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	<title>Peggy Lohse, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Peggy Lohse, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Wie fünf Forschende für die Sprachen der Pamir-Region kämpfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Mar 2021 11:47:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleich mehrere Pamirsprachen stehen kurz vor dem Aussterben. F&#xFC;r ihren Erhalt engagieren sich nun die Sprechenden selbst.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-fuenf-forschende-fuer-die-sprachen-der-pamir-region-kaempfen/">Wie fünf Forschende für die Sprachen der Pamir-Region kämpfen</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gleich mehrere Pamirsprachen stehen kurz vor dem Aussterben. Für ihren Erhalt engagieren sich nun die Sprechenden selbst. Fünf von ihnen stellte Asia-Plus am 23. August 2020 vor. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übersetzen wir den Artikel aus dem Russischem. Fotos der Porträtierten finden sich im <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20200823/kak-5-molodih-issledovatelei-boryutsya-za-sohranenie-pamirskogo-yazika">Originalbeitrag</a>.</strong><a href=""></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Firus Sabsalijew &#8211; der Regisseur</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schauspieler Firus Sabsalijew dreht seit vielen Jahren Kinofilme, organisiert und realisiert den Dreh. Vor einem Jahr startete er ein neues Projekt: Hörbücher auf Pamirsprachen. Es erfuhr viel Unterstützung und befindet sich gerade in der Abschlussphase. Ein Hörbuch umfasst zwei Teile der „Märchen des tadschikischen Volkes“ („Afsonachoi chalki totschik“) &#8211; zwei CDS mit jeweils 15 Geschichten. Die Sammlung besteht aus Märchen in den Sprachen <a href="https://de.qaz.wiki/wiki/Shughni_language">Shughni</a>, <a href="https://de.qaz.wiki/wiki/Rushani_language">Rushani</a> und <a href="https://de.qaz.wiki/wiki/Wakhi_language">Wakhi</a>. Sabsalijew betont, dass er dieses Projekt zugunsten der Erhaltung der <a href="https://de.qaz.wiki/wiki/Pamir_languages">Pamirsprachen</a> ins Leben rief.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich bin kein Sprachwissenschaftler und kein Linguist, aber ich kann nicht mehr tatenlos bleiben. Ich war sehr froh, dass mein Projekt unterstützt wurde. Ich liebe es, die Menschen zu erfreuen und etwas Nützliches zu tun“</em>, so Sabsalijew. <em>„Ich bin heute mit Freude bei der Sache und bemühe mich, mit meiner Arbeit andere zu erfreuen.“</em> Wenn die Arbeiten an dem Hörbuch abgeschlossen sind, soll es im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3lRPoOEn5rw&amp;list=PLDXGhtNfrpPcr2LUQtUY4Ch8dcbI4JRlX">Internet frei verfügbar</a> sein. Außerdem arbeitet Sabsalijew als Regisseur an weiteren ähnlichen Projekten: sowjetische Zeichentrickfilme und Filme auf Shughni, die auf <a href="https://www.youtube.com/channel/UCoF2YLNwnrbOkrjzsknDWQg/videos">YouTube anzusehen</a> sind.</p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Лак Лак" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/YLCCtSU4AMo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Aber allein meine Hörbücher sind nicht genug“</em>, ist sich Sabsalijew bewusst, <em>„um die Sprache zu erhalten, muss sie gelernt werden. Die Pamirsprachen sollten zum Lehrplan in Schulen gehören, in den ersten Klassen. Im örtlichen Fernsehen ‚Badachschon‘ müsste die heimische Sprache zu hören sein, und natürlich ein Radiosender, der in Pamirsprachen sendet.“</em> Auch seinen Film „Der Prophet. Das Leben des Omar Chajm“, den er im Iran drehte, will er synchronisieren lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sawri Kuwatbekowna &#8211; die Komparatistin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren schon lebt Sawri Kuwatbekowna in den USA und reist durch viele Länder. <em>„Auf meinen Reisen erforsche ich die Sprachen, lausche den Klängen der verschiedenen Sprachen. Ich stelle mir immer die Frage, inwiefern sie meiner Muttersprache ähneln &#8211; dem Pamirischen“</em>, so Kuwatbekowna. <em>„Zum Beispiel das Wort ‚Frau‘ heißt im Griechischen ‚genika‘ &#8211; genauso wie in Shughni: ‚genik‘. Auf Hindi sagt man ‚jaldi‘, was ‚schneller‘ heißt, im Persischen ‚xÏst‘ für ‚nass‘, das bulgarische ‚chashma‘ bedeutet ‚Quelle‘ &#8211; all diese Wörter benutzen wir auch in Shughni. Viele andere Sprachen gibt es mit Wörtern aus meiner Muttersprache.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie</strong> <strong>auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/pamirsprachen-vom-aussterben-bedroht/">Pamirsprachen vom Aussterben bedroht</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es mache sie traurig, dass Wörter, die in der Steinzeit benutzt wurden, heute viel seltener würden &#8211; stattdessen spreche man mehr und mehr in technischen Begriffen. <em>„Das bemerkst Du nicht, solange Du nicht außerhalb von Tadschikistan lebst“</em>, sagt sie. Kuwatbekowna arbeitet eigentlich im Gesundheitswesen, parallel beschäftigt sie sich aber auch mit Übersetzungen und Nachhilfeunterricht, dabei spricht sie reines Shughni.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Sozialen Netzwerken hat Sawri Kuwatbekowna die Gruppe „Pamirsprachen“ gegründet, wo sie regelmäßig interessante Fakten, Lieder, wissenschaftliche Studien und Geschichten rund um das Thema teilt. Auf dieser Plattform fällt es ihr dann besonders leicht, sich mit den Menschen aus ihrem Heimatland in der Muttersprache auszutauschen. <em>„Ich habe Kontakt zu Leuten, die reines Shughni sprechen“</em>, sagt Kuwatbekowna. <em>„Mit diesen Menschen teile ich Sprache und Kultur über den Fluss hinweg &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Badachschan</a>-Afghanistan &#8211; und sie leben in den USA. Immer, wenn ich eine Frage zu einem unverständlichen Wort habe, wende ich mich an sie.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/warum-es-in-tadschikistan-schwer-ist-tadschikisch-zu-lernen/">Warum es in Tadschikistan schwer ist, Tadschikisch zu lernen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Interesse an den Pamirsprachen entdeckte Kuwatbekowna während ihres Studiums der englischen und französischen Sprache an der staatlichen Universität in <a href="http://[https://de.wikipedia.org/wiki/Chorugh]">Chorugh</a>. Nach ihrem Master-Abschluss in Linguistik an der Kunstfakultät der Uni im indischen Delhi University, begann Kuwatbekowna, als Englischlehrerin an der professionellen Sprachschule der Zentralasien-Universität in Tadschikistan zu arbeiten. Besonders habe sie ihr verstorbener Cousin Tupchi Bachtibekow inspiriert, der als einer der ersten die Pamirisprachen thematisierte. Er hatte mehrere wissenschaftliche Arbeiten über die Struktur der Shughni verfasst und trug wesentlich zum Studium der Pamirsprachen bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kuwatbekowna ist davon überzeugt, dass es zu deren Erhalt Medien, Radio, Bücher, Zeitungen und Fernsehen brauche. All dies sollte den Sprechenden zur Verfügung stehen. Aber auch die Menschen selbst sollten die Sprache nicht sterben lassen, denn Sprache sei ein Spiegelbild der Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Safo Alinasar &#8211; der Dichter</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Safo Alinasar ist ein <a href="https://www.facebook.com/Safo-Alinazar-Sheren-Сафо-Алиназар-Шеърен-1791278151163715/">aktiver, junger Dichter</a>, der Gedichte und Lieder in seiner pamirischen Muttersprache schreibt. Bis heute hat er zwei Bücher in Shughni veröffentlicht. Das erste Buch mit dem Titel „Feuer, Wasser, Rauch&#8220; enthält ausschließlich Gedichte in Shughni, der Titel des zweiten Buches, „Nan ziv“, bedeutet Muttersprache und wurde bereits von vielen romanischsprachigen Amateurdichtern geschätzt. Hauptberuflich arbeitet Alinasar im Bildungswesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/leben-auf-dem-dach-der-welt-ueber-tadschikische-und-pamirische-identitaeten/">Leben auf dem Dach der Welt: Über tadschikische und pamirische Identitäten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Von Zeit zu Zeit schreibe, komponiere und veröffentliche ich meine neuen Gedichte in Pamirsprache, meistens in den Weiten des Internets“</em>, so der Dichter Alinasar. <em>„Ich denke, dieses mündliche Wissen über die Sprache wird von Generation zu Generation weitergegeben, und auf diese Weise können wir zumindest einen Teil davon bewahren, wenn nicht sogar alles. Ich bin froh, dass ich einen Beitrag leisten kann. Heute befinden sich unsere Pamirsprachen in einer sehr schwierigen Situation, Globalisierung und Fehlübersetzung verschlimmern und zerstören die Einzigartigkeit dieser Sprachen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Chusnija Chutschamerowa &#8211; die Sprachwissenschaftlerin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chusnija Chutschamerowa engagiert sich im Verband für Studien bedrohter Sprachen und lebt seit mehr als zehn Jahren in New York. Sie hat die Pamirsprachen studiert und spricht bereits mit ihren 21 Jahren als Referentin vor amerikanischen Studenten über bedrohte Sprachen auf der ganzen Welt. Zu Forschungszwecken besuchte sie auch schon ein paar Mal Tadschikistan, um dort ältere Menschen im Pamir zu interviewen. Für ihre Recherche suchte sie nach seltenen Wörtern, die noch von der älteren Generation verwendet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/frauen-am-steuer-dokumentarfilm-uber-die-frauen-des-pamir/">Frauen am Steuer: Dokumentarfilm über die Frauen des Pamir</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Um den Verfall der Pamirsprache zu verhindern, versuche ich alles, was ich erfahren kann, zu bewahren &#8211; jede Information“</em>, sagt die junge Sprachforscherin. Sie berichtet von ihrer Arbeit in englischer Sprache, um das Thema weltweit bekanntzumachen. <em>„Das ist mein Job, ich erzähle viel über Tadschikistan, über unsere Sprache, Kultur und den Alltag. Ich tue, was ich kann, um meine Muttersprache zu bewahren, auch wenn ich weit jenseits des Ozeans lebe. Ich habe diese Gelegenheit und das ist meine Mission und eine sehr wichtige Sache.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chutschamerowa schreibt auch Kinderbücher &#8211; in fünf Pamirsprachen: Shughni, Rushani, Wakhi, Bartangi und Ishkashmi. Die Reihe besteht aus gesammelten Geschichten in Pamirsprache. Die Initiative komme zur rechten Zeit, meint Chutschamerowa: <em>„Die Zukunft der Sprache liegt in den Händen der Kinder, und Bücher in ihrer Muttersprache werden dazu beitragen, ihr Wissen über die Sprache und die Geschichte ihrer Vorfahren zu stärken.“</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Scherwonscho Alomschojew &#8211; der Forscher </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Scherwonscho Alomschojew widmete als junger Wissenschaftler den Pamirsprachen seine ganze wissenschaftliche Arbeit. Er entdeckte dabei zahlreiche Fakten und Werken von weltberühmten Historikern und Schriftstellern. <em>„Es wurden viele wissenschaftliche Arbeiten über die Sprache geschrieben und verschiedene Bücher veröffentlicht, aber leider wurden alle diese Arbeiten vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion erstellt“</em>, räumt Alomschojew  ein. </p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zu dieser Zeit wurden verschiedene Schulbücher veröffentlicht, es gab einen Pamir-Verlag, Zeitungen, Zeitschriften sowie Radio- und Fernsehsendungen, in denen über die Bedeutung der Existenz und den Erhalt der Sprache diskutiert wurde. Es gab fakultativen Unterricht in Shughni, Shughni-Alphabet und -Grammatik  sowie ein Yazgulam-Alphabet, Lehrbücher wurden publiziert.&#8220;</em> Alomschojew bedauert, dass mittlerweile Drucke und Veröffentlichungen in Pamirsprachen aus den Massenmedien verschwanden. <em>„Es ist traurig, dass das Schicksal der Pamirsprachen heute nur noch diejenigen betrifft, die sie sprechen, und die Sprecher selbst um sie kämpfen.“</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Wasila Bulbulschojewa für <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20200823/kak-5-molodih-issledovatelei-boryutsya-za-sohranenie-pamirskogo-yazika">Asia-Plus</a></strong><a href=""></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Woher die Pistazien auf Tadschikistans Märkten kommen &#8211; und warum selbst einheimische so teuer sind</title>
