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	<title>caanetwork, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Turkvölker in der Weltgeschichte</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2024 22:06:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum ist es wichtig, die Geschichte der Turkv&#xF6;lker zu studieren? Diese Frage stellt der Historiker Joo-Yup Lee in seinem neuen Buch &#x201E;The Turkic Peoples in World History&#x201D;. Joo-Yup Lees Buch enth&#xFC;llt die faszinierende Welt der t&#xFC;rkischen Reiche und V&#xF6;lker und versucht sich an der Darstellung einer ununterbrochenen Geschichte der Turkv&#xF6;lker. Kapitel 1. Alte Turkv&#xF6;lker: Tele, [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist es wichtig, die Geschichte der Turkvölker zu studieren? Diese Frage stellt der Historiker Joo-Yup Lee in seinem neuen Buch „The Turkic Peoples in World History”. Joo-Yup Lees Buch enthüllt die faszinierende Welt der türkischen Reiche und Völker und versucht sich an der Darstellung einer ununterbrochenen Geschichte der Turkvölker.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kapitel 1. Alte Turkvölker: Tele, Türken, Uiguren</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tele: Das wohl älteste Turkvolk</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tele sind das älteste bekannte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turkv%C3%B6lker">Turkvolk</a> der Geschichte, das bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. in der Mongolei gelebt haben soll. Die frühe Geschichte der Tele lässt sich nur bruchstückhaft aus chinesischen Chroniken rekonstruieren. Dort werden sie als Gruppe von Stämmen beschrieben, die nicht nur die mongolische Steppe, sondern auch die kasachische, kaspische und Schwarzmeersteppe bewohnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Entstehung des ersten türkischen Reiches</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bezeichnung „Türken“ wurde mit der Entstehung des ersten türkischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat">Chanats</a> (552-742 n. Chr.) bekannt. Die herrschende Dynastie des türkischen Chanats war der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aschina">Aschina-Klan</a>. Nach türkischen Legenden entstand dieser aus der Vereinigung einer Wölfin und eines jungen Mannes, der aus einem von Feinden ausgelöschten Stamm überlebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl nicht alle historischen Völker, die Turksprachen sprachen, sich mit den alten Türken aus dem Aschina-Stamm in Verbindung brachten, hat sich die Bezeichnung „Türken“ („Turks“) in der Wissenschaft für alle turksprachigen Gruppen sowie für einige nicht-türkischsprachige Vertreter zentralasiatischer Kulturen durchgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Türken erlangten die Hegemonie über die gesamte mongolische Steppe und wurden zur dominierenden Macht in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transoxanien">Transoxanien</a>. Sie unterwarfen verschiedene Nomadengruppen in der kasachischen Steppe und drangen in die Schwarzmeersteppe bis zu den Grenzen des Byzantinischen Reiches auf der Krim und im Kaukasus vor.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><em>Blütezeit des uigurischen Reiches</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Uiguren">Uiguren</a> waren ein Turkvolk, das zwischen 744 und 840 n. Chr. die alten Türken als dominierende Macht in der zentralasiatischen Steppe ablöste. Zwei Jahre nach der Zerstörung des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zweites_T%C3%BCrk-Kaganat#:~:text=Das%20Zweite%20T%C3%BCrk%2DKaganat%20(altt%C3%BCrkisch,K%C3%B6k%2DT%C3%BCrken%20im%20%C3%B6stlichen%20Zentralasien.">Zweiten Türk-Chanats</a> (682-742) durch die Uiguren und ihre Verbündeten gründeten die Uiguren ihren eigenen Staat in der mongolischen Steppe. Später unterwarfen sie die Tele-Stämme und besiegten die Tataren und Kirgisen, die im Jenissei-Becken in Sibirien lebten. Die Uiguren begannen, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tang-Dynastie">Tang-Dynastie</a> militärisch zu unterstützen, und erhielten im Gegenzug große Mengen an Seide und anderen Waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internen Kriege, die seit 830 n. Chr, andauerten, schwächten das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Uigurisches_Kaganat">Uigurische Chanat</a> stark. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirgisen">Kirgisen</a>, mit denen sich die Uiguren seit 20 Jahren im Krieg befanden, fielen 840 ins geschwächte Uigurische Chanat ein, richteten seinen Herrscher hin und plünderten die Hauptstadt <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ordu-Baliq">Ordu-Baliq</a>. Nach dem Fall des Chanats zerstreuten sich die Uiguren in verschiedene Richtungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kapitel 2. Turkvölker in Südsibirien, Zentralasien und der kiptschakischen Steppe: Kirgisen, Chasaren, Bulgaren, Karachaniden und Kiptschaken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das „Kirgisenreich“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirgisen, die am Jenissej im heutigen Südsibirien lebten, betraten mit der Eroberung von Ordu-Baliq die Weltbühne; bald wurden sie zur neuen dominierenden Macht in der mongolischen Steppe. Ihr <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirgisisches_Reich">Reich</a> erstreckte sich vom Fluss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Irtysch">Irtysch</a> im Westen bis zur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mandschurei">Mandschurei</a> im Osten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-historisches-herz-der-muslimischen-welt/">Zentralasien – historisches Herz der muslimischen Welt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab dem späten 17. Jahrhundert standen die Kirgisen unter der Herrschaft des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dsungarisches_Khanat#:~:text=Das%20Dsungarische%20Khanat%20war%20ein,entstand%20und%201759%20zerst%C3%B6rt%20wurde.">Dsungarischen Chanats</a> (1634-1758). Zu dieser Zeit wanderten viele kirgisische Nomaden ins Fergana-Tal und andere Regionen Zentralasiens ein. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten die kirgisischen Gebiete zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Chanat Kokand</a> (1709-1876). Nachdem das Russische Reich das Chanat in den 1860er-Jahren erobert und seine Gebiete annektiert hatte, wurden die Kirgisen Teil des Russischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Chasaren: Zum Judentum konvertiert</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chasaren#:~:text=Ausdehnung-,Im%209.,von%20Georgien%2C%20Armenien%20und%20Aserbaidschan.">Chasaren</a> waren ein nomadisches Turkvolk, das Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. ein eigenes Chanat gründete. Im 8. Jahrhundert wurden sie zur vorherrschenden Macht in der Kaspischen Steppe und erhoben Tribut von den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolgabulgaren">Wolgabulgaren</a>, verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Finno-ugrische_V%C3%B6lker">finno-ugrischen Völkern</a> im Norden und slawischen Stämmen im Westen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie unterhielten Beziehungen zum Byzantinischen Reich, obwohl sie zeitweise mit diesem um den Besitz der Krim konkurrierten. Lange kontrollierte das Chasaren-Chanat den Handel zwischen der nördlichen Waldzone und der byzantinisch-islamischen Welt. Um 900 konvertierte die Führungselite der Chasaren zum Judentum. Nur wenig später, im Jahr 965, wurden sie schließlich von den Armeen der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kiewer_Rus">Kiewer Rus</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oghusen#:~:text=Oghusen%20(in%20den%20Orchon%2DInschriften,deren%20Zusammenhang%20untereinander%20unklar%20ist.">Oghusen</a> besiegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Bulgaren</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die (Proto-)<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Protobulgaren#:~:text=Protobulgaren%20(gelegentlich%20auch%20Ur%2DBulgaren,dem%20Ethnonym%20%E2%80%9EBulgaren%E2%80%9C%20erscheinen.">Bulgaren</a> sprachen eine Turksprache, dessen einziger überlebender Vertreter die moderne <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschuwaschische_Sprache">tschuwaschische Sprache</a> ist. Die Bulgaren gründeten im siebten Jahrhundert das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fbulgarisches_Reich">Großbulgarische Reich</a> in der Schwarzmeersteppe. Nachdem die Bulgaren der Schwarzmeer- und Kaspischen Steppe von den Chasaren besiegt worden waren, wanderten einige von ihnen auf den Balkan aus, wo sie in den 670er-Jahren die dortigen slawischen Stämme unterwarfen. Im Laufe der Zeit vermischten sich diese Bulgaren mit den zahlreicheren Slawen und wurden zu slawischsprachigen Bulgaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Gruppe von Bulgaren wanderte im achten Jahrhundert nach Norden in die Wolga-Kama-Region ein und gingen mit lokalen finno-ugrischen Gruppen Verbindungen ein. Ab dem 13. Jahrhundert vermischten sich einige Wolgabulgaren mit den Kiptschakisch sprechenden Dschutschidennomaden aus dem Süden und trugen zur Bildung der Wolga-Tataren bei, während andere, die nicht zum Islam konvertierten, zu den modernen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschuwaschen">Tschuwaschen</a> wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Karachaniden: erstes muslimisches Turkvolk Zentralasiens</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karachaniden">Karachaniden</a> gründeten das Karachaniden-Chanat (992-1212 n. Chr.), den ersten muslimischen Turkstaat in Zentralasien. Sie begannen den Islam unter den türkischen Nomaden in der kasachischen Steppe zu verbreiten und förderten den Bau von Moscheen sowie Karawansereien. Viele der bis heute erhaltenen Gebäude der Karachaniden befinden sich in Buchara, der ehemaligen Hauptstadt der Samaniden. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde das Karachaniden-Reich, mitsamt der kulturellen Handelsstädte Buchara und Samarkand, von Seldschuken erobert und existierte als Vasallenstaat verschiedener Reiche weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kiptschaken in der Geschichte Eurasiens</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kiptschak_(Volk)">Kiptschaken</a> beherrschten seit Mitte des 11. Jahrhunderts ein weitläufiges Gebiet, das die Steppen am Schwarzen Meer, am Kaspischen Meer und in Kasachstan umfasste. Die nomadischen Kiptschaken bildeten keinen einheitlichen Staat, sondern ein loses Stammesbündnis. Dennoch blieben diese Stämme bis zum Aufstieg des Mongolenreichs im frühen 13. Jahrhundert die dominierende Kraft in den eurasischen Steppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitte des 11. Jahrhunderts besiegten die Kiptschaken die Oghusen, die in der Region des Aralsees und des Kaspischen Meeres lebten. &nbsp;Die Kiptschaken gingen Bündnisse ein und unternahmen Überfälle auf dort lebende Slawen und auch Eheschließungen zwischen Kiptschaken und russischen Fürstentümern waren keine Seltenheit. Sie gelten als Vorfahren der modernen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krimtataren">Krimtataren</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Usbeken">Usbeken</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachen#:~:text=%D2%9B%D0%B0%D0%B7%D0%B0%D2%9B%D1%82%D0%B0%D1%80%20qazaqtar)%20sind%20eine%20turksprachige,Iran%20(15.000)%2C%20Afghanistan%20(">Kasachen</a>. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die meisten Gebiete der Kiptschaken dann von den Mongolen erobert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kapitel 3. Oghus-Türken in Westasien und im Nahen Osten: Seldschuken, Ottomanen und Turkmenen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Stammesverband der Oghusen</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Oghusen waren ein türkischer Stammesverband, der im 9. und 10. Jahrhundert um den Aralsee und der Kaspischen Steppe lebte. Ihre Hauptstadt Jangikent („neue Stadt“) lag am Unterlauf des Syr-Darya. Nachdem sie zum Islam konvertiert waren, wurden die Oghusen in der muslimischen Welt als „Turkmenen“ bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Seldschukenstaat</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seldschuken">Seldschuken</a> sind eine türkische Dynastie, die Ende des 10. Jahrhunderts aus dem Stammesverband der Oghusen hervorging. Das von ihnen gegründete Reich ist in der wissenschaftlichen Literatur als „Reich der Großseldschuken“ bekannt. Die Seldschuken eroberten das Gebiet des heutigen Iran und verlegten 1051 ihre Hauptstadt nach Isfahan. Ihr Reich erstreckte sich nun von Chorasan bis zum Iran und Aserbaidschan. Etwas später erfolgte die Ausweitung nach Anatolien.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="588" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/malik-shah_i-1024x588.jpeg" alt="" class="wp-image-39063" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/malik-shah_i-1024x588.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/malik-shah_i-300x172.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/malik-shah_i-768x441.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/malik-shah_i.jpeg 1112w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Krönung von Malik Shah I. von Rashid al-Din, veröffentlicht in Tabriz, Persien, 1307 n. Chr. Quelle: CAAN</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Osmanen: Begründer eines Weltreichs</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Osmanen, eine türkisch-oghusische Dynastie, gründeten das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich#:~:text=Das%20Osmanische%20Reich%20(osmanisch%20%D8%AF%D9%88%D9%84%D8%AA,1299%20bis%201922.">Osmanische Reich</a> (1299-1922), eines der größten und mächtigsten Reiche der Weltgeschichte. Nachdem sie ein Hauptquartier im Nordwesten Anatoliens errichtet hatten, begannen die Osmanen mit Eroberungsfeldzügen gegen byzantinische Städte bis hinauf in die Balkanregion. Im 16. Jahrhundert drangen sie nach Süden vor und erlangten die Kontrolle über Syrien, Ägypten und die Region am Roten Meer, einschließlich der drei heiligen muslimischen Städte Mekka, Medina und Jerusalem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende des 17. Jahrhunderts nahm die militärische Macht der Osmanen ab, da man in Bezug auf die technologische Ausrüstung hinter Europa zurückblieb. Als die Osmanen 1683 zum zweiten Mal Wien belagerten, erlitten sie eine vernichtende Niederlage gegen eine europäische Koalitionsarmee. Nach dem Ersten Weltkrieg löste sich das Osmanische Reich endgültig auf. Auf den Trümmern des einstigen Großreichs rief <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mustafa_Kemal_Atat%C3%BCrk">Mustafa Kemal</a> (1881-1938) am 29. Oktober 1923 die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Republik_T%C3%BCrkei#:~:text=Die%20Geschichte%20der%20Republik%20T%C3%BCrkei,Hauptstadt%20von%20Istanbul%20nach%20Ankara.">Türkische Republik</a> aus. Ihm gelang es, die Autonomie des Landes im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Befreiungskrieg">Türkischen Unabhängigkeitskrieg</a> (1919-1923) zu verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Safawiden: ein türkisch-persisches Reich</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safawiden#:~:text=Die%20Safawiden%20(auch%20Safaviden%3B%20persisch,schiitischen%20Islam%20als%20Staatsreligion%20etablierte.">Safawidenreich</a> war ein türkisch-persischer Staat, der den Iran von 1501 bis 1722 beherrschte. Obwohl die herrschende Familie der Safawiden wahrscheinlich kurdischer Abstammung war, waren es turkmenische Nomaden, die das Rückgrat der Safawidenarmee und der militärischen Elite des Reiches bildeten. Im Jahr 1629 begann der langsame Niedergang der Safawiden. Als es 1722 afghanischen Rebellen nach einer sechsmonatigen Belagerung gelang, Isfahan einzunehmen und den letzten aktiven Herrscher des Safawiden-Reiches zu stürzen, besiegelte dies das Ende der Dynastie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Kadscharen-Reich: der letzte turkmenische Staat im Iran</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kadscharen">Kadscharen</a> waren eine turkmenische Dynastie, die von 1794 bis 1925 im Iran regierte. Der erste Kadschar-Schah vereinigte den Iran mit der Hauptstadt Teheran und gliederte Georgien und den Kaukasus in seinen Staat ein. Im 18. Jahrhundert erlitten die Kadscharen schwere Niederlagen gegen Russland und verloren Georgien und Nord-Aserbaidschan. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ihr Staat von Großbritannien und Russland in Einflusssphären aufgeteilt. Schließlich beendete 1921 ein Staatsstreich von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reza_Schah_Pahlavi">Reza Schah</a> (reg. 1925-1941), dem Begründer der neuen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pahlavi_(Dynastie)#:~:text=Die%20Dynastie%20der%20Pahlavi%20(persisch,letzte%20Herrscherdynastie%20der%20persischen%20Schahs.&amp;text=Die%20Pahlavi%20kamen%201925%20als,31.%20Oktober%201925%20abgesetzt%20worden.">Pahlavi-Dynastie</a> (1925-1979), die Kadschar-Dynastie und damit die türkische Herrschaft im Iran.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kapitel 4. Türkisch-Mongolische oder Mongolisch-Türkische Steppenbevölkerung der Kiptschakischen Steppe und Zentralasiens</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tschagatai: Türkisch-mongolische Völker in Zentralasien</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „Tschagatai“ bezeichnet das Nomadenvolk des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai-Khanat">Tschagatai-Chanats</a>, eines mongolischen Staates im zentralasiatischen Raum, der von den Nachkommen von Dschingis Chans zweitem Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschagatai_Khan">Tschagatai</a> (reg. 1227-1241) regiert wurde. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das Tschagatai-Chanat in einen östlichen und einen westlichen Teil geteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Timuridenreich</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuridenreich">Timuridenstaat</a> war einer der Nachfolgestaaten des Mongolenreiches, der vom späten 14. bis zum späten 15. Jahrhundert einen Großteil Zentralasiens beherrschte. Der Gründer des Reiches, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuridenreich">Amir Timur</a> (auch Timur Leng oder Tamerlan), gehörte einem mongolischen Stamm an, der mit Tschagatai in die Region eingewandert war. Timur gelang es, die westliche Hälfte des ehemaligen Reiches von Dschingis Khan wieder zu vereinen und den Tschagataiden-Staat zu einer Weltmacht zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/die-amir-temur-statue-in-taschkent-neuer-held-aus-alten-zeiten/">Die Amir-Temur-Statue in Taschkent – neuer Held aus alten Zeiten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Förderung von Künstlern, Dichtern, Architekten und Gelehrten durch Timur und seine Nachkommen führte zu einer kulturellen Blüte in der Region, die als „Timuridische Renaissance“ bekannt wurde. Das Timuridenreich brach infolge der usbekischen Eroberung Zentralasiens zu Beginn des 16. Jahrhunderts zusammen, konnte aber 1526 als Mogulreich in Indien wieder aufleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mogulreich</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich">Mogulreich</a> wurde im Jahr 1526 von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Babur">Babur</a> (1483-1530) gegründet, anscheinend einem Nachkommen Dschingis Chans und Amir Timurs. Als die timuridischen Gebiete in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chorasan">Chorasan</a> von Usbeken erobert wurden, musste Babur nach Afghanistan fliehen und ließ sich in Kabul nieder. Durch den Sieg über die indo-afghanische Armee 1526 gelang es Babur, den timuridischen Staat in Nordindien wiederzubeleben. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="506" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/new_delhi_jama_masjid-1536x759-1-1024x506.jpeg" alt="" class="wp-image-39064" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/new_delhi_jama_masjid-1536x759-1-1024x506.jpeg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/new_delhi_jama_masjid-1536x759-1-300x148.jpeg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/new_delhi_jama_masjid-1536x759-1-768x380.jpeg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2024/04/new_delhi_jama_masjid-1536x759-1.jpeg 1536w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jami Masjid, Delhi. Quelle: PlaneMad/Wikimedia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Blütezeit des Mogulreichs entstand etwa der Mausoleumskomplex <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taj_Mahal">Taj Mahal in Agra</a>. Doch spätestens mit der Errichtung des britischen Imperiums verloren die Mogulen ihre Macht. Der Sturz des letzten Mogulkaisers durch die Briten beendete schließlich die Timuridendynastie in Indien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/indien-der-nachste-riese-in-zentralasien/">Indien – Der nächste Riese in Zentralasien?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Usbeken: Turk-Mongolen aus der Kiptschak-Steppe</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der nachmongolischen Zeit war „Usbeke“ eine Bezeichnung für die Bevölkerung, die in der Kiptschak-Steppe lebte. An der Wende zum 16. Jahrhundert spalteten sich die Usbeken der östlichen Kiptschak-Steppe, die der heutigen kasachischen Steppe entspricht, in schibanidische und kasachische Usbeken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tokai-Timuriden in Transoxanien</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach mehreren Machtwechseln in Transoxanien stellten im 16. Jahrhundert die Tokai-Timuriden (auch Aschtarchaniden, Schaniden) die neue Herrscherdynastie. Bald jedoch drangen die Kasachen bis zum heutigen Taschkent, Andijon und Samarkand vor und die Existenz des usbekischen Staates in Zentralasien war bedroht. Die Offensive konnte abgewehrt werden und anschließend erreichte der usbekische Staat seine Blütezeit und genoss relativen Frieden und Wohlstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Chanat Kokand: Usbekischer Staat im Fergana-Tal</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im frühen 18. Jahrhundert entstand im Fergana-Tal ein neuer unabhängiger usbekischer Staat, das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Kokand">Chanat Kokand</a> (1709-1876). Das Chanat wandelte sich bald von einem Stadtstaat zu einer Regionalmacht und wurde zu einem regionalen Großreich. Man drang nordwärts bis nach Kasachstan vor und annektierte Turkestan, die ehemalige Hauptstadt des kasachischen Chanats.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Niedergang des Khanats begann Mitte des 19. Jahrhunderts durch interne Konflikte. Das stark geschwächte und zersplitterte Kokand war nicht in der Lage, den 1864 einsetzenden Ansturm der russischen Truppen abzuwehren. Im Jahr 1876 wurde das Chanat vom Russischen Reich annektiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Chanat Chiwa</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gründeten Usbeken das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_Chiwa">Chanat von Chiwa</a>, das von 1511 bis 1920 über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresm</a> und die umliegenden Gebiete (das heutige Westusbekistan und Turkmenistan) herrschte. Das Chanat erreichte den Höhepunkt seiner Macht im 17. Jahrhundert, doch bereits 1694 begann dessen allmähliche Niedergang. Bald nach der Eroberung Chiwas durch den Stamm der Kungrat begann die russische Eroberung Zentralasiens und 1873 war das Chanat Chiwa gezwungen, die Oberhoheit des Russischen Reiches zu akzeptieren. Der letzte Herrscher der Kungraten wurde 1920 während des russischen Bürgerkriegs von der Roten Armee gestürzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kasachen</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kasachen sollen als eigenständige Gemeinschaft entstanden sein, nachdem sich die Usbeken der östlichen Kiptschak-Steppe Ende des 15. Jahrhunderts in schibanidische und kasachische Usbeken geteilt hatten. Im 16. Jahrhundert dehnten die Kasachen ihren Einfluss auf die Bevölkerung der Mongolei (östliches Tschagatai-Chanat) im Südosten des heutigen Kasachstan und auf das Volk der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nogaier#:~:text=Die%20Nogaier%20(nogaisch%20%D0%BD%D0%BE%D0%B3%D0%B0%D0%B9%20%2Fno%C4%A1aj,westt%C3%BCrkisches%20Volk%20der%20kiptschakischen%20Untergruppe.&amp;text=Weltweit%20gibt%20es%20rund%20130.000,knapp%20104.000%2C%20in%20Russland%20lebt.">Nogai</a> im Westen des heutigen Kasachstans aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kasachen-Khanat">Kasachen-Chanat</a> in ein „Nomadenreich“ umgewandelt. Das Chanat dehnte sich im Westen bis zum Uralgebirge und im Osten bis zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tian_Shan">Tienschan</a> aus. Die Kasachen nahmen auch einige Gebiete am rechten Ufer des Syr Darya ein, um die sie gegen die Usbeken kämpften. An der Wende zum 18. Jahrhundert zerbrach der kasachische Staat aufgrund von Überfällen durch die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oiraten">Dsungaren</a> (auch: Oiraten). Die Kasachen hatten sich in drei Horden aufgespalten und konnten den Dsungaren-Truppen daher nicht mit vereinten Kräften entgegentreten. Viele Kasachen mussten nach Transoxanien, Choresm und in die vom Russischen Reich kontrollierten Gebiete ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Krimtataren</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_der_Krim">Krim-Chanat</a> war vom 15. bis 18. Jahrhundert ein tschingisidischer Staat auf der Krim und in den umliegenden Regionen. Ethnisch waren die Krimtataren eng mit den Kasachen und schibanidischen Usbeken verwandt, die im östlichen Teil der Kiptschak-Steppe lebten. Das Krim-Chanat wurde in den 1440er-Jahren gegründet und war zunächst ein „Nomadenreich“, das sich von Bessarabien im Westen bis zum Nordkaukasus im Osten erstreckte. Unter anderem wurde das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Ff%C3%BCrstentum_Moskau">Großfürstentum Moskau</a> zum Vasall der Krim-Chane.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Krim-Chanat erlebte seine Blütezeit im 16. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden auf der Krim der Königspalast in Bachtschyssaraj, Moscheen, öffentliche Bäder und Schulen gebaut. Im 17. Jahrhundert wurde das Chanat dann zu einem Vasallen des Osmanischen Reiches. Mit der Niederlage des Osmanischen Reiches im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russisch-T%C3%BCrkischer_Krieg_(1768%E2%80%931774)">Russisch-Osmanischen Krieg (1768-1774)</a> zerfiel das Krim-Chanat und war gezwungen, sich dem russischen Protektorat zu unterstellen. 1783 löste das Russische Reich das Chanat vollständig auf und annektierte seine Gebiete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor Ju-Yup Lee betont, wie wichtig es ist, die Geschichte der Turkvölker zu studieren, die seit über 1000 Jahren am Aufbau mächtiger Reiche in ganz Eurasien beteiligt waren. Zweifellos haben die Turkvölker wichtige historische Ereignisse und Prozesse in Europa, China und dem Nahen Osten beeinflusst, und ohne das Studium der türkischen Geschichte ist es schwierig, ein umfassendes Verständnis der Weltgeschichte und unserer modernen Welt zu erlangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.routledge.com/The-Turkic-Peoples-in-World-History/Lee/p/book/9781032170015"><em>Joo-Yup Lee: The Turkic Peoples in World History</em></a><em>. 224 Seiten, Routledge, ISBN: 978-1-0321700-1-5 <span><a href=""><img decoding="async" title="Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen" class="citavipicker" style="border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important" src="image/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg"></a></span>,</em> <em>Juli 2023.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Die Redaktion von CAAN</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/25045/tyurkskie-narody-v-mirovoj-istorii-pereskaz-knigi-joo-yup-lee-the-turkic-peoples-in-world-history-routledge-2024"><strong>Russischen</strong></a><strong> und gekürzt von Michèle Häfliger</strong><strong></strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Löst sich Zentralasien von Russland?</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Dec 2023 17:54:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien & Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Geopolitische Ausrichtung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>W&#xE4;hrend der Krieg in der Ukraine weitergeht und Russland weiterhin unter strengen internationalen Sanktionen steht, heben seine politischen Verb&#xFC;ndeten, Wirtschaftspartner und geografischen und kulturellen Nachbarn in Zentralasien ihr diplomatisches Spiel auf ein neues Niveau. Das wachsende internationale Interesse bietet eine neue Zukunftsaussicht f&#xFC;r diese Staaten &#x2013; m&#xF6;glicherweise mit weitaus geringerer Abh&#xE4;ngigkeit von Russland. Doch l&#xF6;st [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Während der Krieg in der Ukraine weitergeht und Russland weiterhin unter strengen internationalen Sanktionen steht, heben seine politischen Verbündeten, Wirtschaftspartner und geografischen und kulturellen Nachbarn in Zentralasien ihr diplomatisches Spiel auf ein neues Niveau. Das wachsende internationale Interesse bietet eine neue Zukunftsaussicht für diese Staaten &#8211; möglicherweise mit weitaus geringerer Abhängigkeit von Russland. Doch löst sich Zentralasien tatsächlich von ihrer ehemaligen Metropole? Und wie sehen die Perspektiven für die zentralasiatischen Staaten aus? Dr. Johan Engvall vom Schwedischen Zentrum für Osteuropastudien (SCEEUS) versucht, auf diese Fragen zu antworten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Krieg in der Ukraine hat einiges in Eurasien verändert. Für Zentralasien stellt er eine ernsthafte Herausforderung in Hinsicht auf Sicherheit, Wirtschaft, Verkehr, Handel, Arbeitsmigration und natürlich Geopolitik dar. Wie verändern sich unter diesem Blickwinkel die Beziehungen dieser Staaten zu Russland und in welchen Bereichen? Sind diese Veränderungen vorübergehend oder langfristig?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zentralasiatischen Staaten bewegen sich auf einem schmalen Grat, wenn sie sich von Russlands Handeln distanzieren wollen. Sie alle stehen unter starkem Druck aus Moskau und die Beziehungen zwischen Russland und Zentralasien sind sehr eng. Die militärischen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen haben sich über einen langen Zeitraum entwickelt und werden nicht über Nacht verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Zentralasien wird für Russland immer wichtiger – nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht, da gewisse Handelswege neu ausgerichtet wurden. Putin, der sich seit 2022 in zunehmender politischer Isolation befindet, hat die Hoffnung nicht aufgegeben, die Region in seinem Bann zu halten. Deswegen hält er zahlreiche Treffen mit nationalen Führern ab, um die Länder offensichtlich enger an Russland zu binden. Die führenden Politiker der Region versuchen ihrerseits, aus der politischen und wirtschaftlichen Isolation Russlands und der neu gewonnenen internationalen Aufmerksamkeit für die Region Kapital zu schlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig hat Russland definitiv an Attraktivität in der Region verloren: Die Eurasische Wirtschaftsunion (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">EAWU</a>) wird unter den Mitgliedsländern immer unbeliebter und für potenzielle Mitglieder wie Usbekistan und Tadschikistan zunehmend unattraktiv. Putins privilegierte Stellung in Zentralasien wird nun von anderen Staaten in Frage gestellt, vor allem von China und der Türkei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Debatten um Kolonialismus und Identität begannen in Zentralasien lange vor dem Krieg – vielleicht waren sie einer der Gründe für den Zusammenbruch der Sowjetunion. So eröffnete Kasachstans Präsident </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qassym-Schomart_Toqajew"><strong>Qasym-Jomart Toqaev</strong></a><strong> vor kurzem eine gemeinsame Konferenz mit Putin in kasachischer Sprache. Gleichzeitig verpflichtete sich Toqaev, die russische Sprache in Zentralasien zu unterstützen. Wie wirken Entkolonialisierungsprozesse und die „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Russki_Mir"><strong>russische Welt</strong></a><strong>“ in Zentralasien zusammen? Können sie koexistieren?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt mehrere komplementäre Prozesse, die zur allmählichen Aufhebung des kolonialen Jochs in Zentralasien beitragen. Erstens haben diese Staaten in den mehr als 30 Jahren Unabhängigkeit eine eigene nationale Identität entwickelt und verteidigen ihre Souveränität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens haben die Aggressionen Russlands und seine Weigerung, das Recht der Ukraine auf Unabhängigkeit anzuerkennen, auch eine Neubewertung des kolonialen Erbes in Zentralasien ausgelöst. In Kasachstan und Kirgistan blickt eine breitere Öffentlichkeit kritischer auf die Vergangenheit – in diesen Ländern wurde die Unabhängigkeit nie auf einer antikolonialen Grundlage durchgesetzt. Und Usbekistans Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a> zeigt sich zunehmend selbstbewusster gegenüber dem Unrecht, das während der Sowjetära von Moskau aus gegen die Usbekische SSR verübt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/der-gipfel-zentralasien-usa-ein-geopolitisch-bedeutsames-treffen/"><strong>Der Gipfel Zentralasien – USA, ein geopolitisch bedeutsames Treffen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens: Der rote Faden, der sich durch diese Transformationsprozesse zieht, ist die Kluft zwischen den Generationen. Zentralasien durchläuft einen raschen sozialen und demografischen Wandel, der sich auf die Identitätsbildung auswirkt. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in der Region sind unter 40 Jahre alt. Diese postsowjetische Generation, die keine persönliche Erfahrung mit dem Leben in der Sowjetunion hat, tritt nun in den Vordergrund und verändert die Länder der Region sowohl politisch als auch kulturell. Für diese Generation ist die Anziehungskraft Russlands nicht so sehr ideologischer und sentimentaler Natur, sondern hängt mit dem Status Russlands als Quelle von Arbeitsplätzen und materiellen Möglichkeiten zusammen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Russland reagiert überempfindlich auf diese Entwicklungen und versucht unermüdlich, sie umzukehren. Die russische Propaganda stellt die zentralasiatischen Länder als brüderliche Staaten zu Russland dar, als Erweiterungen der „russischen Welt“, in denen die Bevölkerung die russischen Werte und Normen teilt. Da die anhaltende Rolle der russischen Sprache den Einfluss Russlands in der Region stärkt, wird jeder Versuch, das Russische herabzusetzen, als feindlicher Akt empfunden. Moskau lehnt auch fieberhaft jeden Versuch ab, nationale Traumata zu erforschen und Aspekte der sowjetischen Kolonialherrschaft kritisch zu untersuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dementsprechend ergibt sich ein zunehmend unruhiges Bild: auf der einen Seite Befreiung und die Rückkehr der Vergangenheit, auf der anderen Seite fortgesetzte Unterwerfung und das Gefühl einer unauflösbaren historischen Verbindung. Auf einen Schritt in die eine Richtung folgt meist ein korrigierender Schritt in die andere. Langfristig besteht jedoch kein Zweifel daran, dass der Einfluss Russlands auf Zentralasien abnimmt. Dieser Prozess ist zudem kaum umkehrbar; stattdessen ist Moskau gezwungen, verstärkt auf Angstmacherei zu setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Zentralasien ist das Gerede vom „</strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game"><strong>Great Game</strong></a><strong>“ überhaupt nicht gerne gesehen. Aber es wird unweigerlich wiederholt, vor allem im aktuellen Kontext, in dem Zentralasien als Energieressource und Transitraum in der Welt wieder an Bedeutung gewinnt. In diesem Jahr besuchten mehrere europäische Staats- und Regierungschefs Zentralasien. Wie ist die geopolitische Bedeutung Zentralasiens und der außenpolitische Handlungsspielraum der Länder einzuschätzen? Konnten die zentralasiatischen Staaten die Außenpolitik der letzten drei Jahrzehnte zur Stärkung ihrer Unabhängigkeit nutzen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zentralasiatischen Staaten sind sich der Risiken bewusst, die entstehen, wenn sie das Schicksal ihrer Wirtschaft, nationalen Sicherheit und Souveränität in die Hände eines unzuverlässigen und revisionistischen Russlands legen. Diese Länder versuchen, verschiedene Initiativen in den Bereichen Handel und Verkehr zu schaffen oder wiederzubeleben, und sind auf der Suche nach alternativen Sicherheitspartnerschaften. Daher waren die europäischen Staats- und Regierungschefs in der Region wahrscheinlich noch nie so willkommen wie in diesem Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Länder Zentralasiens bauen ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu China weiter aus, gleichzeitig macht sich die wachsende Abhängigkeit Russlands von China bemerkbar. Unterdessen stärkt die Türkei im Rahmen der Organisation der Turkstaaten (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_Turkstaaten">OTS</a>) die Zusammenarbeit mit Zentralasien, welches sich auch um Investitionen aus den Golfstaaten bemüht. Um schließlich die Sicherheit und Stabilität von innen heraus zu verbessern, bemühen sich Kasachstan und Usbekistan um eine weitere Stärkung der regionalen Zusammenarbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/10-gipfeltreffen-der-organisation-der-turkstaaten-neue-wege-der-zusammenarbeit-sind-gefragt/"><strong>10. Gipfeltreffen der Organisation der Turkstaaten: Neue Wege der Zusammenarbeit sind gefragt</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt also eine Reihe von Maßnahmen, die auf ein Gleichgewicht in den Außenbeziehungen hindeuten. Die zentralasiatischen Staaten versuchen, aus Russlands Schwäche Kapital zu schlagen, indem sie ihre Bemühungen um den Aufbau alternativer diplomatischer Allianzen verstärken. Dies hat in Zentralasien einen gewissen Handlungsspielraum in einer sehr komplexen geopolitischen Situation geschaffen und wäre nicht möglich gewesen, wären sie russische Satelliten gewesen, wie sie in den westlichen Medien oft fälschlicherweise dargestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Religion ist ein weiteres Identitätsmerkmal, dessen Bedeutung in der Region stetig zunimmt. Was wird passieren, wenn eine neue Generation an die Macht kommt: Wird sie die Trennung zwischen Politik und Religion aufrechterhalten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zentralasien ist eine Ausnahme in der muslimischen Welt und widersetzt sich dem Trend, Religion und Politik zu vermischen. Das Wiedererstarken der Religion seit der Unabhängigkeit stellt jedoch eine Herausforderung für ihre säkularen Regierungssysteme dar. Indem die Gesellschaften religiöser werden, nimmt die Rolle des Islam – als Faktor politischer Legitimation und als Mittel zur Mobilisierung und Gewinnung von Wählenden – zu. In Kirgistan werden etwa Moscheen nicht mehr durch ausländisches Sponsoring gebaut, sondern von lokalen Geschäftsleuten, die in die Politik involviert sind. Ein weiterer Trend ist die Vertiefung der Beziehungen zwischen Politik und Geistlichen, wobei die Politik die Unterstützung der Geistlichen nutzen, um ihre lokale Wählerbasis zu stärken. Säkulare Staatlichkeit sollte daher nicht als selbstverständlich angesehen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft des Säkularismus in Zentralasien wird wahrscheinlich von mehreren Faktoren abhängen. Einer davon ist die Entwicklung religiöser Ideen in der übrigen muslimischen Welt. Aus regionaler Sicht wird sie aber auch von der Politik abhängen, die die Regierungen der Länder in den kommenden Jahren verfolgen werden. In Zukunft wird es entscheidend sein, stärkere Bindungen zwischen Staat und Gesellschaft aufzubauen. Korrupte Regierungen, die als ungerecht empfunden werden und die Erwartungen der Gesellschaft nicht erfüllen, werden wahrscheinlich das Risiko erhöhen, dass religiöse Bewegungen aus der Frustration der Menschen Kapital schlagen und eine ganz andere Art von sozialer und politischer Ordnung fordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie lautet Ihre Prognose für Zentralasien im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine? Wird eine der Folgen dieses Krieges – die Umsiedlung von Russinnen und Russen, die Verringerung der Arbeitsmigration aus Zentralasien oder andere soziale Veränderungen, die derzeit stattfinden – dauerhafte Auswirkungen haben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, dessen wir uns sicher sein können, ist, dass es unvorhergesehene Veränderungen geben wird. Als etwa der Krieg ausbrach und westliche Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängt wurden, wurde vorausgesagt, dass viele Arbeitsmigrierte aus Zentralasien in ihre Heimat zurückkehren müssten. Dies würde die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit, geringerer Geldüberweisungen und einer allgemeinen Destabilisierung der Gesellschaft mit sich bringen. Doch trotz der wachsenden Probleme kommen weiterhin Arbeitsmigrierende aus Zentralasien nach Russland, um die dort herrschende Lücke an russischen Arbeitskräften zu schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der russische Angriffskrieg stellt einen Wendepunkt dar, der wahrscheinlich eine neue geopolitische Landschaft schaffen wird. Während die regionalen politischen Veränderungen in Form von neuen und erneuerten Initiativen sichtbar sind, bleibt die volle Tragweite dieser Ereignisse abzuwarten. Letztlich hängt viel vom Ausgang des Krieges ab. Verliert Russland in der Ukraine, könnte dies auch in Zentralasien eine seismische Verschiebung auslösen. Doch die Politikerinnen und Politiker der Region halten sich zurück. Tatsächlich können sich viele in der Region nicht vorstellen, dass Russland verlieren könnte; deshalb müssen sie so gut wie möglich auf einen russischen Sieg vorbereitet sein. Unabhängig davon wird es keine Rückkehr zum Vor-Kriegs-Zustand geben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.caa-network.org/archives/25018/czentralnaya-aziya-vyhodit-za-ramki-rossii">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Textilien, Teppiche und Geometrie: Stoffproduktion in Zentralasien</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Sep 2023 16:47:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Schyrdak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zentralasien ist bekannt f&#xFC;r seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder Chapans (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik Ikat gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualit&#xE4;t entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften V&#xF6;lkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentralasien ist bekannt für seine alte Tradition der exquisiten Textilherstellung. Bis heute sind Schals oder <em>Chapans</em> (knopfloser Mantel), die in der sogenannten Textiltechnik <em>Ikat</em> gewebt sind, von Mode-Fans aus aller Welt gefragt. Textilproduktion und Teppichqualität entwickelten sich in enger kreativer Interaktion zwischen nomadischen und sesshaften Völkern. Im Interview mit dem Central Asian Analytical Network (CAAN) erläutert Carol Beer die Ursprünge dieses Kunsthandwerks, seine Symbolik und die komplexen Herstellungsmethoden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Carol Beer ist eine Historikerin der islamischen Kunst. Sie ist die Autorin zahlreicher Werke über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst, in denen sie die Schönheit von Form, Muster und Struktur beschreibt. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Islamische Studien an der <em>Graduate Theological Union</em> in Berkeley, Kalifornien. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit am Textilmuseum in Washington D.C., wo sie lange Zeit Kuratorin der Sammlungen der östlichen Hemisphäre war (1984-2001). Von 2006 bis 2008 war sie Präsidentin der <em>Textil Society of America</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie haben viele Artikel über die kulturellen Aspekte der Geometrie in der islamischen Kunst veröffentlicht und wir in Zentralasien sehen viele wiederkehrende geometrische Formen in unserer Kultur. Wie hat sich die Geometrie in der islamischen Kunst manifestiert?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich intensiv mit der Geometrie in der islamischen Kunst und Architektur beschäftigt, ein Interesse, das sich aus früheren Studien über Textilien und Textilmuster entwickelte. Textilmuster sind sehr eng mit der Technik des Webens, Stickens oder Färbens verbunden &#8211; <em>Ikat</em> oder <em>Abrband</em> (von persisch <em>„abr“</em> &#8211; Wolke, <em>„Band“</em> &#8211; binden), wie es in Zentralasien, zumindest in Usbekistan, genannt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist mein Interesse an Geometrie, islamischer Architektur und Kunst sehr stark mit der Beziehung zwischen Handwerk und Technologie verbunden &#8211; im Falle der Architektur mit der Bautechnologie. Meine Forschung hat die Entstehung einer algorithmischen Ästhetik in der islamischen Welt aufgezeigt, so dass die Wiederholbarkeit selbst eine Bedeutung hat und diese Bedeutung ist meiner Meinung nach sehr eng mit der Geometrie, mit der Erscheinungsform der Geometrie verbunden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Aus der Geschichte der Geometrie wissen wir, dass in der frühen arabischen Welt Übersetzungen und Kommentare zu antiken griechischen Texten über Mathematik und Philosophie erschienen. Diese wurden dann in der persischen Welt und darüber hinaus (Zentralasien, Spanien, Nordafrika) verbreitet. Mein Verständnis und meine Interpretation gingen also in verschiedene Richtungen. Eine dieser Richtungen ist die Untersuchung von Koraninschriften auf Denkmälern mit geometrischen Mustern und ich würde sagen, dass die für diese Denkmäler ausgewählten Koraninschriften und Koranpassagen uns helfen können, die Bedeutung und den Sinn der Muster und der Gebäude selbst zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere das Wort <em>„Amtal“</em>, der Plural von <em>„Mital“</em>. Dieses Wort hat viele Bedeutungen in Bezug auf Allegorie und Gleichnis, aber für Mathematiker bezeichnet es ein geometrisches Problem. Und ich glaube, dass man die Koranstellen in Bezug auf geometrische Muster an Gebäuden interpretieren kann, so dass die Form der Geometrie genau die Geometrie widerspiegelt. Zu dieser Interpretation bin ich gekommen, als ich Geometrie, Kunst und Architektur in der islamischen Welt untersucht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Textilkultur des Ostens, der auch die Region Zentralasien umfasst. Warum spielten Textilien im Leben dieser Menschen eine so große Rolle? Obwohl sie ein einfaches Leben führten, besaßen sie prächtige Teppiche und Seidengewänder. Haben diese Schmuckstücke und Textilien eine spirituelle Bedeutung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe die spirituellen Bedeutungen nicht eingehend untersucht. Sie konnten hauptsächlich durch das Studium der schriftlichen Überlieferung oder, wie heute, durch Interviews mit Praktizierenden untersucht werden, ich hingegen arbeitete hauptsächlich mit Primärquellen (den Materialien selbst), das heißt mit der materiellen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch sagen kann, ist, dass alle textilen Traditionen &#8211; von der Filzherstellung <em>(shyrdak) </em>in Kirgistan und der Stickerei <em>(suzane)</em> in Usbekistan bis hin zur Teppichherstellung <em>(kali)</em> &#8211; auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, die in Zentralasien leicht verfügbar sind. So hat die Filz- und Textilherstellung eine sehr lange Geschichte, die bis in die prähistorische Zeit zurückreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Techniken der Textilherstellung in Zentralasien sind recht außergewöhnlich und viele davon werden auch heute noch praktiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/eine-kirgisische-firma-moechte-den-schyrdak-nach-europa-bringen/"><strong>Eine kirgisische Firma möchte den Schyrdak nach Europa bringen</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ikat-Produktion ist sehr vielfältig, zum Beispiel im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferghanatal">Fergana-Tal</a>. Der Anbau von Baumwolle ist weit verbreitet. Für die Beschaffung und Aufbereitung der Färbematerialien haben sich Netzwerke gebildet. Die Technologie der Garnaufbereitung hat sich ebenso entwickelt wie die Färbe- und Webtechnologie. So ist zum Beispiel ein einfaches Produkt wie ein Schal mit hängenden Enden bereits das Produkt mehrerer Technologien. Beim Shyrdak wird der Filz in zwei Lagen geschnitten und übereinander gelegt. So entstehen zwei identische, aber farblich kontrastierende Muster. Es ist eine brillante Anwendung einer sehr einfachen Technologie, nämlich Wärme und Kompression, um aus Wollfäden Filz herzustellen und dabei mit Farben und Ornamenten zu experimentieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Zeichnungen finden sich aber auch Symbole wie die Hörner eines Schafes, der Bart einer Ziege oder Elemente, die für die lokale Gesellschaft von grundlegender Bedeutung sind. In Zentralasien gibt es einen starken Kontrast zwischen Hirten- und Ackerbaukulturen. Dieser Kontrast spiegelt die vielfältige Geographie der Region wider, die aus Wüstengebieten, Flusstälern und Oasenstädten besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Ihrem Artikel „Traditional Weaving from Pre-Soviet Central Asia“ (1992-93) beschäftigen Sie sich mit Textilkunst aus </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro"><strong>Buchara</strong></a><strong> wie Stickerei (Suzaneh), Florteppichweberei, Ikatweberei etc. Können Sie unseren Leser:innen etwas darüber erzählen? Werden diese alten Techniken heute noch angewandt?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ikat bedeutet, wie gesagt, abrbandi (Wolkenbindung) und hat mit dem Färben der Hauptfäden vor dem Weben zu tun. Dies wird im modernen Fergana-Tal sehr häufig praktiziert, wo zahlreiche Ateliers, Werkstätten und Fabriken das herstellen, was wir im Englischen als Ikat bezeichnen. In der Umgebung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buxoro">Buchara</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shakhrisabz</a> gibt es auch eine starke Tradition der Seidenstickerei (Suzane). Soweit mir bekannt ist, lassen sich Ikat- und Suzane-Gewebe erst bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, möglicherweise bis ins späte 18. Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch frühere Beispiele aus anderen Teilen der islamischen Welt. Ich weiß nicht genau, wie diese Techniken nach Usbekistan gekommen sind, aber sie waren definitiv im 19. Jahrhundert vorhanden und sind heute weit verbreitet. Madina Kasymbayeva aus Taschkent ist eine zeitgenössische Stickerin von Suzane. Ihre modernen Stickereien im historischen Idiom sind weltweit bekannt. In Usbekistan erhielt sie einen der Präsidentenpreise für Künstler; ihre Arbeiten sind auch im British Museum in London ausgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es ist bekannt, dass „kurak korpe“ vom türkischen <em>„kura“</em> abstammt. Aber auch die Kasachen haben solche Decken, die meist <em>„kurak korpe“ </em>oder <em>„oyu korpe“</em> genannt werden. Es gibt auch traditionelle Kopfkissen: Sie heißen auf Kasachisch <em>„zjastyq“</em> und auf Turkmenisch <em>„yassyk“</em>. Wie kommt es zu dieser terminologischen Ähnlichkeit? Gibt es noch andere Ähnlichkeiten zwischen den textilen Künsten, ihren Namen und Techniken in den zentralasiatischen Ländern?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yastyk“ ist in der Türkei das Wort für Kissen, soweit ich weiß. Alle diese Wörter sind eng miteinander verwandt. Folglich führt die gemeinsame Nutzung des Wortschatzes in anderen Kontexten &#8211; vom Persischen ins Türkische, vom Türkischen ins Persische oder vom Tadschikischen ins Türkische &#8211; dazu, dass sich viele Wörter wiederfinden. So sind „jastyq“, „yassyk“, „zazdyk“ und „yastyk“ verwandt (mit einigen dialektalen Unterschieden). Auch in der Kunst gibt es Ähnlichkeiten. Diese kulturellen Gemeinsamkeiten zeigen sich nicht nur in den Techniken der Textilherstellung und der Architektur, sondern auch in der Küche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Art des Schmucks hängt jedoch von der Kultur ab, zu der diese Länder gehören. So sind einige zentralasiatische Ornamente eher städtischen Ursprungs, während andere nomadischen Ursprungs sind. Bei der sesshaften Stadtbevölkerung werden vielfältigere Muster gewählt und wiederholt als bei der nomadischen Bevölkerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wichtigste Produkt der Nomadenkultur ist natürlich der Teppich. Er wird nicht nur, wie bei uns im Westen, als Bodenbelag verwendet, sondern auch als Tür- und Bettvorleger, als Abdeckung von Truhen oder als Einrichtungsgegenstand sowie als Bodenbelag in Zelten (Jurten). Florteppiche können einen Wollgrund, einen Wollschuß und einen Wollflor &#8211; den Teppichflor mit Mustern und Motiven &#8211; haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lassen Sie uns über die Traditionen von Patchwork und (Orient)teppichen sprechen. Was bedeutet Patchwork und wo liegen seine kulturellen Wurzeln?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Patchwork ist eine sehr wertvolle Handarbeitstechnik, die zu Hause und nicht in Fabriken hergestellt wird. Aus alten Stoffresten werden Decken, Bettüberwürfe, Pferdedecken oder Pferdekopfschmuck hergestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich viel mehr mit Teppichen als mit Patchwork beschäftigt. Schon die Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; deutet auf eine Außenperspektive hin. Etwas als orientalisch zu bezeichnen bedeutet, dass es aus dem Orient stammt, der im 19. Jahrhundert &#8211; und dazu gehört auch die Geschichte des europäischen Teppichsammelns &#8211; irgendwo östlich von Istanbul lag. Es war nicht der Ferne Osten, wie wir ihn uns heute vorstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass es &#8222;Orientteppiche&#8220; gibt, weist darauf hin, dass diese Stoffe ihren kulturellen Ursprung in einem &#8222;Teppichgürtel&#8220; haben, der sich über Zentralasien einschließlich Afghanistan, Iran, Türkei, Teile Ägyptens, Nordafrikas und Spaniens erstreckt. Die Region ist trocken (mit geringen Niederschlägen), was die Landwirtschaft erschwert, so dass die Schaf- und Viehzucht die Haupteinnahmequelle der Menschen ist. Wolle ist natürlich eine erneuerbare Ressource: Die Schafe werden ein- oder zweimal im Jahr geschoren und die Wolle wächst nach. Im Gegensatz zu Schaschlik, das nicht erneuerbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/panorama/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs/"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die in diesen Gebieten hergestellten Teppiche wurden zu einem beliebten Produkt, das an die europäischen Kolonialmächte verkauft oder ihnen (als Botschaftsgeschenk oder auf andere Weise) geschenkt wurde. So wurden Teppiche über die östliche Welt hinaus zu einem vertrauten Element der westlichen Welt, was zu der Bezeichnung &#8222;Orientteppiche&#8220; führte. Diese Kategorie existiert zum großen Teil immer noch, auch wenn es heute als politisch unkorrekt gilt, sie so zu nennen. Aber niemand hat jemals einen &#8222;orientalischen&#8220; Teppich gewebt. Eine Frau hat einfach einen Teppich geknüpft. Es gab keine Bezeichnung dafür in ihrer eigenen Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Patchwork soll die Anordnung der kleinen Stoffquadrate das Böse fernhalten. Es hat also eine Schutzfunktion für denjenigen, der es benutzt oder trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Historisch gesehen wurden diese Tätigkeiten hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Ich denke, dass die Männer in der Regel für die Weidewirtschaft, die Herdenpflege und die Viehzucht zuständig waren. Die Frauen hingegen waren für das Melken der Tiere und die Herstellung von Milchprodukten, sowie für die handwerklichen Traditionen der Garnherstellung und des Webens zuständig. Ich sah Männer, die Filz herstellten &#8211; traditionell eine Männerdomäne, denn es ist viel Stanzen und Pressen nötig, um aus Wolle Filz zu machen. Filz wurde vor allem für Hirtenmäntel, Filzbodenbeläge oder Derwischhüte verwendet. Im häuslichen Bereich ist die Stickerei in erster Linie eine Tätigkeit, die von Frauen ausgeübt wird. Ich habe aber auch gesehen, dass in Nordindien, Westchina und Zentralasien Männer als Sticker in einem kommerziellen Kontext arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es geschlechtsspezifische Rollen und Differenzierungen innerhalb verschiedener textiler Technologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Teppichknüpfen ist harte Arbeit, aber die Menschen in Zentralasien scheinen darin eine Leinwand für ihre Kreativität zu sehen. Wie würden Sie diese starke Teppichtradition erklären?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei hat eine viel längere Geschichte als die islamische Welt, die in Zentralasien bis ins achte Jahrhundert n. Chr. zurückreicht. Der älteste bekannte Teppich stammt aus einem Grabhügel in Sibirien, Russland. Der Teppich wird Pazyryk-Teppich genannt und stammt aus dem Grabhügel Pazyryk. Er wurde 1949 im Permafrostboden Sibiriens gefunden. Nach seinem Stil zu urteilen, stammt er wahrscheinlich aus dem 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit vor Alexander dem Großen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interessante daran ist, dass es meiner Meinung nach außergewöhnliche technische Merkmale aufweist. Er ist ein Beispiel für die fortschrittliche Webtechnik und doch wissen wir nichts darüber, wie diese Webtechnik entstanden ist. Dieser Teppich hat ein sehr dicht geknüpftes Garn mit schönen Knoten. Das Muster ist bereits wie bei vielen späteren Teppichen angelegt, mit einem quadratischen oder rechteckigen Feld, mit Musterwiederholungen und zahlreichen Bordüren, die das zentrale Feld umgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teppichweberei geht also mindestens auf das fünfte oder vierte Jahrhundert v. Chr. zurück. Wir haben Fragmente von Teppichen aus der Zeit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seldschuken">Seldschuken</a> vor tausend Jahren, aber auch vollständige Teppiche aus dem 15. und späteren Jahrhundert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sowjetzeit wurden im Zuge der Kollektivierung Teppichwebereien gegründet, so dass die Tradition fortgeführt wurde, allerdings eher in einem kommerziellen als in einem häuslichen oder nomadischen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welchen Einfluss hatten Handel und kommerzieller Wert auf die Entwicklung dieser Stoffe?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sowohl eine häusliche Tradition, in der Textilien für den häuslichen Gebrauch und für die lokale Bevölkerung hergestellt wurden, als auch eine kommerzielle Produktion. Stammesgegenstände wurden auch verkauft, wenn man Geld brauchte; sie wurden zu Tauschobjekten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die größten Sammlungsanstrengungen wurden in der Zeit des Russischen Reiches unternommen. So entstanden in St. Petersburg und in der Sowjetzeit in Moskau die größten Museumssammlungen der Welt. Die ethnographischen Museen dieser Städte besitzen einige der besten Sammlungen usbekischer Teppiche. Ihre leuchtenden Farben sind auch heute noch frisch, wenn sie nicht zu viel Licht ausgesetzt oder zu oft gewaschen wurden. Sie sind wirklich schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist für Sie das Interessanteste an diesem Thema: Symbole, Geist, Methodik, Farben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Aspekt, mit dem ich mich persönlich gerne beschäftige, ist die Schönheit: Muster, Form, Zeichnung, Farbe&#8230; Und dann fasziniert mich, wie ich schon sagte, die Wechselwirkung zwischen Handwerk und Technologie, zwischen handwerklicher Produktion und der Herstellung von Gütern, sei es für den Hausgebrauch oder für den kommerziellen Gebrauch. Ich könnte noch weiter gehen und sagen, dass mich das Zusammenspiel von Design, Struktur, Technik und Funktion fasziniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Interview habe ich einige dieser Zusammenhänge erwähnt, sei es das Reservefärben der Kette, das Weben und die Herstellung von Schals, die Tierhaltung, die Garnvorbereitung, das Färben, das Teppichweben und die verschiedenen Methoden der Musterherstellung. Durch das Reservefärben erhält das Ikat-Muster all diese Variationen in den Mustermotiven. Bei Teppichen entstehen die Muster jedoch durch das Aneinanderknüpfen von Garnstücken. Ein spannendes Thema also.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Das Interview führte Elvira Aydarhanova für CAAN</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/24900/tekstil-kovry-i-geometriya"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Usmon Rakhmonov</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verstärkt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[caanetwork]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Apr 2023 19:06:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Xi Jinping]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralasien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat China eine umfassende Informationspolitik in Zentralasien betrieben und versucht, sein Image zu verbessern sowie seinen Einfluss gegen&#xFC;ber Russland zu verst&#xE4;rken. Seit der Abriegelung infolge der Covid-19-Pandemie scheinen die Beziehungen zu den zentralasiatischen Staaten jedoch zunehmend zu leiden. Adina Masalbekowa, China-Expertin an der OSZE-Akademie in Bischkek, erkl&#xE4;rt die Zusammenh&#xE4;nge. Vor der [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>In den letzten Jahren hat China eine umfassende Informationspolitik in Zentralasien betrieben und versucht, sein Image zu verbessern sowie seinen Einfluss gegenüber Russland zu verstärken. Seit der Abriegelung infolge der Covid-19-Pandemie scheinen die Beziehungen zu den zentralasiatischen Staaten jedoch zunehmend zu leiden. Adina Masalbekowa, China-Expertin an der OSZE-Akademie in Bischkek, erklärt die Zusammenhänge.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Covid-19-Pandemie lag der Schwerpunkt chinesischer Auslandspropaganda in Zentralasien in der Regel auf Bildung und Kultur, Stipendien für Studierende und Medienschaffende sowie Reisen für Beamte. Diese Aktivitäten zeigten bei jungen Menschen Wirkung, die vor der Pandemie gerne in China studieren, die Sprache lernen und die chinesische Kultur erleben wollten.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Beginn der Abriegelungen im Frühjahr 2020 hat die Attraktivität Chinas als Studienland jedoch abgenommen, ebenso wie andere Möglichkeiten, das Land zu besuchen. Dennoch hat China die Hoffnung nicht aufgegeben, tiefere kulturelle Beziehungen zur Region Zentralasien zu entwickeln. So organisiert die chinesische Botschaft in Kirgistan aktiv Treffen mit Behörden, Medien und Universitäten, bei denen sie über die Bedeutung der bilateralen Beziehungen sowie die Erhaltung von Frieden und Stabilität spricht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kirgistan als chinesischer Transitkorridor und Investitionsmarkt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Generell verdienen die Beziehungen zwischen Kirgistan und China besondere Aufmerksamkeit. Obwohl Bischkek für Peking kein bedeutender Energiepartner in der Region ist, spielt es eine wichtige Rolle als Transitkorridor und sogar als Testgebiet für die Erprobung neuer Technologien und Ansätze der chinesischen Diplomatie. Der chinesische Einfluss auf die Sicherheit in Kirgistan sowie in der gesamten zentralasiatischen Region wird ebenfalls immer deutlicher. So gibt es beispielsweise Präzedenzfälle, in denen private chinesische Militärfirmen Investitionsobjekte in Kirgistan bewachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt haben Regierung sowie politische Elite in Kirgistan großes Interesse an der Zusammenarbeit. Auch die breite Masse sieht darin wirtschaftliche Vorteile, etwa im Handel. Allerdings ist China auch der größte Gläubiger Kirgistans mit insgesamt 2 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden (von insgesamt 5 Milliarden). Aufgrund dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit sind gute Beziehungen zu China gerade für Kirgistan von besonders großer Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kirgistans-eliten-brauchen-keine-eisenbahn-nach-china-von-der-neuen-allianz-der-zentralasiatischen-staaten/">„Kirgistans Eliten brauchen keine Eisenbahn nach China“: Von der neuen „Allianz“ der zentralasiatischen Staaten</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von den Auslandsschulden wird auch über den Bau einer Eisenbahnstrecke von China über Kirgistan nach Usbekistan diskutiert. Die chinesische Seite achtet stets darauf, die Sicherheit in der zentralasiatischen Region zu gewährleisten sowie die Sicherheit ihrer dort tätigen chinesischen Unternehmen zu garantieren. Zwar wird China von den Menschen in Zentralasien oft kritisiert, doch wächst sein Einfluss stetig, obwohl mit Russland noch ein anderer zentraler politischer Akteur besteht.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ziel der regionalen Stabilität</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die chinesische Politik in Zentralasien war bis vor kurzem nicht auf einen Rückzug ausgerichtet. Im Gegenteil, Peking war an regionaler Stabilität interessiert. Dieser Ansatz hat jedoch auch seine Grenzen und Chinas politische Führung zeigte sich skeptisch gegenüber Initiativen für eine engere Zusammenarbeit ausschließlich zwischen den fünf zentralasiatischen Staaten. Daher begann China unmittelbar nach der <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/c5-eine-formel-um-zentralasien-wieder-auf-die-weltkarte-zu-bringen/">Intensivierung der regionalen Integration im Jahr 2018</a> das C+C5-Format (China und zentralasiatische Staaten) zu fördern. Auf diese Weise war China in der Lage, mit den Ländern der Region ohne Russland zu interagieren, also nicht im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">SOZ</a>). Dabei war und ist die Plattform der SOZ im Allgemeinen darauf ausgerichtet, den Dialog in der Region zu gewährleisten und dadurch den Frieden unter den Mitgliedstaaten zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands/">China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem fand der erste Auslandsbesuch von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a>, dem Vorsitzenden der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Chinas">Kommunistischen Partei Chinas</a>, nach der langen Pandemie in den zentralasiatischen Ländern statt. Zuerst besuchte er Kasachstan, dann den SOZ-Gipfel in Samarkand, und im Rahmen dieser Besuche kam es zu bilateralen Treffen mit allen zentralasiatischen Präsidenten. Dies zeigt, dass Zentralasien bereits eine Priorität in der chinesischen Außenpolitik ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sicherheitspolitik und Eigeninteressen Chinas in der Region</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch all diese Faktoren hat sich Chinas Rolle und Bedeutung in Zentralasien im Bereich der Sicherheit verändert. In der Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie ist eine vollständige Ablösung Russlands zwar immer noch schwer vorstellbar. Gleichzeitig ist es offensichtlich, dass Russlands Monopolstellung im Sicherheitsbereich allmählich abnimmt, was in Tadschikistan deutlich sichtbar ist, wo die Behörden im militärischen Bereich zunehmend mit China zusammenarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren hat China den zentralasiatischen Partnern immer öfter militärische Ausrüstung und militärisches Gerät zur Verfügung gestellt. Zwar ist es noch zu früh, um zu sagen, dass diese Zusammenarbeit Russland im Sicherheitsbereich ersetzen kann, aber die Rolle Chinas wird immer wichtiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/china-baut-seine-stellung-in-tadschikistan-aus/">China baut seine Stellung in Tadschikistan aus</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Vorgehen ist natürlich nicht nur selbstlos: China unterstützt etwa Projekte zur Installation von Überwachungskameras und -ausrüstung oder führt militärische Schulungen durch. Diese (fiktiven) Szenarien beinhalteten oft den Kampf und die Gefangennahme terroristischer Gruppen, die beispielsweise von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Xinjiang</a> eindringen könnten. Die chinesische Seite betont dabei, dass die Sicherheitsaufgabe gerade der Kampf gegen Separatismus und Terrorismus und jener gegen Separatist:innen aus Xinjiang dabei zentral sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 2022 wurde anlässlich einer <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2022/08/un-human-rights-office-issues-assessment-human-rights-concerns-xinjiang">UN-Resolution</a> eine unabhängige Untersuchung zum Thema Uigur:innen durchgeführt und recherchiert, ob in Xinjiang ethnische Minderheiten unterdrückt werden. Während Kasachstan und Kirgistan sich grundsätzlich neutral zur aktuellen Lage in Xinjiang aussprachen, änderte sich dies nach dem Besuch Xi Jinpings: Die beiden Staaten stimmten nun gegen die UN-Resolution, also für die chinesische Seite. All diese Faktoren zeigen, wie China in der Region, aber auch auf globaler Ebene agiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mechanismen zur Imageverbesserung und vermehrtem kulturellem Einfluss</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">China versucht aktiv, sein Image in Zentralasien zu verbessern. Dies geschieht etwa über Fernsehsender wie Dolan TV oder das Magazin Kontimost, die in der Region als private Medienunternehmen tätig sind. Das heißt, sie sind hier registriert, haben jedoch direkte Verbindungen zur Propagandaabteilung der Volksrepublik China und werden auch von der chinesischen Regierung unterstützt. Mit dem New Silk Road Observatory besteht auch ein chinesisches Medienunternehmen, das auf Russisch sendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese lokale Medienpräsenz Chinas verstärkt ein günstiges Image. Es wird sehr viel Wert auf ein positives Chinabild für das zentralasiatische Publikum gelegt. Die chinesischen Botschaften sind ebenfalls sehr aktiv darin, lokalen Medien Informationen zur Verfügung zu stellen. Diese Zusammenarbeit führt dazu, dass China die Art und Weise, wie Informationen zum Land verbreitet werden, in großem Maße selbst steuern kann. Da es sich bei Botschaften um eine direkte Vertretung der chinesischen Seite handelt, wird oft betont, dass nur sie zuverlässige Informationen liefern können und andere Quellen, insbesondere ausländische Medien, dazu nicht in der Lage seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/panorama/china-in-zentralasien-factchecking-um-mit-mythen-aufzuraeumen/">China in Zentralasien – Factchecking, um mit Mythen aufzuräumen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">China vergab und vergibt nach wie vor viele Stipendien für Studierende und sogar für Medienschaffende mit dem Ziel, dass diese positiv über China berichten und gute Propaganda für den großen Nachbarn im Osten verbreiten. Im Zeitalter der sozialen Medien funktioniert dies noch viel rascher, so dass die Sichtbarkeit bereits stärker ist als noch vor 10 Jahren. Schließlich sind jene, die bereits in China studiert haben, ein wichtiger Faktor. Die mitgebrachten Erfahrungen können das China-Bild ebenfalls positiv (aber auch negativ) beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits seit vielen Jahren bestehen in den Staaten Zentralasiens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius-Institut">Konfuzius-Institute</a> und andere chinesische Kultur- und Sprachzentren. Sie haben sich jedoch nie zu bedeutenden Zentren entwickelt, gleichzeitig verliert die chinesische Bildung immer mehr an Attraktivität. Die Bildungsmöglichkeiten in China sind allesamt unpolitisch und werden überhaupt stark staatlich kontrolliert. Viele Studierende bevorzugen andere Möglichkeiten – und diese sehen sie eher in westlichen Ländern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zukünftige Beziehungen mit China</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sollen die zentralasiatischen Staaten mit diesen Tatsachen umgehen und wo liegen Probleme? Zunächst gibt es in den zentralasiatischen Staaten zu wenige Analyst:innen, die der Präsidialverwaltung oder anderen Behörden Analysen und Ratschläge geben könnten. Das führt dazu, dass viele Vereinbarungen und Initiativen das Ergebnis von bilateralen Treffen mit der chinesischen Seite sind.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Russland erlässt China seinen zentralasiatischen Schuldnern nie irgendwelche Schulden. Zudem herrscht die Meinung vor, dass China der größte Investor in Zentralasien ist, aber kaum jemand berücksichtigt die Unterstützung durch die Europäische Union oder die USA. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Projekte zur sozialen Entwicklung. Das sind demnach keine wirtschaftlichen Investitionen, sondern sie wirken sich direkt auf die lokale Bevölkerung aus. Dass wir China viel zu verdanken haben, ist also nicht die ganze Wahrheit. Vielmehr sollte daran gearbeitet werden, alternative Beziehungen aufzubauen. Das heißt, je mehr Verbindungen und vielseitige Zusammenarbeit mit anderen Ländern bestehen, desto geringer wird die Abhängigkeit von einem oder zwei Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich ging in den letzten Jahren eine stärkere Integration Zentralasiens vonstatten – der Krieg in der Ukraine hat diese Prozesse noch beschleunigt. Eine solche zentralasiatische Integration könnte die Abhängigkeit nicht nur von China, sondern auch von Russland erheblich verringern und würde zur Stärkung der einzelnen Länder in der Region beitragen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>CAA Network</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.caa-network.org/archives/24686/kak-kitaj-uvelichivaet-kulturnoe-vliyanie-v-czentralnoj-azii">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häflige</strong>r</p>


