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	<title>antjel, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Vom Aufstieg und Fall des Rachat Alijew</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rahat Áliev]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Morgen des 24. Februars wurde der ehemalige Schwiegersohn des kasachischen Pr&#xE4;sidenten Nursultan Nazarbayev in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt, leblos aufgefunden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Am Morgen des 24. Februars wurde der ehemalige Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nazarbayev in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt <a href="http://www.reuters.com/article/2015/02/24/us-austria-aliyev-idUSKBN0LS0LB20150224">leblos aufgefunden</a>. Dort wartete er bereits seit mehr als einem halben Jahr auf die Auslieferung nach Kasachstan.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent">Der ehemalige kasachische Botschafter in Österreich und Hauptanwärter auf den kasachischen Regierungsthron</span> stellte sich im Juni 2014 freiwillig den österreichischen Behörden, wegen des vermeintlichen Mordes an den zwei Nurbank Top-Managern Zholdas Tremalijew und Akbar Hasenow. Die Nurbank ist eine der größten kasachischen Banken, die 1992 gegründet wurde und seitdem sehr rasant gewachsen ist. Aktuell operieren in Kasachstan 16 Filialen und 55 Vertretungen, wobei das Bankvermögen ungefähr<a style="text-decoration: none" href="https://ru.wikipedia.org/wiki/Нурбанк"> <u>293,324</u></a> Billionen Tenge (141,211 Milliarden Euro) umfasst.</p>
<p style="text-align: justify">Die Vorwürfe gegen Alijew reichen bereits bis in das Jahr 2007 zurück. Die kasachischen Strafverfolgungsbehörden<a style="text-decoration: none" href="http://gazeta.zn.ua/POLITICS/bylo_u_prezidenta_tri_zyatya.html"> <u>werfen</u></a> Alijew neben der Überschreitung seiner Befugnisse als damaliger Hauptaktionär der Bank vor, verantwortlich für die <a href="http://ru.tagdyr.net/%D0%B4%D0%B5%D1%82%D0%B5%D0%BA%D1%82%D0%B8%D0%B2%D0%BD%D1%8B%D0%B9-%D1%80%D0%BE%D0%BC%D0%B0%D0%BD-%D0%BE%D0%B1-%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%B5%D0%B2%D0%B5">Entführung und Ermordung</a> von Tremalijew und Hasenow zu sein. Um einer 20-jährigen Haftstrafe in Kasachstan zu entgehen, flüchtete Alijew nach Wien. Nach einer kurzen Zeit im österreichischen Gefängnis wurde er jedoch gegen eine Zahlung von einer Million Euro freigelassen. Mehrmals haben die kasachischen Behörden versucht eine Auslieferung zu erwirken, die aber von österreichischer Seite mit dem Verweise auf eine intransparenten Beweisaufnahme bis zu Alijews Tod verweigert wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vom Schwiegersohn des Präsidenten zum Verräter</strong></p>
<p style="text-align: justify">Alijew, Doktor der Medizin, war nach seinem Studium nur kurz als Arzt tätig. Im Jahr 1983 heiratet er Dariga Nasarbajewa, Nursultan Nazarbajews Tochter. Nazarbajew wurde 1990 zum Präsidenten der kasachischen sowjetischen Republik gewählt und ist seitdem erster und bisher einziger Präsident des unabhängigen Kasachstans. Nach der Heirat begann der schrittweise Aufstieg Alijews in das kasachische Machtzentrum. Im Jahr 1993 wurde er zum stellvertretenden Leiter für ökonomische Außenkommunikation des kasachischen Gesundheitsministeriums ernannt. Nach diesem ersten Karriereschritt stieg er 1999 zum Leiter in der Abteilung für die Staatssicherheit (KNB) des Nationalkomitees der Stadt Almaty und schließlich im Jahr 2001 zum stellvertretenden Vorsitzenden dieses Komitees auf.</p>
<p style="text-align: justify">Ein wichtiger Einschnitt und erster Riss in der Beziehung zu Nazarbajew zeigte sich im Jahr 2005 als Alijew aus dem KBN entlassen und als Botschafter nach Österreich geschickt wurde. In Wien war er gleichzeitig auch für die Balkanländer<a style="text-decoration: none" href="http://kapital.kz/gosudarstvo/38034/rahat-aliev-pokonchil-s-soboj.html"> <u>Montenegro und Serbien</u></a> als auch als höchster kasachischer Vertreter bei der OSZE zuständig.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Selbstmord trotz aussichtsreicher Situation?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Alijew hat die Beschuldigungen, die von den kasachischen Behörden gegen ihn vorgebracht werden stets als unbegründet zurückgewiesen. Vielmehr war er davon überzeugt, dass sie einen reinen politischen Hintergrund hätten. Vor allem deshalb gibt es nun Zweifel daran, ob Alijews Tod tatsächlich ein Selbstmord war. Noch wenige Tage vor seinem Tod hat ihn sein Anwalt, Manfred Ainedter, im Gefängnis besucht. Alijew sei sowohl körperlich als auch geistig in einem sehr stabilen Zustand gewesen.</p>
<p style="text-align: justify">In einem Interview mit der Online-Zeitung<a style="text-decoration: none" href="http://kurier.at/chronik/wien/rakhat-aliyev-kasachischer-ex-botschafter-tot-in-seiner-zelle/116.004.799"> <u>Kurier.at</u></a> betont er zudem, dass sich Alijew keineswegs in einer aussichtslosen Situation<strong> </strong>befunden hätte: „Wir Anwälte haben ihn zwei bis drei Mal pro Woche besucht, erst gestern war ich mittags bei ihm und wir haben seinen Zeugenauftritt besprochen. Es war ihm wichtig, dass man ihm Glauben schenkt.“ Genährt werden diese Zweifel dadurch, dass Barbiturat, eine Droge die in Österreich verboten ist, in Alijews <a style="text-decoration: none" href="http://tengrinews.kz/kazakhstan_news/krovi-rahata-alieva-obnarujenyi-narkoticheskie-veschestva-270842/"><u>Blut gefunden wurde</u></a>.</p>
<p style="text-align: justify">Für einen Selbstmord würde hingegen sprechen, dass Alijew vor Kurzem seinen Vater verloren hat. Muchtar Alijew ist am 12. Januar 2015 in Almaty <a style="text-decoration: none" href="http://www.currenttime.mobi/a/26867600/i11.html"><u>gestorben</u></a>. Danach veröffentlichte sein verhafteter Sohn auf seiner Facebookseite einen <a style="text-decoration: none" href="http://www.ratel.kz/raw/rahat_aliev_pismo_ottsu/"><u>Brief</u></a> an den Vater, um seine tiefe Erschütterung auszudrücken. Dadurch drängt sich aber die Frage auf, wie Alijew Internetzugang im Gefängnis hatte. Der Fall Alijew ist noch nicht geschlossen. Im Gegenteil bestehen noch viele Unklarheiten, die untersucht werden müssen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein gängiges Muster</strong></p>
<p style="text-align: justify">Rachat Alijew ist nicht der einzige kasachische Politiker, der im Ausland verhaftet wurde. Auch Muchtar Ablyasow und Alexander Pawlow, werden in Kasachstan als Terroristen und Verräter gehandelt und stehen auf der Liste der Strafverfolgungsbehörden. Ablyasow hatte in seiner politischen <a style="text-decoration: none" href="http://en.mukhtarablyazov.org/p/38,biography"><u>Laufbahn</u></a> die Position als Minister für Energie, Industrie und Handel (1998-1999) inne. Als Mitbegründer der Oppositionpartei „Demokratische Wahl für Kasachstan“ (heute Alga! &#8211; „Vorwärtz“) fiel er jedoch schon kurz nach seiner Amtszeit als Minister in Nazarbayevs Ungnaden.</p>
<p style="text-align: justify">Ein Jahr nach der Gründung der Partei, im Jahr 2001, wurde Ablyasow in einem Prozess wegen Veruntreuung von Geldern während einer früheren Tätigkeit in einem öffentlichen Unternehmen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Sowohl <a href="http://www.hrw.org/fr/reports/2004/04/05-0">Human </a><a href="http://www.hrw.org/fr/reports/2004/04/05-0"><u>Rights Watch</u></a> als auch das <a style="text-decoration: none" href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P5-TA-2003-0064+0+DOC+XML+V0//EN&amp;language=CS"><u>Europäische Parlament</u></a> wiesen darauf hin, dass der Prozess rechtswidrig geführt wurde. Amnesty Internation <a style="text-decoration: none" href="http://www.refworld.org/cgi-bin/texis/vtx/rwmain?page=type&amp;type=ANNUALREPORT&amp;publisher=AMNESTY&amp;coi=KAZ&amp;docid=40b5a1f810&amp;skip=0"><u>bestätige</u></a> in dem nationalen Report für 2004, dass er im Gefängnis physischen Misshandlungen ausgesetzt war.</p>