		<link>https://novastan.org/de/tadschikistan/pistazien-markt-tadschikistan-beliebt-warum-teuer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Mar 2021 19:10:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadschikistan liebt Pistazien. Seine Pistazienw&#xE4;lder bedecken immerhin gut 0,5 Prozent der Gesamtfl&#xE4;che des Landes. Dennoch werden die beliebten N&#xFC;sse auf dem Markt teurer. </p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tadschikistan liebt Pistazien. Seine Pistazienwälder bedecken immerhin gut 0,5 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Dennoch werden die beliebten Nüsse auf dem Markt teurer. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dieser Frage geht ein <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/life/food/20210226/chi-fistashki-prodayut-na-tadzhikskom-bazare-i-pochemu-oni-stali-takimi-dorogimi">Asia-Plus-Artikel vom 26. Februar</a> nach. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wussten Sie, dass Pistazien zu den ältesten Nussarten der Welt gehören? Die Menschheit ernährt sich schon seit mehr als 9000 Jahren auch von Pistazien. In Tadschikistan sind sie besonders beliebt: Auf dem Gebiet der Republik erstrecken sich mehr als 78.000 Hektar Pistazienwälder. Laut dem Lebensmittelhandel-Portal <a href="https://east-fruit.com/novosti/v-tadzhikistane-zalozhat-30-ga-fistashkovykh-sadov/">EastFruit</a> will Tadschikistan diese Pistazienfläche mit Hilfe koreanischer Spezialisten in diesem Jahr weiter vergrößern.&nbsp;</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Welche Pistazien-Arten gibt es auf den Märkten Tadschikistans?</strong><a href=""></a></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Märkten werden Pistazien-Arten aus der Türkei, dem Iran und aus Tadschikistan selbst verkauft. Die Preise variieren abhängig vom Herkunftsland und dem Äußeren der Pistazien. Als die schönsten Pistazien gelten auf tadschikischen Märkten Pistazien aus dem Iran. Sie sind dick, groß und hell &#8211; das Beste für eine Festtagstafel. Besonders beliebt sind die Sorten Fandogi und Kale Ghuchi (Jumbo), die im Südiran wachsen, vorrangig in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bam_(Iran)">Stadt Bam</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sorte Fandogi besitzt eine rundliche Form und ist günstiger als die anderen. Darum wird sie am meisten exportiert. Kale Ghuchi, besser bekannt als Jumbo, sind länger und größer. Trotz der hohen Nachfrage werden sie immer weniger angebaut. Auffallend ist, dass die iranischen Pistazien häufig heller sind als andere Sorten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-pralle-leben-in-schymkent/"></a><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wie-usbekistan-von-den-russischen-sanktionen-fur-lebensmittel-aus-dem-westen-profitiert/">Wie Usbekistan von den russischen Sanktionen für Lebensmittel aus dem Westen profitiert</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die in Tadschikistan beliebteste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gaziantep_(Provinz)#Die_Antep-Pistazie">türkische Pistazienart ist Antep</a>. Sie ist ein bisschen kleiner als andere Arten, getrocknet oder gebraten ist sie schwer zu öffnen, weil ihre Schale lang und dünn, aber hart ist. <a href=""></a>Wertvoll macht sie dagegen ihr süßer Geschmack, darum sind Antep-Pistazien durchaus teuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Vergleich zu den türkischen und iranischen Pistazien sind die Tadschikischen eher klein und unscheinbar, dafür oft weit geöffnet. Das alles aber ersetzt der Geschmack: intensiv, weich und leicht salzig. Als wichtigste Eigenschaft gilt, dass die tadschikischen Pistazien besonders natürlich angebaut würden &#8211; das lockt die Kundschaft an. Wie alle anderen Nussbaumsorten auch, wachsen Pistazienbäume im Süden. Die größten Pistaziengärten gibt es in:&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pandsch">Pandsch</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Danghara">Danghara</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farkhor">Farkhor</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Norak">Norak</a>, Sangtuda, Ujali und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Istarawschan">Istrawschan</a>. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="655" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/03/pistachios_salty_shell_delicious_snack_brass_bowl-1331991.jpgd_-1024x655.jpeg" alt="Bei der Auswahl der Pistazien auf dem Markt gibt es einiges zu beachten. Ein Verkäufer gibt Tipps." class="wp-image-25699" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/03/pistachios_salty_shell_delicious_snack_brass_bowl-1331991.jpgd_-1024x655.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/03/pistachios_salty_shell_delicious_snack_brass_bowl-1331991.jpgd_-300x192.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/03/pistachios_salty_shell_delicious_snack_brass_bowl-1331991.jpgd_-768x491.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/03/pistachios_salty_shell_delicious_snack_brass_bowl-1331991.jpgd_.jpeg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Bei der Auswahl der Pistazien auf dem Markt gibt es einiges zu beachten. <br>Ein Verkäufer gibt Tipps. / Foto: PxHere</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Wie finde ich die leckersten Pistazien auf dem Markt?</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Verkäufer des berühmten <a href="https://novastan.org/de/bild-des-tages/modernes-markterlebnis/">Mehrgon-Marktes in Duschanbe</a> verrieten ihr Geheimnis, wie man Pistazien richtig aussucht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: Achten Sie auf Form und Größe. Pistazien sollten niemals alle gleich groß sein. Eine Nuss ist kleiner, eine andere größer. Sie müssen nicht ideal sein, das lässt an der Natürlichkeit ihres Anbaus zweifeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: Es lohnt sich genau hinzuschauen, ob die Pistazien blitzen und strahlen. Wenn ja, sollte man sie nicht erwerben, denn ein solcher Glanz wird durch chemische Behandlung erzeugt.&nbsp;</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens &#8211; das Wichtigste: Die Pistazien sollten geöffnet sein. Sind sie geschlossen, sind sie noch nicht reif. Dann kann es sein, dass die Pistazie innen leer ist. Das kommt oft vor, darum sollte man darauf achten. Wenn Sie aber doch geschlossene Pistazien erwischt haben, können Sie sie reiben und als Gewürz zum Kochen benutzen. Oder öffnen, putzen und trocknen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Warum sind Pistazien so teuer?</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viel es genau kostet, Pistazien aus der Türkei oder dem Iran nach Tadschikistan zu bringen, wissen wir nicht. Aber dass das nicht ganz billig ist, ist klar. Aber warum sind auch die einheimischen Pistazien so teuer? Dafür gibt es mehrere Gründe:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einerseits sind tadschikische Pistazien auch in den Nachbarländern sehr beliebt. Händler auf Afghanistan beispielsweise kaufen jedes Jahr große Mengen Pistazien aus <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Panj">Pandsch</a> auf. Infolgedessen steigt ihr Preis auf dem tadschikischen Markt. Außerdem haben die Bauern seit Jahren Schwierigkeiten bei Anbau und Ernte: Seit drei Jahren schon fällt im Frühling wieder Schnee, der dann die gesamte Ernte zerstören kann.  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistan-was-und-woher-importiert-wird/">Turkmenistan: Was und woher importiert wird</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Märkten in Tadschikistan kosten die teuersten Pistazien 110 bis 115 Somoni pro Kilogramm (umgerechnet rund 8,50 Euro), auf dem Mehrgon-Markt in Duschanbe zahlt man für die größte bis zu 150 Somoni pro Kilo. Pistazien aus dem Iran werden meist für rund 100 Somoni pro Kilo, die günstigsten aus der Türkei kosten 80 bis 90 Somoni. Tadschikische Pistazien werden im Internet für 130 Somoni pro Kilo gehandelt. Laut dem <a href="https://east-fruit.com/novosti/v-tadzhikistane-zalozhat-30-ga-fistashkovykh-sadov/">Portal EastFruit</a> schwankt der Preis einheimischer Pistazien auf den Märkten Tadschikistans zwischen 60 und 140 Somoni (zwischen 4,4 und gut 10 Euro). </p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Die besonderen Eigenschaften der Pistazien</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Aber trotz der verhältnismäßig hohen Preise werden die Pistazien gern und gekauft. Denn Pistazien sind gesund und nehmen einen besonderen Platz unter allen Nüssen ein. Pistazien enthalten eine Menge gesunder Elemente: Sie beeinflussen die Erneuerung der psycho-emotionalen Verfassung, das Herz-Kreislauf-System und haben eine tonisierende Wirkung auf den menschlichen Organismus. ÄrztInnen empfehlen den Verzehr von Pistazien allen, die großen physischen oder geistigen Druck erleben oder vor Kurzem eine schwere Krankheit überstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-pralle-leben-in-schymkent/">Das pralle Leben in Schymkent</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Pistazien verringern aufgrund des Fettsäuregehalts das Herzinfarktrisiko. Sie stärken die Wände der Blutgefäße und stellen einen schnellen Herzschlag wieder her. Die Inhaltsstoffe dieser Nüsse sind wohltuend für die Augen und eine gute Prophylaxe für gute Sicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sollte jedoch nicht mehr als 30 Gramm Pistazien pro Tag essen. Denn übermäßiger Verzehr kann Schwindel, Übelkeit und manchmal Halluzinationen verursachen. Also, Vorsicht!</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Naima Radschabowa für <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/life/food/20210226/chi-fistashki-prodayut-na-tadzhikskom-bazare-i-pochemu-oni-stali-takimi-dorogimi">Asia-Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href=""></a><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>


<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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		<title>Vier Jahre in Freiheit? &#8211; Insider-Interview zur Lage der Medien in Usbekistan</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/vier-jahre-presse-freiheit-insider-interview-medien-usbekistan/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jan 2021 14:37:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Amtsantritt von Pr&#xE4;sident Mirziyoyev genie&#xDF;en Medien in Usbekistan mehr Freiheiten. Wie sich der Journalismus im Land seitdem entwickelt, erkl&#xE4;rt der Journalist Nikita Makarenko.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/vier-jahre-presse-freiheit-insider-interview-medien-usbekistan/">Vier Jahre in Freiheit? &#8211; Insider-Interview zur Lage der Medien in Usbekistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Amtsantritt von Präsident Mirziyoyev genießen Medien in Usbekistan mehr Freiheiten. Wie sich die Branche im Land seitdem entwickelt, erklärt der Journalist Nikita Makarenko. Das Interview mit ihm erschien am 10. Juni 2020 im <a href="https://caa-network.org/archives/19930">russischsprachigen Original bei CAAN</a> (Central Asian Analytical Network). Wir übersetzen es mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medienlandschaft in Usbekistan, dem mit rund 33 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens, ist ein spannendes Forschungsobjekt. Mit dem Amtsantritt des Präsidenten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">Shavkat Mirziyoyev</a> vor vier Jahren erhielten Medien, die zuvor noch im alten Modus offiziöser und strenger Zensur konserviert waren, die Möglichkeit einer kritischen Berichterstattung und qualitativer Entwicklung. Wie sich der usbekische Journalismus seitdem entwickelt, erläutert im CAAN-Interview <a href="https://makarenko.uz/en">Nikita Makarenko</a>, Korrespondent bei „<a href="https://uzreport.news/live">UzReport TV</a>“ und Autor des Telegram-Kanals „<a href="https://ttttt.me/makarenko_channel">Effekt Makarenko</a>“.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN:<em> Wie würden Sie die heutige Medienlandschaft in Usbekistan beschreiben? Welche Medien bestimmen den Markt, was lesen die meisten Menschen im Land: staatliche Medien, private Medien oder Blogs?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nikita Makarenko: <em>Usbekistans Medienmarkt ist ein durchaus lebendiger „Basar“, auf dem immer mehr auch ernstzunehmende Werbebudgets auftauchen. Unter dem früheren Präsidenten Karimov stellten die Medien einen sterilen Raum dar, ähnlich der glatten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Barsakelmes">Salzwiesen der Halbinsel Barsakelmes</a>.&nbsp;</em><a href=""></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dort konnte man nur überleben, wenn man sich an der Oberfläche „ausbreitete“. Jedem, der es riskierte, seinen Kopf zu heben, der verlor ihn auch bald. Der Beruf des Journalisten war nicht sehr angesehen und schlecht bezahlt. In den letzten drei Jahren aber hat sich die Situation langsam, aber sicher um 180 Grad gewendet. Die alten Medien sind aufgestiegen und aktiv geworden. Businessmenschen sehen das Potential des Marktes, eröffnen Fernsehkanäle und Online-Portale. Der Medienmarkt riecht nach Geld. Er ist keine Salzwiese mehr. Das ist ein enger, lauter und streitsüchtiger kleiner Basar.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Fachkräftemangel bremst Fortschritt aus</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eines der größten Probleme heute aber sind die Fachkräfte. Wie man sich schon vorstellen kann, hat sich in den letzten Jahren niemand der Aufgabe angenommen, Journalisten auszubilden. Sie konnten nirgendwo Erfahrungen sammeln, sich an niemandem ein Beispiel nehmen. Und die Talentiertesten gingen weg. Die Entwicklung des Marktes wird heute stark durch den Fachkräftemangel ausgebremst. Mit Beginn des akademischen Jahres 2020/21 werden an mehreren einheimischen Hochschulen wieder Fakultäten für Journalismus eröffnet. Vielleicht hilft das, die Lücken aufzufüllen. Ich würde auch selbst gerne unterrichten, aber bisher hat mir noch keine der usbekischen Hochschulen einen Lehrstuhl angeboten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Seriöse Studien zum Medienkonsum in Usbekistan sind, so weit ich mich erinnern kann, noch nicht durchgeführt worden. Zuletzt hat Internews aber die <a href="https://internews.org/resource/information-flows-and-radicalization-leading-violent-extremism-central-asia">Ergebnisse einer interessanten Umfrage</a> veröffentlicht: Dabei kam heraus, dass in Usbekistan die überwältigende Mehrheit in allen Altersklassen das Fernsehen präferiert. Das Internet ist nur halb oder gar ein Drittel so beliebt. Nur 57,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sie überhaupt das Internet nutzten. Und dennoch ist das Aufblühen der usbekischen Presse unter Präsident Mirziyoyev eng mit Online-Medien verbunden &#8211; und zwar nur mit Online-Medien. Hier starteten die ersten mutigen Publikationen und Recherchen. Hier wehte plötzlich ein „Wind der Freiheit“. Hier brodelt und kocht es weiter. Das Fernsehen bleibt ein recht steriles Format, das sowohl staatlicher Zensur als auch der Selbstzensur unterliegt. Nur ein-zwei Sender erlauben es sich, bis zu einem bestimmten Grad Themen zu bearbeiten, an deren Schärfe sich das Online-Publikum schon gewöhnt hat.