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	<title>christophr, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>christophr, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Arbeitsplatz Container: Eine Spurensuche in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[christophr]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diese Fotoreportage enstand im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung ver&#xF6;ffentlicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Diese Fotoreportage enstand aus der Zusammenarbeit von Daniela Neubacher (D), Antje Lehmann (D), Christoph Richter (D) und Sarbinaz Mambetnazarowa (UZ) im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.</em></strong></p>
<p>Eine weitere Version des Artikels ist <a href="https://dieneubacher.exposure.co/gestrandet">hier</a> zu finden.</p>
<p style="text-align: center">
<p style="text-align: center"><strong>VIER GENORMTE WÄNDE</strong></p>
<p style="text-align: justify">Von außen vertäfelt und groß beschildert, von innen gefüllt mit Nudeln, Zement, Werkzeug oder Gartenzubehör – bunt und vielfältig reihen sie sich auf dem Basar aneinander, zwängen sich in den Seitenstraßen zwischen Hütten und Verschlägen und warten an stark befahrenen Kreuzungen auf Kundschaft. Es braucht oft einen zweiten Blick, um die auf 20 oder 40 Fuß genormten Stahlquader als solche wiederzuerkennen. Nur Form und Türen verraten, dass sie einst vielleicht tausende Kilometer über Weltmeere und Landstraßen gereist sind, bevor sie hier an den Straßen und Ecken Almatys strandeten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/1.jpeg" alt="1" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUNTES SPIEL IM VERBORGENEN</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein gemütliches Sofa, Tee und ein Schachspiel – übliche Requisiten in einem Café. Erst der Blick auf die Details verrät die Realität, die Vitrine wurde kurzerhand zu einem Tisch umfunktioniert, und das Sofa ist flankiert von zwei Regalen. Das Stimmengewirr, das von den Backgammonspielern gegenüber ausgeht, dringt in den verwaisten Container-Kosmos herüber. Muchtar, der Besitzer, ist unter ihnen gerade nur als Zuschauer, denn eigentlich hegt er eine heimliche Liebe für’s Schachspielen. Er deutet auf seinen anderen Container nebenan, der Lampen aller Facetten beherbergt. Hier hat er sich sein zweites geschäftliches Standbein geschaffen. Schon seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in seinen zwei Gehäusen aus Stahl, die nach außen kühl und gleichförmig erscheinen, nach innen aber ihre Einzigartigkeit entfalten und Besucher fast vergessen lassen, worum es sich eigentlich handelt – ein Geschäft.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/2.jpeg" alt="2" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SCHWÄRMEREI AM STRASSENRAND</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Alexejs Hände kommt nur deutsche Qualität. „Die deutschen Werkzeuge halten nun einmal doppelt so lange wie die chinesischen“, erklärt der Mittvierziger, während er routiniert den Autoreifen seines Kunden umwuchtet. Der Vater eines Sohnes arbeitet zusammen mit seinem Kollegen in zwei hintereinander gereihten Containern, die zu einer Autowerkstatt umfunktioniert wurden. In den dunklen Ecken stehen Geräte; Kabel und Schläuche winden sich durch den Eingang hin zu den wartenden Kunden vor ihren Autos. Alexej bleibt gelassen. Er spricht gebrochen Deutsch, acht Jahre lang hat er in Deutschland gelebt. München, Düsseldorf, Hamburg, Köln – all diese Städte habe er schon besucht. Selbst bis in die Niederlande hätte es ihn damals verschlagen. Dann hält Alexej kurz inne und wischt sich den Schweiß von der Stirn.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/3.jpeg" alt="3" /><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/4.jpeg" alt="4" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SUPERMAN IM HINTERHOF</strong></p>
<p style="text-align: justify">Talgats Arbeitsplatz liegt abseits des großen Almatiner Basars, in einem versteckten Hinterhof. Seine Kunden kennen den Weg. Denn die Lebensmittel sind bei ihm billiger als am “Grünen Basar”. Der Platz ist staubig; ständig laden junge Männer Waren auf und ab. Zwischen dem arbeitssamen Treben zwängen sich Talgats Kunden zu seiner Koje gegenüber dem Container durch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/5.jpeg" alt="5" /></p>
<p style="text-align: justify">Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der 18-Jährige verkauft hauptsächlich Nudeln, Öl und schwarzen Tee in einem Container, der seinem Vater gehört. Er weiß um seine große Verantwortung. Wenn der sportliche, junge Mann seine Kunden bedient, wirkt er sehr ernst für sein Alter. Nur später vor der Kamera beginnt er übermütig zu lachen und posiert freudig bei der Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/6.jpeg" alt="6" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/7.jpeg" alt="7" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUS, BUCH UND „BAGASCH“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist schon früher Abend, aber die Arbeit geht trotzdem weiter. Abenteuerlich zusammengeschnürte Pakete, graue Stoffbeutel und längliche, undefinierbare Stangen füllen den Platz zwischen Bus und dem Bürocontainer – doch Akschol bahnt sich zielsicher seinen Weg durch die Stolperfallen. Was nach Chaos auf diesem Nebenschauplatz des „Avtowaksal“ in Almaty aussieht, ist auch eines. Doch dann verweist Akschol auf ein schlichtes Buch – darin: minutiös aufgelistete Fahrten, Frachten, Daten, Namen und Adressen, fein säuberlich und ständig akribisch vervollständigt. Bürokratie im Kleinen. Es liegt mittig auf dem Tisch, daneben ein Kugelschreiber – ansonsten gibt sich der Arbeitsplatz recht leer. Ein Container für ein Buch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/8.jpeg" alt="8" /><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/9.jpeg" alt="9" /></p>
