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	<title>akipchakova, Author at Novastan Deutsch</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>akipchakova, Author at Novastan Deutsch</title>
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		<title>Worüber lacht man in Zentralasien?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akipchakova]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Jan 2017 12:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Club 247]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wor&#xFC;ber lacht man in den L&#xE4;ndern der ehemaligen Sowjetunion? Kann man dort ohne Risiken sensible Themen mit Humor behandeln? Unter den Staaten Zentralasiens wird in Kirgistan die Meinungsfreiheit am meisten respektiert. Dort w&#xE4;hlt ein Teil der jungen Generation das Lachen als Antwort auf ihre Probleme. Der Humor beginnt oft auf der B&#xFC;hne. Einige junge Zentralasiaten [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Worüber lacht man in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion? Kann man dort ohne Risiken sensible Themen mit Humor behandeln? Unter den Staaten Zentralasiens wird in Kirgistan die Meinungsfreiheit am meisten respektiert. Dort wählt ein Teil der jungen Generation das Lachen als Antwort auf ihre Probleme.<br />
</strong></p>
<p>Der Humor beginnt oft auf der Bühne. Einige junge Zentralasiaten folgen diesem Prinzip und stellen ihre Witze vor dem Publikum einiger Bars oder Konzerträume der kirgisischen Hauptstadt Bischkek auf die Probe. Manche hegen die Hoffnung, ihren Humor professionell betreiben zu können.</p>
<p>Der &#8222;Stand Up Comedy Bishkek&#8220; ist eine Gruppe Humoristen, die vor vier Jahren mit solchen Ambitionen gegründet wurde und heute circa 50 Mitglieder zählt.</p>
<p>Die meisten von ihnen haben ihre Kunst bei der jährlichen nationalen Ausgabe des KWN (&#8222;Club der lustigen und einfallsreichen&#8220; im russischen Kürzel, <em>Anm. d. Red.</em>) geübt. Dieser studentische Humorwettbewerb, der zu Sowjetzeiten gegründet wurde, ist in fast allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion weiterhin eine Institution. Die bekannteste kirgisische KWN-Gruppe, &#8222;Asia Mix&#8220;, hat vor kurzem den berüchtigten russischen Wettbewerb <a href="http://www.eng.24.kg/community/183492-news24.html">gewonnen</a>.</p>
<p>Mitten in Bischkek, inmitten der gemütlichen Stimmung des Club 247 haben wir Beka, Nagy und Ajbek, drei Vertreter des Stand up Comedy Club, getroffen.</p>
<p><iframe title="Worüber lacht man in Zentralasien?" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/hpPsNIJbVHs?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p style="text-align: right"><strong>Assel Kipchakowa</strong><br />
<strong>Journalistin für Novastan.org</strong></p>
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		<title>Football Leaks: Die Arifow-Familie, Kasachstan und internationale Korruption</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akipchakova]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2017 08:28:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Doyen Sports]]></category>
		<category><![CDATA[Football Leaks]]></category>
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		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
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		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
		<category><![CDATA[Tewfik Arif]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Enth&#xFC;llungen der Football Leaks haben seit Anfang Dezember 2016 gro&#xDF;e Auswirkungen auf die Fu&#xDF;ballwelt. 18,6 Millionen vertrauliche Dokumente wurden der Presse zug&#xE4;nglich gemacht und haben ein gro&#xDF;fl&#xE4;chiges Korruptions- und Steuerhinterziehungssystem offenbart. Die Arifow-Familie hat einen besonderen Platz unter den zahlreichen Personen und Organisationen, die mit den Football Leaks verbunden werden: Sie sollen die kasachische [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Die Enthüllungen der </em></strong><strong><em><a href="https://eic.network/projects/football-leaks">Football Leaks</a> haben seit Anfang Dezember 2016 große Auswirkungen auf die Fußballwelt. 18,6 Millionen vertrauliche Dokumente wurden der Presse zugänglich gemacht und haben ein großflächiges Korruptions- und Steuerhinterziehungssystem offenbart. Die Arifow-Familie hat einen besonderen Platz unter den zahlreichen Personen und Organisationen, die mit den Football Leaks verbunden werden: Sie sollen die kasachische Gesellschaft um 300 Millionen Euro gebracht haben. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">Die kasachisch-türkische Arif (früher Arifow) Familie hat seit dem Beginn der 1990er Jahre nicht weniger als 300 Millionen Euro entwendet. Sie kontrolliert die Chemiefrabrik ACCP in Aqtöbe, im Westen Kasachstans, über die das Geld transportiert wurde. Von den 300 Millionen wurden dann 75 Millionen in Doyen Sports, einen der größten Investmentfonds des europäischen Fußballs, investiert.</p>