<p style="text-align: justify">Seitdem Nazarbajew im Mai 2004 einem Amnestiegesuch stattgab, zog sich Ablyasow offiziell aus der Politik zurück und arbeitet als Verwaltungsratvorsitzender bei der kasachischen BTA Bank (2005-2009) in Moskau. Derzeit laufen verschiedene Gerichtsverfahren in Russland, Kasachstan, Großbritannien und Frankreich, wo Ablyazov zuletzt im Exil lebte, wegen der Veruntreuung von Geldern. Zudem wird Ablyazov <a href="http://iwpr.net/global-voices/questions-over-kazakstan-terror-plot">beschuldigt</a> in einen Terroranschlag im Jahr 2012 verwickelt gewesen zu sein.</p>
<p style="text-align: justify">Diese Anklage läuft unter anderem auch gegen <a href="http://en.mukhtarablyazov.org/p/50,aleksandr-pavlov">Alexander Pawlow</a>, der als enger Vertrauter sowie Geschäftspartner von Ablyasow gilt. Zusältlich ist auch ein Verfahren wegen Veruntreuung von Geldern gegen ihn anhängig. Wenige Zeit nach seiner Flucht nach Spanien wurde er im Dezember 2012 auf der Grundlage einer Roten-Notiz von Interpol verhaftet. Nach langen Verhandlungen und mehreren Reckschlägen <a href="http://rus.azattyq.org/archive/news/20150225/360/360.html?id=26868035">annullierte</a> jedoch Spaniens Oberster Gerichtshof am 25. Februar diesen Jahres die Auslieferung nach Kasachstan und erteilte ihm politisches Asyl.</p>
<p>Der kasachische Politologe Rasul Dschumaly <a href="http://iwpr.net/global-voices/questions-over-kazakstan-terror-plot">sieht</a> in den beiden Fällen ein gängiges Muster: „Es gibt derzeit eine Tendenz dazu, die äußeren Kräfte für die innenpolitischen Probleme Kasachstans verantwortlich zu machen; sei es Ablyasow oder seien es religiöse Extremisten oder andere Länder wie die USA.”</p>
<p style="text-align: right"><strong>Yelizaveta Chsherbakova<br />
Redakteurin für Novastan.org, Almaty</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Antje Lehmann</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kasachstan &#8211; Ungarn: Bruderliebe aus Kalkül (2/2)</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-ungarn-bruderliebe-aus-kalkul-22/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2015 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan setzt auf Vitamin B in Europa. Ein geneigter Partner steht in Ungarn bereit.  Zusammen pr&#xE4;sentieren sie sich als Br&#xFC;derv&#xF6;lker am weltpolitischen Parkett, und wirbeln m&#xE4;chtig Staub auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Seit kurzem liegt Kasachstans Tor nach Europa in Budapest. Genauer gesagt in der </em>„<em><strong>A</strong>sztana utca”, einer Straße, die im Sommer dieses Jahres nach der Hauptstadt der zentralasiatischen Republik benannt wurde. Der neue Straßenname ist ein Symbol für die wirtschaftliche und politische Annäherung der letzten Jahre. Warum aber verstärkt Kasachstan seine Beziehungen gerade zu Ungarn? Welche Hoffnungen setzt Kasachstan in das sogenannte Brudervolk? Ein Blick hinter die Beziehung zweier ungleicher Partner. (Zu Teil 1 der Novastan-Reihe: </em></strong><em><strong><a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Magyaren flüchten vor der Krise</a>) </strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Aufwirbelnder Staub, hektisches Treiben auf Pferden &#8211; Kokpar wird gespielt. Nicht in der kasachischen Steppe, sondern in der ungarischen, in dem 3000-Seelendorf Bugac, das etwa 160 Kilometer entfernt von Budapest in der südlichen Tiefebene liegt. Hier findet jedes Jahr „Kurultáj“, das „Treffen der Stämme“ statt, wo unter anderem auch Vertreter aus Kasachstan mitmischen, um die „gemeinsame“ Vergangenheit aufleben zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify">Kaum ein anderer als der Ungar István Kongur Mándoki widmete sichj intensiver der Erforschung der gemeinsamen historischen Wurzeln Ungarns und Kasachstans. Anders als sein Kollege, <a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Andr</a><a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">ás Zsolt Bíró</a> näherte sich Mándoki der Geschichte über die Turkologie. Zahlreiche seiner  Publikationen geben Auskunft darüber, dass die Ungarn aus einem turkischen Reitervolk hervorgegangen seien. An den Ort wo vermeintlich alles begann, kehrte Mándoki am Ende seines Lebens auch zurück. Nach seinem Tod 1982 liegt er in Almaty begraben. Ein Teil seiner umfangreichen Bibliothek, insgesamt 16.000 Exemplare, wurden im vorigen September in die „Internationale Akademie für Turkologie”, in der über 1000 Kilometer entfernten kasachischen Hauptstadt Astana, überführt. Zu diesem Anlass <a style="text-decoration: none" href="http://bnews.kz/en/news/post/230257/"><u>unterstrich</u></a> seine Ehefrau, Onaysha Maksumkyzy: „Er wollte immer, dass die turkischen Völker vereint sind.”</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft &#8211; Rhetorisches Brücken schlagen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew spannt den Bogen von Mándokis Erbe bis in die Gegenwart: „Wir müssen in die Vergangenheit schauen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft vorauszusehen“, lautet ein <a href="http://e-history.kz/ru/contents/view/1316">berühmter Spruch</a> des langjährigen Präsidenten. Die proklamierte „strategische Partnerschaft“ zwischen Ungarn und Kasachstan zeigt, dass Politiker beider Länder gern die kulturelle Nähe auf weitere Ebenen übertragen und somit die Vergangenheit zur Zukunft machen möchten. Denn während diplomatische Beziehungen  bereits seit 1992 bestanden, weitete sich diese mit der Gründung des Ungarisch-Kasachischen Wirtschaftsrates 2012 auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit aus. Eine eigens errichtete Kommission widmet sich zusätzlich dem Kampf gegen Terrorismus und Drogenhandel.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Beginn des letzten Jahres wurde die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern auf ein neues Niveau gehoben. Der Startschuss fiel im Februar 2014 als eine kasachische Delegation, allen voran der kasachische Außenminister Jerlan Ydyryssow, einem multilateralem Forum zur Annäherung zwischen der EU und Kasachstan in Budapest beiwohnte. Auf bilateraler Ebene stattete die Delegationen Kasachstans den ungarischen Ministern für Wirtschaft und Landwirtschaft Besuche ab. Auf konkrete Vereinbarungen legten sich beide Seiten zunächst nicht fest, sondern verblieben mit der Formel, eine engere Kooperation in Bezug auf Wirtschaft, Agrarwirtschaft sowie Bildung forcieren zu wollen.</p>
<p style="text-align: justify">Ideell wurde die Partnerschaft hingegen gestärkt. Der damalige ungarische Außenminister, <a style="text-decoration: none" href="http://www.inform.kz/eng/article/2626149"><u>János Martonyi</u> </a>hob dabei den vermeintlichen Abstammungmythos hervor: „Wir teilen eine gemeinsame Vergangenheit und Wurzeln. Wie in vielen Untersuchungen nachgewiesen wurde, befindet sich das historische Mutterland der Ungarn auf dem Territorium des modernen Kasachstans.” Perspektivisch würde sich Kasachstan für Ungarn als „Brücke in den Osten” erweisen. Ungarn, so Martonyi weiter, wäre im Gegenzug bereit als Kasachstans „Brücke in den Westen” zu fungieren.</p>
<p><strong>Den Seychellen auf den Fersen  &#8211; WTO Beitrittsverhandlungen </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der gleiche Tenor wurde im Mai und Juni letzten Jahres bei gegenseitigen Treffen zwischen den Premierministern Orbán und Mässimow in Budapest und Astana angeschlagen. Dort stand vermehrt die wirtschaftliche Kooperation zwischen beiden Ländern im Vordergrund. <span style="color: #000000">Orbán verwies in seiner <a href="http://2010-2014.kormany.hu/en/prime-minister-s-office/the-prime-ministers-speeches/western-integration-and-eastern-opening-can-be-successful-together">Rede </a>darauf</span>, dass Kasachstan, zumindest wirtschaftlich, einer blühenden Zukunft entgegensteure.</p>
