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	<title>sophias, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>sophias, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Von Pressefreiheit keine Spur &#8211; Journalismus in Turkmenistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sophias]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2016 16:31:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bevor Gurbanguly Berdymuhammedow das erste Mal zum Pr&#xE4;sidenten Turkmenistans gew&#xE4;hlt wurde, hatte er ein &#xD6;ffnung der Medienlandschaft versprochen. Zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat sich diesbez&#xFC;glich nicht viel getan. Im Gegenteil, Repression und &#xDC;berwachung scheinen zuzunehmen. Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurde Soltan Atschilowa, Aschgabat-Korrespondentin von &#x201E;Radio Azatlyk&#x201C;, dem turkmenischen Ableger von Radio [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Bevor Gurbanguly Berdymuhammedow das erste Mal zum Präsidenten Turkmenistans gewählt wurde, hatte er ein Öffnung der Medienlandschaft versprochen. Zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat sich diesbezüglich nicht viel getan. Im Gegenteil, Repression und Überwachung scheinen zuzunehmen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurde Soltan Atschilowa, Aschgabat-Korrespondentin von „Radio Azatlyk“, dem turkmenischen Ableger von Radio Free Europe/ Radio Liberty, von Unbekannten belästigt. Die 67-Jährige befand sich zur medizinischen Behandlung im Sanatorium „Artschman“ in der Nähe der Hauptstadt, als sie von zwei Frauen mit Fäusten attackiert und beschimpft wurde: „Du bewirfst Turkmenistan mit Dreck!“ Am gleichen Abend soll bereits eine 75-jährige Rentnerin in der gleichen Einrichtung mit den Worten „das hier ist für deine Fotos“ niedergeschlagen worden sein. Nach Einschätzung Atschilowas muss es sich dabei um eine Verwechslung mit ihr gehandelt haben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Angriffe auf Journalistin</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der erste Vorfall ereignete sich am 25. Oktober, nachdem Atschilowa Menschen, die in einem Geschäft Schlange standen, fotografiert hatte. Ein Mitarbeiter des Geschäftes, der sie bemerkt hatte, stellte sie zur Rede. Daraufhin verließ Atschilowa das Geschäft, wurde jedoch kurz darauf von selbigem Verkäufer in Begleitung von Polizisten aufgehalten. Sie musste ihre Personalien angeben, weigerte sich aber, mit auf die Wache zu kommen und ihnen ihre Kamera auszuhändigen. Nach einiger Zeit durfte Atschilowa tatsächlich gehen, wurde aber sogleich von drei Männer und einer Frau umzingelt. Angeblich sei die Frau von Atschilowa fotografiert worden. Sie solle diese Fotos sofort löschen. Atschilova sagte, sie werde dies zu Hause tun, woraufhin die Unbekannten begannen sie zu beschimpfen. Sie entrissen ihr die Handtasche, nahmen sich die Kamera und rannten davon. Atschilowa sagt, sie kenne die Leute nicht, sei sich aber sicher, dass es sich um Mitarbeiter des Innenministeriums oder der Polizei handle.</p>
<p style="text-align: justify">Der Fall erregte internationale Aufmerksamkeit. Am 7. November, einen Tag vor dem Übergriff im Sanatorium, veröffentlichte Human Rights Watch auf seiner Internetseite eine Darstellung der Vorkommnisse und einen Aufruf an die turkmenischen Behörden, dafür Sorge zu tragen, dass Atschilowa und andere Journalisten in Ruhe ihre Arbeit verrichten können. Es ist nicht auszuschließen, dass dies den zweiten Übergriff provoziert hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Journalismus in Turkmenistan: ein fast unmöglicher Job</strong></p>
<p style="text-align: justify">Human Rights Watch sowie Radio Free Europe gehen davon aus, dass es sich bei den Vorkommnissen um gezielte Versuche handelt, die Journalistin einzuschüchtern. Dafür spricht, dass Atschilowas Internetzugang und ihr Mobiltelefon seit dem 8. November gesperrt sind. Zudem war es nicht die erste Erfahrung mit staatlicher Repression für die Journalistin, die in der Vergangenheit über Trinkwasserengpässe, Schlangen vor Lebensmittelläden und Probleme im Gesundheitswesen berichtete. Und Atschilowa ist nicht die einzige. 2015 zwang ein Gericht drei Journalisten, ihre Arbeit für Radio Azatlyk aufzugeben. Ein weiterer wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wegen angeblichem Drogenmissbrauch – eine beliebte Praxis um unliebsame Personen aus der Öffentlichkeit zu entfernen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Behörden versuchen mit aller Macht die Verbreitung unerwünschter Informationen zu unterbinden. Ausländischen Journalisten wird konsequent die Einreise verweigert und die Medien im Inland unterliegen strengster Zensur, von Radio Azatlyk abgesehen.  Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichten fast ausschließlich über die herausragenden Taten des Präsidenten und die positive Entwicklung Turkmenistans. Probleme werden nicht angesprochen, auch Nachrichten zu Geschehnissen im Ausland kommen quasi nicht vor.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Kampf gegen das Fernsehen, Internet und andere ausländische Presse</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wegen des höheren Informationsgehalts erfreuen sich daher per Satellit empfangene ausländische Fernsehsender, besonders aus Russland aber auch aus der Türkei, großer Beliebtheit. Der Regierung sind die vielen Satellitenschüsseln ein Dorn im Auge. Die Stadtästhetik diente in den letzten Jahren wiederholt als Vorwand zur massenhaften Zwangsdemontage von Satellitenschüsseln. Wahrscheinlicher aber ist, dass es sich dabei um eine Maßnahme im Rahmen der Informations- und Isolationspolitik Berdymuhammedows handelt.</p>
<p style="text-align: justify">Der Kampf gegen die Satellitenschüssel betrifft auch die Empfänger von Radio Azatlyk, der einzigen turkmenischsprachigen Quelle für kritische Nachrichten. Denn der Sender, der in Turkmenistan weder über ein Büro noch über akkreditierte Journalisten verfügt, ist neben Kurzwelle auch über Satellit zu empfangen. Azatlyks Internetauftritt ist in Turkmenistan ebenso gesperrt wie Youtube, Facebook, Twitter und unzählige ausländische Nachrichtenportale. Findige Nutzer behelfen sich zwar mit VPNs oder Software zur Umgehung der Sperren wie Psiphon. Generell ist Internet in Turkmenistan aber langsam, relativ teuer und noch nicht flächendeckend verbreitet. Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung hatten 2015 nach Schätzung der CIA Zugang zum Netz. Es ist davon auszugehen, dass die online-Kommunikation umfassend überwacht wird.</p>
