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	<title>alexmaier, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>alexmaier, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<item>
		<title>Kommt der Maidan nach Zentralasien? Die Auswirkungen des Umsturzes in der Ukraine</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alexmaier]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Mar 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Nursultan Nazarbaev]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschehnisse in der Ukraine machen die ehemaligen Sowjetrepubliken nerv&#xF6;s. Insbesondere die autorit&#xE4;ren und korrupten Regime Zentralasiens scheinen sich f&#xFC;r eine Fortsetzung des &#x201E;Maidan-Ph&#xE4;nomens&#x201C; anzubieten.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kasachstan/kommt-der-maidan-nach-zentralasien-die-auswirkungen-des-umsturzes-in-der-ukraine/">Kommt der Maidan nach Zentralasien? Die Auswirkungen des Umsturzes in der Ukraine</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Die Ereignisse in der Ukraine machen auch den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken zu schaffen. Insbesondere die autoritären und korrupten Regime Zentralasiens scheinen anfällig für eine Wiederholung des „Maidan-Phänomens“. Die dortigen Regierungschefs fragen sich nun, wer auf Janukowitsch folgen wird. Die Bevölkerungen allerdings sind besorgt um ihre Heimatländer, die ebenso Opfer der russischen Expansionspolitik werden könnten.</em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Bislang haben die Turbulenzen auf dem ukrainischen Maidan und die Krim-Krise kein großes Echo von Seiten der zentralasiatischen Regierungsführer nach sich gezogen. Als die ukrainische Opposition mit der Bildung der Übergangsregierung begann, stellte der kirgisische Präsident Almasbek Atambajew bezüglich der Geschehnisse in der Ukraine viele Parallelen zu Kirgistan nach dem Regierungssturz von Bakijew im Jahre 2010 fest. Er zeigte sich zuversichtlich und <u><a href="http://www.tushtuk.kg/politics/13261_almazbek_atambaev_kyirgyizstan_ukraina_eli_bardyik_kyiyyinchyilyiktardyi_jenet_dep_ishenet/">solidarisch mit dem ukrainischen Volk</a></u>, und wünschte viel Erfolg und Durchhaltevermögen in diesen schwierigen Zeiten. Doch schneller als es ihm lieb ist, könnte Atambajev mit einer ähnlichen Situation in Kirgistan konfrontiert sein. Seine Regierung hat nach wie vor mit vielen destabilisierenden Faktoren zu kämpfen, und insbesondere im Zuge der Bürgermeisterwahlen in Osch und Bischkek kam es zu massenhaften Unmutsäußerungen der Bevölkerung. Alleine in den letzten elf Monaten wurden <u><a href="http://www.vb.kg/doc/257000_mvd_oglasilo_statistiky_akciy_protesta_za_11_mesiacev.html">782 Proteste </a></u> verschiedener Größenordnung in Kirgistan registriert. Und auch die übrigen Staatschefs Zentralasiens sind nicht vor Janukowitschs Schicksal gefeit.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Fragiles Kirgistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Führungsstil von Atambajew unterscheidet sich nur wenig von dem seiner Vorgänger. Insbesondere seine <u><a href="http://de.ria.ru/politics/20120920/264470894.html">pro-russische Politik</a></u>, die das ökonomische und politische Schicksal des Landes immer stärker an das Russlands bindet, trifft kaum auf Gegenliebe in der kirgisischen Bevölkerung. Im letzten Jahr wurde auf Initiative des Präsidenten hin die hochverschuldete Aktiengesellschaft „Kyrgyzgaz“ für den symbolischen Preis von 1 USD an Gazprom verkauft. Russland übernahm auch den Bau des Wasserkraftwerkes Kambarata 1 und unterstützte den Bau eines weiteren Wasserkraftwerkes an der Ober-Naryn. Im Rahmen eines Partnerschaftsabkommens hilft Russland bei der Umrüstung der kirgisischen Armee, hierzu wurden Vereinbarungen über Waffenlieferungen und den Austausch von Kriegstechnologie getroffen. Im Gegenzug gewährt Kirgistan dem russischen Militär Zugang zu seinem Staatsgebiet. Es existieren insgesamt vier russische Militärbasen auf kirgisischem Territorium: der Luftwaffenstützpunkt Kant, ein Nachrichtenpunkt der Marine im Dorf Kara-Balta, ein Testgelände für U-Boot-Jagdwaffen am Issyk-Kul-See sowie eine Erdbebenwarte des russischen Verteidigungsministeriums. Im Zuge der Schließung der US-Militärbasis auf dem Flughafen Manas in der Nähe der Hauptstadt Bischkek wurde mit Russland ein Memorandum über die Modernisierung der kirgisischen Flughäfen unterzeichnet. Nun verlangt das russische Unternehmen <u><a href="http://inter.kg/sobytiya-dnya/4030-manas-aeroportunun-akciyalarynyn-zharymy-orusiyalyk-kompaniyaga-berilebi.html">Rosneft 51 Prozent</a></u> der Aktienanteile am Internationalen Flughafen Manas.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zwangsehe mit Russland</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/554/russia_stop.jpeg" alt="Russland halt" /></p>