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		<title>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Archäologie Turkmenistans</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2023 19:37:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor der Ankunft turkmenischer St&#xE4;mme erlebte das Gebiet zwischen dem heute fast ausgetrockneten Aralsee und dem Kaspischen Meer bereits verschiedene nomadische und sesshafte Bev&#xF6;lkerungsgruppen, mehrere Gro&#xDF;reiche und unz&#xE4;hlige Einfl&#xFC;sse verschiedener Hochkulturen. Auf den Spuren von Choresmien, Hyrkanien, Margiana und Parthien finden sich zahlreiche arch&#xE4;ologisch relevante Funde auf dem Territorium des heutigen Turkmenistans. Die Region um [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor der Ankunft turkmenischer Stämme erlebte das Gebiet zwischen dem heute fast ausgetrockneten Aralsee und dem Kaspischen Meer bereits verschiedene nomadische und sesshafte Bevölkerungsgruppen, mehrere Großreiche und unzählige Einflüsse verschiedener Hochkulturen. Auf den Spuren von Choresmien, Hyrkanien, Margiana und Parthien finden sich zahlreiche archäologisch relevante Funde auf dem Territorium des heutigen Turkmenistans. </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Region um die Wüste <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakum">Karakum</a> war zu verschiedenen Zeiten Teil unterschiedlicher Reiche der antiken und mittelalterlichen Welt, die ihre Unabhängigkeit gewannen und verloren. Tatsächlich handelte es sich dabei um kleine Oasen, umgeben von scheinbar endlosen Wüsten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Spuren haben sie innerhalb der Grenzen des heutigen Turkmenistans hinterlassen? Obwohl es davon viele gibt, sind sie außerhalb eines engen Kreises von Spezialist:innen wenig bekannt. Nur drei archäologische Parks erlangten eine gewisse Bekanntheit und wurden in die Liste des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe">UNESCO-Welterbes</a> aufgenommen. Einige archäologische Perlen stellen wir euch hier vor. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Merw: Antike Oasenstadt mit politischer Gegenwart</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der in der Antike noch viel wasserreichere <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murgab_(Karakum)">Murgap</a>, der vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hindukusch">Hindukusch</a> Richtung Karakum fließt, ließ in seinem Flussdelta seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Oasen entstehen. Zu verschiedenen Zeiten wurden diese unterschiedlich benannt, besaßen aber stets denselben Wortstamm: Mowru/Margush im Altpersischen, <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Margiana">Margiana</a> im Altgriechischen, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Merw">Merw</a> im Arabischen und Mary im Turkmenischen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Zentrum dieser kleinen Reiche war vermutlich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gonur_Depe">Gonur Depe</a> (dt. „Grauer Hügel“), unabdingbar für die archäologische Geschichte Zentralasiens. Nicht weit davon entfernt befindet sich heute eine der größten Städte Turkmenistans, nach dem alten Reich ebenfalls <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_(Turkmenistan)">Mary</a> genannt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/vier-zentralasiatische-kulturpraktiken-neuerdings-immaterielles-kulturerbe-der-unesco/">Vier zentralasiatische Kulturpraktiken ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Gonur Depe handelt es sich um die größte von über dreihundert identifizierten bronzezeitlichen Stätten im alten Murgap-Delta. Auf den Reichtum der Oasenstadt weisen die gefundenen kostbaren Grabbeigaben hin, welche etwa aus Stein, Metall, Elfenbein und Ton gefertigt waren. Im Laufe der Zeit wurde die Oase unter anderem von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Parther">Parthern</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich">Sassaniden</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seldschuken#:~:text=Die%20Seldschuken%20waren%20ein%20Zweig,des%20oghusischen%20Stammes%20der%20K%C4%B1n%C4%B1k.">Seldschuken</a> beherrscht und stellte stets ein wichtiges kulturelles, wissenschaftliches und Handels-Zentrum dar. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Flusstal, in dem es vor viertausend Jahren von städtischem Leben wimmelte, ist heute eine Wüste. Die von Archäolog:innen entdeckten antiken Siedlungen werden langsam vom Sand verschluckt oder von der örtlichen Landwirtschaft mit schweren Maschinen eingeebnet, um neue Bewässerungssysteme zu bauen. Diese Vergehen gegen archäologisch wertvolle Zeugnisse bleiben unbestraft. So verschwindet Geschichte von unschätzbarem Wert oft bevor sie überhaupt in die Wissenschaft eingegangen ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/samarkand-wie-die-nekropole-shohizinda-durch-restaurierung-zerstoert-wird/">Samarkand: Wie die Nekropole Shohizinda durch „Restaurierung“ zerstört wird </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Hintergrund der spärlichen schriftlichen Überlieferung wird die Bewahrung des antiken Erbes in Turkmenistan zu einem Problem nationalen Ausmaßes. Das antike Merw, das 1988 zu einem „historischen und kulturellen Naturschutzgebiet“ erklärt wurde und seit 1999 auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht, ist ein Beispiel dafür, wie Denkmalschutzverbände versuchen, sich der Gier der Unternehmenden und der Gleichgültigkeit lokaler Behörden zu stellen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt durch internationale Organisationen und ausländische Forschungszentren führen turkmenische Fachleute Projekte zur Erforschung und Erhaltung ausgewählter antiker Bauwerke durch und arbeiten systematisch am öffentlichen Schutz derselben. Dies hat nichts gemein mit den aufdringlichen Kampagnen der späten Sowjetjahre, wie zum Beispiel die Feierlichkeiten zum 2500-jährigen Bestehen von Merw, einem rein fiktiven Jahrestag, der später verschoben und nie abgehalten wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese willkürlichen Auslegungen von Geschichte sind besonders charakteristisch für nationalistische Ideologien und entbehren jeder ernsthaften wissenschaftlichen Grundlage. Weder Archäologinnen noch Altorientalisten wagen eine genaue Aussage darüber, wann Merw entstanden ist. Hinweisen zufolge bestanden bronzezeitliche Siedlungen um das 7. Jahrhundert v. Chr., doch sollten sich diese erst im Laufe der Zeit zu einem wichtigen politischen Zentrum entwickeln. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Parther-Festungen von Nisa</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Nisa, das vor etwa 2200 Jahren als königliches Heiligtum des Parther-Reiches entstand, liegt heute am westlichen Stadtrand von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/A%C5%9Fgabat">Aschgabat</a>. Die Anlage besteht aus zwei beeindruckenden Festungen, Alt- und Neu-Nisa, erbaut auf den steilen Felsen des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kopet-Dag">Köpetdag</a>. In Nisa herrschten verschiedene Bevölkerungsgruppen und Religionen vor, viele Gebäude weisen etwa auf zoroastrische Kulthandlungen hin. Das Leben von Nisa war jedoch nicht auf den Einfluss des Zoroastrismus und die Parther-Zeit beschränkt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 651 wurden die Festungen Teil des arabischen Kalifats und Nisa war von da an eng mit der Gründung und Verbreitung des Islam verbunden. Nach einer zweiten Blütezeit wurde die Stadt, wie auch andere Metropolen Zentralasiens, von den Truppen Dschingis Khans belagert und zerstört. </p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Heute wird man beim Blick von den hohen Festungsmauern von Alt-Nisa allein durch die fernen Hochhäuser Aschgabats in die Gegenwart zurückgeholt. Die beiden Festungen von Nisa sind als historische Denkmäler wie auch „Kulturlandschaften“ in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurden. Die natürliche und historische Umgebung der Denkmalzone zu erhalten, ist angesichts der Nähe zu den Wohngebieten und landwirtschaftlich bebauten Flächen kein einfaches Unterfangen.
</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Köneürgenç</strong><strong>: Die Stadt des Meisterhandwerks</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"> Ganz im Norden des heutigen Turkmenistans befindet sich die geschichtsträchtigen Ruinen von Gurgandsch, heute im Turkmenischen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ne%C3%BCrgen%C3%A7">Köneürgenç</a> genannt. Nach einer ereignisvollen Geschichte zwang die Wasserknappheit die Bevölkerung im 17. Jahrhundert, die Stadt zu verlassen und sich etwas weiter östlich niederzulassen. Dadurch entstand das heutige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Urganch">Urganch</a> in Usbekistan. Wie bei vielen antiken Städten kann die Chronologie von Köneürgenç nur anhand archäologischer Funde rekonstruiert werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während über das antike und frühmittelalterliche Gurgandsch kaum etwas bekannt ist, konnte die muslimische Periode ab dem 8. Jahrhundert dank schriftlicher Zeugnisse in arabischer und persischer Sprache weitgehend aufgearbeitet werden. Die Stadt gewann an politischem Einfluss und wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts zur Hauptstadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Choresmien">Choresmiens</a> erklärt. Allerdings blieb auch Gurgandsch nicht von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolensturm">mongolischen Invasion</a> verschont und verlor danach an Bedeutung. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/archaeologen-finden-fuenf-neue-unterirdische-moscheen-in-kasachstan/">Archäologen finden fünf neue unterirdische Moscheen in Kasachstan </a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt durchlief mehrere Zyklen des Wohlstands, des Niedergangs und der Zerstörung, geprägt von verschiedenen wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeiten. Demzufolge finden sich in Köneürgenç die Überreste des höchsten Minaretts in Zentralasien sowie vier Mausoleen von großem archäologischem Wert. Nicht ohne Grund ist die Ruinenstadt seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes: Die Überreste von Köneürgenç zeugen von einer beeindruckenden Vielfalt an Techniken islamischer Architektur in Zentralasien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die für die damalige Bauwerkskunst typischen mit blau-weißen Fliesen verzierten Gebäude werden ergänzt durch Mauern aus rohen und gebrannten Ziegeln, Kuppelbauten und floralen Ornamenten. Die eigentümliche Bauwerkskunst ist nicht nur typisch für Köneürgenç. Bauherren orientierten sich noch Jahrzehnte später an dieser Architektur, weshalb viele berühmte Monumente in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samarqand">Samarkand</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shahrisabz</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isfahan">Isfahan</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herat">Herat</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xiva">Xiva</a> im ähnlichen Stil gehalten sind. Gewisse architektonische Elemente finden sich gar in der Wolga-Region, im Kaukasus, in der Türkei oder in Indien. Sehr nah am architektonischen Stil von Köneürgenç ist die Stadt Dehistan im Südwesten Turkmenistans mit ihren monumentalen Ruinen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dehistan als künftiges Weltkulturerbe?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">
Die weite Misrian-Hochebene, heute ein Wüstengebiet zwischen Kaspischem Meer und den westlichen Ausläufern des Köpetdag, war von der Antike bis zum 13. Jahrhundert eine üppige, bevölkerungsreiche Oase mit vielen befestigten Städten und Dörfern inmitten von Weizenfeldern. Deren Spuren im Gelände sind noch heute auf Google Earth erkennbar. Die Bevölkerung dieser Region, von Griechen und Parthern <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hyrkanien">Hyrkanien</a> und von den Persern <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dehistan">Dehistan</a> („Land der Dörfer“) genannt, legte bereits damals ein ausgedehntes Bewässerungssystem an. Solange dieses funktionierte, florierte die Landwirtschaft.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph"> Das Zentrum Dehistans war die gleichnamige Stadt, auch Mashad-e-Misrian oder einfach Misrian genannt. Dazu gehörte ein ausgedehntes Vorstadtgebiet mit Handwerksvierteln, Gärten, Marktplätze und Moscheen. Wasserversorgungs- und Abwassersysteme, öffentliche Bäder und Ziegelsteinpflaster weisen auf den hohen Entwicklungsstand der städtischen Kultur hin. Von dieser Architektur sind jedoch bloß einige beeindruckende Ruinen übriggeblieben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Denkmäler von Dehistan stehen noch nicht auf der Liste des Weltkulturerbes; dies ist aber nur eine Frage der Zeit. In Bezug auf ihren architektonischen Wert, ihre historische Einzigartigkeit und ihren guten Zustand erfüllen sie alle grundlegenden Kriterien. Schließlich besitzen sie vielleicht das Wichtigste: die Authentizität, die die Ruinen nicht in künstliche, die Antike zu imitieren versuchende Kulissen verwandeln. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Ruslan Muradov für Central Asian Analytical Network</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://www.caa-network.org/archives/24475/mezhdu-aralom-i-kaspiem-ob-istorii-i-arheologii-turkmenistana">Russischen</a> (gekürzt) von Michèle Häfliger</strong> </p>



