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	<title>daniela, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Kasachstan &#8211; Ungarn: Bruderliebe aus Kalkül (2/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan setzt auf Vitamin B in Europa. Ein geneigter Partner steht in Ungarn bereit.  Zusammen pr&#xE4;sentieren sie sich als Br&#xFC;derv&#xF6;lker am weltpolitischen Parkett, und wirbeln m&#xE4;chtig Staub auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Seit kurzem liegt Kasachstans Tor nach Europa in Budapest. Genauer gesagt in der </em>„<em><strong>A</strong>sztana utca”, einer Straße, die im Sommer dieses Jahres nach der Hauptstadt der zentralasiatischen Republik benannt wurde. Der neue Straßenname ist ein Symbol für die wirtschaftliche und politische Annäherung der letzten Jahre. Warum aber verstärkt Kasachstan seine Beziehungen gerade zu Ungarn? Welche Hoffnungen setzt Kasachstan in das sogenannte Brudervolk? Ein Blick hinter die Beziehung zweier ungleicher Partner. (Zu Teil 1 der Novastan-Reihe: </em></strong><em><strong><a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Magyaren flüchten vor der Krise</a>) </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Aufwirbelnder Staub, hektisches Treiben auf Pferden &#8211; Kokpar wird gespielt. Nicht in der kasachischen Steppe, sondern in der ungarischen, in dem 3000-Seelendorf Bugac, das etwa 160 Kilometer entfernt von Budapest in der südlichen Tiefebene liegt. Hier findet jedes Jahr „Kurultáj“, das „Treffen der Stämme“ statt, wo unter anderem auch Vertreter aus Kasachstan mitmischen, um die „gemeinsame“ Vergangenheit aufleben zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify">Kaum ein anderer als der Ungar István Kongur Mándoki widmete sichj intensiver der Erforschung der gemeinsamen historischen Wurzeln Ungarns und Kasachstans. Anders als sein Kollege, <a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Andr</a><a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">ás Zsolt Bíró</a> näherte sich Mándoki der Geschichte über die Turkologie. Zahlreiche seiner  Publikationen geben Auskunft darüber, dass die Ungarn aus einem turkischen Reitervolk hervorgegangen seien. An den Ort wo vermeintlich alles begann, kehrte Mándoki am Ende seines Lebens auch zurück. Nach seinem Tod 1982 liegt er in Almaty begraben. Ein Teil seiner umfangreichen Bibliothek, insgesamt 16.000 Exemplare, wurden im vorigen September in die „Internationale Akademie für Turkologie”, in der über 1000 Kilometer entfernten kasachischen Hauptstadt Astana, überführt. Zu diesem Anlass <a style="text-decoration: none" href="http://bnews.kz/en/news/post/230257/"><u>unterstrich</u></a> seine Ehefrau, Onaysha Maksumkyzy: „Er wollte immer, dass die turkischen Völker vereint sind.”</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft &#8211; Rhetorisches Brücken schlagen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew spannt den Bogen von Mándokis Erbe bis in die Gegenwart: „Wir müssen in die Vergangenheit schauen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft vorauszusehen“, lautet ein <a href="http://e-history.kz/ru/contents/view/1316">berühmter Spruch</a> des langjährigen Präsidenten. Die proklamierte „strategische Partnerschaft“ zwischen Ungarn und Kasachstan zeigt, dass Politiker beider Länder gern die kulturelle Nähe auf weitere Ebenen übertragen und somit die Vergangenheit zur Zukunft machen möchten. Denn während diplomatische Beziehungen  bereits seit 1992 bestanden, weitete sich diese mit der Gründung des Ungarisch-Kasachischen Wirtschaftsrates 2012 auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit aus. Eine eigens errichtete Kommission widmet sich zusätzlich dem Kampf gegen Terrorismus und Drogenhandel.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Beginn des letzten Jahres wurde die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern auf ein neues Niveau gehoben. Der Startschuss fiel im Februar 2014 als eine kasachische Delegation, allen voran der kasachische Außenminister Jerlan Ydyryssow, einem multilateralem Forum zur Annäherung zwischen der EU und Kasachstan in Budapest beiwohnte. Auf bilateraler Ebene stattete die Delegationen Kasachstans den ungarischen Ministern für Wirtschaft und Landwirtschaft Besuche ab. Auf konkrete Vereinbarungen legten sich beide Seiten zunächst nicht fest, sondern verblieben mit der Formel, eine engere Kooperation in Bezug auf Wirtschaft, Agrarwirtschaft sowie Bildung forcieren zu wollen.</p>
<p style="text-align: justify">Ideell wurde die Partnerschaft hingegen gestärkt. Der damalige ungarische Außenminister, <a style="text-decoration: none" href="http://www.inform.kz/eng/article/2626149"><u>János Martonyi</u> </a>hob dabei den vermeintlichen Abstammungmythos hervor: „Wir teilen eine gemeinsame Vergangenheit und Wurzeln. Wie in vielen Untersuchungen nachgewiesen wurde, befindet sich das historische Mutterland der Ungarn auf dem Territorium des modernen Kasachstans.” Perspektivisch würde sich Kasachstan für Ungarn als „Brücke in den Osten” erweisen. Ungarn, so Martonyi weiter, wäre im Gegenzug bereit als Kasachstans „Brücke in den Westen” zu fungieren.</p>
<p><strong>Den Seychellen auf den Fersen  &#8211; WTO Beitrittsverhandlungen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der gleiche Tenor wurde im Mai und Juni letzten Jahres bei gegenseitigen Treffen zwischen den Premierministern Orbán und Mässimow in Budapest und Astana angeschlagen. Dort stand vermehrt die wirtschaftliche Kooperation zwischen beiden Ländern im Vordergrund. <span style="color: #000000">Orbán verwies in seiner <a href="http://2010-2014.kormany.hu/en/prime-minister-s-office/the-prime-ministers-speeches/western-integration-and-eastern-opening-can-be-successful-together">Rede </a>darauf</span>, dass Kasachstan, zumindest wirtschaftlich, einer blühenden Zukunft entgegensteure.</p>
<p style="text-align: justify">Damit hat der ungarische Premier wohl auch auf den WTO-Beitritt Kasachstans angespielt. <a style="text-decoration: none" href="http://zentralasien.ahk.de/news/einzelansicht-nachrichten/artikel/kasachstan-nur-noch-zwei-verhandlungen-von-wto-beitritt-entfernt/?cHash=c1346f6908da19edf3cce161936e86a0"><u>Die Beitrittsverhandlungen</u></a> hängen nach zehnjähriger Verhandlungenphase letztlich an den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Schutz einheimischer Hersteller und Arbeitskräfte sowie der Tarifharmonisierung. Wenn diese Punkte geklärt sind, könnte Kasachstan noch in diesem Jahr den Seychellen in die WTO folgen.</p>
<p style="text-align: justify">Für Kasachstan ist der Beitritt besonders durch die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) von großer Bedeutung. Russland, das bereits seit 2012 Mitglied der WTO ist, hat seinen Markt und dadurch automatisch den gemeinsamen Wirtschaftsraum mit Belarus und Kasachstan für Drittstaaten geöffnet. Zwangsläufig fand auch ein Gros der WTO-Standards Eingang in die Vereinbarungen im Rahmen der EAWU, ohne dass Kasachstan jedoch von den institutionellen Vorteilen wie etwa den Streitschlichtungs-Mechanismen profitieren kann.</p>
<p><span style="color: #000000"><strong>Dosen, Mais und Pestizide</strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Kasachstans Reichtum basiert nach wie vor auf dem Export von Rohstoffen, allen voran Erdöl. Hauptabnehmerland in Europa ist seit mehreren Jahren Italien.</span><a title="" href="#_ftn1" name="_ftnref1"><span style="color: #000000">[1]</span></a><span style="color: #000000"> Auch Deutschland kauft hier Erdöl ein &#8211; etwa jede vierte Tonne kommt aus Kasachstan.</span><a title="" href="#_ftn2" name="_ftnref2"><span style="color: #000000">[2]</span></a><span style="color: #000000"> Seit einigen Jahren versucht Kasachstans Regierung sich aus dieser Rohstoffabhängigkeit zu lösen. „Einer der potenziell entwicklungsstarken Wirtschaftssektoren Kasachstans sind die Landwirtschaft und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte”, hebt eine Analyse der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien hervor.</span></p>
<p><img decoding="async" style="height: 400px;line-height: 1.6em;text-align: justify;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/819/nasa.jpeg" alt="NASA-Aufnahme Kasachstan" /></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Es fehlt an langlebigen Geräten, Kühlhäusern und Silos. Die wenigen Fabriken konzentrieren sich zudem auf den Süden des Landes. So kann sich das Land trotz steigender Ernteerträge nicht selbst versorgen. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft importiert Kasachstan aktuell etwa 40 Prozent der benötigten Milchprodukte, 29 Prozent Fleisch und etwa 40 Prozent Gemüse und Obst pro Jahr. In einer Marktstudie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) heißt es: „Den Hauptgrund für die desolate wirtschaftliche Lage des Agrarsektors bildet die schlechte Finanzausstattung.”</span><a title="" href="#_ftn3" name="_ftnref3"><span style="color: #000000">[3]</span></a></p>
<p style="text-align: justify">Und hier kommt Ungarn ins Spiel: Denn der Partner im Westen bringt neben Investitionen in die Industrieentwicklung auch den Import von Technologie für den Agar- und Lebensmittelsektor. Dulat Aitzhanov, der Leiter der staatlichen Agrar-Holding &#8222;KazAgro&#8220; <a href="http://kazakh-zerno.kz/index.php?option=com_content&amp;id=93147&amp;Itemid=108%29">hofft</a>, dass die Kooperation mit Ungarn die Lage der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verbesssern werde. Aitzhanov zeigt sich überzeugt, dass Spezialisten aus Ungarn helfen werden, die Probleme mit Produktionsqualität, zum Beispiel bei Fleisch und Milch, dem Mangel an innovativen Technologien und qualifizierten Arbeitskräften zu lösen. Ungarn ist schon seit der Sowjetunion für seine eigene Obst- und Gemüsekonserve bekannt.</p>
<p style="text-align: justify">Auch Nurbakh Rustemov, Kasachstans Botschafter in Ungarn, unterstreicht in <a style="text-decoration: none" href="http://www.astanatimes.com/2014/07/soft-power-can-unite-nations-ambassador-hungary-says/"><u>einem Interview mit der Astana Times</u></a><span style="color: #000000">,</span> dass man an den Erfahrungswerten bei der Optimierung und Automatisierung landwirtschaftlicher Produkte interessiert sei.</p>
<p><span style="color: #000000"><strong>Aufblühen dank Ungarn? </strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Angesichts der desolaten Landwirtschaft hat die Regierung Kasachstans ein hochgestecktes Ziel. In dem Strategiepapier „Agrobusiness 2020“ plant Kasachstan  80 Prozent des Bedarfs an Lebensmitteln mit eigener Produktion abzudecken. Staatliche Subventionen wie bisher werden hier nicht reichen, also müssen ausländische Investoren gefunden werden. 2003 wurden dafür einige Erleichterungen eingeführt: beispielsweise die Befreiung von Zollgebühren oder Steuerbegünstigungen für juristische Personen. Ende 2014 gründete die ungarische Eximbank mit der staatlichen Holding </span>„<span style="color: #000000">KazAgro“ einen Fond in der Höhe von 40 Millionen Dollar, um gemeinsame Projekte im Agrarsektor zu realisieren.</span><a title="" href="#_ftn4" name="_ftnref4"><span style="color: #000000">[4]</span></a></p>
