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	<title>Luisa Podsadny, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Кundgebungen in Berlin: Solidarität mit Protestierenden in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Jan 2022 05:27:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Berlin haben am 7. Januar circa 60 Menschen ihre Solidarit&#xE4;t mit den Protestierenden in Kasachstan bekundet, darunter viele in Deutschland lebende Kasachstaner:innen. Sie forderten den R&#xFC;cktritt des kasachstanischen Pr&#xE4;sidenten und ein Ende der Gewalt. Am gestrigen Freitag, den 7. Januar, fand vor dem Brandenburger Tor um 15 Uhr eine Kundgebung in Solidarit&#xE4;t mit den [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Berlin haben am 7. Januar circa 60 Menschen ihre Solidarität mit den Protestierenden in Kasachstan bekundet, darunter viele in Deutschland lebende Kasachstaner:innen. Sie forderten den Rücktritt des kasachstanischen Präsidenten und ein Ende der Gewalt. </strong>

Am gestrigen Freitag, den 7. Januar, fand vor dem Brandenburger Tor um 15 Uhr eine Kundgebung in Solidarität mit den Protestierenden in Kasachstan statt. In dem zentralasiatischen Land kommt es seit dem 4. Januar landesweit zu <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/massenproteste-in-kasachstan-regierung-entlassen/">Massenprotesten</a>. Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew">Qasym-Jomart Toqaev</a> reagierte darauf mit Einschränkungen des Internetzugangs und schließlich auch offiziell mit <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/praesident-toqaev-mit-gewaltbereitschaft-gegen-fortlaufende-proteste/">Gewalt</a>: am 7. Januar erklärte er, den <a href="https://www.akorda.kz/ru/obrashchenie-glavy-gosudarstva-kasym-zhomarta-tokaeva-k-narodu-kazahstana-70412">Schießbefehl</a> gegeben zu haben. Die Protestierenden bezeichnete er als <em>„Kriminelle und Mörder“</em>.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/praesident-toqaev-mit-gewaltbereitschaft-gegen-fortlaufende-proteste/" target="_self" rel="noopener noreferrer">Präsident Toqaev mit Gewaltbereitschaft gegen fortlaufende Proteste</a></strong>

In Berlin versammeln sich währenddessen rund 60 Personen im Nieselregen zu einer der ersten Solidaritätskundgebungen in Deutschland. Es gibt ein Mikrofon und unter einem Regenschirm einen kleinen Lautsprecher. Vor dem Lautsprecher in Reihen angeordnete Äpfel. Die Teilnehmer:innen der Kundgebung haben sie mitgebracht. Der Apfel ist das Symbol der Stadt Almaty, der größten Stadt und ehemaligen Hauptstadt Kasachstans.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>„Es musste irgendwann passieren“</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Nacheinander treten verschiedene Personen an das Mikrofon, viele von ihnen scheinen ganz spontan das Wort zu ergreifen. Das Mikro ist offen, alle sind willkommen, jede:r darf sprechen. Es gibt Wortmeldungen auf Kasachisch, Russisch, Deutsch und Englisch, manche sprechen gleich auf mehreren Sprachen.

</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">

Eine von ihnen, die immer wieder zwischen Deutsch und Russisch wechselt, ist Gulnur Mukazhanova. Die Künstlerin aus der zentralkasachischen Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qaraghandy">Qaraģandy</a> lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Sie ist von den Protesten nicht überrascht: <em>„Es ist nicht neu. Es musste irgendwann passieren. Es gab schon mehrere Proteste, die wurden alle unterdrückt. Die Leute haben Angst, denn viele wurden verhaftet, bestraft und es waren immer kleine Gruppen. Aber so groß wie es war vor ein paar Tagen war und immer noch andauert, wurde es erst jetzt. Die Leute haben jetzt mehr Macht und die Regierung kann nicht alles kontrollieren.“</em></p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-28711"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1440" height="810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova.jpg" alt="Kundgebung Kasachstan Berlin Tokayev" class="wp-image-28711" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova.jpg 1440w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova-1024x576.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova-768x432.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/2022-01-07_Kundgebung-Berlin-Foto-von-Gulnur-Mukazhanova-1300x731.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1440px) 100vw, 1440px" /><figcaption class="wp-element-caption">Teilnehmer*innen der Kundgebung am 7. Januar 2022 halten Plakate mit der Aufschrift &#8222;Tokayev &#8218;Atpa&#8216; Don&#8217;t Shoot&#8220;.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Dass Präsident Toqaev erst heute den Schießbefehl erteilt haben will, glaubt sie ihm nicht. Tatsächlich setzte die kasachstanische Polizei Medienberichte zufolge <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/massenproteste-in-kasachstan-regierung-entlassen/">schon am 4. und 5. Januar Blendgranaten</a> ein. <em>„Vorgestern hat Toqaev gesagt, dass er keine Verantwortung übernimmt für die Schießereien, er überlasse alles den Polizisten. Aber die Polizisten machen nichts ohne Befehl von oben. Selbstverständlich nicht. Wann verstehen die endlich, dass sie mit dem Volk zusammengehen müssen und nicht dagegen?“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>„Shal ket! – „Geh alter Mann!“</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Zwischen den Reden erklingen Rufe. „Shal ket!“, was übersetzt etwa „Geh alter Mann!“ bedeutet, und „Freiheit für Kasachstan“ auf Russisch und Deutsch. Mehrere Redner:innen stellen sich selbst als Russ:innen oder Belaruss:innen vor. Sie zeigen Solidarität, einer entschuldigt sich – er fühle sich persönlich verantwortlich für das, was gerade in Kasachstan geschehe.

<strong>Lest auch auf Novastan: <a class="mkd-pt-link" href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/internationale-reaktionen-zu-den-ereignissen-in-kasachstan/" target="_self" rel="noopener noreferrer">Internationale Reaktionen zu den Ereignissen in Kasachstan</a></strong>

Arman, der seinen Nachnamen nicht im Internet veröffentlichen möchte, ist gekommen, um die Proteste in Kasachstan zu unterstützen. Der gebürtige Almatiner wohnt seit März 2020 in Berlin. Für den Ausbruch der Proteste macht er neben den gestiegenen Gaspreisen auch die Pandemie verantwortlich. <em>„Alles ist eskaliert, die Preise sind gestiegen, auch Corona hat dazu gezählt. Die Regierung und die Machteliten waren so fern vom Volk, dass die Wut so hoch war, dass sie rausgehen mussten.“</em> Das Land brauche Reformen und eine Erneuerung der Machteliten.

Doch Arman macht sich auch Sorgen, dass sich die Lage weiter verschärft. <em>„Es ist unwahrscheinlich, aber das Risiko, dass einen Bürgerkrieg oder einen Krieg mit Russland gibt, wird steigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Russen unsere Brüder sind und wir eine große Minderheit in Kasachstan haben. Ich wünsche mir, dass sich eine Situation wie in der Ukraine nicht wiederholt.“</em> Er hofft auf eine friedliche Lösung der Proteste. Was danach kommen soll? „<em>Reformen, Neuwahlen und ein Sozialstaat.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Ausländische Unterstützung und inländische Streitigkeiten</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Armans Sorgen betreffen insbesondere die von Toqaev gerufenen, sogenannten „Friedenstruppen“ der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)</a>, die zurzeit unter anderem aus Russland in Kasachstan eintreffen. Nicht jeder hält dies für einen überlegten Schritt. <em>„Ich meine, dass er einen Riesenfehler gemacht hat und so in der kasachischen Bevölkerung sehr schlecht wahrgenommen wird“</em>, sagt Dina Nurpeissova. Sie stammt ebenfalls aus Almaty und lebt seit 20 Jahren in Berlin. Sie hatte die Kundgebung angemeldet.

</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full wp-image-28747"><img decoding="async" width="411" height="308" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/Bildschirmfoto-2022-01-08-um-13.40.27.png" alt="Dina Nurpeissova Berlin Kundgebung Kasachstan" class="wp-image-28747" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/Bildschirmfoto-2022-01-08-um-13.40.27.png 411w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2022/01/Bildschirmfoto-2022-01-08-um-13.40.27-300x225.png 300w" sizes="(max-width: 411px) 100vw, 411px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dina Nurpeissova hält auf der Solidaritätskundgebung in Berlin ein Schild mit der Aufschrift &#8222;Nein zu den &#8218;Friedenstruppen&#8216; in Kaschstan&#8220;.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">

Dina Nurpeissova beobachtet die Streitigkeiten innerhalb der Machteliten sehr genau. <em>„In der Sicherheitskommission (der kasachstanische Sicherheitsrat, ein beratendes Verfassungsorgan, das den Präsidenten unterstützt, Anm. d. Red.) hatte Nazarbaev eigentlich lebenslang den Vorsitz inne. An diese Stelle hat sich Toqaev jetzt selbst ernannt. Da kann man sehen, dass vieles unerwartet passiert und aus den Fugen gerät, wie viel Instabilität es innerhalb der Eliten gibt.&#8220;</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Schwierige Kontaktaufnahme nach Kasachstan</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Wie viele Kasachstaner:innen im Ausland haben Gulnur, Arman und Dina in diesen Tagen Probleme, ihre Angehörigen und Bekannten zu erreichen. <em>„Seit zwei, drei Tagen hatte ich keinen Kontakt mit meiner Familie“</em>, sagt Gulnur Mukazhanova. <em>„Erst heute Nacht es gab für ein paar Stunden Internet und ich habe ein paar Nachrichten bekommen von meiner Familie, dass es ihnen gut geht.“</em> Viele zuvor sehr aktive Social Media-Nutzer:innen seien jetzt verstummt, ihre Instastories leer, berichtet Dina Nurpeissova.