<p style="text-align: justify">Eigentlich ist Akschol der Fahrer, allerdings hat er in dem Vier-Mann-Unternehmen alle möglichen Positionen inne: Packer, Träger, Planer oder Kontrolleur – ein Leben zwischen Bus, Buch und Bagasch (Russisch für Gepäck). Schnell muss es vor allem gehen, die Fuhre wird am nächsten Tag in Westkasachstan erwartet. Für Buch und Besitzer geht es aus dem Container hinaus in die Weite der Steppe.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/10.jpeg" alt="10" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>ASSEM TRÄUMT VON DER WELT</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/11.jpeg" alt="11" /></p>
<p style="text-align: justify">Pferd heißt „horse“, verrät das pinke Post-it am Fenster. Die junge Kasachin Assem nutzt die vielen Stunden, während sie am Basar Autozubehör verkauft, um Englisch zu lernen. Inmitten von Batterien, Flaschen und Schmieröl-Kanistern hat sie ihre Bücher auf dem kleinen Verkaufstisch vor sich ausgebreitet. In der kleinen Koje nebenan kleben zahlreiche Zettel mit den wichtigsten Vokabeln und Sätzen, die sie sich einprägen will. What are you doing? What is the title of the film? Darunter steht die russische Lautschrift, manchmal auch eine kasachische Übersetzung. So hat Assem ihre Vokabeln dort in ihrer Ecke immer im Blickfeld, wenn sie durch das kleine Fenster auf den Marktplatz nach Kunden Ausschau hält.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12.jpeg" alt="12" /><img decoding="async" style="height: 900px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12bis.jpeg" alt="13" /></p>
<p style="text-align: center">„<strong>ICH BIN IMMER HIER“</strong></p>
<p style="text-align: justify">“<em>Wie erstaunt waren die Leute, als wir da plötzlich mit unseren Kameras vor den Containern standen? Einige haben uns sofort wieder weggeschickt. Manche reagierten misstrauisch. Die meisten haben sich aber gefreut, dass sich ‘junge Ausländer’ für ihren vermeintlich unscheinbaren Arbeitsplatz interessieren. Die junge Assem mit ihren Büchern, die Frau vom Gartenladen mit dem mädchenhaften Lächeln, der engagierte Junge im versteckten Hinterhof &#8211; sie alle arbeiten Tag für Tag auf den Plätzen, Märkten und Seitengassen der größten Stadt Kasachstans. Der Container sichert ihre Existenz. Es war ein unvergessliches Erlebnis, in diesen Mikrokosmos einzutauchen und ihren persönlichen Alltag festzuhalten.” </em></p>
<p style="text-align: justify"><em><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/13.jpeg" alt="14" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/14.jpeg" alt="15" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/15.jpeg" alt="16" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/16.jpeg" alt="17" /></em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Text und Bilder von  </strong><br />
<strong>Sarbinaz Mambetnazarowa</strong><br />
<strong>Antje Lehman</strong><br />
<strong>Christoph Richter</strong><br />
<strong>Daniela Neubacher </strong></p>
<p style="text-align: justify">
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		<title>Die EU: Ein neuer Spieler auf dem „Schachbrett“ Zentralasien ?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[christophr]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Rahmen der Europaparlementswahlen bietet Novastan.org einen &#xDC;berblick auf die Aktionen und Politik der EU in Zentralasien.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Bald sind Europawahlen. Die Europäische Union beeinflusst maßgeblich das tägliche Leben der Europäer. Die Menschen von 27 Staaten leben in einem Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Als EU-Bürger genießen sie gemeinsamen Binnenmarkt, gemeinsamen Arbeitsraum und eine stabile Währung. Auf der internationalen Bühne entwickelte sich die EU zu einem bedeutsamen Akteur; die Ansprüche der internationalen Gemeinschaft an die Europäische Union sind enorm gestiegen. Nach der erfolgreichen Osterweiterung rückten viele Länder der ehemaligen Sowjetunion, darunter auch die zentralasiatischen Staaten, in den Fokus der EU. Die Frage ist, mit welchem Nachdruck die Union ihr Interesse an einer vertieften Partnerschaft verfolgt und welche Rolle die Gemeinschaft der europäischen Staaten im Leben der Zentralasiaten spielt.</strong></em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Die Politik der EU in unabhängigen Staaten Zentralasiens</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die EU erkannte die zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion unverzüglich nach deren Unabhängigkeit an und entfaltete in allen verschiedene Aktivitäten. Die <em>Technical Assistance to the Commonwealth of Independent States</em> <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-92-54_en.htm">(TACIS)</a> war eine der ersten EU-Initiativen zur Unterstützung der wirtschaftlichen und politischen Transformationsprozesse in ihren Partnerstaaten im GUS-Bereich. Das Programm trat schon 1991 in Kraft und wurde ab 2007 durch die <em>Instrumente der Entwicklungs- und Wirtschaftskooperation</em> <a href="http://ec.europa.eu/europeaid/how/finance/dci_en.htm">(DCI)</a> ersetzt. Die ersten politischen Beziehungen der EU zu Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan wurden durch das so genannte Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) von 1995 formalisiert. Aufgrund des Bürgerkrieges kam das PKA mit Tadschikistan allerdings nicht zustande und in Turkmenistan wurde der Ratifizierungsprozess des Abkommens wegen der Unstimmigkeiten bezüglich der weit reichenden Menschenrechtsverletzungen auf Eis gelegt. Weitere wichtige Programme waren: Transport Corridor Europe-Caucasus-Central Asia <a href="http://www.traceca-org.org/en/home/">(TRACECA)</a>, Black Sea Regional Energy Center <a href="http://www.bsrec.bg/">(BSREC)</a> und Interstate Oil and Gas Transport to Europe <a href="http://www.inogate.org/">(INOGATE)</a> und Border Management in Central Asia <a href="http://www.bomca.eu/en.html">(BOMCA)</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Unter den EU-Institutionen hatte die <em>Europäische Kommission</em> seit 1994 eine offizielle Vertretung in Kasachstan und unterhielt zwei weitere kleine Büros (chargés d’affaires) in Kirgistan und Tadschikistan sowie das Europa-Haus in Usbekistan. Das<em> Europäische Parlament</em> pflegte, Wahlbeobachter und Wahlexperten zu den Präsidentschaftswahlen in Kasachstan und Kirgistan zu entsenden, die Durchführung der notwendigen Reformen zu überwachen und die Menschenrechtslage in den Versammlungen und Konferenzen des Parlaments kritisch zu diskutieren. Die <a href="http://www.crisisgroup.org/en/regions/asia/central-asia/uzbekistan/B038-uzbekistan-the-andijon-uprising.aspx">politischen Unruhen in Andischan</a> im Mai 2005 veranlassten schließlich, einen <em>EU-Sonderbeauftragen</em> für Zentralasien zu ernennen (1).</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 398px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/634/dsc_0335.jpeg" alt="Patricia Flor" /></p>
