelhaft, wie sie in westlichen Gefängnissen praktiziert wird, wird als eine zu schwere Strafe angesehen. Bestrafung sollte in kollektiver Weise ausgeübt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Gefängnisse – eine Herausforderung für den kirgisischen Staat</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Forschung von Gavin Slade zeigt den Doppeldiskurs der vergangenen kirgisischen Regierungen. Kirgistan, das stark auf internationale Hilfe angewiesen ist, um sein Gefängnissystem zu finanzieren, ruft vor internationalen Gremien Menschenrechte und das Wohlergehen der Gefangenen in Erinnerung. Aber wenn es sich darum handelt, sich an ein kirgisisches Publikum zu richten, ändert sich die Sprache schlagartig und weist auf die Gefahr des aktuellen Gefängnissystems für die gesamte Bevölkerung hin.</p>
<p style="text-align: justify">In der Zukunft könnte sich Kirgistan ein Beispiel an seinen Nachbarn nehmen. Wenn es dem Beispiel Georgiens folgt, das heißt, Reformen durchzusetzen, jedoch mit massiver <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/georgien-gewalt-ist-teil-des-systems/7185000.html">Gewalt als Preis</a>, wäre das eine erneute Niederlage für Gavin Slade. Genau genommen erzielte diese Methode nicht die erwünschten Resultate – ganz im Gegenteil.</p>
<p style="text-align: justify">Sollte Kirgistan hingegen dem Beispiel Litauens folgen, dem zweiten Objekt der Forschung Slades, würde das Land versuchen, die Größe seiner Gefängnisse schrittweise zu verringern. Das Problem: dies würde strenger administrativer Kontrolle bedürfen, für die Kirgistan große Ausgaben machen müsste.</p>
<p style="text-align: justify">Letztlich gibt es noch ein anderes Beispiel, das der Dominikanischen Republik: eine neue Anstalt zu bauen und diese nach und nach mit Gefangenen zu füllen. Bis jetzt scheint in Kirgistan aber noch nichts entschieden zu sein. In der Zwischenzeit übernehmen Vereine das Ruder: im Jahr 2014 wurde eine Rehabilitationszentrum für jugendliche Gefangene unter der Leitung von <a href="http://birduino.kg/">Bir Duino</a> eröffnet, eine der größten Menschenrechtsvereinigungen Kirgistans.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Gulkaiyr Magnolia</strong><br />
<strong>Journalistin für Novastan.org in Paris</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem französischen übersetzt von Vanessa Graf</strong></p>
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		<title>Zentralasien, Region der konkurrierenden regionalen Organisationen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Dec 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Konkurrieren die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit, die Eurasische Wirtschaftsunion, und die Neue Seidenstra&#xDF;e miteinander? Novastan schl&#xE4;gt Euch einige Antworten vor.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Konkurrieren die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a>, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasische Wirtschaftsunion</a>, und die <a href="http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-baut-neue-Seidenstrasse-article16166021.html">Neue Seidenstraße</a> miteinander? Was sind die Ziele der Gründung, der Existenz und der Funktionsweise dieser drei regionalen Strukturen? Wo können sie kooperieren? Novastan schlägt Euch einige Antworten vor. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit der Auflösung der Sowjetunion machen Integrationsprozesse im postsowjetischen Raum und darüber hinaus Fortschritte. Diese Prozesse führten zur Bildung von regionalen Organisationen von unterschiedlicher Größe und Inhalt: rein zentralasiatische (wie die 2006 aufgelöste <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Eurasian_Economic_Community#Origins_of_the_Eurasian_Economic_Community">zentralasiatische Wirtschaftsgemeinschaft</a>), Organisationen in Zusammenarbeit zwischen Russland und Zentralasien (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft">EAWG</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit</a>, usw.), zwischen dem Kaukasus und Zentralasien (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/GUAM">Organisation für Demokratie und Wirtschaftsentwicklung</a>), zwischen China und dem postsowjetischen Raum (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a>), oder rein postsowjetisch (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">Gemeinschaft Unabhängiger Staaten</a>).</p>
<p style="text-align: justify">Vor kurzem sind aus russischem Impuls auch die Eurasische Wirtschaftsunion und aus chinesichem Impuls die Neue Seidenstraße entstanden. Warum aber die Anzahl der Organisation vermehren, anstatt existierende zu entwickeln? Sobald ein gewisses Niveau der Zusammenarbeit erreicht ist, kann man zum nächsten übergehen. Dennoch überlappen sich diese Organisationen in vielen Fällen in ihrer Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die unerlässliche Zusammenarbeit mit China</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Zusammenarbeit der postsowjetischen Länder mit China ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklungen. In dieser Eigenschaft bot die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) lange eine ausgezeichnete Plattform. In den letzten Jahren gab es dennoch eine Vervielfältigung von regionalen Strukturen, wodurch sich die SOZ als teilweise unzureichend erwies. Die Erschaffung von Strukturen wie die Eurasische Union und der Neuen Seidenstraße können nun die russisch-chinesischen oder auch chinesisch-zentralasiatischen Beziehungen beeinflussen.</p>
<p style="text-align: justify">Wozu wurden diese Organisationen erschaffen? Die Antwort hängt mit den Ängsten Russlands gegenüber China zusammen, dessen Führung innerhalb der SOZ von Russland und einigen zentralasiatischen Staaten skeptisch betrachtet wurde. Als Reaktion darauf hat Russland die Beschleunigung der Aktivitäten der Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan bevorzugt und im Anschluss den Übergang in die nächste Phase der Integration durch die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion, der <a href="https://novastan.org/articles/zollgrenzen-zwischen-kirgistan-und-kasachstan-sind-offen">Kirgistan</a> und Armenien bald beitraten.</p>
