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	<title>Robin Roth, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
	<lastBuildDate>Sun, 10 May 2026 13:27:38 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Robin Roth, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<item>
		<title>Österreich und Usbekistan schließen Migrationsabkommen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 13:27:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Abschiebungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#xD6;sterreichs Au&#xDF;enministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner sind zu einem offiziellen Besuch nach Zentralasien gereist. In Usbekistan ist dabei ein Migrationsabkommen unterzeichnet worden, das das Anwerben von Fachkr&#xE4;ften, aber auch Abschiebungen &#xFC;ber das zentralasiatische Land erm&#xF6;glicht. &#xD6;sterreichs Au&#xDF;enministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner besuchten am 7. Mai Taschkent. Dort trafen sie Usbekistans Pr&#xE4;sidenten [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner sind zu einem offiziellen Besuch nach Zentralasien gereist. In Usbekistan ist dabei ein Migrationsabkommen unterzeichnet worden, das das Anwerben von Fachkräften, aber auch Abschiebungen über das zentralasiatische Land ermöglicht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Österreichs Außenministerin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Meinl-Reisinger">Beate Meinl-Reisinger</a> und Innenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Karner_(Politiker)">Gerhard Karner</a> besuchten am 7. Mai Taschkent. Dort trafen sie Usbekistans Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> und führten unter anderem Gespräche mit Außenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Baxtiyor_Saidov">Baxtiyor Saidov</a>. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Fragen der Migration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aus einer <a href="https://www.bmeia.gv.at/ministerium/presse/aktuelles/alle/musterjahr/05-1-1/oesterreich-und-usbekistan-vertiefen-partnerschaft-in-wirtschaft-und-migration">Pressemitteilung</a> des österreichischen Außenministeriums hervorgeht, wurde während des Besuchs eine Migrations- und Mobilitätspartnerschaft geschlossen. Das Abkommen soll legale Aufenthalte insbesondere von Fachkräften, Studierenden und Forschenden fördern. Gleichzeitig sehe es <em>„eine vertiefte Zusammenarbeit bei der Rückführung von Personen ohne Aufenthaltsrecht“</em> vor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abschiebung von Drittstaatsangehörigen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich scheint es aber bei diesen „Rückführungen“ weniger um usbekische Staatsangehörige zu gehen als um die Kooperation bei der Abschiebung von Drittstaatsangehörigen, die über Usbekistan nach Österreich gelangt sind. Wie <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000318849/kooperation-bei-abschiebungen-abkommen-mit-usbekistan-soll-am-7-mai-unterzeichnet-werden?ref=niewidget">Der Standard</a> berichtet, wurde beim Ministerrat insbesondere auf die Nachbarschaft Usbekistans zu Afghanistan verwiesen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<em>„Gerade bei Rückführungen von Drittstaatsangehörigen, die regionale Zusammenarbeit erfordern, braucht es verlässliche Partner und klare Verfahren. Mit Kooperationen wie dieser mit Usbekistan schaffen wir die notwendigen Rahmenbedingungen, um rechtsstaatliche Entscheidungen konsequent umzusetzen und eine geordnete Migrationspolitik auch in der Praxis umzusetzen“</em>, <a href="https://www.bmi.gv.at/newsda41.html?id=2f6c315358343658736d633d">erklärte</a> Meinl-Reisinger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innenminister Gerhard Karner ergänzte: <em>&#8222;Die konsequente Durchführung von Abschiebungen ist Teil einer harten und gerechten Asylpolitik. Durch das Mobilitätsabkommen mit Usbekistan setzen wir einen weiteren Schritt in diese Richtung. Wir verstärken aber auch die Kooperation durch den Austausch von Expertise im Bereich des Grenzschutzes und beim Erkennen von gefälschten Dokumenten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/auf-offiziellem-besuch-kirgistans-praesident-dschaparow-in-wien-und-berlin/"><strong>Auf offiziellem Besuch: Kirgistans Präsident Dschaparow in Wien und Berlin</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Migrations- und Mobilitätspartnerschaft wurden auch ein Abkommen zur Visabefreiung für Diplomatenpässe sowie ein Zusatzprotokoll zum bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Usbekistan abgeschlossen. Außerdem eröffnete Meinl-Reisinger ein österreichisch-usbekisches Wirtschaftsforum.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sicherheitskooperation mit Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftliche Themen standen auch am 5. und 6. Mai im Fokus, als die beiden österreichischen Minister:innen Kasachstan besuchten. Das zentralaisiatische Land ist vor allem im Energiebereich für Österreich von großer Bedeutung: <a href="https://www.bmeia.gv.at/ministerium/presse/aktuelles/alle/musterjahr/05-1-1/schluesselpartner-kasachstan-oesterreich-setzt-auf-energie-und-sicherheitspartnerschaft">Rund 60 Prozent</a> der österreichischen Rohölimporte stammen aus Kasachstan. Doch auch in anderen Sektoren steigt der Warenaustausch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Österreich ist ein zuverlässiger und langjähriger strategischer Partner Kasachstans. Es hat über 3 Milliarden US-Dollar in unsere Wirtschaft investiert, wobei auch der gegenseitige Handel ein Wachstum verzeichnet. […] Österreich ist zweifellos in vielerlei Hinsicht ein hochentwickeltes Land. Genau aus diesem Grund schätzen wir das erreichte Ausmaß unseres Engagements sehr und sind davon überzeugt, dass Kasachstan auch weiterhin eine wichtige Rolle für Sie in der Region spielen wird“</em>, <a href="https://akorda.kz/ru/glava-gosudarstva-prinyal-chlenov-pravitelstva-avstrii-644739">erklärte</a> Kasachstans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> während des Treffens mit seinen österreichischen Gästen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="750" height="530" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb.jpg" alt="" class="wp-image-44678" style="width:750px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb.jpg 750w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/kz1-4561-2_1_mediumThumb-300x212.jpg 300w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Meinl-Reisinger, Toqaev, Karner (v. l. n. r.), Photo: akorda.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Be dem Zusammentreffen zwischen Innenminister Karner und seinem kasachstanischen Amtskollegen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jerschan_S%C3%A4denow">Erjan Sädenov</a> standen die Bekämpfung von illegaler Migration und organisierter Kriminalität sowie das Vorgehen gegen Terrorismus und Extremismus im Fokus. Wie aus einer <a href="https://www.bmi.gv.at/news729a.html?id=5a315a594b48756c3843733d">Pressemitteilung</a> des österreichischen Innenministeriums hervorgeht, einigten sich beide Seiten auf einen engen Erfahrungsaustausch bei der Bekämpfung von organisierter Kriminalität, Extremismus und Terrorismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Migrationsabkommen – ähnlich jenem mit Usbekistan – hatten Österreich und Kasachstan bereits im Vorjahr geschlossen. Das Abkommen, das unter anderem <em>„die Durchbeförderung von Personen, die in ihr Heimatland gebracht werden sollen“</em>, ermöglicht, war wenige Tage zuvor, am 1. Mai, in Kraft getreten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Usbekistan als Abschiebe-Hub?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das nun unterzeichnete Migrationsabkommen zwischen Österreich und Usbekistan stand schon im Vorfeld der Unterzeichnung im Kreuzfeuer der Kritik. <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000318849/kooperation-bei-abschiebungen-abkommen-mit-usbekistan-soll-am-7-mai-unterzeichnet-werden?ref=niewidget">Presseberichten zufolge</a> geht der rechten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitliche_Partei_%C3%96sterreichs">FPÖ</a> der Migrationskurs der österreichischen Bundesregierung nicht weit genug, während die Grünen mehr <em>„Menschlichkeit und Ordnung“</em> einfordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Kommentar für die <a href="https://www.wienerzeitung.at/a/die-schattenseiten-von-migrationsabkommen">Wiener Zeitung</a> kritisiert der austro-afghanische Journalist Emran Feroz <em>„eine brutale Maßnahme gegen nachvollziehbare Fluchtursachen“</em>. Zwar solle das Migrationsabkommen Mobilität erleichtern und Visahürden für usbekische Arbeitskräfte und Studierende erleichtern, doch habe dies einen Preis: <em>„Im Gegenzug muss Usbekistan abgeschobene Geflüchtete aus Österreich aufnehmen. Dies betrifft nicht nur die eigenen Staatsbürger:innen, sondern vor allem Menschen aus dem Nachbarland Afghanistan und anderen Drittstaaten in der Region, die derzeit wieder zunehmend instabiler wird.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/trotz-verfassungsreform-pressezensur-in-usbekistan-dauert-an/"><strong>Trotz Verfassungsreform: Pressezensur in Usbekistan dauert an</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei weist Feroz auch auf die Menschenrechtslage in Usbekistan hin. Das Abkommen sieht er als Teil einer europäischen Asylstrategie, bei der mit autoritären Regimes im Bereich der Sicherheitsorgane eng zusammengearbeitet werde – bis hin zum Aufbau von sogenannten Rückkehrzentren („Return Hubs“) außerhalb der EU.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die meisten „Migrationsabkommen“ sind nämlich neokoloniale Deals, die die Realitäten vor Ort einfach ausblenden, Menschenrechte mit Füßen treten und zugunsten westlicher Regierungen und lokaler autoritärer Strukturen durchgesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Deals – abgesehen von Gewalt und massiven Subventionierungen für fragwürdige Akteure – wenig bewirken“</em>, so Feroz abschließend.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>(K)ein Präzedenzfall</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Österreich nicht das erste europäische Land, das mit Usbekistan ein Migrationsabkommen abgeschlossen hat.&nbsp; So war <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/">im September 2024</a> während des offiziellen Besuchs des damaligen deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz ein Migrationsabkommen abgeschlossen worden, welches ebenfalls die Zuwanderung usbekischer Fachkräfte, aber auch die Rückkehr abgelehnter Asylsuchender regelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht von diesem Abkommen betroffen waren allerdings Menschen aus Drittstaaten – insbesondere aus Afghanistan.&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/deutschland-verhandelt-ueber-die-abschiebung-afghanischer-asylsuchender-via-usbekistan/">Zuvor</a>&nbsp;war berichtet worden, dass auch die deutsche Bundesregierung mit Usbekistan darüber verhandelt habe, afghanische Asylsuchende über das zentralasiatische Land abzuschieben.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Black Red Yellow“ – eine verwobene Liebesgeschichte</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/black-red-yellow-eine-verwobene-liebesgeschichte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktan Arym Kubat]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In &#x201E;Black Red Yellow&#x201C; erz&#xE4;hlt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die ungl&#xFC;ckliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast &#x2013; Festival des Mittel- und Osteurop&#xE4;ischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei. Aktan Arym Kubat ist zur&#xFC;ck auf europ&#xE4;ischer B&#xFC;hne: Der Regisseur, der als feste Gr&#xF6;&#xDF;e des [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In „Black Red Yellow“ erzählt der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Teppichweberin Turdugul und dem Hirten Kadyr. Der Film feierte im Rahmen von goEast – Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films Europa-Premiere. Novastan war dabei.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktan_Abdykalykow">Aktan Arym Kubat</a> ist zurück auf europäischer Bühne: Der Regisseur, der als feste Größe des kirgisischen Autor:innen-Kinos gilt, feierte mit seinem neuen Film <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Red_Yellow">Black Red Yellow</a> (im Original „Kara Kyzyl Sary“) am 26. April im Rahmen des <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">26. goEast-Filmfestivals</a> in Wiesbaden Europa-Premiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film begleitet die talentierte Teppichweberin Turdugul, die einer Nomadin gleich durchs Land zieht, um im Haus ihrer Auftraggeber:innen Unikate entstehen zu lassen, die deren Seele widerspiegeln. Wie in den Filmen Aktan Arym Kubats üblich, ist auch „Black Red Yellow“ in drei Teile unterteilt, die in diesem Fall jeweils mit einer der titelgebenden Farben benannt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Schwarz</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der der Regisseur in Nahaufnahme das Entstehen eines Wollteppichs begleitet. Mit diesem Teppich im Gepäck bricht Turdugul, eine Dame gesetzten Alters, zu einer Reise ins Dorf Kök-Suu auf. Während der Reise mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marschrutka">Marschrutka</a> erinnert sich Turdugul an eine Geschichte, die 30 Jahre zurück liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan in den 90er-Jahren: Die junge Turdugul (gespielt von Nargiza Mamatkulova) trifft in Kök-Suu im Haus ihrer Auftraggeber:innen ein. Die Hausherrin Schirin leidet unter ihrer Kinderlosigkeit sowie unter den ökonomischen Gegebenheiten im Haus ihres Mannes Kadyr (gespielt vom Sohn des Regisseurs, Mirlan Abdykalikov). Kadyr, zu Sowjetzeiten Pferdewirt in einem Staatsbetrieb, hat nach dem Zerfall der UdSSR seinen Job verloren und mit dem Trinken angefangen. Sein Pferd liebt er mehr als seine Frau, die er auf Geheiß seiner Eltern heiraten musste.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44636" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still_Black-Red-Yellow-scaled-2-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schirin (rechts), gespielt von Aigul Busurmankulova</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schirin hingegen liebt ihren Mann sehr und Kadyrs Teilnahmslosigkeit rufen neben seiner mangelnden Bereitschaft und Fähigkeit, die ökonomische Situation des Paares zu verbessern, immer wieder Streit hervor. In einem Streit droht Schirin sich im tosenden Fluss vor dem Dorf zu ertränken, kann aber von den ihr nacheilenden Frauen aufgehalten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem im Gegensatz zu seiner Frau sehr friedfertigem Kadyr und Turdugul beginnen hingegen sich langsam Gefühle füreinander zu entwickeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Rot</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Teil des Films werden sich Kadyr und Turdugul ihrer gegenseitigen, aber verbotenen Liebe bewusst. Turdugul macht sich für Kadyr hübsch und er spannt über ihre Arbeitsstätte im Hof ein schattenspendendes Tuch, was die Eifersucht seiner Frau entfacht. Abermals droht Schrin sich zu ertränken. Zwar eilt ihr diesmal niemand mehr nach, doch findet Kadyr, der das Manöver durchschaut, sie später am Ufer des Flusses sitzen, setzt sich zu ihr und bittet sie wieder nach Hause zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kadyr abends Turdugul aufsucht, um ihr seine Gefühle zu gestehen, wird er von Großmutter Marsia, in deren Haus Turdugul Obdach gefunden hat, erwischt. Die Alte schickt ihn fort und weist Turdugul an, sich von Kadyr fernzuhalten. Doch dafür ist es zu spät. Als Kadyr in einer weiteren Nacht einen Saufkumpanen losschickt, um Großmutter Marsia abzulenken und die ganze Nacht nicht nach Hause zurückkehrt, lässt sich der Skandal nicht mehr vermeiden. Schirin zerstört den Webstuhl im Hof und schleift den angefangenen Teppich zum Haus von Großmutter Marsia, der sie Vorwürfe macht und von der sie verlangt, <em>„die Schlampe [Turdugul]“</em> aus dem Dorf zu jagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="554" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg" alt="" class="wp-image-44635" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1024x554.