<p><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">Ein wichtiger Faktor besteht im ungarischen Saatgut. Ungarn gründete mit FLORA im Jahr 2012 ein eigenes Konsortium für die Belieferung des kasachischen Marktes mit Saatgut aus Ungarn. 25 000 Säcke Maissaatgut exportierte Ungarn im Vorjahr nach Kasachstan. Bald schon sollen es 60.000 werden, <a href="http://www.agrarhirek.hu/agrarvilag/12714.html">kündigte </a>FLORA Ende des Vorjahres an.</span></span><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent"> Geplant seien auch Exporte von Pestiziden. Weiters sollen Studien zu Maissorten auf kasachischem Boden durchgeführt werden.</span></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/819/lebensmittelimport.jpeg" alt="Kontainer mit Lebensmitteln in Almaty" /></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">Abseits des Agrarsektors möchte sich Kasachstan für ungarische Banken und Finanzinstitute, aber auch für andere Investoren attraktiv gestalten, so der Botschafter Rustemov. “Kasachstan interessiert sich für wichtige Medizin und medizinisches Equipment aus Ungarn”. In Astana hat bereits ein ungarisches Handelszentrum eröffnet. Unter der Führung von Premier Karim Mässimov wurde diesen Sommer auch ein Vertrag zum Transfer von Technologie und zur Investition im Umfang von 100 Millionen Dollar zwischen Alibi LLP und Tranzit-Ker Zrt unterzeichnet. </span></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000"><a href="http://mno.hu/gazdasag/varga-kazahsztan-strategiai-partnerunk-1230001">Ungarischen Medienberichten zufolge</a> wurde 2014 die Zusammenarbeit der beiden Länder auch im Bildungssektor auf den Weg gebracht. Ein Austauschprogramm schickt künftig Studenten und Lehrende aus Kasachstan an die Corvinus Universität nach Budapest. <a href="http://www.astanatimes.com/2014/07/soft-power-can-unite-nations-ambassador-hungary-says/">Im Interview</a> </span></span><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">hebt der Botschafter auch die Notwendigkeit einer direkten Flugverbindung zwischen den beiden Hauptstädten hervor (<a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Novastan berichtete</a></span></span><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">)</span>.</span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Auf Seiten Ungarns zeigt man sich offen für die breite Zusammenarbeit. <a href="http://www.agrarunio.hu/hir/egyuttmukodes-a-magyar-kazah-mezogazdasagi-kapcsolatok-boviteseert-11906.html">In Medienberichten</a> wird die Rolle der zentralasiatischen Republik als Ungarns drittgrößter Handelspartner innerhalb der GUS-Länder betont. Außenhandelsminister Varga begleitet die wirtschaftliche Annäherung mit persönlicher Bewunderung für das selbsternannte Brudervolk auf der <a href="http://www.kunszovetseg.hu/site2.0/index.php/kazah-hirek">Webseite eines Kunen-Vereins</a>, dessen Präsident er ist. Kasachstan sei demnach ein Vorbild für Ungarn. Der Minister bewundere vor allem das Selbstwertgefühl der kasachischen Nation, und hebt schließlich hervor: </span></span><span style="color: #000000">„</span><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Öl oder Gas, Steppe oder Puszta, eines dieser Dinge braucht jede Nation.” </span></span></p>
<p style="text-align: right"><strong><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Alina Kozhakhmetowa<br />
Antje Lehmann<br />
Daniela Neubacher</span></span></strong></p>
<p style="text-align: justify">
<hr />
<p><a title="" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a><a href="http://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Fachdaten/PUB/2012/11/pub2012112680031111_159840.pdf">http://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Fachdaten/PUB/2012/11/pub2012112680031111_159840.pdf</a></p>
<p><a title="" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://liportal.giz.de/fileadmin/user_upload/oeffentlich/Kasachstan/30_wirtschaft-entw/KAS_marktstudie-agrar-lebensmittel.pdf">http://liportal.giz.de/fileadmin/user_upload/oeffentlich/Kasachstan/30_wirtschaft-entw/KAS_marktstudie-agrar-lebensmittel.pdf</a></p>
<p><a title="" href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Ebda.</p>
<p><a title="" href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> <a href="http://www.blackseagrain.net/novosti/jsc-kazagro-together-with-hungary2019s-eximbank-is-planning-to-set-up-a-kazakh-hungarian-fund-by-the-end-of-2014-to-make-investments-in-agricultural-projects">http://www.blackseagrain.net/novosti/jsc-kazagro-together-with-hungary2019s-eximbank-is-planning-to-set-up-a-kazakh-hungarian-fund-by-the-end-of-2014-to-make-investments-in-agricultural-projects</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan &#8211; Ungarn: Bruderliebe aus Kalkül? (1/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unter dem Motto der &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201D; verst&#xE4;rkt Ungarns F&#xFC;hrung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die Füße fest im Steigbügel verankert. Das Haupt von breiten Schultern getragen. Der ernste Blick des Fürsten Árpád richtet sich in die Ferne, entlang der Prachtallee Budapests, eintausend Jahre zurück. Als Anführer der Magyaren eroberte und besiedelte er einst das Karpatenbecken und bekam dafür ein Denkmal mitten am Heldenplatz der heutigen Hauptstadt. Der Mythos vom ungarischen Reitervolk, das aus dem fernen Asien stammt, war geboren, und stützt seither die Identität der Nation. Unter dem Motto der </strong>„<strong>Ostöffnung” verstärkt Ungarns Führung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan. Mit dem Brückenschlag nach Osten schlägt das EU-Land jedoch eine umstrittene Richtung ein. </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify">Ein Teil Asiens findet sich schon im Namen: In der Landessprache heißt Ungarn nämlich  „Magyarenland“ (Magyarország), benannt nach jenen Völkern, die ursprünglich aus Gebieten des Urals nach Westen wanderten und sich im 10. Jahrhundert im Karpatenbecken ansiedelten. Seit damals haben zahlreiche Eroberungen und Fremdherrschaften ihre Spuren verwischt – etwa durch den Mongoleneinfall, die Aufnahme verschiedener Turkvölker im Mittelalter, deutsche und slawische Einwanderer oder die Herrschaft der Osmanen. Dennoch behaupten nicht wenige Ungarn, dass heute noch die Verwandtschaft mit den Ethnien aus dem Ural und der zentralasiatischen Steppe nachweisbar sei. Gern wird eine Studie des ungarischen Wissenschafters András Zsolt Bíró zitiert, in der er behauptet eine genetische Verbindung zwischen dem kasachischen Stamm der „Madjar“ mit dem Ungarn  (Magyaren) gefunden zu haben. Bíró bekam dafür 2008 eine Ehrung vom kasachischen Kulturministerium.</p>
<p style="text-align: justify">Mit dem Slogan „Wir sind alle verwandt“ erklärten bisher vor allem Politiker der rechtsradikalen Partei „Jobbik“ den engen Kontakt zum selbsternannten Brudervolk, den Kasachen. Wissenschaftlich sei die genetische Verwandtschaft aber nicht beweisbar, meint eine ungarische Historikerin, die anonym bleiben möchte, im Novastan-Interview. „Das ungarische Volk will daran glauben, dass wir in Europa etwas Wichtiges, Einzigartiges sind, etwas, das man unbedingt vor der westlichen Globalisierung oder vor was auch immer schützen soll.” Der Glaube an die Einzigartigkeit der Ungarn müsse “die wirtschaftliche und soziale Rückständigkeit und Erfolglosigkeit ausgleichen”.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/neu1.jpeg" alt="Arpáds Reiter - Heldenplatz" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ostöffnung unter Orbán</strong></p>
<p style="text-align: justify">Inzwischen ist der Kontakt zu Kasachstan lange kein Projekt des rechtsradikalen Flügels mehr. Der Premierminister Ungarns und Anhänger der national-konservativen Partei (Fidesz), Viktor Orbán, verwendet den Rückbezug auf die alten Verwandtschaften im Osten als Rechtfertigung für das außen- und wirtschaftspolitische Programm der rechts-konservativen Regierung. Hinter dem Motto der „Ostöffnung“ verbirgt sich eine umstrittene Außen- und Wirtschaftspolitik, die politische Nähe zu Ländern wie Russland, Aserbaidschan und die Türkei, bis hin zu China, Kuwait, Saudi Arabien oder dem Iran sucht.</p>
<p style="text-align: justify">Politisch äußert sich die Nähe durch häufige gegenseitige Besuche von diplomatischen Delegationen &#8211; im Herbst dieses Jahres mit Aserbaitschan und im Sommer mit Kasachstan. Letztere scheinen für Ungarn besonders profitabel zu sein. Orbán erklärt das Interesse Ungarns an Kasachstan mit einfachen Worten: <q>Wir kommen aus einem Teil der Welt, in dem es eine Krise gibt und sind in einem Teil der Welt angekommen, in dem es keine gibt.</q> Das <a href="https://www.pism.pl/files/?id_plik=16891">Polnische Institut für Internationale Beziehungen (PISM)</a> sieht vor allem seit dem Regierungsantritt von Orbán im Jahr 2010 eine Wende in der ungarischen Außenpolitik, bei der gegenüber diplomatischen Beziehungen vor allem die Wirtschaft in den Vordergrund rückt. Eine Reihe neuer Wirtschaftsabkommen zwischen Kasachstan und Ungarn unterstützt diese These.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Öl, Stein und Fisch &#8211; kasachische Reize</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben der kasachstanischen Botschaft in Budapest sind aktuell 58 ungarische Unternehmen und Joint Ventures in Kasachstan tätig. Darunter vor allem in der industriellen Produktion, in der Bau- und Agrarwirtschaft, ebenso wie im Energiesektor. Der größte  ungarische Mineralölkonzern, MOL (Magyar Olaj- és Gázipari Részvénytársaság), hält nach offiziellen Angaben Anteile von 25 beziehungsweise 49 Prozent an den Projekten zur Entwicklung der Lagerstätten „Fedorov” sowie „Karpovskiy North“ im Westen Kasachstans. Kasachischer Partner ist dabei KazEnergy, ein Konglomerat aus über 50 verschiedenen Konzernen aus der Mineralöl- und Energiewirtschaft.</p>
<p style="text-align: justify">Bezeichnenderweise veranstalteten 2013 die kooperierenden Energie-Unternehmen MOL und KazEnergy <a style="line-height: 1.6em" href="http://en.tengrinews.kz/people/Hungarian-businessmen-enhancing-historic-ties-with-Magyars-descendants-in-21200/">eine Rally</a>, um nach eigenen Angaben die &#8222;historischen Wurzeln&#8220; der magyarischen Stämme zu verfolgen.</p>
<p style="text-align: justify">Dzhambulat Sarsenov, Vize-Präsident von „KazeEnergy“ <a href="http://oilnews.kz/novosti/novosti-tek-kazaxstana/16862.html">bestätigte kürzlich</a>, dass weitere Kooperationen mit Ungarn im Öl- Gasbereich besprochen worden seien. Im Rahmen der Kooperation würde der Partner im Westen Expertentreffen über die Entwicklungsmöglichkeiten von Ölindustrien veranstalten. Außerdem sei Ungarn bereit Kasachstan als Kandidat für die Durchführung des World Petrolium Congress 2017 in Astana zu unterstützen, so Sarsenov.</p>