<p style="text-align: justify">Die zentralasiatischen Gastarbeiter in der Russischen Föderation kommen hauptsächlich aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan. Während die Rücksendungen der tadschikischen Migranten fast die Hälfte des nationalen Bruttoinlandsprodukts ausmachen, summieren sich die Geldsendungen aus Russland in Kirgistan jährlich auf 35-40 Prozent. Tadschikistan und Kirgistan sind Anwärter für den Beitritt zur Eurasischen Zollunion, zu der neben Russland und Weißrussland bereits Kasachstan gehört. Dass Zentralasien, ob es will oder nicht, dem russischen Einfluss unterliegt, betonte kürzlich der Duma-Abgeordnete Wladimir Schirinowski in einer etwas saloppen <u><a href="http://tengrinews.kz/kazakhstan_news/v-mid-rossii-prokommentirovali-vyiskazyivanie-jirinovskogo-o-kazahstane-251023/">Anmerkung</a></u>: „Diese Staaten sollte man eigentlich zu der zentralasiatischen Föderation Russlands erklären.“ Der Moskauer Zentralasienexperte Arkadi Dubnow sah in dieser Aussage den Ausdrucks eines allgemeinen <u><a href="http://www.echo.msk.ru/blog/dubnov/1270892-echo/">Trends im Kreml</a></u> hin zu einer Stärkung des russischen Einflusses in Zentralasien. Natürlich bleibt dies den dortigen Regierungschefs nicht verschlossen. Die Situation, in der sich Janukowitsch befindet, dürfte Erinnerungen an die Notlage der kirgisischen Ex-Präsidenten Akajew und Bakijew wachgerufen haben, die in Russland und Weißrussland Zuflucht fanden. Die Furcht vor einem möglichen Maidan-Szenario stellt sich allen fünf Republiken, und die unausgesprochene Frage lautet: „Wer ist der Nächste?“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kein Kommentar zur Krim-Krise</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Spannungen auf der Halbinsel Krim wurden in Zentralasien von offizieller Seite kaum kommentiert. <u><a href="http://m.tengrinews.kz/ru/kazakhstan_news/251327">Kasachstan</a></u> plädierte lediglich in ein paar Sätzen für eine friedliche Lösung der Krise, und riet beiden Seiten von Gewalt ab. Etwas später meldete sich <u><a href="http://www.mfa.uz/ru/press/news/2014/03/1483/">Usbekistan</a></u> mit „Besorgnis um die Souveränität und die territoriale Einheit der Ukraine“ zu Wort, ohne dabei Russland und die Krim explizit zu erwähnen. Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgistan zeigten bisher keinerlei Reaktion. Der Politologe Arkadi Dubnow ist sich sicher, dass diese Zurückhaltung weiter anhalten wird. Es ist anzunehmen, dass man sich eher mit potentiellen Konsequenzen für die eigenen Staaten befasst. Denn der Anlass zu einem Militäreinmarsch zum „Schutze der russischen Minderheit und der russischen Militärobjekte“ wäre auch in Zentralasien gegeben. In allen zentralasiatischen Ländern leben russische und russischsprachige Minderheiten, die je nach Regime einen unterschiedlich starken Schutz ihrer Rechte zur Erhaltung von Sprache und Kultur genießen. Viele dieser Minderheiten fühlen sich politisch und kulturell marginalisiert. Außer in Kirgistan unterhält Russland eine Militärbasis in Tadschikistan und gleich mehrere militärische Übungs- und Testgelände im Norden Kasachstans.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Zum gleichen Thema: <a href="http://francekoul.com/articles/regime-kritiker-kasachstan-leidet-an-janukowitsch-syndrom">Regime Kritiker: Kasachstan leidet an &#8222;Janukowitsch-Symptom&#8220;</a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Berichterstattung aus dem Kreml</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die russische Berichterstattung dominiert die Medienlandschaft der Region. Durch Beiträge in Nachrichtensendungen wird versucht den Euromaidan zu diskreditieren, und häufig wird die Abwertung der lokalen Währungen mit der ukrainischen Krise in Verbindung gebracht. Die Rede ist von einer möglichen Zweiteilung der Ukraine als Ergebnis der Interessenskollision der Großmächte USA, EU und Russland. Der russische Einmarsch wird hierbei als stabilisierender Faktor und Garant für Recht und Ordnung auf der Krim dargestellt. Die bekannte Journalistin Meri Bekeshowa aus Bischkek ließ der Autorin dieses Artikels folgenden Kommentar zukommen: „Russland muss für die Stabilisierung in der Ukraine sorgen, sonst bricht das Chaos morgen in Weißrussland aus, und übermorgen geht es mit den Tschetschenen und Tataren weiter. Die USA und die EU sind für diese Unruhen verantwortlich.“</p>
<p style="text-align: justify">Die Bevölkerung in Kasachstan und Kirgistan, soweit sie Zugang zu alternativer Berichterstattung über das Internet hat, bildet sich ihre eigene Meinung zur Ukraine. Die kasachische Solidarität mit dem Maidan sticht besonders hervor. Seit Monaten ist die kasachische Flagge zusammen mit der ukrainischen auf verschiedenen sozialen Netzwerken zu sehen, die Zollunion mit Russland wird immer wieder in Frage gestellt und die aggressive Politik von Putin heftig diskutiert. Infolge der <u><a href="http://nvdaily.ru/info/20863.html">Massendemonstrationen</a></u> in Astana gegen die Abwertung des kasachischen Tenge könnte es zu einem Spillover-Effekt vom Maidan nach Kasachstan kommen. Die Anzeichen mehren sich, dass die Nazarbajew-Ära langsam aber sicher auf ihr Ende zugeht. In der kasachischen Gesellschaft zeichnet sich dies durch mehrfache Spaltungen nach außen sowie innen ab. Pro- und anti-russische, nationalistische, pro und contra die eigene Regierung gerichtete Bewegungen lassen sich in allen Staaten Zentralasiens vorfinden, und werden durch die Krim-Krise weiteren Aufwind erhalten.</p>
<p style="text-align: justify">„<strong>Gestern Abchasien, heute Krim, morgen Nordkasachstan“</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 305px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/554/httpkg.akipress.org.jpeg" alt="Demonstration Bischkek" /></p>