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zeitungsverkaeufer-in-taschkent-ein-blick-auf-die-andere-seite-des-kioskfensters/">Zeitungsverkäufer in Taschkent: Ein Blick auf die andere Seite des Kioskfensters</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Blogs und die Blüte ihrer Popularität sind eine weitere Charakteristik des zeitgenössischen Usbekistans. Sie verfügen über einen großen Vertrauensvorschuss unter den Lesenden, weil sie heikle Themen wie Korruption, Kriminalität und Willkür teilweise überhaupt zum ersten Mal öffentlich aufgreifen. Oft erscheinen Informationen bei ihnen schon früher als bei registrierten Online-Medien. Denn Letzter müssen lange die „Zeiger überprüfen“ mit ihrer inneren Selbstzensur. Einige drängende Themen kommen so nie in den offiziellen Medien vor, also bleibt nur die Blog-Sphäre. Andererseits aber neigen Bloggende dazu, ungeprüfte und widersprüchliche Informationen zu verbreiten und so ihr Publikum zu manipulieren. Auftragspublikationen und politische Hetze sind nicht selten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Der Präsident Mirziyoyev hat die Medien dazu aufgerufen, kritischer zu sein. Wie sieht Kritik aufseiten der wichtigsten Medien aus, an wen richtet sie sich und zu welchen Themen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Die Online-Medien berichten kritisch über ein sehr breites Spektrum von Themen, was man aber von ihren KollegInnen beim Fernsehen, Radio und der Presse nicht sagen kann. Ruhig und schmerzfrei verläuft für die AutorInnen Kritik an Beamten bis zum Rang der Minister &#8211; also auch bei Leitern der Oblaste, Bürgermeistern, Abgeordneten und Senatoren. Kritik an höherrangigen Politikern trifft man seltener an. Diese Bereiche sind noch immer mit einem bestimmten Niveau von Selbstzensur belegt. Ansonsten aber gibt es kaum Einschränkungen. </em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Abriss, Registrierung und Meinungsfreiheit bestimmten vor Covid-19 die kritischen Medien</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Je nach ihren Möglichkeiten und ihrem Mut kritisieren die Medien Unternehmer, kommunale Betriebe, die Innen- und Außenpolitik. Am häufigsten geraten die Köpfe der Oblaste und die Bürgermeister (Khokim) ins Visier der Medien. Vor der Pandemie dominierten die kritischen Medien Probleme mit rechtswidrigem Wohnungs- und Hausabriss, mit mangelnder Infrastruktur, der Meinungsfreiheit und Selbstverwirklichung, das Meldeystem, die Handlungen der Sicherheitskräfte und viele mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Wie Sie bereits erwähnten, sind Blogs und Telegram-Kanäle besonders populär in Usbekistan. Können Sie uns eine kurze Charakteristik liefern?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Das usbekische Telegram ist sicherlich eine am weitesten entwickelte Gemeinschaft der Welt in diesem Messenger. Es ist einzigartig: Diese Gemeinschaft wartet noch auf einen Forscher, der seine Dissertation darüber verfasst. Laut den Daten von App Annie liegt Usbekistan auf dem weltweit zweiten Platz nach der User-Anzahl. Hier ist eine unvergleichliche Atmosphäre entstanden. In einem Messenger werden freche Blogger und Trollfabriken, die die staatlichen Strukturen unterstützen, lebendig, außerdem Patrioten und Extremisten sowie Sicherheitsorgane und Drogendealer. Das ist ein wilder Saloon, wo jeder Unterhaltung nach seiner Façon finden kann. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/man-macht-uns-mal-wieder-mundtot-ueber-covid-19-und-pressefreiheit-in-tadschikistan/">„Man macht uns mal wieder mundtot“ – Über Covid-19 und Pressefreiheit in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Usbekische Blogger und populäre Kanäle &#8211; das ist Usbekistans Telegram. Sie formen es, für ihre Inhalte folgen die Menschen ihnen in dem Messenger. Hier wird über absolut alles geschrieben. Hier kann man sich witzige lokale Videos ansehen oder einen intellektuellen Kanal über städtische Architektur finden. Man kann nicht behaupten, dass sie usbekische Blogger und Kanäle tiefgehend mit Fakten-Check beschäftigen würden. In der Regel werden auf Telegram unzählige Fakes und Gerüchte verbreitet. Besonders populär ist das Genre gefälschter Dokumente und Screenshots. Viele dieser Dinge werden bewusst erstellt, mit ganz konkreten Zielen. Ich kann nicht sagen, dass das Publikum gut darauf vorbereitet wäre, selbstständig solche Informationen zu überprüfen. Darum sind Fake-Kampagnen oft erfolgreich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Wie steht es um usbekischsprachige Medien? Wie unterscheiden sie sich von russischsprachigen hinsichtlich der Themen und ihres Schlüsselpublikums? </em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Medien in usbekischer Sprache sind zweifellos viel beliebter und finden ein tausendmal größeres Publikum als russischsprachige Medien. Aber diese zwei Medientypen dublieren einander nicht, sondern leben in einer sonderbaren Symbiose. Beide sind gefragt beim Publikum und bei Anzeigenkunden. Man kann nicht sagen, dass russischsprachige Medien deutlich weniger verdienen würden, obwohl sie ein kleineres Publikum haben. Dazu kommt es nicht, weil beide Zielgruppen für die Anzeigenkunden gleichwertig sind &#8211; unabhängig von den unterschiedlichen Zahlen. Die russische Sprache ist am weitesten verbreitet in der wirtschaftlich aktivsten Region Usbekistans &#8211; in Taschkent. Das ist auch der Grund für das Interesse der Anzeigenkunden am russischsprachigen Publikum.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Usbekischsprachige Medien berichten aus den Regionen über Religion und Identität</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Charakteristisch für usbekischsprachige Medien ist die Menge an willkürlich übersetzten internationalen Nachrichten aus ausländischen Medien. Diese Schlagzeilen füllen den Großteil der Tagesagenda, lassen aber noch etwas Platz für örtliche Nachrichten. In den russischsprachigen Medien Usbekistans gibt es praktisch keine internationalen Nachrichten. Hier dominieren lokale Themen etwa im Verhältnis 90 Prozent zu 10 Prozent. Das kommt daher, dass es russischsprachigen Leser nicht an Quellen internationaler Nachrichten mangelt.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistans-kulturminister-liebaeugelt-nach-skandalshow-mit-zensur/">Kirgistans Kulturminister liebäugelt nach Skandalshow mit Zensur</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In den örtlichen Berichten gibt es einen kleinen Unterschied im Dreh. Russischsprachige Medien berichten nur schwach über das Leben in den Regionen, auch weil es ihnen dort an Publikum und Korrespondenten fehlt. Die konzentrieren sich hauptsächlich auf Taschkent. Meinem Eindruck nach finden sich hier öfter kritische Berichte zu Themen wie Umweltschutz, Meinungsfreiheit, Rechte von Frauen und Behinderten und Schutz der Menschenrechte. In Medien in usbekischer Sprache kommen öfter religiöse Themen vor, Fragen der nationalen Identität, Sprache und Geschichte. In den russischsprachigen Medien sind solche Stücke sehr selten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Welches Mediensegment wächst derzeit am stärksten und warum? Gibt es einen Zuwachs an Business- oder Wirtschaftsformaten? Wie abhängig sind diese von Werbekunden oder anderen Finanzierungsquellen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>In den letzten drei Jahren habe ich ein rasantes Wachstum in der Entwicklung von Online-Medien gesehen. Dieses setzt sich fort. Aber die Spezialisierung von Medien ist in Usbekistan extrem unterentwickelt. Praktisch schreiben alle Online-Medien über alles. Man kann nicht sagen, dass sich ein bestimmtes Segment entwickelte. Es gibt einige interessante Projekte in den Wirtschaftsmedien, aber sie sind noch weit von echter Popularität entfernt. Selbst die Markteinführung des Magazins „Forbes Uzbekistan“ ist kein aufsehenerregendes Ereignis bisher. Die älteste Wirtschaftszeitung Kommersant.uz wurde sogar während der Pandemie geschlossen.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Werbung ist die einzige Chance</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Private Medien sind völlig abhängig von Werbekunden. 100 Prozent der privaten Online-Medien, die Angestellte beschäftigen und regelmäßig fünf bis zehn Geschichten pro Tag veröffentlichen, sind von Werbekunden abhängig. Sie haben keine anderen Finanzierungsquellen &#8211; mit Ausnahme von Medien, die zu Holdings oder Unternehmen gehören und von den gemeinsamen Einnahmen leben. Staatliche Zuschüsse sind so gut wie nicht vorhanden, und der Staat ist immer noch zurückhaltend gegenüber ausländischen Zuschüssen. Deshalb ist Werbung in Usbekistan heute die einzige und sichere Chance zum Überleben.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Was fehlt Ihrer Meinung nach den Medien in Usbekistan (Print und Online, ausgenommen das Fernsehen)? Wie sehr ist das hiesige Publikum weiter auf externe (ausländische) Publikationen angewiesen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Meiner Meinung nach können sich die usbekischen Medien immer noch nicht vollständig von den Fesseln der Selbstzensur befreien. Ich verstehe, dass dies nicht einfach ist. Vielleicht sogar gefährlich. Aber die Barrieren halten sich und nicht alle Themen können zur Sprache gebracht werden. Ein Beispiel ist: Als ich ein Medium verließ, in dem ich drei Jahre lang gearbeitet hatte, wurde meine Arbeit nicht veröffentlicht. Ich musste es in einem anderen Medium veröffentlichen. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-2030-die-zukunft-der-printmedien-in-usbekistan/">Zentralasien 2030: Die Zukunft der Printmedien in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Außerdem herrscht in den usbekischen Medien akuter Personalmangel. Aus diesem Grund können die Medien nicht wachsen und sich entwickeln. Ich denke, dass sich das Publikum in Usbekistan voll und ganz auf lokale Publikationen verlässt, wenn es um lokale Informationen geht. Das russischsprachige Publikum konsumiert nach wie vor internationale Informationen aus ausländischen Publikationen, und hier ist ein Wettbewerb einfach unmöglich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Welche Perspektiven sehen Sie für neue, unabhängige Medien? Oder werden die Medien weiterhin vom Staat kontrolliert?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Es entstehen ständig neue Medien mit unterschiedlichem Grad an Unabhängigkeit, hier gibt es keine Hindernisse. Die Anmeldung von Medien erfolgt innerhalb weniger Tage. Die Registrierung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung dauert 15 Minuten. Es gibt keine Barrieren. Eine andere Frage ist, wie man überleben kann? Nicht alle schaffen es, denn der Markt ist schon sehr überladen mit Medien.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Die</strong> <strong>Zukunft gehört Reportagen, Analysen und langen Formate</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich erwarte die Entstehung von Medien, die nicht nachrichtenorientiert sind, sondern sich auf Reportagen, Analysen und qualitativ hochwertige Langformen konzentrieren. Und gleichzeitig kommerziell erfolgreich und beliebt sein werden. Noch sind zwar am Horizont noch keine risikofreudigen Geschäftsleute zu sehen, die in ein solch schwieriges und bezüglich des Gewinns riskantes Projekt zu investieren. Es mangelt auch noch an coolen Videoinhalten, Youtube entwickelt sich sehr langsam. Hier warte ich auch auf ähnliche Projekte wie das, was <a href="https://www.youtube.com/channel/UC1eFXmJNkjITxPFWTy6RsWg">Pivovarov oder Parfenov</a> heute machen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href=""></a><strong>CAAN: <em>Gibt es in Usbekistan große Medien-Konglomerate, die vom Staat oder von einzelnen Gruppen der Elite finanziert werden?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Das größte Medien-Konglomerat des Landes ist die National Television and Radio Company, die eine Vielzahl von populären Fernseh- und Radiokanälen betreibt. Es wird vom Staat kontrolliert. Von den privaten Konglomeraten können wir UzReport erwähnen, dem die Fernsehkanäle UzReport TV, UzReport World, Futbol TV, die beliebte Website UzReport News und andere Ressourcen gehören. Versuche, eigene Konglomerate zu schaffen, werden manchmal von einzelnen Unternehmern und Politikern unternommen, jedoch nicht immer erfolgreich. </em></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Insbesondere das ehrgeizige und mit großen Geldern ausgestattete Portal Togri.uz, das Beobachter oft mit dem Taschkenter Bürgermeister Jahongir Artykhojaev und seinem Geschäftsimperium Akfa-Artel in Verbindung brachten, wurde nach nicht einmal einem Monat Betrieb im September 2019 geschlossen. Zuvor ereilte 2018 das ebenso ambitionierte Projekt Turon 24 ein ähnliches Schicksal. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Insgesamt gehören die populärsten russisch- und usbekischsprachigen Medien Usbekistans verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Eigentümern. Das ist eine sehr gute Situation, denn sie lässt viel mehr Raum für Kritik und unterschiedliche Sichtweisen. Aber es ist klar, dass strategisch denkende Geschäftsleute und Politiker irgendwann damit beginnen werden, die weit vertreuten Ressourcen unter ihre Kontrolle zu bringen. In Usbekistan wurden bislang aber keine solchen Prozesse beobachtet.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://caa-network.org/archives/19930?fbclid=IwAR0Z5R7HiJeYvDYIJ8L1-mgaWxyssKdskZIk4GtsnzVEa_yAFZIB_bLraeU">Central Asian Analytical Network</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>


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		<title>„Ohrenbetäubende Stille“: Doku-Film thematisiert erstmals LGBTI-Alltag in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jan 2021 11:19:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Cinestan]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Tadschikistan gibt es keine lesbischen, homo-, bi-, inter- oder transsexuellen Menschen? In dem dokumentarischen Kurzfilm &#x201E;Ohrenbet&#xE4;ubende Stille&#x201C; schildern sechs Pers&#xF6;nlichkeiten aus der LGBTI-Community Tadschikistans ihre realen Geschichten.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/doku-film-lgbt-alltag-tadschikistan/">„Ohrenbetäubende Stille“: Doku-Film thematisiert erstmals LGBTI-Alltag in Tadschikistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Tadschikistan gibt es keine lesbischen, homo-, bi-, inter- queer oder transsexuellen Menschen? In dem dokumentarischen Kurzfilm „Ohrenbetäubende Stille“ schildern sechs Personen aus der LGBTI-Community Tadschikistans ihre realen Geschichten. Am 15. Juli berichtete darüber das <a href="https://fergana.site/articles/119814/">usbekische Portal Fergana</a>, wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder und jede der sechs Protagonist*innen hat in dem Film „Ohrenbetäubende Stille“, russischer Originaltitel „Oglushitelnaya tishina“, drei Minuten, um Einzelheiten aus dem eigenen Leben in Tadschikistan zu erzählen- einem Land, in dem es offiziell keine LGBTI-Personen gibt. <em>„Wir haben Angst zu sprechen, weil wir wissen, dass wir ein Tabuthema sind“</em>, erklärt eine Stimme aus dem Off am Anfang der Kurz-Doku. <em>„Nach der Aufnahme wurden einige unserer Protagonisten verfolgt, das Filmteam sah sich gezwungen, so lange im Ausland zu leben, bis sich die Situation beruhigt hatte.“ </em></p>


