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	<title>djamiliad, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>djamiliad, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>&#8222;Essen zu verschenken&#8220; &#8211; Foodsharing in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Feb 2018 15:32:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Foodsharing ist in Bischkek ein junges Projekt. Mitstreiter zu finden, ist nicht immer einfach f&#xFC;r die Aktivisten. Aber die Bewegung w&#xE4;chst, denn Bed&#xFC;rftige gibt es genug in Kirgistans Hauptstadt, berichtet&#xA0;Dschamilija Dandybajewa auf&#xA0;stylish.kg. Wie alles begann W&#xE4;hrend die einen Kaviar und Austern schl&#xFC;rfen, bekommen die anderen den ganzen Tag gar nichts in den Magen &#x2013; dar&#xFC;ber [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Foodsharing ist in Bischkek ein junges Projekt. Mitstreiter zu finden, ist nicht immer einfach für die Aktivisten. Aber die Bewegung wächst, denn Bedürftige gibt es genug in Kirgistans Hauptstadt, berichtet <em>Dschamilija Dandybajewa</em> auf <a href="http://stylish.kg/blog/fudshering-v-bishkeke-kto-i-zachem-razdaet-edu">s</a><a href="http://stylish.kg/blog/fudshering-v-bishkeke-kto-i-zachem-razdaet-edu">tylish.kg.</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie alles begann</strong></p>
<p style="text-align: justify">Während die einen Kaviar und Austern schlürfen, bekommen die anderen den ganzen Tag gar nichts in den Magen – darüber habe ich, wie sicher  viele von euch, nachgedacht: Restaurantbesucher lassen Essen auf ihren Tellern liegen, weil sie es nicht mehr schaffen, und gleichzeitig wühlen sich Obdachlose durch Müllkippen und suchen nach weggeschmissenen Lebensmitteln. Meistens bleiben solche Gedanken einfach nur Gedanken, die ab und an an unserem Gewissen nagen.</p>
<p style="text-align: justify">Aber es gibt eine Bewegung, die diesen Gedanken weiter denkt: „Foodsharing“ will Essen retten. Kurz gesagt ist das Ziel der Initiative, genießbare Lebensmittel nicht wegzuwerfen. Stellt euch vor: Ihr erwartet Gäste und habt viel Beschbarmak (traditionelles zentralasiatisches Gericht aus Fleisch und Nudeln) gekocht, Fladenbrot und Bananen gekauft. Jetzt schafft ihr es aber nicht, den ganzen Beschbarmak rechtzeitig aufzuessen, die Fladenbrote werden schon trocken und die Bananen braun. Ihr könnt dieses ganze gute Essen ja schlecht wegschmeißen?</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisische-kuche-fur-fremde-gewohnungsbedurftig/">Kirgisische Küche: Für Fremde gewöhnungsbedürftig</a></strong></p>
<figure id="attachment_12637" aria-describedby="caption-attachment-12637" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-12637" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing1.jpg" alt="Nahrungsmittel, Foodsharing, Bishkek" width="960" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing1.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing1-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing1-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-12637" class="wp-caption-text">Nahrungsmittel zu verschenken</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Gleichgesinnte zu finden war einfach. Bermet Borubajewa hat sie alle zusammengebracht. Sie lebte damals in Moskau und engagierte sich in der dortigen Foodsharing-Initiative. Dort traf sie die Entscheidung, „Foodsharing in Bischkek“ ins Leben zu rufen und schrieb darüber in sozialen Netzwerken. Erst im Sommer konnte sie dann tatsächlich damit anfangen, Essen in Kirgistan zu retten. Die Gruppe um Bermet wuchs langsam – Nugul, Sajkal, Ermek und Askar stießen zu uns.</p>
<p style="text-align: justify">Wir teilten Bischkek in Bezirke auf. Jeder war für einen Bereich zuständig – je nach dem, wo er wohnt. Dann fingen wir mit Kleinigkeiten an, informierten die Besitzer von Cafés und Geschäften über unsere Initiative, fragten, ob sie Lebensmittel wegschmeißen müssen und boten an, das Essen an Bedürftigen zu geben. Leider waren nicht alle begeistert von dieser Idee.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders schwer war es, den Geschäftsleuten zu vermitteln, dass Obdachlose nicht mit Essensresten abgespeist werden können. Sie brauchen Lebensmittel, die noch gut sind, aber nicht rechtzeitig verkauft oder verarbeitet werden konnten. Bei uns in Kirgistan wird leider nicht so streng darauf geachtet, wie frisch die Lebensmittel in den Geschäften und Cafés sind. Die Unternehmer versuchen, das Maximum herauszuholen. Wir haben hunderte Absagen bekommen. Außerdem wurden unsere Freiwilligen oft gefragt: „Und was haben wir davon?“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Nächsten</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan haben viele Menschen Vorurteile gegenüber Obdachlosen. Sie wollen sie nicht unterstützen, weil sie glauben, ein Mensch, der auf der Straße landet, sei selbst schuld daran. Wir hingegen geben nach Möglichkeit allen Bedürftigen zu essen. Unsere Freiwilligen gehen zu den Obdachlosen. An vielen Plätzen in Bischkek kennt man uns schon. Foodsharing in Kirigistan unterscheidet sich von den Initiativen in anderen Ländern vor allem dadurch, dass wir nicht einfach nur nachhaltig sind, sondern auch wohltätig.</p>
<figure id="attachment_12638" aria-describedby="caption-attachment-12638" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-12638" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-1024x683.jpg" alt="Zivilgesellschaft, Rentnerin, Bischkek" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-1024x683.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-1300x866.jpg 1300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4-128x86.jpg 128w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing4.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-12638" class="wp-caption-text">Ein Aktivist von Foodsharing Bischkek gibt Lebensmittel weiter</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Meistens bekommen wir Backwaren geschenkt. Obdachlose freuen sich über alles. Am erfolgreichsten erwies sich die Zusammenarbeit mit einem Fast-Food-Unternehmen. Sie benutzen für ihre Sandwiches nur das Innere vom Brot, die Kanten schneiden sie ab. Dadurch bleiben regelmäßig mehrere Säcke Brotkanten übrig. Pro Woche bekamen wir 15 bis 20 Kilogramm von einer Filiale, insgesamt gibt es drei davon. Jetzt könnt ihr selbst ausrechnen, wie viel Brot verschwendet wird. Aber unsere Freiwilligen haben schnell Menschen gefunden, die diese Brotreste zu schätzen wissen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie funktioniert das?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Idee von <a href="https://foodsharing.de/">Foodsharing</a> kommt aus Deutschland. Die rationalen Deutschen teilen gerne ihr Essen, nicht nur aus Nächstenliebe, auch der Staat fördert solche Initiativen. Eine große Rolle spielte der deutsche Dokumentarfilm „Taste the Waste“, der 2011 in die Kinos kam. Wir waren sehr schockiert, als wir erfuhren, dass jährlich mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittel einfach weggeschmissen werden!</p>
<p><iframe title="Taste the Waste - Trailer (Deutsch)" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/SLyQc3mLD74?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: justify">Grob gesagt gibt es in Deutschland drei Formen von Foodsharing:</p>
<ul style="text-align: justify">
<li>Wenn Unternehmen Menschen etwas abgeben</li>
<li>Wenn Unternehmen anderen Unternehmen etwas abgeben (zum Beispiel an Wohltätigkeitsorganisationen)</li>
<li>Wenn Menschen anderen Menschen etwas abgeben</li>
</ul>
<p style="text-align: justify">Bermet Borubajewa wollte „Foodsharing in Bischkek“ weiter antreiben. Sie beobachtete lange, was den Erfolg der Initiative in Moskau ausmacht und war der Meinung, dass es bei uns genauso kommen kann. Wir fingen an, auf Informationsveranstaltungen Kinofilme zu zeigen. Später, als erste Freiwillige dazukammen, konnten wir damit anfangen, Essen zu retten. Die Hauptaufgabe von „Foodsharing in Bischkek“ ist es, brauchbare Lebensmittel vor dem Müll zu retten, egal, wie: Man kann es selbst essen, seinen Freunden schenken oder Obdachlosen geben.</p>
<p style="text-align: justify">Im Unterschied zu Deutschland, wo Foodsaver auf allen drei Ebenen tätig sind, arbeiten wir in Bischkek nur nach dem Verschenkprinzip. Das heißt, dass jeder unsere Freiwilligen anrufen und übrig gebliebenes Essen abgeben kann. Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, aktiv zu werden: In der Facebookgruppe <a href="https://www.facebook.com/groups/1124708317584531/about/">„Foodsharing in Bischkek/Ich verschenke Essen“</a> oder auf  Instagram bei  <a href="https://www.instagram.com/foodsharing.kg/">foodshering.kg</a> einen Beitrag erstellen. Unsere Freiwilligen sehen das und holen das Essen ab.</p>