<figure id="attachment_6478" aria-describedby="caption-attachment-6478" style="width: 1366px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-6478" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2.jpg" alt="Pressefreiheit in Turkmenistan" width="1366" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2.jpg 1366w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/TM-presse-2-1300x731.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1366px) 100vw, 1366px" /><figcaption id="caption-attachment-6478" class="wp-caption-text">Pressefreiheit in Turkmenistan</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Welch verheerende Folgen es haben kann, sich in sozialen Netzen kritisch zu äußern, musste unlängst eine Nutzerin von odnoklassniki, dem russischen Äquivalent zu Facebook, erleben. Galina Wertyakowa, 62, hatte sich nach einer schlechten Erfahrung mit den Behörden an diversen Diskussionen über Maßnahmen der Regierung beteiligt und negative Äußerungen wie „die Idiotie der Beamten“ und „unfähige Führung“ gepostet. Einen Monat später wurde Wertyakowa unter einem Vorwand verhaftet und ihr Computer beschlagnahmt. Laut des Informationsportals Alternative News Turkmenistan gehen die Behörden stärker gegen Leute vor, die im Internet eine von der offiziellen Linie abweichende Meinung vertreten, seit Präsident Berdymuhammedow Anfang Oktober den Minister für Staatliche Sicherheit Dovrangeldi Bayramow verwarnt hat.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Sophia Sotje<br />
Länderredakteurin für Turkmenistan<br />
</strong></p>
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		<title>Turkmenistan: Verliert die Bevölkerung staatliche Vergünstigungen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sophias]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Turkmenistan war lange bekannt daf&#xFC;r, seiner Bev&#xF6;lkerung Ressourcen wie Gas, Strom, Wasser und Salz quasi kostenlos zur Verf&#xFC;gung zu stellen. Dies k&#xF6;nnte sich nun &#xE4;ndern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Turkmenistan ist bekannt dafür, seiner Bevölkerung Ressourcen wie Gas, Strom, Wasser und Salz quasi kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das könnte sich jetzt ändern.</strong></p>
<p>Präsident Gurbanguly Berdymuchamedow soll sich in einer Regierungssitzung für einen schrittweisen Abbau der Vergünstigungen für sein Volk ausgesprochen haben &#8211; so berichtet das im Ausland ansässige Medienportal <a href="http://www.chrono-tm.org/2016/06/glava-turkmenii-vyistupil-za-postepennuyu-otmenu-lgot-dlya-naseleniya-stranyi/">Chronicles of Turkmenistan</a>. Die kostenlose Grundversorgung sei in den ökonomisch schwierigen Jahren nach der Unabhängigkeit festgelegt worden, um das Leben der Bevölkerung zu erleichtern, argumentiert der Präsident.</p>
<p>Heute sei der Lebensstandard in Turkmenistan aber sehr hoch und die Vergünstigungen würden sich negativ auf den Übergang zur Marktwirtschaft auswirken. Berdymuchamedow äußerte sich allerdings nicht genauer, in welchem Umfang und Zeitraum die Leistungen reduziert werden sollen.</p>
<p>Die staatlichen Vergünstigungen sind schon seit Längerem nicht mehr unbegrenzt. Seit 2012 haben LKW-, Bus- und Traktorfahrer kein Anrecht mehr auf die kostenlose Versorgung mit Benzin. 2014 wurde der kostenlose Gasverbrauch für Haushalte auf monatlich 50 Kubikmeter pro Person beschränkt. Dadurch fallen vor allem für die Bewohner ländlicher Gegenden, die Gas auch zum Heizen nutzen, Extrakosten an. Im selben Jahr wurde auch der kostenlose Stromverbrauch für eine Wohnung mit 1-2 Personen auf monatlich 90 Kwh begrenzt.</p>
<p>Die kostenlose Grundversorgung steht nicht zum ersten Mal <a href="http://www.eurasianet.org/node/75016">zur Debatte</a>. Nachdem es in den vergangenen Jahren wiederholt Steigerungen beim Benzinpreis gegeben hatte, sprach sich der Ältestenrat 2015 dafür aus, Gebühren für Gas, Strom und Wasser einzuführen.</p>
<p>Anlass für diesen Vorschlag dürfte ein Aufruf des Präsidenten zu verantwortungsvollerem Umgang mit Ressourcen gewesen sein. Anstatt seinen Reichtum wegzuwerfen, müsse sich das Land darum bemühen, seinen natürlichen Reichtum, eine saubere Umwelt und einen starken Staat für die Nachkommen zu erhalten.</p>
<p>1993 legte der erste Präsident, Saparmurat Nijazow, eine kostenfreie Grundversorgung für zehn Jahre fest. Das Gesetz wurde später bis zum Jahr 2020 verlängert. Angesichts der großen Kohlenwasserstoffvorkommen hob Nijazow im Oktober 2006 die Dauer abermals um weitere zehn Jahre an und fror den Benzinpreis gesetzlich ein. Niyazov starb nur zwei Monate später. Doch sein Nachfolger Berdymuchamedow versprach zunächst, diese Art der Unterstüzung beizubehalten.</p>
<p>Das Umdenken der politischen Führung fällt in finanziell schwierige Zeiten: Neben den gesunkenen Weltmarktpreisen für fossile Energieträger wirken sich die gewaltigen Bauprojekte für die <a href="http://www.ocasia.org/game/GameParticular.aspx?9QoyD9QEWPdkzAjI/K7uyA==">Asiatischen Spiele 2017</a> auf den Staatshaushalt aus. So gibt es nun des öfteren Berichte über <a href="http://www.chrono-tm.org/en/2016/06/no-salaries-paid-to-turkmenneft-staff-for-the-third-consecutive-month/">ausstehende Gehälter</a> und <a href="http://www.chrono-tm.org/en/2016/02/staff-downsizing-and-salary-reductions-still-underway-in-turkmenistan/">Entlassungen</a> in der Ölbranche.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Sophia Sotje<br />
Länderredakteurin für Turkmenistan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Gregor Bauer<br />
Chefredakteur</strong><!-- real people should not fill this in and expect good things - do not remove this or risk form bot signups--></p>
<p><!--End mc_embed_signup--></p>
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		<title>Die Brücke – Prostitution in Bischkek</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/die-brucke-prostitution-in-bischkek/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sophias]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Aug 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Einblick in die Stra&#xDF;enprostitution in der kirgisischen Haupstadt aus verschiedenen Perspektiven.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Die Brücke der Lew Tolstoj-Straße ist ein bekannter Arbeitsplatz für Prostituierte in Bischkek, der kirgisischen Hauptstadt. Früher gab es 6-7 solcher Orte, heute nur noch halb so viele. Die Anzahl der a</strong><strong>ls Strich genutzten Orte</strong><strong> hat sich verändert, aber gilt das auch für das dortige Leben? Das Magazin „Nastojascheje Wremja“ bietet ein Bild des Straßenstrichs in Bischkek und lädt zur Diskussion über vernünftige, legale Auswege aus diesem Teufelskreis ein. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Dieser Artikel wurde im Rahmen der Zentralasiatischen Schule für modernen Journalismus (OSZE/ Deutsche Welle) geschrieben, und auf der Seite der DW-Akademie <a href="http://akademie.dw.de/zaschool2014/%D0%BC%D0%BE%D1%81%D1%82/">veröffentlicht</a>. Wir übernehmen ihn mit der freundlichen Erlaubnis der Autoren. </strong></em></p>