<p style="text-align: justify">Neben den EU-Institutionen fiel die politische Präsenz der <em>EU-Mitgliedstaaten</em> in der Region recht unterschiedlich aus. <em>Deutschland</em> eröffnete in den ersten Jahren der Unabhängigkeit in allen fünf zentralasiatischen Staaten Botschaften und hat über Jahre hinweg in der Region die Interessen der EU und der NATO vertreten. Deutschland integrierte auch alle Staaten der Region – mit Ausnahme Turkmenistans – in zahlreiche Entwicklungs- und Kooperationsprogramme wie das <em><a href="http://www.bischkek.diplo.de/contentblob/2635850/Daten/710224/BMZZentralasienkonzept.pdf">Zentralasienkonzept</a> des</em> <em>Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung</em> (BMZ) und die <em>Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit</em> (GTZ heute GIZ) (2). Zudem engagierte sich Deutschland in besonderem Maße sowohl bilateral als auch zusammen mit den europäischen Partnern im Rahmen der EU-Zentralasienstrategie in der Region.</p>
<p style="text-align: justify">Obwohl sich der Außenhandel Zentralasiens auf die GUS konzentrierte, entwickelte sich die EU zum drittgrößten Handelspartner nach Russland und China. Außerdem wurde die Union durch ihrer finanziellen und technischen Hilfsleistungen zum größten Geldgeber. Nichtsdestotrotz fiel das Engagement der EU in Zentralasien insgesamt <u><a href="http://www.iss.europa.eu/uploads/media/cp091.pdf">bescheiden und spärlich</a></u> aus. Auch das europäische Interesse an Zentralasien war generell eine lange Zeit nicht sonderlich ausgeprägt. Begründet wurde dieser Zustand mit der geographischen Entfernung, mit einem Mangel an Fürsprechern für die zentralasiatischen Länder in der Union, aber vor allem mit den Problemen und Prioritäten, mit denen die EU in den 90er Jahren konfrontiert war.</p>
<p style="text-align: justify">Oft wurde die Kritik geäußert, dass die Europäische Union in Zentralasien zwar eine Vielzahl untereinander isolierter, entwicklungspolitischer Programme durchführt, denen aber an einem politischen Überbau und an einem Rahmendokument fehlt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gemeinsame Politik der EU gegenüber Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Um den politischen Willen der EU, ihr Engagement in Zentralasien merklich zu erhöhen und das bestehende „Patchwork der Beziehungen“ und die verschiedenen Instrumente der Union zu bündeln, wurde auf Initiative der deutschen EU-Präsidentschaft im Juni 2007 die Strategie „<u><a href="http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/347892/publicationFile/3096/Zentralasien-Strategie-Text-D.pdf">EU und Zentralasien – eine Partnerschaft für die Zukunft</a></u>“ verabschiedet. Diese erstmals festgelegten Leitlinien bilden die Grundlage für das gegenwärtige und künftige Engagement der EU in dieser Region. In Verbindung mit der Fortentwicklung der EU-Russland-Beziehungen und der „Östlichen Partnerschaft“ (Belarus, Ukraine, Republik Moldau, Georgien, Armenien, Aserbaidschan)  ist die Zentralasienstrategie ein wichtiger Baustein einer verstärkten EU-Politik im postsowjetischen Raum.</p>
<p style="text-align: justify">Das Strategiepapier legte die folgenden Hauptkriterien fest: Sicherheit und Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte, Jugend und Bildung, Förderung von Handel und Infrastruktur, Förderung des Energiesektors, wobei dem sicherheitspolitischen die höchste Priorität eingeräumt wird. Es wurden <u><a href="http://www.eucentralasia.eu/uploads/tx_icticontent/EUCAM-FS-1-EN.pdf">750 Millionen Euro</a></u> für den Zeitraum von 2007 bis 2013 bewilligt. Für die Implementierung der Ziele sowie optimale und kohärente Nutzung der EU-Potenziale setzt die EU eine ausgewogene bilaterale und multilateral<em>&#8211;</em>regionale Zusammenarbeit mit den zentralasiatischen Staaten voraus. Die bilaterale Zusammenarbeit bietet sich insbesondere in Bereichen der Menschenrechte, der Demokratie, der Armutsbekämpfung bzw. sozialen Entwicklung und <u><a href="http://eeas.europa.eu/central_asia/docs/factsheet_education_en.pdf">Bildung</a></u>. Für die bilateralen Hilfsprogramme wird der Großteil – etwa 70 % – der EG-Hilfe für Zentralasien verwendet. Die regionale Zusammenarbeit fokussiert sich auf die Herausforderungen <u><a href="http://eeas.europa.eu/central_asia/docs/factsheet_border_management_en.pdf">Sicherheit und Stabilität</a></u>, <u><a href="http://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/index_en.htm">wirtschaftliche Zusammenarbeit</a></u>, <u><a href="http://eeas.europa.eu/central_asia/docs/factsheet_environment_en.pdf">Wassernutzung</a></u> sowie <u><a href="http://ec.europa.eu/energy/international/caucasus_central_asia_en.htm">Energie</a></u>-, Handels- und <u><a href="http://ec.europa.eu/transport/themes/international/regional_cooperation/caucasus_central-asia_en.htm">Verkehrsinfrastruktur</a></u>, die ein gemeinsames regionales Vorgehen erfordern. Die zwischenstaatliche Zusammenarbeit beansprucht die restlichen 30 % der EG-Hilfe für Zentralasien.</p>
