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	<title>daniyark, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Die EU in Zentralasien &#8211; ein „sehr positives globales Bild“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Feb 2019 12:26:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Laut Dschanibek Aryn, einem kasachischen Doktoranten der Universit&#xE4;t St. Andrews in Gro&#xDF;britannien, ist Zentralasien f&#xFC;r die Europ&#xE4;ische Union (EU) eine periphere Region. Dennoch &#xFC;bt die EU starke soft-power aus. Das Gespr&#xE4;ch mit dem Forscher &#xFC;bersetzten wir in gek&#xFC;rzter Fassung mit freundlicher Genehmigung des Central Asian Analytical Network. Dschanibek Aryn verteidigte seine Dissertation &#xFC;ber die Wahrnehmung [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Laut Dschanibek Aryn, einem kasachischen Doktoranten der Universität St. Andrews in Großbritannien, ist Zentralasien für die Europäische Union (EU) eine periphere Region. Dennoch übt die EU starke soft-power aus. Das Gespräch mit dem Forscher übersetzten wir in gekürzter Fassung mit freundlicher Genehmigung des </strong><strong><a href="http://caa-network.org/archives/10445">Central Asian Analytical Network</a></strong><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Dschanibek Aryn verteidigte seine Dissertation über die Wahrnehmung der EU in Kirgistan und Kasachstan an der University of St Andrew. Im Gespräch mit Danijar Kosnasarow erklärt er, warum sich die EU trotz der großen Entfernung in Zentralasien einsetzt und zwischen Interessen und Werten navigiert.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Traditionelle Akteure in Zentralasien sind etwa Russland, die USA oder China. Werden deren Beziehungen mit der Region als „</strong><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Great Game</a></strong><strong>“ wahrgenommen? Und basiert dieser Wettkampf um die Vorherrschaft in Zentralasien auf einem Null-Summen-Spiel?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Trotz Kritik wiederholt sich der Diskurs über das „Great Game“ in Zentralasien immer wieder. Die klischeehafte Ansicht, dass alle relevanten Akteure der Welt um die Vorherrschaft in Zentralasien kämpfen, war bisher die einzige in Bezug zu der Region. Es scheint mir alles übertrieben. Natürlich hat jeder externe Akteur bestimmte Interessen, der eine mehr, der andere weniger. Manchmal überschneiden sich ihre Interessen, was zur Konkurrenz führen kann. Das reicht aber noch nicht aus, um von einem „Great Game“ zu sprechen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/nicht-bewertet/russland-china-und-die-usa-in-zentralasien-wirtschaft-und-geopolitik/">Russland, China und die USA in Zentralasien- Wirtschaft und Geopolitik</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zentralasien hat nirgends absolute Priorität, auch nicht in Russland. Man kann davon ausgehen, dass für letzteres die Ukraine oder Weißrussland weitaus wichtiger sind als Kasachstan oder Usbekistan. Dasselbe gilt für China: Zentralasien ist für seine Interessen höchstens zweitrangig.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung mit der Politik der EU in Zentralasien. Können wir im kulturellen und humanitären Bereich von einem „Great Game“ in der Region ausgehen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Während man im Fall Russlands, Chinas und der USA von einem bestimmten Ringen um Einfluss sprechen kann, so gilt das nicht für die Europäische Union. Die EU hat weder Ambitionen, noch Möglichkeiten dazu. Zentralasien wird von der EU als peripher wahrgenommen. Auch die Interessen, die die EU in der Region verfolgt, ändern nichts daran.</p>
<p style="text-align: justify">Sicher, die EU ist an der Energie der Region interessiert, aber sie ist auch so von Regionen umgeben, die reich an fossilen Energien sind. Darunter ist Zentralasien die unbedeutendste, sowohl in Sachen Energievolumen als auch Transportwegen. Zwar hat die EU Sicherheitsinteressen in der Region, allerdings sind selbst die „Sicherheitsbedrohungen“ zweitrangig. Im Bereich der Demokratisierung gibt es noch Interesse, allerdings sind die Möglichkeiten stark beschränkt, und das weiß die EU auch.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/presseschau-indien-russland-und-china-vertreten-immer-staerker-ihre-interessen-in-zentralasien/">Indien, Russland und China vertreten immer stärker ihre Interessen in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die EU gilt als Hauptakteur in der Entwicklungshilfe der Region und als großzügigster Geldgeber, sogar ohne damit verbundene Konditionen, was schwer vorstellbar erscheint. Aber für den Zeitraum 2014 und 2020 wurde über eine Milliarde Euro für die Region bereitgestellt, was eine Zunahme um 56 Prozent im Vergleich zum Zeitraum 2007-2013 ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/eu-ohne-geopolitische-ambitionen-in-zentralasien/">EU ohne geopolitische Ambitionen in Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Man könnte dies als ein Zeichen für die große Bedeutung Zentralasiens in der EU deuten. Aber so ist es nicht. Ich habe Kontakt mit mehreren EU-Funktionären und sie bestätigen einstimmig, dass dies nichts mit einer erhöhten Bedeutung der Region für die EU zu tun hat, sondern mit dem <a href="https://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/_SharedDocs/Pdf/Projekte-ausschreibungen/EU-EZI-Ziele.pdf?v=1">Instrument für Entwicklungszusammenarbeit (EZI)</a>,  dessen Budget sich allgemein erhöht hat. Anders gesagt leistet die EU Zentralasien Entwicklungshilfe nicht aus besonderem Interessen, sondern weil sie überall Entwicklungshilfe leistet.</p>
<p style="text-align: justify">Mir scheint als sei die Bedeutung Zentralasiens für Europa in den letzten zehn Jahren insgesamt geschrumpft, da die Region seit einem geraumen Zeitraum nun schon relative ruhige und passive Politik führt und ein „Machtspiel“ vermeiden will.</p>
<figure id="attachment_13248" aria-describedby="caption-attachment-13248" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-13248" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/mogherini.jpg" alt="EU, Europäische Komission" width="640" height="398" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/mogherini.jpg 640w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/03/mogherini-300x187.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-13248" class="wp-caption-text">Federica Mogherini in Brüssel</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">In Sachen <em>soft-power </em>erscheint die EU in Zentralasien hingegen als Vorreiter. Was genau ist soft-power? Es ist die Anziehungskraft, die ein Akteur auf andere ausübt. Und Europa ist der attraktivste und begehrteste Spieler. Im Vergleich dazu, ist die Meinung der zentralasiatischen Gesellschaft zu Russland tief gespalten, umso mehr seit dem Ukraine-Konflikt. Dasselbe gilt für China oder die USA.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/donald-trump-und-die-zukunft-zentralasiens/">Donald Trump und die Zukunft Zentralasiens</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Hauptattraktion der EU ist zum einen ihr wirtschaftliches, soziales und Politisches Modell. Zweitens, sind wir der europäischen Kultur, Literatur, Musik oder Kunst näher als der chinesischen, indischen oder iranischen. Nicht, weil letztere weniger reich sind, aber bei uns hört man weniger davon und wir kennen sie deshalb nicht so gut.</p>
<p style="text-align: justify">Das gilt auch im Bereich der Bildung. Obwohl die Anzahl kasachstanischer Studenten etwa in China steigt, wollen die meisten eine Ausbildung in Europa beziehungsweise im Westen erhalten. Und das <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bolashak">Bolaschak</a>-Stipendium oder europäische Programme ermöglichen es heute jungen Kasachstanern solch eine Ausbildung in Europa zu erhalten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/chinas-ruckkehr-nach-zentralasien/">Chinas Rückkehr nach Zentralasien</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht zuletzt zählen die sogenannten „europäischen Werte“ zur starken soft-power der EU. Demokratie, Menschenrechte – man hat verstanden, dass dies die Fundamente für nachhaltige Entwicklung sowohl der Politik als auch der Wirtschaft sind.</p>
<p style="text-align: justify">Die Außenpolitik der EU gilt somit als weicher und freundschaftlicher, die Union wirkt nicht wie ein Aggressor, sondern hat, im Gegensatz zu den anderen „Spielern“, ein sehr positives globales Bild.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/russlands-zentralasienpolitik-3-0/">Russlands Zentralasienpolitik 3.0</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Und dieser Attraktivität ist sich die EU auch bewusst, weshalb Fördergelder an die Diplomatie auf dem Gebiet fließen, um ihre soft-power weiter stärken. Natürlich könnte sie noch mehr tun. Aber ob sie das wirklich braucht, ist eine andere Frage.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mit den Vorteilen der Globalisierung, die nach dem Zerfall der UdSSR zugänglich wurden, schien es, als repräsentiere das „europäische“ Modell das </strong><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Geschichte">„Ende der Geschichte“</a></strong><strong>, als hätten Demokratie und Neoliberalismus gewonnen. Die neuen unabhängigen Staaten hatten nur das westliche Vorbild als den richtigen und einzigen Weg. Heute aber scheint es, als wüssten die Menschen nicht mehr wohin. Woran liegt das Versagen des westlichen Modells für Regionen wie Zentralasien? Reichen Investitionen und kulturelle Propaganda allein nicht aus?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Man muss zwischen der Bevölkerung und den Regierungen Zentralasiens unterscheiden. Dass die EU und das westliche Modell allgemein nicht ganz überzeugen konnten, ist nicht allein deren Schuld. Das Problem liegt in den Regimes Zentralasiens. Die Machthaber wollen nicht unbedingt dem westlichen Modell folgen. Zwar wurden einige Versuche der Nachahmung in den 1990ern gemacht, aber nur soweit, wie es nötig war, um gute Beziehungen zum Westen herzustellen, und somit die nötige finanzielle und politische Unterstützung zu erhalten.</p>