Die eingeschränkte Informationslage macht die deutsche Berichterstattung zu den Geschehnissen in Kasachstan nicht einfacher. Die Darstellung der Ereignisse findet Dina Nurpeissova oberflächlich. <em>„Es fehlt der Zugang, wie es dazu kommen könnte, welche Interessen gerade die Regierung verfolgt, in welcher Hinsicht wir von Russland abhängig sind, all diese Momente und Details bekommt man nicht mit.“</em> Arman kritisiert, dass kaum Korrespondent:innen in Kasachstan oder Zentralasien sind. <em>„Die deutschen Medien, etwa die Tagesschau, berichten hauptsächlich aus Moskau. Das heißt sie sehen das Bild von Moskau aus und gehen nicht in die Tiefe, in die Probleme vom kasachischen Volk.“</em></p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Forderungen an die deutsche Politik stehen bei dieser Kundgebung dagegen im Hintergrund. Unterstützung aus Deutschland ist nicht unerwünscht, doch kaum jemand scheint ernstlich damit zu rechnen. Dina Nurpeissova schlägt Sanktionen gegen Toqaev und andere Angehörige der Machteliten vor. <em>„Ich hätte gern Sanktionen gegen diese Menschen. Denn geht das ganze so weiter, haben wir am Ende drei Rentner, die zusammen eine Art Sowjetunion bilden.“</em> Welche Rentner das seien? &nbsp;<em>„Lukashenka, Putin und Toqaev. Die werden noch sehr viel Kummer für den Westen bereiten.“</em></p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Weitere Kundgebungen geplant</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Auf die sogenannten „Friedenstruppen“ bezieht sich eine weitere Kundgebung, die am heutigen Samstag, den 8. Januar, um 14.00 Uhr stattfindet. Ebenfalls vor dem Brandenburger Tor steht sie unter dem Motto „Hände weg von Kasachstan“. Es wird wohl nur die nächste in einer Reihe von Kundgebungen sein, solange die Lage in Kasachstan angespannt bleibt.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Luisa Podsadny für Novastan.org
</strong>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Usbekistan: Erstmals seit 2003 Menschenrechts-NGO zugelassen</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/ustbekistan-erstmals-seit-2003-menschenrechts-ngo-zugelassen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2020 06:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[NGO]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Usbekistan hat erstmals seit 2003 offiziell eine Menschenrechts-NGO registriert. Geleitet wird sie von drei ehemaligen politischen Gefangenen. Dies ist ein wichtiger Schritt f&#xFC;r die usbekische Zivilgesellschaft und die Haftbedingungen im Land. Am 9. M&#xE4;rz registrierte das usbekische Justizministerium zum ersten Mal seit 2003 eine Nichtregierungsorganisation. Dies berichtete die usbekische Seite Gazeta.uz am 11. M&#xE4;rz. Die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Usbekistan hat erstmals seit 2003 offiziell eine Menschenrechts-NGO registriert. Geleitet wird sie von drei ehemaligen politischen Gefangenen. Dies ist ein wichtiger Schritt für die usbekische Zivilgesellschaft und die Haftbedingungen im Land.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 9. März registrierte das usbekische Justizministerium zum ersten Mal seit 2003 eine Nichtregierungsorganisation. Dies berichtete die usbekische Seite <a href="https://www.gazeta.uz/ru/2020/03/11/ngo-registration/">Gazeta.uz</a> am 11. März. Die Organisation mit dem Namen &#8222;Huquqiy tayanch&#8220; (&#8222;Rechtsbeistand&#8220;) will die Menschenrechte verteidigen und die Zivilgesellschaft fördern, wie aus ihrer Registrierungsurkunde hervorgeht. Dies weckt Hoffnung in einem Land mit geschwächter Zivilgesellschaft.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/human-rights-watch-gratuliert-usbekistan/?noredirect=de_DE"><strong>Human Rights Watch gratuliert Usbekistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die offizielle Anerkennung von &#8222;Huquqiy tayanch&#8220; verlief nicht ohne Komplikationen. <em>&#8222;Übermäßige administrative Hindernisse, endlose Registrierungsprozesse, Sprachbarrieren, fehlende rechtliche Grundlagen in Verbindung mit den stillschweigenden Prüfungskriterien kennzeichnen die Bedingungen für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Usbekistan&#8220;</em>, beschreibt ein aktueller Bericht des Zentralasiatischen Büros für Journalismus. Im Durchschnitt dauert die Registrierung von NGOs in Usbekistan zehn Monate und muss mehrmals wiederholt werden: Die NGO &#8220; Huquqiy tayanch &#8220; wurde beim dritten Anlauf registriert.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gegründet von ehemaligen politischen Gefangenen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die drei Gründer von &#8222;Rechtsbeistand&#8220;, A’zam Farmonov, A’zam Turg’unov und Dilmurod Saidov, sind ehemalige politische Gefangene. Sie wurden zwischen 2006 und 2009 inhaftiert und sind 2018 freigelassen worden. Die Menschenrechtsaktivisten wurden jeweils wegen Erpressung angeklagt, und prangerten ihrerseits die Korruption und die Anwendung von Folter in Usbekistan an. Die drei Männer <a href="http://www.freedom-now.org/news/human-rights-activist-akzam-turgunov-released-from-prison-in-uzbekistan/">berichteten von psychischer und physischer Folter</a> während ihrer Inhaftierung im politischen Gefängnis <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jaslyk_Prison">Jasliq</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakalpakistan">Karakalpakistan</a>, das im September 2019 vom usbekischen Präsidenten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/?noredirect=de_DE">Shavkat Mirziyoyev</a> geschlossen wurde.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p></p>
<p style="text-align: justify">Vor seiner Verhaftung führte <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Azam_Farmonov">A’zam Farmonov</a> eine Kampagne gegen die Korruption im ländlichen Usbekistan. <a href="https://www.frontlinedefenders.org/fr/profile/akzam-turgunov">A’zam Turg’unov</a> war bereits eine zentrale Figur im Kampf für die Menschenrechte als Präsident der NGO &#8222;Mazlum&#8220; (&#8222;Die Unterdrückten&#8220;), die politische Gefangene verteidigte und Folter kritisierte. Dilmurod Saidov seinerseits war Journalist: Er ist überzeugt, aufgrund seiner <a href="https://www.rferl.org/a/uzbekistan-journalist-sayyid-released-torture/29019020.html">jahrelangen Berichterstattung über Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Usbekistan</a> inhaftiert worden zu sein. Die drei Männer gehörten zu den mehr als 30 politischen Gefangenen, die seit Beginn der Amtszeit Shavkat Mirziyoyevs <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/usbekische-praesidentschaftswahlen-mirsijojew-mit-8861-der-stimmen-gewaehlt/?noredirect=de_DE">im Dezember 2016</a> freigelassen wurden. Sie beschlossen, sich zusammenzuschließen, um &#8222;Huquqiy tayanch&#8220; zu gründen und das Leben usbekischer Gefangener zu verbessern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Situation von Menschenrechtsverteidigern in Usbekistan bleibt unbefriedigend</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese Inhaftierungen fanden im letzten Jahrzehnt der Amtszeit von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islom_Karimov">Islom Karimov</a> (1989-2016) statt. Sie erfolgten im Zuge einer umfangreichen Kampagne gegen MenschenrechtsverteidigerInnen, die von internationalen NGOs wie <a href="https://www.hrw.org/news/2006/06/20/uzbekistan-broader-criminal-charges-used-quash-dissent">Human Rights Watch</a> und <a href="https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2018/02/working-on-human-rights-in-uzbekistan/">Amesty International</a> heftig kritisiert wurde. Während sich die Situation seit der Machtübernahme von Shavkat Mirziyoyev verbessert hat, <a href="https://www.amnesty.org/download/Documents/EUR6203472019ENGLISH.pdf">berichten NGOs weiterhin</a> von Schikanen, Überwachung und Drohungen der Regierung gegenüber AktivistInnen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch zu Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-tod-des-diktators-und-einsetzendes-tauwetter-ueber-das-letzte-jahrzehnt-in-usbekistan/"><strong>Der Tod des Diktators und einsetzendes Tauwetter – Über das letzte Jahrzehnt in Usbekistan</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Die Situation in Usbekistan ist für internationale Organisationen bei weitem nicht zufriedenstellend: Im Mai 2019 berichtete die NGO Amnesty International von Drohungen der Regierung gegen AktivistInnen. Mitglieder von Menschenrechtsvereinigungen stehen trotz der neuen Bemühungen des Landes um Presse- und Meinungsfreiheit unter ständiger Überwachung.</p>
<p><p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p></p>
<p style="text-align: justify">Die Kontrolle von AktivistInnen erfolgt auch über das Internet, so ein <a href="https://www.amnesty.org/en/latest/research/2020/03/targeted-surveillance-attacks-in-uzbekistan-an-old-threat-with-new-techniques/">aktueller Bericht von Amnesty International</a>: MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen sind das Ziel immer wiederkehrender Angriffe durch Phishing und Spyware. Obwohl der Ursprung dieser Angriffe nicht bekannt ist, behindern sie die Arbeit der usbekischen Zivilgesellschaft. Trotz dieser ersten offiziellen Anerkennung warten also viele Schwierigkeiten auf zukünftige NGOs in Usbekistan.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Arnaud Muller, Redakteur für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen von Luisa Podsadny</strong></p>
<p><p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p></p>
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		<title>Rogun-Staudamm: Tadschikistan wendet sich an Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 May 2018 14:29:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Rogun-Staudamm]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Urspr&#xFC;nglich wollte Tadschikistan den Rogun-Staudamm aus eigenen Mitteln finanzieren. Nun hofft das Land auf ausl&#xE4;ndische Investoren. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel von Asia-Plus mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Tadschikistan hat die Europ&#xE4;ische Bank f&#xFC;r Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) dazu aufgerufen, sich an dem Bau des Rogun-Wasserkraftwerks zu beteiligen. Dies gab der stellvertretende Vorsitzende der tadschikischen Nationalbank, [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ursprünglich wollte Tadschikistan den Rogun-Staudamm aus eigenen Mitteln finanzieren. Nun hofft das Land auf ausländische Investoren. Wir übersetzen den <a href="https://news.tj/ru/news/tajikistan/economic/20180426/tadzhikistan-prizval-ebrr-prisoedinitsya-k-dostroike-roguna">Artikel von Asia-Plus</a> mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Tadschikistan hat die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) dazu aufgerufen, sich an dem Bau des Rogun-Wasserkraftwerks zu beteiligen. Dies gab der stellvertretende Vorsitzende der tadschikischen Nationalbank, Dschamoliddin Nuraliew, auf einem Treffen mit Vertretern der EBWE bekannt. Das Treffen fand unter der Leitung des stellvertretenden Präsidenten der EBWE, Jürgen Rigterink, statt.</p>