<p style="text-align: justify">In Astana und Bischkek kam es in den letzten Tagen vermehrt zu Protesten gegen das russische Vorgehen auf der Krim. Mit ukrainischen und kasachischen Fahnen zogen die Demonstranten durch die Straßen Astanas bis <u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=iiVvOuquEvM">vor das russische Generalkonsulat</a></u>. Dort sangen sie die ukrainische und kasachische Nationalhymne und skandierten: „Gestern Abchasien, heute Krim, morgen Nordkasachstan“, und „Russland, lass deine Finger von der Ukraine!“. Auf den Plakaten war unter anderem „Wir sind gegen Separatismus!“, „Für Eure und unsere Freiheit!“, „Putin, Halt!“ und „Keine Union mit dem Okkupanten!“ zu lesen. Die Protestierenden verlangten den Truppenabzug aus der Krim und die Schließung der russischen Raketentestgelände auf kasachischem Territorium. Außerdem forderten sie den russischen Konsul zu einem Treffen auf. Die Polizei löste die Demonstration auf und nahm einen der Aktivisten fest.</p>
<p style="text-align: justify">Etwas bescheidener und ruhiger verlief die <u><a href="http://kg.akipress.org/news:593799">Protestaktion</a></u> vor dem Weißen Haus in Bischkek unter dem Motto „Souveränität der Ukraine = Souveränität von Kirgistan.“ Die Regierung wurde aufgerufen, sich für die territoriale Einheit der Ukraine auszusprechen und für eine ausgewogene Berichterstattung in Radio und Fernsehen zu sorgen.</p>
<p style="text-align: justify">Beobachter und Journalisten aus Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan diskutieren bereits die möglichen Konsequenzen der Krim-Krise (z.B. den Beginn eines <u><a href="http://kg.akipress.org/news:593674">neuen Kalten Krieges</a></u>) und gehen von der <u><a href="http://www.ca-news.org/news:1101694">Ausweitung der Krise</a></u> auf weitere Staaten der früheren Sowjetunion aus. Die Frage sei nicht mehr ob, sondern vielmehr welches Land als Nächstes an der Reihe ist.</p>
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<p style="text-align: right"><strong>Mahabat Sadyrbek<br />
Politikwissenschaftlerin und Doktorandin der BGSMCS<br />
Journalistin für Novastan.org, Kirgistan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Alexander Maier</strong></p>
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		<title>Einfach nur Studieren &#8211; Die Mühen einer jungen Studentin in Tadschikistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alexmaier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Muhabbat w&#xFC;rde gerne Sprachen studieren, doch ohne Geld sind in dem Bildungssystem nicht alle gleich.</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/einfach-nur-studieren-die-muhen-einer-jungen-studentin-in-tadschikistan/">Einfach nur Studieren &#8211; Die Mühen einer jungen Studentin in Tadschikistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">Ein schwüler Sommerabend. Muhabbat<a href="#sdendnote1sym" name="sdendnote1anc"><sup>i</sup></a> fährt zu ihren Angehörigen in die Hauptstadt. Sie denkt an den nächsten Morgen und daran, was sie noch alles zu erledigen hat. Außer ihrer Mutter weiß niemand, warum sie wirklich nach Duschanbe fährt. Den Rest ihrer Familie und Freunde hat sie angeschwindelt. Studieren, das will sie. Nicht ohne Ausbildung bleiben, wie ihre Schwestern und Freundinnen. Sie will zur Universität gehen, denn seit ihrer Kindheit hat sie einen Traum: später einmal nach Amerika auswandern, für immer.</p>
<p style="text-align: justify">Die Hauptstadt! Mit ihren 20 Jahren hat Muhabbat noch nie ihr Heitmatdorf verlassen. Angekommen bei ihren Angehörigen hofft das Mädchen auf einen herzlichen Empfang. Aber da hat sie sich getäuscht, denn in die Stadt läuft vieles anders. Die Menschen sind nicht gutmütig wie die Leute vom Dorf. Keine Spur von Einfachheit und Aufgeschlossenheit. Trotz des kühlen Empfangs und der Unzufriedenheit ihrer Verwandten bleibt aber das magische Gefühl, dass bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Muhabbat versucht, alle dunklen Gedanken zu verdrängen und freut sich auf den nächsten Tag.</p>
<p style="text-align: justify"><u><strong>Ein neues Kapitel</strong></u></p>
<p style="text-align: justify">Der erste Morgen ihres neuen Lebens. Es ist 7 Uhr. Noch keine Studentin, aber auch kein Schulmädchen mehr. Vor dem Universitätsgebäude hat sich eine große Menschentraube gebildet aus jungen, etwas verloren wirkenden Leuten, so wie sie. Nachdenklich sucht Muhabbat in dieser Menge ein bekanntes Gesicht, doch sie findet keins. Nachdem sie das Tor der berühmten Universität durchschreitet, sucht sie zielstrebig die Fremdsprachenabteilung auf. Schon vor dem ersten Beratungsgespräch ist ihre Entscheidung gefallen. Englisch will sie studieren, da ist sie sich sicher.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/542/1_2.jpeg" alt="Das Tadschikische Institut für Unternehmertum und Service" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Nur noch die Aufnahmeprüfung trennt sie von ihrem Glück. Gebannt wartet sie nach dem Tests auf ihre Ergebnisse. Mit Erschrecken stellt sie beim Blick auf den Aushang fest, dass es nicht gereicht hat, drei Punkte fehlen ihr. War es das jetzt? Alles vorbei?! Im Kopf des junges Mädchens geht alles drunter und drüber – was soll sie jetzt bloß ihrer Mutter, ihrer Familie sagen? Seit der 7. Klasse hat sie Englisch auf der Schule in ihrem Dorf gelernt. Zwei Jahre lang brachten die Lehrer ihnen das Alphabet bei – den Rest mussten die Schüler sich selbst aneignen. Nach der Schule fing Muhabbat an, Koreanisch zu lernen – auch das im Selbststudium.</p>