<p style="text-align: justify">Dies zeigt die Recherche über internationale Korruption im Fußball, die von den Medien der <a href="https://eic.network/">European Investigative Collaborations</a> (EIC), darunter <a href="http://www.spiegel.de/thema/football_leaks/">Der Spiegel</a>, durchgeführt wurde.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Doyen Sports: Ein Fonds mit mafiösen Praktiken </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Football Leaks sind die größte Enthüllung finanzieller Dokumente aus dem Sportgeschäft durch zwölf europäische Medien, die im Rahmen des EIC zusammenarbeiten. Durch die 18,6 Millionen vorliegenden Dokumente wurden unter anderem auch die mit Doyen Sports verbundene Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Begünstigung von Prostitution offengelegt. Der Fonds betreut dutzende Profisportler, wie Marcelo Brozovic, Alvaro Morata und David Beckham.</p>
<p style="text-align: justify">Aufmerksam wurden die Journalisten durch die außergewöhnliche Geschwindigkeit, mit der Doyen Sports einen wichtigen Platz in der Fußballwelt erlangte. Der Fonds wurde erst 2011 gegründet und wurde nur fünf Jahre später auf mehrere dutzend Millionen Euro geschätzt. Die Football Leaks unterstreichen die Instransparenz der Mittel, mit denen Doyen Sports seine Ziele erreicht. Darunter geheime, über Dubai gezahlte Kommissionen, um den Transfer von Fußballspielern zu begünstigen oder auch der Einsatz  von Prostituierten, um den Präsidenten des Real Madrid zu einem Geschäft zu bewegen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kasachstan in der ersten Linie</strong></p>
<p style="text-align: justify">Geschichten unlauterer persönlicher Bereicherungen sind nichts außergewöhnliches im postsowjetischen Zentralasien. Im Anschluss an die großen Privatisierungspläne, die in der ganzen ehemaligen UdSSR durchgeführt wurden, sind schon in den 1990ern große Vermögen entstanden. In den unklaren Zeiten des Übergangs zur Marktwirtschaft wurden Minen und Fabriken von opportunistischen Geschäftsmännern für wenig Geld erstanden, während der Industriesektor eine Krise durchlief.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/zentralasien-offshore/">Zentralasien offshore</a> </strong></p>
<p style="text-align: justify">Zu der Zeit, als die Produktionsraten im Industriesektor der Chemie und Petrochemie um 71 Prozent einbrachen, kam die Chemiefrabrik von Aqtöbe unter Kontrolle der Arif-Brüder, insbesondere von Rustem Arif. Heute ist diese Fabrik weltweit der zweitgrößte Produzent chromhaltiger Produkte. Von den 300 Millionen Euro Profit dieser Fabrik, die unterschlagen wurden, wurden 75 Millionen in Doyen Sports investiert.</p>
<p style="text-align: justify">Die Arif-Brüder unterhalten auch enge Beziehung zu der kasachischen Staatsführung, mit deren Hilfe sie ihre Geschäfte diversifizieren konnten. Neben der Chemieindustrie sind sie auch im Immobilien-, im Hotel- und im Baugeschäft tätig. Einer der Brüder, Refik Arif, kümmerte sich aus dem kasachischen Industrieministerium heraus darum, die ausländischen Investitionen im Metallsektor zu orientieren.</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiterer Bruder, Tewfik Arif, ist zum Immobilien-Mogul geworden und dafür bekannt, viele Immobilienprojekte in den Vereinigten Staaten durchgeführt zu haben, insbesondere <a href="http://www.forbes.ru/novosti-photogallery/330921-vsya-prezidentskaya-rat-kto-stoit-za-donaldom-trampom">mit den Gesellschaften von Donald Trump</a> über <a href="http://www.the-american-interest.com/2016/12/19/the-curious-world-of-donald-trumps-private-russian-connections/">die Bayrock Group</a>, die er 2001 gründete. Der 63-jährige arbeitete 17 Jahre lang als stellvertretender Leiter der Abteilung für Hotel-Management des Wirtschafts- und Handelsministeriums der UdSSR. 2010 war er in einen <a href="http://www.nydailynews.com/news/world/trump-pal-busted-allegedly-running-hooker-ring-yacht-article-1.191136">Skandal um einen Prostitutionsring</a> zwischen Russland, der Ukraine und der Türkei verwickelt, zwei Jahre später jedoch diesbezüglich von der türkischen Justiz freigesprochen.</p>