<p style="text-align: justify">Peking, das es sich nicht leisten kann, seinen Einfluss in Zentralasien zurückgehen zu sehen, hat die Neue Seidenstraße gefördert, um seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Region und Russland zu vertiefen. Die offiziellen Reden dieser beiden Organisationen und der SOZ behaupten, dass sich alle drei ergänzen sollen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ähnliche Missionen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese drei Akteure haben sehr ähnliche Missionen. Die SOZ ist eine Kooperationsstruktur, die Bereiche der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sicherheitstechnischen und humanitären Zusammenarbeit abdeckt. Die von China angestoßene Neue Seidenstraße ist keine internationale Organisation, sondern eine offene Konfiguration wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Rahmen von bestehenden Mechanismen und mit Verwendung von bereits existierenden Organisationen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Eurasische Wirtschaftsunion (EEU) ist ihrerseits eine Organisation der regionalen Wirtschaftsintegration, die den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften gewährleistet und mit einer koordinierten, kohärenten und vereinheitlichten Wirtschaftspolitik.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die ältere Idee einer Eurasischen Wirtschaftsunion</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Konzept der Eurasischen Wirtschaftsunion ist deutlich älter als das der SOZ oder der Neuen Seidenstraße. Am 29. März 1994 wurde die Idee erstmals von Nursultan Nasarbajew an der Staatlichen Universität Lomonossow (Moskau) vorgeschlagen. Der kasachische Präsident schlug vor, eine neue Integrationsstruktur zu erschaffen, deren Zweck die Bildung einer neuen, koordinierten Wirtschaftspolitik zwischen den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) sowie die Verabschiedung von <a href="http://eec.eaeunion.org/ru/Documents/eaes_voprosy_otvety.pdf">gemeinsamen Programmen über strategische Entwicklung wäre</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Aber seine Idee wurde von den anderen GUS-Staaten nicht begrüßt. Zu jener Zeit war die Konsolidierung der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetstaaten eine Priorität und jede Art der Integration der ehemaligen Sowjetstaaten mit Russland wurde als ein Wiederherstellungsversuch der Sowjetunion aufgefasst. Auch heutzutage halten sich einige GUS- und zentralasiatische Staaten von jeder Art von Union fern, wie zum Beispiel Turkmenistan und Usbekistan.</p>
<p style="text-align: justify">1995 unterzeichneten Belarus, Kasachstan und Russland den Vertrag über die Zollunion, der Kirgistan und Tadschikistan kurz danach ebenfalls beitraten. Im Jahr 2000 gründeten diese fünf Länder die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft">EAWG</a>) – eine Struktur für Wirtschaftsintegration mit dem Ziel der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein gemeinsamer Zolltarif innerhalb der EEU</strong></p>
<p style="text-align: justify">Von diesem Moment an wurden die gesetzlichen Grundlagen für einen einheitlichen Wirtschaftsraum gelegt. Nach kurzem Interesse der Ukraine konzentriert sich die Schaffung der Zollunion und der einheitlichen Wirtschaftszone schließlich 2006 zwischen Belarus, Russland und Kasachstan. Im Oktober 2007 unterzeichnen die „Drei“ den Vertrag über die Gründung der Zollunion, welche im Januar 2010, nach Harmonisierung der Zollvorschriften, Realität wird.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/flag_of_the_eurasian_economic_union.svg.png" alt="Logo EAWU" /></p>
<p style="text-align: justify">Im Rahmen dieser Union wurden ein gemeinsamer Außenzoll und ein einheitlicher Katalog der Außenwirtschaftstätigkeit festgelegt. Am 1. Juli 2011 wurden die Zollkontrollen an den Binnengrenzen abgeschafft. Die Zollunion hat den freien Warenverkehr auf dem gesamten Gebiet der Union gewährleistet. Die einheitliche Liste der kontrollierten Produkte, der Anforderungen für diese Produkte, Import und Bewegung innerhalb des gemeinsamen Zollgebiets sowie die Einschreiberlaubnis wurden bestätigt.</p>
<p style="text-align: justify">Ab 1. Januar 2012 begann der Gerichtshof der EAWG seine Aktivität, was den freien Verkehr von Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften noch mehr verstärkte. Im Folgemonat trat die Eurasische Wirtschaftskommission ihr Amt als beständiges Institut der Zollunion und des gemeinsamen Wirtschaftsraums an. Diese Entwicklungen gehen mit der Übertragung eines Teils der Souveränität der Mitgliedstaaten einher. Nach der Unterzeichnung eines Vertrags durch die Präsidenten von Belarus, Kasachstan, und Russland am 29. Mai 2014 in Astana trat die Eurasische Wirtschaftsunion schließlich im Frühjahr 2015 in Kraft.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine gezwungener Beitritt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Armenien und Kirgistan traten vor kurzem ebenfalls dieser immer weiter wachsenden Union bei. Der Beitritt Kirgistans in die Eurasische Wirtschaftsunion wurde von Unzufriedenheit und einer gewissen Angst der Mehrheit der Bevölkerung begleitet, aber bis jetzt kann man noch keine negativen Auswirkungen auf das Land oder seine Bevölkerung sehen.</p>
<p style="text-align: justify">Allerdings hat die Union Spannungen für die Bevölkerung in den Gründerstaaten versursacht. Im Jahr 2012 vertrauten uns Vertreter eines kasachischen Think Tanks an, dass ein Referendum organisiert würde, sodass Kasachstan die Wirtschaftsunion verlassen könnte.<a href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Nichts davon ist bis jetzt passiert. Denn im Großen und Ganzen scheint die Beteiligung der Länder an der EEU von wirtschaftlichen Zwängen bestimmt zu werden. „<em>Auch wenn Armenien und Kirgistan 2015 der EEU beigetreten sind, ist die Union unbeliebt außerhalb Russlands</em>“, erklären die Forscher Jeffrey Mankoff<a href="#sdfootnote2sym" name="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a> und Richard Ghiasy<a href="#sdfootnote3sym" name="sdfootnote3anc"><sup>3</sup></a>. „<em>Die betroffenen Staaten werden nur aufgrund des russischen Drucks Mitglied und weil sie das Gefühl haben, keine andere Wahl zu haben</em>“, setzen sie fort.</p>
<p style="text-align: justify">Jeffrey Mankoff geht sogar noch weiter. Für den Wissenschaftler wird „<em>die EEU weitgehend von der Politik geleitet, mit dem Ziel, die postsowjetischen Staaten des Kaukasus und Zentralasiens im Rahmen einer wirtschaftlichen Vereinigung an Moskau zu binden, die letztendlich politisch werden soll. Diese Absicht ist mit Präsident Putins Ziel verbunden, einen zentralasiatischen Schwerpunkt als Gegengewicht zur Hegemonie des Westens in unserer multipolaren Welt zu schaffen.</em>“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die SOZ: eine Brücke zwischen China und der post-sowjetischen Region</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) ist eine komplexe Struktur, die eine breite Palette von Bereichen deckt: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sicherheit, humanitäre Einsätze. Sie wurde 2001 gegründet und besteht aus sechs Mitgliedstaaten: China, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Russland und Tadschikistan. Dazu kommen bald Indien und Pakistan, deren Beitritt im Sommer von den anderen Mitgliedern <a href="http://www.dw.com/ru/%D0%B8%D0%BD%D0%B4%D0%B8%D1%8F-%D0%B8-%D0%BF%D0%B0%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD-%D0%BD%D0%B0%D1%87%D0%B0%D0%BB%D0%B8-%D0%BF%D1%80%D0%BE%D1%86%D0%B5%D1%81%D1%81-%D0%B2%D1%81%D1%82%D1%83%D0%BF%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D1%8F-%D0%B2-%D1%88%D0%BE%D1%81/a-18575537">bewilligt wurde</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Die Länder der SOZ, die außerdem noch Beobachtungsländer und Dialogpartner beinhält, bedecken eine Fläche von ca. 40 Millionen km2, oder ein Viertel der weltweiten Landfläche. Die SOZ versammelt zudem die Hälfte der Weltbevölkerung, sowie ein Viertel des globalen Marktes und Bruttoinlandsproduktes (BIP).</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 401px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/sco_2012.jpeg" alt="Organisation de Coopération de Shanghai rencontre 2012" /></p>
