Showtime für tapfere Dichter: Der erste Poetry-Slam in Usbekistan

Erstmals fand in Usbekistan ein Poetry-Slam auf Deutsch statt. Junge Deutschlernende aus dem ganzen Land bereiteten sich eine Woche lang in Taschkent darauf vor. Die Veranstaltung wurde mit der Unterstützung der deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts von den Lektoren der Robert Bosch Stiftung Ingrid Landes und Simon Kretschmer geplant und durchgeführt.

Anfang März fand in der usbekischen Hauptstadt Taschkent an der Weltsprachenuniversität ein Workshop unter dem Motto „Entdecke den Poeten in Dir!“ statt. Deutschlernende aus ganz Usbekistan hatten die Möglichkeit, sich eine Woche lang mit kreativem Schreiben und Textarten zu beschäftigen, Performance-Seminare zu besuchen und zuletzt auf der Bühne bei einem Poetry Slam vor Publikum ihre Gedichte vorzutragen.

In sieben Tagen um die Poesie

Die jungen zukünftigen Poeten in Taschkent

Vor dem großen Chorsu-Basar in Taschkent stehen 20 Studierende aus verschiedenen Regionen Usbekistans. „Konzentriert euch nicht auf das, was ihr seht, sondern auf das, was ihr hört und riecht. Merkt euch auch die Farben und versucht, ein Gedicht über den Basar zu schreiben“, erklärt den TeilnehmernInnen der Dichter Moritz Gause, derzeit am Sprachlernzentrum in Bischkek, der speziell für die einwöchige Poetry-Slam-Werkstatt poetICH eingeladen wurde.

Kreatives Schreiben von Tauben und Hühnern

Am ersten Tag sprachen manche TeilnehmerInnen von ihrer Angst, kein Gedicht schreiben zu können. „Ich war total gespannt darauf, wie diese Woche vergehen wird. Ehrlich gesagt, ich hatte auch Angst, kein einziges Gedicht schreiben zu können, da ich es vorher nicht probiert habe“, sagte Komila Abdullaeva, Studentin aus Urgench.

Komila Abdullaeva, Studentin aus Urgench

Nach einigen Tagen intensiver Arbeit in zwei Gruppen, den „träumenden Tauben“ und den „halluzinierenden Hühnern“, konnten die jungen Poeten aber schon frei mit Wörtern und Fantasie spielen. „Wir haben Texte direkt aus unserer Seele auf’s Papier geschrieben, sind auf den Markt gegangen und haben diesen Ort beobachtet, auf andere Weise entdeckt, sozusagen wie ein Dichter. Das war sehr interessant für mich“, meint Komila.

Dichter sein ist harte Arbeit

Moritz Gause lehrte Studenten starke Bilder in ihren Gedichten zu erschaffen und erweiterte die Vorstellung über das, was ein Gedicht sein kann, da sich viele TeilnehmerInnen vor der Werkstatte in Gedicht beispielsweise ohne Reime nicht vorstellen konnten. Um ein Dichter zu werden, braucht es laut Moritz Gause, etwas in sich – Ideen, Emotionen, Erfahrung – das nach draußen will.

Die Teilnehmer bei den ersten Proben

Performance-Workshop, als Selbstausdrucksweise

Nachdem jeder mindestens einen Text verfasst hatte, zeigte Peter Schönherr, Bosch-Lektor in Bischkek, wie man diese am besten präsentieren kann: „Neben dem Verfassen eigener Texte stand auch die Präsentation der Ergebnisse im Vordergrund, denn die Bühne folgt ihren ganz eigenen Regeln. Und so lernte man die Stimme zu heben, die Stimme zu senken, mit ihr vor Wut zu beben, vor Angst zu zittern und auch vor Freude zu hüpfen, lernte seine Stimme zu finden. Geübt wurde das Reden, genauso wie auch das Schweigen. Motivation und Begeisterungsfähigkeit unter den Teilnehmern waren hoch. Es war für alle Anwesenden ein Fest“.

Auch die stimmliche Perfomance will gelernt sein

„Wir haben am Anfang des Workshops gefilmt, wie wir die Gedichte lesen, und dann, nach dem Workshop haben wir dieselbe Gedichte wieder gelesen und konnten vergleichen, ich war erstaunt, wie viel deutlicher und ausdrucksvoller alle das gemacht haben“, sagt Mirzohid Bobokulov aus Samarkand. Komila fügt hinzu, „Besonders hat mir die Übung mit den Vokalen geholfen. Peter hat mich motiviert nicht einfach den Text vorzulesen sondern auch eine Rolle dabei zu spielen, damit es noch spannender wird und auf das Publikum wirkt“.

Es gibt keine Verlierer

Der Auftritt der jungen Poeten auf der Bühne des Goethe-Instituts im Poetry-Slam Format war der Höhepunkt dieser Winterschule. Die TeilnehmerInnen lasen Texte über verschiedene Themen, Situationen und Probleme. Es gab vier Runden mit vier oder fünf TeilnehmerInnen, von denen je einer/eine ins Finale kam. Die Texte waren unterschiedlich in ihren Formen und Darstellungsweisen.

Das Publikum war neugierig und aktiv, da es von ihm abhing, wer diesen Wettbewerb gewinnen sollte. Abgestimmt wurde mittels Applaus und in manchen Runden, war dann die Reaktion auf die Gedichte oder kreativen Texten fast gleich. Mehr als einmal musste es eine Stichwahl geben und es fiel schwer, einen Gewinner zu ermitteln. Letztendlich erlang Radmila Rasuleva, Absolventin des Singapur Instituts für Management Entwicklung in Taschkent, den Sieg.

Gastbeitrag von Radmila Rasuleva

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