<p style="text-align: justify">Sehr attraktiv ist auch die Baubranche für Ungarn. Hier steht die EXPO 2017 im Vordergrund des ungarischen Interesses. Ungarn hätte sich bei der Zuteilung der Austragung für Astana eingesetzt, heißt es von Seiten des kasachstanischen Außenministeriums. Dabei ist das ungarische Engagement im Bau von Objekten bereits Bestandteil von <a href="http://strategy2050.kz/ru/news/14159">Nazerbajews Strategie für 2050</a>. Kasachstans Bauwirtschaft ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Ungarn sieht hier, wie auch andere europäische Staaten, neue Möglichkeiten in Zentralasien. „Kasachstan ist der lebende Beweis, dass es keine Weltwirtschaftskrise gibt. Es gibt Teile der Welt, die eine Krise haben, und Teile, die keine haben.“, sagte Viktor Orbán kurz nach seiner Rückkehr von einem Kurzbesuch in Astana im Jahr 2012. Tatsächlich aber war Kasachstans Bauwirtschaft stark von der Finanz- und Immobilienkrise 2008/2009 betroffen. Eine Analyse des GTI (Germany Trade and Invest) zufolge sei die Bauwirtschaft infolgedessen „nahezu zum Erliegen gekommen“, erholte sich aber schrittweise vor allem durch öffentlich finanzierte und geförderte Projekte. Hier gelten auch die Aufträge für die kommende EXPO als wichtiger<a href="http://www.politics.hu/20140902/kazakhstan-strategic-partner-for-hungary-says-varga/"> Rückenwind für die Branche.</a></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 432px;width: 640px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/3786607130_2150fa00c9_z.jpeg" alt="Balaton See in Ungarn" /></p>
<p style="text-align: justify">Zudem scheint Ungarn auf den kasachischen Fisch gekommen zu sein. Um das romantische Idyll auf dem größten ungarischen Binnengewässer, dem Balaton, zu bewahren, wurde bereits im Dezember letzten Jahres die gewerbliche Fischerei verboten. Der dadurch entstandene Fischbedarf wird derzeit zu 95 Prozent durch Importe aus Kasachstan und der Türkei gedeckt.</p>
<p style="text-align: justify">Laut <a href="http://kashagan.today/?p=5034">Kashagan Today</a> betrug das ungarische Investment in Kasachstans Wirtschaft zwischen 2005 und 2013 mehr als 60 Millionen Dollar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein ungarischer Sonderweg?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn die vermeintliche „Ostöffnung” unter einem wirtschaftlichen Primat zu stehen scheint, werden zumindest die politischen Implikationen von der Orbán-Regierung schnell unter den Teppich gekehrt. Die ungarische Außenpolitik sei in erster Linie “ungarnfreundlich”, <a href="http://www.euractiv.com/sections/global-europe/hungarys-orban-well-choose-our-own-path-russia-310185">so die Wortwahl des Premierministers</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders wird die Akzeptanz der Orbán-Regierung gegenüber den herrschenden autokratischen bis diktatorischen Systemen in den jeweiligen Partnerländern kritisiert. Auch auf manch Plakaten der Großdemonstration im November 2014 war zu lesen: „Wir sagen nein zur aktuellen Außenpolitik!“</p>
<p style="text-align: justify">Ungarns Premierminister weist die Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück. In offiziellen Statements werden Gemeinsamkeiten und gegenseitige Anerkennung verlautbart: „Auch in der EU denken sie, dass Institutionen selbstständig funktionieren, aber sogar ein Auto funktioniert nicht ohne Chauffeur. Glücklich sind jene Länder, die eine klare Führung haben&#8220;, <a href="http://www.t-online.de/wirtschaft/id_71754020/wirtschaft-ungarn-und-aserbaidschan-planen-gasgeschaeft.html">sagte Orbán</a> bei einem Treffen ungarischer und aserbaidschanischer Geschäftsleute Mitte November. Ähnlicher Auffassung sei man wohl auch beim politischen Stil. So heißt es etwa auf der <a href="http://mfa.gov.kz/index.php/en/foreign-policy/kazakhstan-s-relations/kazakhstan-eu-cooperation/16-materials-english/1102-kazakh-hungarian-relations">Webseite des kasachischen Außenministeriums</a>: „Beide Seiten teilen ähnliche Positionen zu den meisten wichtigen Themen internationaler Politik.“</p>
<p style="text-align: justify">Zusätzlich sorgt Ungarns Verhalten in der Ukraine-Krise in Brüssel und Washington für Argwohn bis hin zum Fundamentalvorwurf der „Russlandfreundlichkeit”. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Stopp der Gaslieferungen in die Ukraine mit der Begründung eines gesteigerten Gasbedarfs sowie der Priorität, die eigenen Gasspeicher auffüllen zu wollen. Außerdem zeigte sich Ungarn an einer Kooperation mit Russland für den Bau der South-Stream-Pipeline interessiert. In Kooperation mit dem staatlich kontrollierten Energiekonzern Gazprom sollte durch die Pipeline russisches Gas ohne Abhängigkeit von den Transitländern Weißrussland und der Ukraine nach Zentral- und Westeuropa geliefert werden. Die Pläne <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/southstream-putin-droht-mit-stopp-der-pipeline-nach-suedeuropa-a-1006044.html">scheitern vorerst</a> allerdings an der Blockadehaltung Bulgariens. Zum anderen steht das Engagement der ungarischen Regierung in der Karpatenukraine und der damit einhergehende Anspruch für die dortige ungarische Minderheit als Schutzmacht aufzutreten.</p>
<p style="text-align: justify">Eine solche ungarische Außenpolitik wirkt langfristig als Sand im Getriebe, sowohl in der transatlantischen Partnerschaft als auch bei einer gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Inwiefern die propagierte „Ostöffnung” diesen Prozess aber beschleunigt oder nur eine vorübergehendes Krisensymptom ist, bleibt indessen abzuwarten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zu Gast bei Verwandten? </strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/neu.jpeg" alt="Astana-Straße" /></p>
<p style="text-align: justify">Philipp Karl forscht zu Rechtsradikalismus in Ungarn. Im Novastan-Interview weist er darauf hin, dass die vermeintlichen Abstammungszusammenhänge von Seiten der Politik als legitimatorisches Vehikel genutzt werden: „Nach innen haben sie das klare Ziel die eigene Abstammung beziehungsweise Vergangenheit mythologisch und teils pseudowissenschaftlich zu überhöhen und somit von der wenig rosigen Gegenwart abzulenken. Nach außen stellt es eine Möglichkeit dar, die Annäherung an wenig demokratische beziehungsweise autoritäre Regierungen legitim und natürlich erscheinen zu lassen.” Karl betont zudem, dass sich die Jobbik-Partei explizit in ihren Wahlprogrammen die Ostöffnung im wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bereich zur Aufgabe gemacht hat. Jobbik ist bei den Parlamentswahlen 2014 mit einem Anteil von 20 Prozent der Stimmen zur drittstärksten Partei aufgestiegen.</p>
<p style="text-align: justify">Dennoch sei es, Karl zufolge, unwahrscheinlich, dass ein gelebter Turanismus  (also die Ideologie über eine gemeinsame Abstammung der Turkvölker) eine weitreichende Renaissance in Ungarn erleben wird. Dafür sei die Christianisierung unter dem Heiligen Stephan (Szent István), dem ersten ungarischen König, und der damit begründete Anschluss an das „moderne Abendland” zu fest in der kollektiven Identität verankert. Nichtsdestotrotz dienen turanische Elemente „als ideologischer Überbau zu Treffen und Vereinbarungen der ungarischen Regierung insbesondere mit Kasachstan”.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kulturaustausch zwischen Puszta und Steppe</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht ganz 4000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der ungarischen und kasachischen Hauptstadt. Wie ungarische Medien im Sommer dieses Jahres berichteten, soll es bald auch Direktflüge zwischen den Ländern geben. Seitens des Budapester Flughafens hätte man von den Plänen gehört, konkrete Informationen darüber gebe es allerdings nicht. Auch die Fluglinie Wizzair, die auch Flüge nach Baku und Dubai anbietet und laut der Kommunikationsabteilung des Flughafens für Direktflüge nach Astana in Frage käme, belässt es auf Anfrage von Novastan bei dem Statement, dass man lediglich von Plänen wisse.</p>
<p style="text-align: justify">Vielleicht können bereits im Sommer 2015 die ersten ungarischen Touristen Kasachstan direkt anfliegen, zeitlich passend zum ungarischen Filmfest, das jährlich in Almaty stattfindet. Im Jahr 2010 wurde das Festival gegründet, und ist ein weiteres Beispiel für den verstärkten Kulturaustausch der beiden Länder. Zudem finden bereits seit 13 Jahren „Tage der Kultur Kasachstans“ in Ungarn und das ungarische Pendent dazu in Kasachstan statt. Die ungarische Akademie der Wissenschaften MTA präsentierte dieses Jahr die ungarische Übersetzung von Präsident Nursultan Nazarbajews Autobiographie &#8211; mit Unterstützung seitens MOL. Und im Sommer erschien der Spielfilm basierend auf dem Buch im ungarischen öffentlich-rechtlichen TV.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Árpáds strammen Reitern am Budapester Heldenplatz gesellten sich jüngst auch weitere zentralasiatische Spuren ins Stadtbild. 2013 wurde im angrenzenden Stadtwäldchen eine Straße in „Astana-Straße“ benannt.  Und im Sommer 2014 weihte eine Delegation aus Kasachstan eine Büste des Dichters Abai Qunanbajuly ein. Das vier Meter hohe Denkmal, <a href="http://pusztaranger.wordpress.com/2014/05/26/ostoffnung-kasachischer-diktator-weiht-in-budapest-statue-ein/">so wird  der ehemalige Vize-Bürgermeister Miklós Csomós (Fidesz)</a> zitiert, sei als „Geschenk des kasachischen Volkes“ und Zeichen der „ausgezeichneten ungarisch-kasachischen Beziehungen“ gemeint.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Alina Kozhakhmetova<br />
Redakteurin für Novastan.org, Kasachstan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Daniela Neubacher</strong><br />
<strong>Antje Lehmann</strong><br />
<strong>Korrekteurinnen für Novastan.org</strong>