<p style="text-align: justify">Die Pressestelle der Nationalbank teilte mit, dass es zuvor bereits in Washington Gespräche am Rande der Frühjahrstagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gegeben hatte. An diesen hatten der tadschikische Finanzminister Faisiddin Kachorzoda sowie der Vorsitzende der tadschikischen Nationalbank, Dschamsched Nurmachmadzoda, teilgenommen.</p>
<p style="text-align: justify">Nuraliew betonte, dass die Realisierung von Wasserkraft-Projekten eine Priorität für Tadschikistan darstelle. In Zusammenhang damit schlug er vor, die Kooperation in dieser Richtung zu verstärken und rief die EBWE dazu auf, zur Fertigstellung des Rogun-Projekts beizutragen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/umstrittenes-wasserkraftwerk-rogun-usbekistan-und-tadschikistan-untersuchen-gemeinsam-mogliche-risiken/">Umstrittenes Wasserkraftwerk Rogun: Usbekistan und Tadschikistan untersuchen gemeinsam mögliche Risiken</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Vorgesehen war, dass Tadschikistan den Rogun-Staudamm ausschließlich auf Grundlage interner Investitionen finanzieren würde. Dies sollte durch den Verkauf von Aktien an der eigens gegründeten Offenen Aktiengesellschaft der Bevölkerung der Republik erreicht werden.</p>
<p style="text-align: justify">Allerdings kamen über den Zeitraum von einem halben Jahr nur 900 Mio. Somoni (ca. 83,5 Mio. Euro, Anm. der Redaktion) zusammen, woraufhin die Regierung auf Druck internationaler Finanzinstitute beschloss, den Kurs zu ändern.</p>
<p style="text-align: justify">Für den Bau des Damms werden außerdem jährlich Gelder des Staatshaushaltes verwendet (im Schnitt bis zu 10% des Gesamtbudgets). Doch die Mittel reichen dennoch nicht aus. Die Regierung sieht sich gezwungen, zur Akquirierung von Geldern auf den internationalen Finanzmärkten Staatsanleihen auszugeben. Im September vergangenen Jahres wurden Wertpapiere im Wert von 500 Mio. Dollar an ausländische Investoren verkauft, die  komplett in den Bau des Rogun-Damms fließen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadjikistan-la-construction-du-barrage-de-rogun-est-lancee/">Tadschikistan: Baustart des Rogun-Staudamms</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Konstruktion des Staudamms obliegt seit Oktober 2016 der italienischen Firma Salini Impregilo. Ende Januar gab ihr Leiter Pietro Salini nach einem Treffen mit dem tadschikischen Präsidenten Emomali Rachmon bekannt, dass die Inbetriebnahme der ersten Turbine des Wasserkraftwerks für den 16. November 2018 vorgesehen sei. Man hoffe außerdem, das zweite Aggregat des Kraftwerks im Frühjahr des kommenden Jahres anlassen zu können.</p>
<p style="text-align: justify">Insgesamt wird für den Bau des Rogun-Staudamms vorläufigen Einschätzungen zufolge die Summe von 4 Milliarden Dollar benötigt. Das Kraftwerk soll sechs Aggregate umfassen, jedes mit einer Leistung von 600 Megawatt.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Paijvar Tschorschanbijew</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Asia-Plus</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Luisa Podsadny</strong></p>
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		<title>Stalins Erbe in Kasachstan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Dec 2016 03:56:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 80 Jahren begannen die von Stalin veranlassten Deportationen ganzer Bev&#xF6;lkerungsgruppen nach Sibirien und Kasachstan, durch die tausende Menschen umkamen. Sie wurden aufgrund ihrer Ethnie der Kollaboration mit den Feinden der Sowjetunion, allen voran Deutschland, verd&#xE4;chtigt. In Kasachstan sch&#xE4;tzt man heute die so entstandene ethnische Vielfalt der Bev&#xF6;lkerung &#x2013; und spricht nur selten &#xFC;ber ihre [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><i><b>Vor 80 Jahren begannen die von Stalin veranlassten Deportationen ganzer Bevölkerungsgruppen nach Sibirien und Kasachstan, durch die tausende Menschen umkamen. Sie wurden aufgrund ihrer Ethnie der Kollaboration mit den Feinden der Sowjetunion, allen voran Deutschland, verdächtigt. In Kasachstan schätzt man heute die so entstandene ethnische Vielfalt der Bevölkerung – und spricht nur selten über ihre gewaltsame Ursache.</b></i></p>
<p style="text-align: justify">Es begann im Frühjahr 1936. Ungefähr 36.000 Polen wurden mit Gewalt aus den Grenzregionen der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik nach Kasachstan und Sibirien deportiert. Weitere Deportationen polnischer Minderheiten in Belarus und der Ukraine folgten 1940 bis 1942. In den Jahren 1937 und 1938 wurden aus dem Fernen Osten der UdSSR knapp 200.000 der dort seit den 1860ern freiwillig lebenden Koreaner deportiert. Sie wurden vor allem nach Kasachstan und Usbekistan gebracht, zum Teil auch nach Tadschikistan.</p>
<p style="text-align: justify">Wie Polen und Koreanern erging es in der Folge vielen ethnischen Minderheiten in der Sowjetunion. Tataren, Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier, Balkaren, Griechen, Georgier und andere Ethnien fielen der stalinschen Paranoia zum Opfer und wurden in Viehwaggons deportiert – davon ca. 1 Mio. Menschen nach Kasachstan. Viele starben auf dem Weg, viele aber auch durch die harten Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort, die Kälte und den Hunger. Die genaue Zahl der Opfer ist heute schwer zu ermitteln.</p>
<p style="text-align: justify">Die größte deportierte Gruppe waren die in der Sowjetunion ansässigen Deutschen. Über 400.000 Einwohner der Wolgadeutschen Republik wurden nach Kasachstan deportiert und stellten nach Kasachen und Russen lange die drittgrößte Bevölkerungsgruppe Kasachstans. Nach dem Ende der Sowjetunion nutzten viele die Möglichkeit, nach Deutschland auszusiedeln und die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. 2009 lebten laut <a href="https://www.liportal.de/fileadmin/user_upload/oeffentlich/Kasachstan/40_gesellschaft/Kaz2009_Analytical_report.pdf">kasachischem Zensus</a> nur noch ca. 180.000 Deutsche in Kasachstan.</p>
<p style="text-align: justify"><b>Ein Tabu-Thema in der Sowjetunion</b></p>
<p style="text-align: justify">Zu Zeiten der Sowjetunion wurden weder die Tatsache, dass Kasachstan ein Vielvölkerstaat ist, noch die historischen Gründe dafür hinterfragt. „Niemand hat damals gefragt, welcher Ethnie man angehörte“, sagt Svetlana Kim, Jahrgang 1950. Ihre koreanischen Eltern wurden als 17- und 18-Jährige deportiert, Svetlana ist in der Stadt Üschtöbe im Süden Kasachstans geboren und aufgewachsen. Zu Hause sprachen ihre Eltern Koreanisch, Svetlana und ihre Geschwister lernten auf der Straße und in der Schule Russisch. „Wenn meine Mutter mich etwas auf Koreanisch fragte, antwortete ich auf Russisch“, erinnert sie sich. Später ging Svetlana zum Studieren nach Almaty – eine Möglichkeit, die ihren Eltern, potenziellen Kollaborateuren mit dem feindlichen Japan, noch verwehrt worden war.</p>
<p><figure id="attachment_6979" aria-describedby="caption-attachment-6979" style="width: 1024px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-6979 size-large" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/scan_5-1024x612.jpg" alt="Svetlana Kim Üschtöbe" width="1024" height="612" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/scan_5-1024x612.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/scan_5-300x179.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/scan_5-768x459.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/scan_5-1300x777.jpg 1300w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6979" class="wp-caption-text">Svetlana (Mitte vorn) als Fünfjährige, mit ihren Eltern und Geschwistern in Üschtöbe.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Im Zuge der Perestroika wurde dann die Thematisierung der Deportationen in Kunst und Literatur möglich. So veröffentlichte Anatoli Pristawkin erst 1987 seinen sechs Jahr zuvor geschriebenen Roman „Schlief ein goldenes Wölkchen“. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei russische Waisenkinder, die 1944 in den Kaukasus geschickt werden, um dort in den tschetschenischen Dörfern zu leben, deren Bewohner kurz zuvor im Rahmen der <a href="http://omind.kz/лекция-2-зарина-ахматова-операция-чеч/">„Operation Linse“ </a>deportiert worden waren.</p>
<p style="text-align: justify"><b>Ethnische Vielfalt als gesellschaftlicher Reichtum</b></p>
<p style="text-align: justify">Mit dem Ende der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Kasachstans 1990 wandelte sich dort das staatliche Verhältnis zu den ethnischen Minderheiten. Minderheiten wurden in der Gesellschaft erstmalig als solche anerkannt. „In den 1990ern wurde es auf einmal wichtig, welcher Ethnie man angehört“, stellt Svetlana fest. 1995 wurde auf Initiative des Staatspräsidenten Nasarbajew die „Assembleja Narodow Kasachstana“, die Versammlung der Völker Kasachstans, gegründet. Als beratendes Organ sollte sie die Politik zur Gleichstellung und Integration aller Kasachstaner, also aller Staatsbürger unabhängig von ihrer Ethnie, gestalten. 2007 wurde sie in „Assembleja Naroda“ umbenannt, die Versammlung des Volks, was viele Beobachter als Betonung der staatlichen Einheit deuteten. <a href="https://tengrinews.kz/kazakhstan_news/kazahstantsyi-vpervyie-prazdnuyut-den-blagodarnosti-289920/">Seit 2016</a> ist zudem der Gründungstag der Versammlung, der 1. März, ein staatlicher Feiertag – der „Tag der Dankbarkeit“.</p>
