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	<title>Michèle Häfliger, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Michèle Häfliger, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Leichte Unterhaltung mit &#8222;Meine kasachische Hochzeit&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 May 2025 13:48:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Artem Kouida]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Meine kasachische Hochzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die k&#xFC;rzlich erschienene &#x201E;kasachische Hochzeit&#x201C; vom Deutsch-Belarussen Artem Kouida bietet einen kuriosen Einblick in die scheinbar allzu eingefahrenen Heiratstraditionen einer kasachischen Familie, die auch vor einem nicht-kasachischen Ehemann keinen Halt machen. Eine Rezension. Auf dem etwas drolligen Buchumschlag mit Kouida l&#xE4;sst der Titel verlauten, dass es &#xAB;seine&#xBB; kasachische Hochzeit, also die des Br&#xE4;utigams, ist. Und [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die kürzlich erschienene „kasachische Hochzeit“ vom Deutsch-Belarussen Artem Kouida bietet einen kuriosen Einblick in die scheinbar allzu eingefahrenen Heiratstraditionen einer kasachischen Familie, die auch vor einem nicht-kasachischen Ehemann keinen Halt machen. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem etwas drolligen Buchumschlag mit Kouida lässt der Titel verlauten, dass es «seine» kasachische Hochzeit, also die des Bräutigams, ist. Und tatsächlich scheint die kasachische Braut Teil ihres kasachischen Familienstammes zu bleiben, achtet alle Traditionen und Bräuche und erwartet dasselbe selbstverständlich auch von ihrer besseren Hälfte. Die auf die Innensicht des Erzählers beschränkte Perspektive und die emotionale Abwesenheit aller weiteren Statisten verstärkt den Eindruck, dass der Bräutigam seine Hochzeit im Ausland ganz allein bestehen muss.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vom deutschen Bräutigam zu einem richtigen Kasachen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In saloppem Tagebuchstil verfasst – zwar ohne Datumseinträge – sind wir nahezu vom Frühstück bis zum Zubettgehen Zeugen dessen, was Kouida mit seiner erweiterten Schwiegerfamilie erlebt. Obwohl der Protagonist selbst der russischen Sprache mächtig ist und postsowjetische Phänomene ihm nicht gänzlich unbekannt sind, gestaltet sich das Einheiraten in eine echt kasachische Familie doch nicht gar so einfach. Wenn Hochzeitswünsche nur auf Kasachisch weitergegeben werden, die Sitzordnung eine Wissenschaft für sich wird und der arme deutsche Bräutigam doch bitte endlich ein richtiger Kasache werden möge, kann einem das schon mal zu viel werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Der größte Knackpunkt scheint dabei wohl die Kulinarik zu sein. Weder die nicht sehr authentische Pizza im italienischen Restaurant noch der obligate Schafskopf (zum Glück nicht für den Bräutigam gedacht!) oder die berüchtigte Pferdewurst – nichts davon scheint unserem Pantoffelhelden zu munden. Doch wir können seinen Respekt vor den Essgewohnheiten des „kasachischen Volkes“ auch verstehen: <em>„Nicht umsonst gibt es seit eh und je einen Witz über die Kasachen, die als ein raues Volk gelten, da sie sogar Pferde in ihren eigenen Darm reinstopfen können.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was wir über Kasachstan, aber auch über Deutschland lernen können</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kouidas Erzählungen schwanken zwischen sich erfüllenden Klischees (fleischlose Gerichte sind in Kasachstan keine vollwertige Mahlzeit) und allzu oft erwarteten interkulturellen Rangeleien, etwa beim Deutschlandbesuch der Schwiegerfamilie, wo Shoppen wichtiger ist als etwas kulturelles Sightseeing. In Spannungsverhältnissen wie diesen merken wir erst, was wir solch banalen Erlebnissen entnehmen sollten: Gegenseitiges Verständnis kommt zwar nicht immer zwingend von den anderen aus, doch wir sollten uns so oder so darum bemühen, ihnen ebendieses Verständnis entgegenzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Versuch, etwas von der Geschichte Kasachstans in den allgemeinen Hochzeitstrubel miteinzuflechten, etwa die nomadische Kultur oder den fraglichen Personenkult um den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">ersten kasachischen Präsidenten</a>, wird der Komplexität des Landes und der gesamten Region dennoch nicht gerecht. Man fragt sich des Öfteren, wo denn eine Karte bleibt, um sich im mit Abstand größten zentralasiatischen Staat zurechtzufinden. Immerhin finden sich einige kunstvoll bearbeitete Fotos als Veranschaulichung von Alltag und Tradition, wie sie eine kasachische Hochzeit mit sich bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ein-leben-als-kelinka-bericht-ueber-einen-kasachischen-brauch/"><strong>Ein Leben als Kelinka – Bericht über einen kasachischen Brauch</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Highlight des Buches ist das kleine Sammelsurium an Rezepten aus der kasachischen Küche, das durch ausführliche Kochanleitungen und doch leicht verständliche Sprache Lust auf Ausprobieren macht. Einen großen Dank an die kasachische Schwiegermutter!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Artem Kouida: Meine kasachische Hochzeit. 200 Seiten, Gabriele Schäfer Verlag, ISBN: 978-3-910594-33-3, März 2025.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Michèle Häfliger für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Mannerheims Reise durch Zentralasien: Ausstellung seiner Fotografien in Bern</title>
		<link>https://novastan.org/de/panorama/mannerheims-reise-durch-zentralasien-ausstellung-seiner-fotografien-in-bern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jun 2024 10:12:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografien]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kök-börü]]></category>
		<category><![CDATA[Kurmandschan Datka]]></category>
		<category><![CDATA[Mannerheim]]></category>
		<category><![CDATA[Reisebericht]]></category>
		<category><![CDATA[Turkestan]]></category>
		<category><![CDATA[Xinjiang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Carl Gustav Emil Mannerheim z&#xF6;gerte nicht, als er im Fr&#xFC;hjahr 1906 vom Generalstab der russischen Armee den Auftrag erhielt, eine milit&#xE4;risch-geografische Reise von Turkestan (heute Zentralasien) bis nach Peking durchzuf&#xFC;hren. Dabei entstanden zahlreiche und teils &#xE4;u&#xDF;erst bewegende Fotografien. Ein Teil davon ist momentan in der Ausstellung &#x201E;Mannerheim &#x2013; Through the Marshal&#x2019;s Photographic Lens: Documenting Central [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Carl Gustav Emil Mannerheim zögerte nicht, als er im Frühjahr 1906 vom Generalstab der russischen Armee den Auftrag erhielt, eine militärisch-geografische Reise von Turkestan (heute Zentralasien) bis nach Peking durchzuführen. Dabei entstanden zahlreiche und teils äußerst bewegende Fotografien. Ein Teil davon ist momentan in der Ausstellung „Mannerheim – Through the Marshal&#8217;s Photographic Lens: Documenting Central Asia and China“ im Museum Cerny in Bern zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf seiner Reise durch das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alaigebirge">Alai</a>-Gebirge traf Mannerheim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmanjan_Datka">Kurmandschan Datka</a>, die damals wohl über 90 Jahre alt war. Als gute Herrscherin und weise Diplomatin, die mit russischen Generalen verhandelte, gilt sie bis heute als zentrale Figur in der Geschichte Kirgistans. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Durch das Festhalten ihres Treffens entstand eines der berühmtesten Fotos aus Mannerheims Sammlung. Als eine der wenigen fotografischen Darstellungen von Kurmandschan Datka trug gerade diese einen großen Teil zum Mythos um sie bei – und ist auch in der Ausstellung von Mannerheims Fotografien aus Zentralasien und China zu sehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer war Carl Gustaf Emil Mannerheim?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Freiherr <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustaf_Emil_Mannerheim">Carl Gustaf Emil von Mannerheim</a> wurde 1867 in eine einflussreiche Familie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Finnlandschweden">schwedischprachigen Minderheit in Finnland</a> (damals Russisches Zarenreich) geboren. Er besuchte die Kavallerieschule in St. Petersburg und diente in verschiedenen Positionen in der Armee, bevor er das Angebot erhielt, die Grenzgebiete des Zarenreiches zu erforschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Auftrag war, aktuelle politische und militärische Informationen zu sammeln, besonders über Chinas Grenzprovinzen und dessen Modernisierung. Bereits bei seiner Reise durch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkestan">Turkestan</a> gab sich Mannerheim als Entdecker und Ethnograf aus und dokumentierte das Erlebte und Leben vor Ort schriftlich und fotografisch. Als er 1908 nach St. Petersburg zurückkehrte, geriet sein Militärbericht bald wegen der weltpolitischen Veränderungen in Vergessen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="465" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908-1024x465.jpg" alt="" class="wp-image-39668" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908-1024x465.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908-300x136.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908-768x349.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908-1536x698.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Mannerheim_route-map-1906-1908.jpg 1887w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mannerheims 14.000 Kilometer lange Reise durch Zentralasien bis nach Peking. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine einzigartige Fotosammlung mit einem sehr detaillierten Fototagebuch erlangten zu Beginn der 1940er Jahre Bekanntheit, als sein Reisebericht mit den Fotografien erstmals veröffentlicht wurde. Die Bildunterschriften dazu stammen direkt aus Mannerheims Tagebuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mannerheim war stets verbunden mit der Schweiz; besonders seine letzten Lebensjahre verbrachte er am Genfersee. Dort verstarb er 1951 nach kurzer Krankheit. In diesem Zusammenhang wurde gemeinsam mit der Finnischen Botschaft in der Schweiz die Ausstellung in Bern mit einigen seiner Fotos <a href="https://finlandabroad.fi/web/che/aktuelles/-/asset_publisher/h5w4iTUJhNne/content/vernissage-der-mannerheim-fotousstellung-in-bern/384951">eröffnet</a>. An dieser Stelle folgt ein Vorgeschmack einiger besonders eindrucksvoller Bilder; sie wie auch die Kommentare dazu beziehen sich auf schriftliche und mündliche Hinweise des Kurators.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoch zu Ross und andere Reisestrapazen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mannerheim war ein großer Pferdeliebhaber und unternahm die Reise durch Zentralasien bis nach China ausschließlich hoch zu Ross. Natürlich fotografierte er im Alai-Gebirge auch eine Partie des <a href="https://ich.unesco.org/en/RL/kok-boru-traditional-horse-game-01294">kirgisischen Nationalspiel Kök-Böru oder Ulak-Tartysch</a> – und das in voller Aktion. Trotz der kurzzeitigen Belichtung wirken Details aus der Szene ausgesprochen scharf.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="766" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk-1024x766.jpg" alt="" class="wp-image-39669" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk-1024x766.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk-768x575.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk-1536x1150.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Game_TamashaorUluk.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eine Partie Kök-Böru/Ulak-Tartysch. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kasachstan-und-kirgistan-streiten-um-koek-boerue/">Kasachstan und Kirgistan streiten um Kök-Böru</a></strong><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der schwierigste Teil der Reise war laut Mannerheim der Aufstieg zum <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Muzart_Pass">Muzart-Pass</a>. Dennoch stieg er mit seiner gesamten Fotoausrüstung, immerhin einer zwei Kilogramm schweren Kamera sowie Stativ und Glasplatte, auf eine Anhöhe hinauf, um einen guten Winkel auf die Pferdekarawane zu erhalten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="783" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Reloadingafterclimb-783x1024.jpg" alt="" class="wp-image-39670" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Reloadingafterclimb-783x1024.jpg 783w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Reloadingafterclimb-229x300.jpg 229w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Reloadingafterclimb-768x1005.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Reloadingafterclimb.jpg 917w" sizes="(max-width: 783px) 100vw, 783px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Verschnaufpause nach dem Aufstieg“</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoher Besuch und einfache Gastfreundschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hohen Empfang erhielt Mannerheim in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aksu_(Stadt)">Aksu</a> bei einer chinesischen Delegation, darunter der Höchste Beamte, ein General und ein lokaler Beamter. Er war längst nicht der erste; vor ihm waren bereits zahlreiche Ethnografen (bzw. Spione; Frauen waren kaum darunter) in der Gegend gereist, vor allem aus Belgien und Frankreich.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="753" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon-1024x753.jpg" alt="" class="wp-image-39671" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon-1024x753.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon-300x220.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon-768x564.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon-1536x1129.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Taotai_Tifankuon.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mannerheim zu Gast bei chinesischen Beamten in Aksu</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Schwarzweiß-Fotografien wirken die Leute dunkler, als sie tatsächlich waren. Dies wurde gerade von einem westlichen Publikum für die Argumentation verwendet, dass Leute im fernen Zentralasien nicht so „weiß“ und damit „rein“ seien wie sie selbst. Hier wird allerdings deutlich, dass Mannerheims Hautfarbe nicht wirklich heller war als die der anderen Männer auf dem Bild.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="777" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KyrgyzWomenprovidingrefreshments-1024x777.jpg" alt="" class="wp-image-39672" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KyrgyzWomenprovidingrefreshments-1024x777.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KyrgyzWomenprovidingrefreshments-300x228.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KyrgyzWomenprovidingrefreshments-768x583.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KyrgyzWomenprovidingrefreshments.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kirgisinnen bieten Erfrischung an“ Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen anderen Entdeckern seiner Zeit war Mannerheim äußerst vielseitig und traf sich nebst metaphorisch großen Menschen gerade auch mit den „kleinen“ Leuten. Die drei Frauen bewiesen kirgisische Gastfreundschaft, indem sie Mannerheims Trupp bewirteten. Durch die <a href="https://trvlland.com/de/blog-kirghizistan/kirgisische-ornamente">typischen Ornamente</a> auf der Jurte waren die darin Wohnenden sogleich als Kirgisinnen ausgewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/internationale-marken-eignen-sich-zentralasiatische-ornamente-an/">Internationale Marken eignen sich zentralasiatische Ornamente an</a></strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ausschnitte aus dem Alltag der Menschen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Trennlinien waren jedoch weniger starr, als es den Anschein haben mag (und Mannerheim das wohl gerne gehabt hätte). Zudem kam es zu Bedeutungswandeln, weshalb viele Begriffe heute nicht mehr gleich verstanden werden wie damals.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="743" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts-1024x743.jpg" alt="" class="wp-image-39673" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts-1024x743.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts-300x218.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts-768x558.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts-1536x1115.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TwoFemaleSarts.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zwei Sartinnen“</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die in den Bergen nomadisch lebende Bevölkerung als „kirgisisch“ bezeichnet wurde, wurde die Stadtbevölkerung „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarten">Sart</a>“ genannt – dies ist heute ein beleidigender Ausdruck. An der Kleidung der beiden Frauen im Zentrum ist erkennbar, dass die beiden „Sartinnen“ uighurischer Herkunft, so schrieb Mannerheim in sein Tagebuch, mit Chinesen verheiratet sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="754" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KalmykWomanwithChildren-1024x754.jpg" alt="" class="wp-image-39674" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KalmykWomanwithChildren-1024x754.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KalmykWomanwithChildren-300x221.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KalmykWomanwithChildren-768x566.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/KalmykWomanwithChildren.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Kalmykin mit Kindern“</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mannerheim zeigte sich beeindruckt von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalm%C3%BCcken#:~:text=Die%20Kalm%C3%BCcken%20sind%20das%20einzige,lebten%20173.996%20Kalm%C3%BCcken%20in%20Russland.">kalmykischen</a> Dreijährigen, die allein auf einem Pferd saß, wie er in sein Reisetagebuch schrieb. Während die Mutter sich um die mittlere Tochter kümmert, führt die achtjährige Schwester ihr kleines Geschwisterchen vor sich mit.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="770" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Nasumbatoffs-wife_4Kinder-1024x770.jpg" alt="" class="wp-image-39675" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Nasumbatoffs-wife_4Kinder-1024x770.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Nasumbatoffs-wife_4Kinder-300x226.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Nasumbatoffs-wife_4Kinder-768x577.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Nasumbatoffs-wife_4Kinder.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Nasumbatows Frau und Kinder“</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei einem reichen Kalmücken war Mannerheim zu Gast. Bei den prachtvoll Gekleideten im Vordergrund handelt es sich um Ehefrau, drei Töchter und einen Sohn. Nasumbatow selbst schaffte es nicht auf das Bild, da er gemäß Mannerheim oft trank. Stattdessen haben sich zwei weitere (Nachbars-?)Kinder ins Bild geschlichen, von denen weiter nichts bekannt ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="766" height="1024" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TowerandSampleofTerrainKashgar-766x1024.jpg" alt="" class="wp-image-39676" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TowerandSampleofTerrainKashgar-766x1024.jpg 766w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TowerandSampleofTerrainKashgar-225x300.jpg 225w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TowerandSampleofTerrainKashgar-768x1026.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/TowerandSampleofTerrainKashgar.jpg 898w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Turm und ein Beispiel des Geländes in Kaschgar“</em><em>. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaxgar_(Stadt)">Kaschgar</a> im heutigen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> erwähnt Mannerheim die Kinder im Zentrum des Bildes weder in der Bildbeschreibung noch im Tagebuch. Vielmehr war er hier am Wachtturm und der Verteidigung des Chinesischen Kaiserreiches interessiert, ganz im Sinne seiner Spionagetätigkeit.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="757" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard-1024x757.jpg" alt="" class="wp-image-39677" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard-1024x757.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard-300x222.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard-768x568.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard-1536x1135.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/06/Gambinginchurchyard.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>“Glückspiel im Kirchhof”. Foto: </em><a href="https://museovirasto.finna.fi"><em>https://museovirasto.finna.fi</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sehr natürliche Komposition der abgebildeten Menschen beim Glücksspiel beweist Mannerheims Talent, trotz ungewohnter Situationen Vertrauen zwischen sich und den von ihm fotografierten Personen aufzubauen. Die Spontaneität zeigt sich darin, dass einige Blicke zur Kamera gerichtet, andere ins Spiel vertieft sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessantes Detail: Einer der Spieler ist durch eine Kette um den Hals an einem Stock befestigt, der von einer Frau gehalten wird. Es ist nicht bekannt, wer sie war und vor allem, weshalb sie die Wächterin des scheinbar Verhafteten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Noch mehr Bildgeheimnisse gibt es in der kompletten Ausstellung „Mannerheim – Through the Marshal&#8217;s Photographic Lens: Documenting Central Asia and China“ zu entdecken. Sie läuft im Cerny-Museum in Bern (Schweiz) bis 17. August 2024.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Museum Cerny. Contemporary circumpolar art</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Stadtbachstrasse 8a</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>3012 Bern</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Schweiz</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="http://www.museumcerny.ch"><em>www.museumcerny.ch</em></a><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Öffnungszeiten: Mi–Sa 10:00–17:00 und auf Anfrage</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Michèle Häfliger</strong>, <strong>Redakteurin für Novastan</strong></p>
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			</item>
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		<title>Kampf um die Staatsmacht: Gewinnt Kobra oder Herr Genosse Präsident?</title>
		<link>https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kampf-um-die-staatsmacht-gewinnt-kobra-oder-herr-genosse-praesident/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2024 16:39:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Ak Welsapar]]></category>
		<category><![CDATA[Kobra]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem k&#xFC;rzlich auf Deutsch erschienenen Roman &#x201E;Kobra und der Herr Genosse Pr&#xE4;sident&#x201C; beschreibt der turkmenische Schriftsteller Ak Welsapar beunruhigend exakt, zu was Mensch (und Tier?) f&#xE4;hig sind. Eine Rezension. Kobra der Schlangerich hat genug davon, dass die Menschen seine Heimat, die W&#xFC;ste, mit giftigem M&#xFC;ll verpesten und der Landschaft f&#xFC;r ihre Baumwolle das Wasser [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>In seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Roman „Kobra und der Herr Genosse Präsident“ beschreibt der turkmenische Schriftsteller Ak Welsapar beunruhigend exakt, zu was Mensch (und Tier?) fähig sind. Eine Rezension.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kobra der Schlangerich hat genug davon, dass die Menschen seine Heimat, die Wüste, mit giftigem Müll verpesten und der Landschaft für ihre Baumwolle das Wasser entziehen. Also häutet sich Kobra, nimmt Menschengestalt an, verabschiedet sich von der Wüste und macht sich auf in die Menschenwelt. In den höchsten Reihen der Macht will er sein Glück versuchen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Doch seine Mission, dem Gehabe der Menschen Einhalt zu gebieten, hat er sich leichter vorgestellt. Denn das Staatsoberhaupt des Landes mitten in Asien, der Herr Genosse Präsident, hält alle Fäden der Macht fest in der Hand und will sie auf keinen Fall an eine Schlange weiterreichen. Kobra erfährt am eigenen Leib, dass auch unter den Menschen nichts so ist, wie es scheint…</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwischen perfiden Absurditäten und unbequemen Wahrheiten</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit Kobra entdeckt die Leserin vom jüngst auf Deutsch erschienenen Roman „Kobra und der Herr Genosse Präsident“ ein despotisches, totalitäres Regime: wie die Bevölkerung ausgebeutet, Feinde eliminiert und dem Präsidenten sämtliche Wünsche von den Lippen abgelesen werden. Dabei stößt man auch auf einige Absurditäten: Auf einmal werden Tote nicht mehr gemäß Brauchtum ehrwürdig bestattet, sondern in einem eigens eröffneten Museum ausgestellt. Dort sollen sie als Denkmal dessen dienen, <em>„wie man zu sterben hat: schweigend, ohne Ansprüche an die Regierung zu stellen“</em>. Dies noch dazu in einem Land, in dem das oberste Mantra lautet: <em>„Kein Mensch stirbt vor seiner Zeit“</em> – natürlich die Worte des Herrn Genossen Präsidenten höchstpersönlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/ak-welsapar-turkmenischer-exilschriftsteller/">Ak Welsapar, turkmenischer Exilschriftsteller</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zentrales Thema von <em>Kobra</em> ist die Zerstörung der Umwelt. Diese wird insbesondere durch den aggressiven Baumwollanbau vorangetrieben, mit einem hohen Wasserverbrauch zur Bewässerung, aber auch der Einsatz von Pestiziden in großem Maße. Die Menschen kümmern sich nicht darum, was sie der Natur und ihren Lebewesen antun – und letztlich sich selbst. Die Politik weigert sich, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen und treibt die Zerstörung gar aktiv voran. Damit sind Kobra und Präsident eine Allegorie für Umwelt und Politik, deren Interessen sich allzu oft widersprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stilistisch schwankt „Kobra“ zwischen minutiösen Beschreibungen der Umstände in der Despotie, von Personen und Persönlichkeiten sowie deren Schicksal und ellenlangen Monologen, die das Pathos der Sprechenden überzeugend hinüberbringt. Interessant ist auch die allwissende Perspektive des Erzählers, wodurch ein Einblick in die Gedankenwelt fast sämtlicher Beteiligter gewährt wird. Gleichzeitig bleibt die wahre Natur einiger Protagonisten bis ganz zum Schluss geschickt verborgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verarbeitung persönlicher Erfahrungen?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor des Buches weiß, wovon er spricht: 1956 in Mary (damals Turkmenische SSR) geboren, absolvierte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ak_Welsapar">Ak Welsapar</a> seine beiden Masterabschlüsse in Moskau. Durch kritische Artikel, in denen er die ökologischen Probleme in Turkmenistan – nicht zuletzt aufgrund des Baumwollanbaus – anprangerte, wurde die Weltöffentlichkeit auf die großen ökologischen Probleme Zentralasiens aufmerksam. Infolgedessen war Welsapar gezwungen, seine turkmenische Heimat zu verlassen. Seither lebt und arbeitet er in Schweden als Journalist und Schriftsteller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unklar bleibt, inwiefern der Autor seine eigenen Erlebnisse im Buch einbringt. Immer wieder finden sich gewitzte und manchmal scheinbar sinnfreie Zitate, die zum Nachdenken anregen: <em>„Wir haben mit dem Heute nichts gemein, wir streben der Zukunft entgegen!“</em> – <em>„Diebstahl ist ein sicheres Zeichen für die Furcht des Schwachen vor dem Starken und ein Eingeständnis der eigenen Nutzlosigkeit.“</em> Damit macht Welsapar die Gedankengänge eines Despoten beunruhigend nachvollziehbar und untermalt den Größenwahn, der in totalitären Regimes steckt – und vielleicht auch im Menschen an sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kobra und der Herr Genosse Präsident </em>ist eine scharfe Analyse von Egozentrismus, Herrschaftsgelüsten und dem Glauben, dass das Volk einen braucht – überschattet von dunklen Gedanken, dass die engsten Vertrauten hintergehen und das <em>„geliebte Volk“</em> ihn eben doch stürzen könnte. <em>„Es lebe der Herr Genosse Präsident!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://dagyeliverlag.com/produkt/kobra-und-der-herr-genosse-praesident/"><em>Ak Welsapar: Kobra und der Herr Genosse Präsident</em></a><em>. 500 Seiten, Dağyeli Verlag, ISBN: 978-3-9355975-9-3, Juni 2023.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Unser Rückblick: Das Jahr 2022 in Zentralasien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jan 2023 16:42:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berg-Badachschan]]></category>
		<category><![CDATA[Jahresrückblick]]></category>
		<category><![CDATA[Karakalpakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg in der Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste in Kasachstan 2022]]></category>