<p style="text-align: justify">Die französische Zeitung <a href="https://www.mediapart.fr/journal/international/161216/doyen-sports-une-pieuvre-aux-connexions-mafieuses">Mediapart notiert</a>, dass die ACCP Fabrik in Aqtöbe offiziell nicht mehr den Arif-Brüdern gehört, sondern in Amsterdam registrierten Gesellschaften, die von Strohmännern geleitet werden. Die Arif-Brüder erhalten nur durch Zinsen Geld, das sie an verschiedenen Stellen verleihen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Korruption außer Kontrolle </strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Korruption geht in Kasachstan so weit, dass sie auch für den Präsidenten Nursultan Nasarbajew außer Kontrolle ist. Die Ironie besteht darin, dass dieser nun versucht, die Oligarchen davon zu überzeugen, durch Investitionen im Land <a href="http://tribunakz.com/today/338-oligarhi-ignoriruyut-prezidenta.html">ihren Reichtum zu legalisieren</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Aber der Profit, den diese Oligarchen durch Investitionen in die kasachischen Böden oder Infrastrukturen erzielen könnten, scheint nicht auszureichen. Dass sie sich trotz der sich türmenden Enthüllungen gegen eine Form von Amnestie durch eine Kooperation mit dem Staat entscheiden, zeigt ein weiteres Mal das Ausmaß der Geschäfte der Oligarchen, deren Tätigkeit dem international organisierten Verbrechen zuzurechnen sind.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Assel Kipchakova<br />
Redakteurin für Novastan</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Französischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Die Tadschiken, Aussätzige in Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akipchakova]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Dec 2016 08:09:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tadschikistan]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmigranten]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der russische Anwalt tadschikischer Herkunft Izzat Aman beschreibt einen h&#xF6;llischen&#xA0;Alltag f&#xFC;r die tadschikischen Migranten in Russland. W&#xE4;hrend das Land in einer tiefen Krise steckt, befinden sie sich in der Klemme. Der Anwalt Izzat Aman gibt Novastan einen Einblick in die Lebenswelt dieser Migranten.&#xA0; Seit dem Verbot der &#x201E;Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans&#x201C; in 2015 ist [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der russische Anwalt tadschikischer Herkunft Izzat Aman beschreibt einen höllischen Alltag für die tadschikischen Migranten in Russland. Während das Land in einer tiefen Krise steckt, befinden sie sich in der Klemme. Der Anwalt Izzat Aman gibt Novastan einen Einblick in die Lebenswelt dieser Migranten. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Seit dem Verbot der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Partei_der_Wiedergeburt_Tadschikistans">&#8222;Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans&#8220;</a> in 2015 ist die tadschikische Opposition komplett aus dem politischen Geschäfts Tadschikistans ausgeschlossen. Die Partei diente als Hauptakteur der nationalen Aussöhnung mit der Partei des aktuellen tadschikischen Präsidenten, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emomalii_Rahmon">Emomalii Rahmon</a>, nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Bürgerkrieg 1998</a>, und spielte eine essenzielle Rolle über die Grenzen des Landes hinweg. Heute hat sich der Druck auf die Tadschiken in Russland, seien es Migranten oder Gegner des Regimes von Rahmon, erhöht.</p>
<p style="text-align: justify">Der Anwalt tadschikischer Herkunft Izzat Aman arbeitet in Russland steht der &#8222;Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans&#8220; nahe. Er hat für Novastan seine Arbeit beschrieben: er verteidigt in Russland lebende Tadschiken. Diese befinden sich im Spannungsfeld zwischen der Diskriminierung der russischen Behörden gegenüber Migranten und der politischen Unterdrückung in ihrem Heimatland.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Durch Ihre juristische Tätigkeit informieren und verteidigen Sie oft die Rechte Ihrer tadschikischen Landsleute. Welche Ungerechtigkeiten geschehn ihrer Meinung nach am Häufigsten?<br />
</strong><br />
Wir helfen und verteidigen alle, unabhängig der Herkunft jedes einzelnen, ob es sich um Tadschiken, Usbeken, Kirgisen oder Kasachen handelt. Wir bekommen selbst Anfragen von Russen. Ich bekomme 300 Anrufe am Tag. Das ist eine ständige Anspannung. Ich bin Anwalt und meine Berufung ist es, den Leuten zu helfen – auch, wenn sie sich etwas vorzuwerfen haben.</p>