<p style="text-align: justify">Sobald ihre Macht aber gefestigt war, entfernten sich die zentralasiatischen Machthaber wieder von dem westlichen Modell, welches dann eher als Bedrohung gegen das eigene System gesehen wurde. Aus diesem Grund wurde ein Diskurs geführt, der Zentralasien als „anders“ darstellt, als Region, die ihren eigenen, individuellen Weg finden muss. Demokratisierung wurde als „destabilisierend“ dargestellt, und die Bevölkerung fing an, diese Instabilität zu fürchten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wir-wuerden-auch-jetzt-in-die-eu-eintreten-atambajew-im-gespraech-mit-euronews/">„Wir würden auch jetzt in die EU eintreten“: Atambajew im Gespräch mit Euronews</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Außerdem war die EU selbst mit internen Problemen beschäftigt. Diese wiederum nahmen die Machthaber in Zentralasien her, um ihren Diskurs zu stützten, nach dem Motto: „Seht her, bei denen funktioniert doch eh nichts, wir hingegen bieten Stabilität.“ Natürlich verliert die EU bei einigen Teilen der Bevölkerung dadurch an Beliebtheit.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist aber nicht alles schwarz. Die EU und der Westen genießen weiterhin einen guten Ruf, trotz der Negativkampagne. Insbesondere außerhalb der politischen Sphäre ahmt Zentralasien die EU nach, kauft weiterhin deren technologischer Produkte und folgt ihren Normen. Außerdem wollen die meisten in Europa leben und bewundern die okzidentale Kultur. Sie beginnen zu verstehen, dass die Medien im Fernseher nicht immer die Wahrheit sagen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Könnte die EU es in Betracht ziehen, auf ihre Rolle als „normative Macht“ in Zentralasien zu verzichten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist augenscheinlich nicht so. Eine normative Strategie in ihren internationalen Beziehungen ist integraler Bestandteil der EU. Deshalb wird die EU immer präsent sein, natürlich im Rahmen des Gesetzes. Gleichzeitig geht es ihr aber um mehr als Demokratisierung. Zwar äußerte die EU immer wieder Sorge um die Menschenrechtssituation, das Parlament verabschiedete Resolutionen und fordert die Regierungen in Zentralasien auf, sich an demokratische Prinzipien zu halten. Das ist aber auch alles.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-eu-startet-menschenrechtskampagne/">Kasachstan: EU startet Menschenrechtskampagne</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht umsonst wird die EU oftmals dafür kritisiert, dass die normativen Elemente gegenüber ihren pragmatischen Interessen nur zweitrangig sind. Ein Beispiel: nach den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Usbekistan_2005">Ereignissen in Andischon </a>dauerten die Sanktionen der EU nur bis 2009. Oder nehmen wir das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Partnerschafts-_und_Kooperationsabkommen">Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Kasachstan</a>. Eine Voraussetzung dafür, war eine Verbesserung der Menschenrechtssituation. Unterschrieben wurde es 2015. Kann man aber von einer Stärkung der Demokratie in Kasachstan sprechen? Ich glaube nicht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Moment kämpft Europa mit internen Problemen wie Populismus, Migrationskrise, Polarisierung der Gesellschaft und wachsende wirtschaftliche Ungleichheit. Wenn sie diese löst, könnte sie dann für Zentralasien wieder ein normatives Vorbild werden?</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong>Die EU beruht auf Menschenrechten. Und was machen wir? Wir suchen hundert verschiedene Entschuldigungen, um die Universalität dieser Normen in Frage zu stellen, zu argumentieren, wir hätten unsere „eigene“ Wertevorstellung und unterschiedliche Traditionen und Kulturen. Aber wie kann eine Tradition gegen transparente Wahlen sein? Inwiefern verbietet unsere Kultur die gleichen Rechte für Alle? Für mich sind solche Argumente aus der Luft gegriffen.</p>
<p style="text-align: justify">Die EU macht gerade eine schwere Zeit durch. Das ist aber nicht der Grund für die Ablehnung der zentralasiatischen Länder, dem Beispiel der EU zu folgen. Der Grund liegt in den Regimen von Zentralasien selbst. Daher ist es unwahrscheinlich, dass eine Lösung der Probleme der EU, die Rhetorik der zentralasiatischen Regierungen ändern wird.</p>
<p style="text-align: justify">Die EU hat es nicht leicht, ihr normatives Programm in Zentralasien durchzusetzen. Wir müssen uns bewusst machen, dass die EU nicht einfach die Demokratie nach Zentralasien bringen kann und sie dort von außen implementieren, wenn im Inneren so große Hindernisse bestehen. Es liegt an uns. Wenn wir uns der Demokratisierung mehr öffnen, vielleicht  wird die EU uns dann mehr Bedeutung zumessen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>[Anm. D. Redaktion]: Die </strong><strong><a href="http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2019/633162/EPRS_BRI(2019)633162_EN.pdf">Neue Strategie für Zentralasien</a></strong><strong> der EU 2019 erschien vor wenigen Tagen. Darin enthalten sind auch eine Bewertung der demokratischen Entwicklungen in Zentralasien der letzten Jahre. </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Mit Dschanybek Aryn sprach Danijar Kosnasarow<br />
<a href="https://caa-network.org/archives/10445">Central Asian Analytical Network</a><br />
</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen und Redaktion von Julia Tappeiner</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei </span><a href="https://twitter.com/novastan_de"><span style="font-weight: 400;">Twitter</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/"><span style="font-weight: 400;">Facebook</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://telegram.me/novastan"><span style="font-weight: 400;">Telegram</span></a><span style="font-weight: 400;">, </span><a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/"><span style="font-weight: 400;">Linkedin</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.instagram.com/novastanorg/"><span style="font-weight: 400;">Instagram</span></a><span style="font-weight: 400;">. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem </span><a href="http://eepurl.com/O0Qub"><span style="font-weight: 400;">wöchentlichen Newsletter anmelden</span></a><span style="font-weight: 400;">. </span></p>
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			</item>
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		<title>Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 2/2)</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 May 2018 14:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Danijar Kosnasarow]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Generationentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#x201E;Generation Z&#x201C;, oder &#x201E;digital natives&#x201C;, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien gro&#xDF; geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im Interview mit &#x201E;Expert Kazakhstan&#x201C; die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z"><strong>Generation Z</strong></a><strong>“, oder „digital natives“, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im </strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Interview mit „Expert Kazakhstan</strong></a><strong>“ die sogenannte Generation „Zyng-Zyng“, benannt nach einem </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ECWwpmP3spY&amp;t=35s"><strong>sehr populären Musikvideo</strong></a><strong>. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Im <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-12/">ersten Teil</a> des Interviews drehte sich das Gespräch um die Anforderungen, die kasachstanische Jugendliche heute an die Bildung stellen und ihren &#8211; recht konservativ erscheinenden &#8211; Lebensvorstellungen. Im Anschluss geht es um den Kontext, der die Jugend geprägt hat und was für perspektiven für ihr politisches Engagament bestehen.</p>
<figure id="attachment_13810" aria-describedby="caption-attachment-13810" style="width: 620px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-13810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg" alt="Danijar Kosnasarow" width="620" height="469" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg 620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75-300x227.jpg 300w" sizes="(max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-13810" class="wp-caption-text">Danijar Kosnasarow</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify"><strong>Expert Kazakhstan: Laut der Generationentheorie sind Generationen durch Erziehung und Schlüsselereignisse geprägt. Verschiedene Generationen unterscheiden sich also durch ihren historischen Kontext. </strong><strong>Für die Amerikanische Generation Z waren die Wirtschaftskrise, der Klimawandel und der Kampf gegen den Terrorismus Schlüsselereignisse. Was hat die kasachstanische Generation Z geprägt und was bedeutet das für ihr Wertesystem? </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Danijar Kosnasarow:</strong> Die Millenials in den Vereinigten Staaten wurden vor allem durch die Traumata nach dem 11. September geprägt. Für die nächste Generation könnte man Youtube, soziale Medien und die Wahl von Trump nennen.</p>
<p style="text-align: justify">Die kasachstanische Generation Z wurde eben durch die Abwesenheit von Schlüsselereignissen geprägt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist das ebendiese Stabilität, die unsere Behörden so gerne betonen? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, Stabilität wirkt sich auch auf die Werte aus. Hier stellen wir unsere Arbeit der westlichen Forschung gegenüber. Dadurch, dass unser Staatschef (der Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nasarbajew</a>, Anm. d. Ü.) mehr als 25 Jahre an der Macht ist, versteht die junge Generation, dass sie kaum Einfluss auf das Geschehen im Land hat. Sie stehen der aktuellen Lage eher apatisch gegenüber. Natürlich spielen die sozialen Netzwerke und Medien auch eine wichtige Rolle – da spürt man durchaus auch die Globalisierung.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die letzte Weltwirtschaftskrise trat ein, als die ältesten Vertreter der Generation Z sieben Jahre alt waren. Sie haben womöglich gesehen, wie ihre Eltern oder Verwandten ihre Hypothek nicht bezahlen konnten. Hatte die Krise Auswirkungen auf die Jugend? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir Millenials sind im Wohlstand aufgewachsen. Wir haben die 90er nur am Rande erlebt und erinnern uns vor allem an die frühen 2000er, als das Leben in Kasachstan sich mehr oder weniger entwickelte. Warum haben die Millenials, einschließlich der kasachstanischen, idealistische Werte? Wir haben in unseren prägenden Jahren wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das hat stark auf uns eingewirkt: Es ist uns leicht, die Welt der Unternehmen verlassen, um unser eigenes Business aufzubauen oder unsere Träume zu verwirklichen.</p>
<figure id="attachment_1310" aria-describedby="caption-attachment-1310" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-1310" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg" alt="Nursultan Nasarbajew" width="600" height="400" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress.jpeg 600w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-300x200.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/old/600px_nazarbayev_at_2011_nur_otan_congress-128x86.jpeg 128w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-1310" class="wp-caption-text">Nursultan Nasarbajew (hier 2011) ist der erste und bisher einzige Präsident Kasachstans</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Die Generation Z wächst in Zeiten wirtschaftlicher Krise heran. Eben deshalb bietet die Familie ihnen einen wichtigen Zufluchtsort, etwas unerschütterliches in Zeiten ständigen Wandels.</p>
<p style="text-align: justify">Sie haben eine sehr pragmatische Einstellung zu Arbeit. Als was sie arbeiten ist ihnen eigentlich nicht wichtig (wobei natürlich jeder ein hohes Gehalt haben will). Viel wichtiger ist, dass die Arbeit stabil ist. Viele derer, die nach 2000 geboren sind, haben mitbekommen, wie ihre Eltern ihre Arbeit verloren haben und so teils ihre Hypothek nicht auszahlen konnten. Das war für sie ein Familiendrama.</p>
<p style="text-align: justify">Der Warenkorb ist heute geschrumpft. Die Leute geben für Essen mehr aus als für Erholung, Reisen und Freizeit. Die Jugendlichen sagen zwar nichts dazu, aber sie merken es. Und ihre Gedanken darüber machen sie pragmatischer, einschließlich was die Hochschulbildung angeht. Studieren ist demnach wichtig, um eine stabile Arbeit zu finden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also Hochschulbildung nicht um gebildet zu werden, sondern als ein einfaches Instrument? Wobei, das ist auch charakteristisch für die kasachstanischen Millenials.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Für Millenials ist es wichtig, ihre Kompetenzen ständig zu entwickeln, das ist ein Wert an sich. Die Generation Z ist auch da pragmatischer: Sie verstehen, dass sie ein Diplom brauchen. Sie wollen von der Hochschulbildung nur Kompetenzen und Wissen, die ihnen bei der Arbeit von Nutzen sein können. Alles andere finden sie sowieso im Internet.</p>