<p style="text-align: justify">Sie war schon immer ein ehrgeiziges und zielstrebiges Mädchen, das einzige Kind in der Familie, das sich dem Vater widersetzte und nicht direkt nach dem Schulabschluss heiratete. Stattdessen blieb sie an der Schule um zu arbeiten. Sportlehrerin, Englisch- und Tadschikisch-Lehrerin, Putzfrau, für keine Arbeit war sie sich zu fein. Der Vater von Muhabbat arbeitet als Taxifahrer, ihm war an der Bildung seiner Kinder nicht viel gelegen. Drei Töchter hat er zur Frau gegeben, seine Söhne fuhren nach Russland um dort Geld zu verdienen. Nur die eine Tochter schlich sich abends aus dem Haus, um am Englischunterricht teilzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify"><u><strong>Jeder bekommt eine zweite Chance</strong></u></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 443px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/542/2_2.jpeg" alt="Die Tadschikische Technologische Universität" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Die Aufnahmeprüfung, die ihr einen Studienplatz mit einem staatlichen Stipendium garantiert hätte, hat Muhabbat nicht bestanden. Nur einen Gedanken hat sie im Kopf – wie soll sie jetzt ihr Studium finanzieren? Eintausend Dollar braucht sie für die Studiengebühren, doch wo hernehmen? Von ihrer armen Mutter? Aber Muhabbat hat Glück im Unglück. Die Zulassungskommission schlägt sie für das Studium der deutschen Sprache vor – da dieses Fach weniger begehrt ist, sind noch Plätze frei, und mit fünfhundert Dollar sind die Studiengebühren auch nur halb so hoch. Muhabbat weiß zwar nicht genau, wo Deutschland liegt – es gab keinen Erdkundeunterricht an ihrer Schule – aber sie ist sich sicher, dass es auch dort schön ist.</p>
<p style="text-align: justify">15 Tage hat die junge Studentin, um die fünfhundert Dollar aufzutreiben. Sie verschuldet sich, bei der Tante, dem Onkel, Verwandten und Bekannten. Bei allen, außer ihren Eltern. Die Hälfte des Geldes bekommt sie so beisammen. Nachdem das erste Semester bezahlt ist, kann sie aufatmen. Doch Muhabbat weiß, sechs Monate gehen schnell vorbei. Sie braucht jetzt einen Job, anders wird sie sich das Studium nicht leisten können.</p>
<p style="text-align: justify"><u><strong>Studieren und/oder arbeiten?</strong></u></p>
<p style="text-align: justify">Die junge Studentin findet einen Job als Geschirrspülerin. Von acht Uhr abends bis fünf Uhr morgens arbeitet sie, für zehn Dollar pro Tag. Müde und schläfrig kommt sie nach der Arbeit ins Wohnheim. Umziehen, zur Uni&#8230; mit rot unterlaufenen Augen und einem hohlwangigen Gesicht. Der graue Star macht ihr zu schaffen, auf dem Dorf musste sie bei Kerzenlicht ihre Hausaufgaben erledigen und machte sich dabei die Augen kaputt. Eigentlich braucht sie eine Augen-OP, doch das Geld reicht nur für Konkaktlinsen. Irgendwie muss sie sich schließlich ihr Studium finanzieren.</p>
<p style="text-align: justify">Einen Rückzieher zu machen kann sie sich jetzt nicht mehr erlauben, und Zeit für Zweifel hat sie auch keine. Im Studium hängt Muhabbat hinterher: Sie fiel in einer Prüfung durch, da die Zeit nicht reichte für das viele Vokabelpauken. Und schlimmer noch: Das Geld, das sie für das zweite Semester beiseite gelegt hatte, zerrinnt in ihren Händen. An der Universität muss man für alles selbst aufkommen – für die Putzfrau, die die Hörsäle reinigt, für neue Teppichläufer für den Flur, für die Glühbirnen, die Kreide, das Klassenbuch. Und das sind nur die Nebenkosten – das, was man zahlen muss, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Prüfungswiederholungen kosten auch, und zwar 5 Somoni (ca. 1$) pro Versuch. So pendeln viele Studenten zwischen Arbeit und Studium, und scheitern oft an beidem.</p>
<p style="text-align: justify">Eine <a href="http://rus.ozodi.org/content/article/25048740.html">Umfrage </a><a href="http://rus.ozodi.org/content/article/25048740.html">unter Studenten</a> von Radio Ozodi (Radio Free Europe in Tadschikistan) hat ergeben, dass nur 10,6% der Befragten glauben, dass die Leistungen bei der Aufnahmeprüfung das ausschlaggebende Kriterium sind. Eine Mehrheit von 56,5% ist der Ansicht, dass das Geld entscheidet. Nicht ohne Grund kam die Agentur für Korruptionsbekämfpung in Tadschikistan zum Ergebnis, dass das Bildungsministerium und mit ihm die Hochschulen zu den korruptesten Institutionen des Landes gehören.</p>
<p style="text-align: justify">Indessen <a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;cad=rja&amp;ved=0CC4QFjAB&amp;url=http://unesdoc.unesco.org/images/0015/001555/155515e.pdf&amp;ei=4cANU9y9E8GXtAbtjYHIBw&amp;usg=AFQjCNGBeVRYvg0dwSs5FyT6VYyWWr7JLQ&amp;bvm=bv.61965928,d.Yms">berichtet</a> eine Studentin einer Tadschikischen Universität davon, wie sie sich eine gute Note erkauft hat: „Ehrlich gesagt war ich nie wirklich gut in dem Fach. Ich habe ein bisschen Geld zusammengespart, dann ging ich zum Professor. Er sagte mir, dass er meine Abschlussarbeit für mich schreiben kann, wenn ich das selbst nicht schaffe. Ich zahlte ihm insgesamt 290 Somoni (ca. 60$) und bekam eine 2 als Note.“ Noch schlimmer sind die Zustände an der Medizinischen Fakultät, wo man über „Vermittler“ gegen eine <a href="http://rus.ozodi.org/content/article/25060967.html">Zahlung von 25.000$</a> einen garantierten Studienplatz bekommt.</p>