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-300x162.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-768x415.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-1536x830.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2026/05/Still-2025-05-19-123227_1.144.1-scaled-1-2048x1107.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Turdugul und Großmutter Marsia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kadyr merkt, was er angerichtet hat, und versucht Turdugul nachzueilen, schafft dies aber nicht. Später findet Schirin ihn am Fluss sitzend. Diesmal ist sie es, die ihn bittet nach Hause zu kommen. In diese Situation bricht die Nachricht vom Tod Großmutter Marsias, die die Schande, die sie über Kadyr und Schirin gebracht hat, nicht überlebt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gelb</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Jahre später: Turdugul ist wieder für einen Auftrag in der Nähe. Als Kadyr davon erfährt und sie ausfindig macht, sucht er sie auf. Turdugul flieht vor ihm in das Haus ihrer Auftraggeberin. Durch die geschlossene Tür bittet Kadyr sie, ihn zu heiraten. Turdugul, die nach wie vor Gefühle für Kadyr hat, lehnt dies ab – in dem Bewusstsein, dass ihre unmögliche Liebe seine Familie zerstören würde.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Abends sitzt sie mit ihrer Auftraggeberin zusammen – einer Alten, die als eine Wächterin der immer mehr verlassenen Dörfer an dieser grenznahen Region fungiert. Von den verlassenen Häusern verwahrt sie die Schlüssel, um sie so dem Zugriff von Fremden zu entziehen. Familienportraits, die sie aus den verlassenen Häusern gerettet hat, füllen die Wand ihres bescheidenen Hauses. Als sie von Turduguls Talent als einer Gabe Gottes spricht, offenbart ihr Turdugul, die seit ihrer Jugend umherzieht, um das Schicksal anderer in ihren kunstvollen Teppichen abzubilden, dass sie anstatt dieses Talents lieber das Glück im Leben gefunden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kadyr erkennt, dass er sich seinem Schicksal fügen muss. In der letzten Szene des dritten Teils sieht man, dass er sein geliebtes Pferd verkauft hat, um der mittlerweile schwangeren Schirin ihren Wunsch zu erfüllen und eine Kuh zu kaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Farbenspiel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film endet mit einem vierten, mit „Schwarz Rot Gelb“ betitelten Abschnitt, den Aktan Arym Kubat aber – wie er im Filmgespräch in Wiesbaden darlegte – nicht als vierten Teil, sondern als Epilog verstanden wissen will. In diesem Epilog kehrt der Film zurück in die Rahmenhandlung. Kadyr wird zu Grabe getragen und Turdugul lässt ihren Teppich Schirin übergeben. Als Letztere später den Teppich auffaltet, wird ersichtlich, dass dieser neben den für die Teppiche der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oblus_Batken">Region Batken</a> typischen Farben Schwarz und Rot einen nicht unwesentlichen Anteil Gelb enthält.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="КЫРГЫЗ КИНО &quot;КАРА КЫЗЫЛ САРЫ&quot;" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/8kV_ZIRCwd8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieses Farbenspiel und seinen Symbolgehalt angesprochen, erklärte Aktan Arym Kubat im Abschluss an die Premieren-Vorführung, dass die drei titelgebenden Farben jeweils für eine der Protagonist:innen stehe. Schwarz als <em>„Farbe des Mannes und der Erde“</em> stehe für Kadyr und Rot, als die Farbe der Emotionen und der Liebe, für Schirin. Gelb sei die individuelle Farbe von Turdugul, die sie in den traditionellen schwarz-roten Teppich einbringt und somit ihr eigenes Schicksal mit jenem von Kadyr und Schirin verwebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Symbolismus, der sich den westlichen Festival-Besucher:innen nicht unbedingt erschließt, verdeutlicht einmal mehr, dass der im In- wie Ausland gefeierte Regisseur seine Filme am heimischen Publikum ausrichtet. Wie Aktan Arym Kubat in Wiesbaden darlegte, wollte er mit dem Film unter anderem seinen Landleuten das eigene Land sowie dessen jüngere Geschichte mit den ökonomischen Verwerfungen nach der Unabhängigkeit und der infolgedessen eintretenden Landflucht vor Augen führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein poetisch-einfühlsamer Film</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch in seinen vergangenen Filmen, wie etwa <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-fluegel-der-menschen-poetischer-film-mit-sozialkritik/">Die Flügel des Menschen</a>, schafft es Aktan Arym Kubat, eine einfühlsam erzählte Geschichte von einfachen Menschen mit subtil eingeflochtener Sozialkritik zu verbinden. Dabei bleibt der Regisseur seiner eigenen Bildsprache treu, in der er wie zufällig aufgenommene Bilder, wie etwa eine Motte im Teppichgarn, oder auch Landschaftsdetails, wie den reißenden Bergfluss oder im Wind wehende Pappeln, einfängt, und gekonnt in die Handlung einflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/">„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Erwähnung verdienen die melancholische musikalische Untermalung (Balasagyn Musayev) sowie der Ton (Mars Tugelov), der das Rauschen des Windes oder die zaghaft von Vögeln durchbrochene Stimmung einfängt. Beide tragen so zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre des Filmes bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Black Red Yellow“, der noch im Juni letzten Jahres <a href="https://variety.com/2025/film/asia/shanghai-film-festival-2025-winners-1236437317/">beim Shanghai International Film Festival gewann</a>, ging bei der Preisverleihung des 26. goEast-Festivals leer aus (die <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/goeast-2026-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-clouds-move-with-great-speed-von-roman-ostrovskyi-beste-regie-fuer-ivana-mladenovic-regisseurin-vo/">Goldene Lilie</a> aus Hauptpreis ging in diesem Jahr an „Clouds move with great Speed“ des ukrainischen Regisseurs Roman Ostrovskyi). Dennoch ist Aktan Arym Kubat wieder ein absolut sehenswerter, einfühlsam-melancholischer Film gelungen, der es schafft, durchgängig langsam zu bleiben, ohne jemals zäh zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Black Red Yellow” wird am 2. Juli 2026 im Rahmen der <a href="https://www.uni-passau.de/perspektive-osteuropa/veranstaltungen/filmreihe-osteuropa/">Filmreihe Osteuropa</a> der Universität Passau gezeigt.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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		<title>Ab ins All: Sci-Fi-Komödien aus Zentralasien beim Filmfestival Cottbus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 16:54:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<category><![CDATA[FilmFestival Cottbus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kyrgyz on Mars]]></category>
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		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;Kyrgyz on Mars&#x201C; und &#x201E;Sasyq&#x201C; waren im Programm des 35. Filmfestivals Cottbus zwei zentralasiatische Science-Fiction-Kom&#xF6;dien vertreten, die es verstehen, Humor mit subtiler Gesellschaftskritik zu verbinden. Am 9. November ist das 35. Filmfestival Cottbus zu Ende gegangen. Auch wenn dieses Jahr kein Film aus Zentralasien im Wettbewerb vertreten war, fanden Filme aus der Region den [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ waren im Programm des 35. Filmfestivals Cottbus zwei zentralasiatische Science-Fiction-Komödien vertreten, die es verstehen, Humor mit subtiler Gesellschaftskritik zu verbinden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 9. November ist das <a href="https://www.filmfestivalcottbus.de/de/">35. Filmfestival Cottbus</a> zu Ende gegangen. Auch wenn dieses Jahr kein Film aus Zentralasien im Wettbewerb vertreten war, fanden Filme aus der Region den Weg ins Programm. Zwei davon weisen mehrere Parallelen auf: „Kyrgyz on Mars“ von Nurlanbek Kamchybekov und „Sasyq“ von Yerden Telemissov sind Regiedebüts. Und beide Filme verbinden – jeweils mit ihrem eigenen Humor – die Probleme des irdischen Daseins mit den Weiten des Alls.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgisen auf dem Mars</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schockstarre bei der NASA: Ein riesiger Meteoroid steuert auf die Erde zu und droht das Leben auf ihr zu zerstören. Das prognostizierte Einschlagsgebiet: Zentralasien. Genau hier lebt und arbeitet Jyldysbek, Hobbyastronom und Lehrer an der örtlichen Schule eines kirgisischen Provinznests. Auch Jyldyzbek hat die Bedrohung für den Planeten erkannt und so steht er unter enormen Druck: Der Start seiner Rakete muss klappen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jene Rakete, die er in der Scheune seines Vaters gebaut hat, macht Jyldyzbek gleichermaßen zum Gespött und Ärgernis der anderen Dorfbewohner:innen. Durch seine immer wieder scheiternden Startversuche provoziert er regelmäßig Stromausfälle und sabotiert so die ständigen Hochzeitsfeiern. Am liebsten würde man ihn ins Irrenhaus stecken, vorerst verliert er seinen Job.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Lediglich sein Vater, seine zwei Kumpels, die mit ihm an der Rakete bauen, und die schöne Aidai glauben an ihn. Letztere würde er am liebsten heiraten, selbst seine Rakete hat er nach der unerreichbaren Geliebten benannt. Doch Aidais Vater, der Bürgermeister des Orts, denkt nicht im Geringsten daran, einer Hochzeit mit Jyldyzbek zuzustimmen. Vielmehr versucht er immer wieder, seine Tochter an die Söhne höhergestellter Persönlichkeiten, wie etwa dem Bezirksstaatsanwalt, zu verheiraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als eine besonders wichtige Hochzeit ansteht, wird Jyldyzbek sogar der Strom gekappt. Doch angesichts der Bedrohung durch den Meteoriten kann er nicht länger warten. Mit unlauteren Methoden wird die Energieversorgung wiederhergestellt und gemeinsam mit seinem Freund, der gerade einem Ehestreit entflieht, wird ein letzter Startversuch unternommen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Sowohl die Dorfbewohner:innen als auch die NASA staunen nicht schlecht, als die Rakete abhebt und Richtung Mars fliegt. Während sie auf der Erde Heldenstatus erlangen und der Bürgermeister stolz in den Medien betont, dass Jyldyzbek sein „zukünftiger Schwiegersohn“ sei, landen die beiden Kosmonauten auf dem roten Planeten, auf dem es sogar Luft zum Atmen und eine ausgezeichnete Internetverbindung gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Freundschaft wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als Jyldyzbek von dem Meteoriten erzählt, dem er sich mit seinem Weltraumflug entgegenstellen will. Handfester Streit zwischen den beiden lässt die Rettungsmission beinahe scheitern, doch letzten Endes rappeln sich die beiden zusammen und entscheiden sich zu einem letzten Rettungsversuch durch eine Kamikaze-Aktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>E.T. auf Kasachisch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Sasyq“ ist es hingegen ein Außerirdischer, der auf die Erde kommt. Nach dem Absturz seines Raumschiffs landet er quasi in den Armen von Sasyq („Stinker“). Sasyq, der eigentlich Sadyk Ospanovich heißt, aber von allen nur mit diesem despektierlichen Beinamen angeredet wird, war einst Professor an der Universität. Nachdem seine Frau an Covid gestorben war, begann er das Trinken. Ein paar Jahre später hat er diverse Selbstmordversuche hinter sich und lebt obdachlos entlang einer Schnellstraße im Umland von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand glaubt dem Trinker Sasyq, dass sich ein Außerirdischer in den Tiefen des Plumpsklos versteckt, das sich auf einem Parkplatz an jener Schellstraße befindet: Weder Nadia, die hier mit ihrer Enkelin Amina lebt und einen kleinen Straßenkiosk betreibt, noch der örtliche Polizist, ein ausgemachter Trottel, der im Übrigen glaubt, dass die Erde eine Scheibe sei. Auch das havarierte Raumschiff hat sich selbst aufgelöst. Und so nimmt sich Sasyq allein des Außerirdischen an und versucht jenes Metall zu finden, mit dem sich dessen zerstörtes Radio reparieren lässt, um Hilfe zu holen.</p>