</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Menschen mit Behinderung &#8211; Die Unsichtbaren Kirgistans</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Nov 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Bischkek sind kaum Menschen mit Behinderung zu sehen. Generell ist die Unterst&#252;tzung f&#252;r sie mangelhaft und liegt vor allem in der Hand der Zivilgesellschaft. Ein Kommentar zu den &#34;Unsichbaren Kirgistans&#34;.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>In Bischkek sind kaum Menschen mit Behinderung auf den Straßen zu sehen. Nur ab und an trifft man einen oder zwei, dann vorwiegend aber als Bettler am Straßenrand. Was sind die Gründe und Ursachen dafür? Wie unterscheiden sich Stadt und Land im Umgang mit Menschen mit Behinderung? Und was wird getan, um sie besser in die Gesellschaft einzugliedern? Ein Kommentar von Ainaz Sulaimanova. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Thema Integration von Menschen mit Behinderung ist in der kirgisischen Presse gerade recht präsent: Seit Neuestem hat Bischkek <u><a class="western" href="http://www.24kg.org/community/187454-v-bishkeke-rasskazhut-ob-uspexe-pervogo-detskogo.html">einen Kindergarten</a></u> speziell für Kinder mit Down-Syndrom und Anfang Oktober wurde der Bau des ersten Spielplatzes für Kinder mit Behinderung <u><a class="western" href="http://ca-news.org/news:1126118/">eingeleitet</a><a class="western" href="http://ca-news.org/news:1126118/">.</a></u> Zwar sind dies wichtige erste Maßnahmen, doch Behinderung ist in der Gesellschaft Kirgistans nach wie vor ein Tabu-Thema.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abseits der Gesellschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Stadtbild Bischkeks sind Menschen mit Behinderung kaum wahrnehmbar, anders verhält es sich in den Dörfern auf dem Land. In Kyzyl-Asker zum Beispiel, in der Region Dschalal-Abad im Süden des Landes, findet man im öffentlichen Raum durchaus Menschen mit Hör- oder Sehschädigungen, ebenso wie mit zerebralen Bewegungsstörungen, zu denen auch Kinderlähmung zählt.</p>
<p style="text-align: justify">Meist werden die Betroffenen ins Dorfleben mit eingebunden, hüten Vieh und ernten Baumwolle mit den anderen. Doch auch wenn das Zusammenleben dort sichtbarer als in den Städten ist, passiert es nicht selten, dass sich Dorfbewohner über sie lustig machen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was macht der Staat</strong><strong> (nicht)? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Abteilung für soziale Fürsorge des Ministeriums für Arbeit und Soziales bietet bestimmte Hilfeleistungen an, wie zum Beispiel eine monatliche Beihilfe bis zum 18. Lebensjahr. Außerdem gibt es Rehabilitationszentren, die im staatlichen Auftrag soziale Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung erbringen. <u><a class="western" href="http://www.mlsp.kg/index.php/ru/otchety-po-kollichestvennym-dannym-o-semyakh-i-detyakh-nakhodyashchikhsya-v-trudnoj-zhiznennoj-situatsii">Laut einem Bericht </a></u>des Ministeriums erhielten im Jahr 2012 25.346 Kinder mit Behinderung eine solche soziale Beihilfe. Im darauffolgenden Jahr stieg diese Zahl auf 26.672 an.</p>
<p style="text-align: justify">Dazu gibt es in Kirgisistan 104 Kinderheime, in denen auch Kinder mit Behinderungen wohnen. Allein in einem davon wohnen 257 Kinder, die teils von ihren Eltern verlassen wurden. Doch die Nachfrage nach solchen Plätze ist größer als das, was geboten wird.</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiteres Problem ist die Infrastruktur. Es ist fast unmöglich, sich mit einem Rollstuhl in der Stadt frei zu bewegen. Die Transportmittel und viele öffentlichen Gebäude sind nicht barrierefrei, und dazu kommen die mangelhaften Zustände der Straßen und viele Treppen. Hörgeschädigte sehen sich einem erschwerten Zugang zur Information konfrontiert. In den nationalen TV-Kanälen werden die Nachrichten nicht in Gebärdensprache gedolmetscht. Vor zehn Jahren gab es eine solche Übersetzung noch, die heute bestenfalls mit Untertiteln ersetzt wird.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 398px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/774/behinderung_bild_2.jpeg" alt="Straße in Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">Hinter der Diskriminierung steht ein gesellschaftliches Problem:</p>
<p style="text-align: justify">Viele Menschen in Bischkek stecken noch im Schwarz-Weiß-Denken fest. Für sie gibt es entweder reich oder arm, Mann oder Frau, gesund oder ungesund. Gefördert werden nur die Erstgenannten. Menschen mit Behinderung entsprechen nicht den Erwartungen von privilegierten Menschen. Viele Menschen in Kirgisistan nehmen Behinderungen als Fehler wahr. Aus diesem Denken entspringen der Hass, die Vernachlässigung und die Diskriminierung, die den Betroffenen oft gegenübertreten. Der gesellschaftliche Druck bringt sogar einige Eltern dazu, ihre behinderten Kinder zu verstecken und darüber zu schweigen. Besonders betroffene Beamte versuchen ihre Kinder zuhause zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Hilfe aus der Zivilgesellschaft</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Großteil der Unterstützung kommt von Nichtregierungsorganisationen. Besonders aktiv sind der lokale <u><a class="western" href="http://kelechek.kg/ru/about/">Verband der Eltern von Kindern mit Behinderung</a></u> (ARDI) und die gesellschaftliche Vereinigung von Frauen mit Behinderung <u><a class="western" href="http://disability.to.kg/organizacii/nazik-kiz">‘Nazik kyz‘ – Zartes Fräulein</a></u>. Letztere organisiert zum Beispiel Modeschauen von selbst designten Kleidern. Mehrere der Hilfsorganisationen, Stiftungen und Vereine in Bischkek werden aus dem Ausland initiiert, finanziert und betrieben, so wie das <u><a class="western" href="https://de-de.facebook.com/pages/Unterstützer-von-Ümüt-Nadjeshda/210700822300758">Rehabilitationszentrum Nadjeschda</a></u><u> </u>oder die <u><a class="western" href="http://www.stiftung-zuversicht-fuer-kinder.org/content/sites/internet/stiftung-kinderhilfe/de/home/unsere-projekte/spaltenzentrum-bischkek.html">Stiftung Zuversicht für Kinder.</a></u></p>
<p style="text-align: justify">Eine ‚Happyend-Geschichte‘ über Jugendliche mit Behinderung bietet das Beispiel des Sozialdorfes ‘Manas’. Dieses Dorf befindet sich 60 km westlich von Bischkek im Ort Murake und wurde 2004 gegründet. Zuerst wurde ein Haus mit Gemüsegarten gebaut. Seitdem hat das Projekt vielseitige Unterstützung bekommen und wird allmählich erweitert. 2007 wurde mit Hilfe einer Spende ein zusätzliches Grundstück gekauft, auf dem eine Holz- und Filzwerkstätte errichtet wurden. Mittlerweile gibt es zwei Häuser, in denen momentan insgesamt 18 Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung wohnen. Es gibt vier Sozialarbeiter, die als Bezugspersonen fungieren. Sie führen ein relativ aktives Leben. Sie züchten Vieh, bauen Gemüse an, produzieren Filzprodukte und verdienen dadurch ihren Lebensunterhalt.</p>
<p style="text-align: justify">Die Fortsetzung dieser Geschichte findet im Gebäude des Dramatheaters in Bischkek statt. Dort treten die „Manas“-Bewohner als Hauptakteure des <u><a class="western" href="http://www.dkk-verein.com/?page_id=2314">Projekts „Heroes“</a></u> auf, das vom Theater Thikwa in Berlin und dem Deutsch-Kirgisischen Kulturverein geleitet wird. Damit soll die Zusammenarbeit von professionellen Schauspielern und Amateurschauspielern mit Behinderung gefördert werden. Ihr Ziel sei es, eine andere Wahrnehmung der Behinderung zu ermöglichen, und die Bühne sei das beste Instrument dazu, sind die Initiatoren überzeugt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie über ähnliche Projekte in Usbekistan: </strong><u><a class="western" href="http://francekoul.com/articles/mit-behinderung-auf-der-buhne"><strong>Mit Behinderung auf der Bühne</strong></a></u></p>
<p style="text-align: justify">Die weit verbreitete Behindertenfeindlichkeit und der Mangel an Inklusion ins soziale Leben führt dazu, dass Menschen mit Beeinträchtigung im Alltag unsichtbar werden. Beispiele wie das Sozialdorf ‚Manas’ oder auch der geplante Spielplatz ändern diese Einstellung in der Gesellschaft. Behinderte Menschen sind kein ‚Klotz am Bein’ sondern gleichberechtigte und arbeitsfähige Menschen. Akzeptanz und Einbindung von behinderten Menschen sind erste Schritte zu mehr Sichtbarkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Ainaz Sulaimanowa </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Ann-Kathrin Rothermel &amp; Daniela Neubacher</strong></p>
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			</item>
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		<title>Kirgistan: „Mehr als ein Filmkapitel“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Nomaden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nadine, eine junge Dokumentarfilmerin, arbeitet gerade an ihrem ersten Film. Das Thema: das nomadische Leben in Kirgistan. Ein Gesp&#xE4;ch &#xFC;ber ihre Laufbahn, und ihrer Beziehung zu Kirgistan.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Mit 27 Jahren veröffentlicht Nadine Boller bald ihren ersten Dokumentarfilm. Das Thema: Kirgistan und die Nomaden rund um den Song-Köl See. Wir haben sie in Berlin getroffen. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 388px;width: 300px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/742/nadine.jpeg" alt="Nadine Boller" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mich würde zuerst interessieren, wie Du zum Filmemachen gekommen bist?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Ehrlich gesagt wusste ich nach dem Abi nicht, was ich studieren wollte. Ich ging zur Studienberatung und die Analyse dort ergab, dass Filmwissenschaft passen würde. Ich ging also für das Studium nach Lausanne. Ich lernte dort aber weniger das Filmemachen und mehr die Filmanalyse und Geschichte. Ich bin ein kreativer Mensch und produziere gerne. Aber beim Film habe ich mich echt nicht so getraut, weil ich dachte, man müsste so viel technisches Wissen wie Belichtung, Ton, usw. haben. Es gibt vieles, das falsch laufen könnte. Deswegen habe ich während des ganzen Studiums nie eine Kamera angefasst.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie kam es dazu, dass du von der Schweizer Uni in einer kirgisischen Jurte gelandet bist?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Ich habe meine Masterarbeit in englischer Linguistik geschrieben und dafür in Kirgistan Recherchen durchgeführt. Da habe ich auch ein paar Auswanderer kennengelernt. Wir gingen zusammen zu den Nomaden zum Song-Köl, weit weg vom heißen und stickigen Sommer in Bischkek. Bei den Nomaden kamen wir auf die Idee, den nächsten Sommer 2013 eine Jurte kaufen, eine Jurten-WG zu gründen und mit den Nomaden in den Bergen zu leben. Ich wollte darüber eine Doku drehen, selbst wenn es bloß zum Spaß sein sollte. Denn nach meinem Uni-Abschluss wollte ich eigentlich als Lehrerin arbeiten. Ich stellte mir vor, ein paar Jahre zu arbeiten, dann auf Reisen zu gehen, das ganze Geld dabei zu verschleudern, dann wieder einige Zeit zu arbeiten, um erneut auf Reisen zu gehen.</p>
<p style="text-align: justify">Dann hat mich mein Vater in Kirgistan besucht und mich wieder einmal gefragt „Mädchen, was soll denn aus dir werden?“</p>
<p style="text-align: justify">Meine Antwort, ich würde dann Lehrerin werden, machte ihn stutzig und irgendwann meinte er: „Ich finde, du sollst nicht Lehrerin werden. Ich glaube, du wirst dich da ganz schnell langweilen.“ Da fragte ich ihn: „Was soll ich denn deiner Meinung nach machen?“ Daraufhin hat er gemeint: „Ich habe dich immer in irgendetwas Kreativem gesehen, zum Beispiel als Dokumentarfilmerin.“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 338px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/742/r_cut_chemistry_class6.jpeg" alt="Nomaden Film" /></p>