<p style="text-align: justify">Dies drückt die wohlwollende staatliche Haltung zur ethnischen Vielfalt in Kasachstan aus: sie wird als ein Grund für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes – vor allem im Vergleich zu seinen zentralasiatischen Nachbarn – betrachtet. Viele ethnische Minderheiten verfügen über Kulturvereine, die Sprachkurse, traditionelle Feste und Reisen organisieren. In Almaty gibt es neben dem russischen und kasachischen auch ein deutsches, koreanisches und polnisches Theater.</p>
<p><figure id="attachment_6958" aria-describedby="caption-attachment-6958" style="width: 217px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-6958" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/IMG-20160116-WA0013-217x300.jpg" alt="Svetlana Kim mit ihrem Enkel in koreanischer Tracht." width="217" height="300" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/IMG-20160116-WA0013-217x300.jpg 217w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/IMG-20160116-WA0013-768x1063.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/IMG-20160116-WA0013-740x1024.jpg 740w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/IMG-20160116-WA0013.jpg 1156w" sizes="auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px" /><figcaption id="caption-attachment-6958" class="wp-caption-text">Svetlana Kim und ihr Enkel in koreanischer Tracht.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Auch Svetlana Kim engagiert sich in der koreanischen Gemeinschaft in Kasachstan, singt im koreanischen Chor und lernt Koreanisch. 1994 war sie eine der ersten aus Kasachstan, die nach Südkorea reiste und war seitdem mehrmals dort. Sie habe, sagt sie, aber auch gemerkt, dass sie eine völlig andere Mentalität habe als die Südkoreaner. Auf die Frage, wie sie sich heute identifiziere, antwortet sie: „Am ehesten wohl als Russin. Russisch ist meine Muttersprache, ich denke auf Russisch.“</p>
<p style="text-align: justify"><b>80-jähriges Gedenken an die Deportationen</b></p>
<p style="text-align: justify">Während das Zusammenleben der Ethnien in Kasachstan vom Staat als Grund zur Dankbarkeit betrachtet wird, ist die Ursache dieser Vielfältikeit, die Deportationen, nach wie vor ein Tabu-Thema. Im Schulunterricht werden die Deportationen schlichtweg nicht thematisiert. Informationen über die Deportationen sind zwar offen zugänglich, doch eine öffentliche Diskussion findet kaum statt.</p>
<p style="text-align: justify">Das 80-jährige Gedenken, 2016 an den Beginn der Deportationen 1936 aus Europa, 2017 an die Deportationen der Koreaner aus Fernost, nehmen nun zivilgesellschaftliche Organisationen zum Anlass, das Thema zur Sprache zu bringen. Dazu gehört das kulturwissenschaftliche <a href="http://omind.kz">Vortragszentrum OpenMind</a>, das in Almaty die Vorlesungsreihe „Lebendige Erinnerung“ veranstaltet.</p>
<p style="text-align: justify">Die Reihe „Lebendige Erinnerung“ umfasst Lesungen zu Themen wie den Deportationen und Gulags in Kasachstan, aber auch politischer Repressionen und Erinnern in Kunst und Literatur. Zur Themenwahl sagt die Organisatorin der Lesungen und Gründerin von OpenMind, Alexandra Zai: „Es ist der Versuch, Ereignisse zu wählen, die besonders schmerzhaft und wichtig für Kasachstan waren, und sie nicht nur historisch zu behandeln, sondern zu betrachten, wie sie unser Leben bis heute beeinflussen.“</p>
<p style="text-align: justify">„<b>Damit sich die Geschichte nicht wiederholt“</b></p>
<p style="text-align: justify">Im Rahmen der Reihe fand am 17. November 2016 die Lesung „Die Große Umsiedlung der Völker“ statt. Ein Professor für Geschichte, eine Journalistin und ein Schriftsteller hielten Kurzvorträge, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchteten. Während Schulduzbek Abylchoschin, Professor an der Kasachisch-Britischen Universität, hauptsächlich mit <a href="http://omind.kz/история-депортаций-лекция-жулдузбек/">Zahlen und Fakten</a> aufwartete, präsentierte Zarina Achmatova, Chefredakteurin des Internetjournals Vlast.kz, Interviews mit Zeitzeugen.</p>
<p><figure id="attachment_6982" aria-describedby="caption-attachment-6982" style="width: 1024px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6982 size-large" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-1024x683.jpg" alt="Bei der Lesung &quot;Die Große Umsiedlung der Völker&quot; am 17. November in Almaty." width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-1300x867.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/2-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6982" class="wp-caption-text">Bei der Lesung &#8222;Die Große Umsiedlung der Völker&#8220; am 17. November in Almaty.</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Die anschließende Diskussion drehte sich unter anderem um die Frage der Schuld an diesen Verbrechen. Wer kann für die Taten des Sowjet-Regimes verantwortlich gemacht werden &#8211; das heutige Russland? Stalin allein? Die Ansichten gehen auseinander. Schulduzbek Abylchoschin versteht die Deportationen als „Kriegshandlungen“, die nur im Kontext des Zweiten Weltkriegs verstanden werden können. Für ihn liegt die Schuld bei Stalin – als umso beunruhigender bewertete er daher die Tendenz einer „neuen Generation von Stalinisten“ im heutigen Russland, wo die stalinistischen Deportationen und Säuberungen ebenfalls kaum thematisiert werden.</p>
<p style="text-align: justify">Viele sind aber auch der Meinung, dass die Schuldfrage heute nicht mehr relevant sei, schließlich wurden alle Betroffenen nach dem Zerfall der Sowjetunion offiziell rehabilitiert. Auf den inneren Widerspruch dieser Rehabilitierung verwies Zarina Achmatova: die Deportierten wurden rehabilitiert, ohne dass jemals anerkannt wurde, dass ihnen Unrecht getan worden war.</p>
<p style="text-align: justify"><b>Die Medien in der Verantwortung?</b></p>
<p style="text-align: justify">Offene Diskussionen wie diese finden selten und in recht geschlossenen Kreisen statt. Die Lesung „Die Große Umsiedlung der Völker“ zog nur ca. 20 Besucher an. Zum Schluss forderte Schulduzbek Abylchoschin daher die Medien auf, sich an der Diskussion zu beteiligen: „Es ist schon lange alles über die Deportationen aufgeschrieben worden. Jetzt sind tatsächlich die Medien dafür verantwortlich, dies der Öffentlichkeit zu vermitteln.“</p>
<p style="text-align: justify">Zum Teil haben die Medien diese Verantwortung schon übernommen: der Polnische Kurier Almaty und die Deutsche Allgemeine Zeitung etwa, die auf den jeweiligen Minderheitssprachen veröffentlichen. Aber auch das kasachische Internetjournal Vlast.kz, das Interviews mit Zeitzeugen führt und diese online im<a href="https://vlast.kz/memory/"> „Tagebuch der Erinnerungen“</a> sammelt. „Wir brauchen diese Interviews“, sagte dazu Chefredakteurin Zarina Achmatova, „damit sich die Geschichte nicht wiederholt.“</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bürgerprotest gegen den geplanten Abriss des tadschikischen Majakowski-Theaters</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Oct 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Urbanismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend in anderen L&#xE4;nder alte Denkm&#xE4;ler und Geb&#xE4;ude restauriert werden, werden diese in Duschanbe abgerissen. Das Geb&#xE4;ude des Majakowski-Theaters sollte laut Verordnung des Kultusministeriums bereits am 1. Mai 2016</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Während in anderen Länder alte Denkmäler und Gebäude restauriert werden, werden diese in Duschanbe abgerissen. Das Gebäude des Majakowski-Theaters sollte laut Verordnung des Kultusministeriums bereits am 1. Mai 2016 zurückgebaut werden.</strong></p>
<p style="text-align: justify">„Dieses Theater haben unsere Großeltern und Eltern erlebt. Auch unsere Kinder haben es als ein Teil ihres Schullebens identifiziert, da dort alle festlichen Tagesvorstellungen für Kinder stattgefunden haben. Sie wollen uns unsere Geschichte nehmen,“ sagt Madina G., eine Einwohnerin von Duschanbe. Das nach Majakowski benannte Russische Dramentheater in Duschanbe wurde 1937 gegründet. Sein Ensemble hat Vorstellungen in vielen Ländern der Sowjetunion gegeben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abriss einiger historischer Gebäude in der Innenstadt</strong></p>
<p style="text-align: justify">„Sie wollen, dass wir umziehen. Umziehen in das Gebäude des Kinos „Tadschikistan“, welches sich weit außerhalb der Innenstadt befindet. Es ist doch klar, dass kein Mensch da hingehen wird. Und die Akustik und die Ausstattung des Kinos sind nicht für Theatervorführungen geeignet,” erklärt Gulnora Akhmedova, die stellvertretende Direktorin des Majakowski-Theaters. „Man soll doch den Mut haben, zu sagen, dass man uns nicht mehr haben will.“ <a href="http://news.tj/ru/news/minkultury-nazvalo-svoi-argumenty-po-povodu-snosa-teatra-mayakovskogo">Laut des Kulturministeriums</a> hat das Theater lediglich einen Stock und nur 300 Plätze, was mit dem Profil eines modernen Theaters nicht übereinstimmt. Außerdem, so das  Kultusministerium, „gibt es in der Hauptstadt eine Tendenz zum Bau neuer, moderner Gebäude. Die alten Gebäude passen nicht mehr in die neue Architektur der Stadt.“ Das Majakowski-Theater gehört dazu.</p>
<p style="text-align: justify">Mit dieser Begründung hatte man 2015 auch das alte Teehaus Rochat abreißen wollen. Die Einwohner der Hauptstadt Duschanbe unterschreiben bis heute eine<a href="https://secure.avaaz.org/ru/petition/prezident_Respubliki_Tadzhikistan_Emomali_Rahmon_i_mer_Dushanbe_Mahmadsaid_Ub_Ostanovite_varvarskoe_unichtozhenie_pamyat_1/?abNEKdb"> Online-Petition mit dem Titel &#8222;Lasst uns die barabrische Zerstörung unwiederbringlicher Kulturdenkmäler stoppen&#8220;,</a> die sich an den Präsidenten Emomali Rachmon und an den Bürgermeister Duschanbes, Makhmadsaid Ubaydullaev, richtet. Mittlerweile haben 1.900 Menschen die Petition unterschrieben.</p>
<p style="text-align: justify">Das Abbau des Majakowski-Theaters läuft schon seit dem 23. Juni 2016. Die Szene, der Zuschauerraum, die Garderoben und die Verwaltungsräume sind bereits abgebaut, es stehen nur noch die Wände. Das Inventar wurde ins nahgelegene Staatliche Akademische Lokhuti-Theater transportiert, dort werden vorläufig auch die Vorstellungen stattfinden. Sobald die Bauarbeiten im ehemaligen Kino “Tadschikistan” beendet sind, ist es Zeit für den endgültigen Umzug.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><img decoding="async" style="height: 331px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1361/luisa7.jpeg" alt="Majakowski-Theater, Duschanbe, Tadschikistan" /></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Protest bekannter tadschikischer Künstler und Akademiker</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Künstler richteten eine schriftliche Eingabe mit der Bitte um die Erhaltung des Theaters an den Präsidenten des Landes.  Mit einer ähnlichen<a href="http://www.fergananews.com/news/24712"> Botschaft trat der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Tadschikistans Schodi Schabdolow</a> in Erscheinung: “Man darf nicht Gebäude abreißen, mit denen nicht nur die Theaterkultur des Landes verbunden ist, sondern auch seine politische Geschichte. […] Bis jetzt bezeugt diese Entscheidung der Staatsmacht ihre Versuche, die Erinnerungen an die sowjetische Vergangenheit, […], zu vernichten.”</p>