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<iframe loading="lazy" title="SASYQ | Trailer | English Subs | 2025" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/THEPTyyebcQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch ein anderes Problem rollt heran: die Wagenkolonne des Präsidenten. Zwar dauert es noch ein paar Tage, bis der Präsident tatsächlich über die Schnellstraße donnern wird, aber das Ereignis wirft seine Schatten voraus. Keinesfalls soll das Staatsoberhaupt Nadias schäbigen Kiosk oder gar den umherstreunenden Trinker zu Gesicht bekommen. Und so droht der Bürgermeister, der wegen Korruption hierher strafversetzt wurde, Nadias Kiosk zu zerstören, sollte sie ihn nicht umgehend renovieren. Sasyq soll einfach verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben diesem gemeinsamen Feind ist es vor allem ein Unfall, der zur Annäherung von Nadia und Sadyk Ospanovich (wie sie ihn nun auch nennt) führt: Enkelin Amina stürzt in das Plumpsklo und wird von dem Außerirdischen gerettet. Da Nadia glaubt, dass Sadyk Ospanovich der Retter war, lässt sie ihn duschen und überlässt ihm saubere Kleidung ihres Ex-Manns. Darüber hinaus lädt sie ihn zum Abendessen ein. Am Ende des Abends zeigen Amina und Sadyk Ospanovich ihr ihren „neuen Freund“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam werden die drei für sich selbst und auch für den Außerirdischen zu einer Familie, die jener niemals hatte. Trotz aller Gegensätze werden der sanftmütige Sadyk Ospanovich und die resolute Nadia zu einem effizienten Team – sowohl bei der Renovierung des Kiosks als auch bei der Rettung des Außerirdischen. Hierbei zeigt sich noch einmal deutlich, dass „Nadia“ (Kurzform von Nadeschda, russisch für „Hoffnung“) hier ein sprechender Name ist. Sie ist es, die Sadyk Ospanovich zurück ins Leben holt und auch der Rettung des Außerirdischen neuen Auftrieb gibt. Dass ihr Kiosk „Ümit“ (kasachisch für „Hoffnung“) heißt, rundet dies noch ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Sasyq“ schafft Yerden Telemissov, der in Kasachstan eigentlich als Schauspieler bekannt ist, eine kasachstanische Version von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/E.T._–_Der_Außerirdische">E.T.</a>, auch wenn sein kegelköpfiger und gelbäugiger Außerirdischer weniger niedlich als der Held aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steven_Spielberg">Steven Spielbergs</a> Klassiker ist. Dabei ist eine Mischung aus Science-Fiction und Familien-(Tragi)komödie entstanden, wobei es diese Genre-Losigkeit ist, die neben einigen nicht zu leugnenden logischen Fehlern vom Kritiker Dmitri Mostovoi auf <a href="https://kz.kursiv.media/2025-05-17/lfst-dmmt-sasyq/">Kursiv</a> bemängelt wird. Trotzdem ist „Sasyq“ ein vielschichtiger und sehenswerter Film – eine <em>„Art Röntgenbild des Lebens in Kasachstan“</em> (Mostovoi).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mehr als nur Unterhaltung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ sind zwei teilweise absurde Komödien entstanden, die weit mehr sind als nur Unterhaltung. Denn beide Filme vermögen es, trotz ihres im wahrsten Sinne des Wortes weltfremden Plots, sehr irdische Probleme teils subtil zu beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichten finden vor dem Hintergrund bescheidener Lebensverhältnisse statt: seien es die Stromengpässe in „Kyrgyz on Mars“ oder das harte Leben von Nadia und Sadyk Ospanovich sowie die leidlichen Plumpsklos, die jede:r Kasachstaner:in von Überlandfahrten kennt, in „Sasyq“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sustxotin-eine-geschichte-von-macht-und-machlosigkeit/"><strong>„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hält „Kyrgyz on Mars“ mit seinem Erzählstrang um die Verheiratung von Aidai der kirgisischen Gesellschaft mit ihren patriarchalen Strukturen den Spiegel vor. Eher beiläufig erscheint dazu im Vergleich, dass auch Nadia in „Sasyq“ jahrelang der häuslichen Gewalt ihres Ex-Mannes ausgesetzt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vertreter der lokalen Politik kommen darüber hinaus in beiden Filmen schlecht weg. Aidais Vater zeigt sich nicht nur bei der Verheiratung seiner Tochter als Wendehals. In seiner Rolle als Bürgermeister fährt er mit einer Entourage aus Gewalttätern, die jedem drohen, der sich in den Weg stellt, in einem Mittelklassewagen durch das Dorf und erscheint dabei als ein recht schlicht gebliebener Wichtigtuer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="429" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1024x429.jpg" alt="" class="wp-image-43430" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1024x429.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-300x126.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-768x322.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC-1536x644.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/11/SASYQ-c-FFC.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Duliga Aqmolda als Bürgermeister in &#8222;Sasyq&#8220; (Bild bereitsgestellt vom Filmfestival Cottbus)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Figur des Bürgermeisters in „Sasyq“ setzt dem einen drauf und porträtiert einen korrupten und frauenverachtenden Machtmenschen im feinen Anzug. Seine Exzentrik sowie die bis ins Lächerliche gehende Ausstattung seines steril gehaltenen Büros runden das Bild des geborenen Antagonisten ab – <em>„die absolute Konzentration all dessen, was der Durchschnittsbürger an korrupten, überfütterten und realitätsfernen Machthabern hasst“</em> (Mostovoi).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings macht „Sasyq“ in seiner Kritik an Staatsvertretern nicht beim Bürgermeister halt. Der Polizist ist ein absoluter Volltrottel, der sich komplett in der Hand des Bürgermeisters befindet. Darüber hinaus ist er nur bei der Polizei, weil seine Mama ihm gesagt habe, dass ihm eine Uniform besser stehen würde. Seinen Polizeistern, den er voller Stolz trägt, verliert er ständig. Und dass eine durchrauschende Wagenkolonne des Präsidenten scheinbar jeden Eingriff in das Leben der einfachen Bürger:innen rechtfertig, setzt dem noch einen drauf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mit Witz und Charme</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee, sich der Science-Fiction zu bedienen, um Kritik an der realen Welt darin zu verpacken, ist dabei im (post)sowjetischen Kino nicht neu. Erinnert sei hier an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georgi_Nikolajewitsch_Danelija">Georgi Danelijas</a> Weltraum-Satire <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kin-dsa-dsa!">Kin-Dsa-Dsa!</a> aus dem Jahr 1986, die zu einem wahren Kultfilm avancierte. In Zentralasien sticht insbesondere <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/abdullajon-eine-gesellschaftskritische-science-fiction-komoedie-aus-usbekistan/">Abdullajon</a> aus dem Jahr 1991 hervor, in dem der gleichnamige Außerirdische ein usbekisches Dorf aufmischt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch „Kyrgyz on Mars“ und „Sasyq“ leben von der Verquickung von Science-Fiction und Humor, wobei dieser aber trotz aller Gemeinsamkeiten unterschiedlich funktioniert. Abgesehen von einem derben Fäkal-Humor in einigen Szenen um das Plumpsklo, den unter anderem Jankeldy Omiraliev in einer Rezension für <a href="https://orda.kz/film-sasyq-inoplanetjanin-i-vonjuchka-401607/">Orda</a> kritisiert, ist der Humor in „Sasyq“ meist subtil und erfolgt über das hervorragende Spiel aller beteiligten Darstellenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dos-muqasan-die-geschichte-der-kasachischen-beatles-als-film/"><strong>„Dos-Muqasan“ – die Geschichte der „kasachischen Beatles“ als Film</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Humor in „Kyrgyz on Mars“ liegt wiederum mehr in den Dialogen begründet, kommt aber phasenweise auch etwas platt daher. Ein Teil der Witze richtet sich direkt an das lokale Publikum, etwa wenn die beiden Kosmonauten sich nach der Landung auf dem Mars an den in Kirgistan bekannten Märchen-Canyon am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yssyk-Köl">Yssykköl</a> erinnert fühlen (dem tatsächlichen Drehort).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles in allem sind aber zwei absolut sehenswerte Science-Fiction-Komödien entstanden, die einen guten Einblick gewähren, was die zentralasiatischen Gesellschaften heute bewegt. Sich dabei irrationaler Geschichten in Kombination mit einer gehörigen Portion Humor zu bedienen, tut auch vor einem internationalen Publikum dem Verständnis keinen Abbruch. Die Festival-Besucher:innen in Cottbus haben sich jedenfalls bestens amüsiert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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		<title>Mit dem „Architectural Guide Almaty“ die Stadt entdecken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Jul 2025 19:16:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Architekturführer]]></category>
		<category><![CDATA[Edda Schlager]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem im Mai bei &#x201E;DOM publishers&#x201C; erschienenen &#x201E;Architectural Guide Almaty&#x201C; f&#xFC;hrt die Journalistin Edda Schlager durch die Architekturgeschichte von Kasachstans Wirtschaftsmetropole. Eine Rezension. Almaty, Kasachstans s&#xFC;dliche Metropole und ehemalige Hauptstadt, ist in erster Linie f&#xFC;r seine Lage am &#xDC;bergang der Steppe ins Hochgebirge und damit einhergehend als Tor ins Tian-Shan bekannt. Dabei hat die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit dem im Mai bei „DOM publishers“ erschienenen „Architectural Guide Almaty“ führt die Journalistin Edda Schlager durch die Architekturgeschichte von Kasachstans Wirtschaftsmetropole. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty">Almaty</a>, Kasachstans südliche Metropole und ehemalige Hauptstadt, ist in erster Linie für seine Lage am Übergang der Steppe ins Hochgebirge und damit einhergehend als Tor ins <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tian-Shan</a> bekannt. Dabei hat die offiziell rund zwei Millionen Einwohner:innen zählende Stadt, die vielleicht nicht unbedingt zu den schönsten, wohl aber zu den interessantesten Zentralasiens gehört, ein vielseitiges architektonisches Erbe, das es näher kennenzulernen gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Aufgabe hat sich der auf Architekturbücher spezialisierte Berliner Verlag „DOM publishers“ angenommen, indem er den Ende Mai erschienenen „Architectural Guide Almaty“ vorlegt. In dem Bewusstsein, dass ein Buch über Almaty mehr eine Nische bedient, als dass die Stadt an einer der touristischen Hauptrouten läge, erschien dass Werk in englischer Sprache, um so seine Reichweite zu erhöhen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Autorin Edda Schlager, Verfasserin des ebenfalls bei „DOM publishers“ erschienenen „Architekturführer Duschanbe“, ist sicherlich zu den versiertesten westlichen Kenner:innen Almatys zu zählen. Die freie Journalistin lebte zwei Dekaden in der Stadt und berichtete von hier aus für verschiedene deutsche Medien. Dabei erlebte sie die – nicht nur städtebaulichen – Umbrüche, die das heutige Bild der Stadt mitprägen „on the ground“. Erfahrungen, die dem Buch an vielen Stellen zugutekommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fundierte Einführung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast die Hälfte des 360 Seiten starken Buches entfallen auf die Einleitung, wobei es sich hierbei eigentlich um eine Sammlung einführender Texte handelt, die die Lesenden mit architekturellen, städtebaulichen und stadthistorischen Besonderheiten Almatys vertraut machen. Lediglich der erste dieser Texte, in dem Schlager in erfrischend persönlicher Weise darlegt, wie sie selbst zur „Almatinka“ – also Einwohnerin Almatys – wurde, stellt demnach eine Einleitung im eigentlichen Sinn dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im darauffolgenden Kapitel führt die Autorin kompakt durch die Geschichte der 1855 als russisches Militärfort gegründeten und 1867 unter dem Namen Wernyj ausgebauten Stadt. Verheerende Erdbeben 1887 und 1911 sind dafür verantwortlich, dass aus jenen frühen Jahren der Stadt wenig Bausubstanz erhalten blieb. Der Aufstieg der mittlerweile zu Alma-Ata umbenannten Stadt zur Hauptstadt der Kasachischen SSR 1936 prägte ebenso das architektonische Erbe der Stadt, um nur einen weiteren Meilenstein der Stadtgeschichte zu nennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-almaty-und-nicht-alma-ata/"><strong>Warum Almaty und nicht Alma-Ata?</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da dieses Wissen um die Stadtgeschichte für ein Verständnis der städtebaulichen Prozesse unerlässlich ist, sollte dieses Kapitel unbedingt gelesen werden. Historische Fotografien und Stadtpläne, die den Text untermalen, tragen nicht unwesentlich zu diesem Verständnis bei. Bei den weiteren Texten, die teils von Schlager selbst, teils von Gastautorinnen verfasst wurden, sei es den individuellen Interessen der Lesenden überlassen, welche man lesen und welche überblättern möchte. Ein persönlicher Lesetipp sind dabei die Kapitel zur Fassadenkunst und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Almaty">Metro</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>115 Objekte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hauptteil, der gut die zweite Hälfte des Buches ausmacht, stellt die Autorin 115 Objekte in einzelnen, in der Länge variierenden Texten vor. Jeder dieser Texte wird von Angaben zu Adressen, Architekt:innen und Baujahr eingeleitet und mindestens mit einem Bild illustriert. Zwar würde man sich zu manchem Objekt großformatigere und vor allem mehr Fotos wünschen. Da es sich aber nicht um einen Bildband, sondern um einen kompakten und gut transportablen Reiseführer handelt, ist es leicht, darüber hinwegzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/unwichtige-architektur-warum-almaty-seine-sowjetischen-haltestellen-erhalten-muss/"><strong>“Unwichtige Architektur”: Warum Almaty seine sowjetischen Haltestellen erhalten muss</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sortierung der Bauwerke erfolgt dabei in fünf Abschnitten, von denen sich jeder einer Epoche oder Strömung widmet. Wer eine Einteilung nach geographischen Aspekten bevorzugen würde, kommt dennoch auf seine Kosten. Karten am Ende des Buches, in denen alle Objekte verzeichnet sind, machen es möglich, die Stadt quartiersweise zu erkunden. Darüber hinaus ist jeder einzelne Text mit einem QR-Code versehen, der auf die jeweiligen Koordinaten des Objekts in Google Maps führt und somit die Orientierung während einer Stadterkundung erleichtert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bauwerke aus fünf Epochen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Abschnitt behandelt Bauwerke aus der Zarenzeit. Neben der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Christi-Himmelfahrt-Kathedrale_(Almaty)">Christi-Himmelfahrt-Kathedrale</a> sind es vor allem vereinzelte Kaufmannshäuser, die das letzte große Erdbeben von 1911 überstanden haben. Der zweite, ebenfalls aufgrund der geringen Anzahl erhaltener Gebäude recht schmale Abschnitt widmet sich dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Architektur)">Konstruktivismus</a>. Neben den für diese Strömung typischen Gebäuden wie etwa der Hauptpost hebt die Autorin erfreulicherweise auch jene hervor, die renoviert statt restauriert wurden und somit von ihrem konstruktivistischen Äußeren wenig bewahrt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ein weiteres Kapitel zur „stalinistischen Architektur“ mit ihren teils neo-klassizistischen Prachtbauten folgt der umfangreichste Abschnitt zum „Sowjetischen Modernismus“ – einer Strömung, die das Stadtbild Almatys wie keine andere prägt.&nbsp; Dieses Kapitel umfasst einige der ikonischsten Bauwerke der Stadt, wie etwas das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel_Kasachstan">Hotel Kasachstan</a> oder die Eisschnelllaufbahn von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Medeo">Medeu</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-almaty-der-nullerjahre-in-bildern/"><strong>Das Almaty der Nullerjahre in Bildern</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Abschnitt wendet sich Schlager dann dem „Kasachischen Modernismus“ zu, also jenen Bauwerken, die seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 entstanden sind. Hier profitiert das Buch erheblich von der profilierten Kenntnis der Autorin, die weite Teile der geschilderten städtebaulichen Transformation vor Ort miterlebt hat. Als erfahrene Journalistin legt sie dabei auch ein Augenmerk auf jene Objekte, die nicht frei von Kontroversen sind – wie etwa den das Bergparnorama verstellenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nurly_Tau">Nurly-Tau-Komplex</a> oder das inmitten eines Nationalparks auf dem 3200 Meter hohen Talgar-Pass gelegene „Tenur Eco Hotel“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Transformationsprozesse noch nicht abgeschlossen sind, verdeutlicht sich daran, dass auch das neue Flughafenterminal oder das „Almaty Museum of Arts“ – beide erst im vergangenen Jahr fertiggestellt – in das Buch aufgenommen wurden. Von einigen der Architekturbüros zur Verfügung gestellte Querschnitte und Projektionen gewähren darüber hinaus tiefere Einblicke in modernes urbanes Bauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Längst überfällig</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem „Architectural Guide Almaty“ führt Edda Schlager kenntnisreich und kurzweilig durch 170-Jährige Architekturgeschichte von Kasachstans südlicher Metropole. Dabei stellt sie eine bemerkenswert breite Palette an Bauwerken vor, die von Sakralbauten über öffentliche Gebäude, Sport- und Kulturstätten, bis hin zu Wohnkomplexen, Bahnhöfen, dem Flughafen und dem Fernsehturm reicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ist ein Buch entstanden, das im handlichen Format ein detailliertes Bild des heutigen Almaty mit all seinen architekturellen Facetten zeichnet und das – der Nische zum Trotz – längst überfällig war. Ein Buch, das vor allem Lust macht, Almaty (neu) zu entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Edda Schlager: Architectural Guide Almaty, 360 Seiten, DOM publishers, ISBN 978-3-86922-727-6 , Berlin 2025</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Sustxotin“ – eine Geschichte von Macht und Machlosigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 May 2025 21:16:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sustxotin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;(The Song) Sustxotin&#x201C; ist der usbekischen Regisseurin Husnora Rozmatova ein vielschichtiger Film gelungen, der mit einf&#xFC;hlsamem Blick Problemlagen der usbekischen Gesellschaft beleuchtet. Der Film feierte am 25. April im Rahmen des 25. goEast-Festivals Europa-Premiere. Es ist ein bemerkenswertes Deb&#xFC;t einer neuen Stimme aus Usbekistan: Am 25. April feierte Husnora Rozmatovas Drama &#x201E;Sustxotin&#x201C; (im internationalen [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „(The Song) Sustxotin“ ist der usbekischen Regisseurin Husnora Rozmatova ein vielschichtiger Film gelungen, der mit einfühlsamem Blick Problemlagen der usbekischen Gesellschaft beleuchtet. Der Film feierte am 25. April im Rahmen des 25. goEast-Festivals Europa-Premiere.