<p style="text-align: justify">So hat auch Muhabbat mit den Kosten des Studiums in Tadschikistan zu kämpfen. Die Zahlung der Semestergebühren steht an, und dabei steckt sie doch ohnehin schon bis zum Hals in Schulden. Um das restliche Geld auf der Arbeit zu verdienen ist die Zeit zu knapp, die erste Zahlungsfrist hat sie bereits verpasst. Der Dekan drohte ihr mit der Ausweisung, ihre Tränen konnte sie nicht mehr zurückhalten. Man wirft sie heraus mit den Worten: „Trau dich ja nicht, ohne das Geld wiederzukommen.“</p>
<p style="text-align: justify">Sie verlässt das Unigebäude. Was soll sie nun tun? Sich weiter verschulden, bei Kommilitonen, Nachbarn, Verwandten?</p>
<p style="text-align: justify">Achtzig Dollar fehlen ihr… Es ist 11 Uhr abends, bis zur letzten Zahlungsfrist bleiben Muhabbat noch 9 Stunden. Erschöpft ist sie, und ihr ist kalt. Sie setzt sich auf eine Bank und wählt die Handynummer ihrer Mutter. Sie will ihr alles beichten, die nicht bestandenen Prüfungen und den ganzen Rest der Wahrheit. Aber plötzlich…</p>
<p style="text-align: justify">Muhabbat sieht, wie ein Jeep neben ihr hält. Ein Mann öffnet das Fenster an der Fahrerseite und ruft ihr etwas zu. Es regnet, und Muhabbat versteht nicht, was er sagt. Diesmal lauter: „Steig ein, ich nehm dich mit.“ Das Mädchen vom Dorf steigt ein in den Jeep. Auf die Frage wie es ihr geht, erzählt sie ihm alles…</p>
<p style="text-align: justify">8 Uhr morgens, an der Universität. Muhabbat geht zur Kasse und zahlt die Studiengebühren für das zweite Semester. Sie bekommt eine Quittung, geht zum Dekanat der Fakultät und schreibt eine schriftliche Erklärung für den Grund ihrer verspäteten Einzahlung. Nun möchte sie in den Hörsaal, doch im Klassenbuch ist sie aufgrund ihrer Abwesenheit vermerkt und muss nochmal zum Dekanat zurück, 5 Somoni Strafe für ihr Zuspätkommen. Sie zahlt das Geld, und das Studium kann weitergehen.</p>
<p style="text-align: justify"><u><strong>Bildungsanspruch und Realität</strong></u></p>
<p style="text-align: justify">„Alle Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen müssen Erleichterungen für Mädchen aus ländlichen Regionen bei der Zulassung und Weiterbildung schaffen“, lautet das Gesetz der Republik Tadschikistan „Über die staatliche Garantie der Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Verwirklichung ihrer Chancengleichheit“ vom 1. März 2005. Aber viele Studien zeigen, wie schlecht es um die Gleichberechtigung der Geschlechter steht – insbesondere auf dem Land. Verglichen mit 31% aller Jungen eines Jahrganges beginnen nur <a href="http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2013.pdf">16% aller Mädchen</a> ein Studium. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Tadschikistan beginnen bereits in der Schule und setzten sich später an den Unis fort, wo Frauen aus ländlichen Regionen stark unterrepräsentiert sind.</p>
<p style="text-align: justify">Hinzu kommt, dass das im tadschikischen Frauenideal Ehe und Kinder eine zentrale Rolle einnehmen. Zu Zeiten der Sowjetunion war es durchaus möglich, Karriere mit Familie zu vereinbaren. Doch unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen müssen sich die meisten Frauen zwischen Hochzeit und Studium entscheiden. Und fällt ihre Wahl auf das Studium, müssen sich viele auf erheblichen Widerspruch der Eltern einstellen. Insbesondere in Familien aus ärmeren Verhältnissen ist es üblich, die Töchter bereits im Alter von 19 oder 20 zu verheiraten, was vielen die Entscheidungsmöglichkeit nimmt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/542/3.jpeg" alt="Tadschiksiches Diplom" /></p>
<p style="text-align: justify">Junge Studierende in Tadschikistan nehmen einiges auf sich, um das begehrte Dokument mit der Aufschrift „Diplom“ zu erhalten. Nur wenige Frauen wagen es, sich gegen den Widerstand ihrer Eltern durchzusetzen und ein Studium zu beginnen – mit höchst ungewissem Ausgang.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Alin Kor<br />
<span style="font-size: 13px">Journalistin für Novastan.org Tadschikistan</span></strong>
</p>
<p style="text-align: right"><strong><span style="font-size: 13px">Redaktion : Alexander Maier</span></strong></p>
<p><a href="#sdendnote1anc" name="sdendnote1sym">i</a>Der Name wurde geändert</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellen</strong></p>
<p><strong>Radio Ozodi (RU)</strong></p>
<p><em><a href="http://rus.ozodi.org/content/article/25048740.html">Можно ли в Таджикистане стать студентом без денег?</a> </em>(Kann man in Tadschikistan ohne Geld Student werden?)</p>
<p><em><a href="http://rus.ozodi.org/content/article/25060967.html">$25 000 (!!!) за поступление в медицинский университет?</a> </em>($25 000 um auf die medizinische Universität zu kommen?)</p>
<p><strong>UNESCO</strong> – Education for All Global Monitoring Report 2008 – <a href="http://unesdoc.unesco.org/images/0015/001555/155515e.pdf">Tajikistan country case study</a></p>