<p><strong>Szene 1: Nachts. Auf der Straße. Eine Apotheke im Laternenlicht.</strong></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Ich wurde entführt, als ich 17 war. Damals lebte ich bei meiner Großmutter in Talas. Danach lebten wir mit meinem Mann auf dem Dorf. Ich trug gerade Wasser in Eimern zum Haus. Was musste ich nicht alles machen&#8230;“</p>
<p>&#8211; „Wenn es uns nicht gäbe, wäre das Land schon längst vor lauter Gewalt weggefegt worden.“</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Ich bin ein Einzelkind. Ich hatte es satt, bevormundet zu werden. Ich habe mich 1998 aus dem Haus geschlichen, und mir gefällt es: Ich bin frei, zu tun, was ich will. Ach, schade, dass ich nicht trinke, ich hätte jetzt gerne darauf angestoßen.“</p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht scheint das Licht der Laternen nur schwach durch die vielen Äste. Eine laute, angetrunkene Gruppe kommt heran. Eine Frau weint, kaum hörbar. Sie kommt jeden Tag hierher. Ihre Tränen mischen sich mit Biergeruch und dem Rauch billiger Zigaretten. Aygul ist immer nach Weinen zumute, wenn sie über ihre Vergangenheit erzählt.</p>
<p style="text-align: justify">Sie ist aus Kasachstan immigriert. Diese Brücke ist schon 16 Jahre lang ihr permanenter Arbeitsplatz. Ihren Eltern erzählt sie, sie würde in einem Café Teller spülen. Für ihre beiden Kinder ist sie „Mama“. Für alle anderen ist sie einfach eine Obdachlose. Ihren Ausweis hat Aygul verloren: „Ohne Pass wird man noch nicht mal angenommen, um für halben Lohn Blumen zu pflanzen“. Eine Geschirrspülerin im Café verdient 300 Som (etwa 4 Euro 50) am Tag. Auf der Brücke verdient Aygul bis zu 1500 in einer Nacht. Dafür muss sie aber auch schon mal drei Tage lang hungern, wenn es gar keine Kunden gibt. Mit einem Teil des Lohns wird die Miete bezahlt. Einen weiteren Teil schickt sie ihren Kindern, die bei der Oma auf dem Dorf leben. Und einen Teil, so Aygul, nimmt ihr die Polizei.</p>
<p style="text-align: justify">Würde man Aygul auf der Straße treffen, man könnte sie für eine einfache Hausfrau halten – ein bisschen übergewichtig, in Strumpfhosen und abgenutztem T-Shirt. Ihre Kollegin Inabat hingegen ist sehr schlank. In den riesigen Taschen ihrer „Rapper“-Jeans ist ein Stapel alter zerknitterter Blätter mit Gedichten, die sie geschrieben hat. Sie ist einsam. Drei von ihren fünf Kindern leben bei ihr. Eines hat sie in der Klinik gelassen, und ein weiteres hat eine kinderlose Familie adoptiert. Die Kinder sind von Geliebten und Kunden. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nie einen Mann geliebt“, gibt Inabat zu. Ihre Liebe verkauft Inabat für 1200 Som (etwa 17 Euro) die Stunde, und arbeitet nur mit Präservativen, ohne Zuhälter, auch setzt sie sich nie zu jungen Kunden ins Auto. Ihre Prinzipien hat sie nur einmal gebrochen, als sie ihren Kindern zum Fest (dem Kindertag, am 1. Juni) Geschenke kaufen wollte.</p>
<p style="text-align: justify">Einmal wurde sie vergewaltigt. Unter den vier jungen Männern erkannte Inabat damals auch einen Polizisten: „Ich wurde anscheinend Opfer &#8218;gemeinnütziger Arbeit&#8216; („Subbotnik“). Ich habe ein photographisches Gedächtnis und bemühe mich, alles, was ich sehe, aufzuschreiben oder mir dazu irgendwelche Notizen zu machen, oft in Versform.“ Ihre Gedichte drehen sich um das Leben, die Liebe, Korruption und Gerechtigkeit.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/711/img_6209.jpeg" alt="Brücke Prostitution Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">Lena steht etwas weiter weg von der lauten Gesellschaft. Sie trägt ein schäbiges Kleid. Vier Jahre lang stellt sie sich schon auf die Brücke. Vorher arbeiteten sie und ihr Mann als Bauern. Der Mann fing an, ihren Lohn für Saunen und „Mädchen“ auszugeben. Seit der Scheidung geht Lena auf den Strich, um andere Ehemänner zu bedienen.</p>
<p style="text-align: justify">Die 16-Jährige Gulia in ihren kurzen Hosen und einem ärmellosen Hemd findet man nicht auf der Brücke. Nicht, dass sie nicht da wäre, aber die Minderjährigen werden meistens in der Nähe in Autos gesetzt. „Gibt es neue?“ fragen die Kunden für solche Fälle.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Szene 2: Die Kunden </strong></p>
<p style="text-align: justify">Laut quietschen Bremsen, Kunden kommen heran. Zwei etwa zwanzigjährige junge Frauen treten an das Auto. Das Gespräch wird von einer Polizeipatrouille unterbrochen, und es folgt eine angespannte Unterhaltung zwischen den Mädchen und der Polizei. Nach fünf Minuten verlassen die Polizeibeamten die Brücke. Das Auto mit den Kunden hat sich in der Zeit nicht bewegt. Zwei Mädchen setzen sich hinein und fahren los. „Mamascha“, eine etwas ältere Frau, schreibt schnell etwas in ihren Notizblock.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „In letzter Zeit arrangieren wir uns, damit immer jemand von den Älteren hier ist, um die Autokennzeichen zu notieren und zu überprüfen, wo man uns hinfährt. Denn die Kunden fingen an, uns zu betrügen“, erzählt Lena.</p>
<p style="text-align: justify">Alle, die auf der Brücke arbeiten bestätigen dies: die Aggression von Seiten der Kunden hat zugenommen. Besonders fürchten sich die Mädchen vor dem Begriff <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik">„Subbotnik</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik"><!-- Eigentlich haben sie keine ansgt vor dem begriff sondern der sACHE; ODERß --></a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik">“</a></strong>, wenn eine Gruppe Männer eine Prostituierte zu kostenloser Arbeit zwingt. Das können Polizisten sein, Beamte oder einfach Banden.</p>
<p style="text-align: justify">„Es gibt kein typisches Porträt des Freiers. Die Männer sind verschiedenen Alters: von ganz jungen Burschen bis zu alten Männern“, so die Vertreter der gesellschaftlichen Organisation „Thaïs +“, die sich für die Rechte der Sexarbeiterinnen einsetzt. „Auch die beruflichen Hintergründe unterscheiden sich: von Dorfbewohnern, die gekommen sind, um irgendwas auf dem Markt zu verkaufen, bis hin zu Abgeordneten. Und dementsprechend variiert auch die Zahlungsfähigkeit. Jeder Mann verhält sich anders: es gibt anständige, die für einen gewissen Zeitraum zahlen, das erhalten, was sie abgesprochen haben, und das war&#8216; s. Es gibt solche, die meinen, sie hätten mit ihrer Zahlung das Mädchen gekauft, dass sie sich aufführen können, als wären sie zu Hause. Und es gibt vollkommen erbarmungslose Kunden, die hinter der Gewalt stecken.“</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong><strong>Szene 3: In den Büros </strong></strong></p>
<p style="text-align: justify">In seinem kleinen engen Büro schaut Salamat Adylow, der Leiter der vor kurzem erschaffenen „Abteilung für den Kampf gegen Menschenhandel und Straftaten gegen die öffentliche Moral“ bei der Verwaltung für innere Angelegenheiten Bischkeks erschüttert auf die Statistiken.</p>