<p style="text-align: justify">Abgesehen davon, dass die SOZ nach der UNO die zweitgrößte internationale Organisation ist, ist sie außerdem die einzige Sicherheitsorganisation, der China angehört und bei der die USA sich nicht beteiligen. Die SOZ-Mitgliedstaaten beherbergen 25% der weltweiten Öl-, 50% der Erdgas-, 35% der Kohle- und 50% der Uranreserven.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Militärisches Vertrauen liegt im Herzen der SOZ</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Papier entstand die SOZ 1996, als die „Shanghai Fünf“ (Russland, China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan) ein Abkommen über die Stärkung des militärischen Vertrauens in den Grenzzonen unterzeichneten. Seitdem gibt es regelmäßige Gipfeltreffen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten zusammenbringen – das jüngste fand letzten Oktober statt.</p>
<p style="text-align: justify">Der Erfolg der Shanghai-Vereinigung ermutigte die Teilnehmerstaaten, diese Zusammenarbeit weiter zu entwickeln, und jedes Jahr wurde ein Gipfeltreffen des Shanghai Forums gehalten, abwechselnd in den verschiedenen Ländern. Im Jahr 1997 führte das Moskauer Treffen durch ein Abkommen zu einer beidseitigen Reduzierung der Streitkräfte an den Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten.</p>
<p style="text-align: justify">Die SOZ übernahm seine endgültige Form im Juni 2001, als sie Usbekistan integrierte, und wurde eine Organisation regionaler Zusammenarbeit. Seit einigen Jahren vervielfältigen sich die Aktivitäten der SOZ. Seit 2001 setzt sich die SOZ den Kampf gegen die „Fünf Übel“ als Ziel: Terrorismus, Islamismus, Separatismus und illegalen Drogen- sowie Waffenhandel. Die Charta der SOZ wurde am 7 Juni 2002 in St. Petersburg unterzeichnet und 2003 ratifiziert. Zwei dauerhafte Institutionen wurden gegründet: das Sekretariat in Peking und die regionale antiterroristische Struktur in Taschkent.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Fokus: zuerst die Sicherheit, dann die Wirtschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach der Meinung der Wissenschaftler Marlène Laruelle und Sébastien Peyrouse war die SOZ vor 2005 vorwiegend für Fragen der regionalen Sicherheit zuständig und übernahm erst danach „<em>eine sehr viel wirtschaftlichere Ausrichtung</em>“<a href="#sdfootnote4sym" name="sdfootnote4anc"><sup>4</sup></a>. Die Staatsoberhäupter der SOZ glauben, dass die SOZ nach der Beseitigung regionaler Sicherheitsprobleme ihren Tätigkeitsbereich auf die Wirtschaft und auf humanitäre Zusammenarbeit ausweiten wird.</p>
<p style="text-align: justify">Heute ist die SOZ eine regionale Organisation, die praktisch alle Bereiche der Zusammenarbeit abdeckt, sogar im militärischen Bereich. Jedes Jahr organisieren die Mitgliedstaaten Anti-Terror-Militärübungen unter Beteiligung aller Mitgliedstaaten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/vladimir_putin_and_xi_jinping_brics_summit_2015_02.jpeg" alt="Treffen China Russland BRICS" /></p>
<p style="text-align: justify">Meinungsverschiedenheiten zwischen Russland und China haben dabei die volle Entfaltung der SOE behindert. Zudem gefährden die Schaffung der EEU und der Neuen Seidenstraße ihre wirtschaftlichen Aktivitäten und sogar die Zukunft dieser regionalen Struktur. Auf der theoretischen Ebene stellen die Debatten über die Natur der SOZ außerdem die Befürworter einer Organisation für Zusammenarbeit jenen gegenüber, die eine Vision größerer Integration unterstützen. <a href="http://www.theses.fr/2014AIXM1040">Nach vier Jahren Recherche</a> kamen wir zu dem Schluss, dass die SOZ eine Organisation Regionaler Zusammenarbeit ist.</p>
<p style="text-align: justify">Trotz bestehender Kritikpunkte zur die Struktur der SOZ entwickelt sich die Organisation beständig weiter und viele Länder, darunter auch Syrien und Iran, wollen ihr beitreten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Neue Seidenstraße: ein neues Format der Zusammenarbeit mit China</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Initiative zur <a href="http://swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/studien/2014_S09_gdh.pdf">Gründung der Neuen Seidenstraße</a> wurde von Präsident Xi Jinping anlässlich seines offiziellen Besuchs in Kasachstan an der Nazarbayev Universität im Jahr 2013 angekündigt. Im November 2014 schuf China einen Anlagefonds von 40 Milliarden US-Dollar, der zur Entwicklung von Projekten der Neuen Seidenstraße in den Bereichen Straßen und Meere verwendet werden soll.</p>
<p style="text-align: justify">Die Neue Seidenstraße ist eine funktionale, aber nicht institutionelle Struktur. Das Zusammenwirken der Länder setzt nicht die Schaffung einer Organisation oder einer institutionellen Struktur voraus – es ist vielmehr ein offenes Forum für die Interaktion zwischen den verschiedenen Teilnehmern (welche nicht ausschließlich aus den Ländern, sondern auch aus den wirtschaftlichen Gemeinschaften bestehen). Die Hauptaufgabe dieser Seidenstraße ist die Intensivierung der Funktionsfähigkeit und<br />
des Gewichts der Teilnehmer in diesem Projekt.<sup><a href="#sdfootnote5sym" name="sdfootnote5anc">5</a></sup></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Mega-Projekt von 21 Milliarde US-Dollar</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als Xi Jinping im September 2013 Zentralasien besuchte, präsentierte der chinesische Präsident die Hauptinhalte der Neuen Seidenstraße: ein konstanter Meinungsaustausch über verschiedene Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Aufbau einer einzigartigen Verkehrsinfrastruktur vom Pazifischen Ozean bis an die Ostsee, die Stärkung der Handelsbeziehungen und Beseitigung von eventuellen Hindernissen, sowie die Vermehrung der Geldflüsse und der Ausbau der Beziehungen zwischen den Nationen.<sup><a href="#sdfootnote6sym" name="sdfootnote6anc">6</a></sup></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/8559226813_7516f5c4f1_z.jpeg" alt="LkW Grenze Kirgistan China" /></p>
<p style="text-align: justify">Die amerikanischen Spezialisten des Zentrums für Strategische und Internationale Studien sehen die Neue Seidenstraße als eine um „<em>Schaffung von Handels- und Transitbeziehungen</em>“ orientierte Organisation, ins Leben gerufen „<em>um chinesischen Ausführern zu erlauben, <a href="http://caa-network.org/archives/4498">die Märkte im Mittleren Osten und in Europa</a> zu erreichen</em>“. Die Neue Seidenstraße, ein Mega-Projekt, dessen Kosten auf mehr als 21 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, ist ein leistungsfähiges Werkzeug zur Förderung der <a href="http://ia-centr.ru/expert/20882/">wirtschaftlichen und geopolitischen Ambitionen Chinas</a>.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die EEU, eine Schande für das chinesische Projekt?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Erscheinen der EEU scheint die chinesische Führung nicht in Verlegenheit zu bringen. Als der chinesische Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße zum ersten Mal präsentierte, betonte er die Möglichkeit der Schaffung eines gemeinsamen Raums der Interaktion sowie die Bereitschaft der Neuen Seidenstraße für eine Kooperation mit der EEU.<sup><a href="#sdfootnote7sym" name="sdfootnote7anc">7</a></sup></p>