<p style="text-align: justify">Damit hat der ungarische Premier wohl auch auf den WTO-Beitritt Kasachstans angespielt. <a style="text-decoration: none" href="http://zentralasien.ahk.de/news/einzelansicht-nachrichten/artikel/kasachstan-nur-noch-zwei-verhandlungen-von-wto-beitritt-entfernt/?cHash=c1346f6908da19edf3cce161936e86a0"><u>Die Beitrittsverhandlungen</u></a> hängen nach zehnjähriger Verhandlungenphase letztlich an den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Schutz einheimischer Hersteller und Arbeitskräfte sowie der Tarifharmonisierung. Wenn diese Punkte geklärt sind, könnte Kasachstan noch in diesem Jahr den Seychellen in die WTO folgen.</p>
<p style="text-align: justify">Für Kasachstan ist der Beitritt besonders durch die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) von großer Bedeutung. Russland, das bereits seit 2012 Mitglied der WTO ist, hat seinen Markt und dadurch automatisch den gemeinsamen Wirtschaftsraum mit Belarus und Kasachstan für Drittstaaten geöffnet. Zwangsläufig fand auch ein Gros der WTO-Standards Eingang in die Vereinbarungen im Rahmen der EAWU, ohne dass Kasachstan jedoch von den institutionellen Vorteilen wie etwa den Streitschlichtungs-Mechanismen profitieren kann.</p>
<p><span style="color: #000000"><strong>Dosen, Mais und Pestizide</strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Kasachstans Reichtum basiert nach wie vor auf dem Export von Rohstoffen, allen voran Erdöl. Hauptabnehmerland in Europa ist seit mehreren Jahren Italien.</span><a title="" href="#_ftn1" name="_ftnref1"><span style="color: #000000">[1]</span></a><span style="color: #000000"> Auch Deutschland kauft hier Erdöl ein &#8211; etwa jede vierte Tonne kommt aus Kasachstan.</span><a title="" href="#_ftn2" name="_ftnref2"><span style="color: #000000">[2]</span></a><span style="color: #000000"> Seit einigen Jahren versucht Kasachstans Regierung sich aus dieser Rohstoffabhängigkeit zu lösen. „Einer der potenziell entwicklungsstarken Wirtschaftssektoren Kasachstans sind die Landwirtschaft und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte”, hebt eine Analyse der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien hervor.</span></p>
<p><img decoding="async" style="height: 400px;line-height: 1.6em;text-align: justify;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/819/nasa.jpeg" alt="NASA-Aufnahme Kasachstan" /></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Es fehlt an langlebigen Geräten, Kühlhäusern und Silos. Die wenigen Fabriken konzentrieren sich zudem auf den Süden des Landes. So kann sich das Land trotz steigender Ernteerträge nicht selbst versorgen. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft importiert Kasachstan aktuell etwa 40 Prozent der benötigten Milchprodukte, 29 Prozent Fleisch und etwa 40 Prozent Gemüse und Obst pro Jahr. In einer Marktstudie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) heißt es: „Den Hauptgrund für die desolate wirtschaftliche Lage des Agrarsektors bildet die schlechte Finanzausstattung.”</span><a title="" href="#_ftn3" name="_ftnref3"><span style="color: #000000">[3]</span></a></p>
<p style="text-align: justify">Und hier kommt Ungarn ins Spiel: Denn der Partner im Westen bringt neben Investitionen in die Industrieentwicklung auch den Import von Technologie für den Agar- und Lebensmittelsektor. Dulat Aitzhanov, der Leiter der staatlichen Agrar-Holding &#8222;KazAgro&#8220; <a href="http://kazakh-zerno.kz/index.php?option=com_content&amp;id=93147&amp;Itemid=108%29">hofft</a>, dass die Kooperation mit Ungarn die Lage der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verbesssern werde. Aitzhanov zeigt sich überzeugt, dass Spezialisten aus Ungarn helfen werden, die Probleme mit Produktionsqualität, zum Beispiel bei Fleisch und Milch, dem Mangel an innovativen Technologien und qualifizierten Arbeitskräften zu lösen. Ungarn ist schon seit der Sowjetunion für seine eigene Obst- und Gemüsekonserve bekannt.</p>
<p style="text-align: justify">Auch Nurbakh Rustemov, Kasachstans Botschafter in Ungarn, unterstreicht in <a style="text-decoration: none" href="http://www.astanatimes.com/2014/07/soft-power-can-unite-nations-ambassador-hungary-says/"><u>einem Interview mit der Astana Times</u></a><span style="color: #000000">,</span> dass man an den Erfahrungswerten bei der Optimierung und Automatisierung landwirtschaftlicher Produkte interessiert sei.</p>
<p><span style="color: #000000"><strong>Aufblühen dank Ungarn? </strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000">Angesichts der desolaten Landwirtschaft hat die Regierung Kasachstans ein hochgestecktes Ziel. In dem Strategiepapier „Agrobusiness 2020“ plant Kasachstan  80 Prozent des Bedarfs an Lebensmitteln mit eigener Produktion abzudecken. Staatliche Subventionen wie bisher werden hier nicht reichen, also müssen ausländische Investoren gefunden werden. 2003 wurden dafür einige Erleichterungen eingeführt: beispielsweise die Befreiung von Zollgebühren oder Steuerbegünstigungen für juristische Personen. Ende 2014 gründete die ungarische Eximbank mit der staatlichen Holding </span>„<span style="color: #000000">KazAgro“ einen Fond in der Höhe von 40 Millionen Dollar, um gemeinsame Projekte im Agrarsektor zu realisieren.</span><a title="" href="#_ftn4" name="_ftnref4"><span style="color: #000000">[4]</span></a></p>
<p><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">Ein wichtiger Faktor besteht im ungarischen Saatgut. Ungarn gründete mit FLORA im Jahr 2012 ein eigenes Konsortium für die Belieferung des kasachischen Marktes mit Saatgut aus Ungarn. 25 000 Säcke Maissaatgut exportierte Ungarn im Vorjahr nach Kasachstan. Bald schon sollen es 60.000 werden, <a href="http://www.agrarhirek.hu/agrarvilag/12714.html">kündigte </a>FLORA Ende des Vorjahres an.</span></span><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent"> Geplant seien auch Exporte von Pestiziden. Weiters sollen Studien zu Maissorten auf kasachischem Boden durchgeführt werden.</span></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/819/lebensmittelimport.jpeg" alt="Kontainer mit Lebensmitteln in Almaty" /></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">Abseits des Agrarsektors möchte sich Kasachstan für ungarische Banken und Finanzinstitute, aber auch für andere Investoren attraktiv gestalten, so der Botschafter Rustemov. “Kasachstan interessiert sich für wichtige Medizin und medizinisches Equipment aus Ungarn”. In Astana hat bereits ein ungarisches Handelszentrum eröffnet. Unter der Führung von Premier Karim Mässimov wurde diesen Sommer auch ein Vertrag zum Transfer von Technologie und zur Investition im Umfang von 100 Millionen Dollar zwischen Alibi LLP und Tranzit-Ker Zrt unterzeichnet. </span></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000"><a href="http://mno.hu/gazdasag/varga-kazahsztan-strategiai-partnerunk-1230001">Ungarischen Medienberichten zufolge</a> wurde 2014 die Zusammenarbeit der beiden Länder auch im Bildungssektor auf den Weg gebracht. Ein Austauschprogramm schickt künftig Studenten und Lehrende aus Kasachstan an die Corvinus Universität nach Budapest. <a href="http://www.astanatimes.com/2014/07/soft-power-can-unite-nations-ambassador-hungary-says/">Im Interview</a> </span></span><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">hebt der Botschafter auch die Notwendigkeit einer direkten Flugverbindung zwischen den beiden Hauptstädten hervor (<a href="https://novastan.org/articles/magyaren-fluchten-vor-der-krise">Novastan berichtete</a></span></span><span style="color: #000000"><span style="background-color: transparent">)</span>.</span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Auf Seiten Ungarns zeigt man sich offen für die breite Zusammenarbeit. <a href="http://www.agrarunio.hu/hir/egyuttmukodes-a-magyar-kazah-mezogazdasagi-kapcsolatok-boviteseert-11906.html">In Medienberichten</a> wird die Rolle der zentralasiatischen Republik als Ungarns drittgrößter Handelspartner innerhalb der GUS-Länder betont. Außenhandelsminister Varga begleitet die wirtschaftliche Annäherung mit persönlicher Bewunderung für das selbsternannte Brudervolk auf der <a href="http://www.kunszovetseg.hu/site2.0/index.php/kazah-hirek">Webseite eines Kunen-Vereins</a>, dessen Präsident er ist. Kasachstan sei demnach ein Vorbild für Ungarn. Der Minister bewundere vor allem das Selbstwertgefühl der kasachischen Nation, und hebt schließlich hervor: </span></span><span style="color: #000000">„</span><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Öl oder Gas, Steppe oder Puszta, eines dieser Dinge braucht jede Nation.” </span></span></p>