<p style="text-align: justify">„Die Prostituierten auf der Straßen stehen für 20% der Prostituierten Bischkeks. In einer Nacht verdienen sie zwischen 5 und 10 Tausend Som (zwischen 70 und 150 Euro). Jeden Tag gehen über 3000 Prostituierte auf die Straßen Bischkeks. Der Gesamtumsatz beträgt zwischen 5 und 10 Millionen Dollar im Jahr. Die meisten Sexarbeiterinnen sind zwischen 17 und 25 Jahre alte Mädchen, aber es gibt auch 50-Jährige. Bis zu 70% der Sexarbeiterinnen sind entführte Mädchen, wobei in der Stadt jeden Monat 34 Entführungen gemeldet werden. Allein im letzten Halbjahr gab es 6 Strafverfahren wegen Nötigung von Minderjährigen zur Prostitution.“</p>
<p style="text-align: justify">Salamat Adylows Handy klingelt, es läuft der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=aot3IGOPpmU">Soundtrack</a> der Serie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brigada">„Brigada“</a>.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Und was passiert normalerweise, wenn eine Polizeibrigade über die Brücke fährt und dort Prostituierte sieht?“</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Es gibt bei uns keinen Paragraphen zu Prostitution“, erklärt er. „Wir können nichts machen. Wir schreiben Berichte an die Regierung und das Parlament, damit sie wenigstens irgendein Gesetz zu dem Thema verabschieden. Denn es kommen auch Gäste in die Hauptstadt, offizielle Delegationen, Touristen&#8230; Das sieht natürlich sehr unschön aus. Wir haben auch schon an das Bürgermeisteramt geschrieben, um sie wenigstens aus der Stadt zu führen.“</p>
<p style="text-align: justify">Die Parlamentsabgeordnete Irina Karamuschkina hat es ein wenig eilig. Sie hat bald Urlaub, aber findet doch Zeit, um sich zum Thema der Prostitution, das sie sehr beschäftigt, auszusprechen: „Es gab den Vorschlag, sie zu bestrafen. Aber das Geld für eine Geldstrafe können sie in einer Nacht verdienen. Man sollte die Prostituierten die Höfe fegen und die Flüsse säubern lassen.“ Andererseits erkennt Karamuschkina, dass man die Prostitution nicht ganz abschaffen kann: „Jede Prostituierte hat ihre Geschichte, ihr Schicksal. Aber Prostitution ist kein Beruf, sondern Promiskuität. Anständige Mädchen und Frauen gehen nicht auf den Strich. Dorthin gehen die, die nicht arbeiten möchten, aber dennoch lecker essen wollen.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Szene 4: Die Nachbarn.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Unterschied zu den Polizisten und der Abgeordneten sind die lokalen Anwohner nicht sehr kategorisch, obwohl sie jeden Tag sehen, wie die Mädchen in Dreier- oder Vierergruppen auf dem Gras entlang der Straße sitzen. Wörtlich wie Schneeglöckchen auf der Wiese.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 533px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/711/777.jpeg" alt="Prostitution Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Ich lebe in der Lew Tolstoj-Straße. Ich sehe, wie die Mädchen an der Seitenlinie stehen und denke mir schon, was sie dort machen“, sagt die 47-Jährige Anwohnerin Lidija Iwanowa. „Meine Meinung über sie ist gespalten. Einerseits kommen sie aus den Dörfern, wo es keine Arbeit, und keine guten Lebensbedingungen für junge Leute gibt. Sie kommen also in die Stadt, wo sie auch keine Arbeit finden. Was sollen sie tun? Daher gehen sie mit ihrem Körper handeln. Aber dennoch kann man, wenn man will, schon irgendeine Arbeit finden. Sei es den Boden schrubben.“</p>
<p style="text-align: justify">Den Boden schrubben, womit man insgesamt 9000 Som (130 Euro) im Monat verdienen kann, ist für die Mehrzahl der Sexarbeiterinnen keine Alternative.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Ich arbeite lieber hier und verdiene jeden Tag ausreichend Geld, um mein Kind zu sättigen und die Miete zu zahlen.“, pariert Aygul.</p>
<p style="text-align: justify">Einige verschließen lieber die Augen vor dem, was geschieht, oder verstehen wirklich nicht, was die Mädchen auf der Brücke machen. Eine ältere Musiklehrerin war erstaunt über die leicht angezogenen Mädchen an diesem kalten Herbsttag, und rief entzückt: „Wie sportlich, weiter so!“</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Sie sind sehr freundlich, feiern die Festtage gemeinsam“, erzählt Adelja, die in einem Büro gegenüber der Brücke arbeitet. „Ich habe gesehen, wie die Mädchen auf dem Platz bei der Brücke in einem großen Topf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pilaw">Plow</a> zubereitet und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schaschlik">Schaschlik</a> gebraten haben. Die Atmosphäre war so gut, als würde gerade <a href="http://francekoul.com/articles/nouruz-ein-zweites-neues-jahr-in-zentralasien">Nourouz</a> gefeiert. Wie es scheint haben sie auch versucht, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren, und sie nach der alt-griechischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thaïs">Hetäre Thaïs</a> von Athen zu benennen.“</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong><strong>Szene 6: Nicht bei der Gewerkschaft. </strong></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Hauptaufgabe der Nichtregierungsorganisation „Thaïs +“, so Direktorin Schakhnas Islamowa, ist es, würdigere Lebensbedingungen für die Sexarbeiterinnen zu schaffen, die Nutzung von Verhütungsmitteln zu fördern und einen besseren Zugang zu STI-Dienstleistungen zu garantieren. Hier arbeitet auch eine Vertreterin der Sex-Industrie als Beraterin zum Thema AIDS.</p>
<p style="text-align: justify">„Seit 2004 erklären über 90% der Sexarbeiterinnen, dass sie mit ihren Kunden Präservative nutzen“, erklärt eine Studie der Organisation.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Ich habe mich im Dezember 2005 zuerst an „Thaïs +“ gewendet, als ich gerade erst aus Dschalal-Abad nach Bischkek gekommen war. Hier hat man mir ein Heim geboten, so dass ich meine zwei Kinder aus dem Kinderheim nehmen konnte. Ich habe hier zweieinhalb Monate gelebt. Ich wurde mit Lebensmitteln, Gleitmittel und Präservativen ausgestattet“, erzählt Inabat. „Die Organisation war mir und meinen Kindern eine große Hilfe als es zu den <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kirgistan-der-hass-stirbt-zuletzt-1.959906">interethnischen Konfrontationen</a> zwischen Kirgisen und Usbeken [im April-Mai 2010] kam.“</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Anfang 2013 konnten wir die Verabschiedung eines administrativen Paragraphen zur Sexarbeit verhindern“, erklärt man bei „Thaïs +“. „Quasi sofort danach begannen die Polizeirazzien. In einzelnen Fällen wurden die Sexarbeiterinnen nach ihrer Festnahme gezwungen, sich auf AIDS testen zu lassen. Im Sommer und Herbst wurde es wieder ruhiger, danach fingen die Razzien von vorne an.“</p>