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein bemerkenswertes Debüt einer neuen Stimme aus Usbekistan: Am 25. April feierte Husnora Rozmatovas Drama „Sustxotin“ (im internationalen Vertrieb als „The Song Sustxotin“) im Rahmen der <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/">25. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films</a> Europa-Premiere. Der Film führt uns in ein abgelegenes Dorf in der im Süden Usbekistans gelegenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Viloyat_Surxondaryo">Provinz Surxondaryo</a>, wo eine erbarmungslose Dürre herrscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dies ist nicht das einzige Problem in einem verwobenen Netz aus Lügen und Korruption, auf das die Regisseurin ein Schlaglicht richtet. Dies tut sie in derart überzeugender Weise, dass „Sustxotin“ während des goEast-Festivals gleich zweimal ausgezeichnet wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Roadtrip zu sich selbst</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Titel „Sustxotin“ bezieht sich Rozmatova auf das gleichnamige, alte usbekische Lied. Darin opfert ein Dorf eine junge Frau, um Regen herbeizubitten. Und so zieht auch zu Beginn des Films eine Gruppe von Dorfbewohner:innen das Lied singend durch das dürregeplagte Land, um gemäß der Tradition die Puppe eben jener jungen Frau zu „opfern“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In diese Welt bricht Ahbor herein, der am Vortag von seinem Abgeordnetenmandat im fernen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a> zurückgetreten ist, und nun hierherkommt, um einem Hilferuf seines alten Freundes Usmon zu folgen. Usmon ist eigentlich ein bekannter Journalist, doch hier, in seinem Heimattal, scheint niemand ihn zu kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer tiefer schraubt sich Ahbor auf der Suche nach Usmon voran und macht dabei seltsame Begegnungen mit einem Mann, der einen Hahn opfern möchte, einem scheinbar verrückt gewordenen Afghanistan-Veteranen, der einen Blockposten vor dem von hieran beginnenden „Kriegsgebiet“ errichtet hat, und mit einem Mann und seiner Mutter, für die er eine Sauerstoffflasche trägt. Wie in einem Roadtrip sehen wir durch die Frontscheibe und Rückspiegel von Ahbors Wagen, wie er sich in diese ihm völlig unbekannte Welt vorwagt: seinen Wahlkreis.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Opfer und Selbstopferung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über Umwege kann Ahbor seinen Freund in einer Zelle der örtlichen Polizeistation ausfindig machen und – da sein Rücktritt als Abgeordneter sich noch nicht bis hierhin herumgesprochen hat – seine Freilassung erwirken. Usmon, als Journalist ausgebootet und nun als Lehrer an der Dorfschule tätig, hatte einen Artikel über die Vergewaltigung der 16-jährigen Hojar geschrieben. Doch der Täter ist einflussreich. Er drängt das Mädchen, die Aussage zu widerrufen, und Usmon wird wegen Verleumdung festgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ahbor versucht, die Ehre seines Freundes und des Mädchens wieder herzustellen, stößt dabei aber immer wieder an die Grenzen eines Systems, das er über Jahre selbst mitgestaltet hat. Als die Nachricht von seinem Rücktritt das Dorf erreicht und Ahbor somit wieder zu einem Niemand wird, wird Usmon erneut verhaftet. Ahbor droht endgültig zu scheitern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/"><strong>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist die Großmutter des Vergewaltigungsopfers, die die Wende bringt. Ahbor hatte sie bereits bei seiner Anreise kennengelernt, als er sie und ihren Sohn, Hojars Vater, ein Stück in seinem Wagen mitgenommen hatte. Die Sauerstoffflasche, die sie zum Überleben braucht, war Teil des Schweigegeldes, das die Familie erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die alte Frau plagen Gewissensbisse gegenüber der Enkelin und Usmon. Ahbor kann sie überzeugen, im Prozess gegen Usmon die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wohl wissend, dass sie der damit einhergehende Verlust des Sauerstoffs ihr das Leben kosten wird, opfert sie sich selbst. Ein symbolträchtiges Opfer – während sie zu Grabe getragen wird, setzt der lang erwartete Regen ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vielschichtige Kritik</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Sustxotin“ gelingt es Husnora Rozmatova, einen einfühlsamen Blick auf die usbekische Landbevölkerung zu werfen und dabei verschiedene Probleme in einer vielschichtigen Kritik zu verweben. Vor dem Hintergrund von menschenverursachter Dürre und damit einhergehender Armut, stellt sie insbesondere den schwer zu durchbrechenden Kreislauf von Gewalt gegen Frauen in den Fokus. Hojar wird dabei doppelt zum Opfer – erst durch die Vergewaltigung und erneut, als sie vom eigenen Vater weggesperrt und ihre Ehre verkauft wird, um die „Ehre des Dorfes“ zu retten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswerterweise gelingt es Rozmatova dabei, diese feministische Geschichte aus der Perspektive des Mannes Ahbor zu erzählen. Eine Notwendigkeit, um die Realitäten der usbekischen Gesellschaft widerzuspiegeln, wie die Regisseurin im Anschluss an die Filmvorführung erklärte. Diese Perspektive wird durch die Mitfahrten in Ahbors Wagen und längere Gesprächsszenen, in denen die Kamera seinen Gesprächspartnern direkt in Gesicht blickt, direkt eingenommen und schafft so eindringliche Bilder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/"><strong>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Figur Ahbor zeigt sich auch eine Kritik an der politischen Kaste des Landes. Der Abgeordnete, <em>„den wir alle gemeinsam gewählt haben“</em>, wird bestenfalls von Funktionären erkannt. Die Sorgen und Nöte der Menschen in seinem Wahlkreis sind ihm unbekannt und mit seinem sturen Glauben an das Gesetz verkennt er die Realität des Systems, das er selbst mit gestützt hat. Sein überstürzter Rücktritt, mit dem er Weggefährten wie Familie gleichermaßen überrascht hat, lässt zwar Zweifel an diesem System erkennen, doch durchschaut Abhor die eigentlichen Abgründe erst auf diesem Roadtrip zu sich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Freund, der Journalist Usmon Bozorov, hält ihm dabei besonders schonungslos den Spiegel vor und spielt damit auch im Kleinen die Rolle der vierten Gewalt. Wie Husnora Rozmatova nach der Filmvorführung in Wiesbaden erklärte, wollte sie mit der Figur des Usmon die usbekischen Journalist:innen unterstützen. Die Namensgleichheit mit dem bekannten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-regimekritischer-blogger-zu-drei-jahren-hausarrest-verurteilt/">Blogger Miraziz Bozorov</a>, der ähnlich wie der Journalist im Film eine Verleumdungsklage ausgesetzt war, sei aber Zufall, erklärte die Regisseurin auf Nachfrage von Novastan.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein ausgezeichnetes Debüt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit großartigen Landschaftsaufnahmen, einer Geschichte von Gewalt und Korruption sowie der Machtlosigkeit demgegenüber und nicht zuletzt mit einem Protagonisten, der sich dem System entgegenstellt, das er selbst mitgetragen hat, weist „Sustxotin“ einige Parallelen zu Ädilhan Erjanovs Meisterwerk <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/">A Dark, Dark Man</a> auf. Und ähnlich wie auch Erjanovs Filme, durfte „Sustxotin“ im eigenen Land nicht gezeigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Husnora Rozmatova gelingt es aber dabei, die Stellung der Frau in Usbekistan in den Fokus zu rücken und gleichzeitig mit anderen gesellschaftlichen Problemen zu verweben. Herausgekommen ist dabei ein angesichts der politischen Gegebenheiten Usbekistans unglaublich mutiger Film, der unbedingt Lust auf mehr macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/"><strong>„Goliath“ – eine Parabel der Macht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass dieser Mut sich auszahlt, zeigt sich daran, dass „Sustxotin“ im Rahmen des goEast-Festivals doppelt ausgezeichnet wurde. Auch wenn der Hauptpreis der „Goldenen Lilie“ in diesem Jahr an den georgischen Film „Holy Electricity“ ging, sprach die Jury Rozmatovas Film eine lobende Erwähnung aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In ihrem Film erscheint die Gewalt gegen Frauen als ein schwer zu durchbrechender Kreislauf. Er setzt sich mit tief verwurzelten Traditionen auseinander und zeigt, dass durch Filme gesellschaftliche Veränderungen möglich sind. Wir freuen uns, die Regisseurin von THE SONG SUSTXOTIN, Khusnora Rozmatova, auszuzeichnen“</em>, <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/25-goeast-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-23-bis-29-april-2025-goeast-2025-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-holy-ele/">begründete</a> die Jury.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-42193" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1024x681.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-768x511.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-1536x1022.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2025/05/Preisverleihung_22-scaled-1-2048x1362.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Husnora Rozmatova (rechts) während der Presvergabe des 25. goEast-Filmfestivals in Wiesbaden</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wählte der goEast-Medienparter und Fernsehsender 3sat den Film für den Ankauf aus. <em>„Khusnora Rozmatova schildert die schwierigen Lebensverhältnisse in ihrem von Dürre bedrohten Land, wobei sie sich besonders der gesellschaftlichen Stellung der Frau widmet. In ihrem Verlauf weitet sich die ländliche Geschichte zu einer unbestechlichen Beobachtung von Machtverhältnissen, Korruption und unausweichlichen moralischen Konflikten, die in ihrer Universalität überraschen“</em>, <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/25-goeast-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-23-bis-29-april-2025-goeast-2025-gewinnerinnen-beim-festival-des-mittel-und-osteuropaeischen-films-hauptpreis-fuer-holy-ele/">heißt es</a> in der Begründung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer also „Sustxotin“ dieses Jahr in Wiesbaden verpasst hat, wird spätestens im April 2026 die Gelegenheit haben, diesen sehenswerten Film vor dem heimischen Endgerät zu schauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<item>
		<title>Auf offiziellem Besuch: Kirgistans Präsident Dschaparow in Wien und Berlin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Dec 2024 18:48:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Sadyr Dschaparow]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Tag Wien, zwei Tage Berlin: Bevor es weiter zum Gipfeltreffen der Organisation des Vertrages &#xFC;ber kollektive Sicherheit (OVKS) ging, ist Kirgistans Staatsoberhaupt zu einer offiziellen Reise nach &#xD6;sterreich und Deutschland aufgebrochen. Kirgistans Pr&#xE4;sident Sadyr Dschaparow hat &#xD6;sterreich und Deutschland einen offiziellen Besuch abgestattet. Sowohl in Wien wie auch in Berlin standen Themen der politischen [&#x2026;]</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/auf-offiziellem-besuch-kirgistans-praesident-dschaparow-in-wien-und-berlin/">Auf offiziellem Besuch: Kirgistans Präsident Dschaparow in Wien und Berlin</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Tag Wien, zwei Tage Berlin: Bevor es weiter zum Gipfeltreffen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS) ging, ist Kirgistans Staatsoberhaupt zu einer offiziellen Reise nach Österreich und Deutschland aufgebrochen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a> hat Österreich und Deutschland einen offiziellen Besuch abgestattet. Sowohl in Wien wie auch in Berlin standen Themen der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf der Tagesordnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vertiefte Zusammenarbeit mit Österreich…</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Station war Wien: In der österreichischen Hauptstadt wurde Dschaparow am 25. November von seinem Amtskollegen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Van_der_Bellen">Alexander Van der Bellen</a> in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hofburg">Hofburg</a> empfangen. Die beiden Staatsoberhäupter <a href="https://president.kg/ru/news/21/26182">besprachen</a> ein breites Spektrum an Fragen der bilateralen Zusammenarbeit, darunter die Entwicklung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sowie den Ausbau gemeinsamer Projekte im Bereich Energie und Verkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir legen großen Wert auf die freundschaftlichen Beziehungen zu Österreich und sind bestrebt, die Zusammenarbeit in allen Bereichen von beiderseitigem Interesse weiter zu fördern. Ich hoffe, dass mein Besuch und unsere heutigen Verhandlungen dazu beitragen werden, das gesamte Spektrum der bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern auf ein qualitativ neues Niveau zu heben“</em>, <a href="https://president.kg/ru/news/21/26182">betonte</a> Dschaparow.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kirgisische Präsident warb um österreichische Investitionen, insbesondere in das Wasserkraftwerk <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-kann-das-kambarata-projekt-die-energieprobleme-loesen/">Kambarata-1</a>. Darüber hinaus lud er Van der Bellen zu einem Gegenbesuch in Kirgistan ein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="763" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-1024x763.jpg" alt="" class="wp-image-40910" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-1024x763.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-300x224.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-768x572.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-1536x1145.