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<p class="wp-block-paragraph">Der Film „Ohrenbetäubende Stille“ ist im Jahr 2019 auf dem Gebiet der Republik Tadschikistan in nur zwei Wochen gedreht worden. Danach wurde das gesamte Material außer Landes gebracht, um im Ausland geschnitten und vertont zu werden. Die Autor*innen sind Aktivist*innen aus Tadschikistan und wurden vom <a href="https://adcmemorial.org/en/">Antidiskriminierungszentrum „Memorial“</a> unterstützt.<a href=""></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Untertitel erklären, werden aus Sicherheitsgründen die Gesichter der Protagonist*innen nicht gezeigt, ihre Namen und Stimmen wurden entfremdet. Die Erzählungen synchronisieren echte Menschen, ebenfalls aus der LGBTI-Community, die ähnliche Erfahrungen in Tadschikistan gemacht haben, sich mittlerweile aber in Staaten der Europäischen Union aufhalten. Sie mussten sich dorthin vor Verfolgung aufgrund ihrer Orientierung oder Identität retten. Nach Angaben des <a href="https://spartacus.gayguide.travel/de">Portals „Spartacus“</a>, das Reisen für schwule Menschen organisiert, gehört zu den Risiken, denen LGBTI-Menschen in Tadschikistan ausgesetzt sind, sogar Lebensgefahr. Im Jahr 2019 stufte Spartacus Tadschikistan in einem Länder-Rating für LGBTI auf Platz 110 von insgesamt 197 ein.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>„Wenn Du nicht bis wie alle, ruft das Aggressionen hervor“</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Die echten Protagonist*innen des Films leben in unterschiedlichen Regionen Tadschikistans. Sie erzählen ihre Geschichten jeweils an charakteristischen Orten. So berichtet zum Beispiel Husein, dass er bereits mit 13 Jahren verstand, dass ihm Männer gefallen. Schon damals habe er diese Wahrheit vor anderen zu verbergen versucht. Trotzdem machte er später Erfahrungen mit Diskriminierung wegen seiner Orientierung. <em>„Meine Verwandten schämten sich für mich, wollten nichts mehr mit mir zu tun haben“</em>, erzählt er im Film. <em>„Man nahm mich fest und schlug mich. Ich kündigte immer wieder meinen Job, weil ich die Demütigungen durch Kollegen nicht mehr ertrug. Wenn Du nicht bist wie alle, ruft das Aggressionen hervor.“</em></p>



<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Deafening Silence - Trailer" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/c4UK2DSw4AU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Diese Aggressionen hat auch Nuriya kennengelernt. Sie ist lesbisch. Gegen ihren Willen wurde sie verheiratet. Als sie ihrem Ehemann eröffnete, dass sie auf Frauen steht, habe er ihr geantwortet, dass sie nun aber mit einem Mann leben müsse. <em>„Lesben werden immer wieder zu einer Hochzeit mit einem Mann gezwungen“</em>, erzählt Nuriya. <em>„Wenn sie sich dem widersetzen, sagen ihnen die Eltern, sie seien im Innern nicht rein, dass sie mehr beten sollten und dann alles vorübergeht.“</em> Manchmal würden Lesben in Tadschikistan auch vergewaltigt, damit sie es mal „mit einem Mann probierten“ und sich dann von ihrer Orientierung lossagten. Das hinterlasse bei den Frauen oft schwere Traumata.</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Versteckspiel hinter der traditionellen Ehe</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Von Zwangshochzeiten erzählen auch weitere Protagonist*innen des Films: In Tadschikistan ist es üblich, in relativ jungen Jahren eine Familie zu gründen. Wenn der Junge oder das Mädchen sich dagegen wehrt, wirkt dieser Protest oft verdächtig. Viele LGBTI müssen einer heterosexuellen Heirat zustimmen, um ihre wahre Orientierung zu verstecken. <em>„Die meisten Schwulen haben eine Familie, sie leben damit, bekommen Kinder“</em>, erzählt im Film Vafo, der selbst homosexuell ist. <em>„Aber es fällt ihnen schwer, die eigene Orientierung im Innern zu unterdrücken. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der das nach einer Hochzeit beendet hätte: Sie leben mit ihren Frauen und treffen weiter ihre Geliebten.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Schwulen und Lesben erzählen aber auch Transsexuelle und HIV-Positive im Film ihre Geschichten. Letztere werden oft doppelt diskriminiert, wie Amir schildert: <em>„Ich wurde geschlagen &#8211; für den Positiv-Status, und wegen Homophobie. Nur meine Mutter unterstützte mich, bis sie starb.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-lgbt-in-zentralasien/">Zentralasien 2030: LGBT in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Personen im Film erzählen von ihrer Angst vor einem Coming-out. In diesem Fall würden sich mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit sämtliche Verwandte und Nahestehende von ihnen lossagen, sie könnten keine Arbeit mehr finden. Obwohl der Straftatbestand der „Sodomie“ bereits vor mehr als 20 Jahren aus dem tadschikischen Strafgesetzbuch gestrichen wurde, bekommen LGBTI immer wieder Probleme mit der Polizei. Vafo kennt das: <em>„Es gibt sehr viele Probleme mit den Sicherheitsbehörden: Sie nehmen über Soziale Netzwerke Kontakt [mit Schwulen] auf, dann erpressen sie Dich, machen Druck und drohen damit, es der Familie zu erzählen.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Registrierung von LGBTI-Vereinen unmöglich</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Stimmen, die den Film „Ohrenbetäubende Stille“ spricht, gehört seinem Autor und Aktivisten Islom Alizoda (Pseudonym). Bis 2015 lebte er selbst in Tadschikistan, aber als er und sein Partner von den Behörden verfolgt wurden, zwang ihn das zur Flucht nach Europa.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Idee dieses Films trage ich schon fünf Jahre mit mir herum, sie entstand, nachdem ich selbst zum Geflüchteten wurde“</em>, so Alizoda gegenüber dem Portal Fergana. <em>„Damals erzählte ich Polizeibeamten davon, wie Schwule in Tadschikistan verfolgt werden. Sie fragten mich, ob es Beweise für meine Worte gebe, zum Beispiel in Online-Medien. Aber es gab nichts dazu. In Tadschikistan wird das Thema LGBTI so sehr tabuisiert, dass ungeachtet der schwierigen gesellschaftlichen Situation Journalisten fast nicht darüber berichten.“ </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/homophobe-an-der-macht-ueber-die-situation-von-lgbtiq-in-usbekistan/">Homophobe an der Macht – über die Situation von LGBT*IQ in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem neuen 60-seitigen Bericht des ADC Memorials <a href="https://adcmemorial.org/en/publications/lgbti-in-the-region-of-central-asia-repressions-discrimination-exclusion/">„LGBTI+ in der Region Zentralasiens: Repressionen, Diskriminierung, Ausgrenzung“</a> (eng), der im Mai 2020 erschien, bestätigt, dass die Medien in Tadschikistan bis auf einige im Land tätige ausländische Nachrichtenagenturen das Thema LGBTI tatsächlich verschweigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="861" height="587" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer.jpeg" alt="&quot;Ohrenbetäubende Stille&quot; - Screenshot aus dem Dokufilm" class="wp-image-24830" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer.jpeg 861w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-300x205.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-768x524.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/12/lgbtfilm_tadsch_screenshot_trailer-128x86.jpeg 128w" sizes="auto, (max-width: 861px) 100vw, 861px" /><figcaption>&#8222;Ohrenbetäubende Stille&#8220; &#8211; Screenshot aus dem Dokufilm</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Progressive Journalisten sprechen von fehlenden Medien, die ihre Artikel veröffentlichen würden, und von homophober Kritik, wenn sie solche Publikationen anbieten. Sie beklagen die unzureichende Verfügbarkeit von Informationen über SOGI </em>(sexuelle Orientierung und Gender-Identität &#8211; Anm. Fergana)<em> für das Verfassen korrekter Beiträge mit angemessener Terminologie“</em>, heißt es in dem Bericht. <em>„Außerdem gibt es in der Öffentlichkeit keine Experten, Menschenrechtler, Aktivisten und Aktivistinnen, die die Situation kommentieren oder von der wirklichen Lage von LGBTI erzählen könnten.“</em> In Tadschikistan gibt es keine einzige öffentliche LGBTI-Organisation oder Initiative, die direkt mit diesen Menschen arbeitet. Das verkompliziert das Problem weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/rueckblick-novastan-trifft-quarteera/">Rückblick: Novastan trifft Quarteera</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Registrierung einer Gruppe, die mit dem Thema LGBTI arbeitet, ist in Tadschikistan noch immer unmöglich, darum gilt die Verteidigung der Rechte von LGBTI noch immer als Verstoß gegen die öffentliche Moral. Dadurch arbeiten einige Initiativen ohne Registrierung, andere umgehen das Verbot, indem sie mit gemischten Themen arbeiten, zum Beispiel der Gesundheit.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nachdem ich in Europa angekommen war, bin ich selbst auf Journalisten zugegangen, habe ihnen Themen für Artikel angeboten, Protagonisten in Tadschikistan gesucht und selbst Interviews gegeben“</em>, erinnert sich Islom Alizoda. <em>„Das alles tat ich, damit die Gesellschaft erfährt, dass es uns gibt und dass wir in Tadschikistan große Probleme haben. Damit Leute, die flüchten und Asyl im Ausland beantragen müssen, ihre Worte mithilfe von Medien-Publikationen belegen können.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Klischees bestehen auch innerhalb der LGBTI-Community</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Während Alizoda zwar einige journalistische Berichte initiieren konnte, gelang es ihm nicht, die Medien-Szene Tadschikistans für einen Film über LGBTI zu aktivieren. Die Produktion eines Kurzfilms zu dem Thema gestaltete sich bereits mühsam uns riskant. „Ich wollte diesen Film unbedingt in Tadschikistan drehen. Natürlich hätten wir die Aufnahmen auch in Europa machen können, denn hier gibt es genug schwule und lesbische Menschen aus Tadschikistan und ganz Zentralasien, die ihre Geschichten erzählen könnten“, erzählt Alizoda. „Aber uns war es wichtig zu zeigen, dass homosexuelle Menschen genau jetzt in Tadschikistan leben und dass es sie ausnahmslos in allen Regionen des Landes gibt. Für manche sind das offensichtliche Dinge, aber die Gesellschaft in unserem Land zieht es vor zu denken, dass es uns in Tadschikistan ganz sicher nicht gibt.“</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Alle Protagonist*innen des Films kennt der Autor persönlich und nur dank dieser Nähe haben sie ihre Teilnahme zugesagt. Auch das Filmteam hat Alizoda aus Bekannten und Freunden in Tadschikistan zusammengestellt, die der Community positiv gegenüberstehen. Kurz vor Ende der Arbeiten an dem Film ist einer der Protagonisten von Polizeibeamten befragt worden, ob er etwas von einer Journalistin wisse, die aus dem Ausland gekommen sei, um Informationen über LGBTI zu sammeln. <em>„Tatsächlich war jene Journalistin, die an unserem Film mitarbeitete, Staatsbürgerin Tadschikistans. Aber nach Duschanbe kamen auch Experten, die die Dreharbeiten begleiteten“</em>, erinnert sich Alizoda. <em>„Für uns aber war die Anfrage der Polizei ein Warnsignal und wir entschieden uns, als Filmteam das Land zu verlassen. Für den Fall der Fälle.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Tadschikistan will kein Anti-Diskriminierungs-Gesetz</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz wiederholter Empfehlungen der UN weigern sich die tadschikischen Behörden weiter, ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz zugunsten von Gender- und sexuellen Minderheiten zu verabschieden. Als Reaktion auf diese Empfehlungen internationaler Organisationen erklärte Tadschikistans Menschenrechtsbeauftragter Zarif Alizoda im vergangenen Jahr, dass es aufgrund der „moralischen und ethischen Standards der menschlichen Beziehungen im Land“ unmöglich sei, den Empfehlungen zu folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Erwähnung von LGBTI-Themen in lokalen Medien ruft eine Flut der Empörung beim Publikum hervor. Auch innerhalb der Gemeinschaft existieren diskriminierende Stereotypen: Der ADC-Memorial-Bericht zitiert beispielsweise Aussagen von Aktivistinnen, die von der weit verbreiteten Meinung berichten, wonach die Probleme von Lesben nicht gravierend seien und sie nicht so dringend Schutz benötigten wie schwule Männer. Das zeigt, dass auch die LGBTI-Community selbst nicht völlig frei ist von patriarchalischen Stereotypen, und dass der Grad der öffentlichen Ablehnung gleichgeschlechtlicher weiblicher Paare geringer ist als der gegenüber männlichen Paaren.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Lola Khodzhaeva für <a href="https://fergana.site/articles/119814/">Fergana News</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen&nbsp;von Peggy Lohse</strong></p>


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		<title>Wie das „Haus der Kommunikation“ einst Duschanbe mit der ganzen Welt verband</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2020 11:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Duschanbe]]></category>