<p style="text-align: justify">Bei der Polizei werden diese Aktionen als notwendige Suchaktionen gerechtfertigt. Diese würden dazu dienen, entführte Mädchen zu finden, die als Prostituierte arbeiten könnten. Die Mädchen auf der Brücke erzählen jedoch ganz andere Geschichten.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Es kommen Polizisten und sagen: „Kauf mir ein Paket Winston und ein Baltika 7. “ Ich antworte, dass ich kein Geld habe. „Dann nimm meins“, sagt er, „als Schulden“. Dann geht man und kauft die Zigaretten und das Bier. Was soll man sonst machen?“</p>
<p style="text-align: justify">Der Hauptgrund, warum die Mädchen ihren Platz auf der Straße wechseln müssen, sind die sogenannten „Kennzeichnungen“. Das seien systematische Razzien und Erpressungen von Seiten der Polizei, erklärt man bei „Thaïs +“: „Wenn sich eine Sexarbeiterin dazu entscheidet, eine Erklärung über illegale Handlungen der Polizei zu schreiben, dann wird immer Druck auf sie ausgeübt, damit sie die Erklärung zurücknimmt, also muss sie sich verstecken. Dazu kommt, dass weitere Sexarbeiterinnen dann auch diesem Druck unterliegen.“</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong><strong>Szene 7: Die Apotheke, die Straße und die Laterne.</strong></strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch ist niemand auf der Brücke. Es ist Montag, zehn Uhr abends. Das abendliche Bischkek versinkt langsam in der Dunkelheit. Wieder leuchten die Laternen mit ihrem schwachen Licht. Halb elf. Ein Auto nähert sich. Vier Mädchen steigen aus, dazu kommen nochmal vier, die Arbeit fängt an.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; „Und wo ist Aygul?</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Die Zuhälterin? Wozu willst du die Zuhälterin sehen?</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Zuhälterin?&#8230; Nein, sie war doch vor 3 Tagen hier&#8230; Sie hat wohl Probleme mit ihrem Ausweis.</p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Ja, sage ich doch, die Zuhälterin. Sie sind dort um die Ecke im Café mit Amina am trinken.“</p>
<p style="text-align: justify">Es ist nicht überraschend, dass sich Aygul, eben diese, die in Tränen ihre ganze Geschichte erzählte, als „Mamascha“ entpuppt. Mythen sind auf der Brücke schon lange und eng mit der Realität verflochten. Es war Aygul, die sagte, dass sie vom Strich gehen würden, wenn man irgendeine Nähfabrik öffnen würde (solche Fabriken haben gerade Aufwind in Kirgistan). Inabat, mit ihren „Rapper“-Jeans hofft weiter, in die Schule zurückzukehren, wo sie als Kunstlehrerin arbeitete. In der Zwischenzeit hält sie weiter den abgenutzten Notizblock mit ihren Versen in der Hand.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td><em><em><strong>Der Kasten</strong></em></em></p>
<p><em>„<em>Wo bist du, Gerechtigkeit“</em></em><br />
<em>Soll ich ein wenig über mich sagen,</em><br />
<em>Ich lebe mein Leben in einem Gefängnis</em><br />
<em>Aber mit weiter jungem Geist</em><em> </em><br />
<em>In der Betonkammer</em><br />
<em>Sehne ich mich nach den Abenden,</em><br />
<em>Nach meinen zwei Töchtern,</em><br />
<em>Schreibe über meine verlorenen Erwartungen.</em><br />
<em>Hätte ich bloß Geld in den Taschen&#8230;</em><br />
<em>Ich sehe nicht der Sonne Licht.</em><br />
<em>Mein gebrochenes Schicksal </em><br />
<em>Schwächt die Gesundheit.</em><br />
<em>Alle sind unter dem Joch der Korruption.</em><br />
<em>Selbst bei Lebenslang,</em><br />
<em>Mit Geld im Beutel</em><br />
<em>Kauft sich der Richter. Überall.</em><br />
<em>Taugenichtse gibt es wie Sand am Meer</em><br />
<em>Korrumpierte noch viel mehr,</em><br />
<em>Die Polizei droht mit Gefängnis&#8230;</em><br />
<em>Räuber und Ungeheuer&#8230;</em><br />
<em>In ihren Uniformen, mit ihren roten Kappen.</em><br />
<em>Ohne von den ganzen Manieren zu sprechen.</em><br />
<em>Und des Menschen Leben ist nichts wert</em><br />
<em>So kann man überlegen</em><br />
<em>Bis in die Unendlichkeit.</em><br />
<em>Meine Wehmut, ewig wie das Meer. </em></td>
<td><strong><em>Врезка</em></strong></p>
<p><em>«Где ты, справедливость»</em><br />
<em>Если заговорить о себе,</em><br />
<em>Жизнь моя проходит в тюрьме,</em><br />
<em>Но душой остаюсь молода</em><br />
<em>Внутри бетонной камеры я.</em><br />
<em>Тоскую по вечерам.</em><br />
<em>Скучаю по двум дочерям,</em><br />
<em>Пишу о несбывшихся ожиданиях.</em><br />
<em>Если бы были деньги в карманах…</em><br />
<em>Не вижу солнечного света.</em><br />
<em>Растоптана моя судьба.</em><br />
<em>Здоровье ослабевает.</em><br />
<em>Под гнетом коррупции все.</em><br />
<em>Даже получив пожизненный срок,</em><br />
<em>Если есть деньги в мешке</em><br />
<em>Судья покупается. Так везде.</em><br />
<em>Бездельников стало море,</em><br />
<em>Коррупционеров еще более.</em><br />
<em>Милиция грозит тюрьмой…</em><br />
<em>Грабители и изверги….</em><br />
<em>В погонах, в красных фуражках.</em><br />
<em>Не рассказать о всех замашках.</em><br />
<em>И жизни человека ноль цена.</em><br />
<em>Так можно рассуждать до бесконечности.</em><br />
<em>Размером с море горе вечности.</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">In der Zeit, in der Inabat auf dem Strich stand, gab es in Kirgistan zwei Revolutionen, zehn Olympiaden fanden in der Welt statt, China überholte Japan und hat nach den Vereinigten Staaten das zweitgrößte BIP der Welt, die Harry Potter Saga wurde von Anfang bis Ende veröffentlicht, es wurde die ISS gestartet, die auch noch in den 20er Jahren ihre Laufbahn halten soll. Was soll noch passieren, bis sich das Leben auf der Brücke ändert?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Asipa Altymyschewa<br />
Roman Mochow<br />
Kuanysch Eskabylow</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong><br />
<strong>Redaktion: Sophia Sotje</strong>
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Uniolympiaden in Tadschikistan: Alles hat seinen Preis</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/uniolympiaden-in-tadschikistan-alles-hat-seinen-preis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sophias]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 25. April 2014 fand in der Stadt Chudschand in Tadschikistan das Landesfinale der Olympiade f&#xFC;r Geisteswissenschaften statt. Unsere Autorin berichtet.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="placeholder_white pull-left"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung"><u><strong>Bildung</strong></u><u> </u></a>(von <u><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsch">ahd.</a></u> <em>bildunga</em> ‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt‘) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „<u><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mensch">Menschsein</a></u>“, seine <u><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geist">geistigen</a></u> Fähigkeiten. Der moderne dynamische und <u><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ganzheitlich">ganzheitliche</a></u> Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und <u><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kompetenz">sozialen Kompetenzen</a></u> erweitert.