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		<title>Wie Tadschikistan zu Chinas Interessenszone wird</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Oct 2021 08:11:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tadschikistan entwickelt sich zum deutlichsten Indikator f&#xFC;r die immer wichtigere Rolle Chinas in Zentralasien. Der kleinste Staat der Region ist mit seinen 9 Millionen Einwohnern eines der ersten zentralasiatischen L&#xE4;nder, das die Folgen der starken Abh&#xE4;ngigkeit von China zu sp&#xFC;ren bekommt. China ist f&#xFC;r Tadschikistan heute ein bedeutender Handelspartner, eine der wichtigsten Partner f&#xFC;r Investitionen [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tadschikistan entwickelt sich zum deutlichsten Indikator für die immer wichtigere Rolle Chinas in Zentralasien. Der kleinste Staat der Region ist mit seinen 9 Millionen Einwohnern eines der ersten zentralasiatischen Länder, das die Folgen der starken Abhängigkeit von China zu spüren bekommt. China ist für Tadschikistan heute ein bedeutender Handelspartner, eine der wichtigsten Partner für Investitionen und Anleihen und au</strong><strong>с</strong><strong>h der größte Exporteur von Gütern. Der folgende Artikel erschien am 31. Januar 2021 auf </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/21363?fbclid=IwAR0Cr8R5izOt1xY0TdWcFu5BioIXbUfAexJHHpj5rA3LJOWdD5afyW_GhFo"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong>