<p><strong>World Economic Forum</strong> – <a href="http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2013.pdf">The Global Gender Gap Report 2013</a></p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/tadschikistan/einfach-nur-studieren-die-muhen-einer-jungen-studentin-in-tadschikistan/">Einfach nur Studieren &#8211; Die Mühen einer jungen Studentin in Tadschikistan</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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		<title>Religiöser Extremismus in Zentralasien: Politischer Deckmantel oder reale Bedrohung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[alexmaier]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jan 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Welche Realit&#228;ten verstecken sich hinter der Bezeichnung des &#34;Extremismus&#34; in Zentralasien?</p>
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/religiser-extremismus-in-zentralasien-politischer-deckmantel-oder-reale-bedrohung/">Religiöser Extremismus in Zentralasien: Politischer Deckmantel oder reale Bedrohung?</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em><strong>Im Juni 2012 kamen in Astana hochrangige Vertreter der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im Rahmen einer internationalen Konferenz zusammen, die die Rolle von Religion sowie die Gefahren des religiösen Extremismus in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zum Thema hatte und Anknüpfungspunkte finden sollte für verstärkte regionale Zusammenarbeit zur Bekämfpung der Gefahren des religiösen Extremismus.</strong> </em></p>
<p style="text-align: justify">Während alle GUS-Staaten mit den Spätfolgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion für die nationale Identitätsbildung zu kämpfen haben und bis zu einem gewissen Grad in jeder Nachfolgerepublik nationalistische und fundamentalistische Bewegungen entstanden sind, so bleiben die Staaten Zentralasiens zweifelsohne am stärksten von den politischen und identitären Umstürzen betroffen. Das Ende der UdSSR im Jahr 1991 löste in jedem der fünf neuen Staaten Zentralasiens eine tiefgreifende kulturelle und identitäre Sinnsuche aus, die sich sowohl auf Regierungsebene als auch inmitten der Bevölkerung abspielte. Der Islam, obwohl er in der offiziell atheistischen Sowjetunion unterdrückt wurde, nimmt hierin eine zentrale Rolle ein und blühte aufgrund seiner tiefen kulturellen Verwurzelung und dem erneuerten Austausch mit anderen Staaten der islamischen Welt schnell wieder auf.</p>
<p style="text-align: justify">Die zur Zeit der Sowjetunion vorherrschende Koexistenz von „offiziellem“, also vom Staat kontrollierten Islam, und dem im Privaten gelebten Islam prägt weiterhin die religiöse Praxis in den neuen unabhängigen Staaten Zentralasiens. In der Sowjetunion war der privat gelebte Islam wesentlich vom in der Region weit verbreiteten Bruderschaftsmodell geprägt; heutzutage umfasst er alle von nationalen Muftiyyas (muslimische religiöse Verwaltungen) unabhängigen religiösen Strukturen. Die Staaten verwenden seit der Unabhängigkeit den Islam als (identitäts-)politisches Instrument, misstrauten allerdings stets seiner <a href="http://www.sciencespo.fr/ceri/sites/sciencespo.fr.ceri/files/art_bb.pdf">politischen Macht als Mittel des Protests und der Mobilisierung (FR)</a> gegen den Status quo. Seit der Unabhängigkeit versuchten verschiedene nicht-staatliche Akteure dieses Potential für mehr oder weniger gewalttätige Proteste gegen die etablierte Ordnung zu instrumentalisieren. Islamistischer Fundamentalismus und radikaler Islam sind politische Realitäten in den Staaten Zentralasiens, und haben insbesondere zu Beginn des letzten Jahrzehnts im Ferghanatal, das von den Landesgrenzen Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans durchzogen wird, für eine unmittelbare Gefährdung der regionalen Sicherheit gesorgt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie ist die Rolle des „Extremismus“ in den Staaten Zentralasiens einzuornen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Fasst man unter „Extremismus“ die unterschiedlichen Spielarten des radikalen Islam zusammen, so geht von ihm eine zweifache Gefahr für die regionale Sicherheit und die etablierte Staatsordnung aus: Zum einen umfasst dieser eine ideologische Strömung, die das Staatsmodell explizit zurückweist zugunsten einer neuen politischen Ordnung auf überregionaler Ebene in Form eines Kalifats regionalen oder gar globalen Ausmaßes, und zum anderen berufen sich auf ihn Gewaltakte wie z.B. terroristische Anschläge und Guerilla-Angriffe, die eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung und die Staaten Zentralasiens darstellen können. Doch hinter dem Begriff „Extremismus“, der zu einer der Lieblingsvokabeln der Regierungen avancierte, existiert kein eindeutiges Konzept, und sein diffuser Charakter eignet sich hervorragend zur Legitimierung repressiver Politiken, wie eine Studie der Menschenrechtsorganisation „<a href="http://www.fidh.org/en/eastern-europe-central-asia/Publication-of-a-report-Shanghai-12031">Fédération internationale des ligues des droits de l’Homme</a>“ (FIDH) vor kurzem hervorhob. Hierbei verwundert es kaum, dass die repressive Gangart genau jene Strömungen stärkt, die sie zu bekämpfen versucht.</p>