<p style="text-align: justify">In <u><a href="http://eeas.europa.eu/delegations/kazakhstan/">Kasachstan</a></u>, <u><a href="http://eeas.europa.eu/delegations/kyrgyzstan/">Kirgistan</a></u>, <u><a href="http://eeas.europa.eu/delegations/tajikistan/">Tadschikistan</a></u> und <u><a href="http://www.eeas.europa.eu/delegations/uzbekistan/index_en.htm">Usbekistan</a></u> wurden EU-Delegationen eingerichtet, die verschiedenen EU-Projekte vor Ort koordinieren, die Union politisch vertreten und den Menschenrechtsdialog, Energiedialog, „E-Seidenstraße“-Dialog zur „Europäischen Bildungsinitiative“ und den Dialog zur „Rechtsstaatlichkeitsinitiative der EU“ auf verschiedenen Ebenen organisieren. Eine weitere Aufgabe der EU-Delegation ist die Intensivierung der Zusammenarbeit in diversen Problembereichen mit internationalen Organisationen wie OSZE, NATO, UN, United Nations Economic Commission for Europe (UNECE), und der <em>Venedig-Kommission des Europarates</em> sowie internationalen Finanzinstituten, unter anderem der <em>Weltbank, </em>der<em> Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung</em> (EBWE) und der <em>Europäischen Investitionsbank</em> (EIB). Insgesamt stellt die Zentralasienstrategie der EU ein breit gefächertes Konzept mit sehr unterschiedlichen Programmen dar.</p>
<p style="text-align: justify">Die Ankündigung eines erhöhten EU-Engagements in Zentralasien entfachte verschiedene Spekulationen und man bediente sich des Öfteren des Begriffes vom <u><a href="http://www.amazon.de/Die-Zentralasienstrategie-EU-Chance-Region/dp/3830043341">„Neuen Great Game“,</a></u> angelehnt an den Kampf der Kolonialmächte Russland und England im 19. Jahrhundert um die Vorherrschaft in Zentralasien. Zentralasien hat mit seinen Öl- und Gasreserven energiepolitisch einen globalen Stellenwert und versucht, durch seine ‚multivektorale‘ Politik, die Großmächte Russland, USA, China und Indien zu vereinen. Die Europäische Union schien sich mit ihrer neuen Zentralasienpolitik ebenso in den Konkurrenzkampf um Ressourcen und Einfluss zu begeben und wurde von der Außenwelt als neuer Global Player angesehen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 324px;width: 500px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/634/steinmeier.jpeg" alt="Zentralasienstrategie Steinmeier" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die EU in Zentralasien doch kein neuer Spieler?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit 2007 erzielte die EU insgesamt viele Fortschritte in der Region. Dazu zählen diverse Bildungs- und Austauschprogramme und die Rechtsinitiative. Beispielweise wurde von 2007 bis 2013 alleine für die Stipendienprogramme Tempus und Erasmus Mundus 109,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die EU zieht selbst eine <u><a href="http://www.laender-analysen.de/zentralasien/pdf/ZA-61_Interview.pdf">positive Bilanz</a></u> über den <u><a href="http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/etudes/join/2014/433788/EXPO-DROI_ET%282014%29433788_EN.pdf">Menschenrechtsdialog</a></u>, den die EU mit allen fünf Staaten etabliert hat und freut sich über die regelmäßigen Begegnungsmöglichkeiten sowie Plattformen zu verschiedenen Themen. Betont werden außerdem die erhöhte Präsenz der EU in der Region und ständiger Kontakt mit den Regierungen. Mit der <u><a href="http://www.owc.de/2013/01/31/zentralasienstrategie-europa-ist-jetzt-praesent/">positiven Evaluierung</a></u> der festgelegten Programme 2012 wurden die finanziellen Mittel für weitere Jahre aufgestockt und die Instrumente um den hochrangigen Sicherheitsdialog erweitert. Die Erteilung des Mandats eines EU-Energiekomissars gilt als positiver Schritt im Bereich Energie, die dennoch nicht weit gediehen ist.</p>
<p style="text-align: justify">Trotz des erhöhten Engagements durch die Zentralasienstrategie bleiben die Erfolge der Union – so wie die Think Tanks <u><a href="http://www.fride.org/">FRIDE</a></u> und <u><a href="http://www.ceps.be/">Centre for European Policy Studies</a></u> (CEPS) es kritisch bewerten – bescheiden und wenig zufriedenstellend. Insbesondere die Bereiche Menschenrechte, Demokratie und Zivilgesellschaft sind ein entscheidender Punkt für die EU, in der sie sich immer wieder <u><a href="http://www.hrw.org/de/news/2012/06/21/zentralasien-f-nf-jahre-eu-zentralasienstrategie">scharfen Kritiken</a></u> unterziehen muss. Denn alle fünf Staaten zeichnen sich durch eine ausgesprochen schlechte Menschenrechtsbilanz aus und widersetzen sich ernsthaften Reformschritten. Die EU hob <u><a href="http://www.hrw.org/news/2009/10/27/uzbekistan-eu-fails-human-rights-victims">Sanktionen gegen Usbekistan</a></u> auf, obwohl das Land die dafür erforderlichen Kriterien nicht erfüllt hatte. Ferner setzt sich die Union aktiv für eine Verbesserung ihrer <u><a href="http://www.hrw.org/news/2011/04/26/turkmenistan-arrests-eve-eu-parliament-visit">Beziehungen zu Turkmenistan</a></u> ein, ohne im Gegenzug Maßnahmen zur Verbesserung der Menschenrechtslage einzufordern. Die erhofften Reformen und Fortschritte seitens der EU-Staaten im Rahmen des OSZE-Vorsitzes von Kasachstan im Jahre 2010 führten auch nicht zum gewünschten Erfolg in Demokratieentwicklung. Inzwischen sind die europäischen Bemühungen in diesem Bereich sogar mit dem negativen Image begleitet, die EU würde Homosexualität sowie Kinderlosigkeit, sexuelle Freiheit propagieren und NGOs fördern, die Traditionen und kulturelle Werte zerstören. Auch die vielen Plattformen und Pilotprojekte in den Bereichen Wasser, Sicherheit und Umwelt haben keine konstruktive regionale Zusammenarbeit zustande gebracht. Die Europäische Union ist als außenpolitischer Akteur immer noch nicht einfach zu verstehen und zeichnet sich während der Krisensituationen (beispielsweise im Süd-Kirgistan 2010) durch Handlungsunfähigkeit aus, die weit hinter den Erwartungen zurück bleibt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fazit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Europäische Union etablierte sich über die Jahre in bestimmten Bereichen als Vertrauenspartner, zuverlässiger ‚Investor‘, Förderer und Entwicklungshelfer. Diese Rolle bleibt möglicherweise weiterhin bestehen. Das Einfordern von demokratischen Werten und Menschenrechten gilt sowohl als Schwäche als auch als Stärke bei den Entwicklungsstrategien der EU in Zentralasien. Es unterscheidet sie substanziell vom Russland und der VR China, verwickelt aber die EU in die Moral des doppelten Standards. Noch sind die strukturellen Bedingungen der zentralasiatischen Gesellschaften autoritär und mangelhaft. Im Unterschied zu den baltischen und kaukasischen Staaten lassen die zentralasiatischen Staaten keine klare Orientierung in Richtung EU als Erfolgsmodell erkennen. Nichtsdestotrotz steht die Europäische Union neben den USA für Wohlstand, Rechtstaatlichkeit und Sicherheit. Deutschland, England und Frankreich sind die beliebtesten Zielländer für Bildung und Selbstverwirklichung nahezu aller jungen Menschen aus der Region. Für ihre spätere Jobsuche und bessere Zukunft ist es sinnvoll, einen Fuß an der Tür zur EU zu haben. Die Konzentration des EU-Zentralasienverhältnisses auf wenige Schwerpunkte, wie beispielsweise Bildungsprogramme und Kulturtransfer, empfiehlt sich daher im besonderen Maße.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Mahabat Sadyrbek<br />