Ausgehend von seiner privilegierten Stellung scheint China in Tadschikistan freie Hand zu haben. Mittlerweile übt Peking mit völlig neuen Mitteln Einfluss auf die zentralasiatische Republik aus. Nachdem Tadschikistan mit der Begleichung seiner Schulden in Verzug geraten war, war die Regierung gezwungen, die Rechte an Land und einigen Lagerstätten von Bodenschätzen an Peking abzutreten. Was könnte die immer größer werdende Abhängigkeit Duschanbes vom Nachbarn im Osten in Zukunft bedeuten? Und wie sehen die Perspektiven für die chinesisch-tadschikischen Beziehungen aus?

<strong>Partner ohne Alternative?</strong>

Mit jedem Tag wird es deutlicher zu spüren: Die Republik Tadschikistan verwandelt sich in ein Land, das sich in seiner Außenpolitik eher an China orientiert, als an Russland oder anderen Großmächten. Hinsichtlich der Zusammenarbeit Tadschikistans mit China zeichnen sich jedoch gefährliche Perspektiven ab, bedenkt man, dass alle anderen außenpolitischen Kooperationen Duschanbes mittlerweile eingeschränkt sind.

Der Iran, der einst Tadschikistans wichtigster Partner war, hat keine strategischen Interessen mehr an der Republik. Ein Vorfall in Zusammenhang mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans</a> (IPTW), führte dazu, dass die Beziehungen zwischen den beiden persischsprachigen Ländern erkaltet sind (Der tadschikische Oppositionsführer Muhiddin Kabiri wurde 2015 zum Missfallen Tadschikistans im Iran offiziell empfangen, Anm. d. R.). Mit Europa und mit westlichen Staaten im Allgemeinen pflegt Duschanbe nur eingeschränkte Beziehungen. Der Westen hat kein großes Interesse an der kleinen Republik, wo es nur wenige Investitionsmöglichkeiten gibt und darüber hinaus seit mehr als zwei Jahrzehnten ein autoritärer Herrscher und dessen Familienmitglieder die Macht in der Hand haben.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Der Beitritt Duschanbes zur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU)</a>, der bereits vor 5-6 Jahren geplant war, fand im Endeffekt nicht statt. So blieb Tadschikistan im Gegensatz zu seinen Nachbarländern Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan, die sich alle auf die eine oder andere Weise in der EAWU einbringen, im Prozess der eurasischen Integration außen vor. Möglicherweise war es der Druck Pekings, der Tadschikistans Beitritt zur EAWU blockierte.