</div>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Es gibt unzählige Möglichkeiten, um junge Menschen zu fördern. Eine in vielen Ländern praktizierte Variante ist das Veranstalten von Wissenschaftsolympiaden: Dabei werden besonders begabte Jugendliche ausgesucht, die anschließend durch finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates zum Motor von Wissenschaft und Technik werden sollen. In Tadschikistan fand im April das Landesfinale der geisteswissenschaftlichen Olympiade statt, ob die Auszeichnungen aber wirklich an die besten Teilnehmer gingen, ist fraglich.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wissenschaftsolympiaden habe eine <a href="http://dic.academic.ru/dic.nsf/bse/116142/Олимпиада">lange Tradition</a>. Bereits im 13. bis 18. Jahrhundert fanden Mathematikwettbewerbe statt, an denen junge Wissenschaftler wie Fibonacci,Tortalia, Bernoulli, EIler, Leibniz und Newton teilnahmen. Diese Wettbewerbe hießen „Olympiade durch Briefe“, weil große Wissenschaftler den jüngeren Aufgaben per Post schickten. Wer als erster alles gelöst hatte, der war der Gewinner.</p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 1934 fand in Leningrad (heute Sankt Petersburg) zum ersten Mal eine Olympiade für Mathematik statt. Teilnehmen konnten Schüler aus der ganzen Sowjetunion. Die Matheolympiade fand von da an regelmäßig statt und wurde rasch zur Tradition. Ab den 60er Jahren führte man städtische, regionale und landesweite Olympiaden in allen Fächern durch.</p>
<p style="text-align: justify">Bis heute sind die Wettbewerbe in allen GUS-Staaten sehr populär. Mittlerweile werden sie nicht mehr nur an Schulen sondern auch an den Universitäten der Republik organisiert; dabei wird zwischen geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Olympiaden unterschieden.</p>
<p style="text-align: justify">Neben dem Ansporn, sich Wissen anzueignen und die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, dienen die Olympiaden den Studierenden auch zur Berufsberatung. Zudem offenbaren sie die Besten der Studierenden, denen sodann passende Hochschulen empfohlen werden können. Olympiaden zwischen Schülern und Studenten leiten immer nur die Bildungsministerien.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Startschwierigkeiten beim Wettbewerb in Chudschand</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 25. April 2014 fand in der Stadt Chudschand in Tadschikistan das Landesfinale der Olympiade für Geisteswissenschaften statt. Dazu kamen die Gewinner der Spiele zwischen den Fakultäten der einzelnen Universitäten in diese Stadt im Norden des Landes. Jeder Teilnehmer bekam 300-400 TJS (45-60 EUR) für Reisekosten und Verpflegung.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 766px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/gesetz.jpeg" alt="Gesetz Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Die meisten Teilnehmer brauchten viele Stunden für die Fahrt, weshalb sie schon am Vortag zu der Olympiade anreisten und sich WG-mäßig in der Chudschander Uni einrichteten. Allerdings gab es in der vom Bildungsministerium organisierten Unterkunft zunächst kein Wasser. Erst gegen 1 Uhr nachts wurde die Wasserversorgung ausbessert. Nach 2 Stunden Schlangestehen konnten die letzten sauber ins Bett gehen, um schon drei Stunden später aufzuwachen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/wohnheim.jpeg" alt="Wohnheim Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Am Tag des Wettbewerbs sollten sich alle um 7 Uhr vor dem Gebäude der <u><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tajikistan_State_University_of_Law,_Business,_%26_Politics">Tadschikischen Staatlichen Universität für Recht, Business und Politik</a></u> einfinden. Doch die Registrierung der Teilnehmer begann erst um 9 Uhr. Junge Konkurrenten – Freunde, Nachbarn und Verwandte aus verschiedenen Städten Tadschikistans – wollten alle den ersten Platz bekommen und warteten gespannt auf den Beginn des Wettkampfs.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/konferenzraum_in_wohnheim.jpeg" alt="Konferenzraum Wohnheim Olympiade Tadschikistan" />Um 10:30 Uhr wurde die Olympiade offiziell von Rahmatullo Mirboboev, dem Stellvertreter des Bildungsministers, eröffnet. Nachdem alle Teilnehmer einer Studienrichtung jeweils nach Haupt- und Wahlfach in Gruppen eingeteilt worden waren, durften sie schließlich in ihre Auditorien gehen. Mit einiger Verzögerung konnte der Wettkampf beginnen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 483px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/uni_gebude.jpeg" alt="Universität Chudschand" /></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/buchveranstaltung_an_der_uni.jpeg" alt="Bücher Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Zu kompliziert für die Besten der Besten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Doch der Wettbewerb konnte keineswegs die Erwartungen aller Teilnehmer erfüllen. Vom Test in der Disziplin „Russisch“ etwa berichtet eine Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte: „Das Diktat für die russische Sprache hat uns eine Lehrerin geben, die an der Gastgeberuniversität unterrichtet. Sie laß viel zu klar, jedes Wort Silbe für Silbe betont, wie für einen Schüler der 1. Klasse, und mit allen Kommas.“ Die Studentin kritisiert nicht nur den Diktierstil, sie empfand auch den weiteren Verlauf des Wettbewerbs als unfair: „Nach dem Diktat kam die Ausschussvorsitzende des Fachs „Russische Sprache und Literatur“ persönlich ins Auditorium und teilte die Testfragen aus. Insgesamt waren es 30 Fragen. Ungefähr eine Stunde später kam die Vorsitzende mit einem kleinem Blatt Papier zu dem Mädchen, das neben mir saß.“ Der Zettel sei für sie beide, habe die Frau gesagt. „Ich hatte diese Frau noch nie gesehen und habe nicht verstanden, warum sie uns hilft,“ erzählt die Teilnehmerin. Doch später habe sich herausgestellt, dass sie die Lehrerin ihrer Banknachbarin, Sarvinoz*, sei.</p>
<p style="text-align: justify">Nach Informationen von Novastan gab es im Fach „Russisch“ weitere Unregelmäßigkeiten: kurz nach dem ersten Zwischenfall seien noch zwei Lehrerinnen der Chudschander Universität in den Seminarraum gekommen. Sie hätten sich leise sprechend zu einer Gruppe an den Tisch gesetzt und angefangen, den Test selbst zu schreiben. Nach kurzer Zeit hätten sie den Studenten so sechs Antworten gesagt. Anscheinend dachten sie, dass es viel zu kompliziert für die Besten der Besten des Landes sein könnte. Alle mit Vorwürfen belasteten Lehrer sind wissenschaftliche Betreuer eines der anwesenden Studenten, von denen zwei im Finale Plätze auf dem Siegertreppchen belegten. „Meine Nachbarin, sie studiert an der Universität Chudschand, hat das ganze Diktat aus dem Handy abgeschrieben. Sie hatte mir so dumme Fragen aus dem Test gestellt, und nach den ersten Resultaten hat sie den dritten Platz bekommen. Das kann doch nicht sein!“, erzählt Dilbar* weinend.</p>