<figure id="attachment_12639" aria-describedby="caption-attachment-12639" style="width: 907px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12639" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing3.jpg" alt="Zivilgesellschaft, Nahrungsmittel, Aktiv" width="907" height="960" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing3.jpg 907w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing3-283x300.jpg 283w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/02/foodsharing3-768x813.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /><figcaption id="caption-attachment-12639" class="wp-caption-text">Ein Flyer von Foodsharing Bischkek</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Traditionelles Foodsharing</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir Asiaten betreiben schon lange Foodsharing, ohne es zu wissen. Erinnert ihr euch an den Beschbarmak? Da ist  alles drin, was Leute so an Lebensmitteln übrig haben. Außerdem ist es bei uns üblich, sparsam mit Brot umzugehen.</p>
<p style="text-align: justify">Es gibt in Bischkek nicht allzu viele Stellen, wo wir Essen abholen können. Aber wir hoffen, dass immer mehr Unternehmen mit uns zusammenarbeiten wollen. Wenn unsere Freiwilligen losziehen, um Unternehmen anzuwerben, erzählen sie ausführlich von der Bewegung und fragen, ob oft brauchbare Lebensmittel weggeschmissen werden müssen. Wenn es solch ein Problem gibt, bieten sie den Eigentümern eine Alternative an – nicht wegschmeißen, sondern uns geben. Manche willigen ein, manche sagen, sie müssen erst darüber nachdenken, und manche lehnen sofort ab. Aber diese Absagen schrecken uns nicht ab. Wir glauben an das Gute.</p>
<p style="text-align: justify">In Moskau läuft Foodsharing gut. Über Gruppen in sozialen Netzwerken geben Leute alles Mögliche ab, von nicht aufgegessenen Frikadellen, über frischgekochte Brühe, Kekse, Kakao, Kindernahrung, bis hin zu Eingemachtem für den Winter. Hier in Bischkek nimmt die Bewegung gerade erst Fahrt auf.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gespendetes Essen muss gut sein</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gab einige unschöne Zwischenfälle. Zum Beispiel beschloss eine große Restaurantkette nach anderthalb Monaten Verhandlungen, sich bei „Foodsharing in Bischkek“ zu engagieren. Sie baten unsere Freiwilligen, abends vorbeizukommen, kurz vor Ladenschluss. Dann gaben sie uns 16 Flaschen Mirinda und einen Käsekuchen. Kurz darauf, als wir etwas genauer hinsahen, bemerkten wir, dass die Limonade schon fünf Monate abgelaufen war, und der Käsekuchen war auch nicht mehr ganz frisch. Eine Pizzeria enttäuschte uns, als unsere Foodsaver dort eine Tüte mit schimmliger Pizza bekamen. Natürlich geben wir solche Lebensmittel an niemanden weiter. Wir mussten alles wegschmeißen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/randphanomen-freiwilligenarbeit/">R</a><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/randphanomen-freiwilligenarbeit/">andphänomen Freiwilligenarbeit — Zentralasiens Sozialpioniere</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist wichtig, zu erklären, dass wir unter Foodsharing kein schlecht gewordenes Essen verstehen. Alle Lebensmittel, die gespendet werden, müssen frisch sein, auch wenn Bananen und anderes Obst und Gemüse natürlich ein paar Dellen haben dürfen. Essen zu retten, ist das eine Ziel von „Foodsharing in Bischkek“. Das zweite: Darüber aufklären, wie Lebensmittel aufbewahrt werden müssen, damit sie nicht schlecht werden.</p>
<p style="text-align: justify">In Bischkek gibt es viele Menschen, die gerne Essen annehmen: Rentner, kinderreiche Familien, Obdachlose, Straßenkinder und sogar Studenten. Aber wir stoßen oft auf Unverständnis bei den Cafés und Restaurants. Unser Problem: Foodsharing ist für viele Bischkeker etwas ganz Neues und wir können die Restaurantbesitzer nicht immer davon überzeugen, dass ein so einfacher und humanistischer Akt so einen großen Nutzen haben kann.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wovon jeder Foodsaver träumt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für die Bedürftigen wäre es viel einfacher, wenn es in der Stadt sogenannte öffentliche Kühlschränke gäbe. Die Idee: Jeder, der mag, kann dort Essen hineinstellen, und der, der Hunger hat, nimmt sich etwas heraus. Seit dem Sommer verhandeln wir mit einem Haushaltstechnikgeschäft. Sie haben angeboten, sich an der Aktion zu beteiligen. Wer einen neuen Kühlschrank kauft und dabei einen alten spendet, sollte einen großzügigen Rabatt bekommen. So wollten wir zehn gebrauchte Kühlschränke zusammen bekommen. Die Aktion wurde aber vorübergehend gestoppt.</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiteres Problem: geeignete Orte für die öffentlichen Kühlschränke finden. Wir suchen Stellen, wo bedürftige Bevölkerungsschichten öfter vorbeikommen. Aber sie müssen auch so liegen, dass die Kühlschränke intakt bleiben, und, das Wichtigste – dass sie regelmäßig aufgefüllt werden.</p>
<p style="text-align: justify">Informationen über uns findet ihr auf den Seiten <a href="https://www.facebook.com/groups/1124708317584531/about/">„Foodsharing in Bischkek/Ich verschenke Essen“</a> auf Facebook oder auf <a href="https://www.instagram.com/foodsharing.kg/">foodshering.kg</a> auf Instagram.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Dschamilija Dandybajewa<br />
</strong><strong><a href="http://stylish.kg/blog/fudshering-v-bishkeke-kto-i-zachem-razdaet-edu">s</a><a href="http://stylish.kg/blog/fudshering-v-bishkeke-kto-i-zachem-razdaet-edu">tylish.kg</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Christina Spitzmüller</strong></p>
<p style="text-align: justify">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in Eurer Mailbox könnt ihr Euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Kirgistan: Die Grenzen des Wissens erweitern</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-die-grenzen-des-wissens-erweitern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2017 06:46:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgisisch]]></category>
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		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt nur relativ wenige wissenschaftliche Inhalte in kirgisischer Sprache, so dass Kirgisen, die keine weitere Sprache wie Russisch oder Englisch beherrschen, zu vielen Informationen keinen Zugriff haben. Verschiedene Initiativen versuchen das zu &#xE4;ndern und besonders im Internet das kirgisischsprachige Segment zu erweitern. Ein Bericht von Dschamilia Dandybajewa aus Bischkek. Enzyklop&#xE4;dien und Sachb&#xFC;cher aus der [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Es gibt nur relativ wenige wissenschaftliche Inhalte in kirgisischer Sprache, so dass Kirgisen, die keine weitere Sprache wie Russisch oder Englisch beherrschen, zu vielen Informationen keinen Zugriff haben. Verschiedene Initiativen versuchen das zu ändern und besonders im Internet das kirgisischsprachige Segment zu erweitern. Ein Bericht von Dschamilia Dandybajewa aus Bischkek.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Enzyklopädien und Sachbücher aus der Hausbibliothek zur Seite legend, sind wir es gewohnt Informationen bei Wikipedia zu suchen. Aber wie kommt man an das gesuchte Wissen, wenn man zum Beispiel ein kirgisischsprachiger Schüler oder Student auf dem Land ist? Daran arbeitet „Kirgisisches Wikipedia“, ein Projekt zur Entwicklung der kirgisischsprachigen Inhalte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das kirgisische Wikipedia entwickeln</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Projekt begann 2011 mit dem Ziel das <a href="https://ky.wikipedia.org/wiki/%D0%91%D0%B0%D1%88%D0%B1%D0%B0%D1%80%D0%B0%D0%BA">kirgisischsprachige Segment</a> der weltweiten Enzyklopädie Wikipedia zu erweitern. Die Artikel bei Wikipedia werden von den Nutzern selbst erstellt, daher ist die Hauptaufgabe des Projektes eine starke Gemeinschaft aktiver Nutzer zu schaffen, die neue kirgisischsprachige Artikel schreiben und alte redigieren können. Als Kirgisisches Wikipedia startete, gab es kaum mehr als 1500 Wikipedia-Artikel auf kirgisisch.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/podcast-die-oesterreich-bibliothek-in-bischkek/">Bischkek soll Welthauptstadt der Literatur werden</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Heute ist die Zahl auf über 80 000 gewachsen. Aber wie die Redakteure selbst anerkennen, ist vor allem der pädagogische, wissenschaftliche und analytische Inhalt stark begrenzt und muss dringend ergänzt werden. In die Richtung arbeitet die öffentliche Stiftung „Bisdin Muras“ (Unser Erbe), die das Projekt „WikiTranslate2017“ mit Unterstützung der Stiftung „<a href="http://soros.kg/?lang=en">Soros-Kirgistan</a>“ durchführte.</p>