Tadschikistans Regierung hatte einst die intensive regionale Kooperation in Zentralasien unterstützt und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalij_Rahmon">Emomali Rahmon</a> hatte keines der beiden Treffen der Staatschefs der Region versäumt. Doch auch dieser Prozess blieb im Sande stecken, als bei den Eliten der zentralasiatischen Staaten offenbar die höchste Ebene an Regionalismus erreicht worden war. Und auch Verbindungen zu den arabischen Monarchien, aus denen es vor einigen Jahren noch Impulse gab, waren auf einige Projektstarts im Energiesektor beschränkt.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wenig-konkretes-viele-symbole-das-gipfeltreffen-der-zentralasiatischen-staatschefs-in-taschkent/"><strong>Wenig Konkretes, viele Symbole: Das Gipfeltreffen der zentralasiatischen Staatschefs in Taschkent </strong></a>

Die strategische Partnerschaft mit China wird hingegen erweitert und schließt bereits auch den Bereich der Sicherheit mit ein. Tadschikistan nimmt als erstes Land der Region an der chinesischen Initiative zu Sicherheitsfragen in der Region teil. Teil dieser Strategie, die China, Pakistan, Tadschikistan und Afghanistan miteinschließt, sind regelmäßige Treffen, bei denen die Sekretäre der jeweiligen Sicherheitsräte dieser Staaten zusammenkommen, sowie die gemeinsame Koordinierung von Sicherheitsfragen. Dieser 2016 eingeführte Mechanismus hat sich bereits als effektives Werkzeug erwiesen.

Die Orientierung an China zeigt sich bereits anhand außenpolitischer Entscheidungen Duschanbes. Bei den Vereinten Nationen wird China bei Abstimmungen in letzter Zeit konsequent von Tadschikistan unterstützt.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Hohe Auslandsverschuldung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Chinas einzigartige Rolle für Tadschikistan ergibt sich in erster Linie aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit Duschanbes von Peking. China ist der wichtigste Geldgeber für die tadschikische Wirtschaft. Tadschikistan schuldet China über 1,2 Milliarden Dollar, wobei dem tadschikischen Finanzministerium zufolge die gesamte Auslandsverschuldung (Stand Oktober 2020) <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20210104/tadzhikistan-prosit-strani-kreditori-o-vremennoi-priostanovke-viplati-dolgov">etwa 3,2 Milliarden Dollar beträgt</a>. Der Anteil an Tadschikistans Auslandsverschuldung der China zusteht, beläuft sich also auf etwa 40 Prozent.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-china-den-zentralasiatischen-laendern-riesige-kredite-gewaehrt-ein-expertengespraech-mit-temur-umarov/"><strong>Warum China den zentralasiatischen Ländern riesige Kredite gewährt – ein Expertengespräch mit Temur Umarov </strong></a>

Schon jetzt fällt es Tadschikistan immer schwerer, seine Schulden abzubezahlen. Zu Jahresbeginn hat die tadschikische Regierung bereits bei internationalen Finanzstrukturen um Verlängerung der Rückzahlungsfrist angesucht. Laut <a href="https://www.worldbank.org/en/country/tajikistan/publication/economic-update-fall-2020">Angaben der Weltbank</a> ist China bisher der einzige Gläubiger, der Tadschikistan eine Aussetzung der Rückzahlungen bis Mitte 2021 genehmigt hat. Diese Gnadenfrist kommt Duschanbe im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen. Jüngsten <a href="https://eadaily.com/ru/news/2019/12/17/kitay-postepenno-vytesnyaet-rossiyu-s-tadzhikskogo-pamira">Angaben</a> zufolge wird bereits etwa 80 Prozent der Goldförderung in Tadschikistan von chinesischen Firmen durchgeführt.

Trotz der ohnehin beeindruckend hohen Kredite „hilft“ Peking dem zentralasiatischen Staat weiterhin. So kam 2020 aus China mehr humanitäre Hilfe für Tadschikistan als aus anderen Staaten. Auf China entfallen demnach <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20210118/bolee-treti-gumpomotshi-tadzhikistan-v-2020-godu-poluchal-ot-kitaya">40 Prozent</a> der Entwicklungshilfe in dem Land.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Proteste bleiben aus</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Im Unterschied zu den anderen beiden zentralasiatischen Staaten, die an China grenzen, sind in Tadschikistan Ereignisse wie anti-chinesische Protestaktionen eine große Seltenheit. Themen, die in Kasachstan und Kirgistan derzeit das <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistan-und-das-reich-der-mitte-antichinesische-versammlungen-und-ihre-folgen/">anti-chinesische Klima</a> fördern, wie Rechte und Freiheiten von Minderheiten in Xinjiang, werden in Tadschikistan praktisch gänzlich ignoriert. In Tadschikistan werden China und die chinesischen Unternehmen generell als zahlungskräftigen Arbeitgeber angesehen. Allerdings kommt es des Öfteren zu <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20210118/bolee-treti-gumpomotshi-tadzhikistan-v-2020-godu-poluchal-ot-kitaya">Protestaktionen</a> von in Tadschikistan arbeitenden Chinesen, die bessere Arbeitsbedingungen fordern.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/kooperiert-tadschikistan-mit-china-bei-der-verfolgung-von-uiguren/"><strong>Kooperiert Tadschikistan mit China bei der Verfolgung von Uiguren?</strong></a>

Was die Regierung in Duschanbe betrifft, so zeigt sie sich China gegenüber bedingungslos loyal. Einigen Angaben zufolge war und ist die tadschikische Regierung maßgeblich daran beteiligt, Mitglieder verschiedener uigurischer Organisationen auf afghanischem Territorium ausfindig zu machen und nach China auszuliefern. Außerdem ist <a href="https://www.telegraph.co.uk/news/2020/07/26/turkey-sending-muslim-uighurs-back-china-without-breaking-promise/">bekannt</a>, dass Tadschikistan sein Hoheitsgebiet für die Auslieferung uigurischer Aktivisten aus der Türkei nach China zur Verfügung stellt.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Chinesischer Vorposten</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
In den Medien tauchen immer wieder Meldungen über die engen militärischen Verbindungen zwischen Duschanbe und Peking und über chinesische Militäranlagen auf tadschikischem Territorium auf.

Tadschikistan streitet die Existenz von chinesischen Militärbasen ab. Gänzlich zu verneinen, dass für eine militärische Zusammenarbeit mit China gewisse physische <a href="https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/in-central-asias-forbidding-highlands-a-quiet-newcomer-chinese-troops/2019/02/18/78d4a8d0-1e62-11e9-a759-2b8541bbbe20_story.html">Infrastrukturen</a> im Land vorhanden sind, ist für die tadschikischen Regierung jedoch schwierig. Bereits 2016 unterzeichneten die beiden Regierungen ein Abkommen zur Modernisierung von sicherheitstechnischen Infrastrukturen im Grenzgebiet der beiden Staaten. Darin befinden sich <a href="https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/in-central-asias-forbidding-highlands-a-quiet-newcomer-chinese-troops/2019/02/18/78d4a8d0-1e62-11e9-a759-2b8541bbbe20_story.html">Pläne</a> zur Errichtung von „Vorposten unterschiedlicher Größe“ und ein Ausbildungszentrum für Grenzsoldaten.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/geheime-chinesische-militaerbasis-in-tadschikistan-entdeckt/"><strong>Geheime chinesische Militärbasis in Tadschikistan entdeckt </strong></a>

Die Wahrscheinlichkeit (oder bereits die Tatsache) der Errichtung einer chinesischen Militärbasis in Tadschikistan wirkt auf externe Beobachter beunruhigender als auf die tadschikische Regierung selbst. Im jüngsten Bericht des Pentagon zur militärischen Stärke Chinas befindet sich Tadschikistan auf der Liste der zwölf Staaten, in denen die chinesische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volksbefreiungsarmee">Volksbefreiungsarmee (VBA)</a> eine Militärbasis errichten könnte. Reaktionen der russischen Regierung und der Expertengemeinschaft auf die <a href="https://www.caa-network.org/archives/19621">wachsende militärische Rolle Chinas</a> in Tadschikistan bleiben jedoch so gut wie völlig aus.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Tadschikistan: Eine chinesische Interessenszone?</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Auf chinesischen Internetseiten erscheinen immer häufiger provokative und tendenziöse Artikel, in denen von Ansprüchen Chinas auf Territorien in den zentralasiatischen Republiken die Rede ist. Ein solcher Artikel <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/das-territorium-kasachstans-an-china-zurueckgeben-blogbeitrag-loest-diplomatische-verstimmung-aus/">erschien</a> 2020 in Bezug auf Kasachstan. Einzige Zeit später machte ein Artikel Furore, in dem von Ansprüchen die Rede ist, die China angeblich auf tadschikisches Territorium erheben soll. Dieser Artikel wurde einige Zeit später von den Internetseiten entfernt, ebenso wie im Fall Kasachstans. Der tadschikische Vizeaußenministes <a href="https://www.asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/politics/20200724/dushanbe-prizval-pekin-ne-dopuskat-publikatsiyu-provokatsionnih-materialov-o-tadzhiksko-kitaiskoi-granitse">traf sich in dieser Angelegenheit</a> dem chinesischen Botschafter in Duschanbe.

Das Thema territorialer Ansprüche Chinas wird allem Anschein nach noch nicht so bald von der Tagesordnung verschwinden. <a href="https://jamestown.org/program/beijing-implies-tajikistans-pamir-region-should-be-returned-to-china/">Analytikern</a> zufolge zeugen die ständigen Provokationen Chinas möglicherweise davon, dass Peking auf diesem Wege vorsichtig vorfühlt, ob die jeweiligen Eliten und die Gesellschaft bereit sind, sich gegen China aufzulehnen. Am häufigsten kommen von China erhobene Ansprüche auf die Autonome Provinz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Berg-Badachschan</a> im Osten Tadschikistans zur Sprache. In den <a href="http://eadaily.com:8080/ru/news/2019/12/17/kitay-postepenno-vytesnyaet-rossiyu-s-tadzhikskogo-pamira">Medien</a> ist im Übrigen von einer wahrscheinliche Eröffnung eines chinesischen Konsulats in der Pamir-Region die Rede, und zwar in ebenjener autonomen Provinz Berg-Badachschan.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/chinas-geopolitik-im-pamir/"><strong>Chinas Geopolitik im Pamir </strong></a>

Letztendlich ist nicht ausgeschlossen, dass China Ansprüche auf Teile des tadschikischen Territoriums erheben könnte. Teilweise wird diese Vermutung bereits bestätigt. Im Januar dieses Jahres tauchten in den chinesischen Medien erneut <a href="https://rus.ozodi.org/a/31047904.html">Artikel</a> auf, in denen von Gebietsansprüchen Chinas die Rede ist, die sich mittlerweile bereits auf das gesamte Territorium des heutigen Tadschikistan beziehen. Hierzu zählt etwa die Behauptung, Tadschikistan sei „immer ein Teil von China gewesen“ in einem Artikel mit dem Titel „Wo der Ursprung Tadschikistans mit seinen 9,28 Millionen Einwohnern liegt“, der am 3. Januar im Informationsportal „Die Blume – historische Reflexionen“ erschien.

In Gesprächen über derartige Vorfälle sind die Führungsspitzen anderer zentralasiatischer Republiken unterdessen mit der immer härteren und aggressiveren Position Chinas konfrontiert – eine eindeutige Folge der wachsenden wirtschaftlichen, politischen und militärischen Bedeutung Chinas in der Region. Allem Anschein nach ist Tadschikistan das Land, in dem sich der Einfluss Chinas am stärksten bemerkbar macht.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Mangelnde China-Forschung</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
Ungeachtet dessen, dass China für alle Republiken der Region schon lange der Partner Nummer Eins ist, mangelt es in allen fünf Staaten Zentralasiens an ausführlicher Forschungstätigkeit in Bezug auf den Nachbarn im Osten.

In Kasachstan und Usbekistan gab es früher einige Traditionen und Schulen der Chinaforschung, die sich während der Sowjetzeit als erfolgreich erwiesen hatten. Diese Traditionen sind jedoch praktisch zur Gänze verloren gegangen und heute werden Forschungen zum Thema China nur noch <a href="https://www.caa-network.org/archives/19261">gelegentlich</a> durchgeführt. In Tadschikistan liegen die Dinge diesbezüglich am schlechtesten, da es dort so gut wie gar keine Chinaforschung gibt. Experten zufolge steckt diese in Tadschikistan noch in den Kinderschuhen: Die <a href="https://cabar.asia/en/when-will-tajikistan-start-to-explore-china">Hauptprobleme</a> seien zurzeit das Fehlen von (allem voran jungem) qualifiziertem Personal und der Mangel an Mitteln und Ressourcen. Noch schlimmer sei, dass es in Tadschikistan vereinzelt Spezialisten gibt, der Staat jedoch kein Interesse an ihrer Arbeit hat, vor allem, wenn es sich um transparente und objektive Forschungstätigkeit handelt. Folglich kooperiere Tadschikistan (bzw. alle Länder der Region) praktisch blindlings mit China, ohne auch nur annähernd komplexe Forschungen oder analytische Expertisen durchzuführen, wenn es um gemeinsame Entscheidungen oder Projekte geht.

<strong>Lest auch auf Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-unter-genauer-beobachtung-chinas-rezension-des-gelben-buches-ueber-zentralasien-2020/"><strong>Zentralasien unter genauer Beobachtung Chinas: Rezension des „Gelben Buches über Zentralasien 2020“ </strong></a>

Es wirkt paradox, doch in China setzt man sich relativ intensiv mit Tadschikistan auseinander. In den chinesischen Medien und in Analysen auf Onlineportalen liest man wenig über die Chinas Strategie in Tadschikistan. Das liegt daran, dass die Interessen Pekings in diesem kleinen Staat der Region sich nur auf einige Bereiche beschränken. Und die strategischen Projekte in den Sparten Energiewirtschaft und Sicherheit werden geheim gehalten. Nichtsdestotrotz gibt es einige chinesische Hochschulen, an denen Studenten Tadschikisch lernen und Thinktanks in Peking und Shanghai, die politisch-wirtschaftliche Prozesse in Tadschikistan systematisch erforschen.
</p>



<h5 class="wp-block-heading"><strong>Schlussfolgerungen</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">
In der Geschichte der Staaten Zentralasiens gab es Zeiten, in denen größere Staaten auf wirtschaftlicher, politischer, militärischer und kultureller Ebene in der Region dominierten.&nbsp; Als die 70 Jahre der Zugehörigkeit zur Sowjetunion zu Ende waren, wurden die fünf Republiken der Region zu unabhängigen Staaten und begannen von neuem, auf nationaler Ebene ihre eigene Identität zu finden und zu entwickeln. In den drei Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, ist der Einfluss der russischen Sprachen in der Region stark bestehen geblieben, wenn auch von Land zu Land in unterschiedlicher Intensität. Die Entwicklung der einzelnen zentralasiatischen Republiken als eigene (National-)Staaten wirkt der Dominanz der russischen Sprache und dem Einfluss Moskaus rasant entgegen, vor allem in Bezug auf die Wirtschaft und in den letzten Jahren auch im Kultursektor.&nbsp; Das Vakuum, dass sich in diesem Zusammenhang auftut, wird oft nicht nur von regionaler Seite gefüllt.

</p>


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<p class="wp-block-paragraph">

Vor diesem Hintergrund baut China seine Instrumente des Einflusses in Tadschikistan weiter aus, wobei es sich nicht nur um ökonomische Hebel handelt. Auch der wachsende kulturelle Einfluss Chinas und die immer stärker werdende Position der prochinesischen Lobby unter den tadschikischen Eliten sind charakteristisch für diese Entwicklung. Schon jetzt gilt es als angesehener, die chinesische Sprache zu beherrschen, als Russisch oder sogar Englisch zu sprechen. Das erklärt, warum an Tadschikistans Privatschulen und Universitäten der Chinesisch-Unterricht boomt. All das lässt darauf schließen, dass Tadschikistan die Erste der fünf zentralasiatischen Republiken geworden ist, für die China faktisch ein alternativloser Partner ist.
</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem </strong><a href="https://www.caa-network.org/archives/21363?fbclid=IwAR0Cr8R5izOt1xY0TdWcFu5BioIXbUfAexJHHpj5rA3LJOWdD5afyW_GhFo"><strong>Russischen</strong></a><strong> von Raphaela Wiltsche</strong>
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		<title>Vier Jahre in Freiheit? &#8211; Insider-Interview zur Lage der Medien in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[caanetwork]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jan 2021 14:37:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
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		<category><![CDATA[Shavkat Mirziyoyev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit dem Amtsantritt von Pr&#xE4;sident Mirziyoyev genie&#xDF;en Medien in Usbekistan mehr Freiheiten. Wie sich der Journalismus im Land seitdem entwickelt, erkl&#xE4;rt der Journalist Nikita Makarenko.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem Amtsantritt von Präsident Mirziyoyev genießen Medien in Usbekistan mehr Freiheiten. Wie sich die Branche im Land seitdem entwickelt, erklärt der Journalist Nikita Makarenko. Das Interview mit ihm erschien am 10. Juni 2020 im <a href="https://caa-network.org/archives/19930">russischsprachigen Original bei CAAN</a> (Central Asian Analytical Network). Wir übersetzen es mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medienlandschaft in Usbekistan, dem mit rund 33 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens, ist ein spannendes Forschungsobjekt. Mit dem Amtsantritt des Präsidenten <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans/">Shavkat Mirziyoyev</a> vor vier Jahren erhielten Medien, die zuvor noch im alten Modus offiziöser und strenger Zensur konserviert waren, die Möglichkeit einer kritischen Berichterstattung und qualitativer Entwicklung. Wie sich der usbekische Journalismus seitdem entwickelt, erläutert im CAAN-Interview <a href="https://makarenko.uz/en">Nikita Makarenko</a>, Korrespondent bei „<a href="https://uzreport.news/live">UzReport TV</a>“ und Autor des Telegram-Kanals „<a href="https://ttttt.me/makarenko_channel">Effekt Makarenko</a>“.</p>