<p style="text-align: justify">Für den Verantwortlichen des Programmes „Russland in der Region Asien-Pazifik“ des Cargenie-Zentrums in Moskau, Alexander Gabuew, wurde die EEU dennoch dazu geschaffen, die Türe für chinesische Importe zu schließen und die Neue Seidenstraße kann nicht alles entfernen und aufheben. Seine Worte bestätigen die Hypothese, dass die EEU dafür geschaffen wurde, um die Wirtschaftspolitik und den chinesischen Einfluss in der Region zu begrenzen. Diese Hypothese ist plausibel, aber nicht jeder kann dies offen zugeben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Konkurrierende regionale Organisationen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Seyit Ali Avcu, Direktor des Forschungszentrums für Zentralasien der Türkischen Universität „Manas“ in Bischkek, „<em>gibt es heute zwei erfolgreiche Integrationsprozesse in Zentralasien</em>“. Der Wissenschaftler, der auf einer vom <a href="http://www.nisi.kg/">Kirgisischen Institut für strategische Studien</a> organisierten Konferenz sprach, ist einer entschiedenen Meinung. „<em>Der erste (Integrationsprozess, Anm.) ist die Eurasische Wirtschaftsunion, die darauf aufgebaut ist, eine Kraft rund um Russland zu etablieren, um den westlichen Einfluss auszugleichen. Der zweite ist die Neue Seidenstraße, die ein grandioses Projekt von Pipelines, Infrastruktur und Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Europa, über Zentralasien, ist.</em>“<sup><a href="#sdfootnote8sym" name="sdfootnote8anc">8</a></sup></p>
<p style="text-align: justify">Seyit Ali Avcu denkt, dass diese beiden Prozesse nicht miteinander konkurrieren. Erstens ist die EEU eine echte Integration, wie die EU, während die Natur der Neuen Seidenstraße noch nicht klar ist. Außerdem ist die EEU ein multilaterales Abkommen, während die Neue Seidenstraße ein bilaterales ist. Schließlich ist die EEU institutionalisiert, im Gegensatz zur Neuen Seidenstraße.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Die EEU kann ein Instrument für den Aufbau der Seidenstraße sein“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Muratbek Imanaliev, ehemaliger Generalsekretär der SOZ, glaubt, dass „<em>die Eurasische Wirtschaftsunion ein Instrument für den Bau der Seidenstraße sein kann</em>“<a href="#sdfootnote9sym" name="sdfootnote9anc"><sup>9</sup></a>. Er sieht keine Konkurrenz zwischen den beiden Strukturen. So denkt er, dass die Teilnahmestaaten der Neuen Seidenstraße die existierenden, regionalen Sicherheitsstrukturen wie die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, die SOZ und die Konferenz für Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Conference_on_Interaction_and_Confidence-Building_Measures_in_Asia">CICA</a>) verwenden könnten, um der exzessiven Militarisierung Eurasiens zu begegnen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/2.jpeg" alt="Zug Russland China" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Neue Seidenstraße könnte also alle existierenden Strukturen der Region nutzen, um sich weiterzuentwickeln, ohne jemals die Absicht zu hegen, mit den anderen Strukturen zu konkurrieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das ultimative Ziel der Neuen Seidenstraße: chinesische Führung in Zentralasien?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese Meinung wird jedoch nicht von allen geteilt. „In <em>Zentralasien könnten die EEU Putins und die Neue Seidenstraße Chinas jederzeit in Konflikt geraten</em>“, <a href="http://thediplomat.com/2015/06/interview-joseph-nye/">glaubt der Analyst Joseph Nye</a>. Jeffrey Mankoff und Richard Ghiasy, Forscher am Zentrum für Strategische und Internationale Studien, schätzen, dass das ultimative Ziel der Neuen Seidenstraße die Schaffung einer Institution unter chinesischer Führung ist, wie die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Asiatische_Infrastrukturinvestmentbank">Asiatische Infrastrukturinvestmentbank</a>.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Neue Seidenstraße ist ein sehr erfolgreiches chinesisches Projekt. Obwohl seine Hauptaufgabe wirtschaftlicher Natur ist, könnten wir in der Zukunft Zeugen der Schaffung einer Sicherheitsstruktur auf Basis der Neuen Seidenstraße werden</em>“, schreiben sie <a href="http://thediplomat.com/2015/05/central-asias-future-three-powers-three-visions/">in einem Artikel</a> von The Diplomat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die SOZ, eine Brücke zwischen China und Russland</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es bestehen durchaus Gemeinsamkeiten zwischen der SOZ und der Neuen Seidenstraße. Die SOZ ist eine Organisation für multilaterale Zusammenarbeit, aber nach 15 Jahren Bestehen spielt sich die bilaterale Zusammenarbeit vor allem im wirtschaftlichen Bereich ab. So könnte die SOZ ein Instrument für die Realisierung von Ideen der Neuen Seidenstraße werden. Die Neue Seidenstraße wurde von den chinesischen Machthabern „erfunden“, weil die SOZ sich aufgrund der Konkurrenz zwischen den chinesischen und russischen Ideen, der inneren Funktionsweise, ineffizienter Entscheidungsprozesse oder auch aufgrund der Abwesenheit von Finanzierungsmechanismen von gemeinsamen Wirtschaftsprojekten nicht vollständig entwickeln und funktionieren konnte.</p>
<p style="text-align: justify">Für den stellvertretenden Generaldirektor der chinesischen Außenministeriums, Gui Congyou, könnte die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit als Hauptforum für die Förderung der Neuen Seidenstraße und der EEU dienen, als <a href="http://sputniknews.com/business/20150708/1024379330.html">Brücke zwischen China und Russland</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Falls die SOZ von der Neuen Seidenstraße benutzt wird, sollte die Eurasische Wirtschaftsunion ihre Integrationsprozesse mit dem chinesischen Projekt synchronisieren. Der Wirtschaftsminister der EEU, Andrei Slepnew, und der chinesische Wirtschaftsminister, Gao Hucheng, unterzeichneten daher am 8. Mai 2015 eine <a href="http://thediplomat.com/2015/06/eurasian-silk-road-union-towards-a-russia-china-consensus/">Erklärung über die Aufnahme von Verhandlungen</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Diese begannen im Juli-August 2015, <a href="http://ria.ru/economy/20151111/1318910422.html">ohne bisher große Fortschritte zu verzeichnen</a>. Der Prozess kann etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, vielleicht sogar noch viel mehr. Alexander Knobel, ein Wissenschaftler an der Abteilung für internationalen Handel des Instituts für Wirtschaftspolitik in Russland, behauptet, dass die Vereinbarung zwischen der EEU und China einfach deklaratorisch und ineffizient sein kann.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Russland und Zentralasien und ihre Hassliebe zu China</strong></p>