<p style="text-align: justify">Uns erreichen die meisten Gesuche aufgrund von unrechtmäßigen Verhaftungen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das sich gerade ereignet hat. Eine tadschikische Familie mit einem Kleinkind wurde am Bahnhof von Moskau verhaftet und für 3 Stunden auf der Polizeistation von Zarizyno im Süden von Moskau festgehalten – für einen „Mord“. In Wirklichkeit hatte die Familie die kranke Großmutter im Alter von 68 Jahren mit dem Zug von Twer nach Moskau begleitet, um dann nach Duschanbe (die Hauptstadt Tadschikistans, Anm. d. Red.) zu fliegen. Auf dem Weg ist die Großmutter verstorben. Sobald die Familie in Moskau angekommen war, wählten sie den Notruf, der Leichnam wurde ins Krankenhaus gebracht und gleich im Anschluss daran wurde die Familie mit dem Kleinkind von der Polizei eingesackt. Ich musste beim Polizeichef intervenieren und ihm die Situation erklären, damit die Familie freigelassen werden konnte. In der Polizeistation hatte niemand versucht, die Situation zu verstehen; es handelte sich um Tadschiken und allein dadurch um ein Problem.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sind die Hauptprobleme also die  Inkompetenz der russischen Polizei und die Stigmatisierung von Migranten?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Absolut. Waldimir Putin hat sich kürzlich selbst über die Arbeitsqualität der Richter empört, über die Absurdität der erlassenen Urteile… Wenn diese Fehlurteile häufig auf diesem Niveau ist, kann man nicht mehr nur von einfachen Fehlern in der Strafverfolgung sprechen.</p>
<p style="text-align: justify">Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel: eine Gruppe von jungen tadschikischen Arbeitsmigranten wird festgehalten für eine simple Ausweiskontrolle. Die Papiere sind gültig, aber man nimmt sie trotzdem für zusätzliche Überprüfungen mit auf das Polizeirevier. Sie werden ohne Grund für zwei Tage festgehalten, ohne ihre Familien erreichen zu können. Das Verwaltungsgericht Troitsky erlässt einen Ausweisungsbeschluss und nennt als Grund eine falsche Angabe über den Wohnsitz. Zu diesem Zeitpunkt wurde meine Hilfe angefordert, denn sie endlich ihre Angehörigen anrufen konnten. Kaum hatten sie ihren Ausweisungsbescheid bekommen, wurden sie zurück auf die Polizeistation gebracht und es wurde von ihnen ein Bußgeld in Höhe von 5.000 Rubel (80 Euro) pro Person verlangt. Das Gesetz erlaubt es Polizisten nicht, Zahlungen zu kassieren; diese Zuständigkeit liegt bei den Gerichtsvollziehern. Es wäre erforderlich gewesen, dass ich ihnen das Einmaleins des Zivilgesetzbuches und des Verfassungsrechts erkläre, um sie freizubekommen. Wir haben es dennoch geschafft, Berufung bei der ersten Verurteilung einzulegen und haben den Prozess gewonnen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie sind ursprünglich tadschikischer Herkunft und besitzen die russische Staatsangehörigkeit. Sie wohnen und arbeiten in Moskau. Spüren Sie eine rassistische Diskriminierung Ihnen gegenüber? Falls ja, wie drückt sich diese aus?<br />
</strong><br />
Ich spüre dies jeden Tag, an jeder Straßenecke. Selbst wenn Sie Anwalt oder Lehrer sind, bleiben Sie in den Augen vieler Russen ein „Tschurka“ (ein abwertender und beleidigender Begriff, mit dem Staatsangehörige aus Zentralasien und dem Kaukasus bezeichnet werden, Anm. d. Red.). In meinem Berufsleben bin ich oft mit einem offenkundig rassistischen Verhalten der russischen Richter konfrontiert, die sich wundern, einen tadschikischen Anwalt zu sehen, der vor Ihnen verhandelt.</p>
<figure id="attachment_7009" aria-describedby="caption-attachment-7009" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-7009" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/neckar.jpg" alt="Der russische Anwalt mit tadschikischer Herkunft Izzat Aman am Ufer des Neckar in Heidelberg (Deutschland)." width="960" height="720" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/neckar.jpg 960w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/neckar-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/neckar-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/neckar-800x600.jpg 800w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-7009" class="wp-caption-text">Der russische Anwalt mit tadschikischer Herkunft Izzat Aman am Ufer des Neckar in Heidelberg (Deutschland).</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Während eines Gerichtsprozesses, als ich meinen Mandanten verteidigte, fragte mich ein Richter, was ich hier täte und ob ich nicht darüber nachdenken sollte, nach Tadschikistan zurückzukehren. Es sind diese Menschen, die auf den ersten Blick gebildet wirken, die sich diese Art von Kommentaren erlauben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Es ist nicht ungewöhnlich, von den Russen Ideen über ansteckende Krankheiten zu hören, die typisch für zentralasiatische Kinder seien, oder auch die Idee, dass die Migranten alle AIDS hätten… Woher kommt Ihrer Meinung nach diese Feindseligkeit?<br />