<p style="text-align: justify">Die Initiative zielt darauf ab, interessante Inhalte Wikipedias ins Kirgisische zu übersetzen. Die Übersetzungen werden über Google Translate realisiert, um auch die Qualität der kirgisischen Übersetzungen auf dieser Plattform zu verbessern.</p>
<figure id="attachment_11827" aria-describedby="caption-attachment-11827" style="width: 1200px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11827 size-full" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1.jpg" alt="Übersetzer Wikipedia auf Kirgisisch" width="1200" height="801" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1.jpg 1200w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1-768x513.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1-1024x684.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/12/KG_Wikipedia_1-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption id="caption-attachment-11827" class="wp-caption-text">Einer der Englisch-Kirgisisch übersetzer des kirgisischen Segments von Wikipedia</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">„<em>Es gibt viele hochwertigen Inhalte, die wir legal und unentgeldlich zu Bildungs- und zu anderen Zwecken übersetzen und anpassen können. Es ist wichtig, Erfahrung in der schnellen Anpassung von Wissen zu gewinnen und die nötigen Instrumente dafür zu schaffen. Der erste erfolgreiche Schritt in diese Richtung ist getan, indem Artikel übersetzt wurden, die besonders für Jugendliche interessant sind: über Filme, Musik, Berühmtheiten, Schriftsteller, Bücher, Gelehrte, IT und weiteres</em>“, erzählen die sogenannten Wikipedisten. Ihr Ziel: Bis Ende 2018 die Anzahl der kirgisischsprachigen Artikel auf 100 000 zu bringen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong> „Open-source“ auf kirgisisch</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es wurde bereits eine große Arbeit zu offenen Bildungsquellen geleistet. Etwa die Erstellung der „<a href="http://www.lib.kg/">offenen Bibliothek</a>“. Dort hat man freien Zugriff auf Schulbücher und Lehrmethoden, auf ganze Dissertationen, Manuskripte von in der Sowjetzeit verbotetenen Schriftstellern wie Kasym Tynystanow und Scans der Manuskripte der nach Tschingis Aitmatow benannten Stiftung für Sprache une Literatur der kirgisischen Akademie der Wissenschaften.</p>
<p><strong>Hört auch unseren Podcast: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/podcast-die-oesterreich-bibliothek-in-bischkek/">Die Österreich-Bibliothek in Bischkek</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch die Nationalbibliothek stellt dort schon über 300 Bücher zur freien Verfügung und plant demnächst weitere 3000 hochzuladen. Für die <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/phanomen-manastschi/">Manasstudien</a> war bereits die Digitalisierung des Manuskriptes des Manas Epos von <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgisischer-film-sajakbaj-in-montreal-pramiert/">Sajakbaj Karakajew</a> ein riesiges Geschenk.</p>
<p style="text-align: justify">Einen nicht minderen Beitrag zur kirgisischsprachigen Online-Bildung leistet das Portal bizdin.kg, das über 600 gedruckte und Hörbücher auf kirgisisch sammelt. Die Begründer des Portals legen ein besonders Augenmerk darauf, dass ausländische Märchen und Literatur ins kirgisische übersetzt werden.</p>
<p style="text-align: justify">Solch Bildungsinitiativen tragen dazu bei, den Wissensdurst der kirgisischsprachigen Jugend zu stillen. Die ersten Schritte sind getan. Das kirgisische Wikipedia füllt sich langsam aber sicher. Wichtig ist vor allem die Qualität, nicht die Menge. Denn Internet ist nicht nur ein Medium zur Unterhaltung, sondern auch ein Hilfsmittel in der Bildung. Da kommt das Angebot ganz mit der Nachfrage.</p>
<p style="text-align: right"><strong>                                                                                                                Dschamilia Dandybajewa</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Tscholpanaj Borubajewa, Filmemacherin aus Kirgistan: &#8222;Ich behaupte nicht, Regisseurin zu sein&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2015 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespr&#xE4;ch mit Tscholpanaj Borubajewa, kirgisische Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Das Dritte Forum des jungen Kinos „Hoffnung“ bringt die Sterne zum Leuchten. Der philosophische Film „Topurak“ ließ niemanden gleichgültig und machte sich viele Auszeichnungen zu eigen. Wir haben uns entschieden, mit der Produzentin dieses Films zu sprechen, der jungen Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin, Tscholpanaj Borubajewa.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was waren Ihre liebsten Filme oder Zeichentrickfilme in Ihrer Kindheit?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Damals hatten wir keine DVDs. Ich habe alles, was im Fernsehen kam, sehr gemocht und geschaut. Vor allem mochte ich den Zeichentrickfilm „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=LtB62BCdsL4">Es war einmal ein Hund</a>“ und auch meine Kinder finden Gefallen an dieser Geschichte. Als ich meinen Kindern diesen Zeichentrickfilm vorgespielt habe, habe ich mir zum ersten Mal Fragen zu seiner Dramaturgie gestellt. Als Kind hat mich diese Geschichte gebannt und köstlich amüsiert, heute bemühe ich mich, jede Szene zu hinterfragen. Mein allerliebster Film aber ist „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mimino">Mimino</a>“. Da stimmt einfach alles: das Ensemble, die Regie und Kameraführung, aber auch die musikalische Gestaltung. Immer, wenn ich traurig bin, schaue ich mir diesen Film an. Das Thema „Rückkehr in die Heimat, zu den eigenen Wurzeln“ gefällt mir sehr!</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org: <a href="https://novastan.org/articles/welche-zukunft-hat-das-kirgisische-kino">Welche Zukunft hat das kirgisiche Kino?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Auf welche Weise hat sie die Welt des Kinos in seinen Bann gezogen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nachdem ich die Schule abgeschlossen habe, wollte ich Journalistin werden, aber mein Vater hat mich rechtzeitig davon abgehalten. Daraufhin habe ich ein Studium an der Fakultät für Theater und Film des Instituts für Künste namens B. Bejschenalijewa mit dem Schwerpunkt auf Filmregie begonnen. Ich hatte sehr viel Glück mit meinen Mentoren, denn die Größen des Filmgeschäfts Kirgisistans haben mir alles beigebracht, was ich heute kann. Ein weiterer Meilenstein war meine Zeit im Kindermedienzentrum, wo ich im Jahre 2003 meine Ausbildung begann.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Regisseure, die ich bisher interviewen durfte, sagen immer zu, das Kino sei magisch. Worin sehen Sie die Magie des Kinos?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Film gibt es eine natürliche Selektion. Sehr viele junge Menschen kommen zum Kino. Manche haben ein Talent und das Zeug dazu, manche haben es nicht. Filmschaffende, das sind Wahnsinnige und Fanatiker im positiven Sinne. Wo sonst trifft man auf Menschen, die um vier Uhr morgens aufstehen, um den Sonnenaufgang zu filmen? Mir gefällt es auch, wenn Menschen zusammenkommen, die eine Arbeit vereint. Auf der Bühne wachsen wir zu einer großen, glücklichen Familie zusammen. Der aller schönste Moment ist für mich, wenn ich die Früchte meiner Arbeit nach einem Dreh sehe, über den Schlafmangel hinweg erarbeitet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Meiner Einschätzung nach, scheinen Sie eine sehr gutmütige Person zu sein. Fällt es Ihnen leicht, die Regieleitung zu übernehmen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Wirklichkeit bin ich ein sehr fordernder Mensch. Mein Weg hat bei der allerersten Stufe begonnen: Ich habe als Regieassistentin und als Zweite Direktorin gearbeitet. Ich habe also sehr viel Erfahrung in diesem Bereich. Ein Regisseur muss immer bis aufs Äußerste fokussiert und unheimlich diszipliniert sein. Er muss immer auf Trab sein, weil seine Energie auf das ganze Team wirkt. Er darf nicht hart zu ihm sein,  denn das Wichtigste ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, die ein angenehmes und effizientes Arbeiten ermöglicht. Nach zehn Jahren Arbeit im Kino habe ich verstanden, wie ein Filmdreh funktioniert. Leider gibt es aber Menschen, die so tun als wären sie Regisseure. In meiner Arbeit versuche ich, das zu umgehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mit welchen namenhaften Regisseuren konnten Sie zusammenarbeiten und was konnten Sie aus dieser Zusammenarbeit für sich mitnehmen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Als ich das erste Mal zum Kino kam, habe ich mit dem Regisseur <a href="http://www.kyrgyzcinema.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=44%3Aryspaev-erkin&amp;catid=3%3Adirector-&amp;Itemid=55&amp;lang=ru">Erkin Ryspajew</a> zusammengearbeitet. Leider weilt er nicht mehr unter uns. Ich habe in seinem Film „Die Liebe als Prüfung“ eine Rolle gespielt. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, die Vorbereitungen des Films „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=KSM4qF2chTU">Das Licht</a>“ von Aktana Abdykalykowa zu unterstützen. Ich hatte also das Glück ausgerechnet mit den Regisseuren zusammenzuarbeiten, die sehr viel Lebens- und auch Berufserfahrung haben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie gehen Sie mit Kritik um?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wissen Sie, wenn es sich dabei um konstruktive Kritik handelt, kann ich sehr gut mit ihr umgehen. Meine Debutarbeit „Kalpak“ übermittelt eine tiefgründige und positive Nachricht, es handelt sich bei ihr aber auch um ein Low-Budget-Projekt, weswegen ich mit sehr viel Kritik konfrontiert wurde.</p>