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<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN:<em> Wie würden Sie die heutige Medienlandschaft in Usbekistan beschreiben? Welche Medien bestimmen den Markt, was lesen die meisten Menschen im Land: staatliche Medien, private Medien oder Blogs?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nikita Makarenko: <em>Usbekistans Medienmarkt ist ein durchaus lebendiger „Basar“, auf dem immer mehr auch ernstzunehmende Werbebudgets auftauchen. Unter dem früheren Präsidenten Karimov stellten die Medien einen sterilen Raum dar, ähnlich der glatten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Barsakelmes">Salzwiesen der Halbinsel Barsakelmes</a>.&nbsp;</em><a href=""></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dort konnte man nur überleben, wenn man sich an der Oberfläche „ausbreitete“. Jedem, der es riskierte, seinen Kopf zu heben, der verlor ihn auch bald. Der Beruf des Journalisten war nicht sehr angesehen und schlecht bezahlt. In den letzten drei Jahren aber hat sich die Situation langsam, aber sicher um 180 Grad gewendet. Die alten Medien sind aufgestiegen und aktiv geworden. Businessmenschen sehen das Potential des Marktes, eröffnen Fernsehkanäle und Online-Portale. Der Medienmarkt riecht nach Geld. Er ist keine Salzwiese mehr. Das ist ein enger, lauter und streitsüchtiger kleiner Basar.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Fachkräftemangel bremst Fortschritt aus</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eines der größten Probleme heute aber sind die Fachkräfte. Wie man sich schon vorstellen kann, hat sich in den letzten Jahren niemand der Aufgabe angenommen, Journalisten auszubilden. Sie konnten nirgendwo Erfahrungen sammeln, sich an niemandem ein Beispiel nehmen. Und die Talentiertesten gingen weg. Die Entwicklung des Marktes wird heute stark durch den Fachkräftemangel ausgebremst. Mit Beginn des akademischen Jahres 2020/21 werden an mehreren einheimischen Hochschulen wieder Fakultäten für Journalismus eröffnet. Vielleicht hilft das, die Lücken aufzufüllen. Ich würde auch selbst gerne unterrichten, aber bisher hat mir noch keine der usbekischen Hochschulen einen Lehrstuhl angeboten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Seriöse Studien zum Medienkonsum in Usbekistan sind, so weit ich mich erinnern kann, noch nicht durchgeführt worden. Zuletzt hat Internews aber die <a href="https://internews.org/resource/information-flows-and-radicalization-leading-violent-extremism-central-asia">Ergebnisse einer interessanten Umfrage</a> veröffentlicht: Dabei kam heraus, dass in Usbekistan die überwältigende Mehrheit in allen Altersklassen das Fernsehen präferiert. Das Internet ist nur halb oder gar ein Drittel so beliebt. Nur 57,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sie überhaupt das Internet nutzten. Und dennoch ist das Aufblühen der usbekischen Presse unter Präsident Mirziyoyev eng mit Online-Medien verbunden &#8211; und zwar nur mit Online-Medien. Hier starteten die ersten mutigen Publikationen und Recherchen. Hier wehte plötzlich ein „Wind der Freiheit“. Hier brodelt und kocht es weiter. Das Fernsehen bleibt ein recht steriles Format, das sowohl staatlicher Zensur als auch der Selbstzensur unterliegt. Nur ein-zwei Sender erlauben es sich, bis zu einem bestimmten Grad Themen zu bearbeiten, an deren Schärfe sich das Online-Publikum schon gewöhnt hat.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zeitungsverkaeufer-in-taschkent-ein-blick-auf-die-andere-seite-des-kioskfensters/">Zeitungsverkäufer in Taschkent: Ein Blick auf die andere Seite des Kioskfensters</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Blogs und die Blüte ihrer Popularität sind eine weitere Charakteristik des zeitgenössischen Usbekistans. Sie verfügen über einen großen Vertrauensvorschuss unter den Lesenden, weil sie heikle Themen wie Korruption, Kriminalität und Willkür teilweise überhaupt zum ersten Mal öffentlich aufgreifen. Oft erscheinen Informationen bei ihnen schon früher als bei registrierten Online-Medien. Denn Letzter müssen lange die „Zeiger überprüfen“ mit ihrer inneren Selbstzensur. Einige drängende Themen kommen so nie in den offiziellen Medien vor, also bleibt nur die Blog-Sphäre. Andererseits aber neigen Bloggende dazu, ungeprüfte und widersprüchliche Informationen zu verbreiten und so ihr Publikum zu manipulieren. Auftragspublikationen und politische Hetze sind nicht selten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Der Präsident Mirziyoyev hat die Medien dazu aufgerufen, kritischer zu sein. Wie sieht Kritik aufseiten der wichtigsten Medien aus, an wen richtet sie sich und zu welchen Themen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Die Online-Medien berichten kritisch über ein sehr breites Spektrum von Themen, was man aber von ihren KollegInnen beim Fernsehen, Radio und der Presse nicht sagen kann. Ruhig und schmerzfrei verläuft für die AutorInnen Kritik an Beamten bis zum Rang der Minister &#8211; also auch bei Leitern der Oblaste, Bürgermeistern, Abgeordneten und Senatoren. Kritik an höherrangigen Politikern trifft man seltener an. Diese Bereiche sind noch immer mit einem bestimmten Niveau von Selbstzensur belegt. Ansonsten aber gibt es kaum Einschränkungen. </em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Abriss, Registrierung und Meinungsfreiheit bestimmten vor Covid-19 die kritischen Medien</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Je nach ihren Möglichkeiten und ihrem Mut kritisieren die Medien Unternehmer, kommunale Betriebe, die Innen- und Außenpolitik. Am häufigsten geraten die Köpfe der Oblaste und die Bürgermeister (Khokim) ins Visier der Medien. Vor der Pandemie dominierten die kritischen Medien Probleme mit rechtswidrigem Wohnungs- und Hausabriss, mit mangelnder Infrastruktur, der Meinungsfreiheit und Selbstverwirklichung, das Meldeystem, die Handlungen der Sicherheitskräfte und viele mehr.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Wie Sie bereits erwähnten, sind Blogs und Telegram-Kanäle besonders populär in Usbekistan. Können Sie uns eine kurze Charakteristik liefern?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Das usbekische Telegram ist sicherlich eine am weitesten entwickelte Gemeinschaft der Welt in diesem Messenger. Es ist einzigartig: Diese Gemeinschaft wartet noch auf einen Forscher, der seine Dissertation darüber verfasst. Laut den Daten von App Annie liegt Usbekistan auf dem weltweit zweiten Platz nach der User-Anzahl. Hier ist eine unvergleichliche Atmosphäre entstanden. In einem Messenger werden freche Blogger und Trollfabriken, die die staatlichen Strukturen unterstützen, lebendig, außerdem Patrioten und Extremisten sowie Sicherheitsorgane und Drogendealer. Das ist ein wilder Saloon, wo jeder Unterhaltung nach seiner Façon finden kann. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/man-macht-uns-mal-wieder-mundtot-ueber-covid-19-und-pressefreiheit-in-tadschikistan/">„Man macht uns mal wieder mundtot“ – Über Covid-19 und Pressefreiheit in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Usbekische Blogger und populäre Kanäle &#8211; das ist Usbekistans Telegram. Sie formen es, für ihre Inhalte folgen die Menschen ihnen in dem Messenger. Hier wird über absolut alles geschrieben. Hier kann man sich witzige lokale Videos ansehen oder einen intellektuellen Kanal über städtische Architektur finden. Man kann nicht behaupten, dass sie usbekische Blogger und Kanäle tiefgehend mit Fakten-Check beschäftigen würden. In der Regel werden auf Telegram unzählige Fakes und Gerüchte verbreitet. Besonders populär ist das Genre gefälschter Dokumente und Screenshots. Viele dieser Dinge werden bewusst erstellt, mit ganz konkreten Zielen. Ich kann nicht sagen, dass das Publikum gut darauf vorbereitet wäre, selbstständig solche Informationen zu überprüfen. Darum sind Fake-Kampagnen oft erfolgreich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Wie steht es um usbekischsprachige Medien? Wie unterscheiden sie sich von russischsprachigen hinsichtlich der Themen und ihres Schlüsselpublikums? </em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Medien in usbekischer Sprache sind zweifellos viel beliebter und finden ein tausendmal größeres Publikum als russischsprachige Medien. Aber diese zwei Medientypen dublieren einander nicht, sondern leben in einer sonderbaren Symbiose. Beide sind gefragt beim Publikum und bei Anzeigenkunden. Man kann nicht sagen, dass russischsprachige Medien deutlich weniger verdienen würden, obwohl sie ein kleineres Publikum haben. Dazu kommt es nicht, weil beide Zielgruppen für die Anzeigenkunden gleichwertig sind &#8211; unabhängig von den unterschiedlichen Zahlen. Die russische Sprache ist am weitesten verbreitet in der wirtschaftlich aktivsten Region Usbekistans &#8211; in Taschkent. Das ist auch der Grund für das Interesse der Anzeigenkunden am russischsprachigen Publikum.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Usbekischsprachige Medien berichten aus den Regionen über Religion und Identität</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Charakteristisch für usbekischsprachige Medien ist die Menge an willkürlich übersetzten internationalen Nachrichten aus ausländischen Medien. Diese Schlagzeilen füllen den Großteil der Tagesagenda, lassen aber noch etwas Platz für örtliche Nachrichten. In den russischsprachigen Medien Usbekistans gibt es praktisch keine internationalen Nachrichten. Hier dominieren lokale Themen etwa im Verhältnis 90 Prozent zu 10 Prozent. Das kommt daher, dass es russischsprachigen Leser nicht an Quellen internationaler Nachrichten mangelt.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/kirgistans-kulturminister-liebaeugelt-nach-skandalshow-mit-zensur/">Kirgistans Kulturminister liebäugelt nach Skandalshow mit Zensur</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In den örtlichen Berichten gibt es einen kleinen Unterschied im Dreh. Russischsprachige Medien berichten nur schwach über das Leben in den Regionen, auch weil es ihnen dort an Publikum und Korrespondenten fehlt. Die konzentrieren sich hauptsächlich auf Taschkent. Meinem Eindruck nach finden sich hier öfter kritische Berichte zu Themen wie Umweltschutz, Meinungsfreiheit, Rechte von Frauen und Behinderten und Schutz der Menschenrechte. In Medien in usbekischer Sprache kommen öfter religiöse Themen vor, Fragen der nationalen Identität, Sprache und Geschichte. In den russischsprachigen Medien sind solche Stücke sehr selten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Welches Mediensegment wächst derzeit am stärksten und warum? Gibt es einen Zuwachs an Business- oder Wirtschaftsformaten? Wie abhängig sind diese von Werbekunden oder anderen Finanzierungsquellen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>In den letzten drei Jahren habe ich ein rasantes Wachstum in der Entwicklung von Online-Medien gesehen. Dieses setzt sich fort. Aber die Spezialisierung von Medien ist in Usbekistan extrem unterentwickelt. Praktisch schreiben alle Online-Medien über alles. Man kann nicht sagen, dass sich ein bestimmtes Segment entwickelte. Es gibt einige interessante Projekte in den Wirtschaftsmedien, aber sie sind noch weit von echter Popularität entfernt. Selbst die Markteinführung des Magazins „Forbes Uzbekistan“ ist kein aufsehenerregendes Ereignis bisher. Die älteste Wirtschaftszeitung Kommersant.uz wurde sogar während der Pandemie geschlossen.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Werbung ist die einzige Chance</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Private Medien sind völlig abhängig von Werbekunden. 100 Prozent der privaten Online-Medien, die Angestellte beschäftigen und regelmäßig fünf bis zehn Geschichten pro Tag veröffentlichen, sind von Werbekunden abhängig. Sie haben keine anderen Finanzierungsquellen &#8211; mit Ausnahme von Medien, die zu Holdings oder Unternehmen gehören und von den gemeinsamen Einnahmen leben. Staatliche Zuschüsse sind so gut wie nicht vorhanden, und der Staat ist immer noch zurückhaltend gegenüber ausländischen Zuschüssen. Deshalb ist Werbung in Usbekistan heute die einzige und sichere Chance zum Überleben.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Was fehlt Ihrer Meinung nach den Medien in Usbekistan (Print und Online, ausgenommen das Fernsehen)? Wie sehr ist das hiesige Publikum weiter auf externe (ausländische) Publikationen angewiesen?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Meiner Meinung nach können sich die usbekischen Medien immer noch nicht vollständig von den Fesseln der Selbstzensur befreien. Ich verstehe, dass dies nicht einfach ist. Vielleicht sogar gefährlich. Aber die Barrieren halten sich und nicht alle Themen können zur Sprache gebracht werden. Ein Beispiel ist: Als ich ein Medium verließ, in dem ich drei Jahre lang gearbeitet hatte, wurde meine Arbeit nicht veröffentlicht. Ich musste es in einem anderen Medium veröffentlichen. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/zentralasien-2030-die-zukunft-der-printmedien-in-usbekistan/">Zentralasien 2030: Die Zukunft der Printmedien in Usbekistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Außerdem herrscht in den usbekischen Medien akuter Personalmangel. Aus diesem Grund können die Medien nicht wachsen und sich entwickeln. Ich denke, dass sich das Publikum in Usbekistan voll und ganz auf lokale Publikationen verlässt, wenn es um lokale Informationen geht. Das russischsprachige Publikum konsumiert nach wie vor internationale Informationen aus ausländischen Publikationen, und hier ist ein Wettbewerb einfach unmöglich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CAAN: <em>Welche Perspektiven sehen Sie für neue, unabhängige Medien? Oder werden die Medien weiterhin vom Staat kontrolliert?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Es entstehen ständig neue Medien mit unterschiedlichem Grad an Unabhängigkeit, hier gibt es keine Hindernisse. Die Anmeldung von Medien erfolgt innerhalb weniger Tage. Die Registrierung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung dauert 15 Minuten. Es gibt keine Barrieren. Eine andere Frage ist, wie man überleben kann? Nicht alle schaffen es, denn der Markt ist schon sehr überladen mit Medien.</em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Die</strong> <strong>Zukunft gehört Reportagen, Analysen und langen Formate</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich erwarte die Entstehung von Medien, die nicht nachrichtenorientiert sind, sondern sich auf Reportagen, Analysen und qualitativ hochwertige Langformen konzentrieren. Und gleichzeitig kommerziell erfolgreich und beliebt sein werden. Noch sind zwar am Horizont noch keine risikofreudigen Geschäftsleute zu sehen, die in ein solch schwieriges und bezüglich des Gewinns riskantes Projekt zu investieren. Es mangelt auch noch an coolen Videoinhalten, Youtube entwickelt sich sehr langsam. Hier warte ich auch auf ähnliche Projekte wie das, was <a href="https://www.youtube.com/channel/UC1eFXmJNkjITxPFWTy6RsWg">Pivovarov oder Parfenov</a> heute machen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href=""></a><strong>CAAN: <em>Gibt es in Usbekistan große Medien-Konglomerate, die vom Staat oder von einzelnen Gruppen der Elite finanziert werden?</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">N.M.: <em>Das größte Medien-Konglomerat des Landes ist die National Television and Radio Company, die eine Vielzahl von populären Fernseh- und Radiokanälen betreibt. Es wird vom Staat kontrolliert. Von den privaten Konglomeraten können wir UzReport erwähnen, dem die Fernsehkanäle UzReport TV, UzReport World, Futbol TV, die beliebte Website UzReport News und andere Ressourcen gehören. Versuche, eigene Konglomerate zu schaffen, werden manchmal von einzelnen Unternehmern und Politikern unternommen, jedoch nicht immer erfolgreich. </em></p>


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<p class="wp-block-paragraph"><em>Insbesondere das ehrgeizige und mit großen Geldern ausgestattete Portal Togri.uz, das Beobachter oft mit dem Taschkenter Bürgermeister Jahongir Artykhojaev und seinem Geschäftsimperium Akfa-Artel in Verbindung brachten, wurde nach nicht einmal einem Monat Betrieb im September 2019 geschlossen. Zuvor ereilte 2018 das ebenso ambitionierte Projekt Turon 24 ein ähnliches Schicksal. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Insgesamt gehören die populärsten russisch- und usbekischsprachigen Medien Usbekistans verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Eigentümern. Das ist eine sehr gute Situation, denn sie lässt viel mehr Raum für Kritik und unterschiedliche Sichtweisen. Aber es ist klar, dass strategisch denkende Geschäftsleute und Politiker irgendwann damit beginnen werden, die weit vertreuten Ressourcen unter ihre Kontrolle zu bringen. In Usbekistan wurden bislang aber keine solchen Prozesse beobachtet.</em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong><a href="https://caa-network.org/archives/19930?fbclid=IwAR0Z5R7HiJeYvDYIJ8L1-mgaWxyssKdskZIk4GtsnzVEa_yAFZIB_bLraeU">Central Asian Analytical Network</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse</strong></p>