<p style="text-align: justify">Der bekannte tadschikische Historiker Gafur Shermatov veranschaulichte die Situation anhand eines <a href="http://www.news.tj/ru/news/shermatov-pochemu-my-ne-znaem-tekh-kto-vynosit-nashim-zdaniyam-prigovory">Beispiels</a> „Stellt euch vor, ihr habt absolut gesunde weiße Zähne, und plötzlich, auf einmal, zieht ihr diese und stellt an deren Stelle goldene. So machen wir es immer noch.“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Alin Kor</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redakteurin für Novaston.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redigiert von Luisa Podsadny</strong></p>
<p style="text-align: right">
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		<title>Die bucharischen Juden – wie kamen sie nach Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Buchara]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Juden von Buchara geh&#xF6;ren zu den r&#xE4;tselhaftesten Einwohnern der Stadt im S&#xFC;den Usbekistans. Obgleich sie seit Jahrhunderten in Buchara leben, ist ihre Gemeinde nur wenigen bekannt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Die Juden von Buchara gehören zu den rätselhaftesten Einwohnern der Stadt im Süden Usbekistans. Obwohl sie seit mehreren Jahrhunderten in Buchara leben, kennen nur wenige in der Region die Gemeinde. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Die von Novastan übersetzte Reportage von „The Open Asia“ entdeckt eine der Synagogen von Buchara, die seit über 400 Jahren die Gläubigen im alten Stadtviertel empfängt.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Obwohl scheinbar alle in Zentralasien lebenden Juden als bucharische Juden bezeichnet werden, stammen sie nicht ausschließlich aus Buchara. Die Angehörigen dieser Religion leben seit Jahrhunderten auch in anderen Städten der Region, sie werden aber traditionell als „bucharisch“ bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify">Historiker haben dazu verschiedene Vermutungen aufgestellt: einige verbinden das Auftreten dieser Bezeichnung mit Eroberer Timur, welcher nach seiner Einnahme Bucharas mehrere hundert jüdische Familien nach Samarkand umsiedeln ließ und die neue Gemeinde als „Juden von Buchara“ bezeichnete. Andere nehmen an, dass bei der Eingliederung des heutigen Zentralasiens in das russische Reich die russischen Herrscher eine Bezeichnung suchten, um die einheimischen von den russischen Juden zu unterscheiden. Da sich die wichtigste jüdische Gemeinde in Buchara befand, wurden schließlich alle zentralasiatischen Juden „bucharisch“ genannt.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Der Weg nach Zentralasien</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Verschiedene Erklärungen gibt es auch für die Ankunft der Juden in Zentralasien. Einige Wissenschaftlicher bestätigen, dass diese durch die Seidenstraße stattfand: die Juden kamen mit Handelskarawanen in die Region, fanden Arbeit und blieben. Einer anderen Hypothese zufolge kamen die Juden zu Zeiten des Achämenidenreichs (zwischen dem 5. und dem 3. Jh. v. Chr.), um Geschäfte zu machen. Schließlich findet eine dritte Version Erwähnung: im 7. Jh. wurden auf dem Territorium des heutigen Iran die Sassaniden besiegt und zahlreiche Flüchtlinge, unter ihnen die Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung, kamen nach Zentralasien. Sicher ist jedoch, dass es schon seit langem Juden in Zentralasien gibt. Der erste schriftliche Beweis ihrer Präsenz stammt aus dem 13. Jh. und die älteste Synagoge, von Archäologen in Turkmenistan gefunden, aus dem 3. Jh. n. Chr.</p>
<p style="text-align: justify">Während ihrer langen Geschichte haben sich die Juden in die lokalen Gemeinschaften integriert, sodass es heute kaum möglich ist, die bucharischen Juden von Tadschiken oder Usbeken zu unterscheiden. Nach mehreren hundert Jahren des Zusammenlebens ähneln sie nicht nur der örtlichen Bevölkerung, sondern sprechen auch die jeweiligen Sprachen und haben sich der Kultur und Lebensweise ihrer Umgebung angepasst. Dennoch fand keine vollständige Assimilation statt: die Juden praktizieren ihre Religion, sie heiraten selten Einheimische und besitzen bis heute eine eigene Weltanschauung.</p>
<p style="text-align: justify">Für das Recht, ihre Identität zu wahren, hat die jüdische Bevölkerung einen hohen Preis gezahlt. Entbehrungsreiche Jahre voller Schwierigkeiten, die es zu überleben galt, sind im Gedächtnis der Gemeinschaft verankert. Dennoch scheinen sie heute keinen Zorn zu fühlen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Eine kleine Synagoge mit einer großen Geschichte</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Obgleich es einmal um die 30 Synagogen in Buchara gab, sind nur zwei davon in der Altstadt erhalten geblieben. In den 1970ern begann die massive Auswanderung der Juden aus der Sowjetunion, insbesondere aus Zentralasien, und ihre Synagogen wurden geschlossen. Die jüdische Gemeinde in Buchara ist daher signifikant geschrumpft: von einmal ca. 35.000 Mitgliedern auf ungefähr 420 Personen heute.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1298/107444288_948314fbbf_b.jpeg" alt="Synagoge Buchara Rabbi Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">„Von den Juden, die während der sowjetischen Periode hierher kamen, waren 250 bucharische Juden und der Rest Russen. Aber die bucharischen Juden lebten hier seit hunderten von Jahren“, erklärt uns der Wärter einer der Synagogen in Buchara. Diese Synagoge ist über 400 Jahre alt und befindet sich nahe des architektonischen Komplexes Labi Hovuz, im Herzen des alten Bucharas.</p>
<p style="text-align: justify">Die Synagoge ist inmitten der verflochtenen Gassen von Buchara nicht sofort erkennbar. Früher lebten hier ausschließlich Juden. Heute leben Usbeken und Tadschiken in den hohen Häusern mit den weißen Wänden und den kleinen Innenhöfen. Nichtsdestotrotz beginnen die Juden jeden Freitagabend die Feier des Sabbat mit ihrem traditionellen Gottesdienst.</p>
<p style="text-align: justify">Der Gottesdienst darf besucht, aber unter keinen Umständen gefilmt werden. Der Sohn des Rabbis, Don Sianov, erklärt, dass die hier stattfindenden Rituale sich kaum von den in Israel praktizierten unterscheiden.</p>
<p style="text-align: justify">Doch das war nicht immer so. Ende des 18. Jh. kam der marokkanische Rabbi Joseph Maman Maaravi nach Buchara. Er nahm am Gottesdienst teil und stellte fest, dass er sich stark von denen der europäischen Juden unterschied und die letzten zwei Bücher der Thora fehlten. Die bucharischen Juden hatten Teile ihre Religion und ihre Kultur verloren &#8211; der Rabbi entschied, diese wieder einzuführen. Bis heute finden die religiösen Zeremonien in Buchara nach seinen Vorgaben statt, sodass Juden aus Israel oder den USA, die sich einmal pro Woche in die Synagogen von Buchara begeben, fast keinen Unterschied erkennen.</p>
<p style="text-align: justify">Um ihre Kultur nicht zu verlieren, wurde 1994 gleich neben der Synagoge eine spezielle Schule eröffnet. Hier werden vier Sprachen gelehrt: Usbekisch, Englisch, Russisch und Hebräisch, außerdem werden die Geschichte Usbekistans und Israels unterrichtet.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Fremde unter sich – diskriminiert vor dem Gesetz</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Juden weltweit widerfuhren tragische Schicksale, und die bucharischen Juden stellen keine Ausnahme dar. „Die Juden von Buchara leben unter großer Unterdrückung und werden von allen verachtet“, notiert Armini Vamberi, ein ungarischer Reisender, der Zentralasien Mitte des 19. Jh. durchquert.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1298/img_5027.jpeg" alt="Fußgänger in Buchara" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Gesetze, welche für die jüdische Bevölkerung von Buchara galten und von den lokalen Autoritäten eingeführt wurden, sind erschreckend. So zahlten Juden eine Steuer für die „Erhaltung“ ihres eigenen Lebens und das Recht, ihre Religion zu praktizieren.</p>
<p style="text-align: justify">Juden hat kein Recht, in Buchara zu Pferd zu reiten, nur auf Eseln. Selbst dann mussten sie, falls sich vor ihnen ein Muslim befand, absteigen und sich verbeugen, andernfalls drohten harte Prügelstrafen wegen Beleidigung. Es war ihnen verboten, Seide zu tragen oder ein Tuch um ihr Hemd zu binden, wie es die lokale Bevölkerung tat; sie durften lediglich ein Seil umbinden. Ihnen war ebenso untersagt, den traditionellen Turban zu tragen. Stattdessen mussten sie Schapkas aus Pelz tragen, sodass Muslime sie schon von weitem als Angehörige eines anderen Glaubens erkennen konnten.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Erzwungene Konvertierung zum Islam</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">All diese Einschränkungen waren jedoch geringfügig im Vergleich zu den konstanten Versuchen, die Konvertierung zum Islam zu erzwingen, oft mit gewalttätigen Mitteln. Falls es zur Konvertierung kam, wurden den neu Konvertierten der abfällige Beiname „Tschala“ gegeben, was auf Russisch so viel bedeutet wie „zwischen den beiden“. Trotz der Konvertierung wandelte sich das Leben der Betroffenen zum Schlechteren, da die Muslime die Tschalas nicht anerkannten, sie aber ebenso von den Juden abgelehnt wurden. Die Tschalas lebten daher getrennt von ihrer alten Gemeinschaft in speziell für sie reservierten Vierteln um den jüdischen Vierteln.</p>
<p style="text-align: justify">„Oft erkannten die Juden den Islam an mit dem Ziel, die Steuern für die Praktizierung ihrer Religion zu vermeiden“, erklärt Don Sianov. In Buchara lebten drei Kategorien von Juden: die Cohens, die gutsituierten Juden, die Levis, die Mittelklasse, sowie die Yisrael, die Armen. Die Merheit der Tschalas entstammten der dritten Gruppe.</p>