		<category><![CDATA[Konstruktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetische Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Städtebau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Hauptpost von Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, er&#xF6;ffnete vor 85 Jahren ihren Sitz in einem auff&#xE4;lligen Bau des sowjetischen Konstruktivismus. </p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Hauptpost von Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, eröffnete vor 85 Jahren ihren Sitz in einem auffälligen Bau des sowjetischen Konstruktivismus. Asia-Plus veröffentlichte anlässlich des Jahrestages am 3. November 2020 in russischer Sprache einen <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20201103/dom-svyazi-kotorii-svyazival-so-vsem-mirom">Rückblick auf die Geschichte</a> jenes Gebäudes, das es heute nicht mehr gibt. Wir übersetzen mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das einstige Gebäude der Hauptpost in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duschanbe">Duschanbe</a> &#8211; damals Stalinabad (Stalin-Stadt, von 1929 bis 1961) &#8211; wurde im Rahmen des Aufbaus des Regierungskomplexes in der Hauptstadt der damaligen Tadschikischen Sozialistischen Sowjetrepublik (seit 1929) in den Jahren 1932 bis 1935 errichtet. Im damals äußerst populären Stil des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Architektur)">Konstruktivismus</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jung-Architekten bringen Konstruktivismus nach Tadschikistan</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Architekt war der junge Sergey Kutin (1906 &#8211; 1964), der 1930 direkt vom Studienabschluss in Leningrad (heute Sankt Petersburg) versetzt worden war, um die sozialistische Hauptstadt mit aufzubauen, und später den Architektenverband Tadschikistans organisierte. Damals erlebte die Stadt einen regelrechten Bau-Boom, Dutzende Architekten aus den russischen Metropolen wurden dabei eingesetzt.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. November 1935 zogen dann die Post, Telegrafen und Telefonstation der Tadschikischen Hauptstadt in das Gebäude am Lenin-Prospekt (heute Rudaki-Allee) ein. Seitdem trug der Bau die Namen: „Haus der Kommunikation“, „Hauptpost“, „Oberstes Kommunikationsunternehmen“, „Hauptpostamt“.&nbsp; Aber wie auch immer der beeindruckende Rundbau genannt wurde, seine Aufgabe blieb doch für die gesamte Zeit seiner Existenz dieselbe: Post-Dienstleistungen aller Art.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/wie-der-sowjetische-rocknroll-duschanbe-zum-tanzen-brachte/">Wie der sowjetische Rock´n´Roll Duschanbe zum Tanzen brachte</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptsaal des Postamtes war speziell an die heißen klimatischen Bedingungen angepasst. Der Saal war hell, groß und mit stilvollen Wandelementen und Möbeln dekoriert. Mehrere Generationen der Stadtbevölkerung kennen das Gebäude in- und auswendig. Aber nur wenige wissen, dass es nie fertiggebaut worden war.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich sollte sich nämlich ein weiteres großes Gebäude an die Hauptpost anschließen: der „Klub der Postangestellten“. Aber im Jahr 1934 wurde offensichtlich, dass der Aufbau der neuen sowjetischen Republik-Hauptstadt enorm teuer wurde. Anstelle des Klub-Gebäudes wurden im Innern des Post-Baus Klub-Räume eingerichtet. Dazu zählten ein Kindergarten, Sport- und Theaterräume sowie verschiedene Arbeitsgruppen.&nbsp;Das Dach des Hauptpost-Gebäudes über dem Großen Saal war ursprünglich aus Glas. Damit konnten große Mengen an Strom gespart werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anpassung, Aufstockung, Abriss</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1938 wurden einige Elemente optisch angepasst. Einerseits weil die Pferdekutschen durch Autos ersetzt wurden. Außerdem wurde auf dem 2. Stock des Postamts ein Turm mit Uhr und Fahnenmast angebracht. 1963 wurde der Turm jedoch wieder abgerissen, dafür erhielt das Haus eine dritte Etage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/das-verschwindende-duschanbe/">Das verschwindende Duschanbe</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Nebengebäude der Hauptpost war die Städtische Automatische Telefonstation für 10.000 Nummern untergebracht: Das umfasste sämtliche bedeutenden städtischen Einrichtungen Duschanbes sowie die Wohnhäuser im Zentrum der Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor sieben Jahren, im Jahr 2013, wurde das Gebäude des Hauptpostamtes in Duschanbe abgerissen. Nun erinnern nur noch historische Bilder an den Bau.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fotografien und <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20130802/stalinabadskii-stil-i-ego-arkhitektor">Texte</a> von Historiker Gafur Shermatov <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/society/20201103/dom-svyazi-kotorii-svyazival-so-vsem-mirom">für Asia-Plus</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Übersetzung und Redaktion aus dem Russischen von Peggy Lohse </strong></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Welche Schlüsse kann Zentralasien aus den Protesten in Belarus ziehen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2020 11:16:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandr Lukaschenka]]></category>
		<category><![CDATA[Autoritarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Machtkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Postsowjetischer Raum]]></category>
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		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Svetlana Tsichanouskaya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die j&#xFC;ngsten Ereignisse in Belarus zeigen, dass &#x201E;bisherige und schon zur Gewohnheit gewordene Mechanismen der Machterhaltung autorit&#xE4;rer F&#xFC;hrer angeschlagen sind&#x201C;. Dies erl&#xE4;utert Yuli Yusupov, Direktor des Kooperationszentrums f&#xFC;r wirtschaftliche Entwicklung Usbekistans, im Interview f&#xFC;r Cabar.asia.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die jüngsten Ereignisse in Belarus zeigen, dass „bisherige und schon zur Gewohnheit gewordene Mechanismen der Machterhaltung autoritärer Führer angeschlagen sind“. Dies erläutert Yuli Yusupov, Direktor des Kooperationszentrums für wirtschaftliche Entwicklung Usbekistans, in einem Interview, das am <a href="https://cabar.asia/ru/yulij-yusupov-kakie-uroki-mozhet-izvlech-tsentralnaya-aziya-iz-sobytij-v-belarusi?">30. September vom cabar.asia</a> (Central Asian Bureau for Analytical Reporting)</strong> <strong>in russischer und englischer Sprache veröffentlicht wurde.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CABAR: Wie bedeutend sind Ihrer Meinung nach die gegenwärtigen Ereignisse in Belarus für die Länder Zentralasiens?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yuli Yusupov: </strong>Ich denke, das sind die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2020 für den gesamten postsowjetischen Raum, wo noch bis vor Kurzem politische Regime der „lebenslangen Präsidentschaft“ vorherrschten. Präsidenten, die in den 1990er und 2000er Jahren an die Macht gekommen waren, sicherten sich mit allen rechtlichen und widerrechtlichen Mitteln praktisch die Führung auf Lebenszeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab natürlich auch exotische Ausnahmen (ausgenommen das Baltikum, das letztlich bis zuletzt nie vollkommen „sowjetisch“ geworden waren): die Ukraine, Georgien, Kirgistan, Moldau. Aber auch dort verliefen Machtwechsel teilweise nur über Widerstand mit Gewalt.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">2019 dann „lief irgendwas falsch“. Zu den „ausgestoßenen Staaten“ gesellte sich plötzlich auch Armenien, dass dem alten Staatschef das Mandat nicht weiter zu verlängern wünschte. Nicht weniger <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/praesident-nursultan-nasarbajew-tritt-zurueck/">„unerwartet“ trat Nazarbaev</a> <em>(Nursultan Nazarbaev &#8211; ehemaliger Präsident Kasachstans &#8211; Anm. d. Übers.)</em>&nbsp; zurück (so unerwartet, dass viele bis heute nicht glauben, dass er wirklich zurückgetreten ist).</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Junge Generation arrangiert sich nicht mit alten Mechanismen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dieses Jahr begannen die Stühle der „Alten“ zu wackeln &#8211; von Wladimir Putin und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aljaksandr_Lukaschenka">Alexandr Lukaschenka</a> <em>(Präsidenten Russlands und Belarus &#8211; Anm. d. Übers.)</em>. Die Sonderaktion der „Nullung“ rief selbst auf Seiten der Unterstützer von WWP <em>(umgangssprachliche Abkürzung für Wladimir Wladimirowitsch Putin &#8211; Anm. d. Übers.)</em> Skepsis hervor, so vulgär sah das aus. Der Andere sah sich konfrontiert damit, dass er seinem Volk schon so zuwider war, dass die Leute jeden Beliebigen&nbsp;wählten. Hauptsache nicht ihn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran sieht man, dass bisherige und schon zur Gewohnheit gewordene Mechanismen der Machterhaltung autoritärer Führer angeschlagen sind. Etwas ist kaputt gegangen in diesen Mechanismen. Eine neue Generation ist herangewachsen, die sie nicht mehr als etwas Selbstverständliches hinnehmen und nicht gewillt sind, sich mit ihnen zu arrangieren.&nbsp;</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-diplomatischer-drahtseilakt-wie-kasachstan-und-belarus-sich-im-syrien-und-ukrainekonflikt-als-mediatoren-etablieren/">Ein diplomatischer Drahtseilakt: Wie Kasachstan und Belarus sich im Syrien- und Ukrainekonflikt als Mediatoren etablieren</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, dass das unglaublich wichtig ist für den gesamten postsowjetischen Raum, auch für Zentralasien. Meiner Meinung nach sind die laufenden Prozesse eine gesetzmäßige Etappe auf dem Weg zu einer zivilisierten, demokratischen Gesellschaft in unseren Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CABAR: Wie lautet Ihre Prognose für den Fortgang der Lage in Belarus, wird sich Lukaschenka halten können?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>YY: </strong>Ich denke, der Rücktritt Lukaschenkas ist bereits entschieden. Du kannst im 21. Jahrhundert kein europäisches Land mehr anführen, wenn Dich mindestens 70 Prozent der Bevölkerung hassen. Lukaschenka selbst hat die Situation verpatzt, als er seine überwältigenden 80 Prozent vermeldete. Hätte er beispielsweise mit 53 Prozent der Stimmen gewonnen, wären viele ruhig geblieben. Und dann versuchte er wild und mit Gewalt in den ersten Tagen nach den Wahlen die Proteste niederzuschlagen. Lukaschenka geht &#8211; wenn nicht gleich, so doch im Laufe des kommenden Jahres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein einziger Halt ist nunmehr der Kreml, für den er aber wohl eher Ballast ist denn Halt. Putin unterstützt Lukaschenka, so mein Eindruck, zeitweilig aus zwei Gründen: Erstens, um keinen für ihn selbst gefährlichen Präzedenzfall des Abtritts eines autoritären Führers durch den Druck des Volkes zu schaffen. Zweitens will er Techniken zur Schwächung von Massenprotesten erproben, um sie dann für Russland zur Verfügung zu haben (so wie er damals Militärtechnik in Syrien testete).</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, die Frage ist nicht der Rücktritt Lukaschenkas an sich, sondern wie er ablaufen wird und welchen Preis das belarusische Volk für die Chance auf eine zivilisierte Entwicklung zahlen muss. Die größte Gefahr liegt darin, dass Lukaschenka vor seinem Rücktritt noch Belarus dem Kreml „schenken“ könnte. Und das würde für alle große Probleme bedeuten, nicht nur für Belarus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe sehr, dass Putin sich nicht auf ein solches Szenario einlässt. Es würde ihm &#8211; im Unterschied zur Angliederung der Krim &#8211; kaum innenpolitische Vorteile bringen, stattdessen könnten viele zusätzliche Probleme entstehen.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Innerhalb Russlands: Im Land taucht eine neue Region auf, dessen revolutionäre Stimmungen sich auf andere Regionen des Landes ausweiten könnten.</li></ul>



<ul class="wp-block-list"><li>Im postsowjetischen Raum: Andere Nachbarstaaten werden kaum begeistert sein vom Beispiel einer „freundschaftlichen Umarmung“ des Kremls.</li></ul>



<ul class="wp-block-list"><li>Aus Sicht der internationalen Gemeinschaft: Der Anschluss eines ganzen europäischen Landes wäre selbst für die friedliebendsten westlichen Politiker zu viel.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch zeigen die traurigen Erfahrungen der letzten Jahre, dass der Kreml immer wieder irrational handeln konnte, sogar auf Kosten seiner eigenen Interessen. Also, alles ist möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CABAR: Wie wirken die Proteste in Belarus auf andere GUS-Staaten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>YY: </strong>Die Bevölkerung von Belarus demonstriert vielen postsowjetischen Staaten ein Beispiel. Es zeigt, dass einer Bewegung in Richtung Demokratisierung unausweichlich ist, dass wir nicht zum ewigen Autoritarismus verdammt sind. Die aktuellen Ereignisse zeigen jedoch auch, dass dieser Weg weder einfach noch kurz ist. Die Belarusen haben 26 Jahre ununterbrochener Lukaschenka-Herrschaft gebraucht, um letztendlich „aufzuwachen“ und ihre Grundrechte zu verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse in Belarus sollten aber auch den autoritären Anführern anderer postsowjetischer Staaten die Grenzen ihrer Macht aufzeigen. Ja, in unseren Ländern kann man relativ leicht bereits vorhandene Macht erhalten. Vorerst. Wenn währenddessen nicht wenigstens sukzessive nachhaltige demokratischen Institutionen eingerichtet werden, wie zum Beispiel Institutionen des Machtwechsels, dann ist das:</p>



<p class="wp-block-paragraph">a) durchaus schädlich für die Entwicklungsperspektiven, und</p>



<p class="wp-block-paragraph">b) gefährlich für die eingesessenen Halb-Monarchen selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Probleme kann man überspielen, aber nicht bis zur Unendlichkeit. Und umso sturer Probleme heute ignoriert werden, desto schwieriger wird es in der Zukunft, sie zu lösen, desto tiefgreifender werden künftige Konflikte und Krisen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Was Eliten autoritärer Systeme begreifen müssen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber für die „abgebrühtesten“ autoritären Führer wird die „Belarusische Lehre“ natürlich darin bestehen, dass:</p>