<p style="text-align: right"><strong><span style="background-color: transparent"><span style="color: #000000">Alina Kozhakhmetowa<br />
Antje Lehmann<br />
Daniela Neubacher</span></span></strong></p>
<p style="text-align: justify">
<hr />
<p><a title="" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a><a href="http://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Fachdaten/PUB/2012/11/pub2012112680031111_159840.pdf">http://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Fachdaten/PUB/2012/11/pub2012112680031111_159840.pdf</a></p>
<p><a title="" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://liportal.giz.de/fileadmin/user_upload/oeffentlich/Kasachstan/30_wirtschaft-entw/KAS_marktstudie-agrar-lebensmittel.pdf">http://liportal.giz.de/fileadmin/user_upload/oeffentlich/Kasachstan/30_wirtschaft-entw/KAS_marktstudie-agrar-lebensmittel.pdf</a></p>
<p><a title="" href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Ebda.</p>
<p><a title="" href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> <a href="http://www.blackseagrain.net/novosti/jsc-kazagro-together-with-hungary2019s-eximbank-is-planning-to-set-up-a-kazakh-hungarian-fund-by-the-end-of-2014-to-make-investments-in-agricultural-projects">http://www.blackseagrain.net/novosti/jsc-kazagro-together-with-hungary2019s-eximbank-is-planning-to-set-up-a-kazakh-hungarian-fund-by-the-end-of-2014-to-make-investments-in-agricultural-projects</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kasachstan &#8211; Ungarn: Bruderliebe aus Kalkül? (1/2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unter dem Motto der &#x201E;Ost&#xF6;ffnung&#x201D; verst&#xE4;rkt Ungarns F&#xFC;hrung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die Füße fest im Steigbügel verankert. Das Haupt von breiten Schultern getragen. Der ernste Blick des Fürsten Árpád richtet sich in die Ferne, entlang der Prachtallee Budapests, eintausend Jahre zurück. Als Anführer der Magyaren eroberte und besiedelte er einst das Karpatenbecken und bekam dafür ein Denkmal mitten am Heldenplatz der heutigen Hauptstadt. Der Mythos vom ungarischen Reitervolk, das aus dem fernen Asien stammt, war geboren, und stützt seither die Identität der Nation. Unter dem Motto der </strong>„<strong>Ostöffnung” verstärkt Ungarns Führung zunehmend seine Kontakte nach Zentralasien. Als engster Partner gilt Kasachstan. Mit dem Brückenschlag nach Osten schlägt das EU-Land jedoch eine umstrittene Richtung ein. </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify">Ein Teil Asiens findet sich schon im Namen: In der Landessprache heißt Ungarn nämlich  „Magyarenland“ (Magyarország), benannt nach jenen Völkern, die ursprünglich aus Gebieten des Urals nach Westen wanderten und sich im 10. Jahrhundert im Karpatenbecken ansiedelten. Seit damals haben zahlreiche Eroberungen und Fremdherrschaften ihre Spuren verwischt – etwa durch den Mongoleneinfall, die Aufnahme verschiedener Turkvölker im Mittelalter, deutsche und slawische Einwanderer oder die Herrschaft der Osmanen. Dennoch behaupten nicht wenige Ungarn, dass heute noch die Verwandtschaft mit den Ethnien aus dem Ural und der zentralasiatischen Steppe nachweisbar sei. Gern wird eine Studie des ungarischen Wissenschafters András Zsolt Bíró zitiert, in der er behauptet eine genetische Verbindung zwischen dem kasachischen Stamm der „Madjar“ mit dem Ungarn  (Magyaren) gefunden zu haben. Bíró bekam dafür 2008 eine Ehrung vom kasachischen Kulturministerium.</p>
<p style="text-align: justify">Mit dem Slogan „Wir sind alle verwandt“ erklärten bisher vor allem Politiker der rechtsradikalen Partei „Jobbik“ den engen Kontakt zum selbsternannten Brudervolk, den Kasachen. Wissenschaftlich sei die genetische Verwandtschaft aber nicht beweisbar, meint eine ungarische Historikerin, die anonym bleiben möchte, im Novastan-Interview. „Das ungarische Volk will daran glauben, dass wir in Europa etwas Wichtiges, Einzigartiges sind, etwas, das man unbedingt vor der westlichen Globalisierung oder vor was auch immer schützen soll.” Der Glaube an die Einzigartigkeit der Ungarn müsse “die wirtschaftliche und soziale Rückständigkeit und Erfolglosigkeit ausgleichen”.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/neu1.jpeg" alt="Arpáds Reiter - Heldenplatz" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ostöffnung unter Orbán</strong></p>
<p style="text-align: justify">Inzwischen ist der Kontakt zu Kasachstan lange kein Projekt des rechtsradikalen Flügels mehr. Der Premierminister Ungarns und Anhänger der national-konservativen Partei (Fidesz), Viktor Orbán, verwendet den Rückbezug auf die alten Verwandtschaften im Osten als Rechtfertigung für das außen- und wirtschaftspolitische Programm der rechts-konservativen Regierung. Hinter dem Motto der „Ostöffnung“ verbirgt sich eine umstrittene Außen- und Wirtschaftspolitik, die politische Nähe zu Ländern wie Russland, Aserbaidschan und die Türkei, bis hin zu China, Kuwait, Saudi Arabien oder dem Iran sucht.</p>
<p style="text-align: justify">Politisch äußert sich die Nähe durch häufige gegenseitige Besuche von diplomatischen Delegationen &#8211; im Herbst dieses Jahres mit Aserbaitschan und im Sommer mit Kasachstan. Letztere scheinen für Ungarn besonders profitabel zu sein. Orbán erklärt das Interesse Ungarns an Kasachstan mit einfachen Worten: <q>Wir kommen aus einem Teil der Welt, in dem es eine Krise gibt und sind in einem Teil der Welt angekommen, in dem es keine gibt.</q> Das <a href="https://www.pism.pl/files/?id_plik=16891">Polnische Institut für Internationale Beziehungen (PISM)</a> sieht vor allem seit dem Regierungsantritt von Orbán im Jahr 2010 eine Wende in der ungarischen Außenpolitik, bei der gegenüber diplomatischen Beziehungen vor allem die Wirtschaft in den Vordergrund rückt. Eine Reihe neuer Wirtschaftsabkommen zwischen Kasachstan und Ungarn unterstützt diese These.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Öl, Stein und Fisch &#8211; kasachische Reize</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach Angaben der kasachstanischen Botschaft in Budapest sind aktuell 58 ungarische Unternehmen und Joint Ventures in Kasachstan tätig. Darunter vor allem in der industriellen Produktion, in der Bau- und Agrarwirtschaft, ebenso wie im Energiesektor. Der größte  ungarische Mineralölkonzern, MOL (Magyar Olaj- és Gázipari Részvénytársaság), hält nach offiziellen Angaben Anteile von 25 beziehungsweise 49 Prozent an den Projekten zur Entwicklung der Lagerstätten „Fedorov” sowie „Karpovskiy North“ im Westen Kasachstans. Kasachischer Partner ist dabei KazEnergy, ein Konglomerat aus über 50 verschiedenen Konzernen aus der Mineralöl- und Energiewirtschaft.</p>
<p style="text-align: justify">Bezeichnenderweise veranstalteten 2013 die kooperierenden Energie-Unternehmen MOL und KazEnergy <a style="line-height: 1.6em" href="http://en.tengrinews.kz/people/Hungarian-businessmen-enhancing-historic-ties-with-Magyars-descendants-in-21200/">eine Rally</a>, um nach eigenen Angaben die &#8222;historischen Wurzeln&#8220; der magyarischen Stämme zu verfolgen.</p>
<p style="text-align: justify">Dzhambulat Sarsenov, Vize-Präsident von „KazeEnergy“ <a href="http://oilnews.kz/novosti/novosti-tek-kazaxstana/16862.html">bestätigte kürzlich</a>, dass weitere Kooperationen mit Ungarn im Öl- Gasbereich besprochen worden seien. Im Rahmen der Kooperation würde der Partner im Westen Expertentreffen über die Entwicklungsmöglichkeiten von Ölindustrien veranstalten. Außerdem sei Ungarn bereit Kasachstan als Kandidat für die Durchführung des World Petrolium Congress 2017 in Astana zu unterstützen, so Sarsenov.</p>