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/12/DOS_1879-2048x1526.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kirgistans Präsident Sadyr Dschaparow und sein österreichischer Amtskollege Alexander Van der Bellen, Foto: president.kg</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich freue mich sehr über den guten Austausch mit Präsident Dschaparow und seiner Delegation. […] Auch glaube ich, dass wir das volle Potenzial in unseren wirtschaftlichen Beziehungen bei weitem noch nicht ausgeschöpft haben“</em>, <a href="https://www.bundespraesident.at/aktuelles/detail/offizieller-besuch-des-praesidenten-der-kirgisischen-republik">erklärte</a> der österreichische Bundespräsident im Anschluss an das Treffen. Dschaparows Besuch sei eine Chance, <em>„konkrete Möglichkeiten zu identifizieren, um unsere Zusammenarbeit weiter zu intensivieren“</em>, so Van der Bellen weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor Dschaparow am Abend weiter nach Berlin flog, traf er Österreichs Bundeskanzler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Nehammer">Karl Nehammer</a>, um die Stärkung des politischen Dialogs, der Zusammenarbeit im Bereich Wirtschaft und Handel sowie der Umsetzung gemeinsamer Projekte zu besprechen. Unter anderem wurde ein Kooperationsprogramm zwischen dem kirgisischen Außenministerium und dem österreichischen Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten sowie weitere Memoranda auf Ministeriumsebene <a href="https://president.kg/ru/news/21/26183">abgeschlossen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… und Deutschland</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 26. November wurde Dschaparow dann von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue empfangen. Laut einer <a href="https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2024/11/241126-Gespraech-StP-KGZ.html">Pressemitteilung</a> des Bundespräsidialamts sprachen die beiden Präsidenten über die regionale Lage in Zentralasien, die partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Länder sowie über die Situation der Zivilgesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kirgisische Präsident <a href="https://president.kg/ru/news/all/26193">betonte</a> seinerseits, dass es in den letzten Jahren eine positive Dynamik in der Entwicklung des politischen Dialogs zwischen Kirgistan und Deutschland gegeben habe. Die Unterzeichnung des Abkommens über eine verstärkte Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der Europäischen Union eröffne ihm zufolge neue Möglichkeiten für eine weitere Stärkung des politischen Dialogs und der Zusammenarbeit sowohl mit der EU als auch mit Deutschland.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Beim anschließenden Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz – sowohl im erweiterten Formal als auch tête-à-tête – <a href="https://president.kg/ru/news/21/26196">sprachen</a> beide Seiten über Themen der bilateralen Zusammenarbeit sowie der aktuellen Weltpolitik. Im Fokus standen unter anderem die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Entwicklung der grünen Wirtschaft sowie die Umsetzung von Infrastruktur- und Energieprojekten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine neue Direktverbindung?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 27. November wandte sich Dschaparow dann der deutschen Wirtschaft zu. Beim einem Treffen mit Vertreter:innen deutscher Wirtschaftsunternehmen warb er wie schon zuvor in Wien um Investitionen. <em>„Als Staatsoberhaupt bin ich daran interessiert, die Investitionen aus Deutschland zu steigern. […] Um mit der Zeit zu gehen, brauchen wir neue deutsche Technologien in verschiedenen Bereichen: Bergbau, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und Energiesektor“</em>, <a href="https://president.kg/ru/news/21/26198">erklärte</a> der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kirgistan und Deutschland auf dem Vormarsch. In den letzten zwei Jahren fanden drei kirgisisch-deutsche Wirtschaftsforen sowie zwei Treffen des kirgisisch-deutschen Wirtschaftsrats statt. Und auch auf Vortag des Treffens konnten <a href="https://president.kg/ru/news/21/26194">17 bilaterale Dokumente</a> vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Handel sowie der Bildungskooperation unterzeichnet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/die-europaeische-union-ueberdenkt-ihre-zentralasien-strategie/"><strong>Die Europäische Union überdenkt ihre Zentralasien-Strategie</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einem europäischen Unternehmen kam besondere Aufmerksamkeit zu: Bei einem Treffen mit Johan Pelissier, Präsident der Region Europa für Airbus, <a href="https://president.kg/ru/news/21/26199">sprach Dschaparow über Pläne</a>, zwei Airbus-Flugzeuge durch die Fluggesellschaft „Asman Airline“ zu leasen, um damit Flüge nach Europa durchzuführen. Dies betrifft vor allem Direktverbindungen zwischen Bischkek und Destinationen wie Paris, Berlin und London.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedingung hierfür ist allerdings, dass „Asman Airlines“ von der <a href="https://transport.ec.europa.eu/document/download/3195fabb-7575-4db9-85b9-ec5a77b481aa_en?filename=air-safety-list-2024-05-30_en.pdf">EU-Flugsicherheitsliste</a> genommen wird, die zum aktuellen Zeitpunkt alle kirgisischen Fluggesellschaften umfasst. Der Präsident zeigte sich diesbezüglich aber zuversichtlich, da in den letzten Jahren aktiv daran gearbeitet wurde, <em>„die Luftsicherheit zu verbessern, internationale Standards einzuführen und die Infrastruktur zu modernisieren, was die Chancen auf eine Aufhebung der Beschränkungen deutlich erhöht hat.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>(K)ein Näherrücken an Europa</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Aufnahme direkter Flugverbindungen ein Näherrücken von Kirgistan und Europa suggeriert, sollte Dschaparows Besuch in Österreich und Deutschland nicht überbewertet werden. Zwar haben sicherheitspolitische Bedenken im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und die Suche nach neuen Wirtschaftspartnern und Handelsrouten infolge von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine die Länder Zentralasiens verstärkt in den Fokus gerückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt sich unter anderem am <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-praesidenten-bei-gipfeltreffen-in-berlin/">2023 von Deutschland lancierten 5+1-Format</a>, dass in diesem September eine <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/">Neuauflage</a> fand. Auch die Schlagzahl bilateraler Gespräche hat sich erhöht: Scholz und Dschaparow waren zu einem solchem zuletzt im Vorfeld des 5+1-Gipfels in Astana zusammengekommen. Bundespräsident Steinmeier hatte Kirgistan zuletzt <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/bundespraesident-steinmeier-zu-gast-in-kasachstan-und-kirgistan/">im Juni 2023 besucht</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/"><strong>Migration, Wirtschaft, Z5+1 – Bundeskanzler Scholz in Zentralasien</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch sollte all dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die zentralasiatischen Staaten nach wie vor eine „Politik der vielen Vektoren“ betreiben, mit der sie zwischen den in der Region sehr präsenten Weltmächten Russland und China, Regionalmächten wie der Türkei und dem Iran, aber auch den USA und europäischen Staaten hin und her navigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Europa kann hierbei vor allem als wirtschaftlicher Partner punkten, was sich auch bei den Treffen in Wien und vor allem Berlin gezeigt hat. Wo Kirgistan im Bereich der Sicherheitspolitik steht, lässt sich aber an Sadyr Dschaparows Reiseplan verdeutlichen: Von Berlin aus flog er direkt weiter nach Astana, um dort am Gipfeltreffen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_über_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS)</a> teilzunehmen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Migration, Wirtschaft, Z5+1 – Bundeskanzler Scholz in Zentralasien</title>
		<link>https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Sep 2024 08:24:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeskanzler]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Olaf Scholz]]></category>
		<category><![CDATA[Samarkand]]></category>
		<category><![CDATA[Z5+1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bundeskanzler Olaf Scholz ist vom 15. bis zum 17. September nach Usbekistan und Kasachstan gereist. Auf dem Programm standen neben bilateralen Gespr&#xE4;chen auch ein Wirtschaftsforum sowie ein Treffen mit den Pr&#xE4;sidenten der f&#xFC;nf zentralasiatischen L&#xE4;nder im Format &#x201E;Z5+1&#x201C;. Die Reise war lange erwartet worden. Erstmals seit acht Jahren ist wieder ein deutscher Bundeskanzler nach Zentralasien [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bundeskanzler Olaf Scholz ist vom 15. bis zum 17. September nach Usbekistan und Kasachstan gereist. Auf dem Programm standen neben bilateralen Gesprächen auch ein Wirtschaftsforum sowie ein Treffen mit den Präsidenten der fünf zentralasiatischen Länder im Format „Z5+1“.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reise war lange erwartet worden. Erstmals <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/historischer-besuch-merkel-in-kirgistan/">seit acht Jahren</a> ist wieder ein deutscher Bundeskanzler nach Zentralasien gereist. Am 15. September wurde Olaf Scholz von Usbekistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> empfangen. Nach einem Besuch des berühmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Registan_(Samarqand)">Registon</a> trafen sich die beiden Regierungschefs zu bilateralen Gesprächen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Migrationsabkommen mit Usbekistan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein für die deutsche Seite besonders wichtiges Ergebnis der Usbekistan-Reise war die Unterzeichnung eines Migrationsabkommens. Dieses ermöglicht die Zuwanderung usbekischer Fachkräfte, die in Deutschland dringend benötigt werden. Andererseits regelt das Abkommen, dass abgelehnte Asylsuchende unbürokratisch nach Usbekistan zurückkehren. Wie <a href="https://www.rnd.de/politik/scholz-in-usbekistan-und-kasachstan-was-der-kanzler-erreichen-will-5BMOYMVECFHP7AOIWSFZLJMJYY.html">RND</a> aber hervorhebt, ist deren Zahl gering: Gerade einmal 60 Anträge und rund 30 Ablehnungen seien es in diesem Jahr bis August gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht von diesem Abkommen betroffen sind abgelehnte Asylsuchende aus Afghanistan. <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/deutschland-verhandelt-ueber-die-abschiebung-afghanischer-asylsuchender-via-usbekistan/">Im Juni</a> war berichtet worden, dass die Bundesregierung mit Usbekistan darüber verhandelt, afghanische Asylsuchende über das zentralasiatische Land abzuschieben. Von einem Journalisten im Rahmen des <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-statement-usbekistan-2308514">Pressestatements</a> danach befragt, hielt der Kanzler sich bedeckt. <em>„Ansonsten gibt es natürlich vertrauliche Gespräche über Kooperationen in vielen Bereichen“</em>, so Scholz.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die usbekische Seite stellte vor allem wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund. Vereinbarungen und Verträgen auf der Ebene führender Unternehmen aus Usbekistan und Deutschland seien in Bereichen wie grüner Energie, chemischer Industrie und Maschinenbau <a href="https://president.uz/ru/lists/view/7547">abgeschlossen worden</a>. <em>„Wir betrachten dies [den Besuch des Bundeskanzlers, Anm. d. Red.] als Bestätigung Ihrer besonderen Aufmerksamkeit für die Weiterentwicklung der vielfältigen usbekisch-deutschen Beziehungen und Ihrer Unterstützung für unumkehrbare Reformen im </em><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/reisefuehrer-fuer-das-neue-usbekistan/"><em>Neuen Usbekistan</em></a><em>“</em>, <a href="https://president.uz/ru/lists/view/7546">erklärte</a> Präsident Mirziyoyev.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wirtschaftliche Partnerschaft mit Kasachstan</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. September reiste die deutsche Delegation weiter in Kasachstans Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Astana">Astana</a>. Mit dem Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> sprach Scholz über Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auch eine Gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit wurde <a href="https://informburo.kz/novosti/tokaev-i-solc-prinyali-sovmestnuyu-deklaraciyu-o-sotrudnicestve-mezdu-stranami-o-cyom-v-nei-govoritsya">verabschiedet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fokus der Gespräche lag aber auf wirtschaftlichen Themen. Besonderes Augenmerk wurde dabei laut <a href="https://akorda.kz/ru/kasym-zhomart-tokaev-i-olaf-sholc-proveli-peregovory-v-uzkom-sostave-1685346">Pressedienst</a> des kasachstanischen Präsidenten auf die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und grüne Wende, Industrie, Bergbau, Transport und Logistik, Klimawandel, Ökologie, Landwirtschaft und Bildung gelegt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="521" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726484431_5422656778732167035-1024x521.jpg" alt="" class="wp-image-40150" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726484431_5422656778732167035-1024x521.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726484431_5422656778732167035-300x153.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726484431_5422656778732167035-768x391.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726484431_5422656778732167035.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Olaf Scholz und Qasym-Jomart Toqaev im Gespräch, Photo: Akorda.