<h3 style="text-align: justify">Like und gehe auf die Demo</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie schreiben, dass unsere jungen Leute besonders individualistisch sind. Dabei vertraut 14 Prozent auf niemanden, und wenn sie jemandem Vertrauen, dann meistens den Eltern (75 Prozent). Nur sieben Prozent vertrauen ihren Freunden. Machen der Individualismus und das mangelnde Vertrauen sie zu passiven Bürgern? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich denke, dass ihre politische Teilnahme sich in Zukunft über Youtube durch das Blogger-Wesen oder über Memes in sozialen Medien ausdrücken wird. Politische Aktivität wird sich nicht über traditionelle Kanäle wie Demonstrationen ausdrücken, sondern läuft bereits jetzt schon über neue Kanäle. Schugyla Kilybajewa schreibt gerade ihre Doktorarbeit über die politische Teilnahme der Jugend. Sie empfiehlt es, unser Verständnis von „politische Teilnahme“ zu erweitern und es mehr an die Begebenheiten der heutigen Jugend anzupassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Grunde geht es dabei nicht um eine reale gesellschaftliche Stellungnahme, sondern um Nachahmung. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nein, warum denn? Die Regierung wird sich so oder so daran anpassen. Im Moment wird das Geschehen auf Facebook stark verfolgt. Für die Regierung ist es wichtig zu verstehen, wie bestimmte Initiativen in der Bevölkerung ankommen. Sollte die Politik  in zukunft mehr Konkurrenz beinhalten, mit aktiven Parteien und interessanten Personen, so müssen sie so oder so die Rahmen der klassischen politischen Instrumente verlassen, um für die Jugend attraktiv zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Viele Länder entwickeln sich dorthin: Trump hat unter anderem dank der sozialen Medien gewonnen. Will ein Politiker gefragt sein, so muss er den aktuellen Trends folgen und verstehen, welche Messages er über welche Kanäle anbieten kann. Es gibt westliche Ländern, die Online-Referenda  durchführen.</p>
<p style="text-align: justify">Man muss nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, um eine Willenserklärung abzugeben. Ich denke, die Generation Z ist bereit, mit ihren Smartphones und allen möglichen Apps an politischen Prozessen teilzunehmen. Unsere Regierung kümmert sich gerade um Digitalisierung, warum sollte man die Politik nicht auch digitalisieren?</p>
<h3 style="text-align: justify">Die Jungen modernisieren</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ausländische Autoren schreiben, die Teilhabe an globalen Netzwerken mache die Generation Z zu einer internationalen Generation, die sich vom Patriotismus eher distanziert und nationalen Traditionen skeptisch gegenübersteht. Kann man im Falle der kasachstanischen Generation Z  sagen, dass </strong><strong>sie </strong><strong>die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220; (ein vom kasachstanischen Präsidenten im Dezember 2017 <a href="http://www.akorda.kz/ru/events/akorda_news/press_conferences/statya-glavy-gosudarstva-vzglyad-v-budushchee-modernizaciya-obshchestvennogo-soznaniya">angebotenes politisches Programm</a>, Anm. d. Ü.) mit ihrem Akzent auf Tradition und Patriotismus  nicht interessiert? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Nimmt man die neuen Kommunikationskanäle, so wird das Nationale schon mehr Resonanz erfahren. Die heutige Jugend achtet mehr auf die kasachische Sprache und soziologische Studien beobachten eine traditionalistische Tendenz in der Gesellschaft.</p>
<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/tatsachlich-liebe-das-kasachische-und-die-lateinische-schrift/">Tatsächlich, Liebe &#8211; das Kasachische und die lateinische Schrift</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt in der Jugend eine große Nachfrage nach kasachischem Inhalt, der aber über internationale Kanäle geteilt wird. Warum sind die Musiker <a href="https://muftah.org/how-one-singer-could-save-the-kazakh-language/">Moldanazar</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ninety_One">Ninety One</a> so beliebt? Sie spiegeln die Situation unserer Jugend: Sie versteht und verinnerlicht globale Tendenzen, zum Beispiel in der Musik, hört diese dann aber lieber in ihrer Muttersprache. Der Erfolg von Ninety One erklärt sich nicht nur durch die Anwendung des K-Pop Stils und seinen Konsumkult, viel mehr geht es um kasachischen Inhalt, das ist das wichtigste Element.</p>
<figure id="attachment_13879" aria-describedby="caption-attachment-13879" style="width: 1280px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13879" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg" alt="Musikband Ninety One Kasachstan" width="1280" height="853" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа.jpg 1280w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-1024x682.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/Ninety_One_группа-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption id="caption-attachment-13879" class="wp-caption-text">Die kasachstanische &#8222;Q-Pop Band&#8220; Ninety One</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Wenn der Staat die jungen Herzen erreichen will, muss es über die neuen Kommunikationskanäle gehen. Dabei ist es wichtig, dass er nicht pathetisch klingt, wie eine Neuauflage der sowjetischen Pioniere aussieht. Die Jugend ist bereit, patriotisch zu sein und eine gewisses Kasachisch-sein zu symbolisieren. Das entspricht auch der Message des Staates über die &#8222;Modernisierung der Gemüter&#8220;. Dennoch sehe ich den Staat und die Jugend zurzeit auf verschiedenen Planeten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das staatliche Programm „<a href="http://ruh.kz/ru/o_proekte">Ruchani Dschanggyru</a>“ zeigt die Zukunft Kasachstans als wettbewerbsfähig, pragmatisch, mit einem Erhalt der nationalen Identität, mit Leuten die eine Entwicklung des Landes durch Evolution statt Revolution bevorzugen, mit einem offenen Geist und einem Wissenskult im Kopf. Kann man von der Generation Z erwarten, dass sie die erste kasachstanische Generation dieser Art wird? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wir haben eine zweideutige Beziehung zur Jugend. Einerseits begegnen wir ihr mit Furcht, mit Bezug auf den Maidan und den arabischen Frühling, andererseits wollen wir, dass die jungen Leute nicht die Fehler ihrer Eltern wiederholen, ein besseres Leben als sie führen, ein neues Kasachstan bauen und sich ihrer Leidenschaft widmen. Die Regierung hat auch solch eine zweideutige Jugendpolitik: Einerseits setzt es Rahmen, andererseits bietet es der Jugend an, zur treibenden Kraft für den Fortschritt zu werden. Aber Fortschritt geschieht durch Fantasie und Utopien. Die ältere Generation fordert frische Ideen von der neuen. Die Jugend antwortet, dass eben die ältere Generation sie daran hindert, diese Ideen zu realisieren, aus Furcht, ihren Status, ihr Geld und ihre Anerkennung zu verlieren.</p>
<p><strong>Hört auch unseren Podcast: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-jugendkultur-in-kasachstan/">Zentralasien 2030 &#8211; Jugendkultur in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenn die Behörden von Kult des Wissens sprechen, meinen sie gefiltertes Wissen. Aber Wissenskult bedeutet auch kritisches Denken und eine kritisch denkende Jugend kann ihre politisches Uneinigkeit aktiver ausdrücken. Die Behörden wollen eine gebildete und fortschrittliche Jugend, die sich mit neuen technologien auskennt, die sich der Macht aber nicht gegenüberstellt.</p>
<h3 style="text-align: justify">Sechs Säulen der Modernisierung</h3>
<p style="text-align: justify"><strong>Ist es für die Vertreter der Generation Z wichtig, wettbewerbsfähig zu sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">In dem Sinne: wettbewerbsfähig sein, um eine stabile Arbeit zu haben. Das ist aber ein sehr enges, lokales Segment: Wenn aus hundert Bewerbungen meine ausgewählt wird, heisst das, dass ist wettbewerbsfähig bin. Im ganzen beunruhigt mich dieser Wunsch, einen lokalen Wettbewerb zu meistern. Die Jugend bezieht sich nicht auf globale Märkte, wie es ein Musk und Zuckerberg tun.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im digitalen Zeitalter wird es wohl keine Probleme mit offenen Geistern geben? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das ist nicht ganz so klar. Einerseits sind die jungen Leute offen für die ganze Welt, sie nutzen viel Inhalt aus dem Internet und schauen viele Videos auf YouTube. Andererseits sind sie intellektuell verschlossen. Sie lesen wenig gute Literatur. So bleiben sie womöglich provinziell, was ihre intellektuelle Entwicklung angeht. Dabei sind sie natürlich auf dem Laufenden, was weltweide Trends angeht. Zum Beispiel ist weltweit ein gesunder Lebensstil mit guter Ernährung unter der Jugend beliebt. Auch für die kasachstanische Generation Z steht die Gesundheit an erster Stelle. Es ist in Mode, auf sich zu achten und Sport zu treiben, um eine gute Figur und ein gutes Aussehen zu haben. Das hat auch mit Druck von Gleichaltrigen zu tun. Solchen Trends folgt auch unsere Jugend, aber ich sehe sie sich nicht in große wissenschaftliche Diskussionen verwickeln, eben über Fragen wie künstliche Intelligenz, Blockchain und Big Data.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Es birgt doch ein Problem für den Wissenskult, wenn die jungen Leute in der Hochschulbildung einen Weg sehen, Arbeit zu finden statt dadurch tatsächlich Gebildete Leute werden zu wollen. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Es gibt eine Nachfrage nach jedem beliebigen Wissen, solange Nutzen bringen kann. In einem Zeitalter, in dem jede Information nur einen Klick entfernt ist, ist Gelehrsamkeit kein Wert mehr. Die Jugend geht davon aus, dass dein Wissen nichts wert ist, wenn Du es nicht nutzen kannst. Heute muss alles anwendbar sein, und sie wollen die Ergebnisse ihrer Kompetenzen und Wissen sofort sehen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das heisst also zum Beispiel, dass sie keinen Dostojewskij lesen, weil ein solches Wissen sicht nicht zu Geld machen lässt? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, aber wenn Dostojewskij dabei hilft, einen Business case zu lösen, dann lesen sie ihn auch. Das Problem liegt hier woanders: Sie tun sich schwer, Dostojewskij zu verstehen, da die Texte zu lang sind und der Kontext ein anderer. Man kann und muss Literatur ihnen anpassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Vertreter der Generation Z werden dieses Jahr 18 und somit wahlberechtigt. Bald ist Präsidentschaftswahl. Werden sie wählen gehen und welche politischen Themen werden für sie interessant sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich gehe davon aus, dass sie nicht wählen gehen, wenn ihre Eltern sie nicht dazu drängen. Wenn man aber die Nutzung von elektronischen Gadgets fördert, kann man durchaus mehr Leute an die Wahlurnen locken.</p>
<p style="text-align: justify">Was die politische Agenda angeht, so wird irgendeine Ideologie, ob Liberalismus, Konservatismus oder Sozialdemokratie unsere Jugend eher nicht interessieren. Wir leben so oder so in einem postmodernen Zeitalter, in dem es schon keine Unterscheigung, keine Lager und Überzeugungen mehr gibt. Und ich würde nicht sagen, dass eine Partei, die nur konservative Werte ausdrückt, für die Generation Z interessant wäre. Hier haben eher die zentristischen Parteien eine Chance.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also so eine Art &#8222;Nur-Otan&#8220; (die Präsidentschaftspartei in Kasachstan, Anm. d. Ü.).</strong></p>