<p style="text-align: justify">[youtube https://www.youtube.com/watch?v=gEtzbsz6WVw]<br />
<em>Der Kurzfilm „Kalpak“ [ein traditioneller kirgisischer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalpak">Filzhut</a>] von Borubajewa. </em></p>
<p style="text-align: justify">Genau aus diesem Grund aber konnte ich mich an meine nächste Arbeit, den Film „Topurak“, wagen. Seine Qualität ist um Einiges besser und auch meine Einstellung zur Arbeit hat sich durch diese Kritik gewandelt: Heute nehme ich meine Arbeit ernster denn je.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wessen Meinung bedeutet Ihnen am meisten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sehr wichtig sind mir die Meinungen der Filmemacher Emil Dschumbajew und Marta Alykulowa. Aber auch die Meinung meiner Brüder, die immer mit mir fiebern und bangen und denen ich nicht egal bin, beutet mir sehr viel. Denn sie achten auf meine künstlerische Zukunft, auf mein Künstlerschicksal. Und auch meine Eltern und mein Ehemann unterstützen mich von Grund auf. Er ist auch Filmemacher und kennt sich daher mit dieser Branche sehr gut aus. Oft kann er mir einen Rat geben und mir den richtigen Weg weisen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie sind Sie zu Hause?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Zu Hause bin ich Mutter, Ehefrau und Schwiegertochter. Ich kann nicht behaupten, dass ich meinen Kindern alles erlaube. Mein Mann liebt es, unsere Kinder zu verziehen, und ich bin genötigt, streng zu sein, um die Balance zu halten. Das Prinzip: Zuckerbrot und Peitsche (lächelt).</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Würden Sie es befürworten, wenn Ihre Kinder in Ihre Fußstapfen treten würden?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Unsere Tochter ist ein sehr künstlerisches Kind. Sie hat in einem Film von Elnura Osmonalijewa mitgespielt. Sie ist insgesamt sehr kreativ. Sie sang sogar bereits im Chor „Schoola“ mit. Außerdem hat sie ein grandioses Gedächtnis: Sie hört sich ein Gedicht bloß einige Male an und kennt es bereits auswendig. Was unseren Sohn angeht, befürchte ich, dass er den Wunsch hegt, Stuntman zu werden. Jeden Tag verabschiede ich meinen Mann schweren Herzens zur Arbeit und mache mir Sorgen um die Gesundheit unseres Sohnes. Aber natürlich bin ich nicht in der Lage, über seine Zukunft zu entscheiden. Abwarten und Tee trinken heißt es also.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Tscholpanaj Borubaewa sieht sich in erster Linie als Mutter. Die Regie bedeutet für sie nicht mehr als Arbeit. Sie ist bis aufs Tiefste davon überzeugt, dass man nicht einfach entscheiden kann, ob man RegisseurIn wird oder nicht. Entweder man ist es oder eben nicht. Nun bleibt jedoch die Frage: „Wer ist sie?“, die den jungen Regisseur zwingt, kritisch mit ihrer Arbeit umzugehen. Ehrgeiz, Bescheidenheit und die ständige Gier nach Wissen, darin unterscheidet sich Borubajewa von den vielen anderen ambitionierten Regisseuren. Sie ist der Meinung, dass man nur aus diesem Grund den Titel des Regisseurs / der Regisseurin verdient habe.</em></p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Mit Tscholpanaj Borubajewa sprach Dschamilia Dandybaeva<br />
Autorin für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von<br />
Olga Zoll</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="_appInstalled"></div>
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		<title>Welche Zukunft hat das kirgisische Kino?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Apr 2015 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kinoforum &#34;&#220;m&#252;t&#34; bietet jungen kirgisischen Filmemachern die Gelgenheit, ihre Werke vorzustellen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Vom 18. zum 20. März fand in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek unter dem Titel „Ümüt“ (Hoffnung) das </em><a href="http://www.kyrgyzcinema.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1782:third-forum-for-the-young-cinema-hope-jury&amp;catid=30:film-news&amp;Itemid=4&amp;lang=ru">dritte Forum</a><em> für junges Kino statt. Symbol des Forums ist eine sich öffnende Rosenknospe &#8211; wie sie sollen sich die jungen Regisseure mit der Zeit offenbaren. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Ümüt ist eines von mehreren Kinoforen, die in den letzten Jahren gegründet wurden. Es unterscheidet sich jedoch von den anderen. Es hat ein menschliches Gesicht, das vieles, und manchmal gar alles verzeiht. Es kann gar nicht zu rechtfertigende Tat erklären und in einem anderen Licht erscheinen lassen.</p>
<p style="text-align: justify">Das kirgisische Kino könnte professioneller sein, aber in Sachen Energie, Ideenreichtum und Lebendigkeit scheint es allen eine Nase voraus. Es gibt dort weder komplette Neulinge, noch Provinzlertum, nur Energie und eine unglaubliche künstlerische Aktivität. Dazu kommt, dass einige Filme im Wettbewerb ganz ohne öffentliche Mittel gedreht wurden, wie zum Beispiel der Dokumentarfilm „<a href="http://www.kyrgyzcinema.com/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=1717&amp;Itemid=4&amp;lang=ru">Metallisches Brot</a>“ von Tschingis Narynov.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 336px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/876/11150419_830158747057421_7144149442387643524_n.jpeg" alt="Metallisches Brot" /></p>
<p style="text-align: justify">Während des Forums befassten sich vier Jurys mit der Bewertung der Werke: die Jury für Kurzfilme, für Dokumentarfilme, die Jugend- und die Studentenjury. Die Schriftstellerin Diana Svetlitschnaya erzählt Novastan von ihrer Teilnahme an dem Forum.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Diana, wie war es, Mitglied der Jury für Dokumentarfilme zu sein?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Initiatorin des Kinoforums „Ümüt“, Gulbara Tolomuschova &#8211; ein Mensch, der das Kino lebt -, hat mich eingeladen, der Jury beizutreten. Es war für mich die erste Erfahrung dieser Art und natürlich interessant, lehrreich und auch schwierig. Vor allem habe ich erlebt, wie unsere jungen Regisseure sich zwischen all den Clips, Spielfilmen und kommerziellen Projekten trotzdem für etwas Großes interessieren. Dass sie experimentieren, sich suchen. Zweitens sah ich das Leben durch die Augen zwanzigjähriger Menschen, denn das war genau das Durchschnittsalter der Nominierten. Und ich habe viele Emotionen erfahren, von Enttäuschung hin zu Bewunderung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nach welchen Kriterien haben Sie die Arbeiten bewertet?</strong></p>
<p style="text-align: justify">All die üblichen Kriterien wie das Bild, die Aktualität des Themas, die Darstellung und die technischen Fertigkeit wurden natürlich berücksichtigt. Doch bei Dokumentarfilmen wie auch in der Kunst sagt das wenig aus. Ein idealer Film ist einer, der nicht analysiert werden kann. Einer, der den Atem raubt, auf den der ganze Organismus reagiert. Er erfasst einen vom ersten Bild an und lässt einen auch nach dem Abspann nicht los. Ich kann nicht sagen, dass ein solcher Film präsentiert wurde. Aber einige Autoren haben sich daran versucht.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/876/11099994_830158750390754_280479575386118532_n.jpeg" alt="Umut Kino Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was haben Sie gefühlt, als Sie die Filme gesehen haben?</strong></p>