Novastan.org, Kirgistan<br />
Politikwissenschaftlerin und Doktorandin der BGSMCS<br />
Autorin von <a href="http://www.verlagdrkovac.de/978-3-8300-4334-8.htm">&#8222;Die Zentralasienstrategie der EU &#8211; neue Great Game oder neue Chance für die Region&#8220;</a>, Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2009</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Christoph Richter</strong></p>
<p style="text-align: right">
<p><strong>Edits</strong></p>
<p style="text-align: justify">(1) Seit dem Rücktritt von Patricia Flor, der letzten Specialbeauftragten, am 28. Februar, ist dieser Posten jedoch zurzeit nicht besetzt, was als eine<a href="http://www.eucentralasia.eu/uploads/tx_icticontent/EUCAM-Commentary-23-Is-the-EU-downscaling-political-engagement-in-CA.pdf"> Reduzierung des EU-Engagements</a> in der Region gelesen werden könnte.</p>
<p style="text-align: justify">(2) Mit Kasachstan gibt es schon <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/sid_D55B85115A19EEDAF6E5D7B6FDAFA255/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kasachstan/Bilateral_node.html#doc347826bodyText3">seit 2008</a> keine Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mehr, jedoch bleibt das Land teils in regionale Initiativen eingebunden. Auch <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Turkmenistan/Bilateral_node.html">Turkmenistan</a> nimmt nur an regionalen Projekten teil.</p>
<p style="text-align: justify">
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-eu-ein-neuer-spieler-auf-dem-schachbrett-zentralasien/">Die EU: Ein neuer Spieler auf dem „Schachbrett“ Zentralasien ?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Besuch im Sperrgebiet: Kasachstans Hoffnungen auf Weltraumtouristen in Baikonur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[christophr]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Baikonur]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach Baikonur, diesen ehemals geheimen 13.000 Quadratkilometern in der kasachischen Steppenlandschaft, hat sich bisweilen noch kaum ein Tourist verirrt. Dies soll sich allerdings bald &#xE4;ndern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Ein Artikel unseres Partners <a href="http://www.edgekz.com/kazakhstan-hopes-to-draw-space-tourism-to-once-secret-star-city.html">Edge.kz</a>.<br />
Von Michelle Witte. Aus dem englischen übersetzt von Christoph Richter.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 163px;width: 360px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/590/logo_edgekz.jpeg" alt="Logo EdgeKz" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Auf der Suche nach mehr Besuchern: Nach Baikonur, diesen ehemals geheimen 13.000 Quadratkilometern in der kasachischen Steppenlandschaft, hat sich bisweilen noch kaum ein Tourist verirrt. Der älteste und mittlerweile ebenso betriebsamste Weltraumhafen öffnet sich nun allerdings teilweise einem ausländischen Publikum. Mithilfe der Investition von einer <em>Million</em> US-<em>Dollar</em> durch das Unternehmen „Diamond Technology“ sollen auch Touristen von einer Plattform des errichteten „Weltraumhafens Baikonur“ aus Raketenstarts beobachten können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Aufschwung im Kalten Krieg, Abschwung nach der Sowjet-Ära</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="float: left;height: 415px;width: 386px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/590/1.jpeg" alt="Baikonur" /></p>
<p style="text-align: justify">Alles begann zunächst streng im Verborgenen. Erst 1957, noch in der Frühzeit des Kalten Krieges, erfasste das US-amerikanische Spionageflugzeug U2 nach immerhin zwei Jahren Aufklärungsdienst die gewaltige Anlage in der Provinz Qysylorda. Indes hatten die Sowjets ihre technologische Überlegenheit auf dem Weg zu den Sternen gestählt. Sputnik-1 startete 1957 in Baikonur erfolgreich als erster künstlicher Erdsatellit, Juri Gagarin und Walentina Tereschkowa begannen 1961 bzw. 1963 ihre gefeierte Reise als erster Mann bzw. erste Frau im Orbit, und Alexei Leonov hob von diesem Fleckchen Erde als erster „Weltraumspaziergänger“ ab – Baikonur ist der Ort sowjetischer Weltraumpioniere schlechthin.</p>
<p style="text-align: justify">Die Stadt selbst wurde um das sich immer weiter ausbreitende Raumfahrtzentrum erbaut und wuchs mitsamt Wohnungen, Kindergärten, Schulen, Läden und anderen Infrastruktureinrichtungen zu einer Kleinstadt heran – und tatsächlich war dieser Ort vorübergehend als „Sternenstadt“ bekannt. Während der Kalte Krieg inzwischen unerlässlich Fahrt aufnahm, prosperierte Baikonur ungehemmt und versammelte auf seinem Höhepunkt in der Mitte der 80er Jahre fast 100.000 Menschen.</p>
<p style="text-align: justify">Mit dem Niedergang der Sowjetunion brach hingegen der finanzielle Abstieg herein. Einst ein Ort fest in russischer Hand auf kasachischem Boden, vollzog sich der Wandel zu einer durch und durch kasachischen Stadt. Heutzutage mietet die Russische Föderation auf Grundlage eines bis 2050 laufenden Pachtvertrages den Kosmodrom in Baikonur für jährlich 115 Millionen US-Dollar. Insgesamt werden, wiederum jährlich, ungefähr 27,6 Millionen US-Dollar des russischen Staatsetats für das Areal aufgebracht. Dennoch: Baikonur sei „physisch gealtert“, wie gar Präsident Wladimir Putin meinte. Sowohl Industrie als auch allgemeine Entwicklung ziehen arbeitstechnisch immer noch mit dem Kollaps nach 1990 gleich, und selbst in der kaum vorhandenen Industrie abseits des Raumfahrtzentrums sind tendenziell vor allem ausländische Ingenieure in den besserverdienenden Positionen beschäftigt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong><em>Rettungsleine für Baikonur</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Zumindest am Raumfahrtzentrum geht es geschäftig weiter. Baikonur verzeichnet jedes Jahr Dutzende von Raketenabschüssen, wovon ungefähr lediglich die Hälfte durch Russland veranlasst werden. Die USA, Kanada, Japan und die EU nutzen den Hafen, um ihre eigenen bemannten Weltraumflüge zu starten – mitunter auch mangels Alternativen. Erst im März 2014 landete hier das russisch-amerikanische Drei-Mann-Team nach fast sechs Monaten auf der Internationalen Raumstation (ISS); Ausgangspunkt ihrer Reise war eben das kasachische Baikonur am 25. September 2013 mit einem Raumschiff der Sojus-Reihe.</p>