<p style="text-align: justify">Genau. Die Generation Z ist mit unserem Staat ganz zufrieden. Wie ich eben sagte, sind sie ihn einfach gewohnt. Sie verstehen, dass die Welt nicht ideal ist und der Staat auch nicht. Sie werden ihre Forderungen also eher enger formulieren, über Themen der Ökologie, der Bildungsreform, in der Arbeit. Von ihnen ist zumindest nach aktuellem Stand keine Forderung nach einem Regimewechsel zu erwarten, oder nach dem Rücktritt von gewissen Abgeordneten oder Ministern. Die Jugend ist im klassischen Sinne apolitisch. Eine breite politische Agenda ist für sie zurzeit nicht interessant. Natürlich kann man sie für ehrenamtliche Projekte gewinnen. Diese müssen aber einem Hype entsprechen oder sich viral verbreiten.</p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Plan habe ich schon viel mehr Optimismus im Bezug auf die Millenials,  wenn man ihre Qualitäten und die Werte, die sie respektieren, in Betracht zieht. Und das nicht, weil ich selbst dieser Generation angehöre. In jedem Fall schmort jeder in seinem eigenen Saft, aber wenn Du auf Gleichaltrige schaust, so merkst Du, dass viele von ihnen sich an flüchtigen Werten orientieren und irgendeinen Beitrag zur Entwicklung Kasachstans leisten wollen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ja, die Millenials werden oft als große Idealisten und Optimisten kritisiert. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Meiner bescheidenen Meinung nach wird ein wichtiger Teil der Entwicklung des Landes eben von den Millenials abhängen. Das Fundament, das die Millenials aufbauen, wird zur Grundlage für die Generation Z.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Mit Danijar Kosnasarow sprach Askar Maschajew<br />
</strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Expert Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>In der gekürzter Fassung aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Kasachstan : Was ist die Generation „Zyng-Zyng“? (Teil 1/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 May 2018 18:15:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Generation Z]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die &#x201E;Generation Z&#x201C;, oder &#x201E;digital natives&#x201C;, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien gro&#xDF; geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im Interview mit &#x201E;Expert Kazakhstan&#x201C; die [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z"><strong>Generation Z</strong></a><strong>“, oder „digital natives“, bezeichnet in der Generationentheorie die Menschen, die ab Mitte der 1990er geboren wurden. Es handelt sich um die Generation, die ganz mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch was hat es mit dieser Jungend in Kasachstan auf sich? Der Politikwissenschaftler Danijar Kosnasarow beschreibt im </strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Interview mit „Expert Kazakhstan</strong></a><strong>“ die sogenannte Generation „Zyng-Zyng“, benannt nach einem </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ECWwpmP3spY&amp;t=35s"><strong>sehr populären Musikvideo</strong></a><strong>. Der erste Teil des Interviews beschäftigt sich vor allem mit den Anforderungen, die kasachische Jugendliche heute an die Bildung stellen und ihren &#8211; recht konservativ erscheinenden &#8211; Lebensvorstellungen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Idee, dass Generationen mehr sind, als nur eine Altersgruppe, bewegt Geschichtswissenschaftler, Soziologen und Philosophen schon seit langem. Schon Jose Ortega y Gasset oder Auguste Comte haben sich dem Thema gewidmet. Als Begünder der Generationentheorie gilt jedoch der deutsche Soziologe Karl Mannheim. Er studierte den Einfluss gemeinsamer historischer oder wirtschaftlicher Ereignisse, darunter auch technologische Neuerungen, auf eine gegebene Generation.</p>
<p style="text-align: justify;">In den 1960ern bekam das Thema mit den Studentenbewegungen im Westen wieder Aufschwung. Die erste „belabelte“ Generation war wohl die von „Sex, Drugs &amp; Rock’N  Roll“, die Nachkriegsgeneration, die sich stark von den Werten ihrer Eltern abgrenzte. Auf der Grundlage der Theorien von Mannheim theorisierten konzipierten die US-Amerikanischen Forscher <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Strauss%E2%80%93Howe_generational_theory">William Strauss und Neil Howe</a> die Generation der Baby-Boomer (1943-60) und die Generationen X (1960-81), Y oder „Millenials“ (1981-2000) und Z (nach 2000). Letztere ist demnach mitunter durch die Wirtschaftskrisen, den Krieg gegen den Terror und das Internet geprägt.</p>
<figure id="attachment_13810" aria-describedby="caption-attachment-13810" style="width: 620px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13810" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg" alt="Danijar Kosnasarow" width="620" height="469" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75.jpg 620w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2018/05/27-01-2_jpg_620x620_q75-300x227.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-13810" class="wp-caption-text">Danijar Kosnasarow</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Zudem entstand die Hypothese, dass die aktuellen jungen Generationen sich weltweit durch die Prozesse der Globalisierung immer ähnlicher werden. Ein Forscherteam der Narkhoz Universität um Danijar Kosnasarow widmet sich der Frage, ob die Hypothesen westlicher Foscher sich auch bei der kasachstanischen „Generation Z“ bestätigen lassen. Dabei ging es nicht zuletzt auch darum, die zukünftigen Studierenden besser zu verstehen und so das Bildungsangebot an der Universität zu verbessern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Expert Kazakhstan: Wie müssen die Lernprozesse an die heutige Jugend angepasst werden ?</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Danijar Kosnasarow :</strong> Technologien ändern Menschen, aber die kasachstanischen Hochschulen folgen weiterhin einem konservativen Bildungssystem, wenn sie auch versuchen, dem Zeitgeist zu folgen. Die Tendenzen zu Reformen haben sich mit der Ernennung von relativ jungen Rektoren verstärkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Universitäten haben begonnen, die Wichtigkeit der Vorbildung zu erkennen. Einige kasachstanische Hochschulen haben schon ein Rebranding unternommen: Narxoz University, Satbayev University, Atyrau University. Sie bemühen sich attraktiv für die Jugend zu sein. Aber nicht die Fassade ist wichtig, sondern die gebotenen Bildungsinhalte.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Darum geht es ja gerade: Das Branding ist eine Sache, aber inwiefern ändern die kasachstanischen Hochschulen den Bildungsprozess? Westliche Forscher sagen, die Kinder der Generation Z seien mit elektronischen Gadgets aufgewachsen und seien nicht mehr in der Lage,  sich auf lange Texte zu konzentrieren. Andererseits sind die digitalen Technologien für sie ein gewohnter Raum. Ist eine solche Entwicklung auch bei den kasachstanischen Jugendlichen zu beobachten? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben uns vor unserer Studie ausführlich den ganzen Arbeiten der westlichen Forscher gewidmet. Sie beobachten, dass die Generation Z einen starken Bezug zu digitalen Technologien hat. In dem Bezug haben uns die Angaben der 14- bis 17-jährigen, die wir 2016 befragt haben, überrascht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die kasachstanische Generation Z ist ohne Zweifel mit elektronischen Gadgets vertraut. Ihre Vertreter verbringen viel Zeit auf sozialen Netzwerken, insbesondere bei Instagram, Telegram und VKontakte (dem russischen Äquivalent von Facebook). Im Übrigen benutzt die meisten Kasachstaner heutzutage aktiv Mobiltelefone. Alte Kommunikationskanäle und traditionelle Treffen verlieren ihre Attraktivität.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-2030-jugendkultur-in-kasachstan/">Zentralasien 2030: Jugendkultur in Kasachstan</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die kasachstanische Generation Z ist zwar mit elektronischen Gadgets besser vertraut, als die vorherigen Generationen, benutzt sie aber nicht so ausführlich. Es gibt zwar eine Mode um das Programmieren und um IT-Spezialisierungen, aber leider widmen sich nur sehr wenige junge Leute ausführlich dem Programmieren, der Data Science und den digitalen Technologien.</p>
<p style="text-align: justify;">Kurz gesagt kann man unsere Generation Z nicht im vollen Sinne als „digital natives“ bezeichnen, also Menschen, die die neuen Technologien von klein auf benutzen und sich damit auch gut auskennen. Sie sind eher „digital immigrants“, ebenso wie die Millenials und die Menschen von früheren Generationen. Ja, sie nutzen Smartphones, aber sie können viele Programme nicht vollständig ausnutzen, zudem die meisten sich nicht für das Programmieren, die Robotik, künstliche Intelligenz oder Big Data interessieren. Unsere Generation Z entspricht also in dem Sinne nicht den digital natives in entwickelten Ländern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wenn die kasachstanische Generation Z sich von ihren westlichen Altersgenossen unterscheidet, heisst dass, dass wir die Bildungsprozesse nicht ändern müssen? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich müssen wir sie ändern. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die kasachstanischen Jugendlichen wollen, dass das Wissen der Hochschullehrern ihnen nicht über klassische Methoden beigebracht wird. Sie möchten es sich selber aneignen, der Lehrer soll die Diskussion in der Klasse am besten einfach nur unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Studenten haben uns gesagt: «Entschuldigen Sie, aber viele Informationen können wir selbst im Internet finden. Uns ist viel wichtiger, dass der Lehrer uns zur Diskussion anregt, uns die Möglichkeit gibt, unseren Standpunkt zu erklären und uns dabei hilft, uns die neu erworbenen Kenntnisse auch in die Praxis umzusetzen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Das heißt, die Jugend möchte keine Lehrer oder Hochschullehrer, die Wissen einfach übertragen und deren Meinung als Wahrheit gilt. Es gibt viel eher eine Nachfrage nach Lehrern als Moderatoren, die die Diskussionen leiten, in denen die Studenten ihre eigenen Meinungen an denen der anderen messen können. Der Hochschullehrers, als jemand, der alles weiß und viel Lebenserfahrung hat trifft bei Jugendlichen und Studenten nicht auf Verständnis. Eine solche Hierarchisierung nimmt ihnen eher die Motivation zu lernen.</p>
<p style="text-align: justify;">Laut unserer Studie gibt es eine Nachfrage nach Hochschullehrern mit viel professioneller Erfahrung. Die Jugend zieht die Praxis der Theorie vor. Jemand der zum Beispiel Marketing lehrt sollte viel praktische und wissenschaftliche Erfahrung haben. Solche Leute stoßen auf größeren Respekt, als Professoren, die einfach ihre Lektion aus dem Buch rezitieren. Ich bin nicht gegen Theoretiker, aber Studenten können jede Information heutzutage selbstständig finden und lesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Entwicklung bedeutet allerdings auch, dass es heute umso wichtiger ist, Studenten zum kritischen Denken zu erziehen. Informationen zu finden ist kein Problem, dafür ist es aber schwer einzuschätzen, welchem Artikel man vertrauen kann. In Schulen und Hochschulen muss man demnach lehren, wie Information gefiltert werden können, und wie die richtigen Entscheidungen getroffen werden und man gut durchs Leben kommt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Ich möchte Glück</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Zahlen Ihrer Studie sind beeindruckend: Für 65 Prozent der Leute ist das wichtigste Ziel „Familienglück erreichen“. Ihre Informanten sind 14 bis 17 Jahre alt. In solch einem Alter träumt man doch  eigentlich eher von sportlichen Erfolgen, als von einem ruhigen Alltag. Und nur ein Drittel der Befragten sieht „die Möglichkeit, sein Talent zu verwirklichen“ als wichtigstes Ziel im Leben. Wie kann man das interpretieren: Beobachten wir einen Trend zum Konservatismus oder handelt es sich hier um eine gewisse Infantilisierung? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Forschung ist, dass es für die kasachstanischen Generation Z keine Konflikte zwischen Eltern und Kindern geben soll. Das ist ein globaler Trend, der besonders auch in Russland zu beobachten ist. Auch die die russische Forscherin Ekaterina Schulman zum Beispiel hat angemerkt, wie wichtig die Familie für die russische Generation Z ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum ist das so ? In dieser komplizierten und unverständlichen Welt ist die Familie für unsere Jugend die klarste und verlässlichste Konstruktion. Sie ist ein „sicherer Raum“, wie einer unserer Informanten sagte, eine Basis, auf die man sich stützen kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-uber-100-studierende-nach-ielts-falschungsskandal-exmatrikuliert/">Kasachstan: Über 100 Studierende nach IELTS-Fälschungsskandal exmatrikuliert </a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gleichzeitig hat die Jugend aber auch einen recht pragmatischen Blick auf diesen « sicheren Raum ». Familie, dass sind die Leute, die einen immer materiell und psychisch unterstützen werden. Es gibt sehr viel Online-Kommunikation, die aber eher auf einer leichten freundschaftlichen Ebene bleibt. Unsere Jugend geht davon aus, dass sie keine tiefgreifenden Vertrauensverhältnisse zu Freunden, Kollegen und Vorgesetzten haben wird. Sie suchen eine Art Therapie und finden diese in der Familie. Heutzutage kümmern sich die Jugendlichen viel um ihre Stellung in sozialen Medien. Schüler sind gestresst durch Instagram. Sie sorgen sich um die Zahl der „Likes“, darum, wer sie „getaggt“ hat und wie sie von anderen wahrgenommen werden. In der Familie können sie aber sie selbst sein, ohne sich zu verstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Also eine Art Infantilismus. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auf eine Art ja, aber sie sind nicht wirklich daran Schuld. Die Bedingungen dafür wurden von ihren Eltern geschaffen, die in den schweren 1990ern aufgewachsen sind. Es ist verständlich, dass die Eltern nach dem, was sie erlebt haben, ihre Kinder von jeglichen Schocks schützen wollen und ihnen möglichst günstige Bedingungen schaffen wollen.</p>
<p style="text-align: justify;">Und ja, die Folgen dieser Hyper-Bevormundung sind sichtbar : Die Eltern machen alles für die Kinder und bemühen sich, mehr oder weniger alle ihre Wünsche zu erfüllen. Der Komplex der 1990er wird so in umgekehrter Ordnung weitergegeben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>65 Prozent der Befragten geben « Familienglück » als wichtigstes Ziel im Leben an. Scheint ihnen nicht, dass das auf einen Trend hin zum Konservatismus hinweist? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Interessanteste ist, dass sich die Gesellschaft als Ganzes in Kasachstan traditionalisiert. Sowohl für die Jugend als auch für die Älteren steht die ethno-religiöse Identität heute im Vordergrund. In dem Sinne folgt unsere Generation Z ganz diesem gesamtgesellschaftlichen Trend.</p>
<p style="text-align: justify;">Andererseits kommen auch Widersprüche zum Vorschein: Wenn die Familie für die Generation Z an erster Stelle steht, warum endet dann jede dritte Hochzeit in einer Scheidung? Dieses Dilemma habe ich noch nicht gelöst, vielleicht können an der Stelle andere Kollegen weiterarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Vielleicht ist die Familie für 30-jährige kein solcher Wert mehr und auch die Generation wird ihr Wertesystem in diesem Alter überdenken ? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das werden wir weiter studieren. Mir scheint, die Familie bleibt wichtig. Nicht nur das Elternhaus, sondern auch die eigene Familie. Die Frage des Alterns hat mehrere Facetten. Die Kindheit endet früh für die Generation Z, mit massivem Zugriff auf Informationen, vor allem visuellen, aus dem Internet. Sie empfinden sich als deutlich älter, als sie sind. Gleichzeitig ist das Syndrom des „erwachsenen Kindes“ eine typische Erscheinung, also der Wunsch, nicht erwachsen zu werden und keine Verantwortung für sich und für andere tragen zu wollen.</p>
<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-zentralasiatische-rap-in-10-tracks/">Der zentralasiatische Rap in 10 Tracks</a></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie fragten nach der Infantilisierung der Generation Z. Man sollte an dem Punkt nicht vergessen, dass die meisten Kasachstaner erst mit 30 ein gewisses Engagement zeigen. Dreißigjährige sind aktiver in der Politik und im sozialen Bereich, sie werden zu aktiven Bürgern. Reden wir über die 16-jährigen Jugendlichen, die wir befragt haben, so ist es erstaunlich, wie gleichgültig sie gegenüber dem Geschehen im Land sind. Natürlich verfolgen sie alles seit ihrer Kindheit, haben sich an die gegebene Ordnung aber schon gewöhnt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>In Gesprächen mit heutigen Jugendlichen wird oft der Traum geäußert, Instagram-Star zu werden, um mit Werbung Geld zu verdienen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie gesagt, unsere Generation Z unterscheidet sich von ihren westlichen Altersgenossen dadurch, dass sie elektronische Gadgets vor allem zur Unterhaltung und zum Zeit-Totschlagen nutzen. Vielleicht hat das damit zu tun, dass unser Bildungssystem sich noch nicht angepasst hat und die neuen Technologien noch nicht in den Lehrprozess eingebunden werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Würde man Programmieren und Robotik lehren und die Arbeit mit Big-Data schon in den jungen Klassen fördern, dann würde unsere Jugend auch aktiver werden. In jedem Fall zeigen die Zahlen, dass viele Jugendlich sich auf IT spezialisieren. Dieser Trend wird noch weiter wachsen.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich kann man die Generation Z auch nicht unabhängig von der Entwicklung der gesamten Gesellschaft betrachten. Die sozioökonmische Lage hat mehr Einfluss, als wir denken. Die Generation als theoretisches Konstrukt kann nicht alles erklären.</p>
<p><strong>Hier geht es <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-was-ist-die-generation-zyng-zyng-teil-22/">zum zweiten Teil vom Interview</a>.</strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Mit Danijar Kosnasarow sprach Askar Maschajew<br />
</strong><a href="http://expertonline.kz/a15415/"><strong>Expert Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right;"><strong>In der gekürzter Fassung aus dem Russischen von Florian Coppenrath</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen, schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company-beta/5246815/">LinkedIn</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</p>
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		<title>Ein diplomatischer Drahtseilakt: Wie Kasachstan und Belarus sich im Syrien- und Ukrainekonflikt als Mediatoren etablieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2017 05:47:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Astana]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan und Belarus haben es als strategische Partner Russlands geschafft im Syrien- beziehungsweise Ukrainekonflikt durch den Aufbau von Verhandlungsplattformen eine Mediatorrolle einzunehmen. Die Minsker Abkommen und die Syrien-Gespr&#xE4;che in Astana sind exemplarisch f&#xFC;r das Bem&#xFC;hen beider L&#xE4;nder den schwierigen Balanceakt zwischen einerseits Russland und andererseits ihren westlichen Partnern zu halten, so der Zentralasienexperte Danijar Kosnasarow. [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><b>Kasachstan und Belarus haben es als strategische Partner Russlands geschafft im Syrien- beziehungsweise Ukrainekonflikt durch den Aufbau von Verhandlungsplattformen eine Mediatorrolle einzunehmen. Die Minsker Abkommen und die Syrien-Gespräche in Astana sind exemplarisch für das Bemühen beider Länder den schwierigen Balanceakt zwischen einerseits Russland und andererseits ihren westlichen Partnern zu halten, so der Zentralasienexperte Danijar Kosnasarow.</b></p>
<p style="text-align: justify">Als Partner Russlands innerhalb der <a href="http://eawu.ahk.de">Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU)</a>, müssen sowohl Kasachstan als auch Belarus wirtschaftliche Verluste durch von Moskau initiierte Verbotsmaßnahmen und Regulationen in Kauf nehmen. Die Mitgliedschaft in der EAWU und die enge Kooperation mit Moskau gibt den beiden Ländern allerdings auch ein beträchtliches politisches Kapital, durch welches sie Einfluss in der Lösung internationaler Konflikte gewinnen können, in die Moskau auf die eine oder andere Art und Weise involviert ist.</p>
<p style="text-align: justify">So rief der Konflikt in der Ukraine die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Minsk_II"><em>„Minsker Verträge“</em></a> ins Leben und der Krieg in Syrien führte zur Gründung des „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Syrian_peace_process#January_2017_Astana_talks"><em>Astana-Prozesses“</em></a>. Belarus und Kasachstan bieten sich als Verhandlungsplattformen für die Konfliktparteien an und treten für friedliche Lösungen durch konstruktive Dialoge und Diplomatie ein.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zwischen-rampenlicht-und-realitat/">Kasachstan zwischen Rampenlicht und Realität: Sport, Syrien und eine Weltausstellung</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese rationale Politik zeigt, dass „kleine und mittlere Staaten“ wie Kasachstan und Belarus mit großer Sensibilität auf Konflikte in der Welt reagieren. Insbesondere Konflikte in der Nachbarschaft oder solche, in denen Staatsbürger oder Staatsbürger direkter Verbündeter teilnehmen, stellen eine Bedrohung dar. So sind beispielsweise die Ukraine und Belarus nicht nur direkte Nachbarn — es gibt auch einen regen Handel und Austausch zwischen den beiden Ländern. In Syrien hingegen kämpfen kasachische Staatsbürger in verschiedenen terroristischen Gruppierungen und Brigaden. Dies Konflikte betreffen Kasachstan und die Ukraine unmittelbar und zwingen die Regierungen beider Länder zum Handeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Reaktion auf eine direkte Bedrohung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch Konfrontationen zwischen Großmächten, im Allgemeinen zwischen den USA und Russland, rufen in Astana und Minsk Besorgnis hervor.  Kasachstan und Belarus fürchten, dass diese Konflikte negative Auswirkungen auf sie haben werden, vor allem was ihre eigene politische Stabilität und die Wirtschaft angeht. Dies betrifft insbesondere Sanktionen und den Zugang zu ausländischen Darlehen und Investitionen.</p>
<p style="text-align: justify">Vor diesem Hintergrund versuchen Belarus und Kasachstan sich paradoxerweise dadurch, dass sie an einer Lösung der Konflikte arbeiten, sich von diesen zu distanzieren. Ihre enge Beziehung zu Russland hilft ihnen dabei, sich als Austragungsort für Friedensverhandlungen zu etablieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Betonung auf liberalen Werten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ihre Nähe zu Russland erlaubt es Astana und Minsk für eine friedliche Lösung zu werben. Dies ist auch im Sinne des Westens, denn damit zeigen Kasachstan und Belarus, dass die liberalen Werte im Sinne der Botschaft Woodrow Wilsons, auf dessen Initiative die Gründung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerbund">Völkerbundes</a> zurückgeht, noch aktuell sind und auch in nicht-westlichen Staaten Zustimmung finden — wenn auch in einer sehr engen Auslegung.</p>
<p style="text-align: justify">Die Hoffnung, dass die eurasischen Länder, China und Russland ausgenommen, sich in Zukunft vollständig demokratisieren und westliche Werte annehmen werden, scheint im Westen weit verbreitet. Initiativen wie die Minsker Verträge und der Prozess von Astana werden daher durchaus als eine Bestätigung solcher Hoffnungen verstanden. Gewiss ist dabei allerdings auch, dass sowohl die Minsker Abkommen als auch die Syrien-Gespräche in Astana sich auf die Beziehungen Kasachstans und Belarus’ zu den USA und der Europäischen Union sehr positiv auswirken.</p>