<p class="wp-block-paragraph">a) auf keinen Fall alternative Kandidierende zur Wahl zugelassen werden dürfen, die auch nur die leiseste Chance auf einen Sieg haben könnten (Lukaschenkas „Fehler“ war es, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Swjatlana_Zichanouskaja">Svetlana Tsichanouskaya</a> zuzulassen, nun zahlt er dafür).</p>



<p class="wp-block-paragraph">b) jegliche Hinweise auf Proteste streng unterbunden werden müssen (Die Proteste wurden in den ersten Tagen nicht völlig verhindert, so wuchsen sie schnell an).</p>



<p class="wp-block-paragraph">c) sämtliche mögliche alternative Informationsquellen blockiert werden müssen, darunter auch soziale Netzwerke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">d) keinerlei Zugeständnisse gemacht werden dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich eine weitere Lehre für den postsowjetischen Raum: Die Rachegelüste des Russischen (Sowjetischen) Reiches sind immer noch stark und bereit, interne Probleme der jungen unabhängigen Staaten auszunutzen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/neue-ansaetze-in-russlands-zentralasienpolitik/">Neue Ansätze in Russlands Zentralasienpolitik</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei müssen die Eliten einfach endlich verstehen, dass sie die meisten Probleme selbst geschaffen haben &#8211; durch ihre Unfähigkeit, auch nur einen Bruchteil ihrer Macht und privater Interessen aufzugeben. Für diesen Egoismus und beschränkte Sichtweite der Eliten bezahlen das Volk und seine künftigen Generationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das vorliegende Material entstand im Rahmen des Projekts „Giving Voice, Driving Change — from the Borderland to the Steppes Project“. Im Artikel erwähnte Meinungen müssen nicht mit den Ansichten der Redaktion übereinstimmen.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Marat Mamadschoev</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Neue Ombudsfrau für Kinderrechte in Usbekistan: „Das Waisenhaus ist kein Ort für Kinder“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2020 09:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alija Junusowa ist seit M&#xE4;rz Usbekistans Ombudsfrau f&#xFC;r Kinderrechte. Dem Online-Portal Gazeta.uz erz&#xE4;hlte sie von ihren Beobachtungen und Erlebnissen w&#xE4;hrend ihrer Besuchsreise durch Kindereinrichtungen im ganzen Land.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aliya Yunusova ist seit März Usbekistans Ombudsfrau für Kinderrechte. Das Online-Portal <a href="http://www.gazeta.uz/ru/2020/08/21/deinstitutionalization/">Gazeta.uz veröffentlichte am 21. August ihre Berichte</a> von Beobachtungen und Erlebnissen während ihrer Besuchsreise durch Kindereinrichtungen im ganzen Land. Wir übersetzen den Text mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aliya Yunusova hat im März dieses Jahres das Amt der Kommissarin für Kinderrechte Usbekistans angetreten. In den ersten Monaten besuchte sie zahlreiche Kindereinrichtungen und Jugendhaftanstalten in der Hauptstadt Taschkent sowie den Provinzen Qashqadaryo, Andijon, Fergana und Namangan. Dort traf sie sich mit Kindern, Leitenden und Mitarbeitenden der Einrichtungen und sprach mit ihnen. Dabei beobachtete sie auch, wie Verantwortliche Gewalt gegenüber Minderjährigen anwendeten. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="372" height="354" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004.jpg" alt="" class="wp-image-23637" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004.jpg 372w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/MG_0004-300x285.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px" /><figcaption>Archivbild: Aliya Yunusova (Foto: <a href="http://parliament.gov.uz">http://parliament.gov.uz</a>)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Aliya Yunusova arbeitet bereits mehr als 20 Jahre im Bereich der Kinderrechte.  Ab 1999 leitete sie die Bildungsabteilung des Nationalen Zentrums für Menschenrechte, wo sie sich besonders mit Fragen der Optimierung der gesetzlichen Grundlagen von Kinderrechten beschäftigte und einen Gesetzesentwurf dazu ausarbeitete. Seit 2004 ist sie bereits drei Mal zur Abgeordneten des Gesetzgebendenhauses („Unterhaus“) des Usbekischen Parlaments Oliy Majlis gewählt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig arbeitet die Ombudsfrau Yunusova gemeinsam mit UNICEF an einem Beratungstelefon für Hinweise und Beschwerden Jugendlicher aus solchen Einrichtungen. Im Gespräch mit Nelli Karimova von Gazeta.uz berichtet sie von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Beobachtungen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was Junusowa in Kinderheimen erlebte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Mal, wenn ich in einer solchen institutionalisierten Einrichtung ankomme, sehe ich in den Augen der Kinder Schreie aus der Tiefe ihrer Seele, vor Schmerz und Enttäuschung. Ja, der Staat schafft alle Bedingungen für einen angenehmen Aufenthalt in Kinderheimen. Aber kein pädagogisches Personal wird jemals die Liebe und Zärtlichkeit liebevoller Eltern ersetzen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder haben keine Privatsphäre, keinen Raum für persönlichen Austausch. Manchmal brauchen sie auch Unterstützung und Mitgefühl. Vielleicht wollen sie nur mal mit jemandem sprechen oder einen Rat erfragen. Das ermüdet und nimmt ihnen die Möglichkeit, ihren eigenen Charakter zu entfalten. In der Regel trifft diese Kinder ein bestimmtes Stigma.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland/">Über ausgesetzte Kinder zentralasiatischer MigrantInnen in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum ist es so wichtig, dass BürgerInnen, Medien und Nichtregierungsorganisationen das nicht gleichgültig hinnehmen, sondern sich am Prozess der Deinstitutionalisierung und der Vorbeugung von Verwaisung beteiligen. Sie können den staatlichen Behörden dabei helfen, Familien in schwierigen Situationen ausfindig zu machen, bevor die Gefahr besteht, dass das Kind in ein Kinderheim kommt. Die Gründe dafür können vielfältig sein und Fachleute&nbsp; müssen einschätzen, was im Interesse des Kindes ist, ob der Familie geholfen werden kann &#8211; und, falls nötig, mithelfen daran zu arbeiten. Beispielsweise könnte die Situation verbessert werden, indem man Eltern aus der Arbeitslosigkeit heraushilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kann Heimaufenthalten vorgebeugt werden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der im Jahr 2019 per <a href="https://lex.uz/docs/4199123">Präsidentendekret Nr. PP-4185</a> und <a href="https://lex.uz/docs/4532493">Anordnung Nr. 824</a> des Ministerkabinetts von der Regierung Usbekistans gebilligte Handlungsplan zur Deinstitutionalisierung gilt als Grundlage für die Einrichtung sozialer Dienste zur Unterstützung von Familien und der Verhinderung einer Trennung der Kinder von den Familien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes empfiehlt, vor der Verlegung der Kinder nach bestimmten sozialen Faktoren in Kindereinrichtungen sowie dem negativen Einfluss eines Heimaufenthalts auf die psychologische Entwicklung des Kindes zu warnen und dies zu verhindern. Leider gibt es auch Kinder mit Beeinträchtigungen, die bei ihren Eltern oder engen Verwandten leben, aber keinerlei Bildung erfahren. Aber sie befinden sich im Kreise ihrer Familie, was für das Kind ebenfalls nicht unwichtig ist. Vielleicht könnte genau diese Situation eine Orientierung bei der Suche einer Antwort auf die Frage der Deinstitutionalisierung sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://www.kinderrechtskonvention.info/uebereinkommen-ueber-die-rechte-des-kindes-370/#0--pr%C3%A4ambel-">Präambel zur UN-Kinderrechtskonvention</a> ist die Rede davon, dass der „Familie als Grundeinheit der Gesellschaft und natürlicher Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder, der erforderliche Schutz und Beistand gewährt werden sollte, damit sie ihre Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft voll erfüllen kann“. Viele Eltern lassen ihre Kinder von Verwandten oder Bekannten pflegen, während sie selbst im Ausland arbeiten. Kinder, die in Heimen untergebracht werden müssen, leben  in ständiger Erwartung, wann ihre Eltern sie denn endlich abholen kommen. Wenn behinderte Kinder ins Heim gebracht werden, kommt das oft einer Verweigerung der Eltern gleich, sich um das Kind zu kümmern. Denn in vielen Fällen werden diese Kinder nur selten besucht.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, dass wir ein modernes Schutzsystem für Kinder und Familien brauchen. Dabei sollte nicht die Trennung von Kind und Familie im Mittelpunkt stehen, sondern ihre Einheit. Das grundlegende Ziel im Bereich der Arbeit mit Familien, die als natürliches Umfeld für die Entwicklung des Kindes angesehen werden, muss sein, mithilfe wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher und administrativer Maßnahmen das Recht des Kindes auf sein familiäres Umfeld zu gewährleisten, wo es leben und Erziehung genießen kann. Familien und Kinder müssen unbedingt dabei unterstützt werden. Im sechsten Absatz jener Präambel der UN-Kinderrechtskonvention heißt es außerdem, dass „das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen sollte“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/verlorene-kindheit-uber-die-kinder-tadschikischer-arbeitsmigranten/">Verlorene Kindheit – Über die Kinder tadschikischer Arbeitsmigranten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kleinkinder sollten niemals von ihrer Mutter getrennt werden, es sei denn, es liegen außergewöhnliche Umstände vor. Die Gesellschaft und Behörden sind dafür verantwortlich, den besonderen Schutz jener Kinder zu gewährleisten, die keine Familie mehr haben oder denen nicht genügend materielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Familien mit vielen Kindern sollten möglichst staatliche oder sonstige Zuwendungen für den Unterhalt der Kinder erhalten. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum Kinder manchmal außerhalb der Familie leben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sagt sich unsere Gesellschaft, die doch zu Kriegszeiten hunderte fremde Kinder aufnehmen konnte, plötzlich von den eigenen los? Die Statistik zeigt, dass die meisten Heimkinder durchaus Eltern, Großeltern oder andere Verwandte haben. Vielleicht ist das ein Frage von Abhängigkeiten, die bei den Erwachsenen auftreten. Ein zweiter Grund könnte auch juristisches Unwissen sein. In der Gesellschaft ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Eltern das Recht haben, sich von ihrem Kind loszusagen und es dem Staat zum Unterhalt zu übergeben. Und dass der Staat verpflichtet ist, die Verantwortung für das Kind zu übernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/mit-15-verheiratet-und-schwanger-kinderbraute-aus-kirgistan-erzahlen-ihre-geschichten/">Mit 15 verheiratet und schwanger – Kinderbräute aus Kirgistan erzählen ihre Geschichten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, der Staat kümmert sich um das Kind, versorgt es mit allem Nötigen. Aber er kann es niemals mit mütterlicher Fürsorge und Zärtlichkeit umgeben, was das Kind jedoch ab dem ersten Tag seines Lebens so sehr braucht. Die Unterbringung in einem Heim sollte nur in Extremfällen und für möglichst kurze Zeit erwogen werden. Und dem sollten schnell alternative Maßnahmen folgen: Adoption, Pflege, Vormundschaft oder Patronat, also Übergabe des Sorgerechts an andere Verwandte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ansätze zur Veränderung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In erster Linie muss der Staat selbst seine Position überdenken, konkret Fragen der finanziellen Unterstützung von Kinderheimen. Wie die Praxis in anderen Ländern der Erde zeigt, sollte es für den Staat nicht lukrativ sein, ein Kind in einem Heim unterzubringen. Stattdessen brauchen die Familien der Kinder Unterstützung, bevor es zu einer Inobhutnahme oder Abgabe kommt. Es sollte einen Unterstützungsdienst für Familien geben, außerdem sollte das Spektrum der möglichen Hilfsleistungen erweitert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus muss die Bevölkerung besser juristisch informiert und geschult werden. Wie es auch das UN-Komitee empfiehlt, sollten möglichst Pflicht-Module zu Menschenrechten und Kinderrechtskonvention in den Lehrplan der Schulen sowie die Lehrenden-Ausbildung aufgenommen werden. Medien sollten aktiv angesprochen und in die Aufklärungsarbeit der Bevölkerung einbezogen werden. Es braucht Kooperationen mit NGOs und anderen Institutionen der Zivilgesellschaft auf Grundlage einer gemeinnützigen Partnerschaft, Vertrauen und eines konstruktiven Dialogs.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/08/21/deinstitutionalization/">Gazeta.uz</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"></p>


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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>„Kin-dsa-dsa!“: Regisseur des Kult-Films aus der Wüste Karakum wird 90</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2020 05:47:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Cinestan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Jubiläum]]></category>