<p style="text-align: justify">Mit der Ausnahme dieser Vereinbarung geschah noch nichts Konkretes zwischen der EEU und China oder der Neuen Seidenstraße. Nichtsdestotrotz gibt es Bemühungen um eine Zusammenarbeit oder Synchronisation der Aktivitäten der EEU und der Neuen Seidenstraße oder auch um eine Trennung der Arbeitsbereiche der jeweiligen regionalen Strukturen. Die postsowjetischen Länder scheinen einer Integration mit China mit Ablehnung zu begegnen. Kaum schlägt China eine Idee vor, kommt eine Kontra-Idee von Russland oder der anderen Länder.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1040/vladimir_putin_and_xi_jinping_brics_summit_2015_01.jpeg" alt="Putin Xi Jinping" /></p>
<p style="text-align: justify">Im Rahmen der SOZ sind viele wirtschaftliche Projekte auf den Tisch gekommen, mit Durchführungsprogrammen und –Mechanismen, aber sie sind allesamt aufgeschoben. Die Ideen der EEU und der Neuen Seidenstraße könnten in der SOZ vollständig verwirklicht werden, aber stattdessen gibt es heute Duplikate regionaler Strukturen mit den gleichen Ideen über regionale Zusammenarbeit. Russland und die Länder Zentralasiens wollen sich nicht an China annähern, aber Zusammenarbeit ist unerlässlich.</p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2010 glaubte Muratbek Imanaliev, der damalige Generalsekretär der SOZ, dass die postsowjetischen Länder der SOZ es bevorzugen, sich in Sachen Sicherheits- und Wirtschaftsfragen zuerst an die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit zu binden. Erst danach diskutieren sie diese Fragen im Rahmen der SOZ mit China. Wir sehen momentan dasselbe Muster.</p>
<p style="text-align: justify">Aber auch wenn die postsowjetischen Länder keine Integration mit China wollen, wollen sie ihre Beziehung zu diesem großen Nachbarn auch nicht brechen. Aus diesem Grund versucht Russland mit China zusammenzuarbeiten und China wissen zu lassen, dass sie immer noch Partner sind, die in allen Bereichen – vor allem dem wirtschaftlichen – miteinander kooperieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Drei sehr unterschiedliche regionale Organisationen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die EEU, die SOZ und die Neue Seidenstraße sind drei sehr unterschiedliche Strukturen, deren Ziele betreffend Gründung, Existenz, und Funktionsweise weit voneinander entfernt liegen. Theoretisch ist die Eurasische Wirtschaftsunion eine Organisation für wirtschaftliche Integration von einigen postsowjetischen Ländern. Es ist eine wirtschaftliche Struktur, aber wie Konstantin Syroejkin bestätigt, ist keine Organisation rein wirtschaftlich. Auch bei der EEU ist sicherlich eine gute Dosis Politik mit im Spiel.</p>
<p style="text-align: justify">Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ist eine regionale Organisation für Zusammenarbeit. Ihr Ziel ist die Zusammenarbeit zwischen China, den Ländern Zentralasiens und Russland. Es gibt viele gemeinsame Probleme zwischen diesen Ländern, wie zum Beispiel Terrorismus, Extremismus, Separatismus, illegalen Drogen- und Waffenhandel, Grenzfragen und –Streite, regionale und nationale Sicherheit, wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung. Die SOZ ist eine Art Brücke zwischen China, Zentralasien und Russland. China wurde in der Sowjetzeit als „Feind“ wahrgenommen und diese Auffassung besteht zum Teil noch immer.</p>
<p style="text-align: justify">Die SOZ spielte eine große Rolle seit ihrer Gründung – sie erleichterte die Annäherung ihrer Mitglieder auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller und strategischer Ebene. Dies ist der Hauptvorteil der SOZ. Aber sie konnte nicht alle ihre Ziele, die am Beginn der Zusammenarbeit fixiert wurden, erreichen. Gründe dafür waren bestimmte Widersprüche zwischen Russland und China über die Zukunft der SOZ, der Mangel an Finanzierungsmechanismen für gemeinsame Projekte und ihre ineffizienten Entscheidungsverfahrens. Daher gründete China ein weiteres Projekt für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit seinen Nachbarländern: Die Neue Seidenstraße.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Strukturen, die für den Moment nicht konkurrieren</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die meisten der Initiativen und Projekte, die den zentralasiatischen Ländern von China vorgeschlagen wurden, wurden als Versuch der regionalen Domination verstanden, während die institutionellen Strukturen von ihren Mitgliedstaaten verlangen, sich vertraglich zu binden. Aus diesem Grund startete China mit der Neuen Seidenstraße eine weitere bilaterale Kooperation in nicht-bindender Form. Im diesem Rahmen arbeiten nicht nur die Länder, sondern auch private Organisationen wie Banken, internationale Strukturen und alle bereits existierenden Mechanismen zusammen.</p>
<p style="text-align: justify">Die drei analysierten Strukturen verfolgen ihre eigenen Ziele und beabsichtigen nicht, mit allen internationalen Strukturen oder unabhängigen Ländern zu konkurrieren. Ihre fixierten Ziele zu verfolgen ist für den Moment ihr Hauptaugenmerk. In der Zukunft könnten sie zusammenarbeiten, oder sich sogar ergänzen, um gewisse Ziele besser zu erreichen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Jildiz Nicharapova<br />
Doktorin in Politikwissenschaft und Forscherin an der <a href="https://www.auca.kg/">AUCA</a><br />
Dozentin an der Abteilung für Internationale Beziehungen der Kirgisischen Nationaluniversität</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen übersetzt von Vanessa Graf</strong></p>
<hr />
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Wir danken beiden Vertretern des Instituts für Politik und Weltwirtschaft nahe des Ministerpräsidenten von Kasachstan, Almaty</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote2anc" name="sdfootnote2sym">2</a> Jeffrey Mankoff ist Mitglied und stellvertretender Direktor des Russland und Eurasien Programms am Zentrum für Strategische und Internationale Studien, Washington</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym">3</a> Richard Ghiasy ist Forscher am Stockholmer Institut für Friedensforschung</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote4anc" name="sdfootnote4sym">4</a> S. Peyrouse, M. Laruelle, „L’Asie centrale à l’aune de la mondialisation“, Paris, Armand Colin, 2010, S.234</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote5anc" name="sdfootnote5sym">5</a> Aidar Amrebaev, Runder Tisch organisiert vom Forschungsinstitut für International und Regionale Zusammenarbeit, Kasachisch-Deutsche Universität, Almaty, Mai 2015</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote6anc" name="sdfootnote6sym">6</a> Sammlung von Veröffentlichungen nach dem Symposium „Entwicklung und gemeinsame Prosperität entlang der Seidenstraße“, am 28. November 2014, Bischkek. S:81-82</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote7anc" name="sdfootnote7sym">7</a> Adil Kaukenov, Runder Tisch „Die EEU und die Neue Seidenstraße: Eine Strategie der Ergänzung“, Astana, Mai, 2015</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote8anc" name="sdfootnote8sym">8</a> Sammlung von Veröffentlichungen nach dem Symposium „Entwicklung und gemeinsame Prosperität entlang der Seidenstraße“, am 28. November 2014, Bischkek. S:81-82</p>