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Versorgung Deutschlands mit Rohöl war Thema, insbesondere für die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/PCK_Raffinerie">PCK-Raffinerie in Schwedt</a>. <em>„Es geht um die Möglichkeit, Rohstoffe zu nutzen, um Ölversorgung für Deutschland, insbesondere für Schwedt; es geht um Perspektiven für die weitere Zukunft, was den Ausbau von erneuerbaren Energien und die Möglichkeiten des Einstiegs in Wasserstoffwirtschaft betrifft; es geht immer wieder um Logistikfragen und darum, wie wir Infrastrukturen weiter ertüchtigen können, sodass sich die wirtschaftlichen Beziehungen mit dieser Region weiter und besser entwickeln können; und natürlich geht es immer auch um ganz konkrete Investments deutscher Firmen“</em>, erklärte Bundeskanzler Scholz. Eine neue Vereinbarung hierzu wurde aber nicht geschlossen, wie aus einer von <a href="https://informburo.kz/novosti/tokaev-kazahstan-i-germaniya-dogovorilis-o-portfele-iz-66-sovmestnyh-investicionnyh-proektov">Informburo.kz</a> veröffentlichen Liste der verabschiedeten Dokumente hervorgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die offizielle kasachstanische Nachrichtenagentur <a href="https://www.inform.kz/ru/prezident-vistupil-na-biznes-forume-kazahstan-germaniya-0e3fe1">Kazinform</a> berichtet, hob Präsident Toqaev im Rahmen eines Deutsch-Kasachstanischen Wirtschaftsforums hervor, dass der bilaterale Handel im vergangenen Jahr um 41 Prozent gestiegen sei und sich auf 3,9 Milliarden US-Dollar beliefe. Auch die deutschen Direktinvestitionen hätten einen deutlichen Anstieg um 64 Prozent und einen Rekordwert von 770 Millionen US-Dollar erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/bundespraesident-steinmeier-zu-gast-in-kasachstan-und-kirgistan/">Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Kasachstan und Kirgistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Gewinnung und Verarbeitung natürlicher Ressourcen erfolgt nach der pragmatischen Formel „Investition und Technologie im Austausch gegen kritische Rohstoffe“. Unsere Mineralressourcenbasis umfasst mehr als fünftausend unentdeckte Vorkommen, die auf Billionen Dollar geschätzt werden. Heute produzieren wir 19 der 34 Seltenerdmaterialien, die für die EU-Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sind. Im Rahmen dieser Bemühungen gründen die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) und kasachische Partner ein Konsortium zum Handel mit kritischen Rohstoffen. Wir freuen uns auf die zügige praktische Umsetzung dieser Initiative“</em>, sagte der Präsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Toqaev sei Kasachstan aufgrund seiner strategischen Lage ein wichtiges intraregionales Zentrum für Handel und Logistik in Eurasien. Er schlug vor, den <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Mittleren Korridor</a> mit dem Transeuropäischen Verkehrsnetz und der EU-Global-Gateway-Initiative zu verbinden, um das wachsende Handelsvolumen zwischen Ost und West zu unterstützen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Z5+1 in Neuauflage</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Abschluss der Zentralasien-Reise des Bundeskanzlers bildete am 17. September ein Treffen mit den Präsidenten aller fünf zentralasiatischen Staaten in Astana – im sogenannten Z5+1-Format. Dieses war erstmals <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-praesidenten-bei-gipfeltreffen-in-berlin/">im September letzten Jahres in Berlin</a> ins Leben gerufen worden, um die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zentralasien zu vertiefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Heute bin ich mit den zentralasiatischen Staatschefs zusammengekommen. Wir haben über die gesamte Bandbreite unserer Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und der Region gesprochen, die von wachsender Bedeutung auch für die Diversifizierung unserer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen ist und die uns viele Möglichkeiten bietet, die auch für die Zukunft unseres eigenen Landes wichtig sind“</em>, <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-statement-z5-1-gipfel-2308944">erklärte</a> Olaf Scholz im Anschluss an das Treffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="672" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2-1024x672.jpg" alt="" class="wp-image-40149" style="width:755px;height:auto" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2-1024x672.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2-300x197.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2-768x504.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2-1536x1008.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/09/1726561397_KZ8_5793_2.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Teilnehmer des Z5+1-Treffens in Astana, Photo: Akorda.kz</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bundeskanzler hob hevor, dass dazu <em>„auch die Bewertung der schwierigen Situationen in der Nachbarschaft, was zum Beispiel Afghanistan betrifft, und die Diskussion über die Fragen, die sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine stellen“,</em> gehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistans Präsident Mirziyoyev stellte im Rahmen des Treffens eine Reihe neuer Initiativen für die Zusammenarbeit vor. Er forderte Deutschland auf, dabei zu helfen, europäische Institutionen für die Entwicklung alternativer Verkehrskorridore zwischen Zentralasien und Europa zu gewinnen. <em>„Das größte Hindernis für die Vertiefung unserer Partnerschaft ist die schlechte Entwicklung der Verkehrsverbindungen, einschließlich des Land- und Luftverkehrs“</em>, betonte Mirziyoyev nach Angaben von <a href="https://fergana.news/news/134944/">Fergana News</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zentralasiens-praesidenten-bei-gipfeltreffen-in-berlin/&amp;ved=2ahUKEwi486C35MqIAxUR_7sIHdmACVAQFnoECBYQAQ&amp;usg=AOvVaw1FGwFROZpSWreUvJY-Vc9H">Zentralasiens Präsidenten bei Gipfeltreffen in Berlin</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vorfeld des Gipfels war Scholz mit Kirgistans Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow">Sadyr Dschaparow</a>, dem turkmenischen Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> und dem Präsidenten Tadschikistans, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a>, zu bilateralen Gesprächen zusammengekommen. Wie <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20240917/emomali-rahmon-predlozhil-germanii-podderzhat-stroitelstvo-rogunskoi-ges">Asia-Plus</a> berichtet, schlug Rahmon Deutschland vor, sich am Bau des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rogun-Staudamm">Rogun-Staudamms</a> zu beteiligen. Darüber hinaus sprach er Scholz eine Einladung nach Tadschikistan aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Eine Region mit wachsender Bedeutung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zentralasien-Reise des Bundeskanzlers reiht sich ein in eine Liste hochrangiger Staatsbesuche aus Europa und zeugt somit von der wachsenden Bedeutung der Region Zentralasien. Sicherheitspolitische Bedenken im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und die Suche nach neuen Wirtschaftspartnern und Handelsrouten infolge von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine haben die Länder der Region verstärkt in den Fokus gerückt. Hinzu kommt innenpolitischer Druck in Bezug auf Abschiebungen nach Afghanistan, der die Bundesregierung nach verlässlichen Partnern in Zentralasien suchen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Länder wissen dieses neue Augenmerk zu nutzen. Wie <a href="https://storage.googleapis.com/crng/west-central-asia-russia-relations.html?fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAAaZms99sy1xFokh-wnHqx9LUz28fMn3Z3326sjPxgAHjS8RtgAy-1TWgflM_aem_nFctEUFBHmYCYlEH94aIxg">Carnegie Politika</a> hervorhebt, bricht der Handel zwischen Zentralasien und der Europäischen Union Rekorde: Im Jahr 2022 wuchs er um 59 Prozent, im Jahr 2023 um weitere 11 Prozent. Allein nach Deutschland lieferte Kasachstan im vergangenen Jahr 8,5 Millionen Tonnen Öl und avancierte so zum drittwichtigsten Öllieferanten hinter Norwegen und den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/global-gateway-die-eu-investiert-in-den-transkaspischen-korridor/">Global Gateway: Die EU investiert in den Transkaspischen Korridor</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch bleibe Deutschland hinter seinen Möglichkeiten zurück und sorge so für Enttäuschung, meinen Experten. <em>„Mein Eindruck ist, dass hier sehr viel Symbolpolitik betrieben wird, und ehrlich gesagt, sehe ich eher eine Frustration in den zentralasiatischen Ländern, die hohe Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Deutschland hatten&#8220;</em>, erklärte Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gegenüber der <a href="https://www.dw.com/de/scholz-in-zentralasien-zwischen-symbol-und-geopolitik/a-70213321">Deutschen Welle</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz allem verdeutlichen das Format Z5+1 sowie die Zunahme <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/usbekistans-praesident-mirziyoyev-zu-besuch-in-berlin/">bilateraler offizieller Besuche</a> in den letzten Jahren eine wachsende Bedeutung der Region. Dies spiegelt sich auch im Themen-Setting wider, das sicherheitspolitisch geleitet ist und nun verstärkt die Gemeinsamkeiten betont.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fragen der Freiheiten und Menschenrechte, die bei <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/bundesaussenministerin-baerbock-zu-gast-in-kasachstan-und-usbekistan/">vorangegangenen offiziellen Besuchen</a> aus Deutschland in den Fokus gestellt wurden, kamen während dieser Reise nicht prominent zur Sprache. Dennoch konnte Kanzler Scholz sich nicht eine kleine Spitze in diese Richtung verkneifen. Als er nach dem Gespräch mit Qasym-Jomart Toqaev allein vor die Presse trat und hierzu befragt wurde, <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-statement-kasachstan-2308766">antwortete</a> er: <em>„Ich jedenfalls wünsche mir, dass es gute Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten in aller Welt gibt. Deshalb stehe ich hier auch für Sie zur Verfügung, um dazu einen kleinen Beitrag zu leisten.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/migration-wirtschaft-z51-bundeskanzler-scholz-in-zentralasien/">Migration, Wirtschaft, Z5+1 – Bundeskanzler Scholz in Zentralasien</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Neue Stimmen: Zentralasiatische Kurzfilme beim goEast-Filmfestival 2024</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/</link>
					<comments>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/neue-stimmen-zentralasiatische-kurzfilme-beim-goeast-filmfestival-2024/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 11:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Karakalpakstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Taschkent]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zentralasiens junge Filmemacher:innen und ihr Werk sind &#xE4;u&#xDF;erst vielseitig. Davon konnte sich das Publikum beim 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden in verschiedenen Kurzfilmprogrammen &#xFC;berzeugen. Novastan war dabei und stellt euch eine Auswahl vor. Vom 24. bis zum 30. April fand das 24. goEast Festival des mittel- und osteurop&#xE4;ischen Films in Wiesbaden statt. Neben zwei Filmen im [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentralasiens junge Filmemacher:innen und ihr Werk sind äußerst vielseitig. Davon konnte sich das Publikum beim 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden in verschiedenen Kurzfilmprogrammen überzeugen. Novastan war dabei und stellt euch eine Auswahl vor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 24. bis zum 30. April fand das<a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/24-goeast-filmfestival-startet-am-24-april/"> 24. goEast Festival des mittel- und osteuropäischen Films</a> in Wiesbaden statt. Neben zwei Filmen im Hauptwettbewerb war das zentralasiatische Kino in diesem Jahr vor allem mit Kurzfilmen vertreten, die in vier verschiedenen Programmen gezeigt wurden. Drei von ihnen konkurrierten im Rheinmain-Kurzfilm-Wettbewerb. Zudem zeigte goEast mit „New Voices from Central Asia“ in Zusammenarbeit mit dem ZDF/ARTE-Kurzschlussmagazin ein Programm, das allein der Region gewidmet war. Wir stellen unsere Highlights vor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Black Wagon</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bergbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren in Kirgistan. Unter welchen katastrophalen Bedingungen jedoch Kohle und andere Rohstoffe abgebaut werden, zeigt Adilek Karzhoev eindrucksvoll in seinem Dokumentarfilm „Black Wagon“. Er nimmt die Zuschauer:innen mit ins Innere eines privaten Bergwerks im südwestlichen Kirgistan und veranschaulicht bedrückend gut die beengten Verhältnisse bei der Arbeit unter Tage.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39348" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/BLACK-WAGON_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dunkelheit und Staub bestimmen die Ästhetik, während sich die Arbeiter mit von Schweiß glänzenden nackten Oberkörpern ihren Weg durch die labyrinthartigen Gänge bahnen. Dabei herrscht oftmals eine laute und bedrohliche Geräuschkulisse. Innerhalb dieser unwirklichen Szenerie schafft es Karzhoev dennoch, die Normalität und Alltäglichkeit einzufangen, die sich die Arbeiter in 500 Metern Tiefe erschaffen: Mit dem Kohlewagen lassen sie sich Tee in den Schacht bringen, frische Luft nehmen sie in Tüten mit nach unten. In den Pausen wird gegessen und gescherzt: über die unlösbaren Konflikte rund um die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kumtor-Mine">Kumtor-Mine</a>, die größte Goldmine des Landes, und über die nicht enden wollenden Grenzkonflikte.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Um ein Smartphone herum sitzt die Gruppe zusammen und schaut ein Video an. Doch über der alltäglichen Szene schwebt wortwörtlich ständig die Gefahr: Jederzeit kann es hier zu Einstürzen und Unfällen kommen, Teile der Schächte sind nur durch Holzbalken gestützt statt durch sicherere Metallstreben. Als sich tatsächlich Teile einer Wand lösen, hat selbst der Kameramann gerade noch genug Zeit, seine Kamera in Sicherheit zu bringen. Ein bis zwei Arbeiter, so heißt es am Ende des Films, lassen pro Monat ihr Leben in einer der über 300 privaten Minen rund um die Stadt<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sülüktü"> Sülüktü</a> im Südwesten Kirgistans.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dekolonial-queer-feministisch-zentralasiatischer-kurzfilm-beim-goeast-filmfestival-2023/"><strong>Dekolonial, queer, feministisch – zentralasiatischer Kurzfilm beim goEast Filmfestival 2023</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst am Ende des Films werden die Zuschauer:innen zusammen mit den Arbeitern aus dem Schacht heraus ans Tageslicht geführt. Je nach geleisteter Arbeit werden die Bergarbeiter in bar bezahlt und verabschieden sich – bis zu ihrem nächsten Arbeitseinsatz. Viele der Arbeiter arbeiten jahrelang, teils ihr ganzes Leben in den Bergwerken – so auch diejenigen, die in Karzhoevs Film zu Wort kommen. Als die Kamera am Ende noch einmal die weite Gebirgslandschaft um die Mine zeigt, wird deutlich, wieso: Der Bergbau bleibt die große wirtschaftliche Hoffnung der Region. Karzhoev wirft mit seinem Kurzfilm jedoch ein wichtiges Schlaglicht auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen – und es bleibt zu hoffen, dass diese in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der späte Wind</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Saya ist schwanger. Doch kurz nachdem ihr Freund Qaırat davon erfährt, verschwindet er spurlos. Der Film begleitet Saya auf ihrer Suche, in die immer wieder Straßenproteste hereinbrechen. Drückt sich Qaırat vor der Verantwortung? Oder steht sein Verschwinden in Zusammenhang mit den Protesten?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1024x540.jpg" alt="" class="wp-image-39347" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1024x540.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-300x158.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-768x405.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011-1536x810.