</strong><br />
Nationalismus ist der russischen Bevölkerung innewohnen. Das nicht erst seit gestern. Der Hass, der sich heute manifestiert, ist das Produkt einer Gehirnwäsche, die von den Medien organisiert und vom Kreml instrumentalisiert wird. Denken Sie an den Satz von Rogosin, der dritte Mann innerhalb des russischen Staates. Er hat einmal gesagt: <em>„Man muss die Stadt von ihrem Müll befreien.“</em> Genau das ist die offizielle Politik der Regierung geworden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie funktioniert das Zusammenleben zwischen den gebildeten Tadschiken, die der gut in die russische Bevölkerung integrierten Elite angehören und der am stärksten gefährdeten Gruppe der tadschikischen Bevölkerung, wie den armen Arbeitsmigranten? Gibt es eine gegenseitige Unterstützung zwischen diesen beiden Gruppen?<br />
</strong><br />
Nein, in Moskau ist jeder für sich. Es gibt diesen sehr richtigen Satz: „Moskau glaubt den Tränen nicht“. Wissen Sie, ich denke hierüber viel nach und ich glaube, es gibt zwei Faktoren, die die tadschikische Bevölkerung vereinen könnten – das ist die Religion (der Islam, Anm. d. Red.) und die Volkszugehörigkeit. Leider sind diese beiden Faktoren momentan weder unter denen, die in Tadschikistan sind, noch unter denen in Russland, verbreitet. Erinnern wir uns an den Ablauf des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikischer_B%C3%BCrgerkrieg">Bürgerkries 1991 in Tadschikistan</a>. Wir haben fast 200.000 Menschen verloren und das Schlimmste war, dass wir uns gegenseitig umgebracht haben.</p>
<p style="text-align: justify">Um die Situation heute zusammenzufassen, reicht es, zur tadschikischen Botschaft in Moskau zu gehen und die hunderttausenden Menschen zu sehen, die jeden Tag hierherkommen: Leute, die Hilfe suchen. In der Umgebung der Botschaft werden sie von Dealern erwartet, die ihnen falsche Papiere für einige Tausend Rubel verkaufen. Und all dies geschieht unter den Augen des Konsuls.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sehen junge Tadschiken ihre Zukunft in Russland?<br />
</strong><br />
Wissen Sie, die Partei Gruppe 24 (eine Organisation, die in Tadschikistan als terroristisch angesehen wird; Anm. d. Red.) hat in 6 Monaten Tausende junge Tadschiken zusammengebracht. Warum? Die jungen Leute finden sich in Rahmons Regime nicht wieder. Jene, die in Russland arbeiten, versuchen um jeden Preis, dort zu bleiben, während diejenigen, die im Land bleiben, dies aufgrund von Mittellosigkeit tun und nicht, weil sie die Regierung unterstützen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Umarali Kuwatow, der Parteichef der Gruppe 24, der sich dem Regime Rahmons entgegengestellt hat, wurde im letzten Jahr in der Türkei umgebracht. Maksud Ibragimow, Chef der &#8222;Partei Youth for Tadjikistan Revival&#8220; vegitiert im Gefängnis in Tadschikistan aufgrund von „Extremismus“ vor sich hin, nachdem er in Russland festgenommen und nach Tadschikistan überstellt wurde. Der Anwalt <a href="https://www.amnesty.be/je-veux-agir/agir-en-ligne/ecrire-des-lettres/article/des-avocats-incarceres-pour-des-accusations-a-caractere-politique?lang=fr">Buzurgmehr Jero</a>w wurde zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er die &#8222;Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans&#8220; verteidigt hat. Sie selbst gehören keiner politischen Bewegung an. Haben Sie dennoch Angst um Ihre Sicherheit?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich erhalte sehr oft Drohungen. Als sehr aktiver Nutzer von sozialen Netzwerken prangere ich regelmäßig Ungerechtigkeiten auf meiner Facebook-Seite an. Einmal rief ich Zentralasiaten dazu auf, sich in ihren jeweiligen Hauptstädten zu versammeln, um die Aggressionen russischer Skinheads, deren Opfer wir Staatsangehörige Zentralasiens in Russland sind, zu verurteilen. Diese Veröffentlichung wurde von einem gewissen Nikolai Nikolajew geteilt, ein Blogger und Mitglied einer nationalistischen russischen Gruppierung und angeblicher Gegner von Putin. Ich wurde dann auf den nationalen Netzwerken von Nationalisten und Skinheads angegriffen, die ihre Drohungen ebenfalls per SMS; Mail und Telefon laut werden ließen… Daraufhin hatte ich eine starke Auseinandersetzung mit diesem Nikolajew und es hat sich beruhigt. Bezüglich des tadschikischen Geheimdienstes, ja, den zähle ich als meinem fleißigen Leser auf Facebook. Agenten rufen mich regelmäßig an, aber das ist alles nicht so ernst…</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Sie sind also immun gegen diese Drohungen? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Wissen Sie, ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich bin bereit für alles. Seitdem auch angesehene Personen wie Said Saidow (ehemaliger Präsident des Verbands der Geschäftsleute Tadschikistans und Gründer der &#8222;Partei Neues Tadschikistan&#8220;, Anm. d. Red.) oder Buzurgmehr Jerow verhaftet worden sind, habe ich vor nichts mehr Angst. Wer bin ich im Vergleich zu Said Saidow?</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die wiederholten Verhaftungen schwächen die tadschikische Opposition und spalten sie. Existiert Ihrer Meinung nach noch ein harter Kern politischer Oppositioneller, der eine Alternative zum derzeitigen Regime darstellen könnte?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ich würde sagen, dass dies die &#8222;Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans&#8220; und ihr Parteichef Muchiddin Kabiri ist. Ich glaube an sein Potenzial. Man kennt und respektiert sich gleichermaßen, obwohl ich nicht in seiner Bewegung engagiert bin.</p>
<figure id="attachment_7010" aria-describedby="caption-attachment-7010" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-7010" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri.jpg" alt=" Der Anwalt Izzat Aman (links) zusammen mit Muchiddin Kabiri, Chef der Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans, der im Exil lebt. " width="640" height="640" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri.jpg 640w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-150x150.jpg 150w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-300x300.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-550x550.jpg 550w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-32x32.jpg 32w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-50x50.jpg 50w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-64x64.jpg 64w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-96x96.jpg 96w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2016/12/kabiri-128x128.jpg 128w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-7010" class="wp-caption-text">Der Anwalt Izzat Aman (links) zusammen mit Muchiddin Kabiri, Chef der Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans, der im Exil lebt.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify">Tatsächlich ist dies eine politische Partei, deren Name geändert werden sollte. Ich habe dies Kabiri bereits vor längerer Zeit vorgeschlagen. Das Programm müsste ebenfalls geändert und modernisiert werden, denn die Zeiten haben sich geändert. Man sollte nicht mehr von Dschihad oder Revolution sprechen. Präsident Rahmon versäumte nicht eine Gelegenheit, um seinen Stolz zu verkünden, eine islamische Partei im Parlament sitzen zu lassen. Diese „islamische“ Seite erlaubt es dem aktuellen Regime darüber hinaus, mit dem Finger auf sie zu zeigen und des Terrorismus zu bezichtigen. Tatsächlich ist Karibi friedlich und hätte niemals auf gewalttätige oder militärische Mittel zurückgegriffen. Schauen wir, was sich in Tunesien ereignet hat, der arabische Frühling. Ich würde es auch mögen, wenn mein Land reformiert würde. Aber solange die Bevölkerung dies nicht beschließt, kann keine Partei ändern, was ist.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Interviewt per Telefon von Assel Kipchakova für Novastan</strong><br />
<strong>Aus dem Französischen übersetzt von Agnes Lüdicke</strong></p>
<p style="text-align: justify">
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		<title>Shahrisabz, ein bedrohtes Erbe in Usbekistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[akipchakova]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Shahrisabz]]></category>
		<category><![CDATA[Tourismus]]></category>
		<category><![CDATA[UNESCO]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei seiner letzten Versammlung in Istanbul am 10. Juli diesen Jahres hat die UNESCO das historische Zentrum von Shahrisabz als gef&#xE4;hrdet eingestuft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Die UNESCO stuft das historische Zentrum von </strong><strong>Shahrisabz</strong> <strong>als gefährdet eing. Schuld sei der exzessive Tourismus</strong><strong>.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shahrisabz">Shahrisabz</a> ist ein architektonisches Juwel im Süden Usbekistans. Seit 2014 bemühen sich die Behörden des Landes, den Ort durch verschiedene Baumaßnahmen attraktiver zu machen. <a href="http://whc.unesco.org/en/news/1522/">Laut der UNESCO</a> zerstören der Bau touristischer Infrastrukturen und der damit verbundene Anstieg des Grundwasserspiegels allerdings die mittelalterlichen Viertel von Shahrisabz.