<p style="text-align: justify"><a href="#sdfootnote9anc" name="sdfootnote9sym">9</a> Ebd.</p>
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		<title>Eine Universitätsreise nach Turkmenistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Dec 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Forscherin Svetlana Gorshenina-Rapin teilt mit uns ihre einmaligen Eindr&#xFC;cke ihrer Teilnahme an einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Aschgabat, Turkmenistan.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Vom <a href="http://www.turkmenistan.ru/ru/articles/41265.html">11. bis 13. November 2015</a> organisierten die turkmenischen Behörden eine große internationale Konferenz in Aschgabat, der Hauptstadt Turkmenistans, mit dem Titel „Dialog der Kulturen an der Seidenstraße“. Der Besuch von ausländischen Forschern ist eine Rarität in Turkmenistan, und so stellte diese Veranstaltung eine einzigartige Gelegenheit für viele von ihnen dar. </strong><strong><a href="http://www.svetlana-gorshenina.net/">Svetlana Gorshenina-Rapin</a>, Historikerin des Schweizerischen Nationalfonds für Wissenschaftliche Forschung an der Universität Lausanne, war unter jenen Privilegierten. Für Novastan erklärt sie die Gründe ihrer Teilnahme und teilt einige ihrer Eindrücke dieser ungewöhnlichen Reise.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Idee dieser Art von Konferenz wurde vor einigen Jahren von dem berühmten Archäologen Vadim M. Masson ins Leben gerufen, damals Leiter des Instituts der Materiellen Kultur in St. Petersburg und Berater des ersten turkmenischen Präsidenten. Seitdem wurde die ursprünglich von Masson erstellte Gästeliste (die bis heute die Grundlage der Einladungen bleibt) um vielzählige Namen von Forschern erweitert, die gelegentlich an diesen mehr oder weniger regelmäßig stattfindenden politisch-wissenschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen dürfen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine umfangreiche Konferenz für die turkmenischen Behörden</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Teilnehmer stammen aus mehr als dreißig Ländern. Dieses Jahr waren es ungefähr sechzig Historiker, Anthropologen, Archäologen, Kunstkritiker, Musikwissenschaftler und Künstler. Die Liste wird auf der Grundlage geographischer, thematischer und quantitativer Statistiken erstellt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk2.png" alt="Turkmenistan Aschgabat Wissenschaft" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Anwesenheit der Forscher ist besonders wichtig für die Organisatoren, da sie ihnen zufolge erlaubt, allen den Umfang der Kultur- und Wissenschaftspolitik der Regierung, die Bedeutung der turkmenischen Geschichte für die internationale Gemeinschaft sowie die besondere Stellung des Landes auf der „Seidenstraße“ im Rahmen der „Weltgeschichte“ zu zeigen. Außerdem muss ist sie scheinbar ein Beweis für den Grad der Komplizität westlicher Forscher und anderer ausländischer Akademiker, die das Regime allein durch ihre Anwesenheit an dieser Konferenz gutheißen sollen.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Überlegungen erklären die Ausmaße des Budgets, das der Veranstaltung von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde und welches alle Kosten (Reisen, Hotels, Kost, Reisen innerhalb des Landes, Besuche von Museen und Denkmälern) deckt. Und das ist noch ohne die zusätzlichen Ausgaben, die durch den Transport für gut tausend – falls nicht noch mehr – Kollaborateure und lokale Mitarbeiter (Schüler, Studenten, Lehrer, Wissenschaftler, Musiker, Museumskuratoren) entstehen, miteinzurechnen, um den ausländischen Besuchern die verschiedenen Aspekte, selbstverständlich gut ausgesucht und arrangiert, des Lebens in Turkmenistan in einem Zeitalter des „Glücks und des Wohlstands“ (die vom Präsidenten verordnete offizielle Bezeichnung des aktuellen Zeitalters, Anm. d. R.) zu präsentieren.</p>
<p style="text-align: justify">Die Motivationen der ausländischen Teilnehmer sind eher nuancierter. Für einen Teil von ihnen ist diese Art von Konferenz eine seltene Gelegenheit, ein oft unzugängliches Gebiet zu besuchen, da die Visa nur tröpfchenweise von den turkmenischen Behörden ausgegeben werden. Eine solche Konferenz ermöglicht es also, diese selbst für die zentralasiatische politische Landschaft, gezeichnet von verschiedenen autoritären, von Korruption durchdrungen Regimen, ganz besondere Situation mit eigenen Augen zu sehen.</p>
<p style="text-align: justify">Für andere Teilnehmer sind diese Konferenzen die zwingende Voraussetzung für die Erlangung einer Erlaubnis, um Langzeitforschung im Land durchzuführen. Dies gilt vor allem für die Archäologen, deren Forschungsprogramme mit dem archäologischen Terrain und Orten von Fundstücken verbunden sind oder auch für die Architekten-Restauratoren, da historische Denkmäler nicht beweglich sind.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk3.png" alt="Turkmenistan Aschgabat Universität" /></p>
<p style="text-align: justify">Unter Berücksichtigung der Besonderheit der Arbeit in Turkmenistan ist man gezwungen, den eingeladenen Teilnehmern dieser Zusammenkünfte gegenüber nachsichtig zu sein. Sie haben in Wirklichkeit keine Wahl. Sie unterliegen bei diesen Veranstaltungen einem ganz bestimmten Ritual, dessen Wurzeln bis zu den pompösen Jubiläen der letzten Jahre der Sowjetzeit zurückzuführen sind: Dankesworte werden bei jeder Gelegenheit an den turkmenischen Präsidenten und an die Regierung gerichtet, und Interviews werden – oft fast zu &#8211; frei vom lokalen Fernsehen übersetzt, eines folgt dem anderen ohne Unterbrechung. Dazu kommen der ohrenbetäubende Applaus, der jedes Mal ausbricht, wenn man einen neuen Raum betritt und auch nach jeder Rede, die Überwachung, die verpflichtende Anwesenheit bei allen der vielen anstrengenden und als kulturell getarnten Veranstaltungen, die zuvor bis ins kleinste Detail für die Ausländer organisiert wurden&#8230;</p>
<p style="text-align: justify">Letztlich ist das ganze wie ein Theater, in dem niemand an seine eigenen Handlungen glaubt. Das Ritual macht aus jedem Teil der Veranstaltung eine Profanierung. Die eingeladenen Akademiker präsentieren ihre verpflichtenden Wünsche und Dank, die von ihnen verlangt werden, aber bleiben zutiefst frustriert, da sie die Ergebnisse ihrer Forschung nicht präsentieren können. Für viele von ihnen wurden die wissenschaftlichen Mitteilungen auf fünf bis zehn Minuten begrenzt. Für einige wurde die Redezeit auch einfach auf Null reduziert, da das Programm, zu beschäftigt mit Aktivitäten, die den Organisatoren wichtiger erschienen, keine wissenschaftlichen Gremien von mehreren Stunden vorsah.</p>
<p style="text-align: justify">Am Ende der Konferenz war es also schwer zu verstehen, wie unsere wissenschaftlichen Ideen angenommen wurden, zumal die Teilnehmer in vier Räume an verschiedenen Orten der Stadt verteilt waren – vom Nationalen Geschichtsmuseum bis zum Kulturinstitut –, und die Räume mit Studenten gefüllt waren, die gut darauf trainiert waren, zu applaudieren. Diese Studenten traten in der Tat nur sehr selten nach dem Vorträgen hervor, um scheue Fragen zu stellen. Es war keine Sitzung für Diskussionen oder Fragen vorgesehen. Dafür war es spürbar, dass diese Schausteller, die in Voraussicht auf die Dreharbeiten des lokalen Fernsehens dazu gezwungen waren, die Plätze bis auf den letzten anzufüllen, sich beeilten, nach Erfüllung ihrer Aufgabe als lebende Schaufensterpuppen den Ort zu verlassen. Die erschöpften Organisatoren schafften es nur unter Schwierigkeiten, den Zeitplan des Kulturprogramms zu verwalten.</p>