<p style="text-align: justify">Die Entstehung und das Erstarken des radikalen Islamismus salafistischen Typs in Zentralasien ist Resultat einer Reihe von Faktoren: schlechte sozio-ökonomische Situation (Armut, weit verbreitete Arbeitslosigkeit), demographische Entwicklungen (hohe Geburtsraten sorgten für einen großen Anteil an Jugendlichen an der Bevölkerung Zentralasiens), die Abwesenheit politischer Alternativen, weitverbreitete Korruption und eine moralische und identitäre <a href="http://dev.ulb.ac.be/cevipol/dossiers_fichiers/7-gosset2.pdf">„Transitionskrise“ (FR)</a> als Resultat des abrupten Endes der Sowjetunion. Hierbei muss mit Olivier Roy unterschieden werden zwischen „neofundamentalistischen“ Bewegungen und solchen, die zu bewaffneter Gewalt aufrufen und als dschihadistisch bezeichnet werden können. Obwohl alle dem politischen Islam entspringen, lassen sich dennoch wesentliche Unterschiede festmachen. Die Hizb ut-Tahrir („Partei der Befreiung“) ist eine fundamentalistische Bewegung, die auf eine Re-Islamisierung der Gesellschaft von unten abzielt, also durch missionarische Aktivität (Daʿwa) für eine Umgestaltung der Gesellschaft im Einklang mit islamischen Prinzipien eintritt. Die Bewegung kämpft für die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, im juristischen, ökonomischen und sozialen Kontext. Hizb ut-Tahrir verfolgt ebenso politische Absichten, denn die Erschaffung einer islamischen Gesellschaft dient dem Ziel der Errichtung eines überregionalen Kalifats. Schätzungen gehen von 20.000 bis 100.000 Anhängern dieser Strömung in Zentralasien aus, womit sie eine maßgebliche politische Kraft darstellt. Obwohl die Bewegung offiziell Gewalt zur Erlangung ihrer Ziele ablehnt, besteht aufgrund der repressiven Politik gegen Hizb ut-Tahrir die Gefahr einer Radikalisierung ihrer Anhänger.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 320px;width: 400px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/440/extremisme_2.png" alt="Tahir Yuldashev" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Islamistische Bewegung Usbekistan (IBU), auch Islamistische Bewegung Turkestan genannt, entstammt einer Gruppe islamistischer Bewegungen, die sich kurz nach der Unabhängigkeit im usbekischen Ferghanatal verbreiteten und die Errichtung einer autonomen islamischen Regierung in Namangan anstrebten. Aufgrund staatlicher Repressionsmaßnahmen ins Exil gedrängt, wurde die Beseitigung des Regimes in Taschkent durch den Dschihad von den Gründern der IBU, Tahir Juldaschew und Jumma Namangani, zum Hauptziel der Bewegung erhoben. Sie errichteten unter dem Schutz der Taliban in der Region Masar-e-Scharif im Norden Afghanistans eine Reihe von Ausbildungslager für Terroristen, die nach der NATO-Intervention unter großen Verlusten in das pakistanische Grenzgebiet verlagert werden konnten. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lcK9C-Mi2cU">Dieses Video</a> zeigt einen Kämpfer der IBU, der pakistanischen Soldaten die Stirn bietet. Es existiert eine Reihe von weiteren kleineren Bewegungen, von denen eine reale Gefahr ausgeht: die Islamische Dschihad-Union (radikaler und internationaler als die IBU), Jund al-Khilafah, die Islamistische Partei Ostturkestans, Dschihad (vorwiegend usbekisch), Jamiat Mudschaheddin, Jaish al-Madhi (Kirgistan) und Akrammiya (Usbekistan). Verlässliche informationen zu Zusammensetzung, Zielen und Aktionen dieser Bewegungen sind allerdings so gut wie nicht verfügbar.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Religiöse Bewegungen und sicherheitspolitische Ängste</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die postsowjetischen Staaten Zentralasiens sind nicht nur durch das Entstehen und Erstarken neuer Formen politischen Radikalismus innerhalb ihrer Landesgrenzen beunruhigt, auch die Situation in angrenzenden Staaten im Süden (Afghanistan und Pakistan) und Osten (Xinjiang) sowie die Entwicklungen im Vorderen Orient bereiten Grund zur Sorge. Doch sind die internen und regionalen Sicherheitsrisiken, die vom radikalen Islamismus ausgehen tatsächlich von so großer Tragweite? Die islamistische Bewegung in Usbekistan konnte für die Rekrutierung neuer Anhänger von zwei Ereignissen profitieren: zum einen von den Unruhen in Usbekistan im Mai 2005 infolge der Niederschlagung von <a href="http://www.sciencespo.fr/ceri/sites/sciencespo.fr.ceri/files/art_dc.pdf">Protesten in der Stadt Andijon (FR)</a> durch das usbekische Militär, und zum anderen von den ethnischen Unruhen in Osch und Dschalalabat im Juni 2010. Mehrere Quellen, unter ihnen Keneschbek Duschebajew, Leiter des Komitees für Nationale Sicherheit der Republik Kirgistan, haben bestätigt, dass mehrere hundert Personen usbekischer Herkunft sich seit den Vorfällen von 2010 zu Trainingszwecken in Lagern in Afghanistan und Pakistan aufhalten. Außerdem konnte die Gruppe durch Kampfhandlungen in Pakistan Seite an Seite mit den Taliban ihren Kreis von Rekruten auf internationale Anhänger des Dschihad ausweiten.</p>