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		<title>„C5 + …“: eine Formel, um Zentralasien wieder auf die Weltkarte zu bringen</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2021 19:52:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Kontrast zur&#xA0;bisher nur formalen Zusammenarbeit der zentralasiatischen L&#xE4;nder (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan) seit ihrer Unabh&#xE4;ngigkeit w&#xFC;rde eine gegenseitige Interessenvertretung nicht nur die Partnerschaft mit der EU st&#xE4;rken, sondern auch mit anderen L&#xE4;ndern. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel von Yuri Sarukhanian f&#xFC;r das&#xA0;Central Asian Analytical Network&#xA0;(CAA Network) mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Vor knapp [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Kontrast zur&nbsp;bisher nur formalen Zusammenarbeit der zentralasiatischen Länder (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan) seit ihrer Unabhängigkeit würde eine gegenseitige Interessenvertretung nicht nur die Partnerschaft mit der EU stärken, sondern auch mit anderen Ländern. Wir übersetzen den <a href="https://caa-network.org/archives/20255">Artikel</a> von Yuri Sarukhanian für das&nbsp;<a href="https://caa-network.org/">Central Asian Analytical Network</a>&nbsp;(CAA Network) mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor knapp drei Jahren, im März 2018, fand die erste Beratungskonferenz der zentralasiatischen Staatschefs in Astana (heute <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nur-Sultan">Nur-Sultan</a>) statt. Nach einer langen Zeit stagnierender Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Staaten setzten sie die regionale Zusammenarbeit wieder auf die Tagesordnung. Der regionale Dialog zwischen den Staaten wurde jedoch noch nicht in die Tat umgesetzt. In den letzten zwei Jahren, seit dem ersten Treffen der Staatschefs, haben die Länder der Region noch immer nicht gelernt, als C5 (fünf zentralasiatische Länder) zu agieren, und haben stattdessen den bilateralen Beziehungen den Vorzug gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Integration zum Schein</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Unabhängigkeit der zentralasiatischen Länder war ihre Integration lange Zeit nur formal, und der Prozess der Entstehung eines gemeinsamen Marktes, einer Zollunion und einer gemeinsamen Währung nur deklaratorisch. Die wachsende Rivalität um die regionale Führung, die egozentrische Interpretation der gemeinsamen Geschichte zur Bildung einer nationalen Identität &nbsp;sowie die Wahl unterschiedlicher Reformmodelle anstelle einer Synchronisierung dieser Prozesse entfremdeten die Staaten voneinander und drängten die regionale Agenda in den Hintergrund. Der Integrationsprozess selbst wurde unter der Losung &#8222;Turkestan ist unser gemeinsames Haus&#8220; durchgeführt, die sich nicht auf die in der Region entstandene Grenzkonfiguration bezog, sondern auf den Zeitraum der national-territorialen Grenzziehung des frühen 20. Jahrhunderts.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/die-eu-und-zentralasien-wollen-ihre-zusammenarbeit-vertiefen/">Die EU und Zentralasien wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wachsende Aufmerksamkeit auf die Region seitens externer Akteure, die Zentralasien lediglich durch die Brille außenpolitischer Interessen betrachteten, trug zu der enttäuschenden Integrationsdynamik bei. Für Russland war die Region ein Teil des sogenannten „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nahes_Ausland">Nahen Auslands</a>“/ bzw. „postsowjetischen Raums“, in dem es darum bemüht war, seinen Einfluss wiederherzustellen.. Die USA haben lange Zeit die Konzepte eines „Großen Zentralasiens“, zu dem auch Afghanistan gehörte, sowie &#8222;Süd- und Zentralasien&#8220; vertreten. China hingegen zog es vor, bilaterale Beziehungen aufzubauen, und zeigte wenig Interesse an der Entwicklung eines regionalen Ansatzes. In Ermangelung einer regionalen Struktur, die die C5 vereint hätte, entstand in diesem geografischen Raum ein Mosaik verschiedener Integrations- und Dialogplattformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auf der Suche nach dem verlorenen Regionalismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Usbekistan#Pr%C3%A4sidentschaft_von_Shavkat_Mirziyoyev_ab_2016">Machtwechsel in Usbekistan im Jahr 2016</a> trug zur Wiederherstellung von Regionalismus bei. Der neue Staatschef beschloss, die Beziehungen zu den Nachbarländern auf den Prüfstand zu stellen. Es ist kein Zufall, dass <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Mirziyoyev </a>im ersten Jahr seiner Präsidentschaft Turkmenistan, Kasachstan und Kirgistan besuchte. Außerdem schlug Taschkent vor, das regionale Dialogformat wiederaufzunehmen.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wiederherstellung des Vertrauens in die Region stand also auf der Tagesordnung, und die Staatschefs sprachen über das ungenutzte Potenzial der Zusammenarbeit und die Bereitschaft, problematische Aspekte ihrer Beziehungen zu lösen. Außerdem kam es immer öfter auch zu bilateralen Treffen zwischen Präsidenten sowie zwischen Ministern und Vertretern der Ämter. Besonders interessant waren die Gespräche hinter den Kulissen während internationaler Gipfeltreffen. Die Fotos des arabisch-muslimischen Gipfels 2017 in Riad, auf dem Mirziyoyev und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nazarbaev </a>bei einem Gespräch auf einem Sofa zu sehen sind, wurden für eine Zeit lang fast zum Symbol einer neuen Ära der Zusammenarbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wiederherstellung bilateraler Beziehungen zeigte sich auch daran, dass die jeweils beteiligten Länder begannen, in Grenzfragen kooperativer zu sein. Insbesondere bei der Demarkation der usbekisch-kirgisischen und usbekisch-tadschikischen Grenze waren deutliche Fortschritte zu erkennen. Die zentralasiatischen Republiken sprachen sogar über bisher tabuisierte Fragen und beschäftigten sich auch mit der Frage der gemeinsamen Nutzung natürlicher Ressourcen. So hat Taschkent seine ablehnende Haltung zum Bau von Wasserkraftwerken in Kirgistan und Tadschikistan geändert und eine mögliche Beteiligung an diesen Projekten signalisiert. Darüber hinaus diskutierten die Länder über die Möglichkeit der Bildung gemeinsamer Energie-, Transport- und Logistikinfrastrukturen. Auch die Handelsbeziehungen reagierten auf die Wiederherstellung regionaler Beziehungen. Der Handelsumsatz zwischen den Ländern der Region betrug im Jahr 2018 12,2 Milliarden US-Dollar, was einem jährlichen Wachstum von 35 Prozent entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bisher wichtigste Ereignis war das bereits erwähnte Treffen der zentralasiatischen Staatschefs im März 2018 in Kasachstan und die Entscheidung, solche Beratungskonferenzen jährlich durchzuführen. Die Besonderheit des Treffens lag insbesondere darin, dass nur zentralasiatische Staaten und keine Teilnehmer von außen daran mitwirkten. Darüber hinaus versicherten die Staats- und Regierungschefs, dass es zu keiner Wiederholung einer bloß platonischen Integration komme. Es sollten allerdings keine supranationalen Institutionen geschaffen werden, sondern ein Konsultationsformat eingerichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/terrorismus-aus-zentralasien-experte-rat-zu-mehr-zusammenarbeit-in-der-region/">Terrorismus aus Zentralasien: Experte rät zu mehr Zusammenarbeit in der Region </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von den USA bereits 2015 initiierte „C5+1-Dialogplattform“ und die 2019 beschlossene <a href="https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2019/06/17/central-asia-council-adopts-a-new-eu-strategy-for-the-region/#:~:text=Der%20Schwerpunkt%20der%20neuen%20Strategie,und%20regionaler%20Zusammenarbeit%20in%20Zentralasien.&amp;text=Diese%20Abkommen%20werden%20ein%20Eckpfeiler%20der%20Zusammenarbeit%20der%20EU%20mit%20Zentralasien%20bleiben.">neue EU-Strategie für Zentralasien</a> fügen sich nahtlos in den Prozess der Wiederaufnahme der Regionalisierung ein. Washington und Brüssel erhielten eine zusätzliche Möglichkeit, ihre eigene Regionalpolitik durch den Aufbau einer Zusammenarbeit mit der gesamten Region zu stärken; auch die fast vergessene Dialogplattform &#8222;Zentralasien + Japan&#8220; wurde wieder aufgenommen. Daneben zeigten Indien und China ihr Interesse an einem solchen Format. Das erste Treffen der Dialogplattform „Indien-Zentralasien“ fand im April 2019 in Samarkand statt. Und am 16. Juli 2020 fand das erste Treffen der &#8222;China-Zentralasien&#8220;-Außenminister per Videokonferenz statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zentrifugalkräfte der Region</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch bereits kurze Zeit nach den ersten freudigen Manifestationen der guten Nachbarschaft standen die Länder der Region vor ersten Herausforderungen. Die Region nach einem Jahrzehnt der Zersplitterung wieder als geopolitische Einheit zu etablieren, erwies sich nicht als eine einfache Aufgabe. Insbesondere der Umstand, dass es bisher wenig Handel zwischen den zentralasiatischen Staaten gab, beeinträchtigt die Zusammenarbeit der C5. Sie ähneln einer Gruppe von Fußballspielern, die erst seit kurzem für dieselbe Mannschaft spielen und Probleme haben, auf dem Spielfeld zu interagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die C5 ist es immer noch bequemer, in einem bilateralen Format zu kommunizieren. Dieses Format ist für alle Länder wegen seines charakteristischen, vertikal personalisierten Systems der Staatsführung vorzuziehen, bei dem das Dialogformat auf persönliche Beziehungen zwischen den Staatsoberhäuptern ausgerichtet ist. Doch die Geschichte hat bereits gezeigt, dass dies keine stabile Grundlage für die regionale Zusammenarbeit in Zentralasien darstellt.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">Die große Bedeutung der bilateralen Beziehungen übt daher weiterhin Druck auf die regionale Zusammenarbeit aus. Die politischen Eliten halten es für normal, die regionale Agenda aufgrund von Streitigkeiten auf bilateraler Ebene zu vernachlässigen. So sagte der Präsident Turkmenistans das erste Treffen der Staatschefs in Astana wegen eines Konflikts mit seinem kasachischen Amtskollegen ab. Das zweite Treffen, das für März 2019 in Taschkent geplant war, wurde mehrmals auf unbestimmte Zeit verschoben. Gründe dafür waren unter anderem die Eskalation an der kirgisisch-tadschikischen Grenze und der Transitkonflikt zwischen Turkmenistan und Tadschikistan. Interessanterweise konnten sich die fünf Staatschefs bisher auch deshalb nicht treffen, weil der kasachische Präsident Tokajew das Treffen in Taschkent verpasste. Er wurde von seinem Vorgänger Nasarbajew vertreten, der jedoch keine rechtliche Befugnis hatte, Dokumente zu unterzeichnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sich um Usbekistan und die<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion"> EAEU (Eurasische Wirtschaftsunion) </a>entfaltende Epos ist ebenfalls eine ernsthafte Herausforderung. Formal sollte der mögliche Beitritt Taschkents zu dieser Struktur dem Dialogprozess in Zentralasien nicht widersprechen. Was hier geschieht, erinnert jedoch sehr an Moskaus Vorgehen im Jahr 2005 und seinen Versuch, die regionale Agenda Zentralasiens durch seine eigene eurasische zu ersetzen. Ein vollwertiger Beitritt Usbekistans zur EAEU würde die Region in den makroregionalen politischen Prozess einbinden und den zentralasiatischen Vektor wieder in den Hintergrund drängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Probleme dieser Art reduzieren das Wesen der regionalen Zusammenarbeit auf Absichtserklärungen ohne jeglichen konkreten Inhalt. Es gibt zur Zeit weder regelmäßige Gespräche in der Region noch einen klaren mittelfristigen Plan. Bei aller Freundlichkeit offizieller Rhetorik sind die politischen Eliten daher weit davon entfernt, sich als Vertreter einer Region zu verstehen. Es ist immer noch schwierig für sie, gemeinsam zu handeln. Ungelöste Fragen in den bilateralen Beziehungen führen immer wieder zu Eskalationen und behindern auch die Gespräche auf regionaler Ebene. Infolgedessen kommt der Wiederherstellungsprozess der Identität der Region nur schleppend voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/neue-ansaetze-in-russlands-zentralasienpolitik/">Neue Ansätze in Russlands Zentralasienpolitik</a></strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass der regionalen Agenda kaum Bedeutung zukommt, wird durch einen anderen Umstand anschaulich demonstriert. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) haben die Staaten der Region zahlreiche bilaterale Gespräche durchgeführt und an Online-Treffen verschiedener makroregionaler Plattformen (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten">GUS</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkischer_Rat">Türkischer Rat</a>) teilgenommen. Sie haben jedoch nie ein Treffen der C5 organisiert, um gemeinsame Handlungen zur Bekämpfung der Epidemie und zur Überwindung ihrer Folgen zu besprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>C5-zentriertes Modell der Zusammenarbeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Effektivität eines wiedereingeführten regionalen Dialogs hängt von der Lösung der oben genannten Probleme ab. Je mehr die politischen Eliten der zentralasiatischen Staaten Beziehungen zu Drittstaaten im C5-Format aufbauen, je mehr Kontakte auf der Ebene der Gesellschaften der Länder in der Region geknüpft werden, desto realistischer ist der Erfolg des 2017 eingeleiteten Prozesses. Genau wie im Fußballsport wird es den Ländern der Region helfen, sich den Ball gegenseitig zuzuspielen und so gegenseitiges Verständnis aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang spielen Plattformen, die sich ausschließlich an Zentralasien richten oder in der Region selbst entstanden sind, eine immer wichtige Rolle. Daher sollte das &#8222;C5- &#8220; oder &#8222;C5+&#8230;&#8220; -Format zu einem Modell der Zusammenarbeit innerhalb der zentralasiatischen Länder, aber auch mit der Außenwelt gesehen werden. Regelmäßige Gespräche im Rahmen solcher Formate ermöglichen es den politischen Eliten, die nationale um eine regionale Ebene zu ergänzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sollte man sich vor der Versuchung einer Institutionalisierung hüten, die in allen Ländern der Region gerne praktiziert wird, und vermeiden, weitere fiktive Integrationsmechanismen zu schaffen, die bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt sind. Daher sollte das Hauptaugenmerk auf die Konsultationsplattformen (auf der Ebene der Staatsoberhäupter, der Öffentlichkeit usw.) gelegt werden. Die Wirksamkeit solcher Plattformen wird die Rolle der bilateralen Beziehungen im Prozess der regionalen Zusammenarbeit verringern. Außerdem können sie perspektivisch selbst zu einem Ort der Lösung der akutesten Probleme zwischen den Ländern der Region werden. In diesem Fall wird viel von der Agenda abhängen: ob sie substanzieller wird und sich auf die Entwicklung spezifischer langfristiger regionaler Projekte konzentriert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das C5+-Format wird die Zusammenarbeit zwischen den fünf Staaten festigen und eine Möglichkeit bieten, ihre Handlungen auf internationaler Ebene zu synchronisieren. Für externe Akteure signalisiert dieses Modell die Konsolidierung der Region und die Notwendigkeit, Beziehungen zu ihr als einem einzigen geopolitischen Raum aufzubauen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Teilnahme an den Integrationsstrukturen betrifft, so muss sich Zentralasien heute damit abfinden, dass sich einige Länder der Region in einem Zustand tiefer wirtschaftlicher und politisch-militärischer Integration befinden. Dies ist übrigens ein zusätzliches Argument dafür, sich auf Dialogplattformen zu konzentrieren. Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieser Status quo in naher Zukunft ändern wird. Dies sollte jedoch die Entwicklung einer regionalen Agenda nicht behindern. Ein gutes Beispiel dafür sind die Länder der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Visegr%C3%A1d-Gruppe">Visegrád-Gruppe</a> (V4), die nach ihrem Beitritt zur NATO und zur EU weiterhin ihre Handlungen koordinieren, um in multilateralen Formaten eine stärkere Verhandlungsposition zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Renaissance der regionalen Zusammenarbeit ist nur möglich, wenn Zentralasien innerhalb der Grenzen von C5 auf die geopolitische Weltkarte zurückkehrt, und ist davon abhängig, ob die fünf Länder aufhören, sich nur als Konkurrenten im Kampf um Investitionen, Projekte, Verkehrskorridore etc. zu sehen. Wenn diese archaische Herangehensweise durch die Einsicht ersetzt wird, dass ein konsolidierter Ansatz für die regionale Entwicklung effektiver ist und dass nationale Interessen nicht ohne die Berücksichtigung der Interessen der Nachbarländer gesichert werden können, steigen die Chancen erheblich, dass Zentralasien auf die internationale Agenda zurückkehrt.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Yuri Sarukhanian</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Sara Derbishova</strong></p>


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		<title>Chinas Geopolitik im Pamir</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 15:19:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Pekings Einfluss in Tadschikistan hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Der zunehmende Einfluss Chinas auf die Sicherheitspolitik Tadschikistans, insbesondere in der Autonomen Region Berg-Badachschan, k&#xF6;nnte zu mehr bilateralen Sicherheitsprojekten in der gesamten Region Zentralasien f&#xFC;hren. Der folgende Artikel erschien am 7. Mai 2020 auf Central Asian Analytical Network. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pekings Einfluss in Tadschikistan hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Der zunehmende Einfluss Chinas auf die Sicherheitspolitik Tadschikistans, insbesondere in der Autonomen Region Berg-Badachschan, könnte zu mehr bilateralen Sicherheitsprojekten in der gesamten Region Zentralasien führen. Der folgende Artikel erschien am 7. Mai 2020 auf </strong><a href="https://caa-network.org/archives/19738"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a><strong>. Wir übersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pamir_(Gebirge)">Pamir</a>, der heute auf dem Territorium Tadschikistans, Chinas, Afghanistans und Pakistans liegt, hat nicht nur eine wichtige geopolitische Lage, sondern ist auch reich an natürlichen Ressourcen und Mineralien. Im Pamir überschnitten sich schon zur Zeit des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game">Großen Spiels</a> um Zentralasien die geopolitischen Interessen der Weltmächte, die die Kontrolle über das „Dach der Welt“ anstrebten, um ihren Einfluss auf den gesamten eurasischen Kontinent zu auszubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein ungewöhnliches Infrastrukturprojekt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein für den Pamir bedeutendes Ereignis war im April 2020 der Baubeginn am westlichsten Flughafen Chinas in Taschkorgan, dem Verwaltungszentrum des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taxkorgan_(Kaschgar)">Tadschikischen Autonomen Kreises Taschkorgan</a> in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xinjiang">Uigurischen Autonomen Region Xinjiang</a>. Taschkorgan liegt in Pamir auf einer Höhe von 3094 Metern über dem Meeresspiegel, in der Nähe der Grenzen zu Afghanistan, Tadschikistan, Kirgistan und Pakistan. Der Flughafen wird nach seiner Fertigstellung der erste in der Region sein.</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Chinesische ExpertInnen erwarten, dass der Flughafen viele TouristInnen anlocken wird. Das auf dem Pamir-Plateau und einst an der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstra%C3%9Fe">großen Seidenstraße</a> gelegene Taschkorgan (aus dem türkischen &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stätte_der_Steinernen_Stadt">Steinerne Stadt</a>&#8222;) wird hauptsächlich von Pamir-Völkern bewohnt, die in Tadschikistan und China als TadschikInnen klassifiziert werden. Von chinesischer Seite ist die Stadt wegen der natürlichen Schönheit und der einzigartigen tadschikischen Kultur ein begehrtes Ziel von TouristInnen, allerdings war sie bisher wegen des Mangels an Luft- und Eisenbahnverbindungen schwer zu erreichen. Taschkorgan befindet sich jedoch am <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karakorum_Highway">Karakorum Highway</a>, der der alten Seidenstraße von China nach Pakistan folgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Flughafen ist daher ein wichtiges Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/China-Pakistan_Economic_Corridor">Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridors (CPEC)</a> sowie der Initiative <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">One Belt, One Road</a> und wird voraussichtlich die wirtschaftliche Entwicklung von Taschkorgan und Xinjiang insgesamt fördern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="800" height="450" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan.jpg" alt="" class="wp-image-24961" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan.jpg 800w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan-300x169.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Taxkorgan-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>Eine Straße entlang der tadschikischen Grenze im Bezirk Taschkorgan</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesamtinvestitionen in dieses Projekt belaufen sich auf rund 230 Millionen US-Dollar. Der Flughafen soll unter anderem eine 3800 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn und ein 3000 Quadratmeter großes Terminal umfassen sowie 160.000 Passagiere und 400 Tonnen Fracht pro Jahr abfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß den Planungen der chinesischen Behörden wird der Bau in der ersten Hälfte des Jahres 2022 abgeschlossen sein. Allerdings kann es zu Verzögerungen kommen. Die chinesische Baufirma <a href="https://news.cgtn.com/news/2020-04-27/Construction-of-China-s-westernmost-airport-begins-on-the-Pamirs-Q1VgrVrqkE/index.html">teilte mit</a>, dass sie vor vielen Herausforderungen stehe: <em>„Erstens ist es immer noch eine kritische Zeit, in der die Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden muss. Arbeiter aus den Städten im Inneren Chinas können auch von der Höhenkrankheit betroffen sein, da die Durchschnittliche Höhe des Pamirs mehr als 4500 Meter beträgt.“</em> Zhou Yifeng, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Shanghai Road and Bridge Group, sagte jedoch in einem Interview mit <a href="https://news.cgtn.com/news/2020-04-27/Construction-of-China-s-westernmost-airport-begins-on-the-Pamirs-Q1VgrVrqkE/index.html">CGTN</a>: <em>„Ich glaube, dass wir unsere Mission trotz der Herausforderungen, die es gibt, rechtzeitig mit einem hohen Qualitätsniveau erfüllen werden.“</em> Wie Xinhua schreibt, wird es in der Mitte des 14. Fünfjahresplans (2021-2025) in Xinjiang 30 Flughäfen geben, was es der Region ermöglichen würde, eine führende Rolle unter den Provinzen in Bezug auf die Anzahl der Flughäfen einzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/zentralasien-unter-genauer-beobachtung-chinas-rezension-des-gelben-buches-ueber-zentralasien-2020/">Zentralasien unter genauer Beobachtung Chinas: Rezension des „Gelben Buches über Zentralasien 2020“</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein solches Infrastrukturprojekt wird auch einen gewissen Einfluss auf Tadschikistan haben, insbesondere auf das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berg-Badachschan">Autonome Gebiet Berg-Badachschan</a>. Laut dem stellvertretenden Direktor der Zivilluftfahrtbehörde von Xinjiang werde ein neuer Luftkorridor nach Zentral- und Südasien geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tourismus oder Geopolitik?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das touristische Potenzial des Pamir und Berg-Badachschans mit seinen spektakulären Ausblicken auf die unberührte Natur sollte nicht unterschätzt werden. Dennoch kann man Tadschikistan bis heute kaum ein beliebtes Ziel für TouristInnen nennen, insbesondere für ChinesInnen. So besuchten im Jahr 2019 etwa 1,3 Millionen AusländerInnen Tadschikistan. Die drei wichtigsten Herkunftsländer waren aber Usbekistan (850.000 BesucherInnen), Russland (212.000) und Kirgistan (116.000). Chinesische TouristInnen nehmen in Tadschikistan den sechsten Platz ein – ihre Gesamtzahl betrug im Jahr 2019 nur 20.000. Im Vergleich dazu besuchten allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 33.000 chinesische TouristInnen Usbekistan, während in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 etwa 55.000 ChinesInnen nach Kasachstan kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains.jpg" alt="" class="wp-image-24960" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains-300x188.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Pamir-Mountains-768x480.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Ein Radtourist im Pamir</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der unentwickelten Infrastruktur ist die Region Zentralasien noch nicht zu einem Tourismus-Hotspot für chinesische BürgerInnen geworden. Allerdings kann die Entwicklung des Tourismus ein guter Vorwand sein, um Visa-Lockerungen zu fördern und Infrastrukturprojekte zu starten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/der-pamir-ist-im-trend-aber-nur-mit-sondergenehmigung-zu-erreichen/">Der Pamir ist im Trend aber nur mit Sondergenehmigung zu erreichen</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Tadschikistan theoretisch in der Lage sein sollte, den Tourismus in das Land zu entwickeln, wird dies durch viele Faktoren behindert (einschließlich des <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/tadschikistan-vier-rad-touristen-von-bewaffneten-mannern-getotet/">Terroranschlags</a> im Juli 2018, bei dem vier RadtouristInnen getötet wurden). Der Bau eines chinesischen Flughafens im Pamir ist daher eher mit den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen Pekings in der Region und darüber hinaus verbunden. Duschanbe wird zu einem immer engeren Partner Chinas, das in die Wirtschaft und Sicherheit Tadschikistans investiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Chinas &#8218;klebrige&#8216; Macht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftliche oder &#8218;klebrige&#8216; Macht ist keine &#8217;soft power&#8216; im klassischen Sinn. In einem kleinen Staat, in dem die Wirtschaft Probleme hat, Investitionen anzuziehen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist es einfacher und effektiver, Methoden der &#8218;klebrigen&#8216; Macht anzuwenden, indem langfristige Kredite mit relativ niedrigen Zinsen angeboten werden. So wie Bienen auf Honig fliegen, sind die Führer der zentralasiatischen Staaten bereit, blind Vereinbarungen zu Chinas geheimen Konditionen zuzustimmen, wodurch sie wirtschaftlich und politisch am Reich der Mitte &#8218;kleben&#8216;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Weltbank betrug im Jahr 2019 Chinas Anteil an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Tadschikistan 75 Prozent. Nach den neuesten Daten des tadschikischen Finanzministeriums <a href="https://rus.ozodi.org/a/30431950.html">schuldet</a> Duschanbe Peking 1,1 Milliarden US-Dollar &#8211; das entspricht der Hälfte aller Auslandsschulden Tadschikistans. Derzeit <a href="https://asiaplustj.info/en/node/277967">investieren und agieren</a> mehr als 400 chinesische Unternehmen in Tadschikistan, was sie zu den größten Steuerzahlern und wichtigsten Exporteuren macht. In den letzten Jahren wurden von der chinesischen Firma TBEA fünf Stromleitungen gebaut, die es ermöglichten, einzelne Teile des Stromnetzes des Landes zusammenzuführen – ein sehr wichtiger Schritt angesichts des seit Jahren andauernden Energiemangels im Winter. Außerdem baute China in der Hauptstadt das Wärmekraftwerk Duschanbe-2, weswegen Tadschikistan China als Ausgleich die Goldförderstätten „Upper Kumarg“ und „Eastern Duoba“ in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sughd">Provinz Sughd</a> überließ.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="799" height="533" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe.jpg" alt="" class="wp-image-24959" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe.jpg 799w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Palais-presidentiel-Douchanbe-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px" /><figcaption>Der Präsidentenpalast in Duschanbe (Illustration)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Pamir, dessen meiste Edelsteinvorkommen in Berg-Badachschan liegen, hat sich zu einer Ressourcenquelle für Chinas wachsende Wirtschaft entwickelt. Gleichzeitig beträgt die Armutsquote in Berg-Badachschan etwa 40 Prozent, während in anderen Gebieten Tadschikistans diese Quote bei 29-30 Prozent liegt. Die jüngsten Bergbauabkommen Chinas zeichnen sich durch Ambivalenz und Intransparenz aus. Im Juni 2019 wurde zwischen der tadschikischen Regierung und der chinesischen Firma „Kashi Xinyu Dadi Mining Investment Limited“ ein Abkommen über die integrierte Entwicklung dem weltweit viertgrößten Silberfeldes „Jakdschilwa“ im Bezirk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murghob">Murghob</a> geschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens sind die Details dieser Vereinbarung noch nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich, was zu einer Reihe von Gerüchten und Spekulationen führt. Zweitens wird das Projekt für die Dauer von sieben Jahren von dem chinesischen Unternehmen „C.A. MINERALS“ umgesetzt, welches <a href="https://asiaplustj.info/ru/news/tajikistan/economic/20191003/administratsiya-gbao-uspokaivaet-rudnik-yakdzhilva-kitaitsam-ne-podarili">angibt</a>, dass die Vorräte 113 Tonnen betragen, und dass es in der Lage sei, 40 Tonnen jährlich zu fördern. Die Verwaltung Berg-Badachschans hatte hingehen erklärt, dass das Feld 415 Tonnen Silber enthalte. Drittens haben die tadschikischen Behörden den chinesischen Investor von der Zahlung der Einkommensteuer sowie von der Zahlung von Mehrwertsteuer und Importzöllen auf die notwendige Ausrüstung befreit. Nach Angaben des chinesischen Unternehmens <a href="https://rus.ozodi.org/a/30207539.html">arbeiten</a> 106 Menschen auf dem Feld, von denen 70 chinesische und 36 tadschikische Staatsangehörige seien. Von den in Tadschikistan arbeitenden ausländischen Staatsangehörigen sind 90 Prozent BürgerInnen der Volksrepublik China.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/willkommen-auf-dem-mars-die-region-murghab-in-tadschikistan/">Willkommen auf dem Mars: Die Region Murghob in Tadschikistan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sicherheit und die Erweiterung der Einflusssphäre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan könnte insgesamt ein Modell für Chinas Zentralasien-Politik sein, das weniger auf &#8217;soft power&#8216; denn auf &#8218;klebrige&#8216; Macht setzt. Die systematische und konsequente Geopolitik Chinas im Pamir trägt nicht nur zur Steigerung des wirtschaftlichen und infrastrukturellen, sondern auch des militärischen Einflusses bei und macht Chinas endgültige Dominanz in Afghanistan, Pakistan und Zentralasien wahrscheinlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Vorwand gegen den Terrorismus zu kämpfen, begann Tadschikistan beim Schutz der tadschikisch-afghanischen Grenze aktiv mit China zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2004, als noch russische Grenzschützer in Berg-Badachschan anwesend waren, vertrat China unter Berufung auf das Völkerrecht systematisch die These, dass es unzulässig sei, wenn ausländische Truppen die Grenze schützen. 2019, Jahre nach dem Abzug der russischen Grenzschützer aus dem Gebiet, erschienen <a href="https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/in-central-asias-forbidding-highlands-a-quiet-newcomer-chinese-troops/2019/02/18/78d4a8d0-1e62-11e9-a759-2b8541bbbe20_story.html">Informationen</a>, dass im Bezirk Murghob in Nähe des Kontrollpunkts Wachon an der Grenze zu Afghanistan eine chinesische Militärbasis entdeckt worden sei. AnwohnerInnen bestätigten zudem, dass in Murghob hunderte chinesische Soldaten im Dienst seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/geheime-chinesische-militaerbasis-in-tadschikistan-entdeckt/"><strong>Geheime chinesische Militärbasis in Tadschikistan entdeckt</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2016 wurde Berg-Badachschan für die Durchführung gemeinsamer groß angelegter Manöver der Streitkräfte Tadschikistans und Chinas ausgewählt. Chinas langfristige militärische und politische Interessen im Pamir belegen die Tatsache, dass im Jahr 2019 erneut <a href="https://eadaily.com/ru/news/2019/07/09/tadzhikistan-i-kitay-provedut-sovmestnye-ucheniya-v-gbao">gemeinsame Manöver mit China durchgeführt</a> wurden, um <em>„die Maßnahmen an der Grenze zu koordinieren und den Terrorismus zu bekämpfen“</em>. Darüber hinaus bietet China auch technische, finanzielle und personelle Unterstützung beim Bau von drei Kommissariaten, vier militärischen Einheiten, vier Hauptquartieren und einer Trainingsbasis für die Grenztruppen. Außerdem hat die Volksrepublik kostenlos 345 Millionen US-Dollar für den <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/china-gibt-tadschikistan-220-millionen-us-dollar-fur-den-bau-von-parlaments-und-regierungsgebauden-was-steckt-dahinter/">Bau von Parlaments- und Regierungsgebäuden</a> zur Verfügung gestellt. Das Projekt „Sichere Stadt“, bei dem <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/ueberwachungskameras-mit-gesichtserkennung-huaweis-kuenstliche-intelligenz-wacht-auch-ueber-tadschikistan/">Kameras mit Gesichtserkennung in allen großen Städten Tadschikistans installiert werden</a>, findet unter der technologischen Schirmherrschaft des chinesischen Konzerns Huawei statt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH.jpg" alt="" class="wp-image-24958" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2021/01/Sost_Pakistan_Customs_and_Chinese_Trucks_IMG_7494_China_Pakistan_Karakoram_Highway_KKH-128x86.jpg 128w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>LKW an der chinesisch-pakistanischen Grenze </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">China setzt in Bezug auf die Bildung eines regionalen Sicherheitssystems auf Tadschikistan und fördert seit Anfang 2017 den „Vierseitigen Mechanismus für Zusammenarbeit und Koordinierung“ (Quadrilateral Cooperation and Coordination Mechanism &#8211; QCCM) im Format China – Pakistan &#8211; Tadschikistan &#8211; Afghanistan. Die Sekretäre der Sicherheitsräte dieser Länder treffen sich regelmäßig zur Erörterung der afghanischen Frage. Peking hebt Tadschikistan auch im Kontext seiner Afghanistan-Strategie als wichtigen Partner hervor. Des Weiteren wurde laut afghanischem Verteidigungsministerium mit finanzieller Unterstützung der Volksrepublik China in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Badachschan">Provinz Badachschan</a> eine neue Militärbasis errichtet. In diesem Zusammenhang spielt Tadschikistan eine wichtige Rolle, über dessen Territorium der Korridor verläuft, um die chinesische Beteiligung in Afghanistan zu gewährleisten.</p>