<p style="text-align: justify">So schaffen es Minsk und Astana nicht nur, Russland dabei zu helfen, die Situationen zu entschärfen und für Deeskalation zu sorgen. Sie unterstützen gleichzeitig den Westen dabei zu zeigen, dass friedliche und zivilisierte Lösungen von Konflikten für die Gesamtheit der internationalen Gemeinschaft von Vorteil sind.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mediation als Distanzierungsmöglichkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Indem sie sich durch eine neutrale Mediatorrolle von den Konflikten distanzieren gelingt es Minsk und Astana ihre Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auszubalancieren. Durch gute Beziehungen zu den Großmächten, versuchen die kleinen und mittleren Staaten sich vor Konflikten und Auseinandersetzungen zu schützen und vor allem zu verhindern, dass diese Auswirkungen auf ihrem Territorium zeigen. Gleichzeitig ist sind solche Konflikte zwischen Großmächten für kleinere Staaten eine Möglichkeit sich als ernstzunehmende und kompetente Partner zu beweisen.</p>
<p style="text-align: justify">Eine solche Strategie ist für Staaten wie Kasachstan und Belarus überlebenswichtig und kann daher nicht unmoralisch sein. Ich behaupte nicht, dass es sich hier um reine <a href="http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161544/realpolitik"><em>Realpolitik</em></a> handelt. Sowohl Kasachstan als auch Belarus werden nicht müde zu bekräftigen, dass sie Partner Russlands sind. Dennoch wollen sie ihre Beziehungen zu westlichen Ländern nicht aufs Spiel setzen und ein integraler Teil der internationalen Gesellschaft sein.</p>
<p style="text-align: right"><b>Danijar Kosnasarow ist Experte für internationale Beziehungen und Zentralasienspezialist</b></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Charlotte Dietrich </strong></p>
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		<title>Der usbekische Stress-Test</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2016 02:02:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Islom Karimov]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Danijar Kosnasarow ist Mitgr&#xFC;nder des kasachischen Zentrums f&#xFC;r China- und Zentralasienstudien &#x201E;Synopsis&#x201C;. W&#xE4;hrend in Usbekistan nach dem Tod des ersten Pr&#xE4;sidenten Islam Karimow Anfang September vor einer neuen politische &#xC4;ra steht, bietet er uns in seinem Kommentar eine kasachische Perspektive auf den s&#xFC;dlichen Nachbar. Alle zentralasiatischen Staaten m&#xF6;chten gute Beziehungen zu Usbekistan. Die Nachbarl&#xE4;nder wollen [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Danijar Kosnasarow ist Mitgründer des kasachischen Zentrums für China- und Zentralasienstudien „Synopsis“. Während in Usbekistan nach dem Tod des ersten Präsidenten Islam Karimow Anfang September vor einer neuen politische Ära steht, bietet er uns in seinem Kommentar eine kasachische Perspektive auf den südlichen Nachbar. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Alle zentralasiatischen Staaten möchten gute Beziehungen zu Usbekistan. Die Nachbarländer wollen die nach dem Tod des ersten usbekischen Präsidenten Islam Karimow einmalig eingetretene Gelegenheit nutzen, die Beziehungen auf Null zu setzen oder zumindest unerwartete Wendungen vermeiden.</p>
<p style="text-align: justify">Für Tadschikistan bietet sich zum Beispiel erstmals die Möglichkeit, einige schmerzhaften Probleme in den Beziehungen mit Usbekistan neu zu behandeln. Für andere Länder, wie Russland und China, geht es weniger um einen Neustart, als um die Garantie, dass die Partnerschaft zu Usbekistan wie zuvor weitergeführt werden kann. Wobei sie langfristig wohl auch nichts gegen eine Orientierung des neuen Präsidenten in ihre Richtung einzuwenden hätten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Weiterführung einer „karimowschen“ Außenpolitik</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist nicht zu erwarten, dass Usbekistan bald der Organisations des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) beitreten wird oder sein Veto gegen den Aufbau einer freien Wirtschaftszone der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) zurückziehen wird (was jeweils eine Orientierung gen Russland oder China bedeuten würde, Anm. d. Red.). Wahrscheinlich wäre eine klare Orientierung Usbekistans nach Moskau oder Peking zuerst nicht im Interesse der zwei Großmächte, da es die Beziehungen zwischen ihnen Gefärden könnte. Eine Außenpolitik im „karimowschen“ Stil wäre kurz- und mittelfristig wohl am wichtigsten für Russland und China.</p>
<p style="text-align: justify">In der Region hat man sich bereits sehr an das außenpolitische Verhalten von Usbekistan angepasst. Ein plötzlicher Kurswechsel würde niemandem in die Karten spielen. Die letzten Reden usbekischer Politiker zeigen, dass das Land im Prinzip bereit ist, weiter die Rolle eines von allen distanzierten Partners zu spielen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kasachstan auf Tuchfühlung mit Usbekistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Kasachstan hat bereits zur Förderung der Partnerschaft eine Wirtschaftsdelegation nach Taschkent geschickt. Die Wirtschaftsinteressen können nicht warten, bis das usbekische Volk einen neuen Präsidenten gewählt hat, da für die Nachbarn die Verbesserung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen eine hohe Priorität einnehmen. Das spricht dafür, dass sich die usbekisch-kasachischen Beziehungen unabhängig von der Konjunktur auf dem alten Sockel entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify">Andererseits möchte Astana auch die Gelegenheit des Machtwechsels nutzen. Der neue Präsident wird die Unterstützung und Legitimierung anderer Länder suchen und könnte sich erst mal kompromissbereiter zeigen. Indem sie zeigen, dass man an der Beziehung arbeiten muss, scheinen beide Länder dabei eine gewohnte Beziehungsebene zu suchen. Astana zeigt sich sicher, dass keine Schocks zu erwarten sind und dass die nachbarlichen Beziehungen wie zuvor weitergeführt werden können.</p>
<p style="text-align: justify">Das bedeutet am ehesten, dass ein Konsens innerhalb der usbekischen Elite gefunden wurde und dass den internationalen Partnern gewisse Garantien gegeben wurden, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Durch seine frühen Besuche zeigt Astana, dass es keine Unterbrechung in den Beziehungen gibt und es nicht auf eine Klärung der Machtfrage in Taschkent wartet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Kontinuität zuerst</strong></p>
<p style="text-align: justify">Demnach ist der erste Stress-Test bestanden. Es ist wahrscheinlich, dass die Beziehungen Usbekistans zu seinen Nachbarstaaten auch nach den Wahlen wie zuvor weitergeführt werden. Das wünschen auch Taschkents Partner. Weder Russland, noch China, noch die zentralasiatischen Staaten sind an einer innenpolitischen Instabilität in einem der Länder der Region interessiert. Es ist wichtig, dass von Usbekistan so wenig Risiken, wie möglich ausgehen. Auch die weitere Beteiligung Usbekistans an der Terrorismusbekämpfung und der Verhinderung anderer destruktiver Tendenzen, die zum Teil aus Afghanistan kommen, ist wichtig für die Region.</p>
<p style="text-align: justify">Die regionalen Partner Usbekistans würden eine destabilisierung des Landes durch intraelitäre Konflikte kaum erlauben. Das politische Establishment in Taschkent ist relativ erfahren und kennt die „roten Linien“, die nicht überschritten werden sollten. Wahrscheinlich wird ein neues Gleichgewicht in der usbekischen Politik in den kommenden Jahren bestimmte Änderungen mit sich bringen. bis dahin wird Usbekistan seine internationalen Pflichten weiter erfüllen und die gemeinsamen Bedrohungen bekämpfen. Starke Kritik oder Feindschaft der regionalen Mächte ist nicht zu erwarten.</p>
<p style="text-align: justify">Stattdessen werden von dem neuen Präsidenten Usbekistans auch interessante und frische Ansätze erwartet, um regionale Probleme zu behandeln, insbesondere Streitigkeiten um Wasser, Grenzen und den regionalen Transport.</p>
<p style="text-align: left"><strong><em>Eine russische Version des Artikels ist auf dem kasachischen Internetportal </em></strong><a href="https://vlast.kz/politika/19426-uzbekskij-stress-test.html"><strong><em>vlast.kz zu lesen.</em></strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Danijar Kosnasarow</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong> Aus dem russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/der-usbekische-stress-test/">Der usbekische Stress-Test</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Wohin führt der erste Staatsbesuch des nächsten usbekischen Präsidenten?</title>
		<link>https://novastan.org/de/usbekistan/quelle-sera-la-premiere-visite-officielle-du-prochain-president-ouzbek/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2016 11:56:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Islom Karimov]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>L&#x2019;Ouzb&#xE9;kistan est en pleine campagne pr&#xE9;sidentielle &#x2013; visant surtout &#xE0; consolider la stature du favoris &#x2013; Chavkat Mirzio&#xEF;ev &#x2013; mais tout de suite apr&#xE8;s viendra le temps de la construction de l&#x2019;apr&#xE8;s Karimov...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Danijar Kosnasarow, Mitgründer des kasachischen Zentrums für China- und Zentralasienstudien „Synopsis“ interessiert sich für die internationale Dimension der Nachfolge des verstorbenen usbekischen Präsidenten Islam Karimow. Ein wichtiges Indiz für den Kurs, den Usbekistan einschlagen wird könnte der erste Staatsbesuch des zukünftigen Staatschefs sein. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 4. Dezember diesen Jahres finden in Usbekistan Präsidentschaftswahlen statt. Der nächste Präsident wird neue Beziehungen zu den Staatschefs anderer Staaten aufbauen und das Land auf der internationalen Bühne vertreten müssen. Viel wird von seiner Erfahrung und seinen Qualitäten abhängen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Schawkat Mirsijojew, Präsident in spe </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Interimspräsident Schawkat Mirsijojew ist bereits sehr aktiv. Er reist durch das Land, dirigiert die Regierung und enhebt bestimmte Lokalvertreter von ihren Ämtern. Andere Präsidentschaftskandidaten werden kaum wahrgenommen. Außerdem hatte Mirsijojew bereits in seinen zwölf Jahren als Premierminister viel Gelegenheit, Kontakte zu Staatschefs und hohen Vertretern anderer Länder aufzubauen.</p>
<p style="text-align: justify">Der chinesische Staatschef Xi Xinping erinnerte zum Beispiel in einem Schreiben an den Interimspräsidenten daran, wie dieser ihn im Juni 2016 bei seinem Besuch in Buchara begleitet hatte. Er betonte auch seine Absicht, enge Kontakte mit Mirsijojew beizubehalten und die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen China und Usbekistan weiter zu entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan.org: <em><a href="https://novastan.org/de/usbekistan/kennen-wir-bereits-den-zukunftigen-usbekischen-prsidenten/">Kennen wir bereits den zukünftigen usbekischen Präsidenten?</a></em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Natürlich ist nichts außergewöhnliches in diesen Worten. Geht man aber davon aus, dass Mirsijojew erst mal ein Präsidentschaftskandidat unter anderen ist, scheint diese indirekte Unterstützung ausländischer Staatschefs ihm eine gute Werbung zu bringen. Weitere Kandidaten haben diese Chance nicht. Wie bekannt ist, war Mirsijojew auch Kommissionsleiter für die Organisation der Beerdigung des ehemaligen Präsidenten Islam Karimow in Samarkand. Bei der Trauerfeier konnte er als einer der Ersten das Beileid der Vertretern anderer Staaten entgegennehmen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ausländische Gäste auf der Trauerfeier</strong></p>