<p style="text-align: justify">So motivierte mich mein Vater, der rationale Mensch, für ein Experiment. Dann habe ich mich von einem Tag auf den anderen auf Dokumentarfilme konzentriert. Einen Monat später kam dann die Idee mit der Jurte und der WG.</p>
<p style="text-align: justify">Bei meiner Rückkehr in die Schweiz habe ich mein Studium abgeschlossen und mich für einen Film-Intensivkurs in Berlin angemeldet, um die Basics zu lernen. Das gab mir den nötigen Aufwind für mein Kirgistan-Projekt. Leider waren die Freunde, mit denen ich die WG machen wollte, nicht mehr da. Und so trat ich meine Reise mit den Nomaden alleine an.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Botschaften oder Geschichten über Kirgistan möchtest du hier in Europa durch deinen Film vermitteln? Was wissen wir noch nicht über dieses Land?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Was ich hier in Deutschland oft erlebe, ist, wenn das Wort „Kirgistan“ fällt, kommt immer zuerst „Ah Kurdistan!“. Dann folgt immer ein „Wo ist denn das, Kirgistan? Ist das ein Land?“ Dann muss ich zuerst erklären, wo das ist. Was nicht immer einfach ist, weil Usbekistan und Tadschikistan ebenfalls unbekannt sind. Erstens möchte ich gerne dieses Land einfach den Leuten näher bringen. Klar, viele Dokus machen das, aber immer ist das Thema Seidenstraße. Kirgistan ist nur ein Kapitel davon. Ich möchte mit meinem Film auch die Vorurteile über dieses Land wegnehmen. Kirgistan. Da ist ein „stan“ drin, das ist bestimmt ein gefährliches Land, weil Afghanistan und Pakistan sind es ja auch. Zweitens möchte ich zeigen, dass es ein wunderschönes Land mit ganz vielen interessanten Geschichten und einer spannenden Kultur ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie hast du es geschafft, eine einheimische Perspektive zu bekommen? Sprichst du Kirgisisch? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich hab bei zwei verschiedenen Gastfamilien gewohnt und wurde vor allem bei einer Familie total ins Leben eingebunden und musste da mitarbeiten. Und ich bin jetzt auch in diesen Regionen, wo ich gewohnt habe, bekannt. Da weiß man auch, wer ich bin und man fragt nach mir. Das ist schon toll. Außerdem habe ich einen Vorteil, weil ich eine Person aus dem Westen bin, die Kirgisisch spricht. Vor allem auf dem Land sind die Einheimischen immer erstaunt und kommen schneller mit mir ins Gespräch. Ich hab das oft mit russischen Touristen beobachtet, die westlich aussehen, aber dann Russisch sprechen. Da verhalten sie sich anders.</p>
<p style="text-align: justify">Mein Ziel ist es, diese Sprache perfekt zu können. Ich bin immer super motiviert und ich freue mich jedes Mal, wenn ich Kirgisisch sprechen darf.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Dokus über Kirgistan enthalten oft Werbung für die Natur und die Landschaft. Das Nomadenleben wird viel exotischer dargestellt als es tatsächlich ist. Aber auch die Beschwerlichkeit des Alltags wird gern ausgespart. Möchtest du diesen Kampf in der Natur, mit der Natur, und manchmal auch gegen die Natur vermitteln?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Jeder Film ist eine Auswahl. Ich habe 75 Stunden Material und von diesen 75 Stunden – wenn es für‘s Fernsehen sein soll – muss ich 52 Minuten aussuchen. Ich suche natürlich die interessantesten aus. Da muss man sich im Klaren darüber sein, dass Dokumentarfilme sehr selten die nackte Wahrheit zeigen. Beim Fernsehen hat der Zuschauer immer die Wahl umzuschalten, sobald es ihm langweilig wird. Du musst also leider ein bisschen ein Spektakel daraus machen, damit die Leute dabeibleiben.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 338px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/742/r_cut_moving_to_song_kl.jpeg" alt="Nomaden Film" /></p>
<p style="text-align: justify">Mein Chef hat mich zum Beispiel immer gefragt „Ja, hatten die da oben mal Streit? Ist jemand gestorben? Was ist passiert?“ Er suchte also immer das Drama. Und ich habe nein gesagt. Niemand ist gestorben, niemand ist gegen seinen Willen verheiratet worden und niemand ist verunglückt. Es geht immer um das ganze Drama. Ich bin der Hoffnung, dass die kirgisische Kultur faszinierend genug ist, und ich nicht noch nach Dramen suchen muss. Ich zeige aber eher die Momente, die für uns fremd sind, wie diese Nomadenolympiade zum Beispiel, oder wie die Mädchen Wasser holen. Diese mühsame Arbeit wird Tag für Tag von den Kindern erledigt. Für 13-Jährige in Westeuropa ist das unvorstellbar. Die spielen X-Box und chatten auf Facebook.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Also gibst du eher einen Überblick über Themen, die für uns exotisch sind.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Ja, so kann man das sehen. Aber was ich auch will, ist, dass diese ganze romantische Vorstellung über Nomaden &#8211; diese Bilder von Nomaden, die das ganze Jahr mit ihren Schafen und Pferden über die Berge ziehen – korrigiert wird. Das ist heutzutage einfach nicht mehr so. Jedenfalls nicht bei der Familie, wo ich war. Im Winter leben sie im Dorf in einem Haus wie alle anderen Kirgisen, haben einen Staubsauger und haben einen Jeep mit 4&#215;4 Antrieb. Dann nehmen sie einen Lastwagen, packen die Jurten da rein, fahren damit hoch und stellen das dann auf. Die leben dann ein paar Monate da oben, bis das Gras ausgetrocknet ist, und gehen wieder zurück ins Dorf.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Mit Satellitenschüsseln, Handys, &#8230;</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Genau. Handys, Autos, Lastwagen, Generatoren für Strom. Da muss man einfach ehrlich sein und nicht nur die Romantik zeigen, die halt der Westler gerne sehen will. Was ich aber aus dem Film rausgelassen habe, muss ich fairerweise sagen, ist der ganze Tourismus. Das ist ein ganzes Doku-Thema für sich.</p>
<p style="text-align: justify">Die Familie, wo ich jetzt war, empfängt auch manchmal Touristen. Anstatt für neun Leute zu kochen, kochen sie nun eben für 15 Leute und servieren Tee. Ansonsten haben sie ihren Tagesrhythmus nicht verändert. Sie stehen zur selben Zeit auf, melken viermal die Stuten und zweimal die Kühe, holen Wasser und schlachten ein Schaf. Weil der Tourismus hier noch nichts verfälscht hat, habe ihn für dieses Mal ausgelassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Worüber würdest du gerne noch einen Film drehen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Ich habe das ganze Projekt alleine gedreht und alleine das Geld aufgetrieben und jetzt schneide ich das ganze alleine und muss es dann mehr oder weniger auch alleine vermarkten. Das ist stressig. Das nächste Projekt würde ich gerne mit einem Team machen. Ich möchte gerne Kamerafrau sein, aber Teil einer Dokumentarfilmcrew, so dass ich da mitgehen und mitarbeiten, aber nicht die Verantwortung für das ganze Projekt trage, weil es mir hier noch die Erfahrung fehlt.</p>
<p style="text-align: justify">Das nächste Projekt wird wahrscheinlich eher lokal in Deutschland stattfinden.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 338px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/742/yurt_evening.jpeg" alt="Nomaden Film" /></p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan selbst, wenn ich Geld für ein weiteres Projekt finde, warten einige Themen: Zum Beispiel Dordoi. Ein großer, ganz besonderer Markt, der einem einzigen Mann gehört. Das ganze Leben, das sich da drin abspielt, alles was hinter den Kulissen abläuft &#8211; Das ist wie eine ganze Stadt in einem Basar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das könnte wirklich ein spannendes Projekt ergeben. Es gibt sogar einige ethnographische Forschungen über Dordoi.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Genau. Aber auch das Thema Frauen in Kirgistan ist interessant. Ich bin da etwas zwiespältig den Dokus gegenüber, die von den Frauenentführungen und Zwangsheirat erzählen. Es ist ein schreckliches Thema, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass man das Drama darin sucht. Sie zeigen nur die Fälle, wo die Frau gegen ihren Willen entführt worden ist. Aber es gibt auch ganz viele Entführungen, die als abgemachte Show dienen. Diese Dokus über Frauenentführungen vermitteln leider, dass alle Frauen gegen ihren Willen verheiratet werden. Das stimmt einfach nicht. Es ist ein Teil der Kultur, aber er repräsentiert nicht die gesamte kirgisische Gesellschaft.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was hat dich beim allerersten Aufenthalt in Kirgistan überrascht?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nadine: Mein allererster Aufenthalt war ja nur zwei Wochen als Touristin im Jahr 2011. Noch nie zuvor war ich in einem Land, in dem wo es so wenig Infrastruktur für Tourismus gab, wo aber das Reisen so einfach und unkompliziert war. Mit Organisationen, die mit Einheimischen zusammenarbeiten, ging alles wie von alleine. So sind wir auch selbst viel mit Einheimischen in Kontakt gekommen, weil wir bei ihnen geschlafen haben. Wir wurden auch oft spontan zum Tee eingeladen. Die Leute freuten sich einfach, dass Ausländer sich für ihr Land interessierten und sich die Mühe machten, sich ihr Land anzuschauen. Ich fühlte mich noch nie so wohl in einem Land, das mir so fremd war.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Das Gespräch führte Mahabat Sadyrbek<br />
Autorin für Novastan.org, Berlin </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Daniela Neubacher</strong></p>
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		<title>Arbeitsplatz Container: Eine Spurensuche in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diese Fotoreportage enstand im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung ver&#xF6;ffentlicht.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Diese Fotoreportage enstand aus der Zusammenarbeit von Daniela Neubacher (D), Antje Lehmann (D), Christoph Richter (D) und Sarbinaz Mambetnazarowa (UZ) im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.</em></strong></p>
<p>Eine weitere Version des Artikels ist <a href="https://dieneubacher.exposure.co/gestrandet">hier</a> zu finden.</p>
<p style="text-align: center">
<p style="text-align: center"><strong>VIER GENORMTE WÄNDE</strong></p>