<p style="text-align: justify">An Emotionen hat es nicht gefehlt. Manchmal war ich dem Regisseur böse wegen seiner Berechenbarkeit, wegen der Verwechslung von Genres, seiner Schlampigkeit oder seiner Fahrlässigkeit. Ich konnte mich auch von einigen Details oder Funden überraschen lassen. Einmal hätte ich beinahe den Saal verlassen: Ich konnte mir nicht anschauen, wir Jäger Wölfe jagten. Ich habe mich auch geärgert, als einige Bilder nichts als « Müll » enthielten. Es sollte etwas anderes als nur soziale Themen in dem Film enthalten sein. Niemand hat sich an andere Themen gewagt. Armut, sozialer Rückstand und die Zerstörung von Schicksalen sind die Hauptthemen der Arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Hat das kirgisische Kino eine Zukunft?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin mir ziemlich sicher, dass die jungen Leute, die an dem Forum teilgenommen haben, ihre künstlerische Suche nicht unterbrechen werden. Sie haben Feuer in den Augen, interessieren sich für das Leben. Das ist das wichtigste für einen Dokumentarfilmer. Heute feiert das kirgisische Kino seine zweite Geburt.</p>
<p style="text-align: justify">Die goldene Zeit des „kirgisischen Wunders“ liegt in der sowjetischen Vergangenheit. Heute müssen die Regisseure alles von Null aus anfangen. Die jungen Regisseure machen ihre ersten Schritte. Noch sind sie unsicher, wackelig. Ich möchte ihnen von Herzen Glück wünschen. Ich sage damit nichts Neues: Sie wissen selbst, dass nur die stärksten es schaffen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Es kann sein, dass sich durch unsere Kinoforen nichts ändert, aber ich habe das Gefühl, dass bei dieser Menschlichkeit, dieser normalen und gesunden Beziehung zum Geschehen eine solche Änderung nötig ist. Dass das Forum für Jugendkino nicht nur existiert, um sich selbst zu rechtfertigen, sondern für etwas Größeres. Es ist da, damit diese Verrückten, die in der Welt der Filme arbeiten, sich nicht wie Fremde in einem Vakuum fühlen. Damit sich hier die zerstreuten Kräfte des Kinos treffen: Regisseure, Produzenten und Verleiher. Das Forum erfüllt so seine Funktion, und simuliert sie nicht nur.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Djamilia Dandybaeva<br />
Novastan.org, Bischkek</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>In Bischkek: „Das Archiv ist die letzte Instanz der Wahrheit“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Filmarchiv ist der Ort, an dem die wertvollsten audiovisuellen Denkm&#xE4;ler der Geschichte und Kultur gespeichert werden sollten. Doch der Erhalt dieser audiovisuellen Dokumente ist gef&#xE4;hrdet.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>In Kirgisistan scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Probleme werden erst spät oder gar nicht gelöst. Seit mehreren Jahren bittet das Zentrale Staatsarchiv für Audiovisuelle Dokumente die Regierung bereits um finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Geräten zur Digitalisierung seiner Dokumente sowie um die Bereitstellung eigener, separater Räumlichkeiten. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify"><em>Das Filmarchiv ist der Ort, an dem die wertvollsten audiovisuellen Denkmäler der Geschichte und Kultur gespeichert werden sollten. Doch der Erhalt dieser audiovisuellen Dokumente ist gefährdet. Novastan hat sich mit dem Direktor des Zentralen Staatsarchivs für Audiovisuelle Dokumente, B. H. Amankanovoy, getroffen und ihn dazu befragt.</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Herr Amankanovoy: Wie lange schlagen Sie bereits Alarm, dass Ihre Archive digitalisiert werden müssen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit der Einführung der Digitaltechnik. Früher dachten wir, dass besonders seltene Dokumente auf Film festgehalten werden sollten. Nachdem Filmstreifen teurer wurden, fassten wir auch die digitale Form ins Auge. Wir streben bisher leider vergeblich danach. Wir haben hier im Land eine große Zahl von Archiven. Alle haben ihre eigenen Probleme. Und es ist klar, dass es nicht möglich ist, alle Probleme auf einmal zu lösen. Daher wird an einem Programm gearbeitet, das festhalten soll, was jedes Archiv benötigt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Was hat sich Ihrer Meinung nach über die Jahre verändert?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nichts hat sich geändert. So besteht das Problem auch weiterhin, das und die Kosten.</p>
<p style="text-align: justify">Wir haben uns an die Regierung gewendet, das Parlament, aber überall hören wir, dass der Staatshaushalt dafür kein Geld hat. Und da kein Geld da ist, kann der Staat uns auch die geplante Hilfestellung nicht leisten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Welches Problem hat ihrer Meinung nach Vorrang: Der Wechsel zur Digitalisierung oder ihre eigenen Räumlichkeiten?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die eigenen Räumlichkeiten natürlich. Wir sollten wie alle Institutionen ein eigenes Gebäude haben. Momentan befinden wir uns im Haus des Nationalarchivs. Aber der Erhalt eines eigenen Gebäudes und die Digitalisierung können auch parallel zueinander stattfinden. Um die seltenen Filme zu retten müssen wir sie digitalisieren, so wie es in der modernen Welt getan wird.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/778/954816_744770252262938_5135660420049006962_n.jpeg" alt="Filmarchiv Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">Trotzdem wird nicht aufgehört an der Erhaltung der Filme zu arbeiten: befeuchten, entstauben, restaurieren. Das ist jedoch nicht genug. Um eine wirkliche Erhaltung zu gewährleisten, müssen die einzigartigen Dokumente digitalisiert werden. Die frühesten stammen aus den Jahren 1923-1928. Kirgistan ist das einzige Land in Zentralasien, das noch nicht mit der Digitalisierung begonnen hat. Das Problem ist, dass dafür Ultraschall-Reinigungsgeräte, eine Filmkamera und ein großer Speicher zur Datensicherung gekauft werden müssen. Preislich liegen die Anschaffungskosten bei etwa 65 Millionen Som (etwa 900.000 Euro). Aber, wie gesagt, es gibt kein Geld und wann es kommt ist unklar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Herr Amankanovoy,</em> w<em>enn sie nicht im Archiv angestellt wären, würden Sie die Erhaltung der Dokumente auch als wichtig erachten?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Archiv ist die letzte Instanz der Wahrheit. Daher die Aufmerksamkeit. Im Archiv befinden sich beispielsweise Aufzeichnungen zum Bau des großen Tschüikanals (eines der größten Bewässerungseinrichtungen Kirgistans. Der Kanal fließt quer durch Bischkek, anm. d. Red.). Sie können nachsehen, wer sie erbaut hat und wie sie erbaut wurden. Nicht in Worten, sondern wie im Leben, als ein historischer Moment, der visuell noch einmal von späteren Generationen erfahren werden kann. Alle Archivdokumente sind Primärquellen, auf die wir uns verlassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Djamilia Dandybayeva</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Martin Stein</strong></p>
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		<title>Auf der Flucht – Kirgisische Gastarbeiter in Russland</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/auf-der-flucht-kirgisische-gastarbeiter-in-russland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Aug 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gastarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://novastan.org/de/?p=1605</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mehrere Millionen Zentralasiaten zieht es jedes Jahr nach Russland, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Eine Begegnung am Bahnhof in Kara-Balta (Kirgistan).</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Dieser Artikel wurde im Rahmen der Zentralasiatischen Schule für modernen Journalismus (OSZE/ Deutsche Welle) geschrieben. Eine weitere Version wurde bei dem Nachrichtenportal <a href="http://kloop.kg/blog/2014/08/04/pobeg/">Kloop.kg veröffentlicht</a>. Wir übernehmen ihn mit der freundlichen Erlaubnis der Autorin. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Am Rande der Stadt steht ein Schild mit der verblassten Aufschrift „Kara-Balta“. Vorbei an leerstehenden Häusern und verfallenen Bushaltestellen trifft man im Ort auf dutzende Männer, die sich als Tagelöhner verdienen. Die Arbeitsstellen sind rar gesät; eine Glashütte gibt es, und eine von Chinesen betriebene Fabrik. Kara-Balta, kirgisisch für „schwarze Axt“, ist eine trostlose Stadt.</p>
<p style="text-align: justify">Alexandra, eine hagere Frau mittleren Alters, erzählt uns vom Schicksal ihres Sohnes, der sein Glück woanders suchte. „Iwan erfuhr im Fernsehen davon, dass in der russischen Stadt Woronesch Arbeitskräfte in der Bauindustrie gesucht werden. Ein Gehalt von 400 Euro im Monat wurde ihnen versprochen. Hier in der örtlichen Fabrik verdiente er nur 8000 kirgisische Som (etwa 100 Euro).“ Iwans Frau starb vor 3 Jahren, er muss sich alleine um seine zwei Töchter kümmern. „Bevor er sich nach Russland aufmachte, überprüfte er die Angaben im Internet“, berichtet seine Mutter. „Alles schien seine Richtigkeit zu haben.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Russland, und die Hoffnung auf Arbeit </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie so viele andere Bürger der zentralasiatischen Republiken Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan zog es Iwan nach Russland, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden und für den Unterhalt seiner Familie sorgen zu können. 4 Millionen sind es laut Angaben der russischen Behörden inzwischen, der Großteil von ihnen junge Männer.</p>