<p style="text-align: justify">Sehr attraktiv ist auch die Baubranche für Ungarn. Hier steht die EXPO 2017 im Vordergrund des ungarischen Interesses. Ungarn hätte sich bei der Zuteilung der Austragung für Astana eingesetzt, heißt es von Seiten des kasachstanischen Außenministeriums. Dabei ist das ungarische Engagement im Bau von Objekten bereits Bestandteil von <a href="http://strategy2050.kz/ru/news/14159">Nazerbajews Strategie für 2050</a>. Kasachstans Bauwirtschaft ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Ungarn sieht hier, wie auch andere europäische Staaten, neue Möglichkeiten in Zentralasien. „Kasachstan ist der lebende Beweis, dass es keine Weltwirtschaftskrise gibt. Es gibt Teile der Welt, die eine Krise haben, und Teile, die keine haben.“, sagte Viktor Orbán kurz nach seiner Rückkehr von einem Kurzbesuch in Astana im Jahr 2012. Tatsächlich aber war Kasachstans Bauwirtschaft stark von der Finanz- und Immobilienkrise 2008/2009 betroffen. Eine Analyse des GTI (Germany Trade and Invest) zufolge sei die Bauwirtschaft infolgedessen „nahezu zum Erliegen gekommen“, erholte sich aber schrittweise vor allem durch öffentlich finanzierte und geförderte Projekte. Hier gelten auch die Aufträge für die kommende EXPO als wichtiger<a href="http://www.politics.hu/20140902/kazakhstan-strategic-partner-for-hungary-says-varga/"> Rückenwind für die Branche.</a></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 432px;width: 640px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/3786607130_2150fa00c9_z.jpeg" alt="Balaton See in Ungarn" /></p>
<p style="text-align: justify">Zudem scheint Ungarn auf den kasachischen Fisch gekommen zu sein. Um das romantische Idyll auf dem größten ungarischen Binnengewässer, dem Balaton, zu bewahren, wurde bereits im Dezember letzten Jahres die gewerbliche Fischerei verboten. Der dadurch entstandene Fischbedarf wird derzeit zu 95 Prozent durch Importe aus Kasachstan und der Türkei gedeckt.</p>
<p style="text-align: justify">Laut <a href="http://kashagan.today/?p=5034">Kashagan Today</a> betrug das ungarische Investment in Kasachstans Wirtschaft zwischen 2005 und 2013 mehr als 60 Millionen Dollar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein ungarischer Sonderweg?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch wenn die vermeintliche „Ostöffnung” unter einem wirtschaftlichen Primat zu stehen scheint, werden zumindest die politischen Implikationen von der Orbán-Regierung schnell unter den Teppich gekehrt. Die ungarische Außenpolitik sei in erster Linie “ungarnfreundlich”, <a href="http://www.euractiv.com/sections/global-europe/hungarys-orban-well-choose-our-own-path-russia-310185">so die Wortwahl des Premierministers</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Besonders wird die Akzeptanz der Orbán-Regierung gegenüber den herrschenden autokratischen bis diktatorischen Systemen in den jeweiligen Partnerländern kritisiert. Auch auf manch Plakaten der Großdemonstration im November 2014 war zu lesen: „Wir sagen nein zur aktuellen Außenpolitik!“</p>
<p style="text-align: justify">Ungarns Premierminister weist die Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück. In offiziellen Statements werden Gemeinsamkeiten und gegenseitige Anerkennung verlautbart: „Auch in der EU denken sie, dass Institutionen selbstständig funktionieren, aber sogar ein Auto funktioniert nicht ohne Chauffeur. Glücklich sind jene Länder, die eine klare Führung haben&#8220;, <a href="http://www.t-online.de/wirtschaft/id_71754020/wirtschaft-ungarn-und-aserbaidschan-planen-gasgeschaeft.html">sagte Orbán</a> bei einem Treffen ungarischer und aserbaidschanischer Geschäftsleute Mitte November. Ähnlicher Auffassung sei man wohl auch beim politischen Stil. So heißt es etwa auf der <a href="http://mfa.gov.kz/index.php/en/foreign-policy/kazakhstan-s-relations/kazakhstan-eu-cooperation/16-materials-english/1102-kazakh-hungarian-relations">Webseite des kasachischen Außenministeriums</a>: „Beide Seiten teilen ähnliche Positionen zu den meisten wichtigen Themen internationaler Politik.“</p>
<p style="text-align: justify">Zusätzlich sorgt Ungarns Verhalten in der Ukraine-Krise in Brüssel und Washington für Argwohn bis hin zum Fundamentalvorwurf der „Russlandfreundlichkeit”. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Stopp der Gaslieferungen in die Ukraine mit der Begründung eines gesteigerten Gasbedarfs sowie der Priorität, die eigenen Gasspeicher auffüllen zu wollen. Außerdem zeigte sich Ungarn an einer Kooperation mit Russland für den Bau der South-Stream-Pipeline interessiert. In Kooperation mit dem staatlich kontrollierten Energiekonzern Gazprom sollte durch die Pipeline russisches Gas ohne Abhängigkeit von den Transitländern Weißrussland und der Ukraine nach Zentral- und Westeuropa geliefert werden. Die Pläne <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/southstream-putin-droht-mit-stopp-der-pipeline-nach-suedeuropa-a-1006044.html">scheitern vorerst</a> allerdings an der Blockadehaltung Bulgariens. Zum anderen steht das Engagement der ungarischen Regierung in der Karpatenukraine und der damit einhergehende Anspruch für die dortige ungarische Minderheit als Schutzmacht aufzutreten.</p>
<p style="text-align: justify">Eine solche ungarische Außenpolitik wirkt langfristig als Sand im Getriebe, sowohl in der transatlantischen Partnerschaft als auch bei einer gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Inwiefern die propagierte „Ostöffnung” diesen Prozess aber beschleunigt oder nur eine vorübergehendes Krisensymptom ist, bleibt indessen abzuwarten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zu Gast bei Verwandten? </strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/810/neu.jpeg" alt="Astana-Straße" /></p>
<p style="text-align: justify">Philipp Karl forscht zu Rechtsradikalismus in Ungarn. Im Novastan-Interview weist er darauf hin, dass die vermeintlichen Abstammungszusammenhänge von Seiten der Politik als legitimatorisches Vehikel genutzt werden: „Nach innen haben sie das klare Ziel die eigene Abstammung beziehungsweise Vergangenheit mythologisch und teils pseudowissenschaftlich zu überhöhen und somit von der wenig rosigen Gegenwart abzulenken. Nach außen stellt es eine Möglichkeit dar, die Annäherung an wenig demokratische beziehungsweise autoritäre Regierungen legitim und natürlich erscheinen zu lassen.” Karl betont zudem, dass sich die Jobbik-Partei explizit in ihren Wahlprogrammen die Ostöffnung im wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bereich zur Aufgabe gemacht hat. Jobbik ist bei den Parlamentswahlen 2014 mit einem Anteil von 20 Prozent der Stimmen zur drittstärksten Partei aufgestiegen.</p>
<p style="text-align: justify">Dennoch sei es, Karl zufolge, unwahrscheinlich, dass ein gelebter Turanismus  (also die Ideologie über eine gemeinsame Abstammung der Turkvölker) eine weitreichende Renaissance in Ungarn erleben wird. Dafür sei die Christianisierung unter dem Heiligen Stephan (Szent István), dem ersten ungarischen König, und der damit begründete Anschluss an das „moderne Abendland” zu fest in der kollektiven Identität verankert. Nichtsdestotrotz dienen turanische Elemente „als ideologischer Überbau zu Treffen und Vereinbarungen der ungarischen Regierung insbesondere mit Kasachstan”.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kulturaustausch zwischen Puszta und Steppe</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nicht ganz 4000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der ungarischen und kasachischen Hauptstadt. Wie ungarische Medien im Sommer dieses Jahres berichteten, soll es bald auch Direktflüge zwischen den Ländern geben. Seitens des Budapester Flughafens hätte man von den Plänen gehört, konkrete Informationen darüber gebe es allerdings nicht. Auch die Fluglinie Wizzair, die auch Flüge nach Baku und Dubai anbietet und laut der Kommunikationsabteilung des Flughafens für Direktflüge nach Astana in Frage käme, belässt es auf Anfrage von Novastan bei dem Statement, dass man lediglich von Plänen wisse.</p>