<p style="text-align: justify">Allerdings baut Russland gerade auf seinem eigenem Territorium in Wostotschny seinen eigenen Weltraumbahnhof, was neue Spannungen über Baikonurs Zukunft zu entfachen drohte. Die beiden Länder sind generell nicht immer einer Meinung über ihre gemeinsam genutzte Anlage gewesen. Russland wühlte zudem damit auf, sich im Jahr 2018 aus Kasachstan zurückzuziehen, sobald der eigene Komplex einmal fertiggestellt sein wird. Mittlerweile haben sich beide Seiten davon jedoch distanziert.</p>
<p style="text-align: justify">„Weder ich noch irgendeine andere vernünftig denkende Person möchte, dass Russland Baikonur verlässt. Wir sind Partner, Verbündete und auf dem Level einer internationalen Zusammenarbeit sind gemeinsame strategische Projekte üblich“, bekräftigte Talgat Mussabaev, Vorsitzender von „Kazcosmos“, der kasachischen Weltraumbehörde, in einem Interview mit der Tageszeitung Izvestia bereits im Januar.</p>
<p style="text-align: justify">Russland habe keine Pläne, Baikonur aufzugeben, beruhigte ebenfalls Vladimir Nesterov, stellvertretender Direktor des „GKNPZ Chrunitschew“, ein in Moskau ansässiger Hersteller von Raketen und Raumfahrzeugen. Die neue Abschussbasis in Wostotschny biete Russland schlichtweg mehr Freiheit für eigene Programme, fügte er hinzu. Kasachstan und Russland unterschrieben so erst vor Kurzem einen Fahrplan für die nächsten drei Jahre, in dem die beiderseitige Nutzung des Startplatzes in Baikonur geregelt wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Und trotzdem: Es erscheint nicht unklug, über eine gestreute Nutzung von Baikonur auch weiterhin nachzudenken. Sicher ist sicher.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Weltraum und Touristen als Geschäftsmodell</strong></p>
<p style="text-align: justify">Kasachstan baut nun immerhin seine eigene – angeblich sogar umweltfreundlichere als bisher existierende – Bajterek-Abschussrampe und plant ambitioniert, drei eigene Raumschiffe starten zu können. Man möchte mit dem Kosmodrom hier eine internationalere Rolle einnehmen – mithilfe des Tourismus. Und Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor, von dem Kasachstan gerne mehr hätte und daher auch Geld für Investitionen freigibt.</p>
<p style="text-align: justify">Der Ausschuss der Tourismusindustrie im Ministerium für Industrie und neue Technologien der Republik Kasachstan entwarf unlängst ein touristisches Entwicklungskonzept für den gesamten Staat. Von fünf herausgearbeiteten regionalen Tourismus-Clustern befinden sich drei im südlichen Kasachstan – darunter neben den Städten der Seidenstraße Otrar und Turkestan eben auch Baikonur.</p>
<p style="text-align: justify">Zwar existieren bereits jetzt einige Touren in und nach Baikonur, allerdings werden diese eher unregelmäßig angesetzt. Ein Drei-Tages-Paket umfasst beispielsweise den Besuch der Abschussbasis, an der auch Gagarin abhob, und des derzeitigen Kosmonautenmuseums; sogar ein Halt bei der Raketenabschussrampe von Proton und Sojus und im anliegenden Montagewerk könne arrangiert werden. Bewerbungen für die 3.000 bis 3.500 US-Dollar teure Unternehmung sollten jedoch bis zu zwei Monate im Voraus eingereicht werden.</p>
<p style="text-align: justify">Aber Stadt und Raumfahrtzentrum sind ebenso reich an anderen geschichtlich bedeutsamen Stätten. Juri Gagarins Haus und sein Bett zum Beispiel, in dem er die Nacht vor seinem historischen Start in den Orbit verbrachte, sind nun für Besucher zugänglich. Auf die Frage übrigens, wie er denn vor so einem Ereignis überhaupt an Schlaf hätte denken können, erwiderte Gagarin offenbar: „Hätte ich ein Recht gehabt, abzuheben, ohne ausgeruht zu sein? <em>Es war meine Pflicht zu schlafen, </em>daher schlief ich.“ Die Stadt ist daneben voller Kunst im öffentlichen Raum, die die Raumfahrt feiert und Kosmonauten als Helden bejubelt, sowie restaurierten Raketen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Durch Sehen erfahren</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/590/3.jpeg" alt="Baikonur2" /></p>
<p style="text-align: justify">Wie in der Kunst, so gründet auch der neueste Vorstoß in Baikonur auf dem Konzept „durch Sehen erfahren“. Den Kristallisationspunkt auf dem Areal des neuen Weltraumhafens bildet eine gewaltige, durchsichtige Kuppel, durch die Besucher Sterne, Himmel und natürlich Raketenstarts beobachten können – Hotelanlagen, ein Planetarium, ein Weltraummuseum, ein Kino, Restaurants und ein Zentrum für die Flugkontrollanzeige sollen für die Touristen folgen.</p>
<p style="text-align: justify">Laut der Webpräsenz der ausführenden „Diamond Technology“ finden bereits auf 1,2 Hektar (12.000 Quadratmeter) rege Bautätigkeiten statt, die laut Planung auf bis zu 2,5 Hektar ausgeweitet werden. Zukünftig soll der Weltraumhafen auf 100 Hektar anwachsen und zahlreiche weitere Bequemlichkeiten wie einen Wasserpark und eine Bowlingbahn an einem Ort versammeln. „Sobald man einen Fuß in den neuen Weltraumhafen setzt, wird man sich hoffentlich so fühlen, als ob man die Eroberfläche verlassen hat und einen völlig neuen und von Menschenhand gemachten Planeten betritt – den Planeten Weltraumhafen“, verkündet die Webseite nicht ganz ohne Pathos. Die Gesamtanlage erhält nun auch Unterstützung durch staatliche Stellen der kasachischen Tourismusentwicklung und durch die Russische Föderation.</p>