</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/articles/unesco-ernennt-tian-shan-zum-welterbe">UNESCO ernennt Tian Shan zum Welterbe</a></strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Die über 2000 Jahre alte Stadt war eine Etappe der alten Seidenstraße, die China und Europa über den Mittleren Osten verband. Im Jahr 2000 wurde sie zum Weltkulturerbe ernannt, nicht zuletzt für ihre zahlreichen außergewöhnlichen Bauten, seiner uralten Gebäude, Mausoleen und Moscheen. Das mit weißem Marmor gebaute Grab von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timur">Timur</a> ist ohne Zweifel eines der schönsten Mausoleen Zentralasiens. Es wirkt so, als wäre die Zeit in den engen Gassen der Altstadt stehengeblieben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein wichtiges Monument für Usbekistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">In Shahrisabz wurde Timur, ein großer zentralasiatischer Eroberer, 1336 geboren. Zur seiner Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert dehnte sich das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Timuriden">Timuridenreich</a> von Zentralasien bis in den Kaukasus aus. Shahrisabz enthält viele Zeugnisse dieser Zeit und der regionalen Geschichte, die zu einer Mischung verschiedener architektonischen Stile in der Stadt führte.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1234/8450431195_4d0b07f57b_z.jpeg" alt="Timur Shahrisabz Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify">Zu Sowjetzeiten gehörte Shahrisabz schon zu den historischen Städten mit dem Titel „Wichtige Städte der Republik“. Der historische Kern der Stadt hat Dank der auf mit traditionellen Techniken durchgeführten Restaurierungsarbeiten sein ursprüngliches Bild bewahrt.</p>
<p style="text-align: justify">Restaurierer aus der ganzen Welt tragen zu den Arbeiten in Shahrisabz bei: 2014 wurde der Platz des Ak-Saraj-Palastes, einer der schönsten Orte der Altstadt, in Zusammenarbeit mit französischen Restaurierern wieder aufgebaut. Durch dieses 800.000 Euro schwere Projekt wurden fast 200 Quadratmeter Fliesen aus glasierter Keramik restauriert, die den im 14. Jahrhundert gebauten und im 16. Jahrhundert zerstörten Palast bedecken. Der Palast ist berühmt für seine Einschrift: „Zögerst Du an unserer Kraft und unserer Macht, so schau auf unsere Bauten“, so der Historiker Nabi Chuschwatow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Bedrohter historischer Reichtum </strong></p>
<p style="text-align: justify">Doch diese historischen Reichtümer werden heute durch die Pläne der usbekischen Regierung bedroht. Zusätzlich zum Erhalt des historischen Zentrums haben die Behörden seit 2014 zahlreiche ambitionierte Wieder- und Neubauten initiiert. Anlass waren die Feiern um den 680. Jahrestag von Timurs Geburt. Durch diese Bauarbeiten haben viele traditionelle Häuser ihr ursprüngliches Aussehen verloren.</p>
<p style="text-align: justify">Das Staatsprogramm sieht auch die Eröffnung neuer moderner Hotels vor, Ausstattungen im Amir Temur Park, den Wiederaufbau von Straßen und die Renovierung des Kultur- und Kunstpalastes sowie des zentralen „Schorsu“-Marktes.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Präzedenzfall Samarkand </strong></p>
<p style="text-align: justify">Durch ihre Eingriffe in viele Aspekte des historischen Erbes der Stadt Shahrisabz brachten diese Baumaßnahmen die internationale Gemeinschaft in Alarmbereitschaft. Für die UNESCO bedrohen die Neubauten das geschichtliche Erbe. Nach der Klassifizierung der Städte als „bedrohtes Erbe“ sieht die internationale Organisation vor, bald „das Ausmaß der Schäden [zu evaluieren], um entsprechende Maßnahmen zu treffen.“</p>
<p style="text-align: justify">Wird dies ausreichen, um das authentische Bild von Shahrisabz zu erhalten? Es besteht Grund zur Skepsis. Die UNESCO nennt auch einen Präzedenzfall: Samarkand. Die zweitgrößte Stadt des Landes wurde seit 2008 über weite Strecken durch neue Straßen und den Bau vieler Gebäude modernisiert. Das traditionelle Stadtbild hat stark darunter gelitten. Wie viele Beobachter bedauern, hat keine Reglementierung den über weite Strecken stümperhaften Arbeiten Grenzen setzen können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Massentourismus in Usbekistan</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Transformierung des usbekischen geschichtlichen Erbes durch die großen Baupläne der Behörden, wie in Shahrisabz und zuvor in Samarkand und Buchara, bedient einen immer intensiver werdenden Massentourismus. <a href="http://data.worldbank.org/indicator/ST.INT.ARVL?end=2013&amp;locations=UZ&amp;start=2013&amp;view=bar">Laut der Weltbank</a> haben 2013 knapp zwei Millionen Touristen das Land besucht. Laut den Schätzungen des World Travel and Tourism Council werde sich diese Zahl bis 2025 verdoppeln.