<p style="text-align: justify">Von außen vertäfelt und groß beschildert, von innen gefüllt mit Nudeln, Zement, Werkzeug oder Gartenzubehör – bunt und vielfältig reihen sie sich auf dem Basar aneinander, zwängen sich in den Seitenstraßen zwischen Hütten und Verschlägen und warten an stark befahrenen Kreuzungen auf Kundschaft. Es braucht oft einen zweiten Blick, um die auf 20 oder 40 Fuß genormten Stahlquader als solche wiederzuerkennen. Nur Form und Türen verraten, dass sie einst vielleicht tausende Kilometer über Weltmeere und Landstraßen gereist sind, bevor sie hier an den Straßen und Ecken Almatys strandeten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/1.jpeg" alt="1" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUNTES SPIEL IM VERBORGENEN</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein gemütliches Sofa, Tee und ein Schachspiel – übliche Requisiten in einem Café. Erst der Blick auf die Details verrät die Realität, die Vitrine wurde kurzerhand zu einem Tisch umfunktioniert, und das Sofa ist flankiert von zwei Regalen. Das Stimmengewirr, das von den Backgammonspielern gegenüber ausgeht, dringt in den verwaisten Container-Kosmos herüber. Muchtar, der Besitzer, ist unter ihnen gerade nur als Zuschauer, denn eigentlich hegt er eine heimliche Liebe für’s Schachspielen. Er deutet auf seinen anderen Container nebenan, der Lampen aller Facetten beherbergt. Hier hat er sich sein zweites geschäftliches Standbein geschaffen. Schon seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in seinen zwei Gehäusen aus Stahl, die nach außen kühl und gleichförmig erscheinen, nach innen aber ihre Einzigartigkeit entfalten und Besucher fast vergessen lassen, worum es sich eigentlich handelt – ein Geschäft.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/2.jpeg" alt="2" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SCHWÄRMEREI AM STRASSENRAND</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Alexejs Hände kommt nur deutsche Qualität. „Die deutschen Werkzeuge halten nun einmal doppelt so lange wie die chinesischen“, erklärt der Mittvierziger, während er routiniert den Autoreifen seines Kunden umwuchtet. Der Vater eines Sohnes arbeitet zusammen mit seinem Kollegen in zwei hintereinander gereihten Containern, die zu einer Autowerkstatt umfunktioniert wurden. In den dunklen Ecken stehen Geräte; Kabel und Schläuche winden sich durch den Eingang hin zu den wartenden Kunden vor ihren Autos. Alexej bleibt gelassen. Er spricht gebrochen Deutsch, acht Jahre lang hat er in Deutschland gelebt. München, Düsseldorf, Hamburg, Köln – all diese Städte habe er schon besucht. Selbst bis in die Niederlande hätte es ihn damals verschlagen. Dann hält Alexej kurz inne und wischt sich den Schweiß von der Stirn.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/3.jpeg" alt="3" /><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/4.jpeg" alt="4" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SUPERMAN IM HINTERHOF</strong></p>
<p style="text-align: justify">Talgats Arbeitsplatz liegt abseits des großen Almatiner Basars, in einem versteckten Hinterhof. Seine Kunden kennen den Weg. Denn die Lebensmittel sind bei ihm billiger als am “Grünen Basar”. Der Platz ist staubig; ständig laden junge Männer Waren auf und ab. Zwischen dem arbeitssamen Treben zwängen sich Talgats Kunden zu seiner Koje gegenüber dem Container durch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/5.jpeg" alt="5" /></p>
<p style="text-align: justify">Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der 18-Jährige verkauft hauptsächlich Nudeln, Öl und schwarzen Tee in einem Container, der seinem Vater gehört. Er weiß um seine große Verantwortung. Wenn der sportliche, junge Mann seine Kunden bedient, wirkt er sehr ernst für sein Alter. Nur später vor der Kamera beginnt er übermütig zu lachen und posiert freudig bei der Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/6.jpeg" alt="6" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/7.jpeg" alt="7" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUS, BUCH UND „BAGASCH“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist schon früher Abend, aber die Arbeit geht trotzdem weiter. Abenteuerlich zusammengeschnürte Pakete, graue Stoffbeutel und längliche, undefinierbare Stangen füllen den Platz zwischen Bus und dem Bürocontainer – doch Akschol bahnt sich zielsicher seinen Weg durch die Stolperfallen. Was nach Chaos auf diesem Nebenschauplatz des „Avtowaksal“ in Almaty aussieht, ist auch eines. Doch dann verweist Akschol auf ein schlichtes Buch – darin: minutiös aufgelistete Fahrten, Frachten, Daten, Namen und Adressen, fein säuberlich und ständig akribisch vervollständigt. Bürokratie im Kleinen. Es liegt mittig auf dem Tisch, daneben ein Kugelschreiber – ansonsten gibt sich der Arbeitsplatz recht leer. Ein Container für ein Buch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/8.jpeg" alt="8" /><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/9.jpeg" alt="9" /></p>
<p style="text-align: justify">Eigentlich ist Akschol der Fahrer, allerdings hat er in dem Vier-Mann-Unternehmen alle möglichen Positionen inne: Packer, Träger, Planer oder Kontrolleur – ein Leben zwischen Bus, Buch und Bagasch (Russisch für Gepäck). Schnell muss es vor allem gehen, die Fuhre wird am nächsten Tag in Westkasachstan erwartet. Für Buch und Besitzer geht es aus dem Container hinaus in die Weite der Steppe.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/10.jpeg" alt="10" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>ASSEM TRÄUMT VON DER WELT</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/11.jpeg" alt="11" /></p>
<p style="text-align: justify">Pferd heißt „horse“, verrät das pinke Post-it am Fenster. Die junge Kasachin Assem nutzt die vielen Stunden, während sie am Basar Autozubehör verkauft, um Englisch zu lernen. Inmitten von Batterien, Flaschen und Schmieröl-Kanistern hat sie ihre Bücher auf dem kleinen Verkaufstisch vor sich ausgebreitet. In der kleinen Koje nebenan kleben zahlreiche Zettel mit den wichtigsten Vokabeln und Sätzen, die sie sich einprägen will. What are you doing? What is the title of the film? Darunter steht die russische Lautschrift, manchmal auch eine kasachische Übersetzung. So hat Assem ihre Vokabeln dort in ihrer Ecke immer im Blickfeld, wenn sie durch das kleine Fenster auf den Marktplatz nach Kunden Ausschau hält.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12.jpeg" alt="12" /><img decoding="async" style="height: 900px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12bis.jpeg" alt="13" /></p>
<p style="text-align: center">„<strong>ICH BIN IMMER HIER“</strong></p>
<p style="text-align: justify">“<em>Wie erstaunt waren die Leute, als wir da plötzlich mit unseren Kameras vor den Containern standen? Einige haben uns sofort wieder weggeschickt. Manche reagierten misstrauisch. Die meisten haben sich aber gefreut, dass sich ‘junge Ausländer’ für ihren vermeintlich unscheinbaren Arbeitsplatz interessieren. Die junge Assem mit ihren Büchern, die Frau vom Gartenladen mit dem mädchenhaften Lächeln, der engagierte Junge im versteckten Hinterhof &#8211; sie alle arbeiten Tag für Tag auf den Plätzen, Märkten und Seitengassen der größten Stadt Kasachstans. Der Container sichert ihre Existenz. Es war ein unvergessliches Erlebnis, in diesen Mikrokosmos einzutauchen und ihren persönlichen Alltag festzuhalten.” </em></p>
<p style="text-align: justify"><em><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/13.jpeg" alt="14" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/14.jpeg" alt="15" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/15.jpeg" alt="16" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/16.jpeg" alt="17" /></em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Text und Bilder von  </strong><br />
<strong>Sarbinaz Mambetnazarowa</strong><br />
<strong>Antje Lehman</strong><br />
<strong>Christoph Richter</strong><br />
<strong>Daniela Neubacher </strong></p>
<p style="text-align: justify">
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		<title>„Rechte sind wichtiger als Brot“ -die Journalistin Irina Mednikowa im Gespräch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Novastan.org-Autorin Madina Tleulina sprach mit Irina Mednikova, Gr&#xFC;nderin des Jugendinformationsdienstes Kasachstans (MISK) und unabh&#xE4;ngige Journalistin. Sie erf&#xE4;hrt, wie es um die freie Presse in Land steht.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em>Kasachstan rangiert bei der Rangliste von Reporter ohne Grenzen auf Platz 160. Im Vergleich zum Jahr 2012 hat das Land sogar vier Plätze verloren. Nichtsdestotrotz zeichnet die Regierung ein idyllisches Bild der Pressefreiheit: es gebe <a href="http://medialaw.asia/node/9139">mehr als 2000 unabhängige Medien</a> in Kasachstan</em><em> und die freie Meinungsäußerung sei nicht beschränkt. Novastan.org-Autorin Madina Tleulina sprach mit Irina Mednikowa, Gründerin des Jugendinformationsdienstes Kasachstans (MISK) und unabhängige Journalistin. Sie erfährt aus erster Hand, wie es tatsächlich um die freie Presse und die Demokratisierung im Land steht.</em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Irina, du hast sieben Jahre im Journalismus gearbeitet, fünf davon hast du für „Respublika“ berichtet, einer Zeitung, die von der Regierung als Oppositionspresse bezeichnet wurde. Ist es deiner Einschätzung nach gefährlich, in Kasachstan als Journalist zu arbeiten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das kommt darauf an zu welchem Thema du schreiben möchtest. Ein Tabu ist definitiv über den Präsidenten und seine Familie zu schreiben, nämlich über ihre Einkommensquellen und welche Eigentümer sie hier und im Ausland besitzen. Besonders verboten ist es, die Frage aufzuwerfen, ob alles legal erworben wurde. Außerdem ist man sehr empfindlich bei Korruption und scharfer Kritik an staatlichen Angestellten. In den letzten Jahren wurde es auch sehr unangenehm, wenn man medial Gegner des Präsidenten unterstützt, wie etwa Muchtar Abljasow (ehemaliger Direktor des Verwaltungsrat des staatlichen BTA Bank), Rachat Alijew (ehemaliger Vize-Außenminister und Schwiegersohn von Präsident Nursultan Nasarbajew), Wiktor Chrapunow (ehemaliger Bürgermeister von Almaty). Doch wenn man über Sport und Mode berichtet, kann man das ganze Leben ruhig arbeiten ohne zu wissen, dass es in Kasachstan keine Pressefreiheit gibt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie würdest du die Opposition generell beschreiben? Hat sie ein erkennbares Bild in der Politik und in den Medien? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Früher gab es die einflussreiche Oppositionspartei „Demokratische Wahl Kasachstans“ (2004 gegründet), aber später zerfiel sie in verschiedene kleinere Parteien und Bewegungen und heute ist nur noch eine Partei davon geblieben: „Die Nationale Sozialdemokratische Partei“. Aber es ist eine Quasi-Opposition, weil sie praktisch keine politischen Instrumente besitzt. Darüber hinaus gibt es kleine Oppositionsbewegungen und einzelne Aktivisten. Leider ist unsere Opposition fragmentiert und nicht organisiert.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was kannst du über die Finanzierung der unabhängigen Medien sagen? Sind sie wirklich unabhängig in diesem Sinn? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Man weiß, dass es in Kasachstan mehr als 2000 freien Medien gibt, aber nicht alle wissen, dass 90 Prozent davon durch den Staat finanziert werden. Laut der Studie vom Internationalen Zentrum des Journalismus „MediaNet“ leben diese <a href="http://www.