<p style="text-align: justify">Die erzwungene Konvertierung zum Islam war daher oft nicht aussagekräftig. Der Sohn des Rabbis weiß, dass vor Pessach die Tschalas zur Synagoge kamen und dort nach Azyma fragten, dem traditionellen Brot dieses Feiertags, um sich anlässlich des Festes wieder als Juden zu fühlen. Als das Emirat von Buchara wiederkam, sind auch die Tschalas in großen Zahlen zum Judentum zurückgekehrt und heute gibt es praktisch keine Tschalas mehr.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Bucharische Juden als Botschafter der zentralasiatischen Kultur</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Heute attackiert niemand mehr die jüdische Gemeinde in Buchara. Sie stellt einen integralen Teil der Stadt dar und jeder Reiseleiter berichtet von ihrer komplexen Geschichte und erwähnt den wichtigen Beitrag, den die Juden zur Entwicklung der Kultur und des Handwerks in ganz Zentralasien geleistet haben. Deshalb tragen die bucharischen Juden die Kultur ihrer Region auch weit über die Grenzen Zentralasiens hinaus: seit einigen Jahren findet in New York ein Festival klassischer Musik unter dem Titel “Chachmakoma“ statt. In den USA wurde außerdem eine Tanzschule eröffnet, welche die traditionellen Tänze der Länder Zentralasiens unterrichtet.</p>
<p style="text-align: justify">Don Sianov erklärt, warum dies in keiner Weise eine Ausnahme darstellt. Die Juden haben ihre Aufgaben über Jahrhunderte erfüllt – waren sie einst die besten Schneider und Ärzte von Buchara, sind sie heute große Kenner der alten Kultur der Region. Und ohne sie wäre Buchara nicht, wie es heute ist: reich, fleißig und sehr geduldig.</p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Lilia Gaisina </strong></em></p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Aus dem Französischen von Luisa Podsadny</strong></em></p>
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		<title>Referendum verändert die Zukunft Tadschikistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 May 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Emomali Rahmon]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Referendum]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das tadschikische Verfassungsreferendum endet wenig &#xFC;berraschend. Nach offiziellen Angaben sprachen sich 95% der Teilnehmer f&#xFC;r die M&#xF6;glichkeit einer unbegrenzten Wiederwahl des Pr&#xE4;sidenten aus.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Das tadschikische Verfassungsreferendum vom 22. Mai hat die von vielen Beobachtern erwarteten Ergebnisse gebracht: nach offiziellen Angaben haben 95% der Teilnehmer für Verfassungsänderungen gestimmt, die die Macht des Präsidenten Emomalii Rachmon ausbauen.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das von Rachmon initiierte Referendum sieht mehrere Verfassungsänderungen vor, die seine Machtposition in Tadschikistan stärken. Es ermöglicht die unbegrenzte Wiederwahl eines Präsidenten und senkt das Mindestalter für das Präsidentenamt von 35 auf 30 Jahre. Rachmons ältester Sohn, Rustam Emomalii, ist zurzeit 28 und könnte durch die Verfassungsänderung bereits nach der derzeitigen Amtszeit seines Vaters 2020 für das Präsidentenamt kandidieren.</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem sieht das Referendum ein Verbot religiös fundierter politischer Parteien vor. Es bekräftigt damit das Verbot der größten tadschikischen Oppositionspartei, der Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans. Die tadschikische Regierung hatte dieses bereits im September 2015 erlassen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„<strong>Gründer des Friedens und der nationalen Einheit, Führer der Nation“</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Um rechtskräftig zu werden, bedarf ein Verfassungsreferendum in Tadschikistan der Teilnahme von 50% der wahlberechtigten Bevölkerung. Laut <a href="http://www.news.tj/ru/node/226021">tadschikischer Medienberichte</a> hatten am Sonntag bereits gegen Mittag 66% der Wahlberechtigten abgestimmt.</p>
<p style="text-align: justify">Die Zentrale Wahlkommission gab am 23. Mai auf einer Pressekonferenz das Wahlergebnis von 95% bekannt. Wahlen in Tadschikistan fallen jedoch seit längerem durch Unregelmäßigkeiten auf. Die Opposition und politische Aktivisten werden vom Regime um Rachmon <a href="https://www.hrw.org/news/2013/10/21/tajikistan-end-crackdown-ahead-election">unter Druck gesetzt und verfolgt</a>.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 338px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1179/rahmon_getreide.jpeg" alt="Emomalii Rachmon Referendum" /></p>
<p style="text-align: justify">Der 63-jährige Emomalii Rachmon ist seit Inkrafttreten der Verfassung 1994 Staatspräsident Tadschikistans. In seiner Regierungszeit wurden bereits drei weitere Verfassungsreferenden abgehalten, darunter das Referendum von 2003, welches die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sieben Jahre verlängerte. Im Dezember 2015 verabschiedete das tadschikische Parlament ein Gesetz, welches ihm den Titel „Gründer des Friedens und der nationalen Einheit, Führer der Nation“ verlieh.</p>
<p style="text-align: right"><strong><em>Luisa Podsadny</em></strong><br />
<strong><em>Landesredakteurin Tadschikistan</em></strong></p>
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		<title>Kurut &#8211; das kirgisische Raffaello</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/kurut-eine-salzige-kstlichkeit-das-kirgisische-raffaello/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Apr 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zu Ehren der kirgisischen Delikatesse Kurut fand am 17. April in Bischkek ein Kurut-Festival statt. Produzenten aus ganz Kirgistan pr&#xE4;sentierten ihre Kreationen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Zu Ehren der kirgisischen Delikatesse Kurut fand am 17. April das erste überregionale Kurut-Festival an der Manas-Universität in Bischkek statt. Produzenten aus ganz Kirigstan erklären ihre Kreationen und wie die salzige Köstlichkeit vielen hilft.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Klassisches Kurut wird in Form kleiner weißer Kugeln hergestellt. Es besteht aus getrocknetem Quark und Salz. Kurut ist das Lieblingsessen vieler Kirgisen. Sowohl der Erwachsenen als auch der Kinder. Das traditionelle Gericht wird das ganze Jahr über verzehrt und ist in ganz Kirgistan zu bekommen.</p>
<p style="text-align: justify">Kurut ist eng verbunden mit den nomadischen Wurzeln<!-- So ist klar, dass die meisten Kirgisen heute keine Nomaden mehr sind – bei «nomadischem Leben» denken viele Leser, dass in Kirgistan nur Nomaden leben --> der Kirgisen. Als Nomaden hatten Kirgisen viele Kühe. Aus deren Milch produzierten sie Quark, um sie haltbar zu machen. Doch wenn es zu heiß war, konnte auch Quark nicht lange aufbewahrt werden. Daher hat man ihn gesalzen und getrocknet. Und so wurde Kurut erfunden. Aufgrund des Salzgehalts kann man Kurut jahrelang lagern. Bisweilen wurde Getreide hinein gemischt, um es nahrhafter zu machen und den Männern auf dem Weg in die Schlacht mitgegeben.</p>
<p style="text-align: justify">Die Idee, ein Festival zu veranstalten, stammt von Aiza Maraeva. Sie ist Studentin im Fachbereich Gastronomie an der Türkisch-Kirgisischen Manas-Universität und schreibt dieses Jahr ihre Diplomarbeit. Ihr Thema: „Wie kann die Gastronomie in Kirgistan verbessert werden?“.</p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Festival erwarteten den Besucher neben Kurut auch ökologisch hergestellter Honig, kirgisisches Brot, Quark, nationale Getränke sowie Schmuck und Souvenirs aus Filz. Aber die weiße Delikatesse stand im Mittelpunkt.</p>
<p style="text-align: justify">„Unser Ziel ist es, die Geschichte des Kurut, seine Nützlichkeit und die Produzenten einer breiteren Öffentlichkeit<!-- Das Wort «Volk» ist im Deutschen etwas schwierig, da es im Dritten Reich verwendet wurde – es klingt daher ideologisch. Es kommt immer auf den Kontext an, ob man es benutzen kann oder nicht. Ich versuche meistens, Synonyme zu verwenden. --> bekannt zu machen“, sagt Barisch<!-- Als du die Studentin erwähnt hast, dachte ich, dass jetzt auch ein Zitat von ihr kommt. Es kommt aber ein Zitat vom Direktor des Fachbereichs. Für uns ist allerdings das, was er sagt, nicht wichtiger, nur weil er der Direktor ist! Wenn es ihre Idee war, würde ich eher mit ihr über das Festival sprechen --> Erdem, Direktor der Hochschule für Tourismus und Gastronomie. „Die Bemühung um die Organisation des Festivals zählt als Diplomarbeit von Aiza Maraeva“, fügt er hinzu.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kurut in allen Variationen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zu dem Festival sind Kurut-Hersteller aus sieben Regionen Kirgistans <!-- Bei Ländern ist der Genitiv nie mit «des»: die Regionen Kirgistans, Deutschlands, Frankreichs, Russlands... usw. -->gekommen, um ihre Produkte vorzustellen. Darunter auch Amanova Aiymjan. Sie ist pensionierte<!-- «pensioniert» sein ist das gleiche wie «in Rente sein» --> Lehrerin und hat acht Kinder. Von klein auf an bereitete Aiymjan für ihre Familie Kurut zu. Auch andere Milchprodukte wie Käse, Sahne und Quark stellt sie her und schickt sie an ihre Kinder.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1156/13023185_988879207869225_911224445_n_2.jpeg" alt="Kurut Festival Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">„Wir haben viele Kühe und viel Milch. Die Frage, was wir mit der Milch machen, beschäftigte mich immer“, erklärt die 57-jährige. Vor einem Jahr gab es einen Wettbewerb für das beste<!-- Adjektiv, daher klein geschrieben --> Kurut.<!-- Hier wäre es gut gewesen, etwas mehr über den Wettbewerb zu wissen: wann, wo, wie viele Teilnehmer? → Nur ein Hinweis für nächstes Mal, hier lassen wir es so --> Die Gewinner erhielten eine Förderung, um<!-- Vor «um» immer ein Komma! --> ihre Arbeit weiter zu entwickeln. Aiymjan bereitete sieben<!-- Alle zahlen bis zwölf werden ausgeschrieben, danach dürfen Zahlen benutzt werden: ….zehn, elf, zwölf, 13, 14, 15... --> verschiedene Kurut-Sorten vor und gewann.</p>
<p style="text-align: justify">Seit dem Wettbewerb hat sie weitere hinzugefügt, wie zum Beispiel Variationen mit unterschiedlichem Gemüse, Obst oder Fleisch<!-- Vor der Aufzählung muss «mit» nur einmal stehen -->. Jetzt arbeitet sie gemeinsam mit fünf anderen Frauen.</p>