<p style="text-align: justify">Doch die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Kirgisen, Usbeken und Tadschiken benötigen kein Visum, um nach Russland einzureisen. Arbeit ist häufig schnell gefunden, in der boomenden russischen Bauindustrie sind auch ungelernte Arbeitskräfte ständig gefragt. Für viele entpuppt sich der Traum von leicht verdientem Geld aber schnell als Alptraum aus Ausbeutung und Entrechtung. Mangels offiziellem Arbeitsvertrag sind viele der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert, in den letzten Jahren häufen sich Fälle von Zwangsarbeit und Menschenhandel.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/722/photo_3.jpeg" alt="Kara Balta" /></p>
<p style="text-align: justify">Auch für Iwan lief alles anders als geplant. „Erst wurde ihm und seinen Mitarbeitern der Lohn vorenthalten. Als sie sich beschwerten, fing man an, sie zu schlagen“, berichtet Alexandra. „Am Telefon erzählt er immer, dass alles gut ist. Doch von seinen Kollegen habe ich fürchterliche Geschichten gehört. Einer von ihnen sagte mir, dass mein Sohn so heftig geschlagen wurde, dass ihm ein Zahn ausfiel.“</p>
<p style="text-align: justify">Außer Iwan arbeiten 11 weitere Männer aus Kara-Balta auf der Baustelle in Woronesch. Vier von ihnen hielten die ständigen Androhungen und die Gewalt nicht mehr aus und entschieden sich, zu fliehen. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, verließen sie in Arbeitskleidung das Gelände. Sie machten sich auf den Weg zur kirgisischen Botschaft im 500 Kilometer entfernten Moskau. Mangels Geld und aus Angst vor der Polizei legten sie die Strecke zu Fuß zurück, vier Tage und vier Nächte dauerte es, bis sie die russische Hauptstadt erreichten.</p>
<p style="text-align: justify">In der Botschaft angekommen, erzählten sie ihre furchtbare Geschichte: „Ständig schlug man uns und machte sich über uns lustig. Unsere Dokumente wurden einbehalten, und für vier Tage Arbeit bekamen wir lausige 300 Rubel (etwa 6€) Gehalt. Als wir unsere Arbeitgeber aufforderten, uns nach Hause zu lassen, verspotteten sie uns und sagten, dass wir in Russland Niemande seien, Obdachlose.“</p>
<p style="text-align: justify">Mit Hilfe der kirgischen Botschaft schafften es die Vier zurück nach Bischkek, wo sich das Zentrum „Sezim“ ihrer annimmt, das seit vielen Jahren mit Opfern von Menschenhandel arbeitet. Laut dem Direktor des Zentrums hat sich die Situation innerhalb der letzten zehn Jahre verschlimmert. Immer mehr vorwiegend junge Leute verlassen Kirgistan auf der Suche nach Arbeit, und die Fälle von Menschenhandel häufen sich. Allein in diesem Zentrum gibt es pro Jahr durchschnittlich 35 neue Fälle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Maßnahmen gegen den Menschenhandel</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie kommt es dazu, dass immer mehr Leute in die Fänge von Menschenhändlern gelangen? Ulana Dschanbajewa vom kirgisischen Innenministerium sieht den Hauptgrund in der mangelnden Kenntnis über die Gefahren von Arbeitsmigration. „Viele sehen, wie ihre Nachbarn und Freunde mit viel Geld aus dem Ausland zurückkommen, und wollen es ihnen gleichtun. Doch sie übersehen dabei, dass man schnell das Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel werden kann.“</p>
<p style="text-align: justify">Die weit verbreitete mangelnde Rechtskenntnis zeigt sich auch in den späteren Strafverfahren, wie Gulsina Asanaliewa vom dem Büro des Menschenrechtsbeauftragten der Kirgisischen Republik berichtet. „Die Opfer können häufig keine Namen von den Menschenhändlern oder Organisationen nennen, die für ihre Ausbeutung verantwortlich sind. Viele Verfahren werden aus Mangel an Beweisen eingestellt.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 500px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/722/photo_5.jpeg" alt="Zug Bischkek Moskau" /></p>
<p style="text-align: justify">Im vergangenen Jahr startete die Regierung Kirgistans ein Programm, das den Menschenhandel unterbinden soll. Spezielle Abkommen wurden mit den Hauptzielländern Russland, Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. „In den letzten Jahren ist der Menschenhandel in Kirgisien auf dem Rückzug“, ist sich Gulsina Asanaliewa sicher. „Seit 2010 erreichten uns keine Beschwerden mehr. Von dem Fall aus Kara-Balta haben wir nichts gehört.“</p>
<p style="text-align: justify">Drei Uhr nachmittags am Bischkeker Bahnhof. Der Zug nach Moskau fährt ein, und in der Luft liegt ein Hauch von Aufregung und Angst vor dem Unbekannten. Die Gesichter der Passagiere sind ernst, viele der mit schweren Koffern bepackten Reisenden wirken besorgt und zugleich verloren. Ihr Schicksal ist jedes Mal aufs Neue ungewiss. Wen von ihnen bringt der Zug in eine bessere Zukunft, und wer wird den Weg nach Hause zu Fuß finden müssen?</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Djamilia Dandybaeva</strong></p>
<p style="text-align: right">Aus dem Russischen übersetzt von<br />
Alexander Maier</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Die Banalität ist unbesiegbar.“ &#8211; Ein Marxist in Bischkek</title>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was bedeutet es heute, ein Marxist zu sein? Ein Gespr&#xE4;ch mit Georgi Mamedow, dem k&#xFC;nstlerischen Leiter der Schule f&#xFC;r Theorie und Aktivismus in Bischkek.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Bei dem Wort „Marxist“ schießt einem das Bild eines alten, griesgrämigen Philosophen in den Kopf. Georgi Mamedow ist ist jedoch anders. Er ist jung, progressiv und kleidet sich wie ein Hipster. Georgi Mamedov überführt die Theorie des Marxismus in die Gegenwart und begegnet der Realität mit den Waffen der Kunst und des kritischen Denkens. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Georgi Mamedow, geboren 1984 in Duschanbe, Tadschikistan, ist derzeit künstlerischer Leiter der Schule für Theorie und Aktivismus in Bischkek (<a style="font-size: 13px;line-height: 1.6em" href="http://www.en.art-initiatives.org/">STAB</a>). Außerdem ist er Kurator, Kunstkritiker und Autor von Texten über die zeitgenössische Kunst und Kultur Zentralasiens. Von 2007 bis 2009 war er Leiter der Kulturinitiative „Bactria Cultural Cenre“ in Duschanbe. Als Co-Kurator gestaltete er den Pavillon von Zentralasien auf der 54. Biennale von Venedig und kuratierte das zentralasiatische, interdisziplinäre Projekt „Artist and/in Community“ (2010-2011). Seine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich der Kulturtheorie und -geschichte, Gegenwartsphilosophie und Kulturpolitik.</p>
<p style="text-align: justify">Im Interview mit Novastan spricht er über Konflikte, kritisches Denken, zeitgenössische Kunst und die Ziele der Kunstinitiative STAB.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was ist der allerschwerste innere Konflikt, den sie je durchleben mussten?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Das menschliche Dasein besteht eigentlich aus ständigen Konflikten. Das Existieren unter den Bedingungen der Realität, in der wir uns befinden – sie ermöglicht dir kein anderes Dasein als jenes im Konflikt. Ich kann nicht sagen, dass es bei mir einen inneren Konflikt gebe, der sich aufgelöst hat. Mein gesamtes Dasein besteht aus diesem&#8230; (nachdenklich)&#8230; ich würde sagen Widerspruch. Und in seiner aktiven Phase ist das ein Konflikt.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Und wie hängt das mit der Haltung zur Welt zusammen?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Bei einer kritischen Position begibst du dich unvermeidbar in einen Konflikt mit deiner dich umgebenden Wirklichkeit, einfach weil du siehst, wie widersprüchlich, wie repressiv sie ist. Ja, man kann sagen, dass du mit einer linken, kommunistischen Haltung stets im Konflikt mit deiner Umwelt stehst. Ebenso befindest du dich als Feministin in einem steten Konflikt mit der patriarchalen Realität. Das heißt, diese Spannungen lassen sich auf keinen Fall vermeiden, weil du in dem jeweiligen System unterdrückt bist. Hier muss ich sagen, dass dies Raum für Spekulationen gibt. Die Leute meinen: „All diese Feministinnen und Kommunisten da können keine Harmonie erreichen“, aber eigentlich befinden wir uns alle, als Unterdrückte, in einem ständigen Konflikt mit der Realität. Die Sache ist, wenn du eine kritische Position einnimmt, dich politisiert, dann machst du das offenkundig, erkennbar, und du verstehst, dass du dich bereits im Konflikt befindest und nicht erst in ihn hineinbegibst. Damit erkläre ich mit einfachen Worten die Theorie des Marxismus (lacht). So ist mein Dasein, konfliktbeladen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>So kam es, dass Georgi sich fast unmittelbar nach seinem Umzug nach Bischkek in einen Konflikt mit Bischkeker Künstlern hinein manövriert hat. Ihm zufolge ist Kunst, insbesondere in Zentralasien, uninteressant und nicht aktuell, mit anderen Worten: unmodern.