<p style="text-align: justify">Vielleicht können bereits im Sommer 2015 die ersten ungarischen Touristen Kasachstan direkt anfliegen, zeitlich passend zum ungarischen Filmfest, das jährlich in Almaty stattfindet. Im Jahr 2010 wurde das Festival gegründet, und ist ein weiteres Beispiel für den verstärkten Kulturaustausch der beiden Länder. Zudem finden bereits seit 13 Jahren „Tage der Kultur Kasachstans“ in Ungarn und das ungarische Pendent dazu in Kasachstan statt. Die ungarische Akademie der Wissenschaften MTA präsentierte dieses Jahr die ungarische Übersetzung von Präsident Nursultan Nazarbajews Autobiographie &#8211; mit Unterstützung seitens MOL. Und im Sommer erschien der Spielfilm basierend auf dem Buch im ungarischen öffentlich-rechtlichen TV.</p>
<p style="text-align: justify">Zu Árpáds strammen Reitern am Budapester Heldenplatz gesellten sich jüngst auch weitere zentralasiatische Spuren ins Stadtbild. 2013 wurde im angrenzenden Stadtwäldchen eine Straße in „Astana-Straße“ benannt.  Und im Sommer 2014 weihte eine Delegation aus Kasachstan eine Büste des Dichters Abai Qunanbajuly ein. Das vier Meter hohe Denkmal, <a href="http://pusztaranger.wordpress.com/2014/05/26/ostoffnung-kasachischer-diktator-weiht-in-budapest-statue-ein/">so wird  der ehemalige Vize-Bürgermeister Miklós Csomós (Fidesz)</a> zitiert, sei als „Geschenk des kasachischen Volkes“ und Zeichen der „ausgezeichneten ungarisch-kasachischen Beziehungen“ gemeint.</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Alina Kozhakhmetova<br />
Redakteurin für Novastan.org, Kasachstan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Daniela Neubacher</strong><br />
<strong>Antje Lehmann</strong><br />
<strong>Korrekteurinnen für Novastan.org</strong>
</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Arbeitsplatz Container: Eine Spurensuche in Almaty</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2014 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Almaty]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diese Fotoreportage enstand im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung ver&#xF6;ffentlicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Diese Fotoreportage enstand aus der Zusammenarbeit von Daniela Neubacher (D), Antje Lehmann (D), Christoph Richter (D) und Sarbinaz Mambetnazarowa (UZ) im Rahmen der Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2013 in Almaty und wurde u.a. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.</em></strong></p>
<p>Eine weitere Version des Artikels ist <a href="https://dieneubacher.exposure.co/gestrandet">hier</a> zu finden.</p>
<p style="text-align: center">
<p style="text-align: center"><strong>VIER GENORMTE WÄNDE</strong></p>
<p style="text-align: justify">Von außen vertäfelt und groß beschildert, von innen gefüllt mit Nudeln, Zement, Werkzeug oder Gartenzubehör – bunt und vielfältig reihen sie sich auf dem Basar aneinander, zwängen sich in den Seitenstraßen zwischen Hütten und Verschlägen und warten an stark befahrenen Kreuzungen auf Kundschaft. Es braucht oft einen zweiten Blick, um die auf 20 oder 40 Fuß genormten Stahlquader als solche wiederzuerkennen. Nur Form und Türen verraten, dass sie einst vielleicht tausende Kilometer über Weltmeere und Landstraßen gereist sind, bevor sie hier an den Straßen und Ecken Almatys strandeten.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/1.jpeg" alt="1" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUNTES SPIEL IM VERBORGENEN</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein gemütliches Sofa, Tee und ein Schachspiel – übliche Requisiten in einem Café. Erst der Blick auf die Details verrät die Realität, die Vitrine wurde kurzerhand zu einem Tisch umfunktioniert, und das Sofa ist flankiert von zwei Regalen. Das Stimmengewirr, das von den Backgammonspielern gegenüber ausgeht, dringt in den verwaisten Container-Kosmos herüber. Muchtar, der Besitzer, ist unter ihnen gerade nur als Zuschauer, denn eigentlich hegt er eine heimliche Liebe für’s Schachspielen. Er deutet auf seinen anderen Container nebenan, der Lampen aller Facetten beherbergt. Hier hat er sich sein zweites geschäftliches Standbein geschaffen. Schon seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in seinen zwei Gehäusen aus Stahl, die nach außen kühl und gleichförmig erscheinen, nach innen aber ihre Einzigartigkeit entfalten und Besucher fast vergessen lassen, worum es sich eigentlich handelt – ein Geschäft.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/2.jpeg" alt="2" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SCHWÄRMEREI AM STRASSENRAND</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Alexejs Hände kommt nur deutsche Qualität. „Die deutschen Werkzeuge halten nun einmal doppelt so lange wie die chinesischen“, erklärt der Mittvierziger, während er routiniert den Autoreifen seines Kunden umwuchtet. Der Vater eines Sohnes arbeitet zusammen mit seinem Kollegen in zwei hintereinander gereihten Containern, die zu einer Autowerkstatt umfunktioniert wurden. In den dunklen Ecken stehen Geräte; Kabel und Schläuche winden sich durch den Eingang hin zu den wartenden Kunden vor ihren Autos. Alexej bleibt gelassen. Er spricht gebrochen Deutsch, acht Jahre lang hat er in Deutschland gelebt. München, Düsseldorf, Hamburg, Köln – all diese Städte habe er schon besucht. Selbst bis in die Niederlande hätte es ihn damals verschlagen. Dann hält Alexej kurz inne und wischt sich den Schweiß von der Stirn.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/3.jpeg" alt="3" /><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/4.jpeg" alt="4" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>SUPERMAN IM HINTERHOF</strong></p>
<p style="text-align: justify">Talgats Arbeitsplatz liegt abseits des großen Almatiner Basars, in einem versteckten Hinterhof. Seine Kunden kennen den Weg. Denn die Lebensmittel sind bei ihm billiger als am “Grünen Basar”. Der Platz ist staubig; ständig laden junge Männer Waren auf und ab. Zwischen dem arbeitssamen Treben zwängen sich Talgats Kunden zu seiner Koje gegenüber dem Container durch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/5.jpeg" alt="5" /></p>
<p style="text-align: justify">Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der 18-Jährige verkauft hauptsächlich Nudeln, Öl und schwarzen Tee in einem Container, der seinem Vater gehört. Er weiß um seine große Verantwortung. Wenn der sportliche, junge Mann seine Kunden bedient, wirkt er sehr ernst für sein Alter. Nur später vor der Kamera beginnt er übermütig zu lachen und posiert freudig bei der Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/6.jpeg" alt="6" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/7.jpeg" alt="7" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>BUS, BUCH UND „BAGASCH“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Es ist schon früher Abend, aber die Arbeit geht trotzdem weiter. Abenteuerlich zusammengeschnürte Pakete, graue Stoffbeutel und längliche, undefinierbare Stangen füllen den Platz zwischen Bus und dem Bürocontainer – doch Akschol bahnt sich zielsicher seinen Weg durch die Stolperfallen. Was nach Chaos auf diesem Nebenschauplatz des „Avtowaksal“ in Almaty aussieht, ist auch eines. Doch dann verweist Akschol auf ein schlichtes Buch – darin: minutiös aufgelistete Fahrten, Frachten, Daten, Namen und Adressen, fein säuberlich und ständig akribisch vervollständigt. Bürokratie im Kleinen. Es liegt mittig auf dem Tisch, daneben ein Kugelschreiber – ansonsten gibt sich der Arbeitsplatz recht leer. Ein Container für ein Buch.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/8.jpeg" alt="8" /><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/9.jpeg" alt="9" /></p>
<p style="text-align: justify">Eigentlich ist Akschol der Fahrer, allerdings hat er in dem Vier-Mann-Unternehmen alle möglichen Positionen inne: Packer, Träger, Planer oder Kontrolleur – ein Leben zwischen Bus, Buch und Bagasch (Russisch für Gepäck). Schnell muss es vor allem gehen, die Fuhre wird am nächsten Tag in Westkasachstan erwartet. Für Buch und Besitzer geht es aus dem Container hinaus in die Weite der Steppe.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/10.jpeg" alt="10" /></p>
<p style="text-align: center"><strong>ASSEM TRÄUMT VON DER WELT</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/11.jpeg" alt="11" /></p>