<p style="text-align: justify">„Kurut besitzt viele nützliche Funktionen für die Gesundheit“, weiß Aiymjan. Nach diesen teilt sie ihre<!-- Hier 3. Person Singular, daher klein schreiben --> Produkte in drei Gruppen ein: Kurut mit Dill, Möhren und Sanddorn zur Reinigung des Körpers, Kurut mit Roote Beete und Himbeere für Kinder und geräuchertes Kurut und Kurut mit Fisch für schwangere Frauen.</p>
<p style="text-align: justify">Ihre neueste Kreation, Kurut mit Radieschen und Frühlingszwiebel, heißt „Frühling“. Sie bereitet außerdem neue Kreationen für die Nomadenspiele vor, die im Herbst stattfinden<!-- Ein deutscher Leser weiß nicht unbedingt, was die Nomadenspiele sind -->. Darin treten Mannschaften aus mehreren Ländern Zentralasiens in Disziplinen wie Pferderingkampf und Mannschaftsspielen zu Pferd an. Aiymjan will die Gelegenheit nutzen und die kirgisische Küche einem internationalen Publikum vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kirgisisches Weltkulturerbe</strong></p>
<p style="text-align: justify">Eine andere Ausstellerin des Festivals ist Kongurbaeva Baktygul, die den vierten Platz in der Kategorie „Bestes Kurut“ erhielt. Auch sie betont die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kurut: „Es steigert die Immunität, verbessert den Appetit bei den Kindern, beinhaltet Calcium und hilft der Verdauung, wenn man es als Getränk zu sich nimmt“.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1156/13045598_988882434535569_1616194505_n.jpeg" alt="Kurut Bischkek Festival" /></p>
<p style="text-align: justify">Bäuerinnen wie Aiymjan und Baktygul werden auch von internationalen Organisationen unterstützt, so vom United Nations Development Program (UNDP).</p>
<p style="text-align: justify">„Wir arbeiten in 14 Dörfern, in denen wir Werkstätte für Kurut geschaffen haben. In jeder Werkstatt arbeiten fünf bis sechs Leute. Wir kaufen ihre Produkte und schaffen so Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung“, erklärt Moldokadyrov Nurbek, Spezialist beim UNDP. „Wir möchten, dass Kurut in Zukunft von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe<!-- So nennt man Kulturerbe, dass kein Gebäude, Ort etc. ist --> Kirgistans eingetragen wird.“</p>
<p style="text-align: right"><strong>Nuriipa Abdumalik Kyzy</strong><br />
<strong>Redaktion: Luisa Podsadny</strong></p>
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		<title>Der IS in Zentralasien &#8211; ein Mythos?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
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		<category><![CDATA[IS]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gulrano Ataeva, kirgisische Forscherin und ehemalige Beraterin der OSZE in Osch &#xFC;ber eine Frage, die die Fachwelt spaltet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Immer wieder weisen große Medien und zentralasiatische Regierungen auf die Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS) und seine mögliche Ausbreitung in Zentralasien hin. Die kirgisische Forscherin und Kolumnistin für das Projekt <a href="http://cesmi.info/wp/">Central Eurasian Scholars and Media Initiative</a>, Gulrano Ataeva, ehemals Beraterin der OSZE in Osch, schildert ihre Sichtweise.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ich komme aus Osch, einer der religiösesten Städte Kirgistans. Wenn ich Nachrichten über hunderte Männer und Frauen aus Zentralasien lese, die sich in <a href="http://blog.crisisgroup.org/europe-central-asia/2015/01/21/thousands-from-central-asia-joining-islamic-state/">Syrien</a> dem Dschihad anschließen, frage ich mich, was diese Geschichten mit meiner eigenen Stadt zu tun haben.</p>
<p style="text-align: justify">Zentralasien wird in lokalen und westlichen Medien immer wieder als Nährboden für religiösen Extremismus dargestellt. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen, wie diejenigen, die zu oft kollektiv verdächtigt werden, mit extremistischen Bewegungen wie dem IS zu sympathisieren, den Islam tatsächlich leben.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist wahr, wenn man durch Osch geht, fällt auf, dass sich immer mehr junge Menschen nach islamischen Regeln kleiden und viele neue Moscheen gebaut werden. Es scheint aber, dass religiöse Überzeugungen und Praktiken vielmehr im Vertiefen als im Aufkommen begriffen sind, wie der Kommentar einer Frau im Hidschab zeigt: „Die Frage ist nicht mehr, ob man einen Hidschab trägt oder nicht, sondern wie man ihn richtig trägt.“ Doch während man vor mehreren Jahren ein religiöses Mädchen an ihrem fest sitzenden Kopftuch und ihrer langen Kleidung erkennen konnte, gibt es jetzt verschiedene stilvolle Arten, ein Kopftuch zu tragen und Kleidung, die mit der neuesten Mode mithält – der Islam wird nicht nur stärker, sondern auch diverser.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Islam und Selbstfindung</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Natürlich geht es nicht nur um ordentliche Kleidung. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel wöchentliche Treffen von Frauen, die unter der Anleitung von Atynchas, weiblichen islamischen Gelehrten, den Koran lesen. Sie sind ein weit verbreitetes Phänomen in vielen Ortschaften und zumeist wohnen ihnen ältere Frauen bei, die keine Verpflichtungen mehr im Haushalt und der Kinderbetreuung haben. Ich hatte die Möglichkeit, den Inhalt, die Form und die Ideologie dieser Treffen zu erleben. Eine Gruppe besteht normalerweise aus einer Atyncha, die den Koran liest, und acht bis zehn Frauen, die ihre Worte nacheinander wiederholen. Sie korrigiert die Aussprache und kommentiert die Intonation der Frauen auf Grundlage des Tadschwid, den Regeln zur richtigen Aussprache und Rezitation des Koran.</p>
<p style="text-align: justify">Sie diskutieren ebenso die Bedeutung der Aya (Verse), manchmal, indem sie sie Zeile für Zeile übersetzen. Das übergeordnete Ziel ist es, den ganzen Koran rezitieren zu können. Bevor sich die Teilnehmerinnen mit dem Koran befassen, wird von ihnen verlangt, die grundlegenden islamischen Regeln zu studieren, so die fünf Säulen des Islam. Sie lernen die fünfunddreißig Fard (Regeln), sechs Kalima (Worte) des Glaubens, wie die Waschung vollzogen wird und Namaz, das tägliche Gebet. Außerdem lernen sie die neunundneunzig Namen von Allah, verschiedene Dua (Bitt- oder Dankesgebete) für unterschiedliche Lebenssituationen, sie studieren die Salawat (Segenssprüche) für den Propheten Mohammad und diskutieren die Leben der Sahabah (Weggefährten, Jünger und Familie des Propheten).</p>
<p style="text-align: justify">Erst nachdem sie zwölf eher kurze Suren (Kapitel) auswendig gelernt haben, beginnen die Schüler schließlich, den Koran auswendig zu lernen. Der Unterricht ist offen für alle, die Teilnahme ist nicht verpflichtend und bleibt schwankend. Sehr wenige Frauen lernen tatsächlich das ganze Buch, viele verlassen den Unterricht oder schließen sich anderen Gruppen an, um das Erlernte zu rekapitulieren. Meiner Ansicht nach und mit Hinblick auf die Treffen, denen ich beiwohnte, dient dieser Unterricht der eigenen Entwicklung als guter Muslim und zielt auf persönliche Besserung.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Mehr Kämpfer aus Westeuropa als aus Zentralasien beim IS</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">In der akademischen Welt ist eine kritischere Debatte bezüglich der Bedrohung des IS und seinen Auswirkungen in Zentralasien entstanden. Forscher des <a href="https://www.pism.pl/files/?id_plik=20020">Polish Institute of International Affairs</a> halten die zentralasiatischen Länder für gefährdet durch die Aktivitäten radikaler religiöser Organisationen, betonen aber auch, dass das Interesse der Bürger am IS niedrig bleibt. Im Vergleich zum Mittleren Osten, Nordafrika und Europa sehen sie die Länder Zentralasiens noch immer relativ frei vom Einfluss des IS. Entsprechend weist auch eine Studie des <a href="http://icsr.info/projects/western-foreign-fighters-syria/">International Centre for the Study of Radicalisation darauf hin</a>, dass es beim IS mehr ausländischen Kämpfer aus Westeuropa als aus Zentralasien gibt.</p>
<p style="text-align: justify">Edward James Lemon von der Universität Exeter hat Artikel der New York Times, Vice News, CNN, Washington Post und anderen <a href="http://blogs.exeter.ac.uk/excas/2015/06/13/is-tajikistan-really-jihads-next-frontier/">ausgewertet</a> und kommt zu dem Schluss, dass „die große Mehrheit der Artikel lediglich den dahingestellten Mythos einer islamischen Radikalisierung in Zentralasien aufrechterhalten“. Auf ähnliche Weise nennen John Heathershaw und David W. Montgomery die Behauptung einer muslimischen Radikalisierung in Zentralasien einen <a href="https://www.chathamhouse.org/sites/files/chathamhouse/field/field_document/20141111PostSovietRadicalizationHeathershawMontgomeryFinal.pdf">Mythos</a>, der von Sicherheitsanalysten und Kommentatoren genährt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Natürlich liest die breite Öffentlichkeit kaum Fachartikel und ist daher schlecht über Berichte informiert, die der dominanten medialen und staatlichen Sichtweisen widersprechen. In Osch hat das Aufkommen dieses Gerüchts alarmierende Auswirkungen auf die Bewohner. Angst und Misstrauen breiten sich aus und machen gläubig wirkende Menschen zu (potenziellen) Terroristen. Frauen, die den Hidschab tragen, berichteten mir von Personen, die ihnen auf der Straße „Terrorist!“ zurufen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Die islamistische Bedrohung als Vorwand für staatliche Repression</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Die Regierungen Zentralasiens ihrerseits sind nicht abgeneigt, von der öffentlichen Verunsicherung zu profitieren. Die tadschikische Regierung, zum Beispiel, hat den Druck auf Muslime erhöht und &#8222;präventive&#8220; Maßnahmen ergriffen (so ist es verboten, Neugeborenen <a href="https://iwpr.net/global-voices/tajik-muslims-told-change-names-ways">arabische Vornamen </a>zu geben, Männer dürfen keine Bärte tragen, Frauen keinen <a href="http://www.eurasianet.org/node/72816">Hidschab</a> etc.). Zivilgesellschaftliche Akteure beschuldigen Agenten des Kirgisischen Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit (GKNB) in Osch, die Bedrohung durch den Terrorismus als Vorwand zur Erpressung „verdächtiger Personen“ und zur <a href="http://www.eurasianet.org/node/72836">Einschüchterung</a> von Minderheiten zu nutzen.</p>