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist ein lukratives Geschäft. Im letzten Jahr hatte der touristische Sektor im vergangenen Jahr einen Umsatz von 318 Milliarden usbekischer Sum (ca. 98 Millionen Euro) und die Zahl steigt konstant (zu 3,9% im Vergleich mit 2014, so die <a href="http://www.wttc.org/-/media/files/reports/economic-impact-research/countries-2016/uzbekistan2016.pdf">World Travel and Tourism Council</a>). Für das 30-Millionen-Einwohner-Land, das sich schwer tut, ausländische Investitionen anzuziehen, ist das eine wertvolle Devisenquelle. Die usbekische Regierung erklärt, dass sie sehr auf Tourismus und Investitionen in dem Bereich setzt, um seine Wirtschaft dynamischer zu gestalten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Übernachtungen fast nur in Hotels </strong></p>
<p style="text-align: justify">Um als Tourist Usbekistan zu besuchen, ist weiterhin ein Visum notwendig, wobei die Nachbarn Kasachstan und Kirgistan eine einseitige Visumfreiheit für die meisten OECD-Länder eingeführt haben, für bis zu 15 beziehungsweise 60 Tage. In Usbekistan müssen ausländische Touristen Wohnnachweise für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts sammeln. Diese Registrierungspflicht begrenzt die Möglichkeiten, in Privatwohnungen zu wohnen, wenn die Einwohner nicht viel Mühe in die Erteilung einer Lizenz gesteckt haben. So müssen ausländische Besucher auf die offizielle Hotelinfrastruktur zurückgreifen, die über die notwendigen Dokumente verfügt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/articles/kasachstan-erweitert-visumfreiheit-auf-37-staaten">Kasachstan erweitert Visumfreiheit auf 37 Staaten </a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Übernachtungsmöglichkeiten bei den Einwohnern oder über Dienste wie AirBnB sind in Usbekistan fast ausgeschlossen, insbesondere in der Region von Shahrisabz. In Samarkand gibt es 5 Privatleute, die ihre Wohnungen „mutig“ für 14 Euro die Nacht anbieten und nur ein Angebot in Shahrisabz. Der bevölkerungsnahe Tourismus ist in Kirgistan, das über ein dichtes Netz an Gasthäusern, wie die der Organisation <a href="http://cbtkyrgyzstan.kg/en/">Community Based Tourism (CBT)</a>, verfügt, sehr verbreitet. In Usbekistan bleibt das Konzept fast unbekannt.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 399px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1234/490957_d62cfb48f4_z.jpeg" alt="Shahrisabz Usbekistan" /></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Hotelbauten im Vorteil</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diese Besonderheit des Tourismus in Usbekistan führt dazu, dass immer mehr, teils massive, Hotelinfrastrukturen gebaut werden müssen, um der wachsenden Nachfrage der Touristen folge leisten zu können. Um diese Hotels so nah wie möglich an die touristischen Städten zu setzen, werden zwangsläufig alte Mauern zerstört und neues Beton gegossen &#8211; ganz im Gegensatz zu den von der UNESCO vorgeschriebenen Prinzipien des Erhalts historischen Erbes.</p>
<p style="text-align: justify">Außerdem ist Usbekistan durch diese Politik im Vergleich zu seinen Nachbarn bei weitem kein günstiges Urlaubsziel. Der Durchschnittspreis eines Hotelzimmers in einem drei Sterne Hotel liegt bei 50 Euro pro Nacht. Dazu muss man aber bemerken, dass die Preise nach dem offiziellen Währungskurs gerechnet sind (aktuell 1 Euro = 3000 Sum) und Touristen ihr Geld auf dem Schwarzmarkt wechseln können (wo man für einen Euro bis zu 6800 Sum bekommt), so dass sich der reale Preis mehr als halbiert. Die meisten anderen „inoffiziellen“ Herbergen definieren ihre Preise aber nach dem Schwarzmarktkurs.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Folgen sind zu erwarten? </strong></p>
<p style="text-align: justify">Heutzutage zählt Shahrisabz nur drei Hotels. Aber es haben schon Verhandlungen zum Bau weiterer Herbergen begonnen.</p>
<p style="text-align: justify">Welche Folgen wird die auf einen Massentourismus ausgerichtete Tourismuspolitik auf diesen Schlüsselsektor der usbekischen Wirtschaft haben? Es ist noch zu früh für Spekulationen. Die UNESCO schlägt jedenfalls regelmässig Alarm hinsichtlich der historischen und archäologischen Schäden, die diese Politik verursacht.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Assel Kipchakova<br />
Redakteurin für Novastan.org</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem französischen übersetzt von Florian Coppenrath<br />
Mitgründer von Novastan.org</strong></p>
<p><!--End mc_embed_signup--></p>
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