		<category><![CDATA[Karakum]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseur]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Sommer dieses Jahres w&#xE4;re der ber&#xFC;hmte Regisseur Georgi Danelija 90 Jahre alt geworden. Seine fantastische Tragikom&#xF6;die &#x201E;Kin-dsa-dsa!&#x201C; entstand 1986 in der zentralasiatischen W&#xFC;ste Karakum in Usbekistan und Turkmenistan.&#xA0;Orient.tm erinnerte am 6. Juli mit einem Artikel von Selbi Tscharyewa an den Filmk&#xFC;nstler und sein ber&#xFC;hmtestes Werk. Novastan &#xFC;bersetzt den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Im Sommer dieses Jahres wäre der berühmte Regisseur Georgi Danelija 90 Jahre alt geworden. Seine fantastische Tragikomödie „Kin-dsa-dsa!“ entstand 1986 in der zentralasiatischen Wüste Karakum in Usbekistan und Turkmenistan. </strong><strong>Orient.tm erinnerte am 6. Juli mit einem <a href="https://orient.tm/kin-dza-dza-legendarnyj-film-snyatyj-v-karakumah/">Artikel von Selbi Tscharyewa</a> an den Filmkünstler und sein berühmtestes Werk. Novastan übersetzt den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Viele ältere Bewohner*Innen Turkmenistans erinnern sich noch heute an die Dreharbeiten zu dem anti-utopischen Spielfilm „Kin-dsa-dsa!“ im heißen Sommer 1986 in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakum">Wüste Karakum</a>, in dem kleinen Ort Barsagelmes in der Nähe von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Balkanabat">Balkanabat </a>(damals Nebitdag). Einwohner freundeten sich mit dem Film-Team an und luden Schauspieler und Regisseur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georgi_Nikolajewitsch_Danelija">Georgij Danelija</a> zu sich nach Hause ein, wo sie ihnen Schüsselchen mit durstlöschendem grünen Tee anboten.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Unzählige Erinnerungsbilder an die Drehzeit liegen heute noch in den Familienalben jener Glückspilze. Besonders gefragt unter den „Kin-dsa-dsa!“-Fans war der Schauspieler Jewgenij Leonow, der im Film den Tschatlanin Uefa verkörperte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Lied vom Filmtitel</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Film „Kin-dsa-dsa!“ strotzt nur so vor unbekannten Wörter, aber genau darin liegt seine Besonderheit. Er sollte künftig die russische Sprachkultur stark beeinflussen, indem jene Fantasie-Wörter und -Wendungen Einzug hielten in die zeitgenössische Umgangssprache. Bis heute werden sie nicht nur unter Cineasten benutzt. Allein schon der Titel des Films birgt Zauberhaftes in sich, das Publikum fragt sich unwillkürlich: Was ist nur dieses „Kin-dsa-dsa“?</p>
<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/turkmenistan/die-weisse-sonne-der-wueste-sowjetischer-western-aus-turkmenistan/" target="_self" rel="noopener noreferrer">Die weiße Sonne der Wüste – sowjetischer Western aus Turkmenistan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ursprünglich sollte der Streifen „Kosmischer Staub“ heißen. Bis Regisseur Danelija eines Tages seinen Schauspieler Leonow in einer Drehpause singen hörte: „Ich habe eine Tasche-sche-sche, in der Tasche ist kindsa-dsa-dsa-dsa&#8230;“ Regisseur Danelija merkte sich die Worte des sonderbaren Liedchens und nutzte sie für den Titel.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Pannen am Set</strong></p>
<p style="text-align: justify">Bei den Dreharbeiten ergaben sich immer wieder kuriose Momente. Ein Making-of wäre womöglich ebenso unterhaltsam geworden, wie der entstandene Spielfilm selbst. Es gab beispielsweise Probleme mit den Kostümen, als die Schauspielerin Irina Schmelewa in Balkanabat ankam, allerdings ohne jede Filmkleider. Erst kreative Garderobiers konnten das lösen.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Und Schauspieler Stanislaw Ljubschin (Hauptrolle des Vorarbeiters Onkel Wowa) erinnerte sich später: „Unsere Gruppe kam in Krasnowodsk (Turkmenbaschi) an, die Requisiten aber waren nach Krasnojarsk (Sibirien) geflogen. Unser Filmteam lief dann zwei Wochen lang durch die Wüste und wartete auf die Rückkehr der Dekoration. Erst als sie ankamen, konnten wir beginnen zu drehen, dann arbeiteten wir aber fleißig.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lohn für harte und hitzige Arbeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Dreh in der Wüste war für das Team nicht leicht. Die Hitze von bis zu 60 Grad Celsius schlug auf das Wohlbefinden. Da half nur jener grüne Tee der Einwohner. Eine einmalige Karakum-Expedition reichte jedoch nicht, um alle nötigen Szenen in der Wüste aufzunehmen. Darum mussten alle mehrmals in die Dürre. Requisiten wurden perfektioniert, Spezialeffekte ausprobiert und sogar ein Riesenrad wurde für den Film aufgebaut.</p>
<p><em>„Kin-dsa-dsa!“ aus den Mosfilm-Archiven (auf Russisch) &#8211; Teil 1:</em></p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=I47CNxwlt9U</p>
<p style="text-align: justify">Der Film wurde zum Evergreen und brachte dem Team nicht nur Publikumssympathien ein, sondern auch Auszeichnungen wie den Jury-Sonderpreis des Internationalen Kinofestivals 1987 in Rio de Janeiro für die „Originelle Konzeption“. 15 Jahre später erhielt Regisseur Georgij Danelija für den Film „Kin-dsa-dsa!“ sogar den russischen Literaturpreis „Strannik“ als „Legende des Science-Fiction-Kinos“. Im Sommer 2020 wäre Georgij Danelija (geboren 25. August 1930 in Tbilisi, Georgische Sowjetrepublik, gestorben 4. April 2019 in Moskau) 90 Jahre alt geworden. Neben „Kin-dsa-dsa!“ wurden seine Filme „Afonia“, „Mimino“ und „Herbst-Marathon“ zu Klassikern des sowjetischen Kinos. Im Jahr 2013 kam außerdem der komplett animierte Fantasy-Trickfilm „Ku! Kin-dsa-dsa“ nach einem Drehbuch von Danelija und Rezo Gabriadse in die Kinos. Es sollte Danelijas letzte Kino-Arbeit sein.</p>
<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-braut-aus-vodil-unter-der-sonne-des-ferganatals/" target="_self" rel="noopener noreferrer">Die Braut aus Vodil – Unter der Sonne des Ferganatals</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Film von 1986 ist jedoch so tief im kulturellen Gedächtnis vieler Menschen verankert, dass es auch heute in populären sozialen Netzwerken aktive Communitys gibt, in der sich die Fans aus verschiedenen Ländern noch immer über diesen Film austauschen. Und auch die turkmenische Region der Wüste Karakum spielte eine wesentliche Rolle bei der Entstehung dieses legendären Kinofilms.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Kin-dsa-dsa!“ aus den Mosfilm-Archiven (auf Russisch) &#8211; Teil 2:</em></p>
<p style="text-align: justify">https://www.youtube.com/watch?v=eti9Qn4bZDg</p>
<p style="text-align: right"><strong>Selbi Tscharyewa für <a href="https://orient.tm/kin-dza-dza-legendarnyj-film-snyatyj-v-karakumah/"><u>Orient.tm</u></a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Zentralasiens Wirtschaft hängt am seidenen Faden der Wasserressourcen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jul 2020 10:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Amudarja]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Wassermangel]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserressourcen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbank]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die niedrige Produktivit&#xE4;t der Wasservorr&#xE4;te in Zentralasien bedroht die Industrie, das Wirtschaftswachstum und die soziale Stabilit&#xE4;t der L&#xE4;nder in der Region. Experten der Weltbank empfehlen in einer Studie L&#xF6;sungswege. Das russischsprachige Nachrichtenportal Gazeta.uz in Usbekistan&#xA0;fasste am 16. Juni die wichtigsten Thesen der Studie zusammen. Wir &#xFC;bersetzen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Die wirtschaftliche [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><b>Die niedrige Produktivität der Wasservorräte in Zentralasien bedroht die Industrie, das Wirtschaftswachstum und die soziale Stabilität der Länder in der Region. Experten der Weltbank empfehlen in einer Studie Lösungswege. Das russischsprachige Nachrichtenportal <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/06/16/review/?">Gazeta.uz</a> in Usbekistan fasste am 16. Juni die wichtigsten Thesen der Studie zusammen. Wir übersetzen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</b></p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Die wirtschaftliche Produktivität der Wasserressourcen in Zentralasien bewertet die <a href="http://pubdocs.worldbank.org/en/321061585555266133/CAWEP-Water-Security-Brochure-26-Mar-ru.pdf">Weltbank in ihrem Papier</a> als anhaltend extrem niedrig. Darin liege eines der Hauptprobleme der Wassernutzung, welcher mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Einerseits ist die Wasserversorgung nicht immer effektiv: Selbst in Städten sind <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ein-drittel-der-usbekischen-staedte-hat-keinen-zugang-zur-kanalisation/">nicht alle Haushalte an die Kanalisation</a> angeschlossen, die vorhandene Infrastruktur veraltet und nicht angemessen gewartet. Gleichzeitig ist ein ungebrochener Anstieg der Bevölkerung zu beobachten, wodurch der Druck auf die knappen Wasservorkommen steigt. Zudem verändert sich das Klima in der Region schnell, sodass sich der Wasserbedarf weiter erhöht.</p>
<p><strong>Ineffiziente Wassernutzung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gegenwärtig, so betont es die Weltbank-Studie, gebe es in Zentralasien zwar keinen Wassermangel. Die zugänglichen Wassermengen pro Kopf in Kasachstan, Kirgistan und Turkmenistan übersteigen die Zahlen der Hälfte der anderen Staaten der Welt. In Tadschikistan und Usbekistan steht zwar weniger Wasser pro Einwohner zur Verfügung, dennoch erleben die Länder noch kein Defizit.</p>
<p style="text-align: justify">Alle zentralasiatischen Staaten gehören zu jenen zehn Prozent der Länder mit den höchsten Wasserverbrauchsdurchschnittswerten pro Kopf. Dieser ist etwa fünfmal höher als der weltweite Durchschnitt. In Einzelfällen ist die Beanspruchung der Wasserreserven exorbitant hoch, heißt es in der Studie.</p>
<p><strong>Lesen Sie auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-vereinten-nationen-sagen-dramatischen-wassermangel-fur-zentralasien-voraus/">Die Vereinten Nationen sagen dramatischen Wassermangel für Zentralasien voraus</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die niedrige Effektivität der Wasserressourcen wird derweil dadurch bedingt, dass in der Landwirtschaft bei niedrigem Ertrag viel Wasser verbraucht wird. Außerdem wird das Wasser nicht effizient genutzt. Die Bewässerung muss dringend wirtschaftlich effektiver gestaltet werden. Denn keine der Volkswirtschaften Zentralasiens nutzt, so die Experten der Weltbank, ihr Wasserpotential vollständig aus.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Schnelle Veränderungen erwartet</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Weltbank-Studie werden auch demographische Prognosen vorgestellt. So soll die Bevölkerungs in der Region von gegenwärtig rund 80 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 90 bis 100 Millionen wachsen. Die langfristigen Prognosen allerdings bleiben unkonkret: von einer Verdopplung der aktuellen Bevölkerungszahl bis 2100 bis hin zu einem geringen Rückgang.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders schwerwiegende wirtschaftliche Folgen wird der <a href="https://novastan.org/de/?s=klimawandel">Klimawandel </a>haben. Die Erwärmung in der Region ist höher als im weltweiten Durchschnitt. Bis zum Jahr 2100 könnte die durchschnittliche Jahrestemperatur hier um fünf bis sechs Grad steigen. Eine solche Erwärmung würde eine frühere Schnee- und Gletscherschmelze nach sich ziehen und die Hochzeiten der Wasserstände in den Flüsse vom Sommer in den Frühling verschieben.</p>
<p><strong>Lesen Sie auch auf Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser/" target="_self">Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Weltbank-Prognosen zum zu erwartenden Niederschlag sind derweil außerordentlich unbestimmt: Seine Menge könne steigen, aber im Vergleich zu den Daten der vergangenen Jahre auch sinken. Für ein Wirtschaftswachstum ist eine Umleitung eines Teils der Wasservorräte notwendig, der zur Bewässerung in der Industrie und im Dienstleistungssektor genutzt werden könnte.</p>
<p style="text-align: justify">Sollte dieser Aspekt nicht weiter entwickelt werden, stellt die ineffiziente Nutzung der Wasservorräte eine Gefahr für die produzierenden Industrien und somit für das Wirtschaftswachstum dar. Ein unbefriedigendes Niveau der Wasserversorgung wird Fortschritte des vorhandenen Humankapitals bremsen und die soziale Stabilität bedrohen. Entsprechend der Klimaveränderungen in der Region könnten sich, so befürchten die Experten der Weltbank-Studie, außerdem zwischenstaatliche Spannungen verschärfen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Empfehlung: Politik der Umverteilung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie kann Zentralasien unter den Bedingungen des Klimawandels die Sicherheit seiner Wasserversorgung und ein aktives Wachstum sicherstellen? Die Autoren der Weltbank-Studie schlagen folgende Antwort vor: eine Staatspolitik, die eine Umverteilung von Wasserressourcen und -risiken ebenso einschließt wie institutionelle Reformen und Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur, insbesondere der Bewässerung.</p>
<p style="text-align: justify">Die Studie schlägt zwei Arbeitsrichtungen auf nationaler Ebene vor:</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Erstens,</strong> Investitionen im Bereich der Wasserversorgung und Sanitärtechnik mit dem Ziel, soziale Stabilität und Entwicklung des Humankapitals zu gewährleisten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zweitens, </strong>eine Reform der Prinzipien, nach denen sich die Verteilung von Wasser richtet und die darauf abzielt, die Effizienz der Ressourcennutzung zu erhöhen. Hier ist demnach eine gemeinsame Planung auf nationaler Ebene zum Umgang mit den Wasservorräten in Flüssen als auch eine Inventur der Wasservorräte und eine Modernisierung der Bewässerungsinfrastruktur nötig. Eine Beteiligung des Wirtschaftssektors an der Bewässerung könnte der Implementierung von Innovationen und der Erhöhung der Produktivität förderlich sein.</p>
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<p style="text-align: justify">Als wichtigster Schwerpunkt der Arbeit auf nationaler und regionaler Ebene nennt die Weltbank-Studie Investitionen in Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, um eine wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit zu gewährleisten. So müssten beide Ebenen die Vorbereitungen auf schwerere Dürrezeiten, veränderte Flusspegel und den steigenden Wasserbedarf aufgrund der Erwärmung vorantreiben. Neben den fünf Staaten Zentralasiens sollte in diese Aufgaben auch Afghanistan als bedeutenden Anlieger des Flusses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja">Amudarja </a>einbezogen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Die weiteren Empfehlunge beinhalten außerdem eine Modernisierung der meteorologischen Dienste sowie der Informationssysteme über die Wasserressourcen, einschließlich kurz- und langfristiger Prognosen, der Anpassung der Betriebsmodi für Stauseen, Investitionen in Wasserkraft sowie der Ausweitung des Stromhandels für eine nachhaltigere wirtschaftliche Reaktion auf den Klimawandel.</p>