<p style="text-align: justify">„Die russische Seite hat ihre Bereitschaft signalisiert, eine Kooperation im Tourismusbereich anzustreben“, erklärt Marat Igaliyev, Vorsitzender der kasachischen Tourismuskommission, und ergänzt: „Auch die Verwaltung in Baikonur sitzt schon in den Startlöchern, um Reiserouten zur Startplattform zu auszuschreiben und hält nunmehr Ausschau nach einem geeigneten Aussichtspunkt, um das Baugeschehen verfolgen zu können.“ Yevgeny Samotoi, Direktor des städtischen „Hotel Baikonur“, berichtete im Edge Magazine: „Ja, ich habe davon gehört, dass sie den neuen Komplex außerhalb der Stadt bauen wollen.“ Sein Hotel arbeite nur mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zusammen und der Zustrom an Touristen beträfe sein Geschäft wohl kaum. „Aber auf jeden Fall kommt die Stadt voran.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein lang erwartetes Projekt wird wahr</strong></p>
<p style="text-align: justify">Touristen in Baikonur spiegeln einen schon seit einiger Zeit gehegten kasachischer Traum wider. Präsident Nasarbajew selbst richtete 2009 an die 18. Vollversammlung der Welttourismusorganisation (UNWTO): „Wir schenken der Entwicklung des Weltraumtourismus Aufmerksamkeit. Derzeit gibt es mehr als drei Dutzend Startanlagen auf der Welt, aber von besonderer Bedeutung ist lediglich die Basis in Baikonur. Ich finde den Gedanken ziemlich erfolgversprechend, dass man Raketenstarts tatsächlich von Baikonur aus beobachten kann und dass sich Menschen aus allen Teilen der Erde in diesem Weltraumhafen begegnen.“</p>
<p style="text-align: justify">Sogar Touristenflüge in den Orbit kämen für Baikonur zukünftig in Betracht. Der französische Astronaut Jean-Pierre Haigneré äußerte erst jüngst gegenüber Studierenden der Nasarbajew-Universität, dass er kommerzielle Weltraumreisen für das Jahr 2020 erwarte und sich Kasachstan als Schaltstelle des globalen Weltraumtourismus vorstellen könne.</p>
<p style="text-align: justify">Für die EXPO 2017 in der kasachischen Hauptstadt Astana bereitet man sich bereits jetzt auf einen beispiellosen Zustrom an Touristen vor. Kasachstan bewirbt sich zudem gegenwärtig für die Aufnahme der Städte an der Seidenstraße zum UNESCO-Weltkulturerbe. Baikonur, dieses ehemalige Sperrgebiet, so hofft man schließlich vor Ort, wird dann auch ein Stopp für Besucher in Kasachstans Süden – vor allem als Pilgerstätte für Weltraumbegeisterte.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Michelle Witte</strong></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Für die Kirgisen war meine Idee verrückt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[christophr]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Berge]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Interview mit Jost Kobusch, einem 21-j&#xE4;hriger Kletterer aus Deutschland, der den Lenin-Gipfel (7134 m) allein im Winter erklimmen wollte.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Ein Interview mit Jost Kobusch, einem 21-jähriger Kletterer aus Deutschland, der den Lenin-Gipfel (7134 m) allein im Winter erklimmen wollte.</strong></em></p>
<p>Das Video dazu:</p>
<p>[youtube https://www.youtube.com/watch?v=dVpQIRvRcVI]</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie lange kletterst du schon?</strong></p>
<p>Ich klettere seit meinem elften Lebensjahr, zuerst in der Kletterhalle, dann bei Familienwanderungen und erst später begann ich, frei zu klettern. Als ich 18 Jahre alt war, bestieg ich den Mount Kenia (5199 m, höchstes Bergmassiv in Kenia) und mit 19 Jahren im Winter den Mont Blanc im Alleingang (4810 m, höchster Berg der Alpen und Europas), wo ich auch selbst die Route absteckte. Während meiner Armeezeit diente ich zudem in der Bergabteilung. So konnte ich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen – meinen Dienst leisten, trainieren und nebenher Geld verdienen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Warum hast du dich dazu entschieden, nach Kirgisistan zu kommen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Hier gibt es schöne, hohe Bergen und in der Region ist es wesentlich günstiger zum Klettern. So kann man beispielsweise die Zulassung für eine Pik-Lenin-Expedition für 50 $ bei einer Reiseagentur beantragen, in China kostet eine solche Zulassung etwa 2000 $.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie hast du dich auf die Besteigung des für den Pik Lenin vorbereitet?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich kam im Oktober nach Kirgisistan. Innerhalb von fünf Tagen organisierte ich mir ein Auto und packte meine Ausrüstung, die insgesamt 85 kg wog. Das Taxi brachte mich bis zum Ausgangspunkt und sollte mich nach 21 Tagen abholen. Für die Kirgisen war meine Idee im Winter alleine den Pik Lenin zu besteigen – kurz gesagt – verrückt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/570/p1050204.jpeg" alt="Jost Kobusch" /></p>
<p style="text-align: justify">Auf der Höhe 4200 m baute ich mein erstes Basecamp, an dem auch meine Ausrüstung gelagert werden sollte. Von dort aus schleppte ich das Gepäck zwei Tage lang Richtung Camp 1, das auf etwa 4400 m lag. Als ich nach einem vollen Tag auf der schneebedeckten Strecke erst ein Drittel des Tagessolls erfüllt hatte, stand die Entscheidung fest, nach Camp 1 zurückzukehren und dort die Nacht zu verbringen.</p>
<p style="text-align: justify">Am nächsten Morgen entschloss ich mich, weiterzugehen, da der Schnee nicht allzu tief erschien. Der weitere Weg auf 5112 m diente vor allem der Höhenanpassung. Danach begann der eigentliche Aufstieg. Nach elf Tagen am Berg startete damit nun die Schluss-Etappe. Von Camp 1 bis zum Camp 2 braucht man im Sommer theoretisch einen Tag, aber bei eben diesen Verhältnissen erkannte ich, dass ich mehrere Tage brauchen würde – man muss ganz vorsichtig gehen und vor jedem Schritt den Weg mit dem Stock abtasten, damit man nicht in einen Spalt fällt.</p>
<p style="text-align: justify">Am zehnten Abend baute ich mein Zelt auf 4700 m direkt auf einem fünf Meter breiten Vorsprung auf. In der Nacht zog jedoch unerwartet ein Sturm auf und wehte das Zelt zu einer Gletscherspalte zu verschieben. In Unterwäsche und völlig überrascht sprang ich aus dem Zelt heraus und hielt es mit aller Kraft fest, damit es nicht wegfliegt – denn ich dachte, wenn ich das Zelt verliere, verliere ich auch den Großteil meiner Ausrüstung, die sich in ihm befindet.</p>