<p style="text-align: justify">Nach lauten Auseinandersetzungen der Lehrer wegen der ungerechten Auszählung der Punkte, wurden alle Antwortbögen von der Ausschussvorsitzenden des Fachs „Russische Sprache und Literatur“ erneut kontrolliert und geprüft. Allerdings von eben jener Vorsitzenden, die ein paar Minuten früher ihrer Studentin Sarvinoz in der Olympiade geholfen hatte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Drei Medaillen, drei Unis, aber vier Gewinner</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Siegerehrung fand noch am gleichen Tag um 20:30 Uhr statt. Drei Studentinnen erreichten die gleiche Punktzahl. Trotzdem bekam nur eine von ihnen &#8211; die Studentin, die an der Universität, an der die Olympiade läuft, studiert – den ersten Platz. Auf die Frage, warum es kein Stechen zwischen diesen Studentinnen gegeben habe, antworteten die Lehrer der Chudschander Universität: „Wir sind hier bei uns zu Hause, und ihr seid als Gäste bei uns. Wenn wir ihr wären, würden wir nicht streiten“.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/ergebnisse.jpeg" alt="Ergebnisse Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Ähnliches ist wohl auch vor einem Jahr geschehen, als die landesweite Olympiade in der Stadt Qurghonteppa der Provinz Khatlon durchgeführt wurde. Eine Lehrerin der Universität Duschanbes sagte, dass es eine Art Übereinkommen unter einigen Fächern gab, dass Khatlon die meisten Medaillenplätze bekommt. „Also, es ist immer so: wenn die Olympiade in Duschanbe stattfindet, dann sind die Gewinner aus Duschanbe, und genauso ist es in Chudshand“.</p>
<p style="text-align: justify">Letztendlich sah das Ergebniss der Russischolympiade so aus:</p>
<p style="text-align: justify">1.Platz – <strong>34</strong> Punkte – Chudshand – 1.000 TJS (150 EUR) Preisgeld</p>
<p style="text-align: justify">2.Platz – <strong>34</strong> Punkte – Duschanbe – 800 TJS (120 EUR) Preisgeld</p>
<p style="text-align: justify">3.Platz – <strong>34</strong> Punkte – Duschanbe – kein Preis</p>
<p style="text-align: justify">0.Platz – <strong>33</strong> Punkte – Duschanbe – kein Preis, kein Platz &#8211; <strong>Dilbar</strong></p>
<p style="text-align: justify">3.Platz – <strong>32</strong> Punkte – Duschanbe – 600 TJS (90 EUR) Preisgeld – <strong>Sarvinoz</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/hngen_der_ergebnissen.jpeg" alt="Teilnehmer Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Dilbar hat keinen Platz gewonnen, obwohl sie mehr Punkte als Sarvinoz hatte. Begründet wurde dies mit der Behinderung von Sarvinoz: Sie hat nur ein funktionstüchtiges Bein. Man „schenke“ der Schwerbeschädigten jährlich den 3.Platz und das Preisgeld, um sie für das nächste Jahr motivieren.</p>
<p style="text-align: justify">„Ich verstehe das nicht, wir haben hier doch keine Paraolympiade! Wir wetteifern hier mit unseren Kenntnissen, Dauervorbereitung und mit der hartnäckigen Arbeit der Studenten und Lehrer. Auch Sarvinoz wusste, wohin sie fährt“, empört sich eine Studentin lautstark.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unzufriedenheit unter den angereisten Teilnehmern</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch in den anderen Fächern der Kategorie Hauptfach, bekamen Vertreter der Provinzhauptstadt im Norden die ersten Plätze, nur im Fach „Geschichte des tadschikischen Volkes“ gewann ein Student aus der Universität aus Duschanbe mit einem Abstand von 12 Punkte den ersten Preis.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/besprechung_der_ergebnissen.jpeg" alt="Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Um 10 Uhr am nächsten Tag wurde die ganze Gewinnerliste veröffentlicht. Eine Stunde später konnten die, die mit den Ergebnissen nicht einverstanden waren, Berufung einlegen. Aber die Berufung war rein formell und konnte nicht auf die Resultate einwirken. Zum Beispiel versammelten sich 12 Studenten, die eine Berufung für das Fach „Englisch als Hauptfach“ eingelegt hatten, in einem Raum. Eine Lehrerin, Mitglied des Ausschusses, erklärte: „Eine Studentin hat in der Olympiade für „Englisch als Wahlfach“ teilgenommen, doch sie studiert Englisch im Hauptfach. Wir haben sie ge<em>cancelt</em>. Jetzt seid ihr alle frei. Bitte schön“. Mit dieser Mitteilung verabschiedete sich das „Gericht der Gerechten“, und alle wurden gebeten, in den Saal für die Preisverleihung zu gehen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/658/studenten_wollen_die_berufung_einlegen.jpeg" alt="Berufung Olympiade Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Teilnehmer aus Duschanbe, sowie aus verschiedenen Städten der Provinzen Khatlon und Badachschan nahmen nicht an der Verleihungszeremonie der „richtigen Gewinner“ teil. Stolz aber allein feierten die Gastgeber ihren „Gewinn“ unter sich.</p>
<p style="text-align: justify">Die Spiele sind vorbei und die Gewinner haben die Gratulationen entgegengenommen. Über die vertraglichen Wettkämpfe, also abgesprochene Siege, zu sprechen, bedeutet nicht das Rad neu zu erfinden. Eine alte Lehrerin saß mit ein paar Studenten und Lehrern in einem großen Auditorium, weinend teilte sie ganz leise ihre Meinungen und Gedanken mit: „Die Gewinner der wissenschaftlichen Olympiaden zwischen den Hochschulen sind das zukünftige Potential der Wissenschaft und Bildung meines Landes. Wie kann sich das Land entwickeln, wenn diejenigen, die ihre Kenntnisse teilen und Bildung an die Leute tragen sollen, diejenigen sind, die heute Gewinner wurden? Pech, so ein Pech.“ Ohne hartnäckigen Kampf entwickele sich die Wissenschaft nicht. Denn geniale Persönlichkeiten und Nobelpreisträger würden da geboren, wo wissbegierige Geister aufeinander träfen, wo harte Kämpfe für das Erreichen des menschlichen Verstandes durchgeführt würden, meint die Lehrerin. „Aber da, wo alles schon klar ist, da herrschen Pseudowissenschaft und Pseudolehren und so erschleichen sich manche in jüngstem Alter Erfolge durch Abschreiben und Betrug. Das alles bringt das Land zum Rückschritt“.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Text und Bilder von Alin Kor<br />
Journalistin für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Sophia Sotje</strong></p>
<p>* &#8211; der Name wurde geändert</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
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			</item>
		<item>