		<category><![CDATA[Unruhen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir noch einmal zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat. Das Jahr 2022 war in Zentralasien gepr&#xE4;gt von Krisen. Wie bereits im vergangenen Jahr sind die kirgisisch-tadschikische Grenze, aber auch die Grenze zu Afghanistan permanente Konfliktherde. In diesem Jahr kamen noch in Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan innere Unruhen hinzu, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><b>Wie zu Beginn jedes Jahres fassen wir noch einmal zusammen, was Zentralasien im Vorjahr bewegt hat.</b> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr 2022 war in Zentralasien geprägt von Krisen. Wie bereits <a href="https://novastan.org/de/panorama/unser-rueckblick-das-jahr-2021-in-zentralasien/">im vergangenen Jahr</a> sind die kirgisisch-tadschikische Grenze, aber auch die Grenze zu Afghanistan permanente Konfliktherde. In diesem Jahr kamen noch in Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan innere Unruhen hinzu, die zahlreiche Menschenleben kosteten. Und auch Kirgistan &#8211; ehemals als “Insel der Freiheit” in Zentralasien gefeiert &#8211; verwandelt sich schrittweise in einen autoritären Staat. Auch Russlands Angriff auf die Ukraine blieb für die zentralasiatische Region nicht ohne Folgen. Ein Überblick. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Kasachstan: Der blutige Januar und seine Folgen</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Jahr 2022 war in Kasachstan geprägt von den Januar-Ereignissen und den sich daraus ergebenden politischen Folgen. In den ersten Tagen des Jahres entwickelte sich aus anfänglich regionalen Protesten gegen die Erhöhung von Flüssiggas-Preisen eine<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/massenproteste-in-kasachstan-regierung-entlassen/"> landesweite Protestbewegung</a>. Besonders in der Wirtschaftsmetropole Almaty gingen die friedlichen Proteste in Gewalt über: Öffentliche Gebäude wurden besetzt und gingen teilweise in Flammen auf. Die Regierung von<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Asqar_Mamin"> Asqar Mamin</a> trat am 5. Januar zurück. Die Behörden<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/zahlreiche-tote-und-verletzte-bei-protesten-in-kasachstan/"> reagierten mit aller Härte</a> auf die Proteste: Das Internet wurde blockiert und infolge eines<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/praesident-toqaev-mit-gewaltbereitschaft-gegen-fortlaufende-proteste/"> Schießbefehls</a>, den Präsident<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew"> Qasym-Jomart Toqaev</a> am 7. Januar erteilte, kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Deren genaue Zahl bleibt bis heute<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-die-unklare-bilanz-der-januar-unruhen/"> unklar</a>.Hinzu kommen zahlreiche Fälle von Folter, wie beispielsweise jener von<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wir-wurden-gefoltert-obwohl-wir-verwundet-waren-die-geschichte-von-sayat-adilbeuly/"> Sayat Adilbekuly</a>, der im Rahmen einer von Novastan organisierten Online-Diskussion von seinem Schicksal berichtete. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46-1024x768.jpg" alt="Protest Kasachstan" class="wp-image-28759" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46-1024x768.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46-800x600.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/photo_2022-01-09_17-10-46.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Wir sind einfache Menschen, keine Terroristen&#8220; &#8211; Protestierende am 6. Januar</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Um der Lage wieder Herr zu werden, rief Toqaev Truppen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS), einer von Russland dominierten Sicherheitsorganisation, ins Land. Diese sollte ihn im Kampf gegen den Einfall internationaler Terrorist:innen – so die Darstellung der Ereignisse durch die Behörden – unterstützen. Dies nährte Befürchtungen, dass sich russisches Militär im Land festsetzen könnte. Nach wenigen Tagen kündigte Toqaev aber den<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/ovks-truppen-in-kasachstan-eine-kurze-premiere/"> Abzug der OVKS-Truppen</a> an und setzte eine<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/neue-regierung-und-truppenabzug-kasachstan-vor-der-rueckkehr-zur-normalitaet/"> neue Regierung</a> unter<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84lichan_Smajylow"> Álihan Smaıylov</a> ein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der politischen Ebene sorgten die Januar-Ereignisse vor allem zu einer Entmachtung des ehemaligen Präsidenten<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew"> Nursultan Nazarbaev</a> und seines Umfelds. Enge Vertraute wie der ehemalige Geheimdienstchef<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4rim_M%C3%A4ssimow"> Kárim Másimov</a> wurden bereits in den ersten Tagen der Januar-Ereignisse wegen angeblicher Umsturzversuche festgenommen. Auch gegen Verwandte des Ex-Präsidenten wurde<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/ermittlungen-gegen-bolat-nazarbaev-wegen-unternehmenspluenderung/"> ermittelt</a>. Nazarbaev selbst verlor wichtige Privilegien und wurde politisch<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-januar-ereignisse-draengen-nursultan-nazarbaev-an-den-rand/"> an den Rand gedrängt</a>. Die seit 2019 nach ihm benannte Hauptstadt Nur-Sultan wurde im September<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-hauptstadt-wird-in-astana-rueckbenannt/"> in Astana rückbenannt</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Lest auch auf Novastan: </b><a href="https://novastan.org/de/zentralasien-und-europa/bundesaussenministerin-baerbock-zu-gast-in-kasachstan-und-usbekistan/"><b>Bundesaußenministerin Baerbock zu Gast in Kasachstan und Usbekistan</b></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch Präsident Toqaev sah sich zu Reformen gezwungen. Deren zentraler Bestandteil war eine eilig vorgeschlagene<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kasachstan-stimmt-fuer-verfassungsaenderung/"> Verfassungsänderung</a>, die per Referendum am 5. Juni angenommen wurde. Sie beschränkte unter anderem die Befugnisse des Präsidenten und führte ein neues beratendes Organ, die Volksversammlung<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/quryltai-tradition-und-zukunft-der-kasachischen-volksversammlung/"> Quryltaı</a>, ein. Jedoch mussten bereits im September erneut Änderungen an der Verfassung vorgenommen werden, als Toqaev<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-praesident-toqaev-kuendigt-vorgezogene-neuwahlen-an/"> vorgezogene Präsidentschaftwahlen ankündigte</a>. Mit ihnen sollte einhergehen, dass der Präsident nur zu einer einmaligen Amtszeit von sieben Jahren antreten darf. Bisher dauerte eine Amtszeit fünf Jahre, eine Wiederwahl war möglich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl, die dann am 20. November stattfand,<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-qasym-jomart-toqaev-fuer-weitere-sieben-jahre-zum-praesidenten-gewaehlt/"> gewann Toqaev</a> mit 81,31 Prozent der Stimmen deutlich. Bereits im Vorfeld war kritisiert worden, dass angesichts der<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-illusion-von-konkurrenz-sechs-kandidatinnen-bei-praesidentschaftswahl-in-kasachstan-zugelassen/"> schwachen Gegenkandidat:innen</a> keine echte Konkurrenz zustande kam. Wirkliche Oppositionelle konnten nicht an der Wahl teilnehmen.<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-oppositioneller-janbolat-mamai-unter-hausarrest-gestellt/"> Janbolat Mamaı</a>, Vorsitzender der nicht registrierten „Demokratischen Partei“, saß etwa seit den Januar-Ereignissen in Untersuchungshaft und wurde erst kurz vor der Wahl in den Hausarrest entlassen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Lest auch auf Novastan: </b><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/"><b>China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands</b></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres prägendes Ereignis für Kasachstan war Russlands Angriff auf die Ukraine. Das Land ging schrittweise<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstans-schrittweise-entfernung-von-russland/"> auf Distanz</a> zum nördlichen Nachbarn, dieser reagierte mit einem<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eine-eklatante-manifestation-von-russophobie-kasachstan-im-epizentrum-eines-informationskriegs/"> Informationskrieg</a>. Insbesondere die russische Teilmobilmachung im September machte sich in Kasachstan<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/"> bemerkbar</a>:<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/fluchtziel-kasachstan-eine-reportage-aus-qostanai-wo-hunderte-russen-aufgenommen-wurden/"> In Städten wie Qostanaı</a> trieb der Zustrom junger Russen die Mietpreise in ungeahnte Höhen. Doch auch die<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-krieg-in-der-ukraine-verleiht-der-kasachischen-sprache-auftrieb/"> kasachische Sprache</a> erlebte infolge des russischen Krieges eine bisher nie dagewesene Popularität. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Kirgistan: Schrittweise Richtung Autokratie</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Schon wieder liegt dichter Smog in der Luft von Bischkek und von anderen Städten Kirgistans. Wie in den <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/bischkek-die-armut-hinter-dem-smog/">vorherigen Wintern</a> steht die kirgisische Hauptstadt in Sachen Luftverschmutzung ganz vorne in der <a href="https://www.iqair.com/de/world-air-quality-ranking">weltweiten Rangliste</a>. An den Kernursachen hat sich kaum etwas geändert, wie etwa an <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/eine-von-vier-familien-lebt-in-kirgistan-unterhalb-der-armutsgrenze/">der Armut</a>, die viele Menschen zum Heizen mit billigen &#8211; und schädlichen &#8211; Stoffen drängt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ist von <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/">Stromknappheit </a>im Winter die Rede, wie schon die <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-erhebliche-stromknappheit-erwartet/">Jahre zuvor</a>. In Sachen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung scheint das Land in einer Spirale zu stecken. So wurde mit der <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-kumtoer-goldmine-verstaatlicht/">Nationalisierung </a>der Goldmine Kumtör eines der langjährigen politischen Ziele des Präsidenten Sadyr Dschaparow erfüllt, aber wie viel dadurch in die Staatskassen fließt und wofür das Geld verwendet wird, <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-erneut-skandale-um-kumtoer-mine/">bleibt ein Geheimnis</a>. Allgemein verlieren die öffentlichen Geschäfte in Kirgistan <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-wird-immer-intransparenter/">an Transparenz</a>. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="637" height="432" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/Screenshot-80.png" alt="Sadyr Dschaparow" class="wp-image-23870" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/Screenshot-80.png 637w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/Screenshot-80-300x203.png 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/10/Screenshot-80-128x86.png 128w" sizes="auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sadyr Dschaparow</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Sachen Innenpolitik ist das zweite Amtsjahr von Dschaparow durch ein zunehmend hartes Vorgehen gegen kritische Stimmen geprägt. Der Entzug der Staatsbürgerschaft und Deportierung nach Russland des <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-oppositioneller-journalist-nach-russland-ausgewiesen/">Investigativjournalisten Bolot Temirow</a> ist nur der Höhepunkt einer Reihe von Festnahmen von <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-uebergabe-eines-wasserreservoirs-an-usbekistan-fuehrt-zu-protesten/">Protestierenden</a> gegen neue Grenzziehungen oder neue <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kirgistan-junger-blogger-wegen-kritik-an-bergbauprojekt-in-u-haft/">Bergbauprojekte</a>. Nach einer Massenfestnahme im Oktober verbringen auch einige prominente Oppositionspolitiker, wie die einstige Verfassungsrichterin und Präsidentschaftskandidatin Klara Sooronkulowa, die Festtage wohl in Gewahrsam [auf Englisch bei <a href="https://eurasianet.org/kyrgyzstan-court-works-day-and-night-to-lock-up-government-critics">Eurasianet</a>]. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So scheint Kirgistan sein regionales Alleinstellungsmerkmal einer freieren politischen Landschaft <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/repressionen-in-kirgistan-ist-das-land-noch-die-demokratische-insel-zentralasiens/">allmählich einzubüßen</a>. Natürlich war Kirgistan im Jahr 2022 nicht zuletzt über starke <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/warum-es-fuer-kirgisische-staatsangehoerige-schwierig-ist-im-ausland-arbeit-zu-finden/">wirtschaftliche Verflechtungen</a> durch den russischen Krieg gegen die Ukraine <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-krieg-in-der-ukraine-und-seine-folgen-fuer-zentralasien/">beeinflusst</a> und die negativen Konsequenzen dürften sich im weiteren Jahr <a href="https://www.rosalux.de/news/id/49717/die-schweren-zeiten-stehen-noch-bevor">noch verstärken</a>. Mitunter kamen zahlreiche <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-ziel-fuer-russinnen-auf-der-flucht/">Migrant:innen aus Russland</a>, zuletzt nach der <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien/">Mobilmachung </a>im September, die etwa auch die Preise auf den lokalen Immobilienmärkten in die Höhe trieben. Im September ist auch der latente <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/warum-es-tadschikistan-und-kirgistan-schwer-faellt-den-grenzkonflikt-zu-beenden/">Grenzkonflikt mit Tadschikistan</a> wieder entfacht, wobei unter kriegsähnlichen Zuständen in wenigen Tagen mehr als 100 Menschen <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/">ums Leben kamen</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Tadschikistan: Grenzkonflikte und Repression von Minderheiten</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Der russische Angriffskrieg in der Ukraine geht auch an Tadschikistan nicht spurlos vorbei. Die<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-schwierige-situation-tadschikischer-arbeitsmigranten-in-russland/"> westlichen Sanktionen erschweren das Leben tadschikischer Arbeiter:innen in Russland</a>, deren<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/die-krise-in-russland-mit-verstaerktem-echo-in-tadschikistan/"> Rücküberweisungen ins Mutterland</a> einerseits ganze Familien ernähren und andererseits<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/auswirkungen-der-sanktionen-gegen-russland-in-duschanbe-deutlich-spuerbar/"> maßgebend zum Bruttoinlandprodukt des Landes beitragen</a>. Der Krieg hat auch geopolitische Auswirkungen für Tadschikistan. Russland, langjährige Schutzmacht der<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/russlands-rolle-im-pamir-akteur-oder-beobachter/"> Minderheiten im Pamir</a>, ist mit seiner eigenen Außenpolitik beschäftigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach mehrtägigen Protesten in der tadschikischen<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan"> Autonomen Provinz Berg-Badachschan</a> im<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/kein-internet-keine-aufarbeitung-berg-badachschan-zwei-monate-nach-den-unruhen/"> November 2021</a> kam die Region<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/dutzende-tote-tadschikistan-reagiert-mit-haerte-auf-proteste-in-berg-badachschan/"> auch im Mai 2022 nicht zur Ruhe</a>. Infolge des gewaltsamen Vorgehens der Regierung gegen die Protestwelle verloren Dutzende Menschen ihr Leben. Dabei wird gegen die Bevölkerungsmehrheit Berg-Badachschans, die Pamiris, <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/tadschikistan-ethnische-saeuberungen-und-repression-in-berg-badachschan/">repressiv vorgegangen</a>. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="721" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-1024x721.jpg" alt="Berg-Badachschan politisches Plakat" class="wp-image-15988" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-1024x721.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-300x211.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-768x540.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60-1300x915.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2019/01/J0ZlJthwi60.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Unsere Rechte werden eingeschränkt&#8220; &#8211; Bild für den Erhalt des Autonomen Status von Berg-Badachschan  </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat auch die tadschikische Regierung dazu veranlasst,<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-schwierige-nachbarschaft-mit-den-taliban/"> seine Politik anzupassen</a>. Um seine Grenzen zu schützen, begann Tadschikistan, mit ausländischen Streitkräften zusammenzuarbeiten, etwa mit den USA oder Russland. Ab dem 14. September kam es an verschiedenen Stellen der tadschikisch-kirgisischen Grenze zu blutigen Auseinandersetzungen, die Dutzende Menschenleben gefordert haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grenzkonflikt ist nicht neu, allerdings waren die<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisisch-tadschikischer-grenzkonflikt-verschaerft-sich/"> Kämpfe intensiver als zuvor</a>. Im Rahmen des Gipfeltreffens der Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) fanden Gespräche zwischen den Präsidenten Kirgistans und Tadschikistans statt, jedoch erst, nachdem die Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit (GKNB) beider Länder einen (nicht eingehaltenen)<a href="https://novastan.org/de/kirgistan/warum-es-tadschikistan-und-kirgistan-schwer-faellt-den-grenzkonflikt-zu-beenden/"> Waffenstillstand vereinbart</a> hatten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Lest auch auf Novastan: </b><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/safran-tadschikistans-rotes-gold/"><b>Safran – Tadschikistans „rotes Gold“</b></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beziehungen zu Usbekistan entspannen sich hingegen weiter. Nach 30 Jahren Unterbrechung ist die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/nach-30-jahren-zugverbindung-zwischen-usbekistan-und-tadschikistan-wiederhergestellt/"> Eisenbahnverbindung zwischen Taschkent und Duschanbe wieder in Betrieb</a> genommen worden. Das Thema Nachhaltigkeit in Tadschikistan gestaltet sich ambivalent. Auf der einen Seite wurden Klagen über<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/klagen-ueber-umweltschaeden-durch-goldgewinnung-in-tadschikistan/"> Umweltschäden durch Goldgewinnung</a> in Tadschikistan laut. Auf der anderen Seite hat die Regierung einen<a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-regierung-erzwingt-umstieg-auf-led-beleuchtung/"> Umstieg auf LED-Beleuchtung</a> erzwungen, die höheren Kosten wurden jedoch auf die Bevölkerung abgewälzt. Außerdem hat Tadschikistan mit dem <a href="https://novastan.org/de/umwelt-und-technologie/das-erbe-von-taboschar-ueber-den-uranabbau-in-tadschikistan-und-seine-folgen/">Erbe sowjetischer Uran-Rückstände</a> zu kämpfen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Turkmenistan: Wie der Vater, so der Sohn?</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Jahr 2022 startete mit einem Paukenschlag: Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gurbanguly_Berdimuhamedow">Gurbanguly Berdimuhamedow</a> gab am 11. Februar seinen<a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/turkmenistan-vor-dynastischem-machtwechsel/"> Rücktritt sowie vorgezogene Präsidentschaftswahlen</a> bekannt. Bereits wenige Tage später wurde wenig überraschend die Kandidatur seines Sohnes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Serdar_Berdimuhamedow">Serdar Berdimuhamedow</a> bekannt gegeben. Am 12. März wurde er erwartungsgemäß&nbsp; <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/serdar-berdimuhamedow-turkmenistans-diskreter-praesident/">mit 72,97 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kult um den Präsidenten ist zwar nach wie vor Realität, doch regierte der neue Präsident bisher deutlich diskreter als sein Vater, der das Land die vorangegangenen 15 Jahre geführt hatte. Bereits in seinem ersten Amtsjahr pflegte Serdar Berdimuhamedow Außenbeziehungen zu verschiedenen Staaten mit ähnlichen Zielen. Im Juli traf sich der turkmenische Präsident mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi im Rahmen eines<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/bilaterale-partnerschaft-zwischen-turkmenistan-und-dem-iran/"> offiziellen Besuchs in Teheran</a>. Die Verhandlungen führten zur Unterzeichnung einer bilateralen Partnerschaft für die nächsten 20 Jahre. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="632" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02-1024x632.jpg" alt="Serdar Berdimuhamedow" class="wp-image-32676" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02-1024x632.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02-300x185.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02-768x474.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02-1536x948.jpg 1536w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2023/01/Vladimir_Putin_and_Serdar_Berdimuhamedow_2022-06-10_02.jpg 1880w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der turkmenische Präsident Serdar Berdimuhamedow im Juni 2022 (Wikimedia Commons)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Auch die Türkei weitet ihren<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/sicherheitspolitik-die-tuerkei-weitet-ihren-einfluss-in-zentralasien-aus/"> Einfluss in Zentralasien stetig aus</a>: Die Organisation der Turkstaaten spielt dabei eine wichtige Rolle. Ende September<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/turkmenistan-tritt-organisation-der-turkstaaten-bei/"> trat Turkmenistan dieser als letzter zentralasiatischer Staat bei</a>. Bisher war Turkmenistan in keiner internationalen Organisation vertreten. Außerdem bedeutet die offene Annäherung an die Türkei zugleich eine Distanzierung von Moskau. Ebenso wirkte sich die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan auf die turkmenische Wirtschaft aus: Die Asiatische Entwicklungsbank, der<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/asiatische-entwicklungsbank-zieht-sich-aus-der-tapi-pipeline-zurueck/"> größte Geldgeber der TAPI-Pipeline, hat ihre Beteiligung an dem Projekt ausgesetzt</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Institution erklärte, ihre Aktivitäten in Bezug auf das Gasprojekt, das Turkmenistan mit Indien verbinden soll, werden dann wieder aufgenommen, wenn die Taliban-Regierung in Afghanistan von der UN-Generalversammlung international anerkannt sei. Die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/zeitgenoessische-kunst-erstmals-in-turkmenistan-gezeigt/"> turkmenische Kunstszene öffnete sich gerade erst im Dezember erstmals für zeitgenössische Kunst</a>. Im Rahmen der Woche der Europäischen Kulturen wurden in der Hauptstadt Aschgabat in Zusammenarbeit mit dem Institut Français und der deutschen Botschaft verschiedene Videokunst-Ausstellungen organisiert. Damit erhielt die zeitgenössische Kunst in Turkmenistan nicht nur zum ersten Mal Sichtbarkeit, sondern es scheint, dass sich das am stärksten abgeschottete Land Zentralasiens allmählich für neue Kunstformen öffnet. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Usbekistan: Alte Konflikte und “Neues Usbekistan”</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Der seit 2016 amtierende usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev hat für sein Land ein „neues” Staatsprojekt entworfen, das bis 2026 vollständig umgesetzt werden soll: die<a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/reisefuehrer-fuer-das-neue-usbekistan/"> „<i>Strategie des Neuen Usbekistans“</i></a>. Sie verspricht nicht nur soziale Besserungen, sondern auch wirtschaftlichen Fortschritt. So rosig das soziale, identitätsstiftende und wirtschaftliche Programme umfassende Staatsprojekt Mirziyoyevs klingen mag, ist das Jahr 2022 in Usbekistan trotzdem von Menschenrechtsverletzungen und Repression geprägt. Am 1. Juli brachen in Karakalpakstan<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/proteste-in-karakalpakstan-taschkent-schafft-ordnung-durch-gewalt/"> Proteste gegen die geplante Verfassungsänderung aus</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verfassungsreform der usbekischen Zentralregierung zielte darauf ab, Souveränitätsrechte der autonomen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakistan">Republik Karakalpakstan</a> zu beschneiden.<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/verfassungsreform-in-usbekistan-karakalpakstan-protestiert-fuer-erhalt-der-autonomie/"> Aus Protest</a> gingen in der karakalpakischen Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nukus">Nukus</a> Tausende Menschen auf die Straße. Die ursprünglich friedliche Kundgebung wurde seitens der Regierung <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/proteste-in-karakalpakstan-ein-zeuge-berichtet/">brutal niedergeschlagen</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Lest auch auf Novastan: </b><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-karakalpakische-diaspora-in-kasachstan-ueber-proteste-und-verhaftungen/"><b>Die karakalpakische Diaspora in Kasachstan: Über Proteste und Verhaftungen</b></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag nach dem Protestausbruch reiste Mirziyoyevs höchstpersönlich nach Nukus und verkündete, von der<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/verfassungsreform-in-usbekistan-karakalpakstan-protestiert-fuer-erhalt-der-autonomie/"> Verfassungsänderung in Bezug auf Karakalpakstan abzusehen</a>. Die Juli-Proteste in Karakalpakstan und ihre energische Gegenreaktion seitens der Regierung sind deshalb bemerkenswert, weil es sich um den<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/klarer-himmel-rote-pfuetzen/"> ersten politischen Massenprotest in Land seit den Ereignissen in Andijon im Jahr 2005</a> unter Mirziyoyevs Vorgänger Islom Karimov handelt. Gründe für das harte Vorgehen durch die usbekische Zentralregierung während des diesjährigen Juliprotests sind auf<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/unser-karakalpakstan/"> geopolitische Ängste</a> zurückzuführen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Genderfragen sind in Usbekistan umstritten und von Repressionen begleitet. Im Januar wurde der usbekische<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekistan-regimekritischer-blogger-zu-drei-jahren-hausarrest-verurteilt/"> Blogger Miraziz Bazarov</a>, ein Kritiker Mirziyoyevs und Befürworter von LGBT*IQ-Rechten, zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verurteilt. Die<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/amalia-aibusheva-im-portraet-beats-design-und-feminismus/"> Soundproduzentin und Designerin Amalia Aibusheva</a>, die<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vom-objekt-zum-subjekt-modelle-vor-kamila-rustambekovas-kamera/"> Taschkenter Fotografin Kamila Rustambekova</a> und die in den sozialen Medien bekannte<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-tiktokerin-niso-mamedova-ueber-feminismus-und-das-publikum-in-den-sozialen-medien/"> TikTokerin Niso Mamedova</a> bieten eindrückliche Einblicke in das Leben von Frauen in Usbekistan. Sie sprechen Missstände, die patriarchale Gesellschaft und Chancen und Grenzen des Feminismus an. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-1024x683.jpg" alt="Standesamt Xiva" class="wp-image-21919" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/05/480580_14ec0883ef_h.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Standesamt in Xiva, im Westen Usbekistans (Illustrationsbild)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"> Das Land der<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-baumwollaffaere-wie-der-staatliche-plan-zur-steigerung-der-baumwollproduktion-zu-einer-landesweiten-korruptionsaffaere-fuehrte/"> historischen Baumwollproduktion</a> bleibt seinem Ruf als zentraler Lieferant treu und erfuhr gar eine<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/tiefgreifende-reformen-in-usbekistans-baumwollproduktion/"> kleine Revolution</a>. Nachdem Mirziyoyev ein Verbot gegen Zwangsarbeit in der Baumwollproduktion erhoben hatte, beendete die westliche Hemisphäre im März 2022 ihren zehnjährigen Boykott gegen usbekische Baumwolle. Doch nicht nur die Baumwolle spielt in Usbekistans Wirtschaft und Kultur eine wichtige Rolle, sondern auch das berühmte usbekische Fladenbrot Lepyoshka.<a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/die-leute-koennen-sich-ein-leben-ohne-lepyoshka-nicht-vorstellen-ueber-brot-und-baeckerinnen-in-taschkent/"> Aus den Interviews mit lokalen Bäckern wird klar &#8211; der Beruf des Tandir-Bäckers wird niemals an Bedeutung verlieren</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><b>Lest auch auf Novastan: &nbsp;</b><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><b>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</b></a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine stand auch Usbekistan dieses Jahr vor der Frage, wie sich die künftigen Beziehungen zu Russland gestalten sollen. Das Land ist einerseits geopolitisch und in<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/wird-zentralasien-einen-winter-ohne-energie-erleben/"> Energiefragen</a> auf russischen Rückhalt angewiesen, hofft aber andererseits auch <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/europas-diplomatie-wird-in-zentralasien-aktiv/">auf eine lukrative Zusammenarbeit mit Europa.</a> Die Regierung verhält sich in Bezug auf den Krieg in der Ukraine neutral, trotzdem wird der Angriff kleinlaut verurteilt. In der usbekischen Gesellschaft ist die Haltung gespalten. Der diplomatische Balanceakt der Regierung wird nicht nur<a href="https://novastan.org/de/usbekistan/ohne-unnoetigen-laerm-wer-hilft-ukrainerinnen-in-usbekistan-und-aus-welchen-gruenden/"> von Individuen sondern auch manchen Institutionen kritisiert</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><b>Novastan</b></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Für Novastan endete das Jahr 2022 mit frischen Anstößen: Im November trafen sich ehrenamtliche Mitarbeiter:innen der deutsch-, französisch- und englischsprachigen Redaktion in Paris zum jährlichen Planungstreffen. Dank einer Förderung des <a href="https://www.buergerfonds.eu/">deutsch-französischen Bürgerfonds</a> tauschten sich ca. 25 Novastaner:innen über die Zusammenarbeit zwischen den zwei Vereinen und den drei Redaktionen von Novastan aus.