<p style="text-align: right"><strong><a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/06/16/review/?">Gazeta.uz</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Opposition in Usbekistan: Sein oder nicht sein?</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/opposition-in-usbekistan-sein-oder-nicht-sein/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peggy Lohse]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2020 11:55:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Opposition]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Opposition ist im heutigen Usbekistan ein besonders faszinierendes Thema. Daf&#xFC;r gibt es viele Erkl&#xE4;rungen. Folgende Kolumne von Kamoliddin Rabbimov erschien am 25. Februar 2020 im russischen Original bei Anhor.uz, wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Erstens: Usbekistan hat eine lange Periode des strengen Autoritarismus &#xFC;berstanden, in der die Opposition als Quelle sozialer [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die Opposition ist im heutigen Usbekistan ein besonders faszinierendes Thema. Dafür gibt es viele Erklärungen. Folgende Kolumne von Kamoliddin Rabbimov erschien am 25. Februar 2020 im russischen Original bei </strong><a href="https://anhor.uz/columnists/21073"><strong>Anhor.uz</strong></a><strong>, wir übersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Erstens: Usbekistan hat eine lange Periode des strengen Autoritarismus überstanden, in der die Opposition als Quelle sozialer und politischer Destabilisierung galt, als Bedrohung für Frieden und Ordnung, als Institut und Phänomen, mit ausschließlich negativen Folgen. Dies waren Verständnis und Auslegung der ersten Regierung. Zu ihrer Ausbildung trugen zahlreiche Faktoren bei, unter anderem die unreife politische Kultur aller beteiligten Seiten. Auch die der Opposition in der ersten Hälfte der 90er Jahre selbst.</p>
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<p style="text-align: justify">Zweitens: Im vergangenen Vierteljahrhundert hat sich in Usbekistan ein System der politischen und sozialen Überzeugungen herausgebildet, das der Opposition als solche misstrauisch und negativ gegenüber steht. Auch nach dem <a href="http://https:/www.novastan.org/de/usbekistan/prasidentschaftswahlen-in-usbekistan-vier-kandidaten-im-rennen/"> Machtwechsel</a> an der Staatsspitze ist dieses Meinungsbild weiter vorherrschend, besonders im Bewusstsein der staatlichen Eliten. Für sie ist eine Opposition in Usbekistan weiterhin nicht gewollt, da sie unter Bedingungen brennender sozialökonomischer Probleme die Situation „aufwiegeln“ und der nationalen Sicherheit schaden könnte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/trotz-reformen-warum-die-einzigen-oppositionsparteien-usbekistans-nicht-zur-parlamentswahl-zugelassen-wurden/"><strong>Trotz Reformen: Warum die einzigen Oppositionsparteien Usbekistans nicht zur Parlamentswahl zugelassen wurden</strong></a></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong>Dennoch nimmt die Angst im gesellschaftlichen Bewusstsein der Bevölkerung Usbekistans in den letzten drei Jahren tendenziell ab. Die neue Regierung unternimmt reale Schritte, um das internationale Image des Landes zu verbessern. Sie will zugunsten des <a href="http://https:/www.novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-stellt-fast-eine-milliarde-euro-zur-unterstuetzung-seiner-wirtschaft-bereit/">nationalen Wachstums</a> große Investitionen, neue Ideen, <a href="http://https:/www.novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-erlaubt-hanfanbau-fuer-industrielle-zwecke/">Technologien</a>, Fachkräfte und den Tourismus anziehen.</p>
<p style="text-align: justify">Vor diesem Hintergrund stellt nun selbstverständlich auch ein Teil der Gesellschaft Usbekistans die Frage nach der Notwendigkeit einer Opposition: Ist es nicht an der Zeit, sich von der alten Politik loszusagen und es den Leuten zu erlauben, <a href="http://https:/www.novastan.org/de/usbekistan/ustbekistan-erstmals-seit-2003-menschenrechts-ngo-zugelassen/">eigene gesellschaftliche Organisationen</a> zu gründen, darunter auch politische Parteien? Wenn sich die politische Partei dann nicht mehr an der Regierung, sondern an der Gesellschaft orientiert, dann ist diese Partei oder politische Kraft schon in der Opposition.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wo keine Opposition ist, gibt es keinen Rechtsstaat</strong></p>
<p style="text-align: justify">Hier muss nun kurz erläutert werden, warum die Welt Staaten nicht vertraut, in denen es keine echte Opposition gibt. Das Fehlen einer realen und registrierten Opposition bedeutet aus Sicht der politischen Freiheit nur eines: Hier wird die Hauptforderung von Freiheit und Demokratie &#8211; die Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung &#8211; nicht erfüllt. Menschen sind ihrer Natur nach verschieden. Die Vielfalt im Denken und in ihren Interessen spiegelt sich unter freiheitlichen Bedingungen auch in der Zahl und im Charakter ihrer freien Verbände wieder, darunter eben auch in politischen Parteien. Wo es keine solchen echten und freien oppositionellen Verbünde gibt, sind die Staaten in ihrem Kern autoritär und nicht rechtsstaatlich. Sie müssen sich systematischer Gewalt bedienen, damit die Menschen auf ihr Recht verzichten, nach eigenem Belieben politische Vereinigungen zu gründen.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Zeiten der ersten Regierung (nach dem Zerfall der Sowjetunion &#8211; Anm. d. Red.) war eine solche Situation noch durchaus verständlich. Denn in der Wertehierarchie standen damals Sicherheit und Stabilität weit vor Freiheit, Recht und Entwicklung. Nun aber, unter den neuen Bedingungen, taucht die Frage nach der Opposition immer häufiger auf der Tagesordnung der gesellschaftlichen Diskurse auf.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/eine-weibliche-gouverneurin-in-usbekistan-symbol-eines-fortschreitenden-feminismus/"><strong>Eine weibliche Gouverneurin in Usbekistan: Symbol eines fortschreitenden Feminismus?</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die politischen und sozialen Funktionen einer Opposition sind äußerst wertvoll und nützlich für die Weiterentwicklung eines Landes. Dazu gehören zwar auch die Risiken, dass eine Opposition in einem multiethnischen und multikonfessionellen Staat wie Usbekistan durchaus ernsthafte Probleme verursachen könnte. Gibt es aber einen entsprechenden politischen Willen, dann könnte da auch ein Kompromiss gefunden werden. Würde die Zulässigkeit einer Opposition anerkannt und würden minimale juristische Bedingungen für eine reale Registrierung neuer politischer Parteien geschaffen, wäre das zweifellos eine historische Entscheidung für die Entwicklung Usbekistans.</p>
<p style="text-align: justify">Dabei muss aber bedacht werden: Selbst wenn noch heute neue Parteien registriert würden, dauerte es noch Jahre, bis diese politischen Parteien verantwortungsbewusst, effektiv und konkurrenzfähig würden. Denn in der Opposition zu sein, ist lange keine einfache Aufgabe, gleichzeitig aber eine durchaus verantwortungsvolle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Opposition hält den Staat am Leben</strong></p>
<p style="text-align: justify">Trotz all solcher Ausreden sind unabhängige beziehungsweise oppositionelle politische Kräfte unabdingbar für einen gut funktionierenden Organismus aus Staat und Gesellschaft. Der Staat an sich erinnert ja an einen lebendigen Organismus: Es gibt Arterien und Venen. Das Blut zirkuliert nur dank diesem System.</p>
<p style="text-align: justify">Wir dürfen nicht vergessen, dass die Oppositionsfrage auch eine zivilisatorische Ebene besitzt. Wenn es in einem Land eine Opposition gibt, heißt das, dass es im Staat auch Freiheit, Konkurrenz, Motivation und Überzeugung gibt. Wenn es keine Opposition gibt, herrschen in diesem Land Zwang, Entbehrung, Druck und Unfreiheit. Für die internationale Gemeinschaft bedeutet das Vorhandensein oder Fehlen einer echten politischen Opposition das Wichtigste: ob ein Land frei und rechtsstaatlich ist. Oder eben nicht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/parlamentswahl-in-usbekistan-regierungspartei-bleibt-staerkste-kraft/"><strong>Parlamentswahl in Usbekistan: Regierungspartei bleibt stärkste Kraft </strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die zweite starke politische Funktion der Opposition ist &#8211; so paradox es klingen mag &#8211; die Konsolidierung der Nation. Zum Beispiel: Wir leben jetzt in der Epoche der Sozialen Netzwerke, des Internets und der superschnellen Kommunikation. Aber noch ist das, was unter den Menschen in Usbekistan zu beobachten ist, eher „sozialer Frust“. Ein bedeutender Teil der Gesellschaft Usbekistans hatte noch höhere Erwartungen an die neue Regierung. Und nicht alle können verstehen, dass sich sozial-ökonomische Erwartungen nicht so schnell erfüllen können, wie wir uns das wünschten.</p>
<p style="text-align: justify">Negativ ist, dass, wenn eine systemimmanente Opposition fehlt, also keine Opposition offiziell in die staatlichen Organe wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oliy_Majlis">Oliy Majlis</a> (das usbekische Parlament &#8211; Anm. d. Red.) integriert ist, sich der soziale Frust chaotisch verbreitet und sich destruktiv gegen den Staat und das Machtsystem wendet. Wenn allerdings eine verantwortungsvolle und in die nationalen Interessen eingebundene Opposition existiert, kann sich ein Teil der sozialen Frustration über diese Opposition kanalisieren. Der übrige Anteil der negativen Stimmungen sinkt dann dank gesellschaftlicher Debatten zwischen den verschiedenen Seiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-tod-des-diktators-und-einsetzendes-tauwetter-ueber-das-letzte-jahrzehnt-in-usbekistan/"><strong>Der Tod des Diktators und einsetzendes Tauwetter – Über das letzte Jahrzehnt in Usbekistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Ich wage zu vermuten, dass, wenn von der Opposition gesprochen wird, ein bestimmter Teil der politischen Eliten Usbekistans unter einer irrationalen Phobie leidet. Aber früher oder später muss diese Angst überwunden und rational überlegt werden, wie man künftig mit dem politischen System umgehen will: Will man wieder einem System der Zwänge die Priorität überlassen oder entscheidet man sich für einen Übergang zu einer konkurrenzfähigen und kontroversen Demokratie?</p>
<p style="text-align: justify">Um welche oppositionellen Organisationen es sich dabei konkret handeln könnte, muss die Staatsführung entscheiden. Vielleicht wird jenem Teil der Opposition eine Rückkehr nach Usbekistan erlaubt, der einst durch unbegründete Verfolgung dazu gezwungen wurde, das Land zu verlassen. Dann könnte sie eine Basis für neue politische Projekte schaffen. Es gibt nicht viele Varianten, alles hängt von Innovationen ab oder, wie man heute sagt, von der Kreativität im politischen Denken der Regierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auf Reformkurs hin zu Freiheit und Reichtum</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Reformen von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> sind bislang klar auf einen demokratischen Rechtsstaat ausgerichtet, in dem das Gesetz regiert, nicht der Zwang durch Strafverfolgungsbehörden. Darum erscheint es logisch, dass die neue Regierung sich bald auch mit Maßnahmen beschäftigen wird, die den Bürgern mehr Möglichkeiten zur Partizipation am politischen Leben des Landes bieten könnten. Sonst drohen die neuen Reformen als vorübergehendes „Tauwetter“ zu enden, nach dem wieder Kurs auf Autoritarismus genommen wird, nur mit neuem Autor.</p>
<p style="text-align: justify">Die Bürger und die internationale Gemeinschaft legen große Hoffnungen in die Reformen und bieten große gesellschaftliche Unterstützung an. Niemand will, dass die Reformen auf halbem Wege stehenbleiben. Der einzige Weg, die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen und die frustrierte Gesellschaft nicht in die soziale Apathie verfallen zu lassen, ist es, allen Interessenten zu erlauben, sich an der Politik zu beteiligen, im freien Wettbewerb und Wettstreit.</p>
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<p style="text-align: justify">Warum sind die freisten Länder auch die stabilsten und reichsten? Weil sie den Intellekt aller ihrer gesellschaftlichen Schichten zu nutzen wissen, damit auch den der Opposition, die gnadenlos kritisiert und ihre Alternativen empfiehlt. Dann entscheiden die Bürger, die Nation, wessen Entwicklungsplan ihnen am besten entspricht. Selbstverständlich wird eine Seite verlieren, aber sie wird nicht gleich aus dem Land gejagt oder in Lager gesteckt. Denn selbst nach einer politischen Niederlage in einer bestimmten Etappe wird ihre Stimme immer zu hören sein &#8211; über ihre Medien und ihre Fraktionen im Parlament des Landes.</p>
<p style="text-align: justify">Damit ist die Frage einer Opposition nicht nur eine politische Frage, sondern auch eine nach der nationalen Entwicklung, eine Frage der Philosophie und des zivilisierten Charakters des Staates. In den nächsten Jahren wird genau diese Frage höchstwahrscheinlich die wichtigste und historisch bedeutendste Frage sein, der sich die neue Regierung stellen muss. Und von ihrer Antwort hängt ab, wie die Welt auf die Frage antworten wird: Hat sich Usbekistan tatsächlich verändert oder hatten die <a href="http://https:/www.novastan.org/de/usbekistan/perestroika-auf-usbekisch-der-politologe-farchod-tolipow-uber-die-reformen-des-neuen-prasidenten/">jüngsten Veränderung</a> nur kosmetischen Charakter?</p>
<p style="text-align: right"><strong>Kamoliddin Rabbimov für </strong><a href="https://anhor.uz/columnists/21073"><strong>Anhor.uz</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>
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