<p style="text-align: justify">Mit seinem Carrara-Marmor und seinen ohne Zurückhaltung angewandten Vergoldungen ist die neue Stadt Aschgabat die beste Zierde dieses absurden Theaters: Später stalinistischer Klassizismus wird mit orientalischem Kitsch vermischt und mit architektonischen Variationen von „Star Wars“. Die Stadt glänzt wie Las Vegas in tausend wechselnden Farben, aber ist gleichzeitig vollständig menschenleer. Dafür zeigt sie, wie wir an mindestens drei Kreuzungen beobachten konnten, treu das Wetter auf riesigen Thermometern, die mit ihren Skalen, die bis zu 80°C gehen, in den Himmel zeigen. Die Altstadt, immer noch von der Sojetzeit geprägt und in der noch Bäume wachsen – blieb uns völlig unsichtbar.</p>
<p style="text-align: justify">Ohne die Gesamtheit der Veranstaltung im Detail analysieren zu wollen, um nicht die Tätigkeit der Kollegen zu stören, die vor Ort arbeiten, werde ich hier ein einziges der Elemente des Instrumentalisierungsmechanismus beschreiben, durch den das kulturelle Erbe und die Gegenwart des Landes präsentieren werden sollten: Der mit großem Pomp organisierte Ausflug nach Kunya Urgench, etwa 500 km nördlich der Hauptstadt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Reise nach Kunya Urgench</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Rahmen dieser Konferenz und des dafür entwickelten Themas war es vorgesehen, die ausländischen Forscher in die Region Daschoguz im Norden des Landes zu bringen, um die historischen Stätten der Seidenstraße in Kunya Urgench zu besuchen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk4.png" alt="Turkmenistan Wissenschaft Zeremonie" /></p>
<p style="text-align: justify">Unsere Reise zu diesem Ziel begann um drei Uhr morgens mit mehreren Verzögerungen, da unser Flugzeug, das von Aschgabat fliegen sollte, erst eine halbe Stunde, dann eine Stunde, und schließlich bis zur Mitte des Tages verspätet war. Nach dem Boarding konnte das Flugzeug bloß einige Meter weit abheben, bevor wir wieder landen mussten, denn in Daschoguz war sehr dichter Nebel.</p>
<p style="text-align: justify">Keiner der Verantwortlichen der Konferenz wollte die Verantwortung für eine Stornierung des Fluges und eine Programmänderung übernehmen. In das Programm war bereits jede Menge Geld investiert worden und eine große Zahl von Menschen war mobilisiert worden. Es ist klar, dass der Pilot unter enormen Druck stand, als er sich schließlich dazu bereit erklärte, von Aschgabat abzuheben, in der Hoffnung, dass das wie ein Talisman an Board des Flugzeugs montierte Präsidentenporträt in diesem milchigen Nebel eine sichere Ankunft gewähren würde.</p>
<p style="text-align: justify">Zum Zeitpunkt der Landung wurde das Land der antiken <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresm</a> (die historische Region, in der sich Daschoguz befindet) glücklicherweise für kaum mehr als 100 Meter unter den Lichtern des Flugzeugs enthüllt. So konnten wir trotz des Nebels landen, wenn auch unsanft. Jedenfalls war alles vorhergeplant, denn zahlreiche Polizeiautos, Krankenwagen und Feuerwehrmänner waren bereits vor Ort.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk5.png" alt="Turkmenistan Colloquium Wissenschaft" /></p>
<p style="text-align: justify">Als wir unter Kamerablitzen der lokalen Journalisten und unter der unerlässlichen Aufmerksamkeit der anwesenden Administratoren voranschritten, lief unsere Delegation in eine Reihe junger Mädchen, starr vor Kälte, die bedeckte Teller voller Brot und Früchte als Willkommensgruß hielten, ebenfalls vollständig vom Nordwind eingefroren. Wir sind also in zwei großen Touristenbussen, die Präsidentenporträts in den Windschutzscheiben trugen, nach Kunya Urgench aufgebrochen, in einer prunkvollen Prozession wie in sowjetischen Zeiten, begleitet von zwei pompösen Polizeiautos, die mit ihren Sirenen die Straßen fegten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Flaggen und Künstler im Rausch der „Inspiration“ und der Kälte</strong></p>
<p style="text-align: justify">Entlang der verregneten Straßen der Region Daschoguz gibt es nichts von dem weißen Marmor und Gold der Hauptstadt. Bei unserer Durchfahrt sammelten kleine Gruppen der Bevölkerung noch die Reste des „weißen Golds“ (die turkmenische Baumwolle) auf den Baumwollfeldern entlang der Straße. Am Straßenrand wanderten Schüler im Schlamm, da es keinen Gehsteig gibt. Die Autos, denen wir begegneten, blieben sofort auf der Seite stehen, um uns passieren zu lassen. Die Wüstenlandschaften erinnerten an die Umgebung von Aschgabat. Der einzige Unterschied: der Wind. Statt in den kleinen, in der Hauptstadt so präsenten Tannen zu sterben, verendet er hier in kleinen Sträuchern, deren Blätter schon gefallen sind.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk7.png" alt="Turkmenistan Aschgabat Universität Zeremonie" /></p>
<p style="text-align: justify">Am Eingang zu Kunya Urgench wehten auf beiden Straßenseiten bunte, perfekt saubere und frisch gebügelte Fahnen. Im Stadtzentrum warteten schon junge Mädchen in der nationalen Uniform „Nummer Eins“ im Regen. Sie hielten diverse Süßigkeiten, auf riesigen Teppichen vor den Jurten mit traditioneller Inneneinrichtung aufgereiht. Später sahen wir das historische Museum, aufgestellt in der Form einer Karawanserei, dessen Zellentüren zu frisch bemalt waren. In ähnlicher Weise waren junge Kunststudenten in voller künstlerischer „Inspiration“ dabei, die antiken Monumente zu bemalen, ungeachtet der Kälte, des Regens, und der Windböen.</p>
<p style="text-align: justify">Wir wagten es nicht, uns vorzustellen, was diese armen Schausteller dieses Spektakels von uns denken mussten, nachdem sie den Tag damit verbracht hatten, in dieser eisigen Kälte auf uns zu warten (unser Flugzeug hatte fünf Stunden Verspätung) und uns dann diese Szene zu zeigen, die dazu gedacht war, ein glückliches Leben voller Kunst und Respekt für historische Denkmäler darzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk10.jpeg" alt="Turkmenistan Aschgabat Universität Zeremonie" /></p>
<p style="text-align: justify">Unter dem Druck der Organisatoren und der Kälte besuchten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchgang. Diese sind übrigens sehr gut renoviert und zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Anschließend wurden wir zurück nach Daşoguz gebracht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Schüler streng bewacht von ihren Lehrern</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als wir im Stadtzentrum ankamen, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt (um den Ablauf zu beschleunigen): eine wurde zum Kunstmuseum gesandt, die andere in eine neu erbaute Bibliothek, in der Form eines goldweißen Buches, schimmernd in allen Farben des Regenbogens. Letztlich wurden wir dazu gebeten, die Wirksamkeit der Arbeit im Computer-Raum (wahrscheinlich mit präsenten-absenten Internet wie in unserem Hotel, wo sich niemand von uns verbinden konnte) zu evaluieren. Dabei wurde wir von den Schülern streng beobachtet und sie wurde wiederum selbst streng von ihren Professoren kontrolliert.</p>