<p style="text-align: justify">Ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich bin normalerweise kein religiöser Mensch, aber ich bat in diesen Minuten Gott um Hilfe. Ich weiß nicht, ob es letztlich Gott oder doch ein Zufall war, aber der Wind stoppte für einige Sekunden und ich sprang mit meiner kompletten Ausrüstung vom Zelt in eine tiefe Gletscherspalte, um Schutz zu suchen. Danach hat über mir ein wirklich heftiger Sturm begonnen.</p>
<p style="text-align: justify">Nach drei Tagen und zwei Nächten sind dann auch noch alle Feuerzeuge kaputt gegangen, und ich hatte nur noch ungefähr einen Liter Trinkwasser. Von Camp 2 (5500m) bis zum Gipfel waren es allerdings zwei Tage. Daher füllte ich die Flaschen mit Schnee, indem ich diesen mit meiner Körpertemperatur geschmolzen hatte.</p>
<p style="text-align: justify">Der Wetterbericht sagte unglücklicherweise weiterhin Sturm vorher. Ich nahm daher nur die leichten Sachen und versuchte, noch ein Stück voranzukommen. Nach 600 m fing der Sturm von Neuem an. Weiter oben betrug die Windgeschwindigkeit bereits 80 Kilometer in der Stunde, die Temperatur lag bei Minus 29° C – ich fühlte meine Beine nicht mehr und der Körper begann auszukühlen. Auf dem Gipfel des Pik Razdelnaya (6158m) nahm der Sturm noch weiter zu und ich entschied mich, abzusteigen. Manchmal muss man auch zurückgehen können, um anderen davon zu erzählen. Ich war nicht enttäuscht – ich hatte alles versucht, den Gipfel zu erreichen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 720px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/570/exas002.jpeg" alt="Pik Lenin" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was hast du noch in Kirgisistan gemacht?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich bin viel geklettert, war noch auf dem Pik Pyramida (Batken) und versuchte, andere Gipfel zu besteigen, aber im Winter ist es wirklich schwer in Kirgisistan, da zu viel Schnee liegt. Ich habe auch als Volontär für „CBT Kyrgyzstan” (<strong><a href="http://www.cbtkyrgyzstan.kg/index.php/en/">Community Based Tourism</a></strong>) gearbeitet und neue Skirouten angelegt. Dann habe ich als Erster einen Gipfel bestiegen und diesem den Namen meiner Freundin gegeben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie war das denn möglich?</strong></p>
<p style="text-align: justify">– dem Berg einen Namen zu geben? In Kirgisistan feiert man Weihnachten nicht im Dezember und ich wollte etwas Besonderes machen. Am 24.12. ging ich in die Berge, um rechtzeitig auf dem Gipfel zu sein. Es war nicht leicht, vor allem wegen des Schnees, der Felsen und dem Eis. Mir wurde sogar erzählt, dass man mich zufällig gesehen hätte, als man mit dem Fernglas nach Ziegen suchte und dann eben mich bei der Besteigung entdeckte. Am 24.12. dieses Jahres um 20:12 Uhr war ich schließlich als Erster auf dem 4048 m hohen Gipfel und gab ihm den Namen PIK YOKO. Dann habe ich dort einen Zettel in der Aluminiumbox mit den Koordinaten und Daten gelassen. Nach dem Abstieg vom Berg in der Nacht kam ich am nächsten Morgen erst um 4.30 Uhr zu Hause an. Später habe ich auch die Urkunde vom CBT bekommen, dass ich Erster auf diesem Berg war.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 278px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/570/route.jpeg" alt="Pik Yoko" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche weiteren Pläne hast du?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich möchte gerne alle Informationen über Kletterfelsen und Gletscher in Kirgisistan für Kletterbegeisterte sammeln. Außerdem will ich noch weitere Berge in Kirgisistan besteigen – insbesondere liegen mir fünf bestimmte Berge am Herzen, um den Schneeleopard-Orden zu bekommen. Dieser war eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion">sowjetische</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verdienstorden">Auszeichnung</a> für herausragende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bergsteiger">Bergsteiger</a>, die alle fünf auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gelegenen Siebentausender-Gipfel bezwungen hatten: den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Ismoil_Somoni">Pik Ismoil Somoni</a> (7495 m, früher „Pik Kommunismus“) und den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Korschenewskaja">Pik Korschenewskaja</a> (7105 m), beide in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikistan">Tadschikistan</a> sowie den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pik_Lenin">Pik Lenin</a> (7134 m) an der kirgisisch-tadschikischen Grenze, des Weiteren noch Den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dschengisch_Tschokusu">Dschengisch Tschokusu</a> (7439 m, früher „Pik Pobedy“) an der kirgisisch-chinesischen Grenze und schließlich den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Khan_Tengri">Khan Tengri</a> (7010 m hoch) an der kirgisisch-kasachischen Grenze. Wenn ich das schaffe, dann werde ich der jüngste Kletterer mit diesem Orden sein. Ich hatte, ehrlich gesagt, nicht berücksichtigt, dass jetzt so viel Schnee liegt und die Besteigung im Winter unmöglich ist. Neben dem Klettern plane ich für die nächste Zeit, Medizin zu studieren, um dann als Arzt in den Bergen arbeiten zu können. Ich halte es ist für sehr wichtig, dass es unter den Kletterern auch Menschen mit einer medizinischen Ausbildung gibt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Dann wünschen wir dir eine schöne Zeit in Kirgistan und hoffentlich gefahrlose Abenteuer. Vielen Dank für dieses Gespräch.</strong></p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Mit Jost sprach Nadezhda Volkova<br />
Autorin für Novastan.org, Bischkek</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Christoph Richter</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um mehr über Josts Abenteuer zu erfahren, können Sie sich <a href="https://www.facebook.com/jostgoforit?fref=ts">hier</a> erkundigen.</p>
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