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/THE-LAST-WIND_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Film mit wenig Handlung und einem Minimum an Dialogen auskommt, schafft Regisseurin Şygula Serjan einen atmosphärischen, bedrückenden Film, der als Sinnbild für das heutige Kasachstan steht. Dies ist unter anderem Hauptdarstellerin Tolğanaı Talğat zu verdanken, deren einfühlsames Spiel uns an Sayas Innerstem teilhaben lässt und viel zur beunruhigenden Atmosphäre, die über dem gesamten Film schwebt, beiträgt. Während Saya sich stets nach Wärme und Geborgenheit sehnt und kindlich anmutende Zeichnungen der Sonne an das beschlagene Fenster malt, bleibt ihr diese im ganzen Film versagt. Dreharbeiten bei winterlichem Schmuddelwetter in<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty"> Almaty</a> und bei Dunkelheit schaffen ein allgegenwärtiges Grau, das die bedrückende Stimmung des Films hervorhebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong> „Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Straßenproteste angesichts des niedrigen Filmbudgets eher kläglich wirken, rufen sie dennoch unweigerlich Erinnerungen an den<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-nimmer-endende-januar-in-kasachstan/"> Qantar</a> wach, eines der traumatischsten Ereignisse der jüngeren Vergangenheit Kasachstans. Sayas Suche bleibt erfolglos, ihre Fragen unbeantwortet. Gemeinsam mit ihr schaut das ganze Land in eine unklare, aber auf jeden Fall beunruhigende Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Old Things</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Männer baden im Kanal, ein Mädchen spricht liebevoll mit ausgestopften Tieren auf einem Trödelmarkt, ein Arbeiter zeigt stolz seinen Bibliotheksausweis. „Old things“ von Roman Zakharov ist ein Porträt der usbekischen Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taschkent">Taschkent</a>, das die Widersprüche der postsowjetischen Stadt aufzeigt, ohne in plakative Darstellungen zu verfallen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39346" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/OLD-THINGS_01-e17119592123631.jpg 1366w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zakharov lotet vielmehr das vielschichtige Spektrum aus, das die Stadt bietet, und insbesondere die Menschen, die in ihr leben und arbeiten. Da ist ein Brotverkäufer, der am Straßenrand seine Ware verkauft, eine Hundebesitzerin, die sich über den vielen Müll in der Stadt beschwert, ein Passant, der über die politischen Veränderungen im Land spricht. Feinsinnig stellt Zakharov verschiedene Realitäten nebeneinander: Neubauten und Grün, Dreck am Straßenrand und sauber polierte Gedenkstätten, kritische Stimmen und überdimensionale Landesflaggen. Auch verschiedene sprachliche Welten treffen aufeinander: Teils wird Russisch gesprochen, teils Usbekisch, teils stößt auch der aus Kasachstan stammende Regisseur mit seinen Sprachkenntnissen in den Gesprächen an seine Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/bauryna-salu-coming-of-age-trifft-tradition/"><strong>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zakharovs Kurzfilm scheint dabei lose dem Ablauf eines Tages zu folgen: vom Sonnenaufgang und einem Basar, der gerade erst zu erwachen scheint über die pralle Mittagssonne auf dem Taschkenter Unabhängigkeitsplatz bis zum am Abend in bunten Farben leuchtenden Unabhängigkeitsdenkmal im „Yangi O‘zbekiston“-Park in Form eines riesigen Humo-Vogels. So entsteht aus dem Nebeneinander der Eindruck eines runden Porträts, das eindrücklich die Vielstimmigkeit der zentralasiatischen Metropole zum Ausdruck bringt und Zwischentöne aufschimmern lässt, die man sonst in Darstellungen der usbekischen Hauptstadt häufig vergeblich sucht, und die Brüche mit den gängigen nationalen Narrativen zulassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>ASK</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dystopie des kirgisischen Regisseurs Naizabek Sydykov führt uns in eine Ruinenstadt, in der eine bizarre Diktatur herrscht. Laut dem „großen Führer“ soll hier eine „Stadt der Zukunft“ entstehen, doch zuerst sind die Einwohner:innen gezwungen, alle noch vorhandenen Häuser abzureißen. Der Zwang zur Uniformität („Sei wie die anderen“) und die Überwachung lassen dabei an die Werke<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell"> George Orwells</a> erinnern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ayban-ferma-george-orwell-ins-kirgisische-uebersetzt/"><strong> „Ayban Ferma“: George Orwell ins Kirgisische übersetzt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Teenager Umut ist einer der wenigen, die die Umstände hinterfragen. Zufällig entdeckt er eine Kapsel mit alten Plänen der in Zerstörung begriffenen Stadt. Umut erkennt: <em>„Es wird keine Stadt der Zukunft geben, denn wir haben sie schon zerstört.“</em> Als er auf der nächsten Versammlung wagt, den „großen Führer“ mit Fragen zu konfrontieren, wird er von seinen eigenen Eltern als krank erklärt, da diese fürchten, zu von der glorreichen Zukunft ausgeschlossenen Paria zu werden. Außerdem muss Umut sich öffentlich entschuldigen. Allein seine (namentlich unbekannte) Freundin, die er in seine Entdeckung eingeweiht hat, hält zu ihm. Ausgehend von ihr beginnen immer mehr Menschen, das System zu hinterfragen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-39345" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011-1536x864.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/ASK_011.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die eigentlichen Gründe vermutlich im Budget zu suchen sind, schafft Sydykov in „ASK“ eine unglaublich billige Ästhetik, die wie eigens für die dargestellte Diktatur entworfen wirkt und deren Absurdität perfekt hervorhebt. Und obwohl die politische Botschaft des Films eher simpel scheint, ist „ASK“ eine gelungene Parabel auf zeitgenössische Regime wie in<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-was-bedeuten-die-reformen-von-praesident-toqaev/"> Kasachstan</a>,<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/karakalpakstan-nichts-neues-im-neuen-usbekistan/"> Usbekistan</a> oder auch im<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-abschied-von-der-demokratie-und-uebergang-zu-einem-autoritaeren-staat/"> Kirgistan</a><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sadyr_Dschaparow"> Sadyr Dschaparows</a>, in denen die politische Führung stets grundlegende Erneuerungen verspricht, ohne diese jedoch wirklich zu liefern. Eine Zeit, um Dinge zu hinterfragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mirtemir geht´s gut</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakistan">Karakalpakstan</a> im Sommer 2022: In der Autonomen Republik brechen<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/verfassungsreform-in-usbekistan-karakalpakstan-protestiert-fuer-erhalt-der-autonomie/"> Proteste</a> los, die von der usbekischen Regierung<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/proteste-in-karakalpakstan-taschkent-schafft-ordnung-durch-gewalt/"> gewaltsam niedergeschlagen</a> werden. Die Filmemacher:innen Sasha Kulak und<a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/goeast-festival-100-baumwolle-stellt-zwangsarbeit-in-den-fokus/"> Mihail Borodin</a> reisen inmitten dieser Situation nach<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus"> Nukus</a>, um sich ein Bild vor Ort zu machen. An einer mobilen Karaoke-Station am Hauptplatz der Stadt lernen sie Mirtemir kennen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="540" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1024x540.jpg" alt="" class="wp-image-39344" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1024x540.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-300x158.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-768x405.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1-1536x810.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/05/Mirtemir-is-alright1.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mirtemir, der <em>„wie ein Teenager aus Kreuzberg oder Williamsburg“ </em>(goEast-Programmheft) erscheint, zieht die beiden Filmemacher:innen in seinen Bann und so entsteht ein wundervolles Porträt eines karakalpakischen Jugendlichen, der einen unglaublichen Optimismus ausstrahlt. Dabei ist sein Leben nicht einfach: Er pflegt seine blinde Großmutter, bei der er lebt, da die Mutter zur Arbeit ins Ausland gegangen ist (ein Plan, den Mirtemir auch selbst hegt). Tagsüber arbeitet er in einem Fastfood-Restaurant und nachts an eben jener Karaoke-Station. Doch Mirtemir trotz allen Nöten mit einer aus dem tiefsten Innern kommenden Leichtigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/goeast-festival-100-baumwolle-stellt-zwangsarbeit-in-den-fokus/"><strong> goEast-Festival: „100% Baumwolle“ stellt Zwangsarbeit in den Fokus</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Mirtemir geht´s gut“ gewähren Kulak und Borodin einen Einblick in eine Region, die abseits von Aralsee und<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-enthusiast-der-wueste-wie-in-nukus-eine-der-bedeutendsten-avantgarde-sammlungen-entstand/"> Sawitzki-Museum</a>, im Westen kaum Beachtung findet. Durch ihre Kameraführung, die mal frontal und meist sehr nah am Protagonisten ist, schaffen sie dabei einen Film, der – obwohl Dokumentation – phasenweise fast fiktional wird. Und auch Mirtemirs grenzenlose Zuversicht wirft die Frage auf, ob diese Unbeschwertheit nicht angesichts der Kamera gespielt ist. Ein Film, zu schön, um wahr zu sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Denn der Film verschließt auch vor den Problemen die Linse nicht, stellt ihnen aber Mirtemirs Optimismus lachend entgegen. Dabei hat der Film einen ernsten Hintergrund: Denn Mirtemir teilt das Schicksal mit vielen anderen zurückgelassenen Kindern von Arbeitsmigrat:innen aus Zentralasien. Dies erfahren die Zuschauenden allerdings erst in der Abblende. Doch trotz alledem: Mirtemir vermag es, mit seiner Positivität anzustecken und gemeinsam mit ihm schauen wir in eine strahlende Zukunft.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Annkatrin Müller und Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Kurzfilmprogramm „NEW VOICES FROM CENTRAL ASIA“, das unter anderem „Black Wagon“, „ASK“ und „Old Things“ enthält, läuft nochmal am 8. Juni 2024 um 19.30 Uhr beim </em><a href="https://festival.shortfilm.com/de/programs/351"><em>Kurzfilmfestival Hamburg</em></a><em>.</em></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Bauryna Salu“ – Coming of Age trifft Tradition</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 May 2024 19:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Ashkat Kuchinchirekov]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[GoEast Fimfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#x201C;Bauryna Salu&#x201C; erz&#xE4;hlt die Geschichte von Yersultan, der gem&#xE4;&#xDF; einer alten Stammestradition bei seiner Gro&#xDF;mutter aufw&#xE4;chst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere. Mit seinem schmerzhaft-ber&#xFC;hrenden Coming-of-Age-Drama &#x201E;Bauryna Salu&#x201C; ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdeb&#xFC;t gelungen. Der Film erz&#xE4;hlt die Geschichte des 12-j&#xE4;hrigen Yersultan, der bei [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>“Bauryna Salu“ erzählt die Geschichte von Yersultan, der gemäß einer alten Stammestradition bei seiner Großmutter aufwächst. Das Coming-of-Age-Drama feierte am 25. April auf dem 24. goEast-Filmfestival in Wiesbaden Deutschlandpremiere.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinem schmerzhaft-berührenden Coming-of-Age-Drama „Bauryna Salu“ ist dem kasachstanischen Regisseur Ashkat Kuchinchirekov ein beeindruckendes Langfilmdebüt gelungen. Der Film erzählt die Geschichte des 12-jährigen Yersultan, der bei seiner Großmutter aufwächst und nach deren Tod in seine Familie zurückehrt, zu der er aber keine Bindung hat. Der Film, der im Rahmen des <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/24-goeast-filmfestival-startet-am-24-april/">24. goEast-Filmfestivals</a> seine Deutschlandpremiere feierte, konnte dort gleich einen großen Erfolg verzeichnen. Die Wahl des goEast-Medienpartners 3sat, der jedes Jahr einen Spielfilm des Wettbewerbs für den Ankauf auswählt, fiel 2024 auf „Bauryna Salu“.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der Titel des Films bezeichnet eine alte nomadische Stammestradition, der gemäß der älteste Sohn nach seiner Geburt Verwandten übergeben wird, damit diese ihn erziehen. Ashkat Kuchinchirekov übt mit seinem Film vehemente Sozialkritik an eben jener Tradition, indem er am Beispiel Yersultans bewegend erzählt, was diese bei den betroffenen Kindern auslöst. Der Regisseur, der gemäß dieser Tradition selbst bei seinen Großeltern auswuchs, verarbeitet dabei auch eigene Kindheitserfahrungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein warmer Sommer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon mit der ersten Einstellung lässt der Film die Zuschauenden an der Härte von Yersultans Leben teilhaben. In einer Salzmine leistet der 12-jährige harte körperliche Arbeit, um etwas Geld zurückzulegen. Mit seiner Großmutter lebt der Junge in einem bescheidenen Lehmhaus in einem Dorf. Auch abseits der Mine ist sein Leben von Arbeiten auf dem Feld oder am Haus der Großmutter geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Großmutter liebt Yersultan innig, dennoch denkt er insbesondere nachts an seine Eltern, die er nur von einer Fotografie kennt. Mit eben jenem Foto steht er abends vor dem Spiegel und betrachtet, inwieweit sich seine Gesichtszüge mit denen der Abgebildeten ähneln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/"><strong>„Goliath“ – eine Parabel der Macht</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der familiären Umstände und den Bedingungen seines Alltags wirkt Yersultans Leben glücklich und beim sommerlichen Baden oder dem Raufen mit seinem Freund Damir scheint er eine unbeschwerte Kindheit zu durchleben. Kuchinchirekov gelingt es dabei, mit stillen und langsamen Einstellungen diese Momente einzufangen und das kasachstanische Dorfleben in warmen und erdigen Farben zu porträtieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yersultans Leben nimmt jedoch eine schmerzhafte Wendung als die Großmutter stirbt. Der Junge, der damit die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben verliert, kämpft mit der Trauer und muss gleichzeitig einen Schritt zum Erwachsenwerden machen. Als einziger Verwandter der Toten kommen ihm bei der Beisetzung wichtige Aufgaben zu. Beispielsweise inspiziert er das ausgehobene Grab der Großmutter von innen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>… und ein kalter Winter</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film macht einen Sprung in den Winter. Yersultan ist zu seiner Familie „zurückgekehrt“. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Yerkyn muss er seinem Vater bei den ebenfalls harten Arbeiten auf dem Hof unterstützen. Zu seiner Familie hat Yersultan keine Bindung, dennoch versucht er eine Beziehung zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater, aufzubauen. Dieser bevorzugt aber Yerkyn und sieht an seinem Ältesten vor allem das Unvermögen die anfallende Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen. Tätigkeiten, die Yersultan aber fernab des elterlichen Hofs nie erlernt hat. Eine besonders symbolträchtige Rolle spielt dabei das in Kasachstan wichtige Reiten, das Yersultan so gerne erlernen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schule findet Yersultan keinen Anschluss. Alltäglich erfährt er die Gewalt seiner Mitschüler, die den verschlossenen Neuankömmling drangsalieren. Die Klassenkameraden und ihre gezielten Schläge setzen damit einen Gegenpol zu Damir und dem freundschaftlichen Raufen, an dem sich Yersultan so gern beteiligt hatte. Immer öfter schwänzt er daher die Schule, was zu neuen Konflikten mit seinem Vater führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/qash-horrortrip-im-holodomor/"><strong>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser versucht mit der Zeit, das Verhältnis zu seinem Sohn zu verbessern, indem er ihm ein Pferd kauft, damit er reiten lernen kann. Er scheitert jedoch mit diesem Versuch auf ganzer Linier, da er die Angst des Jungen angesichts des wild galoppierenden, halbgezähmten Tieres ignoriert. <em>„Ich werde runterfallen“</em>, sagt Yersultan, worauf der Vater lachend entgegnet, dass das alle beim ersten Mal tun. Da Yersultan sich weigert, das Pferd zu besteigen, muss er als Strafe zu Fuß nach Hause gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der ewige Streit in der Schule endet damit, dass Yersultan nach einer weiteren Attacke seines Mitschülers diesen mit einem Stein an den Kopf schlägt und ihn damit fast tötet. Als sein Vater davon erfährt schlägt er den Sohn, da er die Ehre der Familie verletzt habe. Yersultan fordert den Vater auf, ihn fester zu schlagen, da er ihn nicht liebe und weggegeben habe. Er wirft seinem Vater vor, dass er das Geld aus der Salzmine gespart habe, um zu seinen Eltern fahren zu können, während sie ihn nicht ein einziges Mal besucht hätten. Der Vater, der sich nach einer Zigarette an der frischen Luft der eigenen Verfehlungen bewusst wird, versucht seinem Sohn die versagte Liebe zu geben und ihn zu umarmen. Doch Yersultan wehrt sich. Das Verhältnis von Vater und Sohn scheint unumkehrbar zerstört.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein eindrückliches Porträt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit „Bauryna Salu“ hat Ashkat Kuchinchirekov einen einfühlsamen Film geschaffen, der den Zuschauenden die tiefsten Gefühle des Hauptcharakters offenlegt und seine persönlichen Konflikte spüren lässt. Den tiefen Schnitt, den der Tod der Großmutter und die Rückkehr zu den Eltern, in Yersultans Leben hinterlässt, untermalt der Regisseur, indem er in langen, dokumentarisch anmutenden Bildern beide Phasen im Leben des Protagonisten gleichberechtigt gegenüberstellt. Dabei heben die Farbstimmungen das Fiktionale hervor und setzen die erdigen, warmen Töne des Sommers in bewussten Kontrast zum Eisblau des Winters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist „Bauryna Salu“ ein eindrückliches Porträt des kasachstansichen Landlebens, dessen Lebensweisen und Traditionen Kuchinchirekov mit Respekt darstellt und gleichzeitig die karge Schönheit der Landschaft und Menschen einfängt. Gerade hieran zeigt sich aber auch, dass der Film in erster Linie an ein westliches Publikum gerichtet ist. Denn obwohl „Bauryna Salu“ mit seiner Kritik an der Stammestradition eine klare Botschaft an kasachstanische Zuschauende hat, kann der Film mit seinen langsamen Bildern des im Land hinlänglich bekannten Dorflebens hier nicht verfangen. Ähnlich wie auch die <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/goliath-eine-parabel-der-macht/">Filme Ädilhan Erjanovs</a> kann „Bauryna Salu“ also beim europäischen Festivalpublikum punkten, ohne dabei im eigenen Land nennenswerte Spuren zu hinterlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/a-dark-dark-man-ein-korrupter-polizist-stellt-sich-der-ungerechtigkeit-entgegen/"><strong>„A Dark, Dark Man“: Ein korrupter Polizist stellt sich der Ungerechtigkeit entgegen</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Kuchinchirekov aber mit seiner Entscheidung, der eigenen Linie treu zu bleiben, genau richtig lag, zeigt sich in der Auszeichnung, die „Bauryna Salu“ während des 24. goEast-Filmfestivals erhielt. Der goEast-Medienparter und Fernsehsender 3sat wählte den Film für den Ankauf aus. <em>„Das stille und kraftvolle Langfilmdebüt „Bauryna Salu“ von Ashkat Kuchinchirekov bietet in seiner schmerzhaft-berührenden Auseinandersetzung mit der gleichnamigen Stammestradition in Kasachstan authentische Einblicke in eine fremde Welt und ihre Lebens- und Arbeitspraktiken“</em>, heißt es <a href="https://www.filmfestival-goeast.de/16741/">in der Begründung</a>. Wer also „Bauryna Salu“ dieses Jahr in Wiesbaden verpasst hat, wird spätestens im April 2025 die Gelegenheit haben, diesen sehenswerten Film vor dem heimischen Endgerät zu schauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>„Qash“ – Horrortrip im Holodomor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Nov 2023 16:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Aisultan Seit]]></category>
		<category><![CDATA[Asharshylyq]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Hungersnot]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Qash]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit &#x201E;Qash&#x201C; lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A&#x131;sultan Se&#x131;t sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdeb&#xFC;t. Der Film, der vor dem Hintergrund der Gro&#xDF;en Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts hei&#xDF; gef&#xFC;hrter Debatten &#xFC;ber Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor. Am 12. November ist das 33. FilmFestival Cottbus zu Ende gegangen. Mit &#x201E;Close Up: Kazakhstan&#x201C; wurde dem [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit „Qash“ lieferte der bekannte Musikvideo-Regisseur A</strong><strong>ısultan Se</strong><strong>ıt sein mit Spannung erwartetes Spielfilmdebüt. Der Film, der vor dem Hintergrund der Großen Hungersnot in den 30er Jahren spielt, rief angesichts heiß geführter Debatten über Dekolonialismus ein geteiltes Echo hervor.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. November ist das <a href="https://www.filmfestivalcottbus.de/de/">33. FilmFestival Cottbus</a> zu Ende gegangen. Mit „Close Up: Kazakhstan“ wurde dem zentralasiatischen Land in diesem Jahr eine eigene Sektion gewidmet, die einen Überblick über das kasachstanische Kino der letzten 40 Jahre bot. Neben echten Klassikern befand sich auch der heißdisuktierteste Debutfilm des letzten Jahres im Programm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aısultan Seıt ist derzeit einer der gefragtesten Musikvideo-Regisseure, der unter anderem mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Travis_Scott_%28Rapper%29">Travis Scott</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Noize_MC">Noize MC</a> zusammengearbeitet hat. In Kasachstan ist der 26-Jährige ein Star und entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Seıt 2022 sein Spielfilm-Debut „Qash“ ankündigte. Als ob dies nicht genug wäre, behandelt der Film auch noch Kasachstans nationales Trauma. Kann das gut gehen?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Asharshylyq als Background</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Qash“ (kasachisch für „Lauf!“) – laut Programmheft des FilmFestival Cottbus ein <em>„historischer Horrortrip in der kasachischen Steppe“</em> – spielt im Jahr 1931 vor dem Hintergrund der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren">großen Hungersnot</a> in der Sowjetunion. Im Westen ist diese hauptsächlich unter ihrem ukrainischen Namen „Holodomor“ geläufig. Weit weniger bekannt ist, dass Kasachstan von der auf Kasachisch „Asharshylyq“ genannten Katastrophe als erstes betroffen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Historikerin Sarah Cameron <a href="https://eurasianet.org/book-review-a-long-awaited-account-of-kazakhstans-famine">führte</a> die erzwungene Sesshaftmachung und die Beschlagnahmung von Vieh zum Tod von mehr als einem Viertel der kasachischen Bevölkerung. Schätzungen gehen von 1,5 bis 2,1 Millionen Toten aus. Zu dieser Zahl kommen noch die 1 bis 2 Millionen Kasach:innen, die vor Hunger flohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-nicht-erzaehlte-geschichte-des-hungers-eine-rezension-von-sarah-camerons-buch-hungrige-steppe/"><strong>Die nicht erzählte Geschichte des Hungers – eine Rezension von Sarah Camerons Buch „Hungrige Steppe“</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser Hungersnot ist Isataı zum Totengräber seines <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aul">Auyls</a> geworden. In einer Truhe in seiner Jurte versteckt er seinen 8-jährigen Bruder Álim, um diesen zu schützen – allzu gut weiß er, dass gerade die Schwächsten leicht Opfer von Kannibalismus werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als einer der wenigen, die den Weg in die nächstgelegene Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarqan">Sarqant</a> kennen, wird Isataı von der Sowjetmacht seines Auyls auserkoren, um ein Bittgesuch für bessere Lebensmittelversorgung zu überbringen. Zwar sträubt er sich dagegen, allerdings lässt der ältere Magaı ihn wissen, dass er Álim in Sarqant in ein Waisenhaus geben kann, wo der Junge vor dem wahrscheinlichen Tod durch Hunger oder Mord sicher sei.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In Begleitung eines russischen Soldaten und mit Álim im Wagen versteckt, macht sich Isataı auf den Weg. Doch bereits in der ersten Nacht wird die Gruppe von Räubern überfallen. Der Soldat flieht, Isataı und Álim bringen sich mit Hilfe des aus dem nichts aufgetauchten, einäugigen Alten Tepe in Sicherheit, verlieren aber die Orientierung in der endlosen Steppe. Tepe, der vorgibt auch nach Sarqant zu reisen und den Weg zu kennen, führt die beiden an. Doch schon bald verliert Isataı das Vertrauen in Tepe und der Horrortrip beginnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Raum für Interpretationen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit großartigen Landschaftsaufnahmen, stylischen Bildkompositionen und einem perfekten Auge fürs Detail zeigt Aısultan Seıt, was er beim Clip-making gelernt hat und schafft für „Qash“ eine ganz eigene, bedrückende Ästhetik. Insbesondere der Grauschleier, der über dem gesamten Film liegt, trägt dazu bei, distanziert aber auf der anderen Seite auch vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist außerdem, dass der Film vorrangig über das Visuelle funktioniert. Dialoge sind – wie Seıt selbst im Interview mit <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Esquire.kz</a> hervorhebt – auf ein Minimum reduziert. Doch auch das virtuelle Spiel mit den Geräuschen und der Stille der Steppe tragen zur Atmosphäre von „Qash“ bei.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="ҚАШ | Official Trailer" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/Z00URErDabc?start=2&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Der Trailer zum Film</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus hinterlässt der Film Raum für Interpretationen, die ihm eine zusätzliche Tiefe verleihen. Dies betrifft vor allem die Figur des mystischen Tepe, der zwar vorgibt, den Weg zu kennen, letztendlich aber alle in die Irre führt. So stellte die Journalistin Galina Baıjanova im <a href="https://esquire.kz/ajsultan-seitov-nichto-ne-otobet-moe-zhelanie-rabotat-v-kino/">Gespräch mit Aısultan Seıt</a> fest, dass Tepe sie an Kasachstans ersten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> erinnere – eine Parallele, die aber laut dem Regisseur nicht intendiert sei. Vielmehr weist er darauf hin, dass <em>„Tepe eine Ableitung von Tepekoz ist, dem Namen des Zyklopen in der türkischen Mythologie. In dieser Geschichte haben wir also den alten Mythos des Zyklopen verschleiert, der zwei Brüdern eine Herde Widder wegnahm und sie zurückbrachte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Tepe nicht die einzige Figur, die bei einigen Kinobesucher:innen Erinnerungen an kasachische Mythen hervorrief. Während der Diskussionsveranstaltung „Kasachstan auf der Suche nach einer neuen Identität?“, die ebenfalls im Rahmen des FilmFestivals Cottbus in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien stattfand, stellte Aısultan Seıt klar, dass bei der Rolle der Alman keine Nähe zu Jeztyrnaq („Kupfernagel“), einer bekannten Figur der kasachischen Mythologie, intendiert sei. Auch die Darstellerin Tolģanaı Talgat erklärteim Rahmen der Podiumsdiskussion, dass es ihr allein darum gegangen sei, den Schmerz der trauernden Mutter zu verkörpern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein (de)kolonialer Film?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Aısultan Seıts Spielfilmdebut in Kasachstan sehnlich erwartet worden war, rief der Film auch einige Kritik hervor. Wie der Regisseur selbst bei der Podiumsveranstaltung in Cottbus darstellte, waren die Erwartungen an ihn besonders hoch. Einer der Kritikpunkte, die ihn besonders getroffen haben, sei gewesen, dass man „Qash“ als unpolitisch gesehen habe, weil der Film die Auslöser der Hungerkatastrophe nicht eindeutig benenne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Kritiker hingegen sehen den Film zwar als eindeutig politisch, aber mit – wie es Aıdos Taıbekuly auf <a href="https://newreporter.org/2023/01/18/film-qash-ob-asharshylyke-debyut-kazaxstanskogo-rezhissyora-ili-politicheskoe-vyskazyvanie/">New Reporter</a> formuliert – <em>„zweideutiger politischer Botschaft“</em>. <em>„Dem Drehbuch zufolge litten nicht nur lokale Kasachen unter Hunger in der Steppe, sondern auch Vertreter der Sowjetregierung, die eine Kollektivierung durchführte, in deren Folge eine schreckliche Hungersnot ausbrach. Selbst wenn es in der Sowjetregierung vereinzelt zu Hungersnöten kam, wie angemessen ist es dann, auf das Leid der Täter während des Massentodes ihrer Opfer hinzuweisen?“</em>, so Taıbekuly.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit befindet sich „Qash“ inmitten der aktuellen Diskurse <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen/">um Dekolonialisierung</a> in Kasachstan, in denen das nationale Trauma des Asharshylyq eine zentrale Rolle einnimmt, da er wesentlich zur Sowjetisierung der kasachischen Gesellschaft beitrug. Auch die von russischen Schaupieler:innen dargestellten Rollen, wie der der russische Soldat, der Streichhölzer schenkt und so die Moderne ins Leben von Isataı und Álim einziehen lässt, oder die Erzieherin im Kinderheim von Saqant riefen Kritik hervor. Tatsächlich sind aber – wie der Regisseur hervorhebt – beide Figuren vielschichtiger und passen nur bedingt ins Topos „weißer Retter:innen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/dos-muqasan-die-geschichte-der-kasachischen-beatles-als-film/"><strong>„Dos-Muqasan“ – die Geschichte der „kasachischen Beatles“ als Film</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei aller Kritik sollte man aber bedenken, dass „Qash“ an keiner Stelle intendiert, die Geschichte des Asharshylyq zu erzählen oder gar dokumentarisch zu sein. <em>„Ursprünglich wollten wir einen Film über sich in der Steppe verirrende Meschen machen. Aber als ich darüber nachdachte, in welchem ​​Kontext ich dies tun sollte und in welchem ​​Zeitraum dies geschehen könnte, wurde mir klar, dass es wahrscheinlich die 30er Jahre sein würden. Inspiriert wurde ich von der Geschichte des Urgroßvaters meines Freundes, der während der Hungersnot dank seines älteren Bruders gerettet wurde, da dieser ihn durch die Wintersteppe trug und ihn dann in ein Waisenhaus brachte“</em> erklärte Seıt gegenüber Esquire.kz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demnach sollte man „Qash“ auch als das sehen, was er ist: kein Film über die Hungersnot, sondern eine Geschichte, die vor deren Hintergrund spielt. Denn ohne diese falschen Erwartungen bleibt ein durchweg spannendes und großartig inszeniertes Debut, das Lust auf mehr macht.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Robin Roth für Novastan</strong></p>



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