</p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-large wp-image-31070"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="807" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2-1024x807.jpeg" alt="Novastan Kongress 2022" class="wp-image-31070" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2-1024x807.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2-300x236.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2-768x605.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2-1300x1024.jpeg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/12/IMG_0951_2.jpeg 1442w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Teile der unterschiedlichen Redaktionen von Novastan beim Treffen in Paris im November 2022</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Bei der Mitgliederversammlung erhielt Novastan e.V. Anfang Dezember einen neuen Vorstand: Olga Janzen (1. Vorsitzende), Charlotte Dietrich und Florian Coppenrath (Redaktionsleitung) wurden für weitere zwei Jahre gewählt und Michèle Häfliger, Eva Claußnitzer und Benedikt Ibele (Schatzmeister) kamen neu dazu. Die drei bisherigen Vorstandsmitglieder Luisa Podsadny, Lukas Dünser und Abror Abduhalikov hatten sich nach mehrjährigem Engagement nicht zur Wahl gestellt.

Außerdem wurde mit dem Aufsichtsrat ein neues Kontrollorgan eingeführt. In dessen ersten Besetzung werden Nilufar Ishandschonowa, Alisher Karabaev und Kishimjan Osmonova prüfen, ob der Vorstand und der Verein seinen <a href="https://novastan.org/de/projektseite/">Werten und Prinzipien</a> treu bleibt und ein ausgewogenes Zentralasien-Bild, fern von eurozentrischen Perspektiven vermittelt.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Auf die eigentlich für 2022 geplante neue Webseite müssen wir uns leider noch ein paar Monate gedulden. Außerdem haben wir mit verschiedenen Ereignissen und Stammtischen zurück zu Offline-Formaten gefunden und werden auch 2023 zu unterschiedlichen informativen und unterhaltsamen Formaten einladen. Vor allem steht die neue Ausgabe unserer Berliner Zentralasien-Party “Dance with the Stans” schon an: Save the Date für den 4. Februar!
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><b>Florian Copperath, Michèle Häfliger, Robin Roth und Berenika Zeller</b> </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die turkmenische Sprache: von „etrap“ zu „dikuçar“</title>
		<link>https://novastan.org/de/turkmenistan/die-turkmenische-sprache-von-etrap-zu-dikucar/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Oct 2022 18:15:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenistan]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Turkmenische Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Turksprachen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Turkmenische ist eine der &#xE4;ltesten Turksprachen, die sich jedoch erst im fr&#xFC;hen 20. Jahrhundert fertig ausgebildet hat. Als Mitglied der Oghusischen Sprachen weist die turkmenische Sprache einige besondere Merkmale auf, die sie von anderen Turksprachen unterscheidet. Das Original dieses Artikels erschien auf Orient.tm &#x2013; wir &#xFC;bersetzten ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&#xA0; Neue W&#xF6;rter [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkmenische_Sprache"><strong>Turkmenische</strong></a><strong> ist eine der ältesten </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen"><strong>Turksprachen</strong></a><strong>, die sich jedoch erst im frühen 20. Jahrhundert fertig ausgebildet hat. Als Mitglied der </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oghusische_Sprachen"><strong>Oghusischen Sprachen</strong></a><strong> weist die turkmenische Sprache einige besondere Merkmale auf, die sie von anderen Turksprachen unterscheidet. Das Original dieses Artikels erschien auf <a href="https://orient.tm/ru/post/39696/turkmenskij-yazyk-ot-etrap-do-dikucar" target="_blank" rel="noopener">Orient.tm</a> – wir übersetzten ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&nbsp;</strong>