<p style="text-align: justify">Bei einer kleiner, Büchern gewidmeten Vorstellung, genossen wir daraufhin die musikalischen und sprachlichen Talente der Schüler. Schließlich wurden wir Zeugen des tiefen Respekts, der älteren Menschen entgegen gebracht wurde, die für diesen Anlass vertrieben worden waren und die (ohne Brille) durch verschiedene Publikationen blätterten.</p>
<p style="text-align: justify">Beim Verlassen der Bibliothek wurden wir zu einem Konzertsaal geleitet, wo wir unsere Ehrenplätze unter dem begeisterten Applaus der Schausteller und Bürger der Stadt einnahmen, die den gesamten Raum füllten, gekleidet in Kostümen und identischen Hüten. Damen in traditioneller Tracht und Männer in „europäischem“ Stil.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1041/confturk8.png" alt="Turkmenistan Junge Mädchen in traditioneller Kleidung" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach dem Konzert wurden wir in das beste Hotel der Stadt eingeladen, für ein zwanzigminütiges Festessen. Danach, ohne irgendeine Kontrolle passiert zu haben, ohne Flugtickets, ohne sogar unsere Dokumente herzuzeigen – fast so, als ob wir Jet-Setter wären -, stiegen wir in das Flugzeug, um die Hauptstadt in ihrem weißen Marmor zu erreichen. Dieser unrealistische oder vielmehr surreale Traum verblasste schnell in unserem kleinen Flugzeug dank des anhaltenden Nebels, die Quelle aller Probleme des Tages.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Wir danken <a href="http://www.svetlana-gorshenina.net/">Svetlana Gorshenina-Rapin</a> aufrichtig für ihre Erlaubnis an Novastan, ihre Geschichte und Fotos zu veröffentlichen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen übersetzt von Vanessa Graf</strong></p>
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		<title>Jumagul Sarieva, Designerin zwischen Vergangenheit und Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[vanessag]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek kreiert Jumagul Sarieva Kleidung f&#xFC;r jedermann, in der sich Tradition und Moderne widerspiegeln.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans, versucht Designerin Jumagul Sarievea mit ihrer Kleidung für jedermann Vergangenheit und Gegenwart zu vereinen. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Was ist Individualität? Was ist Patriotismus? Würde jeder die Bedeutung dieser Wörter kennen, wäre es möglich, sie zu vereinen? Falls Charakter eine wichtige Eigenschaft der Personalität ist, ist es die Präsentation seiner selbst umso mehr. Mit dieser Einstellung arbeitet die Leiterin und Designerin des Ateliers <a href="http://www.centralasianhandicraft.org/peoplecrafts.php/ru/chapan-hand-made-studio-by-jumagul-sarieva/960"><em>Chapan</em></a>, Jumagul Sarieva, stets festhaltend an ihrem patriotischen Geist.</p>
<p style="text-align: justify">„Meine Inspiration ist die Zufriedenheit des Kunden“, bestätigt die in Bischkek arbeitende Designerin.</p>
<p style="text-align: justify">Die in Kirgistan lebenden Völker trugen den <em>Chapan</em>, einen Anzug, vor ungefähr 700 Jahren. Als Nationaltracht Kirgistans ist er ist einzigartig und originell, so wie die Gesamtheit der zentralasiatischen Trachten. Zugegebenerweise ist diese Art von Kleidung für die Kirgisen mittlerweile veraltet. Die Öffentlichkeit sucht vielmehr nach etwas Neuem, Einzigartigem. Dennoch hat jedes Kleidungsstück seinen Ursprung. Jumagul Sarieve versteht es, Idealismus und Patriotismus einem modernen Stil anzunähern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Eine facettenreiche Sicht auf Mode </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ihre Sicht auf Mode ist sehr facettenreich. Jeder Designer und jede Designerin versucht, Perfektion zu erlangen, alle auf einem schwierigen Weg. Seit ihrer Kindheit lebt Jumagul von Skizzen; sie liebte es, Ornamente zu zeichnen, beobachtete und lernte die Kunst des Nähens von ihrer Mutter, während sie bereits ihren zukünftigen Werdegang ausarbeitete. Sie nahm die Uniformen ihrer Schulkameraden auseinander und nähte sie wieder zusammen, verschönerte sie, denn sie mochte es nicht, die Standard-Uniform zu tragen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 399px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1027/11749249_10207097462011703_682159410_n.jpeg" alt="Jumagul Sarieva" /></p>
<p style="text-align: justify">Nach ihrer Schulzeit begann Jumagul ein Studium am Institut für Ingenieurswesen und Konstruktion in Bischkek. Das Institut, ein sowjetisches Wahrzeichen, versammelte Jugendliche, die gemeinsam in verschiedenen Fachbereichen studierten. Gleichzeitig arbeitete sie an der Entwicklung des Komosol, der Organisation der Kommunistischen Jugend, gab Zeichenunterricht, und nahm an mehreren Ausschreibungen teil. Anschließend, immer noch zu Sowjetzeiten, zog Jumagul nach Moskau, arbeitete und lebte dort. Sie beteiligte sich aktiv an Ausschreibungen und nähte posthum ein Kleid für Kaiserin Katherina II (1729 – 1796).</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Ein Stil für beide Geschlechter </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Jumagul Sarievas Stil ist einzigartig: er ist nicht nur für junge Mädchen entworfen, sondern auch für junge Männer, ältere Personen und sogar Kinder. Die meisten ihrer Kleider sind für die Herbst- und Wintersaison gedacht, und werden gerne von den Stars des Showbusiness in Bischkek getragen, wie zum Beispiel von der Pop-Sängerin Kanykey.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1027/interieur.jpeg" alt="Männermode Jumagul Sarieva" /></p>
<p style="text-align: justify">Jumagul Sarieva fühlte sich schon immer zur Geschichte ihrer Kleidung und dessen Entwicklung hingezogen. Die Designerin will verhindern, dass das kirgisische Volk seine Wurzeln und traditionelle Kleidung vergisst. Um dieses Ziel zu erreichen, zeigt sie Altes in neuen Variationen. In letzter Zeit setzte das Atelier <em>Chapan </em>viele Projekte um. Es gewann zweimal hintereinander den Preis der Fashion Week der Stadt Bischkek, zwischen 1984 und 1986. Die Kollektionen mit den Namen „Birkenmeer“ und „Frühling“ erlaubten es dem Atelier, eine Einladung zur Ausschreibung „Die Welt Russlands“ im September 2013 bei Vyatcheslav Mikhailovitch Zaitsev zu erlangen, wo es einen großen Preis erhielt.</p>
<p style="text-align: justify">Anschließend wurde die Kollektion „Birkenmeer“ in Japan präsentiert, und „Frühling“ in Istanbul. Diese beiden Kollektionen wurden in den Vereinigten Staaten, in Baku (Aserbaidschan), und in Südkorea ausgestellt. Es ist ein Erfolg, der sich nicht leugnen lässt, über Jahre hinweg, in denen Tradition in Modernität integriert wird.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Aliya Ahmatova</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Übersetzung: Vanessa Graf</strong></p>
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