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was ist Ihrer Meinung nach aktuell?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Zum Beispiel verhalte ich mich, wie auch zeitgenössische Künstler, zur Kunst nicht wie zu einem Handwerk. In der Kunst sein bedeutet, irgendeine aktive Position einzunehmen: eine politische Position als Bürger. Wenn du dich als zeitgenössischen Künstler bezeichnest, bedeutet dies, dass du dich der traditionellen Kunst und allem was damit verbunden ist, entgegenstellst: ihren Verbindungen mit dem Staat und der Politik, die in diesem Staat ausgeübt wird. Und du, als zeitgenössischer Künstler, bist in einer gewissen Weise Protestant. Aber mir scheint es, als hätte sich ein solcher Konflikt schon lange erschöpft. Dem Großteil der jungen Generation scheint es an der nötigen Kritikalität zu mangeln, um die eigene Rolle in dem politisch-wirtschaftlichen System bewerten zu können, bei dem sie mitmachen. Wir können von der Naivität eines Kindes gerührt sein, aber es ist merkwürdig, sich von der Naivität eines Erwachsenen rühren zu lassen. Die Naivität erwachsener Leute erzeugt keine Rührung, sondern Verärgerung und Ablehnung. Die Naivität erwachsener Leute, die meinen, sie würden sich mit purem Schaffen befassen und sich keine Gedanken machen, die nicht reflektieren und nicht versuchen, die Bedingungen ihres Daseins in dem Projekt, das sich Kunst nennt, zu verstehen, rührt mich jedenfalls nicht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was würden S</strong><strong>ie Künstlern – im weitesten Sinne des Wortes – antworten, die das Land verlassen und sich damit rechtfertigen, dass man hier nicht </strong><strong>künstlerisch tätig sein</strong><strong> darf, keine </strong><strong>bürgerschaftliche Position beziehen kann und nicht verstanden wird?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wieso sollte ich nur eine Sekunde meiner Zeit und Energie an die Kommunikation mit Leuten verschwenden, die solcher Meinung sind. Ich habe nicht die Absicht, auf die Einstellung solcher Leute Einfluss zu nehmen. Ich habe nicht das Ziel, ein ideologischer Agitator zu sein und das Bewusstsein irgendwelcher konkreten Leute zu ändern. Dass wir versuchen, das öffentliche Bewusstsein zu ändern, ist eine andere Angelegenheit. Wir versuchen nicht, Leute mit einem Glauben zu einem anderen Glauben zu überreden. Damit hab ich mich nie befasst. Das interessiert mich nicht und ich halte es nicht für effektiv.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Sie versuchen vor allem, Leuten kritisches Denken beizubringen.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Ja, aber nur jenen Leuten, die zu uns kommen und die dies wollen. Das Anliegen von „STAB“ ist, eine Möglichkeit zu schaffen, um auf verschiedenen Ebenen, kritisch mit der Realität zu interagieren. Wir rufen diese Möglichkeiten für uns als Kulturschaffende ins Leben, für kritische Gedanken, ob verbaler oder nichtverbaler Art. Für Leute, die mit Bildungsprogrammen zu tun haben, versuchen wir Bedingungen für die komplizierte Wirklichkeit der Kritik zu schaffen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Was ist die unsinnigste Äußerung über STAB, die Ihnen je zu Ohren gekommen ist?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Heutzutage begegnen die Leute STAB und seinen Aktivitäten recht angemessen. Es gibt nichts an unserem Publikum auszusetzen. Wir haben nicht das Gefühl, dass die Leute uns nicht verstehen. Mittlerweile sind wir seit zweieinhalb Jahren aktiv und die Leute begreifen, dass STAB eine Institution ist, die einen gewissen kritischen Blick von Links bietet. Und so gibt es bezüglich unserer Aktivitäten auch keine unangemessenen und unsinnigen Ungereimtheiten mehr.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/716/klinom_arta01.jpeg" alt="STAB" /></p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Reagieren Leute, die über eure Zusammenarbeit mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/LGBT">LGBT</a>-Organisationen erfahren nicht negativ?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Kann sein, dass jemand denkt: „Normale würden sich nicht mit Schwuchteln beschäftigen“, aber uns hat noch niemand so etwas gesagt und ich habe noch nie erlebt, dass einer der Leute, mit denen wir in Kontakt sind, sich homophob verhält. Wenn man den Tatsachen ins Auge sieht, dann würden die Leute STAB aber vermutlich mehr mögen, wenn wir uns nicht mit diesem Thema beschäftigen würden.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Wie kann zeitgenössische Kunst gegen nationalistische und homophobe Aggressionen ankämpfen?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Man kann dagegen auf jeglicher Sphäre ankämpfen und eine aktive bürgerschaftliche Position einnehmen: in der Kunst, der Bildung. Jegliche Aktivität kann eine bewusste und politische sein, ganz zu schweigen vom Journalismus. In dieser Hinsicht hebt sich die Kunst nicht ab. Ein Künstler oder eine Künstlerin kann seine Funktion bewusst einsetzen, also auf das reagieren, was geschieht. Eine andere Sache ist, dass Kunst natürlich ihre eigenen Besonderheiten und Ressourcen, also auch materielle Ressourcen hat. Wenn man zum Beispiel STAB nimmt, dann ist das eine Organisation, die ihre Finanzierung hat und wir finden, dass man eine Finanzierung braucht, um über solche Sachen reden zu können. Die Kunst hat ein Repertoire an eigenen Fertigkeiten, Empfindungen, Kräften – sie hat die Fähigkeit, über bestimmte Grenzen der Vernunft hinaus zu wirken und kann so als Waffe und Werkzeug eingesetzt werden. Auf diese Weise kann man arbeiten und versuchen, diese Eigenheiten der Kunst in den Dienst jenes politischen Kampfes zu stellen, mit dem sich Künstler und Künstlerinnen solidarisieren.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Worin besteht Georgi Mamedows kuratorische Mission im Kampf gegen die Banalität?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Die Banalität ist unbesiegbar. Wieso mit ihr kämpfen? (lacht) Ich habe zurzeit keine Mission, die abgesondert von der Institution ist, mit der ich zurzeit zusammenarbeite. Das kann man als seltene Gelegenheit ansehen, bei der es keine entfremdete Arbeit gibt und das Individuelle kollektiv ist. In diesem Sinne kann ich mich nicht als professionelle Einheit von STAB absondern. Meine Ziele, meine Mission, fällt mit dem zusammen, was STAB macht. Das bedeutet, wie ich bereits sagte, Bedingungen für eine kritische Interaktion mit der Wirklichkeit zu schaffen. Ich möchte, dass meine Arbeit darauf ausgerichtet ist, den verschiedenen Menschen, mit denen wir interagieren, eine kritische Sichtweise zu ermöglichen.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Und zum Schluss drei Bücher, die man als zeitgenössischer Künstler lesen sollte?</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">„Manifest der Kommunistischen Partei“ von Marx und Engels, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ von Benjamin und „Avantgarde und Kitsch“ von Greenberg. Das sind keine Bücher, sondern kleine Texte.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Das Interview führte Dschamilja Dandibajewa<br />