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<p class="wp-block-paragraph">So schafft Tadschikistan einen Präzedenzfall für die vollständige Einbeziehung Chinas in die Sicherheitsfragen in Zentralasien. Gerade hier kann es zum Beginn einer scharfen Konkurrenz von China und Russland kommen, die zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen könnte. Moskau äußert bisher keine offene Besorgnis über Chinas Sicherheitsaktivitäten und behauptet, dass der QCCM keine institutionelle Grundlage und vollständige Struktur habe und dass das vierseitige Format die Aktivitäten der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_für_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_über_kollektive_Sicherheit">Organisation des Vertrag über kollektive Sicherheit (OVKS)</a> ergänze. Wie die Praxis zeigt, braucht China jedoch keine Institutionalisierung, um seine geopolitischen Ziele zu erreichen: Die Initiative „One Belt, One Road“ realisiert seit 2013 Projekte, wobei deren Ziele und Aufgaben nicht im Detail, sondern nur so verschwommen wie möglich erklärt werden. Währenddessen ist die SOZ als vollwertige Organisation mit Statuten und ständigem organisatorischen Fundament bis heute sehr amorph und hat bisher kein einziges multilaterales Projekt umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gefährdete Souveränität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan bleibt in der Region die schwächste Republik in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklung und Sicherheit, und Pekings wirtschaftlicher Einfluss kann sich somit in echte politische Hebel verwandeln. Im Übrigen hat sich Tadschikistan 2019 im UN-Menschenrechtsrat dafür entschieden, Chinas Xinjiang-Politik zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche politische Regime, das Fehlen unabhängiger Medien und die maximale Kontrolle religiöser Aktivitäten in Tadschikistan bringen Peking und Duschanbe näher zusammen. Unter diesen Bedingungen sollte Duschanbe den freundschaftlichen Dialog mit den Ländern Zentralasiens und anderen Akteuren suchen, um so die außenwirtschaftlichen Beziehungen zu diversifizieren und den wachsenden Einfluss Pekings auszugleichen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><a href="https://caa-network.org/archives/19738"><strong>Central Asian Analytical Network</strong></a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth</strong></p>


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		<title>Zentralasien unter genauer Beobachtung Chinas: Rezension des „Gelben Buches über Zentralasien 2020“</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2021 14:30:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik & Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im April wurde in China das &#x201E;Gelbe Buch &#xFC;ber Zentralasien 2020&#x201C; (&#x4E2D;&#x4E9A;&#x9EC4;&#x76AE;&#x4E66;&#xA0;/ Yellow book of Central Asia) ver&#xF6;ffentlicht. Als regierungsnahes Dokument behandelt es aktuelle Trends der chinesischen Au&#xDF;enpolitik. Folgende Rezension des Sinologen Ruslan Isimov erschien am 15. Juni 2020 auf&#xA0;CAAN (Central Asian Analytical Network). Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&#xA0; Das &#x201E;Gelbe [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Im April wurde in China das „Gelbe Buch über Zentralasien 2020“ (中亚黄皮书&nbsp;/ Yellow book of Central Asia) veröffentlicht. Als regierungsnahes Dokument behandelt es aktuelle Trends der chinesischen Außenpolitik. Folgende Rezension des Sinologen Ruslan Isimov erschien am 15. Juni 2020 auf&nbsp;<a href="https://caa-network.org/archives/19962">CAAN (Central Asian Analytical Network)</a>. Wir übersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&nbsp;</em></strong></p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin über Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/werde-unser-mitglied-werde-novastan/"><strong>Dank eurer Teilnahme</strong></a>. Wir sind <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängig</a> und wollen es bleiben, dafür brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a></strong> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.</span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „Gelbe Buch über Zentralasien 2020“ wurde von einem Kollektiv chinesischer Experten zusammengestellt, die auf Zentralasien spezialisiert sind. Die Autoren entstammen größtenteils&nbsp;&nbsp;zwei Forschungsstellen der Akademie für Sozialwissenschaften Chinas: Dem Institut Russland, Osteuropa und Zentralasien, sowie dem Forschungszentrum&nbsp;der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit">Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit</a>. Einzelne Passagen des Buches wurden auch von Experten aus anderen Denkfabriken der Volksrepublik China verfasst.&nbsp; Die Monografie ist von besonderer Bedeutung für Forscher zu Themen der chinesisch-zentralasiatischen Beziehungen und auch allgemein für die derzeitigen außenpolitischen Strategien Chinas. Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: China besitzt, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern der Welt, kein gesondertes Dokument in Form einer Konzeption über die Außenpolitik des Landes. Dieser Umstand erschwert die Analyse der außenpolitischen Strategie Chinas, der Mechanismen der Entscheidungsfindung, der Methoden der Bewertung der derzeitigen Situation der Welt erheblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/warum-china-den-zentralasiatischen-laendern-riesige-kredite-gewaehrt-ein-expertengespraech-mit-temur-umarov/">Warum China den zentralasiatischen Ländern riesige Kredite gewährt</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: Die Einzigartigkeit des politischen Systems Chinas erlaubt es chinesischen Experten bisher noch nicht in freier Form ihre Meinung zu äußern, ihre Einschätzungen zu teilen und Prognosen abzugeben.&nbsp;Die seltenen Fälle, in denen sich chinesische Experten erlauben, Schätzungen und Vorhersagen ganz offen vorzunehmen, sind vorher abgesprochene Aktionen – oder aber sie riskieren, ihren Job zu verlieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens: In den letzten Jahren hat sich das System der politischen Entscheidungsfindung in China stark verändert.&nbsp;Der chinesische Präsident&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi_Jinping">Xi Jinping</a>&nbsp;hat ein hyperzentralisiertes Machtsystem errichtet, unter anderem durch die Schaffung und Neuordnung völlig neuer staatlicher Organe. Diese Veränderungen betrafen auch die&nbsp;&nbsp;Außenpolitik in Bezug auf Zentralasien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Kontext bietet das turnusmäßige ‚Gelbe Buch‘ die Möglichkeit, die akuellen Trends der außenpolitischen Strategie Chinas zu untersuchen.&nbsp;In der aktuellen Ausgabe wird das Verhältnis Chinas zu Zentralasien ausführlich beschrieben. Der Wert dieser Veröffentlichung erhöht sich aufgrund der Tatsache, dass Zentralasien als eine der Schlüsselregionen für die Entwicklung des chinesischen Projekts&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/One_Belt,_One_Road">Belt and Road</a>, auch ‚neue Seidenstraße‘ genannt, angesehen wird. Auf dieser Grundlage ist es auch möglich, eine Vielzahl von Schätzungen und Prognosen chinesischer Experten zur Weiterentwicklung dieser Initiative zu erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Entstehungsgeschichte der ‚Gelben Bücher‘</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den sogenannten ‚Gelben Büchern‘ handelt es sich um analytische Berichte, die von Kollektiven der kompetentesten Analysten eines Sachverhalts angefertigt wird. Die Analyse von bisherigen Publikationen des ‚Gelben Buches‘ zeigt, dass die chinesische Führung mit Hilfe des Buches&nbsp;der Weltgemeinschaft die wichtigsten Entwicklungen ihrer Politik mitteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Bericht dieser Serie stammt aus dem Jahr 2005 und widmete sich der Analyse der Lage in Russland und der Außenpolitik des Landes. In dieser Zeit wurden die Berichte noch nicht ‚Gelbes Buch‘ genannt. Die ‚Gelben Bücher‘ werden in China jährlich veröffentlicht. Sie beschäftigen sich nicht jedes Jahr mit Zentralasien. In den letzten Jahren wurden einzelne ‚Gelbe Bücher‘ den Russland, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und nun Zentralasien herausgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/der-oekologische-fussabdruck-der-neuen-seidenstrasse-ignoriert-und-vergessen/"> Der ökologische Fußabdruck der neuen Seidenstraße</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Seite ‚<a href="https://www.pishu.com.cn/skwx_ps/database?SiteID=14">Pishu</a>‘ spezialisiert sich auf die Daten der ‚Gelben Bücher‘ und erstellte im Jahr 2012 einen ersten vollwertigen Bericht über Zentralasien. Bis zu diesem Zeitpunkt beschäftigten sich die Berichte mit breiteren Sachlagen. Seit 2012 gibt die Akademie für Sozialwissenschaften jährlich ein separates ‚Gelbes Buch‘ über Zentralasien heraus und veröffentlicht jedes Jahr eine genaue Analyse und Einschätzungen der Situation in den fünf zentralasiatischen Ländern.&nbsp;Es ist jedoch zu beachten, dass der vollständige Text aufgrund von Download-Einschränkungen nicht abgerufen werden kann.&nbsp;Das aktuell erschienene „Gelbe Buch über Zentralasien 2020“ verdient eine sorgfältige Betrachtung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kurzer Überblick</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr besteht das Buch aus sechs Abschnitten:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Allgemeiner Bericht zum Thema „Zentralasien: Auf der Suche nach einer neuen treibenden Kraft für Innovation und Zusammenarbeit“</li><li>Regionale Situation</li><li>Spezielle Themen der Region</li><li>Zentralasien und die Weltgemeinschaft</li><li>China und Zentralasien</li><li>Länderprofile</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt besteht der Bericht aus 23 Artikeln, einschließlich des Leitartikels. Das Spezialthema „Zentralasien: Auf der Suche nach einer neuen treibenden Kraft für Innovation und Zusammenarbeit“ behandelt einige Besonderheiten. Es spiegelt große Veränderungen wider, die sich sowohl in den Ländern Zentralasiens selbst, als auch in der Politik der globalen und regionalen Mächte in Bezug auf die Beziehung zu Zentralasien vollzogen haben. Darunter ist folgendes anzumerken:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Es seien neue Formen der Machtübergabe entstanden, ebenso neue Probleme im Prozess des politischen Machtwechsels.</li><li>Die vierte industrielle Revolution und ihre digitale Wirtschaft seien zu einer neuen treibenden Kraft der Entwicklung in den Ländern Zentralasien geworden.</li><li>Die Weltmächte investierten weiterhin strategische Ressourcen in Zentralasien. In diesem Zusammenhang widmet der Bericht besondere Aufmerksamkeit der Politik Russlands, der Vereinigten Staaten, der EU, Japans und Indiens in Zentralasien.&nbsp;</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht fordert auch eine Steigerung der akademischen Forschung zum Thema Zentralasien, da diese Forschung fast all jene Bereiche abdecken könne und die Disziplin der zentralasiatischen Studien in China bildet. Zu guter Letzt bemühen sich die Autoren regionale Besonderheiten hervorzuheben. So hätten&nbsp;die zentralasiatischen Staaten bei ihrer aktiven Integration in das internationale System gleichzeitig viele einzigartige regionale Symbole geschaffen. Diese zeichneten sich aus durch:&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Verschiedene Formen der Machtstruktur</li><li>Die kulturelle und politische Bedeutung des Feiertages&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nouruz">Nawrus</a></li><li>Die Fragmentierung, Diversifizierung und die&nbsp;Transnationalisierung von Sicherheitsbedrohungen</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Regionale Stabilität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren merken an, dass es den Ländern Zentralasiens 2019 gelungen sei, ihre stabilen Entwicklungstendenzen zu sichern. Gleichzeitig bleibe ein Teil der Probleme charakteristisch für die Regierungen der Region.&nbsp;Unter dem Einfluss des allgemeinen Trends einer Verlangsamung der Weltwirtschaft hätten die wirtschaftlichen Risiken in den Staaten der Region zugenommen. In diesem Zusammenhang ergriffen die Behörden der zentralasiatischen Länder rechtzeitig Vorkehrungen zur Entwicklung krisenbekämpfender Maßnahmen. Unterdessen&nbsp;wirken sich die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001">Probleme in Afghanistan</a> weiterhin auf die Sicherheitslage in Zentralasien aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan:</strong> <strong><a href="https://novastan.org/de/uigurische-region/verletzt-china-die-rechte-turkstammiger-muslime/">Verletzt China die Rechte turkstämmiger Muslime?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinsichtlich der unkonventionellen Sicherheitsbedrohungen schreibt&nbsp;Xu Tao (Experte des&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/China_Institutes_of_Contemporary_International_Relations">CICIR</a>), dass die Sicherheitslage in der Region 2019 im Vergleich zu 2018 stabil geblieben sei. Aber der negative Effekt von solch nicht-traditionellen Sicherheitsfaktoren wie Demografie, Ökonomie, Wasserressourcen und Lebensmittelversorgung vergrößere sich langsam.&nbsp;Schließlich verschärfe sich das Spiel der Großmächte in Zentralasien, während die USA weiterhin eine bedeutende Kraft in der Region seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Staaten der Region treten laut Experten im Jahr 2020 in ein Jahr des Wandels ein, und stünden möglicherweise vor einem Test der politischen Stabilität.&nbsp;<a href="https://www.state.gov/c51-fact-sheet/#:~:text=C5+1 is a format for dialogue and a,where regional approaches may provide a comparative advantage.">Der C5+1-Mechanismus</a>&nbsp;wird eines der wichtigsten Instrumente sein, um die Beziehungen zwischen den Global Playern auszugleichen.&nbsp;&nbsp;Hinsichtlich der regionalen Integration zweifeln die chinesischen Experten daran, dass die Länder Zentralasiens zu einem Durchbruch gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kasachstan</strong> <strong>im besonderen Fokus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Abschnitt zu regionalen Themen widmen sich die Autoren des ‚Gelben Buches‘ gleich zwei mal Kasachstan. Im Artikel „Die&nbsp;Toqaev‘sche Konzeption der Regierungsführung: Kontinuität und Neuregulierung“ verweist der Experte des Forschungszentrums des Staatsrats darauf, dass Kasachstan auf dem Weg in eine historische Periode sei. Es werde viel von der Fähigkeit des Präsidenten&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/toqaevs-erstes-schweres-jahr/">Qasym-Jomart Toqaev</a>&nbsp;abhängen, einen politischen Kurs zu errichten, der sich nach und nach transformiert, angepasst&nbsp;an die heutigen Realitäten und unter Beibehaltung der Kontinuität der Politik des ersten Präsidenten von Kasachstan,&nbsp;<a href="https://novastan.org/de/kasachstan/praesident-nursultan-nasarbajew-tritt-zurueck/">Nursultan Nazarbaev</a>.&nbsp;</p>


<p style="background-color: #d4d4d4;"><span style="color: #000000;">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen wöchentlichen Newsletter <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://2ff41361.sibforms.com/serve/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU">mit einem Klick.</a></span></strong></span></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Redakteur der chinesischen Nachrichtenagentur&nbsp;China News Service&nbsp;Wen Lonjie schreibt, dass&nbsp;Toqaev nach der Wahl zum Präsidenten nur ein symbolisches Zepter erhalten hätte, während sich die reale Macht immer noch in den Händen des ersten Präsidenten Nazarbaev befände. Aber diese Machtformel habe zu Problemen geführt. Die Meinungen des ersten und zweiten Präsidenten hätten haben sich in kardinalen Fragen zu unterscheiden begonnen. Der Experte bemerkt, dass eine solche Situation nur gelöst werden könne, in dem das Zepter der Macht und die reale Macht in einer Person vereinigt würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/sechs-gruende-fuer-die-antichinesische-stimmung-in-kasachstan/">Sechs Gründe für die antichinesische Stimmung in Kasachstan</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Allgemeinen hat sich der Inhalt des Gelben Buches über Zentralasien qualitativ verbessert, was größtenteils dank einer detaillierteren Untersuchung Zentralasiens durch chinesische Denkfabriken und einer freieren Meinungsäußerung durch die chinesischen Experten selbst realisiert wurde. Die aktuelle Ausgabe des Gelben Buches demonstriert einmal mehr den Kenntnisstand und die Tiefe des Wissens der chinesischen Expertengemeinschaft und der politischen Führung über die Situation in Zentralasien.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Ruslan Isimov für&nbsp;<a href="https://caa-network.org/archives/19962">CAAN (Central Asian Analytical Network)</a></strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Russischen von Julia Schulz</strong></p>


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