<p style="text-align: justify">Pferd heißt „horse“, verrät das pinke Post-it am Fenster. Die junge Kasachin Assem nutzt die vielen Stunden, während sie am Basar Autozubehör verkauft, um Englisch zu lernen. Inmitten von Batterien, Flaschen und Schmieröl-Kanistern hat sie ihre Bücher auf dem kleinen Verkaufstisch vor sich ausgebreitet. In der kleinen Koje nebenan kleben zahlreiche Zettel mit den wichtigsten Vokabeln und Sätzen, die sie sich einprägen will. What are you doing? What is the title of the film? Darunter steht die russische Lautschrift, manchmal auch eine kasachische Übersetzung. So hat Assem ihre Vokabeln dort in ihrer Ecke immer im Blickfeld, wenn sie durch das kleine Fenster auf den Marktplatz nach Kunden Ausschau hält.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12.jpeg" alt="12" /><img decoding="async" style="height: 900px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/12bis.jpeg" alt="13" /></p>
<p style="text-align: center">„<strong>ICH BIN IMMER HIER“</strong></p>
<p style="text-align: justify">“<em>Wie erstaunt waren die Leute, als wir da plötzlich mit unseren Kameras vor den Containern standen? Einige haben uns sofort wieder weggeschickt. Manche reagierten misstrauisch. Die meisten haben sich aber gefreut, dass sich ‘junge Ausländer’ für ihren vermeintlich unscheinbaren Arbeitsplatz interessieren. Die junge Assem mit ihren Büchern, die Frau vom Gartenladen mit dem mädchenhaften Lächeln, der engagierte Junge im versteckten Hinterhof &#8211; sie alle arbeiten Tag für Tag auf den Plätzen, Märkten und Seitengassen der größten Stadt Kasachstans. Der Container sichert ihre Existenz. Es war ein unvergessliches Erlebnis, in diesen Mikrokosmos einzutauchen und ihren persönlichen Alltag festzuhalten.” </em></p>
<p style="text-align: justify"><em><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/13.jpeg" alt="14" /><img decoding="async" style="height: 894px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/14.jpeg" alt="15" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/15.jpeg" alt="16" /><img decoding="async" style="height: 403px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/668/16.jpeg" alt="17" /></em></p>
<p style="text-align: right"><strong>Text und Bilder von  </strong><br />
<strong>Sarbinaz Mambetnazarowa</strong><br />
<strong>Antje Lehman</strong><br />
<strong>Christoph Richter</strong><br />
<strong>Daniela Neubacher </strong></p>
<p style="text-align: justify">
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		<title>Die Abwertung des Tenge &#8211; alles unter Kontrolle?</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/die-abwertung-der-tenge-alles-unter-kontrolle/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Abwertung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 11. Februar wurde der Tenge um 19% abgewertet. Diesem drastischen Schritt entsprechend fallen die Reaktionen in der Presse, den sozialen Netzwerken aber auch auf der Stra&#xDF;e aus.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">Wie Novastan.org letzte Woche <a href="http://francekoul.com/articles/kasachstan-entwertet-seine-whrung-um-19">berichtete</a>, wurde am 11. Februar der Tenge um 19 Prozent abgewertet. Diesem drastischen Schritt entsprechend fallen die Reaktionen in der Presse, den sozialen Netzwerken aber auch auf der Straße aus. Viele Menschen sehen durch die angeheizte Inflation ihre wirtschaftliche und soziale Lage in Gefahr. Die Regierung versucht jedoch beruhigende Zeichen zu senden und die Zweifel zu zerstreuen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Alternativlose Abwertung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am Montag gab Kairat Kelimbetow, der Präsident der kasachischen Nationalbank, in einem <u><a href="http://www.kommersant.ru/doc/2407213">Interview</a></u> mit dem russischen Magazin „Ogonjok“ bekannt, dass der Hauptgrund in der instabilen Lage der globalen Finanzmärkte zu suchen sei, die eine Abwertung der Währungen mehrerer Schwellenländer mit sich gebracht hätte. „Eine vernünftige Alternative zur Abwertung gab es nicht.“, bekräftigte Kelimbetow die Entscheidung, die nach einer Konsultation mit der Regierungsführung getroffen wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Die abrupte Abwertung wurde einer graduellen Herabsetzung der Tenge vorgezogen, so Kelimbetow weiter, damit die kasachische Bevölkerung durch die Devaluation nicht unnötig nervös gemacht werde. Was Kelimbetov mit dieser „Nervosität“ meint, bleibt unklar, zumal die offizielle Beruhigungsrhetorik soziale und wirtschaftliche Nachteile in Folge der Abwertung für die Bürger ausschließt. Den edlen Motiven von Nationalbank und Regierung steht auch der Fakt entgegen, dass die Banken nicht im Voraus über die Abwertung informiert wurden, um Spekulationen zu vermeiden und vor allem eine gewisse Gleichheit zwischen den Betroffenen zu garantieren.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Kelimbetow trägt die Abwertung zur Verbesserung der gesamten wirtschaftlichen Lage bei, indem sie die Konkurrenzfähigkeit kasachstanischer Güter für den Export erhöht. Nach der vorgenommenen Abwertung schätzt die Nationalbank Kasachstans das diesjährige Wirtschaftswachstum auf 7 Prozent, bei einer gleichzeitigen Inflationsrate von 6-8 Prozent. Nach diesem <u><a href="http://vlast.kz/article/nacbank_prognoziruet_7_procentnyj_rost_jekonomiki_posle_devalvacii-4500.html">„chirurgischen Eingriff“</a></u> in die Wirtschaft, würde sich jedoch eine Phase der Rehabilitation anschließen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Elektronischer Schlagabtausch</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenige Tage nach der Abwertung erhielten viele Menschen per Whatsapp, aber auch auf anderen sozialen Netzwerken eine anonyme Nachricht, in welcher der Bankrott der Kaspii Bank, der Center Credit Bank sowie der Alliance Bank ankündigt wurde. Im gleichen Atemzug wurde den Empfängern empfohlen das Geld so schnell wie möglich von diesen Geldinstituten abzuziehen. Die Folge waren Schlangen an vielen Filialen der Banken, weil viele versuchten ihr Geld noch vor dem prophezeiten Bankrott zu retten.</p>
<p style="text-align: justify">Prompt folgte am gestrigen Mittwoch die Antwort der Zentralbank, die unter anderem auch per SMS die Menschen darüber informierte, dass alle Banken über ausreichende Reserven in – und ausländischer Währung verfügten und die Bürger sich nicht durch die falschen Informationen – gar Provokationen – beunruhigen lassen sollten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abwertung, soziale Ungleichheit, Spitzenunterwäsche &#8211; Proteste am Wochenende</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/1.jpeg" alt="Demonstration Almaty Februar 2014" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Trotz der Garantien der Regierung, dass keine starke Inflation zu erwarten sei, fand letzten Samstag eine Demonstration gegen die Abwertung in Almaty statt. Mehr als 100 Personen trafen sich neben dem Abai-Denkmal, um gegen die Regierungsentscheidung zu protestieren. Das Denkmal wurde nicht zufällig ausgewählt, denn es dient als kasachisches Gerechtigkeitssymbol. Der kasachische Dichter und Schriftsteller Abai Kunanbayuly propagierte in seinen Werken immer wieder Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit.</p>