Autorin für Novastan.org, Bischkek</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Sofia Tscholakidi</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bischkek soll Welthauptstadt der Literatur werden</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/bischkek-soll-welthauptstadt-der-literatur-werden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[djamiliad]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieses jahr soll Bischkek den 80. internationalen PEN-Schriftstellerkongress empfangen, und damit f&#xFC;r ein paar Tage zur Welthaupstadt der Literatur werden. Dazu sprachen wir mit einigen Organisatoren und Autoren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Yann Martel, Joanne K. Rowling, Orhan Pamuk, Olzhas Suleimenow &#8211; Das sind nur ein paar der Namen der Organisatoren des <a href="http://en.pencongressbishkek.kg/">80. Internationalen PEN-Schriftstellerkongresses</a>, auf den sich Bischkek aktuell vorbereitet. Hinter PEN steht eine <a href="http://www.pen-international.org/">internationale NGO</a>, die professionelle Schriftsteller, Poeten und Journalisten aus verschiedenen Genres und Ländern vereint. Heute wird die Vereinigung vom kanadischen Essayisten John Ralston Saul geleitet. Er war es auch, der für den Kongress Bischkek als Welthauptstadt der Literatur vorgeschlagen hat. Unter dem Titel „Meine Sprache, mein Schicksal, meine Freiheit“ soll der Kongress nun vom 29. September bis zum 2. Oktober stattfinden. ­ Was für die einen tolle PR für Kirgistan ist, klingt für die anderen nach einem teuren Elitenprojekt. Würden tatsächlich preisgekrönte Schriftsteller nach Kirgistan kommen, und kirgisische Hauptstadt zu einer literarischen Metropole verwandeln? Autoren, Poeten und Kulturveranstalter melden sich zu Wort:</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Dalmira Tilepbergenowa leitet den PEN-Klub in Kirgistan. Sie sieht im Schriftsteller-Kongress eine „große Ehre und gute PR für unser Land“. <em>„Für die Dauer des Kongresses in Kirgistan wird Bischkek die Welthauptstadt der Literatur. Das ist natürlich eine schöne Perspektive und hört sich vielversprechend an. Dafür müssen wir kämpfen. Es schmerzt, wenn unser Kirgistan nur mit wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten in Verbindung gebracht wird und die Kultur dabei ins Hintertreffen gerät. Wir sollten nicht warten, dass die Regierung das übernimmt. Nicht die Hände in den Schoß legen und fragen, was der Staat für dich tun kann; wir selbst können die Dinge in die Hand nehmen. Ich denke, dass für uns Schriftsteller die wichtigste Aufgabe ist, dem Staat bei der Förderung unserer Kultur zu helfen und unsere kreativen Menschen in die Weltgemeinschaft der Literatur einzubinden. Ich denke auch, dass der internationale Kongress in Kirgistan einen kleinen Einblick in die Schatzkammer der kirgisischen Kultur bieten kann.</em></p>
<div class="placeholder_white pull-left" style="text-align: justify"><strong>Der PEN-Klub Kirgistan</strong></div>
<div class="placeholder_white pull-left" style="text-align: justify">Nach anfänglichen Schwierigkeiten seiner Vorgänger, die nötigen zwei Empfehlungen von anderen Mitgliedern zu erhalten, hat es Scherboto Tokombajew im Jahr 2000 schließlich geschafft, ein PEN-Zentrum in Kirgistan im Jahr 2000 zu gründen. <em>„Anfang der 2000er lernte ich auf einer Konferenz einen russischen und einen finnischen PEN-Vertreter kennen, die Kirgistan ihre Unterstützung zusicherten. Erst dann konnte ich PEN in Kirgistan anmelden und auf dem nächsten Kongress wurden wir gemeinsam mit Sierra-Leone aufgenommen. Unsere Bürgen waren die Vertreter der PEN aus Finnland, Russland und den USA.</em></div>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">&#8211; Wie wird der Kongress konkret ablaufen?</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Für den Zeitraum von fünf Tagen haben wir eine Reihe an Aktivitäten geplant: Offizielle Begegnungen internationaler PEN-Mitglieder, Versammlungen der Delegierten und jede Menge kulturelle Veranstaltungen. Die wichtigste davon ist die Preisverleihung des „PEN International New Voice Awards“ für junge Schriftsteller unter 30 Jahren. Außerdem wird es ein Literaturforum im Namen Tschingis Aitmatows geben. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Jugend gelegt. Wir veranstalten eine Reihe von Treffen mit berühmten Schriftstellern, die nach Bischkek kommen werden. Eines dieser Treffen wird zum Beispiel mit Jan Martel, dem Autor von „Schiffbruch mit Tiger“ stattfinden, im Rahmen dieses Treffens wird der Film zum Buch gezeigt und diskutiert werden. Aber wir wollen noch nicht alles verraten.“</em></p>
<p style="text-align: justify">&#8211; Ist schon bekannt, wer für den Award nominiert wurde?</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wir haben eine Short-List mit kirgisischen Kandidaten an den Internationalen PEN Verband geschickt. Dort wird entschieden, wer weiterkommt. In diesem Jahr besteht die Jury aus der besten britischen Jung-Autorin des Jahres 2013, Kamilla Shamsie, sowie dem Literaturkritiker, Alexandre Postel, dem kanadischen Autor, Alberto Manguel, der indischen Essayistin, Kiran Desai und dem chinesischen Dichter, Dschuan Ksai. Aus Kirgistan wurden vier Kandidaten für die Short-List nominiert und wir hoffen, dass einer von ihnen weiterkommen wird.“ </em></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 329px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/699/1.jpeg" alt="Arbeitsplan PEN-Kongress" /></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum Kongress veranstalten die Organisatoren einmal im Monat eine Unterstützungsaktion. Diese wird von Dichtern und Schriftstellern gemeinsam geplant, um das Interesse der Bischkeker an der Veranstaltung zu wecken. Am Denkmal des Barden Toktogul erinnern sie an dessen 150-jähriges Jubiläum und sammeln Meinungen verschiedener Literaten zur Veranstaltung:</p>
<p style="text-align: justify">Oleg Bondarenko ist der Redakteur der Website „Neue Literatur Kirgistans“:<br />
<em>„Uns wird nur einmal im Leben solch ein Glücksfall zuteil. Es gibt eine Warteliste von Städten, die gerne den Kongress abhalten würden. Es gibt die Regel, dass der Kongress jedes Jahr in einer neuen Stadt abgehalten werden muss. Dank des 85. Geburtstags von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tschingis_Aitmatow">Aitmatow</a>, wird uns diese Möglichkeit zuteil. Heute ist es nicht einfach mit der Finanzierung, aber wir können das schaffen. Die Kosten sind auch nicht übertrieben. Trotz der Tatsache, dass der Kongress ein Meilenstein ist, glaube ich nicht, dass er unsere Literatur und unsere Auflagen beeinflussen wird. Auf dem Kongress wäre mir daran gelegen, von den Problemen zu erzählen, denen kirgisische Schriftsteller, angesichts einer sich wandelnden, digitalisierten Welt ausgesetzt sind.“</em></p>
<p style="text-align: justify">Alexej Maltshik, Kinderbuchautor und Autor der Märchen „Die Heilquelle“, „Ereignisse in Tsvetosad“ und „Tsvetosad“ sagt zum Kongress:</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Kirgistan ist ein junges, unabhängiges Land. Die Durchführung eines Kongresses auf internationalem Niveau ist eine gute Möglichkeit zur Einbindung des Landes in die internationale Gemeinschaft. Dieser Kongress bietet außerdem die Möglichkeit, die Literatur des Landes einem größeren Publikum zugänglich zu machen, da sie bisher eher nur innerhalb des ehemaligen Sowjetraums bekannt ist. Für mich ist es wichtig zu erfahren, mit welchen Themen und Problemen sich zeitgenössische Autoren auf der ganzen Welt beschäftigen, und wie sie die Rolle des Schriftstellers in der heutigen Zeit beurteilen. Ich habe gehört, dass das Kulturministerium befürchtet, dass es auf dem Kongress um die Probleme mit der Ukraine und Russland gehen wird. Soweit ich weiß, wollen die Organisatoren aber nicht auf politische Probleme eingehen.“</em></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/699/5.jpeg" alt="Gruppenfoto Schrifsteller Kirgistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Der kirgisische Heimatdichter Vjatscheslaw Shapovalow:<br />
<em>„Auf solch einem Kongress sehe ich keinen Platz für Übersetzer. Und generell hat dieses Treffen der Vorreiter ein diskutables Verhältnis zur Literatur. Von russischer Seite wird dort nur ein einziger nennenswerter aktiver Schriftsteller und Literaturpionier zugegen sein: Tschuprinin. Alle anderen sind meiner Meinung nach nur ‚wichtige‘ Leute. Wie eine schöne Hexe einst zu einem Prinzen sagte: ‚Das ist Politik….‘“</em></p>
<p style="text-align: justify">Bis zum Beginn des Kongresses bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Kritik daran wird lauter. Im Zentrum steht die Frage, warum so viel Geld für eine einzige Veranstaltung ausgegeben wird, an der nicht jeder teilnehmen kann &#8211; damit müssen sich die Organisatoren täglich auseinandersetzen. Dalmira Tilepbergenowa sieht in der Mobilisierung der Gesellschaft die größte Herausforderung:</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Wir planen momentan eine Reihe von Aktionen, um die Popularität des Kongresses in der Mitte der Gesellschaft zu erhöhen, damit der Kongress keine Eliteveranstaltung wird, auf der nur Autoren sprechen und sich präsentieren. Wir wollen, dass die Veranstaltung einen nationalen Charakter hat und in jedem Haus ankommt. Deshalb hoffen wir, dass wir die Gesellschaft mobilisieren können und die Menschen nicht nur darauf warten, dass irgendwer den Kongress organisiert. Ob der Kongress nun elitär, oder für das Volk ausgerichtet wird – das hängt allein von der Bevölkerung Kirgistans und ihrem Engagement und Beitrag für eine Veranstaltung solchen Ausmaßes ab.</em>“</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Djamilia Dandybaeva</strong></p>
<p style="text-align: right">Aus dem Russischen übersetzt von Ann-Kathrin Rothermel<br />
Redaktion: Daniela Neubacher</p>
<p>&nbsp;</p>
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