<p style="text-align: justify">Bis heute habe ich unter den Bewohnern von Osch keine Sympathien für den IS wahrgenommen. Doch Medienberichte, die ein verzerrtes Bild schaffen, und Regierungen, die die Angst vor dem Terrorismus für ihre eigenen Ziele ausnutzen und <a href="http://thediplomat.com/2015/09/trouble-in-tajikistan/">religiöse Gruppen</a> angeprangert und marginalisieren, riskieren, das Gerücht zur <a href="http://thediplomat.com/2015/05/missing-tajik-commander-shows-up-in-isis-video/">Realität</a> werden zu lassen.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Gulrano Ataeva, Kolumnistin der <em><a href="http://cesmi.info/wp/">Central Eurasian Scholars and Media Initiative</a></em> </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Englischen von Luisa Podsadny</strong></p>
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		<title>LGBT-Aktivist Georgy Mamedov erhält französischen Orden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Luisa Podsadny]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Mar 2016 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[LGBTI]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Interview mit dem Aktivisten Georgy Mamedov in Bischkek.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/lgbt-aktivist-erhlt-franzsischen-orden/">LGBT-Aktivist Georgy Mamedov erhält französischen Orden</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Georgy Mamedov, Intellektueller und Verfechter der LGBT-Bewegung in Kirgistan, wurde für seine Arbeit vom Kultusministerium Frankreichs ausgezeichnet. Mit Novastan hat er über die soziokulturelle Situation in Kirgistan und die Arbeit seiner Organisation gesprochen.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Überraschung war perfekt, als Georgy Mamedov, Artdirector der Schule für Aktivismus und Theorie in Bischkek (STAB), erfuhr, dass ihn das französische Kultusministerium zum „Chevalier de l&#8217;Ordre des Arts et des Lettres“ ernannt hatte. Georgy selbst weiß nicht, wie es zu der Entscheidung kam, ihm den Ehrenorden zu verleihen, das Ministerium hat dazu keine Auskünfte gegeben. Gleichviel, er ist stolz. Das von Fleur Pellerin, der Kultusministerin, unterzeichnete Diplom, hat er eingerahmt.</p>
<p style="text-align: justify">STAB hat sich seit der Gründung vor vier Jahren in Bischkek etabliert und große Erfolge verbucht. Mit der Unterstützung diverser Stiftungen arbeitet STAB vor allem im Bereich zeitgenössischer Kunst und Menschenrechtsschutz, insbesondere der Rechte von LGBT.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Georgy, was war Ihre Reaktion als Sie den Orden erhalten haben?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ich hatte das überhaupt nicht erwartet. Ich weiß nicht, nach welchen Regeln der Orden vergeben wird. Ich hoffe nur, dass ich ihn nicht dem Zufall verdanke oder man mich mit jemandem verwechselt hat. Vor längerer Zeit habe ich zwar das von Frankreich unterstütze Kulturzentrum Bactria in Duschanbe geleitet, aber meine Arbeit dort hatte nichts mit der französischen Kultur zu tun. Es stimmt allerdings, dass ich mich sehr für die französische Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessiere.</p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn die französische Philosophie in Kirgistan kein besonders prominentes Thema ist, stellt das kritische Denken im Frankreichs des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Teil unserer Kultur dar und die Arbeiten der Philosophen haben einen großen Einfluss auf das heutige kritische Denken. STAB als Vereinigung wirkt aktiv an der Gestaltung einer kritischen Kultur mit, wir beziehen uns oft auf Texte dieser Autoren, sei es im Rahmen von Seminaren oder in unseren Forschungsarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was ist das <a href="http://www.en.art-initiatives.org/?page_id=6830">„Manifest des queeren Kommunismus“</a>, das auf der STAB-Website veröffentlicht ist?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das Manifest steht für eine Gesellschaft, die nicht mehr auf der Trennung nach sozialen Klassen, dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung beruht, eine Gesellschaft, in der absolute Gleichheit herrscht. In unserer heutigen Gesellschaft sind Frauen die häufigsten Opfer von Gewalt und Erniedrigung. Zu vielen Berufen haben sie keinen Zugang, man gibt ihnen nicht die Wahl. Wenn ein Beruf zu riskant für eine Frau ist, warum ist er das nicht auch für einen Mann? Die ganze Welt, alle Gender, sollten sich vereinigen, damit niemand in Tätigkeiten ausüben muss, die unsere Gesundheit oder Leben gefährden.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie hier in Kirgistan?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Kirgistan ist ein offenes Land, in dem wir sehr einfach arbeiten können. Leider wird die Staatsmacht immer autoritärer, doch das breite zivile Engagement und der politische Protest, sowie einige nach der Revolution 2010 geschaffene demokratische Institutionen ermöglichen es, sich dem entgegenzustellen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Verstehen Sie sich als die Erben dieser Revolution?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Wir haben nichts mit der Revolution von 2010 zu tun, aber wir fühlen uns diesem Volksaufstand nahe. Kirgistan ist das einzige Land auf der Welt, das weiterhin an jedem 7. November (der 25. Oktober nach dem julianischen Kalender, Anm. d. Red.) die Große Sozialistische Oktoberrevolution feiert. Das zeigt, dass Kirgistan ein demokratisches Land ist, andernfalls wären die zwei Revolutionen und der Umsturz der Regierung unmöglich gewesen. Die Oktoberrevolution erinnert die Menschen daran, dass man sein Schicksal in die Hand nehmen kann, dass man ein bestehendes Regime in Frage stellen und auf ein besseres Leben hoffen kann. Und wenn die Staatsgewalt dem Volk diese Hoffnung nimmt, ist es in der Lage, diese zu stürzen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was denken Sie über die Entwicklung der Kunst in Kirgistan?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das ist schwer zu sagen. Um ein Beispiel zu geben: die Akademie der Schönen Künste bildet jedes Jahr ungefähr 50 Architekten aus. Aber wenn man sich die Architektur in Bischkek ansieht kann man sich fragen, ob das eine gute oder schlechte Sache ist. Der Bau des <a href="https://novastan.org/articles/die-amerikanische-universitt-zentralasiens-feiert-ihr-neues-gesicht">neuen Campus der Amerikanischen Universität (AUCA</a>) – das größte Projekt der letzten Jahre – wurde von einem amerikanischen Architekten umgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify">Lange war es unmöglich, mit Diplomen aus der Zeit der Sowjetunion eine Arbeit zu finden. Was in den 90er Jahren passiert ist, hat die Bevölkerung überrascht und schockiert. Zu Beginn der 2000er war es die liberale Utopie, die dominiert hat. Die Leute hatten das Gefühl, dass alle Schwierigkeiten, denen sie sich hatten stellen müssen, ihre Wünsche und ihre Leben vergeblich waren. Sie haben eine falsche Richtung eingeschlagen, im Austausch für das Versprechen einer Welt der Freude, des kapitalistischen Reichtums und des Wohlstands, der Zugehörigkeit zu einer zivilisierten Welt.</p>
<p style="text-align: justify">Aber diese Hoffnungen sind verschwunden. Man hat ihr Streben und ihre Identität in Frage gestellt, ohne etwas im Gegenzug zu bieten.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Und die Demokratie? Die <a href="https://novastan.org/articles/kirgistan-ergebnisse-einer-auergewhnlichen-parlamentswahl">letzten kirgisischen Wahlen</a> scheinen transparent abgelaufen zu sein&#8230;</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ja, die Wahlen waren relativ demokratisch. Aber trotz der vielen politischen Parteien, die angetreten sind, gibt es in Kirgistan keinen wahren Pluralismus. Die Parteien an der Macht sind alle konservativ und nationalistisch. Wir haben an einer Kampagne gegen das homophobe Gesetzesvorhaben teilgenommen, das dem Parlament vorlag und von allen großen Parteien unterstützt wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auch auf Novastan<em>: <a href="https://novastan.org/articles/kirgistan-bereitet-gesetz-gegen-homosexuelle-propaganda-vor">Kirgistan bereitet Gesetz gegen homosexuelle Propaganda vor</a></em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Stellen die Gruppen, welche das Gesetz unterstützen, für Sie eine echte Bedrohung war?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Alle aggressiven und xenophoben Gruppen sind natürlich eine Bedrohung für die Gesellschaft. Sie zögern nicht, ihre homophoben, nationalistischen und sexistischen Meinungen offen kundzutun. Aber sie sind Minderheiten. Wenn die schweigende Mehrheit diese Gruppen auch nicht unterstützt, so missbilligt sie sie auch nicht. Niemand ist bereit, ihnen ideologisch und politisch zu widersprechen. Die Menschen können ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen, das ist ihr Recht, aber die Frage ist, was ihre Argumente sind. Sie haben das Recht für ihre Werte zu kämpfen. Aber man muss auch wissen, welche Werte in einer bestimmten Gesellschaft dominieren.</p>
<p style="text-align: justify">Am Ende unseres Treffen spricht Georgy mit uns über die Konferenz des Therapeuten und Schriftstellers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Gray_(Therapeut)">John Gray</a>, Autor des Beststellers „Männer sind vom Mars, Frauen sind von der Venus“, die Anfang November auf dem Campus der Amerikanischen Universität stattfand. Georgy zufolge sind die Ansichten des Starautors offen sexistisch. Um ihen Unmut zu zeigen, betraten die STAB-Aktivisten während der Konferenz den Saal betreten und entrollten Banner mit der Aufschrift „Die Erde ist empört über Pseudowissenschaft und Sexismus“, was dem Gastredner offensichtlich missfiel. Kurz darauf wurde das Banner von Sicherheitskräften entzwei gerissen.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><em><strong>Dariya Kulova, Journalistin in Bischkek</strong></em></p>
<p style="text-align: right"><em><strong>Aus dem Französischen übersetzt von Luisa Podsadny</strong></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/lgbt-aktivist-erhlt-franzsischen-orden/">LGBT-Aktivist Georgy Mamedov erhält französischen Orden</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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