<p style="text-align: justify">Unter den Demonstrierenden befanden sich auch: Serikzhan Mambetalin, ein Mitglied der grünen „Ruhaniyat“-Partei sowie Zhasaral Kuanyschalin, ein Regimekritiker und Mitglied der Bewegung „Zhasa, Azattyk“ (Jugend, Freiheit). Letzterer konnte wegen einer Verurteilung nicht an den Präsidentschaftswahl im Jahr 2010 teilnehmen. Der Protest gegen die Abwertung wurde auch durch den generellen Unmut gegenüber der Regierung sowie sozialen Problemen und Ungleichheiten im Land getragen. Später bewegte sich die Gruppe Richtung Rathaus, wobei einige Teilnehmende kurzzeitig festgenommen wurden.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 411px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/2.jpeg" alt="Demonstration Spitzenunterwäsche" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Auch am Sonntag versammelten sich wieder etwa 100 Menschen, wobei noch ein weiteres Anliegen hinzu kam. Stein des Anstoßes war das Verbot von Spitzenunterwäsche im Rahmen der Zollunion zwischen Kasachstan, Russland und Belarus. Am Freitag wurde ein Gesetz gegen die Produktion, den Verkauf und den Import von Spitzenunterwäsche in den Mitgliedsländern erlassen und soll schließlich am 1. Juli in Kraft treten. Über das Verbot gab es bereits letzten Herbst Spekulationen, inwieweit aber die endgültige Gewissheit nun „Nervosität“ innerhalb der Bevölkerung auslöst, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen zeigen. Als offizielle Begründung für das Verbot werden vage „hygienischen Gründe“ angeführt. Für Kritiker ist es jedoch ein weiteres Zeichen für einen wachsenden Einfluss Russlands auf Kasachstan, nachdem die Abwertung der Tenge schon der des Rubels folgte.</p>
<p style="text-align: justify">Beide Demonstrationen waren nicht zugelassen, zudem wurde den Demonstrierenden der Zugang zu weiteren symbolischen Orten wie dem Platz der Republik in Almaty versperrt. Um die Demonstrationen einzudämmen, wurden auch Schneepflüge benutzt. Dies inspirierte die kasachische Internetgemeinschaft zu scherzen: die Demonstration müsste in verschiedene Stadtteile begleitet werden, weil in der ganzen Stadt zu viel Schnee läge und man sich deswegen “kaum“ bewegen könne.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 397px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/3.jpeg" alt="Schneepflüge in Almaty" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Anzeichen für eine junge Protestkultur? </strong>.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist nicht ausgeschlossen, dass die jüngere Generation in Zukunft ein gesteigertes politisches Engagement zeigen wird. Diese Proteste könnten <u><a href="http://rus.azattyq.org/content/almaty-week-and-protests-tenge-devaluation/25265768.html">laut einiger Politologen</a></u>, wie Talgat Mamijrajmow, auch für einen neuen Trend stehen: politisch engagierte Jugendliche der postsowjetischen Generation, die mit Hilfe von sozialen Netzwerken verstärkt virtuell kommunizieren, sich vernetzten und neue Koalitionen bilden, wodurch nicht zuletzt ein großes Mobilisationspotenzial geschaffen wird.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Demonstration am Samstag (Video : <a href="http://rus.azattyq.org/content/almaty-week-and-protests-tenge-devaluation/25265768.html">Radio Azattyk</a>) </em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Auch viele der Demonstranten, die sich am Samstag vor dem Abai-Denkmal versammelten, sahen sich wohl zum ersten Mal jenseits der Bildschirme. Laut des Direktors der Gruppe für Risikobewertung, Dosym Satpaew, sollten die Proteste trotz ihrer kleinen Größe nicht unterschätzt werden. Wenn es früher für die Regierung möglich war die Bevölkerung zu kontrollieren, scheint es nun so, dass sich langsam eine selbstbestimmte Zivilkultur entwickelt.</p>
<p style="text-align: justify">Das Einschreiten der Polizei am Samstag wurde von einigen Demonstranten mit dem Motto „Schal, Ket!“ (auf kasachisch : Greis, geh weg!) begegnet. So meint auch Satpajew: „Nach dem Machtwechsel werden eben diese [jungen] neuen Spieler die politische Landschaft Kasachstans bestimmen.“</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Yelizaveta Chsherbakowa<br />
Journalistin für Novastan.org, Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Antje Lehmann</strong></p>
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		<title>Das Kulturevent des Jahres in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[antjel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2013 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bereits seit 2005 findet die &#132;Art-Style Week&#34; in einem j&#228;hrlichen Turnus in Usbekistans Hauptstadt Taschkent statt und zieht ein bunt gemischtes Publikum aus allen Teilen des Landes und dar&#252;ber hinaus an.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px"><strong>Bereits seit 2005 findet die &#8222;Art-Style Week&#8220; in einem jährlichen Turnus in Usbekistans Hauptstadt Taschkent statt und zieht ein bunt gemischtes Publikum aus allen Teilen des Landes und darüber hinaus an. Das Programm ist breit gefächert und bietet in jeder Hinsicht eine interessante Mischung verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen: von Fotoausstellungen, Konzerten mit zeitgenössischer und traditioneller Musik über Modeschauen bis hin zu Kinofestivals, die verschiedene Genres bedienen. Die diesjährige Ausgabe lief zwischen dem 22. und dem 27. Oktober.</strong></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px">Die &#8220;<a href="http://www.style.uz/en/">Art-Style Week</a>&#8220; stand dieses Jahr unter dem Motto &#8217;Mix der Träume, Farben und Emotionen&#8220;. Dabei zeigte sich die Veranstaltung als Magnet für Künstler und Künstlerinnen aus ganz Zentralasien. Diese empfinden die Art-Style Week&#8220; nicht nur als einen guten Anlass dem Publikum ihre Werke vorzustellen, sondern nutzen gleichzeitig auch die Gelegenheit die Hauptstadt und andere historische Städte entlang der Seidenstraße zu besichtigen.</span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px">Ganz besonders ungeduldig erwarten die Studierenden Taschkents die jährlich wiederkehrende Veranstaltung, um sich als Dolmetscher, Designer oder Volontäre zu beteiligen und gleichzeitig die Chance zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch nutzen. </span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px">Eine von ihnen ist Mehribon Utegenova, Studentin an der Weltsprachen Universität Taschkent, die zudem seit April dieses Jahres ihr Volontariat im Bereich der Journalistik absolviert. Sie hat besonders die Modenschau beeindruckt: &#8220;Neben ausländischer Mode wurden auch dreizehn usbekische Kollektionen präsentiert. Ich persönlich habe mich in die Muster von Denis Tomin verliebt. Besonders bei der Kleidung für Männer in seiner Kollektion empfand die Ausgestaltung der Stoffe als eine Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem hat mir gefallen, dass europäische Designer usbekische Stoffe, wie Atlas, Adras und Seide in ihre Kollektionen verwendet haben. Das war zwar außergewöhnlich, aber dennoch wunderschön.&#8220;  Zum Ende der Modeschau hatten die Zuschauer zudem die Gelegenheit traditionelle Kleidung aus den verschiedenen Provinzen Usbekistans, wie Bukhara, Khorezm, Samarkand, Kaschkadarya, Karakalpakstan zu bewundern. Merihibon Utegenova zeigte sich darüber erstaunt: &#8220;Ehrlich gesagt, ist mir früher die Vielfältigkeit unserer Kleidungen nicht sonderlich aufgefallen.&#8220;</span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px"><img decoding="async" style="height: 800px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/325/erffnungstag.jpeg" alt="Die Studentin Mehribon Utegenova" /></span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px">Veranstaltet wird die Art-Style Week&#8220; von der Stiftung Forum für Kultur und Kunst Usbekistans&#8220;, die im Jahre 2004 gegründet wurde. Das propagierte Ziel zeigt sich darin, die Entwicklung der inländischen Wissenschaft, Kultur und Ausbildung voranzutreiben sowie das große, geistige Erbe und die usbekischen Traditionen wiederzubeleben.</span></p>
<p style="text-align: justify"><span style="font-size: 14px">In diesem Sinne organisierte die Stiftung bereits unterschiedliche Veranstaltungen, wie eine Bazar Art-Messe, wo sich Handwerker aus allen Regionen Usbekistans mit ihren Erzeugnisse vorstellten oder einen Wohltätigkeitsmarathon zugunsten der Frauen mit Brustkrebs lancierten.</span></p>
<p style="text-align: right"><span style="font-size: 14px"><strong>Benazir<br />
</strong></span></p>
<p style="text-align: right"><span style="font-size: 14px"><strong>Redaktion: Antje Lehman </strong></span></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/usbekistan/das-kulturevent-des-jahres-in-usbekistan/">Das Kulturevent des Jahres in Usbekistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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