Neue Wörter gelangen meist durch den wissenschaftlich-technischen und technologischen Fortschritt in die turkmenische Sprache. Während viele Wörter in anderen Sprachen mehr oder weniger ähnlich sind, haben diese im turkmenischen oft eine völlig andere Form, da es sich um Neuschöpfungen handelt. Zum Beispiel heißt „Hubschrauber“ auf Türkisch „helikopter“ (aus dem Französischen), auf Usbekisch „vertolyot“ (aus dem Russischen) und auf Turkmenisch „dikuçar“ („Oben-Flieger“). Dieses Phänomen ist aber nicht neu und auch für einige andere Sprachen charakteristisch. Das Wort „etrap“ (Bezirk), das vermutlich von den Namen der Regionen im alten Reich der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ach%C3%A4menidenreich">Achämeniden </a>– den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Satrap">Satrapien </a>– übernommen wurde, zeugt von der Antiquität der turkmenischen Sprache.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<h5 class="wp-block-heading">Starke Ausbreitung, starke Dialekte</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Lange Zeit hing das Schicksal der turkmenischen Sprache, wie das jeder anderen Sprache auch, von ihren Sprecher:innen ab. Gemäß offiziellen Zahlen gibt es etwa sieben Millionen Sprechende des Turkmenischen. Berücksichtigt man jedoch die Tatsache, dass ethnische Turkmen:innen eine der zahlreichsten nationalen Gruppen im Nahen Osten sind, erhöht sich ihre Zahl um ein Vielfaches, trotz des ausgeprägten dialektalen Charakters des turkmenischen Idioms. Massenmigrationen turkmenischer Stämme, Kriege und damit einhergehende Gebietserwerbungen führten zur Präsenz des Turkmenischen in verschiedenen Teilen Asiens. Nach der Annexion des historischen Territoriums Turkmenistans durch das Russische Zarenreich hat die turkmenische Sprache jedoch gemischte Einflüsse.

<strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/die-grosen-sieben-der-turkmenischen-kunst/" target="_blank" rel="noopener">Die „großen Sieben“ der turkmenischen Kunst</a></strong>

Einerseits wurde in der Anfangszeit des Sowjetregimes der Wunsch nach Autonomie der Völker des ehemaligen Reiches immer stärker, und die Kommunisten unterstützten diesen Trend zunächst. Mit der Gründung der Turkmenischen SSR erhielt die Landessprache den Status einer allgemeinen Republik, und Schulbücher, Handbücher sowie Zeitungen wurden erstmals auf Turkmenisch veröffentlicht. Im Laufe der Zeit begann jedoch die nationale Sprachenpolitik zu schwinden. Russisch, die Sprache des internationalen Proletariats, trat in den Vordergrund, und obwohl weiterhin Texte auf Turkmenisch veröffentlicht wurden, nahm deren Zahl ab und das auf dem lateinischen Alphabet basierende turkmenische Alphabet wurde „kyrillisiert“.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

In der Sowjetzeit wurde die turkmenische Literatur erstmals auf Papier gedruckt. Die Sammlungen der unsterblichen Werke von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Magtymguly_Pyragy">Mahtumkuli</a>, Azadi, Mollanepes und Kemine begeisterten nicht nur die turkmenische Leserschaft, sondern auch Liebhaber orientalischer Literatur aus der ganzen Welt. Im Zuge dessen wurden auch die Grundlagen der turkmenischen Grammatik sowie der literarischen Aussprache festgelegt.

Auf der anderen Seite flossen für Wissenschaft, Industrie oder das tägliche Leben notwendige Entlehnungen aus dem Russischen massenhaft in die turkmenische Sprache ein. Die meisten dieser Wörter russischen Ursprungs werden wohl in Zukunft „turkmenisiert“ werden. Wörter nicht-russischen Ursprungs wie „Demokratie“, „Autonomie“, „Technologie“ und viele andere werden dagegen russische Entlehnungen bleiben.
</p>



<h5 class="wp-block-heading">Wiedererstarkung des Turkmenischen nach der Sowjetzeit</h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Nach der Erlangung der Unabhängigkeit begann in Turkmenistan die Wiederbelebung der nationalen Literatursprache, welche in alle Bereiche des Lebens wie Fernsehen, Radio und die Presse Einzug gehalten hat. Turkmenisch zu sprechen wurde nicht nur einfacher, da die Begriffe an die aktuellen Bedürfnisse angepasst wurden, sondern wurde auch aktuell. Die Literatursprache erreichte ihre Blütezeit bereits in den 2010er-Jahren, als zahlreiche Handbücher, Werke, Übersetzungen und Lehrbücher gedruckt wurden.

Schließlich gibt es nicht „das Turkmenische“, denn die turkmenische Sprache besteht aus über 40 Dialekten. Die Besonderheit besteht darin, dass die Aussprache eines Wortes sofort erkennen lässt, aus welchem Teil des Landes der/die Gesprächspartner:in stammt.
</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/turkmenistan/die-unendlichkeit-der-schoepfung-ein-turkmenischer-holzkuenstler-verraet-sein-geheimnis/" target="_blank" rel="noopener">Die Unendlichkeit der Schöpfung – ein turkmenischer Holzkünstler verrät sein Geheimnis</a></strong>
So duldet etwa der Dialekt von Teki, ein literarischer Dialekt, keine „s“- und „z“-Laute, die für die Bewohner:innen der Regionen Lebap und Daşoguz (im Norden des Landes) hingegen charakteristisch sind. Gleichzeitig fügt sich die Sprache der Vertreter:innen dieser Regionen in die sprachlichen Normen anderer Nationen ein – des Türkeitürkischen, Usbekischen, Kasachischen usw. Die literarische Norm der „c“- und „z“-Laute (ähnlich dem englischen „th“) entsprechend werden wiederum als sogenannte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Interdentaler_Laut">Interdentale </a>ausgesprochen. Deshalb sollten auch die Wörter „Fransiýa“ oder „Russiýa“ so ausgesprochen werden, wie wir es im Englischunterricht gelernt haben – mit einer heißen Kartoffel im Mund.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Arslan Mamedov für Orient.tm
Aus dem <a href="https://orient.tm/ru/post/39696/turkmenskij-yazyk-ot-etrap-do-dikucar">Russischen</a> übersetzt von Michèle Häfliger</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schweiz stellt 5 Millionen Franken für die Verbesserung des kirgisischen Gesundheitssystems bereit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michèle Häfliger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Aug 2022 20:16:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung des Gesundheitssystems stellt die Schweiz Kirgistan &#xFC;ber f&#xFC;nf Millionen Schweizer Franken (in Euro fast die gleiche Summe) zur Verf&#xFC;gung. Kirgistan hat mit erheblichen M&#xE4;ngeln im Gesundheitssektor zu k&#xE4;mpfen, was vor allem zu einer hohen Rate an nicht &#xFC;bertragbaren Krankheiten f&#xFC;hrt. Das aktuelle Projekt zielt auf die Pr&#xE4;vention nicht &#xFC;bertragbarer [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung des Gesundheitssystems stellt die Schweiz Kirgistan über fünf Millionen Schweizer Franken (in Euro fast die gleiche Summe) zur Verfügung. Kirgistan hat mit erheblichen Mängeln im Gesundheitssektor zu kämpfen, was vor allem zu einer hohen Rate an nicht übertragbaren Krankheiten führt.</strong>

Das aktuelle Projekt zielt auf die Prävention <a href="https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/noncommunicable-diseases">nicht übertragbarer Krankheiten</a> ab. Für die Schweizerische Eidgenossenschaft besteht das übergeordnete Ziel des Projekts darin, dass <em>„der Gesundheitszustand und das Wohlbefinden der kirgisischen Bevölkerung in den Zielgebieten durch eine bessere Kontrolle und ein besseres Management von nicht übertragbaren Krankheiten auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung verbessert werden.“</em>

Die Finanzierungsvereinbarung wurde vom amtierenden Gesundheitsminister Dscharkynbek Kasymbekow und Olivier Bangerter, dem Schweizer Botschafter in der Kirgisischen Republik, am 19. Juli 2022 unterzeichnet.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Dank dieser Finanzierung kann die Arbeit nicht nur im Raum Bischkek, sondern &nbsp;auch im Süden des Landes fortgesetzt werden. Diese Herausforderung ist umso größer, als dass in dieser Region über zwei Drittel der kirgisischen Bevölkerung leben.