<p style="text-align: justify">Viele offizielle Gäste waren auf der Beerdigung anwesend: Die Präsidenten von Afghanistan, Tadschikistan und Turkmenistan, die Premierminister von Belarus, Georgien, Russland, Kasachstan und Kirgistan, die Vizepremiers von China, Südkorea und der Ukraine, der iranische Außenminister und hochrangige Vertreter und Diplomaten weiterer Staaten. Kurz darauf kamen auch die Präsidenten von Russland und Kasachstan, um Blumen an das Grab des ersten usbekischen Präsidenten zu legen und der Familie Karimow wie dem usbekischen Volk ihr Beileid auszudrücken.</p>
<p style="text-align: justify">Vor allem die zentralasiatischen Nachbarstaaten und wichtige internationalen Partner von Usbekistan waren unter den ersten, die dem verstorbenen Präsidenten gedachten. Aber ihr Besuch diente auch als dazu, zu klären, wie sich die Lage in dem am dichtesten bevölkerten Land Zentralasiens weiterentwickeln wird.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Präsident Usbekistans als erstes eines der oben genannten Länder besuchen wird. Aber nicht das Ziel seines ersten Staatsbesuchs an sich ist interessant, sondern die Folgen, die der Besuch mit sich bringen wird.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Priorität der Regionalpolitik </strong></p>
<p style="text-align: justify">Um den mächtigen Partnern Usbekistans nicht den Eindruck zu vermitteln, das bestimmte Länder wie Russland oder China in der künftigen Außenpolitik Usbekistans privilegiert werden, wird der neue neue Präsident am ehesten die zentralasiatischen Nachbarn als erste besuchen. Der kürzliche Besuch des usbekischen Außenministers  Abdulasis Kamilow in Tadschikistan könnte dafür sprechen, dass Usbekistan die Lage sondiert oder bereits Staatsbesuche in den Nachbarländern vorbereitet. Ob Tadschikistan das erste Ziel sein wird, bleibt jedoch unsicher. Genauso gut könnte es Kasachstan sein, dessen Präsident Nursultan Nasarbajew über regionale Autorität verfügt und das eine Schlüsselrolle in der Lösung regionaler Probleme einnimmt.</p>
<p style="text-align: justify">Es kann auch sein, dass der neue Präsident die vier zentralasiatischen Staaten auf einen Schlag besucht und seine internationale Aktivität mit einer regionalen Tournee beginnt. Dies wäre ein Zeichen dafür, dass Taschkent dem Verhältnis zu seinen Nachbarn eine hohe Bedeutung zuteilt. Es könnte den Ton für die weiteren regionalen Beziehungen angeben. Natürlich wird ein hypothetischer Besuch nicht reichen, um die vielen chronischen Probleme der Region auf einen Schlag zu lösen. Aber die seltene Gelegenheit für einen Neustart der Beziehungen sollte nicht verpasst werden. Gute nachbarliche Verhältnisse könnten eine Bedingung für konstruktive Beziehungen zu Weltmächten sein.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Beziehung zu den Weltmächten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die nächsten auf der Liste möglicher Reiseziele für den ersten Staatsbesuch sind Russland, China und Südkorea. Alle drei sind wichtige Partner von Usbekistan. Sie investieren viel Geld ins Land und sorgen sich wie alle Investoren um die Entwicklung des Lage im Land. Es ist sehr wichtig für Taschkent, die Kapitalflüsse, das Handelsvolumen und den damit einhergehenden politischen Einfluss beizubehalten. Durch einen Staatsbesuch könnte der neue Präsident die sorgen Beruhigen und garantieren, dass es keinen Bruch im Verhältnis zu den Partnern geben wird.</p>
<p style="text-align: justify">Natürlich sollte man auch die Vereinigten Staaten nicht vergessen. Das Land ist momentan sehr mit den eigenen Präsidentschaftswahlen beschäftigt. Bis zum 4. Dezember wird aber klar sein, wer der nächste amerikanische Staatschef sein wird. Sollte Hillary Clinton die Wahl gewinnen, wird sie sich bestimmt auch für die Lage in Zentralasien interessieren. In dem Fall wäre auch ein Besuch des neuen usbekischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten wahrscheinlicher. Oder andersherum: Clinton könnte sich für eine Zentralasientournee entscheiden und einen Halt in Taschkent nutzen, um den neuen Präsidenten zu treffen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/s51-wie-steht-es-um-die-amerikanische-zentralasienpolitik/">C5+1 – Wie steht es um die amerikanische Zentralasienpolitik?</a></em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zu Beginn dieser neuen Epoche in der Politik Usbekistans wird eine aktive Außenpolitik des neuen Präsidenten ein wesentlicher Schritt sein, um stabile Beziehungen zu den wichtigsten Staaten beizubehalten. Die internationalen Partner Usbekistans wollen keine Überraschungen. So wünscht auch Taschkent bestimmt keine neuen Probleme auf internationaler Ebene, ob vor oder nach den Wahlen.</p>
<p>Dieser Artikel ist auch auf russisch auf dem kasachischen Internetportal <a href="https://vlast.kz/politika/19528-kuda-soversit-svoj-pervyj-zarubeznyj-vizit-sleduusij-prezident-uzbekistana.html">vlast.kz</a> zu lesen.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Danijar Kosnasarow<br />
Mitgründer des Zentrums für China- und Zentralasienstudien „Synopsis“</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem russischen übersetzt von Florian Coppenrath<br />
Mitgründer von Novastan.org</strong></p>
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		<title>С5+1: Wie steht es um die amerikanische Zentralasienpolitik?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Aug 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>C5+1, eine recht neue diplomatische Initiative in der Zentralasienpolitik der Vereinigten Staaten, kommt sp&#xE4;t in Obamas Amtszeit. Was bedeutet das f&#xFC;r die Gegenwart und Zukunft des Verh&#xE4;ltnisses zur Region?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em>(Die <a href="https://egemen.kz/2016/08/04/54552">kasachische Version dieses Artikels</a> erschien am 4. August 2016 in der Zeitung „Egemen Kasachstan“ N°148 (28876). Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.)</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Danijar Kosnasarow verschuf sich bei einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten im Mai diesen Jahres durch Treffen mit amerikanischen Forschungszentren und Universitäten einen Überblick über Expertenmeinungen zur neuen C5+1 Initiative und zur Zentralasienpolitik unter Barack Obama. Er liefert uns seine Erkenntnisse und Prognosen zur Haltung der Vereinigten Staaten für den Fall der Wahl Hillary Clintons im November. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 3. August diesen Jahres trafen sich die Außenminister der Vereinigten Staaten und der fünf zentralasiatischen Staaten in Washington. Das Treffen fand im Rahmen der amerikanischen „C5+1“ Initiative statt, ein neues Format für den innerzentralasiatischen Dialog. Das erste Treffen dieser Art wurde am 1. November 2015 in Samarkand abgehalten &#8211; im Rahmen der Reise des Aussenministers John Kerry durch die fünf Länder der Region.</p>
<p style="text-align: justify">Die Bedrohungen, die unmittelbar aus Zentralasien kommen, haben keine direkte und schnelle Auswirkung auf die Sicherheitslage und die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten. So hat die Bedeutung der Region für sie nach der aktiven Phase des NATO-Einsatzes in Afghanistan deutlich abgenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Den &#8222;Puls&#8220; Zentralasiens erfassen</strong></p>
<p style="text-align: justify">Daher kann man die Institutionen der multilateralen &#8222;C5+1&#8220;-Plattform als eine Antwort auf die Sorgen verstehen, die Vereinigten Staaten würden die Region entgültig verlassen. Aber sie bietet auch einen wichtigen Raum, der es Washington weiterhin erlaubt, den „Puls“ der Region zu erfassen. Kein ausreichender Raum jedoch, um den Positionsverlust in Zentralasien ganz zu kompensieren &#8211; besonders hinsichtlich der verstärkten politischen und wirtschaftlichen Einflüsse von Moskau und Peking.</p>
<p style="text-align: justify">Im Gespräch bemerkte ein Professor einer prestigeträchtigen Universität, dass die aktuelle Lage in der Region den Vereinigten Staaten nicht in die Hände spielt, da Russland und China bereits den amerikanischen Abzug aus Zentralasien für sich nutzen. Viele sind der Ansicht, die Initiative käme zu spät, und aus diesem verspäteten Vorstoss kann man schliessen, dass Zentralasien für die Administration von Obama nie eine große Rolle gespielt hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zentralasien: Eine marginale Region</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Washingtoner Analytiker, die sich mit Zentralasien beschäftigen, bestätigen, dass Zentralasien während der Präsidentschaft von Obama zu den marginalen Regionen gezählt wurde. Dies liegt besonders daran, dass die Strategie der „<a href="http://www.state.gov/p/sca/ci/af/newsilkroad/">neuen Seidenstrasse</a>“ sich kaum umsetzen ließ. Russland und Eurasien-Experten vertreten eine ähnliche Meinung: Für Obama wäre die Lösung des „iranischen Problems“ und die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba deutlich wichtiger gewesen. Für Obama seien die Ukraine-Krise, Afghanistan und Zentralasien zweitrangige oder gar drittranginge Fragen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Experten sind der Ansicht, dass die amerikanischen Sanktionen gegen Russland, die auch die zentralasiatischen Wirtschaften treffen, weitergeführt werden. Die Beziehung zu Russland ist für die Vereinigten Staaten nicht entscheidend genug, als dass eine Erleichterung oder Aufhebung der Sanktionen notwendig sei. Zudem wird in den politischen Zirkeln des Landes kein Druck auf die entscheidenden Personen ausgeübt, die die Sanktionen aufheben könnten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 399px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1255/5241270803_fe4c430f77_z.jpeg" alt="Hillary Clinton Astana" /></p>
<p style="text-align: justify">Sollte Hillary Clinton die nächste Präsidentin werden, könnte das Interesse für die Region jedoch wieder geweckt werden. Die Gelehrten und Forscher, die ihre politischen Ansichten teilen, vermuten, dass sich die Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft von Clinton mehr an den wirtschaftlichen und politischen Prozessen verschiedener Weltregionen beteiligen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Ihre Russlandpolitik wäre dann ähnlich wie die Obamas oder gar aggressiver. Manche Figuren, die an der Vorwahlkampagne von Clinton beteiligt waren, haben bereits feste Ansichten zu Russland. Es ist schwer zu sagen, wie sehr sie sich ändern würden, sobald sie in der Administration eingesetzt wären.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zuerst den Status Quo erhalten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Analytiker bemerken allerdings, dass die Bildung einer neuen außenpolitischen Strategie der Vereinigten Staaten Zeit braucht. Das nächste Staatsoberhaupt wird sich die ersten hundert Tage der Amtszeit wohl eher innerstaatlichen Problemen und der neuen Regierungsbildung widmen. Insider sind der Ansicht, dass Clinton wahrscheinlich erfahrene Diplomaten und Experten rekrutieren wird, die die ihnen zugewiesenen Regionen aus erster Hand kennen. Es scheint, dass der größte Teil des außenpolitischen Establishments Clinton unterstützt.</p>
<p style="text-align: justify">Solange die Wahlkampagne läuft und noch nicht klar ist, wer die Wahlen gewinnen wird, wird die Politik der Vereinigten Staaten in vielen Weltregionen auf eine Erhaltung des Status Quo abzielen, beziehungsweise darauf, dass sich die aktuellen Krisenherde wie Syrien und Afghanistan nicht verschlimmern, so Berater des Weißen Hauses. Man kann vermuten, dass dies auch auf Zentralasien zutrifft.</p>