<p style="text-align: justify">Abgesehen vom (wahrscheinlichen) Zuwachs der Gruppe hat die IBU auch in Sachen Effektivität terroristischer Angriffe und Guerilla-Taktiken dazugelernt. Die Kämpfer der IBU scheinen eine maßgebliche Rolle in den Kampfhandlungen und terroristischen Anschlägen gegen zivile und militärische Ziele in Pakistan einzunehmen. Die seit 12 Jahren andauernden Kämpfe gegen die amerikanische und pakistanische Armee hat zweifelsohne aus den Anhängern der IBU kampferprobte Dschihadisten gemacht. Nachdem sie zwischen 2009 und 2011 von großen Verlusten betroffen war, zeigt sich die Bewegung widerstandsfähig wie eh und je. Obwohl sie sich geografisch auf das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zurückgezogen hat, verfolgt die IBU weiterhin genau die Entwicklungen in Zentralasien und scheint erneut auch<a href="http://www.iris-france.org/docs/kfm_docs/docs/observatoire-russie/27052013-veillee-armes-au-ferganistan.pdf"> Ziele im Norden (FR)</a> ins Auge zu fassen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Jund al-Khilafah, eine weitere islamistische Bewegung, sorgt ebenfalls für Kopfzerbrechen. Ihre Drahtzieher bleiben weitestgehend im Dunklen, und obwohl sie hauptsächlich eine nationale Bedrohung für Kasachstan darzustellen scheint, macht sie des Öfteren durch grenzüberschreitende Aktionen auf sich aufmerksam, wie z.B. durch Kampfhandlungen im pakistanischen Stammesgebiet und die Ausbildung von Mohamed Merah, dem Haupttäter der Anschlagserie in Toulouse und Montauban im März 2012. Die Gruppe wurde 2010 von drei Kasachen gegründet, scheint aber auch Beziehungen mit dem „Islamischen Kaukasus-Emirat“ um den tschetschenischen Guerillakämpfer und Terroristen Doku Umarow zu unterhalten – kaum überraschend, liegt der Nordkaukasus doch nur 300 Kilometer entfernt vom Westen Kasachstans. Ebenso lassen sich in dieser verarmten und vom Nasarbajew-Regime vernachlässigten Region die meisten Anhänger islamistischer Strömungen finden. Kasachstan wurde in den letzten Jahren Zeuge einer beunruhigenden Häufung terroristischer Angriffe auf seinem Staatsgebiet, insbesondere in <a href="http://francekoul.com/content/kazakhstan-les-ressorts-d%E2%80%99une-destabilisation">Atyrau, Taras und Almaty (FR).</a></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Das Verhältnis von Islamismus und ethnischem Nationalismus</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jeder Mensch verfügt über verschiedene mögliche identitäre Bezugspunkte, die je nach Umgebung und sozialem, kulturellem und politischen Kontext wechseln können. So erlaubt zum Beispiel der Islam den Usbeken, die im Süden Kirgistans leben, ihre Gruppenidentität von den weniger praktizierenden Kirgisen abzugrenzen. In diesem Zusammenhang verstärkt der religiöse Bezugspunkt den ethnischen oder nationalen Bezug. Von einem anderen Blickwinkel aus kann der Islamismus anstatt einer Annäherung an den (offiziellen) Nationalismus aber auch eine Alternative zu starren nationalen oder ethnischen Bezugskategorien bilden. In der Tat erleben die Staaten Zentralasiens seit ihrer Unabhängigkeit ein Aufblühen nationalistischer Gesinnungen, die sich in ihren häufig durch Konflikte aufgeladenen Außenbeziehungen untereinander sowie in einem starken Misstrauen der Bevölkerungen gegeneinander widerspiegeln. Umgekehrt bietet der transnationale islamistische Diskurs mit z.B. Vorschlägen der Reanimierung des Khanats von Kokand, das die Grenzen im Ferghanatal beseitigen würde, einen fruchtbaren Gegenentwurf für eine Bevölkerung, die der bürokratischen Willkür, der diplomatischen Krisen und willkürlichen Grenzschließungen müde und überdrüssig ist.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Islamistische Zellen in Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">Sowohl in Zentralasien wie auch in der restlichen Welt – muslimisch oder nicht – wird man Zeuge einer Zersplitterung dschihadistischer Bewegungen, die sich auf die Schwächung al-Qaidas und die damit einhergehende Verselbstständigung radikaler Zellen zurückführen lässt. Die Staaten Zentralasiens wurden häufiger zum Ziel islamistischen Terrors. Im Jahr 2002 erschütterte eine Explosion den Kleiderbasar von Bischkek, im Mai 2003 traf ein weiteres Bombenattentat die Stadt Osch. Im März 2004 wurden die amerikanische und die israelische Botschaft in Taschkent wiederholt Ziel von Selbstmordattentaten. Kurzum, die Globalisierung und Transnationalisierung, die Interdependenz der Staaten und die aus ihr erwachsenden Schwierigkeiten betreffen bei Weitem nicht nur die ökonomische Sphäre, auch die Religion ist zu einem wesentlicher Schauplatz der Globalisierung geworden. Und da es sich in diesem Kontext um bewaffnete nicht-staatliche Akteure handelt, die sich auf eine religiöse Ideologie berufen um eine neue supranationale Ordnung zu erschaffen, werden wir Zeuge einer schlagkräftigen Bewegung, die Staaten umso mehr die Legitimation absprechen kann je jünger, fragiler und verwundbarer diese sind, wie es in Zentralasien der Fall ist. Für sich genommen ist der radikale Islamismus oder Dschihadismus also keine existentielle Gefahr für die Staaten der Region. Bezieht man jedoch weitere destabilisierende Faktoren wie inter-ethnische Spannungen, Streits um natürliche Ressourcen und Länder, den Drogenhandel und die Rolle mafiöser Organisationen mit ein und setzt diese vor den Hintergrund des Abzugs der USA aus Afghanistan, die an Macht verlierenden Regime in Kasachstan und Usbekistan, die schwache Zentralgewalt in Tadschikistan und Kirgistan sowie die Spannungen in Xinjiang, so erscheint das zentralasiatische Terrain umso anfälliger für von Dschihadisten ausgehenden Destablilisierungsversuchen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right">
<p style="text-align: right"><strong>Die Redaktion von Novastan.org<br />
Aus dem Französischen übersetzt von Alexander<br />
Redakteur für Novastan.org</strong></p>
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