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fmedianet.kz%2Fdownload%2F1627%2FAnaliticheskiyObzorMezhdunarodnogoTsentraZhurnalistikiMedianet%25C2%25ABgoszakazVSmiKazakhstanaPol%27zaIliVred%25C2%25BB.pdf&amp;h=JAQE3c8ak">70</a><a href="http://www.internews.kz/newsitem/22-10-2010/1303"> % von so genannten Gos Sakas</a> (die staatliche Presseförderung). Die Regierung setzt dadurch eine starke Zensur in Kraft und bestimmt den Inhalt der Medien. Der kleine Anteil der Medien, der durch andere Quellen finanziert wird, gehört höchstwahrscheinlich verschiedenen Oligarchen und großen Unternehmern, aber das ist auch schwer zu beweisen, da es bei unseren Medien nicht üblich ist eigene Finanzquellen preiszugeben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Daraus kann man schließen, dass es keinen Markt unabhängiger Medien in Kasachstan gibt. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, praktisch kann man das so sagen. Es ist eine große Frage, ob die Medien ohne Gos Sakas überleben können. Das Problem besteht auch darin, dass wir keine Kultur der bürgerlichen Investitionen in Medien haben. Das heißt, dass die Leute keine Lust haben für die Information zu zahlen, sie scheint einfach nicht wertvoll genug zu sein. Besonders die alternativen Informationen (abseits der staatlichen Zensur, Anm.).</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wenn wir die Situation mit der Pressefreiheit über die Zeit hinweg beobachten, sagen wir mal seit dem Jahr 2000, welche Veränderungen hast du beobachtet? In welche Richtung tendiert Kasachstan?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich würde das Jahr 2000 als relativ fruchtbare Zeit für die demokratischen Kräfte bezeichnen. Zumindest war es damals nicht so gefährlich für Medien etwas Kritisches zu schreiben. Ab 2008 gab es sehr viele Klagen gegen freie Medien. Deswegen wurden Zeitungen wie „Tas Schargan“, „Svoboda Slova“, „Schas Alasch“ und der Fernsehkanal „K+“ dicht gemacht. Diese Wende ist leicht zu erklären, weil Muchtar Abljasow aus Kasachstan floh, und die Regierung meinte alle unabhängigen Medien unter seiner finanziellen Unterstützung. 2013 wurden „Wzglyad“ „Respublika“ und „K+“ wegen der Vorwürfe der &#8222;Anstiftung zu sozialem Unfrieden“ und Aufhetzung der Proteste in <a href="http://www.bbc.co.uk/russian/international/2012/12/121216_zhanaozen_anno_kalikulov.shtml">Schanaosen</a> geschlossen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie hat man diese Schließungen konkret bewirkt? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Hauptsächlich waren es Klagen bei Gericht. Danach wurden den Zeitungen Lizenzen weggenommen und sie sollten hohe Bußgelder zahlen. Einige Journalisten wurden verhaftet. Oder man schafft den Journalisten künstliche Hindernisse, z. B. wurden sie zu wichtigen politischen Treffen und Ereignissen nicht zugelassen. Es gab auch technische Zensur, das heißt, dass alle Druckereien darauf verzichteten diese Zeitungen zu drucken. Genauso war es bei „Respublika“. Da mussten wir uns ein Jahr mit einem Digitaldrucker durchschlagen. Nachdem Kasachstan der Zollunion beitrat, wurde es möglich die Zeitung in Russland zu drucken und sie nach Kasachstan mit dem Flugzeug zu liefern.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es denn auch Oppositionspresse in kasachischer Sprache?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ja, zum Beispiel „Dat“, „Schas Alasch“, „Aschik Alan“ und andere. Außerdem gibt es den kasachischen Rundfunk „Asattik“, der durch die USA finanziert wird. Deshalb können sie manch heiße Themen bringen. Aber Medienexperten in Kasachstan behaupten, dass kasachisch- und russischsprachige Presse zweier verschiedener Welten angehören. Sie schreiben über andere Themen mit anderer Intensivität und überschneiden sich selten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Du hast gesagt, dass die Information hier nicht viel Wert hat. Besteht überhaupt ein Interesse daran Alternativen zu suchen und etwas zu verändern?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es wäre sinnvoll hier die Bevölkerung in Gruppen zu teilen: Die ältere Generation hat eine ganz andere Vorstellung über Macht, weil sie in der UdSSR lebten, und es da einfach nicht vorgesehen war etwas zu verändern. Andersdenken war wirklich gefährlich, die Leute wurden dafür verhaftet und getötet. Die Generation der „Perestroika“ war sehr desorientiert; man nennt sie auch „die verlorene Generation“, weil ihre Ansichten sich in einer instabilen Zeit bildeten, und sie vielleicht bis jetzt nicht wissen, ob sie selbst etwas in dem Land tun können. Sie versuchten sich den Umständen anzupassen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aber was ist mit der jungen Generation? Du beschäftigst dich sehr viel mit Sozialarbeit und Bildung junger Leute. Sind sie politisch aktiv und bereit etwas zu bewegen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die junge Generation kann leider nicht kritisch denken. Sie sehen nicht, was gut oder schlecht im Staat funktioniert. Außerdem zielt die staatliche Erziehungspolitik sehr darauf ab, die Loyalität zur Regierung und zum Präsidenten aufzubauen. Wenn diese junge Generation von der Ausbildung und von kritischen Denkströmungen isoliert wird, wird sie auch nicht verstehen was sie verändern könnte. Ich habe bei unseren Vorlesungen in MISK erlebt, dass junge Leute beim Thema Demokratie sehr oft Aussagen vorbringen wie: „Demokratie ist Schwulenehen“.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ich weiß, dass unsere Regierung bei jungen Leuten sehr oft mit Stabilität assoziiert wird. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Das war die Denkweise unserer Großmütter und Großväter. Sie überlebten Krieg und Hunger, deshalb schätzen sie sehr, wenn alles einfach ruhig ist und es Brot auf dem Tisch und ein festes Gehalt gibt. Aber wir? Warum sollen wir uns nach drei Generationen nur damit zufrieden geben? Unsere Rechte und Pflichte sind auch wertvoll. Leider interessieren sich junge Leute in erster Linie am meistens dafür, wie man schnell und leicht Erfolg erreichen kann und viel Geld ohne Mühe verdient.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was schlägst du als Lösung gegen diese politische Passivität vor?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Idee, dass unsere Rechte am wichtigsten sind, muss in uns hineinwachsen. Ansonsten werden alle äußerlichen Aktivitäten, wie Proteste und die Agitation der Opposition, nichts nützen. Nur wenn sich diese Idee im Herzen der Bevölkerung entfaltet, wird sie sich sehr schnell organisieren. Um dem Prozess zu fördern, muss man einen großen Wert auf Bildung legen. Man muss den jungen Leuten immer wieder erklären, warum ihre Rechte wichtiger sind als Brot. Morgen wirst du gefeuert, dein Brot wird weggenommen, und du kannst dich nicht schützen, weil du nichts über deine Rechte weißt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Und zuletzt eine persönliche Frage: warum engagierst du dich so leidenschaftlich in diesem Bereich? Hast du keine Angst, obwohl du weißt, was es dir kosten kann?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich verstand eines Tages, dass es anders einfach nicht geht. Und ich habe keine Angst, weil ich nichts gegen das Gesetz mache. Und aus einer moralischen Perspektive ist es eine sehr wichtige Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify">
<div class="placeholder_white pull-left"><strong>Die Situation mit der Pressefreiheit in Kasachstan in Überblick:</strong></div>
<div class="placeholder_white pull-left">&#8211; Seit dem Jahr 2000 wurden verschiedene Internet-Medien und Blogs, die Kritik auf die Regierung und den Präsidenten übten, aus „Sicherheitsgründen” gesperrt. Die Liste der Websites ist unter folgendem Link verfügbar: <span style="font-size: 11px"><u><a href="http://www.rferl.org/content/NGO_Says_14_Websites_Being_Blocked_In_Kazakhstan/1941642.html">http://www.rferl.org/content/NGO_Says_14_Websites_Being_Blocked_In_Kazakhstan/1941642.html</a></u></span></div>
<div class="placeholder_white pull-left">&#8211; 2010 wurde das Gesetz für Internet-Zensur eingeführt. Das Internet wurde damit herkömmlichen Medien rechtlich gleichgestellt, um kritische Blogbeiträge einfacher vor Gericht zu bringen.</div>
<div class="placeholder_white pull-left">&#8211; Laut einer Statistik der Stiftung für die Überwachung der Pressefreiheit in Kasachstan “Adil Sos“ werden mindestens zehn Journalisten pro Jahr für „Verleumdung und Ehrenbeleidigung“ angeklagt. Die Statistik und die Ergebnisse des Monitorings der Pressefreiheit in Kasachstan sind unter folgenden Links auf Russisch und Englisch verfügbar: <u><a href="http://www.adilsoz.kz/en/category/statistic/">http://www.adilsoz.kz/en/category/statistic/</a></u></div>
<div class="placeholder_white pull-left">&#8211; Nach der Abwertung der Nationalwährung 2014 begann man ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Nursultan Nasarbajew im Internet. Die Website, auf der die Unterschriften der Bevölkerung online gesammelt wurden, ist mittlerweile gesperrt, berichtet die Rundfunk „Asattik“. <a href="http://rus.azattyq.org/content/peticia-onlain-otstavka-nazarbaeva/25262258.html">http://rus.azattyq.org/content/peticia-onlain-otstavka-nazarbaeva/25262258.html</a></div>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right"><strong>Madina Tleulina<br />
Journalistin für Novastan.org Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Daniela Neubacher </strong></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right">
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			</item>
		<item>
		<title>Regime-Kritiker: Kasachstan leidet an „Janukowitsch-Syndrom“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[daniela]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Nursultan Nazarbaev]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Oligarchen-Herrschaft, Anschlussfantasien und laute T&#xF6;ne aus Moskau &#x2013; Besonders Kasachstan schaut heute gespannt auf die laufenden Ereignisse in der Ukraine.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/regime-kritiker-kasachstan-leidet-an-janukowitsch-syndrom/">Regime-Kritiker: Kasachstan leidet an „Janukowitsch-Syndrom“</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Oligarchen</em><em>-Herrschaft, Anschlussfantasien und laute Töne aus Moskau – Besonders Kasachstan schaut heute gespannt auf die laufenden Ereignisse in der Ukraine. In dem GUS-Staat steht die Frage im Raum, welchen Einfluss der Regierungsumsturz auf das eigene Land haben wird. Seit den jüngsten Demonstrationen in Almaty schließen manche Proteste ukrainischen Ausmaßes nicht mehr aus. Auch über die Gefahr einer ethnischen Teilung wird diskutiert. Droht jetzt der kasachische „Maidan“?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Die ehemaligen Sowjetischen Republiken Kasachstan und Ukraine sind auch heute noch relativ eng miteinander verbunden. Sie teilen eine ähnliche Geschichte, ähnliche Regierungsformen und die damit einhergehenden Probleme. So wird die Menschenrechtslage in Kasachstan laufend von internationalen Organisationen wie <u><a href="http://www.hrw.org/world-report/2014/country-chapters/kazakhstan">Human Rights Watch</a></u> kritisiert.</p>