		<title>Das Zerren um die Ziege &#8211; Buzkashi in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sophias]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Apr 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Buzkachi]]></category>
		<category><![CDATA[Nouruz]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wettk&#xE4;mpfe d&#xFC;rfen bei den Nouruz-Feierlichkeiten nicht fehlen. Eines der beliebten Reiterspiele ist Buzkashi: eine Art Polo gespielt mit einem Ziegenrumpf. Eindr&#xFC;cke der Spiele in Bulyoni-Bolo, Khatlon.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„</strong><em><strong>Wenn zwei Drachen kämpfen, sterben die friedlichen Kleintiere.</strong></em><strong>“</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>So lautet ein altes tadschikisches Sprichwort. Der Wettkampf „Buzkashi“ ist überall in Zentralasien bekannt. Alle Menschen fahren ins Dorf, um das spannende Spiel zu sehen. Alle wollen sehen, wie die stärksten Männer auf Pferden um einen Ziegenkörper kämpfen. Aber wo es Kämpfe gibt, da gibt es auch Opfer. Sponsoren investieren Geld, stellen ihre Pferde den Teilnehmern zur Verfügung und </strong><strong>manche Reit</strong><strong>er verletzen sich während des Wettkampfs, ohne versichert zu sein. Also, wer ist eigentlich ein Opfer in Tadschikistan? Wer ist ein Kleintier und wer ein Drache?</strong></p>
<p><em><strong>Auch bei Novastan.org: <a href="http://francekoul.com/articles/nouruz-ein-zweites-neues-jahr-in-zentralasien">Nouruz, ein zweites neues Jahr in Zentralasien</a></strong></em></p>
<p><strong>Buzkashi in Tadschikistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zur Nouruz-Zeit finden in Tadschikistan traditionelle Wettkämpfe, wie Pferdeturniere, statt. Ein besonders erwähnenswertes Reiterspiel ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buzkashi">Buzkashi</a>, das alljährlich in den Dörfern und Städten Zentralasiens organisiert wird. Die Geschichte dieses Spiels kann auf die Regierungszeiten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tschingis_Khan">Tschingizhans </a>zurückgeführt werden.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/1.jpeg" alt="Schnell, rau und staubig geht es beim Buzkashi zu." /></p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/2.jpeg" alt="Buzkashi nouruz Wettkampf Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">2014 wurde Buzkashi in einem Dorf der Heimatregion des Präsidenten Tadschikistans <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Emomalii_Rahmon">Emomalii Rahmon</a> veranstaltet. Viele Buzkashispieler nehmen am Wettkampf teil, aber nur wenige davon sind herausragend.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/3.jpeg" alt="Ohne Helme und teils ohne Sattel Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p>Das Spiel ähnelt dem Polo, wird aber mit dem Rumpf eines Ziegenbocks gespielt.</p>
<p style="text-align: justify">Ziel ist es, den Ziegenbock zu fassen (oder zu „stehlen“), und ihn so lange, wie möglich, zu halten, um die Zuneigung der Zuschauer zu erobern.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/4.jpeg" alt="Allen wollen an den Ziegenkörper Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Buzkashi fängt um etwa 9 Uhr morgens und dauert den ganzen Tag. Eine Runde endet nach ca. 20 Minuten und dann wechseln Teilnehmer. Die Anzahl der Teilnehmer ist flexibel; jeder kann teilnehmen. Entweder bildet man eine Gruppe mit 10 oder mehr Personen, oder jeder spielt für sich.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/5.jpeg" alt="Die Spieler wechseln, das Publikum bleibt gespannt. Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/6.jpeg" alt="Spielfeld Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p>Viele Zuschauer fahren ins Dorf, um das alljährliche Spiel zu sehen.</p>
<p style="text-align: justify">Auch ein Feuerwehrwagen ist da, um die Erde vor der Tribüne nass zu machen, sonst werden alle Leute staubig, wenn die Pferde vorbeigaloppieren.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/7.jpeg" alt="Gegen den Staub im Einsatz: die Feuerwehr auf dem Buzkashi-Feld. Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Wo es einen Feuerwehrwagen gibt, kann man auch Polizei finden. Die Polizei passt entweder auf Publikum und Spiel auf, oder auf den Sohn des Präsidenten, der kommt, um das Buzkashi in seinem Heimatort zu sehen. Daher wurden alle Kameras kontrolliert.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/8.jpeg" alt="Mitfiebern während des Diensts: Polizisten am Buzkashi-Feld." /></p>
<p style="text-align: justify">Der Schlachtkörper des Tiers (&#8222;buz&#8220;, tadschikisch für „Ziege“) muss frühzeitig mit einem Durchschnittsgewicht von 35-40 Kilo vorbereitet sein. &#8222;Früher musste man den Schlachtkörper 72 Stunden im Wasser liegen lassen, damit er schwerer wird, und so konnte man dann den besten Superman in ganz Tadschikistan finden&#8220;, erzählt ein Bürger von Khatlon, &#8211; &#8222;aber jetzt köpft man den Ziegenbock erst kurz vor dem Spiel!&#8220;</p>
<p>Wie in dieser Metzgerei im Markt von Danghara.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 896px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/9.jpeg" alt="Letzte, aber wichtigste Vorbereitung auf das Spiel: Last Minute-Schlachtung. Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p>Zusätzliche Ziegenböcke und Pferde stehen immer bereit.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/10.jpeg" alt="Nachschub an Pferden und Ziegenböcken Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Buzkashi ist nicht nur eine Tradition in Tadschikistan, sondern hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Für die Zeit des Wettkampfs werden Kleinverkaufsstellen für Souvenirs &amp; Lebensmittel, sowie Cateringpunkte am Ort des Reitsportwettkampfs organisiert.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/11.jpeg" alt="Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Am Ende des Spiels bekommt der Gewinner den Ziegenbock, mit dem er gespielt hat. Das bringt ihm Ehre. Aber das ist nicht der einzige Preis, sondern die Gewinner können auch Ziegen, Kühe, Kamele (!), Geld, Fernsehgeräte, einen traditionellen Teppich oder wie zuletzt sogar ein Auto bekommen. Die Preise hängen von den Sponsoren und das Geld vom Totalisator ab.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/12.jpeg" alt="Nach Spielende zerstreut sich die Reiterschar. Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p><img decoding="async" style="height: 402px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/583/13.jpeg" alt="Wer die Ziege zum Schiedsrichter bringt, wird als Sieger verehrt und reich beschenkt. Buzkashi Tadschikistan" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Text von Alin Kor</strong><br />
<strong>Autorin für Novastan.com, Tadschikistan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Sophia Sotje</strong></p>
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