Das Programm und die damit verbundene Arbeit werden von einer Reihe von Organisationen beaufsichtigt, darunter <a href="https://www.healthyfuturesfoundation.com/">Healthy Future NGO</a>, <a href="https://www.gfa-group.de/">GFA Consulting Group GmbH</a> und <a href="https://www.ehg.dk/">Euro Health Group</a>.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Übermäßig hohe Rate an nicht übertragbaren Krankheiten</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.eda.admin.ch/countries/kyrgyzstan/de/home/internationale-zusammenarbeit/projekte.filterResults.html/content/dezaprojects/SDC/en/2017/7F09476/phase2">Gemäß der Pressestelle des Projekts</a> sind nicht übertragbare Krankheiten Hauptursache für Invalidität, Krankheiten und vorzeitige Todesfälle (davon 83 Prozent durch nicht übertragbare Krankheiten).

Im Jahr 2020 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache und machten 52 Prozent aller Todesfälle im Land aus, gefolgt von Krebs (10,8 Prozent) und Atemwegserkrankungen (6,9 Prozent), wie das kirgisische Gesundheitsministerium berichtet.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Prävention zur besseren Kontrolle dringend erforderlich</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die hohe Verbreitung nicht übertragbarer Krankheiten wird durch zahlreiche Risikofaktoren wie Unterernährung, Rauchen, Alkoholmissbrauch sowie Bewegungsmangel verschärft, wie das Projekt gezeigt hat. Der weit verbreitete, ungesunde Lebensstil ist ein Hinweis auf die ungenügende Aufklärung der kirgisischen Bevölkerung in Bezug auf nicht übertragbare Krankheiten.

Zudem macht sich das Versagen im Präventionsprozess auf einer anderen Ebene bemerkbar: Das kirgisische Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, Frühdiagnosen für nicht übertragbare Krankheiten zu stellen oder eine stationäre Behandlung bereits frühzeitig einzuleiten. Darüber hinaus besteht ein Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Erste Projektphase sehr erfolgreich</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Angesichts der Dringlichkeit der Lage ist sich das Gesundheitsministerium des Handlungsbedarfs bewusst. Seit 2017 in Kraft, hat die <a href="https://www.eda.admin.ch/deza/de/home/projekte-fokus/projekte.html/content/dezaprojects/SDC/de/2017/7F09476/phase1">erste Projektphase</a> bis 30. Juni 2022 die meisten ihrer Ziele erreicht. Die medizinische Grundversorgung wurde in den vier nördlichen Regionen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Tsch%C3%BCi">Tschüi</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naryn">Naryn</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Talas">Talas</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Yssykk%C3%B6l">Yssyk-Köl</a> erheblich ausgebaut.

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<p class="wp-block-paragraph">

Im Rahmen des Projekts wurden Ärzte und Pflegepersonal zunächst mit nötiger Computerausrüstung ausgestattet. <em>„Das ist ein sehr großer Beitrag zur Digitalisierung des Gesundheitssektors. Sämtliche Aktivitäten sind gut in das System integriert und es besteht keine Gefahr, dass sie nach Projektende eingestellt werden. Im Süden des Landes werden dieselben Ergebnisse wie in dieser ersten Projektphase erwartet“</em>, verkündete Gesundheitsminister Kasymbekow.

Außerdem wurde viel Arbeit in die Patientenüberweisung zu Spezialist:innen investiert und neu wird das <a href="https://www.who.int/publications/i/item/who-package-of-essential-noncommunicable-(pen)-disease-interventions-for-primary-health-care">Protokoll der WHO zu „wesentlichen nicht übertragbaren Krankheiten für die primäre Gesundheitsversorgung“</a> angewandt.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/warum-es-in-kirgistan-ueblich-ist-ueber-selbstmord-zu-schweigen/" target="_blank" rel="noopener">Warum es in Kirgistan üblich ist, über Selbstmord zu schweigen</a></strong>

Ein ähnliches Vorgehen fand auch in den Bereichen Prävention und Förderung eines gesunden Lebensstils statt. Dazu wurden Informationsveranstaltungen und Gesundheitserziehung eingeführt, 70 Prozent der ländlichen Bevölkerung in den nördlichen Regionen nahmen an solchen Aufklärungsveranstaltungen teil. Als Folge davon stellt die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Anstieg der ärztlichen Konsultationen bei Männern um 13 Prozent fest.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ähnliche Ergebnisse in den südlichen Provinzen angestrebt, allerdings mit größeren Herausforderungen </strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die deutlichen Verbesserungen im Norden des Landes geben dem Gesundheitsministerium Anlass zur Hoffnung. Tatsächlich werden für die südlichen Provinzen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Osch">Osch</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Dschalalabat">Dschalal-Abad</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebiet_Batken">Batken</a> die gleichen Ziele angestrebt.

Am Ende des Aktionsplans im Jahr 2026 ist ein besserer Umgang mit nicht übertragbaren Krankheiten durch die Einführung entsprechender Protokolle und Sensibilisierungskampagnen vorgesehen, wodurch ein effektives und erschwingliches primäres Gesundheitssystem gewährleistet werden soll. Darüber hinaus soll eine gerechte Gesundheitsversorgung, insbesondere auf dem Land, sichergestellt werden. Lassen sich Hausärzte und -ärztinnen in ländlichen Gebieten nieder, entlasten sie die städtischen Krankenhäuser. Diese sind aufgrund des Mangels an Fachleuten für Allgemeinmedizin bereits überlastet.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/es-mangelt-an-allem-amir-talipow-zum-gesundheitswesen-in-kirgistan/" target="_blank" rel="noopener">„Es mangelt an allem“ – Amir Talipow zum Gesundheitswesen in Kirgistan</a></strong>

Dennoch wird es in den südlichen Gebieten schwieriger, ähnlich gute Ergebnisse zu erzielen: 70 Prozent (2,6 Millionen) der kirgisischen Bevölkerung konzentrieren sich auf diese drei südlichen Provinzen. Es ist also eine große Herausforderung, im gleichen Zeitraum dieselben Effekte wie in den nördlichen Regionen zu erzielen.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Geografische Gebiete und Zielgruppen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Um die Zahl nicht übertragbarer Krankheiten im Land deutlich zu senken, möchte die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (<a href="https://www.eda.admin.ch/deza/de/home/deza/portraet/textportraet.html">DEZA</a>) auch das System der primären Gesundheitsversorgung in den Städten Osch und Bischkek stärken.

Darüber hinaus konzentrieren sich die Bemühungen auf die Bevölkerung ländlicher Gebiete, die als die wichtigsten Endbegünstigten gelten, sowie auf die Beschäftigten in der primären Gesundheitsversorgung. De facto können 1.560 Hausärzte und -ärztinnen sowie 4.180 Pflegende von den Maßnahmen des Projekts profitieren. Auf nationaler Ebene schließlich erhalten das Gesundheitsministerium und die staatliche Krankenkasse die entsprechenden Zuschüsse. Somit soll das System der primären Gesundheitsversorgung in der Lage sein, eine qualitativ hochwertige Versorgung auf dem Land zu gewährleisten und das Leben der noch isolierten Landbevölkerung zu verbessern.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Weitere finanzielle Unterstützung ebenfalls Teil des Programms</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Neben der technischen Unterstützung zur Stärkung des Gesundheitsmanagements leistet das Projekt auch finanzielle Hilfeleistung, da die Verbesserung des primären Gesundheitssystems zu einem großen Teil von finanziellen Ressourcen abhängt. <a href="https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/noncommunicable-diseases">Laut WHO</a> sind Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen besonders stark von nicht übertragbaren Krankheiten betroffen, so auch Kirgistan. Aufgrund der dringend benötigten finanziellen Unterstützung des primären Gesundheitssystems hat die Schweiz Unterstützung angeboten.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/teenage-schwangerschaften-in-kirgistan/" target="_blank" rel="noopener">Teenage-Schwangerschaften in Kirgistan</a></strong>

In Kirgistan hatte der Bund für die erste Phase von 2017 bis 2022 bereits rund 4,9 Milliarden Schweizer Franken bereitgestellt. Für das Ende des Aktionsplans im Jahr 2026 plant die Schweiz, weitere zwölf Millionen Franken zu vergeben, einschließlich der von den Partnerorganisationen investierten Beträge.
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<h5 class="wp-block-heading"><strong>Zukunftsaussichten: Schweiz weiterhin zur Unterstützung bereit</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Die Situation im Gesundheitsbereich hat sich bereits enorm verbessert – wenn auch erst in jüngster Zeit. So ist etwa die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren drastisch gesunken. Darüber hinaus bestehen weiterhin schwerwiegende Probleme: Der Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung ist noch nicht überall im Land gewährleistet und es gibt immer noch viel zu wenig Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, wie das kirgisische Medium <a href="https://kaktus.media/doc/401812_kyrgyzstany_neobhodimo_v_3_raza_bolshe_vrachey._i_tak_bydet_eshe_20_let_infografika.html">kaktus.media</a> berichtet.

Um das Gesundheitssystem zu stärken und zu erhalten, hat die kirgisische Regierung eine neue Gesundheitsstrategie verabschiedet, die bis 2030 umgesetzt werden soll. Die Schweiz will ihre Entwicklungszusammenarbeit fortsetzen, um Kirgistan bei der erfolgreichen Umsetzung der geplanten Reformen zu unterstützen.
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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Chloé Renard</strong>, <strong>Redakteurin für Novastan</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://novastan.org/fr/kirghizstan/la-suisse-alloue-cinq-millions-de-francs-suisses-pour-ameliorer-le-systeme-de-sante-kirghiz/" target="_blank" rel="noopener">Französischen</a> von Michèle Häfliger (gekürzte Fassung)</strong> <p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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