<p style="text-align: justify">Zur <u><a href="http://rus.azattyq.org/content/kazakhstanskie-politologi-o-situatsii-na-ukraine/25276886.html">„Lage in der Ukraine. Eine kasachstanische Perspektive“</a></u> fand mit Unterstützung der Friedrich Ebert Stiftung im Februar ein Runder Tisch in Almaty statt. Die Teilnehmer analysierten die Hintergründe des „Maidan“, und verglichen die dortige Lage mit der in Kasachstan. Im Zentrum der Diskussion stand der Vergleich zwischen politischen Führern in Kasachstan und der Ukraine. Zweifellos führten beide Machthaber ähnliche politische Regime, die als Stamm-Oligarchien bezeichnet werden können. Wiktor Janukowitsch ebenso wie Nursultan Nasarbajew würden keinen Dialog mit der Zivilgesellschaft anstreben – eine Haltung, die Misstrauen in der Bevölkerung schürt. Wie groß die Parallelen sind, darauf konnten sich die Politologen allerdings nicht einigen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Potential zur Spaltung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Gerade die letzten Ereignisse auf der Krim-Halbinsel schüren auch in Kasachstan die Angst um die territoriale Integrität des eigenen Landes. Denn im an Russland grenzenden Norden leben überwiegend ethnische Russen. Noch erscheint dort die Lage relativ stabil, auch die Unabhängigkeitsbewegungen halten sich in Grenzen.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 338px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/547/1.jpeg" alt="Zhirinovskij" /></p>
<p style="text-align: justify">Mit dem Vorschlag, Russland solle über eine Annektierung dieser Region nachdenken, löste der russische Schriftsteller und Oppositionspolitiker Eduard Limonow einen kleinen Skandal aus. Auf seiner Facebook-Seite <a style="line-height: 1.6em" href="http://total.kz/politics/2014/02/20/eduard_limonov_predlozhi_kremlyu/">verglich</a> er den Norden Kasachstans explizit mit dem Osten der Ukraine. Ein paar Tage später <a style="line-height: 1.6em" href="http://tengrinews.kz/kazakhstan_news/v-mid-rossii-prokommentirovali-vyiskazyivanie-jirinovskogo-o-kazahstane-251023/">verkündete</a> auch der Duma-Abgeordnete, und Vorsitzende der Liberal-Demokratischen Partei Russlands Wladimir Zhirinowskij: „Es gibt keine Republiken in Zentralasien, sondern ein Zentralasiatisches Föderationsgebiet, mit der Stadt Vernij (der alte Name für Almaty) als Hauptstadt! Heute trägt diese Stadt einen fremden Namen: Alma-Ata. Das war meine Heimatstadt. Die Länder des Zentralasiatischen Föderationsgebietes: Usbekistan, Kirgisien, Tadschikistan, Turkmenien und Kasachstan sind nur ausgedacht.“.</p>
<p style="text-align: justify">Beide Aussagen brachten das kasachstanische Außenministerium dazu, eine offizielle Erklärung der russischen Regierung zu verlangen. Das russische Außenministerium gab sich jedoch beruhigend: Es handle sich um ein Missverständnis, das die Beziehungen zwischen Russland und Kasachstan nicht beeinträchtigen sollte. Einige Politikexperten schlugen auch vor, Zhirinowskij die Einreise nach Kasachstan zu verbieten.</p>
<p style="text-align: justify">Auch Polit-Beobachter Alexander Knyasew geht in seiner Analyse besonders auf die ethnische Spaltung der Ukraine ein : So gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den ukrainischen Regionen. Was Kasachstan angeht sei eine derartige Spaltung jedoch kaum merkbar. Lediglich der Umstand, dass viele Menschen von ländlichen Regionen auf der Suche nach Arbeit und besseren Wohnbedingungen in die entwickelten Städte wie Almaty und der Hauptstadt Astana ziehen, sei erwähnenswert.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kasachische Regierung zeigt sich zögerlich</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenige Tage nach der Eskalation am „Maidan“ sprach der kasachische Präsident Nasarbajew via Telefon mit Vladimir Putin über die Situation in der Ukraine. Der Inhalt des Gesprächs blieb allerdings geheim. Für den kasachstanischen Präsidenten stand schon Anfang Februar fest, dass soziale Probleme zur Revolution geführt hätten. Er halte es für seltsam, dass die Ukraine als zweiter stabiler Nachfolgestaat der Sowjetunion jetzt so viele wirtschaftliche Schwierigkeiten habe. „Man muss sich erst mit der Wirtschaft beschäftigen und dann mit der Politik“, kommentierte Nasarbajew. Weitere Stellungnahmen blieben aus.</p>
<p style="text-align: justify">Erst am Dienstag, <a href="http://rus.azattyq.org/content/krizis-v-ukraine-reaktsia-nazarbaeva/25284719.html">meldete sich der Präsident zurück</a>. Er schlägt ein Treffen der Zollunionsmitglieder vor, bei dem auch über die Krim diskutiert werden müsse. Auch das lange Schweigen seitens des Außenministeriums hat zu Unsicherheit in der Bevölkerung geführt. Nun appelliert es zum Verzicht auf jegliche militärische Einmischungen. Man hoffe, dass sich die Situation wieder stabilisieren werde, heißt es am Dienstag von offizieller Stelle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Politologe hält Nazarbajevs Politik für überholt</strong></p>
<p style="text-align: justify">Das Motto: „Man muss sich erst mit der Wirtschaft beschäftigen und dann mit der Politik“ sei allerdings auch in Kasachstan überholt, <a style="line-height: 1.6em" href="http://rus.azattyq.org/content/kazakhstanskie-politologi-o-situatsii-na-ukraine/25276886.html">meint</a> Politikbeobachter Asylbek Bisenbaew, der ehemalige Pressesekretär des kasachstanischen Präsidenten und Journalist bei „Komsomolskaja Prawda“. Nasarbajews Vorgehen hätte schließlich nur zur wirtschaftlichen Stagnation geführt. Und auch andere Diskutanten behaupteten beim Runden Tisch in Almaty, dass weniger die politischen, als die sozialen und ökonomischen Probleme in Kasachstan zu Protestbewegungen führen könnten. Die jüngsten Demonstrationen gegen die Erhöhung des Renteneinstiegsalters für Frauen und gegen die Währungs-Abwertung im Februar 2014 zeigen, dass es durchaus starke, soziale Spannungen gibt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Einfluss auf bilaterale Beziehungen mit der Ukraine</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/547/2.jpeg" alt="Nasarbajew Janukowitsch" /></p>
<p style="text-align: justify">Die aktuelle Lage hat auch Einfluss auf die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Laut Rustam Burnaschew, Professor an der Deutsch-Kasachischen Universität, sind die Handelsbeziehungen zwischen Kasachstan und der Ukraine für beide Länder wichtig. Heimische Firmen mit Filialen in der Ukraine drohen Verluste. Zurzeit zählt man etwa 400 gemeinsame kasachisch-ukrainische Firmen. Auch wenn die derzeitige Situation der Ukraine besorgniserregend sei, ist Burnaschev sicher: „Die Risiken hängen in erster Linie mit dessen Teilung zusammen, die unwahrscheinlich scheint.“</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiterer Punkt ist die Richtung, in die sich die Ukraine weiter entwickeln wird. Sollte es längerfristig mit einer europäischen Integration klappen, könnten die neuen Rahmenbedingungen auch für kasachische Investoren attraktiver werden.</p>
<p style="text-align: justify">Ein paar Monate vor den Ereignissen auf dem Maidan haben sich die Oberhäupter Kasachstans und der Ukraine getroffen, um die Gründung eines Transportkorridors zu besprechen. Im Ausblick auf einen möglichen Beitritt der Ukraine in die Zollunion und in die von Russland angestrebte Eurasische Union sollen die Infrastrukturen beider Länder gestärkt werden. „Wir zusammen (Kasachstan, Ukraine und Russland) können ein Projekt bilden, womit Europa und Asien verbunden wird“, so Janukowitsch damals.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Reaktionen </strong><strong>in der Bevölkerung </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Ereignisse in der Ukraine führen zu sehr vielen Reaktionen in der Bevölkerung Kasachstans &#8211; in den sozialen Medien, aber auch vor Ort. So waren bereits am Anfang der Aufstände Kasachen auf dem Maidan vertreten. Manche hatten das Ziel, sich mit Vitaliy Klitschko zu treffen und auch mit der ukrainischen Bevölkerung verschiedene Interviews zu führen. Einer von ihnen ist der <u><a href="http://rus.azattyq.org/content/zhanbolat-mamai-na-evromaidane/25251652.html">Aktivist Zhanbolat Mamajew</a></u> (Vertreter der Anti-Eurasischen Union, die zurzeit immer noch Petitionen für die Gründung sammelt). Ihm geht es bei dem Maidan nicht nur um die ukrainische Zukunft, sondern auch um die kasachische. Falls Russland die Ukraine „verliert“, fallen alle Pläne mit den transnationalen Organisationen, wie z.B. die Zollunion, ins Wasser.</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem wurden sowohl in Astana, als auch in Almaty kleine friedliche Demonstrationen zur Unterstützung der Ukraine geführt. Es wurde die ukrainische Hymne gesungen und die Befreiung der Krim von der russischen Armee gefordert. Ein junger Mann aus Astana<a style="line-height: 1.6em" href="https://www.youtube.com/watch?v=MKwgilfudb8"> äußerte seine Angst</a>, dass Russland nach der Krim auch sehr schnell in Nordkasachstan einmarschieren könnte.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 600px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/547/3.jpeg" alt="Qasaqorda" />
</p>
<p style="text-align: justify">Wie groß die Betroffenheit in Kasachstan über den „Maidan“ ist, zeigen die vielen Diskussionen in Sozialen Netzwerken und auf kasachstanischen Webseiten. Zum Beispiel auf der Facebook-Seite „Qasakskaja Orda“, die sich aktiv für die „Dekolonialisierung“ Kasachstans einsetzt, und die sich auch sehr gegen die russische Intervention in der Ukraine ausspricht.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Reaktion der Parteien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Was kasachstanische Parteien angeht, gibt es immer noch keine klaren Äußerungen zum Thema. Nur die NGO „Demokratisches Kasachstan“ – eine neue Bewegung, die das Ziel hat alle kasachische NGOs zu verbinden, um sozial-ökonomische Probleme besser lösen zu können – kommentiert: „die Krankheit, die den Namen „Janukowitsch-Syndrom“ trägt, ist in Kasachstan weitverbreitet und niemand kennt ein Heilmittel dagegen“. Im Endeffekt haben die Parteien klargestellt, dass es Probleme in der Politik gebe, die man bekämpfen müsse. Dass Bevölkerungsvertrauen nicht zu verlieren, sei heute wichtiger denn je. Kasachstan müsse politisch und wirtschaftlich reformiert werden, damit eine friedliche Zukunft ohne Revolutionen möglich wird.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Yelizaveta Chsherbakova<br />
Journalistin für Novastan.org Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Daniela Neubacher</strong></p>
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