<p style="text-align: justify">In amerikanischen Expertenkreisen gibt es jedenfalls ein Verständnis dafür, dass man Zentralasien Aufmerksamkeit schenken sollten &#8211; insbesondere durch die aktive Nutzung von „C5+1“. Analytiker im Regierungsapparat teilen Beobachtungen nach diese Ansicht.</p>
<p style="text-align: justify">In politischen Kreisen kursiert die Meinung, dass Washington duch den Abzug der Streitkräfte aus Afghanistan sich verstärkt den Fragen der Demokratisierung und der Menschenrechte in Zentralasien widmen kann.</p>
<p style="text-align: justify">In Hinsicht auf die erhöhten Terrorismus- und Extremismusrisiken meinen viele Spezialisten, dass es viel wichtiger sei, sich mit allgemeinen Bedrohungen zu befassen. Sie sind der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten sich auf die Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit und auf die Stärkung der Stabilität in der Region konzentrieren sollte, wenn sie nicht aus den regionalen Prozessen ausgeschlossen werden wollen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>&#8222;C5+1&#8220; als außenpolitisches Instrument</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sie verstehen, dass Zentralasien keine einfache Zeit bevorsteht, wenn man die niedrigen Ölpreise, die geopolitischen Veränderungen und die Verschlechterung der religiösen und sozial-wirtschaftlichen Lage in Betracht zieht. Diese Fragen sollten im Rahmen des „C5+1“-Formats offen auf den Treffen der Außenminister der Vereinigten Staaten und der fünf zentralasiatischen Republiken diskutiert werden. Nur durch offene Diskussionen können die Beteiligten konsensuelle Entscheidungen und Strategien erarbeiten.</p>
<p style="text-align: justify">Jetzt, wo die Vereinigten Staaten die Bilanz der Präsidentschaft Obamas betrachten, ist genau so ein Moment: Die neue Präsidentschaft bietet die Möglichkeit, die Zusammenarbeit neu zu definieren. Die &#8222;C5+1&#8220; Plattform ermöglicht, die Beziehungen der Vereinigten Staaten mit Zentralasien in den letzten zehn Jahren zu analysieren und ein genaues Verständnis für gemeinsame Probleme und Kooperationsperspektiven zu definieren.</p>
<p style="text-align: justify">Sollte Hillary Clinton die neue Präsidentin werden, so wird es für sie dank der durch &#8222;C5+1&#8220; entstandenen Empfehlungen und Vorschläge deutlich leichter werden, ihre Zentralasienpolitik zu definieren.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Danijar Kosnasarow</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong><br />
<strong>Mitgründer von Novastan.org</strong></p>
<p><!--End mc_embed_signup--></p>
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		<title>Sind die Taliban eine Bedrohung für Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniyark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Aug 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die kasachische &#xD6;ffentlichkeit diskutiert momentan den &#x201E;terroristischen&#x201C; Angriff in Almaty am 18. Juli und dem vereitelten Putschversuch in der T&#xFC;rkei. Dabei &#xFC;bersahen viele ein wichtiges Ereignis.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em>(Dieser Artikel wurde in kasachischer Sprache in der Tageszeitung «Egemen Kasachstan» N°141 (28869) am 26. Juli 2016 veröffentlicht.)</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die kasachische Öffentlichkeit diskutiert momentan den „terroristischen“ Angriff in <a href="https://novastan.org/articles/terroralarm-in-almaty">Almaty</a> am 18. Juli und dem vereitelten Putschversuch in der Türkei. Dabei übersahen viele ein weiteres Ereignis, das nicht weniger wichtig für die Region ist: Die letzte Nachricht der „Taliban“ an die Länder Zentralasiens. </strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Aufzeichnung vom 18. Juni heißt es, dass die Taliban sich nicht in die inneren Angelegenheiten der zentralasiatischen Staaten einmischen würden: „Füge dem anderen kein Leid zu, aber erlaube es ihm auch nicht, sich selbst zu schaden.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/articles/terroralarm-in-almaty">Terroralarm in Almaty</a></p>
<p style="text-align: justify">Außerdem beteuert das „Islamische Emirat Afghanistans“, wie die Taliban sich selber nennen, dass es in den Regionen unter seiner Kontrolle keine terroristischen Organisationen dulden würde.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist nicht die erste Ankündigung dieser Art von Seiten der Taliban. Früher verlautete ihr Gründer, der Mullah Omar, zum Anlass verschiedener muslimischer Feste, dass niemand die Beziehungen zu den Nachbarstaaten verderben wolle. Aber nachdem die Weltöffentlichkeit 2015 erfuhr, dass Omar schon seit 2013 gestorben war, äußerten viele Experten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zweimaliger Wechsel an der Spitze verunsicherte Beobachter</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seitdem hat die Taliban-Führung zweimal gewechselt. Auf Omar folgte der Mullah Achtar Mansur, unter dessen Leitung die Anschläge in Afghanistan zahlreicher wurden und immer mehr Opfer forderten. Nach seiner Ernennung traten auch die bewegungsinternen Spannungen stärker ans Licht und die Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung brachen ab.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 717px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1240/15471640218_78a5f87f5c_o.jpeg" alt="Mullah Omar" /></p>
<p style="text-align: justify">Unter der Führung von Mansur wurde auch <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/kundus-taliban-afghanistan-angriff">Kundus für eine kurze Zeit eingenommen</a> &#8211; eine Stadt im Norden des Landes nahe der tadschikischen Grenze. Daraufhin äußerten viele ausländische Analytiker und Politiker die Sorge, die Taliban könnten auch Zentralasien angreifen.</p>
<p style="text-align: justify">Tadschikistan und Turkmenistan verstärkten ihre Grenzkontrollen, um einer möglichen militärischen Expansion der Bewegung vorzubeugen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/articles/die-ruckkehr-der-afghanischen-bedrohung-in-zentralasien"><strong>Die Rückkehr der afghanischen Bedrohung in Zentralasien</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Afghanistanexperten unterstrichen von Anfang an, dass für die Taliban nur Afghanistan eine Priorität darstelle und dass sie „Fremde“ in den Augen der Lokalbevölkerungen Zentralasiens wären. Aber bei der Hysterie der Medien, die die letzten Jahre und besonders den „Rückzug der amerikanischen Streitkräfte“ begleitete, war es schwierig, die Lage mit Sicherheit zu bewerten.</p>
<p style="text-align: justify">Die Ereignisse in Kundus &#8211; ungeachtet dessen, dass ein Teil der Stadt von Streitkräften aus Kabul zurückerobert wurde &#8211; waren der „Litmus-Test“, anhand dessen man erkennen könnte, ob die Taliban all die Jahre nur geblufft hatten. Die Eroberung von Kundus zeigte, ob die Taliban gegenüber Zentralasien ihr Wort halten würden.</p>
<p style="text-align: justify">Trotz der vermehrten Schusswechsel in der Nähe der Grenzen mit Tadschikistan und Turkmenistan wurde das Nicht-Angriffs-Versprechen eingehalten.</p>
<p style="text-align: justify">Der unerwartete Tod des Mullah Mansur durch einen US-Amerikanischen Drohnenangriff warf erneut die Frage auf, wie sich ein Führungswechsel auf die weiteren Aktivitäten der Bewegung auswirken würde.</p>
<p style="text-align: justify">Durch Mansurs Tod bestand die Gefahr, dass die Taliban weiter in mehrere Lager auseinanderbrechen würden. Diese Angst besteht besonders, seitdem im Laufe der letzten zwei Jahre einige afghanische und pakistanische Talibankämpfer zum Islamischen Staat gewechselt sind und die „Islamische Bewegung Usbekistans“ öffentlich die Führung von Abukbaru Al-Baghdadi anerkannte.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Kampf der Taliban gegen den IS</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nachdem der islamische Staat in Afghanistan aktiv wurde, verkündeten die Taliban den Kampf gegen Mitglieder dieser Organisation, insbesondere in nördlichen Regionen wie Tachar, Kundus und Baglan.</p>
<p style="text-align: justify">Der Mullah Mansur war recht erfolgreich in seinem Kampf gegen den Islamischen Staat und sein Tod warf erneut Zweifel darüber auf, wie effektiv die Taliban sich diesem wiedersetzen könnten.</p>
<p style="text-align: justify">Als nächstes Oberhaupt der Taliban wurde Hajtbatullah Achunsada ernannt, ein naher Mitstreiter des Mullah Omar, der auch den Kampf gegen den Islamischen Staat erfolgreich weiterführt. Viele Experten melden, dass der IS fortlaufend Stellungen in Afghanistan verliert. Trotz einer unglücklichen Dynamik zum Anfang seines Afghanistan-Feldzugs konnte die Organisation das Momentum von Omars Tod nicht ausreichend nutzen. Heute konzentrieren sich die Mitstreiter des islamischen Staats vor allem in der Provinz Nangahar.</p>
<p style="text-align: justify">So kann die letzte Nachricht der Taliban unter der neuen Führung von Chajtbatulla für eine Verfolgung der alten politischen Linie sprechen, die auf dem Prinzip guter Beziehungen zu den Nachbarstaaten beruht.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Lage macht die Bewegung der Taliban nicht zu alliierten Zentralasiens, aber sie sollte die Angst vor ihr und unbegründete Angriffe äusserer Kräfte gegen sie reduzieren. In ihrem aktiven Kampf gegen den islamischen Staat kümmert die Taliban das Schicksal Zentralasiens nicht so sehr wie die Kontrolle über Afghanistan selbst, ihre „heimatliche Umgebung“. Zentralasien ist ihnen nicht wichtig, solange sie Afghanistan nicht kontrollieren.</p>
<p style="text-align: justify">Wenn die Taliban sich nicht gegen den IS durchsetzen können, so macht das einen Strich durch all ihre Bemühungen der letzten zehn Jahre, dem Kampf gegen die NATO, die Vereinigten Staaten und die Regierung in Kabul. Daher ist der IS der Hauptgegner der Taliban, der sie in den Augen anderer Länder diskreditieren könnte. Die Taliban unterstreichen bei jeder Gelegenheit, dass das Wichtigste für sie das Schicksal Afghanistans sei. Sie möchten nicht als „Unterstützer“ des afghanischen IS abgestempelt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/articles/zentralasien-und-die-russisch-turkische-krise">Zentralasien und die Russisch-Türkische Krise</a></p>
<p style="text-align: justify">Natürlich sollte man dabei nicht vergessen, dass die Auseinandersetzung mit dem IS in Afghanistan noch nicht zuende ist. Der IS strebt danach, an vielen Orten weltweit Attentate zu verüben. Afghanistan, als direkter Nachbar Zentralasiens, sollte dabei nicht als „rotes Tuch“ für die Region wirken.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was Zentralasien (nicht) tun sollte</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die zentralasiatischen Staaten sollten ihre Kraft nicht dafür verschwenden, den afghanischen Brand zu löschen. Bedrohungen können auch aus anderen Regionen kommen und Anhänger der IS-Ideologie kommen nicht nur aus Afghanistan nach Zentralasien. Umso mehr, da durch die neuen Informationstechnologien Anhänger auch leicht vor Ort rekrutiert werden können.</p>
<p style="text-align: justify">Hinsichtlich der letzten Ereignisse in Aqtöbe und Almaty reduziert die letzte Nachricht der Taliban natürlich nicht die Bedrohung, die durch die Instabilität Afghanistans entsteht. Aber ein Verständnis der aktuellen Lage der Taliban erlaubt eine genauere Einschätzung der Risiken und Motive der afghanischen Konfliktparteien.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Danijar Kosnasarow<br />
Zentralasienexperte</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Übersetzung: Florian Coppenrath<br />
Mitgründer von novastan.org</strong><!-- real people should not fill this in and expect good things - do not remove this or risk form bot signups--></p>
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